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Vom Rothschild-Boulevard

Erstellt von DL-Redaktion am 9. September 2011

Soziale Unruhen und Proteste in Israel

Israel Housing Protests Tel Aviv August 6 2011b.jpg

Ein sehr gutes Beispiel für Globalisation sehen wir bei einen Vergleich der Länder Israel und Deutschland. Lesen wir den folgenden Artikel werden wir die herrschenden Verhältnisse aus Israel so ziemlich eins zu eins in unseren Land wiederfinden. Der gleiche Sozialabbau, die gleiche Einigkeit über desselben quer durch alle Parteien sowie das gleiche Ansinnen immer mehr Gelder in die Taschen derjenigen zu schaufeln deren  Bankkonten ehe schon überquellen.

Nur in einem Thema scheiden sich die Geister. In Israel gibt es eine Gruppe welcher es immer mehr gelingt die Massen zu mobilisieren und damit zu Protesten auf die Straßen zu bringen. In Israel zogen am letzten Wochenende rund eine halbe Millionen Menschen durch die Straßen der großen Städte. Auf die Einwohnerzahl des Landes umgerechnet beteiligten sich rund 7 % der Bevölkerung an diesen Aufmärschen. Wir berichteten am Sonntag bereits darüber. Auf unser Land umgerechnet würde dieser Prozentsatz  rund 5,5 Millionen Menschen ergeben. Eine Anzahl welche die gesamte Politik dieses Landes über Nacht aus dem Dauerschlaf erwecken und ins wanken bringen würde. Aber wie gesagt so ist es in Israel.

Über die Entstehung dieser Protestbewegung welche auf dem Rothschild-Boulevard in Tel Aviv begann berichtet Yael Lerer. Erleben wir bald gleiches auf dem Kurfürstendamm auch ?

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Tel Aviv, Rothschild-Boulevard

Israels Protestbewegung hat viel nachzuholen

Aus nur einem Grund, nämlich der Wohnungsnot, gründete die 25-jährige Daphné Leef eine Facebook-Gruppe und rief dazu auf, in Tel Aviv ein Protestcamp zu errichten. Innerhalb eines Jahres sind hier die Mieten um 11 Prozent gestiegen – von durchschnittlich 742 Euro für eine Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnung auf 827 Euro. Daphné Leef erging es wie vielen ihrer Freunde: Sie musste ihre Wohnung im Stadtzentrum aufgeben.

Am vereinbarten Tag, dem 14. Juli, schlugen etwa hundert junge Leute, meist aus der oberen Mittelschicht, ihre Zelte auf dem Rothschild-Boulevard auf. Bereits nach einer Woche standen mehrere hundert Zelte auf Tel Avivs Hauptverkehrsstraße, und zur ersten Demonstration kamen 20 000 Menschen. In anderen Städten fanden sich schnell Nachahmer, auch aus ärmeren Schichten, die auf öffentlichen Plätzen kampierten. Und am 6. August zogen bereits 300 000 Menschen durch Tel Aviv und forderten soziale Gerechtigkeit. Anfang September gingen in ganz Israel fast eine halbe Million auf die Straße.

In den letzten Jahren ist der Lebensstandard in Israel immer weiter gesunken. Es gibt weniger Jobs, die Sozialleistungen werden gekürzt und öffentliche Dienstleistungen abgebaut. Während der Wirtschaftskrise zu Beginn der 1980er Jahre betrug die Inflationsrate in Israel fast 450 Prozent. 1985 legte die Regierung der Nationalen Einheit unter Ministerpräsident Schimon Peres einen „Stabilitätsplan“ vor, der die Wirtschaftspolitik unter dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan kopierte. Das Konzept umfasste damals nicht nur finanzpolitische Maßnahmen wie die Abwertung des Schekel und die Einführung eines festen Wechselkurses, sondern auch die Reduzierung öffentlicher Ausgaben, einen fast vollständigen Lohnstopp und den Abbau von Arbeitnehmerrechten. Der mächtige israelische Gewerkschaftsverband Histadrut assistierte bei der Verabreichung dieser bitteren Pille.

Fast alle politischen Gruppierungen akzeptierten den Stabilitätsplan – von der extremen Rechten über den linken Flügel der Arbeitspartei bis zur Meretz, ausgenommen die Vertreter der arabischen Minderheit, die bisher an keiner Regierung beteiligt waren. Seit mehr als zwanzig Jahren dominiert das liberale Dogma die Wirtschaftspolitik des Landes, unabhängig davon, welches Bündnis regiert. Die Debatten zwischen Linken und Rechten gehen meistens um die Palästinenserfrage, doch selbst hier ist man sich weitgehend einig.

Quelle: Le Monde diplomatique >>>>> weiterlesen

IE

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Grafikquellen   :   Israeli housing protests in Tel Aviv August 6, 2011

 

 

 

 

 

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