DEMOKRATISCH – LINKS

                      KRITISCHE INTERNET-ZEITUNG

RENTENANGST

Für mehr Demokratie

Erstellt von DL-Redaktion am 25. März 2017

Für eine demokratische Polarisierung
Wie man dem Rechtspopulismus den Boden entzieht

File:JuergenHabermas.jpg

Interview  mit  Jürgen Habermas

Blätter-Redaktion: Nach 1989 war vom „Ende der Geschichte“ in Demokratie und Marktwirtschaft die Rede, heute erleben wir das Aufziehen eines neuen Phänomens autoritär-populistischer Führerschaft, von Putin über Erdogan bis zu Donald Trump. Offensichtlich gelingt es einer neuen „autoritären Internationale“ mehr und mehr, die Diskurse zu bestimmen. Hatte Ihr Jahrgangsgenosse Ralf Dahrendorf also Recht, als er ein autoritäres 21. Jahrhundert vorhersah? Kann man, ja muss man bereits von einer Zeitenwende sprechen?

Jürgen Habermas: Als Fukuyama nach der Wende von 1989/90 den ursprünglich auf einen grimmigen Konservativismus gemünzten Slogan vom „Posthistoire“ aufgriff, drückte sich in seiner Umdeutung der kurzsichtige Triumphalismus westlicher Eliten aus, die dem liberalen Glauben an eine prästabilisierte Harmonie von Marktwirtschaft und Demokratie anhingen. Diese beiden Elemente prägen die Dynamik der gesellschaftlichen Modernisierung, verbinden sich aber mit funktionalen Imperativen, die immer wieder in Konflikt geraten. Der Ausgleich zwischen kapitalistischem Wachstum und einer auch nur halbwegs als sozial gerecht akzeptierten Teilhabe der Bevölkerung am durchschnittlichen Wachstum hoch produktiver Wirtschaften konnte nur durch einen demokratischen Staat herbeigeführt werden, der diesen Namen verdient. Eine solche Balance, die erst den Namen „kapitalistische Demokratie“ rechtfertigt, war aber, historisch gesehen, eher die Ausnahme als die Regel. Schon deshalb war die Idee einer globalen Verstetigung des „amerikanischen Traums“ eine Illusion.

Die neue Unordnung der Welt, die Hilflosigkeit der USA und Europas angesichts der zunehmenden internationalen Konflikte ist beunruhigend, und die humanitären Katastrophen in Syrien oder im Südsudan zerren ebenso an unseren Nerven wie die islamistischen Terrorakte. Dennoch kann ich in der Konstellation, auf die Sie hinweisen, keine einheitliche Tendenz zu einem neuen Autoritarismus erkennen, sondern eher verschiedene strukturelle Ursachen und viele Zufälle. Das Verbindende ist die Klaviatur des Nationalismus, den aber haben wir mittlerweile auch im eigenen Haus. Russland und die Türkei waren auch schon vor Putin und Erdogan keine „lupenreinen Demokratien“. Mit einer etwas klügeren Politik des Westens hätten die Weichen im Verhältnis zu beiden Ländern vielleicht anders gestellt, hätten vielleicht auch liberale Kräfte in diesen Bevölkerungen gestärkt werden können.

Blätter: Überschätzen wir damit nicht retrospektiv die Möglichkeiten des Westens?

Habermas: Gewiss wäre es für „den Westen“ schon angesichts der Vielfalt seiner divergierenden Interessen nicht einfach gewesen, im richtigen Augenblick auf rationale Weise mit den geopolitischen Ansprüchen der zurückgestuften russischen Großmacht oder mit den europapolitischen Erwartungen einer reizbaren türkischen Regierung umzugehen. Ganz anders liegt der für den Westen insgesamt signifikante Fall des Egomanen Trump. Der treibt mit seinem desaströsen Wahlkampf eine von den Republikanern seit den 1990er Jahren kühl kalkulierte und immer hemmungsloser verschärfte Polarisierung so auf die Spitze, dass der „Grand Old Party“, immerhin die Partei Abraham Lincolns, diese Bewegung völlig aus dem Ruder gelaufen ist. In dieser Mobilisierung des Ressentiments äußern sich auch die sozialen Verwerfungen einer politisch und ökonomisch absteigenden Supermacht.

Für problematisch halte ich daher nicht das Muster einer autoritären Internationale, das Sie vermuten, sondern die Erschütterung der politischen Stabilität in unseren westlichen Ländern insgesamt. Bei der Beurteilung des Rückzugs der USA aus der Rolle der interventionsbereiten globalen Ordnungsmacht muss man den strukturellen Hintergrund im Auge behalten, der Europa in ähnlicher Weise betrifft.

Die wirtschaftliche Globalisierung, die Washington in den 1970er Jahren mit seiner neoliberalen Agenda eingeleitet hat, hatte im globalen Maßstab gegenüber China und den anderen aufgestiegenen BRICS-Staaten einen relativen Abstieg des Westens zur Folge. Unsere Gesellschaften müssen die Wahrnehmung dieses globalen Abstiegs, zusammen mit der technologisch bedingten, explosiv zunehmenden Komplexität der erlebten Alltagswelten, innenpolitisch verarbeiten. Die nationalistischen Reaktionen verstärken sich zumal in den Milieus, die jeweils von den durchschnittlichen Wohlstandsgewinnen der Volkswirtschaften im ganzen entweder gar nicht oder nicht angemessen profitieren, weil die immer wieder beschworenen trickle-down-Effekte seit Jahrzehnten ausbleiben.

Blätter: Selbst wenn die Tendenz zu einem neuen Autoritarismus derzeit nicht eindeutig zu erkennen ist, so erleben wir doch offensichtlich einen massiven Rechtsruck, ja eine rechte Revolte. Und die Pro-Brexit-Kampagne war nur das wohl prominenteste Beispiel dieser Tendenz in Europa. Sie selbst haben, wie Sie unlängst sagten, „nicht damit gerechnet, dass der Populismus den Kapitalismus in dessen Ursprungsland schlagen würde“. Denn jedem vernünftigen Beobachter habe sich die offensichtliche Irrationalität nicht nur des Ergebnisses dieser Wahl, sondern des Wahlkampfes selber aufgedrängt. Fest steht: Auch Europa scheint zunehmend der populistischen Versuchung zu erliegen, von Orbán und Kaczynski bis zu Le Pen und der AfD. Erleben wir also gerade auch so etwas wie eine politische Irrationalisierung des Westens? Teile der Linken plädieren ja bereits dafür, auf den rechten Populismus mit einem linken Populismus zu reagieren.

Quelle : Blätter >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Jürgen Habermas bei einer Diskussion in der Hochschule für Philosophie München

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Die ewige Mama Bavaria

Erstellt von DL-Redaktion am 26. Februar 2016

So war ihre Rede auf dem Nockherberg

File:Starkbierfest Nockherberg Munich 2006-2.jpg

vonMike Schier

München – Seit sechs Jahren hält Luise Kinseher als Bavaria die Rede am Nockherberg. Noch nie war es wohl so schwierig, dabei den richtigen Ton zu treffen. Doch es gelingt ihr vielleicht besser denn je. Nicht allen gefällt das.

Es ist ein Anfang. Immerhin. Sagt die Mama. Und Mamas haben bekanntlich immer Recht. Ein Anfang also, wenn auch nur ein kleiner. „Alles friedlich soweit“, konstatiert die Bavaria bei ihren Landeskindern, bevor sie sich mit einem Jodler verabschiedet. „Keine Worte der Niedertracht, keine boshaften Ausrutscher gegen Schwächere, keine ekeligen Geschmacklosigkeiten.“ Doch die Mama weiß natürlich auch, woran das liegt. „Ich war bis jetzt die einzige mit Mikrofon.“ Danach haben wieder jene das Wort, die das ganze Jahr lang reden. Und sie sehen das mit den Ausrutschern ein bisschen anders.

Von Jahr zu Jahr traut sie sich mehr

Seit 2011 hält Luise Kinseher inzwischen die Rede auf dem Nockherberg. Immer als Mama, die ihre mehr oder weniger missratenen Kinder schimpft. Es ist eine Konstellation, die ihr enge Zwänge auferlegt, in der Tonart, im Umgang. Sie muss ihre Kinder doch immer alle irgendwie lieb haben. Geht ja nicht anders. Nur tadeln ist erlaubt. Mit der kleinen Ilse (Aigner) empfindet sie Mitleid. „Von der weißblauen Rose der CSU zur Kellerprimel vom Horst.“ Die Rotzlümmel aber bekommen schon mal etwas auf den Deckel. Und Jahr für Jahr traut sich Kinseher ein wenig mehr.

CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer beispielsweise muss sich einiges anhören: „Da wo andere einen offenen Geist haben, ist bei Dir ein Fliegengitter.“ Auch für Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger setzt es (wie fast jedes Jahr) eine besonders deftige Watschn. Ein „Opfer des bayerischen Schulsystems“ sei er. Und dann mutiert er zum Running Gag des Abends.

Vielleicht war es für Luise Kinseher und ihren Co-Autor Thomas Lienenluke noch nie so schwer, den richtigen Ton zu finden. In den Internetforen und auf Facebook tobt der Unmut über die Politik. Wie kann man da einen draufsetzen? Und soll man überhaupt? Kinseher findet die richtige Antwort – mal derb, mal ein wenig moralisierend, aber oft scharf- und hintersinnig. Auf jeden Fall bestens über die Feinheiten der Landespolitik informiert. Selbst den jüngsten Facebook-Hit von der Landtagsrede der SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen hat sie eingebaut. Kohnen aber ist nicht gekommen. Sie sitzt bei Sandra Maischberger in der ARD auf der bundesweiten Bühne.

Horst Seehofer sagt nur noch „Passt scho“

Quelle   :   Merkur >>>>> weiterlesen

Nockherberg 2016 – Das Singspiel ganz: In Seehofers Gehirn

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Grafikquelle    :

Description
Deutsch: Salvator-Ausschank (Starkbierfest) auf dem Nockherberg in München
Date created 2006-03-31, modified 2006-06-28
Source Self-photographed
Author Wolfgang Kopp, modified by King
Other versions Image:Starkbierfest Nockherberg Munich 2006.jpg (original)

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Linke Bayern: Finanzratssitzung

Erstellt von DL-Redaktion am 15. Januar 2014

Amigoprobleme  —  Finanzsorgen

In der Linken scheint wohl die Zeit der Mutigen angebrochen zu sein, denn immer mehr Mailzuschriften gehen bei uns in den letzten Wochen ein. Mails, in welchen immer wieder auf das demokratische System in der Linken hingewiesen wird. Das Diktat von Oben. Brauchen wir in diesem Land nicht, wollen wir nicht. Wird den Bürgern auch von allen anderen Parteien schon über alle Massen auf die Augen gedrückt.

Liebe Genossinnen,
liebe Genossen,

die Besucher der letzten Finanzratssitzung der Partei am Samstag, den 11.Januar 2014 in Nürnberg, haben „ Merkwürdiges“ zu berichten.

Die „ chronischen „Finanzprobleme des Landesverbandes sind scheinbar größer geworden und die „ Melkkuh“ in Berlin, scheint ihre „ Milchzuteilung“ deutlich zu reduzieren !

So versucht der LSM H. Ruttmann mit neuen „Überlegungen“ die Kreisverbände auf seine Linie zu bringen. Es soll nach seinen Vorstellungen der Finanzrat in Zukunft nur noch über eine beratende Funktion verfügen, aber keine Finanzentscheidungen des LV und des LSM beeinflussen können.

Trotz der angeblichen „Neumitglieder-Schwemme“ nach den Wahlen scheint der LV finanziell aus dem „letzten Loch zu pfeifen“! Zwar keine wirkliche Sensation, aber nach vollmundigen Ankündigungen der LS X. Merk über die angebliche, großzügige Unterstützung des LV durch die Bundespartei, wohl schon wieder ein Märchen aus dem Kreise der Bayern AG!

Den dringend notwendigen Sparmaßnahmen, sollten angeblich einige Büros der Partei in Bayern zur Opfer fallen und auch vor der Beschneidung der Arbeitsverhältnisse der Angestellten in LV will man nicht halt machen. Selbst das Büro der Landesgeschäftsführung in München soll von diesen Maßnahmen nicht sicher sein. Zwar protestierte die ehemalige LSM gegen eine Verlegung der „Parteizentrale“ von München nach Nürnberg, weil alle Parteien ihren Hauptsitz in München haben, aber ob man ihr am Ende den Wunsch erfüllen wird, hängt wohl von der „Spendenfreudigkeit“ der Mitglieder in Bayern ab, die sie dringend anforderte. Überhaupt sollten in der Zukunft nach der Vorstellungen der Schatzmeisterei mehrere Institutionen der Partei in gemeinsamen Büros der LV und der MdB zusammengelegt werden. Ob das gesetzeskonform ist, bleibt wohl eine andere Frage.

Eine der besten Kräfte in LV bei der Finanz- und Mitgliederverwaltung wird künftig nur noch zwei Tage in der Woche ihr Dienst tun und Überstunden sind ab sofort tabu!

Der „Wasserbauch“ den die Partei den Größenwahnsinn einiger Mitglieder der Bayern AG aus der Vergangenheit zu verdanken hat, wird jetzt wohl mangels Masse „entleert“ werden und die „Bäcker“ aus Gewerkschaftsetagen werden wohl wieder kleine Brötchen backen müssen.

Wie groß das Interesse der KV und KSM an den Finanzen der Partei im LV ist, wurde auch dadurch deutlich, das bei der Finanzratssitzung nur 13 KSM anwesend waren, obwohl man 21 erwartet hatte. Die Mitteilung des LSM, dass inzwischen ¼ der KV die Finanzhoheit durch den LV weggenommen wurde, zeugt auch nicht gerade von einer „aufstrebenden Partei“ wie das von einigen „ Träumern/innen“ gerne behauptet wird.

Es kommt wohl alles wie schon 2009 vorausgesagt und besonderes ärgerlich ist es dabei, das die eigentlich für diese Miesere Verantwortlichen, wieder einmal ungeschoren davon kommen werden.

Die Schuld auf die Mitglieder und derer mangelnden Beitragsehrlichkeit abzuwälzen wird auch diesmal nicht gelingen. Es sind nicht die einfachen Mitglieder sondern die gewählten Funktionsträger der Partei dafür verantwortlich, die Finanzen ordentlich zu verwalten und nicht mehr auszugeben als sie einnehmen.

Das Prinzip „ Hoffnung“ war schon bei den Diskussionen um die Anstellung eines hauptamtlichen LGF in den Jahren 2008/2009 alles beherrschend. Inzwischen scheint sich da zwar etwas geändert haben, aber auch nur deshalb weil am allen Ecken und Enden die „ Kohle“ fehlt.

Mit sozialistischen Grüßen

xxxxxxxx

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 Fotoquelle: Die Linke Bayern / Creative Commons Lizens CC BY 2.0.

eigene Fotomontage DL

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Die Linke in München

Erstellt von DL-Redaktion am 17. Dezember 2013

Amigos blieben unter sich bei der Listenaufstellung

Da geht es „Hoch“ her auf Facebook nach der Listenaufstellung für die BewerberInnen in den Münchener Stadtrat und es fühlen sich wohl Einige von der MdB Gohlke über den, wie wir so schön sagen, Tisch gezogen.

Die Liste findet ihr >>>>> HIER <<<<<

Liebe Freund*innen,

mir fehlten bis eben die Worte, um meine Empfindungen nach der gestrigen „Aufstellung“ zu beschreiben. Eben habe ich auf Facebook ein paar Gedanken dazu in Worte gefasst, die ich Euch auch mitteilen möchte.

Anlass für den Aufsatz war ein Streit über die Motive einer Kandidatur und die Aufrichtigkeit der diesbezüglichen Erläuterung des Betroffenen.

Was ich so unsäglich enttäuschend finde, ist die Tatsache, dass es keinen Raum in der Partei für solche Diskussionen gibt. Stattdessen immer nur dieses Einerlei des 3-minütigen „Ich bin verheiratet, bei Verdi und Attac. Engagiere mich hier und da…“ Zur Kompensationen einer echten kontroversen, inhaltlichen Debatte, eines Streits um das Für und Wider, mit verschiedenen Meinungen finden dann Facebook-Gefechte statt.

Aber sie können eine offene Real-Time-Debatte niemals ersetzen. Und das ist im Hinblick auf die Tradition von Debatten in der Arbeiterbewegung ein jämmerlicher Rückschritt, sterbenslangweilig, von Missverständnissen durchtränkt und Konsolen Autismus geprägt.

Die eine Feigenblattfraktion klärt die andere Feigenblattfraktion über den Status ihrer Marginalität auf. Auf FB im ausgewählten Kreis kann dann mal gesagt werden, was wirklich bewegt. Ein fragwürdiges Ventil ohne Konsequenz und Bewegung. Aber nicht-virtuelle Konfrontation ist ja so anstrengend. Diesen Reflex habe ich auch. Es macht aber letztlich krank und verhaltensgestört.

Heutzutage werden Redebeiträge unterbrochen, weil die eine oder drei Minuten abgelaufen sind, nicht weil das Gesagte von fünf Vorredner*innen in der einen oder anderen Form bereits gebracht wurde. Drei Minuten für eine Bewerbung auf sechs lange Jahre Mandat, Aufwandsentschädigung und das Gesicht der Partei in der Öffentlichkeit ist allein schon ungeheuerlich. Dafür aber minutenlange hohle Lobeshymnen oder unverschämte Fragen/Unterstellungen.

Auf Menschen, die in dieser Hinsicht nicht konditioniert wurden, wirkt es kalt, teilnahmslos, ritualisiert und abschreckend. Dieses ritualisierte Spiel mag solang interessant sein, wie es neu ist und erprobt werden kann, wie gut -mensch selbst in dieser Disziplin ist. Ein echter Austausch ist so nicht möglich. Da ist allenfalls zu erahnen, welche Beweggründe oder welche analytischen Schlussfolgerungen die Grundlage für einen Redebeitrag oder eine Meinung bilden könnten.

So eine Art Speakers Corner oder Indemnität wie im Bundestag, dass wäre das Mindeste wenn Kommunikation und Konformität oder wenigstens Synchronizität erwünscht sind. Stattdessen werden Top-Down Disziplin (Wahlkampf) und Korporatismus (Zusammenhalt) wie ein Mantra vorgebetet, ohne dass die dafür notwendigen Grundlagen geklärt und darüber Konsens hergestellt wurde und zwar mit allen die darin eingebunden werden sollen. Aber das war schon in dieser unberechenbaren WASG lästig und wird in der Linken generell als Zumutung betrachtet.

Hinterzimmerzirkel sind zwar effektiver aber nicht besser als Threads in Foren. Nein, so wird das nichts, und die Kraft die da entstand, ist alles anderes als ein neues politisches Projekt. Es ist nur eine Austausch-Plattform für eine SPD Kultur, die bei den Konferenzen der SPD zum GroKo-Vertrag beobachtet werden konnte (siehe Anhang). Diese Debattenkultur kommt mir nur allzu bekannt vor. Gut, es ist vielleicht in der Linken noch nicht gar so abgeschmackt wie dort. Viel fehlt jedoch nicht.

Deswegen verstehe ich auch nicht, dass kürzlich wieder ein Genosse von uns in die SPD gewechselt ist. Weil es da authentischer ist, als die dilettantische Performance unserer kompetenzzertifizierten Spitzenfunktionär*innen, den Chargen der B und C Klasse?

Dagmar bekam nach Jahren, in denen sie sich vergeblich bemüht hatte, auf KMVs aktuell aus dem Stadtrat berichten zu können, bei der OB-Aufstellung/KMV erstmals ein Referat. Dabei kann Dagmar viel vorgeworfen werden, aber nicht dass alles was sie im Stadtrat tut kein solides analytisches Fundament hätte. Ich habe mich gelegentlich mit ihr über die Stichhaltigkeit der Analyse gestritten und war nicht immer der selben Meinung. Das Niveau dieser Auseinandersetzungen übertraf aber regelmäßig alles, was ich auf Parteitagen erleben musste. Dieses Wissen und die Analyse nicht mitteilen und zur Diskussion stellen zu können, ist das eigentlich Armseelige (entsprechende Texte im mitLINKS wurden vielleicht von fünf oder zehn Leuten gelesen. In fünf Jahren kamen vielleicht vier Leser*innenbriefe).

Es wollte nicht zur Kenntnis genommen und eine Auseinandersetzung sollte nicht geführt werden. Über den Haasenburg Skandal durfte Dagmar berichten. Ohne sie wüsste heute in München niemand, dass die Stadt München über Jahre regelmäßig Kinder/Jugendliche in diese Bootcamps geschickt hat. Dagmar ist bei den Recherchen auch auf ein autistisches Kind gestoßen, für das der Aufenthalt in einem geschlossenen Heim wie Folter gewesen sein muss. Die Haasenburg hat so viele Facetten und es tun sich solche Abgründe an neuzeitlicher Menschenverachtung (oder roher Bürgerlichkeit) auf, dass es mich erschüttert hat, wie wenig Interesse daran bestand. Es gab etwas höflichen Beifall. Bei der äußerst interessanten Veranstaltung die Woche darauf, waren im Publikum lediglich zwei Parteimitglieder unter den wenigen Gästen (siehe neues mitLINKS, demnächst hier). Die traumatisierten Jugendlichen hat es viel Überwindung gekostet dorthin zu kommen und von ihren Erlebnissen zu berichten. Ganz wunderbar und sehr einfühlsam war übrigens der Podiumsgast und Genosse Mehmet Yildiz aus der Hamburger Bürgerschaft. Zur Kenntnis haben es neben einem Traumapsychologen nur eine Hand voll Menschen genommen.

Sind Linke Mitglieder wie Bild-Leser*innen, dass sie insgeheim hoffen, dann vor diesen „kriminellen“ und „drogensüchtigen Kindern“ in Sicherheit zu sein, wenn dieser menschliche „Unterschicht-Abfall“ eingesperrt und hart diszipliniert wird?

Auch die exzellente Beilage „München solidarisch: Gute Arbeit – Soziale Stadt“ (ist online und nicht vom Titel irritieren lassen) die wir gemeinsam mit Orhan entwickelt haben und bei der besonders seine Mitarbeiterin Maren tolle Arbeit abgeliefert hat, gab es keine Reaktionen, Rückmeldungen aus bzw. Diskussionen in der Partei. Dafür haben sich aber immerhin gemeinnützige Träger und Verbände interessiert. Das ist doch das Verhalten einer hirntoten Masse und nicht einer politischen Partei! Klar steht die Essenz dann irgendwo im Kommunalprogramm, aber wurde dann eine der wichtigsten Grundlagen linker kommunaler Arbeit überhaupt nur vorgestellt? Nicken dann alle, weil sie das auch gut finden? Da gab es erhebliche inhaltliche Differenzen mit Kreissprecher Jürgen. Ist das nicht interessant oder wäre einer Diskussion würdig gewesen? Stattdessen wird eine Redaktion, die erste Glättung in der Programm AG vollenden und am Ende kommt vielleicht noch eine Frage oder ein Änderungsantrag auf der Programm KMV. Wer möchte mit mir wetten, ob das überhaupt geschehen wird? Sicher wollen an dem Tag alle schnell nach Hause. Funktionären*innen denen so was über die Lippen geht, sind eine Fehlbesetzung. Denn sie missachten die Arbeit vieler Stunden, die darin steckt sowie das Bedürfnis des Austauschs und der Erörterung. Wer das nicht will soll sehen, ob sie/er in einer der Kirchen nicht besser aufgehoben ist.

Erst jetzt, mit etwas Abstand, treten mir die Ungeheuerlichkeiten, ja die Zumutungen der letzten Jahre deutlich vor Augen. Im Hinblick auf das „Dossier“ muss ich im Wesentlichen feststellen: „mission accomplished“ beziehungsweise „target assimilated“.

Mit herzlichen Grüßen

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Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten >>>>> weiterlesen

Fotoquelle: Fotoquelle: Die Linke Bayern / Creative Commons Lizens CC BY 2.0.

eigene Fotomontage DL

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O’zapft is!

Erstellt von DL-Redaktion am 18. September 2010

Es ist wieder soweit –
Das Oktoberfest wird eröffnet

Datei:Oktoberfest.JPG

Das historische Oktoberfest wurde bereits heute eröffnet. Grund für die heutige Eröffnung, einen Tag vor dem offiziellen Beginn ist das 200 jährige bestehen, welches einst von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese anlässlich einer Hochzeit im Jahre 1810 erstmals auf der Theresienwiese eröffnet wurde.

Heute gab es traditionelles.

Die Entwicklung zum Volksfest fand im Laufe des 19. Jahrhunderts statt.

Doch all dies hat sich im Laufe der Jahre grundlegend verändert, denn das Oktoberfest hat sich zu einer gigantischen Kirmes entwickelt.

Von vielen händeringend erwartet, startet das größte Volksfest mit einigen Einschränkungen, denn in den Zelten darf nicht mehr geraucht werden. Die Preise für ein Maß sind schon seit Jahren auf einem utopischen Stand und sicherlich wird es diesbezüglich auch keine Änderungen geben.

Mittlerweile heißt es, was trägt wer? Wer wird mit wem gesehen? Und feiern und vor allem saufen bis zum umfallen und das Ganze bei überfüllten Zelten und Musik, die einige nur in betrunkenem Zustand ertragen können.

Mittlerweile besuchen fast 6 Millionen Menschen das Oktoberfest und erstaunlicher Weise, stören anscheinend keinen die völlig überzogenen Preise, sei es beim Maß oder wenn man als Familie mit den Kindern auf den Rummel möchte, denn eines steht fest, wer das Oktoberfest besuchen will, der sollte vorher kräftig sparen, denn das Geld geht schneller weg, als einem lieb ist. Für sozialschwache Familien ist ein Besuch des Oktoberfestes unmöglich, denn woher das Geld nehmen, aber darüber machen sich ja unsere Politiker keine Gedanken, denn sie gehen lieber selber feiern und präsentieren sich in ausgelassener Stimmung den Medien, denn auffallen ist schließlich alles, nicht nur mehr für Promis, sonders viele Politiker finden den weg zur Wiesn. Warum dabei an andere denken? Oder überlegt eine Frau von der Leyen bei der geplanten Einführung ihrer Chipkarte an solche Dinge, die besonders die Kinderherzen erfreuen, sicherlich nicht?!

Wichtig ist nur, dass horrende Summen ausgegeben werden, gerade für das Oktoberfest, denn es gilt Toilettenhäuschen auf zu stellen, dann ständig Betrunkene zum Sanni zu schaffen, Ordnungspersonal, all der Strom, muss ja auch bezahlt werden, dann passieren Unfälle technischer Art usw. Im Grunde ist es doch so, Traditionen gehen in Bayern über alles und das lässt sich das Land halt auch etwas kosten und seit dem die Promis auch den Weg dort hin immer wieder finden und ihr Geld dort lassen, genauso wie die Politiker. Also die Dollarzeichen in den Augen, wird wohl das ganze Jahr über geplant und gemacht und getan.

Worauf ich hinaus will, ist doch in meinem Bericht über die CSU wieder zu finden, dass die CSU an Traditionen fest hält und somit sich dadurch nicht mit Ruhm bekleckert. Verwunderlich ist allerdings für mich die Tatsache, dass alle Parteien sich für eine Frauenquote aussprechen und gerade die FDP die einzige Partei ist, die sich dagegen ausspricht, stellt sich mir die Frage, wer hier stock konservativ ist, die CSU oder die FDP, gehen wir mal davon aus, dass es beide sind.

Liegt bei der FDP wohl daran, dass Herr Westerwelle heimlich seinen Lebensgefährten heute geheiratet hat und sich somit zwar irgendwann einmal geoutet hatte, aber aus irgendwelchen Gründen, nichts oder erst im Nachhinein etwas an die Öffentlichkeit kommen.

Im Grunde ist es doch so, dass das Oktoberfest so ausgeufert ist und zwar in allen Bereichen, dass ich mich Frage, was die Veranstalter in weiteren 100 Jahren machen wollen, denn irgendwann wird das Kontingent erschöpft sein und somit auch keinerlei neue Attraktionen mehr möglich sein, höchstens, dass die Wiesn nur noch für Promis und Politiker und Gutverdienende erschwinglich sein wird.

Wir können gespannt sein, wie es in der Zukunft mit dem Oktoberfest weiter gehen wird?!

Mit stellt sich nur die Frage, was schön daran ist, dass man in den Festzelten fast zu Tode gequetscht wird und Unsummen an Geld da lässt, da macht das Feiern doch keinen Spaß mehr.

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Fotoquelle :

Oktoberfest 2007
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Urheber Dilankf / Eigenes werk

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