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Erstellt von DL-Redaktion am 15. Juli 2010

Debatte zu Heinsohn und Sarrazin

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Beides Experten für Verarmung und Hartz IV

Es erstaunt immer wieder und beängstigt zugleich dass diese Beiden zu spät geborenen auch in heutiger Zeit immer wieder auf Gehör stoßen. Das solche Propagandisten dann aber auch noch in Parteien und von der Gesellschaft akzeptiert werden zeigt auf wie tief das Naziwesen noch in unserer Gesellschaft verwurzelt ist. IE

Die Nicht-Experten Heinsohn und Sarrazin sind so erfolgreich, weil sie Ressentiments gegen Arme mit der Sorge um Rohstoffknappheit verbinden VON RUDOLF WALTHER

Zwei triviale Einsichten beschäftigen immer wieder das Leitartikelwesen: Erstens: Deutschland ist ein Einwanderungsland. Zweitens: Deutschland ist ein Land fast ohne Rohstoffe. Das Feuilleton bearbeitet die beiden Diagnosen gern mit argumentativen Anleihen beim demografischen und geopolitischen Reservoir.

Der Bremer Professor und Hobbydemograf Gunnar Heinsohn meint zu wissen, warum die jährlich 160.000 benötigten Einwanderer ausbleiben werden und warum „wir auf Dauer verarmen.“ Weil „80.000 Hartz-IV-Mütter mit jeweils zwei Kindern“, aber ohne Versorger, dafür mit Anspruch auf „lebenslängliche Sozialhilfe“, gebildete Einwanderer abschrecken, denn – so Heinsohn weiter – Kinder von Hartz-IV-Empfängern bleiben „natürlich“ so unausgebildet wie ihre Mütter und zeugen ihrerseits „natürlich“ wieder zwei Kinder, die die Schule schwänzen, statt zu lernen, während gut ausgebildete deutsche Frauen im Durchschnitt nur 1,4 Kinder gebären. Im Klartext: Keiner reist in ein Land ein, in dem „Leistungsträger“ (Westerwelle/Sloterdijk) zu wenige, die „Niedrigleister“ (Heinsohn) dafür zu viele Kinder kriegen.

Mit zwei herbeizitierten demografischen Eckdaten prognostiziert Heinsohn den Untergang: Seine Parole „Land unter ohne Leistungsträgervolk“ ersetzt die ältere vom „Volk ohne Raum“. Heinsohn mobilisiert – wie vor ihm Arnulf Baring, Peter Sloterdijk sowie Thilo Sarrazin und Frank Schirrmacher in ihren Artikeln – ganz billige Ressentiments gegen den Sozialstaat und gegen soziale Gerechtigkeit in vulgärnietzscheanischer und demografischer Kostümierung.

Die Rohstoffarmut verlangt dagegen „eine von den Zwängen der Geografie geforderte Politik“ – so Professor Pierre Béhar -, also „geopolitisch“ begründetes Denken und Handeln. Der Zeit-Herausgeber Josef Joffe beliefert solches Denken seit Jahren publizistisch wie Dan Diner akademisch.

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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