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Die UNO und die Macht

Erstellt von DL-Redaktion am 8. Juli 2015

Weltapparat

von Bertrand Badié

Es war der Albtraum von Präsident Franklin Roosevelt: Die Vorstellung, der US-Kongress könnte die Charta der Vereinten Nationen, die er am 26. Juni 1945 unterzeichnet hatte, am Ende nicht ratifizieren. Roosevelt war einer der geistigen Väter der neuen Staatengemeinschaft, aber ihm war bewusst, wie es seinem Vorgänger Woodrow Wilson ergangen war: im November 1919 hatte der US-Senat den Beitritt zum Völkerbund verweigert, für dessen Gründung sich Wilson engagiert hatte.

Schon damals sahen sich US-Abgeordnete in Washington als Wahrer einer politischen Tradition, wonach für ein Volk nur sein selbst gesetztes Recht gelten dürfe. Weder das Völkerrecht noch irgendeine internationale Organisation könnten die Souveränität der Staaten einschränken oder gar ausschalten. Es war der Beginn der Debatte über den Ort, den man dieser Vorform der internationalen Staatengemeinschaft zugestehen sollte. Für die Neokonservativen in den USA ist diese Debatte auch 70 Jahre nach Gründung der UNO in San Francisco noch aktuell.

Von diesem Geburtstrauma rührt das Zweiklassensystem, das die UN bis heute kennzeichnet. Um den Kongress zu gewinnen, hatte Roosevelt 1945 ein Vetorecht im Sicherheitsrat für die beiden Großmächte USA und Russland gefordert – was Josef Stalin nur gelegen kam. Dasselbe Recht wurde Großbritannien, Frankreich und China zugestanden, denn um der politischen Optik willen sollten auch Europa und Asien berücksichtigt werden – schließlich war der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation Japans am 2. September 1945 zu Ende gegangen.

So kam es zum Club der fünf Vetomächte, der ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats (P 5). Damit war die ungleiche Machtverteilung auf einen Schlag legalisiert. Fortan hing es vom Willen der Mächtigsten ab, ob wichtige Beschlüsse gefasst und umgesetzt werden konnten.

Quelle: le monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Author Senior Airman JoAnn S. Makinano / public domain.

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