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Der Monopolist der Organe

Erstellt von DL-Redaktion am 9. Mai 2012

Der Monopolist der Organe

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Die Debatten über Organtransplantationen reißen nicht ab da auch laufend über neue Skandale zu berichten ist. Solange nicht zu 100 % sicher gestellt ist nicht als Spekulationsobjekt missbraucht zu werden, sollte ein jeder sich seine Entscheidung zweimal überlegen.

Auftraggeber der Deutschen Stiftung Organtransplantation sind laut Transplantationsgesetz die Bundesärztekammer, die gesetzlichen Krankenkassen sowie die Deutsche Krankenhausgesellschaft. Dieses sind aber Organisationen welche von oben aufgezwungen wird nach rein Wirtschaftlichen Gesetzen zu arbeiten. Das heißt, ein jeder sucht vielleicht nach Möglichkeiten seine Kassen entsprechend aufzubessern.

Dabei haben weder der DSO noch das Parlament Kontroll- oder Sanktionsrechte. Nach dem Stiftungsrecht verfügt hierüber nur der Stiftungsrat, das Gremium, das bisher seine Kontrollfunktion vernachlässigte.

Stiftung Organtransplantation in der Kritik

Monopolist der Organe

Mal wird der Hirntod lax diagnostiziert, die Mitarbeiterin gefeuert, oder Angehörige geraten in Bedrängnis: Die Vorwürfe gegen DSO-Chef Günter Kirste verschärfen sich.

In der Nacht vom 8. auf den 9. Dezember 2005 war Eile geboten am Heinrich-Heine-Universitätsklinikum Düsseldorf. Das Team der Entnahmechirurgen war schon eingetroffen, der OP vorbereitet. Die Herausnahme der Organe des Mannes, den Intensivmediziner und Neurologen auf der Radiologischen Intensivstation M1 nicht mehr ins Leben hatten zurückholen können, sollte beginnen.

Der junge Kollege, der die hierfür nötigen Formalitäten überprüfen musste, war damals noch nicht lange Mitarbeiter der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Aber das kleine Einmaleins der Hirntoddiagnostik – sie ist zwingende Voraussetzung für jede postmortale Organspende – kannte er.

Er wurde stutzig. Es fehlte nicht bloß irgendeine Unterschrift. Es fehlte das komplette zweite ärztliche Protokoll. Jenes Dokument also, das hätte bestätigen müssen, dass bei dem Mann, der im elektronischen Spender-Meldesystem der DSO fortan D2811 hieß, der zweifelsfreie, vollständige und unwiederbringliche Ausfall sämtlicher Hirnfunktionen nicht bloß ein einziges Mal diagnostiziert worden war. Sondern dass der Hirntod nach einem gewissen zeitlichen Abstand erneut und von einem zweiten Mediziner nachgewiesen worden war, um wirklich jeden Zweifel auszuschließen. Der Verdacht lag nahe, dass diese zweite Diagnostik schlicht vergessen worden war.

Fristlose Kündigung

Der junge Mann informierte seine Vorgesetzte in der nordrhein-westfälischen DSO-Zentrale, Ulrike Wirges, und die wiederum noch in der Nacht ihren obersten Chef in der DSO-Hauptverwaltung in Frankfurt am Main, Günter Kirste. Das bezeugen Teilnehmer späterer Mitarbeiterbesprechungen sowie Briefwechsel zu dem Vorfall.

Zwischen 5.15 Uhr und 9.30 Uhr an jenem 9. Dezember wurden dem Spender D2811 den ärztlichen Aufzeichnungen zufolge Organe entnommen und der Stiftung Eurotransplant zur Vermittlung angeboten. Ohne dass eine weitere Diagnostik erfolgt wäre. Und ohne dass das vorgeschriebene zweite Hirntod-Protokoll vorgelegen hätte.

Kaum eine medizinische Prozedur ist so verbindlich geregelt wie die Hirntoddiagnostik. Seit 1997 besteht hierzu eine quasigesetzliche Regelung durch das Transplantationsgesetz. Danach müssen zwei Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod zweimal bestimmen – und dies auch zweimal dokumentieren, und zwar schriftlich. Die Düsseldorfer Organentnahme hätte unter diesen Umständen nicht stattfinden dürfen.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

Über das Thema der Organtransplantation berichteten wir bereit in folgenden Artikeln:

Der deutsche Patient

Die Jagd auf Organe

Das System der Oraganspende

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Grafikquelle    :     500-Euro-Banknoten (Die Herstellung wurde im Mai 2016 dauerhaft eingestellt).

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