DEMOKRATISCH – LINKS

                      KRITISCHE INTERNET-ZEITUNG

RENTENANGST

Von Profs, und anderen Pennern

Erstellt von DL-Redaktion am 15. August 2015

Profs, träumt nicht von gestern!

Von Sandra Richter

Vor zwei Wochen kritisierte der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen: Das Wissenschaftssystem marginalisiert die Intellektuellen. Ein Mitglied des Wissenschaftsrats, antwortet: Unsere Gesellschaft bekommt die Professoren, die sie verdient.

Neuer Kalter Krieg, Europa in der Krise, Flüchtlingsdrama – warum äußern sich dazu so wenige Professoren in der Öffentlichkeit? Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, 46, führte dies unter der Frage „Wo seid ihr, Professoren?“ (ZEIT Nr. 31) auf Fehlanreize in der Wissenschaft zurück. Die Debatte setzt sich in den CHANCEN und online fort. Texte unter:  www.zeit.de/professoren. Schicken Sie Ihre Beiträge gerne an professoren@zeit.de, die besten werden wir veröffentlichen.

Wenn Bernhard Pörksen vom großen öffentlichen Intellektuellen schwärmt, dann hängt er einer lang geträumten Wunschvorstellung an. Er zeichnet ein melancholisches Szenario des Verfalls intellektueller Tugenden – mit reichlich Bürokratiekritik: Das Publizieren in englischsprachigen Journalen, der Netzwerk-Imperativ und die quantifizierende Wissenschaftspolitik trügen die Schuld daran, dass geistes- und sozialwissenschaftliche Professoren nicht mehr als öffentliche Intellektuelle und „wortmächtige Individualforscher“ auftreten könnten. Doch diese Klage ist schief – aus vier Gründen.

Erstens: Professoren sind selten Intellektuelle und Intellektuelle selten Professoren. Das war schon in der Geburtsstunde des Intellektuellen im Jahr 1898 so: Der jüdische Hauptmann Alfred Dreyfus war des Hochverrats angeklagt worden; Émile Zola sprach ihn in seinem offenen Brief J’accuse frei und nannte die wahren Hintergründe. Dafür wurde Zola der Verleumdung angeklagt und löste eine Welle des Protests unter zeitgenössischen Schriftstellern aus. Diese Schriftsteller, eben keine Professoren!, wurden in der Folge als „Intellektuelle“ gepriesen (oder gebrandmarkt). Und auch später fanden sich die wirkmächtigen Individuen außerhalb der Universität: Jean-Paul Sartre scheiterte beinahe an der Prüfung für das höhere Lehramt; er wurde Publizist und Frankreichs wichtigster Philosoph des 20. Jahrhunderts.

Quelle: Zeit >>>>> weiterlesen

——————————————————————————————————————————

Fotoquelle : Wikipedia – Urheber / Blömke/Kosinsky/Tschöpe

Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland“ lizenziert.

Abgelegt unter Berlin, Bildung, Überregional | Keine Kommentare »