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Die arabische Straße

Erstellt von DL-Redaktion am 11. März 2011

Die arabische Straße

Satellitenbild der Straße von Hormus

Alain Gresh erinnert in seinen Bericht daran, dass schon 1979 iranische Demonstranten mit dem Schlachruf „Weder Osten noch Westen skandierten“, denn die arabische Welt wird den Westen an seiner Fähigkeit messen, die Prinzipien der Gerechtigkeit und des internationalen Rechts auf der ganzen Welt zu verteidigen, auch und vor allen das in Palästina. So wie große Staaten wie Brasilien oder Süd-Afrika werden auch die arabischen Staaten ihren Platz in der „Neuen Welt“ suchen. IE


Was in Tunesien begann und sich nun in der arabischen Welt verbreitet, widerspricht nicht nur den bisherigen Vorstellungen der westlichen Regierungen von der „arabischen Straße“. Es bedeutet auch, dass sich die geopolitischen Gewichte in der Region deutlich verschieben werden. Denn die neuen Regierungen werden sich neu orientieren und einen eigenen Platz in der neuen multipolaren Weltordnung suchen.

Mehrere Wochen lang wurde das große muslimische Land durch Streiks und Proteste erschüttert. Eine tiefgreifende wirtschaftliche und soziale Krise, die Plünderung des Staates durch die Familie des Präsidenten und ein denkbar autoritäres System haben einen der wichtigsten Stützpfeiler der US-Politik in der Region zersetzt. Dann ließ Washington seinen alten Verbündeten fallen. Die US-Außenministerin forderte den Diktator auf, „den Weg für einen demokratischen Übergang frei zu machen“.

Die Rede ist hier nicht von Ägypten im Februar 2011, sondern von Indonesien im Mai 1998. Die Außenministerin hießt nicht Hillary Clinton, sondern Madeleine Albright. Abtreten musste damals der indonesische Diktator Suharto, der 1965 mit Hilfe der CIA an die Macht gekommen war, nachdem er eine halbe Million Kommunisten – oder wen er dafür hielt – hatte massakrieren lassen. Mit dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende der Sowjetunion hatte Indonesien seine Funktion als Vorposten im antikommunistischen Kampf verloren. Für Washington war es nun günstiger, einen Prozess der Demokratisierung zu fördern und im Sinne der eigenen Interessen zu beeinflussen. Zudem wollte Präsident Clinton der internationalen Öffentlichkeit demonstrieren, dass die USA auf eine offenere Außenpolitik setzt.

Dieser Politikwechsel war ein kluger Schachzug. Indonesien hielt an seinen engen Beziehungen zu Washington fest, auch wenn es als aktives Mitglied der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) zum Beispiel in der iranischen Nuklearfrage eine eigenständige Politik betreibt.

Quelle : Le Monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle  : Satellitenbild der Straße von Hormus

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