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In Saarwellingen wurden Stolpersteine gegen das Vergessen geputzt

Erstellt von Redaktion am Donnerstag 1. Februar 2024

von Waltraud Andruet, pax christi Saar

Vor 79 Jahren, am 27. Januar 1945, erreichten Soldaten der sowjetischen Roten Armee die Stacheldrahtzäune des Vernichtungslagers Auschwitz.

Auf dem Areal fanden sie 7.000 völlig entkräftete, bis aufs Skelett abgemagerte KZ-Häftlinge vor. Der größte Teil der Baracken, Gaskammern und Krematorien war im Auftrag der Täter gesprengt worden. Deshalb ist dieser Tag der Befreiung zum Gedenktag nicht nur an die Shoa, sondern an die Millionen Opfer der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus geworden.

Im Dritten Reich haben sich Menschen zum Herrn über Leben und Tod gemacht. Sie haben entschieden, wer Leben darf und wer nicht.

Sie haben anhand abstruser Rassegedanken festgelegt,

wer lebenswert und wer lebensunwert ist.

Und viele Deutsche haben diese Verbrechen aktiv oder geistig mitgetragen.

So sind Millionen ermordet worden. Innerhalb von drei Jahren wurden

82% der Juden im Herrschaftsbereich der Nationalsozialisten ermordet.

Wir wollen dieser Menschen gedenken,

die in den Lagern und an unzähligen anderen Orten umgebracht worden sind. Ein namenloses Grauen. Eine unfassbare Anzahl ausgelöschter Leben. Auschwitz ist zu einem Synonym geworden für einen Vernichtungswillen ungekannten Ausmaßes. Es in seinem Ausmaß und der Art und Weise der Durchführung dieser Verbrechen so radikal, dass es nach wie vor unser Denken und Handeln bestimmen muss – gegen alle Versuche, zu verdrängen, einen Strich drunter zu ziehen, gegen alle Geschichtsvergessenheit.

Ich kann das jetzt nur andeuten: aber der mörderische Vernichtungswille im Zusammenspiel mit der industrialisierten Weise der Vernichtung ist einmalig. Sie machte es den Mördern leichter, die Vernichtung zu vollziehen. Dieser Vernichtungswille und das Ausmaß der Vernichtung menschlichen Lebens sind unfassbar. Das Leid dieser Menschen unvorstellbar und grenzenlos.

Jeder einzelne hätte das Recht auf eine angemessene Erinnerung. Aber das ist unmöglich, weil die Mörder die Erinnerung an viele Menschen unmöglich gemacht haben. Machen wir uns das klar, was bedeuten würde, wenn wir jedem einzelnen der 6 Millionen Ermordeten nur eine Stunde Gedenkzeit widmen, so wie wir es auch mit unseren Lieben tun würden, dann brauchen wir 685 Jahre, um ihrer zu gedenken.

Gerechtigkeit kann ihnen nicht mehr widerfahren. Das Grauen, die Schmerzen, die Ängste, die Verzweiflung, Ohnmacht, die Entmenschlichung, die Misshandlungen, das Abstumpfen, die Kämpfe um ein Stück Brot, das elende, qualvolle Sterben … Gerechtigkeit kann ihnen nicht widerfahren. Aber Gedenken ist möglich. Wir wollen der Opfer gedenken und ihre Würde und ihre Recht auf Leben hervorheben, welches ihnen von den Mördern abgesprochen worden ist.

Zugleich ist es notwendig, die Ursachen mit in den Blick zu nehmen, um für die Gegenwart zu lernen. Das Böse dieser Tage ist nicht weit weg. Und die Täter waren keine Monster oder Aliens, sondern Menschen wie wir, auch wenn sie monströs Böses taten.

Wir sind heute nicht gefeit gegen dieses Böse, denn auch wir sind Menschen. Auch heute gibt es Menschen, die das Lebensrecht anderer einschränken oder in Frage stellen. Auch heute gibt es Menschen, die denken oder sagen: Diese da gehören nicht zu uns. Ich glaube, dass nur eine Gesellschaft, die den Stimmen der zahl- und oft namenlosen Opfern der Gewaltherrschaft Gehör verschafft und sie in die Gestaltung der Lebensverhältnisse einbezieht, überhaupt eine menschliche Gesellschaft sein kann. (Ruth Poser)

Deshalb sind wir hier, um zu erinnern und zu gedenken. Gedenken bedeutet(auch), den Bildern und Geschichten nicht auszuweichen, die in kleinen Mosaiksteinen von dem Grauen erzählen.

Davon erzählen die gut 90 geputzten Stolpersteine in Saarwellingen die jetzt wieder schön leuchten und glänzen, man muss nur hingucken, um sie zu sehen, so Waltraud Andruet.

Aus Anlass des internationalen Tags des Gedenkens an die Opfer des Holocaust haben das Kulturamt der Gemeinde und Waltraud Andruet, pax christi Saar zu der Putz Aktion eingeladen.

Peter Klauck, der ehrenamtlicher Archivar in der Gemeinde ist, hat gekonnt den interessierten Bürger/innen und Schüler der Gemeinschaftsschule an der Waldwiese, die mit ihrer Lehrerin gekommen sind, die Geschichten und Schicksale dieser Menschen nähergebracht. Die Geschichte lehrt uns doch:

Nie wieder Faschismus!

Nie wieder Diskriminierung und Rassismus!

Nie wieder Krieg!

Waltraud Andruet, pax christi Saar Saarwellingen, 29.01. 2024

Ein Kommentar zu “In Saarwellingen wurden Stolpersteine gegen das Vergessen geputzt”

  1. Philipp John sagt:

    Die Bundesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität ist eine revolutionäre, antiimperialistische Arbeitsgemeinschaft innerhalb der Partei Die Linke. Wir verstehen Palästinasolidarität als Teil eines internationalen Kampfes gegen Imperialismus, Kolonialismus und Kapitalismus.

    Wir treten für das Selbstbestimmungsrecht, Bleibe- und Rückkehrrecht der Völker und für gleiche Rechte, Sicherheit und Würde aller Menschen ein. Eine gerechte Lösung kann nur auf der Grundlage von Gleichberechtigung, sozialer Gerechtigkeit und Sozialismus entstehen.

    Als BAG bieten wir Genossinnen und Genossen, die aufgrund ihrer politischen Haltung unter Druck geraten, einen Raum zur Vernetzung, zum Austausch und zur gemeinsamen Organisierung. Solidarität heißt für uns, kollektiv zu handeln und politische Repression nicht zu individualisieren.

    Wir stehen gegen Antisemitismus, antimuslimischen Rassismus und jede Form von Unterdrückung. Unsere Solidarität ist internationalistisch, emanzipatorisch und konsequent antiimperialistisch.

    BAG Palästinasolidarität
    info@bag-palisoli.de

    https://www.die-linke.de/partei/parteidemokratie/zusammenschluesse/bag-palaestinasolidaritaet/
    Zum Vergrößern anklicken….
    _______________________________________________________________________________________________________________

    Stellungnahme von Philipp

    Ich bin für einen Palästinenser Staat.
    Dieses Volk braucht eine Heimat; einen Platz wo sie nicht vertrieben werden.
    Die NAKBA in den 40 er Jahren des letzten Jahrhunderts beschreibt eine beispiellose Vertreibung. Es musste Platz gemacht werden für den neuen Staat Israel. Auch hier anfangs ein Sammelbecken von Flüchtlingen weltweit.
    Jassir Arafat und sein israelischer Kollege Yitzhak Rabin waren nahe dran an einem Friedenspakt. Bis der israelische Verhandlungspartner von den eigenen Leuten ermordet wurde, weil die nicht teilen wollten. Netanjahu strebt ein Groß-Israel an. Das geht nicht gut. Frieden im Nahen Osten ist in weiter Ferne.
    Zukünftige Neuwahlen in Jerusalem könnten eine Wende zum Guten bringen.
    Die Hoffnung ist noch da. Shalom………

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