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SARS-CoV2 und die Medizin

Erstellt von DL-Redaktion am 2. August 2022

Vom Endkampf einer verzweifelten Wissenschaft

Von Johannes Kreis

 COVID-19 – ohne die Zoonose-Hypothese geht es nicht .  –  Der Endkampf einer verzweifelten Wissenschaft.

Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass man SARS-CoV2 im Kontext der früheren Fakedemien durch mutmaßlich neue Erreger zoonotischen Usrpungs sehen sollte, MERS, SARS(1), diverse Vogel- und Schweinegrippen, BSE von Rindern, bis zurück zu HIV. Das jüngste Beispiel sind die Affenpocken.

Aus dem historischen Kontext ergibt sich schon, dass die Laborunfall-Hypothese Unsinn ist. Es kann sich nicht in allen Fällen um einen Laborunfall gehandelt haben. Abgesehen von dem offensichtlichen Unsinn, dass eine Furin-Spaltstelle, die sich durch 2 Aminosäuren in einer Sequenz von 4 Aminosäuren auszeichnet, bei Viren eine Besonderheit darstellen soll.

U.a. werden die folgenden 4 Aminosäure langen Substrate (mindestens) von Furin als Spaltstelle erkannt: ArgXLysArgArgXArgArg aber auch ArgXXArg, wobei X eine beliebige Aminosäure sein kann. Die Schnittstelle befindet sich hinter dem Argininrest am C-Terminus in der Sequenz, also ganz rechts. Wie immer in der Biochemie sprechen wir von einer „Konsens-Schnittstelle“, d.h. man hat sich untereinander arrangiert und darauf geeinigt, was denn die Wissenschaft sein soll. Zwei Argininreste in einer Folge von vier Aminosäuren (ArgXXArg) reichen. Tatsächlich wurde auch schon ArgXXXArgArg und LysXXXLysArg als Substrat zur Spaltung durch Furin beobachtet. Vgl. auch,

  • Molloy et al., „Human furin is a calcium-dependent serine endoprotease that recognizes the sequence ArgXXArg and efficiently cleaves anthrax toxin protective antigen”, J Biol Chem 1992 Aug 15;267(23):16396-402, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/1644824/

Auf dieser kurzen Folge von 4 Aminosäuren, 2 davon beliebig, in Molekülen mit einigen Tausend Aminosäuren, baut der Unsinn auf, man hätte es mit einem Designer-(Killer)Virus zu tun. Auf der genetischen Ebene, auf der die Mutationen stattfinden, ist die Variabilität noch größer. 6 Codons (Gruppe aus 3 Nukleosiden) kodieren Arginin. Es gibt zahlreiche RNA Sequenzen, die zu ArgXXArg translatiert werden.

Und wer hat diesen Laborunsinn auf Basis von 4 Aminosäuren initiiert? Niemand geringeres als HIV Papst David Baltimore, einer der beiden Entdecker des Reverse Transkriptase Enzyms (das nicht nur bei Retroviren, sondern auch beim gesunden Menschen ganz natürlich vorkommt). Hören wir David Baltimore, hier zitiert nach dem Über-Wissenschaftsjournalisten Joachim Müller-Jung von der FAZ,

„Als ich diese Furin-Spaltstelle mit ihren Arginin-Kodons in der Virensequenz sah, sagte ich zu meiner Frau, das sei der unwiderlegbare Beweis für den Ursprung des Virus.“

Unwiderlegbare Beweise“. Das ist das Wissenschaftsniveau über das wir hier sprechen. David Baltimore. Er kam, er sah, er wußte. Mehr Wissenschaft geht nicht. Und dieser Herr hat über Jahrzehnte bestimmt, was über HIV gesagt werden durfte und was nicht.

Was bei dem Laborunsinn wieder zuschlägt, ist, dass die sogenannte Wissenschaft den allergrößten Teil des menschlichen Viroms gar nicht kennt. Nur ein Bruchteil ist sequenziert und in den Gen-Datenbanken erfasst. Viren mutieren zudem so schnell weiter, dass selbst, wenn man das Genom alle Viren einmal erfasst hätte, diese Varianten schnell wieder verschwunden wären und neue entstanden wären.

Man weiß es einfach nicht und man erklärt das, was man nicht weiß, als nicht existent. Aber das Vorhandensein einer kurzen Aminosäurefolge bei Ebola und Influenzaviren reicht für phantasievolle Spekulationen. Die Pharmaindustrie unterstützt dies nach Kräften. Für harmlose Viren gibt es kein Geld.

Lassen wir also den, durchaus politisch gewollten, Laborunsinn, bestehend aus 4 Aminosäuren, beiseite und kommen wir zu dem Zoonose-Humbug, also der Idee, dass die Fakedemien durch einen Virus, der von einem tierischen Wirt auf den Menschen als neuen Wirt übergesprungen ist, verursacht worden seien. Da geht es um den Kern der letzten 40 Jahre Virologie. Wir sind wieder zurück bei HIV und dem AID Syndrom, das durch HIV ausgelöst werden soll. Vor den 1980er Jahre gab es kein AID Syndrom. Der neue Erreger HIV, mutmaßlich entstanden durch drei fast zeitgleiche Zoonosen von mindestens 3 Affenarten um 1930 herum in Afrika, ist essentiell für die Virushypothese der diversen bekannten Krankheiten, die ab 1981 bei schwer drogenabhängigen und mit Geschlechtskrankheiten infizierten Homosexuellen in den USA auftraten. Ab Mitte der 1980er Jahre hat man diese bekannten Krankheiten unter dem neuen Label AID Syndrom zusammenfasst. Vgl. dazu mit weiteren Nachweisen,

In zwei Beiträgen bemüht sich die Wissenschaftscommunity nun um Belege für die ganz zentrale Zoonose-Hypothese von SARS-CoV2. Damit verteidigt man auch die weiterhin unbewiesenen Annahmen zu allen früheren Fakedemien durch mutmaßlich brandneue zoonotische Erreger.

Hier spricht die Elite der Virus-Sequenzierer, die glauben aus dem genetischen Abstand von 2 Virussequenzen, eine beim Tier (Tierwirt) und einem beim Menschen (neuer, menschlicher Wirt) eine Zoonose belegen zu können.

Ein zentraler Begriff dabei ist die Konsens-Sequenz, also die Gensequenz auf die man sich aus unterschiedlichen Messungen geeinigt hat. Welchen Sinn soll das haben? Diese Sequenz ist eine Schnittmenge aus mehreren Sequenzierungen und hat so möglicherweise nie in der Natur existiert. Aber es suggeriert, dass man es mit einem definierten Erreger zu tun hätte. So vergleicht man 2 Konsens-Sequenzen, eine beim Tier und eine beim Menschen, und erklärt, dass der genetische Abstand so klein sei, dass es sich nur um eine Zoonose handeln könne. Mehr als 95% Übereinstimmung zwischen tierischer und menschlicher Virussequenz gelten allgemein als Zoonose. Die Übereinstimmung zwischen den Konsens-Sequenzen von SARS(1) und SARS-CoV2 beim Menschen lag leider nur bei 82%. Aber, das war dann doch nahe genug, um letzteren vorsorglich schon mal severe acute respiratory syndrome corona virus (2zu nennen.

  • Chan et al., “Genomic characterization of the 2019 novel human-pathogenic coronavirus isolated from a patient with atypical pneumonia after visiting Wuhan.”, Emerg Microbes Infect. 2020 Jan 28;9(1):221-236, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31987001

“Overall, the genome of 2019-nCoV has 89% nucleotide identity with bat SARS-like-CoVZXC21 and 82% with that of human SARS-CoV.

Diesen Zahlen sind aber beliebig, da man Sequenzen, die zu weit von der Konsenssequenz abweichen in der Regel verwirft. Darüber spricht man eigentlich  nicht. Niemand weiß, welche Sequenzen nie den Weg in die Gendatenbanken, wie z.B. GISAID, gefunden haben.

“The number of variants per isolate ranged from 0 to over 30, and isolates with 30 or more variants were excluded from the analysis because they were regarded as likely low-quality sequences.”

“Low quality sequences were excluded.“

Frameshifts, d.h. durch Löschungen oder Einsetzungen von einzelnen Nukleotiden erzeugte neue Ablesemuster und damit neue Aminosäurefolgen (Primärstruktur der Proteine), werden in der Regel gar nicht erst von den Gen-Datenbanken akzeptiert. Diesen Hinweis findet man weder auf der Webseite von GISAID noch in irgendeiner Veröffentlichung. Die CoV-Glue Datenbank, ein Extrakt von GISAID,  hatte diesen Hinweis auf der Webseite, hat ihn aber inzwischen gelöscht.

“I realized our sequences may have been rejected by GISAID, without error messages from them, due to frameshift insertions and deletions.”

“As mentioned earlier, there are novel insertions and deletions in this cluster that are causing GISAID to reject our sequences.”

D.h. nachdem man eine Konsens-Sequenz herbeidefiniert hat, verwirft man jedes Signal, was davon abweicht. Das nennt man dann Wissenschaft. Und nur die geeignet vorselektierten Virussequenzen finden Eingang in die Gendatenbanken. So erhält man die falsche Theorie für die Nachwelt. Und jedes Mal wird vollkommen unterschlagen, dass nur ein winziger Bruchteil von Viren überhaupt sequenziert wird. Die Gendatenbanken würden auch ohne, dass man zu stark abweichende Sequenzen als „low-quality“ Sequenzen verwirft, nur einen Minimalausschnitt der Natur zeigen. Das ist eigentlich der zentrale Punkt. Man erklärt das, was man nicht gefunden hat, als nicht existent. Den weitaus überwiegenden Teil der in der Natur vorkommenden Virussequenzen kennt man gar nicht.

Ebenso bleibt unbeachtet, ob die verglichenen Gensequenzen beim Tier und beim Menschen jemals gleichzeitig auf diesem Planeten existiert haben. Es werden Gensequenzen verglichen, die teilweise mehrere Jahre auseinanderliegen.

Bei HIV ist man nach 40 Jahren soweit, dass man bereit ist zuzugeben, dass jeder HIV+ gemessene Mensch mindestens zwei eigene Varianten trägt. Zu diesem Punkt kann man die Nobelpreisträgerin und HIV Mit-Entdeckerin Francoise Barré-Sinoussi zitieren, vgl.

“Mutations of the virus occur repeatedly so that every person living with HIV has more than one virus variant [154]. During transmission, a limited number of virus variants (one to a few) are transmitted, but these will also mutate to form new variants so that no two persons’ HIV is identical [155].”

Die Definition eines genetischen Abstandes macht hier gar keinen Sinn mehr. Und das war nie anders. Diese Variabilität von HIV war von Anfang an bekannt. Dazu kann man die stellvertretende Vorsitzende des Corona-Sach­verständigen­ausschuss zur Beurteilung der Wirksamkeit der Corona-Maßnahmen zitieren, Helga Rübsamen-Schaeff, damals noch Helga Rübsamen-Waigmann.

  • Rübsamen-Waigmann er al., “Isolation of variants of lymphocytopathic retroviruses from the peripheral blood and cerebrospinal fluid of patients with ARC or AIDS”, J Med Virol 1986 Aug;19(4):335-44, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2427649/

“Our results supplement the accumulating evidence of genetic variation among LAV/HTLV-III strains. The extent of this variation needs to be evaluated for any effect on the sensitivity of diagnostic tests, on the strategy of vaccine development, on tissue tropism by altering the viral surface receptor-binding sites, and possibly on the development of specific chemotherapy.”

So steht es auch in dem Lebenslauf von Frau Rübsamen-Schaeff bei der Leopoldina, vgl.

„Helga Rübsamen‐Schaeff hat am Georg‐Speyer‐Haus in Frankfurt die ersten HIV‐Stämme aus Patienten in Deutschland isoliert und dabei die Variationsfähigkeit des Virus erkannt.“

Im Umfeld der mutmaßlichen COVID-19 Pandemie (von der WHO Gnaden) sammelt sich alles was mit HIV Karriere gemacht hat. Nur allzu kritisch durfte man nicht sein. Der Rest kam von selbst. Welche Konsequenzen die enorme Variationsfähigkeit von HIV für die Theorie hat, z.B. wie es sich jedes Mal um denselben molekularen Mechanismus handeln kann, hat Frau Rübsamen‐Schaeff nie gefragt. Sie hat mutmaßliche Medikamente gegen ein mutmaßliches Pathogen entwickelt, dass bei jedem Menschen anders aussieht und damit die Welt gerettet.

Die Wissenschaft weiß um die Variabilität menschlicher Viren, aber sie verschweigt sie der Öffentlichkeit. Denn man braucht einen definierten Erreger, und auf der molekularen Ebene muß es jedes Mal derselbe Mechanismus sein, trotz aller Variabilität. Es könnte Zweifel nähren, wenn man den zu Patienten erklärten HIV+ gemessenen Menschen sagen würde, dass jeder seine eigene, individuelle Infektion und damit seine eigene, individuelle „Erkrankung“ hat.

Was macht man nun mit den vielen Varianten, die man von SARS-CoV2 in Wuhan gefunden hat (ungeachtet der Tatsache, dass auch diese vielen Varianten nur einen Minimalauschnitt des Coronaviroms in ca. 1 Mio. menschlicher Lungen in Wuhan darstellen)?  Diese gefundenen Varianten sind ja schon in der Datenbank und man kann sie nicht einfach löschen. Man macht einfach multiple Zoonosen daraus, schon passt die Theorie wieder, vgl. Pekar et al. (2022),

„As with other coronaviruses, SARS-CoV-2 emergence likely resulted from multiple zoonotic events.”

Dann erklärt man die störenden Sequenzen zu Restanten aus fehlgeschlagenen Übertragungen im Dezember 2019 bei Menschen in Wuhan und konzentriert sich auf 2 Linien, die sich durchgesetzt hätten. Schon hat man einen einigermaßen definierten Erreger und die unterstellte Variantenfolge passt zum halbjährlichen Impfabo.

Man muß inzwischen auch Rücksicht nehmen, auf das, was man in den letzten 2 Jahren schon erzählt hat. Und deshalb sind das wieder genau die Konsens-Sequenzen auf die man sich im Frühjahr 2020 geeinigt hatte. Schon hier, und das geht in der medialen Wiedergabe etwas unter, sprechen wir von mindestens 2 Zoonosen, die zeitgleich auf dem Fischmarkt in Wuhan stattgefunden haben sollen. Vgl. ebenda,

„Here, we resolve this paradox by showing that early SARS-CoV-2 genomic diversity and epidemiology is best explained by at least two separate zoonotic transmissions, in which lineage A and B progenitor viruses were both circulating in non-human mammals prior to their introduction into humans.”

Gemäß den Simulationsergebnissen von Pekar et al. (2020) betrugt das Verhältnis von erfolgreichen zu fehlgeschlagenen Zoonosen ca. 1:5. D.h. um die mindestens erforderlichen unterstellten 2 Zoonosen auf dem Fischmarkt in Wuhan zu erreichen, muß es demnach mindestens 10 Zoonosen gegeben haben, 8 davon führten nicht zu einer Fakedemie.

Vgl. Supplementary Material zu Pekar et al. (2022),

“Our epidemic simulations had a success rate of approximately 22.2% (1100 successful introductions; 3857 failed introductions). To simulate the number of cross-species transmissions needed to achieve two successful introductions, we treated successful introductions as Bernoulli trials, with a success rate of 22.2% and simulated trials until there were two successful trials.”

Wuhan im Dezember 2019 muß das Eldorado der Zoonotiker gewesen sein, so die wissenschaftliche Mutmaßung.

Bei Worobey et al. (2022) sieht es nicht viel besser aus.

„While there is insufficient evidence to define upstream events, and exact circumstances remain obscure, our analyses indicate that the emergence of SARS-CoV-2 occurred via the live wildlife trade in China, and show that the Huanan market was the epicenter of the COVID-19 pandemic.”

Dort geht man soweit, dass man glaubt die Zoonose-Ereignisse fast auf den Quadratmeter genau zuordnen zu können.

Vgl. Worobey et al. (2022),

“Spatial analyses within the market show that SARS-CoV-2-positive environmental samples, including cages, carts, and freezers, were associated with activities concentrated in the southwest corner of the market. This is the same section where vendors were selling live mammals, including raccoon dogs, hog badgers, and red foxes, immediately prior to the COVID-19 pandemic.”

Vgl. Supplementary Material Worobey et al. (2022),

“It is evident that the placement of the red markers using our approach likely generally introduces less than about 50 m of error.”

Diese Pseudopräzision ist kennzeichnend für Arbeiten, die im Grunde nur spekulieren, aber keinen echten Beweis für die aufgeworfene Hypothese liefern können.

Der wesentliche Beweis, nämlich, dass es vor November oder Dezember 2019 keine SARS-CoV2 Varianten beim Menschen gegeben hat, fehlt in beiden Arbeiten. In dieser Zeit hat nur niemand danach gesucht. Das Nicht-Wissen um eine solche Variante wird gleichgesetzt mit der Nicht-Existenz.

Im Kern weiß man nichts, aber man fängt die Veröffentlichung schon mal vorsorglich mit Sätzen wie diesem an, vgl. Pekar et al. (2022),

Severe acute respiratory syndrome coronavirus 2 (SARS-CoV-2) is responsible for the coronavirus disease 19 (COVID-19) pandemic that caused more than 5 million confirmed deaths in the two years following its detection at the Huanan Seafood Wholesale Market (hereafter the ‘Huanan market’) in December 2019 in Wuhan, China.”

Das ist altes HIV-Sprech. Millionen von Toten werden erstmal vorangestellt und die Kausalität ist in jedem einzelnen Fall gesetzt.

Das kommt nicht von ungefähr, denn zwei der Autoren, Joel Wertheim und Michael Worobey, sind alter HIVler, so wie sich viele alte HIVler jetzt um SARS-CoV2 bemühen, weil es bei HIV nicht weitergeht. Alle vor 40 Jahren offenen Fragen sind weiterhin offen, vgl. Kreis (2022).

Wertheim und Worobey waren es, die 2009 den Ursprung des mutmaßlichen Vorgängervirus von HIV, d.h. SIV bei Affen, auf 1492 bei Schimpansen und 1809 bei Rußmangaben aus der Familie der Meerkatzenverwandten datierten. Vgl.

“Here, we use relaxed molecular clock dating techniques to estimate the time of most recent common ancestor for the SIVs infecting chimpanzees and sooty mangabeys, the reservoirs of HIV-1 and HIV-2, respectively. The date of the most recent common ancestor of SIV in chimpanzees is estimated to be 1492 (1266-1685), and the date in sooty mangabeys is estimated to be 1809 (1729-1875).”

“Comparisons between the SIV most recent common ancestor dates and those of the HIV lineages suggest a difference on the order of only hundreds of years. Our results suggest either that SIV is a surprisingly young lentiviral lineage or that SIV and, perhaps, HIV dating estimates are seriously compromised by unaccounted-for biases.”

Das ist nun ganz offensichtlich haarsträubender Blödsinn, angesichts der weiten Verbreitung von SIV bei über 40 Affenarten und dem Vorkommen analoger Lentiviren bei zahlreichen anderen Säugetieren wie Katzen, Hunde, Pferde, Rinder und Schafe. Und ca. 120 Jahre später soll dann aus dem brandneuen SIV bei Rußmangaben HIV-2 entstanden sein, so die Annahme. Man wundert sich was die Evolution die letzten 100 Mio. Jahre gemacht hat.

Ein Jahr später, in 2010, hat Worobey dann versucht durch die Betrachtung einer Inselpopulation von Affen mehr Zeit rauszuholen. Vgl.

“Our phylogeographic approach establishes that SIV is ancient and at least 32,000 years old. Our conservative calibration point and analyses of gene sequence saturation and dating bias suggest it may be much older.”

Inzwischen ist man bei einigen Millionen Jahren für das Alter von SIV, dem mutmaßlichen Vorläufer von HIV,

“The pattern of adaptive mutation suggests that SIV has been infecting OWM on timescale of millions of years.”

Dann passierte einige Millionen Jahre nichts und Bumm, um 1930 herum, kam es dann in Afrika zur Katastrophe und ein neuer zoonotischer Killervirus entstand, vgl.

“Using a comprehensive full-length envelope sequence alignment, we estimated the date of the last common ancestor of the main group of HIV-1 to be 1931 (1915-41). Analysis of a gag gene alignment, subregions of envelope including additional sequences, and a method that relaxed the assumption of a strict molecular clock also supported these results”

Das ist die Konsenstheorie der modernen Medizin, denn, wie gesagt, die Theorie benötigt den neuen Erreger ab 1980 für das AID Syndrom. Man muß dazu wissen, dass HIV der Theorie nach ein „Langsamer Virus“ sein soll (Lentivirus), bei dem zwischen Infektion und dem Ausbruch von Symptomen 15  – 20 Jahre liegen sollen. Wenn man das von 1980 zurückrechnet, landet man ungefähr bei 1930.

Unabhängig davon, welche Probleme die molecular clock Methode hat, es gibt dieselben Probleme bei allen RNA Virusarten. Wenn SIV beim Affen einige Millionen Jahre alt ist, die Analyse nach der molecular clock Methode aber nur einige Hundert Jahre ergibt, so läßt das auch den Schluß zu, dass das Alter von HIV ebenfalls falsch geschätzt wurde und HIV beim Menschen auch wesentlich älter ist als bislang unterstellt. Damit bricht die Virushypothese des AID Syndroms ab 1980 zusammen.  Kritik an der molecular clock Methode bei RNA Viren, zu denen auch die Lenitviren gehören, gibt es schon lange. Man ist sich des damit einhergehenden Problems für die Theorie schon lange bewußt. Vgl.

The key to establishing a timescale of viral evolution lies in accurately determining the rate of nucleotide substitution. Most analyses undertaken to date suggest that the average rate of nucleotide substitution in RNA viruses is 10−3 substitutions per site per year, with an approximately fivefold range around this (21). The fact that broadly similar rates are found in RNA viruses with very different genome organizations and lifestyles implies that both the error rate associated with RNA polymerase, estimated to be about one mutation per genome replication (10), and the rate of viral replication are roughly constant. If the average substitution rate of 10−3 substitutions/site/year is accurate, then, on average, every nucleotide position will have fixed 1 substitution after 1,000 years of evolution (corresponding to an average divergence time between two lineages of only 500 years).”

“However, in some cases such a recent origin conflicts with other evolutionary data. Perhaps the most notorious example is that of the primate lentiviruses, which include the human immunodeficiency virus types 1 and 2 (HIV-1 and HIV-2) and a growing list of simian immunodeficiency viruses (SIVs) that infect a wide variety of African monkeys (19). At face value, it would appear that these viruses have been associated with their host species for millions of years. Not only are they asymptomatic in their natural hosts, which when compared to the high virulence of HIV suggests that they have evolved stable associations over an extended time period, but the phylogenies of the viruses and the hosts often match, which implies that the viruses and the hosts have undergone cospeciation. Although the divergence times of the primate species in question are often uncertain, it is clear that virus-host cospeciation must mean a viral evolutionary history dating back millions of years.”

Vier Jahre altes Mädchen mit Affenpocken

Aber man verschließt sich der Diskussion zu diesem Punkt, wie zu jedem anderen Punkt, und klammert sich an krampfhaft an unbewiesene Hypothesen. So bleibt man im Konsens. Das plant man auch weiterhin zu  tun, wie die neue Position des Herrn Drosten, dem deutschen Vorzeigevirologen und Konsens-Propheten, zeigt. Herr Drosten schwimmt mit im Konsens und wird dafür gefeiert und belohnt.

Wer am Konsens zweifelt, wird zum Leugner deklariert. Derweil sucht die WHO eifrig nach neuen Bedrohungen durch mutmaßlich neue Erreger. Das letzte Beispiel sind jetzt die Affenpocken.

Bei allen Gemeinsamkeiten zwischen den diversen Fakedemien, gibt es natürlich Unterschiede zwischen den verschiedenen Virusarten. An Coronaviren kann man erkranken, und diese Viren sind für ältere Menschen gefährlich. Da muß dann auch therapiert werden. Das war aber noch nie anders. Coronaviren waren immer Teil der saisonalen Virenwellen.

HIV hingegen ist ein harmloser Passengervirus. Ein positiver HIV Test steht in keinem Zusammenhang mit irgendeiner Form von Erkrankung. Die Schäden bei therapierten HIV+ gemessenen Menschen ohne weitere Vorerkrankungen gehen allein auf die „Medikation“ zurück. Hier zeigt sich aber wieder eine Parallele zu SARS-CoV2, nämlich, wie man mit Nebenwirkungen umgeht.

Mit derselben Gleichgültigkeit wie bei den COVID-19 Impfschäden ist man bei den hochgiftigen Substanzen der angeblichen HIV Therapie (nicht AIDS Therapie!) hingegangen und hat die tödlichen Nebenwirkungen verharmlost und dem Virus untergeschoben. Die Schäden durch die mutmaßlich antiretroviralen Therapien übersteigen die Opfer der COVID-19 Impfungen allerdings um ein Vielfaches. Niemand kann die jahrelange angebliche antiretrovirale Behandlung mit Zellgiften aus der Chemotherapie unbeschadet überleben.

Die Opfer dieser Wissenschaftskatastrophe interessieren niemanden, schon gar nicht die Pseudo-Elite  der Ärztefunktionäre, der Virologen und der Teflon-Ethiker, die sich so penetrant von den Medien als Weltenretter feiern lassen.

Der Zoonose-Humbug ist eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes. Es wird noch mindestens eine Generation dauern, bis darüber offen gesprochen werden kann.

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Information statt Panik

Erstellt von DL-Redaktion am 19. Juli 2022

(Ex-)Taskforce: Einmal mehr schlecht kommuniziert

Datei:Patch Task Force Covid-19.svg

Dürfen denn die von der Politik bestellten und bezahlten Experten-Innen etwas anderes sagen, als das was ihnen vorgegeben wird? Die Chefs wissen doch immer schon alles und kaufen sich nur Bestätigungen.

Quelle      :        INFOsperber CH.

Von    :    Martina Frei /   

Wissenschaftler sollten so kommunizieren, dass sich Laien ein Bild machen können. Das tun sie in entscheidenden Momenten nicht.

Je länger die Pandemie geht, desto schwieriger wird es, Mitglieder der ehemaligen Nationalen Covid-19 Taskforce und andere Wissenschaftler ernst zu nehmen, wenn sie Risiken und Nutzen kommunizieren. Das begann schon im Sommer 2020 mit den Masken und setzt sich – leider – fort.

Anstatt damals sinngemäss ehrlich zu sagen, «wir wissen nicht genau, was Maskentragen in der Öffentlichkeit bringt, die Beweislage ist dünn, aber wir gehen stark davon aus, dass sie nützen. Deshalb schlagen wir in der jetzigen Situation vor, sie zu tragen», entschied sich die damalige Taskforce unter der Leitung von Matthias Egger für eine Vertrauen zerstörende Kommunikation.

Den Nutzen gross erscheinen lassen

Etwas vom Ersten, das Studierende bei Professoren wie Egger und seinen Public Health Kollegen lernen, ist, wie unterschiedlich man Risiken kommunizieren kann – und wie man es besser nicht tun sollte.

Im Sommer 2020 beispielsweise hätte die Taskforce kommunizieren können, dass ihrer Schätzung nach damals eine von etwa 300 Personen mit dem Coronavirus infiziert war. Sie tat es nicht.

Sie hätte damals auch mitteilen können, dass eine mit diversen Mankos behaftete Studie schwache Hinweise geliefert hatte, dass Masken das Übertragungsrisiko um rund 14 Prozent senken könnten. Auch das tat die Taskforce nicht.

Stattdessen verbreitete sie die Information, dass Masken das Übertragungsrisiko des Corona-Virus um bis zu 80 Prozent senken könnten – und griff damit auf einen Trick zurück, den alle anwenden, die einen Nutzen möglichst gross erscheinen lassen möchten.

Beide Angaben – 14 Prozent wie 80 Prozent – stimmen. Allerdings tönt die relative Risikoreduktion von 80 Prozent beeindruckender als die absolute Risikoreduktion von 14 Prozent. Dass ausgerechnet Fachleute, die Studierende auf genau solche Tricks hinweisen, selbst dazu griffen, war mehr als enttäuschend. Leider war dies kein einmaliger Ausrutscher.

Auch komplexe Dinge lassen sich erklären

Tanja Stadler, die letzte Präsidentin der (inzwischen aufgelösten) Taskforce hat erst kürzlich im SRF Info wieder ähnlich argumentiert (Infosperber berichtete). Sie gab an, dass Personen über 60 Jahre ohne eine vierte Impfung ein dreimal so grosses Risiko für einen schweren Covid-Verlauf hätten – lieferte aber keine einfach verständlichen, absoluten Zahlen.

Der Einwand, das Ganze sei kompliziert und auch abhängig vom Infektionsgeschehen, ist berechtigt. Aber Spezialistinnen wie Stadler können ihn nicht geltend machen. Denn diese Komplexität liesse sich in wenigen Sätzen erklären, bei der exponentiellen Infektionsausbreitung ebenso wie bei den Masken und jetzt bei den Impfungen.

Unverständlich ist auch, dass bei den Nutzen-Risiko-Analysen alle über 60-Jährigen permanent «in einen Topf geworfen werden» mit 80-Jährigen – obwohl das Bundesamt für Gesundheit schon lange vor der Omikron-Phase festgestellt hatte, dass das Risiko, im Zusammenhang mit Covid hospitalisiert zu werden, bei den 60-Jährigen anfangs rund 5 von 100 Personen betraf, bei den 80-Jährigen aber etwa 20 von 100, also viermal so viele.

Die «vierte Gewalt» nimmt es hin

Seit Beginn der Impfkampagne wird kaum berichtet, wie gut oder schlecht die Impfung die über 80-Jährigen schützt. Die US-Gesundheitsbehörde CDC etwa wies für die Jahrgänge der Fünf- bis Elfjährigen und für die 12- bis 15-Jährigen separat aus, wie die Impfung wirkt – während sie dasselbe für die über dreissig Jahrgänge ab 65 Jahren nur pauschal beantwortet. Obwohl Daten dazu vorhanden sein müssen, werden sie kaum publik (Infosperber berichtete). Hinzu kommt, dass zum Beispiel in wichtigen Studien aus Israel zur Wirksamkeit der Impfung genau jene Bevölkerungsgruppen, die von Covid besonders betroffen sind – pflegebedürftige alte Menschen und Heimbewohner – ausgeschlossen waren.

Ähnlich lückenhaft sind die Angaben zum Vergleich der Gesamtsterblichkeit bei Geimpften und Ungeimpften. In Medikamentenstudien ist es durchaus üblich, nicht nur zu prüfen, wieviele Menschen das Medikament vor der Erkrankung bewahrt, gegen die es gedacht ist. Sicherheitshalber wird in der Regel auch untersucht, ob insgesamt mehr Menschen sterben, wenn sie das Medikament nehmen. Denn es könnte ja sein, dass das Arzneimittel zwar vor Krankheit A schützt, zugleich aber das Problem B verursacht. Dieser Blick auf die Gesamtsterblichkeit fehlt jedoch beispielsweise in wichtigen Impfstudien aus Israel, etwa zur zweiten Boosterimpfung – obwohl die Daten vorhanden sein müssen. Dass Forschende solche, eigentlich selbstverständliche Informationen selbst auf Nachfrage hin nicht liefern, zerstört Vertrauen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die transparent informieren möchten, sollten sich daran erinnern, wie man Ergebnisse gut kommuniziert. Das deutsche «Institut für Gesundheit und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen» etwa macht es auf seiner Website gesundheitsinformation.de zu den Impfstoffen vor. Auch die Medienschaffenden sind in der Pflicht: Sie sollten nachhaken, wenn Zahlen genannt werden, die schon a priori unplausibel wirken, wenn wichtige Informationen «unter den Tisch fallen» oder wenn (wieder) bloss relative Angaben gemacht werden. Tun sie es nicht, sind das handwerkliche Unterlassungen, die zeigen, dass sie ihre Aufgabe als «vierte Gewalt» nicht wahrnehmen – ausgerechnet in der Pandemie, von der die ganze Bevölkerung betroffen ist.on

FREIE NUTZUNGSRECHTE

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Grafikquellen        :

Oben      —      Patch da Task Force para o Plano de Vacinação contra a COVID-19 em Portugal. Decalcado a partir de foto de patch utilizado pelo VAlm Gouveia e Melo encontrada aqui.

Verfasser RickMorais       /    Quelle    :     Eigene Arbeit      /       Datum    :    30. Dezember 2021

Diese Datei ist lizenziert unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International Lizenz.

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Unten    —          Karikatur: Um die allgemeine Impfpflicht durchzusetzen, wird die Hilfe von Tierärzten benötigt.

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Nicht ob, sondern wie

Erstellt von DL-Redaktion am 15. Juli 2022

Frauen brechen ungewollte Schwangerschaften ab

Datei:Bundesarchiv B 145 Bild-F079098-0013, Göttingen, Demonstration gegen § 218.jpg

Von  : Eiken Bruhn

Legal oder illegal – ganz egal. Entscheidend ist, wie es für alle Beteiligten am schonendsten ist. DU, FDP und AfD werfen Grünen und SPD vor, kaltherzig Föten auf dem Altar der Emanzipation zu opfern.

Ob in Deutschland ein „Kulturkampf“ drohe, weil Grüne und SPD Abtreibungen legalisieren wollen, fragte jüngst Die Zeit und stieg mit einer Doppelseite in den Ring – gegen das Vorhaben. Eine US-amerikanische Juristin verbrämte das im Interview gar als feministisches Anliegen: Po­li­ti­ke­r-In­nen seien gezwungen, frauenfreundliche Gesetze zu erlassen, wenn Abtreibungen unmöglich sind.

In einem zweiten Text ging es um den deutschen Paragrafen 218, der Schwangerschaftsabbrüche als Tötungsdelikte unter Strafe stellt. Das sei ein „gutmütig-fauler Kompromiss“, schreibt die Autorin. Weil das Gesetz Ausnahmen erlaube. Wer die Schwangerschaft innerhalb der ersten zwölf Wochen nach Pflichtberatung und dreitägiger Bedenkzeit abbrechen lässt, wird nicht bestraft. Das führe dazu, glaubt sie, „dass eine Frau in den ersten drei Monaten mit dem Fötus machen kann, was sie will“. Falsch, denn sie darf sich keine Kleiderbügel einführen; die Schwangerschaft muss von einem Arzt oder einer Ärztin abgebrochen werden. Aber ja, jede Person darf eine Schwangerschaft austragen – egal, wie Lebensumstände und charakterliche Eignung sind.

Die Wochenzeitung, die sich gerne als Stimme der vernünftigen Mitte geriert, sortiert sich damit zwischen CDU, FDP und AfD ein, die der Linken, Grünen und SPD vorwerfen, kaltherzig Föten auf dem Altar der Emanzipation zu opfern. Das können Konservative, weil in Deutschland stets die Frage gestellt wird, ob Frauen Schwangerschaften abbrechen dürfen. „Nein! Weil Babys sterben!“, jammern die einen, „Doch! Weil Frauen keine Gebärmaschinen sind!“, schreien die anderen.

Dabei gerät aus dem Blick, dass nach dem wie gefragt werden müsste. Denn selbst wenn sie Strafen befürchten oder weit reisen müssen: Menschen mit Uterus brechen Schwangerschaften ab. Das zeigt die deutsche Geschichte, das zeigen Ländervergleiche. Auch der Paragraf 218 hat daran nichts geändert, obwohl das Auftrag des Bundesverfassungsgerichts war. Das hatte 1993 einen „Schutzauftrag“ des Staates erkannt. Der Gesetzgeber soll überprüfen, ob das Gesetz ihn erfüllt. Getan hat er das nie. Es gibt nur die Zahlen des statistischen Bundesamts. Danach brachen 1996 0,66 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter eine Schwangerschaft ab, 2021 waren es fast genau so viele: 0,56 Prozent. In diesem Zeitraum hat sich Jugendstudien zufolge unter anderem das Verhütungsverhalten verbessert. Weil es vor 1996 keine Statistik gab, lässt sich nicht prüfen, ob der Anteil davor signifikant höher war.

Die Lieblingsthese derjenigen, die Abtreibungen erschweren wollen, ist, dass Frauen die Kinder bekommen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. So argumentierte Die Zeit im März 2018, als sie davor warnte, Paragraf 218 zu kippen: „Wer Schwangeren helfen will, muss etwas für Hebammen tun, bessere Betreuungsmöglichkeiten schaffen und Alleinerziehende unterstützen.“ Ähnliches sagten Red­ne­r:in­nen im Bundestag, als sie 1995 das gültige Abtreibungsrecht beschlossen.

Nun hat sich seitdem einiges getan. So gibt es einen Rechtsanspruch auf Kindertagesbetreuung. Und fast genau so viele Abbrüche. Wie individuell die Gründe sind, nicht jede Schwangerschaft auszutragen, zeigen Studien. Den größten Einfluss haben, nach einer Untersuchung an der Universität Bremen, Trennungen.

Die Frage kann daher nur lauten: Wie können Schwangerschaften so abgebrochen werden, dass alle Beteiligten am wenigsten leiden? Erste Antwort: So früh wie möglich. Weil dann das Komplikationsrisiko am niedrigsten ist und weil ein fünf Millimeter großer Embryo in der 7. Woche etwas anderes ist als ein fünf Zentimeter großer Fötus in der 12. Woche mit Armen und Beinen. Kein „Kind“ – aber auch kein „Zellklumpen“. Zweite Antwort: Möglichst oft medikamentös. Das ist schonender für Frau, Ärztin und womöglich auch für den Fötus. Ob er dabei stirbt oder nie ­leben wird wie Tausende Frühgeburten ist eine metaphysische Diskussion, die juristisch und sachpolitisch ins Nichts führt.

Wichtiger sind die Fakten: Medikamentöse Abbrüche liegen in Deutschland mit einem Anteil von 31,5 Prozent deutlich unter dem anderer europäischer Länder. Abbrüche vor der 12. Woche fanden 2021 im Durchschnitt zwar etwas früher statt als 2010, aber das gilt nicht für alle Bundesländer, und wie es in den Landkreisen aussieht, aus denen Frauen 100 Kilometer und mehr reisen müssen, ist unbekannt. Und: Die späten Abbrüche nach der 12. Woche nehmen stetig zu.

Quelle       :          TAZ-online         >>>>>       weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —      Göttingen, Demonstration gegen § 218Info non-talk.svg

Namensnennung: Bundesarchiv, B 145 Bild-F079098-0013 / CC-BY-SA 3.0
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Unten       —      Proklamationsmarsch am Buß- und Bettag in Berlin im November 1990. Unter dem Motto „Du sollst leben“ vereinten sich Christen, um zum Schutz des ungeborenen Lebens aufzurufen. Die Andacht wurde vor der Sankt-Hedwigs-Kathedrale abgehalten.

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Register soll Daten schaffen

Erstellt von DL-Redaktion am 4. Juli 2022

Von den Ungereimtheiten des Sachverständigengutachtens zu den  Corona-Lockdown-Maßnahmen

Von Johannes Kreis

Impfregister soll Daten schaffen – wie man während der Impfkampagne merkt, ob die Maßnahme was taugt

zu der lauwarmen Wissenschaft, wie sie im Gutachten der Sachverständigenrates zu den Grundrechtseinschränkungen und anderen Corona-Lockdown-Maßnahmen zum Ausdruck kommt, möchten wir einige Anmerkungen machen,

Dem Grundtenor des Gutachtens nach steht man 2,5 Jahre in der Krise weiterhin vor einem großen Datenproblem. Das erstaunt den Leser, denn das war den zahlreichen Talkshowauftritten von Karl LauterbachFrank Ulrich MontgomeryMelanie BrinkmannViola Priesemann oder Michael Meyer-Hermann so nicht zu entnehmen.

Der allgemeine Trend in der Wissenschaft ist wohl, dass es entweder keine Studien gibt (nach 2,5 Jahren), so dass man nichts sagen kann, oder, die Studien widersprechen sich, so dass man wieder am Fliegenfänger der Empfehlungen von Fachgesellschaften hängt, die entscheiden, welche Studien sie berücksichtigen und welche nicht.

Zu den fehlenden Daten heißt es gleich am Anfang, vgl. ebenda (Seite 8),

Ferner fehlte eine ausreichende und stringente begleitende Datenerhebung, die notwendig gewesen wäre, um die Evaluierung einzelner Maßnahmen oder Maßnahmenpakete zu ermöglichen. Mit dieser Einschränkung musste die Evaluationskommission und müssen wir als Gesellschaft umgehen. Außerdem ist festzuhalten, dass die Evaluationskommission für eine umfassende Evaluierung dieser Fragestellung weder personell ausgestattet war, noch einen ausreichend langen Evaluationszeitraum zur Verfügung hatte.“

Auch die Daten der Krankenkassen zur Krankheitslast wurden nicht genutzt. Vgl. ebenda (Seite 27),

„Selbst die Gesetzlichen Krankenkassen haben ihre enormen Datenbestände bislang offenbar erfolglos für eine datenschutzgerechte Analyse angeboten, zum Beispiel bei der Verknüpfung von Impf- mit Gesundheitsdaten, die mit einem relativ geringen Aufwand zu verwirklichen wäre.“

Das klingt etwas merkwürdig, denn vorliegende Berichte der Krankenkassen wurden auch von den „Sachverständigen“ nicht genutzt. Was in dem Gutachten fehlt, ist der Hinweis, dass die Krankenkassen schon in 2020, also vor jeder Impfung von einem niedrigen Krankenstand berichteten, und dies auch öffentlich kundgetan haben.

Der Krankenstand in Deutschland, wie ihn übereinstimmend alle Krankenkassen berichten, war in 2020 und 2021 niedriger als normal, in 2022 ist er historisch niedrig.

Krankenstand insgesamt gesunken – Insgesamt betrachtet, liefert der Gesundheitsreport jedoch keine Hinweise auf eine grundsätzliche Verschlechterung der Gesundheit von Erwerbspersonen durch die Coronapandemie. Mit einem Krankenstand von 4,14 Prozent lag das Jahr 2020 sogar unter den Werten der Vorjahre (2019 4,22 Prozent; 2018 4,25 Prozent).“

Covid-19-Diagnosen spielen eine untergeordnete Rolle – Die Krankschreibungen aufgrund der Diagnose Covid-19 spielen eine eher untergeordnete Rolle im Vergleich zu den anderen Erkrankungen. Nur 0,06 Fehltage gingen in Schleswig-Holstein im ersten Halbjahr 2021 auf das Konto von COVID-19-Diagnosen.“

„Der Krankenstand der bei der Techniker Krankenkasse (TK) versicherten Erwerbspersonen war 2021 mit 3,97 Prozent so niedrig wie seit acht Jahren nicht mehr. Das ist nochmal ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum ersten Coronajahr 2020 mit einem Krankenstand von 4,13 Prozent. Vor acht Jahren (2013) befand sich der Krankenstand mit 4,02 Prozent das letzte Mal auf so niedrigem Niveau.“

„Die Techniker Krankenkasse (TK) verzeichnet in Bayern weiter rückläufige Daten zum Krankenstand. Dieser sank im Jahr 2021 auf 3,5 Prozent, 0,1 Punkte weniger als im Vorjahr. Die krankheitsbedingten Fehlzeiten je Erwerbstägigen reduzierten sich im gleichen Zeitraum um 0,4 auf nur noch 12,6 Tage. Das ist der niedrigste Stand seit 2013.

Clinicians in Intensive Care Unit.jpg

Bei den Fehlzeiten wegen Atemwegserkrankungen wie grippale Infekte gab es 2021 sogar einen Rückgang um rund ein Viertel (minus 24,7 Prozent).“

Die niedrige Zahl an Arbeitsunfähigkeitsschreibungen bei Atemwegserkrankungen bestätigt auch die BARMER Ersatzkasse. In der Graphik sieht man, dass sich die COVID-19 Diagnosen aus den sonstigen Atemwegsinfektionen speisen.

„Der Krankenstand ist in Sachsen im letzten Jahr erneut gesunken. Er betrug bei der Techniker Krankenkasse (TK) in Sachsen versicherten Erwerbspersonen 4,15 Prozent und liegt leicht unter dem Wert von 4,2 Prozent im Jahr 2020.“

Was das Sachverständigengutachten zu den Krankenhausstatistiken sagt, ist schlicht falsch, vgl. Sachverständigengutachten (Seite 71),

„Um die Effektivität des Pandemiemanagements in Deutschland genau beurteilen zu können,  bräuchte es repräsentative Zufallsstichproben, Sentinelstichproben, aussagekräftige Statistiken zur Krankenhausbelegung und ähnliches. Methodisch müsste man systematisch mit Kontrollgruppen und Kontrollzeitpunkten arbeiten. Da diese nicht vorliegen, werden Aussagen über die Wirksamkeit von Maßnahmen, die über bloße Deskription oder Modellierung hinausgehen, erschwert.“

Zu der Krankenhausauslastung gibt es massenhaft Daten. Die Bettenauslastung in den Krankenhäusern war und ist historisch niedrig, auch schon in 2020, also vor jeder Impfung, vgl.

Die Mitglieder des Beirats betonten, dass die Pandemie zu keinem Zeitpunkt die stationäre Versorgung an ihre Grenzen gebracht hat.“

Wie das Statistische Landesamt weiter mitteilt, verringerte sich die Zahl der 2020 in den nordrhein-westfälischen Krankenhäusern behandelten Krankheiten des Atmungssystems ebenfalls gegenüber 2019 um 20,1 Prozent.“

„Im gesamten Jahr 2020 wurden insgesamt 13,8% weniger Patienten im Krankenhaus behandelt als 2019. In den ersten 26 Kalenderwochen des Jahres 2021 blieb die Fallzahl 20,1% hinter dem Vergleichszeitraum 2019 zurück. Auch die Gesamtzahl der SARI-Fälle, Intensivfälle und Beatmungsfälle blieb im Untersuchungszeitraum unter den Zahlen aus 2019.“

Inzwischen bestätigt auch der Deutsche Bundestag die niedrige Bettenauslastung. Wo haben die ihre Daten her?

„Soweit eine Verringerung der Planbettenzahl Voraussetzung für die Förderung von Maßnahmen zur Anpassung von Patientenzimmern an die besonderen Behandlungserfordernisse einer Pandemie ist, ist darauf hinzuweisen, dass  die Bettenauslastung seit Beginn der Corona-Pandemie spürbar zurückgegangen ist.“

Und dann kommt in dem Sachverständigengutachten der Hammer, zu Impfungen kann man gar nichts sagen, sondern man verweist auf die STIKO, vgl. Sachverständigengutachten (Seite 72),

Die Wirksamkeit der Impfung als Maßnahme zur Bekämpfung des SARS-CoV-2 kann aus Gründen der Komplexität nicht behandelt werde, dies schließt auch die einrichtungsbezogene Impfpflicht (§ 20a IfSG) mit ein. Es müssten nicht nur die Anzahl der Impfungen, die Altersgruppen und mögliche Gegenanzeigen bzw. Vorerkrankungen betrachtet werden, sondern auch die verschiedenen Impfstoffe sowie die möglichen Kombinationen der verschiedenen Impfstoffe in jeglicher möglichen Variation miteinander verglichen werden. Diese Komplexität in der Beurteilung der Immunität in der Bevölkerung wird auch weiter zunehmen“

Fast zeitgleich tritt Dänemark von seiner Impfempfehlung für Kinder zurück. Konnten die Sachverständigen die Telefonnummer des dänischen Gesundheitsministeriums nicht finden?

Dänemark tritt von seiner Impfempfehlung für Kinder zurück – mit dem heutigen Wissen würde die Gesundheitsbehörde nicht mehr dazu raten, Kinder zwischen fünf und elf zu impfen, sagte der Direktor Sören Bröström vor wenigen Tagen.“

Wie kann es sein, dass sich die Einschätzungen in zwei benachbarten Ländern so unterscheiden? Einmal gibt es eine klare Aussage, das andere Mal weiß man es nicht so genau. Es ist doch dieselbe Wissenschaft? Oder weiß man es auch in Deutschland genauer, will es aber nicht sagen?

Zu der Wirksamkeit und dem Nutzen-Risiko-Profil von Impfungen kann man nichts sagen. Das geht erst, wenn man ein Impfregister eingeführt hat. Erst dann sind „sichere“ Bewertungen möglich, vgl. Sachverständigengutachten (Seite 10),

„Um Impfeffektivität und -nebenwirkungen sicher bewerten zu können, ist ein datengesichertes bundesweites Vorgehen etwa durch die Einführung einer elektronischen Patientenakte, eines nationalen Impfregisters oder einer Registrierung, Auswertung und gezielten Ansprache der Versicherten durch ihre jeweilige Krankenkasse notwendig.“

Was heißt das in der Praxis? Die Ärzte und die Pharmaindustrie fangen, nach vorläufiger und bedingter Freigabe der Substanzen, auf Basis von Tierexperimenten, schon mal mit dem Impfen an, und nach einige Millionen Impfungen kann man dann im Impfregister nachschauen, wie das Nutzen-Risiko-Verhältnis ist?

Diese Anmerkung, sowie eine weitere Anmerkung zum Impfregister zeigen, wo die Reise bei den Krankenkassen hingehen wird, nämlich zur „gezielten Ansprache der Versicherten“, vgl. Sachverständigengutachten (Seite 50)

„Ein datengesichertes bundesweites Vorgehen ist zwingend notwendig so etwa durch die Einführung eines nationalen Impfregisters, eine Registrierung, Auswertung und gezielte Ansprache der Versicherten durch ihre jeweilige Krankenkasse oder die elektronische Patientenakte.“

Da ist es bis zu Malus-Regeln und Strafen für Ungeimpfte nicht mehr weit. Der Datenschutz wird europaweit aufgeweicht und es kommt der gläserne Mensch, natürlich alles nur zu seinem eigenen Schutz, vgl. Sachverständigengutachten (Seite 47/48),

Im Rahmen der Digitalisierung des Gesundheitswesens sollten Regelungen zum Datenschutz, soweit im Gesundheitsdatenraum möglich, modifiziert werden. Der Datenschutz muss von Anfang an mitgedacht werden, um die sichere Nutzung von Gesundheitsdaten für eine gute Versorgung und Forschung zu ermöglichen. Nur so kann den Patientinnen und Patienten bestmöglich geholfen werden. Diese Bestrebungen werden auch europäisch gedacht. Die Schaffung eines europäischen Gesundheitsdatenraums, den die europäische Kommission bis 2025 anstrebt, soll einen effizienten Austausch und direkten Zugriff auf unterschiedliche Gesundheitsdaten in der Versorgung und Forschung ermöglichen.“

Europäischer Gesundheitsraum, ja, aber nur solange wie die Daten genehm sind. Sonst vergessen wir das benachbarte Ausland, wie Dänemark, Schweden oder die Niederlande schnell wieder.

Ein weiterer Punkt: Wenn also die „Wirksamkeit der Impfung als Maßnahme zur Bekämpfung des SARS-CoV-2“ aufgrund der Komplexität nicht beurteilt werden kann, dann stellt sich die Anschlußfrage, was die 2G/3G Zugangsbeschränkungen gebracht haben, die ja auf der unbekannten Wirksamkeit der Impfungen aufbauen? Dazu heißt es im Sachverständigengutachten, vgl. Seite 88/89,

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„Zu berücksichtigen ist, dass 2G/3G allein bezüglich der Wirksamkeit kaum evaluiert werden kann, da diese Maßnahme nicht isoliert, sondern in der Regel – wenn auch in unterschiedlicher Intensität – in Kombination mit Masken und Abstand genutzt wurde. Aufgrund der defizitären Datenlage zur Wirksamkeit der 2G/3G-Regeln hinsichtlich der Reduktion der Infektionszahlen und der Hospitalisierungsrate kann keine klare wissenschaftliche Aussage zur Wirksamkeit – vor allem über den Zeitraum von 3 Monaten hinaus – getroffen werden.“

Es wirkt seltsam, dass selbst die gesetzlich beauftragten „Sachverständigen“ nichts Genaues sagen können, sondern auf Mutmaßungen angewiesen sind. Worauf haben sich denn die „Experten“ in den zahlreichen Talkshows in den letzten 2,5 Jahren bezogen?

Gleichzeitig aber will man „Ängste und Zweifel“ abmildern, siehe nachfolgend. Wie soll das gehen, außer dass dazu angehalten wird, Zweifel gar nicht erst publik werden zu lassen? Vgl. Sachverständigengutachten (Seite 65),

„Unsicherheiten vermitteln und Kontroversen aushalten – Der offene Umgang mit wissenschaftlichen Risiken und Unsicherheiten sollte stärker in den Vordergrund rücken. Das beinhaltet auch, dass Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger die mit den Risiken verbundenen Ängste und Zweifel der Bevölkerung ernst nehmen und wenn möglich abmildern.“

Zweifel und Ängste der Bevölkerung ernstnehmen, ja, aber, wenn möglich, „abmildern“? Auf Basis von was denn? Es gibt doch angeblich keine vernünftigen Daten. Reflektiert das auch auf die strafbar schleppende Erfassung von mitunter tödlichen Impfnebenwirkungen? Verstehen die „Sachverständigen“ das unter „abmildern“: wir haben keine Daten?

Auch die Kritik an dem Konstrukt der „epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ (§ 5 Abs. 1 IfSG) in diesem lauwarmen Gutachten der „Sachverständigen“ muß man wohl mit Vorsicht lesen. Dazu heißt es, vgl. Sachverständigengutachten (Seite 141),

Zudem kann sie [die epidemischen Lage von nationaler Tragweite] zu der falschen Annahme verleiten, eine Pandemie lasse sich nicht mit den bewährten Mitteln des demokratischen Verfassungsstaates bewältigen. Sie ist verzichtbar, wenn hinreichend konkrete Parlamentsgesetze verabschiedet werden. Sollte an der Konstruktion des Feststellungsbeschlusses gleichwohl festgehalten werden, müssten sachspezifische Verfassungsänderungen in Betracht bezogen werden.“

Hier eine kleine Kompilation, wie es Menschen ergangen ist, die, z.B. durch Spaziergänge, gegen die wissenschaftlich nicht zu evaluierenden Maßnahmen protestiert haben, und deren Protest mit den „bewährten Mitteln des demokratischen Verfassungsstaates bewältigt“ wurden,

So staatsdelegitimierend, wie sich die deutsche Polizei im Einsatz gegen friedliche Spaziergänger verhalten hat, wird sie wohl demnächst vom Verfassungsschutz beobachtet werden müssen. Siehe dazu auch die Aussagen des ehemaligen UN-Sonderberichterstatters für Folter, Nils Melzer,

Es entsteht der Eindruck, dass es, mit „Impfregister“, der „gezielten Ansprache durch die Krankenkassen“, dem „Europäischem Gesundheitsraum“ (europäisch heißt in der Regel, dass es keinerlei Kontrolle gibt) und den „bewährten Mitteln des demokratischen Verfassungsstaates“ um eine Verstetigung des Katastrophenmodus geht. Wir bleiben permanent in diesem Ausnahmezustand, wir nennen es nur anders.

So heißt es dann auch, vgl. Sachverständigengutachten (Seite 66),

„Für die nächste Pandemie bereit sein –  Nach der Krise ist vor der Krise: Das erfordert eine gezielte Vorbereitung auf die nächste mögliche Pandemie.“

Kommen wir zu den Masken. Diese sind vor allem Symbol, denn die Wirksamkeit von Masken „in der täglichen Praxis“ ist nicht abschließend geklärt. Dazu heißt es auf Seite 99,

„Neben der allgemeinen und im Labor bestätigten Wirksamkeit von Masken ist nicht abschließend geklärt, wie groß der Schutzeffekt von Masken in der täglichen Praxis sind, denn randomisierte, klinische Studien zur Wirksamkeit von Masken fehlen. Es ist zu beachten, dass das Tragen von Masken auch einen psychologischen Effekt hat, da durch Masken im Alltag allgegenwärtig auf die potentielle Gefahr des Virus hingewiesen wird. Die Maske ist daher zum immer sichtbaren Symbol der Infektionsprophylaxe und stiftete damit Vigilanz bei den Menschen. Die daraus resultierenden Effekte können nicht gemessen werden.“

Es ist den „Sachverständigen“, trotz einer angeführten, katastrophalen Datenlage, wohl sehr wichtig auch weiterhin eine allgegenwärtige Gefahr zu suggerieren, um ja nicht aus dem Panikmodus herauszukommen. Das steht in deutlichem Gegensatz zu dem, was andere Länder machen, z.B. England, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland oder die Schweiz.

Hier eine Studie aus 2020 in Dänemark, die ebenfalls keine Schutzwirkung von Masken erkennen kann,

“A total of 3030 participants were randomly assigned to the recommendation to wear masks, and 2994 were assigned to control; 4862 completed the study. Infection with SARS-CoV-2 occurred in 42 participants recommended masks (1.8%) and 53 control participants (2.1%).

Die wenigen Studien, die es zu der schädigenden Wirkung von Masken gibt, haben die Sachverständigen wohl nicht gefunden,

  • Walach et al., “Carbon dioxide rises beyond acceptable safety levels in children under nose and mouth covering: Results of an experimental measurement study in healthy children”, Environ Res. 2022 Sep; 212: 113564 (online 2022 May 28), https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9142210/

Das Brownstone-Institute hat mehr als 150 Studien zu der Unwirksamkeit von Masken und den Schäden durch Masken zusammengetragen. Auch diese hat der Sachverständigenrat wohl nicht gefunden,

Erneut entsteht der Eindruck, dass es bei dem Sachverständigengutachten nicht um die „wissenschaftliche Evaluierung“ der Corona-Lockdown-Panik-Maßnahmen geht, sondern um deren Verstetigung. Dazu benötigt man die Maske als Symbol.

Interessanterweise heißt es zu den Meldezahlen zu positiven COVID-19 Tests („Inzidenz“ genannt), dass diese alleine nicht zur Ableitung von Maßnahmen taugen, obwohl dies im Gesetz so angenommen wird. Vgl. Sachverständigengutachten (Seite 48),

„Die Inzidenz (ohne Dunkelziffer) oder andere isolierte Werte reichen für sich genommen nicht aus, um das Infektionsgeschehen und dessen Entwicklung angemessen zu beschreiben, Maßnahmen abzuleiten und die kritische Ressource Klinikkapazität zu schonen.“

Allerdings fehlt der Hinweis darauf, dass die weitaus überwiegende Mehrzahl der positiv Getesteten in den Krankenhäusern gar nicht gegen COVID-19 therapiert werden,

„Frankfurt: 90 Prozent nicht wegen Corona in Klinik – In Frankfurt stellt man außerdem fest: Bei der deutlichen Mehrheit der derzeitigen Krankenhauseinweisungen ist nicht Corona die Ursache. „Es kommen kaum noch Menschen wegen einer Covid-19-Erkrankung in unsere Kliniken, sondern sie kommen wegen anderer Probleme. Es wird dann mehr oder weniger zufällig auch eine Covid-Erkrankung im Aufnahme-Abstrich diagnostiziert“, erklärt Vehreschild.

Sie schätzt den Anteil dieser Patientinnen und Patienten auf 90 Prozent, sowohl auf den Intensiv- als auch auf den Normalstationen. Die Patientinnen und Patienten hätten in diesen Fällen kaum oder keine Symptome.

Dasselbe berichten die Helios-Kliniken,

Inzidenz-D.jpg

Die Eliten als stellvertretende Stellvertreter der Politiker während der Beratungen ?

Die Strategie der deutschen Eliten wird wohl auch weiterhin in Vernebelung bestehen. Es gibt heute schon mehr als genug Daten. Allein, die Wissenschaft will sie nicht nutzen. Wer seine Hoffnungen auf ein, vielleicht sogar europäisches, Impfregister, setzt, wird enttäuscht werden. Man vergißt dabei, dass es zum einen von der Definition abhängt, wer als geimpft gilt. Das wird in naher Zukunft die 4-fach Impfung oder 3-fach Impfung plus genesen sein. Und, zum anderen, wir sehen schon heute beim PEI wie (strafbar) zögerlich die deutsche Ärzteschaft bei der Erfassung von Impfnebenwirkungen ist. Die Daten werden davon abhängen, was man als Nebenwirkung zuläßt. Abgesehen von der hirnrissigen Idee, das Nutzen-Risiko-Profil von medizinischen Interventionen erst retroperspektiv, d.h. im Nachhinein, durch ein Register bestimmen zu wollen. Dann können wir uns Zulassungsverfahren in Zukunft ganz schenken.

Dass es um eine Verstetigung des Panik-Modus geht, zeigen auch die Empfehlungen für die Zukunft, die eine Ausweitung der COVID-19 Sondervorschriften auf andere Erreger anmahnen, vgl. Sachverständigengutachten (Seite 145),

„Bei einer Reform des IfSG müssen Regelungsstrukturen geschaffen werden, die nicht nur auf COVID-19 zugeschnitten sind, sondern verschiedene Arten von Krankheitserregern mit ihren unterschiedlichen Übertragungswegen erfassen können.“

„In beiden Fällen empfiehlt es sich, über Verordnungsermächtigungen für die Bundesregierung oder das Bundesgesundheitsministerium eine Anpassung an den jeweiligen Erreger zu ermöglichen. In der Ermächtigung könnten die zulässigen Kriterien vorgegeben werden, die dann in der Verordnung konkretisiert und bei Bedarf im Verlauf der Epidemie angepasst würden.“

Die Maßnahmen kann man nicht bewerten, aber man weitet sie schon mal auf andere Erreger aus? Das wirkt auf Nicht-Sachverständige dumm.

Dazu empfiehlt die deutsche Sachverständigen-Elite allen Ernstes eine Verordnungsermächtigung, so dass die einzelne Verordnung dann jeder parlamentarischen Kontrolle entzogen ist. Das verstehen Deutschlands Vorzeige-Juristen wie Huster, Kießling & Co. unter „bewährten Mitteln des demokratischen Verfassungsstaates“.

Unterm Strich ist festzuhalten, dass dieses Sachverständigengutachten zahlreiche Ungereimtheiten enthält. Es wirkt nicht wie ein unabhängiges Gutachten von Sachverständigen, das die Arbeit der Bundesregierung objektiv und unabhängig bewertet, wie der Titel suggeriert, sondern es ist vielmehr  eine Auftragsarbeit der Bundesregierung, die sich bescheinigen läßt, dass man es nicht besser hätte machen können.

Die Sachverständigen haben sich als nützlich und brauchbar erwiesen. Die Wissenschaft versteckt sich hinter mutmaßlich fehlenden Daten oder zu großer Komplexität, die eine Beurteilung nicht zuließe. Die allgemeine Unsicherheit in der Bevölkerung ist und bleibt Programm, ganz im Sinne der Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts („Entscheiden unter Unsicherheiten“).

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Grafikquellen      :

Oben     —   Eine grafische Darstellung von Lock-down während Covid-19

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2.) von Oben    —     Clinicians in Intensive Care Unit

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Jetzt Aber! Aber jetzt?

Erstellt von DL-Redaktion am 2. Juli 2022

Abtreibungsrecht in Deutschland und den USA

Eine Kolumne von Thomas Fischer

Der US-Supreme Court hat ein altes Urteil über Abtreibungen »gekippt«. Die Koalition in Berlin hat ein Gesetz gestrichen. Es wird geklagt und gejubelt, gewarnt und angekündigt. Aber warum?

Amerika, Amerika!

Die USA sind weit weg und allgegenwärtig, und sei es allein als Heimat der hüpfenden Greise, eines Staatsschuldenstands von derzeit 20 Millionen Millionen (dreizehn Nullen!) Dollar und derzeit auch als Quell rätselhafter Auskünfte über das Wesen, den Inhalt und die Verwirklichung des Rechts im Allgemeinen, der Strafgerechtigkeit im Besonderen und der Zuständigkeiten von Bundesstaaten im Speziellen. Anders gesagt: Die Wahrscheinlichkeit, dass einem ein deutscher Laie das bei den Landgerichten München und Berlin geltende Strafprozessrecht anhand eines Jury-Falles aus den USA erklärt, ist deutlich größer als die Wahrscheinlichkeit, dass ein amerikanischer Laie weiß, wo München liegt.

Wenn man über eine Rechtsfrage schreiben will, die Deutschland und die USA betrifft, muss man immer vorausschicken, dass es sich um zwei Staaten mit sehr unterschiedlicher Verfassungsstruktur, ganz verschiedenen materiellen (Straf)Gesetzen und überaus unähnlichen Prozessrechten handelt.

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Herrschaft der Minderheit

Erstellt von DL-Redaktion am 1. Juli 2022

Die politisch-religiöse Rechte in den USA hat gesiegt.

Wer sich die Richter-Innen bestellt, regierte schon immer in diese Welt.

Von Annika Brockschmidt

Nach dem Abtreibungsrecht widmet sie sich dem Abbau weiterer Bürgerrechte. Die Agenda gegen Abtreibungen entspringt auch einem empfundenen demografischen Druck.

Das verfassungsmäßig geschützte Recht auf Abtreibung, das seit Jahrzehnten landesweit existierte, ist in den USA seit vergangener Woche Geschichte. Der Supreme Court legte die Entscheidung über das Recht auf Abtreibung in die Verantwortung der Bundesstaaten. Die Folgen für Frauen und Schwangere sind katastrophal und traten teils sofort ein. Insgesamt wird Abtreibung in etwa 26 Staaten ganz verboten oder so eingeschränkt, dass sie damit effektiv illegal wird. Doch das ist der religiösen und politischen Rechten noch nicht genug: Einzelne Bundesstaaten überlegen bereits, Schwangeren zu verbieten, eine Abtreibung in einem anderen Bundesstaat vornehmen zu lassen, wo sie noch legal sind. Andere versuchen, bestimmte Verhütungsmittel zu kriminalisieren und Abtreibung strafrechtlich als Mord verfolgen zu lassen. Ein kleiner Lichtblick: Bundesrichter haben entsprechende Gesetze in Louisiana, Utah und Texas gestoppt, wenn auch nur vorerst. Für den Moment nehmen die Kliniken dort nach Medienberichten ihre Arbeit also wieder auf, wenn auch eingeschränkt.

Für die amerikanische Rechte war der Freitag letzter Woche ein Jubeltag. Einige von ihnen tauchten vor dem Obersten Gerichtshof auf, samt den passenden Schildern. „Abtreibung ist rassistisch – überzeug mich vom Gegenteil!“und „Abtreibung ist Mord“, war da zu lesen. Das Urteil des Obersten Gerichtshofs ist das Ergebnis eines jahrzehntelangen politischen Projekts religiöser und erzkonservativer Gruppierungen. Für sie ist Amerika ein christliches Land – gegründet von und für weiße Christen. Nur ein Christ – und zwar einer, der ihre eigenen rechtskonservativen Ansichten teilt – kann ein „wahrer“ Amerikaner sein. Schwarze Rechtskonservative sind gern gesehen – allerdings nur, wenn sie das politische Projekt der weißen, christlichen patriarchalen Hegemonie unterstützen. So schützt man sich zugleich vordergründig vor (begründeten) Rassismusvorwürfen. Diese Verschmelzung von nationaler und christlicher Identität ist das Herzstück des christlichen Nationalismus.

Bekannte Figuren des weißen Evangelikalismus wie der Prediger Jerry Falwell begannen erst Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre damit, sich den Kampf gegen Abtreibung auf die Fahnen zu schreiben. Davor hatte die Bewegung unter anderem gegen die Aufhebung der Segregation an Schulen und den drohenden Verlust des steuerfreien Status segregierter christlicher Privatschulen mobilisiert – sowie gegen die Ausweitung der Bürgerrechte und Feminismus. Die Koalition, die sie mit rechten Katholiken eingingen – die schon seit Jahrzehnten legale Abtreibung bekämpften –, um sich gemeinsam auf einen Kreuzzug gegen Abtreibung zu begeben, war folgenreich: Sie hat unter anderem zur aktuellen Besetzung des ­Supreme Court geführt.

Es geht hier jedoch nicht um „ungeborenes Leben“, nicht um die Reduktion der Anzahl von Abtreibungen. Studien zeigen immer wieder, dass ein solches Verbot die Zahlen nicht sinken lässt – sondern die Anzahl derer, die bei illegalen Abtreibungen sterben, steigen lässt. Weshalb also will die religiöse Rechte Abtreibungen verbieten? Ihr geht es um Macht und Kontrolle: Innerhalb ihres Weltbilds haben Frauen (trans Männer, die ebenfalls schwanger werden können, existieren in dieser Vorstellung gar nicht) nur einen gottgegebenen Platz: zu Hause, als Mutter. Das Amerika des weißen, christlichen Nationalismus ist ein zutiefst patriarchales. Denn auch beim weißen, christlichen Nationalismus geht es vorrangig um Macht. Um politische Macht, aber auch um den Erhalt einer kulturellen Deutungshoheit. Und auch wenn sich die Antiabtreibungsbewegung gern als Erbin der Schwarzen Bürgerrechtsbewegung sieht und sich deren Vokabular aneignet, ist White ­Supremacy ein zentraler Bestandteil.

Quelle        :      TAZ-online         >>>>>       weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —   Ca. 10 Wochen alte Embryos aus Plastik, die bei der Embryonenoffensive verteilt werden English: Plastic models of human embryos, about 10 weeks‘ gestation

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Unten    —     DIE LINKE. NRW bekennt sich ausdrücklich zum fortdauernden Kampf der gesellschaftlichen Linken für die Abschaffung der sogenannten Abtreibungsparagraphen 218 und 219 (mit Unterparagraphen) Strafgesetzbuch.

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Leyens Intransparenz

Erstellt von DL-Redaktion am 29. Juni 2022

Von der Leyens Chats zu Impfstoff-Deal bleiben geheim

Politische Maßstäbe – Betrogen heißt dort nicht Verschoben !

Quelle          :        Netzpolitik ORG.

Von  

Hat Pfizer die EU beim Milliardendeal für Covid-Impfstoffe über den Tisch gezogen? Die Antwort könnten Chats von Kommissionspräsidentin Von der Leyen liefern. Aber die EU will sie nicht herausgeben. Kritiker:innen sehen das Recht auf Zugang zu Informationen in Gefahr.

Die EU-Kommission will die Chats von Ursula von der Leyen mit Pfizer-Konzernchef Albert Bourla weiter geheim halten. Von der Leyen fädelte im Frühjahr 2021 in Nachrichten und Anrufen mit Bourla einen Milliardendeal über Covid-Impfstoffe ein – doch die Nachrichten fielen nicht unter das Informationsfreiheitsgesetz der EU, argumentiert die Kommission.

An dem Deal der EU mit Pfizer gibt es erhebliche Kritik. Bis heute hat die Kommission nur geschwärzte Versionen der Kaufverträge vorgelegt. Der Preis der Impfstoffe und wichtige Vertragsbedingungen bleiben geheim. Allerdings weckt ein Bericht der Financial Times Zweifel daran, ob die EU bei dem Kauf nicht über den Tisch gezogen wurde. Laut der Zeitung, die Teile der Verträge einsehen konnte, zahlte die EU anfangs pro Dosis 15,50 Euro, nach dem Deal stiegen die Kosten jedoch auf 19,50 Euro pro Dosis.

Für 3 Euro hergestellt, für 19,50 Euro verkauft

Die People’s Vaccine Alliance, ein Bündnis humanitärer Organisationen, rechnet unter Verweis auf eine Untersuchung des Imperial College London vor, dass eine einzelne Dosis des Impfstoffs für weniger als drei Euro hergestellt werden könne. Dieser Rechnung zufolge könnte Von der Leyens Deal dem Pharmakonzern Pfizer einen Überschuss von rund 31 Milliarden Euro verschafft haben. Die NGO Public Citizen, die ungeschwärzte Impfstoffverträge von Pfizer in mehreren Ländern einsehen konnte, erklärte gegenüber der Washington Post, dass das Unternehmen seine Verhandlungsmacht als einer der wenigen Hersteller eines wirksamen Covid-Impfstoffs ausnutze, um „Risiken zu verlagern und Gewinne zu maximieren“. In den eingesehenen Verträgen werden „die Interessen von Pfizer konsequent über die Erfordernisse der öffentlichen Gesundheit gestellt“.

Nachdem die New York Times über den direkten Draht zwischen Von der Leyen und Bourla berichtete, stellte netzpolitik.org einen Antrag auf Herausgabe der Chats. Doch die Kommission weigerte sich, den Antrag überhaupt zu prüfen. Denn Nachrichten über SMS, WhatsApp und andere Messenger seien „kurzlebig“ und daher keine Dokumente im Sinne der EU-Verordnung über den Dokumentenzugang.

Abgeordneter wittert „fadenscheinigen Begründungen“

Die Pauschalablehnung unserer Anfrage nach den Nachrichten zwischen Von der Leyen und Bourla sei ein klares Fehlverhalten der EU-Kommission, urteilte die EU-Ombudsfrau Emily O’Reilly auf unsere Beschwerde hin. Auch Abgeordnete und NGOs äußerten sich empört über die Intransparenz der Kommission. „Das, was auf dem Telefon von Frau von der Leyen passiert, ist Politik“, sagte auch der grüne EU-Politiker Daniel Freund. „Es kann nicht sein, dass Journalistinnen und Journalisten fadenscheinige Begründungen bekommen und abgewimmelt werden. […] Und es kann nicht sein, dass der Zugang zu zentralen Dokumenten schon wieder dadurch verhindert wird, dass Ursula von der Leyen SMS löscht.“

Doch der Kritik zum Trotz will die Kommission die Nachrichten weiter geheim halten. In einer am heutigen Mittwoch veröffentlichten Antwort an Ombudsfrau O’Reilly schreibt die EU-Behörde, dass sie „kurzlebige“ Dokumente wie SMS und Messenger-Nachrichten gar nicht erst aufbewahre und daher auch keinen Zugang dazu erteilen könne. Sie reagiert nicht auf die Aufforderung der Ombudsfrau, den Antrag von netzpolitik.org neuerlich zu prüfen und tatsächlich inhaltlich zu bewerten, ob sie die Chats herausgeben kann oder nicht.

Recht auf Zugang zu Informationen „ernsthaft untergraben“

Hingegen kündigt die EU-Kommission an, gemeinsam mit anderen EU-Institutionen neue Richtlinien für den internen Umgang mit SMS und Messengernachrichten auszuarbeiten. Die Kommission verweist auf eine Empfehlung des Rates der EU an seine Mitarbeiter:innen, solche Nachrichten nur für „kurzlebige Chats über öffentliche oder nicht-sensible Inhalte“ zu nutzen. Dies könne Ausgangspunkt für eine gemeinsame Direktive aller EU-Institution sein. Damit will die Kommission wohl eine Argumentationsgrundlage schaffen, um auch künftig keine Chats archivieren zu müssen.

Abschluss der Tagung des Europäischen Rates - 51988360799.jpg

Expert:innen aus der Zivilgesellschaft fürchten, dass die Kommission durch ihre Haltung eine riesige Gesetzeslücke beim Zugang zu Dokumenten schaffe. „Wenn wir nicht einmal nach Textnachrichten fragen dürfen, wie sollen wir dann wissen, ob es sich wirklich um flüchtige Angelegenheiten oder um wichtige Entscheidungen handelt?“, fragt Helen Darbishire, Leiterin der Informationsfreiheitsorganisation Access Info.

Die Realität sei, dass ein großer Teil der Regierungsgeschäfte in Europa und weltweit über verschiedene Kommunikationsmittel abgewickelt werde, darunter SMS, WhatsApp und andere Messaging-Plattformen. „Das Recht auf Zugang zu Informationen wird ernsthaft untergraben, wenn wir nicht auf diese zugreifen können“.

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Hitzetod in der Klimakrise

Erstellt von DL-Redaktion am 22. Juni 2022

Die politisch geförderte  Hitze-Welle fordert weltweit viele Todesopfer

Woodbury Feuer, 2019.jpg

Quelle:    Scharf  —  Links

Von Tomasz Konicz

Die kapitalistische Klimakrise fordert bereits massenhaft Todesopfer unter armen und gefährdeten Bevölkerungsschichten – nicht nur im globalen Süden.

Die Klimakrise fordert längst massenhaft Todesopfer. Auch dieses Jahr dürften abermals Hunderte Obdachlose der buchstäblich mörderischen Hitze zum Opfer fallen, die alljährlich weite Teile der Vereinigten Staaten heimsucht.1 Letztes Jahr wurden US-weit rund 1500 Todesfälle registriert, die einen direkten Zusammenhang mit den Hitzewellen aufweisen, die insbesondere im Süden und Westen des Landes immer neue Rekordwerte erreichen. Rund die Hälfte dieser Hitzetoten war obdachlos. Es sind somit gerade die ärmsten der Armen, die zuerst der sich voll entfaltenden Klimakrise zum Opfer fallen.

Doch eigentlich weiß niemand so genau, wie viele Obdachlose alljährlich in der Hitze umkommen, da viele Fälle einfach nicht registriert werden. Alljährlich werden während der zunehmenden Hitzewellen Tote in Zeltlagern oder vor Suppenküchen gefunden, die nicht immer als Opfer der Witterungsverhältnisse Eingang in die Statistiken finden. Besonders gefährdet sind pauperisierte Menschen in Städten wie Phoenix, im westlichen Wüstenstaat Arizona, wo die Temperaturen inzwischen mehr als 45 Grad Celsius erreichen können. Es sei im Sommer ziemlich schwer, einen kühlen Platz zu finden, ohne gleich von der Polizei vertrieben zu werden, klagte ein Obdachloser gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

In den Zelten auf den Bürgersteigen oder auf brüllend heißen Parkplätzen, in denen Obdachlose in Los Angeles und Phoenix zu überleben versuchen, wird die Hitze sehr schnell lebensbedrohlich. Die zunehmenden Hitzephasen führen in den USA inzwischen zu mehr Todesopfern als Hurrikane, Überflutungen und Tornados zusammengenommen. Allein im südwestlichen Bundesstaat Arizona, dessen Hauptstadt Phoenix als eine der hitzeanfälligsten Großstädte der USA gilt,2 wurden 2021 offiziell 339 Hitzetote erfasst, von denen 130 obdachlos waren. In der Glücksspielmetropole Las Vegas bringen sich viele wohnungslose Menschen buchstäblich im Untergrund in Sicherheit – sie hausen in Abwasserkanälen, die etwas Schutz vor der mörderischen Hitze bieten.

Die ökonomische und die ökologische Krise des Kapitals greifen längst ineinander. Der pandemiebedingte Krisenschub3 samt den steigenden Mieten auf dem überhitzten US-Immobilienmarkt hat zu einer raschen Zunahme der Zahl der Obdachlosen geführt,4 die inzwischen mehr als eine halbe Million Menschen5 umfasst – und die sich extremen Witterungsbedingungen ausgesetzt sehen. Mit immer neuen Hitzerekorden nimmt somit auch die Zahl der Hitzetoten in den Vereinigten Staaten zu: zwischen 2018 und 2021 um 56 Prozent.6 Die Wahrscheinlichkeit, dem Hitzetod zu erliegen, ist für einen Obdachlosen um den Faktor 200 höher als bei Mietern oder Wohnungsinhabern.

Das kapitalistische System ist aufgrund des Verwertungszwangs des Kapitals, der sich volkswirtschaftlich als das allseits fetischisierte „Wirtschaftswachstum“ manifestiert, außerstande, die Verschwendung von Rohstoffen und die Verbrennung fossiler Energieträger zu begrenzen, was sich ganz konkret in alljährlich global steigenden CO2-Emissionen manifestiert.7 Folglich laboriert die Politik selbst in Reaktion auf das aufkommende Phänomen des Hitzetodes nur an dessen Symptomen, anstatt die Ursache der Klimakrise, die durch den Wachstumszwang des Kapitals verursachte Verbrennung der ökologischen Lebensgrundlagen der Menschheit, zu bekämpfen.

In den Vereinigten Staaten werden in gefährdeten Regionen inzwischen „Kühlräume“ für Obdachlose aufgebaut, während Freiwillige deren Zeltlager mit Wasser versorgen. Dabei weitet sich das Problem der Phasen lebensbedrohlicher Hitze zunehmend aus. Städte und Regionen, die bislang kaum davon betroffen waren – wie Boston, Portland oder Seattle – sehen sich nun gezwungen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um das Überleben insbesondere der pauperisierten Stadtbewohner in extremem Witterungsverhältnissen zu ermöglichen. New York etwa veröffentlichte Mitte Juni einen Bericht über 370 hitzebedingte Todesfälle im vergangenen Jahr, der eine steigende Zahl heißer Tage in den vergangenen Jahren konstatierte (bei gleichbleibender Zahl sehr heißer Tage).8

Neben diesen direkten Todesfällen führen längere Hitzeperioden auch mittelbar zu einer höheren Sterberate, da Kranke mit Herz- und Kreislaufproblemen eher in solchen extremen Witterungsverhältnissen ihrem Leiden erliegen.9 Besonders betroffen sich zudem ältere Menschen über 50 und Übergewichtige, was insbesondere in der Vereinigten Staaten überproportional oft für die pauperisierten Bevölkerungsschichten zutrifft, die sich eine gesunde Ernährung schlicht nicht leisten können.10 Der berüchtigte Hitzesommer 2003 in Europa hat so zu insgesamt 70 000 Todesfällen geführt.11 Derzeit bemühen sich die Behörden in Frankreich aufgrund der sehr früh einsetzenden Hitzeperiode um die Einrichtung ähnlicher „Kühlräume“, wie sie in den USA üblich sind.12

Indiens Arbeiter und Arme am Rande der Überlebensfähigkeit

Von solchen Maßnahmen wie Kühlräumen können die Obdachlosen und arbeitenden Armen Indiens oder Pakistans nur träumen. Eine verheerende, historisch beispiellose Hitzewelle hat den indischen Subkontinent in diesem Frühjahr heimgesucht, bei der bereits die Grenzen der Überlebensfähigkeit der betroffenen Menschen erreicht wurden.13 Die Temperaturen erreichten in etlichen besonders schwer getroffenen Regionen bis zu 45 Grad Celsius im März und 49 Grad Celsius im April.14 Über die Zahl der Hitzetoten gibt es in der Region aufgrund mangelnder Erfassung keine zuverlässigen Zahlen, doch gehen Schätzungen von Tausenden Opfern aus.

Bauarbeiter in der südindischen Stadt Chennai berichteten gegenüber Medien, dass die Verrichtung ihrer Arbeit in der Hitze nahezu unmöglich sei.15 Ein Arbeiter, der in 12-Stunden-Schichten Stahlrahmen herstellt, klagte über Temperaturen von 38 Grad Celsius im vergangenen März, die weit über dem üblichen Temperaturniveau von rund 32 Grad lagen. Er sei nicht mehr in der Lage gewesen, die die Metallrahmen zu montieren, ohne sich die Finger zu verbrennen, so der Arbeiter, der über Schwindelgefühle klagte. Etliche Bauarbeiterinnen seien unter der Hitze zusammengebrochen. Er könne es sich nicht leisten, zu pausieren oder in seiner Konzentration nachzulassen, klagte der interviewte Bauarbeiter, da es inzwischen „Maschinen gibt, die meine Arbeit machen können“. Dieser Sommer habe die Grenzen seiner Ausdauer getestet.

Das Schwellenland Indien, das ein hohes jährliches Wirtschaftswachstum zwecks Aufrechterhaltung sozialer Stabilität anstrebt, ist zugleich einer der größten Konsumenten von Steinkohle – und der Bedarf an dem klimaschädlichen Energieträger steigt gerade in den Hitzephasen steil an, wenn all jene Betriebe und Bürger, die sich Klimaanlagen leisten können, den Energiebedarf ansteigen lassen. Die ökologische Unhaltbarkeit kapitalistischen „Entwicklung“ tritt gerade in solchen Hitzephasen krass zutage: Das Wirtschaftswachstum, auf das Lohnabhängige im Kapitalismus angewiesen sind, da sie nur dann überleben können, wenn ihre Arbeitskraft vom Kapital in der Warenproduktion zwecks Profitmaximierung verwertet wird, entzieht ihnen zugleich die ökologischen Lebensgrundlagen.

Tatsächlich ist die Hitze in Indien bereits nicht nur für gesundheitlich angeschlagene Menschen oder arbeitende Arme – etwa auf dem Bau – lebensbedrohlich. Die zunehmenden Extremwetterereignisse drohen ganze Landstriche unbewohnbar zu machen, da der menschliche Körper in der manifesten Klimakrise auf dem indischen Subkontinent an die Grenze seiner Funktionsfähigkeit rückt. Die sogenannte Kühlgrenztemperatur bildet dabei den zentralen Wert,16 der die Grenze der Bewohnbarkeit einer von häufigen Hitzewellen heimgesuchten Region markiert. Dabei gilt: Eine Kühlgrenztemperatur, die bei einer Luftfeuchtigkeit von 100 Prozent rund 35 Grad Celsius beträgt, bildet die Grenze, nach deren Überschreiten es dem menschlichen Körper nicht mehr möglich ist, durch Schwitzen die eigene Temperatur zu regulieren – es folgt nach wenigen Stunden bei 35 Grad und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit der Hitzetod.

Dabei gilt: Je niedriger die Luftfeuchtigkeit, desto höher die Kühlgrenztemperatur. Bei hoher Luftfeuchtigkeit, etwa in den Tropen, sind das somit niedrigere Temperaturen, als etwa in einer Wüstenregion. Für den indischen Subkontinent, der vom besonders warmen Indischen Ozean mit Feuchtigkeit versorgt wird, ergeben sich bereits dramatische Annäherungen an diese biologische Grenze der Bewohnbarkeit, warnten indische Medien unter Bezugnahme auf entsprechende Studien Anfang Juni.17

Insbesondere in den feuchten Küstenregionen Indiens erreicht die Kühlgrenztemperatur bereits des Öfteren 32 Grad Celsius, was die normale Funktionsfähigkeit des menschlichen Körpers über längere Zeiträume beeinträchtigen kann. Vier der sechs größten Städte Indiens, in denen dutzende Millionen Menschen leben, haben ebenfalls diese Grenze in den vergangenen Jahren zumindest einmal überschritten, darunter auch die Hauptstadt Neu-Delhi. In der ostindischen Küstenstadt Kalkutta, in deren Einzugsgebiet mehr als 14 Millionen Menschen leben, wird die Kühlgrenztemperatur von 32 Grad Celsius inzwischen nahezu jährlich übertroffen.18 Es ist somit absehbar, dass Teile Indiens in den kommenden Dekaden tatsächlich unbewohnbar werden.

Da die Klimaanlagen für die meisten armen Bürger aufgrund des gegebenen „Reichtumsgefälles“ Indiens einen unerreichbaren „Luxus“ darstellen, drohe künftig „Millionen von Indern der Tod aufgrund hitzebedingter Probleme“, warnten indische Medien.19 Sollte es der Regierung nicht gelingen, „kostengünstige Wege“ zur Versorgung der Bevölkerung mit Klimaanlagen oder Kühlzonen zu finden, würde die 1,7 Milliarden betragende Bevölkerung bald massenhaft sterben. Deswegen stelle „ein Ende des Klimawandels die einzige Lösung“ dar.

https://www.patreon.com/user?u=57464083

1 https://www.yahoo.com/news/sweltering-streets-hundreds-homeless-die-141542065.html

2 https://kyma.com/news/2022/06/20/hundreds-of-homeless-die-in-extreme-heat/

3 https://lowerclassmag.com/2020/03/26/coronakrise-der-kommende-absturz/

4 https://www.youtube.com/watch?v=KUpIEDqbVyk

5 https://policyadvice.net/insurance/insights/homelessness-statistics/

6 https://www.valuepenguin.com/heat-related-deaths-study

7 https://www.mandelbaum.at/buch.php?id=962

8 https://www1.nyc.gov/site/doh/about/press/pr2022/heat-related-mortality-report.page

9 https://www.upi.com/Health_News/2022/06/20/extreme-heat-heart-dangers/6291655731120/

10 http://www.konicz.info/?p=2544

11 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1631069107003770

12 https://www.politico.eu/article/western-europe-tries-to-limit-heat-wave-death-toll/

13 https://insideclimatenews.org/news/07052022/heatwave-india-pakistan-deaths-health-risks/

14 https://www.thequint.com/fit/heat-humidity-wet-bulb-temperature-india-summer-heatwave-deaths-cases#read-more

15 https://www.wired.com/story/india-deadly-combination-heat-humidity/

16 https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BChlgrenztemperatur

17 https://www.thequint.com/fit/heat-humidity-wet-bulb-temperature-india-summer-heatwave-deaths-cases#read-more

18 https://www.economist.com/graphic-detail/2022/05/13/heat-and-humidity-are-putting-millions-of-indians-in-peril

19 https://www.thequint.com/fit/heat-humidity-wet-bulb-temperature-india-summer-heatwave-deaths-cases#read-more

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Oben     —   Tonto National Monument während der Feuerarbeiten

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Das E-Health Jammertal

Erstellt von DL-Redaktion am 21. Juni 2022

Neues aus dem E-Health Jammertal

Quelle      :        INFOsperber CH.

Von Bernd Hontschik /

  Während der Corona-Pandemie wurden die fehlenden elektronischen Patientendossiers besonders vermisst. Doch es geht nicht vorwärts.

Red. Seine Gesundheitsdaten und Krankengeschichte im Internet leicht, aber geschützt finden: Das ist in Finnland und Estland eine Realität, in der Schweiz jedoch eine ewige Baustelle. Über den «jämmerlichen Zustand» in Deutschland schreibt Chirurg und Publizist Bernd Hontschik.

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen und in der Medizin, auch E-Health genannt, befindet sich hierzulande in einem jämmerlichen Zustand. Das ist seit der Corona-Pandemie inzwischen überall bekannt. Infektionszahlen werden teilweise immer noch von Hand in Listen eingetragen, immer noch per Fax weitergesendet und je nach Stadt, Landkreis oder Bundesland in unterschiedliche, miteinander inkompatible digitale Erfassungssysteme eingetragen. Der Daten-Blindflug hält bis heute an. Dass diese Digitalisierung aber gleichzeitig heimlich, hinter den Kulissen und ohne Rücksicht auf Datenschutz und ärztliche Schweigepflicht vorangetrieben wird, wissen nur wenige.

In Krankenhäusern und Arztpraxen wurde eine Telematik-Infrastruktur aufgebaut, ohne dass es ausserhalb des Gesundheitswesens jemanden wirklich interessiert hat. Einige Milliarden Euro sind bis heute in diesem Gesundheitsdatengrab versenkt worden, ohne fassbares Ergebnis. Inzwischen ist sogar die neueste Hardware schon wieder veraltet, sogenannte Konnektoren müssen nun in allen Arztpraxen, in allen Krankenhäusern zehntausendfach ausgetauscht werden, weitere Millionen von Euro werden dafür jetzt erneut in den Sand gesetzt.

Haben Sie schon einmal was von Opt-out gehört? Oder von Opt-in? Opt-out bedeutet, dass etwas ungefragt geschehen darf, wenn man dem nicht aktiv widersprochen hat. Opt-out kommt immer dann zum Zuge, wenn die Bürgerinnen und Bürger nicht so wollen, wie die Regierung das will. Ein Beispiel für ein Opt-out-Konzept ist die Widerspruchslösung im Zusammenhang mit Organtransplantationen: Fehlender Widerspruch ist gleich Einverständnis. Das Gegenteil und einer demokratischen Gesellschaft würdig ist das Opt-in-Verfahren, bei dem Dinge nur geschehen dürfen, wenn die Betroffenen zuvor ausdrücklich in das Geschehen eingewilligt haben.

Die Digitalisierung unseres Gesundheitswesens hat trotz der Investition von mehreren Milliarden Euro bisher nur eine Gesundheitskarte hervorgebracht, auf der Name, Vorname, Geburtsdatum, Adresse und Versichertenstatus gespeichert sind. So könne das nicht weiter gehen. Die elektronische Patientenakte (ePA) müsse endlich her, mit sämtlichen Gesundheitsdaten aller Versicherten, gespeichert auf zentralen Servern. Der Druck im digitalen Kessel steigt. Tempo ist angesagt. Ärzt:innen, die nicht mitspielen wollen, drohen massive Honorarkürzungen, also Zwang. Aber wie kann man Patient:innen zu ihrem digitalen Glück zwingen? Das geht nicht so einfach. Aber umständlich auf jedermanns Zustimmung für die Verwendung der Daten warten? Das dauert zu lange. Was hilft in einem solchen Fall? Das Opt-out-Konzept!

Und so kam jemand auf die grandiose Idee, den Gesetzestext über ein Opt-out-Konzept der ePA in einem ganz anderen Gesetzestext zu verstecken. Und so hat der Deutsche Bundestag am Donnerstag, den 7. April 2022 nicht nur die allgemeine Corona-Impfpflicht abgelehnt, sondern aus Versehen auch das Opt-out-Konzept für die Einführung der elektronischen Patientenakte gleich mit, denn unbemerkt von der Öffentlichkeit hatte die Ampelkoalition im Impfpflichtgesetz das Gesetz zur Widerspruchslösung, also dem Opt-out der ePA versteckt. Mit der Ablehnung der Impfpflicht ist dieser winzigkleine blinde Passagier nun mit abgestürzt. Noch nicht einmal alle Abgeordneten haben das mitbekommen.

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Oben      —        Bernd Hontschik fotografiert von Barbara Klemm (2009)

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100.000 Unterschriften:

Erstellt von DL-Redaktion am 10. Juni 2022

Von der Leyen soll Chats mit Pfizer-Chef offenlegen

Abschluss der Tagung des Europäischen Rates - 51988360799.jpg

Quelle          :        Netzpolitik ORG.

Von  

Einen Deal über 1,8 Milliarden Dosen Impfstoff fädelte EU-Kommissionschefin von der Leyen persönlich in Anrufen und Chatnachrichten mit dem Konzernchef von Pfizer ein. Eine Petition fordert nun, dass die Kommission die Chats herausgeben soll.

Eine Petition mit bereits mehr als 100.000 Unterschriften fordert EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen dazu auf, ihre Chat-Absprachen mit Pfizer-Chef Albert Bourla über den Kauf von 1,8 Milliarden Dosen Impfstoff offenzulegen. Initiiert wurde die Unterschriftensammlung von der Kampagnenorganisation SumOfUS, die sich unter anderem für die Kontrolle von Konzernmacht einsetzt.

Den bislang größten Impfstoffdeal der EU fädelten von der Leyen und Bourla im Frühjahr 2021 in Anrufen und Nachrichten ein, wie sie damals der New York Times erzählten. Doch auf eine Informationsfreiheitsanfrage von netzpolitik.org weigert sich die EU-Kommission, die Chats offenzulegen. Nachrichten über SMS oder Messenger wie WhatsApp seien keine Dokumente und fielen daher nicht unter das Transparenzgesetz der Europäische Union, behauptet die Kommission.

Das hält EU-Ombudsfrau Emily O’Reilly für eine falsche Rechtseinschätzung. In einer offiziellen Empfehlung bat sie die Kommission im Januar, unseren Antrag erneut zu prüfen. O’Reilly verweist auf den Text der EU-Verordnung und die EU-Grundrechtecharta. In beiden heißt es, der Recht aus Dokumentenzugang bestehe „unabhängig von der Form der für diese Dokumente verwendeten Träger“.

Zahlte die EU 31 Milliarden Euro zu viel?

Auch aus dem EU-Parlament gibt es lautstarke Forderungen nach Zugang zu den Chats. „Die Europäische Kommission hat mit Pfizer Verträge im Wert von mehreren Milliarden Euro abgeschlossen […] Wir haben das Recht zu erfahren, was der Kommissionspräsident mit dem CEO von Pfizer besprochen hat“, sagte etwa die niederländische Abgeordnete Kathleen Van Brempt bei einer Debatte über das Thema im EU-Parlament.

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An dem Deal der EU mit Pfizer, den von der Leyen und Bourla einfädelten, gibt es erhebliche Kritik. Während die EU für die ersten Lieferungen pro Dosis 15,50 Euro bezahlte, stiegen die Kosten nach dem persönlichen Kontakt zwischen von der Leyen und dem Konzernchef auf 19,50 Euro pro Dosis, wie die Financial Times nach Einsicht in Teile der Verträge berichtete. Die EU könnte Pfizer rund 31 Milliarden Euro zu viel bezahlt haben, glaubt die People’s Vaccine Alliance, ein Bündnis humanitärer Organisationen. Sie verweist auf eine Untersuchung des Imperial College London, nach der eine einzelne Dosis des Impfstoffs für weniger als drei Euro hergestellt werden könne – die Differenz wäre ein immenser Profit für die Pharmafirma.

Bis 30. Juni hat die EU-Kommission Zeit, auf die Empfehlungen der Ombudsfrau zu reagieren. Mit ihrer Antwort müsse die EU-Behörde endlich Licht ins Dunkel des Impfstoffkaufes zu bringen, fordert die Kampagnenorganisation SumOfUs. Ihre Petition kann hier unterschrieben werden.

Lizenz: Die von uns verfassten Inhalte stehen, soweit nicht anders vermerkt, unter der Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

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Oben     —    Bei der Debatte über den EU-Gipfel in der vergangenen Woche mit den Präsidenten Michel und von der Leyen und dem EU-Außenbeauftragten Borrell zeigten die Abgeordneten gemeinsam Solidarität und gaben der Ukraine mehr Hilfe.

Europäisches Parlament – https://www.flickr.com/photos/36612355@N08/51988360799/

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Todesfälle durch Smog

Erstellt von DL-Redaktion am 7. Juni 2022

Jeder sechste Todesfall weltweit durch Umweltverschmutzung

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Quelle      :        INFOsperber CH.

Daniela Gschweng /   

Jedes Jahr sterben etwa neun Millionen Menschen wegen Umweltverschmutzung einen zu frühen Tod, die meisten durch schmutzige Luft.

Umweltverschmutzung ist um ein Vielfaches tödlicher als Krieg, Terrorismus, Infektionskrankheiten oder Drogen. Einer von schätzungsweise sechs Todesfällen weltweit geht darauf zurück. Das zeigt ein Bericht im Fachmagazin «The Lancet Planetary Health».

2019 sind neun Millionen Menschen an den Folgen von schmutzigem Wasser, schmutziger Luft oder anderen Umweltverschmutzungen gestorben, das ist jeder sechste Todesfall weltweit.

Am tödlichsten ist Luftverschmutzung. Auf Ozon, Feinstaub und giftige Gase waren 6,7 Millionen Tote zurückzuführen1,8 Millionen Todesfälle standen in Verbindung mit chemischer Verschmutzung, die Hälfte davon geht auf Blei zurück.

Wo findet sich am meisten Dreck?

Immer weniger Menschen sterben durch verschmutztes Wasser und den Rauch von Holz- und Kohlefeuern. Diese «traditionelle» und meist armutsbedingte Verschmutzung wird durch bessere Wasser-, Abwasser- und Medizinversorgung und sauberere Brennstoffe weniger.

Seit der letzten Auswertung, die auf Daten von 2015 beruht, haben sich die Ursachen umweltbedingter Todesfälle aber lediglich verschoben. An der Gesamtsumme von schätzungsweise neun Millionen Todesfällen durch Umweltverschmutzung hat sich seit 2015 nichts geändert. Seit der Jahrtausendwende sterben aber mehr Menschen an den Folgen «moderner» Umweltverschmutzung wie Smog und Chemikalien.

Wer leidet am meisten unter Umweltverschmutzung?

Neun von zehn umweltbedingten Todesfällen entfallen auf Länder mit geringem und mittlerem Einkommen. Dort hat die industrielle Verschmutzung in den vergangenen 20 Jahren stark zugenommen. Besonders trifft das auf Asien und Südostasien zu, wo in einigen Ländern mehrere ungünstige Einflüsse zusammenkommen: Die Bevölkerung wird älter, sie lebt in Megastädten teilweise eng zusammen und die Industrialisierung schreitet schnell voran.

In der Entwicklungsarbeit werde dieser enorme Einfluss auf Gesundheit, Wirtschaft und Sozialleben grösstenteils übersehen, sagt der Erstautor Richard Fuller. In Ländern wie Indien, Pakistan, China oder Bangladesch sei im Schnitt jeder vierte Todesfall umweltbedingt. Aber auch in Europa sterben jedes Jahr Hunderttausende vorzeitig an den Folgen von Luftverschmutzung.

Eher überraschend: In finanziell schwachen Ländern sterben besonders viele Menschen an den gesundheitlichen Auswirkungen von Bleiverschmutzungen. Verbleites Benzin ist zwar inzwischen in allen Ländern der Welt verboten. Heute gelangt das giftige Schwermetall vor allem durch schlampiges Batterie-Recycling und Elektroschrott in die Umwelt. Auch Gewürze, Anstriche und Keramikfarben können Blei enthalten.

Wie hoch ist die Dunkelziffer?

Die Autoren vermuten, dass es zahlreiche nicht erfasste Bleivergiftungen gibt, weil die Grenzwerte systematisch zu hoch angesetzt worden seien. Das betreffe auch Industrieländer wie die USA. Besonders dramatisch sind die Auswirkungen für Kinder: Blei verringert Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung , stört die Entwicklung des Gehirns und kann damit den Bildungserfolg beeinträchtigen. Das verschärft die Armut in betroffenen Gebieten.

Umweltverschmutzung tötet selten direkt. Grundlage für die Berechnung der vorzeitigen Todesfälle sind epidemiologische Studien weltweit. Todesursache ist offiziell Krebs, eine Herzerkrankung, ein Schlaganfall oder Ähnliches. Umweltgifte schädigen ausserdem die Leber, die Nieren und das Immunsystem, was weitere Krankheiten hinter sich herziehen kann. Hormonell wirksame Umweltchemikalien können unfruchtbar machen.

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Umweltverschmutzung ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit, etwa gleichauf mit Rauchen und sehr viel häufiger als Fehlernährung, Drogen und Krankheiten wie Tuberkulose und AIDS. © The Lancet Planetary Health

Die publizierten Zahlen sind laut Fuller eine eher vorsichtige Schätzung. Wäre die Datenlage besser, lägen sie zweifellos höher, schreiben die Autorinnen und Autoren in ihrer Zusammenfassung. Die Gesamtauswirkung von Feinstaub, Pestiziden, Schwermetallen, Ozon, gesundheitsschädlichen Gasen und anderen Umweltgiften auf die Gesundheit wäre anerkannt grösser, wenn alle Übertragungswege von Chemikalien in die Umwelt ermittelt und analysiert würden.

Was kostet Umweltverschmutzung?

Die gesundheitlichen Auswirkungen verschmutzter Umwelt haben ökonomische Konsequenzen. In Afrika führen allein Bleivergiftungen zu einer Verminderung des Bruttoinlandsprodukts um vier Prozent, in Asien reduziert sich das BIP dadurch um zwei Prozent.

Weltweit verursachte Umweltverschmutzung 2015 wirtschaftliche Verluste von 4’600 Milliarden US-Dollar, das waren 6,2 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Das stellte die Lancet-Kommission für Umweltverschmutzung und Gesundheit mit Hilfe von Daten aus der Global Burden of Diseases, Injuries, and Risk Factors Study (GBD) in einer 2017 veröffentlichten Studie fest. Die Lasten sind dabei äusserst ungleich verteilt – mehr als 90 Prozent der vorzeitigen Todesfälle entfallen auf Länder mit geringem oder mittlerem Einkommen.

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Genauer hinsehen und danach handeln

Die Autoren der Studie fordern, dass ein derart grosses Gesundheitsrisiko grössere Beachtung in politischen Prozessen finden müsse. Vor allem die am stärksten betroffenen Länder müssten viel mehr gegen Luftverschmutzung, Blei und andere Umweltgifte tun.

Regierungen und internationale Organisationen müssten Umweltverschmutzung neben der Klimakrise und dem Artensterben als drittes globales Umweltthema anerkennen. Massnahmen gegen Umweltverschmutzung seien meist schnell wirksam und es gebe dafür bereits bewährte Strategien. Mittel wie mehr Wind- und Solarenergie hätten dazu doppelten oder dreifachen Nutzen, weil sie auch andere Umweltprobleme abmildern.

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Intensivkapazitäten Medizin

Erstellt von DL-Redaktion am 3. Juni 2022

Intensivkapazitäten – war da was?
Die Geschichtsglättung in der Intensivmedizin
und die verschwundenen Steuer-Milliarden

Clinicians in Intensive Care Unit.jpg

Von Johannes Kreis

wenn man die als Interview bezeichnete Ergebenheitssadresse von Frau Elisabeth Hussendörfer an  Gernot Marx im FOCUS liest, so reibt man sich verwundert die Augen. Angeblicher Intensiv-Kollaps? War da was?

Von einer generellen Überlastung [der Intensivstationen] konnte zum Glück nie die Rede seinnicht mal alle Reservebetten sind zum Einsatz gekommen, also auch nicht alle Kliniken sind flächendeckend aus dem elektiven OP-Programm ausgestiegen.“

Aha. Ganz neue Töne von Herrn Marx, „von einer generellen Überlastung konnte zum Glück nie die Rede sein“. Und Experten wie Herr Marx wußten das nicht schon früher?

„Im gesamten Jahr 2020 wurden insgesamt 13,8% weniger Patienten im Krankenhaus behandelt als 2019. In den ersten 26 Kalenderwochen des Jahres 2021 blieb die Fallzahl 20,1% hinter dem Vergleichszeitraum 2019 zurück. Auch die Gesamtzahl der SARI-Fälle, Intensivfälle und Beatmungsfälle blieb im Untersuchungszeitraum unter den Zahlen aus 2019.“

Man fragt sich, warum das Statistische Landesamt NRW 16 Monate gebraucht hat, um die Krankenhausbellegung in NRW in 2020 herauszufinden, und das in einer mutmaßlichen Pandemie, wenn das Krankenhaus-System in Deutschland angeblich vor dem Kollaps steht.

Wie das Statistische Landesamt weiter mitteilt, verringerte sich die Zahl der 2020 in den nordrhein-westfälischen Krankenhäusern behandelten Krankheiten des Atmungssystems ebenfalls gegenüber 2019 um 20,1 Prozent.“

Nebenbei wird im FOCUS, nach 2,5 Jahren, wieder Bergamo bemüht. Und der Allgemeinplatz, dass man für den nächsten Herbst wieder nichts ausschließen kann, darf auch nicht fehlen. Soviel Expertise bekommt auch ein Mitarbeiter an der Wursttheke im Supermarkt hin. Der kann auch nichts ausschließen.

Im Dezember 2021, also vor 6 Monatem, hörte sich Herr Marx, trotz der ihm zweifelsfrei zugänglichen Daten zur Krankenhausbelegung, noch ganz anders an, vgl.

University hospital aachen.jpg

University Hospital of the RWTH Aachen.

„Nach unserer Meinung brauchen wir wieder das Gesetz zur epidemischen Notlage, wir brauchen dringend bundesweite Notbremse-Maßnahmen zur möglichst maximalen Kontaktbeschränkung.“

„Auch ein zeitlich begrenzter Lockdown könne helfen. Zudem müssten nicht dringende Operationen verschoben werden. „Wir müssen die Kliniken vor dem Kollaps bewahren.““

Allerdings verdankte man dem Interview des ZDF Ende 2021 zumindest die Erkenntnis, dass auch Herr Marx zugab, dass bis Dezember 2021 ca. 4.000 Intensivbetten in Deutschland weniger zur Verfügung standen, trotz massiver staatlicher Förderung, vgl. ebenda.

„“Die Lage wird wirklich zunehmend enger“, sagte der Direktor der Intensivmedizin am Universitätsklinikum Aachen. Zumal mittlerweile etwa 4.000 Intensivbetten weniger als vor einem Jahr zur Verfügung stünden.

Ganz im FOCUS-Stil fragte Frau Dunja Hayali vom ZDF Morgenmagazin damals nicht weiter nach, warum es denn in einer mutmaßlichen Pandemie plötzlich ca. 4.000 Intensivbetten weniger gäbe, sondern Frau Hayali verweist selbst auf Personalengpässe. Warum gab es Personalengpässe? Aufgrund hirnrissiger Quarantäne-Bestimmungen für medizinisches Personal? Warum führt Frau Hayali überhaupt noch Interviews, wenn sie schon alles selber weiß?

Aber trotz, oder besser, gerade wegen ca. 4.000 Intensivbetten weniger, forderte Herr Marx im Dezember 2021 eine bundesweiter Notbremse, einen Lockdown, um „die Klinken vor einem Kollaps zu bewahren“.

Und was für eine herrliche Begründung für eine Impfpflicht: wir haben zu wenig Intensivbetten, selbst wenn Deutschland, auch mit 4.000 Intensivbetten weniger, noch 3x mehr Intensivbetten pro Einwohner hat als die  europäischen Nachbarländer. Das ist inzwischen, nach 2,5 Jahren, auch juristisch relevant. Denn der Gesetzgeben kann eine selbstverursachte „Knappheit“ an Intensivbetten nicht ins Feld führen, um eine gesetzliche Impfpflicht zum Schutz vor Überlastungen zu begründen.

Ende Mai 2022 hat sich das Blatt offenbar gewendet. Jetzt konnte von einer generellen Überlastung „nie die Rede sein“. Die deutsche Intensivmedizin, vereint mit dem FOCUS, verkauft die Menschen für dumm.

Zu den ca. 4.000 Intensivbetten weniger, siehe auch,

Hätte der Focus in seinem eigenen Interview, Ende Mai 2022, die Panikmache des Herrn Marx im ZDF Morgenmagazin nach Stichworten von Frau Hayali nicht einmal ansprechen sollen, oder müssen, wenn man sich beim FOCUS denn „Journalisten“ nennt?

Warum hat der FOCUS Herrn Marx, „Deutschlands oberster Intensivmediziner“, nicht einmal nach seinen früheren Aussagen gefragt?

Oder, andere interessante Frage an die deutsche Intensivmedizin: was ist aus den Millionen für neue Intensivbetten in den letzten 2 Jahren geworden ist? Mehr Geld und dafür weniger Intensivbetten? Inzwischen streiten die „Experten“, was ein Intensivbett ist, vgl.

„“Man hätte vor allem definieren müssen, was ein Intensivbett ist“, kritisiert Wulf-Dietrich Leber vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen. Denn nur so hätte man auch beobachten können, „ob zusätzliche Betten aufgebaut worden sind, eine bundeseinheitliche Definition fehlte bislang“.“

Die deutschen Gesundheitsexperten scheitern leider an der Begrifflichkeit. Daran erkennt man ganz große Wissenschaft.

Siehe zu dem Thema „Wo ist das Geld für mehr Intensivkapazitäten hin?“ auch,

 

 

 

Wo sind die neuen Intensivbetten, die man angeblich für das Geld gekauft hat? Es wurden weiter Intensivkapazitäten abgebaut, wie  jeder auf der DIVI Homepage sehen kann. Dazu ein konkretes Beispiel,

Eine Frau Hayali wußte das am 1.12.2021 anscheinend nicht und auch Frau Hussendörfer hat von diesen Vorgängen bis heute offensichtlich keine Ahnung. Warum sollte man Sendungen von Leuten sehen oder Artikel von Menschen lesen, die weniger Ahnung haben als der durchschnittliche Internetnutzer?

Hauptsache das Geld landet irgendwie im Gesundheitssektor? Den Impfärzten kann es nur recht sein. 250.000 € Monatseinkommen allein durch Impfen, da kann man Kasse machen, vgl.

„Das macht bei durchschnittlich 300 Impfungen täglich rund 64.000 Euro Honorar pro Woche – und pro Monat über eine Viertelmillion – abzüglich der Kosten für Personal oder Miete.“

Da stockt es dann schon mal bei der Auswertung der Wirksamkeit von Maßnahmen und man spritzt die Menschen gerne noch ein viertes und ein fünftes Mal.

Eine andere mögliche Frage an Herrn Marx: laut Hessenschau sind 90% der Patienten mit positivem SARS-CoV2 Tests in Hessen gar keine COVID-19 Patienten. Die sind wegen was ganz anderem im Krankenhaus und werden auch nicht gegen eine Atemwegserkrankung therapiert. Sonst wäre das die Hauptdiagnose.

„Frankfurt: 90 Prozent nicht wegen Corona in Klinik – In Frankfurt stellt man außerdem fest: Bei der deutlichen Mehrheit der derzeitigen Krankenhauseinweisungen ist nicht Corona die Ursache. „Es kommen kaum noch Menschen wegen einer Covid-19-Erkrankung in unsere Kliniken, sondern sie kommen wegen anderer Probleme. Es wird dann mehr oder weniger zufällig auch eine Covid-Erkrankung im Aufnahme-Abstrich diagnostiziert“, erklärt Vehreschild.

Sie schätzt den Anteil dieser Patientinnen und Patienten auf 90 Prozent, sowohl auf den Intensiv- als auch auf den Normalstationen. Die Patientinnen und Patienten hätten in diesen Fällen kaum oder keine Symptome.

Dasselbe berichten die Helios-Kliniken,

Nur 10% der Patienten mit positivem Test in Hessen sind auch wegen COVID im Krankenhaus, das gilt auch für die Intensivstationen. Wann fragt jemand Herrn Marx, „Deutschlands oberster Intensivmediziner“ danach? Wo soll da eine Überlastung drohen? Und Herr Marx hat 3x mehr Intensivbetten zur Verfügung als seine französischen oder schwedischen Kollegen.

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Die größten Schwurbler hier im Land, macht Politik und wird als Kölsche Jeck erkannt.

Eine weitere mögliche Frage an die deutsche Intensivmedizin: auf deutschen Intensivstationen sind pro behandelten Menschen mehr Personen gestorben als im internationalen Vergleich. Das kann man im Ärzteblatt nachlesen. Warum ist das kein Thema für den FOCUS?

„Das Ziel, die Überlebensrate von an COVID-19 erkrankten Patientinnen und Patienten durch den Einsatz eines innovativen, hoch technisierten Verfahrens zu verbessern, kann häufig nicht erreicht werden. Fragen wirft zudem eine erhöhte Sterblichkeit im internationalen Vergleich auf.

Damit hatte die deutsche Medizin in ihrer Hauszeitung lediglich auf schon Bekanntes reagiert,

 

 

“Overall mortality was 7.7%, the mortality of intubated patients was 50%.”

Wann muss sich Herr Marx dazu äußern?

Stattdessen darf er für Experimental-Impfstoffe werben. Astra-Zeneca wird nicht mehr für die zweite Dosis (von derzeit drei) empfohlen. Wie ist man darauf gekommen?

Es ist lächerlich, dass der FOCUS diese Ergebenheitsadresse als Journalismus verkaufen will. Selbst Bergamo muß wieder herhalten. Zurück auf Anfang, weil die angeblichen Experten nichts ausschließen können und sich deutsche „Journalisten“ in der Rolle des Stichwortgebers gefallen.

Geradezu verwegen mutet der Gedanken an, jemand aus dem Dunstkreis des FOCUS oder des ZDF könnte einmal einen politisch Verantwortlichen, z.B. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, danach fragen, was aus dem Geld des Steuerzahlers geworden ist?

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Grafikquellen     :

Oben       — Clinicians in Intensive Care Unit

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Werbeverbot-Abtreibungen

Erstellt von DL-Redaktion am 21. Mai 2022

Schlacht im Niemandsland

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Eine Kolumne von Thomas Fischer

Die Bundesregierung hat den Entwurf eines Gesetzes zur Aufhebung des Werbeverbots für Abtreibungen eingebracht. Ein Kampf um fast nichts nimmt seinen Fortgang.

Amerika!

In den USA spielt sich derzeit ein juristischer Glaubenskampf der ganz speziellen Sorte ab, angetrieben vom Angriffswillen der Allerfrömmsten, denen es wie immer stets ums Prinzip und selten um die Menschen geht, und exekutiert vom Supreme Court, einem in seiner Stellung dem Bundesverfassungsgericht ein wenig ähnlichen Gericht, an dem allerdings, anders als zum Beispiel im Jury-Wesen, nicht der an sich sympathische Gedanke der Demokratie für lustige Ergebnisse sorgt, sondern der Glaube an die Kraft greisenhafter Gefolgschaft. Es war, wie man sich erinnern wird, der Friedenskanzler Schröder, der einst eine Justizministerin schasste, weil diese das Rechtssystem der amerikanischen Freunde »verrottet« genannt hatte. Das geht natürlich gar nicht! Inzwischen nennt die Partei von Karl Liebknecht und Otto Wels den Kanzler Schröder »verrottet«. Das ist aber eine andere Geschichte.

In den USA geht es um die Erlaubnis zur und die Strafbarkeit von Abtreibung an sich. Mit den vielfach nur mehr absurd erscheinenden Erregungen, die da produziert werden, muss man sich und wollen wir uns hier nicht näher befassen. Es reicht die Feststellung, dass die deutschen Glaubensheere einmal mehr in Feld, Wald und Flur umherirren, wo der leicht erregbare Amerikaner bereits tränenüberströmt und mit gezücktem Säbel zur alles entscheidenden Attacke bläst. Hierzulande geht es, kurz gesagt, einmal mehr um Paragraf 219a des Strafgesetzbuchs (StGB). Das ist unter den Ungeheuern weniger ein Löwe mit langen Zähnen als ein Häschen mit langen Ohren.

Entwurf

Am 13. Mai fand im Deutschen Bundestags die Erste Lesung eines Gesetzentwurfs der Bundesregierung statt. Das Gesetz trägt den sperrigen Namen »Gesetz zur Änderung des Strafgesetzbuches – Aufhebung des Verbots der Werbung für den Schwangerschaftsabbruch (§ 219a StGB), zur Änderung des Heilmittelwerbegesetzes und zur Änderung des Einführungsgesetzes zum Strafgesetzbuch« und läuft unter der Hausnummer Bundestags-Drucksache (BT-Drs.) 20/1635. Zur Sprache kamen auch BT-Drs. 20/1017 (Antrag der CDU/CSU: »Interessen der Frauen stärken, Schutz des ungeborenen Kindes beibehalten«) und BT-Drs. 20/1736 (Antrag der LINKEN: »§ 219a StGB streichen«). Als einstiger Germanistikstudent muss ich hier zwanghaft der CDU/CSU an den Rand schreiben, dass man programmatisch entweder von einer Frau und einem Kind oder von beiden im Plural, meinetwegen auch von Mehrlingsgeburten sprechen sollte, keinesfalls aber von der Geburt eines Kindes durch mehrere Frauen. Es sei denn, die Hebammen- und Empathiekunst überwindet inzwischen auch gynäkologische Grenzen.

Dies beiseitegelassen, stellt sich die Kampflage ungefähr wie folgt dar: Paragraf 219a StGB in seiner bis 2020 geltenden Fassung stellte es unter Strafe, für die Durchführung von sogenannten Schwangerschaftsabbrüchen zwecks eigener Bereicherung öffentlich oder in sittenwidriger Form zu werben. Das war Teil des – wir erinnern uns – Kompromisses, der nach jahrzehntelangem gesellschaftlichem Streit im Jahr 1994 zur Einführung der »Beratungslösung« führte, einem klaren Fall von Fristenlösung mit Beratungsangebotspflicht. Diese Fallgruppe des Paragrafen 218a Absatz 1 StGB deckt 98 Prozent der jährlich etwa 110.000 in Deutschland registrierten Abtreibungen ab; nur der kleine Rest entfällt auf die »Indikationen« des Absatz 2, die weithin nicht streitig sind.

Man kann nun sagen, dass der Kompromiss von 1994 aus irgendwelchen Gründen wieder aufgelöst und dass neu gestritten werden sollte. Die beiden Extrempositionen (»Freiheit« = völlige Freigabe bis zum neunten Monat, oder »Moral« = weitestmögliche Einschränkung) haben allerdings von vornherein keine Chance zu obsiegen, denn sie sind für die Gesellschaft nicht aushaltbar. Eine Neuverhandlung wäre daher wohl nur eine vermutlich jahrelange fruchtlose Streiterei um Prinzipien.

Die Unzufriedenheit der Seite »Freiheit« hat sich vor ein paar Jahren auf den Nebenschauplatz des Paragrafen 219a StGB eingeschossen, der – stellvertretend für die Gesamtregelung – nun als angeblich gezielt frauenfeindliches Angriffsziel herhalten muss. Nachdem viele Jahre lang praktisch alle (wenigen) Fälle, in denen wegen Verstoßes gegen das Werbeverbot gegen Ärzte ermittelt wurden, von den Staatsanwaltschaften alsbald wieder eingestellt wurden, ist dann der Fall der Ärztin Kristina Hänel aus Gießen zum überdimensionalen Politikum aufgeblasen worden, beflügelt durch einige Fanatiker, die es sich zum Spaß und Lebensinhalt gemacht haben, Ärzte anzuzeigen und anzuprangern.

Am 1. Januar 2021 ist, nach wiederum jahrelangem Streit, die jetzige Fassung des Paragrafen 219a in Kraft getreten. Sie stellt, vereinfacht gesagt, unter Strafe, gleichzeitig über Abtreibungen zu informieren (Information) und diese Leistung öffentlich anzubieten (Werbung). Jeweils für sich allein ist beides erlaubt; nur beides zugleich darf man nicht. Grund dieses Verbots einer Kombination ist, dass Ärzte daran gehindert werden sollen, aus eigenem finanziellem Interesse für eine angeblich bei ihnen besonders gute Abtreibung zu werben. Das ist ein Zugeständnis an die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, wonach das ungeborene Leben einen von der schwangeren Frau abzugrenzenden Eigenwert im Recht und in der Verfassung hat und deshalb vom Staat zu schützen ist – ein klassischer Abwägungs- und Verhältnismäßigkeitsfall.

Die Seite der Gegner bringt nun, außer dem eher albernen Argument, abtreibende Ärzte täten es ja gar nicht um ihres Verdienstes willen, sondern weil sie so gute Menschen seien, seit Langem immer wieder vor, die Regelung verbiete es Ärzten, »sachlich zu informieren«. Dieses Narrativ wird mithilfe permanenter Wiederholung und gebetsmühlenartig vorgetragener, treuherziger »Ich will doch nur helfen« – Beteuerungen der prophetengleich verklärten Ärztin Hänel wider alle Logik aufrechterhalten. Es hat auch in den Gesetzentwurf unverändert Einzug gehalten, in dem es heißt:

  • »Ärztinnen und Ärzte, die Schwangerschaftsabbrüche (…) vornehmen, müssen mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen, wenn sie sachliche Informationen über Ablauf und Methoden des Schwangerschaftsabbruchs … auf ihrer Homepage bereitstellen (…).«
    (Gesetzentwurf S. 1)

Die angebliche Folge soll sein:

  • »Betroffenen Frauen wird hierdurch zum einen der ungehinderte Zugang zu sachgerechten fachlichen Informationen über den sie betreffenden medizinischen Eingriff und zum anderen das Auffinden einer geeigneten Ärztin oder eines geeigneten Arztes erschwert.«
    (Entwurf S. 2)

Und angeblich sind auch die Ärzte schwer bedroht:

  • »Für Ärztinnen und Ärzte besteht noch immer Rechtsunsicherheit. Denn sie bleiben einem strafrechtlichen Risiko ausgesetzt, wenn sie sachliche Informationen über von ihnen angebotene straffreie Schwangerschaftsabbrüche (…) bereitstellen.«
    (Gesetzentwurf S. 8)

Auch der Bundesjustizminister sprach am 13. Mai, es sei ein »absurder Anachronismus«, dass zwar irgendwelche Spinner jeden Unsinn, die »Hüter der Wissenschaft« (gemeint: Ärzte) aber nicht die Wahrheit über Abtreibungen veröffentlichen dürften. Na ja.

Fantasie und Realität

Das klingt bedrückend und wäre in der Tat Anlass zu gesetzgeberischer Aktivität. Der Haken an der Sache ist allerdings, dass nichts davon zutrifft. Das ergibt sich schon aus dem Wortlaut der Vorschrift. Es ist Ärzten – man kann es nicht oft genug wiederholen – gerade nicht verboten, so breit und genau, wie immer sie wollen, öffentlich über Abtreibungen zu informieren. Das ist sogar erwünscht, ebenso wie die Information durch öffentliche oder private Beratungsstellen ausdrücklich erwünscht ist (und immer noch zu wenig angeboten wird).

Quelle         :        Spiegel-online         >>>>>        weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —     Aktionstag zum Paragraphen 219a in Berlin vor der Volksbühne

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Unten      —        Thomas Fischer auf der re:publica 2016
Ot – Eigenes Werk
Thomas Fischer (Jurist)
CC-BY-SA 4.0
File:Thomas Fischer-Jurist-rebuliva16.JPG
Erstellt: 4. Mai 2016

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Mini-Long-Covid

Erstellt von DL-Redaktion am 12. Mai 2022

Nicht schlimm, aber nervig

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Eine Kolumne von Sascha Lobo

Seit seiner Coronaerkrankung leidet unser Kolumnist unter Langzeitfolgen. Die sind zwar nicht so schwerwiegend wie bei echten Long-Covid-Betroffenen, trotzdem lassen sie sich nicht ignorieren.

Wenn jemand sichtlich erschüttert erklärt, dass der Spargel noch immer etwas holzig daherkommt, spricht man im Internet von First-World-Problems. Dieser Text geht ein wenig in diese Richtung, denn er handelt von den weniger tiefgreifenden Folgen einer Coronaerkrankung. Insbesondere wenn man diese Folgen mit dem klassischen, zerstörerischen Long Covid vergleicht, über das die famose Kollegin Margarete Stokowski berichtet hat. Trotzdem glaube ich, etwas Aufschreibenswertes beobachtet zu haben, ich nenne es: Mini-Long-Covid.

Im Februar und März bekomme ich Corona, gut zwei Wochen nach meiner Auffrischungsimpfung. Fachleute sagen, das sei in gewisser Weise ohnehin der ideale Zeitpunkt für eine Ansteckung, ausgesucht habe ich es mir trotzdem nicht freiwillig, immerhin ist der Verlauf recht mild. Kein Fieber, nur Kopfschmerzen, Schlappheit, leichte Verwirrung, schwere Verschleimung. Es sind gerade Verwandte zu Besuch, alle mit leichtem Verlauf, wir machen spontan eine knapp dreiwöchige Quarantäne-Iso-WG auf, bis alle wieder negativ sind.

Als wäre etwas von der Krankheit übrig geblieben

Das, was ich mir als Mini-Long-Covid erkläre, beginnt nicht plötzlich. Es fühlt sich eher an, als sei es von der Krankheit übrig geblieben. Am Anfang wirkt es ignorierbar, die Krankheit scheint einfach recht langsam abzuklingen. Als sich nicht mehr leugnen lässt, dass irgendwas nicht ganz richtig läuft, suche ich irgendwelche anderen Erklärungen. Und finde natürlich höchst erfolgreich welche. Also, diese Nacht habe ich wirklich schlecht geschlafen. Vielleicht geht schon wieder eine sehr späte Wintergrippe herum. Dazu Pollenalarm. Außerdem sind im dritten Coronamärz doch auch alle irgendwie noch ein wenig erschöpft.

Mein erstes, beobachtetes Symptom von Mini-Long-Covid ist überproportional häufiges Niesen. Das Symptom, das mir am ärgerlichsten erscheint, sind Wortfindungsstörungen. Mir fallen ganz naheliegende Worte nicht mehr ein, mitten im Satz gerate ich ins Stocken. Ebenso entgleiten mir Namen, die mir über Jahre geläufig waren. Manchmal verschlucke ich Silben, weil ich sie nur denke, aber versehentlich nicht ausspreche. Dazu kommen ab und an kurze, nicht besonders heftige Kopfschmerzanfälle, die vorüberziehen wie unentschlossene Gewitterwolken. Meine Nase ist praktisch nie ganz frei und juckt oft, aber manchmal füllt sie sich nachts überraschend mit schlammrutschhaften Mengen Schleims. Meine Konzentrationsfähigkeit ist meistens ganz okay, aber manchmal muss ich eine nervöse Verwirrtheit erdulden, zehn, zwanzig Minuten lang, in denen es keinen Sinn hat, etwas schreiben oder strukturiert nachdenken zu wollen. Auch eine gewisse Kurzatmigkeit macht sich bemerkbar, wenn ich etwas schneller eine Treppe hochhuschen will.

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Alle diese Dinge gehören zu den klassischen Symptomen von Long Covid. Man könnte von außen also denken: »Klar, Long Covid.« Aber es gibt einen wichtigen Unterschied. So, wie Long Covid in den Medien und von Betroffenen beschrieben wird, handelt es sich um eine sehr ernsthafte Krankheit. Das ist einfach nicht, was ich habe, die meisten Erscheinungen kann ich überspielen, sie sind im Alltag vielleicht hier und da leicht nervig. Aber ich habe einen Alltag. Es fühlt sich einfach nicht richtig an, dass ich neben jemandem stehen könnte, dessen Leben durch Erschöpfung, Organschäden und schwere Schmerzattacken implodiert ist – und wir beide sollen Long Covid haben (selbst wenn das streng genommen der Fall sein könnte). Es fühlt sich aber auch nicht richtig an, so zu tun, als sei da gar nichts oder alles eingebildet. Deshalb die Bezeichnung Mini-Long-Covid. Es ist übrigens gar nicht so absurd, sich so etwas auszudenken, denn Long Covid ist auch nicht als amtlich festgelegter Syndromname entstanden – sondern als Hashtag auf Twitter  (von einer Long-Covid-Patientin namens Elisa Perego).

Malik Böttcher ist Hausarzt in Berlin, betreibt eine Corona-Schwerpunktpraxis und ist Geschäftsführer einer Klinik, die eine Corona-Ambulanz anbot. Er hat an vielen Fronten der Pandemie gekämpft und war auch Teilnehmer des wöchentlichen Coronagesprächskreises der Berliner Klinikleitungen mit der Gesundheitssenatorin. Im Gespräch bestätigt er die Beobachtungen: »Als Mini-Long-Covid würde ich ein Auftreten von einem oder mehrerer Symptome der Sars-CoV-2-Infektion bezeichnen, die prolongierte Verläufe zeigen. Oft sind die gesundheitlichen Einschränkungen nur leicht und finden daher wenig Beachtung. Allerdings werden sie individuell durchaus als verunsichernd wahrgenommen und können so die Lebensqualität vermindern.«

Quelle         :          Spiegel-online          >>>>>           weiterlesen

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Grafikquelle :

Oben       —     Coughs and Sneezes    –    Husten und Nießen (Ministerium für Gesundheit (Spahn)    —   Erziehung in der Öffentlichkeit

Central Council for Health Education (publisher/sponsor), Ministry of Health (publisher/sponsor), Bateman, Henry Mayo (artist), Chromoworks Ltd, Willesden, London (printer), Her Majesty’s Stationery Office (publisher/sponsor) – http://media.iwm.org.uk/iwm/mediaLib//138/media-138605/large.jpg This is photograph Art.IWM PST 14158 from the collections of the Imperial War Museums.

  • Gemeinfrei
  • File:Coughs and Sneezes Spread Diseases Art.IWMPST14158.jpg
  • Erstellt: zwischen 1939 und 1945 date

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Unten      —       Sascha Lobo; 10 Jahre Wikipedia; Party am 15.01.2011 in Berlin.

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Ein „Danke an Omikron“

Erstellt von DL-Redaktion am 8. Mai 2022

Es wird Zeit für „Danke Omikron!“-T-Shirts

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Können solche Augen töten, solch eine Nase näseln – oder solche Zähne beißen ?

VON GEREON ASMUTH

Erinnert sich noch jemand an Karl Lauterbach? Diesen Gesundheitsminister, der Anfang April verkündete, im Mai sei eine Quarantäne für Corona-Infizierte ohne Symptome nicht mehr angemessen? Der einen Shitstorm erntete und Rücktrittsforderungen gerade auch in der Social-Media-Welt, die ihn nur Monate zuvor erst ins Amt getwittert hatte? Der noch am selben Abend, nein, nicht zurücktrat, aber einen Schritt zurück tat und in einer Talkshow bei Markus Lanz die angekündigte Lockerung gleich wieder cancelte?

Der Fall zeigt, wo wir nach zwei Jahren Corona stehen. Genauer gesagt: nach zwei Jahren erhitzter Debatte. Zwei Jahre, in denen die Quer­den­ke­r:in­nen mit Verschwörungsfantasien sprachlos machten. Zwei Jahre aber auch, in denen das „Team Vorsicht“ seine meist mehr als berechtigten Warnungen so oft wiederholen musste, dass es einigen nun schwerfällt, wieder loszulassen.

Lauterbach musste seinen Vorstoß nicht zurückziehen, weil er Unsinn war. Die mit der Aufhebung der Quarantänepflicht einhergehende Entlastung der Gesundheitsämter wäre eigentlich überfällig. Der Gesundheitsminister hat davon abgesehen, weil ihm die Reaktionen gezeigt hätten, dass es „psychologisch das falsche Signal“ gewesen wäre. Gerade von Ver­tre­te­r:in­nen des „Teams Vorsicht“ war ihm vorgeworfen worden, die Pandemie zu verharmlosen. Es ging also nicht darum, ob eine Maßnahme sinnvoll sein könnte, sondern nur, ob sie auch richtig verstanden wird. Das ist wahrlich keine gute Voraussetzung für eine sachliche Debatte. Dabei wäre es eigentlich endlich Zeit, ein wenig Luft abzulassen. Tief durchzuatmen (ja, das kann man wieder). Und ein „Danke Omikron!“-T-Shirt überzuziehen.

Das war schon Anfang April absehbar. Die Entwicklung der Coronazahlen in den letzten Wochen aber lässt es überdeutlich werden. Zwar hat die Omikron-Variante, die seit Jahresbeginn in Deutschland dominiert, die erwartete gigantische Infektionswelle ausgelöst. Allein in den letzten drei Monaten Februar, März und April wurden 15 Millionen Neuansteckungen registriert, in den zwei Jahren zuvor waren es insgesamt nur 10 Millionen. Doch schon seit sieben Wochen sinkt die Fallkurve kontinuierlich. Aktuell werden zwei Drittel weniger Infektionen registriert als beim Höchststand der Omikron-Welle Ende März.

Skeptiker vom „Team Vorsicht“ geben nun zu bedenken, dass ja anders als noch vor wenigen Wochen kaum mehr getestet werde. Und ohne Tests sehe man die Pandemie nur nicht. Das wäre nicht von der Hand zu weisen, wenn nicht auch andere, weniger anfällige Indikatoren das Abflauen der fünften Coronawelle belegten.

Die Hospitalisierungsrate, mit der das Robert-Koch-Institut die Belastung der Krankenhäuser durch Corona-Patient:innen bemisst, ist wieder auf ein Niveau gesunken, wie es zuletzt Ende Januar gemessen wurde. Und wichtiger noch: Die Zahl der Covid-19-Patient:innen, die auf Intensivstationen behandelt werden müssen, ist so niedrig wie seit Anfang September nicht mehr. Von einem Zusammenbruch der intensivmedizinischen Versorgung durch Überlastung, wie er im Dezember kurz bevorstand, sind wir aktuell weit entfernt. Dank Omikron!

Tschüs, scheinbare Sicherheit

Denn diese Coronavariante hat sich an die ersten Erkenntnisse der Wis­sen­schaft­le­r:in­nen gehalten. Sie ist zwar mehr als zehnmal so ansteckend wie ihre Vorgängerinnen. Aber sie führt auch – in Kooperation mit den vielen Impfungen – zu deutlich weniger schweren Erkrankungen. Und damit relativ auch zu weniger Toten. Unter Omikron werden nur noch etwa 12 Coronatote pro 10.000 registrierten Infektionen beobachtet. Bei der Vorgängervariante Delta waren es Ende 2021 noch bis zu 10 Mal mehr – trotz hoher Impfquote. Während der dritten Welle Anfang 2021 waren es sogar gut 25 Mal so viele. Da war Corona tatsächlich die furchterregende Pandemie, von der man noch nicht viel weiß, der man gerade deshalb alles Mögliche entgegenstellen musste. Laut der aktuellen Sterberate ist eine Coronainfektion – ja tatsächlich – sogar harmloser als eine Grippe. Dank Omikron.

Liegen diejenigen also falsch, die laut beklagen, dass die Pandemie seit dem weitgehenden Wegfall nahezu aller Beschränkungen nur nicht mehr gesehen werde? Tatsächlich scheint es so, als könne die Dunkelziffer aktuell höher liegen denn je. Aber selbst das belegt nicht die Schwere der Pandemie, sondern das Gegenteil. Wenn es viel mehr Infizierte gibt als von der Statistik erfasst, dennoch aber die Pa­ti­en­t:in­nen­zahl in den Kliniken und die Zahl der Todesfälle nicht steigt, sondern sinkt, dann ist Corona im Frühling 2022 wirklich noch viel harmloser, als es die offizielle Statistik zeigt. Dank Omikron.

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Sogar Kamele lassen sich Impfen. Aber welcher Mensch möchte ein Kamel sein?

Ist Corona also vorbei? Leider nein. Im Gegenteil, wir werden damit leben müssen. Es tritt so langsam ein, was Virologen wie Christian Drosten von der Charité schon Anfang des Jahres vorhergesagt hatten. Corona wird endemisch und zu einem der vielen Viren, denen wir im Laufe unseres Lebens immer wieder begegnen werden. Wir gewöhnen uns daran. Medizinisch betrachtet heißt das: Unsere Körper, die vor zwei Jahren noch nicht wussten, was sie Corona entgegensetzen sollten, haben Abwehrmechanismen entwickelt. Mit jeder Begegnung mehr. Und Omikron hat ihnen dabei entscheidend geholfen – gerade weil es so viele Menschen so schnell erreicht hat.

Drosten hatte die Omikron-Variante schon im Januar als „Nachdurchseuchungsvirus“ und im Grunde „perfektes erstes endemisches Virus“ bezeichnet. Mittlerweile sieht er sich bestätigt. Vor wenigen Tagen freute sich der Charité-Mediziner auf Twitter über aktuelle Forschungsergebnisse. Durch die Omikron-Welle sei die Immunität in der Bevölkerung offensichtlich so sehr gestiegen, dass nun die Schwere der Erkrankungen bei weiteren Infektionen nachlasse. Dank Omikron.

Quelle      :       TAZ-online         >>>>>         weiterlesen

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Oben     —   Karl Lauterbach in der WDR-Sendung „Maischberger“ am 2019-04-10

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Mann gesund – Zeit krank

Erstellt von DL-Redaktion am 8. Mai 2022

Youtube – ein Video von einem kerngesunden, jungen Mann

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Ein Symbolfoto unabhängig vom Artikel

Von Johannes Kreis

wir möchten auf einen Beitrag von follow me. reports hinweisen, der einen kerngesunden, jungen Mann zeigt.

follow.me reports, „Ein Video von einem kerngesunden, jungen Mann“, 2019https://www.youtube.com/watch?v=jnGXEowVnD0

Dieser Mann ist ganz offensichtlich, für jeden erkennbar, kerngesund. Er hat keinerlei Symptome, er leidet an nichts, er treibt Sport, er lebt ein ganz normales Leben.

Aber eine Wissenschaftssekte, die keine Kritik erlaubt und nur überzeugte Virus-Fanatiker in ihren Reihen duldet, hat ihn für krank erklärt, da er positiv auf einen Biomarker reagiert. Dieser junge Mann war und ist vollkommen gesund, mit und ohne positiven Biomarker. Aber mit positivem Test ist er als Aussätziger gekennzeichnet, der 15 – 20 Jahre nach seinem positiven Test sterben soll (slow virus Hypothese). Erst wenn er hochgiftige und am Ende tödliche Substanzen nimmt, darf er in die Gemeinschaft zurück.

Tatsächlich ist dieser symptomfreie, junge Mann gesund, ohne dass es irgendeiner Therapie bedarf. Er hätte eine vollkommen normale Lebenserwartung, wenn er nicht durch enormen sozialen Druck dazu verurteilt worden wäre, sich einer hochtoxischen, lebenslangen(!) Therapie zu unterziehen. Die Liste der Nebenwirkungen, die sich über die nächste Jahre bei diesem jungen Mann zeigen werden, ist lang. Er wird sie alle durchlaufen, denn die sogenannte „Therapie“ ist hochgiftig und man wird deshalb die Substanzen im Laufe der Jahre mehrfach wechseln.

or

https://clinicalinfo.hiv.gov/sites/default/files/guidelines/documents/AdultARV_GL_AdverseEffects.pdf

Bleeding Events

Bone Density Effects

Bone Marrow Suppression

Cardiac Conduction Effects

Cardiovascular Disease

Cholelithiasis

Diabetes Mellitus and Insulin Resistance

Dyslipidemia

Gastrointestinal Effects

Hepatic Effects

Hypersensitivity Reaction

Excluding rash alone or Stevens-Johnson syndrome

Lactic Acidosis

Lipodystrophy

Myopathy/Elevated Creatine Phosphokinase

Nervous System/Psychiatric Effects

Rash

Renal Effects/Urolithiasis

Stevens-Johnson Syndrome/Toxic Epidermal Necrosis

Diese Liste ist eher zu kurz als zu lang, da man einige allzu toxische Substanzen wie Didanosin (ddI), Stavudin (d4T), Fosamprenavir (FPV), Indinavir (IDV), Nelfinavir (NFV), Saquinavir (SQV) und Tipranavir (TPV) inzwischen nicht mehr einsetzt. Davor waren sie jahrelang in Gebrauch, mit katastrophalen Folgen für die damit behandelten Menschen.

Hautausschlag und Kopfschmerzen, nach  denen der behandelnde Mitarbeiter der Universität Jena den jungen Mann fragt, das sind Symptome von Nebenwirkungen dieser Substanzen. Ebenso prüft dieser Mitarbeiter Leberwerte und Nierenwerte. Das prüft er nicht wegen HIV, sondern wegen der schweren Leber- und Nierenschäden, die diese Substanzen verursachen. Die Literatur dazu ist eindeutig, siehe auch unten.

Und natürlich kommt auch wieder der Unsinn von der Viruslast. Die ist uninteressant, denn was immer man dort mit einem Test glaubt nachzuweisen, es hat keinen Bezug zu irgendeiner Form von Erkrankung. Es ist seit langem bekannt, dass es keinen Zusammenhang zwischen der sogenannten Viruslast und einer Abnahme der CD4 Zellen des Immunsystems gibt, was das AID Syndrom einleiten soll.

only a small proportion of CD4 cell loss variability (4%-6%) could be explained by presenting plasma HIV RNA level

Es ist das übliche Viruslast-Blendwerk. Der Begriff „Virus“ reicht für diesen Hokus-Pokus.

In dem Betrag fehlen die Gutmenschen von der Deutsche-AID-Syndrom-Hilfe, die sonst zu Wort kommen. Üblicherweise schwabulieren diese Damen und Herren dann über eine mögliche Erkrankung 15 – 20 Jahre nach einem ersten positiven Biomarker-Test. Keiner von diesen Herrschaften ist jemals auch nur in der Nähe eines molekularbiologischen Labors gewesen. Keiner kann irgendeinen Beweis für die Hypothese eines „Langsamen Virus“ (Lentivirus) als Ursache des AID Syndroms angeben.

Niemand von der Universität Jena klärt den jungen Mann darüber auf, dass bis heute niemand weiß, wie HIV-1 überhaupt zu einem nennenswerten Sterben von CD4 Zellen des Immunsystems führen soll. Es sind viel zu wenige Zellen infiziert, als dass dies zu einer Schwächung des Immunsystems führen könnte. Zugleich werden CD4 Zellen in enormer Menge jeden Tag neu gebildet.

“HOW DOES HIV-1 CAUSE AIDS?  As is apparent from this article and the rest of the collection, in the 25+ years since its discovery, we have learned an enormous amount about HIV, but we still cannot answer the one big question: How does HIV-1 cause AIDS?”

Even if we knew the mechanism of HIV-mediated cell killing, we would not know how HIV-1 causes CD4+ T-cell decline and AIDS in humans. The observation that virus and cell turnover rates in various SIVs in their natural hosts (such as SIVsm in sooty mangabeys), which do not progress to AIDS, are essentially identical to those in humans, who do progress, implies that cell killing alone cannot account for AIDS pathogenesis. Indeed, this result is consistent with the high natural turnover rate of activated effector memory helper T cells, the primary target for HIV-1 infection, on the order of 1010 cells per dayof which only a small fraction are infected after the initial primary infection phase.”

Niemand klärt den jungen Mann darüber auf, dass es seit Millionen von Jahren Lentiviren gibt, und dass diese im Tierreich weitverbreitet sind. Man findet sie u.a. bei Pferden, Rindern, Schafen, Katzen, Hunden und Affen, ohne dort zu irgendeiner Schädigung zu führen, auch Jahrzehnte nach einem positiven Test. Niemand klärt den  jungen Mann darüber auf, wie die sogenannte Wissenschaft seit 37 Jahren vergeblich versucht, Affen zu finden, die nach Jahrzehnten der Gefangenschaft und unzähligen Experimenten so etwas wie eine AID Syndrom ähnliche Immunschwäche zeigen (apes don’t get AIDS).

Niemand klärt den jungen Mann darüber auf, was für ein unglaublicher Zufall es gewesen sein muß, dass es um 1930 herum zu mindestens 13 Zoonosen von mindestens 3 verschiedenen Affenarten in Afrika gekommen sein soll, damit der Virus 1981 ausgerechnet zum ersten Mal in einer schwer vorgeschädigten Population von Homosexuellen in den USA auftaucht. Nicht nur das. Die 13 Zoonosen um 1930 herum hätten auch fast zeitgleich zu dem Entstehen von 2 neuen Lentivirusarten beim Menschen geführt, HIV-1 und HIV-2, die sich im Genom um ca. 45% unterscheiden. Trotzdem wird ihnen dieselbe Wirkung unterstellt.

Keiner der Virus-Spinner in den deutschen HIV Schwerpunkt Praxen sagt dem jungen Mann, welche der Millionen von unterschiedlichen Varianten des HI Virus er trägt. In 20 Jahren, wenn dieser junge Mann von den schweren Nebenwirkungen seiner „Medikamente“ gezeichnet sein wird, ist die ursprüngliche Variante die mutmaßlich zu einem positiven Biomarker-Test geführt hat, längst wegmutiert. Niemand klärt den jungen Mann dazu auf. Hauptsache der Test ist positiv.

“Mutations of the virus occur repeatedly so that every person living with HIV has more than one virus variant [154]. During transmission, a limited number of virus variants (one to a few) are transmitted, but these will also mutate to form new variants so that no two persons’ HIV is identical [155].”

Angesichts von geschätzten 37 Mio. sogenannten Infizierten seit den 1980er Jahren bedeutet das eine ungeheure Menge von Mutationen für einen Virus, der nur 9.000 Basenpaare lang ist.

In solchen Beträgen wie von follow me.reports werden regelmäßig Menschen gezeigt, die die “Arzneimittel“ schlecht metabolisieren und fast vollständig wieder ausscheiden. Deshalb zeigen sich in solchen Menschen die Nebenwirkungen erst später. Aber irgendwann, nach 20 – 30 Jahren, nach Jahrzehnten der Therapie mit schweren Zellgiften, wird der junge Mann aus dem Video oben, so aussehen wie Scott Jordan,

•    The Guardian, „Growing old with HIV: ‚I’m in my 30th year of sickness. For the last 23, I’ve thought about death almost every day‘“, 2014https://www.theguardian.com/society/video/2014/aug/14/hiv-america-us-aging-video

Wie man auf einem Bildausschnitt sehen kann bekommt Scott Jordan u.a. folgende Substanzen verschrieben,

Stribild, 25-50 mg täglich, ein „antiretrovirales“ Kombinationspräparat aus Elvitegravir, Cobicistat, Emtricitabine und Tenofovir

Atenolol und Chlorthalidone, 40 mg 2x täglich, ein Beta-Blocker gegen Bluthochdruck

Nexium (Esomeprazol), 40 mg 3x täglich, gegen schwere Gastritis

Oxycontin (Oxycodon), 40 mg, 3x täglich, ein Opioid und sehr starkes Schmerzmittel mit hohem Suchtpotential

Crestor (Rosuvastatin), 40 mg, 1x täglich, ein Cholesterinsenker, gegen Fettstoffwechselstörungen

Geodon (Ziprasidone), 20 mg 1x täglich, ein Antipsychoticum zur Behandlung von Schizophrenie und bipolarer Störung

Lyrica (Pregabalin), 50 mg 2x täglich, gegen neuropathischer Schmerzen, Epilepsie sowie allgemeine Angststörungen, darf nicht zusammen mit Opioiden eingenommen werden

Lamictal (Lamotrigin), 150 mg 2x täglich, gegen Epilepsie und affektive Störungen

Prozac (Fluoxetin), 10 mg 1x täglich, ein Anti-Depressivum, mit bekannten, schweren Nebenwirkungen

Alle diese Substanzen erzeugen schwere Nebenwirkungen.

Scott Jordan, der Mann im Guardian wurde 1984 HIV+ gemessen. Er hatte keine der ca. 30 AIDS definierenden Krankheiten. Er ist von keiner dieser Krankheiten geheilt worden. Er hat sie nie gehabt. Trotzdem nimmt er pro Tag insgesamt 13 verschiedene Medikamente. Die meisten inzwischen gegen die Nebenwirkungen seiner „antiretroviralen Therapie“. Diese betreffen bei Scott Jordan vermutlich vor allem das zentrale Nervensystem, was die hohe Anzahl an Psychopharmaka und Anti-Epileptika zeigen.

Psychatrische Erkankungen sind neben chronischem Bluthochdruck sehr häufige Nebenwirkungen der sogenannten „antiretroviralen Therapie“, vgl.

  • Maggi et al., “Clusterization of co-morbidities and multi-morbidities among persons living with HIV: a cross-sectional study.”, BMC Infect Dis. 2019 Jun 25;19(1):555, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31238916

“Non-HIV co-morbidities included: cardiovascular diseasediabetes mellitushypertensiononcologic diseasesosteoporosis, probable case of chronic obstructive pulmonary disease (COPD), hepatitis C virus (HCV) infection, psychiatric illnesskidney disease.”

“Table 1 – Characteristics of 1087 patients enrolled in the Cluster Project: Years since ART initiation 9.0 (4.0–16.0)”

“The most frequent co-morbidity was dyslipidemia (55.3%), followed by hypertension (31.4%), COPD (29.4%), hepatitis C virus (HCV) infection (25.4, 5.5% with detectable HCVRNA), psychiatric illness (10.3%), diagnosis of osteopenia/osteoporosis (10.1%), diabetes (6.1%), and renal impairment (4.8%); 95 (8.7%) subjects had history of non-AIDS-defining cancer. Forty-nine patients (4.5%) had pCVD events.“

“Our data evidence that, in spite of mean age lower than 50, co-morbidity was the rule among our PLWH (82%)and that more than 50% of our patients were multi-morbid. Moreover, about 30% of them had three or more chronic non-HIV related conditions, thus confirming recent data provided by other studies in the field.”

Jedoch, all dies attributieren die Vorzeige-Wissenschaftler der Virologie seit 37 Jahren dem Hirngespinst eines „Langsamen Virus“ (Lentivirus), zu denen auch das HI Virus zählt.

Dass diese Menschen überhaupt so lange leben, hat allein damit zu tun, dass man in den letzten 30 Jahren die Dosen massiv gesenkt hat und zu weniger toxischen Substanzen übergegangen ist. Diese Menschen leben nicht länger dank der Medikamente, sondern aufgrund der heute niedrigeren Dosen sterben sie langsamer. So ist die Tenofovir Dosis in der Tenofivir Alafenamid Formulierung des in dem Beitrag von follow me.reports gezeigten Descovy (Descovy und Tivicay Kombinations-„Therapie“ des jungen Mannes) 9 mal niedriger (nach Molekulargewicht) als in der sogenannten „HIV Prä-Expositionsprophylaxe (PreP)“ mit Truvada (Tenofovir Disoproxil Fumarat Formulierung). Deshalb gibt es mit Descovy deutlich weniger Nebenwirkungen, wie erwartungsgemäß bei der DISCOVER Studie von Gilead Science herauskam, vgl.

  • Results from DISCOVER Trial Provide Bone and Renal Safety Profile Data from Participants who Switched from Truvada for PrEP® to Descovy for PrEP.”, Conference Reports for NATAP, IDWeek October 3 -7, 2018
    San Francisco, CA, http://www.natap.org/2019/IDWeek/IDWeek_61.htm

Die niedrigere Nebenwirkungsrate geht auf die deutlich niedrigere Dosierung von Tenofovir zurück, das zu einer Stoffklasse mit dem Phantasienamen „Nukleotidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI)“ gehört. Diese Stoffklasse schädigt nachweislich die Mitochondrien, die Energielieferanten der Zellen, und führt nach einigen Jahren zu vielfachen Gewebeschäden. Die Literatur dazu ist auch eindeutig.

“In 1988, the suggestion that the first antiretroviral drug, zidovudine, was the potential cause of muscle pathology in HIV-infected persons resulted in structural and biochemical patient studies demonstrating acquired mitochondrial dysfunction. Assessment of subsequent nucleoside analog reverse transcriptase inhibitor (NRTI) antiretroviral drugs has indicated that mitochondria are a common target of NRTI toxicity in multiple tissues, leading to a wide variety of pathology ranging from lipodystrophy to neuropathy. Overwhelmingly, these complications have emerged during post-licensing human studies.”

“Millions of patients have been treated with mitochondrially toxic NRTIs and these drugs remain the backbone of antiretroviral rollout in much of sub-Saharan Africa.”

Es sei noch angemerkt, dass die sinnlose und schädigende Descovy – Tivicay Kombinations-„Therapie“ des jungen Mannes alle 3 Monate die Krankenkasse 1561,47€ (Descovy) und 2134,88€ (Tivicay) kostet, zusammen 3.696,35 €. Und diese oder ähnliche Präparate soll dieser junge Mann den Rest seines Lebens nehmen. Wer würde eine so profitable Therapie aufgeben wollen?

Jede neue Generation von jungen Menschen glaubt den Quatsch von den zoonotischen Killerviren, die alle 5 – 8 Jahre die Menschheit seit 40 Jahren heimsuchen sollen, seit es mit dem Viruswahnsinn und HIV in den 1980er Jahren anfing. Und sie glauben auch den Unsinn von den Wunderdrogen, die die Wissenschaft aus dem Hut gezaubert hat.

Es ist kaum noch jemand da, der ihnen erzählen kann, wie es in den 1980er Jahren wirklich gewesen ist, als man glaubte, in schwerst drogenabhängigen und vielfach mit Geschlechtskrankheiten infizierten Homosexuellen, nach Jahren des Antibiotika Mißbrauchs gegen eben diese Geschlechtskrankheiten, einen neuen Virus gefunden zu haben. Selbst damals reagierte nur ein Teil dieser, ohne jeden neuen Virus, schwer kranken Menschen auf den hastig zusammengeschusterten Test. Später reichte der Test zur Diagnose und die mutmaßliche Infektion, d.h. der positive Test, definiert die Krankheit. Und siehe da, alle Infizierten hatten auch einen positiven Test, denn so hatte man sie ja gefunden. Niemand klärt den jungen Mann in dem Video über diesen klassischen Ringschluß auf, auf dem fast die ganze, sogenannte moderne Infektionsmedizin basiert.

Kürzlich verstarb im Alter von 83 Jahren ein Zeitzeuge des HIV=AIDS Wahnsinns, John Lauritsen, der von Anfang an den Viruswahnsinn miterlebt hat. Seinen Nachruf auf der Webseite von Children’s Health Defense, der Organization von Robert F. Kennedy Jr., schrieb Celia Farber,

Es wird noch mindestens eine Generation dauern, bis man sich der Katastrophe, die der Viruswahn ausgelöst hat, auch in den Medien annähern kann. So ist das eben in der Wissenschaft. Man kann sich nicht immer aussuchen, was man herausfindet. Die sogenannte scientific community kann nur auswählen, was sie diskutiert und worüber man spricht. Aber das ist dann keine Wissenschaft mehr, sondern Marketing.

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Grafikquellen     :

Oben       —   Daniel Sousa – Laboratório Fapcom – 12.10

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Die Impfung ohne Echo ?

Erstellt von DL-Redaktion am 22. April 2022

Die erfüllten und die unerfüllten Versprechen der Impfung (1)

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Quelle      :        INFOsperber CH.

Von  :  Konstantin Beck /   

Der Gesundheitsökonom Konstantin Beck analysiert im Buch «Der Corona-Elefant» Nutzen und Schaden der Covid-Impfung.

Red. –  Konstantin Beck ist Titularprofessor für Gesundheitsökonomie an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität LuzernWährend 27 Jahren war er Aktuar in der Krankenversicherung und von 2007 bis 2020 Leiter des CSS-Instituts. Er ist Co-Autor des Buchs «Corona in der Schweiz». Gemeinsam mit Andreas Kley, Peter Rohner und Pietro Vernazza hat er kürzlich «Der Corona-Elefant» herausgegeben. Der folgende Beitrag ist eine gekürzte und aktualisierte Fassung des von ihm verfassten Kapitels «Ist die Impfung ein kategorischer Imperativ? – Eine Analyse aus ökonomischer Sicht« aus diesem Buch*.

Der Ruf nach einer Impfpflicht

Die Corona-Pandemie verhielt sich nie so, wie wir es erwartet hätten. Umso erstaunlicher, mit welchem Brustton der Überzeugung der Ruf zur Einführung einer allgemeinen Impfpflicht erschallte, auch und gerade von Experten, deren Fachgebiet (mit Ausnahme von Tanja Krones) nicht unbedingt die Virologie war. So forderte der Wirtschaftsprofessor Urs Müller «ein Impf-Obligatorium für die Freiheit», weil «eine Politik, die Krankheit und Tod in Kauf nimmt, ethisch nicht verantwortbar» sei. Sekundiert wurde der Beitrag von mehreren Leserbriefen ähnlicher Tonalität, so z.B. Thomas Beschorner, Wirtschaftsethiker der Universität St. Gallen: «Impfen ist keine Privatsache, sondern eine moralische Pflicht.» Auch die Medizinethikerin Krones zeigt nicht übermässig Empathie für die Impfverweigerer und weist sie den drei Schubladen «Verschwörungstheoretiker, Freiheitsliebende und die Leute, die dem Staat misstrauen» zu. Der Philosoph Maurizio Ferraris, sieht «die Freiheit» durch den Impfzwang «in keinem ernstzunehmenden Sinn gefährdet».

Im Folgenden nähern wir uns der Frage zuerst auf theoretischer und anschliessend auf statistischer Ebene, beschäftigte sich doch der Schreibende seit über dreissig Jahren mit Gesundheits-Statistik. Dabei stützt sich die Argumentation weitestgehend auf amtliche Daten.

1. Die Impfung – kategorischer Imperativ oder Weichensteller-Problem?

Sind die Impfverweigerer nun tatsächlich alles «Covidioten», die sich trotzig dem offensichtlichen virologischen Imperativ im Sinne Kants verschliessen? Die Entscheidungssituation im Falle einer Impfung ist ein wenig komplexer, als die zitierten Beiträge vermuten lassen. Betrachten wir dazu ein spieltheoretisches Modell der Impfentscheidung.

Stellen Sie sich einen Zug vor, der völlig unkontrolliert auf eine Gruppe ahnungsloser Arbeiter zurast, welche am Geleise arbeiten. Die Kollision mit dem Zug wäre für sie alle tödlich. Neben einer Weiche stehend erkennen Sie die Gefahr im letzten Moment, sind jedoch ausser Stande, die Arbeiter zu warnen. Wenn Sie die Weiche umlegen, retten Sie die Gleisarbeiter vor dem sicheren Tod. Allerdings steht auch auf dem zweiten Geleise eine Person, die durch die Umleitung des Zuges den Tod finden würde. Wie entscheiden Sie sich?

Diese ethische Dilemmasituation beschreibt die Impfzwang-Problematik genauer, und das Dilemma gilt auch dann, wenn die Impfung nachhaltig wirksam und relativ ungefährlich ist. Es ist eben nicht so, dass ein Impferfolg gratis zu haben wäre. Es gilt Nebenwirkungen, die tödlich sein können, in Kauf zu nehmen.

Allerdings bemühen sich Medien und Studien der Pharmaindustrie, das Problem des zweiten Geleises schönzureden. Es stehe gar niemand auf dem zweiten Geleise, das Dilemma sei daher fiktiv und irrelevant.

Fiktiv ist jedoch die Annahme, es gäbe gar keine Nebenwirkung. Eine Aussage, die nicht einmal von den Herstellern der Impfstoffe geteilt wird.

Im Folgenden gehen wir daher der Frage nach: Wie viele Personen stehen auf dem zweiten Geleise, respektive, wie hoch ist das Risiko für Nebenwirkungen.

2. Die erwünschten Wirkungen der Impfung

Der Impfung gingen vier Versprechen voraus:

  1. Die Impfung verhindere die Übertragung voraussichtlich während eines Jahres (gemäss der (ursprünglichen) Gültigkeitsdauer des Impfzertifikats).
  2. Sie reduziere die Ansteckungshäufigkeit.
  3. Sie führe zumindest zu einem milderen Krankheitsverlauf.
  4. Sie sei ungefährlich.

2.1 Wie lange die Impfung schützt

Die Dauer des Impfschutzes von voraussichtlich einem Jahr erwies sich bereits im Spätsommer 2021 als Irrtum und ist mit der Lancierung der Booster-Impfung und der Reduktion der Gültigkeitsdauer der Impfzertifikate auf 270 Tage offiziell falsifiziert worden. In seiner Medienmitteilung vom 21.12.2021 schreibt das BAG, die Auffrischimpfung sei «besonders bei älteren Personen wichtig, um sie vor schweren Erkrankungen und Hospitalisationen zu schützen.»

Das ist insofern erstaunlich, als dass das BAG gleichzeitig auf seiner Homepage regelmässig den Nachweis konstant hoher Wirksamkeit publizierte. Abbildung 1 zeigt die Wirksamkeit in Bezug auf Todesfälle bei über 80-Jährigen. Sie schwankt in den 29 dargestellten Wochen zwischen 0.87 und 0.98. Letzteres bedeutet, dass auf 100 ungeimpfte Covid-19-Todesfälle zwei Todesfälle von Geimpften kommen. Die Resultate für andere Altersgruppen sind sehr ähnlich. Ein markanter Zusammenhang zwischen Booster und Wirksamkeit (beispielsweise ein markanter Einbruch der Wirkung, der durch den Booster wieder aufgefangen würde), kann jedoch aus aus Abbildung 1 nicht abgelesen werden. Motivation für das Boostern könnte demnach nur die Reduktion der Übertragbarkeit sein.

Wirksamkeit der Impfung bei 80Jährigen

© K.Beck / «Der Corona-Elefant»

2.2 Reduktion der Ansteckungshäufigkeit

Wenn wir die drei Länder, Schweiz, Deutschland und Dänemark betrachten, so sehen wir, dass bei allen drei die Anzahl Ansteckungen in der dritten Welle (vom 15.7.21 bis 7.4.22), d.h. mit geimpfter Population, grösser waren als zuvor. 80%, 83% respektive 90% der gemeldeten Infektionen fallen in die dritte Welle (Tab. 1).

Das hat allerdings zwei von der Impfrate unabhängige Gründe: Erstens wurde die Infektion während der ersten Welle (bis Mitte Juli 2020) auf Grund fehlender Testkapazitäten nicht richtig gemessen (darum die geringen Anteile von weniger als einem Prozent). Zweitens kam in der dritten Welle eine Mutation auf, die grundsätzlich ansteckender war. Interessant ist darum der relative Vergleich zwischen den drei Ländern. Und da zeigt sich: Je höher die Impfquote, desto höher der Anteil Infizierter in Welle 3. Dänemark liegt sowohl bei der Impfquote als auch beim Anteil Infizierter an der Spitze, was der Erwartung an die Impfung zuwiderläuft.

Auch in den USA konnte das Phänomen hoher Infektionsraten trotz hoher Impfquoten nachgewiesen werden. So identifizieren die US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) vier der fünf US-Counties mit höchster Impfrate (99,9% bis 84,3%) als Gebiete mit hohen Übertragungsraten.

Die These, die Impfungen trügen in irgendeiner Form zur Reduktion der Ansteckungen bei, muss deutlich verworfen werden. Und da die Spitalüberlastung ebenfalls ausblieb, entfällt die argumentative Grundlage für eine staatliche Nötigung zur Impfung.

2.3 Milderer Krankheitsverlauf

Vergleich Covid-19 Todesfälle Schweiz, Deutschland, Dänemark

© K.Beck / «Der Corona-Elefant»

Auch die Aussage, die Impfung führe zu einem milderen Krankheitsverlauf, lässt sich mit nationalen Statistiken nicht stützen. In Tabelle 1 fällt auf, dass die Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 in Dänemark trotz hoher Impfquote von 83% in der dritten Welle stark anstiegen, während sie in Deutschland und der Schweiz zurück gingen. Noch nie starben in Dänemark so viele Person an oder mit Covid-19, wie während der dritten Welle (55% aller Covid-10 Todesfälle), als die Bevölkerung also geimpft war.

Anhand der Werte in Tabelle 1 können die Todesfälle pro Infizierte (die sogenannte case fatality rate) berechnet werden. Diese betragen für die dritte Welle 1,1 Promille für die Schweiz, 1,2 für Dänemark und 2,1 für Deutschland. Am besten schneidet der «Impfmuffel» Schweiz ab und Dänemark weist keinen relevanten Vorteil auf. Erstaunlich ist zudem, dass Dänemark vor Einführung der Impfung diesbezüglich markant besser abschnitt. Die case fatality rate der zweiten Welle lautet: 6,8 für Dänemark, 13,4 für die Schweiz und 23,4 für Deutschland.

Drei Einwände sind hier wichtig: Es zeigt sich deutlich, dass die case fatality rate in allen drei Ländern von der ersten zur zweiten Welle sinkt. Das könnte die Folge der Virus-Mutation oder aber der Impfung sein. Die beiden Effekte lassen sich anhand der präsentierten Werte nicht auseinanderhalten. Zwar ändert sich die Rangliste unabhängig von der Impfrate. Aber hier kann entgegnet werden, dass die Impfquoten der unter 55-Jährigen für Todesfälle, die vorwiegend ältere Personen betreffen, sowieso irrelevant sind. Dazu kommt, dass die Resultate auch stark davon abhängig sind, wie häufig getestet worden ist und das ist in den drei Ländern auch unterschiedlich.

Aber auch wenn die relative Sterblichkeit in der dritten Welle abgenommen hat, gilt dennoch für Dänemark: In absoluten Zahlen war die dritte Welle für dieses Land die tödlichste der drei Wellen, und das, obwohl Dänemark, was die Impfung angeht, zu den internationalen Spitzenreitern gehört.

Die gross angelegten Impfkampagnen im Herbst 2021 und die restriktiven Zertifikatsauflagen für Ungeimpfte konnten die Sicherheit der Bevölkerung nicht steigern, ja nicht einmal eine Reduktion der Ansteckungen bewirken. Schuld daran ist möglicherweise eine Zertifikatspolitik, die vor allem die Ungeimpften schützt, während gleichzeitig die Impfung die Übertragung unter den freier zirkulierenden Geimpften nicht wirklich eindämmen kann. Daher ist es nicht erstaunlich, dass sich die Pandemie wieder stärker unter den Geimpften ausbreitet. Und wenn gleichzeitig der Impfschutz früher als erwartet nachlässt, muss dies fast zwingend zu einer Zunahme des Anteils doppelt Geimpfter unter den Spitaleintritten führen.

Wenn wir den Fokus ausweiten und die Häufigkeit der Covid-Todesfälle in der gesamten Bevölkerung anschauen ( Tab. 2), dann zeigt sich ein ernüchterndes Bild. Obwohl im Jahr 2021 ein grosser Teil der Bevölkerung durchgeimpft worden ist, sinkt die Mortalität (Anzahl Todesfälle pro Einwohner) hauptsächlich in den hohen Altersgruppen, was einer positiven Wirkung der Impfung entspricht. Aber in 11 von 18 Einträgen (grau markiert) nimmt die Mortalität nicht ab.

Covid-19 Todesfälle pro 100'000 Einwohner

© K.Beck / «Der Corona-Elefant»

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Grafikquellen          :

Oben     —   Cartoon: Vielleicht sollten bei der Durchsetzung der allgemeinen Impfpflicht Tierärzte mit entsprechender Ausrüstung eingesetzt werden.

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Von Politik und Gesundheit

Erstellt von DL-Redaktion am 17. April 2022

Medi-Geheimnistuerei auf Kosten von Patientinnen und Patienten

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Quelle      :        INFOsperber CH.

Urs P. Gasche /   

Es geht um Krankheits- und Todesrisiken. Trotzdem sorgen Behörden nicht für Transparenz. Ein notorischer Missstand. (Teil 2)

Bei den meisten Medikamenten und Impfstoffen halten Hersteller und Behörden die Rohdaten der Zulassungsstudien unter Verschluss. Sogar ihre eigenen ausführlichen Beurteilungen der Zulassungsunterlagen geben die Behörden nicht heraus, weil die Unterlagen angeblich schützenswerte Geschäftsinteressen der Hersteller enthalten.

Deshalb können aussenstehende Experten diese Studien nicht kritisch überprüfen. Es bleibt das blinde Vertrauen in die Zulassungsbehörden. Dieses hat sich immer wieder als fatal erwiesen.

Gleicher Missstand bei Pestiziden

Die gleiche Geheimniskrämerei besteht auch bei der Zulassung von Pestiziden. In einem ersten Teil informierte Infosperber ausführlich über zwei bedenkliche Pflanzenschutzmittel, die viel Schaden anrichteten und erst vor kurzem verboten wurden. Der SRF-Dokumentarfilm «Der Pestizid-Poker»  hatte die Fälle zuerst aufgegriffen. 

Lasche Zulassungs- und Überwachungspraxis bei den Medikamenten

Das eklatanteste Beispiel, wie fatal sich eine lasche und intransparente Zulassungs- und Überwachungspraxis auswirken kann, war das Medikament Vioxx. Bei der Zulassung im Jahr 2000 wurde dieses Rheuma- und Schmerzmittel als Super-Aspirin gefeiert. Vier Jahre später musste es überstürzt vom Markt genommen werden, nachdem es weltweit zu zahlreichen Todesfällen gekommen war: 7000 in Deutschland und rund 600 in der Schweiz.

In den USA soll es wegen Vioxx bis 2005 zu 60’000 Todesfällen gekommen sein. Erst im April 2012 verurteilte das US-Justizdepartement den Hersteller-Konzern Merck MSD zu einer Strafe von 322 Millionen Dollar, weil die Firma über die Risiken des Schmerzmittels Vioxx ungenügend informiert hatte und Vioxx zudem für illegale Anwendungen empfahl. Ein Jahr zuvor hatte Merck MSD eingewilligt, geschädigte Patientinnen und Patienten in den USA sowie Gesundheitsorganisationen mit insgesamt 629 Millionen Dollar zu entschädigen.

Zuvor hatte Merck MSD mit Vioxx 11 Milliarden Dollar verdient.

Das Auswerten von zuvor unveröffentlichten Daten brachte es ans Licht

Manchmal wird ein Medikament zugelassen, obwohl es für einige zugelassene Anwendungen ausschliesslich unerwünschte Wirkungen hat. Beispielsweise das seit 2001 kassenpflichtige Antidepressivum Edronax. Es war zehn Jahre lang nicht nur gegen schwere Depressionen, sondern auch für leichtere und mittlere Depressionen zugelassen. Der Pharmakonzern Pfizer erzielte damit Milliardenumsätze. Erst nach einer Auswertung von vorher unveröffentlichten Daten kam eine Studie in der Fachzeitschrift The Lancet im Jahr 2010 zum Schluss, Edronax sei bei leichten und mittleren Depressionen «ein unwirksames und potenziell schädliches Antidepressivum». Bekannte Nebenwirkungen seien «Selbstverletzungen», «Suizid und suizidale Gedanken» sowie eine «klinische Verschlechterung» des Gesundheitszustands.

Doch erst im Jahr 2013 verbot Swissmedic, Edronax gegen leichte und mittlere Depressionen zu verschreiben.

Warum Swissmedic so spät handelte, ist nicht nachvollziehbar. Denn entsprechende Evaluationsberichte würden unter das «Amtsgeheimnis» und das «Geschäftsgeheimnis» fallen, erklärte Swissmedic. Erst als Infosperber das Öffentlichkeitsgesetz geltend machte, gab Swissmedic ihre Korrespondenz und ihre Verfügung heraus. Offensichtlich war in diesem Fall das öffentliche Interesse schliesslich doch grösser als die privaten Interessen von Pfizer. Aus den endlich herausgegebenen Akten war ersichtlich, dass das verzögerte Einschreiten der Zulassungsbehörde vor allem darauf zurückzuführen war, dass Swissmedic mit Pfizer über die genaue Formulierung eines neuen Beipackzettels zweieinhalb Jahre lang verhandelte. Während dieser zweieinhalb Jahre konnte Pfizer mit dem gegen leichte und mittelschwere Depressionen schädlichen Medikament weiterhin viel Geld zu verdienen.

Gegen schwere Depressionen ist Edronax noch heute zugelassen. Obwohl es gegen solche Depressionen zweckmässigere Antidepressiva gibt, müssen die Krankenkassen Edronax vergüten. Anders in den USA: Dort hat die Zulassungsbehörde FDA Edronax gar nie zugelassen.

Esmya gegen gutartige Geschwülste 

Ein anderes Beispiel ist das Medikament Esmya: Es kann gutartige Geschwülste in der Gebärmutter heilen. 2015 erkoren Frauenärztinnen und Frauenärzte das Medikament sogar zum «innovativsten Produkt» des Jahres. Entsprechend oft setzten sie es ein. Allein in der Schweiz wurden zwischen 2014 und 2019 rund 8000 Frauen damit behandelt. Doch Esmya kann schwere Leberschäden verursachen. Derart schwerwiegende, dass sich einzelne Frauen sogar eine neue Leber transplantieren lassen mussten. Davor warnte die Europäische Arzneimittelbehörde EMA jedoch erst im Februar 2018, die Swissmedic drei Wochen später (siehe Infosperber vom 24.3.2019: «Vor schweren Schäden wird zu spät gewarnt».

Folotyn für todkranke Krebspatienten

Ein weiteres Beispiel ist das Krebsmittel Folotyn, eine Infusionslösung für todkranke Erwachsene, die an einem T-Zell-Lymphom leiden und bei denen Chemotherapie und/oder Bestrahlung keine Wirkung mehr zeigen. Folotyn sollte diesen todkranken Patienten das Leben einige Wochen verlängern oder wenigstens deren Lebensqualität in den letzten Wochen des Lebens verbessern. Acht Infusionen innerhalb von 70 Tagen kosteten über 70’000 Franken.

2013 entschied Swissmedic, Folotyn des Herstellers Mundipharma zuzulassen, obwohl die Heilmittelbehörde in ihrer Fachinformation über Folotyn selber festhielt: «Ein Nutzen im progressionsfreien Überleben oder Gesamtüberleben ist nicht belegt.» Den todkranken Patienten verhilft dieses Medikament also keinen Tag länger zu leben und auch eine verbesserte Lebensqualität vor dem Tod war nicht belegt. Doch noch heute lässt Swissmedic dieses fragwürdige Medikament zu, obwohl nicht bekannt ist, dass Mundipharma unterdessen einen Nutzen belegen konnte.

Die europäische Zulassungsbehörde EMA hatte im Jahr 2012 auch ein wiederholtes Zulassungsgesuch für Folotyn abgelehnt, weil Risiken und Nebenwirkungen stärker zu gewichten seien als der unbewiesene Nutzen. Nur die FDA in den USA hatte es zugelassen.

Swissmedic wollte Experten verheimlichen – Infosperber musste bis vor das Bundesgericht

Infosperber wollte im Jahr 2014 unter Anrufung des Öffentlichkeitsgesetzes wissen, wer die von der Herstellerfirma bezahlten Experten waren, auf die sich auch Swissmedic bei der Zulassung von Folotyn abgestützt hatte. Weil Swissmedic das Gesuch hartnäckig verweigerte, musste Infosperber bis ans Bundesverwaltungsgericht gelangen, welches dann mit dem Urteil vom 22.2.2016 die Swissmedic anwies, Infosperber die Namen und beruflichen Lebensläufe von drei Experten bekanntzugeben. Das Gericht rügte Swissmedic, keine genügende Abwägung zwischen den privaten Interessen der Firmenexperten und dem öffentlichen Interesse vorgenommen zu haben.

Doch die in das Verfahren ebenfalls involvierte Herstellerfirma focht das Urteil an und zog mit aktiver Hilfe der Swissmedic bis vor das Bundesgericht. Am 27. Juni 2016 entschied das Bundesgericht, dass das Bundesverwaltungsgericht zuerst noch die drei betroffenen Experten anhören müsse.

Mehr als ein Jahr später, Mitte August 2017, gab die Swissmedic endlich nach und verfügte, dass die Herstellerfirma «Mundipharma Medical Company» die Namen und beruflichen Lebensläufe der drei Experten Infosperber bekannt geben muss. Eine «erneute Interessenabwägung» habe ergeben, so die Swissmedic, dass «bezüglich Offenlegung der beruflichen Lebensläufe … das öffentliche Interesse an der Transparenz das private Interesse an der Geheimhaltung dieser Daten überwiegt».

Es sollten aber nochmals fast vier weitere Monate verstreichen, bis die Swissmedic Infosperber die Namen und beruflichen Lebensläufe der drei Firmenexperten zum Samichlaus am 6. Dezember 2017 zustellte.

Infosperber berichtete mehrmals darüber, zuletzt am 9. Januar 2018 und kam zum Schluss:

  • Eine Anfrage auf Veröffentlichung von Daten hat Swissmedic mit juristischen Mitteln und mit zum Teil widersprüchlichen abenteuerlichen Argumenten fast vier Jahre lang blockiert.
  • Die Schweizer Medikamenten-Behörde schützt zuerst die Interessen der Pharmafirmen, von denen sie bezahlt wird und an deren Umsätzen sie mit «Verkaufsabgaben» beteiligt ist.
  • Mit Folotyn bewilligte Swissmedic ein Medikament, das viele Nebenwirkungen hat, ohne dass ein Nutzen für die Patientinnen und Patienten auch fünf Jahre nach der Zulassung erwiesen ist [unterdessen neun Jahre].

Vioxx, Edronax, Esmya und Folotyn sind keine Einzelfälle 

«Warum lassen wir zu, dass Pharmaunternehmen so oft lügen, gewohnheitsmässig Straftaten begehen und Hunderttausende von Patienten umbringen? Warum schicken wir die Verantwortlichen nicht ins Gefängnis?» Das fragte Professor Peter Gøtzsche in seinem 2014 veröffentlichten Buch mit dem Titel «Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität: Wie die Pharmaindustrie das Gesundheitswesen korrumpiert». Trotz dieser von ihm zwar belegten, aber ungeheuerlichen Vorwürfe verzichteten die von ihm genannten Pharmakonzernen darauf, gegen ihn zu klagen. Gøtzsche ist einer unabhängigen, auf Evidenz basierenden Medizin verpflichtet und war Direktor des «Nordic Cochrane Centers».

An erster Stelle seiner Kritik stand die Geheimniskrämerei von Industrie und Behörden:

«Warum sind viele Leute immer noch dagegen, dass jedermann Zugang zu allen Rohdaten aller klinischen Studien bekommt?» Bisher vergeblich verlangte Gøtzsche den «uneingeschränkten Zugang der Daten, welche die Pharmaunternehmen den Behörden vorlegen». Er zitiert Iain Chalmers, den Gründer der Cochrane Collaboration: «Das Verheimlichen von Forschungsergebnissen ist ein ebenso schweres wissenschaftliches Fehlverhalten wie die Fälschung von Daten.»

Obwohl die Hauptaufgabe der Europäischen Arzneimittelbehörde darin besteht, die Öffentlichkeit zu schützen, erkläre sie, sie dürfe die Dokumente nicht herausgeben, weil dies kommerziellen Interessen schaden würde. «Eine wahrscheinliche Folge davon besteht darin, dass Patienten unnötig sterben und mit minderwertigen und potenziell schädlichen Medikamenten behandelt werden, weil ihre Ärzte über den wahren Nutzen und die wahren Risiken nicht Bescheid wissen.»

Zum Fehlverhalten gehört nach Gøtzsche auch, dass nicht sämtliche, meist von der Industrie finanzierten Studien veröffentlicht werden, sondern nur diejenigen, welche Resultate ergeben, die für die Industrie vorteilhaft sind. Etwa die Hälfte aller durchgeführten Studien über Wirkung, Nutzen und Nebenwirkungen wird nicht veröffentlicht.

Der Weltärztebund verabschiedete 1964 in der «Deklaration von Helsinki» ethische Richtlinien für die medizinische Forschung: «Forscher sind verpflichtet, die Ergebnisse ihrer Forschung am Menschen öffentlich verfügbar zu machen. In der Publikation müssen Finanzierungsquellen, institutionelle Verbindungen und Interessenkonflikte dargelegt werden.»

Diese Deklaration hat eine Schwäche: Sie ist nicht verbindlich und blieb toter Buchstabe. Gegen die Interessen der internationalen Pharma-Lobby konnten sich die Gesetzgeber weder in den USA noch in der EU noch in der Schweiz durchsetzen.

FREIE NUTZUNGSRECHTE

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Grafikquellen          :

Oben     —   Coronavirus-Pandemie 2019/20 in Busan

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Unten      —        Das Bundesgerichtsgebäude in Lausanne

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KOLUMNE * MATERIE

Erstellt von DL-Redaktion am 9. April 2022

Dr. Lauterbach, bitte in die Notaufnahme

Datei:Zürich Kantonsspital Notaufnahme.jpg

Eine Kolumne von Kersten Augustin

Hereinspaziert, Herr Lauterbach, hereinspaziert! Willkommen zu einer neuen Ausgabe der Horrorshow: nachts in der Notaufnahme.

In dieser Woche hat der Gesundheitsminister vorgeschlagen, dass Coronakranke sich nicht mehr isolieren müssen. Und auch wenn er die Entscheidung abends im Fernsehstudio revidierte, bleibt die Begründung interessant: Lauterbach sagte, die Gesundheitsämter seien überlastet. Das ist sicherlich richtig. Aber ich hätte ihn gern mitgenommen in ein Berliner Krankenhaus, in dem ich vor Kurzem eine Nacht verbringen durfte.

Dort stehen, sitzen, liegen auf dem Flur an diesem Donnerstagabend 30, 40 Kinder und ihre Eltern. Und, das muss wohl betont werden, niemand ist zum Spaß hier. Da ist die 6-Jährige mit 40 Grad Fieber, deren Vater den Gang entlang tigert, da ist der Junge mit der Platzwunde am Kopf, der erzählt, dass der Angreifer sein Handy geklaut habe, da ist das wimmernde Mädchen auf der Liege, der Junge mit dem gebrochenen Fuß. Und da ist meine Tochter, deren Füße so stark geschwollen sind, dass sie vor Schmerz nicht auftreten kann.

Schon an der Anmeldung ist die Schlange lang. Bis man eine Krankenpflegerin zu Gesicht bekommt, dauert es eine Stunde. Und die untersucht nicht, sondern sortiert das Elend, entscheidet, wer lange warten muss und wer noch länger. Es ist eine Notaufnahme für Kinder, ein Krankenhaus in Berlin, Hauptstadt der größten Wirtschaft Europas. Hier sind heute Nacht ein Kinderarzt und ein Orthopäde im Dienst. Und wenn ein Notfall mit Blaulicht kommt und operiert werden muss, geht der natürlich vor.

2019.04.10-Karl Lauterbach-Maischberger-5317.jpg

Der politische Dr. – Prof. von Dingsda

Und das ist das einzige Schöne an diesem Abend, die Solidarität. Obwohl jeder ein wimmerndes Kind im Arm hat, drängelt niemand vor, werden Babys vorgelassen, bleibt die unsichtbare Warteschlange intakt, auch wenn die Elenden kreuz und quer in den Ecken lungern.

Apropos Solidarität: 440.000.000.000 Euro kostete das Gesundheitssystem im Jahr 2020, mehr als ein Zehntel der deutschen Wirtschaftsleistung. In diesem Krankenhaus scheint wenig davon anzukommen: Die Kacheln, die Metallschränke, alles sieht aus wie und ist wohl tatsächlich aus den 80er Jahren.

Quelle      :          TAZ-online         >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —    Notaufnahme des Universitätsspitals Zürich, Schweiz (früher Kantonsspital genannt).
Das Vordach im Vordergrund ist neueren Datums, der Bau dahinter stammt von Häfeli Moser Steiger Architekten

Verfasser Benutzer:Ikiwaner        /      Quelle    :    Selbst fotografiert        /        Datum    :    25.10. 2005

Diese Datei ist lizenziert unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported Lizenz.

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Unten      —        Karl Lauterbach in der WDR-Sendung „Maischberger“ am 2019-04-10

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Corona – Pandemie

Erstellt von DL-Redaktion am 7. April 2022

Corona-Tote als Kollateralschaden verbuchen?

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Quelle     :     Untergrundblättle – CH

Von  : Suitbert Cechura

Neueste Klarstellungen in Sachen deutscher Pandemiebekämpfung.  Die Infektionszahlen hierzulande explodieren und erreichen Rekordhöhen.

„Das erste Mal mehr als 300.000 Neuinfektionen. Das erste Mal mehr als 1,5 Millionen Corona-Infektionen in einer Woche. Das erste Mal 4.246.200 Infizierte zur gleichen Zeit… Aktuell gibt es rund 15-mal so viel tägliche Neuinfektionen wie auf dem Höhepunkt der zweiten Corona-Welle im Januar 2021…“ (Bild am Sonntag, 27.3.2022)Im Parlament wird gleichzeitig das Impfschutzgesetz gelockert und die Massnahmen zur Pandemiebekämpfung wird auf einen Basisschutz (für vulnerable Gruppen in Form von Maskenpflicht in entsprechenden Einrichtungen) reduziert, wobei den Ländern die Möglichkeit gegeben ist, weitergehende Massnahmen in so genannten Hotspots der Pandemie zu ergreifen. Die Ministerpräsidenten dagegen murren – so viel Föderalismus hatten sie nicht bestellt – und behalten sich vor, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen; viele verzichten auf weitergehende Massnahmen mit dem Verweis auf den Bund. Das erscheint alles sehr widersprüchlich, und man kann das Ganze für einen Irrsinn halten. Doch lassen sich hier auch Schlussfolgerungen ziehen, nämlich darauf, worum es in der Pandemiebekämpfung eigentlich geht und immer schon ging.

Wer oder was wird geschützt?

Dass angesichts explodierender Infektionszahlen die Massnahmen zur Beschränkung der Infektionen reduziert oder ausgesetzt werden, lässt den Schluss zu, dass es um den Schutz des Einzelnen vor Krankheit oder Tod nie ging. Offensichtlich kann die Politik mit vielen Kranken und auch täglich neu gemeldeten Todesfällen leben – mit einer Gesamtzahl an Toten, die sich inzwischen in einem Bereich bewegt, der der Einwohnerzahl einer Grossstadt entspricht.

Natürlich hat seinerzeit die politische Klasse ab einem gewissen Punkt die Warnungen der Virologen ernst genommen. Aber bedroht sahen Politiker sämtlicher Couleur, die sich ja in der Ministerpräsidentenrunde gemeinsam mit der Regierung treffen, immer die Volksgesundheit und das Gesundheitswesen. Und das sind zwei Dinge, die man nicht einfach als Selbstverständlichkeiten nehmen sollte. Erstens, die Sorge um die Volksgesundheit – sie meint nicht einfach ein Bemühen darum, dass alle gesund sind. Es geht vielmehr um die Sicherstellung des gesellschaftlichen Funktionierens, d.h. vor allem der Marktwirtschaft mit ihrem hochsensiblen Kapitalkreislauf, damit hier nichts durch (unkalkulierbare) Krankheits- und Todesfälle gefährdet wird. Daran haben sich die Massnahmen in der bisherigen Pandemiebekämpfung ausgerichtet, die gleichzeitig in Rechnung stellen musste, dass Bewegungsfreiheit und Leistungsfähigkeit des funktionierenden Volkskörpers mit gewissen Einschränkungen zu versehen war.

Die Eingriffe erfolgten daher dosiert. So wurde der Kernbereich der deutschen Wirtschaft mit Maschinenbau, Auto-, Elektro- und Chemieindustrie nicht wirklich eingeschränkt; wo es trotzdem zu Stockungen kam, wurden gleich entsprechende wirtschaftsfreundliche Überbrückungsmassnahmen (Kurzarbeit, Erleichterung von Abschreibungen oder Steuerpflichten etc.) ergriffen. Konsequent unterbunden wurden dagegen Aktivitäten im Umkreis der „Freizeitwirtschaft“.

Das Ganze war dabei auch immer ein Ausprobieren – ein Abwägen der Fragen, welche Einschränkungen überhaupt notwendig sind, welche Auswirkungen sie auf den Erfolg der deutschen Wirtschaft haben und welche Bereiche daher von den Einschränkungen verschont gehören etc. Vom Leitgedanken der Volksgesundheit her logisch, erschien es natürlich manchem als inkonsequent und willkürlich. Die neue Protestkultur fand nicht zuletzt hier ihr Material.

Das zweite Kriterium hiess immer, dass eine Überbelastung des Gesundheitswesens vermieden werden muss: „Bundesgesundheitsminister Prof. Lauterbach hält es in der aktuellen Infektionslage für den richtigen Weg, weitreichende Schutzmassnahmen auf Hotspot-Regionen zu beschränken. Die neuen Regeln des Infektionsschutzgesetzes berücksichtigen, dass eine Überlastung der Krankenhäuser nicht mehr flächendeckend zu befürchten sei.“

Die Sicherung der Funktionsweise des Gesundheitswesens war ebenfalls nicht damit gleichzusetzen, dass die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung störungsfrei zu halten war. Zwar waren die Intensivstationen nie überbelegt und „nur“ das Pflegepersonal überbelastet, aber viele („planbare“) Operationen wurden verschoben – was nicht ohne negative Auswirkungen nicht allein bei Krebspatienten blieb – oder Reha-Massnahmen entfielen. Jetzt weisen die oben aufgeführten Zahlen darauf hin, dass eigentlich das ganze Land ein einziger Hotspot ist, in dem die Infektionszahlen allenfalls noch geschätzt werden können. Dies ist für die Regierenden jedoch kein Anlass, die Einschränkungen weiter aufrecht zu erhalten: „Gesundheitsminister Karl Lauterbach geht von einer gigantischen Dunkelziffer aus: Täglich würden derzeit rund 300.000 Neuinfektionen gemeldet. ‚Es ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Zahl mehr als doppelt so hoch ist‘, sagte der SPD-Politiker am Freitag in Berlin.“ (WAZ, 26.3.2022)

Gefordert sind in den Augen des Gesundheitsministers in erster Linie die Bürger, die sich impfen lassen oder in Eigeninitiative Masken tragen sollen. Das reformierte Infektionsschutzgesetz soll zudem den Ländern die Möglichkeit bieten, Hotspots zu bestimmen und weitergehende Massnahmen zu ergreifen. Diese weisen allerdings die Verantwortung für die Pandemiebekämpfung zurück und sehen die Bundesregierung gefordert. So bilden dieselben Parteien, die gleichzeitig in Bund und Land an der Macht sind, ihre eigene Opposition. Und auch der Gesundheitsminister Lauterbach hat seine Rolle verdoppelt: Er bringt mit seinem Bundesgesetz die Lockerungen auf den Weg und tritt gleichzeitig als Mahner vor den Folgen auf. Die Bürger können sich aussuchen, bei wem sie sich besser aufgehoben fühlen: Für jeden ist etwas im Programm.

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Dass dabei täglich Tote in reichlichem Umfang anfallen, ist auch kein Geheimnis: „Man stelle sich vor, in Deutschland würde jeden Tag ein Verkehrsflugzeug mit 200 bis 300 Passagieren an Bord abstürzen. Bei Corona passiert gegenwärtig aber genau das: Jeden Tag sterben Hunderte Menschen, die Infektionszahlen sind keineswegs gesunken, wie von Optimisten erhofft, sondern steigen wieder.“ (Peter Fahrenholz, SZ, 26./27.3.2022)

Entsprechende Todeszahlen werden übrigens täglich aus der Ukraine gemeldet und sollen die Unmenschlichkeit der Russen belegen. In Deutschland gelten solche Zahlen offensichtlich als Kollateralschaden, der im Rahmen eines funktionierenden Gesundheitswesens und vor allem einer funktionierenden Wirtschaft hinzunehmen ist.

Was nicht heisst, dass der Umfang der Schäden ignoriert würde. Die Zahlen werden auch weiterhin erfasst und begutachtet, denn die drohenden Gefahren sind nicht verschwunden. Schliesslich gibt es Rekordwerte bei den Krankmeldungen in Betrieben und Schulen, was die Funktionsweise der Gesellschaft ebenfalls gefährden könnte.

Das behalten die Verantwortlichen im Blick. Nach der Devise: Mal sehen, wo Eingriffe nötig sind und wo man sie unterlassen kann, mit welchen Risiken man, d.h. die Politik, also leben kann. Was eben auch noch eine andere Schlussfolgerung zulässt: „Die Durchseuchung wird also ohnehin kommen, fragt sich nur wie schnell.“ (Bild am Sonntag, 27.3.2022) Eine Immunisierung des Volkskörpers ist eben auf zwei Arten zu erreichen – durch Impfen und durch umfangreiche Infektionen – zwei G: genesen oder geimpft. Da ist die Politik undogmatisch, wenn nur die Normalität der Gesellschaft und Wirtschaft mit kalkulierbaren Toten wieder erreicht werden kann.

Zuerst erschienen bei Telepolis

Soweit nicht anders angegeben und keine Quellenangabe (Name einer Organisation oder Internet-Adresse) vorhanden ist, gilt für die Texte auf dieser Webseite eine Copyleft (Public Domain) Lizenz.

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Grafikquellen          :

Oben     — Cartoon: Vielleicht sollten bei der Durchsetzung der allgemeinen Impfpflicht Tierärzte mit entsprechender Ausrüstung eingesetzt werden.

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Warten auf die grüne Welt?

Erstellt von DL-Redaktion am 2. April 2022

Übergang in eine “grüne” Welt?
Nekro-Industrie, Klimatrauma und radikale Heilung

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Quelle        :     Berliner Gazette

Von  :   Irina Velicu

Es gibt immer mehr Menschen, die ihr ganzes Leben im Katastrophenmodus verbracht haben. Das Versprechen eines Übergangs zu einer “grünen” Welt mag da wie eine eskapistische Droge wirken, aber der Kater ist unvermeidlich und es bleibt uns nichts anderes übrig, als kollektive Heilungsprozesse in Gang zu setzen, argumentiert die Forscherin Irina Velicu in ihrem Beitrag zur BG-Textreihe “After Extractivism”.

“Die Produktion aller Kriegsmittel, nicht nur der Krieg selbst, sollte vollständig verboten werden. Es ist völlig absurd (und auch heuchlerisch), den Tabakanbau fortzusetzen, wenn erklärtermaßen niemand die Absicht hat, zu rauchen.” (Nicholas Georgescu-Roegen, 1975)

Wer sich als grüner Staatsbürger/ grüne Staatsbürgerin versteht, für den gibt es Bildungsmaterial in Hülle und Fülle, vor allem in einer entpolitisierten Form. Doch mündige Bürger*innen scheinen im Angesicht des nuklearen Terrors ohnmächtig zu werden. Das stört diejenigen nicht weiter, deren abenteuerliches Exil auf einem anderen Planeten bereits in Planung ist. Ein weiterer Krieg lässt uns weniger an die “ferne Klima-Apokalypse” und eher an die “Hier und Jetzt”-Zeitlupenkatastrophen denken. Der russisch-ukrainische Krieg als Teil des industriellen Komplexes moderner Gesellschaften wirft Licht auf die Frage, wie und warum sich Ressourcenkonflikte auf dem ganzen Planeten vermehren und welche Auswirkungen es hat, wenn wir wieder lernen, in einer “Bombenkultur” zu leben.

Als Nekro-Industrie ist der Krieg auch die profitabelste Form der Marktsteuerung, bei der Waffen ebenso wie Gemetzel als Ware verkauft werden. Zusammen mit Pandemien wird der aktuelle russisch-ukrainische Krieg eine geopolitische Verschiebung mit sich bringen, bei der sich Kriegs- und Gesundheitsindustrie gegenseitig befeuern. Epidemien und psychische Gesundheitsprobleme werden die kapitalistische Maschinerie in Schwung bringen. Die Intensivierung aller Formen des Ressourcenextraktivismus ist eine Vorbedingung: Der “grüne” Übergang verwandelt sich fast über Nacht in ein “braunes” Extraktivismus-Unternehmen, da Öl und Kohle ein Comeback feiern.

Neue Schocktherapien, zukünftige Traumata

Mit dem Aufkommen neuer “Schocktherapien” wird deutlich, dass diese Politik alles andere als demokratisch ist. Welche demokratische, gar humane Legitimation könnte es für Atomwaffen mit geringer Reichweite geben? Was können wir sonst noch von diesem Übergang zu einem zunehmend heißen Kalten Krieg erwarten? Unterdrückung und Traumata können neue Bindungen und Gemeinschaften schaffen: aber zuerst brechen sie Menschen. Mit der Entfaltung solcher Schocks entstehen neue Traumata, die mehr als nur Worte erfordern, um die verschiedenen intersektionalen Ungerechtigkeiten auszudrücken, die unsere Herzen und Köpfe in naher Zukunft beschäftigen werden.

Die Schocktherapien der post-“kommunistischen” Übergänge sollten in ein paar Jahrzehnten enden: Können wir ihr Weiterleben bereits an den Wurzeln der aktuellen Ereignisse wiedererkennen? Die post-“kommunistische” Generation, die ich kenne, hat die meiste Zeit ihres Lebens mit dem Gefühl des Verlustes gelebt: Zu den verschiedenen kulturellen Stigmata kam hinzu, dass sie sich jeden Tag als Verlierer*innen fühlten, pleite und gebrochen, dennoch unermüdlich. Sie wussten nicht mehr, woran sie glauben und was sie tun sollten. Es fehlte ihnen mehr als sie besaßen: Energie, Geld, Wissen, Respekt. Oft vergaßen sie die unsichtbare Faust der Übergangsideologie, die ihnen einhämmerte sie seien selbst Schuld an den eigenen Unzulänglichkeiten. Dies im Hinterkopf, sollten wir nicht vergessen, dass es immer auf die Sichtweise ankommt. Wie blicken wir auf Armut, Wirbelstürme oder Kriege? Ideologie wählt auch uns aus, sie folgt dem Geruch unserer Privilegien oder unserer Verwundbarkeit. Manche Menschen haben den größten Teil ihres Lebens bereits im Katastrophenmodus verbracht – ob unter dem Joch vergessener Kaisern bis hin zu modernen Unternehmen – viele Menschen erleben täglich Raubbau. Die Gewöhnung an diese Art von “Pech” oder an allgegenwärtige Traumata ist eine Art von Trägheit, die sich von selbst einstellt.

Ein Beispiel dafür: Der Ruin der Republik Moldau, ein bitterarmes Nicht-EU-Land, das aktuell sehr viele Flüchtende aus der Ukraine aufnimmt. In der Zeit des anhaltenden Verlustes nach dem Afghanistan-Krieg wurden die Moldauer*innen zu Menschenfleisch in Privatarmeen, zu Wirtschaftsmigrant*innen, die unter Stressstörungen leiden, und zu Nationalist*innen. Doch diese Traumata scheinen die geopolitische Denkweise des gegenwärtigen russisch-ukrainischen Krieges – eines Krieges, der auf der Schockdoktrin und ihrem Katastrophenkapitalismus beruht – nicht weiter zu rühren.

PUTIN IST MÖRDER.jpg

Als Maria Todorova über den Diskurs des türkischen “Jochs” in Osteuropa schrieb, stellte sie nicht nur eine Frage über leicht entflammbare Emotionen, die Menschen bewegen, wenn sie “zu den Waffen gerufen” werden: Für sie war es auch wichtig zu betonen, dass Europas “Geschenk” an die Welt der Nationalismus war. Wenn Gesellschaften nach Versöhnung dursten, aber Kriege andauern, kann die Weigerung, zu handeln, durch die Verpflichtung motiviert sein, sich um einen breiteren kollektiven Raum der Sinngebung zu kümmern, sich die Zeit zu nehmen, um zu erkennen, was von den neuen homogenen Gemeinschaften der Opfer und Täter*innen wieder einmal ausgelassen werden könnte. Die Einordnung des Balkans in diese “globale Kolonialität” oder “Nekropolitik”  ist noch nicht abgeschlossen.

“Wir befinden uns in einem psychologischen Krieg”: Die Giftstoffe des letzten Übergangs

Toxizität ist mehr als eine Verschmutzung, die die physische Gesundheit beeinträchtigt: Sie liegt in der Luft der alltäglichen Konflikte, die durch Strukturanpassungsprojekte, Sparprogramme, “Mega-Entwicklung” oder industriellen Abbau und Landraub gekennzeichnet sind. Die intime Toxizität kann in der Art und Weise beobachtet werden, wie die Menschen soziale Techniken der Kontrolle wie Täuschung, Manipulation, Demütigung und verschiedene Missbräuche erleben. Bei der genauen Planung solcher Projekte ist als Vorbedingung für Ungerechtigkeit bereits eine Inszenierung der menschlichen Natur als ausbeutbar am Werk. Die Entscheidungsträger*innen treten in einen Dialog mit den Menschen als Repräsentant*innen bestimmter sozialer Kategorien, die bereits etablierte Interessen reproduzieren: Angeblich kann ein Bergmann nur wünschen, in einem Bergwerk zu arbeiten, unabhängig von seinen Traumata. Die Unterdrückung wird auf diese Weise durch Ideologie unsichtbar gemacht. Daher wurde das “Licht” am Ende des Tunnels des post-“kommunistischen” Übergangs von den Eliten als Fortschritt angesehen. Für die meisten anderen war es nur ein weiteres “Loch” im Boden.

Es mag den Anschein haben, dass extraktivistische Projekte, sobald sie abgewehrt sind, keine Bedrohung mehr darstellen. Sie können als lokale Siege gefeiert werden oder sogar nationalistische Projekte aufblähen. Doch aus Sicht der kapitalistischen globalen Märkte schafft der Prozess des “Beinahe-Abbaus” einer Mine das richtige Klima für zukünftige Investitionen. Ungerechtigkeit im Bereich der Umwelt führt oft zu Konflikten, wenn sie “Individuen und ihren Gemeinschaften die Fähigkeit nimmt, voll zu funktionieren, durch schlechte Gesundheit, Zerstörung der wirtschaftlichen und kulturellen Lebensgrundlagen, allgemeine Umweltbedrohungen und politische Ausgrenzung”, so David Schlosberg und David Carruthers. Anti-Bergbau-Bewegungen in Osteuropa wie “Rettet Rosia Montana” in Siebenbürgen warten darauf, dass der “tatsächliche Schaden” eintritt, und bezeugen, dass ländliche Gemeinschaften mit Landraub und einem langsamen Verschwinden der Gemeinschaft, täglichen psychologischen Schäden und der Disqualifizierung als politische Akteure konfrontiert sind. Ihr Trauma besteht in der täglichen Erfahrung von Ungewissheit, Unsicherheit, Angst oder Furcht – eine Wunde, die Beziehungen in Familien und Freundschaften zerreißt.

Die Initiative “Rettet Roșia Montană” ist in der Tat eine Bewegung, die als historisches Schlachtfeld verschiedener Imperialismen auch versteckte ideologische Spannungen in sich birgt. Der älteste dokumentierte Ort Rumäniens, der den umfangreichsten und technisch vielfältigsten Bergbaukomplex der Welt beherbergt, der auf die römische Besatzung zurückgeht – all dies hat dazu beigetragen, eine Gegenbewegung zu schaffen, die die rumänische Politik radikalisiert hat. Dank eines langen und intensiven Prozesses transnationaler zivilgesellschaftlicher Mobilisierungen ist Roșia nun UNESCO-Weltkulturerbe. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Sieg in den laufenden Prozessen und dem zukünftigen Druck der Börsen von Bedeutung sein wird. Die Last der generationenübergreifenden Traumata bleibt auf den Schultern derjenigen, die sich geweigert haben, ihre Heimat zu verlassen. Die Bewohnerin von Rosia Montana, Niculina-Lucretia, erzählte mir 2008 in einem persönlichen informellen Gespräch ihre Geschichte des Kampfes auf poetische Weise:

Unser sind diese Berge, steinig, fruchtbar und grau
Wir haben sie in den Himmel gehievt
um ihren Magen aus Gold und Eisen zu öffnen
Wir haben gemeinsam unter Regen und Schnee gelitten
Wir haben ihr riesiges Becken geöffnet und ihre Schönheit besungen
Wir kennen ihre Seelen und Stürme, besser als jeder andere …

Unendliche Übergänge, Trauma und Heilung

“Eine Wirtschaftsordnung, in der die unnachhaltige, schlecht gemanagte Plünderung von Ressourcen nicht als Verlust des BIP, sondern als produktives Wachstum betrachtet wird, hat etwas Perverses.” (Rob Nixon, 2011)

Wenn Sie ein Land des Ostens oder des Südens sind, machen Sie sich bereit, neue “grüne” Investitionen kommen auf Sie zu! Ich bin absichtlich zynisch, um die Logik des Kapitals zu veranschaulichen: eine schlechte Werbung für ein weiteres “billiges” Produkt für die Utopie des Massenkonsums. Solange die gesellschaftliche Lizenz zum Abbau erteilt wird, ohne die sozialen und ökologischen Kosten auch nur einzubeziehen, wird jeder Abbau von Rohstoffen, auch von Lithium, nur die Profite einiger weniger “klug” Aufgestellter steigern. Die neuen Konflikte z.B. in Serbien, Kasachstan und der Ukraine werden zu sichtbaren Illustrationen des Extraktivismus als einer Nekro-Industrie, die durch die Logik des Krieges angeheizt wird, wobei Oligarchen sich gegenseitig mit den Körpern gewöhnlicher Menschen bekämpfen. Europa ist dicht besiedelt. Wenn ländliche Regionen zur Zielscheibe eines neuen Extraktivismus werden, kann es zu immer mehr Konflikten kommen.

Zumindest vor dem russisch-ukrainischen Krieg hatten einige wirklich gehofft, dass die “Ökologisierung” der Wirtschaft ein vernünftiger Ausweg aus dem miserablen neoliberalen Übergang sein würde. Von welchen Gefahren ist jetzt die Rede, wenn der “grüne” Kapitalismus als neues Allheilmittel verkauft wird? Wie kann man kritisch bleiben, wenn er versucht, Waffen und Atomkraft in der gleichen Logik des Krieges, in den gleichen elenden “Fabriken” für billige Arbeitskräfte massenhaft als “grün” zu vermarkten? “Es ist eine Katastrophe, entspann dich!”, meint der Physiker in Ian McEwans Roman “Solar” (2010) ironisch: Die Produktion läuft gut. Der Ökomodernismus wird in die Ideologie des kapitalistischen Wachstums als neues Opium der Fortgeschrittenen integriert. Das macht die “Katastrophen” politisch, nicht nur traumatisch.

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“Ein kollektives Trauma ist ein Schlag gegen das Grundgewebe des sozialen Lebens, der die Bande, die die Menschen zusammenhalten, beschädigt und das vorherrschende Gefühl der Gemeinsamkeit beeinträchtigt. … es ist eine Form von Schock … eine allmähliche Erkenntnis, dass die Gemeinschaft nicht mehr als wirksame Quelle der Unterstützung existiert und dass ein wichtiger Teil des Selbst verschwunden ist. Ich existiere weiter, wenn auch beschädigt und vielleicht sogar dauerhaft verändert.” (Kai T. Erikson, 1976)

Als ultimatives kollektives Trauma, das alle anderen intersektionalen historischen Traumata vereint, ist das Klimatrauma eine tiefe Wunde des politischen Körpers, eine Wunde absurder Kriege und anderer extremer Ereignisse, wobei Kinder und Jugendliche bereits jetzt am meisten leiden. Es ist längst überfällig, die Ursachen solcher Traumata anzugehen. Vor neuen Prinzipien der Gerechtigkeit braucht die menschliche Zivilisation eine radikale “dekoloniale Heilung” wie Rosalva Aída Hernández Castillo vorschlägt. Eine solche Pädagogik kann bereits in den vielfältigen Praktiken von Gemeinschaften gefunden werden, die ihre historischen Traumata ernst nehmen: Mütter der “desaparecidos” in Mexiko, die sich dem Justizsystem entgegenstellen, die nie aufgeben, nach ihren Kindern zu suchen, die tote Körper annehmen, um Trauerrituale zu erfüllen, die sie dazu bringen, den Tod mit Liebe zum Leben zu akzeptieren. Schwarze Gemeinschaften führen den Blues als Überlebensmechanismus auf, “eine autobiografische Chronik der persönlichen Katastrophe (…) eine fast tragische, fast komische Lyrik.” wie Ralph Ellison schreibt. Viele Wissenschaftler*innen weisen auf die zentrale Bedeutung kollektiver, selbstorganisierter Bemühungen zur Förderung radikaler Heilung hin, ein langfristiger Prozess, an dem bewusst gearbeitet werden muss, wobei landgestützte und “anonyme” Gedenktechniken von zentraler Bedeutung sind.

Anm.d.Red.: Dieser Text ist ein Beitrag zur “After Extractivism”-Textreihe der Berliner Gazette; die englische Version ist auf Mediapart verfügbar. Weitere Inhalte finden Sie auf der englischsprachigen “After Extractivism”-Website. Werfen Sie einen Blick darauf: https://after-extractivism.berlinergazette.

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Oben          —    Neue Version von Ampel.JPG

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2.) von Oben      —    Putin ist mörderisch.

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Unten      —      Charleroi (Belgique) – Station Janson du métro légerLes Psy.

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SARS-Cov-2 – Offener Brief

Erstellt von DL-Redaktion am 25. März 2022

Gegen die Impflicht in der „Werte-Demokratie“ eines Rechtsstaat

GC-Vaccination-600-E.png

Offener Brief von  Uwe Kranz am  07.03.2022

Übermittelt von Dr. Nikolaus Goetz

Sehr geehrte Bundestagsabgeordnete,

in wenigen Tagen beraten Sie den Entwurf des „Gesetzes zur Aufklärung, Beratung und Impfung aller Volljährigen gegen SARS-Cov-2“1 . Mit diesem Gesetzesentwurf sollen die derzeit mindestens 16 Millionen genetisch noch unveränderten Deutschen2 (und zudem einige Millionen in Deutschland lebenden Asylsuchenden/-antragstellenden, Schutz-/ Bleibeberechtigten, Abzuschiebenden oder eine zunehmende, derzeit noch unbekannte Zahl von (Kriegs-)Flüchtlingen gezwungen werden, sich mit einem der immer noch nur bedingt zugelassenen gentherapeutischen experimentellen Injektionsstoffen „impfen“ zu lassen. Die Vielzahl der bereits Geimpften, die sich bereits jetzt gegen den Zweit-Booster oder ein dauerhaftes Impf-Abo aussprechen, werden diese Zahlen noch weiter steigen lassen. Dieser Gesetzesentwurf stellt sich letztlich gegen mindestens rund 25 Prozent der Bewohner Deutschlands.

Mit diesem offenen Brief fordern wir Sie auf, diesem Entwurf nicht zuzustimmen.

Der Entwurf geht schon in der Begründung in wesentlichen Teilen von falschen, fehlerhaften oder zum Teil längst widerlegten Tatsachenbehauptungen aus. So ist trotz höherer Ansteckungsgefahr die Gefährlichkeit der vorherrschenden Omikron-Variante gerade nicht sehr hoch. Sie verursacht viel seltener Hospitalisierungen, moderate oder gar schwere Verläufe. 3 Die Infektionswahrscheinlichkeit ist ebenso hoch, wie bei Ungeimpften, selbst die Booster-Impfung reduziert sie nur zu 50 Prozent. 4 Wieso das Robert-Koch-Institut (RKI) entgegen der weltweiten Einschätzung eine weit höhere Risikobewertung vornimmt, sollte parlamentarisch hinterfragt werden.5

Die zur Prävention zur Verfügung stehenden „Impfstoffe“ seien „gut verträglich, sicher und hochwirksam“, behauptet der Gesetzesentwurf. Das Entsetzen, das schon die dem Paul-EhrlichInstitut (PEI) gemeldeten 245.000 Nebenwirkungen und mutmaßlich über 2.255 Toten im zeitlichen Zusammenhang mit der „Covid-Impfung“ in Expertenkreisen hervorrief 6, sollte im parlamentarischen Raum intensiv diskutiert werden. Besonderes Augenmerk muss dem eklatanten Dunkelfeld in dem
Spontanmeldesystem gelten, denn die Meldequote für Impfreaktionen liegt, trotz einer gesetzlichen Meldepflicht nach § 11 IfSG, trotz berufsrechtlicher Verpflichtungen und sogar trotz einem gemeinsamen Online-Erfassungssystem (https://humanweb.pei.de) geschätzt seit Jahren immer bei fünf Prozent7 – wohl wegen der fehlenden Vergütung nach der Gebührenordnung für Ärzte. Man müsste also mindestens von deutlich über 45.000 Tote ausgehen. Zur Erinnerung: Die deutsche Impfkampagne gegen die Schweinegrippe (H1N1) wurde bereits nach 253 Toten abgebrochen!

In diesen Zusammenhang müssen auch die Hinweise diskutiert werden, die der BBK-Vorstand ProVita, Andreas Schöfbeck, jüngst zur erschreckenden Untererfassung in der PEI-Datenbank gab. Danach erlitten in Deutschland vermutlich 2,5 bis 3 Millionen Menschen z.T. erheblichen Impfnebenwirkungen – ein Alarmsignal sondergleichen, das mit der fristlosen Entlassung des

———————–

1 BT-Drucksache 20/899, eingebracht von 233 MdB (153 SPD, 73 Grüne, 4 Die Linke und 3 FDP).
2 RND 01.03.2022
3 https://www.imperial.ac.uk/mrc-global-infectious-disease-analysis/covid-19/report-50-severity-omicron/
4 https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.12.27.21268278v1
5https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/
Risikobewertung.html;jsessionid=A6C743EEA7913DF8217C8769F5FA25B1.internet091?nn=2386228
6 PEI-Sicherheitsbericht vom 07.02.2022 und https://www.transparenztest.de/post/pei-bericht-244576-covid-impf-nebenwirkungen-und2255-todesfaelle vom 11.02.2022; Ohne genauere Untersuchung wurden 80 Todesfälle amtlich bestätigt; Das ist die 21-fache Menge der
Todesfälle aller anderen Impfstoffe im Zeitraum von 2000 bis 2020 – selbst unter Berücksichtigung der hohen Anzahl der CovidImpfungen/Impfdosen (Verdachtsfälle pro 1 Million Impfdosen).
7 04.12.2018 https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/newsroom/bulletin-arzneimittelsicherheit/2018/4-2018.pdf?
blob=publicationFile&v=2

Vorstandes nur noch schlimmer wurde, statt die Zahlen im Vergleich mit anderen Kassenarten ordentlich zu validieren.

Im europäischen Bereich lagen übrigens die Zahlen laut der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA)
Ende November 2021 bei rund 2.800.000 gemeldeten(!) Impfschäden (die Hälfte davon schwer) und rund 30.000 mutmaßlichen Todesfällen 8. Das Dunkelfeld wird auf zwischen 5 und 10 Prozent geschätzt.

Im internationalen Vergleich sind diese Underreporting-Zahlen dagegen eher eine Marginale: In den USA liegt die Dunkelziffer der gemeinsamen VAERS-Datenbank von Seuchenschutz- und Arzneimittelbehörde9 sogar bei 99 Prozent. Gemeldet wurden bis Ende Dezember 2021 ca. 19.900 mutmaßlich impfbedingte Todesfälle, d.h. man müsste dort mit ca. 200.000 Todesfällen rechnen, auch wenn es sich, wie in der EU und Deutschland, mangels einer Obduktionspflicht nicht definitiv nachweisen lässt, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen „Impfung“ und Todeseintritt besteht.

Dieses Missverhältnis ist nicht hinnehmbar und kann auch nicht die Basis für eine „Impfpflicht“ sein. Das PEI unterlässt jedoch diese Vergleiche und deren grafischen Veranschaulichung, wohl weil das Missverhältnis zu auffällig wäre. Das Parlament müsste aber in der Debatte intensiv nachfragen, wie gut verträglich und sicher diese „Impfstoffe“ in Wirklichkeit sind, dabei auch die jüngste schwedische Studie einbeziehen, die belegt, dass die mRNA-Impfstoffe auch in DNA umgewandelt werden können und das PEI anhalten, endlich dem Missverhältnis nachzugehen, um verlässlichere Daten zu erhalten.

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STIKO im Anmarsch

Auch die STIKO-Empfehlung10 und ihre in der Begründung übernommene Behauptung, „ausreichend hohe Impfquoten in allen Altersgruppen minimieren zugleich die Weiterverbreitung der Krankheit in der Bevölkerung“ ist nachweislich falsch, wie schon der Blick auf Länder ohne generelle Impfpflicht aber mit hoher Impfquote zeigt: Portugal (98%), Spanien (80%), Frankreich (75%), Italien (73%), oder Israel (72,1%)11 haben dennoch hohe Inzidenzwerte (Deutschland: 76%).

Die Zahl der sog. „Impfdurchbrüche“ (richtig: Impfversagen) nimmt auch in Deutschland signifikant zu12, was aber gerne (und fälschlich) als „rein statistischer Effekt“ dargestellt wird. Fakt ist, dass die „Impfungen“ keine vollständige Immunisierung bewirken (können),13 dass ihre Wirkdauer deutlich und immer schneller nachlässt, dass auch Erst-, Zweit- und Booster- „Geimpfte“ selbst erkranken/andere infizieren können und dass immer mehr „geimpfte“ Menschen ins Krankenhauseingewiesen werden müssen oder sogar, wie jetzt am Beispiel England eindrucksvoll belegt,sterben.14

Während aktuell die praktische Handhabung des im Dezember 2021 im Eiltempo verabschiedeten, unglücklichen § 20a des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) heftig diskutiert werden muss, um ohne größeren politischen Gesichtsverlust aus der Nummer mit der einrichtungsbezogenen Impfpflicht

8 EudraVigilance, Stand 13.11.2021; https://healthimpactnews.com/2021/29934-deaths-2804900-injuries-following-covid-shots-ineuropean-database-of-adverse-reactions-corporate-journalists-have-pericarditis-after-pfizer-shots/
9 VAERS: Vaccine Adverse Event Reporting System. Dies ist ein in den USA betriebenes Meldesystem für unerwünschte
Impfstoffwirkungen. VAERS wird seit 1990 gemeinsam von den CDC (Centers for Disease Control and Prevention) und der FDA (Food and Drug Administration) betrieben. Das massive Underreporting wurde schon im sog. „2010-Lazarus Report“ (R18 HS 017045) festgestellt.
10 STIKO-Empfehlung vom 15.02.2022; https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/ImpfungenAZ/COVID-19/ImpfempfehlungZusfassung.html;jsessionid=830E4F2842DB56B05D9816913D68DA82.internet062
11 ourworldindata.org
12 10.03.2022: https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Corona-positiv-trotz-Booster-Wie-schlimm sind  impfdurchbrueche100.html
13 Ex-BK Angela Merkel, G-7-Videokonferenz 19.02.2021, verstieg sich sogar zu der Behauptung: „Die Pandemie ist erst besiegt, wenn alle Menschen auf der Welt geimpft sind“
14 https://fassadenkratzer.wordpress.com/2021/11/29/die-belogenen-und-betrogenen-geimpften-80-der-corona-toten-in-englandwaren-geimpft/ (gemeint: 80 Prozent!); siehe auch die RKI-Wochenberichte, die Woche für Woche den stetig steigenden Anteil der

vollständig Geimpften an den Corona-Erkrankungen und den Anteil der Verstorbenen an den symptomatischen Covid-19-Fällen erheben; siehe auch mdr Wissen vom 07.03.2022, wonach genauso viele Geboosterte auf den Intensivstationen liegen, wie Ungeimpfte. herauszukommen, die das Gesundheitssystem definitv gefährden wird, wird in diesem Gesetzesentwurf zur generellen Impfpflicht lapidar „nur einen begrenzten Beitrag zur Steigerung der Impfquote in der Allgemeinbevölkerung“ „zur Vermeidung einer möglichen Überlastung des Gesundheitssystems“ attestiert, da es sich nur um einen kleinen Teil der Bevölkerung handele (5,7Millionen).

Die Erkenntnisse aus Divigate und der mittelfristige Vergleich der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es „zu keiner Zeit Klinik-Überlastungen gab, speziell keine deutschlandweite, regional gleichzeitige Überlastung aller verfügbaren IST-Kapazitäten“.15

Gefahr droht allenfalls von Klinikschließungen, Fallpauschalen und fortgesetztem Privatisierungswahn. Ähnliche Stellungnahmen kamen selbst von der Krankenhausgesellschaft, von verschiedenen Chefärzten oder von anderen Experten, wie z.B. den Datenanalytiker Tom Lausen, dem Sachverständigen, der im parlamentarischen Unterausschuss „signifikante Fehlerquellen/- interpretationen“ bei der Erhebung relevanter Daten beklagte.16 Das Parlament muss vor Verabschiedung jeglicher „Impfpflicht“ erst diskutieren, wie gegen das vorsätzliche und illegale Unterlassen der ärztlichen Meldepflicht vorgegangen werden kann, um das seit Jahren bestehende Daten-Desaster zu beheben und endlich zu verlässlichere Daten zu kommen.17

Deutschland würde das einzige Land, das eine generelle Impfpflicht einführte, während ringsherum die Staaten die Covid-Maßnahmen entweder vollständig oder zum großen Teil wieder zurücknehmen: Ägypten, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Island, Italien, Kroatien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz, Slowenien, Spanien, Ungarn, sogar die Türkei und Österreich lockern ihre Restriktionen18, wobei zu erwähnen ist, dass die Impfpflicht in Österreich aktuell auch auf der Kippe steht. Das Blatt wendet sich und man sollte nicht stur an einer falschen Entscheidung festhalten. More of the same ist vor allem dann keine gute Handlungsanleitung, wenn sich die ganze Welt verändert. Die Impfung darf nicht zum Selbstzweck verkommen, sondern muss auf einer freiwilligen Entscheidung jeder einzelnen Person beruhen, vor allem, so lange sich der „Impfstoff“ noch in der klinischen Erprobung befindet und nicht endgültig zugelassen ist.

Über die praktischen Umsetzungsprobleme der generellen Impfpflicht, die sich denen der einrichtungsbezogenen Impfpflicht ähneln, bleibt der Gesetzesentwurf vage. Kontrollen des Impfstatus durch Übermittlung an die zuständigen Stellen durch die Meldestellen, Krankenkassen und Arbeitgeber verlangen neue Rechtsgrundlagen bieten keine ausreichende Gewähr für eine effektive Umsetzung der „Impfpflicht“. Es bleiben die Gesundheitsämter, die schon bei der
einrichtungsbezogenen „Impfpflicht“ längst am/über dem Limit sind.

Die eingängliche Behauptung, dass der Gesetzesentwurf zur Steigerung der Impfquote im Personenkreis der Menschen über 18 Jahre keine zusätzlichen Kosten verursache, ist unstimmig und wird im Entwurf selbst schon entlarvt:  Bei den betroffenen Bürgern sehe man einen „geringfügigen finanziellen Erfüllungsaufwand“; Bei der Wirtschaft (private Krankenversicherung) sei die Ausgestaltung des Verfahrens für die 7,1 Millionen Versicherten zwar noch gar nicht geklärt, dennoch sollen den privaten Krankenversicherern ungeprüft Erfüllungsaufwand und Bürokratiekosten „in nicht bezifferbarer Höhe“ aus Bundesmittel erstattet werden;

15 Gesundheitsstaatssekretär Edgar Franke, Februar 2022 an BT-Vizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP)
16 08.07.2021 https://www.bundestag.de/resource/blob/850806/7bd14581e33890e68fe7d57ee67d4cbf/19_14-2_13-2-_ESV-TomLausen-_Langfriste-Konsequenzen-data.pdf
17 https://multipolar-magazin.de/artikel/mehr-impfnebenwirkungen mit Verweis auf den Experten für Impfschäden, Dr. Klaus Hartmann,
der in seinem Buch (Impfen, bis der Arzt kommt) eine geteilte Verantwortlichkeit befürwortete
18 https://github.com/CoronaNetDataScience/corona_index/tree/main/coronanet und
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/131281/Lockerungen-der-Restriktionen-in-vielen-Laendern

Auch die den Ländern und Kommunen entstehenden Erfüllungskosten (Kontrollen, Verwaltungs-, Buß- und Zwangsgeldverfahren) seien „nicht quantifizierbar“; Dies gelte auch bezüglich der Erfüllungskosten für Sozialversicherungen, Postbeamtenkassen und Bundesbahnbeamten;Einzig die Kosten für die Bundespolizei seien quantifizierbar, sie werden mit lächerlichen 520.000 € veranschlagt. Peanuts. Alleine die vorgesehene neue Aufklärungskampagne ist aber mit rund 60 Millionen Euro veranschlagt.

Die Hauptlast werden die Kommunen und Länder tragen, das steht jetzt schon fest. Und die Hauptlast wird nicht nur ein Kostenproblem sein. Diese generelle Impfpflicht wird sich zu einer gigantischen verwaltungstechnischen Überforderung der betroffenen Behörden und Ämter auswachsen – und das alles nur, um die totale Impfung zu erzielen!

Zur Erinnerung: Nach dem Arzneimittelgesetz (§5 AMG) ist es „verboten, bedenkliche Arzneimittel in den Verkehr zu bringen oder bei anderen Menschen anzuwenden. Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft besteht der begründete Verdacht, dass sie schädliche Wirkungen haben, die über ein … vertretbares Maß hinausgehen“. Was, um Himmels willen, soll durch diese gefährlichen und sogar todbringenden Substanzen („C-Impfstoffe“) verhindert werden? Reicht Ihnen denn nicht der Verdacht auf 50.000 Impftote oder die vom Pharmaunternehmen Pfizer vor wenigen Tagen und erst nach Gerichtsurteil veröffentlichte ellenlange Schreckensliste der über 1.000 früh bekannten Impfnebenwirkungen für den von BioNTech entwickelten „Impfstoff“19? Dieses „Gesetz auf Vorrat“, im schlimmsten Fall begleitet noch durch ein „Digitales Impfregister“, unterhöhlt unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung, verletzt unser Demokratieprinzip und führt in einen Überwachungsstaat. Dass man (zunächst noch) gnädig Zwangsimpfung und Beugehaft, vermutlich auch das Zwangsgeld von bis zu 25.000 € ausschließt, sowie das Bußgeld für verspätete, unrichtige oder unvollständige Immunitäts-/Schwangerschaftsnachweise bzw. Glaubhaftmachung, dass man nicht der Nachweispflicht unterliege, auf maximal 2.500 € begrenzt, macht diesen Gesetzesentwurf nicht besser. Er soll uns einschüchtern, er gefährdet unsere
Gesundheit, unser Leben und unsere Existenz. Er postuliert wegen einer fiktiven Gefahr einer unwahrscheinlichen und evtl. irgendwann in der Zukunft liegenden Überlastung des Gesundheitssystems ein unverhältnismäßiges, impffanatisches Ermächtigungsgesetz, das der Bundesregierung durch Rechtsverordnungen quasi-parlamentarische Rechte verleiht.

Dieser Entwurf gehört in die Tonne!

Stimmen Sie dagegen. Bitte!

Mit freundlichen Grüßen
Uwe Kranz

Pfizer-Report zu Comirnaty®: Über 1.000 relevante Nebenwirkungen in den ersten drei Monaten (communitas-bonorum.de)

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Grafikquellen          :

Oben     — Cartoon: Vielleicht sollten bei der Durchsetzung der allgemeinen Impfpflicht Tierärzte mit entsprechender Ausrüstung eingesetzt werden.

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Diskursive Kurzsicht

Erstellt von DL-Redaktion am 16. März 2022

 Auf komplexere Fragen ist niemand vorbereitet

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Wer fragt wen – wenn nur nichtssagende Antworten kommen ?

Ein Schlagkoch von Jagoda Marinic

Die deutsche Öffentlichkeit verliert sich gern im Klein-Klein. Bis sich in Krisen, wie der aktuellen, zeigt. Strukturelles Denken fehlt. Aber auch der Glaube daran, dass wir gemeinsam etwas ändern können.

Putin ist Putin und er hat nie vorgegeben, etwas anderes zu sein als Putin. Kein Despot muss sich die Mühe machen, den Westen zu täuschen, der Westen täuscht sich schon selbst. Demokratische Regierungschefs reisen zu Diktatoren und wagen es kaum, Menschenrechts- oder Freiheitsfragen auf die Agenda zu setzen – Diplomatie heißt das dann, der Dialog muss fortgesetzt werden! Fortgesetzt wird jedoch hauptsächlich der Handel, der Dialog reißt ab.

Warum wurde in den letzten Jahren die sicherheitspolitische Debatte nicht aufrichtig geführt: Wo war die breitere gesellschaftliche Debatte darüber, wie abhängig wir uns von Putin machen dürfen? Es gab tatsächlich keinen Plan B für den Katastrophenfall, der jetzt eingetreten ist. Wir sind abhängig; sorry, auf jeden Fall bis zum Winter untergraben wir unsere eigenen Sanktionen gegen Putin! Der beste Rat bisher ist, dass wir Strom sparen sollen, es gibt ja auch Pullis.

Es sind eben solche Vorschläge, die zeigen, wie wenig geübt die deutsche Öffentlichkeit noch darin ist, über die Lage der Welt nachzudenken. Heizung an- und ausdrehen, das können wir anscheinend verarbeiten, aber das Wissen über Geopolitik, die Bedeutung Deutschlands oder gar der liberalen Demokratien in der Welt ist kaum ein Thema in den Alltagsgesprächen dieses Landes. Politik ist in Deutschland eine immer kleinteiligere Frage geworden und der Umgang mit der Coronapandemie war exemplarisch für unsere diskursive Unfähigkeit: Wir haben uns über Kleinstmaßnahmen von Bundesland zu Bundesland gestritten, wir haben allen mehr oder minder erfolgreichen Ministerpräsidenten die Bühne geboten, obwohl sie nichts zu sagen hatten – gelöst haben wir die Probleme damit noch lange nicht.

In Deutschland lieben wir den diskursiven Nebel. Vier Talkshows bieten uns die Öffentlich-Rechtlichen regelmäßig, alle haben fast zwei Jahre lange ausschließlich die pandemische Lage beackert. Natürlich kann man sagen, das lag an der historischen Herausforderung, es lag aber auch daran, dass es der deutschen politischen Diskurskultur entspricht, das Klein-Klein aufzublasen, so zu tun, als verstehe man in den Redaktionen den armen Michel oder die Luise in Bottrop; ich weiß nicht, wie man diese Kunstfiguren des mittelmäßigen Verstehens im Journalismus sonst noch nennt. Diese Vorstellung, dass die Bürgerinnen und Bürger im Durchschnitt eben nicht in der Lage wären, strukturelle Fragen in den Blick zu nehmen, Verbindungen zu ziehen und so nach Schaltstellen zu suchen, an denen man Größeres bewegen könnte. Dieses beharrliche Unterschätzen der demokratischen Öffentlichkeit, tausend Nostalgiesendungen wurden in den letzten zwei Jahren produziert, man will uns ja Ablenkung schenken, daher auch die Behauptung: Der erneute Angriff auf die Ukraine kam „plötzlich“ und „unerwartet“. Wer hätte das ahnen können, fragen jetzt einige, als müsste man sich freisprechen.

Seel, Johann Richard 01.JPG

War der Deutsche jemals anders ? Wer 16 Jahre, ohne jede Zukunft, mit Micheline lebte, ist Unsterblich!

All das, was Putin jetzt tut, kam mit Ansage. Wir müssen anfangen, das kollektive Wegsehen aufzuarbeiten. Die Ermüdung, wenn es um die komplexen politischen Fragen der Welt geht, die Hintergrundinformationen verlangen. Es fehlen Formate, die große politische Themen auf eine Art präsentieren, dass sie zu breiten gesellschaftlichen Debatten werden. Die „Talkshows“ sollten ergänzt werden durch wirkliche Gesprächsformate – ohne Politiker in der Runde, die sowieso nur das wiederholen, was sie schon in ihren Nachrichtenstatements abgegeben haben. Es braucht mehr kritische Einordnungen, eine höhere Themenvielfalt und den Abschied von der Idee, dass Menschen, nur weil sie ärmer sind oder weniger gebildet, es nicht nötig hätten, auch komplexere Fragen erläutert zu bekommen.

Eine andere Ursache für die Verdrängung ist die krankhafte Fokussierung auf die eigenen Befindlichkeiten. Drei Stunden liefen die Bilder vom Krieg und schon fragen hier alle: Wie halte ich es aus, mir das alles anzusehen? Natürlich ist es legitim, sich selbst zu schützen. Doch die Art, wie wir unsere Gefühle über einen Krieg, den andere führen müssen, in den Mittelpunkt unseres Redens stellen, macht mich stellenweise fassungslos. Kaum rede ich fünf Minuten mit Leuten über die Ukraine, sagt jeder Zweite zu mir: „Aber wir müssen auch sehen, dass es uns gut geht.“ Muss man sich bei allem fragen, ob es einem dabei gut geht? Geht es uns denn „schlecht“, wenn wir uns anfassen lassen von einem Krieg und seinen unschuldigen Opfern, oder geht es uns eigentlich angemessen?

Quelle      :          TAZ-online          >>>>>       weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —     Protest von FridaysForFuture und Anderen, sowie Ankunft der Verhandlungsteilnehmenden an der Messe Berlin zum letzten Tag der Sondierungsgespräche für eine Ampelkoalition.

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Von Corona Folgen

Erstellt von DL-Redaktion am 16. März 2022

Freedom Day oder nicht, Long Covid ist ein ernstes Problem

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Eine Kolumne von Margarete Stokowski

Bald fallen die Corona Maßnahmen, noch mehr Menschen werden sich infizieren und Long Covid bekommen. Aus eigener Erfahrung warnt unsere Kolumnistin: Das wollen Sie auf keinen Fall.

Nur noch fünfmal schlafen bis Freedom Day! Oder für alle, die Long Covid haben: noch fünfmal schlafen und ungefähr 15-mal hinlegen und an die Decke starren. Apropos liegen, ich weiß, ich liege Ihnen jetzt seit zwei Jahren in den Ohren damit, wie falsch ich die deutsche Coronapolitik finde. Zu kurzsichtig, zu sehr am Wohlergehen der sogenannten Wirtschaft interessiert und zu wenig an Kindern, Alten, Armen, Kranken, Frauen, Obdachlosen, Toten, medizinischem Personal, Sie wissen schon.

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 COVID-19 Impfungen

Erstellt von DL-Redaktion am 12. März 2022

  Wie viele Familienväter noch?
BVerfG: Entscheidung unter Unsicherheiten
, – nicht im Ausland

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Von Johannes Kreis

Zu dem Thema COVID-19 Impfpflicht möchten wir die Frage stellen: wie viele 33-jährige Familienväter noch?

„Er wollte sich vor einer Corona-Infektion schützen, doch die Impfung hätte ihn fast das Leben gekostet: Ein Vredener erlitt Tage nach der Injektion einen Schlaganfall – und kämpft nun mit den Folgen.“

Die Gruppe 30 – 40 Jahre ist durch COVID-19 nie gefährdet gewesen. Es gibt genügend andere Beispiele,

Reicht es für den Patientenschutz (besser Menschenschutz, denn alle diese Menschen waren gesund bzw. am Leben, bis sie sich impfen ließen), wenn man sich ewig weiter auf die Pöbeleien der Hausärzte verläßt?

„Diese undifferenzierte Schwurbelei passt aber ganz offensichtlich in das Markenimage der Kasse, die mit Homöopathie und Osteopathie als Satzungsleistungen wirbt und sich selbst als ,veggiefreundlichste Krankenkasse‘ tituliert. Offenbar will man vor allem Werbung in der impfkritischen Klientel machen.“

Welche verlässlicher Aussagen zum Nutzen/Risiko Verhältnis der in 6 Monaten, ohne Langzeitstudien aus dem Hut gezauberten, weiterhin nur bedingt zugelassenen Impfsubstanzen gibt es überhaupt? Hier gilt das Motto „wer die Impfungen anzweifelt, fliegt raus“.

Warum empfiehlt die STIKO AstraZeneca nicht mehr zur Zweitimpfung?

Wie hat man das denn festgestellt?

Während im Ausland, mit genau denselben Fragestellungen zum Infektionsgeschehen, alle Restriktionen fallen, laufen wir weiterhin, wie die letzten 2 Jahre, unter der Pauschal-Legitimation des Bundesverfassungsgerichts „Entscheidung unter Unsicherheiten“.

Schaut man sich die Statistik-Katastrophen des RKI, des PEI und des verantwortlichen Gesundheitsministers Karl Lauterbach an, so drängt sich der Verdacht der Absicht auf, denn so bleibt man unter dem Schutzschirm des Bundesverfassungsgerichts.

So wird in Deutschland um jedes Quentchen Unsicherheit gekämpft, nicht, weil man sich eben nie 100% sicher sein kann, sondern um auch noch den letzten Euro aus dem Bürger herauszuholen.

Es wird auch noch das letzte Intensivbett ausgelastet, falls man es mangels Patienten nicht vorher abgebaut hat, um im Förderbereich von 75% Auslastung zu bleiben, oder falls man es nicht freihält, um an die Freihaltepauschale zu kommen. Das Ergebnis sind deutlich mehr Tote auf deutschen Intensivstationen als im Ausland.

„Das Ziel, die Überlebensrate von an COVID-19 erkrankten Patientinnen und Patienten durch den Einsatz eines innovativen, hoch technisierten Verfahrens zu verbessern, kann häufig nicht erreicht werden. Fragen wirft zudem eine erhöhte Sterblichkeit im internationalen Vergleich auf.“

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Kinder werden weiterhin sinnlos mit nutzlosen Maßnahmen gequält und für den Rest ihres Lebens geschädigt, um die Eltern bei der Stange zu halten,

„In einem offenen Brief an die Bundesregierung fordern Rüdiger von Kries, Epidemiologe und Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko), und Peter Walger, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) ein Ende der „sinnfreien Maßnahmen“ an Schulen und Kitas.“

Aber die Gerichte klammern sich weiterhin an die Beschwichtigung des PEI und die Panikmache des RKI, beide disziplinarisch dem Herrn mit unklarem Gesundheitszustand, Karl Lauterbach, unterstellt.

Und weiterhin werden Meldungen zu als Inzidenzen deklarierten Meldezahlen verbreitet, die weder medizinisch noch statistisch irgendeinen Sinn machen,

Auch hier ist die Erkenntnis im benachbarten Ausland weitergediehen. Sobald man mit dem Testterror aufhört, fällt die sogenannte Pandemie ganz von selbst in sich zusammen. Aber, im Ausland verdienen die Hausärzte auch keine 250.000€ pro Monat an Impfungen.

„Das macht bei durchschnittlich 300 Impfungen täglich rund 64.000 Euro Honorar pro Woche – und pro Monat über eine Viertelmillion – abzüglich der Kosten für Personal oder Miete.“

Der deutsche Staat kann nicht auf Verdacht das Leben oder die Gesundheit seiner Bürger opfern, während man in ganz Skandinavien und mindestens 3 weiteren Ländern ohne Maske, ohne Zugangsbeschränkungen und ohne Impfpflicht auskommt. Letzteres ist auch eine Erkenntnis und die ist frei von Unsicherheit.

„Frankreich – In Frankreich wird das Vorzeigen des Pass vaccinal (Impfpass) ab dem 14. März weitestgehend wegfallen. Restaurants, Fern­züge, Kinos und Museen sollen dann wieder ohne Nachweis über Corona-Impfung, Genesung oder negativen Corona-Test besucht werden dürfen. […] Auch die Maskenpflicht in Innenräumen wird weitestgehend abgeschafft, nur im öffentlichen Nahverkehr soll sie bestehen bleiben.“

„Finnland – Am Dienstag, 1. März, hat Finnland die letzten Corona-Beschränkungen aufgehoben. Restaurants dürfen seither wieder normal öffnen – es gibt keine Einschränkungen bei Öffnungszeiten oder Anzahl der Gäste. Eine Maskenpflicht gibt es ebenfalls nicht mehr,[…].“

„England – Am 24. Februar hat England auch die letzten Corona-Maßnahmen aufgehoben. […] Schon Ende Januar hatte England weitestgehend die Corona-Regeln aufgehoben, seither gibt es keine Maskenpflicht mehr und der Impfpass ist keine Zugangsvoraussetzung mehr für Veranstaltungen und Discos.“

„Dänemark – Bereits am 1. Februar hat Dänemark als eines der ersten Länder nahezu alle Corona-Maßnahmen abgeschafft und den „Freedom Day“ gefeiert. Eine Maskenpflicht gilt seither nur noch im Gesundheitsbereich (also etwa bei einem Besuch im Krankenhaus) sowie an Flughäfen. Der Corona-Pass mit dem Nachweis von Impfung, Genesung oder negativem Test wird ebenfalls nur noch im Gesundheitsbereich benötigt. Alle anderen Einrichtungen sind geöffnet wie vor der Pandemie auch – ohne Einschränkungen.“

„Norwegen – Seit dem 12. Februar gibt es in Norwegen keine Corona-Regeln wie Maskenpflicht oder Social Distancing mehr. Ein Impf- oder Genesenennachweis muss nicht mehr vorgezeigt werden.“

„Schweden – Schweden hatte ohnehin weitestgehend lockere Corona-Regeln, so war das Land auch eines der ersten, das die nahezu komplette Abschaffung der Maßnahmen verkündet hat.“

„Island – Am 25. Februar hat Island die Corona-Beschränkungen sowohl im Inland als auch bei der Einreise aufgehoben. Eine Maskenpflicht gilt nicht mehr, […]“

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Gewaltverbrechen sind von Amts wegen zu verfolgen, dazu bedarf es keines privaten Klägers. Wann eröffnet endlich der erste Staatsanwalt ein Strafverfahren wegen des Verdachts der schwereren Körperverletzung oder des Todschlags gegen die Rädelsführer und Profiteure dieses Wahnsinns?

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Grafikquellen      :

Oben          —       CDC champions a One Health approach, encouraging collaborative efforts to achieve the best health for people, animals, and the environment. Photo credit: Awadh Mohammed Ba Saleh

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Corona + „German – Angst“

Erstellt von DL-Redaktion am 9. März 2022

 Urlaub mit Grundrechten am Wochenende

Strand am Ballermann 6.JPG

Von Johannes Kreis

Wir möchten darauf hinweisen, dass im europäischen Ausland auch für deutsche Bürger ein Urlaub am Wochenende mit(!) Grundrechten möglich ist. Das ist unabhängig davon, was irgendein deutscher Expertenrat glaubt über eine mutmaßlich weltweite Pandemie zu wissen.

Reise-Tips für Reisen mit Grundrechten, ganz vorne mit dabei, England, Schweden, Dänemark, die Schweiz, Norwegen und Finnland.

„Österreich (ohne Wien) – Am heutigen Samstag fallen in unserem Nachbarland fast alle Corona-Beschränkungen. Es gibt keine Zugangsbeschränkungen, keine Obergrenze bei Veranstaltungen und keine Sperrstunde mehr.“

„Frankreich – In Frankreich wird das Vorzeigen des Pass vaccinal (Impfpass) ab dem 14. März weitestgehend wegfallen. Restaurants, Fernzüge, Kinos und Museen sollen dann wieder ohne Nachweis über Corona-Impfung, Genesung oder negativen Corona-Test besucht werden dürfen. Nur für den Zutritt zu Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern und Altersheimen soll eine Art 3G-Regelung bestehen bleiben.“

„Türkei – Die generelle Maskenpflicht in der Türkei ist aufgehoben worden, wie Gesundheitsminister Fahrettin Koca am vergangenen Mittwoch mitteilte. Auch in einigen Innenräumen darf die Maske abgenommen werden, insofern der Mindestabstand gewährt ist. Der Mund-Nasen-Schutz bleibt in einigen Bereichen aber obligatorisch, etwa in Kinos, Theatern, Konzerthallen Krankenhäusern und öffentlichen Verkehrsmitteln.“

„Finnland – Am Dienstag, 1. März, hat Finnland die letzten Corona-Beschränkungen aufgehoben. Restaurants dürfen seither wieder normal öffnen – es gibt keine Einschränkungen bei Öffnungszeiten oder Anzahl der Gäste. Eine Maskenpflicht gibt es ebenfalls nicht mehr,[…].“

„Schottland – Schottland will am 21. März nahezu alle verbliebenen Corona-Regeln aufheben, wie das britische Land berichtet. Es werde außer der Quarantäne für positiv getestete Personen keine staatlich verordneten Maßnahmen mehr geben, kündigte Regierungschefin Nicola Sturgeon an.“

„Belgien – In Belgien endet in der kommenden Woche die pandemische Notlage – damit ist mit vielen Einschränkungen Schluss. Die Maskenpflicht gilt dann nur noch in öffentlichen Verkehrsmitteln und Krankenhäusern, teilte die Regierung mit. Der Besuch von beispielsweise Restaurants, Bars, Kinos und Fitness­studios ist dann auch ohne Vorlage von Impfnachweis, Genesenennachweis oder negativem Corona-Testergebnis möglich.“

„Luxemburg – Bettel kündigte an, Maskenpflicht und Zugangsbeschränkungen in der Gastronomie, im Einzelhandel, bei der Arbeit, beim Sport und in der Schule aufzuheben.“

„Slowenien – Slowenien hat bereits am 21. Februar die meisten Corona-Maßnahmen aufgehoben. Die 3G-Regel entfällt in Gaststätten, Hotels und bei Veranstaltungen sowie bei der Einreise. Die Sperrstunde wurden ebenfalls abgeschafft.“

„England – Am 24. Februar hat England auch die letzten Corona-Maßnahmen aufgehoben. […] Schon Ende Januar hatte England weitestgehend die Corona-Regeln aufgehoben, seither gibt es keine Maskenpflicht mehr und der Impfpass ist keine Zugangsvoraussetzung mehr für Veranstaltungen und Discos.“

„Dänemark – Bereits am 1. Februar hat Dänemark als eines der ersten Länder nahezu alle Corona-Maßnahmen abgeschafft und den „Freedom Day“ gefeiert. Eine Maskenpflicht gilt seither nur noch im Gesundheitsbereich (also etwa bei einem Besuch im Kranken­haus) sowie an Flughäfen. Der Corona-Pass mit dem Nachweis von Impfung, Genesung oder negativem Test wird ebenfalls nur noch im Gesundheitsbereich benötigt. Alle anderen Einrichtungen sind geöffnet wie vor der Pandemie auch – ohne Einschränkungen.“

„Norwegen – Seit dem 12. Februar gibt es in Norwegen keine Corona-Regeln wie Maskenpflicht oder Social Distancing mehr. Ein Impf- oder Genesenennachweis muss nicht mehr vorgezeigt werden.“

„Schweden – Schweden hatte ohnehin weitestgehend lockere Corona-Regeln, so war das Land auch eines der ersten, das die nahezu komplette Abschaffung der Maßnahmen verkündet hat.“

„Island – Am 25. Februar hat Island die Corona-Beschränkungen sowohl im Inland als auch bei der Einreise aufgehoben.“

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Am Mo geht es dann in Deutschland wieder mit Maske und Impfpflicht weiter.

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Grafikquellen          :

Oben     —     Der Strand des berühmten Ballermann 6 an der Playa de Palma auf Mallorca im September 2013 bei Sonnenschein.

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Unten     —     February 11th, 2012 Protest anti ACTA in Munich, „banana republic“ flag

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RND/Dorstener Zeitung

Erstellt von DL-Redaktion am 8. März 2022

Coronavirus ein rein deutscher Virus –
durchhalten bis zur gesetzlichen Impfpflicht

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Von Johannes Kreis

Wir möchten, insbesondere den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, darauf hinweisen, dass es sich bei COVID-19 inzwischen um einen rein deutsches Phänomen handeln muuß.

Darauf deutet eine Recherche des Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) hin, die bislang noch nicht ihren Weg in die Redaktionen des ÖRR in Deutschland gefunden hat. Der Beitrag des RND listet auf, in welchen europäischen Ländern welche Corona-Einschränkungen entfallen sind, allerdings nur in der Rubrik „Reisen“, bis zur Inlandsredaktion des RND hat die Recherche es noch nicht geschafft.

Wir zitieren aus der Wiedergabe der Reise-Tips des RND in der Dorstener Zeitung,

„Österreich (ohne Wien) – Am heutigen Samstag fallen in unserem Nachbarland fast alle Corona-Beschränkungen. Es gibt keine Zugangsbeschränkungen, keine Obergrenze bei Veranstaltungen und keine Sperrstunde mehr.“

„Frankreich – In Frankreich wird das Vorzeigen des Pass vaccinal (Impfpass) ab dem 14. März weitestgehend wegfallen. Restaurants, Fernzüge, Kinos und Museen sollen dann wieder ohne Nachweis über Corona-Impfung, Genesung oder negativen Corona-Test besucht werden dürfen. Nur für den Zutritt zu Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern und Altersheimen soll eine Art 3G-Regelung bestehen bleiben.“

„Türkei – Die generelle Maskenpflicht in der Türkei ist aufgehoben worden, wie Gesundheitsminister Fahrettin Koca am vergangenen Mittwoch mitteilte. Auch in einigen Innenräumen darf die Maske abgenommen werden, insofern der Mindestabstand gewährt ist. Der Mund-Nasen-Schutz bleibt in einigen Bereichen aber obligatorisch, etwa in Kinos, Theatern, Konzerthallen Krankenhäusern und öffentlichen Verkehrsmitteln.“

„Finnland – Am Dienstag, 1. März, hat Finnland die letzten Corona-Beschränkungen aufgehoben. Restaurants dürfen seither wieder normal öffnen – es gibt keine Einschränkungen bei Öffnungszeiten oder Anzahl der Gäste. Eine Maskenpflicht gibt es ebenfalls nicht mehr,[…].“

„Schottland – Schottland will am 21. März nahezu alle verbliebenen Corona-Regeln aufheben, wie das britische Land berichtet. Es werde außer der Quarantäne für positiv getestete Personen keine staatlich verordneten Maßnahmen mehr geben, kündigte Regierungschefin Nicola Sturgeon an.“

„Belgien – In Belgien endet in der kommenden Woche die pandemische Notlage – damit ist mit vielen Einschränkungen Schluss. Die Maskenpflicht gilt dann nur noch in öffentlichen Verkehrsmitteln und Krankenhäusern, teilte die Regierung mit. Der Besuch von beispielsweise Restaurants, Bars, Kinos und Fitness­studios ist dann auch ohne Vorlage von Impfnachweis, Genesenennachweis oder negativem Corona-Testergebnis möglich.“

„Luxemburg – Bettel kündigte an, Maskenpflicht und Zugangsbeschränkungen in der Gastronomie, im Einzelhandel, bei der Arbeit, beim Sport und in der Schule aufzuheben.“

„Slowenien – Slowenien hat bereits am 21. Februar die meisten Corona-Maßnahmen aufgehoben. Die 3G-Regel entfällt in Gaststätten, Hotels und bei Veranstaltungen sowie bei der Einreise. Die Sperrstunde wurden ebenfalls abgeschafft.“

„England – Am 24. Februar hat England auch die letzten Corona-Maßnahmen aufgehoben. […] Schon Ende Januar hatte England weitestgehend die Corona-Regeln aufgehoben, seither gibt es keine Maskenpflicht mehr und der Impfpass ist keine Zugangsvoraussetzung mehr für Veranstaltungen und Discos.“

„Dänemark – Bereits am 1. Februar hat Dänemark als eines der ersten Länder nahezu alle Corona-Maßnahmen abgeschafft und den „Freedom Day“ gefeiert. Eine Maskenpflicht gilt seither nur noch im Gesundheitsbereich (also etwa bei einem Besuch im Kranken­haus) sowie an Flughäfen. Der Corona-Pass mit dem Nachweis von Impfung, Genesung oder negativem Test wird ebenfalls nur noch im Gesundheitsbereich benötigt. Alle anderen Einrichtungen sind geöffnet wie vor der Pandemie auch – ohne Einschränkungen.“

„Norwegen – Seit dem 12. Februar gibt es in Norwegen keine Corona-Regeln wie Maskenpflicht oder Social Distancing mehr. Ein Impf- oder Genesenennachweis muss nicht mehr vorgezeigt werden.“

„Schweden – Schweden hatte ohnehin weitestgehend lockere Corona-Regeln, so war das Land auch eines der ersten, das die nahezu komplette Abschaffung der Maßnahmen verkündet hat.“

„Island – Am 25. Februar hat Island die Corona-Beschränkungen sowohl im Inland als auch bei der Einreise aufgehoben.“

Focus-Online hatte ähnlich Reise-Tips zum „Urlaub ohne Maske und Corona-Regeln“ am 4.3.. Auch hier warten wir noch darauf, bis die Hauspost den Artikel bis zur Inlandsredaktion getragen hat.

Und was hat Deutschland? 3G statt 2G+. Und die Schüler dürfen die Maske beim Sport abnehmen. Dafür rechnen hier die Hausärzte bis zu 250.000€ Umsatz mit Impfungen pro Monat ab, Krankenhäuser erhalten Millionen von Euro für COVID-19 Patienten, die sie nie behandelt haben und die Politik ergeht sich in ein immerwährendes „wir dürfen das Erreichte nicht verspielen“.  Karl Lauterbach (SPD) beschwörte unlängst die nächsten 10 Jahre Pandemie.

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Woran dieser Professor wohl gedoktert hat ?

Zu der alternativen Sichtweise, dass der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach schlicht geisteskrank ist und die Hausärzteschaft (Dirk Heinrich & Co) den Hals nicht voll genug kriegen, haben wir eine Meinung, uns liegen aber keine gesicherten Erkenntnisse vor.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) peitscht derweil im Eilverfahren noch eine Fortschreibung der Maskenpflicht am Arbeitsplatz durch, bevor es zu spät ist.

„Im Großraumbüro, der Fabrikhalle und anderen Innenräumen sollen für Beschäftigte auch nach dem 20. März Maskenpflicht und Abstandsregeln gelten.“

„Daher müssten für einen Übergangszeitraum in allen Lebensbereichen weiterhin bestimmte Basisschutzmaßnahmen getroffen werden, „um die erzielten Erfolge nicht zu gefährden“, heißt es im Entwurf.“

Warten wir ab, ob sich die Erkenntnisse der Rubrik „Reisen“ des RND irgendwann auch mal bis zur Inlandsredaktion des RND oder sogar bis zur Tageschau rumsprechen. Das wird  vermutlich frühestens an dem Tag nach der Einführung einer gesetzlichen Impfpflicht der Fall sein.

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Grafikquellen          :

Oben     —       If incidence gets too high in times of corona, a politician could be tempted to re-define it.

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Corona im neuen Weltkrieg?

Erstellt von DL-Redaktion am 6. März 2022

SWR – Deutschland braucht keinen Patientenschutz –
die gerechte Strafe für Mörder und Totschläger

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Von Johannes Kreis

Zu den Aussagen des SWR, dass es in Deutschland keines Patientenschutzes bedarf, möchten wir auf einige besondere Umstände in dieser Diskussion hinweisen.

Eigentlich geht es bei Impfnebenwirkungen um gesunde Menschen und keine Patienten, trotz aller Bemühungen der Hausärzteschaft und anderer Medizinal Größen, aus jedem Bürger bis zum Beweis des Gegenteils einen Patienten zu machen. Diese Leute haben sich mit dieser Strategie in der Vergangenheit reichlich die eigenen Taschen gefüllt und werden wohl auch in Zukunft davon nicht ablassen.

Wer Patientenschutz (genauer: Menschen schütz) fordert ist laut SWR Investigativ-Team ein Querdenker. Wofür auch immer dieser Begriff stehen mag, es scheint etwas Schlimmes zu sein, denn diese Leute fordern „Aufklärung“,

„Lausen beantwortete dem SWR keine der schriftlich gestellten Fragen, schrieb jedoch, er fordere, „dass der SWR endlich seine Arbeit aufnimmt“. Seine Person sei dabei „völlig unwichtig“.“

Herr Lausen erwartet doch nicht etwas Aufklärung zu Impfnebenwirkungen vom Investigativ-Team des SWR? Dass sich jemand selbst nicht wichtig nimmt, ist für den ÖRR schlicht nicht vorstellbar.

Die Frage nach dem Ausmaß von schweren Nebenwirkungen von weiterhin bedingt zugelassenen und in 6 Monaten aus dem Hut gezauberten Substanzen (mit vollständigem Haftungsauschluß der Hersteller) scheint im ÖRR inzwischen eine Art Legaldefinition im Rahmen der Denunziation von sogenannten Querdenkern zu sein, vgl. ebenda.

„Darin stellte er in Frage, ob es „ausreichend Studien zur Wirksamkeit und Nebenwirkungen“ gäbe und ob es zu verantworten sei, „so viele Menschen, ohne die Erfahrungen von Langzeitstudien zu impfen“ – Fragen, die auch immer wieder von „Querdenkern“ aufgeworfen werden.“

Hat hier jemand tatsächlich Langzeitstudien gefordert?

Dagegen werden die Pöbeleien von „geldaffinen“ Hausärzten, von denen viele an dem Impf-Unsinn ganz prächtig verdient haben, als Wissenschaft bezeichnet und das bevor irgendeine Zeit gewesen wäre, inhaltliche Details zu prüfen.

„Diese undifferenzierte Schwurbelei passt aber ganz offensichtlich in das Markenimage der Kasse, die mit Homöopathie und Osteopathie als Satzungsleistungen wirbt und sich selbst als ,veggiefreundlichste Krankenkasse‘ tituliert. Offenbar will man vor allem Werbung in der impfkritischen Klientel machen.“

Und natürlich gibt es wieder geeignete Mutmaßungen seitens der Virologen, die alles behaupten dürfen, solange nur die nächste Virus-Variante die Gefährlichste aller Zeiten wird (die Gevaz, die gefährlichste Variante aller Zeiten!).

„Es geht hier eben nicht um schwerwiegende Impfkomplikationen, sondern vermutlich um ganz normale Impfreaktionen, […].“

Merkwürdig ist bei den Diffamierungen durch Hausärzte und andere sogenannte „Experten“, dass diese Leute angeblich schon Bescheid wußten, bevor es irgendeine weitergehende Untersuchung der BKK ProVita Daten gegeben hatte. Das sind hellseherische Fähigkeiten, die man bei den Teilzeit-Statistikern der Hausärzteschaft gar nicht vermutet hätte. Das scheint aber ähnlich zu sein, wie bei den regelmäßigen Interviews mit diesem Herrn Drosten in den Tagesthemen. Der weiß auch immer alles, bis es ganz anders kommt, dann hat er es schon immer ganz anders gewußt. Dieser Herr Drosten ist nicht einmal in der Lage, die Situation in Deutschland mit der im benachbarten Ausland, insbesondere in Holland, der Schweiz, Dänemark oder Schweden, zu vergleichen.

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Die größten Schwurbler hier im Land, macht Politik und wird als Kölsche Jeck erkannt. Seien wir ehrlich- Können Augen lügen, Nasen näseln und Zähne beißen?

Auch das PEI erfasst vermeintlich “normale” Impfnebenwirkungen, wie „Ermüdung“ und „Schmerzen an der Injektionsstelle“. Das kann jeder (außer dem SWR) den Berichten des PEI direkt entnehmen.

[Seite 15]

„Am häufigsten wurden Schmerzen an der InjektionsstelleKopfschmerzenErmüdung und Fieber berichtet (Abbildung 6).“

Wie kommt das PEI denn an diese Zahlen, wenn die gar nicht an das PEI gemeldet werden? Wenn man aber auch „normale“ Nebenwirkungen erfasst, warum kommt man trotzdem auf weitaus weniger Impfnebenwirkungen als die BKK ProVita Analyse? Und sprechen die Hausärzte hier von dem „alltäglichen Fieber“, z.B. bei Über-70-Jährigen? Letzteres wäre lebensgefährlich.

Es gibt schon lange Alarmsignale, auch auf Basis von Daten des PEI. Dazu kommt das bekannte Problem der Untererfassung von Nebenwirkungen.

Wann geht denn jemand diesen Hinweisen nach? Ganz offensichtlich ist das nicht geplant. Und selbst wenn, dann ist nach den erfolgten Festlegungen der Verbandsvertreter wenig bis gar keine Objektivität zu erwarten.

Merke: bei Alarmsignalen (um mehr ging es auch bei der BKK ProVita Analyse nicht) ignorieren wir diese und verlassen uns auf die Diffamierungen und Pöbeleien des Virchow-Bundes und die Vermutungen von Virologen. Hauptsache die Ärzte sahnen ab.

Löst die fristlose Entlassung des BKK ProVita Vorstandes das Problem? Für den SWR offensichtlich schon, denn Kritik kam dazu keine.

Wenn es bei den weiterhin bedingt zugelassenen COVID-19 Impfstoffen zu schweren Nebenwirkungen kommt, ist das allein Sache des Patienten. Und der steht wie immer allein. Die Ärzte sind offensichtlich nicht für den Patientenschutz zuständig.

„Auch wenn die Corona-Impfung Schuld an dem Tod des Mädchens sein sollte, werde kein Verfahren eröffnet. „Es ist eine bekannte – sehr seltene – Nebenwirkung.“ Da diese Nebenwirkung bekannt sei, könne auch hier niemand rechtlich zur Verantwortung gezogen werden.“

Zwischenzeitlich arbeiten die Impffanatiker weiter an der gesetzlichen Impfpflicht. Dabei stellt sich jetzt schon die Frage, wie es zu den 10 Rote-Hand Briefen gekommen ist, mit denen das PEI eben jene Hausärzte vor schwersten Nebenwirkungen bis zum Tod warnt? Diese Warnungen hätte man sich vermutlich sparen können, denn von den Roten-Hand-Briefen scheint zumindest bei den Funktionären des Virchow-Bundes keiner angekommen zu sein.

Wie ist die STIKO denn darauf gekommen, Astra-Zeneca nicht mehr für die Zweit-Impfung (die sogenannte Mittel-Impfung) zu empfehlen?

In Skandinavien hat man die Verwendung der Impfstoffe ebenfalls eingeschränkt.

Wie ist man darauf gekommen? Diese Fragen stellt man im öffentlich-rechtlichen Rundfunk erst gar nicht. Bzw. diese offensichtlichen Fragen kommen nur den so diffamierten Querdenkern in den Sinn.

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Jetzt ist Krieg: Wir dürfen schießen und alles im Auftrag der STIKO ?

Wichtig ist, dass man sich bewußt macht, dass jedes Leben zählt. Auch das Leben derjenigen, die an einer Impfung gestorben sind.

Das scheinen die Coronoiker vergessen zu haben. Und hier gibt es Gesetze, die das Leben des Einzelnen schützen, z.B.

 „(2) Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet.“

Oder der §212 StGB „Totschlag“,

„(1) Wer einen Menschen tötet, ohne Mörder zu sein, wird als Totschläger mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft.

(2) In besonders schweren Fällen ist auf lebenslange Freiheitsstrafe zu erkennen.“

Darum wird es in den nächsten Jahren, insbesondere nach der Einführung der gesetzlichen Impfpflicht (für mindestens 3 Impfungen), gehen: die Mörder und Totschläger und ihre Komplizen und Helfershelfer der gesetzlich vorgeschriebenen, gerechten Strafe zuzuführen.

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Grafikquellen          :

Oben     —  Karikatur von Gerhard Mester zum Thema Klimawandel und Kohleverbrennung: – Totschlagargument Arbeitsplätze (Stichworte: Globus, Erde, Klima, Kohle, Energie, Umwelt)

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2.) von Oben     —     Karl Lauterbach in der WDR-Sendung „Maischberger“ am 2019-04-10

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Unten     —    Cartoon: Vielleicht sollten bei der Durchsetzung der allgemeinen Impfpflicht Tierärzte mit entsprechender Ausrüstung eingesetzt werden.

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Start der „German Angst?“

Erstellt von DL-Redaktion am 5. März 2022

”Corona-Krise, “ Notstand, internationale Kriegsgefahr in Richtung Dritter Weltkrieg und Bildung eines eurasischen Blocks

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Papier für alle politischen Blockflöten

Quelle:    Scharf  —  Links

Von Iwan Nikolajew

  1. Prolog

Es wird immer deutlicher, das die „Corona-Krise“ in eine großflächige Entwertung von Kapital führt. Der neoliberale Weltmarkt zerbricht und reißt die neoliberale Weltordnung, welche um den US-Imperialismus zentriert war, mit in den Abgrund. Eine neue Weltordnung, welche die alte ersetzten kann, gibt es nicht und bis sich diese ausbreitet, wird noch viel Zeit vergehen und so bahnt sich eine internationale Kriegsgefahr den Weg.

  1. Letzter Ausweg: Krieg als mögliche Krisenlösung

Die „Corona-Krise“ hat nichts mit der SARS-Corona-Pandemie zu tun, sondern ist nur eine neue Phase der Großen Krise seit dem Ausbruch derselben in den Jahren 2007/2008 und damit der durchschnittlichen Bewegung des Kapitals im Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate geschuldet. Eine Krise der Überakkumulation von Kapital vor dem Hintergrund eines bestimmten Niveaus der Produktivkraft der Arbeit, d.h. eines bestimmten Niveaus der organischen Zusammensetzung des Kapitals und damit einer bestimmten Form der Zusammensetzung der Arbeiterklasse. Die Entwertung von Kapital kann erst mit einer qualitativen Anhebung der Produktivkraft der Arbeit überwunden werden, d.h. mit einer Neuzusammensetzung des Kapitals/Neuzusammensetzung der Arbeiterklasse.

Dem Kapital ist seit den Jahren 2007/2008 nur prekär gelungen, die Akkumulation auf Basis des neoliberalen Weltmarktes zu stabilisieren. Das neoliberale Akkumulationsmodell verfaulte und verweste; auf jeden Fall war die Akkumulationsdynamik gebrochen. Langsam zerfiel der neoliberale Weltmarkt und es setzten sich immer mehr die protektionistischen Tendenzen durch, vor allem durch die Wirtschaftskriege innerhalb der imperialistischen Kette. Diese Bewegung läuft untergründig ab, während die Oberfläche des neoliberalen Weltmarktes noch unbewegt ist. Aber ab einem bestimmten abstrakten Punkt brechen die untergründigen Tendenzen auf die Oberfläche der Akkumulation durch, dann bricht der neoliberale Weltmarkt offen zusammen und naturwüchsig tritt der multipolare Weltmarkt ins Licht der Geschichte. Die „Corona-Krise“ ist der qualitative Umschlag vom neoliberalen Weltmarkt in den multipolaren Weltmarkt.

Die SARS-Corona-Pandemie ist nur ein Moment in dem qualitativen Umschlag vom neoliberalen in den multipolaren Weltmarkt, d.h. sie ist nur ein zufälliger Moment, welcher die Notwendigkeit des Zusammenbruchs des neoliberalen Weltmarktes transportiert, ein Anlaß und Auslöser, nicht aber der materielle Grund. Der neoliberale Weltmarkt ist derart morsch und verfault, daß ein beliebiger Grund ihn zum Zusammenbruch bringen kann. Diese konkrete SARS-Corona-Pandemie war ein Grund aus beliebigen anderen Gründen. Die Notwendigkeit findet notwendig ihren Zufall. Im jahrelangen Zerfall des neoliberalen Weltmarktes separieren sich die einzelnen Märkte voneinander, separieren sich die einzelnen Metropolen gegeneinander. Unter diesen Bedingungen muß eine kollektive Bekämpfung einer Pandemie, Endemie etc. und hier konkret der SARS-Corona-Pandemie scheitern. Jedoch Pandemien und Endemien etc. lassen sich nur international erfolgreich bekämpfen, es bedarf einer internationalen Koordination. Doch diese internationale Koordination läßt sich aufgrund des Zerfalls des neoliberalen Weltmarktes nicht bewerkstelligen.

Die SARS-Corona-Pandemie als Ergebnis des SARS-Corona-Virus ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Produkt der kapitalistischen Produktion, produziert in einem Hochsicherheitslabor des militärisch-industriellen Komplexes und damit ein Produkt des kapitalistischen Produktionsprozesses. Der militärisch-industrielle Komplex produziert eine Vielzahl an Kampfstoffen, chemische Kampfstoffe, biochemische Kampfstoffe, atomare Kampfstoffe. Dabei werden auch Viren verändert, „scharf“ gemacht, um die natürliche Immunabwehr von Menschen, Tieren, Pflanzen zu überwinden. Im Wuhan-Labor in China wurden Coronaviren den menschlichen Zellrezeptoren angepaßt. Hinter dieser „gain-of-Function“-Forschung im Wuhan-Labor in China stehen internationale Forschungsinstitute, auch aus den USA und Westeuropa, und nicht nur chinesische Forschungsinstitute. Diese Art der Wissenschaft vermittels „gain-of-Function-Forschung (Erhöhung der Virulenz und Übertragbarkeit von Bakterien) ist weltweit verbreitet, nicht nur in China zu finden und sind zivil-militärische Produkte aus dem militärisch-industriellen Komplex. Auf dem neoliberalen Weltmarkt gab es auch in einigen Bereichen eine internationale Zusammenarbeit bei der „gain-of Function“ Forschung (Viren erhalten durch Genveränderung neue Eigenschaften). Damit ist die „Virenforschung“ ein Teilgebiet der biochemischen Industrie, welche auch in gen-veränderte Pflanzen, Saatgut etc. investiert und eine „Gen-Industrie“ darstellt. In Deutschland hat der Chemie-Konzern Bayer die berüchtigte „Gen-Firma“ Monsanto aufgekauft, welches genverändertes Saatgut etc. produziert. „Biotech“-Firmen dieser Art werden von der internationalen Spekulation an den Börsen deswegen sehr gefördert, sie gelten als „Zukunftsmarkt“, d.h. „gain-of-Function“- Forschung gilt dem Kapital als hochprofitabel. Nichts liegt also näher, als davon auszugehen, daß das SARS-Corona-Virus in der biochemischen-Industrie ihren materiellen Ursprung hat. Eine ganze Industrie lebt von der „gain-of-Function“ Forschung und diese Industrie ist der Star auf dem Börsenparkett. Es verwundert doch sehr, daß die Gegner der Gen-Technik bei der Frage der Herkunft des SARS-Corona-Virus und bei der Produktion der auf Gen-Technik basierenden mrna-Impfstoffe gegen das SARS-Corona-Virus schweigen und auf einen „natürlichen Ursprung“ bauen, statt die Gen-Technik ins Visier zu nehmen. Wenn Gen-Technik im Pflanzenanbau gefährlich ist, dann erst Recht in der Medizin. Damit verhilft die SARS-Corona-Pandemie der Gen-Technik zum Durchbruch, wenn zum Ursprung des SARS-Corona Virus, wie zu den Gefahren der genbasierten Impfstoffe geschwiegen wird. Auch hier hat der bürgerliche Staat seine „Zivilgesellschaft“ vermittels seiner materiellen Unterstützung fest im Griff. Vieles bleibt bisher im Dunkeln und keine Großmacht hat Interesse, daran etwas zu ändern. Die ABC-Waffen (Massenvernichtungswaffen) sind „normale“ Waffen, wie jede andere Waffe auch. Es geschehen wie überall in der kapitalistischen Produktion Unfälle, wie auch bewußte Freisetzungen bzw. Einsätze von Waffen und biochemischen Kampfstoffen bei Manövern und Erprobungen etc. Nun ist der SARS-Corona-Virus kein vollentwickelter Kampfstoff, sondern im Vergleich zu den biochemischen Massenvernichtungswaffen relativ harmlos, doch er reicht aus, die schon zuvor zerfallende neoliberale Weltordnung und damit zentral den neoliberalen Weltmarkt, zum Einsturz zu bringen. Die eilig entwickelten Impfstoffe gegen den SARS-Corona-Virus, welche sich noch im Erprobungsstadium befinden, sind ja selbst nur eine Negation von “ biochemischen Kampfstoffen“ gegen das SARS-Corona-Virus. Der militärisch industrielle Komplex produziert ja nicht nur biochemische Massenvernichtungswaffen etc, sondern auch Verteidigungsmittel gegen dieselben. Damit wird auch die Forschung und Entwicklung von biochemischen Kampfstoffen offiziell begründet. Wenn man ABC-Angriffe abwehren muß, muß man solche ABC-Waffen produzieren, um dann Abwehrmaßnahmen gegen dieselben zu entwickeln. Ohne die Produktion von biochemischen Kampfstoffen keine Erforschung und Entwicklung von Gegenmaßnahmen gegen diese. Die Impfstoffe gegen den SARS-Corona-Virus bauen den SARS-Corona-Virus nach, reproduzieren ihn, um dann einen Impfstoff zu entwickeln. Wer einen Impfstoff gegen den SARS-Corona-Virus entwickeln kann, kann auch einen SARS-Corona-Virus selbst entwickeln, es ist alles im Prinzip reproduzierbar, reproduzierbar wie jede andere Waffe auch und vor allem: wie jede andere Ware auch. Im Kapitalismus ist auch das SARS-Corona-Virus eine Ware. Die Sicherheitsmaßnahmen von Hochsicherheitslaboren unterscheiden sich im Prinzip nicht von Sicherheitsmaßnahmen in Atomkraftwerken, chemischen Fabriken, Einzelhandelsgeschäften etc. und es stehen auch Hochsicherheitslabore unter dem Verwertungszwang des Kapitals wie jedes andere Kapital auch; Sicherheitsmaßnahmen sind Kostenfaktoren und gehen auf Kosten des Profits, zumal in Krisenzeiten. Hochsicherheitslabore sind keinesfalls Hochsicherheitstrakte, die sind nur für die proletarische Opposition reserviert. Die Hochsicherheitstrakte gegen die proletarische Opposition haben für die Bourgeoisie einen höheren Stellenwert als Atomkraftwerke oder Hochsicherheitslabore. Hochsicherheitslabore sind im Kapitalismus unsicher. Für die Verwertung des Kapitals ist es gleichgültig was produziert wird, ob Autos oder biochemische Stoffe, die als Kampfstoffe oder zivil als biochemische Stoffe eingesetzt werden können. Oftmals können chemische Stoffe oder biochemische Stoffe dual eingesetzt werden, als Medizin, als Vorleistungen in andere Waren oder als Waffen. Hohe Sicherheitsanforderungen gehen auf Kosten des Profits und werden deshalb möglichst legal abgesenkt oder illegal umgangen. Zudem stellt der bürgerliche Staat nur ungenügend Personal für die Kontrolle der Sicherheitserfordernisse ein; eine reale Kontrolle ist nicht gewährleitet und selbst wenn sie stattfindet, gibt es legale oder illegale Vorabinformationen, wann die Kontrolle der Sicherheitsbedingungen stattfindet. Was nützten hohe Sicherheitsanforderungen, wenn sie nicht kontrolliert und sanktioniert werden können. Kontrolle und Sanktion hat der bürgerliche Staat nur für die Arbeiterklasse reserviert, nicht aber für das Kapital. Das ist ganz normaler Kapitalismus, in allen Branchen. Die Führung eines Hochsicherheitslabors unterscheidet sich nicht grundsätzlich von der Führung eines Zeitungskiosks, beide sind den Zwängen der Kapitalverwertung unterworfen.

Es gibt keine „Natur“ außerhalb des Kapitalismus. Der Kapitalismus eignet sich im Ausbeutungsprozeß des Menschen durch den Menschen die „Natur“ an, beutet sie über die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen aus. Damit ist „Natur“ immer nur „kapitalistische Natur“. Der Kapitalismus strukturiert die „Natur“ nach seinem Sinn. Der kapitalistische Arbeitsprozeß ist Ausbeutungsprozeß und formt die Natur um. Im kapitalistischen Ausbeutungsprozeß werden die Naturkräfte und Naturgesetze angeeignet und damit die Natur in Warenform reproduziert, d.h. die Naturgesetze werden nur im Sinne der kapitalistischen Verwertung von Kapital angewendet, wobei auch unbeabsichtigt Naturkräfte freigesetzt werden. Diese kapitalistische Naturanwendung und Umformung wird zielgerichtet vom individuellen Kapitalkommando geleitet und materialisiert sich in Warenwerte, ist reproduzierbar. Der Kapitalismus produziert die kapitalistische Natur in Warenform, greift tief in die „Natur“ ein und beseitigt die „Natur“ als „Natur.“ Von nun an gibt es keine „Natur“ mehr, keine „natürlichen Ursprünge“, sondern nur noch industrielle Ursprünge, kapitalistische Ursprünge. Das SARS-Corona-Virus ist ein Moment der kapitalistischen Natur und damit ein Moment der Verwertung von Kapital, wurde produziert und ist keine „Naturkatastrophe“, entspringt den kapitalistischen Produktionsprozeß und ist damit industriell produziert und reproduziert, ob mit Vorsatz oder ohne Vorsatz. Hiermit ist auch die abstrakte Möglichkeit der Virus-Produktion in einem Hochsicherheitslabor gegeben, wie auch eine vermeintliche „Zoonose“ aus der kapitalistischen Agrarwirtschaft. Denn auch gerade in der kapitalistischen Agrarwirtschaft werden Vorprodukte biochemischer und chemischer Art eingesetzt, welche in der Chemieindustrie produziert worden sind und damit ebenso in letzter Instanz aus einem Hochsicherheitslabor stammen und externe Folgen haben, die nicht sein sollten. Da der SARS-Corona-Virus sich sehr gut auf den menschlichen Organismus übertragen läßt, spricht ebenfalls alles für ganz normale industrielle Prozesse, deren Ziel es war, einen Virus zu produzieren, der das menschliche Immunsystem unterläuft, der genau darauf ausgerichtet ist, das menschliche Immunsystem zu durchbrechen. Nicht im Sinne einer biologischen Massenvernichtungswaffe, wie Milzbrand etc. die sofort massenhaft tödlich ist, sondern im Sinne einer mäßig tödlichen Gefahr, welche objektiv soziale desintegrative Prozesse freisetzt und damit als ein Zwischenprodukt für ein bisher unbekanntes Endprodukt. Die materielle Basis für die konkreten Möglichkeiten der zufälligen oder der bewußten Freisetzung von gefährlichen Viren aus der kapitalistischen Produktionssphäre legt der zusammenbrechende neoliberale Weltmarkt mit seinen aufbrechenden Spannungen, vor allem seit dem Jahr 2013/2014, wo die offene Desintegration des neoliberalen Weltmarktes begann. Die SARS-Corona-Pandemie ist ein Produkt der internationalen Spannungen, als Resultat des zusammenbrechenden neoliberalen Weltmarktes. Jeder Staat sah in dem Auftreten der SARS-Corona-Pandemie einen äußeren Angriff und reagierte mit dem Ausnahmezustand, ging in eine politische und militärische Verteidigungsposition, statt multinational an der Bekämpfung der SARS-Corona-Pandemie teilzunehmen. Eine internationale Zusammenarbeit zur Bekämpfung der SARS-Corona-Pandemie stand nie auf der Tagesordnung. Im Gegenteil. Die nationale Bekämpfung der SARS-Corona-Pandemie zerrüttete den neoliberalen Weltmarkt weiter, brachte ihn zum Einsturz und verhinderte dadurch immer stärker eine international koordinierte Bekämpfung der SARS-Corona-Pandemie.

Gerade in Krisenzeiten werden überall im Kapital die Sicherheitsmaßnahmen des kapitalistischen Produktionsprozesses heruntergefahren, denn sie gehen zu Lasten des Profits. Die kapitalistischen „Unfälle“ sind ein Produkt des kapitalistischen Systems und häufen sich in Zeiten der Krise, in Zeiten von großen sozialen und internationalen Spannungen. Diese notwendigen Zufälle sind Momente des kapitalistischen Systems. Ist die Akkumulation jenseits der Krise, können diese notwendigen Zufälle der Kapitalakkumulation nichts anhaben, denn dann ist das kapitalistische System zu stabil, um durch „Zufälle“ irgendeiner Art aus dem Gleichgewicht gebracht zu werden. Im Gegenteil in der Krise. Die Schwäche des kapitalistischen Systems macht das kapitalistische System anfällig für notwendig zufällige Momente. Nicht die schwerwiegende Wirkung des zufälligen Moments ist entscheidend, sondern der Zustand des kapitalistischen Systems. Die Wirkung des notwendig zufälligen Moments zeigt den Zustand des kapitalistischen Systems an. Das notwendig zufällige Ereignis der SARS-Corona-Pandemie wurde nur Anlaß für eine massenhafte Entwertung von Kapital, aber nicht der Grund, der in der Entwicklung der Akkumulation zu suchen ist. Der Kapitalismus produziert aus seiner immanenten Bewegung heraus seine eigene Krise, er benötigt dazu keine „äußeren Krisen“. Die vermeintlich „äußere Krise“ ist das Ergebnis der immanenten Krisentendenzen des Kapitalismus.

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Die „Corona-Krise“ ist eine ganz normale konkrete kapitalistische Krise, wie jede andere kapitalistische Krise auch und sie begann letztlich in den Jahren 2007/2008 und nicht im Jahr 2020, hat mit der SARS-Corona-Pandemie nichts zu tun und trägt nur zufällig diesen Namen. Diese „Corona-Krise“ ist nur eine neue Phase der Großen Krise. Die Überakkumulation von Kapital kann nicht mehr über eine expansive Geldpolitik kontrolliert werden. Der Krisenschub des Jahres 2019 und die schwere Krise des Repro-Marktes im Herbst 2019 kündigen das Ende des neoliberalen Akkumulationsmodells an, ebenso wie die proletarischen Revolten des Jahres 2019. Ein notwendig zufälliges Ereignis reicht aus, um die Krise offen ausbrechen zu lassen, konkret unter der Form der „Corona-Krise.“ Ohne die SARS-Corona-Pandemie hätte die Krise nur eine andere historische Form angenommen. Nicht die SARS-Corona-Pandemie ist das Problem, sondern der Kapitalismus. Ohne Kapitalismus keine SARS-Corona-Pandemie.

Die „Corona-Krise“ ist nur die finale Krise des neoliberalen Akkumulationsmodells und erzwingt eine Neuzusammensetzung des Kapitals-Neuzusammensetzung der Arbeiterklasse, ist also eine ganz normale Krise des Kapitalismus und kein Weltuntergang oder Katastrophe oder gar eine Inszenierung, sondern ist lediglich der Durchschnittsbewegung des Kapitals im Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate geschuldet und damit eine bewußtlose Aktion des Wertgesetzes. Das Kapital auf der Ebene des „Kapital im allgemeinen“ reagiert auf die Überakkumulation von Kapital, indem es den Ausbeutungsprozeß neu organisiert. Auf der „Ebene der vielen Kapitale“ wird versucht die Produktivkraft der Arbeit zu steigern und jedes individuelle Kapital sucht auf eigenen Wegen, gegen jedes andere Einzelkapital, den Ausbeutungsprozeß neu zu organisieren, d.h. die Produktivkraft der Arbeit zu erhöhen und so die Arbeiterklasse neuzusammensetzen. Die Reaktion des Kapitals ist ebenso bewußtlos, wie das Wertgesetz selbst. Die Krise des Kapitalismus und damit die „Corona-Krise“ ist keine Verschwörung des Kapitals, sondern das Resultat der Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, ebenso die politische Reaktion des Kapitals auf diese Krisentendenzen, auch sie sind bewußtlos-wertgesetzrational. Der bürgerliche Staat, der ideelle Gesamtkapitalist, entspringt ebenso dem Wertgesetz und das Wertgesetz ist nichts anderes als materialisierter bewußtloser Klassenkampf; der bürgerliche Staat kann das Wertgesetz nur bewußtlos oder bestenfalls einmal halbbewußt modifizieren, aber nicht aufheben. Der „Corona-Notstand“ ist nur eine Möglichkeit des bürgerlichen Staates von vielen anderen Möglichkeiten auf die „Corona-Krise“ zu reagieren, d.h. er ist nicht alternativlos und damit ist er eine bewußte politische Entscheidung der Bourgeoisie, eine bewußte politische Entscheidung auf der materiellen Basis des bewußtlosen Wertgesetzes und somit ist jede bewußte politische Entscheidung gleichzeitig bewußtlos. Die politischen Entscheidungen können das Wertgesetz modifizieren, aber nicht aufheben. Das Kapital entschied sich im Zusammenbruch des neoliberalen Weltmarktes aufgrund des Ausbruchs der Klassenspannungen und der internationalen Spannungen im Kapital selbst zur autoritären Krisenlösung. Es wäre auch eine Politik der zivilen Krisenlösung möglich gewesen, die autoritäre Krisenlösung ist nicht alternativlos. Vor dem Hintergrund der tiefen Krisentendenzen flüchtet das Kapital in den bürgerlichen Ausnahmestaat (Bonapartismus, Diktatur, Faschismus) und läßt die parlamentarisch-demokratischen Staatsform bürgerlicher Klassenherrschaft weit hinter sich. Erst wenn die Verwertungsbedingungen des Kapitals neu rekonstruiert, das Kapital und die Arbeiterklasse neu zusammengesetzt sind, ist das Kapital bereit, unter Umständen wieder auf seine „demokratischen Wege“ zurückzukehren. Jedoch geschieht dies nicht freiwillig. Auch hier hängt es von der Arbeiterklasse ab, den Klassenkampf umfassend zu führen.

Mit dem „Corona-Notstand“ wird eine „Corona-Deflationspoltik“ eingeleitet. Das gesellschaftlich-notwendige Reproduktionsniveau der Arbeiterklasse soll drastisch abgesenkt werden und dafür wird der Notstand benötigt. Eine parlamentarisch-demokratische Form bürgerlicher Klassenherrschaft ist nicht kompatibel mit einer Deflationspolitik, denn dort kann die Arbeiterklasse über ihre gemachten Eroberungen im Kapitalismus eine Deflationspolitik verhindern oder unterlaufen. Der Notstand richtet sich zentral gegen die gemachten Eroberungen der Arbeiterklasse im Kapitalismus. Erst dann hat das Kapital freie Hand für die Deflationspolitik. Bevor die Arbeiterklasse einer Deflationspolitik unterzogen werden kann, muß sie entrechtet und entmachtet werden. Vor allem müssen die Gewerkschaften als proletarische Massenorganisation erster Ordnung entweder offen oder verdeckt zerschlagen werden. Offene terroristische Zerschlagung der Gewerkschaften oder versteckte Zerschlagung der Gewerkschaften durch Einbau in den bürgerlichen Staat als Arbeitsfront- für das Kapital zählt eine pragmatische Lösung. Autonome Klassenorganisationen, autonome, unabhängige bzw. „freie“ Gewerkschaften werden vom bürgerlichen Staat in Notstandsform nicht geduldet. Die Zerschlagung der Gewerkschaften ist die materielle Grundlage für die Atomisierung der Arbeiterklasse, für die Desorganisation der Arbeiterklasse. Ist die Arbeiterklasse atomisiert, desorganisiert, ist es ein leichtes, eine Deflationspolitik zu realisieren. Die Gewerkschaftsbürokratie wartet dabei auf ein gutes Angebot für den Einbau in den bürgerlichen Staat als Arbeitsfront, während die Gewerkschaftsbasis desorganisiert wird. Der Notstand zielt vor allem auf die Zerstörung der Meinungsfreiheit durch vielfältige Formen der Zensur, denn ohne Meinungsfreiheit, kann keine proletarische Massenorganisation existieren. Ohne Diskussion keine Organisation und die Organisation ist die schärfste Waffe des Proletariats im Klassenkampf. Die Zerstörung der proletarischen Massenorganisationen beginnt schon lange vor terroristischen oder bürokratischen Akten des bürgerlichen Staates durch die Paralyse der Meinungsfreiheit und damit der Meinungsbildung. Die „Corona-Notstandsmaßnahmen“ und die ideologische Aufrüstung verunmöglichen eine freie Meinungsbildung in den proletarischen Massenorganisationen, denn eine freie Meinungsbildung erfordert physische Präsenz und kann nicht digital über das Internet erfolgen. Damit entpolitisiert der „Corona-Notstandsstaat“ auch die proletarischen Massenorganisationen, wie die gesamte bürgerliche Gesellschaft.

Das Kapital versucht alles, um eine politische Diskussion zu vermeiden und jede politische Diskussion zu entpolitisieren und auf vermeintliche „Sachfragen“ bzw. den „Sachzwang“ zu reduzieren. Dies ist der erste Schritt zur Individualisierung von politischen Problemen im Kapitalismus. Das vereinzelte Individuum wird für die gesellschaftlichen Probleme im Kapitalismus verantwortlich gemacht, nicht das gesellschaftliche kapitalistische Produktionsverhältnis. Der Kapitalismus ruft nach „Verwaltung“, aber nicht nach „Politik“, denn „Verwaltung“ beruft sich auf die nicht in Frage gestellten kapitalistischen Produktionsverhältnisse, diese werden als Datum passiv hingenommen und ihre innere Rationalität akzeptiert. Es werden „Dinge“ verwaltet. In der Ideologie der „Verwaltung“ reproduzieren sich in verdinglichter Form die kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Auf der Ebene der Erscheinungsweise werden die kapitalistischen Produktionsverhältnisse als selbständige Sachen mit einem Eigenleben ausgestattet, werden die kapitalistischen Produktionsverhältnisse als selbständige Dinge mystifiziert, obwohl sie gesellschaftliche Verhältnisse sind. Die Bourgeoisie möchte alle politischen Fragen in „Verwaltungsfragen,“ in scheinbare „Sachfragen“ und „Sachzwänge“ auflösen, die Einheit der gesellschaftlichen Frage auseinanderreißen und diese isolierten Teile gegeneinander ausspielen.

Die Arbeiterklasse jedoch gibt sich nicht mit den Erscheinungen der Oberfläche der kapitalistischen Produktionsverhältnisse zufrieden und stellt die kapitalistischen Produktionsverhältnisse praktisch durch die direkte Aktion in Frage. Die politische Entscheidung der Arbeiterklasse ist es, die vorgefundenen kapitalistischen Produktionsverhältnisse als historische, vorübergehende Produktionsverhältnisse praktisch und das heißt politisch, zu erfassen und diese kapitalistischen Produktionsverhältnisse als Totalität in Frage zu stellen. Es gibt keine „Sachfragen“, sondern nur politische Fragen, es gibt keine „Sachzwänge“, sondern nur politische Fragen und Entscheidungen. Die „vermeintlichen Sachfragen,“ die vermeintlichen „Sachzwänge,“ die „Verwaltung“ arbeitet mit der „Alternativlosigkeit“. Diese kapitalistischen gesellschaftlichen Verhältnisse werden als a-historische Sachverhältnisse dargestellt, wo es nur noch Verwaltungslösungen bei der Verwaltung des gesellschaftlichen Status quo geben kann. Die kapitalistischen Produktionsverhältnisse sind für das Kapital alternativlos, nicht jedoch für das Proletariat. Für das Proletariat ist der Klassenkampf, die Politik, alternativlos, will es überhaupt im Kapitalismus bestehen. Der Klassenkampf läßt sich nicht auf „Verwaltung von alternativlosen Sachfragen und Sachzwängen“ reduzieren.

In der parlamentarisch-demokratischen Form des bürgerlichen Staates trifft „Verwaltung“ (Staats- und Kapitalbürokratie) auf die Politik des Proletariats (Parlament und außerparlamentarische Aktion) im Klassenkampf und auf diese Weise wird die Verwaltung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse zu Gunsten der Politik des Proletariats modifiziert. Im bürgerlichen Ausnahmestaat (Bonapartismus, Diktatur, Faschismus) jedoch gibt es keine politische Modifikation der Verwaltung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse mehr, dort ist die Politik im Namen der „nationalen Sicherheit“ zerstört. Die „nationale Sicherheit“ ist die Generalklausel für die kapitalistische Verwaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse. „Politik“, d.h. Klassenkampf, ist dann eine Gefahr für die „nationale Sicherheit“ und so muß die „Politik“ und damit die proletarischen Massenorganisationen, ausgeschaltet werden. Die Bourgeoisie haßt „Politik“ und liebt „Verwaltung“. Aus diesem Grunde diskutiert die Bourgeoisie die SARS-Corona-Pandemie in einem politischen Vakuum. Die SARS-Corona-Pandemie wird dann zu einer „technischen“ bzw. „technokratischen Frage“ im Sinne der herrschenden Klasse umformuliert, wenn es um die öffentliche Diskussion geht, dann erscheint die SARS-Corona-Pandemie unabhängig von den gesellschaftlichen Verhältnissen, unabhängig von den kapitalistischen Produktionsverhältnissen und wird a-historisch verdinglicht und wird so naturwüchsig zu einer Bedrohung der „Menschheit“ hochstilisiert, ebenso die „Klimakatastrohe“. Eine politische Diskussion wird auf diese Weise verhindert. Dies ist auch der Erfolg des Neoliberalismus, der verkündete, daß keine Gesellschaft existiert, sondern nur Individuen, denn somit wird der Komplex Politik-Klassenkampf entsorgt und „Sachfragen“ und „Sachzwänge“ bzw. die Ideologie der „Alternativlosigkeit“ produziert und treten an die Stelle von Politik-Klassenkampf. Die verdinglichte neoliberale Ideologie der technokratischen Lösungen ist nicht nur Ideologie, sondern auch praktische Politik-praktischer Klassenkampf des Kapitals gegen die Arbeiterklasse. Technokratische Lösungen der SARS-Corona-Pandemie oder auch der „Klimakatastrophe“ sind immer nur getarnte politische Entscheidungen im Kapitalismus und damit nur Scheinlösungen, denn die Probleme des „Klimaschutzes“ oder des Schutzes der Gesundheit, verlangen ein revolutionäres Überschreiben der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, können niemals im Kapitalismus gelöst werden. Das Gesundheitssystem bleibt immer ein kapitalistisches Gesundheitssystem, ist immer von der Verwertung des Kapitals abhängig und vor allem die sozialen Bedingungen der Arbeiterklasse innerhalb des Kapitalismus produzieren erst die Ausbreitung von Pandemien. Es kann die SARS-Corona-Pandemie nicht begriffen und nicht erfolgreich bekämpft werden, wenn von den sozialen Bedingungen der konkreten kapitalistischen Produktionsverhältnisse, unter denen sich die Arbeiterklasse reproduziert, abstrahiert wird. Vor allem der Massenarbeiter und die industrielle Reservearmee ist von der SARS-Corona-Pandemie betroffen, denn diese kann die gesellschaftlich notwendige Reproduktion nur im Durchschnitt, nicht aber in jedem Punkt, leisten. Die Armutsgebiete sind die ideale Basis für die Verbreitung einer Pandemie. Das ist nichts Neues. Doch dies wird in der bürgerlichen Ideologie der „Sachfragen“ derzeit ausgeblendet, denn dies hieße konkret die konkreten kapitalistischen Produktionsverhältnisse in Frage zu stellen. Im Kapitalismus können maximal die Armutsgebiete quantitativ und qualitativ durch eine offensive Politik der Arbeiterklasse reduziert werden, jedoch verschwinden werden sie im Kapitalismus nicht, dies bedarf der proletarischen Revolution. Kapitalismus ist somit ein anderes Wort Pandemie oder Endemie; Sozialismus ist der Begriff für das Ende aller Pandemien oder Endemien. Pandemien oder Endemien, aber auch die ökologische Frage (Klimakatastrophe) können im Kapitalismus nicht verhindert werden und bedürfen der proletarischen Weltrevolution als Lösung. Pandemien/Endemien, wie auch die „Klimakatastrophe“ sind keine medizinischen oder naturwissenschaftlichen Probleme, sondern politische Probleme des Kapitalismus, Probleme des Klassenkampfes und können nur in der Arena des internationalen Klassenkampfes einer Lösung zugeführt werden. Wer von Kapitalismus und Klassenkampf nicht reden will, soll von Pandemie/Endemie und „Klimakatastrophe“ schweigen. Der „Corona-Notstand“ dient nicht dem Schutz der Arbeiterklasse vor der SARS-Corona-Pandemie, sondern ist ein Schutzwall des Kapitals gegen die Arbeiterklasse, dient zur Neuzusammensetzung des Kapitals-Neuzusammensetzung der Arbeiterklasse und ist ein Moment des Klassenkampfes, aber kein neutrales wissenschaftliches Instrument der Pandemiebekämpfung. Auch die SARS-Corona-Pandemie hat einen Klassencharakter, einen bürgerlichen Klassencharakter und ist keine „neutrale Natur“.

Im Notstand kommt die Verwaltung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse zu sich selbst und schaltet die „Politik“, d.h. die reformistische Form einer Politik des Klassenkampfes, aus. Dann gibt es keine proletarische Mitbestimmung mehr, sondern nur noch das Diktat des Kapitals. Das Proletariat darf bitten, aber hat kein Recht auf Gehör oder Mitbestimmung. Der „Corona-Notstand“ gibt vor, nur Notstand zu sein, um das Problem der SARS-Corona-Pandemie zu lösen, welche angeblich als eine Katastrophe über die Welt gekommen ist und eine große Bedrohung für die „nationale Sicherheit“ darstellt. Jedoch real versucht er unter dem „Corona-Notstand“ seine Verwertungsprobleme zu lösen, dann bedrohen die bisherigen Eroberungen der Arbeiterklasse im Kapitalismus die „nationale Sicherheit“. Der Notstand verwaltet die „nationale Sicherheit“. Mit dem Notstand, mit dem „Corona-Notstand“, dankt der zivile Staat ab und die Exekutive mit den Repressionsapparaten übernehmen offen das Kommando, es setzt eine Militarisierung ein und das Verhältnis Befehl und Gehorsam wird deutlicher betont. Dazu gehört auch die Entwicklung in den ideologischen Staatsapparaten des bürgerlichen Staates, hier vor allem im Erziehungswesen, Schule und Universität. Durch die Atomisierung der Klassenbeziehungen in diesen ideologischen Staatsapparaten, besonders im Universitätswesen, wird eine „Entpolitisierung“ eingeleitet. Durch die digitale Online Schule und die digitale Online-Universität werden politische Strukturen zerschlagen. Die Universitäten haben fünf Semester Online- Universität hinter sich und so zerfallen die schon fast traditionellen politischen Strukturen an den Universitäten, die Staffel von einer Studiengeneration zur nächsten wird unterbrochen. Tabula rasa durch den bürgerlichen Staat. Es kommt dann eine entpolitisierte Schülergeneration an die ebenfalls entpolitisierten Universitäten und wird zu bürgerlichen „Fachleuten“, „Experten“ ausgebildet, die nur bewußtlos politische Entscheidungen im späteren Berufsleben fällen, dies aber nicht erkennen, sondern vermeinen „neutrale Sachentscheidungen“ zu exekutieren. Die Entpolitisierung ist die materielle Basis für die „innere und äußere Feinderklärung.“ Wer sich den Befehlen nicht fügen will, ist irrational und gefährlich und muß notfalls mit aller Härte unterworfen werden. Wenn es keine „Politik“ mehr gibt, ist Politik nur noch irrational. Über den Notstand ruft der bürgerliche Staat nicht aus „Gott ist tot“, sondern „Politik ist tot“ und wer weiterhin sich politisch verhält, muß in letzter Konsequenz mit dem Tod rechnen.

Der historische Bruch in den multipolaren Kapitalismus geht tief in den bürgerlichen Staat hinein. Die „Opposition“ soll von den „Feinden“ getrennt werden. Derzeit werden die Archive des bürgerlichen Staates welche sich auf die „neuen sozialen Bewegungen“ beziehen neu formiert. Diese „neuen sozialen Bewegungen“ entstanden nach dem übergesetzlichen Notstand des Deutschen Herbstes, waren ein zentrales Produkt der Repression des Modell Deutschland gegen revolutionäre Avantgarden. Es wurden nicht nur die revolutionären und kleinbürgerlichen Avantgarden zerschlagen, sondern der gesamte soziale und politische Unterbau der proletarischen und kleinbürgerlichen Avantgarden war das Ziel der Repression des Deutschen Herbstes. Die „neuen sozialen Bewegungen“ sind die Zerfallsprodukte der revolutionären und kleinbürgerlichen Avantgarden mit samt ihres sozialen und politischen Unterbaus. Es wurde zwischen Opposition und Feind gespalten, die Opposition sollte vom „Feind“ gesäubert werden. Die Reste der revolutionären und kleinbürgerlichen Avantgarden bekamen die Repression weiter zu spüren, der soziale und politische Unterbau wurde in die „sozialen Bewegungen“ kanalisiert, d.h. mit diesen „sozialen Bewegungen“ wurde sich politisch befaßt mit dem Ziel der Re-Integration ins kapitalistische System und konkret in das Modell Deutschland. Aus diesem Grunde öffnete der bürgerliche Staat seine Archive für diese „neuen sozialen Bewegungen“ um sie so besser studieren zu können, damit man sich mit ihnen politisch befassen kann. Der Marsch durch die Institutionen führte zum Marsch der Institutionen durch die „neuen sozialen Bewegungen“ und die wissenschaftliche Einbindung über die Öffnung der Archive war ein erster Schritt zur Re-Integration. Damit wurden die „neuen sozialen Bewegungen“ verstaatlicht. Erst nach dem Zusammenbruch des Stalinismus nach 1989 öffneten sich vermehrt die Archive für die geschlagene Arbeiterbewegung. Es ging der Bourgeoisie um die wissenschaftliche Verarbeitung ihres momentanen Sieges über das Proletariat, um jedes weitere Aufbegehren zu ersticken. Nun gab es keine „Feinde“ mehr, sondern nur noch „Freunde“ und „Opposition“ wurde am Rande geduldet. Doch mit dem Zusammenbruch des neoliberalen Weltmarktes ändert sich wieder die Position der Bourgeoisie und der Kapitalismus richtet sich neu aus.

Der „Corona-Notstand“ als die Antwort des Kapitals auf die „Corona-Krise“ leitet den politischen Bruch ein. So auch die Archive. Die Arbeiterbewegung wird vermehrt zum „Feind“, man darf sich nicht mehr wie nach 1989 mit der Arbeiterbewegung politisch auseinandersetzten, sondern wie vor 1989 bedarf es einer repressiven Auseinandersetzung. Nur mit den „neuen sozialen Bewegungen“ wird man sich politisch auseinandersetzten, konkret heute mit der „Klimabewegung etc“. Auf jeden Fall will man verhindern, daß Arbeiterbewegung und „neue soziale Bewegungen“ sich vereinen. Es verschließen sich langsam und tendenziell die Archive des bürgerlichen Staates für die Arbeiterbewegung. An diesen alltäglichen und kleinen Entwicklungen des Klassenkampfes kann man die historische Tendenz des Klassenkampfes ablesen, diese alltäglichen und kleinen Entwicklungen weisen über ihre Begrenzung hinaus auf das weite Feld des Klassenkampfes.

Der bürgerliche Staat richtet seine Repression neu aus, definiert seine „Feinde“ und seine „Freunde“ und damit auch die „Unentschlossenen,“ die auf Seiten der „Freunde“ gezogen, politisch neutralisiert, werden sollen. Die Treuepflicht zum bürgerlichen Staat und gleichzeitig zum konkreten Einzelkapital steht im Vordergrund, am Arbeitsplatz und im Privatleben. Wenn Zweifel an der Treuepflicht bestehen, wird ein Lohnarbeiter als „Sicherheitsrisiko“ klassifiziert und dem Aufgabenbereich der repressiven Staatsapparate übergeben. Über das Feld der „Kontaktschuld“ wird versucht, den politischen und sozialen Unterbau zu sprengen und das konkrete „Sicherheitsrisiko“ zu isolieren. Es droht dann eine Selbstzensur auch im Klassenalltag, denn jedes Handeln könnte zur Einstufung als „Sicherheitsrisiko“ führen, mit allen Konsequenzen.

Im „Corona-Notstand“ vermittelt sich politisch der Übergang vom neoliberalen Weltmarkt in den multipolaren Weltmarkt, welche an der Oberfläche der kapitalistischen Produktionsverhältnisse als De-Globalisierung oder Entglobalisierung erscheint. Der Weltmarkt wird nicht mehr alleine unmittelbar vom Wertgesetz reguliert, sondern nun unmittelbar durch das Wertgesetz und mittelbar vermittels des Wertgesetzes über die politische Aktion des bürgerlichen Staates in die Akkumulationsbewegung des Kapitals. Das Kapital kann nun nicht mehr unmittelbar, abgestützt nur über internationale Organisationen, sich relativ frei im Weltmarkt bewegen, sondern die Bewegung des Kapitals erfolgt nun über die Aktion des bürgerlichen Staates im Weltmarkt. Das Wertgesetz modifiziert sich über die Intervention des bürgerlichen Staates in die Ökonomie selbst. An der Oberfläche der kapitalistischen Produktionsverhältnisse erscheint diese Tendenz in der schweren Krise der Lieferketten und in dem Unvermögen, die Mehrwertproduktion international in andere Länder auszulagern, wo die Verwertungsbedingungen besser sind. Der Arbeiterklasse kann immer weniger damit gedroht werden, die Produktion auszulagern, um einen Verzicht zu erzwingen. Im neoliberalen Weltmarkt, nach dem Zusammenbruch der bürokratisch entarteten Arbeiterstaaten, war dies möglich. Doch der multipolare Weltmarkt beendet diese Politik des Kapitals. Nun muß das Kapital wieder, wie vor dem Zusammenbruch der bürokratisch entarteten Arbeiterstaaten in Osteuropa, sich direkt mit der Arbeiterklasse auseinandersetzen, kann die Arbeiterklasse tendenziell weniger international gegeneinander ausspielen und ist nun gezwungen, im eigenen Land repressiv gegen die Arbeiterklasse bessere Verwertungsbedingungen des Kapitals durchzusetzen. Der Klassenkampf intensiviert sich und deshalb kommt dem bürgerlichen Staat als konkret-spezifische Materialisation des Wertgesetzes die Aufgabe zu, daß Wertgesetz indirekt über die politische Aktion zu realisieren. Der multipolare Weltmarkt wertet den bürgerlichen Staat wieder auf. Im multipolaren Weltmarkt wird deshalb die Arbeiterklasse tendenziell weniger mit der stummen Repression des Wertgesetzes als strukturelle Gewalt zu tun haben und mehr mit der unmittelbaren Repression des bürgerlichen Staates, als in der Epoche des neoliberalen Weltmarktes. In der Epoche des neoliberalen Weltmarktes intervenierte der bürgerliche Staat direkt in den Klassenkampf nur dann, wenn der neoliberale Kapitalismus gefährdet war oder um den neoliberalen Kapitalismus gegen den Widerstand der Arbeiterklasse überhaupt erst einzuführen. Nach dieser unmittelbaren Aktion gegen die Arbeiterklasse zog sich der bürgerliche Staat wieder hinter die Linie des Wertgesetzes zurück und überließ wieder der strukturellen Gewalt des Wertgesetzes das Feld. Hinter dem Wertgesetz agierte dann der bürgerliche Staat gegen die Arbeiterklasse. Mit dem Ende des neoliberalen Weltmarktes und dem Aufgang des multipolaren Weltmarktes agiert der bürgerliche Staat und das Wertgesetz, die stumme und die offene Gewalt, auf gleicher Höhe und Linie, wie in der Zeit vor dem neoliberalen Weltmarkt und damit vor dem Zusammenbruch der bürokratisch entarteten Arbeiterstaaten 1989 bis 1991. Doch es ist keine Rückkehr zu den Verhältnissen vor 1989. Lediglich die Repression des bürgerlichen Staates wird wieder erhöht, welche nach 1989 tendenziell heruntergefahren wurde. Im sogenannten „Kalten Krieg“, in der Konfrontation zwischen den bürokratisch entarteten Arbeiterstaaten und dem Imperialismus, formulierte für sich der bürgerliche Staat die Formel von der „wehrhaften Demokratie“. Die „wehrhafte Demokratie“ verschwand ab 1990, taucht aber wieder mit der gleichen Formel in der „Corona-Krise“ auf.

Der militarisierte Blick des Notstandsstaates kann keine Opposition mehr erkennen, sondern unterscheidet nur zwischen Freund und Feind durch sein Zielfernrohr. Wer die Befehle des Notstandsstaates nicht sofort umsetzt, wird auf die Feindliste gesetzt und der Repression unterzogen. Die Pflicht wächst auf Kosten des Rechts. Unter dem Schirm des Notstandes kann das Kapital sich neu zusammensetzen und damit auch die Arbeiterklasse. Wer Widersand leistet muß mit erheblicher Repression rechnen. So gibt es bisher keinen offensiv geführten Widerstand gegen die „Corona-Deflationspolitik“. Allein im Monopolkapital wurden in der „Corona-Krise“ mehr Arbeitsplätze zerstört, als nach dem Zusammenbruch der Wall Street im den Jahren 2008/2009. Der Arbeitsplatzabbau wurde aktiv und passiv von der Gewerkschaftsbürokratie begleitet und realisiert. Es gab keinen organisierten massenhaften und konsequenten Widerstand. Stumm werden die Massenentlassungen im Monopolkapital abgewickelt und dann erst Recht im mittleren und kleineren Kapital. Es gibt keine Massenaktionen, wie Streiks, Demonstrationen, Blockaden etc. Die Gewerkschaftsbürokratie akzeptiert den Notstandsstaat und setzt die Deflationspolitik des Notstandsstaates in der Arbeiterklasse um. Um die „nationale Sicherheit“ nicht zu gefährden, die von der SARS-Corona-Pandemie ausgehen soll, wird jeder proletarische Widerstand in den Betrieben sabotiert und beseitigt. Die Interessen der Arbeiterklasse werden der „nationalen Sicherheit“ geopfert und damit dem Profithunger des Kapitals, während die DGB-Bürokratie ein Moment im Pakt für die „nationale Sicherheit“ des deutschen Imperialismus ist und bringt somit das Modell Deutschland auf seinen Begriff.

Das Modell Deutschland bezeichnet die Hegemonie des Weltmarktkapitals über das Binnenmarktkapital des deutschen Imperialismus, dessen politisches Regelungszentrum der korporatistische Block aus Kapital, bürgerlichen Staat und Gewerkschaftsbürokratie ist. Die enge Zusammenarbeit im korporatistischen Block, vor allem seit der Konzertierten Aktion der sechziger Jahre, hat sich über die Jahre verdichtet und ist die materielle Basis des übergesetzlichen und auch formellen Notstandes. Der bürgerliche Staat kann nur formal den formellen oder informellen Notstand verhängen, jedoch muß er von der materiellen Basis her in Keimform gewollt und vororganisiert sein. Im korporatistischen Block des Modell Deutschland materialisiert sich objektiv ein Grundkonsens des deutschen Imperialismus. Die Gewerkschaftsbürokratie wird in die Strategieausarbeitung des Kapitals in der Regel einbezogen, muß aber immer beweisen, daß sie für das Kapital notwendig ist und droht objektiv immer mit einer kontrollierten Mobilisierung ihre Mitglieder zu Massenprotesten. Der korporatistische Block ist immer prekär für die Gewerkschaftsbürokratie, er ist niemals garantiert und eine widersprüchliche Einheit von gegenläufigen Tendenzen und Momenten des Klassenkampfes. Die Drohung mit dem Ausstieg oder dem Ausschluß aus dem korporatistsichen Block, auch von Seiten der Gewerkschaftsbürokratie, gehört zur internen Formierung des korporatistischen Blocks dazu, denn der korporatistische Block ist ein Produkt des Klassenkampfes, in ihm verdichten sich die Klassenbeziehungen des deutschen Imperialismus. Auch hielt der korporatistische Block bei der Implementierung von Hartz IV, dem bisher schwersten Angriff des BRD-Kapitals auf die Eroberungen der Arbeiterklasse im Kapitalismus. In letzter Instanz wurde und wird Hartz IV durch die Gewerkschaftsbürokratie passiv mitgetragen, welche noch zusätzlich die Tarifverträge flexibilisierte, untertarifierte Tarifverträge abschließt. Die Drohung der SPD geführten rotgrünen Regierung unter der Bundeskanzlerschaft Schröder, sollten die Gewerkschaften sich „Öffnungsklauseln“ verweigern, werde man staatliche Öffnungsklauseln beschließen, wirkte. Die Gewerkschaftsbürokratie flexibilisierte ihre Tarifverträge mit Öffnungsklauseln und akzeptierte gleichzeitig Hartz IV, blieb formal den korporatistischen Zusammenkünften fern, real aber wurde von der DGB-Bürokratie niemals der korporatistische Block des Modell Deutschland in Frage gestellt. Formal kann sich die DGB-Bürokratie vom korporatistischen Block entfernen, real jedoch festigt sie diesen im geheimen. Die DGB-Bürokratie wird auch einen offenen Einbau in den bürgerlichen Staat akzeptieren und als Arbeitsfront fungieren, wenn es die Gewerkschaftsbasis zuläßt. Von der DGB-Bürokratie kommt keine Kritik an den „Corona-Notstand“, es werden keine Massenproteste organisiert, obwohl ganz deutlich über den „Corona-Notstand“ die relative Tarifautonomie beseitigt wird, Massenentlassungen exekutiert werden und die inflationären Tendenzen werden ignoriert und Tarifverträge deutlich unterhalb der Teuerungsrate abgeschlossen. Zum Wohle des Modell Deutschland und zum „Staatswohl“ des bürgerlichen Staates.

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Im Gegenzug dafür wird die ehemalige sozialdemokratische Arbeitsministerin Nahles, welche selbst vor Jahren Gewerkschaftssekretärin der IG-Metall war, nun Bundesvorsitzende des Arbeitsamtes. Gleichzeitig wird die ehemalige Gewerkschaftssekretärin der IG BCE, ehemalige Generalsekretärin der SPD, sozialdemokratische Abgeordnete, welche dem SPD Fraktionsvorstand angehört und im Bundestagsauschuß für Arbeit und Soziales sitzt und unter Arbeitsministerin Nahles Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium war, Yasmin Fahimi, nun Vorsitzende des DGB. An diesen personellen Verflechtungen läßt sich die Einbindung der DGB-Bürokratie in das Modell Deutschland und damit auch an den bürgerlichen Staat und das Kapital, deutlich ablesen. Konkret in der „Corona-Krise“ und „Corona-Notstand zeigen dieser Personalien auf, welchen Weg das deutsche Kapital gehen will. Im korporatistischen Block gibt es einen Konsens für eine „deflationäre Corona-Politik“ unter Schutz eines Notstandes, wenn sich dennoch Widerstand regen sollte. Die Besetzung des Arbeitsamtes durch eine ehemalige sozialdemokratische Arbeitsministerin und IG-Metall-Sekretärin zeigt an, daß die DGB-Bürokratie Massenentlassungen und den Ausbau des zweiten prekären Arbeitsmarktes zustimmt, wenn diese „sozial“ flankiert werden. Gleichzeitig zeigt die Neubesetzung des DGB- Vorsitz durch eine ehemalige Staatsministerin im Bundesarbeitsministerium, welche SPD-Abgeordnete ist, im Bundestagsauschuß für Arbeit und Soziales sitzt und dabei noch dem SPD-Fraktionsvorstand angehört und SPD-Generalsekretärin war, nicht nur den wachsenden Einfluß der SPD auf den DGB, einer SPD, die auf einen Notstand gegen die Arbeiterklasse setzt, sondern vor allem den Einfluß des bürgerlichen Staates im allgemeinen auf die DGB-Bürokratie an. Diese Selbstgleichschaltung des DGB in der „Corona-Krise“ und „Corona-Notstand“ wird weiter vertieft. Der korporatistsiche Block schließt sich enger zusammen, konzentriert sich auf sich selbst und ist bereit mit aller Macht, daß Modell Deutschland zu verteidigen. Wieder ein Schritt näher zur Arbeitsfront, die DGB-Gewerkschaften als innere Schiene der Repression des Modell Deutschland, wenn sie sich immer deutlicher im Modell Deutschland gleichschalten lassen.

Über den korporatistischen Block wird das Modell Deutschland organisiert. Der Gewerkschaftsbürokratie kommt dabei die Aufgabe zu, konkret die Massenlegitimation in der Arbeiterklasse für das Modell Deutschland zu organisieren, wobei sie sich auf die Kernbelegschaften, vor allem auf die Kernbelegschaften der Weltmarktsektoren, stützt. Dabei agiert die Gewerkschaftsbürokratie auch als Betriebspolizei, die DGB-Bürokratie organisiert die Repression innerhalb der Arbeiterklasse, versucht die politischen Impulse zu entpolitisieren und zu vermeintlichen „Sachfragen“ umzuarbeiten, damit diese in das System des Modell Deutschland integriert werden können. Die Repression des Modell Deutschland geht weit über die Repression des bürgerlichen Staates hinaus und vervollkommnet diese. Der Deutsche Herbst, die Repression gegen die revolutionären Organisationen und vorgelagert die Politik der Berufsverbote im Staatsapparat und im Kapital, war ebenfalls ein „übergesetzlicher Notstand“ und eine Aktion des Modell Deutschland. Während der Deutsche Herbst als präventive Repression auf die revolutionären Organisationen und auf die Politisierung der Arbeiterklasse, vor allem auf gewisse Radikalisierungstendenzen der links- kleinbürgerlichen Jugend, zielte, zielt der „Corona-Notstand“ auf die gesamte Arbeiterklasse. Im Deutschen Herbst wurden links-kleinbürgerliche Strömungen diszipliniert, im „Corona-Notstand“ wird die gesamte Arbeiterklasse einer Disziplinierung unterzogen und auf eine neue Form des kapitalistischen Ausbeutungsprozesses hin ausgerichtet. Die Arbeiterklasse war auf den neoliberalen Weltmarkt hin politisiert, d.h. angepaßt und integriert. Doch diese Form der neoliberalen Politisierung der Arbeiterklasse, so ungefährlich sie auch ist, ist kontraproduktiv im multipolaren Weltmarkt. Der „Corona-Notstand“ dagegen ist die Medizin und die Impfung der Arbeiterklasse für den multipolaren Weltmarkt, leitet präventiv die Entpolitisierung einer neoliberal ausgerichteten Arbeiterklasse ein und führt sie einer Neuzusammensetzung im multipolaren Weltmarkt zu. Denn gerade im Bruch vom neoliberalen Weltmarkt in den multipolaren Weltmarkt liegt die Potentialität von proletarischen Politisierungstendenzen, die mit dem „Corona-Notstand“ schon präventiv unterbunden werden sollen. Dem Notstand kommt die Aufgabe zu, die Arbeiterklasse wieder zu versachlichen, ihre potentielle Autonomie, ihren proletarischen Eigensinn, möglichst präventiv zu zerbrechen und zwar durch eine Strategie der Spannung, im Deutschen Herbst, wie im Deutschen Winter des „Corona-Notstandes“. Potentielle proletarische Revolten sollen präventiv zerschlagen, vor allem aber, verhindert werden, daß aus proletarischen Revolten eine proletarische Revolution herauswächst. Im Modell Deutschland liegt potentiell immer die Organisierung des deutschen Imperialismus in der Form der Volksgemeinschaft-formierte Gesellschaft. Die „nationale Sicherheit“ ist das einigende Band zwischen Kapital, bürgerlichen Staat und Gewerkschaftsbürokratie. Jede Revolte ist eine Gefahr für die „nationale Sicherheit“ und muß präventiv ausgespürt und zerstört werden. Die Desorganisation der Arbeiterklasse ist die materielle Basis für die Neuzusammensetzung der Arbeiterklasse in eine formierte Gesellschaft-Volksgemeinschaft. Über den bürgerlichen Staat wird die atomisierte Arbeiterklasse in Form der Volksgemeinschaft-formierten Gesellschaft als Untertan neu zusammengesetzt.

Die „Loyalität“ des vereinzelten Lohnarbeiters zum individuellen Kapitalkommando, wie zum ideellen Gesamtkapitalisten, wird im multipolaren Kapitalismus gleichgewichtet. Kapital und bürgerlicher Staat bauen KI-gesteuerte Datennetze und Datenbanken aus und ermitteln die „politische Zuverlässigkeit“ des vereinzelten Lohnarbeiters. Nicht nur bei Einstellung, sondern permanent über die gesamte Dauer des Arbeitsverhältnisses. Es findet eine mehr oder minder „wilde Sicherheitsüberprüfung“ statt, an Hand der zusammengeschlossenen Datenbanken des bürgerlichen Staates mit den Datenbanken des Kapitals. Dies kann dann noch mit der offiziellen „Sicherheitsüberprüfung“ gekrönt werden. Das Ziel des bürgerlichen Staates ist ein Berufsverbot für vermeintliche Staatsfeinde bzw. „Feinde der Gesellschaft“. Das Berufsverbot bezieht sich nicht nur auf den bürgerlichen Staat, sondern auch auf den Sektor des Kapitals. Es gilt widerständige proletarische Kerne aus den Betrieben zu säubern, denn nur dann kann die Neuzusammensetzung des Kapitals-Neuzusammensetzung der Arbeiterklasse realisiert werden.

Die „Corona-Deflationspolitik“ ist ein Moment der Neuzusammensetzung der Arbeiterklasse und die „digitale“ Verflüssigung der Arbeiterklasse ist ein Moment der „Corona-Deflationspolitik“. Über die digitalen-KI-Komponenten des fixen Kapitals wird die Ware Arbeitskraft flexibler als jetzt im Ausbeutungsprozeß des Kapitals eingesetzt, denn sie werden dem Lohnarbeiter direkt an den Körper geheftet. Aus diesen Leistungsdaten, welche ideologisch den Massen als „Gesundheitsdaten“ verkauft werden, wird der Lohn ermittelt, wie alle anderen Arbeitsbedingungen, d.h. an Hand dieser Daten entscheidet das Kapital über die weitere Beschäftigung des Lohnarbeiters oder seiner Entlassung. Jedes physische Verhalten des Lohnarbeiters wird restlos erfaßt und aus diesem physischen Verhalten wird wie beim „Lügendetektor“ auf ein psychisches Verhalten geschlossen, was nichts anderes als wilde Interpretation ist, denn das psychische, soziale, Verhalten kann nicht aus physischen Zuständen abgeleitet werden. Das Ziel der KI-gestützten Datennetze ist die individuelle und soziale Totalerfassung (Soziogramm und Psychogramm) der Ware Arbeitskraft und dient damit der Festigung der Kapitalkommandos und ist Grundlage für Verhöre und Disziplinierung im kapitalistischen Ausbeutungsprozß. Die Arbeiterklasse wird noch mehr atomisiert, wenn es nicht gelingt, zumindest diese neuen KI-gestützten Datennetze des Kapitalkommandos zu unterlaufen. Um gänzlich den Angriff des Kapitals zurückzuschlagen, ist offener Widerstand notwendig, der sich nicht in der stillen Sabotage der Ausbeutung erschöpft, sondern offen die Machtfrage gegenüber dem Kapitalkommando stellt. Über den Corona-Notstand wird das Smartphone die Keimzelle bzw. die zentrale Tentakel der KI-gestützten EDV-Netze, die unsichtbare elektronische Fessel, welche den Lohnarbeiter fester an den kapitalistischen Ausbeutungsprozeß fesselt, wie auch außerhalb des Ausbeutungsprozesses an den ideellen Gesamtkapitalisten, an den bürgerlichen Staat. Die Kontrolle des „Impfstatus“ ist das Tor, durch den die „Gesinnungskontrolle“ realisiert wird. Über den elektronischen „Impfausweis“ wird die Arbeiterklasse an die tägliche Zutrittskontrolle am Arbeitsplatz und im alltäglichen Leben gewöhnt. Die Grenze ist nicht nur an der Grenze, sondern die Grenze ist überall. Der „Impfstatus“ sagt nicht nur etwas über den „Impfstatus“ aus, sondern auch über die „Gesinnung“, über die Loyalität dem individuellen Kapitalkommando und dem kollektiven Kapitalkommando des bürgerlichen Staates gegenüber. Wer nur „getestet“, aber nicht geimpft ist, weist eine graduell niedrigere Loyalität aus, als der gegen SARS-Corona geimpfte Lohnarbeiter. Ohne „Test“ kein Zugang zum Arbeitsplatz und öffentlichen Verkehrsmitteln. Über diese konkreten Repressionsinstrumente wird die Arbeiterklasse an den Test der Loyalität zum individuellen Kapitalkommando und zum kollektiven Kapitalkommando des bürgerlichen Staates langsam gewöhnt.

Im identifizierten Smartphone werden alle Daten aufgezeichnet und an unbekannten Orten ausgewertet, der Lohnarbeiter in gewisse bürokratische Kategorien selektiert, aber die Ergebnisse werden nur in Ausnahmefällen öffentlich zugänglich gemacht. Über den Corona-Notstand wird die Lohnarbeiterklasse, aber auch das alte Kleinbürgertum daran gewöhnt, das Smartphone immer bei sich zu tragen. Der Einsatz des Smartphone ersetzt die Implantierung eines Computerchips, wogegen ein großer proletarischer Widerstand möglich wäre. Die Funktionalisierung des Smartphone als Computerchip ist die „demokratische“ Alternative der Implantierung eines Computerchips und provoziert weniger Widerstand in der Arbeiterklasse. Über den „Corona-Notstand“ entsteht der objektive Druck, das Smartphone immer bei sich zu tragen, bzw. mit weiteren Zusatzteilen direkt mit dem Körper zu verbinden, was permanente Überwachung wie Einsatzbereitschaft bedeutet. Der Überwachungsstaat ist real und normal und kann tendenziell unterlaufen, aber auf diese Weise nicht gestürzt werden. Es bedarf einer direkten revolutionären Negation. Die Gewöhnung an das alltägliche Tragen des Smartphones vermittels des „Corona-Impfausweises“ ist der erste Schritt, der zweite Schritt ist die Gewöhnung an die Kontrolle, Zutrittskontrolle an Hand des „Corona-Impfausweises.“ Damit ist dann die materielle Basis gelegt für die politische Zutrittskontrolle zum Arbeitsplatz und für viele Bereiche des Alltags vermittels einer spezifischen Sicherheitsüberprüfung. Wer als Sicherheitsrisiko gilt, d.h. wer gegen die herrschende Ordnung verstoßen könnte, es aber bisher nicht getan hat, muß mit Repressalien bis hin zum Berufsverbot rechnen.

Betriebssicherheit und Staatssicherheit fallen im multipolaren Weltmarkt tendenziell enger zusammen. Die „nationale Sicherheit“ ist auch konkret im Betrieb potentiell gefährdet; die Betriebssicherheit geht dort organisch in die „nationale Sicherheit“, in die „Staatssicherheit“ über und die „nationale Sicherheit“ beginnt schon im Betrieb bei der Betriebssicherheit. Die Repression des bürgerlichen Staates setzt sehr niedrigschwellig an. Es ist eine Feinderklärung an den „inneren Feind“ ganz konkret. „Feind“ ist nicht nur bezogen auf direktes „feindliches Verhalten“, sondern auch „potentiell feindliches Verhalten“. Der „Staatsschutz“ ist vorverlegter „Staatsschutz“, „präventiver Staatschutz“ und damit auch „präventiver Betriebsschutz“.

Dieser präventive „Staatsschutz“ wird noch repressiver in der industriellen Reservearmee gehandhabt. Da die industrielle Reservearmee außerhalb der Produktionssphäre liegt, hat sie nicht das Druckpotential der aktiven Arbeiterarmee und kann somit nicht einmal Druck auf den bürgerlichen Staat ausüben. Das Arbeitsamt- die Bundesagentur für Arbeit- meldet sich deutlich und fordert Regelungen für den Fall, daß Erwerbslose eine Corona-Impfung verweigern, die Möglichkeit Sperren beim Bezug des Arbeitslosengeldes I und II zu verhängen. Hier wird auch die Überprüfung der „politischen Zuverlässigkeit“ deutlich repressiver gehandhabt werden, da dann im großen Stil Sanktionen verhängt und damit dem bürgerlichen Staat in gewisser Höhe die sozialen Transferleistungen erspart werden. Die Drohung der absoluten Verelendung mit Obdachlosigkeit, wie im Hartz IV-System, diszipliniert die industrielle Reservearmee. Erst eine aktive Erwerbslosenbewegung, deren Ziel vor allem der Angriff auf das Hartz IV-System ist, ist in der Lage, die weitere Repression aus Gründen der Staatssicherheit und der Deflationspolitik zurückzuschlagen.

Das Hartz IV-System ist der „Kleine Notstand“ und das Muster für den „Großen Notstand“ in Form des „Corona-Notstandes. Die industrielle Reservearmee war das Experimentierfeld für weitere repressive Operationen des deutschen Kapitals und wurde seit 2003/2004 systematisch entrechtet, was sich auch auf die Randbelegschaften des prekären zweiten Arbeitsmarktes (Kombination von Niedriglohn und ergänzender sozialer Transferleistung) bezieht. Die Kernbelegschaften blieben außen vor. Erst ist mit dem „Corona-Notstand“ sind die Kernbelegschaften mit ihrer systematischen Entrechtung konfrontiert. In diesem Sinn ist der „Corona-Notstand“ die Fortsetzung von Hartz IV auf höherer Stufenleiter für die gesamte Arbeiterklasse und für das gesamte Kleinbürgertum. Das Kapital begnügt sich nicht unbedingt mit Hartz IV, sondern wird mehr als Hartz IV fordern. Es gilt nun nicht mehr, die industrielle Reservearmee und die Randbelegschaften der aktiven Arbeiterarmee zu disziplinieren, sondern auch die Kernbelegschaften der aktiven Arbeiterarmee und dies kann nur durch eine Neuzusammensetzung des Kapitals- Neuzusammensetzung der Arbeiterklasse realisiert werden. Mit Hartz IV wurde der DGB-Gewerkschaftsbürokratie das Rückgrat gebrochen, denn mit Hartz IV zogen Öffnungsklauseln und damit die Flexibilisierung der Tarifverträge und untertarifierte Tarife in den Klassenalltag ein, gleichzeitig darf die DGB-Gewerkschaftsbürokratie an der Ausgestaltung dieser Maßnahmen mitarbeiten und mitentscheiden, wird auf diese Weise immer tiefer in den bürgerlichen Staat hineinverstaatlicht. Das Modell Deutschland organisierte Hartz IV und organisiert jetzt den „Corona-Notstand“ und damit die Neuzusammensetzung des Kapitals-Neuzusammensetzung der Arbeiterklasse. Das Hartz IV-System ist die Keimform des „Corona-Notstandes“. Mit Hartz IV wurde der Grundstein für die repressive Entpolitisierung der Arbeiterklasse gelegt, die im „Corona-Notstand“ einen neuen Höhepunkt findet. Die Entpolitisierung der Arbeiterklasse kann nur repressiv erzwungen werden und der erste Grad der Entpolitisierung der Arbeiterklasse ist die bürokratische Entfremdung der Arbeiterklasse von ihren Massenorganisationen, allen voran den Gewerkschaften, welche durch die Kapitulationen der Gewerkschaftsbürokratie genährt werden, wie auch durch die Akzeptanz des „Corona-Notstandes“ durch die Gewerkschaftsbürokratie, was der weiteren Entwicklung der schon eng begrenzten innergewerkschaftlichen Demokratie durch die notstandsbedingte Aufhebung der direkten physischen Diskussions- und Meinungsfreiheit vermittels der Begrenzung der Personenanzahl bei Zusammenkünften, zu einem weiteren Abbruch führt. Nicht nur die Gewerkschaftsbasis entfremdet sich weiter von der Gewerkschaftsbürokratie, was eine positive Entwicklung wäre, sondern die Gewerkschaftsbasis entfremdet sich von ihrer eigenen Organisation und dies setzt Zersetzungstendenzen frei. Die Politik der DGB-Bürokratie in der „Corona-Krise“ beschleunigt den Mitgliederschwund, pazifiziert und entpolitisiert die Gewerkschaften als zentrale Massenorganisation des Proletariats weiter.

Das Modell Deutschland lebt im Hartz IV-System, lebt im „Corona-Notstand“, lebt in der „Corona-Deflationspolitik“, lebt im Militarismus und imperialistischer Expansion, lebt im Kampf um Weltmarktanteile, auch schon vor der „Corona-Krise“, findet aber seinen vorläufigen Höhepunkt in der „Corona-Krise“. Hier muß sich das Modell Deutschland bewähren. Der Zusammenbruch des neoliberalen Weltmarktes und damit der neoliberalen Weltordnung mitsamt dem US-Imperialismus als zentralen Pfeiler, begräbt auch die Weltordnung von Jalta und Potsdam unter sich und das Modell Deutschland ist ein Moment in der Welt von Jalta und Potsdam. Damit ähnelt die heutige Welt eher der Welt der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, einer Welt mit großen nationalen und internationalen Spannungen, die sich in den beiden imperialistischen Weltkriegen entluden. Die Welt muß neuverteilt werden, konkret, die imperialistische Kette muß neu geordnet werden. Auch die Ordnung von Potsdam und Jalta entspricht nicht mehr der gegenwärtigen Realität, d.h. der Realität des multipolaren Weltmarktes und der multipolaren Weltordnung. Der Zusammenbruch der US-Hegemonie löst umfangreiche Neuordnungsprozesse innerhalb der imperialistischen Kette aus, die internationalen Organisationen zerfallen, da sie nicht mehr mit den Erfordernissen des multipolaren Weltmarktes zu vereinbaren sind. Weder spielt die UNO noch eine bedeutende Rolle, noch die WTO, noch G-7, noch G-20. All diese internationalen politischen Formate zerbrechen an der Großen Krise, wie die US-Hegemonie auch. Mit der Verschärfung der internationalen Lage ist es auch offen, ob die G-20 Gipfeltreffen überhaupt noch in der Form stattfinden, wie sie in der Vergangenheit stattgefunden haben. Der Großen Krise kann nur international begegnet werden, doch die Verschärfung der Krise macht eine internationale Kooperation immer schwieriger. Je notwendiger eine internationale Kooperation ist, desto unwahrscheinlicher wird sie. Der multipolare Weltmarkt setzt sich naturwüchsig durch, baut sich auf den Trümmern des neoliberalen Weltmarktes auf und ist nur eine neue Form des Kapitalismus, eine neue Form der Ausbeutung, aber gewiss keine Lösung im Sinne der Arbeiterklasse. Im multipolaren Weltmarkt gibt es keinen Platz für einen Hegemon der imperialistischen Kette, wohl aber viel Raum für den Kampf um Hegemonie. Somit ist der multipolare Weltmarkt nur ein Durchgangsstadium zu einem neuen Hegemon hin, welcher die imperialistische Kette neu ordnet. Das zentrale Moment des multipolaren Weltmarktes ist der offene und unmittelbare Kampf um die Hegemonie der imperialistischen Kette. Jeder gegen jeden, alle gegen alle. In diesem allseitigen Konkurrenzkampf der Metropolen untereinander bilden sich neue internationale Organisationen und Bündnissysteme heraus. Ein Dritter Weltkrieg ist damit ebenfalls eine Potentialität, wie eine Kette von einzelnen imperialistischen Kriegen. Jede Metropole muß nach der Hegemonie innerhalb der imperialistischen Kette greifen, will sie überleben. Auch der deutsche Imperialismus muß einen dritten Griff zur Weltmacht versuchen, will er sein Überleben sichern.

Die deutsch-US-amerikanische Freundschaft ist vorbei, denn der US-Imperialismus ordnet sich objektiv in den multipolaren Weltmarkt ein und damit ist der deutsche Imperialismus ein Weltmarktkonkurrent für den US-Imperialismus. Statt deutsch-US-amerikanische Freundschaft existiert jetzt objektiv eine deutsch-US-amerikanische Feindschaft. Während der US-Imperialismus aktiv auch gegen den deutschen Imperialismus agiert, versucht der deutsche Imperialismus der US-amerikanischen Herausforderung auszuweichen und sucht verzweifelt eine Verständigung mit dem US-Imperialismus, während sich der US-Imperialismus einer deutsch-US-amerikanischen Verständigung verschließt. Der US-Imperialismus fordert vom deutschen Imperialismus eine deutliche Unterordnung unter sein Kommando, konkret die Unterstützung seiner aggressiven Politik gegen den russischen Imperialismus und gegen China, eine Politik, die der deutsche Imperialismus jedoch nur nach außen hin mittragen kann, denn der russische Imperialismus ist zentral für die Rohstoffversorgung des deutschen Kapitals, vor allem auf dem Gebiet der Energieversorgung mittels Erdgas und China ist ein zentraler Exportmarkt für das deutsche Kapital. Eine aggressive Politik des deutschen Imperialismus würde das Ende des Modell Deutschland sein, denn die Weltmarktsektoren des deutschen Kapitals als zentrales Glied im deutschen Imperialismus, würden dann in Gefahr gebracht werden. Damit würde der koroporatische Block im deutschen Imperialismus prekären Zeiten entgegengehen, denn der korporatistische Block fußt auf die Expansion der Weltmarktsektoren des deutschen Kapitals. Verweigert sich der deutsche Imperialismus eine Unterordnung unter dem US-Imperialismus ist der US-Markt als zentraler Exportmarkt ebenfalls in Gefahr und auch dann wird das Modell Deutschland gefährdet. Aus diesem Grunde versucht der deutsche Imperialismus zwischen dem US-Imperialismus auf der einen Seite und dem russischen Imperialismus auf der anderen Seite zu lavieren, in der Sache hält man seinen Kurs gegenüber Rußland und China ein, während man auf der öffentlichen Seite eine große Kampagne gegen Rußland und China fährt. Der deutsche Imperialismus ist zwischen dem US-Imperialismus und dem russischen Imperialismus/China eingeklemmt. Der Verlust eines dieser zentralen Exportmärkte würde den deutschen Imperialismus aus dem Gleichgewicht werfen. Das deutsche Kapital läuft Gefahr mit einer uneindeutigen Politik beide zentralen Exportmärkte zu verlieren und auch die Rohstofflieferungen aus Rußland. Die Neuausrichtung des deutschen Imperialismus ist langwierig und schwierig, denn das Weltmarktkapital selbst ist gespalten in der Frage nach der neuen Orientierung, ob die traditionelle Orientierung an dem US-Imperialismus beibehalten oder ob der Schwerpunkt auf Eurasien gelegt werden soll. In dieser Frage ist auch die gegenwärtige Bundesregierung gespalten, wie alle Parteien und auch die Gewerkschaftsbürokratie. Eine Orientierung auf Eurasien würde bedeuten, den deutschen Sonderweg zum dritten Mal zu beschreiten, bedeutet den Bruch mit Jalta und Potsdam und den dritten Griff zur Weltmacht, bedeutet aus dem Schatten des US-Imperialismus herauszutreten und offen um die Hegemonie innerhalb der imperialistischen Kette zu kämpfen. Es ist auf Dauer unmöglich, sich im Windschatten des US-Imperialismus gegen den russischen Imperialismus und China zu bewegen und gleichzeitig gute „Wirtschaftsbeziehungen“ zu Rußland und China zu unterhalten. Weder der US-Imperialismus, noch der russische Imperialismus, noch China werden dies akzeptieren. Eine Entscheidung muß das deutsche Kapital fällen und so oder so, die Akkumulation des deutschen Kapitals wird negativ beeinträchtigt und die Klassenauseinandersetzungen werden sich deshalb intensivieren, eine neue Phase der Deflationspolitik droht und mit dieser der Notstandsstaat im Notstandskapitalismus. Die dann folgende Feinderklärung nach außen wird gleichzeitig auch eine Feinderklärung nach innen sein.

Reporter's Notebook - Confusion, Chaos as Russia Invades Ukraine 02.jpg

Die derzeitige Phase der Ukraine-Krise zeigt die tiefe Krise des NATO-Paktes und der EU auf. Während der US-Imperialismus und der britische Imperialismus im NATO-Pakt mit einer aggressiven Politik vorpreschen gestützt auf einige osteuropäische Staaten, hält sich der deutsche Imperialismus besonders zurück, aber auch der französische Imperialismus oder der italienische Imperialismus halten sich bedeckt. Das EU-Bündnis ist zersplittert und spricht nicht mit einer Stimme. Auch hier hält sich der deutsche Imperialismus deutlich im Hintergrund auf, während einige osteuropäische Staaten die Politik der Nicht-EU-Staaten USA und Britannien innerhalb der EU vertreten. Die EU ist paralysiert und wird weder von Rußland, noch von China oder den USA akzeptiert. Der reale Zusammenbruch der EU bei der Ausbreitung der SARS-Corona-Pandemie hat aufgezeigt, daß das EU-Bündnis nicht in der Lage ist, die anstehenden Probleme zu bewältigen. Auf die Krise des NATO-Paktes reagiert der US-Imperialismus indem er separate Bündnisse mit den osteuropäischen Staaten abschließen will, also Bündnisse außerhalb des NATO-Rahmens und damit Bündnisse gegen den NATO-Pakt, da der NATO-Pakt zunehmend paralysiert ist.

In der „Ukraine-Krise“ geht es nicht um die Ukraine, sondern um das bevorstehende Bündnis Rußland-China, welches der qualitative Sprung wäre, um auch formal die Hegemonie des US-Imperialismus auf all seinen Ebenen abzuwickeln. Ein gemeinsamer eurasischer Block wäre zentral gegen den US-Imperialismus gerichtet, als negativ-Bestimmung, denn bis zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Rußland und China ist noch ein weiter Weg. Es geht bei dem eurasischen Block zentral darum, den US-Imperialismus aus Eurasien herauszuwerfen, damit eine eurasisch-kapitalistische Entwicklung möglich wäre, denn der US-Imperialismus ist dafür eine Sperre. Erst danach können und müssen der russische Imperialismus und China Eurasien organisieren, wenn sie können. Ein sino-russischer Block Eurasiens gegen den transatlantischen US-Imperialismus-ein Kampf den der US-Imperialismus nur verlieren kann. Deshalb versucht er mit allen Mitteln und damit auch mit all seinen Verbündeten (der deutsche Imperialismus gehört auch dazu), ein sino-russisches Bündnis zu verhindern, versucht zwischen dem russischen Imperialismus und China zu spalten. Mal wird bei China angesetzt, mal bei Rußland angesetzt, gleichzeitig mit Druck und Zuckerbrot, doch alles Bemühen umsonst. Diese Politik des transatlantischen US-Imperialismus spaltet nicht zwischen Rußland und China, sondern führt beide Seiten zu einem anti-US-transatlantischen Block bzw. eurasischen Block zusammen, es wird also genau objektiv das Gegenteil davon bewirkt, was konzipiert war. Mit dieser kontraproduktiven aggressiven Politik des US-Imperialismus ist der US-Imperialismus objektiv und unfreiwillig eher der Geburtshelfer einer multipolaren, eurasischen Epoche des Kapitalismus. Im Niedergang schlägt der US-Imperialismus wild um sich und setzt zum Amok-Lauf an. Weltmächte sterben nicht im Bett, sondern auf dem Schlachtfeld. Der US-Imperialismus ist bereit, die Welt mit in seinen Untergang als hegemonialer Imperialismus zu reißen. Da der US-Imperialismus einen multipolaren Weltmarkt nicht verhindern kann, der russische Imperialismus und China mit dem neoliberalen Weltmarkt gebrochen haben, weil dieser die Entwicklung Rußlands und Chinas blockierte, setzt er sich an die Spitzer dieser Bewegung und versucht auf diese Weise die verlorene Hegemonie noch einmal wieder zu erlangen.

Der US-Imperialismus droht dem russischen Imperialismus bei einem engen Bündnis mit China, welches kurzfristig abgeschlossen werden kann, mit dem Verlust der Ukraine und dem militärischen Ausbau der Ukraine durch die USA und dem NATO-Pakt gegen den russischen Imperialismus. Doch dies wird Rußland und China nicht von ihrer Zusammenarbeit und Bündnisvorbereitungen abhalten, sondern diese damit sogar beschleunigen und intensivieren. Sollte der US-Imperialismus und der britische Imperialismus die Ukraine als Sprungbrett für einen militärischen Angriff auf den russischen Imperialismus ausbauen, wird der russische Imperialismus eingreifen, notfalls mit gezielten Schlägen die bestimmten Stützpunkte zerstören, doch wahrscheinlich eher die Existenz des gescheiterten Staates Ukraine über die Intensivierung des Bürgerkrieges in Frage stellen. Die Minsk II-Verträge haben den Bürgerkrieg nur eingefroren, nicht gelöst. Der Bürgerkrieg kann jederzeit wieder auftauen. Um Druck auf den russischen Imperialismus auszuüben, entfacht der transatlantische US-Imperialismus einen psychologischen Krieg gegen den russischen Imperialismus, indem behauptet wird, Rußland will in die Ukraine einmarschieren, was Rußland energisch bestreitet. Unter dem Schirm der psychologischen Kriegsführung wird die Ukraine durch USA und Britannien aufgerüstet und ein potentieller Bruch der Minsk-II Verträge durch einen militärischen Angriff der Ukraine auf die abgespalteten Volksrepubliken von Lugansk und Donezk vorbereitet, sowie der Weltwirtschaftskrieg gegen Rußland und China.

Unterhalb der Kriegsschwelle versucht der US-Imperialismus mit einem Wirtschaftskrieg den russischen Imperialismus unter Druck zu setzten, sollte Rußland in die Ukraine „einmarschieren“. Sollten die ukrainischen Regierungstruppen die beiden Volksrepubliken angreifen, deren Bürger jetzt meist als Doppelstaatsangehörigkeit auch eine russische Staatsangehörigkeit besitzen, könnte es sein, daß Rußland intervenieren wird. Doch auch wenn Rußland nicht direkt interveniert und der Angriff der ukrainischen Regierungstruppen im Donbass zurückgeschlagen wird, wird dies als russischer Einmarsch gewertet werden, obwohl Rußland nur unterstützend tätig ist, wie die USA und Britannien auf der anderen Seite auch. Dann drohen die USA mit einem Wirtschaftskrieg, Ausschluß aus dem SWIFT-Abkommen, Sanktionen gegen Banken und gegen die Industrie, einschließlich Export-Verbote von Chips, Einstellung der Nordstream II-Pipeline, Sanktionen gegen Erdgasexport usw. Jedoch können diese Sanktionen umgangen werden und vor allem dann, wenn China seine Positionen beibehält, denn China wird vom US-Imperialismus ähnlich unter Druck gesetzt, wie Rußland, auch bezüglich Taiwan als die Ukraine Chinas. Notwendig weitet sich dann der Anti-russische Wirtschaftskrieg zum Weltwirtschaftskrieg aus und einen Krieg gibt es nicht umsonst, auch einen Wirtschaftskrieg nicht. Wer einen Wirtschaftskrieg führt, muß auch eigene Verluste in Kauf nehmen. Im Wirtschaftskrieg verlieren alle. Der US-Imperialismus ist bereit zum äußersten zu gehen und schon dies zeigt seine Schwäche und seine Defensive an. Die Drohung mit dem totalen Wirtschaftskrieg ist eine Drohung mit der gegenseitigen ökonomischen Vernichtung, ein ökonomischer Nuklearschlag, der alle Ökonomien zerrüttet und damit auch die US-Ökonomie. Eine sehr tiefe und lange ökonomische Krise wäre die Folge und mit ihr eine große soziale Verelendung und Hunger würde sich nicht nur in der Peripherie massiv ausbreiten, sondern auch in den Metropolen. Die Folgen wären konkret massive politische Brüche, Revolten, Staatsstreiche, Formen bürgerlicher Ausnahmeherrschaft wie Bonapartismus, Diktatur, Faschismus und Kriege, bis in den Dritten Weltkrieg hinein, unter Umständen mit einem Nuklearkrieg, aber aus dem Chaos würden auch revolutionäre Tendenzen entstehen. Kurz, die Drohung des US-Imperialismus ist vollkommen irrational und steht unter dem Eindruck des Hegemonialverlustes. Eine Drohung ist nur dann eine Drohung, wenn sie ausgeführt wird. Und deshalb sollte man die Drohung des US-Imperialismus mit einem totalen ökonomischen Weltwirtschaftskrieg ernst nehmen. Der US-Imperialismus steht mit dem Rücken zur Wand und hat nichts mehr zu verlieren, ist bereit alles auf eine Karte zu setzten und jedes Risiko einzugehen. Derzeit versuchen der russische Imperialismus und China durch eine ruhige Politik den US-Imperialismus in sicheres Fahrwasser zu bringen. Der Krieg ist eine Fortsetzung der Konkurrenz mit anderen Mitteln. Dies gilt auch für den Wirtschaftskrieg, der nur ein Prolog zum Krieg ist.

Die aggressive Politik des US-Imperialismus speist sich aus dem Verfall der ehemaligen US-Hegemonie und entspringt nicht den Launen des US-Kapitals. Auf dem Weltmarkt verliert das US-Kapital schon seit längerem deutlich seine Konkurrenzfähigkeit, was an dem deutlichen Haushaltsdefizit und der staatlichen Verschuldung abgelesen werden kann. Nur noch der US-Dollar als ehemaliges Weltgeld, aber immer noch eine bedeutende Währung im Weltmarkt, stützt den US-Imperialismus. Der US-Dollar wurde an das Öl gebunden, d.h. das Öl und auch das Erdgas wird in US-Dollar fakturiert. Damit hat der US-Imperialismus das Privileg, sich in eigener Währung verschulden zu können. Dies ermöglichte dem US-Imperialismus zum Importeuer der letzten Instanz zu werden und so den Weltmarkt unter seiner Hegemonie zu garantieren. Die Verschuldung des US-Imperialismus, dem US-Haushaltsdefizit, steht ein Exportüberschuß des deutschen Imperialismus und Chinas gegenüber. Jedoch wird es immer schwieriger die Verschuldung des US-Imperialismus zu organisieren, denn irgendwann ist die Verschuldung so hoch, daß ihr keine Aktiva mehr gegenüberstehen. Um die Verschuldung des US-Imperialismus zu sichern, muß die Mehrwertproduktion in den USA wieder revitalisiert werden. Eine expansive Geldpolitik kann nur zeitweilig das US-Handelsbilanzungleichgewicht überbrücken und fördert dazu noch die Spekulation des fiktiven Kapitals. Die US-Akkumulation muß mit Wert unterfüttert werden. Bisher lehnte das US-Kapital eine Revitalisierung der Mehrwertproduktion ab und versuchte mit politischen Mitteln, mit Methoden der außerökonomischen Gewalt, den notwendigen Mehrwertzufluß zu garantieren. Es war und ist die Aufgabe der US-Kolonialkriege den Mehrwertzustrom mit politischen Mitteln in die USA zu sichern, das US-Dollarmonopol über die strategischen Rohstoffe, vor allem über Öl und Gas zu garantieren, damit die US-Verschuldung weiter fortgesetzt werden kann. Über die US-Kolonialkriege wird der US-Dollar präventiv gegen die Weltmarktkonkurrenz verteidigt und so sind und waren die US-Kolonialkriege immer indirekt gegen den russischen Imperialismus und gegen China gerichtet. Militärisch zielte der Krieg gegen die halbkolonialen Länder, politisch jedoch immer gegen Rußland und China. Doch die US-Kolonialkriege und damit der Mehrwertzufluß aus der Welt, um die Verschuldung des US-Imperialismus durch eine Unterfütterung mit Wert zu sichern, schlugen fehl. Der US-Imperialismus war zu schwach die halbkolonialen Staaten des Mittleren Ostens und Zentralasiens im Krieg zu bezwingen. Afghanistan, Irak, Syrien, Iran, Jemen, Libyen stehen für die katastrophalen Fehlschläge des US-Imperialismus, auch deshalb, weil Rußland und China verdeckt den Widerstand gegen den US-Imperialismus unterstützten. Der US-Kolonialkrieg folgte der Operation Syriana, der Neuordnung des Mittleren Ostens durch den US-Imperialismus, um die Hegemonie des US-Imperialismus zu sichern, die unsichtbaren eigentlichen Feinde waren Rußland und China. Mit der Operation Syriana sollte der Ausbruch des russischen Imperialismus und Chinas aus dem neoliberalen, transatlantischen Weltmarkt verhindert werden. Der russische Imperialismus und China brachen mit dem neoliberalen Weltmarkt, weil dieser zur Fessel für ihre Akkumulation, für ihre Entwicklung geworden ist. Aber ein neoliberaler Weltmarkt ohne Rußland und ohne China ist nicht lebensfähig. Gelingt es dem US-Imperialismus nicht, den russischen Imperialismus und China in den neoliberalen Weltmarkt zurück zu zwingen, ist der neoliberale Weltmarkt verloren, dann setzt sich der US-Imperialismus an die Spitze der Bewegung zum Bruch des neoliberalen Weltmarktes um den ersten Platz im multipolaren Weltmarkt einzunehmen, wenn es nicht gelingt, die Hegemonie wieder zurückzuerobern. Mit der „Corona-Krise“ tritt der Kapitalismus in die finale Phase des Epochenbruchs im Kapitalismus ein.

Die gegenwärtigen inflationären Tendenzen sind den Tendenzen zur Entglobalisierung geschuldet, denn die expansive Geldpolitik wird noch einmal ausgeweitet und zielt damit objektiv auf den Immobilienmarkt, wie auch die Wertpapiermärkte wie bisher. Der Grund jedoch für die inflationären Tendenzen liegen in den Preiserhöhungstendenzen des Monopolkapitals und der internationalen Kartelle, welche auf diese Weise ihre Reservefonds auffüllen, um wieder näher an ihren Metropolen zu investieren, konkret um die Zurücklagerung der Mehrwertproduktion aus der Peripherie oder aus China in die Metropolen der imperialistischen Kette zurück. Dies materialisiert sich in den „Problemen der Lieferketten“. Das Kapital der Metropolen richtet sich neu aus. Jedoch kann das Monopolkapital das Wertgesetz nur modifizieren, nicht aber aufheben. Diese gegenwärtigen Preiserhöhungstendenzen des Monopolkapitals und seiner internationalen, wie nationalen Kartelle, sind die Antwort auf den Zusammenbruch des neoliberalen Weltmarktes. Das vereinzelte Kapital und auch das Monopolkapital hebt das Wertgesetz mit seiner Konkurrenz auf der Oberfläche der kapitalistischen Produktionsverhältnisse nicht auf, sondern reproduziert dieses auf höherer Stufenleiter und so ist jedes vereinzelte Monopolkapital durch die Überakkumulation von Kapital gezwungen, die Produktivkraft der Arbeit zu erhöhen und damit sich neu zu formieren. Die Neuordnung der Mehrwertproduktion beinhaltet auch eine Neuordnung der Lieferketten, d.h. die international ausgelagerten Produktionsschritte werden wieder geographisch näher zum Kapitalzentrum verlegt und damit von der Peripherie in die Metropolen zurück, um die Kontrolle über den gesamten Produktionsprozeß zu behalten. Durch den Zusammenbruch des neoliberalen Weltmarktes in den multipolaren Weltmarkt ist auch der Wirtschaftskrieg als Waffe im internationalen Konkurrenzkampf des Kapitals vitalisiert worden, so daß die Produktionsketten von Wirtschaftskriegen gestört werden können. Die tendenziellen Preiserhöhungen des Monopolkapitals zusammen mit der Ausweitung der expansiven Geldpolitik mobilisieren das Kapital, auch das Monopolkapital, zur wertgestzrationalen Neuausrichtung der Mehrwertproduktion. Auch die Wirtschaftskriege des multipolaren Weltmarktes treiben die inflationären Tendenzen an, das tendenzielle Zerreißen des Weltmarktzusammenhanges über protektionistische Maßnahmen, Wirtschaftssanktionen und Währungskriegen (Währungsabwertungswettläufe) führt zu tendenziell steigenden Preisen. Der gegenwärtige anlaufende transatlantisch-eurasische Wirtschaftskrieg wird die Preise für die strategischen Rohstoffe Öl und Gas in die Höhe treiben und damit die inflationären Tendenzen modifizieren und erhöhen.

Multipolarer Weltmarkt heißt auch multipolare Weltordnung und in dieser multipolaren Weltordnung kann nur die Metropole überleben, welche auch aufrüstet und bereit ist, die Kapitalinteressen des nationalen Gesamtkapitals auch mit Krieg durchzusetzen. Eine steigende Aufrüstung führt zu einer steigenden Beschäftigung und damit Nachfrage, der jedoch kein Warenangebot gegenübersteht, denn die Waffen kann man nicht für die gesellschaftlich notwendige Reproduktion gebrauchen. Aufrüstung ist immer unproduktiv und ein Abzug vom Mehrwert und damit vom Mehrwert des profitproduzierenden Kapitals, eine Umverteilung des gesellschaftlichen Profits zu Lasten des profitproduzierenden Kapitals, ist aber für das Kapital notwendig, wenn es sich mit politischen Mitteln auf dem Weltmarkt durchsetzen muß. Ist die Aufrüstung zu groß, so daß die Mehrwertproduktion sie nicht tragen kann, geht die Aufrüstung sogar auf Kosten der Reproduktion des Kapitals, das ist dann die materielle Grenze für die Aufrüstung. Die Staatsverschuldung steigt vor allem wegen der Aufrüstung an, denn die Rüstungsausgaben sind weitaus höher als die Ausgaben für die soziale Sicherung der Arbeiterklasse, sie übersteigen die Steuereinnahmen und können nur durch den staatlichen Kredit finanziert werden, wovon vor allem das zinstragende Kapital profitiert. In den gegenwärtigen inflationären Tendenzen spricht sich der historische Bruch in den multipolaren Weltmarkt aus.

Derzeit geht die Neuorganisation des Kapitals über die inflationären Tendenzen des Kapitals vor sich. Doch diese können rasch in deflationäre Tendenzen umschlagen und dann vollzieht sich die Neuzusammensetzung des Kapitals eben auf deflationären Wege. Die inflationäre Neuorganisation des Kapitals ist nur eine Form, unter der sich die Neuzusammensetzung des Kapitals/Neuzusammensetzung der Arbeiterklasse vollzieht. Wenn es den Gewerkschaften nicht gelingt, die Reallohnverluste durch entsprechende Lohnsteigerungen auszugleichen oder die Gewerkschaftsbürokratie, welche die Gewerkschaften beherrscht, den Reallohnverlust der Arbeiterklasse akzeptiert, um eine sich verselbständigende inflationäre Tendenz zu vermeiden, die Arbeiterklasse in und außerhalb der Gewerkschaften also atomisiert ist, dann bricht die inflationäre Tendenz an der sinkenden Nachfrage und die Preise beginnen wieder zu sinken und nehmen die Deflation ins Visier. Entscheidend ist die Reaktion der Gewerkschaften und damit der Gewerkschaftsbürokratie auf die gegenwärtigen inflationären Tendenzen. Im Modell Deutschland akzeptiert die DGB-Gewerkschaftsbürokratie die Reallohnverluste und damit in letzter Konsequenz auch die anvisierten deflationären Tendenzen. Auch die inflationäre Tendenz ist eine Entwertung von Kapital, wenn es nicht mehr gelingt, die Preise rechtzeitig zu erhöhen. Ab einem konkreten abstrakten Punkt schlägt die inflationäre Tendenz wegen mangelnder Nachfrage in eine deflationäre Tendenz um, denn die Preise für Waren steigen immer schneller als Preis der Ware Arbeitskraft- der Lohn. Auch der Zinsfuß steigt schneller als der Lohn und damit schneller als die gesamtgesellschaftliche Nachfrage.

Der Zinsfuß wird nicht von den Zentralbanken und damit vom bürgerlichen Staat festgesetzt, sondern vom wertgesetzregulierten Markt. Der festgesetzte Zinsfuß durch die Zentralbank ist nur ein formaler Zins und sagt nichts darüber aus, ob er real ist. Es kommt auf die Bedingungen ab, zu dem ein Kredit gewährt wird, konkret auf die Sicherheiten, die unter Umständen für einen Kredit hinterlegt werden müssen. Bei z.B. hohen Kreditsicherheiten, wie hohe Eigenkapitalmittel, kann dann auch ein niedriger Zinsfuß, der von der Zentralbank festgesetzt wurde, gelten. Existieren jedoch geringere Eigenmittel sinkt die Kreditsicherheit und die Bank verlangt einen höheren Zins als der vom bürgerlichen offiziell festgelegte Zins. Der offiziell vom bürgerlichen Staat festgelegte Zinsfuß sagt nicht viel aus. In letzter Instanz ist der bürgerliche Staat gezwungen, sich dem wertgesetzrationalen Markt anzupassen oder aber eine expansive Geldpolitik zu betreiben; die Ausweitung der Geldmenge über eine Kreditinflation, bzw. eine kontraktive Geldpolitik vermittels Kreditdeflation. So wird der offizielle Zinsfuß durch den bürgerlichen Staat vermittels der Zentralbank in der Regel in enger Zusammenarbeit mit dem zinstragenden Kapital, hier vor allem mit den Banken und Versicherungen, festgelegt. Eine Geldpolitik bzw. Zinspolitik des bürgerlichen Staates gegen das Kapital, gegen das zinstragende Kapital, gegen das Bank- und Versicherungskapital ist zum Scheitern verurteilt. Die Geldpolitik bzw. Zinspolitik des bürgerlichen Staates kodifiziert lediglich eine bestimmte Phase der wertgesetzrationalen Akkumulationsbewegung und modifiziert diese, schafft aber keine grundsätzlich neue Position. Die Lohnpolitik der Gewerkschaften ist wichtiger für die Akkumulationsbewegung des Kapitals als die Geld-bzw. Zinspolitik des bürgerlichen Staates. In den inflationären Tendenzen steigt auch der Zins, ganz ohne Zutun der Zentralbanken des bürgerlichen Staates, denn der Zins ist Preis für das Leihkapital; steigen die Preise, so muß auch der Zinsfuß ansteigen. Eine offizielle Zinserhöhung formalisiert nur diese Entwicklung. Die gegenwärtig in Aussicht gestellte Zinserhöhung durch die EZB der Euro-Zone ist immanent. Nicht die politische Entscheidung des bürgerlichen Staates für eine Zinserhöhung löst eine rezessive Akkumulationsbewegung aus, sondern der bürgerliche Staat modifiziert nur die immanente und unvermeidbare rezessive Akkumulationsbewegung. Auch die monetaristische Politik, welche Mitte der siebziger Jahre mit einer Politik des knappen Geldes, mit einer Erhöhung der Zinsen, begann, hat ihren Ursprung in den vorherigen rezessiven Akkumulationstendenzen und ist kein Anschlag eines monetaristischen bürgerlichen Staates. Verselbständigen sich die inflationären Tendenzen weiter, dann bleibt die gesellschaftliche Nachfrage zurück, weil die Gewerkschaften sich zurückhalten und es kommt dann zu einer deflationären Entwicklung. Eine deflationäre Entwicklung hemmt nicht die Neuzusammensetzung des Kapitals- Neuzusammensetzung der Arbeiterklasse, sondern treibt sie sogar an. Eine Zinserhöhung in den USA und in der Eurozone könnte der Auslöser für eine deflationäre Tendenz der Akkumulation werden, aber nur der Auslöser. Der Grund liegt in dem prekären Akkumulationstempo des Kapitals. Als erstes würde das fiktive Kapital im Zentrum der Entwertung des Kapitals stehen, hohe Verluste an den Börsen. Die hohen Kursverluste an den Börsen würde dann das Bankensystem mit samt seinen Schattenbanken und dem Fond-System ins Wanken bringen und sich über eine Kreditklemme auf die Realakkumulation durchschlagen, wie die Immobilienblase zum Platzen bringen. Die Entwertung des Kapitals durch die Überakkumulation des Kapitals ist der Zeitpunkt, wo sich die Neuzusammensetzung des Kapitals-Neuzusammensetzung der Arbeiterklasse vollzieht. Ohne die Entwertung von Kapital keine Verwertung von Kapital. Die Krise ist notwendig, damit sich die Akkumulation von Kapital entwickeln kann. Der Kapitalismus zerbricht nicht an seinen Krisen, sondern ohne seine immanenten Krisen wäre der Kapitalismus nicht lebensfähig. Die Krisen des Kapitalismus treiben ihn über sich selbst hinaus, diese kapitalistische Dynamik ist seine Stabilität. Der Kapitalismus bricht nicht unter seiner Last zusammen, sondern kann nur als bewußter politischer Akt durch die Arbeiterklasse gestürzt und durch die Diktatur des Proletariats ersetzt werden. Solange der Kapitalismus nicht revolutionär gestützt wird, wird er weiter existieren.

Die gegenwärtige Systemkrise entwickelt sich zur Weltkrise und trägt den Dritten Weltkrieg in sich. Deshalb eskalieren die internationalen und geopolitischen Spannungen, im Vorlauf zu den zukünftigen deflationären Tendenzen der Akkumulation, sind ein Versuch vermittels politischer Aktion die Akkumulationsbewegung des Kapitals zu überspielen, ein Vorhaben, daß am Wertgesetz scheitern muß. Es ist die verzweifelte Flucht nach vorn. Die aggressive Politik des transatlantischen US-Imperialismus und seiner transatlantischen Verbündeten ist die Flucht nach vorn vor einem neuen Krisenschub der Großen Krise, der verzweifelte Versuch, die Last der Krise dem russischen Imperialismus und China aufzulasten. Ein Versuch, der notwendig scheitern muß. Wenn dieser Versuch scheitert, wird die deflationäre Tendenz der Akkumulation durchbrechen und eine neue Welt schaffen.

Die Ukraine-Krise ist nichts anderes als der Kampf um die Hegemonie in Eurasien, ein gescheiterter Versuch eine enge russisch-chinesische Zusammenarbeit zu verhindern und damit auch ein gescheiterter Versuch, das chinesische Projekt einer „neuen Seidenstraße“ zu verunmöglichen. Mit der „neuen Seidenstraße“ könnte der chinesische Kapitalismus den Druck des US-Imperialismus als Seemacht abwehren, denn dann würden die chinesischen Exporte und Importe nicht über den Seeweg abgewickelt, sondern über den eurasischen Landweg, worauf der US-Imperialismus nur einen geringen Einfluß hätte. Eine enge Zusammenarbeit des russischen Imperialismus mit China wäre tendenziell eine Keimzelle eines Eurasischen Blocks und stellt sich implizit gegen den transatlantischen US-Imperialismus und dem US-Dollar, denn Rußland und China haben den US-Dollar aus ihrem gegenseitigen Handel ausgeschlossen und dies ist ein Muster für weitere Staaten, welche diesem tendenziellen eurasischen Block anschließen könnten. Schon aus diesem Grund übt der US-Imperialismus Druck auf seine Verbündeten aus, ihre ökonomische Zusammenarbeit mit dem tendenziellen russisch-chinesischen Block einzustellen. Insbesondere der deutsche Imperialismus weigert sich, denn der russische und der chinesische Markt sind zentral für die Akkumulation des deutschen Kapitals, ebenso zentral wie der US-Markt. Eine Abkopplung des deutschen Imperialismus vom russischen Imperialismus und von China wäre ein schwerer Schlag für das deutsche Kapital und würde die untergründige Proteststimmung in Deutschland noch weiter anfachen, denn dann würde die Massenarbeitslosigkeit weiter deutlich anwachsen, gleichzeitig mit den Energiepreisen und die Löhne würde nicht nur real, sondern auch absolut sinken. Die aggressive Politik des US-Imperialismus richtet sich damit nicht nur gegen den russischen Imperialismus und China, sondern auch gegen alle anderen verbündeten Metropolen, einschließlich des deutschen Imperialismus. Der deutsche Imperialismus wird alles versuchen, einen Bruch mit dem russischen Imperialismus und China zu vermeiden. Jedoch steht der deutsche Imperialismus auch unter dem unmittelbaren Druck des US-Imperialismus, denn dieser kann seinen Markt für das deutsche Kapital sperren, was für das deutsche Kapital erhebliche negative Folgen hätte, auch droht der US-Imperialismus dem deutschen Imperialismus mit weiteren Schritten im Sinne eines Wirtschaftskrieges. Denkbar wären auch Maßnahmen im Finanzbereich, Maßnahmen die gerade an der kriegsunwilligen Ukraine erprobt werden. Nachdem die Ukraine sich weigert gegen die Volksrepubliken im Donbass vorzugehen, wurde international Flugzeugen und Schiffen mit dem Ziel Ukraine der Versicherungsschutz entzogen, so daß Importe und Exporte stark behindert werden. Dieser konkrete Entzug des Versicherungsschutzes hat auch negative Folgen für den LKW und Eisenbahntransport, denn das internationale Kapital wird damit generell verunsichert. De facto verhängt der US-Imperialismus gegen die Ukraine ein Wirtschaftsembargo, isoliert die Ukraine vom Weltmarkt, stürzt sie noch tiefer in Chaos und Elend. Dies geschieht offen vor aller Welt. Auch die Verbündeten sollen sehen, was geschehen kann, wenn ein Land sich nicht dem US-Willen fügt. Da US-Kapital und britisches Kapital zentral im fiktiven Kapital konzentriert sind, können Finanzsanktionen gegen Weltmarktkonkurrenten leicht verhängt werden.

Der US-Imperialismus versucht den russischen Imperialismus in einen Krieg gegen die Ukraine zu ziehen, während der russische Imperialismus dem ausweicht und die beiden Donbass Volksrepubliken anerkennt. Dabei zielt der russische Imperialismus auf eine Föderalisierung der Ukraine, zielt auf weitere Aufstände in den Landesteilen der Ukraine und auf die Bildung weiterer unabhängiger Staaten innerhalb des gescheiterten Staates Ukraine, welche sich später zur einer Bundesrepublik zusammenschließen könnten. Damit wäre dann der Griff nach der Zentralmacht in Kiew überflüssig, die verarmte Westukraine kann sich nicht auf Kosten der russisch geprägten Südostukraine sanieren und somit wäre dann die Westukraine kein Einfallstor mehr für den NATO-Pakt. Die Ukraine wurde und wird im Einflußkampf zwischen dem US-Imperialismus und dem russischen Imperialismus zerrieben. Während die Ukraine international isoliert ist, weder der NATO-Pakt noch die USA dort militärisch intervenieren werden, geht objektiv die Ukraine in die Einflußsphäre des russischen Imperialismus über.

In der Ukraine-Krise bringt sich die „Corona-Krise“ deutlich auf den Begriff. Die „Corona-Krise“ ist nichts anderes als der Zusammenbruch des neoliberalen Weltmarktes mit samt seiner neoliberalen Weltordnung in den multipolaren Weltmarkt und damit in die multipolare Weltordnung. Diese Ukraine-Krise ist nur ein Moment der Neuordnung der imperialistischen Kette. Es bilden sich imperialistische Blöcke heraus. In der Ukraine-Krise bindet der russische Imperialismus Weißrussland fest an sich und neutralisiert die Ukraine, bindet sie lose an sich, macht deutlich, daß die Ukraine im Einflußgebiet des russischen Imperialismus liegt, was durch die direkte Nicht-Intervention des US-Imperialismus auch implizit anerkannt wird. Damit ist die Ukraine-Krise nur ein Moment in der Neugliederung der imperialistischen Kette, nur ein Moment in der Neuaufteilung des Weltmarktes und trägt immer den Dritten Weltkrieg in sich, denn die Widersprüche können sich verselbständigen, ein friedlicher imperialistischer Interessenausgleich ist niemals garantiert. Sollte auch die Ukraine-Frage gelöst werden, würden neue internationale Fragen der Welt den Platz der Ukraine-Frage einnehmen. Die Entscheidung des russischen Imperialismus für die Anerkennung der beiden Donbass Volksrepubliken ist gleichzeitig eine Entscheidung für ein Bündnis mit China und gegen eine Zusammenarbeit mit Westeuropa und den USA (gegen China). Es festigt sich jetzt ein eurasisches sino-russisches Bündnis und es werden nun Militärabkommen folgen. Damit ist der Versuch gescheitert, Rußland und China gegeneinander auszuspielen. Der multipolare Weltmarkt und die multipolare Weltordnung nehmen Formen an. Es ist nicht nur eine Konfrontation mit dem russischen Imperialismus, sondern gleichzeitig auch mit China und dies kann sich schnell zu einem Weltwirtschaftskrieg auswachsen und darüber hinaus auch in einen Dritten Weltkrieg. Auch die Konfrontation mit China wird zunehmen. Das deutsche Kapital wird dabei viel verlieren und die inneren Probleme werden wegen Arbeitslosigkeit, sinkende Reallöhne etc. zunehmen und auch in Deutschland werden sich die inneren Spannungen verschärfen. Die Anti-Corona-Proteste sind nur ein laues Lüftchen dagegen. Diese gegenwärtige rot-grüne-liberale Bundesregierung wird von einer labilen drei Parteien-Koalition gestellt und ist nicht in der Lage, die Probleme zu bewältigen. Die letzten Bundestagswahlen zeigen eine große Zersplitterung des Parteienspektrums auf und Neuwahlen würden diese Zersplitterung nicht aufheben; eine neue labile Regierung wäre die Folge. Aus diesem Grunde wird das deutsche Kapital tendenziell immer deutlicher auf den Notstand setzten, denn die Große Krise mit ihren soziökonomischen und internationalen Folgen zerbricht das parlamentarisch-demokratische System nicht nur Deutschlands.

In der Ukraine-Krise wird bei allen direkt oder indirekt beteiligten Mächten die „innere und äußere nationale Sicherheit“ neu definiert. Hier kommt dann die „Corona-Krise“ zu sich selbst. Die Neugliederung der imperialistischen Kette erfordert auch eine Neufassung der „inneren und äußeren nationalen Sicherheit“, kurz eine „neue Normalität“. Die „alte Normalität“ des neoliberalen Weltmarktes wird nicht wiederkommen und wird auf den Schlachtfeldern der Ukraine begraben. Auf den Schlachtfeldern der Ukraine starb auch Jalta und Potsdam. Es sind historische Zeiten und keine Mauer hält den Wind der Veränderung auf. Der Wind der Geschichte treibt die Welt in eine Situation, wie sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts normal war. Es geht nicht zurück auf 1989, sondern zurück auf vor 1945. Die Anerkennung der beiden Donbass-Volksrepubliken zeigt das Ende der US-Hegemonie auf und ein einschließender Wirtschaftskrieg gegen Rußland und China wird auch den US-Dollar gänzlich ruinieren, denn es stehen die größten Gläubiger gegen den größten Schuldner sich gegenüber. Es könnte notwendig werden, daß China seine Dollar-Guthaben abwirft, auch wenn es sich selbst sehr schadet, da kein anderer Ausweg mehr möglich ist. Der US-Dollar würde dann deutlich abwerten und den Weltmarkt mit den USA im Zentrum deutlich desintegrieren. Ebenso kann der US-Imperialismus sich weigern, seine Dollar-Schulden an China zu begleichen. Pläne dafür liegen in den Schubladen des US-Imperialismus. Die Folgen wären ebenfalls eine naturwüchsige Abwertung des US-Dollar mit desintegrativen Folgen für die USA, wie für den Rest der Welt. Solche Reaktionen sind nur dann möglich, wenn sich eine Seite in die Ecke gedrängt ist und keinen anderen Ausweg mehr sieht. Der gegenwärtige Zusammenbruch des Weltmarktes und des Systems der internationalen Beziehungen mit ihrer Eskalationsdynamik machen jetzt diese Szenarien wahrscheinlich. Eine gegenseitige ökonomische oder gar militärische Vernichtung der USA und China ist nicht mehr ausgeschlossen. Einen Sieger gibt es in einem Weltwirtschaftskrieg nicht, ebenso nicht bei einem Dritten Weltkrieg, wenn er mit Massenvernichtungswaffen ausgetragen wird. Auf jeden Fall führt der Druck auf Rußland und China zu einem nationalistischen Schub und die Massen konzentrieren sich um die Führung der Bourgeoisie und führen damit zum Gegendruck auf die transatlantischen Metropolen, wo dann auch versucht wird, die Massen um die transatlantischen Bourgeoisien zu konzentrieren. Auch dort wächst der Nationalismus an und mit ihm die Repression gegen die Arbeiterklasse, auch durch den Notstand.

Die proletarische Losung gegen die imperialistische Weltmarktkonkurrenz kann nur sein: Der Feind steht im eigenen Land. Die proletarischen Gewehre auf die jeweilige imperialistische Bourgeoisie. Widerstand gegen den imperialistischen Krieg. Hingegen geht die Linkspartei indirekt einen Block mit dem deutschen Imperialismus ein, unterstützt objektiv die aggressive Politik des deutschen Imperialismus gegen den russischen Imperialismus. So hat im Februar 2022 die Linkspartei den Rubikon zu den Kriegskrediten des Jahres 1914 überschritten. Das kommt nicht überraschend, war doch die Linkspartei die Partei, welche am konsequentesten den „Corona-Notstand“ verteidigte, d.h. konkret den Notstand gegen die Arbeiterklasse. Wenn man so weit ist, ist es nur ein kleiner Schritt zur offenen Unterstützung des imperialistischen Krieges des deutschen Imperialismus. Mit dem „Corona-Notstand“ ging die Linkspartei offen auf die Seite der Bourgeoisie über und die offene Unterstützung der Kriegsdrohungen des deutschen Imperialismus ist nur noch die Konsequenz. „Zero Covid“ führt zum „total war“, „Zero Covid“ führt direkt in den imperialistischen Krieg. Der „Sündenfall“ der Linkspartei ist nicht im Februar 2022 mit der Unterstützung der Kriegsdrohungen des deutschen Imperialismus gegen den russischen Imperialismus zu suchen, sondern im März 2020, mit der aktiven Unterstützung des „Corona-Notstandes“. Das Ziel des Notstandes, des „Corona-Notstandes,“ ist es eben, den imperialistischen Krieg vorzubereiten und die innere Militarisierung voranzutreiben. Immer lauter wird auch der Ruf nach der Aktivierung der Wehrpflicht, während die Linkspartei offen die Aufrüstung des deutschen Imperialismus unterstützt. Das Ziel des „Corona-Notstandes“ ist objektiv der imperialistische Krieg.

Diese militärische Offensive der beiden Volksrepubliken im Donbass mit Unterstützung des russischen Imperialismus wird die US-hörige krypotfaschistiche Regierung in Kiew stürzen und ist damit auch der formale Sargnagel für den neoliberalen Weltmarkt, für die sogenannte Globalisierung. Der Donnbass ist nicht nur das Massengrab des Maidan, sondern auch das Grab der „Globalisierung“. Die USA und Westeuropa müssen sich einer Re-Industrialisierung unterziehen, eine Auslagerung nach China usw. ist nicht mehr möglich. Aber für eine Re-Industrialisierung wird es viel Zeit brauchen.

Im Moment existieren nur drei zentrale Machtzentren. Die USA, Rußland und China und nun verbünden sich Rußland und China und gehen auf die USA los. Damit haben die USA verloren, denn sie sind zu schwach, sich gleichzeitig gegen Rußland und China zu verteidigen. Der deutsche Imperialismus und die EU spielen keine nennenswerte Rolle in der Neuaufteilung des Weltmarktes. Der russische Imperialismus und China schlachten den US-Imperialismus und der deutsche Imperialismus übt sich dem US-Imperialismus gegenüber in der Nibelungentreue.

Die Mauer der Globalisierung ist eingestürzt. Der 22. Februar 2022 mit der Anerkennung der beiden Volksrepubliken durch Rußland zerbricht weltweit unmittelbar den neoliberalen Weltmarkt. Dieser 22. Februar 2022, das Ende der sogenannten Globalisierung, ist nur mit dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 zu vergleichen. Die Zeiten der neoliberalen Alternativlosigkeit sind endgültig vorbei.

Es geht nur vordergründig um die Ukraine. Real geht es um die Neuaufteilung des Weltmarktes. Die Ukraine ist nur ein Spielstein in dieser Neuaufteilung der Welt, weitere Spielsteine sind Syrien, der Iran etc. Im Moment konzentriert sich der imperialistische Konkurrenzkampf hauptsächlich in der Ukraine. Auch wenn man die Ukraine-Krise tendenziell beilegt, werden sich die imperialistischen Widersprüche in andere Staaten verlagern und sich da konzentrieren. So wird auch unter den imperialistischen Mächten simultan die einzelnen Konfliktzonen zusammen verhandelt, als Paket-Lösung, über diese Tauschprozesse versucht man sich auszugleichen. In der UNO ist der imperialistische Bazar institutionalisiert. Die UNO ist eine imperialistische Räuberhöhle. Mit dem Ende von Jalta und Potsdam beginnt das große Feilschen um imperialistische Einflußsphären. Die „neue Seidenstraße“ von China durch Eurasien ist für die transatlantischen Metropolen eine große Gefahr und die „neue Seidenstraße“ führt auch durch die Ukraine. Es geht um Geopolitik, nicht um die Ukraine.

Bildergebnis für Wikimedia Commons Bilder Bundeswehr in Schulen Lupus in Saxonia / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Der Wirtschaftskrieg der transatlantischen Metropolen gegen den russischen Imperialismus führt zu russischen Gegenschlägen, vor allem auf dem Gebiet seltener Metalle und Düngemittel, wie die Ausfuhr von Getreide. Rußland und die Ukraine sind die größten Produzenten von Getreide. Es wird also eine erhebliche Preissteigerung bei Nahrungsmitteln geben, vor allem in der Peripherie und dies wird dann zu möglichen Revolten führen. Die Revolten des „arabischen Frühlings“, im Jahr 2010, der schnell zum „arabischen Winter“ entartete, hatten ihren Anlaß in den steigenden Nahrungsmittelpreisen. Die Spekulation mit Nahrungsmitteln war ein unbeabsichtigtes Moment bei der expansiven Geldpolitik zur Kontrolle des Zusammenbruchs der Wall Street im Jahr 2008. Derzeit ist vor allem die Türkei in einer tiefen inflationären Krise, welche durch den transatlantisch-russischen Wirtschaftskrieg noch verschärft wird. Weltweit können steigende Nahrungsmittelpreise die Zündschnur für proletarischen Revolten werden. Die Modifikationen der inflationären Tendenzen durch den transatlantischen Wirtschaftskrieg gegen den russischen Imperialismus führt zu einem weiteren Ansteigen des Preisniveaus. Schwache Zinserhöhungen der transatlantischen Zentralbanken werden diese noch steigern, jedoch eine deutliche Zinserhöhung könnte eine rezessive Tendenz lostreten, würde die Immobilienblase implodieren lassen. Die Handlungsfreiheit des bürgerlichen Staates bezüglich mittelbaren Eingriff in die Akkumulationsbewegung ist beschränkt und so gleitet derzeit die Akkumulationsbewegung in eine Stagflation.

Die „Ukraine-Aktion“ zieht auch objektiv den Iran näher an den russischen Imperialismus und an China. Wenn der Iran unter dem militärischen Schutz des russischen Imperialismus steht, kann er ohne weiteres die Straße von Hormuz blockieren und damit den Persischen Golf unter seine Kontrolle bringen. Durch den Persischen Golf verläuft die Energieversorgung der Welt mit Öl und Erdgas. Das heißt auch, Rußland könnte über den Iran die Energieversorgung der transatlantischen Metropolen unterbrechen. Ein Angriff des US-Imperialismus auf den Iran würde dann einen Dritten Weltkrieg nach sich ziehen mit unkalkulierbaren Folgen für den US-Imperialismus. Die Ukraine-Krise verändert die Welt zu Lasten der transatlantischen Metropolen, welche vor allem mit einer verstärkten Aufrüstung antworten und weltweit eine Aufrüstungsdynamik lostreten. Der Auftakt zur gegenwärtigen Ukraine-Krise bildet die Niederlage des US-Imperialismus und seines NATO-Paktes in Afghanistan. Im August 2021 kapitulierte der US-Imperialismus und sein NATO-Pakt, einschließlich der deutsche Imperialismus, vor den Taliban und flüchteten aus Afghanistan. Damit hatte der US-Imperialismus sein Gesicht und jeden Respekt verloren. Nur ein ehrenvoller, gesichtswahrender Rückzug hätte dem US-Imperialismus etwas genützt. In Afghanistan wurde der US-Imperialismus gedemütigt. Dies Zeichen der Schwäche ist dann der Tod des US-Imperialismus. Die Meute der anderen Kettenglieder der imperialistischen Kette werden sich auf den US-Imperialismus stürzen und ihn zerfleischen. Wer Schwäche zeigt, ist verloren, wer Schwäche zeigt, dem ereilt der Tod. Es führt ein direkter Weg von Afghanistan in die Ukraine und weiter. Afghanistan ist nur der Prolog und die Ukraine nur ein zentrales Moment, aber nicht das letzte Moment. Es ist noch nicht zu Ende, es ist nur der Anfang. Weltgeschichte ist immer Weltgericht.

  1. Der proletarische Weg

-Radikale Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich, ansetzend an der alltäglichen Sabotage der Ausbeutung und international organisiert

-Gleitende Lohnskala. Automatische Erhöhung der Löhne im Verhältnis zur realen Preisentwicklung bzw. Teuerung.

-Arbeiterkontrolle über die Produktion als erster Schritt zur Errichtung der proletarischen Doppelmacht

-Aufbau proletarischer Hundertschaften gegen die Repression des bürgerlichen Staates und seiner neofaschistischen Organisationen

Iwan Nikolajew Hamburg im März 2022 Maulwurf/RS

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Grafikquellen          :

Oben     —    Souvenirs aus der Ukraine

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2.) von Oben      —       If incidence gets too high in times of corona, a politician could be tempted to re-define it.

3,) von Oben       —     Cartoon: Vielleicht sollten bei der Durchsetzung der allgemeinen Impfpflicht Tierärzte mit entsprechender Ausrüstung eingesetzt werden.

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 4.) von Oben        ––       A bus burns as Russia invades Ukraine on Feb. 24, 2022, on a road from Kharkiv to Kyiv. (Yan Boechat/VOA)

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Unten      —    3.) von Oben     —     Autor   Lupus in Saxonia / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

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BKK Krankenkasse warnt

Erstellt von DL-Redaktion am 24. Februar 2022

Covid-Impfungen: «Heftiges Warnsignal»

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Quelle      :        INFOsperber CH.

Martina Frei /   

Eine Krankenkasse äussert den starken Verdacht auf eine «sehr erhebliche Untererfassung» von möglichen Impf-Nebenwirkungen.

Die deutsche Krankenkasse «BKK ProVita» schlägt Alarm. «Die unserem Haus vorliegenden Daten geben uns Grund zu der Annahme, dass es eine sehr erhebliche Untererfassung von Verdachtsfällen für Impfnebenwirkungen nach Corona Impfung gibt», heisst es in einem Schreiben, das der Vorstand der «BKK Pro Vita» am Montag an das deutsche Paul-Ehrlich-Institut richtete. «Eine Gefahr für das Leben von Menschen» könne nicht ausgeschlossen werden. Der Brief trägt die Überschrift «Heftiges Warnsignal bei codierten Impfnebenwirkungen nach Corona Impfung».

Über den Brief der «BKK ProVita» berichtete «Die Welt» gestern. «Die ermittelten Zahlen sind erheblich und müssen dringend plausibilisiert werden», sagte der Vorstand der «BKK ProVita», Andreas Schöfbeck, gegenüber «Die Welt».

Ein Vielfaches der offiziell gemeldeten Nebenwirkungen

Nach Auswertung der Abrechnungsdaten von Ärzten vom Jahresbeginn 2021 bis etwa Mitte des dritten Quartals 2021 geht die Krankenkasse «jetzt schon von 216’695 behandelten Fällen von Impfnebenwirkungen nach Corona Impfung» in einer Stichprobe von 10’937’716 Versicherten aus.

Gezählt wurde, wie oft die Ärzte beim Abrechnen einen Code für Impf-Nebenwirkungen angegeben hatten.1 Mehrfache Behandlungen ein und desselben Patienten seien nur einmal gezählt worden, berichtet «Die Welt», und 7’665 Komplikationen nach anderen, (Nicht-Covid-) Impfungen wurden herausgerechnet.

Das deutsche Paul-Ehrlich-Institut, zuständig für die Sicherheitsberichte zu den Covid-Impfungen, hat für das ganze Jahr 2021 für ganz Deutschland 244’576 Verdachtsmeldungen über Covid-19-Impf-Nebenwirkungen erhalten.

Hochgerechnet zwei bis drei Millionen Menschen deshalb ärztlich behandelt

«Gemäss unseren Berechnungen halten wir 400’000 Arztbesuche unserer Versicherten wegen Impfkomplikationen bis zum heutigen Tag für realistisch», sagte Schöfbeck in dem Artikel, der gestern Abend online erschien. Er mache die Zahlen öffentlich, weil er sich seinen Versicherten verpflichtet fühle. «Die Zahlen, die sich bei unserer Analyse ergeben haben, sind sehr weit weg von den öffentlich verlautbarten Zahlen. Es wäre ethisch falsch, nicht darüber zu sprechen.»

Würden diese Zahlen auf das Gesamtjahr und auf die Bevölkerung in Deutschland hochgerechnet, dann «sind vermutlich 2,5 bis 3 Millionen Menschen in Deutschland wegen Impfnebenwirkungen nach Corona Impfung in ärztlicher Behandlung gewesen», schreibt der BKK-Vorstand mit Kopie an die deutsche Bundesärztekammer, die deutsche Impfkommission STIKO und weitere, wichtige Adressaten.

Etwa vier bis fünf Prozent betroffen

In dem Brief des BKK-Vorstands steht weiter: «Das sehen wir als erhebliches Alarmsignal an, das unbedingt beim weiteren Einsatz der Impfstoffe berücksichtigt werden muss. […] Hochgerechnet auf die Anzahl der geimpften Menschen in Deutschland bedeutet dies, dass etwa vier bis fünf Prozent der geimpften Menschen wegen Impfnebenwirkungen in ärztlicher Behandlung waren. In unseren Augen liegt eine erhebliche Untererfassung der Impfnebenwirkungen vor.»

Die geschätzte Zahl könne leicht und kurzfristig überprüft werden, indem andere Krankenkassen um eine entsprechende Auswertung ihrer Daten gebeten würden, regt der BKK-Vorstand an.

Pro Meldung eine halbe Stunde Arbeit

Die BKK vermutet, dass das Melden einer vermuteten Impf-Nebenwirkung oft unterbleibe, weil es rund 30 Minuten Zeit braucht, ohne dass dieser Aufwand den Ärztinnen und Ärzten vergütet werde.

«Ärzte haben uns berichtet, dass die Meldung eines Impfschadenverdachtsfalls circa eine halbe Stunde Zeit in Anspruch nimmt. Das bedeutet, dass 3 Millionen Verdachtsfälle auf Impfnebenwirkungen circa 1,5 Millionen Arbeitsstunden von Ärztinnen und Ärzten erfordern. Das wäre nahezu die jährliche Arbeitsleistung von 1000 Ärztinnen und Ärzten», steht in dem Brief.

Wichtige Studien wurden nicht aufgegleist

Seit langem ist bekannt, dass viele Nebenwirkungen nicht gemeldet werden. Infosperber berichtete darüber. Um genaue Zahlen zu erhalten, hätten Gesundheitspolitiker, Wissenschaftler und / oder Behörden mit Beginn der Impfkampagne Studien durchführen können. Dabei werden Personen verschiedener Altersgruppen nach der Impfung regelmässig befragt, wie es ihnen geht.

Doch das wurde versäumt – obwohl allen Fachleuten klar sein musste, dass solche Kohortenstudien wichtig wären, wenn man die Nebenwirkungen wirklich gut erfassen will.

Generalstaatsanwalt sprach sich gegen Obduktionen nach Covid-Impfung aus

Ein Team von deutschen Rechtsmedizinern, Pathologen, Laborärzten, Transfusionsmedizinern und Neuropathologen hatte aufgrund eigener Untersuchungen bereits im September den Verdacht geäussert, dass das Paul-Ehrlich-Institut die Anzahl von Todesfällen nach Covid-Impfung unterschätzt habe. «Die Ergebnisse unserer Studie zeigen die Notwendigkeit von Untersuchungen bei allen Todesfällen nach einer Impfung mit einer Covid-19 Vakzine», schrieben die Mediziner im «International Journal of Legal Medicine«. Sie hatten auf Geheiss der Staatsanwaltschaft 18 Personen obduziert, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer Covid-Impfung verstorben waren.

Ein nicht namentlich bekannter Direktor eines deutschen Instituts für Rechtsmedizin hatte schon am 5.2.2021 ein Schreiben an mehrere baden-württembergische Polizeipräsidien gerichtet und darum gebeten, alle Toten, bei denen vor dem Todeseintritt eine Covid-Impfung stattgefunden habe, obduzieren zu lassen.

Doch der Generalstaatsanwalt von Stuttgart fuhr wenige Tage später dazwischen: Dies stünde nicht im Einklang mit den Vorschriften der Strafprozessordnung. In einem Brief teilte er dem Rechtsmediziner unter anderem mit, dass «in seriösen Quellen keine fassbaren Hinweise auf eine mögliche Kausalität zwischen Impfung und Todeseintritt älterer Menschen recherchiert werden konnte. Weder auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts noch des Paul-Ehrlich-Instituts finden sich entsprechende valide Hinweise. Bei den dort angesprochenen Todesfällen erscheint eine Kausalität mit den Impfungen vielmehr eher ausgeschlossen. Ich sehe deshalb keinen Anlass, dass die Staatsanwaltschaften […] ihre bisherige Praxis ändern. Obduktionen werden weiterhin nur angeordnet, wenn der Anfangsverdacht für einen nicht-natürlichen Tod besteht und Fremdverschulden möglich scheint. Eine vor dem Todeseintritt erfolgte Impfung allein genügt dafür nicht.»

1 Die Codes waren: Infektion nach Impfung / Sepsis (Blutvergiftung) nach Impfung, Sonstige Komplikationen nach Impfung, Hautausschlag nach Impfung, Komplikationen durch Impfstoffe oder biologisch aktive Substanzen, Unerwünschte Nebenwirkungen bei der Anwendung von Covid-19-Impfstoffen.

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Verfasser Jed          /       Quelle     : Eigene Arbeit         /       Datum    :    1 Oktober 2013, 11:20:45

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Covid in Frankreich

Erstellt von DL-Redaktion am 22. Februar 2022

Über die sich anbahnende Katastrophe

La fête à Macron - Macron, ta fête begin ! 04.JPG

Quelle     :     Untergrundblättle – CH

Von Serge Quadruppani & Jérôme Floch

Und wie man ihr entkommen kann. Der Ausbruch der Covid-Epidemie mag die Regierungen der Welt vorübergehend verwirrt haben, die subversiven Kräfte hat er jedoch nicht weniger verwirrt.

Das sie nun offen als Trojanisches Pferd für die schlimmsten reaktionären Vorstösse und die Einführung neuartiger Kontrollmechanismen dient, ist nicht überraschend, sondern vielmehr die Benommenheit, aus der wir selbst nicht herausfinden. In diesem Text schlagen Serge Quadruppani, Jérôme Floch und einige andere vor, die bisherigen Ablenkungen, die falschen Freunde und die falschen Gegensätze zu erfassen. Ein bescheidener, aber heilsamer Versuch, Klarheit zu schaffen. (Vorwort Lundi Matin)

Macrons aus rein wahltaktischen Gründen erfolgte Erschaffung eines neuen inneren Feindes in Gestalt des „Ungeimpften“ ist die letzte Etappe einer Manipulation, der wir alle auf die eine oder andere Weise zum Opfer gefallen sind. Erinnern wir uns daran, dass es derselbe Macron war, der bei der Ankündigung der ersten ‘Eindämmung’ am 12. März 2020 – ein Beweis für die Verwirrung, die damals unter den führenden Politikern der Welt herrschte – erklärte: „Meine lieben Mitbürger, wir müssen morgen die Lehren aus dem Moment ziehen, den wir durchleben, das Entwicklungsmodell hinterfragen, in dem sich unsere Welt seit Jahrzehnten engagiert hat und das seine Fehler offenlegt, die Schwächen unserer Demokratien hinterfragen. Diese Pandemie zeigt bereits jetzt, dass die kostenlose Gesundheitsfürsorge unabhängig von Einkommen, Lebensweg oder Beruf und unser Wohlfahrtsstaat keine Kosten oder Belastungen darstellen, sondern wertvolle Güter und unverzichtbare Trümpfe, wenn das Schicksal zuschlägt. Was diese Pandemie offenbart, ist, dass es Güter und Dienstleistungen gibt, die ausserhalb der Gesetze des Marktes gestellt werden müssen. Unsere Ernährung, unseren Schutz, unsere Fähigkeit, unser Lebensumfeld im engsten Kreis selbst zu pflegen, an andere zu delegieren, ist eine Torheit“.Nachdem dieser kurze Anfall von Klarheit schnell überwunden war, wandte sich die Regierung anschliessend dem Kern ihrer Aufgabe zu, nämlich die Wirtschaftsmaschine wieder anzukurbeln. Das ist nicht verwunderlich, denn die Regierenden tun das, wofür sie ans Ruder gesetzt wurden. Vielmehr beeindruckt uns die Zahl der Menschen, die, anstatt gegen das zu kämpfen, was das Virus hervorgebracht hat – den Produktivismus und seine Zoonosen – und das, was seine Eindämmung verhindert hat – das Fehlen einer Präventionsstrategie und die Zerstörung des Krankenhauses -, auf die Regierungspropaganda aufspringen, indem sie die gesamte Verantwortung für die Verlängerung der „Gesundheitskrise“ den Ungeimpften zuschieben, diesen Pelzigen und Räudigen, von denen das ganze Übel ausgeht. Es ist eine unbestreitbare Tatsache: Diejenigen, die heute mehrheitlich die Notaufnahmen füllen, sind nicht geimpft. [1]

In Form von ‘Tribünen’ und ‘Erklärungen’ mit dreifacher Verneinung hört man, dass man nicht davon absehen wird, sie zu reanimieren, aber dass die Frage schliesslich gestellt werden sollte. Man ist also dabei, die Abschaffung des Prinzips zu beschwören, für das man in der Welt, wie sie ist, das Krankenhaus immer verteidigen möchte: Pflege für alle, unabhängig davon, ob sich die Kranken vor der Krankheit an die Anweisungen der medizinischen Behörden gehalten haben oder nicht. Und wie jedes Mal, wenn im Namen der Dringlichkeit eine Ausnahme gemacht wird, kann sich ihr Anwendungsbereich bis ins Unendliche ausdehnen. Denn auf diesem Weg würde nichts dagegen sprechen, eines Tages die Frage zu stellen, wie viel Pflege jemand erhalten soll, der sich im Umgang mit seinem biologischen Kapital nicht als tugendhaft genug erwiesen hat: Alkoholiker, Drogensüchtige, Raucher, betrunkene Autofahrer? Diese Drohung mit der Ungleichheit in den Krankenhäusern wird sich zwar in nächster Zeit kaum bewahrheiten, aber sie wird in den Augen der grossen Mehrheit der Bürger zumindest die Funktion haben, eine Minderheit zu stigmatisieren, die sich ihrerseits in ihren eigenen Augen in der Rolle der einzigen radikalen Rebellin gegen das System bestärkt fühlen wird. Die Falle ist grob, sie ist gigantisch, sie könnte funktionieren. Ein Grund mehr, sie zu bekämpfen.

Wie die Herde, die von den Jägern und Sammlern bis an den Rand der Klippe getrieben wurde, stehen wir hier und schauen uns gegenseitig an, voller Angst und Wut, und wir finden uns in sehr schlechter Verfassung wieder. Wir sind weit entfernt von der Pracht, die wilde Tiere bis zum Ende bewahren können, wir tragen Jahrhunderte der Domestizierung, der Ausbeutung und der schlechten Neigungen auf unseren Körper eingeprägt, wir sehen, dass der Feind da ist, der Speere und Bögen längst gegen Gummigeschosse und digitale Propaganda eingetauscht hat. Der Feind treibt uns in den Abgrund, wo die Trümmer einer Zivilisation auf uns warten, die bereits tot ist und es nicht weiss. Um nicht darin zu versinken, ist die Versuchung gross, andere in den Abgrund zu stossen, uns zu bekämpfen und uns gegenseitig zu verschlingen. Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit, die die Herde ergreifen kann: dem Abgrund den Rücken zu kehren und gemeinsam in den feindlichen Haufen zu stürmen.

Zu dieser Umorientierung unserer Affekte möchte der vorliegende Text beitragen.

VERSCHWÖRUNG VON VERSCHWÖRERN UND ANTI-VERSCHWÖRERN

Es ist die Macht, die den Verschwörungswahn hervorbringt, in ihr und ihr gegenüber. Ob es sich nun um eine despotische Macht im chinesischen Stil handelt, die ständig befürchtet, dass im Schatten ein Thronsturz geplant wird, oder um eine in Fraktionen aufgespaltene Macht im amerikanischen Stil, von denen jede die Verschwörungen der anderen fürchtet, die Machthaber in Chinamerika (d.h. auf dem ganzen Planeten) manövrieren ständig, um das abzuwehren, was sie in der Realität oder in ihren Köpfen bedroht. Das Schicksal der Herrschenden ist es, ständig Intrigen zu schmieden und überall Verschwörungen zu sehen. Daher kann man sich vor Verschwörungsvorwürfen von Journalisten, die bereit sind, die Lügengeschichten der Machthaber zu übernehmen, nicht genug hüten. Verschwörungen gab es schon immer, gibt es noch, gibt es mehr denn je. Es ist zum Beispiel offensichtlich, dass auf dem Wahlmarkt die Einführung des Produkts Macron und die von Zemmour vor kurzem das Ergebnis der Berechnungen und Machenschaften verschiedener Wirtschaftsmächte waren, von denen es bei Macron mehr und andere gibt als bei Zemmour (und deshalb wird er am Ende gewinnen).

In der Sphäre, die alle anderen beherrscht, der Wirtschaft (Codename des Kapitalismus), kann man unter tausend anderen möglichen Beispielen folgende nennen: Total, das vor 40 Jahren die Gefahr der globalen Erwärmung durch Bergbauaktivitäten erkannte und all seine beträchtliche Energie darauf verwendete, sie zu leugnen; Coca-Cola, das seit 2010 8 Millionen Euro allein in Frankreich ausgegeben hat, um die mit ihren Getränken verbundenen Risiken vergessen zu machen, oder die Glyphosat-Lobby, die erreicht hat, dass der vorläufige Bericht, auf den sich Europa stützen soll, um die Verwendung dieses Giftes wieder zuzulassen, so gut wie die gesamte wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema ausklammert. Man könnte sagen, dass diese Mächte der Agrar- und Lebensmittelindustrie alle im Hintergrund zu ihrem eigenen Vorteil und auf Kosten des öffentlichen Wohls intrigieren: also die Definition einer Verschwörung [2]. Es war wahrscheinlich um die 10er Jahre des 20. Jahrhunderts, als zum ersten Mal in globalem Massstab ein profitorientiertes Unternehmen der Leugnung gestartet wurde, in diesem Fall rund um die schädlichen Auswirkungen von Blei im Benzin [3]. Obwohl die Auswirkungen bekannt waren, setzten die grossen US-amerikanischen Automobilkonzerne auf Intrigen, geheime Absprachen und Druck, auch vor Gericht, um weiterhin verbleites Benzin zu produzieren. Sie sponserten auch Wissenschaftler, finanzierten Kolloquien und Symposien, um zu erklären, dass es doch komplizierter sei als gedacht, dass die Studien widersprüchlich seien und so weiter. Diese gross angelegte Verschwörung zur Organisierung der Leugnung hat ein Modell ins Leben gerufen, das später der Asbest-, Atom-, Tabak- und Pestizidindustrie sehr gute Dienste geleistet hat. Ebenso haben die verdeckten Allianzen mit bestimmten Wissenschaftlern es den Industriellen, deren Interesse es war, lange ermöglicht, die Existenz einer durch menschliche Aktivitäten bedingten globalen Erwärmung zu bestreiten und zu leugnen, obwohl diese von der Mehrheit der Experten nachgewiesen wurde.

DAS ZEITALTER DER GRENZÜBERSCHREITUNGEN

Es gibt also ausgezeichnete Gründe dafür, dass heute die Überzeugung so weit verbreitet ist, dass es Verschwörungen gibt, die darauf abzielen, die Autorität der medizinischen Wissenschaft an sich zu reissen, um sie in den Dienst von Interessen zu stellen, die mit dem Wohlergehen und der Freiheit der meisten Menschen nichts zu tun haben.

Diese Überzeugung ist ein guter Grund, um das Misstrauen gegenüber den wissenschaftlichen Ankündigungen rund um Covid-19 und insbesondere gegenüber dem Impfstoff, seiner Beschaffenheit und seiner Wirksamkeit als vollkommen legitim zu betrachten. Dies gilt umso mehr, wenn man bedenkt, was weltweit im Namen der wissenschaftlichen Autorität erreicht wurde. Wir möchten noch einmal daran erinnern, was wir hier bereits am 10. Februar 2020, also mehr als einen Monat vor der Ankündigung der ersten ‘Eindämmung’ (im Original doppeldeutig, meint in Frankreich auch das was hier als Lockdown bezeichnet wird, d.Ü.) geschrieben haben, nämlich dass das Beunruhigendste die Entdeckung der „massiven Unterwerfungsfähigkeit“ sei, die die Regierenden durch die Stärkung der wissenschaftlichen Legitimität erwecken könnten. Man wird nicht aufhören, sich darüber zu wundern, wie schnell und einfach sich innerhalb weniger Wochen im Frühjahr 2020 die Hälfte der Weltbevölkerung selbst eingeschlossen hat. Wenn man heute das Verhältnis beurteilen will, das jedermann zu wissenschaftlichen Erkenntnissen haben kann, darf man die Rolle nicht aus den Augen verlieren, die sie wohl oder übel bei der Rechtfertigung einer weltweiten Politik der Angst gespielt haben wird. [4] Diese Art der Governance greift Kontrolltechniken auf, die sich bereits bei der Terrorismusbekämpfung bewährt haben [5], perfektioniert, verschmilzt, erweitert sie räumlich und molekular.

Im Gegensatz zu dem, was man sich Ende März 2020 erhoffen durfte, hat man nicht einmal begonnen, die Lehren daraus zu ziehen, was diese „bis dahin nie gesehene Überschreitung der Schwelle der Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber freiheitsfeindlichen Zwängen“ bedeutete. Dies sollte zunächst in die Kontinuität der zeitlichen Abfolge eingeordnet werden, die sich am Ende des 20. Jahrhunderts mit dem weltweiten Triumph des Ultraliberalismus eröffnet hat und das man als das Zeitalter der Überschreitungen bezeichnen kann.

Während die globale Erwärmung die Schwelle zur Unumkehrbarkeit überschritt, führten Entwaldung und Massentierhaltung in nie dagewesenen Ausmass zur Überwindung von Barrieren zwischen den Arten mit dem bekannten Ergebnis von Pandemien. Gleichzeitig brachten die immer invasiveren Kontrolltechniken das Verhältnis der Menschen zur Natur in die Governance ein. Die Politik der Angst und der moralischen Panik in Verbindung mit der digitalen Eroberung der Aufmerksamkeit und der Emotionen hat die alten Garantien, die einige Revolutionen dem staatlichen Despotismus auferlegt hatten, durchbrochen und eine Beziehung zum Nicht-Menschlichen fortgeschrieben, die seit Jahrhunderten auf dem Modell der Invasion beruht. So wie die Überschreitungen im Krieg gegen die Natur immer im Namen von Gründen präsentiert wurden, die als hervorragend akzeptiert wurden (Hungrige ernähren, Arbeitsplätze schaffen, den „Energiebedarf“ decken, schneller fahren …), so wurde die Einrichtung von DNA-Dateien im Namen der Verfolgung von Sexualverbrechern, der Ausnahmezustand zur Bekämpfung von Terroristen, in Erwartung der Abschaffung der Verjährungsfrist zur Bestrafung von Pädokriminellen: Jede dieser Überschreitungen wurde durch die Benennung eines absolut und tatsächlich unverteidigbaren Feindes vollzogen. Doch jedes Mal eröffnete sich ein neues Feld der Möglichkeiten für die „unendliche Gerechtigkeit“ und die Übergriffe der Sicherheitsbehörden. Das Beunruhigendste an diesen Überschreitungen ist, dass die grosse Mehrheit der Menschen sie im Namen der Gründe, die sie im Moment vorbringen, massiv akzeptiert hat.

Die Rolle der Wissenschaft bei der Akzeptanz von Überschreitungen muss umso mehr in Frage gestellt werden, als unter den Erklärungen für den Ursprung der SARS CoV-2 Pandemie die Hypothese eines Laborlecks starke Argumente für sich hat und mittlerweile sogar von vielen Wissenschaftlern unterstützt wird. [6]

So viel Verwirrung in den Köpfen, so viel Uneinigkeit unter (Ex-)Freunden, so viel Traurigkeit und behindernde Affekte, so viel Paranoia – all das, was die gegenwärtige kollektive Stimmung bestimmt, könnte darauf zurückzuführen sein: die Angst vor einem neuen Sprung, das Gefühl, dass wir einen Sprung machen werden oder bereits gemacht haben – aber in welchen Abgrund?

Was auch immer die Wahrheit über die Ursprünge der Pandemie sein mag, die wir vielleicht nie erfahren werden, die Fragen zu diesem Thema haben eine unbestrittene und für die Zukunft bedrohliche Tatsache ans Licht gebracht: In vielen Labors auf der ganzen Welt werden Viren manipuliert, um sie, wenn schon nicht virulenter, so doch zumindest ansteckender zu machen – im Interesse der wissenschaftlichen Forschung und einer grösseren Wirksamkeit künftiger Impfstoffe, versteht sich [7]. Bei dieser Gelegenheit stellt sich besonders dringlich die Frage, die man bei Technologien, die drohen, verrückt zu werden, wie der Atomkraft, der Vernetzung von Objekten (und ihrem 5G), der Nanotechnologie … hätte stellen können: Wann werden wir uns dazu entschliessen, den Stecker dieser Dr. Frankensteins herauszuziehen?

Wir hätten also allen Grund, auf die Frage zu hören, die Fabrice Lamarck, ein Mitglied der Grothendieck-Gruppe, stellt [8]. In seinem Interview mit La Décroissance über Boten-RNA-Impfstoffe: „Welchen Sprung in der ‚Verzweckung‘ des Menschen – der Mensch wird wie eine lebende Maschine behandelt, die es zu verbessern gilt – haben wir mit diesen Impfstofftechnologien gemacht?“

So viel Verwirrung in den Köpfen, so viel Uneinigkeit unter (Ex-)Freunden, so viel Traurigkeit und behindernde Affekte, so viel Paranoia – all das, was die gegenwärtige kollektive Stimmung bestimmt, könnte darauf zurückzuführen sein: die Angst vor einem neuen Sprung, das Gefühl, dass wir einen Sprung machen werden oder bereits gemacht haben – aber in welchen Abgrund?

DIE WISSENSCHAFT UND WIR

Wir haben jedoch auch allen Grund, dem Wutausbruch eines befreundeten Krankenpflegers zu lauschen, dem ich das Interview mit Lamarck vorlas: „Ich möchte auf keinen Fall in Pathos verfallen, aber das Subjektive ist da, und ich werde es nicht unterdrücken: Wenn du alte Menschen gesehen hast, die einen Namen haben: Marthe, Francis, Suzanne, Mario, Huguette , Gilberte und so viele andere, wunderschöne, die nichts anderes wollten, als ihr Leben ruhig, gelassen und umgeben zu beenden, innerhalb von 24 Stunden gehen, in Leichensäcke verpackt, ohne Vorbereitung, ohne dass ihre Angehörigen sie auch nur ein letztes Mal sehen konnten, wenn du deine Kollegen, die Krankenschwestern und Pflegehelferinnen, gesehen hast, obwohl sie voller Erfahrung sind, und die die richtige professionelle „Distanz“ zum Tod halten können, dir in die Arme fielen und vor Verzweiflung weinten, als du mit ansehen musstest, wie das gesamte Pflegeteam vom Virus getroffen zu Boden ging und die wenigen noch gesunden Pflegerinnen 18 Stunden am Tag im Dienst blieben, als du mit ansehen musstest, wie ein Viertel der betreuten Personen innerhalb einer Woche an den vom Virus zerfressenen Lungen starb und es nur einen Monat dauerte, bis Impfstoffe zur Verfügung standen, … wenn der Typ, der dir von seinem konzeptionellen Olymp aus erklärt: ‘Das ist die Tür zur molekularen Veränderung des Mensche’, dann möchtest du ihm am liebsten zurufen: ‘halt die Klappe, du Arschloch! Du hast keine Ahnung, wovon du redest … !’ Ist das nicht blöd?“

Nein, es ist nicht blöd, und umso mehr, als es mit einer Kritik der Lamarckschen Behauptungen einhergeht, die sich als sehr nützlich erweisen kann, um die Fantasien zu zerstreuen, die mit diesem mRNA-Impfstoff verbunden sind, der häufig im Mittelpunkt der Anti-Vax-Argumente steht. „Das Schreckliche [nach Lamarck] sind also diese Impfstoffe mit modifizierter Boten-RNA, die in einen völlig künstlichen Vektor eingebettet sind“. Das Wort ist gefallen: „künstlich“, sicher im Gegensatz zu „natürlich“. Wir wollen nicht einmal erwähnen, dass sich viele künstliche Produkte als sehr nützlich erwiesen haben und dass viele natürliche Produkte äusserst schädlich sein können. Der Trick hier ist, Angst zu machen: Es ist „künstlich“! Das ist nicht gut!

Der fragliche Vektor ist ein Mikropartikel mit 4 Lipiden (darunter Cholesterin), 4 Salzen (Natrium- und Kaliumchloride, Natrium- und Kaliumdihydrogenphosphate), Zucker (Saccharose) und Wasser … (das ist fast Bio!) Nein, das muss einem Angst machen! Denn sie sagen uns, dass all das „seit Dezember 2020 massiv injiziert wird, ohne dass ausreichende klinische Tests zur Sicherheit und Wirksamkeit durchgeführt wurden“. Das ist natürlich falsch, die Tests der Phasen I, II und III haben stattgefunden, und wenn die Phase III fortgesetzt wird, dann um unerwartete Nebenwirkungen, die Dauer des Schutzes durch die Antikörperproduktion und das induzierte Immungedächtnis zu untersuchen und gegebenenfalls den Impfkalender für Auffrischungsimpfungen zu planen… Bis heute wurden fast 8 Milliarden Dosen Covid-Impfstoffe verabreicht, und fast 55% der Weltbevölkerung haben mindestens eine Dosis erhalten (davon nur 6% in armen Ländern). Noch nie in der Geschichte der Behandlungen und Impfstoffe hat es eine derartige Überwachung durch die Pharmakovigilanz gegeben.

Und vielleicht war es noch nie so wichtig, unser Verhältnis zur Wissenschaft im Allgemeinen und zur medizinischen Wissenschaft im Besonderen zu klären. Die Anti-Vax-Stimmung ist alt, insbesondere in Kreisen, in denen sich die Feinde des Kapitalismus in grosser Zahl rekrutieren. Auch auf die Gefahr hin, viele Freunde oder Verbündete zu verärgern, sagen wir es ganz offen: Diese Stimmung beruht zum grössten Teil auf unbegründeten Phantasien. Zwei Hauptvorwürfe haben lange Zeit die Ablehnung von Impfungen genährt und sind trotz aller Dementis im Zuge der Covid-Impfung wieder aufgetaucht: ihr Zusammenhang mit Autismus und Unfälle infolge des Aluminiumgehalts. Das erste Gerücht, das zunächst in Lancet veröffentlicht wurde, wurde später widerlegt und es stellte sich heraus, dass es sich bei demjenigen, der es in Umlauf gebracht hatte, um einen Betrüger handelte. Was das zweite Gerücht betrifft, so stimmt es zwar, dass einigen Impfstoffen Aluminium als Booster zugesetzt wurde und dass dieses Metall in einigen Fällen lokale Reaktionen an der Injektionsstelle ausgelöst hat, doch hat es nie zu schweren Unfällen geführt.

Bei vielen unserer Freunde und Verbündeten herrscht ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber der Wissenschaft im Allgemeinen und der Standard Medizin im Besonderen. Noch einmal: Wir wollen sagen, dass dieses Misstrauen viele legitime Gründe hat. Aber wir brauchen mehr als Honig-Tee, wenn wir ein kritisches Verhältnis zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen unserer Zeit aufbauen wollen – mit anderen Worten: zu der von der kapitalistischen Gesellschaft produzierten Wissenschaft.

Zwei Besonderheiten der Impfstoffe gegen Covid haben die Phantasien besonders beflügelt: die bis dahin tatsächlich noch nie dagewesene Geschwindigkeit, mit der sie entwickelt, zugelassen und auf den Markt gebracht wurden, und die Boten-RNA-Technik. Spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg, der uns die industrielle Herstellung von Penicillin und die Atomkraft bescherte, ist eine Tatsache unumstritten: die Fähigkeit des Kapitalismus, die von ihm verursachten Katastrophen zu nutzen, um in Rekordzeit neue Techniken, die vor dem Kataklysmus im Entstehen begriffen waren, zu entwickeln und zur Massenproduktion zu bringen. Die Markteinführung eines Boten-RNA-Impfstoffs ist zwar eine Neuheit, aber diese Technik, an der seit 30 Jahren geforscht wurde, ist keine Innovation aus dem Nichts. Und wie INSERM berichtet: „Die über den Covid-Impfstoff injizierte RNA hat kein Risiko, unser Genom zu verändern oder an unsere Nachkommen weitergegeben zu werden, da sie in das Zytoplasma der Zellen eindringt, nicht aber in den Zellkern. Diese Tatsache wird durch 30 Jahre allgemeinere Laborforschung zu Nukleinsäureimpfstoffen bestätigt, die bestätigen, dass die RNA-Moleküle des Impfstoffs niemals in den Zellkern gelangen. In diesem Zellkern befindet sich jedoch unser genetisches Material. Selbst nach der Injektion des Impfstoffs enthalten die Zellkerne während der Zellteilung weiterhin nur unsere natürliche menschliche DNA. Ausserdem ist die Injektion lokal und die Zellen, die die RNA, die für das Spike-Protein kodiert, aufnehmen, sind hauptsächlich Immunzellen: Auf keinen Fall gelangt die RNA zu den Zellen der Fortpflanzungsorgane (den Gonaden). Sie kann daher nicht von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden. Schliesslich ist die injizierte fremde RNA instabil und bleibt daher nicht lange im Körper: Sie produziert gerade genug Spike-Protein, um das Immunsystem darauf zu trainieren, bei einer ‘natürlichen’ Infektion mit dem Virus zu reagieren, und wird dann eliminiert.“

Es gibt eine Pharmaindustrie, die kolossal und übermächtig ist. Sie reisst die Forschung an sich und privatisiert sie [10] und weitet ihren Griff auf die klinische Versorgung immer weiter aus. Was sie jährlich für Lobbying ausgibt, muss dem BIP einer Handvoll ganzer Länder entsprechen. Manchmal genügt es, ein Symptom zu einer Krankheit im DSMIV hinzuzufügen, um die Zielgruppe eines Medikaments um das Zehn- oder Hundertfache zu erhöhen und damit auch die Gewinne.

Wir werden uns jedoch hüten, den Begriff „Big Pharma“ zu übernehmen. Nicht nur, weil man ihn systematisch in Mündern mit sehr schlechtem Atem findet – ist das ein Zufall? – sondern weil es eine vereinfachte Sicht der Dinge vermittelt, mit denen wir es zu tun haben, und daher nicht in der Lage ist, die Komplexität, die Dynamik und die Mechanismen zu verstehen. „Big Pharma” ist im Zeitalter der biopolitischen Regierungen das, was der Mythos der zweihundert Familien im 19. Jahrhiundert war. Es gibt ebenso wenig eine geheime Weltregierung wie “Big Pharma”. Was wir vor uns haben, ist eine Koalition von Interessen, die innerhalb einer von ihnen und für sie organisierten Weltordnung und sozialen Organisation operieren und gedeihen. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass das INSERM, wie alle staatlichen Strukturen, nicht vor der allgemeinen Lobbyarbeit der grossen Pharmaunternehmen und dem Einfluss einzelner Pharmaunternehmen sicher ist. Aber gerade weil es sich um eine Koalition von Einzelinteressen und nicht um ein monolithisches Gebilde handelt, kann man damit rechnen, dass es innerhalb des Instituts Widersprüche gibt. Kann man sich vorstellen, dass Johnson&Johnson und Astrazeneca, die Konkurrenten ohne ARN, ihren Rivalen eine intensive Lobbykampagne ersparen würden, um die Bevölkerung zu verängstigen und den gesamten Markt zurückzuerobern, wenn es auch nur den geringsten Verdacht auf schädliche Nebenwirkungen bei ARN gäbe? Und wie ist es unter der allmächtigen Herrschaft von „Big Pharma“ und der schon etwas älteren „Neuen Weltordnung“ zu erklären, dass sich die gesundheitlichen, ideologischen und politischen Strategien von den USA bis Frankreich, von Israel bis Brasilien, von Schweden bis China so radikal unterschieden haben?

Die Covid-Krise hat gezeigt, dass Regierende von ihren Bürgern im Namen ihres biologischen Überlebens grosse Opfer verlangen können. Selbst die Kommunistische Partei Chinas würde trotz ihrer beispiellosen Fähigkeit, ihrer Bevölkerung die Wahrheit aufzuzwingen, nicht riskieren, einen Impfstoff im eigenen Land zu verbreiten, geschweige denn in der übrigen Welt zu verbreiten, wenn sie wüsste, dass er schwere Nebenwirkungen haben könnte.

Die Wahrheit ist gleichzeitig viel einfacher und komplexer. Angesichts der Pandemie, der Tiefe dessen, was sie in Frage stellte, und der Gefahr, die sie plötzlich für die Weltwirtschaft bedeutete, gerieten die Regierenden in Panik. Und genau das, was ihre Lügen Litaneien überdecken sollten, mussten sie, da ihre gesamte Macht auf ihrem Anspruch beruht, zu managen und vorausschauend zu handeln, zumindest anfangs zusammenbasteln. Nicht um Leben zu retten, sondern um ihre Welt der Wirtschaft zu bewahren. Gerade als die Regierungsapparate aller grösseren Weltmächte ihre grösste Legitimationskrise durchlebten, wollten manche darin eine Verschwörung gegen ihre Allmacht sehen. Der Verschwörungstheoretiker liebt Verschwörungen, er braucht sie, denn sonst müsste er Verantwortung übernehmen, mit der Ohnmacht brechen, die Welt als das betrachten, was sie ist, und sich organisieren.

SOLLTE MAN AN DIE WISSENSCHAFT GLAUBEN ODER DOCH LIEBER AN RENARD BUTÉ?

Kennen Sie Renard Buté? Angesichts der 10.000 bis 12.000 Aufrufe, die seine Videos auf YouTube sammeln, seiner 3300 Abonnenten auf Odysee und 8800 auf Facebook ist diese Figur ein Influencer unter vielen in der Anti-Vax-Sphäre. Sein Video mit dem Titel „Widerstand“ wurde von YouTube gelöscht, bleibt aber auf Odysee zugänglich. Andere Videos von ihm sind weiterhin auf YT verfügbar, darunter eines, das die grosse Lüge von den 25.000 Toten durch die Impfung aufgreift. In seinen Produktionen marschieren die Anti-Impf-Gurus Perronne, Fouché, Henrion-Caude, Velot und De Lorgeril auf, die immer wieder dieselben Argumente und Lügen, Verdrehungen und verzerrten Informationen wiederholen, manche (Fouché) mit völlig zutreffenden Überlegungen zur biopolitischen Nutzung des Gesundheitspasses – so wie Trumpisten manchmal genau ins Schwarze treffen, wenn sie die Koalition zwischen Big Tech und den Demokraten anprangern – Die Stärke dieser Leute liegt auch darin, dass sie in dem, was sie erzählen, etwas haben, das Wu Ming als „Kern der Wahrheit“ bezeichnet hat.

Panik dient immer der Macht und den falschen Propheten. In dieser Hinsicht ist das, was wir in den letzten zwei Jahren bis hin zu den sogenannten revolutionären Kräften erlebt haben, erschütternd. Als Reaktion auf die allgemeine und legitime Unsicherheit, die verwirrenden Bedingungen und die neue Situation, also auf eine offene Situation, haben sich tonnenweise verkniffene und überspielte Gewissheiten angesammelt. Alle Polarisierungen der bereits ausgebluteten politischen Milieus wurden in einer noch karikaturistischeren und autistischeren Version ihrer selbst wieder mobilisiert. Man sah Linke, die eine Impfpflicht für Impfverweigerer forderten, Verächter der Biopolitik, die den Direktor einer Universitätsklinik mit Zähnen und Klauen unterstützten, Humanisten, die Anti-Pass-Demonstranten als Untermenschen beschimpften, und Philosophen, die für ihre Weitsicht bekannt waren, die Suppe der erstbesten Scharlatane auslöffeln. Auf die allgemeine Unsicherheit reagierten einige mit einer Politik des Ausweichens. Als sie der ersten Platane ausweichen wollten, fuhren sie in die gegenüberliegende Mauer.

In dem Video „La Résistance“, dessen Titel ohne Scham mit Bildern aus dem Zweiten Weltkrieg, dem Chansons des Partisans zu Beginn und Bella Ciao am Ende illustriert wird, marschieren die oben genannten Anti-Vax-Gurus auf. Renard Buté nennt den Feind im typischen QAnon-Vokabular: Es ist der „tiefe Staat“ und die „Geheimgesellschaften“, er sagt uns, dass der Impfstoff tötet, dass ein Völkermord im Gange ist und dass wir uns mit allen möglichen Mitteln dagegen wehren müssen. Das Video scheint die verschiedenen Anti-Ax-Kapellen von Réinfocovid bis CNTf (eine wahnwitzige Organisation, die Islamophobie, die Forderung nach einem garantierten Einkommen und Permakultur vermischt und für die Rückführung der französischen Truppen eintritt, um … die Grenzen gegen die „Migrationskrise“ und die Vorstädte zu bewachen) vereinen zu wollen, und nach einem Aufruf zur Verbrüderung mit der Armee und der Polizei (ein Lieblingsthema des CNTf) mündet es in einen weiteren Aufruf … zur Gründung einer neuen Bank, die sich in den Händen des Volkes befinden soll. All dies vermischt sich mit Themen, die in den Augen radikaler Gegner des Kapitalismus relevant erscheinen mögen: Autonomie als Lebensprojekt, die Art und Weise, sich zu organisieren und weniger kontrollierbare Demonstrationen abzuhalten, direkte Demokratie … alles Themen und Forderungen, die aus befreundeten Mündern oder sogar aus unseren Mündern kommen könnten. Dass diese Art von Salmigondis ziemlich viele Leute trifft, die Verbündete sein könnten, und dass enge Freunde eventuell Nachsicht mit dieser Art von verrücktem Fuchs haben könnten, scheint uns ein Zeichen für das Ausmass der Erschütterung zu sein, die die Covid-Krise in den Gehirnen ausgelöst hat.

Panik dient immer der Macht und den falschen Propheten. In dieser Hinsicht ist das, was wir in den letzten zwei Jahren bis hin zu den sogenannten revolutionären Kräften erlebt haben, erschütternd. Als Reaktion auf die allgemeine und legitime Unsicherheit, die verwirrenden Bedingungen und die neue Situation, also auf eine offene Situation, haben sich tonnenweise verkniffene und überspielte Gewissheiten angesammelt. Alle Polarisierungen der bereits ausgebluteten politischen Milieus wurden in einer noch karikaturistischeren und autistischeren Version ihrer selbst wieder mobilisiert. Man sah Linke, die eine Impfpflicht für Impfverweigerer forderten, Verächter der Biopolitik, die den Direktor einer Universitätsklinik mit Zähnen und Klauen unterstützten, Humanisten, die Anti-Pass-Demonstranten als Untermenschen beschimpften, und Philosophen, die für ihre Weitsicht bekannt waren, die Suppe der erstbesten Scharlatane auslöffeln. Auf die allgemeine Unsicherheit reagierten einige mit einer Politik des Ausweichens. Als sie der ersten Platane ausweichen wollten, fuhren sie in die gegenüberliegende Mauer.

DIE ANGST, DIE ANGST, DIE ANGST…

Unter den Grabenkämpfen, die in den letzten Monaten in den sozialen Netzwerken stattfanden, drehten sich diejenigen, die sicherlich die meisten Zeigefingerverrenkungen verursacht haben, um die Demonstrationen gegen den Gesundheitspass und/oder Impfungen. Handelt es sich um einen spontanen und populären Ausbruch aufrichtiger Bürger, die diese Massnahme der sozialen Kontrolle ablehnen (alle hatten die Gelbwesten im Kopf), oder hatten wir es mit protofaschistischen, antisemitischen, homophoben und illuminierten Verschwörungstheoretikern zu tun (alle hatten die ‘Demo für alle’ im Kopf)? Wie immer, wenn sie sich von den Ereignissen überfordert fühlt, was häufig vorkommt, hat sich „die Linke“ vor allem darauf konzentriert, gute und schlechte Punkte zu verteilen. Kästchen, schnell und um jeden Preis, damit man den Pöbel hineinsteckt und die moralische Bequemlichkeit, mit der man den Leichnam schon so lange einbalsamiert, schnell wiedererlangen kann.

Die einen sahen Horden von Mini-Bolsonaros, die eine gefakte persönliche Freiheit einforderten, die darin besteht, an alles und jedes zu glauben und sich einen Dreck um die Leichenberge in den Krankenhäusern zu scheren. Die anderen sahen darin einen gesunden Widerwillen gegen biopolitische Kontrolle und abwegige Gesundheitsrationalität, die in erster Linie für die fragliche Epidemie verantwortlich waren. Seltsamerweise schien sich niemand vorzustellen, dass diese Demonstrationen all das zugleich sein und je nach Zeitpunkt und vor allem je nach Stadt, in der sie stattfanden, sehr heterogene Tendenzen enthalten konnten.

Zugegeben, sobald man diese „Bewegung“ als komplex, widersprüchlich” und „schmutzig“ bezeichnet hatte, wurde nicht mehr viel darüber gesagt. Einige Leser reagierten sehr heftig auf die Veröffentlichung eines Artikels auf Lundi Matin über Louis Fouché, einen Arzt und Intensivmediziner aus Marseille, der Didier Raoult, einen Kolibristen und die Hauptfigur der Reinfo-Covid-Bewegung, die in Anti-Ax-Kreisen sehr beliebt ist, unterstützt. Der fragliche Artikel, der einen etwas ermüdenden denunziatorischen Ton anschlug, zählte jedoch lediglich die sehr zahlreichen Verbindungen des fraglichen Fouché mit allen möglichen Figuren der französischen extremen Rechten auf. Indem er seine „naive“ und daher sympathische Ablehnung der Biopolitik auf die alten Trennlinien der klassischen Politik zurückführte, machte sich Lundi Matin zum Komplizen der biopolitischen Gouvernementalität und der Gesundheitsdiktatur…

In diesem Punkt zeichnet sich eine echte Meinungsverschiedenheit ab. Nicht prinzipiell, im Namen eines abstrakten und ideologischen Antifaschismus, der nicht in der Lage ist, wahrzunehmen, was die Menschen bewegt; wir erinnern uns noch gut an all jene, die wochenlang schrien, dass die Gelbwesten rechtsextrem seien, bevor sie diskret ihren Hut herunterschluckten. Die Meinungsverschiedenheit bezieht sich auf die ethische Textur dessen, was diese Bewegung zusammenhält.

In unserer sehr hegelianischen Tradition der Ultralinken neigt man dazu, davon auszugehen, dass alles Negative von Natur aus gut ist. Als ob durch die Magie der Geschichte die Infragestellung der Ordnung der Dinge automatisch und mechanisch die menschliche Gemeinschaft hervorbringen würde, die zu einem höheren Regime der Freiheit bereit ist.

Wenn man sich jedoch mit dem Nebel der Impfgegner beschäftigt, d. h. mit den Influencern und Sprechern, die in den sozialen Netzwerken die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, die Äusserungen und Versammlungen organisieren und aggregieren, stellt man fest, dass die überwältigende Mehrheit seit vielen Jahren in der dümmsten und ranzigsten extremen Rechten gebadet hat. Pensionierte Militärs, wöchentliche Gäste bei Radio Courtoisie, Lobbyisten gegen feministische Gewalt (ja, ja…) – man muss nur eine Stunde damit verbringen, diese selbsternannten Sprecher zu „googlen“, um eine ziemlich genaue Vorstellung davon zu bekommen, in welchen Kreisen sie sich tummeln. Sicherlich könnte man grossmütig sein und versuchen, sich vorzustellen, dass die Covid-Epidemie solche Abschaum in grosszügige revolutionäre Genossen verwandelt hat, aber wie kann man sich erklären, dass die einzigen Resonanzkörper, die ihre alternativen Theorien über das Virus und die Epidemie finden, Egalité et Réconciliation, Sud Radio, France Soir, Florian Phillipot, und so weiter und so weiter sind? Wenn man sich über formale Aussagen einigen kann, stösst man sehr schnell auf einen grundlegenden, d. h. ethischen Punkt: die Art und Weise, wie man von einer Situation betroffen ist, und die Art und Weise, wie man sich in ihr bewegt. In diesem Fall ist das, was all diese Anti-Macron-„Rebellen“ so kompatibel mit dem faschistischen Mief macht, der paranoide Affekt der Angst, den sie mit sich herumtragen und verbreiten und der – wenig überraschend – mit einer langen antisemitischen, fremdenfeindlichen usw. Tradition absolut in Einklang steht.

Und hier ist ein enormer qualitativer Unterschied zur Gelbwesten-Bewegung festzustellen. Diese gingen von einer erprobten und geteilten Wahrheit aus: ihrer materiellen Realität, die als Demütigung erlebt wurde. Indem sie sich in den sozialen Netzwerken und später auf der Strasse zusammenfanden, konnten sie dieses Gefühl der Scham in Stärke und Mut umwandeln. Das Herzstück der Anti-Vax-Bewegung ist ein ganz anderer emotionaler Ursprung, nämlich die Angst, die sich über Monate hinweg verbreitet hat. Die Angst, sich anzustecken, die Angst, krank zu werden, die Angst, nichts mehr zu verstehen; dass sich diese Angst vor dem Virus in Angst vor der Welt und dann vor dem Impfstoff verwandelt, ist letztlich nicht überraschend [11].

Aber wir müssen diesen besonderen Affekt und die Art und Weise, wie sie Körper und Geist dirigiert, ernst nehmen. Man orientiert sich nicht an der Angst, man flieht vor einer entgegengesetzten und vermeintlichen Gefahr, auch auf die Gefahr hin, dem nächsten Scharlatan oder selbsternannten Retter in die Arme zu fallen. Man braucht sich nur die drei wichtigsten alternativen Vorschläge anzusehen, die die Anti-Ax-Galaxie vereinen: Didier Raoult und Hydroxychloroquin, Louis Fouché und die Stärkung des Immunsystems, Ivermectin und der angebliche Skandal um seine präventive Wirksamkeit. Die Gemeinsamkeit dieser drei Varianten und der Grund für die Begeisterung, die sie hervorrufen, ist, dass sie versprechen, dem Virus zu entkommen oder davon zu heilen. Alle sagen genau das Gleiche: „Wenn ihr an mich glaubt, werdet ihr nicht krank, ich werde euch heilen, ihr werdet überleben.“ Wort für Wort das biopolitische Wort der Regierung, in seinem Moll.

Die Gesundheitspolitik der Regierung und ihre Opposition entspringen denselben inneren Triebfedern und rufen genau dieselben Legitimationslogiken auf den Plan. Es ist kein Zufall, dass – Francis Lalanne beiseite gelassen – die wichtigsten Figuren der Anti-Vax-Bewegung Wissenschaftler sind oder sich als Experten ausgeben. Provax und Anti-Vax, Verschwörungstheoretiker und Antikomplotisten – diese Kopplungen bilden ein System und suspendieren die doch entscheidende Frage nach einem gemeinsamen und kommunistischen Verhältnis zur Gesundheit, nach einem Ausweg aus der Biopolitik.

Weil die Macht noch nie so technokratisch, bleich und unmenschlich war, haben manche Menschen ein offenes Ohr für die ersten Scharlatane, die ihnen das Lied vom „Lebendigen“ vorsingen. Aber die Spirale ist bösartig und wenn man einmal auf einen Schwindel hereingefallen ist, nur weil er vorgibt, sich gegen die Regierung zu stellen, hat man keine andere Wahl mehr, als sich darin zu verfangen und daran zu glauben. In einer Diskussion an einem Lundi Matin Abend (regelmässige öffentliche Diskussionsrunden der Zeitung, d.Ü.) machte jemand aus dem Publikum ein paar unfeine Witze über Anti-Vaxler, die an Steinen lecken, um sich von Krebs zu heilen, was offenbar einige Empfindlichkeiten hervorrief. Das Problem in diesem Fall ist, dass der Witz nur in seiner sicherlich missbräuchlichen Verallgemeinerung karikaturistisch war. Es ist nicht weniger wahr, dass Olivier Soulier, Mitbegründer von Réinfocovid, versichert, Autismus und Multiple Sklerose mit Meditationskursen und Homöopathie zu heilen, und dass dasselbe Netzwerk unglücklichen reuigen Impfgegnern Heilmittel auf Kohlebasis zur „Ent-Impfung“ anbietet.

Ein anderer Name, ein anderer Star: Jean-Dominique Michel, der als einer der grössten Gesundheitsexperten der Welt bezeichnet wird und sich ab April 2020 mit zwei Videos auf YouTube ins Rampenlicht katapultiert, in denen er die Bedeutung und Schwere der Epidemie relativiert, Raoult und sein Elixier unterstützt und die kommende Gesundheitsdiktatur anprangert. Er ist Neurocoach, der Neurowisdom 101-Sitzungen verkauft, und Ehrenmitglied der Zeitschrift Inexploré, die versichert, Krebs zu heilen, indem man reines Wasser aus einer der 2000 wundersamen Quellen trinkt, in denen die Geister der Toten regelmässig auftauchen, um die Krankheit abzuwehren. Inzwischen wurde bekannt, dass er keinen der angeblichen Abschlüsse besitzt und bis dahin im Schweizer Fernsehen durch seine Expertise in Sachen Fussball und Panini-Sammelkarten aufgefallen war. Seine „Expertisen“ wurden von Millionen von Menschen, darunter auch Freunden, geteilt und er ist nun im unabhängigen wissenschaftlichen Rat tätig, dem Rückgrat von Réinfocovid, der ersten Informationsquelle der Anti-Vax-Bewegung. Diese Beispiele könnten lustig und kitschig klingen, wenn sie isoliert wären, aber das sind sie nicht.

Es geht hier nicht darum, schlechte Punkte zu verteilen, sondern zu akzeptieren, dass Affekte nicht neutral sind. Angst ist nicht kommunistisch, sie weckt das Misstrauen aller gegenüber allen und bereitet die Reaktion vor. Das ist übrigens der Punkt, von dem wir ausgehen müssen, von dem, was uns verbindet, statt von dem, was uns erstarren lässt.

Historisch gesehen bestand die Strenge, Korrektheit und politische Aufrichtigkeit unserer Partei – und das, was ihr Fortbestehen ausmacht – darin, dass sie sich immer geweigert hat, sich mit Lügnern und Manipulatoren jeglicher Couleur einzulassen, dass sie an einer bestimmten Vorstellung von W ahrheit festgehalten hat, gegen alle entlarvenden Lügen und gegen alle entlarvenden Lügen. Dass das Chaos der Zeit uns verwirrt, ist eine Sache, dass es rechtfertigt, dass wir jegliche Orientierung verlieren und uns kopfüber in Bündnisse der Umstände stürzen, eine andere. Es gibt keinen Grund, gegenüber der Macht nachgiebiger zu sein als gegenüber ihren falschen Kritikern.

WAS SOLLEN WIR MIT DER WISSENSCHAFT MACHEN?

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Wir, die wir weder den Gesundheitsdespotismus einer Regierung wollen, die die Beschränkungen unserer Freiheiten im Verteidigungsrat verordnet (d. h. genau in der Form des Antiterror-Notstands), noch die digital gedopten Wahnvorstellungen der Anti-Vax-Aktivisten, müssen uns die Frage stellen: Was sollen wir mit der Wissenschaft und insbesondere mit der medizinischen Wissenschaft machen? Um diese Frage zu beantworten, wird man sicherlich nicht auf die Kritik an der Technowissenschaft verzichten können, wie sie sich seit den 1970er Jahren mit Ellul, Charbonneau, Castoriadis, Illich… entwickelt hat.

Es gibt zwar durchaus wissenschaftliches Wissen, aber es gibt nicht „die Wissenschaft“ als rationale, objektive und homogene Argumentationsweise. Die Wissenschaft und darüber hinaus der fortgeschrittene Kapitalismus sind Teil einer bestimmten Vorstellung von der Welt und dem Leben. Durch die Instrumentalisierung der Wissenschaft gestalten die technisch-produktiven Kräfte unseren Alltag in Echtzeit neu.

Wir werden nicht so schnell vergessen, dass es gerade die Vermessung der Welt, ihre spezifisch wissenschaftliche Kompartimentierung, ihre Objektivierung jedes einzelnen Elements der Welt war, die uns schliesslich zu Dingen gemacht hat, die zur Verwaltung bereitstehen. Denn genau an dieser Stelle stecken wir fest: Erfindungsreichtum, Forschung, Pflege, Experimente – all diese Merkmale der lebendigen Welt – wurden von der Welt der Wirtschaft kolonisiert, überrollt, neu konfiguriert und kalibriert. Für alles, was nicht in dieses Raster passt, für alle Versuche, eine andere Beziehung zur Welt herzustellen, hat man eine „Alternative“ gelassen: Kirschstängel gegen Krebs, Meditation, um die Arbeitskollegen zu ertragen, fluoreszierende UFOs, um weiterhin die Sterne zu betrachten. Es gibt einen ganzen Markt, lukrativ und emotional, der bereit ist, diejenigen aufzunehmen, die die Entzauberung der Welt ausbluten lässt.

Die Dominanz einer zunehmend autonomen technischen Entwicklung innerhalb der Wissenschaften, die technische Hybris, technokratische Arroganz und kurzfristige Rentabilität vereint, hat vielleicht ihre spektakulärste Illustration seit der Atombombe in einem Labor in Wuhan gefunden – ein amerikanisch-chinesisches Joint Venture, zu dem Frankreich einen kleinen Beitrag geleistet hat. Wir wissen, dass die wissenschaftliche Beziehung zur Welt nicht von ihren Produktionsbedingungen – den kapitalistischen, um es kurz zu machen – zu trennen ist. Wir wissen, dass andere Wege der Erkenntnis möglich sind, die das Imaginäre stärker ins Spiel bringen [12].

Aber nur weil „die Wissenschaft“ sich in ständiger Spannung zur Macht entwickelt und die technische und produktive Herrschaft nährt, heisst das nicht, dass dies ihre Fähigkeit zur Verifikation auslöscht. Sie ist nur einer von vielen Zugängen zur Wirklichkeit.

Genauso wie man gegen Atomkraft sein kann, sich bewusst ist, dass die Elektrizität in Frankreich zu 74% aus Atomkraft besteht, und trotzdem Strom nutzt, kann man sich der Verzerrungen bewusst sein, die das medizinische Wissen beeinflussen [13] und der Ansicht sein, dass es nicht unwürdig ist, bei Krebs nicht wie Illich zu sterben, sondern sich, wie es bei einem der Unterzeichner der Fall war, mit Hilfe eines High-Tech-Roboters operieren zu lassen. Bis wir eine andere Gesellschaft aufbauen, die möglichst vielen Menschen eine echte Kontrolle über die Produktion von Wissen gibt, sind wir dazu verurteilt, unser kritisches Verhältnis zum instituierten Wissen zu pflegen und zu gestalten. Dabei können wir uns von einigen Ideen leiten lassen, die sich in emanzipatorischen Kämpfen bewährt haben. Zum Beispiel diese: Überall, wo es instituierte Mächte gibt, gibt es Verschwörungen, Verschwörungen haben noch nie Geschichte gemacht, und sie erklären nie das Wesentliche dessen, was in einer Epoche gespielt wird.

DIE WIRKLICH GROSSE VERSCHWÖRUNG

Ja, Verschwörungsfreund, du hast Recht: Von der Ankündigung der Covid-Epidemie bis zu ihrer Ankunft in Frankreich im Frühjahr 2020 und dann während der gesamten Zeit ihres Managements gab es tatsächlich eine grosse Verschwörung. Nur dass es nicht die ist, die du dir ausdenkst, und dass sie in Wirklichkeit nichts Neues war: Die grosse Verschwörung fand öffentlich vor unseren Augen statt, seit, sagen wir, fünf Jahrhunderten. Wir machen uns hier die Definition zu eigen, die Jacques Fradin in seinem ausgezeichneten Artikel so beschrieben hat:

“Die Virusepidemie (von 2020) ist die Folge der wirtschaftlichen Überschwemmung, Kolonisierung, Raubbau, Extraktion, Ausbeutung, Konsum, Erleichterungen, Bequemlichkeit. Nun ist diese Überschwemmung das Ergebnis einer „Verschwörung“, der Verschwörung der Ökonomen, von der Sekte bis zur Kirche, von den räuberischen extraktivistischen Unternehmen bis zu den Finanzen der contrôle général, einer Verschwörung zur Einführung des „wirtschaftlichen Totalitarismus“, einer Verschwörung, um den erregten und wackeligen Kapitalismus „zur Idee“ zu bringen, einer Verschwörung, um einen erratischen und katastrophalen Pfad, den des Kolonialkapitalismus der kahlgeschlagenen Erde, reflexiv (und spirituell) zu gestalten. Verschwörung, um aus dem Kapitalismus der Vandalen die Wirtschaft im Dienste der Menschheit zu machen. Die invasive Epidemie wird also durch eine Verschwörung ‘verursacht’, durch einen ‘Hauch’, den der Ökonomisierung, die Wirtschaft muss entwickelt werden, durch die Förderung der ‘Idee des Kapitalismus’, der Spiritualisierung einer historischen Bewegung, die sich ihrer selbst nicht bewusst ist und die ohne diese Spiritualisierung ein einfacher Piratenhafen geblieben wäre.”

Die Regierung hat gut gelogen, über die Masken, über die Risiken, über die zu ergreifenden Massnahmen und ihre zahllosen Ausnahmen. Sie hat manövriert, im Geheimen beraten, abwegige Gesundheitsmassnahmen durchgesetzt und eine Kriegspolitik gegen die eigene Bevölkerung betrieben. Nur dass sie das alles zum eigenen Wohl tat. Das Wohl der Regierenden und der Regierten. Was die Virusepidemie ans Licht gebracht hat, ist nicht die Existenz einer oder mehrerer Verschwörungen, sondern die Verschwörung des Kapitalismus, der Wirtschaft. Der gemeinsame und religiöse Atem einer Weltordnung, die keine andere Logik als die ihre duldet, keine Existenz, die von ihrem Glauben abweicht. Sicherlich gab es unterschiedliche Strategien, Macrons Keynesianismus, Bolsonaros Libertarismus, Chinas totalitäre Kontrolle. Aber überall ging es darum, auf denselben Imperativ zu reagieren: Wie kann man den Menschenbestand bewahren oder erhalten? Wie kann man sicherstellen, dass er gefügig bleibt und seine Produktivität bewahrt wird?

Die Linke und die zahlreichen Verschwörungstheorien konnten noch so sehr ihre Partituren spielen und sich hysterisieren (wobei die männliche Hysterie die schlimmste ist, da sind wir uns einig), indem sie eine Lüge oder einen Widerspruch anprangerten – die Regierung, die für die einen nie genug tat, tat für die anderen immer zu viel -, man muss feststellen, dass ihre Politik im Wesentlichen von einer blendenden Kohärenz geprägt war. Jede Entscheidung, die oberflächlich betrachtet widersprüchlich erscheinen mochte, jedes mehr oder weniger verlogene Wort war Teil ein und derselben Logik, die sich in zwei Befehlen zusammenfassen lässt: dass die Körper am Arbeitsplatz bleiben oder für die Wiederaufnahme der Arbeit zur Verfügung stehen, dass die Unsicherheit nicht in eine Glaubenskrise an die Wirtschaftsordnung mündet. Je nach Zeitpunkt und Ziel musste man beruhigen und Angst machen, schützen und dem Risiko aussetzen. Mehr als je zuvor fiel die Macht mit der Wirtschaft zusammen, sie passte sich den Orten, Körpern und Köpfen an, nutzte Gelegenheiten und verstand es, sich schnell und fliessend neu zu organisieren.

Dass bestimmte Teile des Kapitalismus die Krise ausgenutzt haben, um ihren Einfluss zu festigen oder zu beschleunigen, ist offensichtlich. Die Dominanz der GAFAM und die damit einhergehende Neugestaltung unseres Lebens werden sogar in den Nachrichten von France 2 thematisiert. Wenn die Besonderheit des Verschwörungstheoretikers darin besteht, dass es ihm nie gelungen ist, auch nur zufällig eine Verschwörung aufzudecken, dann stellt er sich eine lächerliche und veraltete Form der Macht vor. Es ist übrigens weniger ein falscher Glaube als eine Methode, die zum Scheitern verurteilt ist. Das Besondere an der heutigen Macht ist, dass sie sich so weit ausgedehnt, vertieft und verstreut hat, dass sie nicht unerreichbar erscheint – sie klebt uns am Hintern -, sondern schwer fassbar. Der neurotische Versuch, die bösartigen Absichten bösartiger Subjekte aufzuspüren, ist nur eine Bestätigung unserer Ohnmacht, eine andere Realität hervorzubringen als die, die uns umklammert und in der wir ersticken. Die Flut steigt und man bemüht sich hartnäckig, eine bestimmte Welle anzuprangern.

Alle Mächte verschwören sich, das ist ihr Markenzeichen. Aber wenn man zum Regieren lügen, verbergen und bestimmte geheime Manöver bis zum Ende durchziehen muss, dann muss man von den Regierten genau das Gegenteil verlangen: Transparenz, offene Gesichter, erklärte Interessen, kalkuliertes und berechenbares Verhalten. Macron entscheidet über Gesundheitsmassnahmen in der geschlossenen Sitzung seines Verteidigungsrates, während wir unseren Impfpass und unsere Identität überprüfen lassen müssen, um einen Kaffee trinken zu gehen.

Der Anti-Complotist begeht grundsätzlich denselben Fehler. Er spürt den falschen Schritt des Verschwörungstheoretikers auf, seinen Fehler, seine Lüge. Er versucht zu beweisen, was an dessen Argumentation psychologisch falsch ist. Für beide gilt: „Man tut es nicht“. Für beide ist das Gefühl der Ohnmacht angesichts des Zusammenbruchs der Welt ein billiger Trost: „Ich weiss etwas, was du nicht weisst“. Der Verschwörungstheoretiker denunziert den schlechten Herrscher, der Anti Komplotist den schlechten Beherrschten.

Alle Mächte verschwören sich, das ist ihr Markenzeichen. Aber wenn man zum Regieren lügen, verbergen und bestimmte geheime Manöver bis zum Ende durchziehen muss, dann muss man von den Regierten genau das Gegenteil verlangen: Transparenz, offene Gesichter, erklärte Interessen, kalkuliertes und berechenbares Verhalten. Macron entscheidet über Gesundheitsmassnahmen in der geschlossenen Sitzung seines Verteidigungsrates, während wir unseren Impfpass und unsere Identität überprüfen lassen müssen, um einen Kaffee trinken zu gehen.

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Die politischen und intellektuellen Eliten hassen den Verschwörungstheoretiker nicht deshalb so sehr, weil er die Gesundheit seiner Mitbürger durch Fehlinformationen oder Egoismus gefährden würde, sondern weil er nicht mehr an die demokratische Fiktion glaubt. Das ist übrigens der Grund, warum uns der Verschwörungstheoretiker berührt: Er will denjenigen, die ihn regieren, nicht mehr glauben, er kann es nicht einmal mehr, selbst wenn er alles andere glauben würde. Seine Gedanken werden mysteriös, seine Netzwerke undurchsichtig, er ist nicht mehr der homo oeconomicus, der seine Affekte, Ideen und Handlungen einzig und allein mit dem Ziel verwaltet, seinen Wert und damit seine Gewinne auf dem grossen Markt des sozialen Lebens zu maximieren. Daher gibt es nur noch zwei Möglichkeiten für diejenigen, die unvernünftig sind: sie mit Gewalt und Zwang auf den rechten Weg zu bringen oder sie als abschreckende Figur zu benutzen, um andere besser regieren zu können. Macron ist sich selbst treu geblieben und hat sich für das „en-même temps“ entschieden.

GENAU AN DIESER STELLE HABEN WIR BEGONNEN, DAS SPIEL ZU VERLIEREN

Der Feind, letztendlich, sind niemals Menschen und ihre Machenschaften, denn alle, Regierende und Regierte, sind in sozialen Beziehungen gefangen, die sie, je nach ihrem Platz in der Hierarchie der Herrschaft, nutzen, denen aber letztendlich alle dienen. Der ultimative Feind ist ein gesellschaftliches Verhältnis, die Ausbeutung: Ausbeutung des Menschen durch den Menschen – oder vielmehr der Menschen, insbesondere der menschlichen, durch andere Menschen, und die Ausbeutung des Nicht-Menschlichen (der „Natur“) durch die Menschen.

Seit mindestens 40 Jahren, so wurde oft festgestellt, bieten die verschiedenen Formen von „Krisen“, mit denen wir konfrontiert sind, den Regierungen Gelegenheiten für Neu Konfigurationen und Raffinessen. Der Kapitalismus versteht es in seiner Plastizität perfekt, sich anzupassen und die verschiedenen systemischen Anomalien zu verdauen, unabhängig davon, ob er sie verursacht oder zunächst erleidet. Es ist kein Zufall, dass ihre derzeit fortschrittlichsten und raffiniertesten Formen das Management und die Kybernetik sind (die natürlich ihre früheren Formen der brutalen Aneignung, der kolonialen Zerstörung und der 50 Schattierungen der Ausbeutung nicht ausschliessen). Das Neue an dieser „Covid-Krise“ war jedoch nicht nur ihr globales Ausmass, ihre schnelle Ausbreitung und das Ausmass des Risikos, das plötzlich Milliarden von Menschen betraf. Was wir zugegebenermassen mit ansehen mussten, war, dass der gesamte globale Regierungsapparat zur gleichen Zeit ins Wanken geriet. Nicht wegen seiner momentanen Schwierigkeiten, die Situation zu bewältigen, sondern wegen der Tiefe der Wahrheit, die das Sars-Cov2 enthielt: Die gesamte Organisation des Kapitalismus, der Wirtschaft und des Regierungssystems, auf der unsere Existenz und unser Überleben beruhen, ist auf der Ebene der Spezies Selbstmord. Jeder erinnert sich an Emmanuel Macrons erste Ansprache und seine zahlreichen Kriegserklärungen an einen unsichtbaren Feind. Der Grund, warum man sich nicht so sehr darüber lustig gemacht hat, ist, dass wir alle verstanden haben, dass dieser Krieg nur gegen uns selbst geführt werden kann. In der gleichen Erklärung, die vergessen wurde, musste der Staatschef selbst zugeben, dass dieses winzige Virus unsere gesamte westliche und kapitalistische Lebens- und Produktionsweise in Frage stellte.

Genau hier liegt also das eigentliche Ereignis dieser Syndemie. Nicht in den Kontrollmechanismen, die ausgebaut und perfektioniert wurden, nicht in der gesundheitlichen und disziplinarischen Bevormundung von Milliarden von Menschen – all das sind Kontinuitäten und Neugründungen -, sondern in dieser erschütternden, absetzenden und ersten Wahrheit: Die Welt, d. h. diese Welt, muss demontiert werden.

Als die Regierung ihre Panik und ihre Unfähigkeit, ihre grundlegende und spirituelle Funktion, nämlich vorausschauend zu handeln, so mühsam kaschierte, hörte man einige Linke und sogar Anarchisten gackern: Wenn das alles passiert, dann haben sie es so gewollt oder beschlossen. Es ist eine grausame Ironie, dass der Staat selbst dann, wenn er sich in einer schwierigen Lage befindet und nur mit grösster Mühe regieren kann, auf seine treuen Verächter zählen kann, die in ihm seine Allmacht erkennen und sich als raffiniert empfinden.

Wenn die Welt der Wirtschaft hält und dominiert, dann deshalb, weil ihre komplexe Organisation und Apparatur mit einem fast metaphysischen Glauben an ihre Positivität gepaart ist. Es ist nicht nur die Infrastruktur, die ins Wanken geraten ist, sondern auch der Glaube, der zerbröckelt ist.

Genau an diesem Punkt begannen wir, das Spiel zu verlieren. Während der Virus das offensichtliche Versagen unserer Zivilisation in ihren Grundfesten offenbarte, liessen wir uns auf die Ebene des Managements zurückziehen, ob gut oder schlecht, weniger schlimm oder katastrophal. In dem Moment, in dem unsere Vorstellung vom Leben in die Enge getrieben wurde und neu überdacht und erfunden werden musste, kritisierten wir die Politiker. Als die Regierung ihre Panik und ihre Unfähigkeit, ihre grundlegende und spirituelle Funktion, nämlich vorausschauend zu handeln, so mühsam kaschierte, hörte man einige Linke und sogar Anarchisten gackern: Wenn das alles passiert, dann haben sie es so gewollt oder beschlossen. Es ist eine grausame Ironie, dass der Staat selbst dann, wenn er sich in einer schwierigen Lage befindet und nur mit grösster Mühe regieren kann, auf seine treuen Verächter zählen kann, die in ihm seine Allmacht erkennen und sich als raffiniert empfinden.

Das erste Ziel einer jeden Regierung in Krisenzeiten ist es, Machtkämpfe, Opportunismus und Stümperei als methodische, kontrollierte und rationale Planung erscheinen zu lassen. Dabei findet sie keinen besseren Verbündeten als ihre verschwörerische Kritik, die immer da ist, um ihre omnipotenten Manöver zu erahnen und ihre volle Macht vorwegzunehmen. In diesem Sinne braucht der Regierende den Verschwörungstheoretiker, er schmeichelt ihm.

Aus einer destituierenden Perspektive, d. h. aus der Sicht derjenigen, die keine andere Rettung sehen als das Ende der Welt der Wirtschaft, ihrer tödlichen Religion und ihrer zerstörerischen Infrastruktur, erinnert die Solidarität, die zwischen Regierung und Verschwörungstheorie geknüpft wurde, an die historische Rolle der Linken: Ablenkung und Sicherung. Anstatt von der aufsehenerregenden Wahrheit auszugehen, die dieser mikroskopisch kleine Virus enthüllte, haben wir uns auf einen Kommentar zur Verwaltung beschränkt. Der Staat hat sich nur gehalten, weil wir nicht die Mittel gefunden haben, um nicht mehr an ihn zu glauben.

Die Anti-Vax-Galaxie und ihre Nähe zu den Faschos sind deshalb so wichtig, weil sie ein Klotz am Bein ist, der verhindert, dass die Bewegung gegen den Gesundheitsdespotismus in Gang kommt. Denn diese hätte zweifellos ein viel höheres Niveau erreichen können, und zwar über die Grenzen hinweg, indem sie zum Beispiel die Bereitstellung der Techniken zur Herstellung des Impfstoffs gefordert hätte [14].

Das Patent ist eine Fiktion. Es enthält die RNA-Sequenz, die nach der Sequenzierung des Impfstoffs durch Amateure nach zwei Tagen veröffentlicht wurde. Um ihn herzustellen, kommt es auf die Technik an. Wie man den kurzen Strang einkapselt. Und das ist im Patent nicht vermerkt. Wenn die Hauptsorge der Regierenden unsere Gesundheit gewesen wäre, hätten sie dafür gesorgt, dass das Angebot an Impfstoffen auf jeden Fall überall gleich ist, denn wie die aufeinanderfolgenden Wellen zeigen, wird, solange der arme Süden davon ausgeschlossen ist, niemals ein ausreichender Schutz gegen SARS CoV-2 auf der einzig wirklich wirksamen Ebene erreicht werden: der Ebene des Planeten. Der Kampf gegen die private Aneignung der Gesundheitspolitik und für ihre kollektive Übernahme durch die Basis wäre – das Paradoxon ist nur scheinbar – die einzige konsequente Art gewesen, unsere Solidarität mit den 80% der Russen zu bekunden, die lieber falsche Gesundheitspässe benutzen, als dem Staat Putin zu vertrauen, und noch mehr mit der grossartigen Bewegung in Guadeloupe, die erneut zum Angriff auf die Pwofitasyon ansetzt.

Der Affekt der Angst dominiert und zwingt seine Worte und seine Zeit auf, es ist das Schlachtfeld, das es zu verlassen gilt. Wir müssen von einer bestimmten Idee des Lebens ausgehen, von dem, was es an Irreduziblen enthält, und uns von dort aus verschwören, um gemeinsam Luft zu schnappen. Die Hindernisse aus dem Weg räumen, die Gespenster wegfegen. Francis Lalanne, Emmanuel Macron, Didier Raoult, Olivier Véran, es beenden; und ausgehend von unseren Erfahrungen und denen Tausender Ärzte und Pflegekräfte [15].

Es geht darum, dass wir lernen, für uns selbst zu sorgen. Von dort aus und nur dort werden wir in Zeiten einer Pandemie den Atem und die Kraft finden, zum Angriff überzugehen, um dieser krankmachenden Gesellschaft ein Ende zu bereiten. Wie können wir eine Offensive aufbauen, die falsche Gegensätze und falsche Dilemmas überwindet? Dies könnte Gegenstand eines zukünftigen Textes sein.

Serge Quadruppani & Jérôme Floch

Erschienen in Lundi Matin #321 am 10. Januar 2022, wir sehen woanders sind die Diskussionen schon weiter als hier. Und wie so häufig gilt, wir müssen nicht alles teilen, was wir übersetzen, teilen aber gerne die Ideen. Die eine oder andere Grobheit unserer Übersetzungsarbeit bitten wir uns nachzusehen. Sunzi Bingfa

Fussnoten:

[1] Es wird geschätzt, dass 9% der französischen Bevölkerung ab 20 Jahren nicht geimpft sind. Wenn der Impfstoff nicht funktionieren würde, dürften die Ungeimpften statistisch gesehen nicht mehr als 9% der Todesfälle ausmachen. Derzeit machen sie jedoch 38% der Todesfälle, 41% der konventionellen Krankenhauseinweisungen und 52% auf den Intensivstationen aus. In der Woche vom 13. bis 19. Dezember wurden von 1 Million Geimpften durchschnittlich 1,5 Personen pro Tag auf die Intensivstation eingeliefert. Von 1 Million Ungeimpften wurden 26 Personen auf die Intensivstation eingeliefert. (Info zusammengefasst von PKD).

[2] https://www.liberation.fr/environnement/pollution/total-a-nie-pendant-40-ans-la-menace-du-changement-climatique-et-tente-dinfluencer-lopinion-

https://www.lemonde.fr/planete/article/2019/05/08/enquete-sur-la-science-sous-influence-des-millions-de-coca-cola_5459509_3244.html?utm_source=pocket_mylist

https://www.lemonde.fr/planete/article/2021/11/16/glyphosate-l-expertise-europeenne-a-exclu-de-son-analyse-l-essentiel-de-la-litterature-scientifique_6102224_3244.html

[3] Vgl. Jamie Lincoln Kitman, L’Histoire secrète du plomb, Allia, 2005.

[4] Ein Freund weist zu Recht darauf hin, dass in Frankreich die Stellungnahme des ‚wissenschaftlichen Rates‘ von der Regierung nur bis Juni 2020 berücksichtigt wurde. Danach war es der Verteidigungsrat, der heimlich bei Gesundheitsentscheidungen schlichtete und dabei die wissenschaftlichen Empfehlungen nach Belieben instrumentalisierte. Die industriefeindlichen Ideologien, die darauf bestehen, dass politische Macht und „Szientismus“ perfekt zusammenfallen, verstellen sich den Blick auf eine viel komplexere Beziehung. Im konkreten Fall wurde die Wissenschaft aus den Entscheidungsgremien verdrängt, weil sie sich regelmässig gegen die staatliche Gesundheitspolitik stellte.

[5] vgl. S. Q., La politique de la peur, Le Seuil/Coll. Non Conforme, 2011.

[6] Vgl. auch: „Coronavirus: Forscher auf der Spur eines Laborunfalls“, L’Obs (online), 13-14 April 2021, sowie in Le Monde (20. Mai 2021, online) „Origine du SARS CoV-2: un an et demi après, plus de questions que de réponses“ (Ursprung von SARS CoV-2: eineinhalb Jahre später, mehr Fragen als Antworten).

[7] Im schlimmsten Fall gibt es nie ein Ende, da man fast vergessen könnte, dass sich die Militär Labore auf den bakteriologischen Krieg vorbereiten. Mit erschreckenden Modellen, insbesondere mit extrem virulenten Pockenstämmen…

[8] Über die Figur von Grothendiek, einem der grössten Mathematiker des 20. Jahrhunderts, der die wissenschaftliche Karriere aufgab, um sich einer radikalen Ökologie zu widmen, lesen Sie mit Gewinn: https://sniadecki.wordpress.com/2012/05/20/grothendieck-recherche/?utm_source=pocket_mylist.

[9] Dieser Text wurde zeitgleich mit der Co-Übersetzung von Wu Mings Buch La Q di Qomplotto, (erscheint 2022 bei Lux Editeur) geschrieben, aus dem ich nicht widerstehen kann, eine lange Passage zu zitieren, die dokumentiert, was in diesem Absatz behauptet wird: „Die beliebteste und langlebigste medizinische Verschwörungsfantasie war die über Impfstoffe als Ursache für Autismus. Sie stammte aus den 1990er Jahren und hatte sich seither in einem Mündungsgebiet von Varianten und Nebengeschichten ausgebreitet.

Die Idee eines kausalen Zusammenhangs zwischen dem MPR-Impfstoff (gegen Masern, Mumps und Röteln) und der Zunahme von Autismus war durch die Veröffentlichung einer Studie im Februar 1998 in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet bekannt geworden. Hauptautor der Studie war Andrew Wakefield, Gastroenterologe, Leber-Galle-Chirurg und Professor am University College London (UCL). Wakefiel und sein Team schlugen einen Zusammenhang zwischen Impfungen und einem angeblichen Darmsyndrom vor, das Wakefiel später als „autistische Enterokolitis“ bezeichnete. In den folgenden Jahren wurde die Studie nicht nur als fehlerhaft, sondern auch als betrügerisch eingestuft: falsche Auswahl der Patienten, absichtlich verzerrte Ergebnisse und Interessenkonflikte im Vorfeld.

Wakefield hatte 435.000 Pfund von einem Anwalt für Zivilrecht, Richard Barr, erhalten. Barr bereitete eine Klage gegen die Hersteller des MPR-Impfstoffs vor und benötigte wissenschaftliche Belege für seinen Fall, weshalb er Wakefield die Namen einiger Kinder seiner Klienten zur Untersuchung gab. Der Gastroenterologe hatte niemanden, nicht einmal sein eigenes Team, über Barrs Rolle und die Transaktion informiert. Auch die Redaktion von Lancet war im Unklaren gelassen worden.

Ein weiterer Fall wurde aufgedeckt: 1997 hatte Wakefield ein Patent für einen Masernimpfstoff angemeldet, der mit dem Impfstoff konkurrierte, den seine Studie „inkriminiert“ hatte. Nach dieser Reihe von Enthüllungen hatten sich zehn der elf Mitautoren öffentlich von der Studie distanziert. Am 2. Februar zog The Lancet die Studie offiziell zurück und löschte sie aus dem Online-Archiv. Kurz darauf wurde Wakefield aus der britischen Ärztekammer ausgeschlossen. All dies hatte seine erste Karriere beendet und den Startschuss für seine zweite gegeben. Der ehemalige Arzt hatte sich zum „wissenschaftlichen Helden“ umgeschult, der den Mächten der Pharmaindustrie zum Opfer fiel, indem er sich an die Spitze dessen setzte, was mittlerweile zu einer internationalen Bewegung geworden war. […] Das in den Impfstoffen enthaltene Aluminiumhydroxid hatte eine adjuvante Funktion, es diente der Stärkung der Immunabwehr. Die Studien bestätigten seine Sicherheit, aber die Anti-Ax-Bewegung brachte dies mit anderen Forschungsergebnissen in Verbindung, in denen eine abnormale Menge an Aluminium im Gehirngewebe von autistischen Personen festgestellt wurde. Wenn man – rein hypothetisch – annimmt, dass Aluminium etwas damit zu tun hat, war das Metall überall zu finden: in der Luft, im Wasser, in Lebensmitteln, in der Muttermilch, oft in Mengen, die um verschiedene Grössenordnungen höher waren als die im Impfstoff gefundenen. Allein durch das Leben in der Stadt konnte ein Kind pro Jahr ein bis zehn Milligramm Aluminium einatmen, also das Zehnfache der Menge, die in den meisten Impfstoffen auf einmal enthalten ist. Dies wurde durch Studien zum Restaluminium in Kinderkörpern bestätigt, die zeigten, dass ungeimpfte oder weniger geimpfte Kinder grössere Mengen Aluminium aufweisen konnten, während geimpfte Kinder geringere Mengen aufwiesen. Es gab keine Proportionalität zwischen den beiden Zuständen. Abgesehen vom Autismus war das unbestreitbare Problem, das Thema, das es anzugehen galt, eine zunehmend pathogene Umwelt. Warum also sollte man sich auf Impfungen fixieren?”

[10] Ein befreundeter Forscher liefert uns einige Klarstellungen. Die Pharmaindustrie hat die Grundlagenforschung nicht in der Hand, sie beansprucht das Anwendungsmonopol für sich, indem sie notfalls Start-ups aufkauft. Die mRNA-Technik beispielsweise ist aus der unabhängigen öffentlichen Grundlagenforschung hervorgegangen; es sind ihre Ergebnisse, die dann privatisiert und über die Kanäle der Industrie wieder mobilisiert werden.

[11] Man wäre versucht hinzuzufügen, dass das Ausmass, das Zemmours Äusserungen angenommen haben – der gesunde nationale Körper wird durch das Gift des Fremden verseucht -, auf denselben Zustand der vorherigen Betäubung zurückzuführen ist, aber das wäre ein anderer Text.

[12] Vgl. Charles Stépanoff, Voyager dans l’invisible. Techniques chamaniques de l’imagination, Paris, La Découverte, 2019.

[13] Konstituiert auch, wie alle Wissenschaften, manchmal unter Verwendung von manipulierten Ergebnissen und logischen Kraftakten. Zu den Bedingungen, unter denen wissenschaftliches Wissen produziert wird, siehe: Paul Feyerabend, Contre la méthode, Esquisse d’une théorie anarchiste de la connaissance (Gegen die Methode, Skizze einer anarchistischen Wissenstheorie), Le Seuil, 1979. Sowie: Willia J. Broad, Nicholas Wade, La Souris truquée, enquête sur la fraude scientifique, Points Seuil, 1994. In diesem Zusammenhang schreibt mir einer meiner „wissenschaftlichen Berater“, Fredéric, über den auf Lundi Matin veröffentlichten Text von Monchoachi: „Er hat mich sofort an Aimé Césaire und seinen wunderbaren Text „Cahier d’un retour au pays natal“ denken lassen, der eine andere Art des Zugangs zum Wissen als den westlichen wissenschaftlichen Ansatz vorschlägt mit ‚Ceux qui n’ont n’inventé ni la poudre ni la boussole. Diejenigen, die weder den Dampf noch die Elektrizität zähmen konnten…‘ Doch indem er das intuitive Vorgehen und das subjektive Verständnis der Dinge propagiert, ist er gar nicht so weit von der tatsächlichen Natur der grossen Entdeckungen entfernt, die nie das Ergebnis hypothetisch-deduktiver Forschungen, sondern epistemologischer Sprünge waren; genialer Intuitionen, die mit den wissenschaftlichen Gewissheiten des Augenblicks völlig gebrochen haben. Man spricht in diesem Zusammenhang sogar von ‘Revolutionen’ (Kopernikanische Revolution, Quantenrevolution…) und ihre Urheber werden wie Galileo Galilei auf den Index gesetzt. Darwin wurde von seinen Zeitgenossen nicht besser behandelt und Einstein gelang es nicht sofort, von der Berechtigung der allgemeinen oder speziellen Relativitätstheorie zu überzeugen. Übrigens war in dem Bereich, in dem ich mich etwas besser auskenne, keine grosse therapeutische Innovation das Ergebnis einer konstruierten Theorie, sondern eher das Ergebnis zufälliger Entdeckungen. Das würde Feyerabend Recht geben, der die anarchistische Erkenntnistheorie vertrat. Man findet nichts, wenn man immer wieder die gleiche Furche pflügt. Es bleibt zu verstehen, wie man etwas entdeckt, das nicht existiert, indem man sich seiner Gemeinschaft widersetzt und trotz Verfolgung hartnäckig bleibt; ’.. und doch dreht sie sich!’”. Anmerkung des Verfassers der Fussnote: Aber nein, weder Raoult noch einer der Anti Vax-Gurus ist Galileo Galilei.

[14] Ein Freund erklärt uns, dass die Forderung nach Aufhebung der Patente wenig Sinn macht. Diese enthalten die RNA-Sequenz, die veröffentlicht wurde, nachdem der Impfstoff von Amateuren nach zwei Tagen sequenziert worden war. Was geheim bleibt und nicht im Patent verankert ist, ist die Herstellungstechnik, wie man die mRNA einkapselt.herungsprinzips? Gesetzliche Rentenversicherung und sozialstaatlicher Republikanismus. In: Barbara Riedmüller, Thomas Olk: Grenzen des Sozialversicherungsstaats (Leviathan Sonderheft 14) Opladen
Suhr, Dieter 1975: Bewusstseinsverfassung und Gesellschaftsverfassung. Über Hegel und Marx zu einer dialektischen Verfassungstheorie. Berlin
Thielemann, Ulrich 2010: Wettbewerb als Gerechtigkeitskonzept. Marburg

Grafikquellen          :

Oben     —     Char „Macron, ta fête begin!“ à la manifestation du 5 mai 2018 „La fête à Macron“.

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3.) von Oben         —Die bunten Farben der Politik. Der Aufsichtsrat der IG Farben, Deutschland. Vorne (links) IG Farben Carl Bosch.

 

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Wut-Grüße vom Krankenbett

Erstellt von DL-Redaktion am 20. Februar 2022

Zwischen Erschöpfung, Ignoranz und Fatalismus

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Unter welch einer Maske versteckt sich heute der Deppen-Minister?

Eine Kolumne von Margarete Stokowski

In Berlin ist das Projekt Durchseuchung super organisiert, findet unsere Kolumnistin. Sie war gerade krank – und ist jetzt sauer. Weil die Regierung den Karren desaströs gegen die Omikron-Wand fährt.

In der Hoffnung, dass Sie gesund sind und mich in den letzten beiden Wochen so vermisst haben wie ich Sie, schreibe ich Ihnen heute vom Krankenbett, wo ich meinen »milden Verlauf« einer Coronainfektion auskuriere. Neben einem diffusen Unwohlsein und Kopfschmerzen gehörte zu meinen ersten Symptomen eine richtig große Wut.

Gar nicht mal Wut darauf, dass ich mich trotz dreifacher Impfung und vorsichtigen Verhaltens infiziert hatte. Ich habe lange genug den Drosten-Ciesek-Podcast gehört, um zu wissen, dass die meisten von uns sich irgendwann infizieren werden. Nö, darauf habe ich keine Wut. Aber auf die Gesamtsituation, in der wir alle uns befinden. Weil so wahnsinnig viel falsch läuft und so viele das in einer Mischung aus Erschöpfung, Ignoranz und Fatalismus hinnehmen. Sogenannte Alternativlosigkeit, in ihrer tödlichen Variante.

Wobei man natürlich dazusagen muss, dass ich schon vor meiner Infektion wütend war, eigentlich wollte ich das hier schon vor zwei Wochen schreiben, und seitdem ist die Situation nicht besser geworden. Erinnert sich noch jemand, wie es irgendwann noch hieß, man müsse besonders vulnerable Gruppen schützen, also zum Beispiel: alte oder kranke Menschen, oder solche, die sich nicht impfen lassen können oder trotz Impfung kaum einen Schutz aufbauen? Erinnert sich jemand an die Solidarität ganz am Anfang, als Leute für ihre Nachbarn einkaufen gingen und es Spendenzäune für Obdachlose gab? Als die Inzidenzen noch winzig waren? Lange her! Inzwischen sind wir bei »wir kriegen jetzt eh alle Omikron und wenn man geimpft ist, ist es ja nicht so schlimm«.

Kopfschmerzen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit

Ein Kollege schrieb mir, als er von meiner Infektion erfuhr, nicht »gute Besserung«, sondern nur, dass das ja in drei oder vier Tagen durchgestanden sei, halb so wild. Na ja, sagen wir so: Es ist für mich jetzt der 16. Tag seit Symptombeginn, es ging mir zwischendurch richtig dreckig, rund zehn Tage. Meine Tests sind seit dem 12. Tag wieder negativ, aber ich habe weiterhin täglich Kopfschmerzen, null Appetit, enorme Müdigkeit und zwischendurch erschöpfen mich die banalsten Tätigkeiten (z. B. duschen) so sehr, dass ich mich hinsetzen oder hinlegen muss, ich habe Wortfindungsstörungen und kann mich schlecht konzentrieren.

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Ich konnte zwei Wochen nicht arbeiten und habe einen dementsprechenden Honorarausfall und kann außerdem für die nächste Zeit keine Aufträge zusagen, weil ich nicht weiß, wann ich wieder gesund bin. Und das ist noch nicht mal das, was mich wütend macht; das nur zur Einordnung, wie »mild« mein Verlauf ist.

»Milder Verlauf« ist für mich jetzt schon das Unwort des Jahres. Manche Leute denken, die Tatsache, dass Omikron weniger schwere Verläufe auslöst, bedeutet, dass man dann einfach mal fünf Tage auf dem Sofa abhängt und endlich mal in Ruhe ein paar schöne Schmöker wegliest. Kann natürlich passieren, wenn man Glück im Unglück hat. Kann aber auch sein, dass man noch in der dritten Woche oder wesentlich später völlig kaputt ist. Gestern ist mir der Name der Straße nicht eingefallen, die 50 Meter von meinem Haus beginnt, ich musste googeln. Wenn Sie jetzt sagen, na ja, Stokowski war ja vorher schon dumm, okay, aber die Omikron-Dussligkeit kommt halt noch obendrauf!

Dramatische Spaltungen

Was mich wütend macht, ist, dass wir jetzt sehr lange über eine »Spaltung der Gesellschaft« zwischen Coronaleugnern/-verharmlosern und allen anderen geredet haben, während die anderen Spaltungen, die wesentlich dramatischer sind, unter den Tisch fallen: die Spaltung zwischen denjenigen, die eine Infektion gut wegstecken können und denen, die das nicht können. Oder die Spaltung zwischen denen, die sich locker zu Hause isolieren können und denen, die alte oder kranke oder behinderte Menschen pflegen und nicht so leicht ersetzt werden können. Oder die Spaltung zwischen denen, die auf die aktuellen Infektionszahlen mit einem zynischen »jetzt ist auch egal« reagieren und denen, die längst völlig jenseits der Grenze ihrer Kräfte sind, zum Beispiel Eltern oder Risikopatient*innen oder Pflegekräfte oder Angehörige von Schwerkranken. Oder die Spaltung zwischen denen, denen die Pandemie finanziell kaum schadet und denen, die längst ihre Ersparnisse aufgebraucht haben, weil sie nicht so arbeiten können wie vorher.

Erinnern Sie sich, wie in Potsdam im vergangenen Jahr vier behinderte Menschen ermordet wurden? Das Entsetzen und die Anteilnahme waren völlig zu Recht riesig. Aber wie gehen wir heute mit Menschen um, die besonderen Schutz bräuchten und darauf angewiesen sind, dass andere sich um sie kümmern? Richtig schlecht, wenn Sie mich fragen. Die können gucken, wo sie bleiben.

Eine Pandemie ist eine Naturkatastrophe

Heute sind wir leider in einer Situation, in der Leute, die sich nicht mit Corona infizieren wollen, als naive, ängstliche Deppen hingestellt werden, die nicht kapiert haben, dass wir es mit einem hochansteckenden Virus zu tun haben und die von der Regierung beschützt werden wollen wie ein Baby. Aber was, wenn Leute sich zum Beispiel nicht anstecken wollen, weil sie chronisch krank sind oder vorerkrankte Angehörige haben und Angst haben, das Virus an diese weiterzugeben oder in der Betreuung wochenlang auszufallen? Marina Weisband schrieb dazu auf Twitter: »Wer aufgrund von Vorerkrankungen Ansteckung vermeiden möchte, ist einfach gefickt. Aufgegeben.«

Eine Pandemie ist eine Naturkatastrophe, aber eine schlecht gemanagte Pandemie ist eine doppelte. Ob die Durchseuchung gewollt ist oder hingenommen wird, ist im Endeffekt egal.

Wobei es mir inzwischen fast schon lieber wär, die zuständigen Politiker*innen wären wenigstens ehrlich. Sagt es doch, dass es euch hauptsächlich darum geht, die Wirtschaft am Laufen zu halten, und dass es euch vergleichsweise egal ist, wenn alte Menschen sich nicht mehr hinaustrauen, Kinder und Erwachsene Long Covid kriegen, wichtige Operationen verschoben werden müssen, Frauenhäuser überfüllt sind, mehr Leute an Krebs sterben und euer Ziel definitiv nicht ist, dass möglichst wenig Leute krank werden oder sterben oder arm werden oder verzweifeln. Sagt es doch wenigstens, dass euch der faschistische Gedanke, dass man auf die Schwächsten gut und gern auch verzichten kann, vielleicht doch ganz gut gefällt. Übertrieben? Dann beweist das Gegenteil.

In Berlin ist das Projekt Durchseuchung super organisiert, so viel kann man sagen. Als ich in einem Zentrum, das zuvor auch PCR-Tests anbot, meinen positiven Schnelltest erhielt, durfte ich mir auf einer Liste eines von elf (!!) landeseigenen Testzentren für einen kostenlosen PCR-Test aussuchen. Elf Stellen für ganz Berlin. Die nächste war gut zwei Kilometer entfernt, ich konnte mir aussuchen, ob ich durch den kalten Regen laufe oder hochinfektiös die öffentlichen Verkehrsmittel benutze. Oder doch lieber einen Taxifahrer gefährden? Zwei Kilometer kann man laufen. Aber man kann Leuten auch nicht wirklich vorwerfen, dass sie dann die U-Bahn nehmen zu einem dieser Zentren, wo theoretisch nur Leute ohne Symptome hinsollen, wo man aber faktisch natürlich in einer schniefenden Schlange steht. Und wartet. Und wartet. 40 Minuten draußen im Regen, bevor man überhaupt ins Gebäude kommt. Wenn man bis dahin keine Symptome hatte, hat man hinterher sicher welche. Wie gesagt: Durchseuchung leicht gemacht.

Omikron-Welle gut unter Kontrolle?

Quelle      :     Spiegel-online        >>>>>      weiterlesen

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Grafikquellen        :

Oben      —     If incidence gets too high in times of corona, a politician could be tempted to re-define it.

2,) von Oben       —     Cartoon: Vielleicht sollten bei der Durchsetzung der allgemeinen Impfpflicht Tierärzte mit entsprechender Ausrüstung eingesetzt werden.

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Unten         —        Margarete Stokowski (2018)

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Heute: Planet Dänemark

Erstellt von DL-Redaktion am 17. Februar 2022

Nachrichten aus einer anderen Welt 

Öresund und Kattegat (ISS002-727-56 2). JPG-Datei

Gesehen von Planet zu Planet

Von Johannes Kreis

In unserer neuen Reihe „Nachrichten aus einer anderen Welt“ möchten wir heute auf einen Hinweis vom Planeten Dänemark und dort vom amtlichen Gesundheitsdienst in Dänemark aufmerksam machen,

„Dear Eric,

Once again we would like to stress that the numbers, you are sharing with your followers, shows deaths with C-19. Not deaths because of C-19. We would recommend that you read our weekly report for more information on the subject: […]”

Erik Glipping.jpg

Google-Translate für Mitarbeiter des ÖRR:

„Liebe Eric,

Wir möchten erneut betonen, dass die Zahlen, die Sie mit Ihren Anhängern teilen, Todesfälle mit C-19 zeigen. Nicht Todesfälle wegen C-19. Wir empfehlen, dass Sie unseren wöchentlichen Bericht für weitere Informationen zum Thema lesen: […]“

Ein solcher Hinweis, seitens eines RKI, eines PEI oder gar eines Gesundheitsministers, wäre in Deutschland, dem Land der Anspruchslosigkeit, völlig undenkbar.

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Grafikquellen          :

Oben     —     Satellitenbild von Öresund und Kattegat meerenge, mit Kopenhagen (Dänemark) und Skåne län (Schweden).

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Mauern, wackeln, umfallen

Erstellt von DL-Redaktion am 16. Februar 2022

Kaum beschlossen, wird die Impfpflicht auch schon wieder ausgesetzt

Datei:Austria Parlament Front-Ausschnitt.jpg

Quelle     :      Streifzüge ORG. / Wien 

Von Franz Schandl

Schnell kann es gehen. Der Dynamik der letzten Tage kommt kein Mindsetting nach. Die seit Herbst vorbereitete und Anfang Februar im Nationalrat beschlossene Impfpflicht steht bereits wieder vor dem Aus. Zwar wurde sie nur sistiert, aber es ist kaum anzunehmen, dass sie in den nächsten Monaten wirkmächtig werden könnte. Die Absetzbewegungen sind mehr als deutlich. Sieben Landeshauptleute (fünf von der ÖVP, zwei von der SPÖ) haben sich dezidiert dagegen ausgesprochen und auch einige medizinische und komplexitätsforschende Scouts wechselten die Front. Von den im Gesetz vorgesehenen Strafen für Impfverweigerer wird man vorerst ganz absehen. Überhaupt ist aufsperren statt zusperren angesagt.

Verordnetes Impfen ist ist mehr als ein obligater medizinischer Eingriff, es ist ein staatlicher Übergriff. Es mag Extremfälle geben, wo dieser berechtigt ist, bei Corona ist das nicht der Fall. Außer Deutschland und Österreich haben daher alle europäischen Staaten die Finger von einer generellen Impfpflicht gelassen. Das Ziel mit Drohungen und Sanktionen aus Ungeimpften Geimpfte zu machen, ist jedenfalls fulminant gescheitert. Die Unentschlossenen und Unwilligen wurden mehr abgestoßen als angezogen, mehr weggetrieben als überredet, geschweige denn überzeugt. Ja selbst einige Hunderttausende, die schon zweimal geimpft worden sind, verweigern das für sie vorgesehene Boostern. Seit Omikron sticht auch die Angstkarte immer weniger. Das Contact-Tracing ist zusammengebrochen und bei den Verordnungen kennt sich sowieso niemand mehr aus. Auf den Unmengen von bestelltem Impfstoff wird man sitzen bleiben. Je mehr man den Druck erhöhte, desto deutlicher zeichnete sich das Fiasko ab.

Bevor dies mit aller Drastik zu Tage tritt, hat man nun die Reißleine gezogen. Nur das Gesundheitsministerium und die Gesamtstaatliche Covid-Krisenkoordination (GECKO) mauerten, ehe sie zu wackeln begannen und schließlich umgefallen sind. Karl Nehammer, glückloser Kanzler und Chef der von unzähligen Skandalen gebeutelten ÖVP, versucht, sich als Erlöser von der Pandemie zu präsentieren. Motto: Der Kanzler schenkt uns die Freiheit. Die Volkspartei, Anfangs ganz auf Verschärfung konditioniert, empfiehlt sich jetzt als Weichspüler. Vor allem wollen sie sich aber selbst freispielen. Grüne und SPÖ – in beiden Parteien gibt es massive Widerstände gegen den rigiden Covid-Kurs der jeweiligen Führung – werden als Spielverderber übrig bleiben. Der grüne Gesundheitsminister, Wolfgang Mückstein, konnte nie politisches Profil entwickeln, er war immer der getriebene Administrator der gerade maßgeblichen Stimmen. Als Pressesprecher diverser Beschlüsse ging er in diesen chaotischen Wochen völlig unter und dürfte bald abgelöst werden. Ein ähnliches Schicksal droht der Parteiobfrau der oppositionellen SPÖ, Pamela Rendi-Wagner.

Das alles heißt aber nicht, dass die Impfpflicht in Österreich im Herbst nicht ein Comeback feiert. Bei den engen Kriterien betreffend Inzidenz und Hospitalisierung, die man inzwischen dem allfälligen Infektionsgeschehen aufgepfropft hat, wäre es fast verwunderlich, wenn das nicht passieren würde. Übermorgen könnte dann schon wieder vorgestern sein. Nach den geltenden Richtlinien müsste fortan im Winter stets prophylaktisch zugesperrt und eingeschränkt werden. Im Frühling wäre dann die Population mit entsprechender Leine wieder in die Freiheit zu entlassen. Auf-Zu-Spiele könnten unter diesen Voraussetzungen chronisch werden.

Aktuell sind ÖVP und Grüne schwer angeschlagen und Neuwahlen würden für beide Parteien in einer schweren Niederlage enden. Das spricht eindeutig dagegen, aber ob die Koalitionspartner es miteinander aushalten und auch parteiintern durchstehen, sind andere, keineswegs zu unterschätzende Fragen. Die Nervosität ist groß und die Atmosphäre vergiftet. Die politische Landschaft steht jedenfalls vor großen und wohl auch fundamentalen Umbrüchen. Mit dem alten Koordinatensystem ist kaum noch etwas adäquat zu erfassen. Ein Land torkelt durch seine Krisen. Fünf Kanzler in fünf Jahren, das hatten wir zuletzt in der Ersten Republik. Oder ist das gar schon die neue Normalität?

Copyleft

„Jede Wiedergabe, Vervielfältigung und Verbreitung unserer Publikationen ist im Sinne der Bereicherung des allgemeinen geistigen Lebens erwünscht. Es gibt kein geistiges Eigentum. Es sei denn, als Diebstahl. Der Geist weht, wo er will. Jede Geschäftemacherei ist dabei auszuschließen. Wir danken den Toten und den Lebendigen für ihre Zuarbeit und arbeiten unsererseits nach Kräften zu.“ (aramis)

siehe auch wikipedia s.v. „copyleft“

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Grafikquellen          :

Oben     —      ÖsterreichWienParlamentsgebäude

Ausschnitt aus Image:Austria Parlament Front.jpg von User:Gryffindor

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Ein Beitrag des „Salong“

Erstellt von DL-Redaktion am 13. Februar 2022

Die Pandemie ist ein Trainingslager für zugewandtes Sprechen

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Nur zu Hälfte besetzt, darf auch eine Meinung haben

Von Marlene Colle, Sven Kämmerer und Kai Schächtele

Auch wenn es schon oft zu hören war, ist es dennoch wahr: Die Pandemie hat Dinge ins Rollen gebracht, ist eine Chance auf ein besseres Morgen. Unsere Gruppe ist der beste Beweis dafür. Die Pandemie war keine vier Wochen alt, als wir beschlossen, uns nicht auch mit dem parallel zum Virus grassierenden Wahnsinn anzustecken. Nicht nur auf der Straße und in den sozialen Medien liefen die Debatten heiß, sondern auch in unserem Freundeskreis, einer weit verzweigten und diversen Gruppe von etwa 150 Menschen, die sich über viele Jahre durch die Organisation von Festivals und kreativen Protestaktionen aufgebaut hatte.

Weil wir noch im Sommer vorher zusammen getanzt und gelacht hatten, verabredeten wir uns an einem Sonntagabend auf Zoom, um miteinander zu sprechen. Unsere Runde verselbstständigte sich schnell, weil schon an diesem ersten Abend alle spürten, wie angenehm es ist, zur Meinung eine Stimme zu hören und zum Weltbild ein Gesicht zu sehen. Wir nannten uns „Salong“, und den gibt es bis heute.

Im Frühjahr gehen wir in die 50. Runde. Wir treffen uns alle zwei Wochen über unsere Computerbildschirme, laden Gäste ein und tauschen uns aus. In der angeschlossenen Chatgruppe sind mittlerweile über 280 Menschen. Wir sind in keinem Fall immer derselben Meinung, aber uns eint die Überzeugung, dass man auch dann im Gespräch bleiben muss, wenn man das Telefon zum Abkühlen am liebsten in die Spree schmeißen würde. Der „Salong“ hat sich für uns zu einem Trainingslager für zugewandtes Sprechen entwickelt.

Die Pandemie verlangt uns viel ab: Durchhaltevermögen, Empathie, Gelassenheit. Andererseits erleben wir gerade eine Politisierung, wie sie Deutschland schon lange nicht mehr gesehen hat. Was für eine Chance! Auf den Demonstra­tio­nen von Impf­skep­ti­ke­r:in­nen und Geg­ne­r:in­nen der Coronapolitik, auf „Spaziergängen“ und in den Diskussionen im Freundes- und Fami­lien­kreis wird spürbar, wie sehr viele Menschen plötzlich den Mund zum politischen Landes- und Weltgeschehen aufmachen, die sich selbst noch bis vor zwei Jahren als unpolitisch beziehungsweise nicht politisch aktiv bezeichnet hätten. Menschen finden neue Freunde und Zusammenhalt, vielleicht sogar neuen Lebensinhalt. Diese Dynamik wertzuschätzen und im Dialog in konstruktive gesellschaftliche Mitgestaltung zu verwandeln, ist unser bescheidenes Weltverbesserungsvorhaben.

Anfang Dezember führte ein Beitrag in der taz in unserer Gruppe zu hitzigen Debatten. Für viele von uns treffend erklärte ein Autor unter der Überschrift „Der Stolz der Störer“, dass wir nach Jahrzehnten der Entsolidarisierung die Gesellschaft geworden sind, die wir uns verdient haben. Freiheit ist zum individuellen Statussymbol geworden. Verloren gegangen ist uns das Verständnis, dass Freiheit nur von Wert sein kann, wenn sie für die gesamte Gesellschaft gilt. Doch dabei ging er so weit, alle, die sich mit der Impfung schwer tun, als Ego­zen­tri­ke­r:in­nen und Globuli­trupps zu diffamieren, die sich hauptsächlich an ihrer neu gewonnenen Lautstärke ergötzen. Vielen von uns ging das zu weit. Wer auf diese Weise Menschen zum Nachdenken bringen will, braucht sich nicht zu wundern, dass niemand zu Kaffee und Kuchen kommt.

„Heute Abend nichts vor?“

Auch bei uns tun sich viele mit den Argumenten gegen die Impfung schwer. Wir trainieren jedoch regelmäßig in unserem „Salong“, wie man ruhig bleibt, wenn Texte zirkulieren, die die einen für gefährlich manipulative Halbwahrheiten halten und die anderen für eine mutige Haltung gegen den Mainstream. Weil wir wissen, dass hinter jedem Post ein Mensch steckt, dem wir beim nächsten Digitaltreffen wieder in die Augen blicken können wollen, sind böse Fouls ausgeschlossen. Und dann schwärmen wir in unsere Freundeskreise und Familien aus und wenden an, was wir geübt haben. Das geht nicht immer gut. Aber es ist immer besser, als sofort loszuschreien.

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Es steht viel auf dem Spiel. Die Demonstrationslust speist sich aus dem nachvollziehbaren Frust über die vielen nicht eingehaltenen Versprechungen für mehr Wohlstand und Sinn, aus dem Ärger über eine Gesellschaft, in der die Ungleichheit immer größer wird und Menschen in systemrelevanten Berufen so schlecht behandelt werden, dass sie in Scharen fliehen. Doch in dieser grundsätzlich unterstützenswerten Bewegung steckt ein kleiner, giftiger Splitter. Die starke Politisierung der Impfgegner:innen-Milieus geht oft einher mit einem rebellischen Stolz, der ohne Feindbild nicht auskommt. David gibt es nicht ohne Goliath, das „Wir hier unten“ nicht ohne „Die da oben“. Doch geht man diesem „Die da oben“ nicht sorgfältig auf den Grund, findet man sich wieder neben dem einen mit der Reichskriegsflagge und der anderen, die von „den Rothschilds“ raunt, und beide freuen sich darüber, eine weitere Tür aufgestoßen zu haben vom äußersten Rand zur Mitte der Gesellschaft.

Die Annahme, in einem versteckt autoritären Staatssystem permanent manipuliert und betrogen zu werden, führt zum Misstrauen gegen den Apparat als Ganzes. Damit stirbt jeder mögliche Austausch und die Suche nach Konsens. In Vergessenheit gerät, dass wir trotz kapitalistischer Verseuchung in einer Demokratie leben. Dass Teilhabe möglich ist, beweist nicht zuletzt die enorm hohe Anzahl neuer Bundestagsabgeordneter unter 35. Allein in der SPD sind es 50. Mit einer von ihnen haben wir uns vor zwei Wochen im „Salong“ unterhalten.

Quelle       :       TAZ-online          >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben   —        séance au parlement allemand

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Unten     —     Protest von Verschwörungsgläubigen gegen die Änderung des Infektionsschutzgesetzes während der Abstimmung im Bundestag am 21. März 2021. Die Kundegebung wurde wegen Missachtung der Hygieneregeln aufgelöst, woraufhin versucht wurde an das Brandenburg Tor zu gelangen und den Tiergarten zu besetzen.

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Das Menschenbild Medizin

Erstellt von DL-Redaktion am 7. Februar 2022

Zum Menschenbild der gegenwärtigen Medizin.
Der  Versuch einer Annäherung.

Impfstube R S Zimmermann.jpg

Quelle:    Scharf  —  Links

Von Kai Ehlers

Überarbeitete Fassung einer Diskussion im 96. Forum integrierte Gesellschaft, Hamburg

Welchem Menschenbild folgt die gegenwärtige Medizin? Auf diese Frage wird unweigerlich gestoßen, wer nach dem Sinn der Schutz- und Präventionsmaßnahmen in der aktuellen Corona-Krise fragt. Stehen die Maßnahmen im Dienst der Gesundheit des einzelnen Menschen, im Dienst allgemeiner Bevölkerungspolitik oder im Dienst von Interessen, die über den ärztlichen Dienst hinausweisen?

Wer mit solchen Fragen an die gegenwärtige Medizin herangeht, stößt zudem sehr schnell an Grenzen und dahinter liegendes unsicheres Gelände. Die Frage nach dem Menschenbild der Medizin erweist sich als Frage des Menschen nach sich selbst in der Welt und nach der Welt in sich. Traditionelle Antworten zum Ursprung und Sinn des Lebens stehen heute zur Disposition – und die Frage, wohin die Medizin sich entwickelt, ist damit heute so offen wie eh und je, ja, offener, unergründlicher, in manchen Aspekten auch abgründiger als früher, wenn man in die Labore transhumanistischer Bioforschung blickt.

Es kann daher zunächst erst einmal nur um eine Annäherung zu diesem Thema gehen. Erste Fragen lauten daher: Von welcher Medizin sprechen wir überhaupt? Von der heute herrschenden Schul-, in zunehmendem Maße Apparatemedizin westlichen Ursprungs? Von traditioneller Naturheilkunde (Mittel)Europas? Von chinesischer, allgemeiner gefragt asiatischer Medizin oder von schamanischen Heilkünsten? Lassen sich diese Richtungen heute geografisch zuordnen und sauber voneinander trennen?

Nein, denn sie überschneiden sich in der Praxis vielfältig, heute mehr denn je zuvor. Wenn es gut kommt, ergänzen sie sich im medizinischen Alltag, wenn es schlecht kommt, was zurzeit leider die vorherrschende Variante ist, schließen sie einander aus oder werden gar gegeneinander in Stellung gebracht, wie es gegenwärtig geschieht, wenn aus biologischer Teilchenforschung hervorgehende Impfstrategien gegen ganzheitlich ausgelegte symptomorientierte Therapien gestellt werden, ohne dass hinreichend oder überhaupt abgewogen würde, wie beides zur Genesung des einzelnen Menschen und auch zur Gesundung der Gesellschaft insgesamt zusammenwirken könnte.

Angesichts solcher Entwicklungen, wie sie am Beispiel „Corona“ zurzeit exemplarisch sichtbar werden, treten die tiefer liegenden Kriterien, nach denen die wichtigsten Richtungen in „der“ Medizin zu unterscheiden sind, jetzt deutlich als Konflikt hervor, der dringend einer Lösung bedarf.

Zu sprechen ist zum einen von einer Medizin, die den Menschen schlicht als biologische Funktion betrachtet, welche auch ohne geistige Beteiligung des betroffenen Menschen biotechnisch durch Eingriffe von außen repariert und präpariert werden kann. Dem steht das Verständnis von Medizin als einer Wissenschaft und Lebenspraxis gegenüber, die das Genesen des ganzen Menschen in seiner lebendigen Umwelt durch Aktivierung seiner bewussten Beteiligung als Teil eines kosmischen Ganzen anregen will.

Der einen Vorstellung vom Menschen entspricht eine Medizin, die ihre Grundlagenforschung als biophysikalische Teilchenwissenschaft über Prothetik, Genetik, Virologie ins kleinste Extrem treibt, wo greifbare Eindeutigkeiten gegen Null gehen und Ergebnisse sich mit der Position des Betrachters verändern. Vertreter dieser Medizin begreifen den Menschen letztlich als kompliziertes Produkt chemischer, physischer und algorithmischer Abläufe, die durch medizin-technische Maßnahmen gegen Störungen am Laufen gehalten – in letzter Konsequenz durch technische Surrogate ersetzt werden können.

Das andere Verständnis von Medizin wird getragen von dem Versuch, den Menschen als geistiges Wesen durch Förderung seiner emotionalen, sozialen und spirituellen Kräfte zur Pflege einer Lebensweise zu ermutigen und zu befähigen, die ihn auf den Weg einer Genesung führen kann.

Begrifflich stehen sich damit eine Schul- und Apparatemedizin, einschließlich ihrer biotechnischen Weiterungen und deren transhumanistischen Zukunftsvisionen, die auf eine Überwindung menschlicher Schwächen durch ‚intelligente‘ Technik zielen, und das Verständnis der Salutogenese als anderer Weg der Medizin gegenüber. Salutogenese zielt bis in ihre naturheilkundlichen, spirituellen Dimensionen auf die Stärkung der Kräfte des einzelnen Menschen.

Zugespitzt formuliert bedeutet das: Operative Eingriffe hier, geistiges Wirken dort, Kurieren von Symptomen hier, Förderung der Genesung dort. Letztlich steht hinter dem einen ein Weltbild, das den Menschen auf seine materielle Existenz reduziert, hinter dem anderen die Ahnung, zumindest die Frage nach einer umfassenderen als der bloß materiellen Wirklichkeit. Paradoxerweise führt gerade die extrem materialistische Teilchenforschung jetzt auch in der Biologie dazu, wie vor Jahrzehnten schon in der Physik, zwischen Tatsachen und Interpretationen, anders formuliert, Wissen und Glauben, einen nicht erklärbaren Raum der Unschärfe entstehen lassen.

Dass dies alles zugleich eine immer weiter auseinander führende Weiche zwischen einer durch ökonomische Interessen verzerrten Medizin und den eher unprofitablen Zweigen der Heilkunst beschreibt, und diese Weiche durch die heute forcierte digitale Automatisierung des gesamten gesellschaftlichen Lebens einschließlich der Medizin und der daran gekoppelten pharmazeutischen Industrie noch weiter geöffnet wird, gehört mit in dieses Bild.

Wohin dieser Weg einer vermarkteten und technisch gesteuerten Gesundheit zu führen droht, möchte man sich lieber nicht ausmalen müssen. Lieber schon möchte man hoffen und sich dafür einsetzen, dass in der Biotechnologie, anders als in der physikalischen Teilchenforschung, die zur Atombombe führte, die Grenze des Beherrschbaren noch rechtzeitig erkannt wird, bevor sie von einer, nennen wir es krass beim Namen, Biobombe erzwungen wird. Ungeklärte Fragen zum Ursprung der gegenwärtigen „Corona“-Erkrankung lassen solche Hoffnungen dringender als zuvor aufkommen, ja, zur Notwendigkeit werden.

Selbstverständlich gibt es aber fließende Übergänge, wo sich beide Herangehensweisen kritisch ergänzen könnten, um absehbare Irrwege zu stoppen, wenn die Industrialisierung der Medizin als Problem erkannt und ihre Entwicklung vom Druck der Ökonomie befreit würde und wenn es gelänge, den tieferliegenden geistigen, sozialen und umweltbezogenen Ursachen von Erkrankungen und wachsender Immunschwäche der Menschheit nachzugehen, welche die heutige Zivilisationskrise uns auferlegt, statt sie durch Operationen, Implantationen und Impfungen wegdrücken zu wollen.

Der medizinische Alltag ist voll von Anforderungen für ein Zusammenwirken beider, ja, aller Arten medizinischen Wirkens, von der Schulmedizin bis zur Homöopathie, und bietet reichlich Gelegenheiten, den Anforderungen nach Zusammenwirken der verschiedenen medizinischen Zweige zum Wohl hilfsbedürftiger Menschen und der Gesellschaft insgesamt nachzukommen. Das kann und muss hier nicht detailliert ausgeführt werden.

Entscheidend für ein solches Zusammenwirken aber wäre, ein übergreifendes Verständnis von Gesundheit zu entwickeln, das nicht am Wegdrücken von Krankheit, nicht an der Unterdrückung von Störungen, sondern an deren Offenlegung orientiert ist, um deren individuellen und sozialen Ursachen bewusst an die Wurzel gehen zu können. Worin könnte dieses übergreifende Verständnis bestehen?

PhaHistMarburg jn.jpg

Hier verzweigte sich das Gespräch naturgemäß in eine Vielzahl unterschiedlichster Beiträge, Vorschläge, Wünsche und Warnungen, wie Übergriffe der Apparatemedizin vermieden und Wege der Genesung gefördert werden könnten. Die Beiträge reichten von generellen Kritiken an der ökonomischen Abhängigkeit, insonderheit den damit verbundenen biotechnischen Tendenzen der gegenwärtigen Medizin bis zu konkreten Überlegungen Ärzte zukünftig freizustellen, damit sie als spirituelle Helfer die Schaffung von sozialen Wärmeräumen anregen können, in denen Menschen die Ursachen ihrer Krankheiten erkennen und daran genesen können.

Am Ende stand ein einfaches Bild im Raum: Krankheit als Stau, Genesung als Bewegung, Leben als ständiger Übergang zwischen Stau und Bewegung, Medizin, wo sie ihre eigentliche Aufgabe erfüllt, als das Wissen, wie solche Übergänge hergestellt werden können, wenn entweder der Stau oder die Bewegung ins Extrem geführt haben oder zu führen drohen, Ärzte schließlich in Anknüpfung an traditionelle Heilverfahren als Helfer, die nicht nur aktuelle erste Hilfe leisten, wenn nötig, auch technische Nothilfe, sondern auch imstande sind schöpferischen Kräfte der Menschen, die sich an sie wenden, zu wecken und zu stärken.

Wie weit die heutige medizinische Entwicklung diesem Bild entspricht, sich zumindest auf eine Versöhnung der unterschiedlichen Richtungen hinbewegt, oder ob sie dabei ist sich zu einem Instrument bloßer technischer Überwachung zu entwickeln, in welcher der Mensch nach vorgegebenen, allgemeinen Gesundheitsparametern normiert, statt geheilt wird, mag jede/r selbst prüfen. Sicher ist, wenn eine Versöhnung im Interesse des nach Genesung suchenden einzelnen Menschen nicht zustande kommt, gehen wir harten Zeiten entgegen.

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Anderer Umgang mit Corona

Erstellt von DL-Redaktion am 6. Februar 2022

Anthroposophisches Krankenhaus Havelhöhe – Berlin

Datei:Krankenhaus Havelhöhe Kulturdenkmal 09085644 20160608 102029 Offiziersheim (Kasino, 14).jpg

Von Sebastian Erb, Sophie Fichtner und Paul Wrusch

Ein schwurbelnder Chef und Tricksereien bei der Impfpflicht: eine taz-Recherche in der Klinik Havelhöhe in Berlin.

ach zwei Jahren Pandemie stellt Prof. Dr. Harald Matthes seinem Haus ein hervorragendes Zeugnis aus: „Gemessen an den Betten, an der Größe des Krankenhauses haben wir eine überdurchschnittliche Versorgung durchgeführt“, sagt er. Das Drei- bis Vierfache im Vergleich zu anderen Schwerpunktkrankenhäusern. Und im hauseigenen Impfzentrum hätten sie zeitweise mehr Impfungen durchgeführt als die großen Zentren der Stadt.

Matthes ist der Ärztliche Leiter des Krankenhauses im Berliner Südwesten, gerade ist er im Urlaub, eine Woche Ski fahren, und nimmt sich trotzdem Zeit für ein Gespräch. Matthes sitzt vor seinem Laptop in einem modernen Hotelzimmer in Österreich und hält einen Monolog. Der Berliner Senat, die Nachbarschaft, ganz Westberlin habe sich bei der Havelhöhe für die Arbeit während der Pandemie bedankt.

Als im Herbst die Booster-Termine knapp wurden, konnte man in Havelhöhe problemlos geimpft werden. Das sprach sich herum. Havelhöhe wurde in Berlin zum Place to Booster. Ausgerechnet ein Krankenhaus der Anthroposophie, die in der Pandemie besonders in der Kritik stand und für die niedrige Impfquote in Deutschland verantwortlich gemacht wurde.

Das Krankenhaus ist in der Pandemie in den Medien sehr präsent. TV-Teams filmten auf der Intensivstation, Pa­ti­en­t:in­nen wurden für Zeitungsreportagen begleitet, Ärz­t:in­nen auf Krankenhausfluren interviewt. Man sei beim Zutritt nicht so streng gewesen wie andere Häuser, gibt Matthes zu. Und so sind nun oft Bilder aus Havelhöhe zu sehen, wenn es um Corona im Krankenhaus geht.

Keine Kontrollen

Das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe mit seinen 400 Betten hat eine Doppelfunktion: Es ist ein gewöhnliches Akutkrankenhaus für die Menschen der Gegend und zugleich eine von drei großen anthroposophischen Kliniken in Deutschland. Besonders beliebt ist es bei Berliner Eltern, die ihren Nachwuchs in einer angenehmen Atmosphäre zur Welt bringen möchten und dafür weite Wege auf sich nehmen. Und jetzt wurde über Havelhöhe bundesweit berichtet, als ein Ort, an dem die Coronapandemie besonders intensiv bekämpft wird.

Ob das Krankenhaus Havelhöhe tatsächlich mehr geleistet hat als andere, lässt sich nicht nachvollziehen, laut der Senatsverwaltung für Gesundheit gibt es da keine Statistik. Der Umgang mit der Pandemie ist in dem Krankenhaus jedenfalls längst nicht so vorbildlich, wie es bislang den Anschein hatte. Mehrere Krankenhausmitarbeitende haben sich unabhängig voneinander bei der taz gemeldet und gesagt: Hier läuft etwas schief. Sie berichten von leitenden Ärzt:innen, die als Impf­geg­ne­r:in­nen auffallen, und einem schludrigen Umgang mit Coronaschutzmaßnahmen. Und von einem Chef, der bei seinen Wutausbrüchen gegen die Politik fragwürdige Vergleiche macht.

Wir haben in den vergangenen Wochen mit vielen weiteren aktuellen und ehemaligen Mitarbeitenden des Krankenhauses – unter anderem Ärz­t:in­nen und Pflegepersonal – und Pa­ti­en­t:in­nen gesprochen. Wir haben frei verfügbare und interne Dokumente ausgewertet, an Veranstaltungen teilgenommen und das Krankenhaus besucht. Die Recherche zeigt, dass der Umgang mit Corona auch in der Klinik selbst auf Unverständnis stößt. Und es wird ein systematisches Problem deutlich: Um die Einhaltung von zentralen Schutzvorschriften muss sich jedes Krankenhaus selbst kümmern. Doch wenn die Leitung eines Hauses offenbar manche Dinge für unwichtig erachtet, scheint auch die zuständige Gesundheitsbehörde machtlos zu sein.

Das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe liegt in Berlin-Kladow, am Rand der Hauptstadt. Golfclub, Felder, eine Kaserne – gefühlt ist man schon in Brandenburg. Ein weitläufiges Gelände direkt oberhalb des Steilufers der Havel, viele Bäume, Parkplätze. In der NS-Zeit war in den Gebäuden eine Luftwaffenakademie untergebracht.

Das Krankenhausgelände kann man einfach durch den Haupteingang betreten, es gibt keine Kontrolle, niemand fragt nach einem Besuchsgrund oder einem Coronatest. Direkt am Eingang sind die „HavelWolle“, ein Kleidungsgeschäft, und ein Demeter-Hofladen samt Café. Auch eine kleine Buchhandlung gibt es hier. Die Verkäuferin, die gerade mit einer Kundin spricht, hat keine Maske auf, die Kundin auch nicht. Die beiden unterhalten sich über die Tochter der Verkäuferin, ungeimpft, 11. Klasse, die nun in Quarantäne müsse, weil jemand aus der Klasse infiziert war. „Was ein Zirkus.“

In der Buchhandlung stehen neben Pippi Langstrumpf und aktuellen Bestsellern auch Bücher zur Coronapandemie im Regal. Etwa das schmale Werk einer Anthroposophin, die behauptet, die Wundmale Jesu Christi zu tragen und jahrelang keine Nahrung zu sich genommen zu haben. Ein Kapitel ihres Buches heißt: „Die Impfungen gegen Sars-CoV-2 und der Plan der Schwarzen Logen“.

In der Theorie gelten auch in Havelhöhe strenge Regeln: Be­su­che­r:in­nen müssen eine FFP2-Maske tragen und einen tagesaktuellen Test vorweisen, unabhängig vom Impfstatus. Maximal eine Stunde Besuch am Tag ist erlaubt.

Bei unserem nicht angekündigten Besuch im Krankenhaus Mitte Januar können wir aber überall herumlaufen. In Haus 11, 1. Stock, Gynäkologie, sitzt eine Frau ohne Maske am Empfang, dabei steht keine Plexiglasscheibe zwischen ihr und den Besucher:innen. Auch in Haus 12 tragen die Frauen am Empfang keine Maske, sie schauen nicht mal. Wir können durch die Gänge laufen, könnten Pa­ti­en­t:in­nen­zim­mer betreten. Eine Pflegerin eilt den Flur entlang und verschwindet durch die nächste Tür. Wir können – in einem anderen Haus – einfach so in die Station 15 laufen, die Entgiftungsstation. Hier bilden die Pa­ti­en­t:in­nen eine sogenannte Kohorte, müssen untereinander also nicht auf Abstand achten oder Maske tragen und dürfen deshalb im Gebäude gar keinen Besuch empfangen.

Beim Rundgang hält uns niemand auf. Niemand bittet uns, Daten in eine Besuchsliste einzutragen. Niemand will einen Test oder Impfstatus sehen.

Dass man einfach so in ein Krankenhaus reinlaufen kann: „Das geht gar nicht“, sagt Gudrun Widders, die Leiterin des zuständigen Gesundheitsamtes Berlin-Spandau.

Krankenhauschef Harald Matthes versucht, sich rauszureden: Der freie Zugang zu den Häusern sei nötig, weil es dort auch ambulante Praxen gebe. Drinnen werde dann schon kontrolliert, von den Pflegenden oder Ärzt:innen. Das passiert allerdings, wenn überhaupt, nur teilweise und sehr oberflächlich. Eine Pflegekraft berichtet, es gebe von der Krankenhausleitung die Anweisung, die Testergebnisse der Be­su­che­r:in­nen sporadisch zu kontrollieren. Aber faktisch sei dafür gar keine Zeit.

Nicht nur bei den Zugangsregeln, auch bei der Behandlung von Covid-19 haben sie in Havelhöhe eigene Vorstellungen. Zusätzlich zur normalen Behandlung werden anthroposophische Mittel eingesetzt. In einem Behandlungskonzept werden warme Ingwer- oder Senfwickel erwähnt. Und für Ri­si­ko­pa­ti­en­t:in­nen wird als Therapie die Injektion von Meteorischem Eisen in Kombination mit einem Präparat empfohlen, das Eisenphosphat und Rinderlunge enthält – extrem verdünnt.

Einen wissenschaftlichen Beleg, dass diese Mittel helfen, gibt es nicht. Die Anthroposophen berufen sich auf das, was der Esoteriker Rudolf Steiner sich Anfang des 20. Jahrhunderts ausgedacht hat.

Harald Matthes behauptet in Interviews, dass man auch wegen der anthroposophischen Methoden solche Erfolge bei der Coronabekämpfung zu verzeichnen habe. Aber sollte es im Krankenhaus Havelhöhe wirklich besser laufen, dürfte das daran liegen, dass hier weniger schwere Fälle landen als etwa in der Charité.

Matthes, Jahrgang 1961, hat das Krankenhaus 1995 mit gegründet. Inzwischen ist der Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie auch Professor, an der Charité bekleidet er eine Stiftungsprofessur für Anthroposophische und Integrative Medizin. Manche halten ihn für einen Visionär.

Nicht wenige auf der Havelhöhe sind der Meinung: Matthes ist ein Despot. Er sei überheblich, cholerisch und persönlich beleidigend. Auch Mitarbeitende, die ihn sehr schätzen, sagen: Der Chef polarisiert. Besonders mit den As­sis­tenz­­ärz­t:in­nen hat es immer wieder Ärger gegeben.

Dass Matthes gerne einmal mit Verve seine Meinung äußert, zeigt sich in einem­ Mitarbeiterrundbrief aus dem November 2021. Darin lässt er sich über angebliches Medienbashing aus und macht einen Vergleich mit der NS-Zeit auf: „Die Projektion eigenen Versagens und Defizite auf elitäre gesellschaftliche Gruppen hat in Deutschland Tradition und darf uns daher als An­thro­po­so­ph*in­nen nicht verwundern.“ Die Coronamaßnahmen hat er schon mehrfach öffentlich als überzogen bezeichnet. Im Brief kritisiert er nun die Politik, die bei der Pandemiebekämpfung nur auf die Impfung setze und alle Schuld bei den Impfverweigerern sehe. „Mit in der Nachkriegsgeschichte nie gelebter Brutalität“, schreibt Matthes, „wird der Frust der Gesellschaft auf eine Gruppe gelenkt, die nun für alles Leid stehen soll. Diskriminierung in einer Deutlichkeit, die bei Gender- und Ethnienfragen undenkbar wäre.“

Quelle        :        TAZ-online      >>>>>        weiterlesen

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Oben     —      Krankenhaus Havelhöhe Kulturdenkmal 09085644 20160608 102029 Offiziersheim

Verfasser Dirk1981          /         Quelle    – Eigene Arbeit    /    Datum   –  8. Juni 2016, 10:20:29 Uhr
Denkmalplakette Deutschland.svg
Dies ist ein Bild des Berliner Kulturdenkmals mit der ID 09085644

(Wikidata)

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Unten       —       Haus 23, 2016

 

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Wem gehört die Vielfalt?

Erstellt von DL-Redaktion am 5. Februar 2022

Von der Antibiotika und anderen Wirkstoffen

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Von Heike Holdinghausen

Antibiotika oder andere Wirkstoffe werden oft dank öffentlich zugänglicher Erbgutdatenbanken erzeugt. Forscher haben nun untersucht, wer die Datensätze einstellt und wer von ihnen profitiert – mit überraschendem Ergebnis.

Über die Hälfte aller antibakteriellen Wirkstoffe beruhen auf Naturstoffen. Vor allem Antibiotika verdanken wir häufig Pilzen oder Bakterien, die Grundstoffe für diese Medikamente produzieren. Damit Mikroorganismen im Labor aber zeigen, was sie können, muss bekannt sein, welche Gene genau ihnen zu dieser Fähigkeit verhelfen und wo diese im Genom liegen. Zweitens benötigt der Mikroorganismus im Labor eine spezielle Umgebung – Biologen sprechen vom „ökologischen Kontext“.

Um diese beiden Informationen zu erhalten, durchsuchen Wissenschaftler Genomsequenzen in offenen Datenbanken und überprüfen so in großem Maßstab, wo die aktiven Gene in Mikroorganismen liegen, die erfolgreich Antibiotika produzieren, und unter welchen Bedingungen. Solche vergleichenden Analysen der Geninformationen, die in offen zugänglichen Datenbanken für sogenannte digitale Sequenzinformationen (DSI) zur Verfügung gestellt werden, seien für die lebenswissenschaftliche Forschung unverzichtbar, befand vor einem Jahr die Wissenschaftsorganisation Leopoldina in einer Stellungnahme zur Bedeutung von DSI.

Der Umgang damit ist allerdings hoch umstritten und rückt immer mehr ins Zentrum einer Debatte über die Frage, wie weit Eigentumsrechte an biologischer Vielfalt eigentlich reichen. Hinter der Diskussion steht folgende Annahme: Der größte Schatz des Artenreichtums liegt in den Ländern des Globalen Südens; die größten Nutzer – Pharma-, Chemie-, Lebensmittelfirmen – sitzen jedoch im Globalen Norden. Nur: So einfach stimmt das nicht, sagen die Autoren einer aktuellen Studie.

Ein Team von Wissenschaftlern aus Deutschland, Großbritannien und Spanien hat 263 Millionen Datensätze genetischer Sequenzen einer Datenbank daraufhin untersucht, woher sie kommen und wer mit ihnen geforscht hat. Demnach sind sowohl die größten Anbieter digitaler Erbgutinformationen als auch ihre größten Nutzer die USA, China und Kanada. Aber auch in den meisten anderen Staaten – ob im Globalen Norden oder Süden – ist das Verhältnis zwischen zur Verfügung gestellten und genutzten digitalen Gensequenzen verhältnismäßig ausgewogen. Jüngst haben die Bioinformatiker und Biologen des Leibniz-Instituts für Kulturpflanzenforschung und Pflanzengenetik (IPK) in Gatersleben und des Leibniz-Instituts Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) in Braunschweig die Ergebnisse ihrer Zählungen in zwei Studien im Journal Giga Science veröffentlicht.

Ihre Ergebnisse verstehen sie als einen Beitrag zu der Debatte, wie weit Eigentumsrechte an biologischer Vielfalt gehen und wer auf welche Weise von Erbgutinformatio­nen profitieren darf. Je näher die für April geplanten Verhandlungen über ein neues Rahmenabkommen zur biologischen Vielfalt im chinesischen Kunming rücken, umso mehr Schärfe gewinnt diese Diskussion. Die Konvention zur biologischen Vielfalt (CBD) enthält drei Ziele: die Vielfalt der Natur zu erhalten; sie nachhaltig zu nutzen und die Gewinne daraus gerecht zu verteilen.

Vom letzten Punkt handelt das Nagoya-Protokoll, ein Abkommen, das den Zugang zur biologischen Vielfalt und die gerechte Verteilung ihrer Nutzung völkerrechtlich regelt. Funktioniert hat dieses vor sechs Jahren in Kraft getretene Abkommen nie so recht. Nun ist es eines der Verhandlungsschwerpunkte. Eine der Fragen bei der Umsetzung des Protokolls ist, wie mit den digitalen Erbgutinformationen verfahren wird. Zusammen mit der neuen gentechnischen Methode CRISPR/CAS, die präzise punktuelle Veränderungen am Genom gestattet, verschafft das Wis­sen­schaft­le­rn und Unternehmen neue Möglichkeiten – und verleiht dem Thema eine besondere politische Brisanz.

Digital Sequence Information (DSI) sind die Codes kurzer DNA-Abschnitte oder ganzer Genome von Mikroorganismen, Pflanzen, Pilzen und Tieren. Dafür wird das Erbgut dieser Lebewesen sequenziert, also ausgelesen, und in digitaler Form gespeichert. Datenbänke mit DSI sind so etwas wie „digitale Bibliotheken“ des Lebens, in der Forscher nachschlagen können, welche Informationen auf welchem Genabschnitt liegen, und welche Wirkungen sie eventuell entfalten können.

Eine dieser Bibliotheken ist das European Nucleotide Archive in der Nähe von Cambridge. Dort liegen die untersuchten 263 Millionen Datensätze – Open Source, also öffentlich zugänglich. Das Forscherteam aus Gatersleben ist nun in zwei Schritten vorgegangen. Zuerst hat es seine Hochleistungsrechner sämtliche frei zugängliche Literatur durchforsten lassen, die sich in der großen Datenbank für wissenschaftliche Zeitschriften der Bio- und Lebenswissenschaften ePMC befindet. Sie umfasst nach Eigenangaben derzeit rund 40 Millionen Zusammenfassungen und etwa 7 Millionen Artikel aus den Bereichen Medizin, Chemie, Pharmazie und Biologie. In diesen Texten haben die Wissenschaftler nach Hinweisen auf DSI aus der Datenbank ENA gesucht.

Wurden sie fündig, haben sie überprüft, ob der Eintrag zu der entsprechenden DSI Hinweise auf die Quelle liefert. Denn bisher war es so: Wenn ein Wissenschaftler einen DNA-Strang etwa einer Zuckerrübe entschlüsselt, digitalisiert und diese Information dann in die Datenbank der ENA eingetragen hatte, konnte er frei entscheiden, ob er den Ursprungsort der Rübe angibt oder nicht. Die meisten Wis­sen­schaft­le­r oder Institute haben sich ganz offensichtlich dagegen entschieden.

„In 15 Prozent der Fälle wurden wir fündig“, sagt Matthias Lange, Bioinformatiker am IPK. Das bedeutet: In 85 Prozent der Fälle ließ sich nicht mehr feststellen, woher die DSI in der Datenbank stammen. „Das wäre eine Datengrundlage dafür, dass die Ausgleichsmechanismen des Nagoya-Protokolls funktionieren“, sagt Lange. Inzwischen hat die ENA ihre Regeln geändert: Wissenschaftler, die Gensequenzen einstellen, müssen deren Ursprungsort angeben. Daten seien für die wissenschaftliche Erkenntnis grundlegend, schreibt der Leiter der ENA, Guy Cochrane in einem Kommentar zu der Studie, aber nur dann, wenn sie auffindbar, zugänglich, austauschbar und reproduzierbar seien.

Quelle          :      TAZ-online     >>>>>        weiterlesen

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Oben       —     Eine Collage, die die Tiervielfalt anhand eines vorgestellten Bildes darstellt.

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Unten          —        Parc de la Vanoise

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Angst vorm Lockerlassen

Erstellt von DL-Redaktion am 4. Februar 2022

Wir strafen die Menschen zur Impfung hin!

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Ein Schlagloch von Jagoda Marinic

„Leben schützen“ sollten wir immer in zwei Richtungen denken: Tote und Langzeitkranke verhindern. Aber auch möglichst viel Leben für alle zulassen.

Natürlich, wir haben in Deutschland keine Erfahrungen mit solchen Pandemien. Das entschuldigt viel. Nun sind wir an einem der absurdesten Punkte dieser Zeit angekommen: Es gibt Länder wie Dänemark, die einfach die pandemische Lage für beendet erklären. Ich wusste gar nicht, dass das geht. Alles, was zu unserem täglichen Brot geworden ist (Inzidenzen checken, Maßnahmen diskutieren), einfach beenden – obgleich Inzidenzen steigen.

Das wird seinen Preis haben, doch dass es überhaupt möglich ist, wird für viele ein Schock sein, weil viele von uns inzwischen in einer Art Schockstarre leben, als glaubte man nicht mehr an den Tag, an dem man wieder lockerlassen kann.

Diese Angst vor dem Lockerlassen, vor postpandemischer Normalität, zeigte sich diese Woche auch auf Twitter: Ein Journalist teilte ein Interview mit Christian Drosten, in dem dieser meinte, man könne in naher Zukunft Infektionen wie bei der Grippe nur durch Stichproben erfassen (eine Strategie übrigens, die Spanien bereits als den offiziellen Weg der „Grippalisierung von Corona“ bekanntgegeben hat).

Drosten sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „Ich denke, wir sind schon sehr nahe an diesem Punkt und wir sollten uns sehr ernsthaft in diese Diskussion begeben.“ Er setzt dafür die ideale Immunisierung mit drei Dosen voraus, damit man keine schweren Verläufe in Kauf nehmen muss. Auch das zitierte der Journalist anständigerweise als ­Thread unter seinem Tweet. Trotzdem versammelten sich besorgte Stimmen, die fragten, wer durch solche Strategien alles vergessen würde.

Auf Dauerwarnungen eingestellt

Die Sorge um Kinder wird verständlicherweise umgehend genannt, und es ist in diesen aufgeladenen Zeiten leider schwierig, in so einem Moment beruhigende Daten zu zitieren, um die Ängste zu lindern, ohne den Vorwurf zu ernten, man verharmlose die Gefahr.

Doch es geht um Daten und Fakten in dieser Pandemie und es muss möglich sein, eine Stellungnahme wie die der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene zu zitieren, nach der „die Krankheitslast bei Kindern vergleichbar sei mit anderen Erregern wie Influenza oder der Atemwegserkrankung RSV“. Damit verharmlost man noch lange nicht die Gefahr, die das Virus für vulnerable Menschen bedeutet.

Die Gabe, Dinge rational und faktenbasiert ins Verhältnis zu setzen, ist trotz der diskursiven Dominanz der Naturwissenschaften in den letzten zwei Jahren abhandengekommen. Diverse Impfstoffe und Mutanten später ist eben nicht mehr der Schock-März 2020, in dem alles begann. Dabei fühlen sich jene, die sich auf Dauerwarnungen eingestellt hatten, fast verraten, wenn ehemals warnende Stimmen plötzlich beschwichtigen.

So waren viele empört, als der US-Top-Virologe Antonio Fauci in einem Interview anlässlich der erhöhten Hospitalisierungen von Kindern aufgrund von Omikron antwortete: Man müsse unterscheiden zwischen Kindern, die wegen Covid eingewiesen werden, und solchen, die sich einen Arm brechen und nebenbei positiv seien, aber ohne Symptome. Der Berliner Senat etwa arbeitet bei solchen Daten eher mit Schätzungen als mit präziser Erfassung.

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Nur die Deutschen Flöten-Michel-Innen wurden ausgetauscht

Verneigung vor Bremen

Solche präzisen Differenzierungen wurden insgesamt zu wenig betrieben. Der Expertenrat der Bundesregierung bemängelte zu Recht fehlende Daten – und das nach zwei Jahren! Wie soll man sich in die Debatte begeben, wenn Daten fehlen? Wie soll man loslassen lernen, wenn die Maßnahmen immer wieder so gestrickt wurden, dass mal zu prophylaktisch verboten, mal zu unvorsichtig gelockert wurde, obwohl es auch andere Möglichkeiten gab?

Zahlreiche Studien belegen inzwischen die Wirksamkeit von FFP2-Masken. Trotzdem wurden – oft monatelang – Restriktionen über Bereiche des öffentlichen Lebens verhängt, die man durch das Tragen von FFP2 hätte im normalen Modus weiterlaufen lassen können. Müssten alle Maßnahmen nicht ein Ziel haben: so viel Leben wie möglich zu schützen?

Dabei meine ich „Leben“ in beiderlei Sinnen: Schutz des biologischen Lebens vor Tod und Krankheit, aber auch Schutz des geistigen, seelischen, öffentlichen, wirtschaftlichen Lebens vor Verkümmerung.

Quelle         :         TAZ-online          >>>>>       weiterlesen

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Oben       —    First day of vaccination against Covid-19 in Spain. In the image, a woman receives her first dose in ‚Residencia Mixta‘ of Gijón (Asturias)

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Immer weiter mit Corona?

Erstellt von DL-Redaktion am 2. Februar 2022

Tagesschau missbraucht die Pressefreiheit

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/dc/Tagesschau_logoen_2013-07-11_13-56.jpg

Von Johannes Kreis

TK: niedrigster Krankenstand seit Jahren – Tagesschau missbraucht die Pressefreiheit – die Umerziehungsfantasien der Fanatiker – NS Fäkalsprache im ÖRR

wir möchten erneut darauf hinweisen, dass sich der Krankenstand in Deutschland weiterhin auf niedrigem Niveau befindet. Das ist seit 2 Jahren der Fall, also noch vor jeder Impfung.  Inzwischen haben wir den niedrigsten Krankenstand seit Jahren, wie die Techniker Krankenkasse berichtet,

Siehe auch,

Dieser seit 2 Jahren ungebrochene Trend passt überhaupt nicht zu dem Paniknarrativ, das sogenannte Expertenkreise verbreiten. Inzwischen zieht man dort den Umstand, dass man nichts mit Bestimmtheit weiß, als Beweis heran, dass es auch ganz anders sein könnte.

Andere Virologen sagen genau das Gegenteil,

„“Es gibt evolutionär keinen Weg zurück zu einem tödlicheren Virus„, sagt der Essener Chefvirologe Professor Ulf Dittmer bei „19 – die Chefvisite“ mit Blick auf meist milde Krankheitsverläufe bei der Omikron-Mutation.“

Warum fragt niemand danach, wo Omikron oder Delta im Krankenstand zu sehen sind oder waren? Der wirtschaftliche Wert der Virologen liegt vor allem darin, dass sie nichts wirklich wissen.

Es ist ausgeschlossen, dass vorne der Krankenstand kontinuierlich sinkt und wir den niedrigsten Krankenstand seit Jahren haben, aber hinten heraus soll eine dicke Intensivüberlastung herauskommen. Folgerichtig ist das nicht der Fall. Das hält Herrn Gernot Marx vom DIVI Intensivregister nicht davon ab, weiter Panik zu verbreiten.

„Im gesamten Jahr 2020 wurden insgesamt 13,8% weniger Patienten im Krankenhaus behandelt als 2019. In den ersten 26 Kalenderwochen des Jahres 2021 blieb die Fallzahl 20,1% hinter dem Vergleichszeitraum 2019 zurück. Auch die Gesamtzahl der SARI-Fälle, Intensivfälle und Beatmungsfälle blieb im Untersuchungszeitraum unter den Zahlen aus 2019.“

Selbst das Bundesgesundheitsministerium teilte Ende April 2021 mit, dass „die Pandemie zu keinem Zeitpunkt die stationäre Versorgung an ihre Grenzen gebracht hat“.

Die Mitglieder des Beirats betonten, dass die Pandemie zu keinem Zeitpunkt die stationäre Versorgung an ihre Grenzen gebracht hat.“

Bis heute ist niemand in den Altmedien auf die Idee gekommen, Herrn Marx einmal zu fragen, warum weiterhin Intensivkapazitäten abgebaut werden,

Die Altmedien, allen voran die öffentlich-rechtlichen Medien, betreiben weiterhin Panikmache. Das ist inzwischen als ein Mißbrauch der Pressefreiheit zu werten.

Wesentliche Informationen zum Kontext der unterstellten „Neuinfektionen“ fallen unter den Tisch.

Das sind erstmal 200.000 positive Tests (einschließlich Schnelltests) und keine Infektionen. Wer davon tatsächlich infiziert ist, ist es etwas ganz anderes. Und nochmal etwas anderes ist es, ob jemand Symptome zeigt und erkrankt ist. Von den tatsächlich Erkrankten muß ein Bruchteil in einem Krankenhaus stationär behandelt werden. Und wieder nur ein Bruchteil davon wird auf eine Intensivstation verlegt.

Und tatsächlich am Ende des Artikels kommt man auf die Hospitalisierungsrate zu sprechen. Dort heißt es dann:

„Im Saarland soll in den vergangenen zwei Wochen nur jeder vierte offiziell gemeldete Corona-Patient tatsächlich wegen Covid im Krankenhaus stationiert gewesen sein.“

Dazu wird eine Graphik mit der Anzahl der Intensivpatienten in Deutschland und den Bundesländern gezeigt und trotz seit Wochen steigenden Positiven-Test-Zahlen sinkt seit Wochen die Intensivauslastung.

Warum steht das am Ende? Offensichtlich ist man doch mit den Spitzenauslastungen bislang sehr gut fertig geworden. Spanien übrigens auch, das nur über ein Drittel der Intensivkapazitäten von Deutschland verfügt.

Bauer et al., “Access to intensive care in 14 European countries: a spatial analysis of intensive care need and capacity in the light of COVID-19”, Intensive Care Med. 2020; 46(11): 2026–2034, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7472675/

In conclusion, some countries (e.g., Germany) are particularly well positioned to manage a swiftly increased need for intensive care, whereas others (e.g., Denmark, Italy or Sweden) have lower numbers of intensive care beds that are also spatially more concentrated, and thus localized shortages are possible during a locally increased need for intensive care.”

Und dennoch wird man  in Spanien COVID-19 nach den Plänen der Regierung wie eine normale Grippe behandeln, auch um nicht weiter von den Geistern getrieben zu werden, die man rief.

Zu den Positiven-Test-Zahlen zeigt die Tagesschau am Anfang des Artikels eine Graphik, die ca. 2 Jahre umfasst und bis Anfang März 2020 zurückreicht. Und es wird klar, dass mit 88,1% Impfquote (vollständig geimpft) in der Gruppe der Über-60 Jährigen und 84,1% in der erwachsenen Bevölkerung die 7-Tage Inzidenz (positive Tests) 5x so hoch ist, wie ohne Impfung.

Viel deutlicher kann man nicht zeigen, dass es keine sterile Immunität, d.h. man kann den Erreger nicht mehr übertragen, durch Impfungen geben wird. Der Text geht darauf gar nicht ein. Es würde eine Impfplicht zu deutlich ad absurdum führen.

Wir haben die Beispiele SpanienDänemarkNorwegenSchwedenFloridaTexas und Japan wo man mit weitaus weniger stringenten Maßnahmen und ohne jede Impfpflicht auskommt und sogar bessere Ergebnisse erzielt hat.

Ganz offensichtlich geht es in Deutschland nicht um die Ergebnisse. Es geht um die Erziehung des Bürgers, dem Freiheitsrechte nur dort zugestanden werden, wo ein Expertenrat es für angebracht hält. Ein Beispiel dafür ist Baden-Württemberg, wo seit Monaten nach 21 Uhr eine Ausgangssperre für Ungeimpfte besteht.

Das Beispiel Baden-Württemberg mit dem grünen Ministerpräsidenten Kretschmann zeigt, wie schwachsinnig eine Regelung auf Basis von Positiven-Test-Zahlen ist. Ganz offensichtlich sind die Positiven-Test-Zahlen trotz der Ausgangssperre gestiegen. Deshalb wird die Ausgangssperre aber nicht wegen Wirkungslosigkeit abgeschafft. Sie dient weiterhin dazu, den Bürger zu gängeln und zu bestrafen. Hier soll Gehorsam geübt werden.

Es zeigt, wo die Reise hingeht. Unter dem Vorwand schützen zu wollen, sperrt man ein. Ein anderes Wort dafür ist Schutzhaft. Die Schutzhaft ist Teil des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte. Aber wen kümmert das? Die deutschen Eliten gefallen sich in der Feldherrenpose und selbst die hirnrissigsten Maßnahmen können nicht mehr zurückgenommen werden, ohne dass der Sockel des eigenen Denkmals Risse bekommt.

Follow the science in Baden-Württemberg? Das war einmal. Inzwischen geht es allein um die Allmachtsfantasien von Extremisten, die mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der BRD nichts am Hut haben.

„“Zum Beispiel, ob jetzt eine Impfpflicht politische Kollateralschäden erzeugt – was sie zweifellos auch tun wird -, das zu bewerten liegt jetzt nicht in der Kompetenz der STIKO oder von wem auch immer.““

„Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, hatte sich gegen eine allgemeine Corona-Impfpflicht ausgesprochen. „Das spaltet die Gesellschaft, da wird zu viel Druck aufgebaut“, sagte er den „Stuttgarter Nachrichten“ und der „Stuttgarter Zeitung“. Er setze auf weitere Überzeugungsarbeit und Aufklärung zur Impfung.“

Es steht doch außer Frage, dass Herr Kretschmann weiterhin die Wissenschaft zitieren wird, die seiner politischen Agenda nützt. Ihn stören nur die kritischen Stimmen, die er noch nie hören wollte. Das ist einer Demokratie unwürdig und man kann nur hoffen, dass die grüne Autokratie in Baden-Württemberg bei der nächsten Wahl dafür die Quittung erhält.

Die Gesetze und Verordnungen in Baden-Württemberg sind teilweise gar nicht darauf angelegt, dass der Alarmzustand irgendwann wieder beendet werden kann. Das ist auch verfassungsrechtlich relevant, da der angestrebte Gesetzeszweck, nämlich wieder zu einem normalen Zustand zurückzukommen, gar nicht erfüllt werden kann,

Bedeutet auch: nehmen wir optimistisch eine PCR-Spezifität von 99,7% an, kann die Warnstufe schon alleine aufgrund der falsch-positiven nicht verlassen werden. Niemals wieder.“

Deutschland hat das große Pech, dass hier die Profitgier der Pharmaindustrie auf die Umerziehungsfantasien politischer Fanatiker getroffen ist. Es sind diese Fanatiker, die nicht von der Pandemie lassen wollen. Die Zahlen geben eine Pandemie schon lange nicht mehr her. Im Krankenstand war noch nie eine Pandemie zu sehen.

Die einzige gute Nachricht ist, dass sich die Extremisten in Deutschland inzwischen nicht mehr verstellen und man jetzt sehr gut erkennt, wer gerne Braunhemd trägt.

„Was die Ratten in der Zeit der Pest waren, sind Kinder zurzeit für Covid-19: Wirtstiere. Ständig infizieren sie sich mit irgendwelchen Viren, und was machen die unverantwortlichen kleinen Halbmenschen dagegen? Nix! Setzen sich jeden Tag in eiskalte Klassenräume.“

Der Vergleich von Andersdenkenden und ihrer Angehörigen mit Ratten, Ungeziefer, Halb- und Untermenschen war in der NS Zeit vollkommen normal. Und in 2022 können sich Herrn Böhmermann und seine grün-braunen Freunde wieder ganz ungeniert geben.

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Oben     —       User:Sogndal 123 – Eigenes Werk

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2.) Unten         —     Satirische spanische Darstellung Ende September 1918: der Soldado de Nápoles liest in der Zeitung vom gutartigen Charakter der Krankheit und gleichzeitig, dass der Platz auf den Friedhöfen ausgeht

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Covid-Politik – Proteste

Erstellt von DL-Redaktion am 30. Januar 2022

Das ganz normale Denken von Demonstranten gegen die Covid-Politik

Quelle:    Scharf  —  Links

Von Meinhard Creydt 

Manche Kommentare zu den Protesten gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie heben die Teilnahme von Rechtsradikalen, die Gewaltaufrufe und Hetze in sozialen Medien hervor. Wir konzentrieren uns auf die Auffassungen der ganz „normalen“ Teilnehmer. Der Artikel befasst sich mit denjenigen, die alle Maßnahmen ablehnen und sie hochstilisieren zum Anlass, in den „Widerstand“ gegen eine „Corona-Diktatur“ zu treten. Ein anderes Thema sind diejenigen, die

Einwände gegen einzelne Maßnahmen und einzelnes staatliches Vorgehen haben, aber insgesamt zum Schluss kommen: Maske, Impfung, Kontakteinschränkungen und ähnliches sind das sehr viel kleinere Übel als alles, was ohne diese Maßnahmen droht. Beide Gruppen sind zu unterscheiden. Ein Vergleich kann das verdeutlichen. Es gibt Leute, die staatliche Steuern generell ablehnen, und andere, die bei einzelnen Steuervorgaben meinen: „Hier wird mir im Vergleich zu anderen Gruppen unverhältnismäßig viel abverlangt. Andere werden bevorzugt!“ Da lässt sich endlos über das Für und Wider streiten sowie Belastungen gegeneinander ausspielen.

Die Kritik an einzelnen Schritten in der Covid-Bekämpfung führt zu nicht beabsichtigten Effekten.

In der öffentlichen Debatte über die Politik gegen die Covid-Epidemie profilieren sich viele im Politikbetrieb und aus den Medien in der Manöverkritik an einzelnen Schritten. Damit geben sie

denen ständig Futter, die Ernst machen wollen mit „alles Scheiße, was die Regierung macht“. Schnell lässt sich ein Mangel zu DEM Mangel erklären oder eine kleine Ungereimtheit aufblasen zu „die wissen nicht, was sie tun“.

In der Opposition gegen die Maßnahmen findet sich eine Koalition von Vetogruppen.

Sie lehnen etwas aus untereinander völlig verschiedenen und teils unvereinbaren Motiven ab. Die einen verarbeiten ihre schlechten Erfahrungen mit dem herrschenden Gesundheitswesen zu dessen pauschaler Ablehnung und schwören z. B. auf homöopathische Mittel. Andere haben Vorbehalte gegen die Impfung von Kindern. Wieder andere stören sich auf einmal an den Vorschriften, ohne bisher gegen Ampeln und Verkehrsregeln rebelliert zu haben. Andere nutzen die Demonstrationen, um es „den etablierten Parteien“ mal „so richtig zu zeigen“. Alle diese Gruppen eint nur das Anti. Eine konsistente Vorstellung, wie sich die Covid-Epidemie bekämpfen lässt, haben sie nicht. Und das stört sie auch nicht. „Permanente Aufregung ist Kennzeichen der Ignoranz. Wut ist dumpf, aber entschieden. Sie weiß alles, wovon sie nichts versteht. Ihre Empörung ist ihr heilig. Darunter macht sie es nicht. Und über sie kann sie sich nicht erheben. Der eigene Affekt erscheint nicht verdächtig, er ist vielmehr dieses Bürgers feste Burg. Er setzt sich in Gang, ohne von sich wissen, geschweige denn sich erforschen zu wollen. Er tritt auf als Lösung, nicht als Problem“ (Franz Schandl: Die Wut und ihre Bürger. In: Streifzüge, Wien, Nr. 54, S. 42).

Egozentrismus

„Der Staat darf mir nicht verbieten, ins Restaurant zu gehen und meine Freunde zu treffen“ (Teilnehmerin an Demonstration, Tagesschau 15.1.22). Ihre Bewegungs- und Konsumfreiheit steht der Dame an erster Stelle. Vom Grundgesetz ist bekannt, dass es sich für die freie Entfaltung der Persönlichkeit ausspricht. Beflissen sehen viele davon ab, dass in Artikel 2 die Grenze dieser freien Entfaltung genau dort gezogen wird, wo die individuelle Ausübung der Freiheit die Rechte anderer verletzt. Das schließt den Schutz der Gesundheit und des Lebens anderer ein. Ein Grundrecht, andere anstecken zu dürfen, gibt es nicht. Nicht überall, wo „Einschränkung der eigenen individuellen Freiheit“ drauf steht, ist Schützenswertes im Spiel. Jedenfalls beklagen auch die Gegner des Tempolimits, die Freunde des privaten Waffenbesitzes und der Kinderpornographie bitterlich so manche harte Einschränkung, der sie unterliegen. Marius Müller-Westernhagens Schlager-Parole „Freiheit, Freiheit ist das einzige, was zählt“ ist – vorsichtig gesagt – etwas zu kurz gedacht.

„Es muss jeder wissen, wie er sich persönlich schützt.“ So sprechen Egozentriker. Was die Folgen des eigenen Verhalten für andere sind, ist ihnen gleichgültig. Maskentragen als Schutz davor, andere anzustecken – das mag ihnen nicht einleuchten. Ebensowenig die Impfung als Maßnahme, um dem Virus möglichst wenig neue Gelegenheiten zur Ausbreitung und Mutation zu geben. Die Gegner aller Maßnahmen zur Einschränkung der Covid-Epidemie achten sehr auf ihre eigenen Grundrechte. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit anderer und das Recht auf Leben von Covid-Risikogruppen meinen sie damit nicht.

„Menschen müssen für sich selbst sorgen. Wenn jemand Angst hat, soll er eben zu Hause bleiben“ (Wolfgang Kubicki (FDP) in der Sendung „Anne Will“ vom 10.5.2020). Die heilige Dreieinigkeit dieses Individualismus lautet: Selbstbestimmung – Selbstverantwortung – Selbstbeschuldigung. Die Propaganda ist bekannt: „Wirst Du krank, dann bist Du selbst schuld. Du hast zu wenig für Dein Immunsystem getan.“ Umgekehrt denken viele Covid-Ignoranten: Ich bin jung, ich bin stark, mich triffts schon nicht. Und wer sich stark fühlt, tritt unbekümmert für das Recht des (vermeintlich) Stärkeren ein.

Der maßlose, aber selektive Verdacht und seine Vorbehalte

Pharmaunternehmen machen mit Medikamenten Profit. Viele Covid-Demonstranten verbinden diese „Information“ mit der Erinnerung daran, dass manche Medikamente sich als gefährlich erwiesen haben und vom Markt genommen wurden. Wie hoch dieser Anteil an allen Medikamenten ist, können Impfverweigerer, wenn man sie danach fragt, nicht angeben. Vor dem Gebrauch eines Autos schrecken dieselben Personen nicht zurück. Dabei können sie nicht mit 100%iger Sicherheit ausschließen, dass ein in ihrem Fahrzeug vorliegender Fehler sie möglicherweise in Gefahr bringt. Den Covid-Impfstoffen wird angelastet, sie seien relativ schnell auf den Markt gekommen. Das genügt Impfskeptikern für ihre Ablehnung. Sie beruhigt nicht, dass die „in Deutschland zugelassenen Impfstoffe das übliche Prüfverfahren der EU durchlaufen haben und die hohen europäischen Sicherheitsstandards erfüllen. Das heißt, die Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit der zugelassenen Impfstoffe wurden […] überprüft […] – nur, dass es diesmal schneller ging, weil alle relevanten Schritte parallel statt – wie sonst üblich – hintereinander stattfanden“ (https://www.zusammengegencorona.de/impfen/aufklaerung-zum-impftermin/10-gruende-sich-jetzt-gegen-das-coronavirus-impfen-zu-lassen/)

Gegner der Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-Epidemie haben ein unbestimmtes Misstrauen. Ein vager Verdacht lässt sich nicht ausräumen. Er sichert dem, der ihn hat, das Selbstbewusstsein, nicht naiv zu sein. Das hindert die Betroffenen in vielen Fällen sonst nicht daran, Medikamente mit massiven Nebenwirkungen einzunehmen. Beim Covid-Impfstoff wird die Angst vor Impfschäden aber auf einmal zum Ausschlussgrund. Dabei liegt „das Risiko einer schwerwiegenden Nebenwirkung nach einer Covid-19-Impfung bei gerade einmal 0,02 Prozent. Deutlich größer ist dagegen die Gefahr, dem Coronavirus ungeimpft zu begegnen: Jede zehnte Person, die sich infiziert, muss mit einem schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung rechnen (rund 10 Prozent)“ (Ebd.).

Der Alles-oder-nichts-Logik entspricht auch das Argument: „Es gibt Impfdurchbrüche, also schützt die Impfung nicht“. Wenn z. B. der Impfstoff von BioNTech eine Wirksamkeit von 95 Prozent aufweist, dann reicht das den Impfgegnern nicht aus. Auf die medizinische Erklärung lassen sich diejenigen nicht ein, denen es genügt, irgend etwas Negatives gegen die Impfung zu hören, ohne sich selbst ein umfassendes Bild von der Problematik zu machen. „Um bei einer Atemwegsinfektion komplett geschützt zu sein, brauche ich viele Antikörper direkt auf den Schleimhäuten. So gelingt es dem Organismus direkt am Eintrittsort gegen das Virus vorzugehen. Die Menge an Antikörpern nimmt aber mit der Zeit ab und so kann man sich nach einer gewissen Zeit vielleicht nicht mehr direkt gegen die Infektion wehren. Und dennoch ist man wegen der Gedächtniszellen, die sich zwischenzeitlich gebildet haben, weiterhin vor einer schweren Erkrankung geschützt. Insgesamt infizieren sich Nicht-Geimpfte sechs- bis zehnmal so häufig wie Geimpfte. Über 90 Prozent der Patienten, die mit einem schweren COVID-Verlauf im Krankenhaus liegen, sind ungeimpft“ (Prof. Dr. Carsten Watzl, zit. in https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/infektionskrankheiten/coronavirus/covid-19-was-experten-zu-impfzweifeln-sagen-821933.html).

Dass sich auch Geimpfte anstecken können, ist ein anderes gern geäußertes Argument. Wer es gegen die Covid-Impfung vorbringt, macht diesen Vorbehalt aber in anderen Situationen nicht geltend. Wenigstens ist die These „Wenn es stark regnet, spann ich den Schirm nicht auf, weil durch Wind oder Richtungswechsel des Regens ich trotz Schirm einen Tropfen abbekommen könnte“ selten zu hören.

Bei den Gegnern aller Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-Epidemie ist viel Verdacht anzutreffen, wer alles „eigentlich“ „wirklich“ hinter dieser Politik stecke und „uns“ an der Nase herumführe. Dieser phantasievollen Betätigung des Verstand geht aber einher mit einem Mangel an Vorstellungskraft bei einer naheliegenden Frage: Wie würde es heute aussehen, wenn man vor Jahren nicht die Zwangsimpfung gegen die lebensgefährlichen Pocken mit Erfolg durchgesetzt hätte? Bei Impfungen gegen Covid werden die gleichen Leute rebellisch, die bei jeder Flugreise z. B. nach Afrika sich selbstverständlich impfen lassen. Wenig war bislang davon zu hören, dass Touristen zu Fachleuten in Sachen Impfstoff-Gefahren wurden und sich zu Demonstrationen gegen „die Impf-Diktatur“ zusammenschlossen.

Souveränitätssimulation

Auf einem Plakat bei einer Demonstration war zu lesen: „Gehorsamszeichen wie Hitlergruß, Genossengruß und Alltagsmasken gehören verboten!!!“ Wie ein Kind in der Trotzphase befolgen viele ein Gebot schon deshalb nicht, weil es von außen oder von oben kommt. „Ich kann doch machen, was ich will.“ Zwangsmaßnahmen werden notwendig, weil immer noch über 20 % der Bundesbürger trotz vieler guter Argumente für die Impfung diese unterlassen. Gegner der Maßnahmen zur Eindämmung der Covidpolitik sehen das genau umgekehrt: Weil es eine Kampagne gibt, deshalb wittern sie einen fremden Willen und Inhalt. Weil konzentriert für ein bestimmtes Verhalten mit Argumenten geworben wird, fühlt sich der selbsternannte Freigeist bevormundet: „Ich lasse mir von niemand reinreden!“ Dass man mir eine Veränderung meines Verhaltens nahelegt, daran nehme ich Anstoß und lasse mich erst gar nicht auf die sachliche Prüfung der vorgebrachten Argumente ein. Autonomie wird mit Trotz verwechselt. Das ausgestellte Freiheitsverständnis ähnelt einem Vulgär-Existenzialismus. Für ihn „ist nicht so entscheidend, w a s ich wähle, als vielmehr dass i c h es bin, der wählt“. Das gleicht einer „Art pubertärer Ethik“ (Terry Eagleton: Die Illusionen der Postmoderne. Stuttgart 1997, S. 114).

Die Bullen, die Bullen – die helfen ihren Staat beim Schummeln

In einem Interview mit einer Sozialpsychologie-Professorin zu den Demonstrationen heißt es: „Wir stellen auf jeden Fall fest, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale gibt, die bei den Protestierenden gehäuft auftreten. Dazu gehören auch Macchiavellismus, also ein hohes Misstrauen gegenüber anderen Menschen und Institutionen und der Glaube, dass man angelogen wird und nichts von sich selbst preisgeben darf. […] Narzissmus spielt ebenfalls eine Rolle, also das Gefühl, man sei etwas Besonderes und die allgemeinen Regeln gelten nicht für einen selbst“ (Julia Becker, Tagesspiegel 1.9.2020).

Es handelt sich bei der großen Mehrheit der Demonstrationsteilnehmern um Leute, die sonst keineswegs protestieren angesichts der Zwänge, denen sie unterliegen. Viele sind lohnabhängig oder als kleine Selbständige abhängig von Bankkrediten und Auftraggebern. Viele sehen die kapitalistische Marktwirtschaft und die Kapital-Akkumulation bei aller Manöverkritik im Einzelnen im Großen und Ganzen als „alternativlos“ an. Sie akzeptieren das Privateigentum an Wohnungen und finden nichts dabei, die Miete und die Steuern zu zahlen. Nur bei Corona wollen sonst fügsame und „verständige“ Untertanen auf einmal sich und anderen beweisen: „ICH lasse mit MIR nicht ALLES machen.“ Dabei meinen sie häufig nur: Wenigstens an einem Punkt soll sich mal etwas nicht ändern. An allerhand Zumutungen des Erwerbs- und Geschäftslebens sind sie gewohnt. In den Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-Epidemie bemerken sie etwas, das ihre Gewohnheiten stört und das zu verweigern sie sich zutrauen. „Widerstand“ erscheint hier auf einmal ganz einfach: Die Maske nicht tragen und die Impfung verweigern – das kann jede(r). Dazu gehört nicht viel. Während die meisten sonst keine Möglichkeit sehen, wie sie sich wirksam wehren können, ist das individuelle Unterlassen hier leicht möglich. In dem Maße, wie die „Spaziergänge“ an Zulauf gewinnen, werden sie interessant. Auch viele, die sich bislang nicht sonderlich mit dem Sachthema befasst haben, bemerken: Wir haben endlich mal ein Ventil, unseren diffusen Frust abzulassen, und eine Chance, „denen da oben“ es mal „zu zeigen“. So blind ist dieser Protest, dass er nicht bemerkt, wen die Verweigerung der Impfung durch eine Minderheit tatsächlich trifft.

Auf der Berliner Demonstration am 29.8.2020 sind einige ältere Männer zu sehen mit weißen T-Shirts und dem Slogan: „Ich habe meine Eier wiedergefunden.“ Vielen geht es offenbar mehr um Symbolpolitik und Souveränitätssimulation als um eine sachgerechte Einschätzung der Lage. Corona bildet den Anlass für Leute, die meinen, sich selbst und anderen unbedingt wenigstens einmal demonstrieren zu müssen, wie eigenständig sie seien. Wer daran Gefallen findet, offenbart zugleich die Meinung, seine oder ihre Autonomie bestehe darin, … eine Mund-Nasen-Maske n i c h t aufzuziehen. Das Missverhältnis zwischen dem Engagement für die große Freiheit und der kleinen Maske fällt Corona-Demonstranten nicht auf. Vielmehr lautete – in Anlehnung an Ronald Reagans Parole „Tear down this wall“ in seiner Rede am 2.6.1987 vor dem Brandenburger Tor – eine Parole am 29.8.2020: „Tear down the masks!“ Im Berliner Dialekt hört sich der Einwand zu solch exzentrischen Exaltationen so an: „Hamm ses nich ne Numma kleena?“

Das Freiheitsverständnis

Teilnehmer an der Marktwirtschaft sehen ihre Freiheit darin, ihrem speziellen Privatinteresse, das anderen Privatinteressen entgegensteht, zu folgen. Sie wollen sich dafür die eigene Arbeit, das eigene „Investment“ und die „Geschäftspartner“ aussuchen. In der Marktwirtschaft ist immer der Übergang angelegt von einem individuellen Gebrauch der eigenen Freiheit, der die Interessen anderer bei der Durchsetzung des eigenen Interesses wohl oder übel taktisch-instrumentell berücksichtigt, zu einem Freiheitsverständnis, das sich von dieser Beachtung anderer Interessen löst. Einige Maximen der Marktwirtschaft lauten: „Jeder ist sich selbst der Nächste. Mir hilft niemand, warum sollte ich jemand helfen? Wer sich auf andere verlässt, ist verlassen. Verschon mein Haus, zünd andere an (St. Florians-Prinzip). Wenn andere die Gesetze einhalten, soll’s mir sehr recht sein; meine Ausnahme gönn’ ICH mir!“ Die Auffassungen vieler Demonstranten gegen die Covid-Politik stellen eine Variante dieser ganz normalen ideologischen Auffassungen dar.

Urheberrecht
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Oben       —       Fahrradprotest der Initiative #LeaveNoOneBehind in Berlin

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Impfpflicht – Ja oder Nein

Erstellt von DL-Redaktion am 29. Januar 2022

Gedanken für oder gegen eine Impflicht

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An unseren Wirrköpfen geht kein Stich daneben.

Quelle:    Scharf  —  Links

Von Dieter Braeg

Die Pflicht ist, so wurde mir einmal in jungen Jahren beigebracht etwas, was zu tun jemand als eine innere, sittliche oder, moralische Verpflichtung ansieht, was seine eigenen bzw. die gesellschaftlichen Normen von ihm fordern. Wird sowas zu einer staatsbürgerlichen Pflicht so müsste schon kontrolliert werden, wie weit Mensch als Mitglied an diesem Gebilde beteiligt ist.

Allerdings gibt es neben der Pflicht auch eine Kür. Da beurteilen Punktrichterinnen und Punktrichter, wie gut man entsprechend gültigem „Pflichtenheft “die Pflichtaufgaben erfüllt hat. Als Punkterichter in diesem nichtunseren Staat würde ich, was die „Pflicht Pandemiebekämpfung“ betrifft, den verantwortlich Beteiligten kaum mehr als einen Punkt geben und den nur sehr ungern. Zur Aufgabe „Krankheit vom deutschen Volk abzuwenden“ reicht die Note „nicht genügend“ kaum. Jeden Abend erreicht meine Wut ihren Höhepunkt, wenn in den Nachrichten das „Seuchentheater“ mit völlig unbegabten und nicht ausgebildeten Kräften, irgendwelche RegularVerkündigungen absondert. Am Anfang der Pandemie, gab der Mime Söder bekannt (Aufnahmeprüfung zur Max Reinhard Akademie nicht bestanden), es sei nicht nötig zum Schutz vor dem Virus Masken zu tragen. Diese Weisheit wurde nicht verbreitet, zum Schutz der Menschen, sondern wegen fehlendem Lagerbestand der Masken. Mal fehlte Impfstoff, dann war einer nur für bestimmte Gruppen geeignet, dann wieder nicht. Mal sollte getestet werden, dann wieder nicht. Dann trat der Chor der MinisterpräsidentinnenPräsidenten auf und sag das Lied: Impfen, impfen, impfen tralalalaaa“.

Durch Nichtimpfung um den Verstand gebrachte Volksmassen waren nicht bereit, wie Söder so oft werbend bat, im schönen Bayern Spaziergänge zu machen, sondern man zog, geistreich skandierend, „wir sind das Volk“ ohne den Nachsatz „ich bin ein Depp“ durch Deutschlands Innenstädte, betreut von einer Polizei, die nicht in der Lage war, die geltenden Gesetze zum Schutz vor Covidansteckung (Abstand-Maske) durchzusetzen. Die neue Mutation die, auch darüber will man kaum Worte verlieren, durch eine neuere mit wer weiß was für Überraschungen glänzt, setzt man nun die Impflicht entgegen und operiert mit einem neuen Wort. „Durchseuchung“ – ab wann frage ich mich, wird es eine Druchseuchungspflicht geben? Ab wann hört das Verständnis für jene Demoteilnehmerinnen und Teilnehmer auf, die angeblich „besorgt“ sind und später, wir kennen das aus der Geschichte, sich hinter dem Slogan „Wir haben von NICHTS gewusst“ verstecken?

Fakt ist, seit zwei Jahren vertuscht man vor dem Volk, von dem man Schaden abwenden will, folgende Tatsachen:

Die Zahl der Kliniken und Krankenhäuser in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. Waren es 1991 noch rund 2.400, zählt das Statistische Bundesamt aktuell noch 1.914 Kliniken. Die privaten Träger konnten dabei ihren Anteil von 21,7 Prozent im Jahr 2000 auf rund 37,8 Prozent der Häuser im Jahr 2019 ausbauen. Man hat also fahrlässig dem Gott der Profitmaximierung die Schließung von fast 500 Kliniken geopfert

Mit der verminderten Zahl der Häuser hat sich auch die Anzahl der Krankenhausbetten reduziert – 2019 zählte das Statistische Bundesamt rund 494.300. Damit hat sich die Anzahl von Krankenhausbetten verglichen mit dem Jahr 1991 um rund ein Viertel verringert. Die Reduktion entfiel auch hier vor allem auf die öffentlichen und freigemeinnützigen Träger, wohingegen die privaten Häuser ihre Kapazitäten ausbauen konnten. Gleichzeitig ist die Zahl der behandelten Patienten seit den frühen neunziger Jahren um rund 25 Prozent auf aktuell rund 19,4 Millionen Fälle gestiegen. Aus weniger Betten und Kliniken aber mehr zu behandelnden Patienten resultiert eine deutlich verringerte Verweildauer von derzeit durchschnittlich 7,2 Tagen (1992: 13,3 Tage).

Wo liebe Politik bleibt, die FÜRSORGEPFLICHT?

Wäre eigentlich neben der völlig desinformierenden Korona Politik nicht notwendig gewesen, die Forderung aufzustellen – her mit neuen Krankenhäusern, her mit gut bezahlten und attraktiven Ausbildungsplätzen für Krankenhaus- und Pflegepersonal. Hat man davon was gehört? Hat Herr „HartaberFairPlasberg“ oder „LaberLanz“ den verkümmerten öffentlich-rechtlichen Aufklärungsdaumen an die Wunde gelegt? Haben Krankenkassen, Gewerkschaften protestiert? Gab es eigentlich irgendwann vernünftige Regularien zur Sicherung der Gesundheit bei allen abhängigen Beschäftigten. Homeoffice jodelten alle, landauf landab – Arbeitsplatzgestaltung, Kostenübernahme, evtl., notwendiger Gesundheitsschutz dieser „neuen“ Arbeitsplätze? Nix! Den Weberaufstand gab es wenigstens noch, den „HomeOfficeAufstand“ wird es nie geben.

Die gesetzlichen Krankenkassen sind Körperschaften öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltung. Diese besteht in der Regel aus gewählten Vertretern der Versicherten und der Arbeitgeber. Die Mitglieder der Selbstverwaltung sind ehrenamtlich tätig und werden alle sechs Jahre im Rahmen von Sozialwahlen gewählt. Selbstverwaltung? Wieso war es dann möglich, so viele Krankenhäuser zu schließen? Beiträge erhöhen, das geht. Endlich auch nur den Hauch einer Krankenversicherungspflicht für alle einzuführen, geht nicht. In Österreich, dem heißgeliebten Spottland fürs deutsche Feuilleton liegt der Arbeitnehmeranteil für die Krankenversicherung noch immer unter 5%! Gibt es in Deutschland den „Selbstverwaltungsschlaf“?

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Gezogene Vergleiche mit Lebenden sind nicht gewollt und reiner Zufall.

Ich will dem Herrn Lauterbach helfen, hier die Eckdaten der angeblich ab 1.2.2022 in Kraft tretenden österreichischen Impfpflicht:

Gültigkeit: Für alle Personen ab 18 Jahren.

Ausnahmen: Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, Schwangere – und Genesene für einen Zeitraum von sechs Monaten. Wer sich mit Corona infiziert, muss sich ab diesem Zeitpunkt also 180 Tage lang nicht impfen lassen.

Ablauf: Zwischen Anfang Februar und 15. März werden alle Haushalte schriftlich über die Maßnahme informiert. Ab 16. März wird kontrolliert und gestraft. Für einen nicht näher definierten späteren Zeitpunkt ist eine dritte Phase möglich, in der Ungeimpfte einen Termin für die Impfung bekommen und Strafen drohen, wenn dieser nicht eingehalten wird – ob es dazu überhaupt kommt, hängt aber vom weiteren Verlauf der Pandemie ab.

Strafhöhe: Von 600 bis 3.600 Euro, maximal vier Mal pro Jahr. Keine Beuge- und Freiheitsstrafen.

Ich verkneife mir einige letzte Bemerkungen nicht:

Keiner weiß, was sie können, aber alle nennen sie Regierung

Sollte mit dem Nichtimpfen nicht auch die große Denkunfähigkeit so vieler Menschen in Zusammenhang stehen?

Nun ungeimpftes Volk, Helm ab, zum Nachdenken!

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Oben       —     Karl Lauterbach in der WDR-Sendung „Maischberger“ am 2019-04-10

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Transparenz bei Politiker

Erstellt von DL-Redaktion am 28. Januar 2022

Auf der Honorarliste der Pharmaindustrie

Drug Mart Apotheke in South Plainfield NJ.jpg

Von Klaus-Peter Görlitzer

Um ihre Produkte auf den Markt zu bringen, nehmen Pharmaunternehmen viel Geld in die Hand. Zwar werden die Summen veröffentlicht, doch bei der Frage, wer davon profitiert, gibt es kaum Transparenz.

Im Gesundheitswesen gibt es viel Geld zu verteilen, das gilt auch bei Kooperationen zwischen Medizin, Wissenschaft und Industrie. 2020 zahlten umsatzstarke Pharmafirmen rund 558 Millionen Euro hierzulande an medizinische Institutionen, Ärzt*innen, Apo­the­ke­r*in­nen und weitere Fachberufler*innen. So bilanziert es die Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e. V. (FSA), ein Verein von 55 großen Unternehmen, die rund 75 Prozent des deutschen Pharmamarktes repräsentieren, darunter Hersteller wie AbbVie, AstraZeneca, Bayer, GlaxoSmithKline, Grünenthal, Merck, Novartis, Pfizer, Roche, Sanofi-Aventis, Takeda.

Laut FSA flossen 408,2 Millionen Euro für klinische Studien und Anwendungsbeobachtungen zugelassener Medikamente; 55,8 Millionen Euro gingen an Personen für Fortbildungen und Vorträge, und 93,7 Millionen Euro gaben die Pharmafirmen aus, um Veranstaltungen und Kongresse sowie die Arbeit medizinischer Institutionen zu unterstützen.

Im Prinzip veröffentlichen die Unternehmen seit dem Jahr 2015 auch die Namen der von ihnen bezahlten Ärz­t*in­nen – auf der Webseite www.fsa-pharma.de steht eine „Transparenzliste“ mit FSA-Mitgliedsfirmen; klickt man auf die Namen der Unternehmen, erreicht man direkt deren Seiten mit Offenlegungen finanzieller Zuwendungen.

Anspruch auf Vollständigkeit erhebt der FSA aber nicht. Denn genannt werden nur Namen derjenigen Geldnehmer*innen, die einer Veröffentlichung freiwillig zugestimmt haben. Das passiert eher selten, 2020 erklärten sich laut FSA „rund 20 Prozent“ mit der „individualisierten Nennung von Leistungsbezügen“ einverstanden, 2019 waren es 19 Prozent.

Die mangelnde persönliche Transparenz ihrer ärztlichen Ko­ope­ra­ti­ons­part­ne­r*in­nen findet die Pharmaselbstkontrolle offenbar auch nicht gut. Jedenfalls versicherte der Verein im Juli 2021 einmal mehr: „Der FSA und seine Mitgliedsunternehmen werden sich weiterhin dafür einsetzen, Ärztinnen und Ärzte zu überzeugen, einer individualisierten Veröffentlichung zuzustimmen.“

Das klingt redlich bemüht, blendet jedoch denkbare Alternativen aus: Jedem Arzneimittelhersteller steht es ja frei, Me­di­zi­ne­r*in­nen und Pro­fes­so­r*in­nen nur dann für Studien, Vorträge, Gutachten etc. zu bezahlen, wenn diese sich bereit erklären, dass ihr Name sowie Honorar und Angaben zu ihrer Dienstleistung später publiziert werden. So lange dies nicht regelmäßig geschieht, ist die Selbstverpflichtung der FSA-Firmen ein Muster, das in der Praxis ganz überwiegend ohne Transparenzwert ist.

Für mehr Verbindlichkeit und detaillierteren Durchblick könnte der Gesetzgeber selbst sorgen; eine Andeutung dazu gibt es tatsächlich im Koalitionsvertrag der politischen Ampel. Im Abschnitt zum Thema „Versorgung mit Arzneimitteln und Impfstoffen“ formulieren SPD, Grüne und FDP zunächst diese Ankündigung: „Wir ergreifen Maßnahmen, um die Herstellung von Arzneimitteln inklusive der Wirk- und Hilfsstoffproduktion nach Deutschland oder in die EU zurück zu verlagern.“ Im selben Abschnitt steht am Ende aber auch dieser Satz: „Um Interessenkonflikte zu vermeiden, schaffen wir mehr Transparenz über finanzielle Zuwendungen an Leistungs- und Hilfsmittelerbringer.“

Was genau wann verbindlich passieren soll, ob und welche gesetzliche Regelungen geplant sind – das alles lässt der Koalitionsvertrag allerdings offen.

Interessenkonflikte können unter anderem entstehen,wenn Ärz­t*in­nen und Wis­sen­schaft­le­r*in­nen für Hersteller von Arzneien und Medizinprodukten bezahlte Leistungen erbringen, etwa im Rahmen klinischer Auftragsstudien, mit Gutachten oder Vorträgen bei Ärztefortbildungen. Oder wenn sie Unternehmen beraten, deren Produkte sie auch wissenschaftlich bewerten oder verschreiben. Oder falls sie selbst Patente auf pharmazeutische und medizintechnische Erfindungen halten, womöglich auch Aktien einschlägiger Firmen besitzen.

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Bei solch schweren Verläufen fragen Sie bei DR. Professor Lauterbach oder bei Lindner an.

Orientieren könnten sich Bundesregierung und Bundestag zum Beispiel an den Vorschlägen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ). Die fordert seit Jahren eine „gesetzliche Verpflichtung“ mit dem Ziel, finanzielle Beziehungen von Ärz­t*in­nen zu Pharma- und Medizinprodukteherstellern öffentlich nachvollziehbar zu machen. Die gezahlten Gelder müssten in einer Onlinedatenbank publiziert und „durch geeignete und unabhängige Hintergrundinformationen“ ergänzt werden – einsehbar für alle, die es interessiert.

Ideen für mehr verbind­liche Transparenz fanden im Bundestag bisher kaum Rückhalt

Nachzulesen ist diese Idee auch in einer mit der Bundesärztekammer abgestimmten AkdÄ-Stellungnahme, veröffentlicht im Februar 2019 im Deutschen Ärzteblatt. Zum praktischen Nutzen schreibt die AkdÄ: „Insbesondere Patientinnen und Patienten würden durch die Einführung einer gesetzlichen Transparenzverpflichtung Gelegenheit bekommen, sich schnell und zuverlässig zu Interessenkonflikten ihrer behandelnden Ärzte zu informieren.“

Interessenkonflikte sind nach Einschätzung der AkdÄ „nicht per se schlecht oder verwerflich“. Problematisch sei aber das „beeinflusste bzw. verzerrte Urteilsvermögen oder Handeln (‚bias‘) derjenigen, die Interessenkonflikte haben“. Ein Arzt, der nach Besuch einer gesponserten Fortbildung Produkte der einladenden Firma bevorzugt verschreibe, obwohl andere Präparate womöglich wirkungsvoller, sicherer oder preisgünstiger seien, „kann der einzelnen Patientin/dem einzelnen Patienten Schaden zufügen“, gibt die AkdÄ zu bedenken.

Quelle       :          TAZ-online          >>>>>          weiterlesen

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Oben     —       Outside Drug Mart Pharmacy, eine unabhängige Drogerie in South Plainfield, New Jersey

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Corona – Kommunikation

Erstellt von DL-Redaktion am 25. Januar 2022

Was passiert gerade genau in der Krise – und warum?

Eine Kolumne von Samira El Ouassil

Nur noch drei statt sechs Monate: Der Bundesrat hat den Genesenenstatus von heute auf morgen halbiert. Als Bürger und Bürgerin aber wünscht man sich mehr Einordnung und Aufklärung. Denn Transparenz schafft Akzeptanz.

Ankündigung, Planbarkeit oder irgendeine Form von Transferzeit erfolgt. Auch für Handelsverbände kommt diese Information einer Überrumpelung gleich, ebenso wie für Menschen in Gesundheitsberufen, für welche diese Regeländerung elementar Einfluss auf ihr Arbeitsleben nimmt. Neben der unglücklichen Kommunikation helfen auch die nun wie nachgereicht wirkenden Quellen für die Begründung dieser Verkürzung auf drei Monate nicht viel weiter (im Grunde sind es übrigens eigentlich auch nur zwei Monate, weil das Datum der positiven Testung mindestens 28 Tage zurückliegen muss, bevor dann für die verbliebenen 62 Tage dieser drei Monate der Status als Genesener greift). Vom RKI heißt es zu dieser Verkürzung: »Die Dauer des Genesenenstatus wurde von sechs Monate auf 90 Tage reduziert, da die bisherige wissenschaftliche Evidenz darauf hindeutet, dass Ungeimpfte nach einer durchgemachten Infektion einen im Vergleich zur Deltavariante herabgesetzten und zeitlich noch stärker begrenzten Schutz vor einer erneuten Infektion mit der Omikronvariante haben

Als weitere Quellen zur Begründung der neuen Regel wurde zudem auf eine britische Studie und auf einen Bericht der britischen Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency (UKHSA) verlinkt, in diesen Dokumenten werden die drei Monate allerdings nicht erklärt.

Diese Strategie- und Regeländerung auf Grundlage einer Empfehlung ist hierbei nicht das von mir Kritisierte, sondern vielmehr ihre nuschelige Vermittlung und die mangelnde Transparenzmachung, die schon fast an Fahrlässigkeit grenzt. Hinzu kommt ein verrutschtes Timing beim Kommunizieren dieser relevanten Informationen, die unmittelbaren und existenziellen Einfluss auf die alltägliche Mobilität und Arbeitssituation vieler Menschen nehmen.

Quelle      :         Spiegel-online          >>>>>         weiterlesen

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Oben     —   Beschilderung zur 2G-plus-Regel mit einfachem Mundschutz

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Im Auge des Sturmes

Erstellt von DL-Redaktion am 23. Januar 2022

Im Auge des Sturmes entscheiden die repräsentierenden Bundestagsabgeordneten nun den innenpolitischen Impfkrieg und den drohenden außenpolitischen Krieg um die Ukraine!

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Vor Dr. Nikolaus Götz

Viermal geimpft und immer noch nicht virenrein!? Ein noch ’lauterer Bach’ plätschert als Bundes-Krankheitsminister im Fernsehen ununterbrochen von „was noch schlimmer ist“ und „erlöse uns von den bösen Inzidenzen..“. Diese Predigt von der hohen Kanzel an seine Gläubigen in Leitmedien und Politik gerichtet, gipfelt in der erlösenden Heilsbotschaft, dass noch ein „aller letztes Mal“ nachritzt, gespritzt, geboostert-geboostert werden muss! Denn nur die Würde der Geimpften, der Nachgeimpften, dann die der Zusatzgeimpften und endlich der Geboostert-geimpft-geimpften ist in der Bundesrepublik Deutschland ist noch unantastbar! Und was kommt nun nach dieser angeblich „letzten“ Ölung? Nun, es steht endlich „die allgemeine Impfpflicht“ vor Deutschlands Toren, die ihr ewiges Heil durch freiwillig-erpresstes ’Nachtanken’ erhoffen. Falsch gedacht ihr deutschen Biedermänner und ihr Repräsentanten des Deutschen Bundestages.

Ja, denn nach dem Virus kommt ein neues Virus! Deshalb heißt die landläufige Parole der „Brandstifter“ auch schnell unters Volk gestreut als Rettungsanker vor der Gefahr: „Lockdown“. Dieses Leihwort aus der englischen Sprache geht den „smarten“ Politikern besser über die Lippen als die Wahrheit: „Gefängnis für alle (UN-geimpfte)!“ Und ganz perfide ist dann die heilende Rettungsthese des „Zero-Covid-Planes“ aus der Ideenfabrik der linken, staatsdogmatisch-autoritären DKP, einer freiwilligen Weg Sperrung der Gesamtgesellschaft inklusive aller Industriearbeiter. Es passt ins Corona-Gesamtbild, wenn die sogenannten „Anti-fas[chisten]“, diese innerhalb demokratisch und angemeldeter Protestzüge, stets latent als „Black-Block“ gewalttätig sich gebende Jugendbande, ihren undemokratischen ja autoritär faschistischen Kampf gegen ’Corona’ direkt auf die Straße trägt unter dem Motto: „Wir impfen Euch alle!“ Die heilsuchende Staatspolitik von G2+ der BRD grüßt seine Sympathisanten aus der ’autonomen’ (?) Szene und deren „Bündnis gegen Rechts“, während die auf die deutsche Verfassung vereidigten Angestellten der Ordnungsämter dazu im Gegensatz die wöchentlichen friedlichen Spaziergänger ’mit Kind und Kegel’ als ’Krawallbrüder’ einschätzen! So geht „Demokratie“ heute!

Auch das Verteilen von politischen Flugblättern wird inzwischen von der Polizei unter dem Deckmantel „Verstoß gegen Corona Bestimmungen“ gestoppt! Natürlich werden die Personalien des Verteilers notiert und sein Verhalten mit staatlicher Sanktion bedroht! Wo ist das „Wehret den Anfängen!“ der linken Schwätzer geblieben, die jetzt „Nazis raus!“ bei den vielen „Killer-Viren“ brüllen oder auch das bei diesen vielen linken ’Aufstehern’, die in Wahrheit die ewigen ’Umfaller’ sind. Auch sie marschieren jetzt im Gleichklang mit den Regierenden und propagieren den Ruf zur „Pflicht“!

In diese innenpolitische Krise aller westeuropäischen Staaten passt es, wie die Faust aufs Auge, dass die politischen Führungseliten erneut in Kooperation, gar Kurzschluss mit den Leitmedien anscheinend Krieg planen! In wie vielen TV-Sendungen kommen gerade die neusten NATO-Analytiker zu Wort, und sie können dort, das ewige Militärgeschwätz der kalten Krieger ablassen! Panzer rollen beeindruckend über das Gelände und es werden die neusten „Abwehrraketen“ zum Schutz von „Volk- und Führungselite“ gezeigt! „Soll Deutschland Waffen liefern oder nicht?“, fragen die Mainstream-Anti-Aufklärer in der abendlichen Talkrunde. Als wenn diese TV-Diskutanten etwas zu entscheiden hätten! So aber stimmen die staatlichen Fake-news Propagandisten ihr Publikum auf „Solidarität“ zum MILITÄR ein. „Mauern können brechen, unsere Herzen aber nicht!“ Soll unter SPD/FDP und Bündis90/DIE GRÜNEN schon wieder „zurückgeschossen“ werden? Nein, nein, nein! Wenn, dann verteidigen „wir“ nach dem „Sieg in Afghanistan“ wohl alsbald nun nur „unsere Freiheit“ halt am Dnjepr. So wird mit dem aktuellen ’Säbelgerassel’ auch „in der Glotze“ die rasende Pandemie der Corona-Krise urplötzlich politisch entsorgt.

Hatte nicht Altkanzler Helmut Kohl (CDU) einst dem aufgeschlossenen, friedensliebenden Präsidenten von „Russland“ Michail Gorbatschow als Bedingung der deutschen Wiedervereinigung in die Hand versprochen, dass die mit der „DDR“ vereinte Bundesrepublik Deutschland keine Ausweitung der NATO Richtung Osten zulassen würde! Die politische Realität ist heute eine ganz andere. Dass der Landstrich der ’Krim’ im Jahr 1783 unter der deutschen Prinzessin und russischen Kaiserin Katharina der Großen „erworben wurde“ und seit dieser Zeit zu ’Russland’ gehört, ist ein Fakt. Diese historische Tatsache wird von den deutschen TV-Anstalten ebenso ignoriert wie die wirklichen Teilnehmerzahlen bei den demokratisch ablaufenden, aktuellen friedlichen Sonntagsspaziergängen.

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Fiel die Liberté den Sturm oder dem Boostern zum Opfer ?

So funktioniert sie halt, diese von Aldous Huxley im Jahr 1932 als ein „Roman der Zukunft“ schon realistisch dargestellte „Brave new world“ und heutige „Schöne neue Welt!“ des Jahres 2022. Bei diesem Autor ist auch der wegweisende Satz zu lesen: „Alle Menschen sind chemisch-physikalisch gleich.“ (Siehe Anmerkung 1), eine weitaus bessere Formulierung für den alten, ausgedienten GG-Artikel 3 (1) (Anmerkung 2). Die Beschreibung der Unfreiheit der Menschen und ihrer Lebenswelt im Buch von Huxley, füllt die restlichen Seiten dieses gesellschaftskritischen bemerkenswerten politischen Textes, der die Realität auch des Jahres 2022 perspektivisch weiterdenkt. Dort in der undatierten Zukunft nehmen die Menschen tagtäglich, gar mehrfach ihre medizinisch lebenserhaltende „Dosis“ zu sich. (Siehe: Huxley, Aldous: Schöne neue Welt, Hamburg 1953). Und so wird mit der Drohung der Gesetzesvorlage ’Impfpflicht’ aus einem bisher schockierenden Zukunftsroman die schlichte reale Gegenwart in der Bundesrepublik Deutschland.

Nur noch die seit 2020 medial verteufelten „Querdenker“ oder nun die demokratischen „Sonntagsspaziergänger“ des Jahres 2022 schwimmen gegen den reißenden Politikstrom an. Sie wollen friedlich demonstrierend, die politische Klasse mahnend, die im Jahr 2020 errichtete neue deutsche Mauer in den Köpfen der Menschen niederreißen, um einen politischen Weg aus der aktuellen Meinungssackgasse zu finden und den weg radierten Grundrechten eine Rückkehr in „Frieden und Freiheit“ zu ermöglichen.

Anmerkungen:

Siehe: Huxley, Aldous: Schöne neue Welt, Hamburg 1953, S. 73.

Siehe: GG 3 (1): „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ Im Rahmen der wütenden Viruspandemie wurde de fakto der Satz abgeändert in: „Alle nur geimpften Menschen sind gleich. So wäre die Husky-Formulierung politisch neutraler an der gesellschaftlichen Realität.

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Grafikquellen          :

Oben     —     Zyklon Christian, auch bekannt als St. Jude-Sturm, entwickelte sich am 26. Oktober 2013 im offenen Nordatlantik.

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Demo „Gegen Impfpflicht’

Erstellt von DL-Redaktion am 14. Januar 2022

Demo „Gegen Impfpflicht’ in Hamburg

Die Würde des Menschen ist unantastbar - Querdenken 731 (Ulm) 13. Juni 2020 (11).JPG

Quelle     :     Untergrundblättle – CH 

Von Hanna Mittelstädt

Neuorganisation des Gesundheitssystems. Ich habe mir die Demo am Samstag „Gegen Impfpflicht“ in Hamburg angeguckt: die Polizei sprach von 16.000 Menschen, also waren es in etwa 20.000.

Demoroute: Treffpunkt Kunsthalle, Lombardsbrücke, Musikhalle, zum Gänsemarkt runter, Jungfernstieg, zurück zum Hauptbahnhof. Als die Demospitze vom Jungfernstieg abbog, sah man die Polizei auf der Lombardsbrücke den Demozug abschliessen.

Rechte habe ich keine gesehen, weder im Outfit noch an Parolen noch an Plakaten oder Transparenten. Es waren „ganz normale Leute“, sehr viele Frauen, auch Pflegekräfte als Block, junge Leute, ältere Leute, Familien, total gemischt.

Keine Szene. Ich kannte niemanden.

Souveräne Demoleitung. Auf die Massen 3 Lautsprecherwagen. Musikgeschmack leider etwas gruftig, aber wohl den Demonstrierenden entsprechend.

Auffällig wenig Plakate und Transparente, Flugblätter gar keine. Ich konnte keine „politische“ Grundierung erkennen, nur den Bezug zum Grundgesetz. Parteipolitisch war nix zu identifizieren.

Auch den Sprecher im 1.Wagen, dem ich folgte und lauschte, konnte ich nicht politisch einordnen. Es ging von der stets freundlichen Ansprache an die Polizei: wir danken Euch für den Einsatz, der es uns ermöglicht, hier zu demonstrieren, bis zur Forderung nach Rücktritt von Bürgermeister Tschentscher. Auch die Denunzierung als „Rechte“ und „Schwurbler“ wurde zurückgewiesen, namentlich die Kritik der Partei Die Linke (Hosemann) und der taz. Das aber berechtigt: denn eins ist ziemlich klar: da in Hamburg demonstrieren keine Rechten und Schwurbler. Das ist eine ganz andere soziale Strömung.

Interessanterweise demonstrieren hier anscheinend Leute, die keine Gesellschaftskritik im Gepäck haben. Sie werden Impfgegner sein, Waldorf-Schüler-innen, Verteidiger des Rechts auf den eigenen Körper, homöopathische Ärzte und Patienten, alternative Mediziner und solche, die alternative Medizin nutzen und Menschen, denen der immer weiter verengte Diskurs der politische Klasse gegen den Strich geht, deren Existenz auf dem Spiel steht, wenn die Impfpflicht kommt. Die sich jetzt schon jeden Tag testen lassen müssen, dann aber gar nicht mehr arbeiten können

„Die Rote Linie sind wir, Olaf“ war eine der Parolen.

Eine Frau hatte einen grossen gelben Stern auf dem Mantel mit dem Wort „ungeimpft“, das werde, erfuhr ich aus der Presse, strafrechtlich verfolgt. Wenige Menschen trugen keine Maske, sie wurden zunächst alle durch kleine Polizeitrupps aufgesucht und mussten ihren Ausweis und Attest zeigen. Aber so gut wie alle Demonstrierenden trugen Maske und hielten Abstand.

Würde sich eine Regierung an das geschriebene halten hörte sie mit ihrer Hetze auf!

Das Verschweigen der Impfschäden (es gibt bei dieser Impfung nach weltweiten Studien erheblich mehr gravierende Schäden als bei jeder anderen bisherigen Impfung, bis hin zu Todesfällen), das manipulative Jonglieren mit den Zahlen (immer noch werden die Inzidenzzahlen als Angsterzeuger eingesetzt, obwohl schon lange klar ist, dass die Inzidenzzahlen nur ein sehr schwaches Grundrauschen darstellen, und dass die eigentlich wichtige Zahl diejenige der schweren Erkrankungen / Hospitalisierungen ist), war Thema der 3 oder 4 Ansprachen auf der Demoroute, ebenso:

der Abbau von 4.000 Intensivbetten seit Ausbruch des Corona-Virus wie die unveränderte schlechte Bezahlung der Pflegekräfte und der Mangel an politischem Willen, ihre Arbeitssituation zu verbessern.

Der Bezug zu den täglichen Hungertoten weltweit, zu der 300 %igen Steigerung von Suizidversuchen bei Kindern hier, zur den galoppierenden Milliardengewinnen der Pandemie-Gewinner und den Existenzvernichtungen andererseits, eine Neuorganisation des Gesundheitssystems.

Die politische Forderung war ein Runder Tisch und die Diskussion der Situation auf Augenhöhe, eine basisdemokratische Minimalforderung, der man sich ja nur anschliessen kann.

Der Bezug auf Hamburg war stark, die Forderung nach Abtreten der politischen herrschenden Klasse, die diese teilweise strengsten Massnahmen Deutschlands durchdrückt, offen ausgesprochen.

Am Rand der Demo standen einmal 5 Antifas mit einem Transparent: Kein Bündnis mit Rechts. Sie wurden von der Polizei geschützt, aber die Massen gingen sowieso einfach an ihnen vorbei.

Und aus dem Gängeviertel stürzten sich ebenfalls etwa 5 Antifas, um sich der Demo, die genau hier vorbeikam, mit dem strassenbreiten Transparent „Zero Covid“ entgegenzustellen. Die Demonstrierenden gingen aussen am Transpi vorbei, die Polizei musste die Antifas abräumen, sie liessen sich wegtragen. Das war schon extrem verpeilt. Auch als Antifa muss man akzeptieren, dass 20.000 Menschen für ihre Meinung auf die Strasse gehen.

Ich habe das Gefühl, dass es bei den Demonstrierenden einen diffusen Einspruch gibt, von dem die Leute eigentlich nur wissen, dass die Impfpflicht nun echt die rote Linie ist. Und in diesem diffusen Einspruch sind sie ohne gesellschaftliche Kritik bzw. nur mit einem wachsenden Ungehagen ausgestattet. Wie gut wäre es, dieses Unbehagen in Richtung weitergehender Forderungen, einer breiteren gesellschaftlichen Kritik zu forcieren.

Wenn die Gelbwesten in Frankreich als Aufstand von Provinzlern an Kreisverkehren gegen die Erhöhung von Benzinpreisen begannen und sehr schnell, durch die Beteiligung (keineswegs Führung) von Menschen mit verschiedenen politischen Erfahrungshintergründen derartig radikalisiert werden konnten, wie es ja nun mal geschah, dann sollte man sich in den hiesigen Kreisen mit politischen Erfahrungen wirklich fragen, wieso diese Bewegung des Einspruchs als rechts und verschwurbelt bezeichnet/gebrandet wird. Das Label „rechts“ auf diese Menschen bedeutet in jedem Fall eine Denunzierung. Es bedeutet, sie zu isolieren.

Dass, zumindest in Hamburg, der Populismus und die Ressentiments noch nicht vorherrschend sind unter diesen Leuten, bedeutet für mich eine gewisse Reife. Vielleicht ist es eine persönliche Reife dieser Menschen, die sich mit dem Gesundheitsbegriff auseinandergesetzt haben. Das müsste man mehr in Erfahrung bringen. Auf jeden Fall ist es eine politisch gewordene Stimme, die man nicht denunzieren sollte.

Ich denke, man sollte den Gedanken an eine Art Bündnis mit kritischen Geistern aus dieser Strömung, die basisdemokratischen Formaten aufgeschlossen sind, erwägen. Oder zumindest sollte man das, was da passiert, mit offenem Interesse beobachten! Ist meine Meinung.

Grafikquellen          :

Oben     —    Die Würde des Menschen ist unantastbar – Ulm, 2020

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D2030 – „Corona-Stresstest“

Erstellt von DL-Redaktion am 14. Januar 2022

Ein Virus verändert die Zukunft

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Von Manfred Ronzheimer

Die zivilgesellschaftlichen Zukunftsforscher von D2030 haben ihre Prognosen einem „Corona-Stresstest“ unterzogen. Die Zukunftspfade sind nicht mehr so optimistisch wie vor der Pandemie.

Zukunft hat zu Jahresbeginn immer eine besondere Konjunktur. Was steht zu erwarten? So fragen sich viele und nehmen „wissenschaftliche Ferngläser“ zur Hand, um eine faktenbasierte Vorausschau auf das Kommende zu richten. Wie sehr die Zukunftsabschätzung aber auch in die Irre führen kann, zeigt sich zwölf Monate später beim bilanzierenden Blick in den „Rückspiegel“. Häufig hat sich die Realität kaum um die Befolgung der Prognosen gekümmert.

Gerade in Pandemiezeiten – in der ein unvorhergesehener „schwarzer Schwan“ namens „Corona“ die Welt auf den Kopf stellt – ist die Zukunftsforschung ein kniffliges Geschäft. Eine Gruppe alternativer Futurologen hat es dennoch gewagt und unterschiedliche Entwicklungsszenarien auf ihre Plausibilität abgeklopft. Die Gruppe um die Berliner Zukunftsforscher Klaus Burmeister, Alexander Fink und Beate Schulz-Montag hatten bereits 2017 mit ihrem Verein „D2030 – Deutschland neu denken“ eine breit angelegte Prognose für die 20er Jahre erstellt, die sie nun, unter veränderten Rahmenbedingungen, auf den Prüfstand gestellt haben. „Corona-Stresstest“ nennen sie ihre Update-Studie, um mit ihr die Frage zu beantworten: Welche Zukunft gestattet uns das Virus? Was kommt nach der Pandemie?

In seiner Expertenbefragung vor vier Jahren hatte das D2030-Team – das seine Untersuchung ohne Auftrag auf der Grundlage von Spenden finanzierte – acht sehr unterschiedliche mögliche „Zukünfte“ für die Bundesrepublik identifiziert und sie nach Plausibilität und Wünschbarkeit sortiert. Als wenig wahrscheinlich wurden die Szenarien „Bewusste Abkoppelung“ und „Alte Grenzen“ gewertet, in der etwa die Abschottung in der Zuwanderung oder wirtschaftliche Autarkie und Selbstversorgung die politischen Leitlinien darstellen. Stärker als in Deutschland wurden damals, 2017, in den USA unter Donald Trump solche Retro-Tendenzen zur tatsächlichen Polit-Maxime.

Für Deutschland wurden die beiden Szenariengruppen „Spurtreue Beschleunigung“ – nach der Devise „Weiter so wie bisher, nur etwas flotter“ – und „Neue Horizonte“, unter anderem mit der Zukunftsvariante „Spielräume für die Zivilgesellschaft“, entworfen. Beide Alternativen standen in gewisser Weise im September 2021 mit der Bundestagswahl zur politischen Entscheidung an, mit bekanntem Ergebnis. Die Fortsetzung des „Wohlfühl-Wohlstands“ – so der Titel eines D2030-Szenarios – nach Merkel’schem Muster wurde abgewählt, um stattdessen „Mehr Fortschritt“ zu riskieren.

Dazwischen sauste im März 2020 der Corona-Hammer nieder. In zwei Befragungsschleifen suchten die Berliner Zukunftsforscher zu ermitteln, was sich dadurch für ihre Prognosen veränderte. In einem ersten „Stresstest“ wurden im Frühjahr 2020 insgesamt 117 Zukunftsexperten einvernommen. Drei Viertel von ihnen sprachen sich für einen „optimistischen Entwicklungspfad“ aus und erwarteten einen „positiven Strukturwandel nach der Corona-Krise“. Ein Jahr später, im Sommer 2021, hatte sich bei der nichtrepräsentativen Befragung von weiteren 175 „Zukunftsexperten und Zukunftsinteressierten“ das Meinungsbild bereits gedreht. Nun sahen nur noch 37 Prozent in der Post-Corona-Zeit einen „Strukturwandel kommen, der zu mehr Nachhaltigkeit und Gemeinwohl“ führt. Die Mehrheit dagegen, 58 Prozent, hielt die „Rückkehr zur alten Normalität“ für plausibler.

Ist es nicht seltsam, die bezahlten Diener immer an ihre Pflichten erinnern zu müssen ?

In der Interpretation der Befragungsergebnisse blickt das D2030-Team in eine stärker polarisierte Zukunft. „Bestätigt hat sich die Befürchtung aus frühen Corona-Phasen, dass starke Wertekonflikte in der Gesellschaft aufbrechen werden“, fasst Klaus Burmeister einen neuen Trend zusammen. „So wurde während oder durch die Corona-Krise die vormalige Dominanz globaler und offener Ansätze gebrochen – selbst bei der gewünschten Zukunft haben regressive Sichtweisen erkennbar zugelegt.“ Auch hätten sich „eine Reihe von Hoffnungen aus der frühen Corona-Zeit eben nicht erfüllt“, darunter die Stärkung hochqualitativer Medienangebote, die Auflösung des Gegensatzes von Wirtschafts- und Umweltinteressen sowie die „breitere Erprobung von neuen Formen von Gemeinschaft und kultureller Offenheit“. Stattdessen entstand die „Querdenker“-Bewegung und eine weit verbreitete Impfskepsis.

Alles schlechter durch Corona? Keineswegs, relativiert der neue Zukunfts-Befund von D2030. Die Mehrzahl der Deutschen habe während der Coronakrise auch positive Erfahrungen gemacht. Stichworte sind Homeoffice, Impfinnovationen, Solidarität, Digitalisierung. „Mit Corona haben sich auch positive Entwicklungen verfestigt, beispielsweise die Erschließung ländlicher Räume und die Stärkung hochwertiger Produkte aus regionalen Kreisläufen“, heißt es in der Bilanz. Darüber hinaus seien auch Befürchtungen wie einer starke Wirtschaftskrise oder einem vollständigen Zusammenbruch des Gesundheitssystems ausgeblieben. Auf mittlere Sicht hat die D2030-Gruppe zwei klare Zukunftstrends ausgemacht. Zum einen werde die Klimakrise, die durch Corona zwischenzeitlich zurückgedrängt wurde, „das beherrschende Thema der Post-­Corona-Zeit sein“. Zum zweiten seien die Veränderungen der Arbeitswelt durch Corona beschleunigt worden. Hier werde sich – durch räumlich verteilte und digitalisierte Arbeit – eine „neue Normalität“ einstellen.

Quelle         :       TAZ-online           >>>>>           weiterlesen

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Grafikquellen  :

Oben       —    Übertragung und Lebenszyklus von SARS-CoV-2, das COVID-19 verursacht. SARS-CoV-2 wird über Atemtröpfchen infizierter Fälle auf orale und respiratorische Schleimhautzellen übertragen. Das Virus, das ein einzelsträngiges RNA-Genom besitzt, das in Nukleokapsid (N) -Protein und drei Hauptoberflächenproteine eingewickelt ist: Membran (M), Hülle (E) und Spike, repliziert sich und gelangt in die unteren Atemwege, was möglicherweise zu einer schweren Lungenentzündung führt. Das Tor zum Eintritt in die Wirtszelle (vergrößerte Ansicht) ist über spike-converting enzyme 2 (ACE2) Interaktion mit der Spaltung von Spike im Präfusionszustand durch Proteasen TMPRSS-2/furin. Eine vereinfachte Darstellung des Lebenszyklus des Virus wird zusammen mit möglichen Immunantworten gezeigt.

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Unten      —         Deklaration der Menschenrechte

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COVID-Ahnungslosigkeiten

Erstellt von DL-Redaktion am 13. Januar 2022

COVID-19 – die bewusste und absichtliche Ahnungslosigkeit

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Haben sich diese Steckenpferd-Reiter ihre Schwerter von der STIKO ausgeliehen?

Von Johannes Kreis

wir möchten einige Anmerkungen zu den diversen Beschwerden machen, die seit 2 Jahren geäußert werden, nämlich es gäbe keine ausreichenden Daten zu COVID-19 oder den Maßnahmen.

Das ist Unsinn. Aber die Daten widersprechen sowohl der Story von dem Killervirus als auch der Lüge von den sicheren Impfstoffen. Seitens einiger Gesundheitsexperten scheint es Usus zu sein, alles und jedes in Zweifel zu ziehen, um dann diese Zweifel zugunsten der Mächtigen auszulegen.

Hier nun die Daten, die einige Gesundheitsexperten bislang nicht gefunden zu haben scheint. (Dieses Problem teilen sie mit sämtlichen deutschen Gerichten.)

a) Fehlende Überlastung der Krankenhäuser und Intensivstationen

Zunächst der erneute Hinweis auf den seit 2 Jahren normalen Krankenstand in Deutschland, tendenziell sogar niedriger als normal. Es ist ausgeschlossen, dass bei einem Erreger, der in der Mehrzahl zu schwachen oder gar keinen Symptomen führt (Ischgl Phänomen), die Krankenhäuser überlastet sind, wenn der Krankenstand nicht einmal über normal liegt.

Der Krankenstand war in 2020 insgesamt gesunken und COVID-19 spielte bei den Krankmeldungen eine untergeordnete Rolle,

Covid-19 spielt eine eher untergeordnete Rolle – Die Krankschreibungen aufgrund der Diagnose Covid-19 spielen eine eher untergeordnete Rolle im Vergleich zu den anderen Erkrankungen. Deutschlandweit verzeichnete die TK im letzten Jahr rund 5,3 Millionen Krankschreibungen, davon 26.833 aufgrund von Covid-19.“

Krankenstand insgesamt gesunken – Insgesamt betrachtet, liefert der Gesundheitsreport jedoch keine Hinweise auf eine grundsätzliche Verschlechterung der Gesundheit von Erwerbspersonen durch die Coronapandemie. Mit einem Krankenstand von 4,14 Prozent lag das Jahr 2020 sogar unter den Werten der Vorjahre (2019 4,22 Prozent; 2018 4,25 Prozent).“

„Krankschreibungen aufgrund von Covid-19-Diagnosen hätten dagegen mit statistisch gesehen 0,04 Tagen nur einen sehr geringen Teil des Krankenstandes im Jahr 2020 ausgemacht.“

Und jetzt wird behauptet, dass der nicht-existente Zusatzbeitrag zur Krankheitsbelastung im Gesundheitswesen größer geworden ist, nachdem nicht alle 81 Mio. Einwohner nicht geimpft sind, sondern nur noch 21 Mio.?

Die offiziellen Daten der Arbeitsgruppe Influenza des RKI zu zeigen seit 2 Jahren, dass sich die Zahl der Atemwegserkrankungen auf einem niedrigen Niveau innerhalb der saisonalen Spannweite bewegen. Wie soll das zu einer Krankenhausüberlastung führen? Wo ist da überhaupt die Pandemie?

[Abb. 1: Vergleich der für die Bevölkerung in Deutschland geschätzten ARE-Raten (in Prozent) in den Saisons 2017/18 bis 2021/22, bis zur 49.KW 2021]

Bei Zahnärzten kam es zu keiner nennenswerten Zahl von COVID-19 Erkrankungen und das bei einem angeblich hochinfektiösen Erreger, der über die Atemwege übertragen wird,

„Eine Statistik der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege zeigt, dass von 20.000 Meldungen über eine Berufserkrankung mit COVID-19 die wenigsten auf den Bereich der Zahnmedizin entfallen. Hier gab es nur 85 gemeldete Fälle.“

„Im zahnmedizinischen Sektor wurden hingegen nur 85 Verdachtsfälle bei rund 240.000 Vollbeschäftigten gemeldet.“

Auch in anderen Berufsgruppen mit engem Kontakt gab es kein erhöhtes Krankheitsrisiko. Das kann man nicht alles auf ein Präventionsparadoxon schieben.

„Die Gesamtergebnisse der Studie würden verdeutlichen, dass zu keinem Zeitpunkt ein höheres Risiko für das Zugpersonal gegenüber den anderen Mitarbeitenden ohne häufige Kundenkontakte bestand, so die Deutsche Bahn zum Ergebnis der Untersuchung.“

Ein direktes Nachzählen der Krankenhaus-Behandlungen ergibt, dass auch ohne Impfung die Krankenhausauslastung in 2020  unter der von 2019 war. Das hat sich in 2021 fortgesetzt.

„Im gesamten Jahr 2020 wurden insgesamt 13,8% weniger Patienten im Krankenhaus behandelt als 2019. In den ersten 26 Kalenderwochen des Jahres 2021 blieb die Fallzahl 20,1% hinter dem Vergleichszeitraum 2019 zurück. Auch die Gesamtzahl der SARI-Fälle, Intensivfälle und Beatmungsfälle blieb im Untersuchungszeitraum unter den Zahlen aus 2019.“

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Selbst das Bundesgesundheitsministerium teilte Ende April 2021 mit, dass „die Pandemie zu keinem Zeitpunkt die stationäre Versorgung an ihre Grenzen gebracht hat“.

Die Mitglieder des Beirats betonten, dass die Pandemie zu keinem Zeitpunkt die stationäre Versorgung an ihre Grenzen gebracht hat.“

Seit 2 Jahren kann man sich die niedrige Auslastung der 89 Helios-Kliniken in Deutschland anschauen.

[PDF auf der Mitte der Seite]

Wem diese Daten nicht klar waren, konnte auch den Chef der Helios-Kliniken, Francesco De Meo, fragen,

Der Chef der Krankenhauskette Helios schätzt die Lage in den Krankenhäusern aktuell als nicht dramatisch ein. Es habe schon immer volle Intensivstationen gegeben. Er ist dagegen, den Leuten „zusätzliche Angst zu machen“.“

„Patienten in Deutschland würden oft schnell auf die Intensivstation verlegt – man müsse erst noch sehen, ob das auch eine bessere Versorgung bedeute. In Spanien, wo Helios auch rund 40 Kliniken betreibe, gebe es in etwa so viele Corona-Infektionen wie in Deutschland, und auch die Gesamtzahl der Behandlungen im Krankenhaus sei ähnlich. Jedoch gebe es in Deutschland dreimal so viele Covid-Patienten auf der Intensivstation wie in Spanien. „Die Sterblichkeit ist dann in beiden Ländern aber wieder ungefähr gleich“, sagte er.

Es ist nicht zu erklären, dass bei einer angeblichen Überlastung der Krankenhäuser, selbige schließen können und weiter Intensivkapazitäten abgebaut werden.

Trotz mehr Krankenhäusern damals, gab es auch vor 2019 jeden Winter Beschwerden über zu wenig Kapazitäten, und das in dem Land mit den meisten Intensivkapazitäten in Europa.

Nach Daten der OECD verfügt Deutschland über mehr als 3x so viele Intensivbetten pro Einwohner als Spanien, Italien, Schweden oder Dänemark. Warum es in Deutschland trotzdem nicht reichen soll, werden wir von diesen Herrschaften nicht erfahren.

In conclusion, some countries (e.g., Germany) are particularly well positioned to manage a swiftly increased need for intensive care, whereas others (e.g., Denmark, Italy or Sweden) have lower numbers of intensive care beds that are also spatially more concentrated, and thus localized shortages are possible during a locally increased need for intensive care.”

Welche Daten sollen hier noch fehlen?

b) Dokumentierte Impfschäden

Man kann in 6 Monaten keine sicheren Impfstoffe entwickeln, wenn es sonst 10 Jahre dauert. Diese Grundtatsache sollte die Analyse leiten. Es ist gegen jede Erfahrung davon auszugehen, dass die Experimental-Impfstoffe nebenwirkungsfrei seien, wie ein Herr Lauterbach behauptet hat.

Charleroi - station Janson - Les psy - 01.jpg

Dass dem nicht so ist verraten schon die derzeit 10 Rote-Hand-Briefe zu den 4 bedingt zugelassenen SARS-CoV2-Experimental-Impfstoffen.

Allein die derzeit dem PEI gemeldeten Todesfälle aufgrund von mRNA Impfstoffen übersteigen die aller anderen Impfstoffe aus dem Zeitraum 2000-2020 zusammen um ein Vielfaches,

Wem der Schutz des Lebens am Herzen liegt, der verläßt aber nicht alleine auf das PEI. Wer Leben schützen will, der schaut auch in die Nebenwirkungsdatenbanken.

Eine Zusammenfassung zu den Nebenwirkungen mit periodischen Aktualisierungen findet man unter,

Die Original-Daten können auch über die Web-Anwendung der EudraVigilance Datenbank abgerufen werden,

Aufgeführt unter Buchstabe „C“:

COVID-19 MRNA VACCINE PFIZER-BIONTECH (TOZINAMERAN)

COVID-19 VACCINE ASTRAZENECA (CHADOX1 NCOV-19)

COVID-19 MRNA VACCINE MODERNA (CX-024414)

COVID-19 VACCINE JANSSEN (AD26.COV2.S)

Man findet in der EudraVigilance Datenbank ca. 550.000 Fälle von schweren Nebenwirkungen und über 20.000 Tote.

Tote und schwer Geschädigte in vergleichbarer Zahl findet man auch in der VAERS Datenbank der USA, mit 20.244 Toten durch eine COVID-19 Impfung (Stand 20.12.2021), vgl.

Zahlreiche Berichte zu schweren Nebenwirkungen, bis zum Tod nach Impfung, findet man im Internet.

Viele ungeklärte Todesfälle im Zusammenhang mit einer Impfung, besonders bei jungen Menschen, findet man auf,

Klammheimlich wurden zu tödliche Impfstoffe schon ausgemustert. Soll das als besonderes Qualitätsmerkmal gelten?

Es gibt zahlreiche weitere Berichte, die die Daten der EudraVigilance Datenbank stützen.

In Finnland, Dänemark und Schweden scheinen die Daten auszureichen, um den Gebrauch von Moderna einzuschränken,

Man kann auch den Betroffenen bzw. ihren Hinterbliebenen zuhören, wenn sie berichten,

Welcher Daten bedarf es noch, um den Experimental-Impfungen die bedingte Zulassung endlich zu entziehen?

An die Adresse all derjenigen, die glauben, eine gesellschaftliche Spaltung sei das Schlimmste, sei gesagt: das ist nicht das Schlimmste. Das Schlimmste sind die viele Opfer der Impfungen, die namenlos bleiben sollen, um den Profit nicht zu gefährden.

c) Kinder keine Pandemietreiber

Von Anfang an war klar, dass das Risiko von Kindern, schwer an COVID-19 zu erkranken, verschwindend gering ist,

Es sind in 2020 mehr Kinder und Jugendliche im Alter bis zu 20 Jahren ertrunken, als mit einem positiven COVID-19 Test verstorben.

[Folie 6, Ertrunkene nach Altersgruppen]

 49 (58) Fälle von Ertrinken im Alter bis 20 Jahre, davon 17 (18) Fälle im Vorschulalter in 2020 (2019). Dem gegenüber stehen (in Summe seit Anfang 2020 bis heute) 35 Fälle von Tod mit positivem COVID-19 Test unter 20 Jahren.

„Bislang sind dem RKI 35 validierte COVID-19-Todesfälle bei unter 20-Jährigen übermittelt worden. Diese Kinder und Jugendlichen waren zwischen 0 – 19 Jahre alt. Bei 25 Fällen lagen Angaben zu bekannten Vorerkrankungen vor.“

Was genau fehlt noch, um zu einer Einschätzung der Situation zu kommen? Alternativ kann man auch fragen, warum die Altmedien bislang nicht in der Lage waren, diese Daten zu finden. Oder deutsche Verwaltungen oder Gerichte?

(Noch) bessere Daten einzufordern geht immer. Damit kann man sich sehr einfach als besonders vorsichtiger Analytiker profilieren, ohne allzu sehr in der Politik anzuecken. Aber das hilft niemandem. Und die Menschen sterben weiter.

Hier ist es sogar so, dass bewußt seitens der Pharmaindustrie Daten zerstört werden, z.B. durch das Un-Blinding der Studien, d.h. dem Auflösen der Kontrollgruppen.

Den Falschdarstellungen in den Altmedien nach kann jeder Bundestagsabgeordnete annehmen, dass das maximale Risiko bei einer Impfpflicht die unklaren Daten seien. Das ist mitnichten so.

Es ist Gewißheit, ohne jede Unsicherheit, dass es durch die Impfungen Tote gegeben hat und weiter geben wird. Diese Menschen sind an überhastet entwickelten und nicht getesteten Experimental-Impfstoffen gestorben, gegen einen Virus, der nicht einmal zu einem Krankenstand über normal geführt hat.

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Grafikquellen      :

Oben       —    Els Cavallets (little horses) during the dance of the giants at 07.09.2008 (Great festival of Olot 2008 at the Placa Major)

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Schweizer Impfdebatte

Erstellt von DL-Redaktion am 10. Januar 2022

 200 Jahre Kampf um die Impfhoheit

Historische Karikatur Pockenimpfung

Edward Jenner impft Menschen gegen Pocken. Seine Vakzine gewann er aus Kuhpockenpusteln. Diese historische Karikatur von James Gillray aus dem Jahr 1802 nahm die Befürchtungen der geimpften Personen aufs Korn: Den Geimpften wachsen Kühe aus den Leibern.

Quelle      :        INFOsperber CH.

Von Hans-Ulrich Jost /   

Die Debatte um eine Impfpflicht verlief schon in früheren Jahrhunderten aufgeheizt. Es ging dabei nicht nur ums Impfen.

Am 5. Februar 1882 versammelten sich vierzig Männer im Bahnhofbuffet Olten, um – wie die «NZZ» berichtete – einen «Referendumssturm» gegen den Impfzwang zu lancieren. Die Impfgegner kamen aus den Kantonen Basel, Aargau, Zürich, St.Gallen, Solothurn und Bern. Die welsche Schweiz und das Tessin waren nicht vertreten. Und Frauen fehlten offenbar auch.

Es ging um das vom Bundesrat vorgelegte Bundesgesetz betreffend Massnahmen gegen gemeingefährliche Epidemien (Pocken, Cholera, Fleckfieber, Pest). Die eidgenössischen Räte hatten der Vorlage mit klarem Mehr zugestimmt: 83 zu 12 Stimmen im Nationalrat, 24 zu 11 im Ständerat. Im Volk hingegen waren die Massnahmen umstritten. Im Zentrum der Kritik stand die obligatorische Impfung gegen Pocken, zu deren Durchsetzung auch Bussen vorgesehen waren. An sich war die Impfpflicht nicht neu. Verschiedene Kantone hatten schon im Laufe des 19.Jahrhunderts zu dieser Massnahme gegriffen, ohne diese jedoch wirklich durchsetzen zu können.

Impfpolemik als Politikersatz

Es ging allerdings vielen Gegnern des Gesetzes von 1882 nicht nur ums Impfen. Die Referendumsbewegung richte sich, schrieb etwa die Tessiner «Libertà», nicht bloss «gegen das Seuchengesetz, sondern gegen die Seuche der eidgenössischen Gesetzgebung». Diese müsse in erster Linie bekämpft werden. Der «Referendumssturm» erwies sich in der Tat als Sammelbewegung, in der sich die Katholisch-Konservativen, die eingeschworenen Föderalisten und verschiedenste Gegner der modernen Medizin zusammengefunden hatten. Hinzu kam auch eine nicht zu vernachlässigende Gruppe von Bürgern, die einfach ihrem gegen die Obrigkeit gerichteten Unmut Ausdruck geben wollten. Und für die im Bundesrat nicht vertretenen Katholisch-Konservativen ging es schlicht darum, ihre plebiszitäre Stärke zu zeigen. Das katholische «Vaterland» schrieb am 26.Juli 1882, mit dem Referendum solle «auch diesmal dem Versuche einer neuen bundesstaatlichen Zwängerei und Hineinregieren in die kantonale Gesetzgebung das Genick gebrochen werden». Das Resultat der Abstimmung war überwältigend: 264’340 Ja-Stimmen gegen 68’027 Nein. Nur ein Stand, Neuenburg, stimmte gegen das Referendum.

Der Bundesrat gab sich nicht ganz geschlagen und legte 1886 ein überarbeitetes Epidemiegesetz vor, in dem die Impfpflicht nicht erwähnt ist. Gegen diese neue Vorlage kam es zu keinem Referendum. In ausserordentlichen Situationen griff der Bundesrat jedoch zu Massnahmen, die einer Impfpflicht gleichkamen. Er erklärte beispielsweise während des Zweiten Weltkrieges die Pockenimpfung für Säuglinge und Kleinkinder obligatorisch.

Die Abstimmung von 1882 bildete einen gewichtigen Beitrag zu den zwischen 1875 und 1884 lancierten Referendumsstürmen, mit denen die freisinnige Vorherrschaft gebrochen werden sollte. Dabei kamen die unterschiedlichsten Vorlagen ins Schussfeld der Gegner des freisinnigen Bundesstaates. Ein erster Höhepunkt bildete der Kampf gegen den «Schulvogt», einen neu anzustellenden Departementssekretär, der statistisches Material zu Schulfragen aufarbeiten sollte. Der letzte Sturm, 1884, galt dem «vierhöckerigen Kamel». Gemeint waren damit vier Vorlagen: eine Bundesstrafrechtsnovelle, eine Sekretärstelle im Justiz- und Polizeidepartement, Patenttaxen für Handelsreisende und ein Kredit von 10’000 Franken für die Botschaft in Washington. Das vierhöckerige Kamel überlebte diesen Referendumssturm nicht. Alle vier Vorlagen wurden verworfen.

Mit Vorlagen wie dem Epidemiegesetz oder dem Schulvogt wurden die heftigsten Emotionen geweckt. Um die katholisch-konservative Opposition zu besänftigen und die Referendumsstürme zu beenden gab der Freisinn schliesslich klein bei und überliess 1891 dem Führer der katholisch-konservativen Opposition, Josef Zemp, einen Sitz im Bundesrat.

Der Jahrhundertkampf um die Pockenimpfung

Die Impffrage betraf in erster Linie die Pocken, eine seit Jahrhunderten weltweit auftretende Seuche mit relativ hohen Todesraten. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erkannte man, dass dank Inokulation von Flüssigkeit aus Pockenbläschen Immunität erzeugt werden konnte. In der Schweiz hatte schon 1754 der weit über die Grenzen hinaus bekannte Arzt Samuel August Tissot die Pockenimpfung propagiert. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entdeckten dann englische Ärzte, dass sich mit Kuhpocken eine ungefährliche Impfung durchführen lässt. Dank einer 1798 publizierten populären Schrift von Edward J. Jenner (1749-1823) fand diese neue Impfmethode weite Verbreitung. Die polemischen, die Impfung betreffenden Auseinandersetzungen hielten jedoch unvermindert an.

Neben Tissot hatte der in Bischofszell praktizierende Jakob Christoph Scherb die «Einpfropfung der Pocken» nicht nur propagiert, sondern in grossem Umfang selbst durchgeführt. Scherb machte zudem Karriere in der Politik und sass von 1803 bis 1807 im thurgauischen Regierungsrat; er verordnete in dieser Zeit die Durchführung von Pockenimpfungen. Andere, die Impfung praktizierende Ärzte stiessen oft nicht nur auf den Widerstand der Bevölkerung, sondern auch auf wenig Verständnis von Seiten der Obrigkeit oder der amtlichen Medizinalkommissionen. Dies war etwa der Fall bei Ignaz Paul Vital Troxler, einem Luzerner Arzt, Philosoph und Politiker, der sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts vehement für die Pockenimpfung einsetzte. Er kritisierte zugleich das Luzerner Medizinalwesen und die obrigkeitliche Sanitätspolitik. Diese Kritik war Bestandteil seines politischen Kampfes für ein liberales und demokratisches Staatswesen. Dank seinen politischen und staatsrechtlichen  Schriften fand – nebenbei gesagt – 1848 das Zweikammersystem in der neuen Bundesverfassung Eingang.

Inkohärente Impfmassnahmen im 19.Jahrhundert

Obwohl systematische Pockenimpfungen eindeutig positive Resultate verzeichneten, setzte sich in der Schweiz keine kohärente Impfpolitik durch. Zwar führten in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts einige Kantone ein Impfobligatorium ein, doch die praktische Durchführung war uneinheitlich und nachlässig. Gelegentlich kam es allerdings zu handfesten Massnahmen. So beschloss beispielsweise der Grosse Rat Graubündens, die Namen der sich der Impfung widersetzenden Vorsteher, Gemeinden oder Partikularen öffentlich bekannt zu machen. Es wurde auch versucht, mit Bussen das Impfobligatorium durchzusetzen.

Mit der revidierten Bundesverfassung von 1874 erhielt der Bund schliesslich die Kompetenz, bei gemeingefährlichen Epidemien gesundheitspolitische Massnahmen zu treffen. Möglicherweise hatte der deutsch-französische Krieg 1870/71 den Befürwortern von Impfungen ein handfestes Argument geliefert. Beide Armeen waren von einer verheerenden Pockenepidemie erfasst worden. Doch die preussische Armee, deren Soldaten gegen Pocken geimpft waren, verzeichnete nur 8500 Infizierte und 450 Tote (5%), während auf französischer, ungeimpfter Seite 125’000 Infizierte und 23’500 Tote (19%) zu beklagen waren. In der Schweiz hatte denn auch das Militärdepartement Pockenimpfungen beim Eintritt in die Rekrutenschule angeordnet.

Impfpolitik auf Bundesebene

1893 schuf der Bund ein Gesundheitsamt. Anlass zu dieser Gründung war die Internationale Sanitätskonvention betreffend einheitlicher Schutzmassnahmen gegen die Cholera. Zur Rechtfertigung des Gesundheitsamtes erklärte der Bundesrat, die «Erhaltung und Förderung der Volksgesundheit» zähle zu den «vornehmsten aller Güter […] auf dem jegliche Arbeit und jeder wahre Fortschritt» beruhten. In Verbindung mit dem eidgenössischen statistischen Büro publizierte das Gesundheitsamt ein «Sanitarisch-demographisches Wochenbulletin der Schweiz». Der Bund übernahm hiermit die Überwachung und Förderung der Volksgesundheit. Mit dem Epidemiegesetz und dem Gesundheitsamt verfügte der Bund über Instrumente, die ihn zum Eingreifen bei Epidemien berechtigen. Die dabei gemachten Erfahrungen – in den Weltkriegen oder anlässlich der spanischen Grippe von 1918 – führten 1974 zu einer Totalrevision des Gesetzes von 1886.

Die Beispiele aus der Geschichte zeigen, dass Auseinandersetzungen über die Impfpflicht emotionell stark aufgeladen sind. Dies erlaubt partikularen Gruppen, als Trittbettfahrer an den politischen Kampagnen mitzumachen und ihre Potenz zur Geltung zu bringen. Mit polemischen und populistischen Vorstössen zog man Aufmerksamkeit auf sich und hoffte, mit Impfgegnern und generell unzufriedenen, aber apolitischen Bürgern und Bürgerinnen das eigene Lager zu stärken. In die sachlich-politische Argumentation mischten sich Vorurteile und Phantasmen. Dies gefährdete nicht nur gesundheitspolitische Massnahmen, sondern auch die demokratischen Prozesse im Rechtsstaat.

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Grafikquellen        :

Oben      —      Vorstellung von Citizen Volpone & His Suite, in Paris.–Vide, The Moniteur, & Cobbetts Letters

   Quelle/ Autor         Metropolitan Museum of Art, Online-Datenbank: Eintrag 391788

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Grüne BTA zur Impfpflicht

Erstellt von DL-Redaktion am 9. Januar 2022

„Eine Pflicht auch für den Staat“

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Das Interview führte Eiken Bruhn

Kirsten Kappert-Gonther, Grüne und Psychiaterin, war lange gegen eine Impfpflicht. Nun ist sie dafür – nennt für deren Einführung aber eine zentrale Voraussetzung.

taz: Frau Kappert-Gonther, ursprünglich sollte in der kommenden Woche im Bundestag über die Impfpflicht debattiert werden. Jetzt wird das auf Ende Januar verschoben. Wie finden Sie das?

Kirsten Kappert-Gonther: Die Debatte wurde nicht verschoben, weil sie noch gar nicht angesetzt war. Es ist notwendig, diese Diskussion mit Zeit und Sorgfalt zu führen. Ich gehe davon aus, dass wir uns noch im Januar mit konkreten Vorschlägen entlang den Empfehlungen des Ethikrats beschäftigen werden und anschließend ins Gesetzgebungsverfahren einsteigen. Aus meiner Sicht ist das in Anbetracht der Entwicklung des Pandemiegeschehens geboten.

Aber es gibt starke Vorbehalte – vor allem in der FDP, aber sicher auch bei den Grünen.

Dass das Impfen der Weg raus aus der Pandemie ist, da gibt es unter den Abgeordneten der demokratischen Fraktionen ein weitgehendes Einvernehmen. Ob wir eine allgemeine Impfpflicht brauchen und wie diese ausgestaltet werden sollte, dazu wird es vermutlich unterschiedliche Meinungen und Vorschläge in Form von fraktionsübergreifenden Gruppenanträgen geben.

Sie haben selbst die Impfpflicht lange abgelehnt. Warum sind Sie jetzt dafür?

Ich gehe davon aus, dass die Impfpflicht einen signifikanten Beitrag dazu leisten kann, diese Pandemie zu überwinden. Wegen Delta und jetzt Omikron brauchen wir eine höhere Impfquote, als wir sie bisher ohne die Pflicht erreicht haben. Allerdings müssten wir gar nicht über eine Impfpflicht sprechen, wenn die bisherige Impfkampagne bundesweit besser gewesen wäre.

Das heißt, sie ist eine Notlösung?

Sie ist ein Baustein zur Überwindung der Pandemie, und sie wird erst mittelfristig als Schutzschild gegen zukünftige Wellen greifen, das muss allen klar sein. Deshalb bleibt es erst einmal notwendig, Maske zu tragen, Abstand zu halten und Kontakte zu reduzieren. Und damit die Impfpflicht überhaupt wirksam werden kann, muss sie gut ausgestaltet sein.

Der Ethikrat hat sich kurz vor Weihnachten ähnlich geäußert. Die Impfpflicht sei „kein Allheilmittel“, es brauche auch eine „flächendeckende Infrastruktur“ mit „niedrigschwelligen Impfangeboten“. Aber wenn es solche Angebote bisher nicht gegeben hat in den meisten Bundesländern, warum sollen die sich jetzt noch anstrengen? Mit der Impfpflicht wird die Verantwortung an die Bür­ge­r:in­nen abgegeben.

Nein, es muss eine doppelte Verpflichtung geben, also auch für den Staat, die geeignete Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Wir sehen ja an Bremen, welche Quoten möglich sind, wenn die Impfkampagne gut organisiert ist. Politik und Verwaltung haben dort eine Positivspirale in Gang gesetzt: Je mehr Menschen sich impfen lassen, desto mehr ziehen sie mit. Da kann die Impfpflicht einen Beitrag leisten, aber nur, wenn der Staat die Impfung wie in Bremen zu den Menschen bringt: als ermöglichender, nicht verfolgender Staat. Dazu gehört, dafür zu sorgen, dass auch diejenigen den Schritt gehen können, die bisher Zweifel haben oder sogar Angst.

Die Impfpflicht kann für diese Menschen auch ein Segen sein, weil sie endlich nicht mehr abwägen müssen, wovor sie sich mehr fürchten: der Impfung oder der Krankheit.

Ich vermute, dass das auf diejenigen zutrifft, die sehr ambivalent sind und sich gedanklich im Kreis drehen. Die sind vielleicht sogar erleichtert. Aber die Gruppe der Ungeimpften ist heterogen. Es gibt auch diejenigen, die es bisher einfach nicht geschafft haben, die Impfung in ihren Alltag zu integrieren. Und ich gehe davon aus, dass es auch Menschen gibt, die eigentlich große Angst vor der Pandemie haben, das aber verdrängen und die Angst unbewusst verschieben. Auf etwas, das sich – anders als die Pandemie – vermeiden lässt, nämlich auf die Impfung. Dann werden Widerstände gegen die Impfung entwickelt, ohne sich der Ursache bewusst zu sein. Für viele dieser Menschen können Gesprächsangebote zum begleiteten Impfen sinnvoll sein.

Also mehr als das ärztliche Aufklärungsgespräch?

Ja, eine Impfpflicht bedeutet nicht weniger, sondern mehr Kommunikation. Es braucht Personen, die geschult sind im Gespräch, zum Beispiel Psychotherapeut:innen, um Sorgen und Widerstände in Ruhe zu besprechen. Und das mehrsprachig.

Sie sind Psychiaterin und Psychotherapeutin. Wie entstehen solche Sorgen und Widerstände?

Dahinter können biografische Gründe stecken, zum Beispiel eine Traumatisierung, Erlebnisse in einem autoritären Staat oder eine erfahrene Impfnebenwirkung bei sich oder nahen Menschen.

Waldprotest Dannenrod vor grünen Parteizentrale Berlin Diskussion mit Robert Habeck 28.10.2020 09.jpg

Wer hat die Protestierenden verraten? Es waren die Grüne welche es taten !

Das heißt, es geht bei vielen womöglich um ihre Selbstwirksamkeit, sich nicht ausgeliefert fühlen zu müssen?

Ja, und dieser Punkt ist mir sehr wichtig. Es darf heute zum Glück nur noch medizinische Eingriffe geben, wenn die Patientin oder der Patient eingewilligt hat. Dazu gehört auch eine Impfung. Immerhin überwindet eine Spritze die Hautschranke zwischen Außen und Innen. Ohne Einwilligung wäre das ein Impfzwang – den darf es nicht geben.

Also auch keine Sanktionen?

Doch, eine Impfpflicht wäre verbunden mit Bußgeldern, wenn ihr nicht nachgekommen wird.

Wären die Beratungsgespräche ergebnisoffen, so wie in der Schwangerschaftskonfliktberatung?

Nein, das ist eine andere Situation. Der Staat will, dass du dich impfen lässt und soll dich in den Stand versetzen, Sorgen, Ängste, Ambivalenzen zu überwinden.

Das ist doch keine Beratung, das ist Überreden.

Das Ziel ist es, den Menschen alle Informationen in einem geeigneten Rahmen zur Verfügung zu stellen, die sie brauchen, um zu einer informierten Entscheidung zu kommen – im Sinne der Pandemiebekämpfung.

Aus Studien geht hervor, dass bei vielen die Ablehnung der Impfung nichts mit Ängsten vor Nebenwirkungen zu tun hat, sondern sie ihre Unzufriedenheit mit der Regierung an sich ausdrücken wollen. Da helfen keine psychotherapeutischen Gespräche.

Quelle       :          TAZ-online            >>>>>        weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —   Kirsten Kappert-Gonther (Bündnis 90/Die Grüne) beim Bundestagsprojekt 2020

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Unten        —         Protestaktion an der Bundesgeschäftsstelle der Partei Bündnis 90/Die Grünen gegen den Bau der Autobahn 49 am 28. Oktober 2020. Bei der Aktion wurde ein Gespräch mit einer Person aus dem Parteivorstand gefordert. Der Bundesvorsitzende Robert Habeck kam daraufhin zu einem Gespräch.

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Legal – illegal – scheißegal

Erstellt von DL-Redaktion am 8. Januar 2022

Ein- und Ausreise polnischer Pflegekräfte während der Pandemie

Von Wolfgang Erbe

Zur Frage der Ausbeutung ausländischer Pflegekräfte während der Pandemie

500 Euro die Woche, Kost und Logis frei, und ein freier Tag pro Woche. Was hätten wir nur ohne Milena und Aneta gemacht? In ein Heim wollte meine Mutter nicht, aber mit über 90 Jahren brauchte sie Hilfe, bei allem.

Die Damen aus Polen, beide Ende Fünfzig, ihre Kinder erwachsen und aus dem Haus, wechselten einander im Rhythmus von fünf oder sechs Wochen in der Betreuung ab.

Sie besorgten den Haushalt, kauften ein, bereiteten die Mahlzeiten –
Milena ist eine exzellente Köchin –
machten die Wäsche und halfen meiner Mutter beim Waschen, beim Anziehen und schoben sie im Rollstuhl auf Spazierfahrt. Und waren liebevolle, großartige Gesellschafterinnen.

Im Souterrain des Bungalow hatten sie ihr Zimmer und schliefen offenbar mit aufgerichtetem Ohr und waren zur Stelle, wenn ihre Patientin nachts zur Toilette tappte.

Und dann war Pandemie. Mitte März 2020 verkündete Innenminister Seehofer, die Grenze sei dicht. Wer weder Bundesbürger sei noch als Ausländer dauerhaft in Deutschland lebe, dürfe nur noch aus „triftigem Grund“ einreisen – etwa als Berufspendler.

Milena war in Polen und sollte Aneta in zwei Wochen ablösen. Was war zu tun?

Nach Schätzungen arbeiten 200.000 bis 300.000 Osteuropäerinnen in Deutschland als häusliche Pflegekräfte, vermutlich zu neunzig Prozent schwarz. Private Kleinbusse für einen Fahrer und acht Passagiere verkehren wöchentlich zwischen den wichtigsten Zentren beider Länder. Der Bus sammelt acht Fahrgäste in Polen ein und setzt sie an ihren jeweiligen Bestimmungsorten innerhalb eines bestimmten Umkreises in Deutschland ab. Wer zu-
letzt abgesetzt wird, ist dann schon mal acht, neun Stunden unterwegs. Der Fahrer übernachtet in seinem Bus und fährt am Morgen dieselben Stationen wieder an, um die heimkehrenden Kräfte aufzunehmen.

Auf Milena und Aneta wartete hinter der Grenze immer die Dame, die ihnen den Job vermittelt hatte, um 50 Euro für jede Woche abzufordern.

Würde man Milena einreisen lassen? Würde Polen sie überhaupt ausreisen lassen?

Auf der Site des Ministeriums fand ich den Vordruck der Bescheinigung für Berufspendler. Als Firmenadresse gab ich Namen und Wohnort meiner Mutter an, in das Feld für den Stempel des deutschen Unternehmens setzte ich meine Unterschrift und schickte Milena das Formblatt per Mail.

Sie kam. Und wir hatten zu viert einen sehr fröhlichen Abend. Die polnischen Grenzbeamten hatten weder sie noch die übrigen Mitreisenden kontrolliert. Der Bus wurde durchgewinkt. Und wurde auf deutsche Seite wieder durchgewinkt.

Anderntags, früh um sechs Uhr holte der Bus Aneta ab. Nachmittags rief sie von daheim in Polen an. Unmittelbar vor der Grenze seien die Passagiere ausgestiegen, Koffer und Tasche blieben im Bus. Zu acht gingen sie zu Fuß über die Grenze und wurden angewiesen, sich 14 Tage in häusliche Quarantäne zu begeben.

Der Busfahrer – mit acht Koffern und acht Taschen an Bord – gab an, nur Waren aufgenommen, ohne dabei persönliche Kontakte gehabt zu haben, weshalb er nicht in Quarantäne musste. Er durfte passieren und nahm anschließend seine Mitreisenden wieder auf. Ganz offen, ganz reibungslos, auch beim nächsten Schichtwechsel.

Im Mai 2020 wurden die Grenzkontrollen gelockert, im Juni aufgehoben.

In den Nachrichten wurde nicht berichtet, dass es während der knapp drei Monate beim Schichtwechsel Hunderttausender ausländischer Pflegekräfte Probleme gegeben habe. Ob die Grenzbeamten nur überfordert waren oder sich gar höheren Werten verpflichtet fühlten, ist nicht bekannt.

Lunapark 21

Gesunde Krankenhäuser in NRW – für ALLE! 

BADEN-WÜRTTEMBERG
Landesregierung hält an Rückforderungen von Corona-Soforthilfe fest

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Von Wolfgang Erbe

Das Land Baden-Württemberg hat im ersten Lockdown, der vom 17. März bis 4. Mai 2020 dauerte, insgesamt 2,1 Mrd. Euro als Soforthilfe an Selbstständige und Kleinbetriebe ausgezahlt, um diese vor dem Ruin zu bewahren.

Jetzt droht Insolvenz! und die Arbeitslosikeit der Beschäftigten!

https://www.rf-news.de/2022/kw01/landesregierung-haelt-an-rueckforderungen-unberechtigter-corona-soforthilfen-fest

Ab Januar soll das Kurzarbeitsgeld wieder auf 60% des Nettolohns reduziert werden. Das wäre eine Katastrophe für die Veranstaltungswirtschaft.

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Grafikquellen          :

Oben     —     Simulierte Pflegesituation

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DER ROTE FADEN

Erstellt von DL-Redaktion am 6. Januar 2022

Die neue Lust an protestantischer Disziplin

Roter Faden Hannover rote Zusatzmarkierung.jpg

Durch die Woche führt Ulrich Gutmair

Drei rote Fäden haben sich durch das zu Ende gehende Jahr gezogen. Sie heißen Corona, Herrschaft des Mobs und rechter Populismus.

Auf einem der roten Fäden, die sich durch dieses nun zur Neige gehende Jahr gezogen haben, hängt ein Schildchen mit der Aufschrift „Corona“. Einer der Irrtümer bezüglich dieser Pandemie, der sich übers Jahr 2021 hinweg beharrlich hielt, war die Vorstellung, man müsse nur noch ein bisschen „durchhalten“, dann sei bald alles wieder wie früher. Erst langsam scheint sich die Erkenntnis Bahn zu brechen, dass wir uns mit dieser Krise noch ein, zwei, und – wenn’s dumm geht – noch drei oder vier Jahre werden auseinandersetzen müssen. „Long Covid“ hat auch eine soziale Bedeutung.

Ein weiterer Irrtum, von dem in letzter Zeit aber nur noch wenig zu hören war, trug den Namen „Zero Covid“. Damit war ein kommunistischer Super-Lockdown gemeint, für den das Kapital bezahlen sollte. Dummerweise dachte dieses in warmen Kreuzberger Stuben gefeierte Konzept nicht mit, dass das Einfrieren des gesellschaftlichen Lebens auf der ganzen Welt gleichzeitig stattfinden müsste, um zu funktionieren. Alternativ hätte man natürlich auch ein paar Jahre lang die Grenzen hermetisch abriegeln können, um im schönen Deutschland die Früchte von „Zero Covid“ genießen zu können.

Währenddessen entwickelte sich mit fortschreitender Pandemie in manchen Menschen ein unerbittlicher Stolz, der jenen eigen ist, die von sich wissen, dass sie – im Gegensatz zu den unmoralischen und dummen anderen – alles richtig machen. Keine Maßnahme war hart genug, um von ihnen nicht noch als zu lasch und unzureichend empfunden zu werden. Die leiseste Kritik am Pandemiemanagement der Regierung wurde mit dem Entsenden rhetorischer Kanonenboote beantwortet.

Die protestantische Lust an rigoroser Disziplinierung von sich und anderen braucht ein Publikum, und so feierte man mittels Selfie mit entblößtem Arm und Pflaster die eigene moralische Korrektheit. Das modische Äquivalent der neuen Geißelkultur sind ganz in Schwarz gekleidete Hipster, die ihre FFP2-Masken auch bei frischer Brise nachts um zwei tragen, wenn sie ihre Hunde ausführen.

COVID-19-Pandemie-Collage.jpg

Progressive Mob­be­r*in­nen

Es zieht sich noch ein roter Faden durch das Jahr, der mit „Herrschaft des Mobs“ charakterisiert werden könnte. Denn wer heute gut gelaunt polemisiert, hat schnell eine Meute am Hals, die all jene, welche die meist billig zu habende Meinung des Mobs nicht teilen, als Rechte und Reaktionäre outet und an den Pranger stellt. Unter den progressiven Mob­be­r*in­nen tummeln sich gern auch mal Leute, die man nie auf einer Demo sah und denen Arbeit an emanzipatorischer Praxis sowie das mühsame Formulieren von Kritik eher lästig zu sein scheint.

Ein dritter roter Jahresfaden führt uns last but not least zum Phänomen des rechten Populismus, dessen Siegeszug ins Stocken zu kommen scheint. In Chile gewann eben ein junger Linker die Wahl, der sich die Abwicklung des neoliberalen Projekts auf die Fahne geschrieben hat. Gleichzeitig war zu hören, dass sich die Briten mit ihrer populistischen Brexit-Politik wirtschaftlich tief ins eigene Fleisch geschnitten haben.

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Grafikquellen          :

Oben     —    Roter Faden in Hannover mit beschriftetem Aufkleber als Test für einen möglichen Ersatz des auf das Pflaster gemalten roten Strichs

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Unten     —   Dies ist eine Collage, die ich basierend auf der Collage gemacht habe, die im spanischen Wikipedia-Artikel der Pandemie Pandemia de COVID-19 vorhanden ist, die Collage enthüllt mit einer Reihe von Bildern, wie die Pandemie die Welt beeinflusst hat. Von links nach rechts und von oben nach unten: Bestattung von Opfern von COVID-19 im Iran; Student in Mexiko, der eine Gesichtsmaske trägt, während er von zu Hause aus Online-Unterricht nimmt; Krankenschwester in Italien, die zeigt, dass ihr Gesicht aufgrund langer Stunden mit medizinischen Geräten als Helfer für Menschen, die mit COVID-19 infiziert sind, verletzt ist; Krankenschwester, die einen Patienten mit COVID-19 auf einer Intensivstation an Bord der USNS Comfort, einem US-Hospitalschiff, behandelt.

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Mythos und Wissenschaft

Erstellt von DL-Redaktion am 5. Januar 2022

Die Entzauberung der Welt

Berliner Gedenktafel Leibnizstr 21 (Charl) Max Weber.jpg

Ein Schlagloch von Georg Seeßlen

Es mischt sich vieles bei Verschwörungsphantasten, Impfgegnern und Querdenkern.

Im Jahr 1917 beschrieb Max Weber in seiner Schrift „Wissenschaft als Beruf“ die Entzauberung der Welt durch intellektuelle Rationalität und Wissenschaft: Die Wissenschaft führe nicht so sehr zu einem „allgemeinen Wissen“, sondern vielmehr zum „Wissen davon oder dem Glauben daran: dass man, wenn man nur wollte, es jederzeit erfahren könnte, dass es also prinzipiell keine geheimnisvollen unberechenbaren Mächte gebe, die da hineinspielen, dass man vielmehr alle Dinge – im Prinzip – durch Berechnen beherrschen könne.“

Man weiß es vielleicht nicht (zum Beispiel, was es mit Quantenphysik auf sich hat oder warum das Tauschverhältnis isolierter Warenproduzenten eine über ihnen stehende, fremde gesellschaftliche Macht erzeugt, die man „Entfremdung“ nennen muss, oder warum der Toast immer auf die gebutterte Seite fällt), aber es steckt eine Gewissheit des Wissens darin: Wie einstmals die Götter soll nun das Berechnen-Können die letzte Instanz der Herrschaft sein, die die unendlich suggestive und widersprüchliche Welt zusammenhält.

Dieser Glaube an das Wissen war untrennbar mit dem Aufstieg des Industriekapitalismus verbunden. In der entzauberten Welt zu leben fiel dessen Nutznießern leicht. Denn nur als entzauberte konnte die Welt in Besitz, Rohstoff, Arbeitsplatz und Vergnügungspark verwandelt werden. Aber diese Entzauberung war kein vollständiges, kein glückliches und schon gar kein demokratisches Projekt. Es blieb an den Profit, den Glauben an Fortschritt, an Wachstum und Wohlstand gebunden.

Bei jeder Krise rumorte es und verlangte nach der Rückkehr der alten Geister und der alten Bilder. Und am Ende kehrt sich sogar noch einmal alles um: Während die Entzauberung der Welt als Bestandteil ihrer Zerstörung erkannt wird, sind es gerade die Wissenschaftler*innen, die die Grenzen der Berechenbarkeit aufzeigen. Nicht nur der