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RENTENANGST

Prekariat auf Abruf

Erstellt von DL-Redaktion am 25. September 2012

Leiharbeit

55 000 Euro sind viel Geld. Es ist die Summe, die Ina Engelmann im Frühjahr mit Hilfe ihrer Gewerkschaft vor dem Berliner Arbeitsgericht von ihrem Arbeitgeber erstritt. Eine Zeitarbeitsfirma hatte die Sekretärin schon seit Jahren an ein bekanntes Berliner Großunternehmen entliehen – allerdings ohne sie wie eine dort fest angestellte Stammarbeiterin zu bezahlen. Stattdessen entlohnte die Verleihfirma sie jahrelang nach den niedrigen Leiharbeitstarifen der Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und PersonalService-Agenturen (CGZP), obwohl das Bundesarbeitsgericht (BAG) bereits Ende 2010 diese Tarife für ungültig erklärt hatte. Damals befand das Gericht die CGZP für tarifunfähig undschob der weitverbreiteten Praxis der Zeitarbeitsfirmen, die Löhne ihrer Beschäftigten mittels niedriger CGZP-Tarife zu drücken, einen Riegel vor.

Für die nach den christlichen Tarifen bezahlten Leiharbeitnehmer greift stattdessen nun laut BAG das durch eine EU-Richtlinie vorgeschriebene Equal-Pay-Prinzip – und zwar ausdrücklich auch für die Vergangenheit. Die Differenz zwischen dem gezahlten und dem Lohn einer vergleichbaren Stammkraft können die Betroffenen gerichtlich einfordern. Allerdings machen davon nur die wenigsten Gebrauch – aus Angst, ihre Anstellung bei der Verleihfirma zu verlieren.

Allerdings gilt die Entscheidung des BAG nur für jene Leiharbeiter, die nach den Tarifen der Christlichen Tarifgemeinschaft entlohnt wurden – andere Gewerkschaftstarife sind davon nicht betroffen und bleiben weiter bestehen. Deshalb liegt das Entgelt von Leiharbeitnehmern im Durchschnitt noch immer bis zu 40 Prozent niedriger als das der Stammkräfte: Während Vollzeitbeschäftigte im Jahr 2010 im Mittel einen monatlichen Bruttolohn von 2702 Euro erhielten, mussten Leiharbeiter durchschnittlich mit 1419 Euro, also mit gut der Hälfte, auskommen. Denn auch die Entlohnung nach den Leiharbeitstarifen der DGB-Gewerkschaften liegt oft weit unter den Löhnen der Stammbeschäftigten.

Leiharbeit boomt

Quelle: Blätter >>>>> weiterlesen

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Slaves being transported in Africa, 19th century engraving

Scanned from book: „Lehrbuch der Weltgeschichte oder Die Geschichte der Menschheit“, by William Rednbacher, 1890. Copyright expired.

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Aus für Seelenverkäufer?

Erstellt von DL-Redaktion am 15. Dezember 2010

Eine schwere Niederlage mussten gestern die sogenannten ‚Christlichen Gewerkschaften‘ vor dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt einstecken.

Das Bundesarbeitsgericht urteilte gestern:

„Tarifverträge, die Leiharbeitsfirmen mit der Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und Personalserviceagenturen (CGZP) geschlossen haben sind ungültig.“
„Die CGZP ist keine tariffähige Gewerkschaft“ (AZ:1 ABR 19/10).

Nach Auffassung der Gewerkschaft Ver.di haben jetzt 280.000 Leiharbeiter das Recht genauso bezahlt zu werden wie andere Arbeitnehmer in den jeweiligen Betrieben.

Dieses Urteil dürfte unseres Erachtens als erster Schritt gesehen werden, dem anhaltenden Lohndumping der Seelenverkäufer massiv entgegenzutreten. Die „Christlichen“ haben sich seit ihrer Gründung im Jahre 2002 mit den Arbeitnehmern in zahlreichen Haustarif- und Flächen-Tarifverträgen auf Dumpinglöhne für Leiharbeiter geeinigt. Durch das Urteil wurde noch nicht geklärt ob Arbeitnehmer und Sozialkassen jetzt auf Nachzahlungen in Milliardenhöhe rechnen dürfen. Dazu muss erst das Arbeitsgericht Berlin das Verfahren gegen die CGZP wieder aufnehmen und einen Entscheid auf Nichtigkeit der Tarifverträge treffen. Wenn das geschehen sollte könnten die Differenzen zwischen den alten Löhnen und den den Löhnen der Stammbelegschaft ein geklagt werden. Nach Schätzung von Experten stünden dann auch Nachzahlungen in die Sozialversicherungen in Höhe von rund 2.5 Milliarden Euro an.

Nachfolgend der Bericht aus der heutigen TAZ unter dem Titel

Eine Gewerkschaft für die Arbeitgeber

Und ein Kommentar von Ulrich Schulte

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