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RENTENANGST

Dem Warlord auf der Spur

Erstellt von DL-Redaktion am 5. April 2012

Kony-Milizen marodieren in Zentralafrika

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Am 10. 03. 2012 berichteten wir in den Artikel „Wer kennt Joseph Kony“ über den Suchaufruf der Organisation „Invisible Children“ im Internet. Heute nun einen Bericht von Simone Schlindwein aus dem Kongo.

„Wir töten alle“, drohen die Kämpfer von Joseph Kony, all der internationalen Öffentlichkeit zum Trotz. Im Nordosten des Kongo entvölkert sich ein Dorf nach dem anderen.

Töpfe stehen noch auf der Feuerstelle, Wäsche hängt an der Leine. Doch keine Frauen kochen Essen, keine Kinder spielen, keine Männer schleppen Holz herbei. Diese Dörfer im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo sehen aus, als seien sie hastig verlassen worden.

Drei holprige Straßen führen im nordostkongolesischen Distrikt Dungu nahe der Grenze zur Zentralafrikanischen Republik und Südsudan durch Regenwald – eine Region so groß wie Belgien. In diesem verlassenen Winkel gibt es kein Handynetz und kein Strom.

Die Hauptverkehrsachse zwischen den Kleinstädten Faradje und Dungu haben UNO-Blauhelme instand gesetzt. Alle paar Wochen wirbeln Lastwagenkolonnen mit Lebensmitteln Staub auf, begleitet von einem Konvoi marokkanischer Soldaten. Auch das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) wagt sich nur mit militärischem Begleitschutz diese Straße entlang. Täglich fliehen Kongolesen aus den abgelegenen Dörfern.

Die UNHCR-Mitarbeiter haben die Dschungeldörfer nach der Entfernung von Dungu gekennzeichnet: „Die Hütten auf Kilometer 7 wurden am 10. März angegriffen“, erklärt ein lokaler UNHCR-Mitarbeiter, als der Konvoi an leeren Häusern vorbeirauscht. Er zieht eine Liste hervor: Kilometer 23 wurde am 8. März angegriffen, Kilometer 55 am 10. und am 24. Februar. Die Liste ist fünf Seiten lang.

Allein im März wurden rund 70 Übergriffe gemeldet. Nach knapp einem Jahr relativer Ruhe sind die ugandischen Rebellen der LRA (Widerstandsarmee des Herren) des international gesuchten Warlords Joseph Kony seit Beginn dieses Jahres zurück im Nordosten des Kongo, aus dem sie 2009 Richtung Südsudan und Zentralafrikanische Republik geflohen waren. In kleinen Gruppen durchstreifen sie den Dschungel südlich des Garamba-Nationalparks.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle    :    Chad

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Wer kennt Joseph Kony ?

Erstellt von DL-Redaktion am 10. März 2012

Wer kennt Joseph Kony ?

So wird seit einigen Tagen durch die US Organisation Invisible Children per Video international nach dem brutalen Führer der ugandischen LRA (Widerstandsarmee des Herrn) gesucht. Es ist das Ziel diesen brutalen Schlächter genauso berühmt zu machen wie Osama In Laden und Adolf Hitler. Das ist bereits heute gelungen, denn mit über 62 Millionen Klicks wurde dieses Video in wenigen Tagen entsprechend oft aufgerufen.

Es ist dieses der zweite Teil des Films „Invisible Children“, welcher 2006 von drei Hochschul-Kindern in Uganda gedreht wurde. Man traf zu damaliger Zeit auf Kinder welche sich nachts versteckten, damit sie von der LRA nicht zu finden waren. So näherten sich die Filmemacher der Rebellenarmee und ihren Anführer Joseph Kony, welcher per Haftbefehl vom internationalen Strafgerichtshof gesucht wird.

Die LRA ist eine der brutalsten Milizen Afrikas. Konys Kämpfer entführen seit Jahren systematisch Kinder, der weil man die Jungen zu Kindersoldaten trainiert, werden die Mädchen als Sexsklavinnen missbraucht. Diese extrem brutalisierten Kindersoldaten werden dann mit dem Auftrag losgeschickt ihre eigenen Eltern und Verwandten zu töten. So werden ganze Dörfer ausgeräuchert und den zurückgebliebenen Menschen Lippen, Nasen und Ohren abgeschnitten. Von diesen Gräueltaten handelt der Film.

Das Ziel der Hochschulschüler und des Filmemacher Jason Russell war es immer Kony berühmt zu machen um auf diese Weise die amerikanische Regierung unter Druck zu setzen. So wurde bereits im Jahre 2010 ein Gesetz von Obama unterschrieben, das die USA verpflichtet bei der Jagd auf Kony zu helfen. Seit dem Oktober 2011 befinden sich 100 Militärberater mit voller Ausrüstung vor Ort, US Elitesoldaten welche Ugandas Truppen beraten, Kony dingfest zu machen.

Kritik an dieser Strategie kommt aber auch direkt aus Uganda. So wird in diesem Film eine Personifizierung des Krieges auf Joseph Kony gesehen, was so nicht richtig sei. Auch habe die LRA bereits 2005 Uganda verlassen und treibe nun im Kongo und im Süden Sudans ihr Unwesen, wovon die Milizen auch viele Jahre mit Waffen versorgt wurde. Es sei nicht einmal sicher das die LRA ohne Kony zusammen brechen würde.

[youtube Y4MnpzG5Sqc]

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Grafikquelle   :   2008 poster by Rafaela Tasca and Carlos Latuff

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