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Verfolgung arabischer Autoren

Erstellt von DL-Redaktion am 30. Dezember 2015

Verfolgung arabischer Autoren

Die Beleidigung des Propheten

Vielen arabischen Autoren wird vorgeworfen, vom Islam abgefallen zu sein oder Blasphemie zu betreiben. Dabei ist dies nur ein Vorwand sie zu verfolgen.

Ilija Trojanow

In diesen Tagen, die so gerne besinnlich genannt werden, tut es not, sich jener Kollegen zu entsinnen, die inhaftiert sind und deren Leben teilweise bedroht ist. Der saudische Blogger Raif Badawi ist inzwischen (ironischerweise seit sich die Bild-Zeitung seines Falles angenommen hat) eine weltweite Cause célèbre.

Neulich erhielt er den Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments. Die von einem saudischen Gericht am 17. November dieses Jahres gegen den Dichter Ashraf Fayadh verhängte Todesstrafe wegen Apostasie (Abfall vom Islam) ist hingegen viel weniger bekannt und von unseren Medien – auch von dieser Zeitung – kaum wahrgenommen worden.

Ganz abgesehen davon, wie man grundsätzlich zu diesem „Delikt“ steht, ist der Vorwurf in diesem Fall an den Haaren herbeigezogen. Die angeblich verwerflichen Gedichte sind 2008 im Beiruter Verlag Dar al-Farabi erschienen, der betreffende Gedichtband ist schon seit Jahren vergriffen.
Der Publizist Hamad Abdel-Samad, der sie als einer von wenigen hierzulande hat lesen können, vermag „kaum klare Indizien auf Blasphemie (zu) erkennen, sondern nur Anspielungen“.

Wieso benötigt der Allmächtige Hilfe?

Schwerwiegender als die Poesie dürfte der kurze Film über die öffentliche Hinrichtung eines Minderjährigen in der Stadt Abha gewesen sein, den Ashraf Fayadh samt kritischem Kommentar auf Facebook gepostet hat.

Wer die Macht im Land verteidigen will, gibt vor, Gott zu schützen. (Die kleine theologische Frage, wieso der Allmächtige solche Hilfe benötigt, ist noch nicht abschließend geklärt. Der Koran sieht eigentlich nur Höllenqualen für dieses „Verbrechen“ vor. Spätere „Quellen“ fordern eine diesseitige Bestrafung.)

Also schickte die religiöse Polizei einen Agent provocateur zum Dichter, der sich als Verehrer seiner Poesie ausgab und ihn um ein signiertes Exemplar bat. Als der geschmeichelte Dichter diesem einen Band seiner Gedichte übergab, wurde er als Gotteslästerer verhaftet, der sich zudem der Sünde schuldig gemacht hat, seine teuflischen Einflüsterungen unter den Gläubigen zu verbreiten, um sie zu verwirren (ein weiteres schweres Vergehen). Der Verteidiger hat inzwischen Einspruch wegen eines Formfehlers eingelegt.

Quelle: TAZ  >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Author Aiman titi –/– CC BY-SA 3.0

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