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Fachkräfte

Erstellt von Gast-Autor am 18. Oktober 2010

In aller Munde: Der Fachkräftemangel

Der Fisch fängt am Kopf zu stinken an

Experten nennen es „blauäugig“, wenn danach gerufen wird, mit der Zahl der Langzeitarbeitslosen die Lücken der Fachkräfte zu füllen. Allein 2009 habe der Fachkräftemangel der Gesellschaft Verluste von 15 Milliarden eingebracht. So tönt Wirtschaftsminister Brüderle – wenn man ihn richtig verstanden hat. Natürlich ist mit Gesellschaft der Steuerzahler gemeint – eben auch der Steuerzahler, der der Zwangsmitgliedschaft der Lohnsteuerzahler angehört. Die Zumwinkels & Co hatten und haben längst Wege gefunden, sich der gesellschaftlichen Beteiligung zu entziehen. So bleibt es in der Regel einmal mehr am sogenannten „kleinen Mann“ (und natürlich auch Frau) hängen!

Die Unterstellung der Blauäugigkeit durch die eingangs erwähnten Experten am Arbeitsmarkt ist natürlich fatal, aber zwangsläufigerweise stellt sich die Frage, warum es diesen Fachkräftmangel überhaupt gibt.

Ohne Zweifel hat der Mangel an Fachkräften etwas mit der „Ausbildungsfreudigkeit“ der deutschen Wirtschaft zu tun. Und wenn man die Praxis hinsichtlich der Praktikantenstellen analysiert, sind diese Machenschaften der Wirtschaft und Industrie alles andere als motivierend für die Absolventen der Bachelor – Studiengänge. Facharbeiter und Ingenieure sind Mangelware. Der Logik folgend ist das schlicht ein selber verursachtes Problem der deutschen Wirtschaft. Sie hat es versemmelt, die Industrie! Man hat globalisiert; d.h. Produktion wurde in das Ausland verlegt – um des schnöden Mammons wegen. Oder wie man es auch nennen kann: Gewinnmax- und optimierung. Die Ausbildung hat man schleifen lassen. Und der kleine Handwerksbetrieb hat hinsichtlich der Ausbildung Auflagen zu erfüllen, die er aus Kostengründen kaum allein stemmen kann.

Es gibt zig-tausend arbeitslose Jugendliche, potentielle Facharbeiter und Ingenieure von morgen, die händeringend eine Lehrstelle suchen. Sie finden sie nicht. Es gibt tausende von arbeitslosen kompetenten Ingenieuren und Facharbeitern, die fehlgelenkt von ‚Arbeitsamt‘ und ARGE, in nutzlose Umschulungen geschickt werden, als sie dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt zuzuführen. Das System ist krank. Allerdings bekämpft man nicht die Ursachen, sondern sattelt immer wieder etwas Neues drauf, anstatt wirklich Dinge an der Wurzel anzupacken.

Bildungsministerin Schavan plant das schnelle Anerkennen ausländischer Qualifikationen und wird dabei von Brüderle unterstützt. Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Deutschland etabliert den Bachelor- und Master-Studiengang, um scheinbar internationalen Standards gerecht zu werden. Man hat aber nichts gegen den einwandernden 30-jährigen Automechaniker, dessen Ausbildungszertifikat im Staate ‚D‘ nichts gilt, der dann allerdings in Deutschland den Mechatroniker gesponsert bekommt, um danach in einer Kfz-Werkstatt arbeiten zu können. Kann der geneigte Leser dieser gefühlten Logik folgen?

Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, fordert mehr Zuwanderung aufgrund des Fachkräftemangels. Kein Thema: Wunderbar lenkt er damit von den erwähnten Versäumnissen der Industrie ab.

UP.

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Grafikquelle :  Bild aufgenommen während des Wikipedia-Bundestagsprojektes 2014. Kabinett Merkel III.

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