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Wer trägt Schuld?

Erstellt von DL-Redaktion am 28. Juli 2010

Wann tritt Sauerland zurück ?

Adolf Sauerland 2011.jpg

Am zweiten Tag nach der Katastrophe von Duisburg mit 21 Toten und über 500 Verletzten stellt sich immer mehr die Frage nach der Ursache des blutigen Ausgangs der Love-Parade. Die Verantwortlichen dafür sprechen sich selbst von jeder Schuld frei.

Auf der eilig anberaumten Pressekonferenz am Sonntag im Duisburger Rathaus standen vier Männer der internationalen Presse Rede und Antwort. Nicht das, was sie sagten, war wichtig und erhellend, vielmehr das, was nicht gesagt wurde. Ihre Gesichter sprachen Bände bei ihren vorgefertigten, vom Blatt abgelesenen, Statements. Der Hauptsponsor und Organisator der letztjährigen Love-Parades, der Multimillionär Rainer Schaller wirkte sehr angefasst als er das sofortige und endgültige Aus der Love-Parade verkündete, da sie „ab heute für immer mit diesen schrecklichen Ereignissen in Verbindung gebracht werden würde..“ Der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Adolf Sauerland von der CDU, brachte sein Entsetzen und Mitgefühl zum Ausdruck, erklärte aber auch, das das „Sicherheitskonzept“ der Stadt diesem Ereignis angemessen war. In diesem Tenor äussersten sich auch Wolfgang Rabe, der Leiter des Krisenstabes und Detlef von Schmeling, der Polizeipräsident der Stadt Duisburg.

Für alle stand fest, bei der Vorbereitung zu diesem Mega-Event alles nur erdenklich Mögliche im Vorfeld geleistet zu haben. Dies zu wiederholen, wurden sie nicht müde.

Allerdings stellen sich die Dinge derzeit anders da. Die Staatsanwaltschaft Duisburg hatte bereits am Sonntagmorgen Unterlagen im Rathaus Duisburg sichergestellt, die manches in einem völlig anderen Licht aussehen lassen. Dort wurde u.a. festgestellt, das der Veranstaltungsplatz bei weitem nicht für einen derartigen Besucherandrang ausgerichtet war. In internen Papieren ist für die maximale Zahl von bis zu 250000 geplant worden. Tatsächlich waren aber weit über eine Million Raver und Raverinnen nach Duisburg gereist. Dies war in jedem Fall auch zu erwarten, sieht man auf die vorangegangenen Events der letzten Jahre zurück. Und es gab im Vorfeld viele, auch interne, kritische Stimmen, diese Love-Parade nicht in Duisburg durchzuführen. Insbesondere der Tunnel, der einzige Zugang zum Veranstaltungsplatz, war immer als gefährlich und problematisch betrachtet und eingeschätzt worden. Darüber setzten sich alle Verantwortlichen hinweg.

Mittlerweile wurde bekannt, das der ehemalige Polizeipräsident der Stadt Bochum, Thomas Wenner, Anzeige gegen den Duisburger OB Sauerland erstattet hat. Wenner hatte vor einem Jahr die Love-Parade wegen massiver Sicherheitsbedenken für die Stadt Bochum abgesagt.

OB Sauerland sollte heute der Öffentlichkeit seinen Rücktritt erklären. Politiker sind schon für weit weniger von ihren Ämtern zurückgetreten. Mit ihm auch der Leiter seines Planungsstabes und der amtierende Polizeipräsident. Sie würden damit einen Teil der Verantwortung übernehmen und den vielen Opfern und ihren Angehörigen der Katastrophe vom Samstag Respekt zollen. Bleiben sie aber weiter auf ihren Stühlen kleben, wird ihnen der Vorwurf des Zynismus nicht zu ersparen sein.

Wie immer am Ende die Analyse der Staatsanwaltschaft aussehen wird, wie und warum es zu dieser Massenpanik in Duisburg kam, so wichtig wäre jetzt ein Zeichen der politisch Involvierten in Duisburg, Verantwortung zu übernehmen.

Rücktritte sind unausweichlich. Mit jedem weiteren Tag, der ins Land zieht, wird die Unglaubwürdigkeit der Hauptverantwortlichen in Duisburg offenbarer. Mittlerweile sind die Flaggen des Landes NRW auf allen öffentlichen Gebäuden anlässlich der Trauer um die 21 Opfer auf halbmast gesetzt.

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Fotoquelle : xtranews.dehttp://www.flickr.com/photos/xtranews/6840381553/sizes/l/in/photostream/

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  • File:Adolf Sauerland

 

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Blood Parade

Erstellt von DL-Redaktion am 28. Juli 2010

Die Duisburger love Parade

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/08/2010_07_24_loveparade_2010_duisburg_0141.jpg

Was ein fröhliches Raver-Happening unter sonnigem Himmel in Duisburg werden sollte, ist nun zu einer Katastrophe mit nunmehr mindestens 19 Toten und weit über 300 Verletzten, einige davon schwer, geworden! Es wurde zum Ende der Love-Parade.

Die Veranstalter dieses Massen-Happenings mit der sonst fröhlichen eigenen Website haben vermutlich alles, was es an Sicherheitsvorkehrungen zu bewerkstelligen gab, ausser Acht gelassen und dem Profit unterstellt.  Es gab bereits im Vorfeld sehr deutliche und kritische Mahner, die darauf hinwiesen, das die Tunnelverbindung zwischen Anreisepunkt und Veranstaltungsplatz für die erwarteten Menschenmassen viel zu gering sei. Allein, sie wurden nicht gehört. Duisburgs Oberbürgermeister  Adolf Sauerland (CDU) sagte, das Sicherheitskonzept für die Love Parade sei stichhaltig gewesen. Den genauen Hergang müsse nun die Polizei ermitteln. Aber auch am Verhalten der Sicherheitsbehörden wurde bereits kurz nach der Katastrophe massive Kritik seitens von Teilnehmern der Love-Parade 2010 geübt. „Viel zu unkoordiniert und überfordert seien sie gewesen..!“ sagte unter anderem ein männlicher Teilnehmer dem Nachrichtensender N-TV.

Selbst der Gründer der Love – Parade, der Berliner DJ Dr. Motte gab in seinem ersten Statement dazu, fassungslos den Veranstaltern die Alleinschuld.  Schudzuweisungen allerorten, was aber zuerst zählt sind die Toten und Verletzten. Überwiegend junge Menschen, die gestern morgen aufbrachen in Richtung Duisburg, um einen tollen Tag zu erleben, von dem sie den Rest des Jahres zehren wollten. Nun kommen mindestens 19 von ihnen nie mehr zurück.  Und viele andere wieder werden verletzt und psychisch gezeichnet in ihre Heimatorte zurückkehren.

Nach diesem Desaster muss nun die Staatsanwaltschaft die Scherben einer Veranstaltung aufsammeln, die für die Stadt Duisburg mehrere Nummern zu groß war. Zu absehbar musste es gewesen sein, das eine derartige Menschenmasse in Gefahr geraten könne, die durch ein solches Tunnel – Nadelöhr zum Veranstaltungsplatz gelangen muss. Es hätte allen Verantwortlichen klar sein müssen, das gerade zur Love-Parade viele überwiegend junge Menschen anreisen, das eine jugendliche Undiszipliniertheit zu kalkulieren war, ebenso wie der Konsum von Alkohol. Die Menschen wurden nicht ausreichend geschützt. Das Krisenmanagement der Sicherheitsbehörden erwies sich als nicht ausreichend.

Viele Tote und Verletzte in einer Duisburger Tunnelunterführung sprechen eine beredete Sprache. Die Umstände, wie einige von ihnen zu Tode kamen und andere schwerst verletzt wurden, ist angesichts der immer brutaler nachströmenden Menschenmassen eine Horrorvorstellung. Viele junge Teilnehmer eines eigentlich friedlich-fröhlichen Musikfestes werden diese schrecklichen Bilder ihr Leben lang nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Das traurige Fazit dieser Veranstaltung lautet seit gestern: Die Love-Parade ist tot.

Um nach dem tödlichen Unglück eine noch größere Massenpanik unter den Hunderttausenden Teilnehmern der Love Parade zu verhindern, beschloss der Krisenstab in Duisburg, dass die Party erst mal weitergehen solle. Und so bekamen viele Besucher noch lange nach dem Unglück nichts von der Katastrophe und den Toten mit. Sie tanzten und ravten noch Stunden nach dem Desaster auf dem Love-Parade-Platz. Ahnungslos! Die Musik werde erst abgeschaltet, als die Menschen das Gelände vollständig verlassen hatten. Den Veranstaltern dieses Mega-Events mit tragischem Ausgang sind Vorwürfe, auch strafrechtlichen Inhalts, sicher nicht zu vermeiden. Gründliche Aufarbeitung und Aufklärung haben Priorität.

Doch zuerst gilt es der Toten und Verletzten und deren Angehörigen zu gedenken. Die Zeit der gründlichen Aufarbeitung wird kommen!

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