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RENTENANGST

Spiel mir das Lied vom Tod

Erstellt von DL-Redaktion am 1. November 2014

Der Kalte Krieg und die Eskalation der Angst

von Bernd Greiner

Angesichts der dramatischen Eskalation zwischen Russland und dem Westen in der Ukrainekrise begegnet man derzeit zwei, hoch konträren Lesarten: Die einen parallelisieren die gegenwärtige Lage mit der Zeit vor 1989, indem sie von einem neuen Kalten Krieg sprechen. Die anderen sprechen, gerade in Absetzung von der Zeit vor 1989, von einem neuen Heißen Krieg, der die Gefahren des Kalten Krieges weit in den Schatten stelle. Beide Beschreibungen gehen an den Realitäten und Spezifika der bipolaren Ära vorbei. Letztere verkennt jedoch zudem, wie sehr speziell in den frühen 80er Jahren der Frieden nur an einem seidenen Faden hing.

„Es gibt wichtigere Dinge, als im Frieden zu leben“, propagierte US-Außenminister Alexander Haig im Januar 1981. Und US-Präsident Ronald Reagan konkretisierte im Mai 1981 und März 1983, was darunter zu verstehen sei: „Wir werden uns nicht damit abgeben, ihn [den Kommunismus] anzuprangern, wir werden uns seiner entledigen. […] Ich glaube, dass der Kommunismus nur ein weiteres trauriges und bizarres Kapitel in der Geschichte der Menschheit ist, deren letzte Seiten auch gerade jetzt geschrieben werden.“ „Und wenn die Abschreckung versagt“, so US-Verteidigungsminister Caspar Weinberger im Juni 1981, „müssen wir fähig sein zu gewinnen, um zu überleben.“ Der Generalsekretär der KPdSU, Juri Andropow, wähnte Washington gar in den Fußstapfen der deutschen Blitzkrieger auf die UdSSR vom Sommer 1941 und zitierte Hiroshima als Beweis amerikanischer Skrupellosigkeit. Die Idee eines „nuklearen Barbarossa“ war in der Welt. „Ich würde es“, so ein enger Berater Andropows, „eine Anleitung zu einem totalen Krieg gegen die UdSSR und ihre Verbündeten nennen.“

Was sich zeitgleich hinter den Kulissen abspielte, gibt noch heute Rätsel auf. Mit militärischen Psychotricks – sogenannten psychological operations oder Psyops – wollten amerikanische Streitkräfte demonstrieren, dass die Sowjetunion ihre Lufträume und Küsten nur unzureichend schützen konnte und auf marode Frühwarnsysteme angewiesen war. US-Bomberstaffeln flogen wiederholt Scheinangriffe und drehten erst im letztmöglichen Moment ab, ein amerikanischer Flottenverband drang im September 1981 unbemerkt von der gegnerischen Aufklärung nahe Murmansk in die Barentsee ein, anlässlich der Marineübung „Fleetex 83“ verletzten Kampfjets mehrmals den sowjetischen Luftraum über den Kurilen. Mit der Kommandostabsübung „Able Archer“ ging die Nato zwischen dem 7. und 11. November 1983 noch einen Schritt weiter. Im Unterschied zu Großmanövern der Vergangenheit wurden alle Phasen des Übergangs von einem konventionellen zu einem atomaren Krieg durchgespielt; und abweichend von bisherigen Gepflogenheiten bediente man sich neuer, für die Gegenseite nicht zu entziffernder Freigabecodes für den Einsatz von Nuklearwaffen.

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Grafikquelle    :   Sergio Leone

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