DEMOKRATISCH – LINKS

                      KRITISCHE INTERNET-ZEITUNG

RENTENANGST

Chruschtschow, Putin und die Assads

Erstellt von DL-Redaktion am 21. November 2015

Chruschtschow, Putin und die Assads

von Alexei Malaschenko

Mit den russischen ­Suchoi-Su-34-Kampfjets im Luftraum des Nahen Ostens und den Kalibr-Marsch­flugkörpern, die von Schiffen auf dem Kaspischen Meer abgefeuert werden, hat sich das Mächtegleichgewicht auf dem syrischen Schlachtfeld zumindest vorläufig verschoben. Die intensiven russischen Bombenangriffe haben es den Truppen des syrischen Regimes ermöglicht, wieder in die Offensive zu gehen.

Die taktische Unterstützung Wladimir Putins für Baschar al-Assad kommt nicht wirklich überraschend: Das Bündnis mit Syrien war der letzte Überrest der russischen Präsenz im Nahen Osten, ein Symbol vergangener Größe. Die anhaltende Unterstützung Moskaus für das Assad-Regime wurde besonders im Sommer 2013 deutlich, als der Kreml eine entscheidende Rolle bei der Auflösung des syrischen Chemiewaffenarsenals spielte, um eine westliche Intervention zu verhindern. Das russische Vorgehen gibt all jenen unrecht, die glauben, Moskaus Interessen begrenzten sich auf den postsowjetischen Raum und das Land sei nur noch als „Regionalmacht“ einzuordnen.

Seit den ersten Rüstungsverträgen von 1956 unterhielt Syrien enge Beziehungen zur UdSSR. Durch die Gründung der Vereinigten Arabischen Republik mit Ägypten (die von 1958 bis 1961 bestand) und der später folgenden Machtübernahme der Baath-Partei 1963, die einen „arabischen Sozialismus“ propagierte, wurden sie weiter gefestigt. Vor seinem Tod im Jahr 2000 trug der syrische Präsident Hafis al-Assad seinem Sohn Baschar auf, unter allen Umständen diese Beziehung zu bewahren, die für den Verbleib des Assad-Clans an der Spitze des Staats in der Tat unverzichtbar ist.

Nachdem Ägypten 1977 die Fronten im Kalten Krieg gewechselt und die sowjetischen Militärbasen in Marsa Matruh und Alexandria aufgekündigt hatte, ist der syrische Hafen in Tartus der einzige Stützpunkt für die russische Marine im Mittelmeer. In den vergangenen Monaten hat die Präsenz der russischen Kriegsschiffe vor der syrischen Küste zugenommen; im September wurde sogar das Atom-U-Boot „Dmitri Donskoi“ gesichtet, das zur Ty­phoon-Klasse, den größten jemals gebauten Unterseebooten, gehört.

Direkt nach Beginn des Arabischen Frühlings hatte Russland seine Hilfe für Syrien verstärkt. Der Fall der Regime in Tunesien, Ägypten und Libyen, ebenso wie das Auseinanderbrechen des Irak und der darauf folgende Aufstieg des Islamischen Staats 2014 haben in Moskau die Überzeugung gefestigt, dass man Assad weiterhin unterstützen und die eigene Position in der Region stärken müsse. Die allgemeine Instabilität und der unklare Ansatz der westlichen Politik – zuallererst der USA – haben auch andere Staaten bewogen, ihre Bündnisbeziehungen zu diversifizieren. So hat Frankreich ein umfangreiches Waffenarsenal an die Golfstaaten verkauft. Russland selbst hat kürzlich wirtschaftliche, militärische und technische Abkommen mit Ägypten, dem Irak und Jordanien unterzeichnet. Saudi-Arabien finanziert neuerdings Waffenkäufe Ägyptens in Russland. Und im Juli 2015 beschloss der saudische Staatsfonds, rund 10 Mil­liar­den Euro in Russland zu investieren.

Ich selbst habe bei mehreren arabischen Politikern und Offizieren erlebt, dass sie immer noch mit nostalgischen Gefühlen an die Regierungszeit von Gamal Abdel Nasser (1956 bis 1970) zurückdenken, als die starke Rivalität zwischen der UdSSR und dem Westen den arabischen Staaten einen gewissen Handlungsspielraum verschaffte. Und es ist auch kein Zufall, dass sich der gegenwärtige ägyptische Präsident Abdel Fatah al-Sisi in seinem Wahlkampf 2014 in Elogen auf seinen berühmten Amtsvorgänger erging. Putin hat wieder an die alten Beziehungen angeknüpft, als er schon früh und bedenkenlos auf den neuen starken Mann in Kairo setzte, den er Ende August nach Moskau einlud. Dabei kamen russische Waffenlieferungen an Ägypten in Höhe von 3 Milliarden Euro zustande.

Quelle: le monde diplomatique >>>>> weiterlesen

—————————————————————————————————————————-

Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Bellona Foundation? / Typhoon class submarine

Abgelegt unter International, Regierung | Keine Kommentare »