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„Die Politik folgt dem Geld!“ Von der römischen zur amerikanischen Republik unter dem neuen ’Imperator’ Donald Trump

Erstellt von Redaktion am Freitag 6. Februar 2026

„Die Politik folgt dem Geld!“ Von der römischen zur amerikanischen Republik unter dem neuen ’Imperator’ Donald Trump

Von Dr. Nikolaus Götz

Es war der amerikanische Filmschauspieler Denzel Washington, der unlängst im Film Gladiator II den Kinobesuchern die aufschlussreichen Worte entgegenschleuderte: „Die Politik folgt dem Geld!“ (1) Es galt nämlich den anwesenden Kinobesuchern des Filmspektales über das ’Roman Empire’, die Strukturen der antiken römischen Republik in kurzen Worten schnell zu erklären. Das politische System in der sogenannten römischen ’Res publica’ hatte sich nämlich längst in eine Oligarchie oder eher gar in ein autoritäres System mit Alleinherrschern verwandelt, gestützt auf ’Geld’ und ’Militär’. Die einstigen Volksmassen von Rom, bekanntermaßen mit „Brot und Spielen“ abgespeist, waren ebenso nur Zuschauer ’der Politik’, so wie es heute auch die manipulierten TV-dauerberieselten Wählermassen in den westeuropäischen Demokratien sind. Kann ein aufgeklärter ’Einzelner’ im komplexen industriellen Gesellschaftssystem von heute ’politisch’ noch etwas bewirken? Tatsache ist, dass ein engagierter Bürger eher wie ein verlorenes Schaf auf der Weide wirkt und sich in seiner politischen Verzweiflung sogar aus Protest gegen das System auf der Straße festklebt.

Befindet sich doch das ’zoon politicon’ (Aristoteles) oder der Mensch als soziales und politisches Wesen mit seiner Einzelmeinung oder seiner „volonté particulière“, um mit Jean Jacques Rousseau zu sprechen, stets einer unartikulierten Massenmeinung des breiten Volkes gegenüber, mit der dominierenden oder ihn majorisierenden „volonté générale“ (2). Was also tun? „Demonstrieren“, wäre frei nach Kant, „der Ausgang des Einzelnen aus seiner selbst gewählten Unmündigkeit!“

Vielerorts meinten bis vor kurzem noch gewisse Staatsbürger gegenüben den langhaarigen Hippies in Deutschland, die Defizite der modernen Demokratie erklärend: „Wenn der Führer das wüßte!“ Derweil legten im benachbarten Frankreich die alsbald europaweit bekannten ’Gelbwesten’ im Jahr 2019 eine dezidierte politische Systemkritik vor. Doch die Forderungen der landesweit revoltierenden ’Gilets jaunes’ waren jedoch der deutschen Journalistenkanaille keine deutsche Übersetzung wert und wurden von der französischen Politikerkaste zerredet. Der clevere französische Staatspräsident Emmanuel Macron, innerfranzösisch auch als ’Roi’ bezeichnet, erklärte kurzerhand seinen aufmüpfigen ’Citoyen’ per Fernsehbotschaft einen ’Krieg gegen Corona’ und das den etabierten Politikbetrieb störende ’Bürgertheater’ war über Nacht vorbei (3). Denn alle brave (deutsche) Staatsuntertanen wissen seit 1806: „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!“

Die Führungsschicht der Römischen Republik stand im Spannungsfeld zwischen den Senatoren und dem imperialen ’Präsidenten’, ein Wort zur Bezeichnung des Herrschers, das eigentlich der ’Vorsitzende’ bedeutet. Doch das bekannte Triumpherat von Julius Cäsar als dem talentierten politschen Redner, zusammen mit Pompeus dem Oberkommandierenden der römischen Truppen und dann dem Multimilliadär Gracchus als dem reichsten Mann Roms, kippte kurzerhand um in eine zentralistische Autokratie mit einem als ’Cäsar’ benannten ’Führer’. Und so ist bis in die aktuelle Gegenwart die politische Idee der antiken griechischen Demokratie und besonders der römischen Republik der Kontrollvergleich für gegenwärtige politsche Systeme und Maßstab für die systemischen Handlungen ihrer Führungseliten.

Die aktuelle Führungsschicht der US-amerikanischen Republik hat jetzt nach dem unbestrittenen Wahlerfolg von Donald Trump einen neuen Cäsar ’intra portas’(4). Das lügenreiche Redetalent des Volkstribunen oder Populisten Trump wird gestützt vom unermesslichen Reichtum eines Multimillardärs Elon Musk und anderen. Die Macht dieses Präsidenten und seine Funktion als Oberbefehlshaber ruht damit auch auf dem amerikanische Militär, das nun die Interessen der USA nach innen wie außen angeblich ’schützt’. Die antiken Römer folgten ihrem Tribun, die alte ’Deutsche Mehrmacht’ wurde auf den ’Führer’ vereidigt und die heutigen US-Soldiers ziehen auf Befehl ihres Präsidenten im „Bündnis der Willigen“ in die Schlacht. Und der amerikanische Plebs stürmt auf indirekt präsidial insinuierten Wunsch das Kapitol, um den Willen des Präsidenten mit geballter Volksmacht durchzusetzen. Die Kulisse der Drohungen des neuen Imperators (5) zerdrückt jedoch nicht nur die Meinung der amerikanischen Intellektuellen sondern wendet sich auch ’klassisch’ gegen die definierten ’Feinde’ von außen: Die ’Grenzsicherung bei Mexiko’, der ’Panamakanal’ oder ’Kanada als ein 51 US-Bundesstaat’ sowie ein amerikanisches ’Grönland’ sind Stichworte Trumpscher US-Expansionsziele. Inneramerikanische Interessen und Bedürfnisse der Volksmassen spielen bei solch außenpolitischen Zielvorstellungen kaum noch eine Rolle.

Der Aufmarsch der US-Flotte vor Venezuela, die Kaperung von Öltankern und die Entführung des Präsidenten Nicolas Maduro zeigen nur die Fortsetzung imperialen Handelns auch dieses amerikanischen Präsidenten auf. „But that ‘wars’ make America great again! Der aktuelle Präsident Donald Trump schreibt damit jedoch nur die bisherige amerikanische Außenpolitik fort, voll in der Tradition seiner friedlichen (?) Vorgänger im Amt stehend. Jedoch der Ton, macht die Musik!

„L’état c’est moi!“, soll einst der französische König Louis XIV bei seinem Regierungsantritt gesagt haben und: „Frankreich, das bin ich!“ Der monarchische Autokrat Ludwig führte so den politischen Absolutismus ein und besorgte sich das fehlende Geld für seine Staatspolitik ebenfalls mit seiner ihm ergebenen Armee. In der aktuellen Gegenwart könnte/sollte/ müsste eigentlich von allen Politikbeobachtern verstanden werden, wie nach Bush I. und Bush II. und dem verlogenen Krieg gegen den Terrorismus und dem Irakkrieg auch Donald Trump mit dem US-Militär und seiner arroganten Kanonenbootpolitik ’seine’ USA regiert. Ob sich bei solch autoritärem Verhalten republikanische oder demokratische Senatoren groß widersetzen können oder sich eher ducken, sei dahingestellt. Die ’adligen Klassen’ der US-Republik, in Senat wie Repräsentantenhaus sitzend, scheinen scheinbar ihrem ’Elefanten im Porzellanladen’ noch mehrheitlich zu folgen.

Im alten Rom gab es den bekannten Philosophen und Wortführer Seneca, jedoch verstarb dieser Kritiker alsbald ‚klassisch’ an der bekannten Cäsareneitelkeit. Amerikanischer Widerstand gegen solche unsolidarisch-antidemokratische Politik eines ’King’ (König) Trump wird im deutschen TV im Moment nur auf der Straße gezeigt. Der inneramerikanische Protest nach der willkürlichen Ermordung amerikanischer Bürger durch Trumps willfähige Schlägertuppe ICE wird immer lauter. Die aktuelle Großdemo gegen staatliche Willkür trieb so Millionen US-Demonstranten auf die ’Streets of Minneapolis’ (Straßen von Minneapolis), wobei der bekannte amerikanische Rockstar Bruce Springsteen die Begleitmusik intonierte (6).

Der amerikanische nationale Weckruf ’America first’ (Amerika zuerst) hat auch die Staatenlenker der EU erreicht, doch deren Präsidenten oder Staatsvorsitzende haben außer vollmündigen Absichtserklärungen nach Jahren der Diskussion immer noch keinen gemeinsamen europäischen Präsidenten (7) oder Verteidigungsminister bestimmt, um so die Interessen der ’Friedensmacht Europa’ zu bündeln. Ob die aktuellen 27 Chefs eine solche Reform des EU-Regierungssystems noch vor dem Ende des Krieges in der Ukraine schaffen, oder das EU-Parlament solch dringend notwendigen Reformen beschließt, wird jedoch nicht angenommen.

Dem Beispiel der römischen Republik folgend, sollte auch heute den heutigen ’Imperatoren’ in Ost wie West ein ’Hofnarr’ zugeordnet sein, dessen damalige stetige und einzige Aufgabe im antiken Rom es war, dem Herrscher immer wieder ins Ohr zu flüstern: „Memento mori!“ „Denke daran, dass auch Du stirbst!“ (8)

Anmerkungen:

1 Siehe den Film bei: wikipedia.org/wiki/Gladiator_II; vergleiche auch die Rezension durch Nikolaus Götz bei: demokratisch-links.de vom 27. 11. 2024: Gladiator II:“Die Politik folgt dem Geld!“, schon seit der römischen Republik

2 Das Spannungverhältnis zwischen dem generellen politischen ’Volkswillen’ und dem ’Einzelwillen’ hat der französische Aufkärer und Philosoph Jean Jacques Rousseau in seinem berühmten Werk ’Contrat social’ zu erklären versucht. Siehe beispielsweise die deutsche Werksausgabe durch Kurt Weigand: Jean Jacques Rousseau: Staat und Gesellschaft ’Contrat social’, München 1968, S 94.

Hans Maier faßt die Reflexionen Rousseaus gelungen zusammen, wenn er schreibt: „Um zur volonté genérale zu gelangen, ist es nötig, nicht einfach die volontés particulères zu addieren, sondern in einem dialektischen Klärungsvorgang das Allemeine aus ihnen herauszufiltern und sie solchermaßen zur volonté générale zu integieren. Dies geschieht im Wege der Abstimmung.“ (Siehe Hans Maier: Rousseau, in: ders. (herausgegeben von..: Klassiker des politischen Denkens, Bd.2, München, 1974, S. 130f) Doch das ’Volksplebiszit’ gibt es in den aktuellen modernen Demokratien westlicher Provenienz nicht oder kaum. Diese Klärungsaufgabe wurde den politischen Parteien im Parlament überlassen.

3 Siehe auch: Schneider, Fabian: Friedenstüchtig. Wie wir aufhören können, unsere Feinde selbst zu schaffen, Wien 2025, S. 67; zu den politischen Forderungen der Gelbwesten siehe: Nikolaus Götz: Die französischen ’Gelbwesten’. Eine Bürgerbewegung mit ihren politischen Forderungen, Saarbrücken 2019, S. 8-10

4 Der alte Weck- und Warnruf, der auf Cicero zurückgeht, war: Der Feind (Hannibal) steht vor den Toren Roms: ’ante portas’ siehe: wikipedia.org/wiki/Hannibal_ante_portas. Das Wort ’vor’ wurde hier mit ’innerhalb’ der Tore also ’intra portas’ ’ausgetauscht.

5 Latein: imperator, oris: deutsche Bedeutungen: 1. Gebieter 2. Feldherr, Befehlshaber 3. Ehrentitel des siegreichen Feldherren 4a Beinahme Jupiters 4b seit Cäsar Titel der römischen Herrscher c. der römischen Kaiser, in: Langenscheidts Taschenwörterbuch der lateinischen und der deutschen Sprache (Hermann Menge/ Erich Pertsch), Berlin1979, 261f

6 Siehe die aktuelle Großdemonstation in Minneapolis mit dem Rockstar Bruce Springsteen: tagesschau.de/ausland/ proteste-minnesota-102.html. Der Rockstar sang…„citizens stoot for justice (Bürger standen auf für Recht)…siehe: youTube Bruce Springsteen: Streets of Minneapolis

7 Auf den regelmäßigen halbjährlichen Gipfeltreffen der nationalen Regierungschefs, dem Europäischen Rat, könnte schon längst ein gemeinsamer, wirklicher ’Präsident’ als ein Vertreter aller EU-Staaten, ein „primus inter pares“ (Erster unter Gleichen) mit siebenjähriger Amtszeit und wegweisenden Verhandlungsrechten bestimmt worden sein. Doch die innereuropäischen Rivalitäten verhindern eine solche Festlegung. Die Rechte des aktuellen ’Präsidenten’ reduzieren sich weitgehend auf ’Repräsentation’ und Leitungskompetenz des EU-Rates und werden in der großen Welt der Politik fast kaum wahrgenommen. Siehe auch: wikipedia.org/wiki/ Euro-päischer_Rat. Derweil dominiert in der Außendarstellung der EU die aktuelle ’Präsidentin der Europäischen Kommission’ das Politikgeschäft.

7 Siehe: .wikipedia.org/wiki/Memento_mori

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