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RENTENANGST

Ich weiß, wo ich herkomme

Erstellt von DL-Redaktion am 27. Juni 2013

Bin in Berlin-Neukölln geboren

Nach so viel ernsten Dingen, jetzt einmal weiter mit etwas Lustigen. Obwohl lustig? Wenn die Sprache auf Afghanistan oder Heinz Buschkowsky kommt ist es mit dem Spaß auch ganz schnell wieder vorbei. Auch oder gerade wenn es ein Interview mit dem Komiker Kurt Krömer ist.

taz: Herr Krömer, Sie waren Totalverweigerer und haben jetzt über Ihren Truppenbesuch in Afghanistan ein Buch geschrieben. Hat die Reise Ihren Blick aufs Militär verändert?

Kurt Krömer: Eigentlich nicht. Früher wollte ich nicht mal Zivildienst machen. Dabei hatte ich da schon viele Scheißjobs am Hacken. Zivildienst wäre wie ein Aufstieg gewesen. Aber als ich dann die Einladung von der Bundeswehr bekommen habe, nach Afghanistan zu fahren, dachte ich mir: Geh mal hin zu den Leuten, die du nicht verstehst. Und gerade weil ich sie nicht verstehe, bin ich einige Monate später noch mal in den zivilen Teil des Landes geflogen, um mir vom Land und von den Leuten auf der anderen Seite der Mauern einen Eindruck zu verschaffen.

Was war beim Truppenbesuch anders als erwartet?

Ich dachte, wir würden stärker zensiert, wenn wir mit den Kameras anrücken. Oder man wird, wie auf den Schullandheimreisen, zur Strafe früher nach Hause geschickt. War aber nicht so. Da hatte ich verklemmtere Drehs hier in Deutschland.

Zum Beispiel?

Wenn ich nur zehn Meter zu H & M reinwill, um zu sagen, dass es mir wichtig ist, dass das Hemd da auch von Kinderhand gemacht worden ist, dann ist der Ofen aus. Gerade habe ich auf der Baustelle des Berliner Flughafens BER gedreht, da hatten sie alle die Hosen voll. Die haben bestimmt vorher einen Einlauf bekommen: Wenn der Typ kommt: nicht sprechen, am besten wegducken.

Wie stehen Sie denn nun zum Einsatz in Afghanistan? Im Buch drücken Sie sich ja um eine klare Bewertung herum.

Man kann da nicht sagen: Ich habe die Lösung. Viele Soldaten haben mir erzählt, dass sie auch nicht wissen, was sie da eigentlich machen. Die letzten zehn Jahre hätten sie auch nur noch versucht, ihren Arsch zu retten. Und viele Afghanen im zivilen Teil des Landes sagen ebenfalls, dass die Isaf-Truppen schon 2004 hätten gehen können. Das muss man nicht kommentieren.

Herbert Feuerstein ist mal für den WDR um die Welt gereist, Django Asül in die Türkei, Sie jetzt nach Afghanistan. Müssen Komiker zwangsläufig irgendwann ins Ausland reisen?

Seit „Tegtmeiers Reisen“ in den Siebzigerjahren hat es sich eingebürgert, dass lustige Leute die Malediven vorstellen. Aber ich glaube, die Malediven wurden schon besser vorgestellt, als ich das je könnte. Ich finde es öde, am Strand mit Winterklamotten durchs Bild zu laufen und zu sagen: Mann, ist das lustig, ich hab die falschen Sachen eingepackt! Oder mir einen richtigen Sonnenschirm ins Glas zu stecken und zu sagen: Mist, da habe ich mich wieder vertan. Ich fahre lieber an Orte, wo sonst niemand hinfahren will. Transsilvanien etwa würde mich interessieren.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia

Author Jed

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Rassismus auf der Bühne

Erstellt von DL-Redaktion am 23. März 2012

„Ressentiments sind zum Zerstören da“

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Oliver Polak, 35, Sohn eines KZ-Überlebenden, machte nach dem Abi ein Praktikum bei Viva und moderierte bei RTL den „Disney Club“. Serienauftritte folgten. Seit 2006 macht Polak selbstironische und gesellschaftskritische Stand-up-Comedy. Zuletzt erschien die DVD „Ich darf das, ich bin Jude! Live!“. Für Oliver Polak ist guter Humor weder deutsch noch jüdisch, sondern absurd, kaputt und selbstironisch. Seine Auftritte sind das Gegenteil von „Wellnesscomedy“.

taz: Herr Polak, Sie treten im Fernsehen auf, schreiben Bücher, und jetzt gibt es auch eine DVD von Ihnen. Ist Ihre Mutter stolz auf Sie?

Oliver Polak: Stolz ist ein sehr deutsches Wort. Wenn ich es höre, denke ich an „stolz, ein Deutscher zu sein“. Die Reaktion meiner Mutter auf meine Show war: „Gute Show, gab es den Anzug auch in deiner Größe?“ Als ich Dirk von Lowtzow geküsst habe, sagte mein Vater, das habe ich nachher von meiner Mutter gehört: „Oh Gott, der Junge ist schwul.“

Sie sind als einziger jüdischer Junge in der niedersächsischen Kleinstadt Papenburg aufgewachsen. Haben Sie sich als Außenseiter gefühlt?

Absurderweise hatten meine Eltern ein Geschäft mit Weihnachtsdekorationen. Zur Weihnachtszeit standen wir am Fenster, mein Vater, meine Mutter und ich. Wir haben Chanukkaleuchter angezündet und den Chanukkasong gesungen, von draußen strahlten uns die Weihnachtssterne an, wir standen da zu dritt, das war absurd, und das war anders. Das war auch oft unerträglich. Sodass man eine eigene Welt gebaut hat. Unterhaltung war für mich eine Flucht aus dieser tristen Kleinstadt.

Ist Ihr Humor jüdisch?

Ich denke über so was echt nicht nach. Bis zum vergangenen September, also meine ersten 35 Jahre, habe ich keinen einzigen Woody-Allen-Film geguckt. Ich habe mir dann in der Not mit einer 16- Jährigen einen angesehen, von Polanski lief grad nichts. Die Klischees der jüdischen Mutter usw. sind mir nicht begegnet, so absurd es sich anhört.

Es gibt Leute, die behaupten, es gäbe deutschen Humor. Wie sehen Sie das?

Bestimmt, aber ich kann ihn nicht definieren. Ich war erschrocken, als Loriot gestorben ist. Es war so, als ob die Russen wieder einmarschiert sind: Oh Gott, er ist tot, er ist tot! Als ob der Humorführer plötzlich gestorben ist. Die Band Deichkind mit ihrer neuen Platte „Befehl von ganz unten“, Daniel Richter, Erobique, das finde ich komisch, obwohl sie gar nicht unbedingt komisch sein wollen. Das ist für mich guter deutscher Humor: absurd, kaputt und selbstironisch. Mein Humor richtet sich oft gegen mich selbst.

Fehlt der deutschen Comedy das Selbstironische?

Im Vergleich zu Ricky Gervais, Sarah Silverman oder Larry David in Amerika arbeitet der deutsche Humor zu sehr mit Stimmungen. Phrasen werden rausgetrasht, es sind oft gar keine richtigen Gags: Es ist Wellnesscomedy. In diesem Land werden Gags oft nur für die Zustimmung produziert, man kann nur nicht immer auf Zustimmung arbeiten. Oft wird ein Vorurteil oder ein Ressentiment erzählt, wie: Frauen können schlecht einparken, Schwarze haben lange Geschlechtsteile, Türken essen immer Döner, und das reicht. Das ist schon die Pointe. Es stimmt nur nicht, und des Weiteren ist es nicht lustig. Ressentiments sind dazu da, um sie zu zerstören.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Oliver Polak (c) Gerald von Foris
Datum
Quelle Eigenes Werk
Urheber Oliver Polak

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