DEMOKRATISCH – LINKS

                      KRITISCHE INTERNET-ZEITUNG

RENTENANGST

Publizist Roger Willemsen ist tot

Erstellt von DL-Redaktion am 9. Februar 2016

Der Mann des Bildungsfernsehens

von Jan Feddersen

Er war der belesenste TV-Moderator der letzten 20 Jahre, ein Idol des Bildungsbürgertums. Am Sonntag ist Roger Willemsen gestorben.

Die taz kam ja auch in den, so muss man es neidlos sagen, Genuss seiner wirklich sehr virtuosen Art, sehr Hässliches sehr schön formulieren zu können. Als die Kolleg*innen der sonntaz vor gut sechs Jahren Roger Willemsen fragten, ob er sich am „Streit der Woche“ mit einer kurzen Einlassung beteiligen würde, zierte er sich nicht lange – und das Zieren war ihm öfters ja angelegen –, denn das Objekt, dem er einige garstige Sätze widmen sollte, lag ihm schon lange wie ein mieser Stein auf der Seele.

So schrieb er denn zur Show „Germany‘s Next Top-Model“ und ihrer Präzeptorin Heidi Klum:

„Eine unschöne Frau mit laubgesägtem Gouvernanten-Profil bringt kleine Mädchen zum Weinen, indem sie ihre orthodoxe, hochgerüstete Belanglosigkeit zum Maßstab humaner Seinserfüllung hochschwindelt, über ‚Persönlichkeit‘ redet, sich aber kaum mehr erinnern kann, was das ist, und sollte diese je zum Vorschein kommen, sie mit Rauswurf bestraft. Der Exzess der Nichtigkeit aber erreicht seinen Höhepunkt, wo Heidi Nazionale mit Knallchargen-Pathos und einer Pause, in der man die Leere ihres Kopfes wabern hört, ihre gestrenge ‚Entscheidung‘ mitteilt, und wertes von unwertem Leben scheidet. Da möchte man dann elegant und stilsicher, wie der Dichter sagt, sechs Sorten Scheiße aus ihr rausprügeln – wenn es bloß nicht so frauenfeindlich wäre.“

Die Passage sei hier in Gänze zitiert, kein Wort ist überflüssig – auch wenn die leicht dünkelhafte Allüre, die dem Mann des Bildungsbürgertums ja immer eigen war, im Verhältnis zur Trashkultur immer etwas zu mokant, zu selbstsicher, zu gewiss in eigener (Klassen-)Sache wirkte.

Es ist traurig und wahr zugleich, denn Roger Willemsen, der belesenste unter allen TV-Figuren der vergangenen 20 Jahre, der Mann der Literatur, des Talks und der elaborierten Auseinandersetzung auf beinahe allen Quatschsofas der Republik, kann bei der nächsten Staffel der Heidi-Klum-Dressur- und Zuchtshow nicht mehr zugucken – lebte er aber, dürfte er ein wenig seufzen, denn nichts scheint sich an dem Befund zu dieser dunklen Meisterin der Körperformatierung geändert zu haben. Willemsen, erschütternd junge 60 Jahre alt erst, ist gestern an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben.

Niemand hatte so interessante Gäste

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

[youtube bW8rbQRYjXY]

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Grafikquelle     :     Roger Willemsen (2014)

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So klang Widerstand

Erstellt von DL-Redaktion am 1. Juni 2015

Nachruf auf Walter Mossmann



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    g g g4 h a8 a g2
    \bar ":|."
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text = \lyricmode {
Ob wir ro -- the, gel -- be Kra -- gen,
Hü -- te o -- der Hel -- me tra -- gen,
Stie -- feln tra -- gen oder Schuh’;
o -- der, ob wir Röc -- ke nä -- hen
und zu Schuh’n die Fä -- den dre -- hen,
das tuht, das thut nichts da -- zu.
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Walter Mossmann, der Barde der Anti-AKW-Bewegung, ist tot

von Reimer Paul

Sein „Lied vom Lebensvogel“ ist bis heute die Hymne der Gegner des Atomendlagers Gorleben. Von den Anfängen in Wyhl bis zu den Castortransporten ins Wendland begleitete Walter Mossmann die Anti-AKW-Bewegung mit seinen Balladen, Ideen und klugen Kommentaren. In der Nacht zum Samstag starb der Filme- und Liedermacher, Sänger und politische Aktivist im badischen Breisach. Er wurde 73 Jahre alt.

Musikalisch wie politisch beeinflusst von dem linken französischen Chansonnier George Brassens, war Mossmann in der Liedermacherszene schon seit seinen Auftritten bei den Burg-Waldeck-Festivals 1965 und 1966 bekannt. Als Journalist und Moderator arbeitete er für den Südwestfunk, bis er sich mit dem Sender anlegte und kündigte.

 Als die Bevölkerung des „Dreyecklands“ – die Grenzregion zwischen Baden, dem Elsass und der Schweiz – zunächst den Bauplatz des Bleiwerks im französischen Marckolsheim und dann das AKW-Gelände in Wyhl besetzte, wurde Mossmann mit seiner Gitarre die Stimme des Widerstands: In dieser Zeit schrieb er die meisten seiner Protestlieder.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

[youtube rpod5ahx1EQ]

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Grafikquelle     :

Datei:Bürgerlied.jpg
Text & Melodie Adalbert Harnisch (1815–1889), 1845
Urheberrecht
Melodie und Liedtext sind Gemeinfrei. Sie können beliebig vervielfältigt und weitergegeben werden.Mehr dieser Lieder findest du in unserem JuLiBu.

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Gurlitts Kunstsammlung

Erstellt von DL-Redaktion am 9. Mai 2014

Der gewissenhafte Erbe

SAMMLUNG GURLITT Nach dem Tod von Cornelius Gurlitt geht seine inzwischen wieder freigegebene Sammlung in die Schweiz, an das Kunstmuseum Bern

 Autorin:  BRIGITTE WERNEBURG

 Er war zweifellos eine singuläre Erscheinung. Cornelius Gurlitt, der Hüter des geheimen Bilderschatzes, der 2013, bei Bekanntwerden der Beschlagnahmung durch die Augsburger Staatsanwaltschaft, internationales Aufsehen erregte. Cornelius Gurlitt war wirklich eine Erscheinung. Denn nach heutigen Kriterien existierte er nicht. Er lebte ohne Telefon, Radio und Fernsehen, er hatte keine Kranken- oder sonstigen Versicherungen, eine Familie hatte er so wenig wie einen Beruf. Niemand konnte aus seinen Daten Nutzen ziehen, denn es gab seine Daten nicht. Dass er einen Pass hatte, grenzt fast an ein Wunder. Es war ein österreichischer Pass, aber zuletzt lebte Gurlitt – nicht gemeldet – in München, in einer Eigentumswohnung in Schwabing, wo er auch am Dienstag, 81-jährig, verstarb.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Max Liebermann (1847–1935) Auf die Infoboxvorlage des Erstellers verlinken wikidata:Q158062

Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

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Ottmar Schreiner -Nachruf

Erstellt von DL-Redaktion am 7. April 2013

Das „Soziales Gewissen“ der Sozialdemookraten“
SPD-Politiker Ottmar Schreiner ist tot

Ottmar Schreiner

Das „Soziale Gewissen“ der Nation ist weder die LINKE noch die SPD. Das war Ottmar Schreiner welcher am Samstag im Alter von 67 Jahren leider viel zu früh an seinen Krebsleiden verstarb. Aber wie sagt schon der Volksmund: „ Die Besten gehen voran“. Viele der hier auf DL Kommentierenden haben Ottmar persönlich gekannt und auf Grund seiner Bodenbeständigkeit geschätzt.

„Farewell Ottmar“!

Der ehemalige Fallschirmjäger und spätere Jurist stammt aus dem saarländischen Merzig, wo er trotz seines späteren Umzugs nach Saarlouis bis zuletzt auch ein Wahlkreisbüro unterhielt. Schreiner trat 1969 in die SPD ein und wurde 1980 in der Regierungszeit Helmut Schmidts erstmals in den Bundestag gewählt. 1997/98 war der Katholik stellvertretender Fraktionsvorsitzender. 1998 wurde er Bundesgeschäftsführer seiner Partei, aber bereits nach einem Jahr wurde er von Schröder aus dem Amt gedrängt.

Eine Zeitlang wurde gar über einen Wechsel zur Linkspartei spekuliert, zumal er sich deren zeitweiligen Vorsitzendem, dem einstigen saarländischen Spitzen-Sozialdemokraten Oskar Lafontaine, weiterhin verbunden fühlte. Doch Schreiner blieb den Sozialdemokraten bis zum Schluss treu. Heute kann man nur sagen eine kluge Entscheidung von ihm und eine schlechte für die Linke. Wären der Partei bei einem Wechsel vielleicht einige der heutigen „Platzpatronen“ erspart geblieben.

Das „Soziales Gewissen“ der Sozialdemookraten“
SPD-Politiker Ottmar Schreiner ist tot

Er galt als einer der profiliertesten Linken der SPD und erbitterter Gegner von Schröders Agenda 2010. Ottmar Schreiner war jahrelang das soziale Gewissen der Sozialdemokraten. Nun erlag der 67-Jährige einem Krebsleiden.

Der SPD-Linke Ottmar Schreiner ist tot. Der 67-jährige Bundestagsabgeordnete starb am Samstag, wie aus Parteikreisen in seiner saarländischen Heimat zu erfahren war. Schreiner, der mehr als 30 Jahre im Bundestag saß, war ein erbitterter Gegner der Reform-Agenda 2010 des damaligen SPD-Bundeskanzlers Gerhard Schröder.

Für die einen war er ein aufrechter Kämpfer für den Sozialstaat, für die anderen ein unbeweglicher Betonlinker. An Ottmar Schreiner schieden sich nicht nur in der SPD die Geister. Einst wurde er in seiner Partei als Pragmatiker geschätzt. Doch als Bundeskanzler Gerhard Schröder seinerzeit die Agenda 2010 verkündete, ging Schreiner auf Konfrontationskurs.

32 Jahre für die SPD im Bundestag

Quelle: Süddeutsche-Zeitung >>>>> weiterlesen

Als Nachtrag Lesenswert:

Mutiger als die anderen

Das sei mit ihm wie mit dem berühmten alten Zirkusgaul, sagte Ottmar Schreiner und lächelte mit gespitztem Mund: „Wenn die Musik erklingt, schwinge ich die Hufe.“

Es sah nicht aus, als wolle er ablassen von der Politik und von seiner SPD, oh nein, auch 2009 ging er noch einmal in den Bundestag. Das erhoffte Ministeramt im Saarland hatten ihm seine Genossen dann doch verwehrt; nun wollte er sich in Berlin die Rentenpolitik vornehmen, Altersarmut sei das nächste große Thema. „Dank SPD-Reformen: Wer 45 Jahre lang durchschnittlich verdient, landet im Alter auf Grundsicherung!“, schnaubte er, nie um ergänzendes Zahlenmaterial verlegen.

Aber um noch einmal eine richtige Welle zu machen, hat es nicht mehr gereicht. Der Krebs schlug zu. Schreiner erholte sich, dann gewann wieder die Krankheit und herrschte über ihn den ganzen langen Winter hindurch.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle   :   Ottmar Schreiner am 10. Dezember 2007 in Darmstadt (Justus-Liebig-Haus)

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