DEMOKRATISCH – LINKS

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RENTENANGST

Sind Sie integriert?

Erstellt von DL-Redaktion am 13. Januar 2011

Sind Sie integriert fragt Stefan Ripplinger den Leser.

File:Sarrazin book pres b3.jpg

Überraschende Fragen und noch weit aus überraschendere Antworten. IE

Seit Thilo Sarrazins Bestseller fühle ich mich nicht mehr gut integriert in die Bundesrepublik Deutschland. Nicht weil ich ihn gelesen hätte, sondern weil ich mich geniere, ihn mir zu kaufen. Ausweichen konnte ich dem Buch allerdings nicht, Stücker hundert Exemplare liegen auf einer Palette direkt neben der Kasse der nächstgelegenen Buchhandlung. Ich hätte mir einfach eins nehmen, es dem vermutlich aus einer türkisch-deutschen Familie stammenden Buchhändler hinlegen und ihm zuraunen können: „Nur für die Recherche!“

Andererseits ist dieser Händler ein Profi, er hätte kühl den Preis eingetippt und mir das Buch sogar als Weihnachtsgeschenk verpackt. Nein, das muss ich zugeben, ich habe Sarrazins Bestseller einzig und allein deshalb nicht gelesen, weil er mir peinlich ist. Wegen dieser Ehrpusseligkeit habe ich mich aus der folgenreichsten Diskussion des Jahres gestohlen. Und da ich damit meine staatsbürgerliche Pflicht, gesellschaftliche Diskussionen zu verfolgen, grob vernachlässigt habe, habe ich mich freiwillig desintegriert. Denn heißt „Integration“ nicht auch, an politischen Prozessen zu partizipieren?

Das wollte ich nun genauer wissen, aber in einem halben Dutzend Fachbücher zum Thema fand ich immer wieder denselben Hinweis, es sei in dreißig oder vierzig Jahren Migrationsforschung noch nicht gelungen, zu einer allgemeingültigen Definition von „Integration“ zu gelangen. Der Begriff verschwimmt, je nach Autor und Forschungsansatz, mit Absorption, Adaption, Akkomodation, Akkulturation, Assimilation, Dispersion, Inkorporation, Inklusion, Segregation und auch gern mit Angleichung und Anpassung. Da ist es schwer für einen, der sich integrieren will, zu wissen, was von ihm verlangt wird. „Soll ich mich eher assimilieren oder inkludieren, oder vielleicht erst ein wenig adaptieren, dann dispergieren?“ Das sind die Diskussionen bei uns in Neukölln.

Quelle: Le Monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle  :

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Source IMG_9927-Thilo Sarrazin

Author Richard Hebstreit from Berlin, Germany

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„Sarrazin …

Erstellt von Gast-Autor am 31. Oktober 2010

…schlägt zurück“:

Thilo Sarrazin030709.jpg

Zitate – ohne Wertung wiedergegeben

Ich habe mein Amt aufgegeben, weil nach der beispiellosen Kampagne aus der Spitze des Staates ein gedeihliches Arbeiten im Vorstand der Bundesbank nicht mehr möglich gewesen wäre. Ich habe keinen Streit angefangen, sondern schwierige Sachverhalte schlüssig dargelegt. Der Zorn kam nicht von mir, sondern von meinen Gegnern in Politik und Medien.

Wer, wenn nicht einer wie ich – 65 Jahre alt, politisch erfahren und ohne materielle Bedrohungsängste – soll denn in Deutschland unangenehme Wahrheiten aussprechen? Manchmal habe ich den Eindruck, wir sind auf dem Weg in die Duckmäuser-Republik.

In der Türkei wurde und wird der christliche Glaube bestenfalls geduldet. Die Zahlen sprechen da eine deutliche Sprache: Gab es 1914 noch 25 Prozent Christen in der Türkei, sind es heute gerade noch 0,2 Prozent. Und an der deutschen Schule in Istanbul ist seit einigen Jahren der Deutschunterricht in den unteren Klassen verboten. Der Bundespräsident hat über diese nicht sehr erfreulichen Zustände eine Harmonie-Kitsch-Sauce gegossen.

Die deutsche Kultur ist weitgehend ohne Bezug auf den Islam entstanden. Die Tatsache, dass bei uns Millionen Mitbürger islamischen Glaubens leben, ändert daran nichts. Ministerpräsident Erdogan hat die Türken hier vor einer Anpassung an Deutschland gewarnt.
[Die Rede Erdogans findet sich – ausser ‚unwesentlichen‘ wirtschaftlichen und weltpolitischen Exkursen – auf Die Welt online]

Angela Merkel hat nicht nur mein Buch kritisiert, sie hat auch die Bundesbank indirekt aufgefordert, mich aus dem Vorstand zu entfernen. Außerdem hat sie öffentlich erklärt, dass sie mein Buch nicht gelesen hat und auch nicht lesen wird. Daran mögen Sie das Interesse der Kanzlerin an der Sache, um die es hier geht, ablesen.

Nach Seehofer hat’s Angela dann noch öffentlich bekundet, dass ‚Multi-Kulti‘ gescheitert sei – was immer das in erkennbarer Unverbindlichkeit auch bedeuten soll. Diese Aussage ist interpretierbar in alle Richtungen und sogar von der rechten Szene als verwendbar erkannt.

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Grafikquelle : Nina Gerlach NinaEigenes Werk

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Wulff in der Türkei

Erstellt von DL-Redaktion am 20. Oktober 2010

Wenn einer eine Reise macht ….

Mit eindeutigen Worten hat sich Bundespräsident Christian Wulff bei seinem Staatsbesuch zu den Einwanderern aus der Türkei bekannt. Mit den Worten “ Einwanderer aus der Türkei sind in Deutschland willkommen. Sie gehören zu unserem Land, sie sind bei uns nicht mehr wegzudenken und wir sind ihnen für ihre Arbeit beim Aufbau unseres Landes zu Dank verpflichtet.“ Er verlangte aber auch dass sich die Einwanderer an die Regeln welche die Verfassung vorgibt halten, die Sprache erlernen und die Gleichbehandlung der Geschlechter akzeptieren. In seiner Rede bedankte er sich auch bei den türkischen Präsidenten Gül, welcher zuvor die Einwanderer aufgefordert hatte, die deutsche Sprache zu erlernen.

Von den türkischen Abgeordneten wünschte sich Wulff mehr Unterstützung um religiöse Minderheiten die Ausübung ihrer Religionen zu ermöglichen. Gül hatte erklärt das er sich auch als Präsident der in der Türkei lebenden Minderheiten sehe.

Es ist sehr gut, gerade in Zeiten eines wiederauflebenden Rassismus so klare und deutliche Worte eines Präsidenten zu hören. So hat Wulff in seiner kurzen Amtszeit Sätze gesagt welche ein  Horst Köhler in den ganzen Jahren seiner Regierungszeit nicht über die Lippen brachte. Dieser hätte auf  seinem Spezialgebiet, dem Bankensektor, ausreichende Gelegenheiten dazu gehabt.

Mit seiner Rede distanzierte er sich eindeutig von den Aussagen des CSU-Chefs Horst Seehofer und auch der Kanzlerin Angela Merkel. Seehofer hatte noch gestern seine zuvor gemachten Aussagen bekräftigt und eine Stellungnahme zu der Rede des Bundespräsidenten abgelehnt.

Es wird interessant sein, den weiteren Weg dieses Präsidenten zu beobachten. Seine gemachten Aussagen weisen aber auf die Schwierigkeiten hin, innerhalb einer Partei eigene Meinungen zum Ausdruck zu bringen, wenn man denn nach „Oben“ möchte. Es wäre ein gutes Zeichen sollte er den Mut aufbringen mit klaren Worten den Polemischen Äußerungen eines Sarrazin oder Seehofer Paroli zu bieten. Den Kritikern aus den eigenen Reihen dürften seine Worte wohl noch lange in den Ohren nachklingen.

IE

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Fotoquelle: Wikipedia  – Erdoğan family

Γιώργος Α. Παπανδρέου Πρωθυπουργός της Ελλάδας from GreeceΔείπνο του Γιώργου και της Άντας Παπανδρέου με τον Recep Tayyip την Emine και την Sumeyye Erdogan Uploaded by randam

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Reden ist silber……

Erstellt von DL-Redaktion am 19. Oktober 2010

Die Demagogen sitzen in den Regierungen

Tatkräftige Unterstützung für seine demagogischen Aussagen über eine angeblich große Anzahl  Integrations Unwilliger Mitbürger bekam Horst Seehofer am Wochenende in Berlin von keiner geringeren als von unserer politischen Notbeleuchtung Angela Merkel. Laut Spiegel online gab sie folgende Aussage von sich. Ich zitiere:

„Wir fühlen uns dem christlichen Menschenbild verbunden, das ist das, was uns ausmacht.“ Wer das nicht akzeptiere, „der ist bei uns fehl am Platz“.

Gleichzeitig sollten die Deutschen über ihre Werte und die zunehmende Entfremdung von Religion sprechen, um sich über ihr Land und ihre Gesellschaft zu vergewissern.

Na, das sind ja große Worte der Bundeskanzlerin über welche sich das Nachdenken wirklich einmal lohnt!

„Wir fühlen uns dem christlichen Menschenbild verbunden, das ist das was uns ausmacht“.

Wer ist „Wir“ und wer ist „Uns“? Was oder wer prägt zur Zeit in diesem Land das christliche Menschenbild?

Nach meiner Feststellung macht uns hier im Land folgendes aus: Ein riesiger Bankenskandal, eine von Lobbyisten unterwanderte Politik, der Krieg in Afghanistan sowie einige andere kriegerische Scharmützel weltweit unter Deutscher Beteiligung, (wobei die Deutsche Flagge auf einen Sarg nicht unbedingt eine Weltanschauung anzeigt), ein nach Filz und Mafia stinkender Bahnhofsneubau in Stuttgart, Hartz 4 und dadurch bedingt ein stetiges abrutschen der Mittelschicht in ungewisse Abgründe, ja und ein Politische Clique welche über allem erhaben ist und die Frechheit besitzt schlichtweg dummes Zeug zu reden, wo für diese dann auch noch von der Bürgerschaft viel Geld abkassieren.  Zu dieser Clique zähle ich auch Sie.

Ist dieses das christliche Menschenbild von dem Sie reden Frau Merkel, Ihr Bild mit dem Sie sich verbunden fühlen und das was uns ausmachen soll? Das haben Sie so gesagt und wenn Sie meinen was Sie sagen, na, dann Gute Nacht, schlafe weiter Abendland!

Sie palavern weiter: “Wer dieses nicht akzeptiert, der ist bei uns fehl am Platz“? Ich akzeptiere das nicht Frau Merkel und akzeptiere auch nicht Ihr zynisch, dummes Geschwätz. Werden Sie mich jetzt ausweisen?

Als Kanzlerin dieses Landes haben Sie sich zu unser aller Grundgesetz bekannt und auf folgende Grundsätze geschworen. Hier einige Auszüge:

* „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (Art. I Abs. 1, Satz 1 GG)
* „Sie (die unantastbare Würde des Menschen) zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“ (I 1, 2 GG)
* „Die Freiheit der Person ist unverletzlich“ (II 2, 2 GG)
* „Jeder hat das Recht auf Leben und die körperliche Unversehrtheit“ (II 2, 1 GG)
* „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt“ (II 1 GG)
* „Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu den unverletzlichen und veräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt“ (I 2 GG).

Es ist Ihre allererste Pflicht dieses Gesetz zu verteidigen und das  mit all Ihrer Kraft. Dazu haben Sie vom Volk die Macht übertragen bekommen und für nichts anderes. Ich fordere Sie auf,  Ihrer Aufgabe endlich nachzukommen!

Das Bekenntnis des Menschen zu einer christlichen, atheistischen, muslemischen oder sonst einer ihm beliebigen Weltanschauung ist alleine der privaten Einstellung eines jeden einzelnen überlassen, solange diese Einstellung der Wahrung des Grundgesetzes nicht entgegen steht. Die Bewertung einer eventuellen Abweichung von den Richtlinien des Grundgesetzes gehört nicht zu Ihrem Aufgabenbereich. Dafür sind in diesem Land Gerichte zuständig, denen auch Sie sich unterzuordnen haben.

Übrigens, das christliche Leitmotiv, falls Sie es vergessen haben sollten: Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst. Daran sollten Sie denken, wenn Sie sich wieder einmal Ihre Diäten erhöhen oder im Gleichschritt mit Ihrem Regierungspartner in der römische Dekadenz umher wandern.

[youtube 4uTe0IK4z8A&feature]
IE.

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Grafikquelle : LokiseinchefEigenes Werk

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Das Treten nach unten

Erstellt von DL-Redaktion am 16. Oktober 2010

Wulff schockt seine Mutterpartei

9h 9g Ehrengäste Ausschnitt bei der Einweihung der Speyerer Synagoge 2.jpg

Dass die Äußerung des Bundespräsidenten  Christian Wulff über den Islam nicht nur bei der NPD, sondern auch in großen Teilen der CDU solch einen Widerspruch auslöste, sollte an und für sich nur Desinteressierte an der Politik verwundern. Dass die Protestierenden  dann auch noch von Horst Seehofer, dem ersten Vorsitzenden der CSU, Unterstützung erhalten, zeigt auf, wie groß in den beiden Parteien die Verzweiflung über den Verlust an der nicht mehr mit ihnen sympathisierenden  Bevölkerung fortgeschritten ist. Seehofer, ursprünglich in den Unionsparteien dem linken Sozial-Flügel zugeordnet, macht aber auch deutlich, dass heute Macht und Geld in der Politik über alles geht. Getreu dem Motto folgend: „Was schert mich heute mein Geschwätz von gestern“, versucht er den Spuren von Roland Koch folgend, die entsprechenden Punkte zu sammeln.

Auffällig auch, dass der amtierende Bundespräsident überraschend schnell in die Fußstapfen seines Vorgängers Horst Köhler getreten ist, welcher seinerzeit, schon kurz nach dem Antritt seiner Regierungszeit, die Neutralität seines neuen Amtes dazu nutzte, auch eigene Vorstellungen zu äußern. Die Aufregung in der Partei ist natürlich groß, schmiss doch Köhler vor nicht allzu langer Zeit die Brocken hin, da es ihm scheinbar aus seiner eigenen Partei an Unterstützung gefehlt hatte.

Da die Unterstützung für Wulff schon nach so kurzer Zeit zu wanken beginnt, sollte eigentlich nachdenklich machen.

Der Unmut über die Politik der  Regierung wächst. Das zeigt sich beispielsweise an der immer stärker wachsenden Demonstrationsbereitschaft der Menschen beim Bahnhofsneubau in Stuttgart, welcher durch einen maßlos überzogenen Polizeieinsatz niedergeknüppelt wurde. Dieser Unmut wird sich in den Protesten durch den  rückgängig gemachten Atomausstieg noch verstärken. Ob die Schulreform in Hamburg, die Mövenpicksteuer, die Bankenskandale, die „Gesundheitsreform“ sowie das weitere Schleifen der Sozialen Gesetzgebung – eine unfähige  politische Führungskaste konnte der Bevölkerung nicht besser zeigen, wie niedrig ihr Wert  im direkten Vergleich zum Kapital ist. Merkel hat es tatsächlich geschafft, eine mehr oder weniger lethargische Bevölkerung aus ihrem Tiefschlaf zu erwecken. Ganz langsam beginnt ein Herbst erwachen, und die Menschen dieses Landes scheinen zu realisieren, was um sie herum, zumeist ohne ihre Zustimmung, politisch vor sich geht.

So machen sich dann auch in ihrer Partei erste Zweifel hinsichtlich der politischen Fähigkeiten von Merkel bemerkbar und die ersten Kritiker schlagen bereits Karl-Theodor zu Guttenberg oder Roland Koch als Ablösung vor. Bereits eine Niederlage bei den anstehenden Landtagswahlen in Baden Württemberg könnte zu einer „explosionsartigen Situation“ führen und Merkel samt Westerwelle hinwegfegen.

Erschreckend bei der Diskussion über den Islam ist, dass hier wieder einmal alte Vorurteile bedient werden. Es würde schon interessieren, wer von den kritisierenden Scharfmachern denn wirklich einmal in einer moslemischen Familie oder deren Umgebung gelebt hat? Mit Sicherheit gibt es viele Dinge aus diesem Kulturkreis, welche auch nicht jederfrau zu übernehmen bereit wäre. Nur bevor an anderen Kritik geübt wird, sollte man erst einmal den eigenen Kulturkreis ausreichend durchleuchten. Da wird ein jeder viele Punkte finden, mit denen  sich auch nicht jedermann einverstanden erklärt.

In der Betrachtung deutscher Vergangenheit sollten wir auch den Blick auf viele unserer eigenen Landsleute nicht vergessen und einmal deren Bereitschaft zur Integration in fernen Ländern nachgehen. Viele der unter Katherina der Großen vor rund 250 Jahren nach Russland ausgewanderten Deutsche sprachen noch, und das nach ca. 10 Generationen, bei ihrer Rückkehr  etwas Deutsch! Auch sie haben damals aus  religiösen und wirtschaftlichen Gründen das Land verlassen, weil sie sich dadurch eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse versprachen. Fliegen wir nach Namibia,  Togo, Kamerun. oder die Vereinigten Staaten. Auch dort können wir heute noch Oktober- oder Schützen – Feste feiern, uns leidlich in unserer Muttersprache verständigen und mitsingend fragen: „Warum es am Rhein so schön ist.“

Einen Reisepass oder gar Visum haben diese Menschen nie gehabt, und das entsprechende Land wurde sich überwiegend angeeignet und die darauf lebenden Menschen vertrieben.

In seinem Leserbrief vom 14.10.2010 bezieht Ali Bas in der TAZ Stellung zu Seehofers Äußerungen, denen ich mich nur anschließen kann:

„Kaum ist die Sarrazin-Welle ein wenig abgeebbt, melden sich eine ganze Reihe von TrittbrettfahrerInnen, um sich über die vermeintlich ungehemmte Zuwanderung von MuslimInnen nach Deutschland zu echauffieren. Mit seiner Forderung nach weniger Zuwanderung von TürkInnen und AraberInnen nach Deutschland, weil diese angeblich so schwer zu integrieren seien, glaubt Seehofer den Nerv seiner in Scharen davonlaufenden WählerInnen getroffen zu haben.
Allerdings ist dieses Manöver mehr als billig, zumal selbst Parteifreunde sich davon leise distanzieren. Seehofer bedient die plumpe „Das Boot ist voll“-Rhetorik der späten 80er-Jahre, mit dem die rechten Republikaner mal in einige Landtage gewählt wurden. Als erfahrener Politiker sollte Seehofer eigentlich wissen, dass kaum noch Zuwanderung aus den besagten „Kulturkreisen“ erfolgt, zudem immer mehr gut ausgebildete türkischstämmige Menschen Deutschland den Rücken kehren wollen. Der Versuch, sich als Lederhosen-Sarrazin oder Bierzelt-Wilders zu profilieren, dürfte gehörig nach hinten losgegangen sein. Ich empfehle dringend einen Integrationskurs!“
ALI BAS, Sprecher der AK Grüne MuslimInnen NRW, Ahlen/Westfalen

IE

[youtube U0JRfYZDHG8&NR]

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Grafikquelle :  Ehrengäste Ausschnitt bei der Einweihung der Speyerer Synagoge, erste Reihe von links: Bundespräsident Christian Wulff, Hansjörg Eger (Oberbürgermeister von Speyer)

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Tag der offenen Moschee

Erstellt von DL-Redaktion am 2. Oktober 2010

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V.

schreibt auf seiner Website anlässlich des „Tages der offenen Mosche“ : “ Am 3. Oktober werden bundesweit bis zu 1000 Moscheen ihre Pforten zum „Tag der offenen Moschee“ öffnen. Es werden mehr als 100 000 Besucher erwartet. Diese in der Welt bisweilen einzigartige Aktion geht auf eine im Jahre 1997 gestartete Initiative des Zentralrats der Muslime in Deutschland zurück und entwickelte sich im Laufe der Jahre zum Selbstläufer. Hunderte Moscheen aller islamischen Verbände nehmen Jahr für Jahr daran teil. Der bewusst gewählte Zeitpunkt am Tag der Deutschen Einheit soll das Selbstverständnis der Muslime als Teil der deutschen Einheit und ihre Verbundenheit mit der Gesamtbevölkerung zum Ausdruck bringen.“

Diesmal steht der Tag der offenen Moschee unter dem Motto: Der Koran – 1400 Jahre, aktuell und mitten im Leben.

Eine Liste der sich beteiligenden Moscheen ist HIER einzusehen. Gerade in den Großstädten des Ruhrgebiets, wie Duisburg, Essen oder Dortmund, öffnen viele muslimische Gemeinden ihre Türen für die Besucher. Insgesamt beteiligen sich bis zu 1000 Moscheen deutschlandweit. In der herausgegebenen Liste sind über 500 Gemeinden aufgeführt.

Bewusst haben 1997 die muslimischen Verantwortlichen den 3. Oktober zu ihrem Tag der offenen Moschee erklärt. Gerade am Tag der Deutschen Einheit wollten die Muslime ein Zeichen setzen, das auch sie sich der Einheit Deutschlands zugehörig fühlen. An diesem Tag laden die muslimischen Gemeinden Deutschlands ihre nichtmuslimischen Nachbarn, Freunde, aber auch neue Interessierte in ihr Gebetshaus ein.

Die Muslime wollen morgen vielerorts in Deutschland von 10 bis 17 Uhr intensiv mit ihren Besuchern, unabhängig von deren religiöser oder politischer Gesinnung, in den Dialog treten. Gäste können die Moschee besichtigen, das muslimische Gebet miterleben, sich informieren und beim gemeinsamen Essen diskutieren. Es soll anhand verschiedener Lebensbereiche aufgezeigt werden, was Muslime unter Verantwortung verstehen und wie sie es umsetzen.

Gerade in der aktuellen Zeit, in der es nicht nur wegen eines Sarrazin, darum geht, den Dialog aller Menschen, gleich welcher Religion und Kultur, untereinander zu suchen und zu verstärken, ist ein solcher Tag von Bedeutung. Der Tag der Offenen Moschee kann dazu beitragen, das Vertrauen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen zu stärken und gegenseitige Vorurteile abzubauen.

Die muslimischen Gemeinden freuen sich über regen Besuch am morgigen Tag. Daher ist es wünschenswert, wenn viele Nichtmuslime diese Einladung annehmen, hin zu einem weiteren Schritt in Richtung Verständigung und Integration. Und ganz nebenbei lernt der eine oder andere die herzliche Gastfreundschaft unserer muslimischen MitbürgerInnen kennen.

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Grafikquelle : DITIB-Zentralmoschee Köln

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Wir sind das Volk,

Erstellt von DL-Redaktion am 2. Oktober 2010

– und ihr seid es nicht !

von Albrecht von Lucke

Geschichte wiederholt sich, aber nicht nur als Farce. Mit „Wir sind das Volk“ macht eine große Antiparteienbewegung wie vor 20 Jahren Front gegen die Regierenden. Angefangen bei der Wahl des Bundespräsidenten über die Proteste gegen die Hamburger Schulreform bis zum Kampf gegen „Stuttgart 21“: Überall im Lande machen Bürger gegen die Regierungen mobil. So disparat die Ereignisse im Einzelnen, so sehr sind sie doch alle Ausdruck immensen Misstrauens gegenüber den politischen Parteien. In der „Dagegen-Republik“ wächst die Abkehr vom politischen Betrieb wie auch die Kluft zwischen medialer und interner Öffentlichkeit.

Gleichzeitig erhält das Motto „Wir sind das Volk“ einen völlig neuen Klang. 1989 stand es für das demokratische Begehren und die Selbstermächtigung der Bevölkerung gegen die sozialistische Nomenklatura. Nun hat speziell die Sarrazin-Debatte dem Slogan eine hochgradig exkludierende Bedeutung verliehen: Wir sind das Volk – und ihr seid es nicht. Ganz gezielt wird damit die Ausgrenzung der Anderen, in diesem Falle der muslimischen Migranten und ihrer Nachkommen, betrieben. Wir sind, so die Insinuation, also gerade nicht „ein Volk“.

„Deutsche Einheit“ auf dem Rücken der Muslime

Eines jedenfalls steht fest: Die deutsche Einheit bleibt, wie wir dieser Tage erleben, ein unvollendetes Projekt, das weit davon entfernt ist, ein gemeinsames Projekt aller Deutschen – unter Einbeziehung der vermeintlich Anderen – zu sein. Die Sarrazin-Debatte hat die latent vorhandene Fremdenfeindlichkeit virulent werden lassen. Demgegenüber ist die einstige Spaltungslinie zwischen Ost- und West-Deutschen in den Hintergrund getreten. Stattdessen werden wieder ethnische, ja sogar genetische Grenzen gezogen. Überspitzt formuliert könnte man sagen, dass die Einheit der autochthonen Deutschen auf dem Rücken und durch Ausgrenzung der Muslime herbeigeführt wird.

Quelle: Blätter >>>>> weiterlesen

IE

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Grafikquelle  :  Bodenreformurkunde 1947 (weil Saatzuchtgut erst verspätet)

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Der Fußball macht was !!

Erstellt von DL-Redaktion am 6. Juli 2010

Da geht was!

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6e/Mokaba_stadium_%284739619696%29.jpg

In seltener Eindeutigkeit weist uns zur Zeit der Fußball auf den Unterschied zwischen Sport und Politik hin. Der Fußball zeigt Möglichkeiten der Praxis auf, dagegen in der Politik nur geredet und den Bürgern mit falschen Aussagen Sand in die Augen gestreut wird.

Uns wird an einigen Beispielen  gelungener Integrationen vorgeführt  wozu deutscher Siegeswille, gepaart mit südländischer, spielerischer Leichtigkeit fähig ist. Das dieses aber fast nur innerhalb des Sport möglich ist, weist auf den hohen Stellenwert des Sport in den Augen der Regierenden hin.

Da werden dann gerne bei der  Einbürgerung und der Ausstellung eines deutschen Pass  von den Behörden beide Augen zugedrückt und wird diesen Spezial-Migranten genau dass ermöglicht, was normalerweise einen jedem hier lebenden Menschen laut unserem Grundgesetz zustehen müsste.

So kann sich die Regierung mit den Erfolg der Sportler sehr gut präsentieren und damit von den eigenen politischen Unfähigkeiten ablenken. Da spricht unsere „National Mutti“ dann gerne in einer „Wir“ Form denn es wird ihr die Möglichkeit geboten auf Kosten der Steuerzahler schnell nach Südafrika  zu fliegen um so der ganzen Welt zu zeigen, dass sie im Freudenausbruch über das gleiche Temperament wie ein Maradonna verfügt. Vielleicht werden wir die selben, einem Flummi gleichenden, Ausbrüche ja auch bald im Bundestag bei der Verabschiedung des nächsten Sparpaketes zu sehen bekommen ?

Das der tägliche Umgang mit normalen Migranten, Menschen wie DU und ICH, aber ganz anders aussieht zeige ich später  in zwei Exemplarischen Beispielen auf. IE

Da geht was!

Kein Scheißfußball mehr. Inzwischen befriedigt das DFB-Team fußballerische Sehnsüchte und ist eine romantische Metapher für die Möglichkeit einer Gesellschaft, die sich nicht über Blut definiert. VON PETER UNFRIED.

Die deutsche Nationalmannschaft: Das klang viele Jahre seltsam. Bedrohlich. Auf keinen Fall gut. Während das englische Verbandsteam immer „England“ genannt wird, Brasilianer ihr Team „Seleçao“ nennen und Spanier ihres „Selección“, bestanden wir auf dem „National“. Die Welt ignoriert das und nennt die Fußballer der Bundesrepublik Deutschland (die DDR spielte in der Fußballwelt keine Rolle) seit vielen Jahren nur die „Mannschaft“.

Auch das hatte keinen guten Klang. In die internationale Konnotation des Begriffs waren die alten Teutonenklischees eingeprägt, die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts und der ästhetische Widerwille gegen den Spielstil. Die Mannschaft, das bedeutete: Scheißfußball der Deutschen, der sich durchsetzte, leider.

Die Mannschaft, das waren: das desillusionierte Kriegsheimkehrergesicht des Luftwaffengefreiten Fritz Walter, der (un)menschliche Rasenmäher Berti Vogts, die gnadenlosen Grätschen der Förster-Brüder, die Dumpfheit Toni Schumachers, die erbitterte Dynamik eines Matthäus. Die Mannschaft blieb sehr lange in den stilistischen und geistigen Grenzen von 1954. Hautfarbe: weiß. Name: Müller oder Maier. Grätsch- und Kampfqualität: über das Blut vererbt seit dem 16. Jahrhundert, was im Einzelfall sogar mittels geerbtem Ariernachweis zu belegen gewesen wäre.

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

Hier nur zwei Beispiele des politischen Umgang mit Migranten:

Erst Eingeladen, dann abgewiesen.

Zaungäste der Gesellschaft.

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Fotoquelle : Brieuc SaffréMokaba stadium

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