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Der Hassprediger Luther

Erstellt von DL-Redaktion am 17. Juni 2017

 Wenn die Protestanten Heilige hätten: Er wäre einer davon. Martin-Luther-Statue vor der Dresdner Frauenkirche.

Martin Luther-Denkmal vor der Frauenkirche in Dresden 2.jpg
Von Peter Henkel
 Das idealisierte Luther-Bild, das im Jubiläumsjahr allerorten gezeichnet wird, hat mit der Wirklichkeit wenig zu tun: Die Schriften des Reformators strotzen vor Hass und Fanatismus, vor Tötungsmanie und Obrigkeitsdenken. Unser Autor kippt etwas Wasser in den Jubelwein.

„Wie? Kritik an Luther? Was sollte, was könnte man denn gegen Luther haben?“ So etwa lautet der Tenor spontaner Kommentare zu der Absicht, Martin Luther nicht wie üblich als Glücksfall der Weltgeschichte zu beschreiben. Allenthalben gilt Luther als Lichtgestalt – gewiss mit einigen Schattenseiten, wie gern mit Kennermiene hinzugefügt wird. Seine Agenda, um diesen heutigen Begriff zu bemühen, sei der erfolgreiche Versuch gewesen, aus dem finsteren Mittelalter heraus zu dem vorzudringen, was wir heute Neuzeit nennen. Modernität das eine Kennzeichen, Freiheit das andere – darin besteht eine Übereinstimmung, die weit über die protestantische Gemeinde hinaus bis tief in kirchenferne, säkulare Schichten reicht.

„Dies ist der wesentliche Inhalt der Reformation; der Mensch ist durch sich selbst bestimmt, frei zu sein.“ Kein Geringerer als der Philosoph Hegel hat dem Professorenkollegen diesen Kranz geflochten. Gegenüber dieser bis heute dominierenden Sicht werden die kritischen Töne aus Expertenreihen neuerdings lauter und zahlreicher. Im Meer des Enthusiasmus anlässlich des Jubiläumsjahrs 2017 haben sie dennoch kaum eine Chance.

Würden hingegen die Scheuklappen von Traditionalismus und Autoritätsgläubigkeit abgelegt und bliebe das verständliche Bedürfnis des kirchlich organisierten Luthertums nach Weihrauch für seinen Begründer beiseite, dann würde der Blick frei: auf Luthers Fixierung auf Strafe und Tod, auf seine ins Krankhafte gesteigerte Sündenangst; auf seine Verbohrtheiten, Phobien und Stigmatisierungsgelüste; das hochspekulative, um nicht zu sagen: krause und krude Bild von Gott und dessen Beziehung zum Menschen; den exzessiven Teufelsglauben; den nicht zu zügelnden Drang, Widerstände und Andersdenkende niederzuringen: Da agierte Luther mit seiner Waffe, dem geschriebenen und gesprochenen Wort, nur zu oft wie ein Hassprediger von heute.

Konservativ, autoritär, hochmütig

Nicht zuletzt kommt in der Regel zu kurz, wie konservativ und autoritär er sein konnte, wie maßlos in seiner hochmütigen Intoleranz. Als der Humanistenfürst Erasmus von Rotterdam Luthers Lehre zurückwies, Gott habe jeden einzelnen Menschen von allem Anfang an zu Heil oder Verdammnis bestimmt, da wählte der Reformator diese Worte: „Wer den Erasmus zerdrückt, der würget eine Wanze, und diese stinkt noch tot mehr als lebendig!“

Eine breite Allianz einflussreicher Akteure besitzt indessen die Deutungshoheit in Sachen Reformation: Evangelische Kirche, akademische Theologie, etablierte Politik, wohlwollende Publizistik und absatzbewusstes Verlagswesen führen in ihrem Mutterland mehrheitlich den Luther-Kult fort. Dies und die fatale Unkenntnis eines zu Schulzeiten durchweg oberflächlich und unkritisch unterrichteten Publikums nähren und bedingen sich gegenseitig.

Dabei sind die Meriten dieses ungemein fleißigen, vielseitig begabten und kreativen Mannes ja nicht kleinzureden. Mit dem zynischen Ablasshandel bekämpfte er Kommerzialisierung und Verflachung des Glaubens, in Worms bot er mutig Kaiser und Reichstag die Stirn, mit seiner Bibelübersetzung schenkte er den unfertigen Deutschen eine markante Schriftsprache, mit seiner Zwei-Reiche-Lehre legte er den Grundstein für die segensreiche Trennung von Kirche und Staat, mit seinen poetischen Talenten hinterließ er kraftvolle Kirchenlieder. Er war der Rammbock, der die Mauern um die Papstkirche zum Einsturz brachte. Durch ihn, durch seinen Wagemut und seine Energie, büßte sie ihr Alleinstellungsmerkmal als geistliche Mittlerin zwischen Gott und Mensch ein. Damit begann der Prozess, der zu ihrem Ausscheiden aus dem Reigen weltlicher Mächte in Europa führte. Indem der Augsburger Religionsfrieden von 1555, der den Protestantismus legalisierte und den Landesherrn die Konfession seiner Untertanen bestimmen ließ, die Existenz zweier Konfessionen anerkannte, erhob er religiöse Vielfalt zum Prinzip und beförderte so im Ergebnis religiöse Freiheit. Toleranz und Pluralismus sind so, im Gefolge von Reformation und Aufklärung, herausragende Merkmale der Moderne geworden.

Dringliche Empfehlung zum Denkverzicht

Quelle    :    Kontext – Wochenzeitung >>>>> weiterlesen

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Kolumne Macht

Erstellt von DL-Redaktion am 28. Mai 2017

Man wird ja bescheiden

Maischberger - 2016-12-14-7439.jpg

Autorin Bettina Gaus

Gemessen an den mittlerweile äußerst niedrigen Erwartungen: Trumps erste Auslandsreise hätte schlimmer verlaufen können.

Eigentlich ist doch alles ganz gut gelaufen, jedenfalls gemessen an dem, was hätte schief gehen können. Donald Trump hat schwierige Stationen seiner ersten Auslandsreise gemeistert ohne einen Aufschrei zu provozieren. Die Ansprüche waren allerdings nicht besonders hoch gewesen: „Die Latte liegt so erstaunlich niedrig, dass es schon ein Triumph ist, wenn Trump deutlich macht, dass er weiß, in welchem Land er sich befindet“, war in einem bissigen Kommentar der New York Times zu lesen.

Den Eindruck konnte er erwecken, durchaus. Schon wahr: Die Atmosphäre bei EU und NATO in Brüssel war weniger herzlich als Diplomaten aller Seiten das im Vorfeld geplant hatten, aber aber die Verbündeten haben dem US-Präsidenten dennoch signalisiert, dass sie zu Zugeständnissen bereit sind. Trump und die Seinen dürften das als Erfolg sehen. Und ja, der Eintrag ins Gästebuch der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem war unangemessen flapsig, stellte aber wenigstens keine Verhöhnung der Opfer dar. Man wird ja bescheiden.

Das ist genau das Problem. Wenn jemandem erst einmal alles zugetraut wird, dann kommt der oder diejenige auch mit ziemlich vielem einfach so durch. Der Auftritt von Donald Trump in Saudi-Arabien ist dafür ein gutes Beispiel. Es ist dem US-Präsidenten dort gelungen, eine Rede vor islamischen Staats-und Regierungschefs zu halten, ohne deren Religion ein einziges Mal zu verunglimpfen. Immerhin. Angesichts seiner kruden Sprüche in der Vergangenheit kann man das als beachtliche Leistung werten.

Gut gegen Böse

Quelle  :  TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle  :   Maischberger, Sendung vom 14. Dezember 2016. Produziert vom WDR. Thema der Sendung: „Wutbürger gegen Gutmenschen: Verliert die Demokratie?“ Foto: Bettina Gaus („taz“-Journalistin)

 

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M. Luther und die Juden

Erstellt von DL-Redaktion am 18. Mai 2017

Auf der Suche nach Aron Grynszpan

File:Stolperstein Grünspan verlegt.jpg

Der Maler Yury Kharchenko ringt mit seinem jüdischen Erbe. Die Spur führt ihn zum Attentäter Herschel Grynszpan und zu Luther. „Was ist das Jüdische in mir?“ Lange Zeit hat Yury Kharchenko diese Frage verdrängt. Heute ist seine Kunst davon inspiriert – und Luthers Judenhass lässt ihn nicht los.

Aus Essen und Berlin Timo Lehmann

Weil die Geschichte mit den Juden so ist, wie sie ist, und sich nicht mehr ändern lässt, heißt Yury mit Nachnamen Kharchenko. Seit Jahren überlegt der Berliner Maler, seinen Namen zu ändern in Aron Gryn­szpan. So würde er, 30 Jahre alt, wohl heißen, hätte sein Großvater als Rotarmist im Zweiten Weltkrieg nicht seinen Namen in Kharchenko geändert, um seinen jüdischen Hintergrund zu verwischen.

Yury Kharchenko beschäftigte sich in den vergangenen Jahren viel mit seiner Familiengeschichte, vor allem mit einem seiner wahrscheinlichen Vorfahren, dessen Leben Geschichte geschrieben hat: Herschel Grynszpan. Von dieser historischen Figur gibt es Fotos im Internet, die Yury Kharchenko mehrfach zu einem Gemälde inspirierte.

Vor einem dieser Porträts steht der Maler am Sonntagnachmittag, 7. Mai in der Alten Synagoge in Essen. Es findet die Vernissage seiner Ausstellung statt. Sie trägt den Titel: „Auf der Suche – Zwischen den Identitäten“. Yury Kharchenko, blaues Hemd, dunkle Haare, neigt den Kopf immer leicht nach vorn, wenn er zu den Besuchern spricht. Er ist stämmig gebaut, nicht groß gewachsen. Apricot Wände und betongraue Jugendstil-Elemente bestimmen den hohen Kuppelsaal, der nun mit 25 von Kharchenkos Werken ausgestattet ist.

Das Porträt von Grynszpan als zentrales Werk

Ganz in der Mitte vor den Bankreihen: das zentrale Werk auf einer Staffelei. Das Ölbildnis von Herschel Grynszpan, das Motiv in einer schwarzen Jacke, weit offene Augen, umgeben von einem hellblauen Schweif vor grünem Hintergrund. „Alle Hinweise sprechen dafür, dass er ein Vorfahr von mir ist“, sagt Yury Kharchenko mit seinem rollenden r und seiner tiefen, im Saal leicht hallenden Stimme.

Die Geschichte von Kharchenkos wahrscheinlichem Vorfahren führt knapp achtzig Jahre zurück. Paris, Herbst 1938. Herschel Grynszpan ist 17 Jahre alt, hat ein weiches Gesicht mit dicken Augenbrauen. Geboren wurde er in Hannover, seine Eltern stammten aus Polen, mit 15 floh er illegal, ohne seine Familie, zu einem Onkel nach Paris.

Allen Hinweisen nach verbringt Herschel Grynszpan im besagten Herbst von 1938 viel Zeit in den Schwulenbars von Paris, wo er auf den jungen deutschen Diplomaten Ernst Eduard vom Rath trifft. Bis heute weiß niemand, in welcher Beziehung die beiden zueinander standen.

Am 3. November 1938 erhält Herschel Grynszpan eine Postkarte seiner Schwester Berta, die ihm von der sogenannten Polenaktion der Nazis berichtet: Wie sie über Nacht als polnische ­Juden aus Deutschland nach Polen ausgewiesen wurden, Hannover verlassen mussten, und bittet ihren Bruder um Geld, weil ihnen alles genommen wurde.

Am 7. November kauft sich Herschel Grynszpan für 235 Franc einen Revolver, lässt sich in das Zimmer in der deutschen Botschaft zu seinem Bekannten Ernst Eduard vom Rath bringen, greift in seine Manteltasche, schießt fünf Mal und ruft „sale boche“, „dreckiger Deutscher“. Der Attaché stirbt am Tag darauf, Grynszpan wird festgenommen, später nach Deutschland gebracht. Wie sein Leben genau, ja gar, ob es überhaupt endete, gilt als ungeklärt.

Sicher ist aber: Die NS-Führung nutzt das Attentat des Juden auf den Diplomaten propagandistisch für ihre Pogrome. Am 9. November brennen die Synagogen. Auch die Alte Synagoge in Essen wird angezündet und der Innenraum dabei fast vollständig zerstört.

2017 sitzt Yury Kharchenko nach seiner Vernissage mit seiner Mutter in einem Restaurant. „Wir wussten von dieser ganzen Geschichte nichts“, sagt die kleine, zierliche Frau. 90 Prozent aller in Deutschland lebenden Juden sind heute russischer Herkunft. Als Spätaussiedler kam auch sie, Anna Gorodetskaya, Biologin, mit ihrer Tochter und ihrem Sohn Yury vor zwanzig Jahren von Moskau nach Dortmund. Als er sechs Jahre alt war, ging er auf eine Kunstschule in Moskau. Erst im deutschen Schulunterricht erfuhr er vom Ausmaß des Holocaust.

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle  : I, the copyright holder of this work, release this work into the public domain. This applies worldwide.
In some countries this may not be legally possible; if so:
I grant anyone the right to use this work for any purpose, without any conditions, unless such conditions are required by law.

Description
Deutsch: Stolpersteinverlegung für Herschel Grünspan in Hannover
Date
Source Own work
Author Axel Hindemith

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Umgang mit EU-Geldern

Erstellt von DL-Redaktion am 21. April 2017

Martin Schulz und das gebrochene Versprechen

Pape François Parlement européen Strasbourg 25 nov 2014 21.jpg

Ich bin der Martin Schulz aus der Glaubensgemeinschaft der SPD – und wer sind Sie ?

Autor  : 

Neue Vorwürfe gegen Martin Schulz: Vor zwei Jahren hatte der damalige EU-Parlamentspräsident versprochen, Untersuchungen zu Vorwürfen betreffend einen Mitarbeiter zu veröffentlichen. Jetzt bleiben die Berichte doch unter Verschluss.

Martin Schulz ist eine ehrliche Haut. Jedenfalls wird man in der SPD nicht müde, das zu versichern: „Er ist glaubwürdig“, verspricht die Partei in einem Werbefilm, den sie gerne vor Auftritten ihres neuen Vorsitzenden abspielt: „Er ist vertrauenswürdig.“ Schulz – das sei jemand, der sagt, was er denkt, und tut, was er sagt.

Doch jetzt gibt es einen Fall, in dem Schulz nicht einlöst, was er versprochen hat. Es geht um die Arbeit eines langjährigen Mitarbeiters des damaligen EU-Parlamentspräsidenten – und um mögliche Unregelmäßigkeiten mit EU-Geldern. Vor zwei Jahren hatte Schulz versprochen, diese Vorwürfe untersuchen zu lassen und die Ergebnisse dann zu veröffentlichen. Inzwischen sind die Untersuchungen abgeschlossen. Sie bleiben dennoch unter Verschluss. Schulz lässt auf Anfrage des stern verbreiten, er sei da machtlos. Ihm lägen die Berichte nicht vor. Und er sei ja „nicht mehr Präsident“ des EU-Parlaments.

Front National brachte Affäre ins Rollen

Die Vorwürfe gegen ihn kamen ursprünglich von der rechtsextremen französischen Partei Front National. Auf deren Abgeordnete hatte Schulz als Präsident des Europaparlaments das EU-Betrugsbekämpfungsamt Olaf angesetzt – weil womöglich Parteimitarbeiter in unzulässiger Weise als parlamentarische Assistenten finanziert worden seien. Olaf bestätigte den Vorwurf. Inzwischen ermittelt in dieser Sache auch die französische Justiz. Doch die Front-National-Chefin Marine Le Pen konterte im März 2015 mit einem Gegenangriff: Schulz sei selbst nicht besser. Sein angeblich in Brüssel akkreditierter Assistent Herbert Hansen führe ein Reisebüro der SPD in Aachen.

Schulz ließ den Vorwurf der unzulässigen Parteienfinanzierung als „unbegründet“ zurückweisen. Doch es gibt einige offene Fragen. Sicher ist: Herbert Hansen ist ein langjähriger SPD-Parteifreund und Mitarbeiter von Schulz. Zuletzt diente er als sein Brüsseler Assistent, bezahlt vom EU-Parlament und – wie Schulz – versichert – mit einem Büro im Brüsseler Parlament.

Hansen arbeitet aber offenkundig auch für die SPD. Im Aachener Vorort Alsdorf ist er bis heute über die Büros des SPD-Unterbezirks zu erreichen. Er wird von der örtlichen SPD auch als Ansprechpartner für die „SPDitionen“ genannt. Unter diesem Namen bieten die Genossen dort Bildungs- und Begegnungsreisen für „Mitglieder und Freunde der SPD“ an. Die Reiseziele reichen von Straßburg bis Thailand.

Schulz-Assistent in Brüssel akkreditiert – mit Büro in Aachen?

Quelle  :  Der Stern >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle :  Papst Franziskus beim Besuch des Europaparlaments in Straßburg

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Mehr als Religion

Erstellt von DL-Redaktion am 31. März 2017

Ob Ehe, Wehrdienst oder Ruhe am Schabbat

– in Israel streiten Säkulare und Orthodoxe um den Einfluss jüdischer Gebote

von Yair Ettinger

Und dann hat man es doch wieder abgenommen, das kleine braune Hinweisschild auf dem Weg zur Klagemauer. „Ezrat Israel“, ein Ort für ganz Israel, stand da in hebräischen Lettern und darunter auf Englisch: „Azarat Israel Plaza“. Folgte man dem Schild, wurde man von der Hauptgasse nach rechts gelenkt, passierte einen schmalen Durchgang und erreichte über steile Stufen eine kleine Plattform auf Metallstelzen, die vor vier Jahren über einer Ausgrabungsstätte an der Südseite der Klagemauer errichtet wurde.

Das Schild ist weg, aber nicht der Ort: Seit einem Regierungsbeschluss vom Januar 2016 ist „Ezrat Israel“ die offizielle Gebetsstätte für nichtorthodoxe Gläubige; ohne Trennung zwischen Frauen und Männern, wo Gebete auch unter der Leitung von Frauen stattfinden können. Zwar wurde die Plattform schon seit ihrer Errichtung 2013 für gemischte Gebete genutzt, doch nun hat die Regierung zum ersten Mal offiziell anerkannt, dass auch den nichtorthodoxen Strömungen des Judentums ein Platz an der Klagemauer zusteht.1 Außerdem verpflichtete sie sich, das Provisorium zu einer permanenten Gebetsstätte auszubauen.

Wie zu erwarten war, wurde der Beschluss von den liberalen Gemeinden, die allein in Nordamerika Millionen Mitglieder zählen, begrüßt, während die Orthodoxen in Israel dagegen protestierten. Alsbald entbrannte ein politisches und juristisches Tauziehen, das bis heute andauert. Das „Ezrat Israel“-Schild fiel dem Kampf zwischen den verschiedenen Fraktionen zum Opfer. Im Dezember 2016 wurde es von Vandalen zerstört, auch ein neues Schild hielt nicht lange. Auf Druck der ultraorthodoxen Organisationen ließ es die Stadtverwaltung im Januar 2017 wieder entfernen.

Bereits einige Wochen zuvor war es an der Klagemauer zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Etwa 200 Rabbiner und Anhänger der Konservativen wie der Reformbewegung hatten sich mit Thorarollen auf den Weg zur zentralen Gebetsstätte gemacht, um gegen die Untätigkeit der Regierung zu demonstrieren, die seit fast einem Jahr nichts unternommen hatte, um das Provisorium auszubauen. An der Klagemauer wurden die Demonstranten von einigen Dutzend Ul­tra­orthodoxen rüde empfangen; es wurde gerempelt und gespuckt.

Der Streit um die Klagemauer ist nur die Spitze des Eisbergs: Seit 70 Jahren bekriegen sich in dem kleinen Staat Israel, der in vielerlei Hinsicht modern und westlich ist, Angehörige der gleichen Religion: Alle sind sie Juden, doch sie ringen ständig miteinander um die Frage, worin die religiöse Identität und der Charakter des jüdischen Staates bestehen – auf symbolischer und praktischer Ebene, im öffentlichen wie im privaten Leben.

Es ist ein dynamischer Kampf. Und er hat die Israelis gelehrt, dass es schwierig ist – vielleicht auch nicht gewollt –, eine Entscheidung herbeizuführen. Die Erfolge, die jede Seite für sich verbuchen kann, werden „auf dem Feld“ erreicht, nicht durch Beschlüsse der Knesset oder Reformen. Und es sind immer nur Etappensiege, mal für die eine, mal für die andere Seite.

In Israel existiert eine klare ethnische Trennung zwischen den rund 80 Prozent jüdischen und 20 Prozent arabischen Staatsbürgern. Doch innerhalb der jüdischen Gemeinschaft ist der vielleicht wichtigste Faktor die religiöse Zugehörigkeit, also die Frage, welche Art Jude man ist. Nach Einteilung von Meinungsforschern gibt es nichtreligiöse Säkulare („Hiloni“, 43,5 Prozent), Traditionalisten („Masorti“, 37 Prozent), Religiöse („Dati“, 10,5 Prozent) und Ultraorthodoxe („Haredi“, 9 Prozent).2

Das Verhältnis zur Religion ist für viele Fragen des Alltags entscheidend, von der Wahl der Wohngegend und der Schule, auf die man seine Kinder schickt, bis zur politischen Ausrichtung. Sowohl die Dati und Haredi, die an die ewige Gültigkeit der Thora glauben, als auch die nicht oder weniger religiösen Hiloni und Masorti definieren sich im Verhältnis zum dominierenden orthodoxen Judentum; Anhänger der liberalen Strömungen (Reformjudentum und Konservative, die ihre Wurzeln im deutschen Judentum haben, seit dem 20. Jahrhundert hauptsächlich in Nordamerika vertreten) gehören in Israel zur Minderheit (etwa 5 Prozent).

Straßenschlachten zwischen Gläubigen und der Polizei

Dieser innerjüdische Konflikt ist nicht mit der blutigen Auseinandersetzung zwischen Israelis und Palästinensern vergleichbar, aber es kommt nicht selten zu regelrechten Straßenschlachten. Er beschäftigt den Staat und die Gerichte und produziert nahezu täglich Schlagzeilen. Wie zuletzt Anfang Februar, als sich im ultraorthodoxen Jerusalemer Stadtviertel Me’a Sche’arim und in anderen Städten des Landes junge Gläubige nächtelang Straßenschlachten mit der Polizei lieferten, um gegen jede Form von Militärdienst für orthodoxe Männer zu protestieren.

Solche Zusammenstöße kommen mittlerweile so häufig vor, dass zum Teil gar nicht mehr über sie berichtet wird. Zudem gelingt es der Presse kaum noch, den Überblick über die vielen Detailfragen zu behalten, mit denen sich die Regierung und Parlament auseinandersetzen müssen: Da geht es um die Einhaltung des Schabbat und der Kaschrut (Speisegesetze), um die Frage der Wehrpflicht für Studenten der Jeschiwas (theologischen Hochschulen), um die Einberufung religiöser Frauen zur Armee, um weibliche Beamte in staatlichen Ämtern, die mit Religionsangelegenheiten zu tun haben – und natürlich auch um den Ausbau des Gebetsplatzes „Ezrat Israel“ an der Klagemauer.

Der Ausbau liegt seit Januar 2016 auf Eis. Ministerpräsident Netanjahu steht vor einem Dilemma: Setzt er den Plan um, riskiert er den Bruch mit seinen ultraorthodoxen Koalitionspartnern.3 Gibt er ihn auf, macht er sich bei den amerikanischen Juden unbeliebt. So sieht die Alltagsroutine im jüdischen Staat aus – Meinungsverschiedenheiten werden meist auf niedriger Stufe ausgetragen, doch jede einzelne von ihnen kann sich zu einer größeren politischen Krise auswachsen und selbst die Regierung erschüttern.

Um zu begreifen, warum die Beziehung zwischen Staat und Religion in Israel ein derart heikles Thema ist, muss man 70 Jahre zurückgehen: Im Juni 1947 sandte David Ben Gurion als Vorsitzender der Jewish Agency einen kurzen Brief an die Führung der ultraorthodoxen Partei Agudat Jisrael.4

In dem Schreiben, das als „Status- quo-Dokument“ in die Geschichte einging, verpflichtete sich die weltliche Führung des Jischuw (der jüdischen Ansiedlung in Palästina), die Religion in vier sensiblen Bereichen zu berücksichtigen, in denen sie mit dem demnächst entstehenden säkularen Staat in Berührung kommen würde.

Drei Zusagen betrafen die Gesamtheit der jüdischen Bevölkerung: Einhaltung der religiösen Prinzipien bei Konversion, bei Heirat und Scheidung sowie beim Schabbat. Die vierte Zusage betraf allein die orthodoxe Gemeinde, der volle Autonomie über die Schulbildung ihrer Kinder zugesichert wurde.

Anlass für Ben Gurions Schreiben war der bevorstehende Besuch des UN-Sonderausschusses (Unscop), der die UN-Vollversammlung über die Situa­tion in Palästina unterrichten sollte. Um die Repräsentanten der zionistischen Institutionen (Gewerkschaft und Jewish Agency) auf ihren Auftritt vor dem Ausschuss vorzubereiten, versuchte die weltliche Führung des Jischuw mit verschiedenen Gruppierungen gemeinsame Positionen zur Identität des zukünftigen jüdischen Staates zu formulieren. Einige Monate später empfahl der Ausschuss tatsächlich, wie von Ben Gurion erhofft, das Land zu teilen und einen jüdischen neben einem arabischen Staat zu errichten.

Ben Gurion versprach den Orthodoxen, den Schabbat zum „gesetzlichen Ruhetag im Staate Israel“ zu erklären und die Kaschrut zu schützen („jede staatliche Küche, die für Juden bestimmt ist, soll auch koschere Speisen anbieten“). Er versicherte, dass die Jewish Agency und ihre Vertreter alles tun würden, um in Ehefragen „das tiefe Bedürfnis der frommen Juden zu befriedigen und eine Spaltung des Volkes Israel zu vermeiden“. Und in Fragen der Ausbildung und Erziehung der Kinder sollten alle religiösen Strömungen „volle Autonomie“ bekommen; der Staat würde nur über einen Mindestpflichtunterricht bestimmen (in hebräischer Sprache, Geschichte und in den Wissenschaften).

Quelle : Le Monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle : Autor — smr shalabyamr shalaby

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Der rote Faden

Erstellt von DL-Redaktion am 26. März 2017

Durch die Woche mit
Emmanuel Macron, Barack Obama, Martin Schulz

Pape François Parlement européen Strasbourg 25 nov 2014 24.jpg

Wärend  Politiker klatschen – müssen die Lakeien weiße Handschuhe tragen
Als Schutz vor den aufgewirbelten Staub ?

Autor Robert Misik

Mit 100 Prozent haben die SPD-Leute Martin Schulz voriges Wochenende zu ihrem Parteichef gewählt. Was die Partei da gerade hinlegt, hat die Anmutung von Autosuggestion. Man strahlt Erfolgshunger aus, begeistert sich an sich selbst, hat damit die entsprechende Ausstrahlung und ist dann in einer dritten Schleife begeistert über die Begeisterung.

Was sagt uns das?

Bei den Jungen ist die Sozialdemokratische Partei plötzlich unangefochten vorne, als wäre die alte Tante Sozialdemokratie irgendwie mit einem Mal cool. Man reibt sich die Augen. SPD und Coolness hätte man jetzt länger nicht in einem Atemzug genannt.

Autosuggestion

Schulabbrecher, trockener Alkoholiker, Buchhändler, einer von euch, Mann aus Würselen – die Story, die Martin Schulz verkörpert und erzählt, das Bild, das er zeichnet und in Umlauf bringt, funktioniert. „Schulz in­stru­men­tali­siert seine eigene Lebensgeschichte für den Wahlkampf“, betitelte die Süddeutsche Zeitung vergangene Woche ein Experteninterview, was eine seltsame Formulierung ist, denn bei dem Wort „Instrumentalisierung“ denkt man an einen nicht ganz sauberen Vorgang, aber wer würde nicht seine Biografie, deren Ecken und deren Brüche, bemühen, um sein öffentliches Bild zu modellieren?

Wobei Schulz, der Eindruck wächst, einfach auch Glück hat, gerade den richtigen Moment erwischt hat. Das Publikum wartete förmlich auf eine Alternative, darauf, dass es wieder politischen Wettbewerb gibt. Auf eine Alternative sowohl zum „Weiter so“ der Elitenpolitik, als auch zum zornigen Dagegensein des Rechtspopulismus.

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle : Autor – Claude Truong-Ngoc / Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0

Visite du pape François au Parlement européen de Strasbourg.

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Die Wolke Schulz

Erstellt von DL-Redaktion am 19. März 2017

11 – Prozentpunkte hat die SPD
seit Januar dazugewonnen.

Die Lemminge – blind dem Schulze nach ?

Autor : Stefan Reinecke

Die SPD galt im Wettstreit mit der CDU um die Kanzlerschaft als chancenlos. Dann kam Martin Schulz. Rettet er die Sozialdemokratie und nebenher noch die Idee der Volkspartei für alle?

ie Rettung mit Steckleiter aus dem ersten Stock der Schule droht zu scheitern. Die ­Feuerwehrmänner in Duisburg-Marxloh üben so etwas jeden Mittwoch, aber heute stehen ihnen Kameraleute im Weg. „Geht mal zurück, Behinderung von Rettungseinsätzen ist ein Straftatbestand“, sagt Martin Schulz, Kanzlerkandidat der SPD. Eigentlich, sagt ein Feuerwehrmann zu Schulz, hätten wir ja am liebsten Sie aus dem ersten Stock retten lassen. „Nee, ich bin rettungslos verloren“, sagt Schulz.

Marxloh ist verrufen, ein Synonym für Armut, Ghetto, Verlotterung. Der Zugführer, groß, bullig und seit 47 Jahren Feuerwehrmann, sagt: „Wir sind die Feuerwehr in der No-go-Area“. Wer hier noch wählt, gehört zur Minderheit. Bei der letzten Kommunalwahl blieben 80 Prozent zu Hause. Ein perfekter Ort für Martin Schulz und seine Botschaft: Es gibt Probleme, aber auch Leute, die etwas dagegen tun.

Später sitzen rotwangige Feuerwehrmänner mit einem Bier in der Hand in der engen ­Wache. Schulz hält eine knappe Rede: Der Einzelne ist schwach Gemeinschaft macht stark. Man hört das gern in der Feuerwache in Marxloh, während draußen Würstchen brutzeln. Die Gefahr, das die Gesellschaft zerfällt, ist erst mal gebannt, wenn man zusammen grillt.

Beim Fototermin nimmt er einen Feuerwehrhelm in die Hand. Er setzt ihn nicht auf. Das wäre zu dick aufgetragen. Er achtet auf Distanzen. Kurz bevor er wieder in seine Limousine steigt, sagt der Kandidat: „Ich komme zurück, wenn ich Kanzler bin.“ Pause. „Wenn ich nicht Kanzler bin, dann auch.“ Lachen bei der Löschgruppe 302.

Jeder kennt den Moment, in dem plötzlich etwas gelingt. Wenn beim Lernen einer Sprache auf einmal die Hemmung verschwindet, zu reden. Wenn beim Fußball der Pass ankommt, der sonst immer daneben ging. Was schwer schien, ist auf einmal leicht. Warum sich die Blockade der Sozialdemokraten gerade jetzt löst, ist so recht nicht zu erklären. Nach Brexit, Trump und zwölf Jahren Merkel wirkt Schulz unverbraucht, wie jemand der den Zerfall der EU aufhalten kann. Trotzdem bleibt ein rätselhafter Rest, Wissenschaftler nennen das Kontingenz. Das meint etwas mehr als Zufall. Es ist einen Punkt, an dem Gefühle, Fähigkeiten, Empfindlichkeiten, Hemmungen, die schon lange vorhanden sind, in einer etwas anderen Mischung auftreten. Und etwas Neues entsteht. Die SPD und ihr Kanzlerkandidat scheinen gerade an so einem Punkt zu sein.

Die Umfragen sind gut, die Kommentare in vielen Medien freundlich. Zu Veranstaltungen der Partei kommen wieder Hunderte Genossen. In diesem Jahr sind bereits zehntausend Menschen in die SPD eingetreten. Die Hälfte jünger als 35 Jahre. Eine erfrischende Nachricht für eine Partei, die immer älter und kleiner wird und in der auch SPD-Geschäftsführer in Großstädten grübeln, wann sie ihren Laden dichtmachen müssen. In Zeitungen und im Fernsehen heißt die SPD zwar noch Volkspartei, aber sie ist immer weniger eine. Sie hat die Kraft verloren, Menschen von der mittelständischen Unternehmerin bis zum Stahlarbeiter an sich zu binden. Ändert sich das gerade?

Der Faktor, der die Stimmung verwandelt hat, ist 61 Jahre alt, eher klein, einst Bürgermeister in einer Kleinstadt bei Aachen, dann 22 Jahre lange Karriere im Europäischen Parlament. Also dort, wo Parteien lange vor allem ausgedienten Politiker hinschickten. Brüssel ist eine Endstation, kein Anfang. Wie mobilisiert ausgerechnet Schulz Sehnsüchte? Und welche?

Céline Göhlich sitzt in einem Cafe unweit von Kanzleramt und Reichstag in Berlin. Gestreiftes Hemd, Businesslook. Der Blick der 23-Jährigen ist wach, die Sätze druckreif. Sie hat einen deutschen Vater und eine französische Mutter und spricht vier Sprachen. Vielleicht will sie ein halbes Jahr nach Lateinamerika. Erfahrungen sammeln, Selbstverwirklichung. Göhlich hat geerbt und finanziert damit ihr Studium – „International Affairs“ an einer teuren Privatuniversität. Eigentlich hat sie mit der Linkspartei sympathisiert.

Und dann verschwand der Gewerkschaftsmacho

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Karikaturenquelle : Gerhard MesterGerhard Mester

 

 

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Safranfarbene Schocktherapie

Erstellt von DL-Redaktion am 18. Februar 2017

Sadhu at a river bank

Wie der Hindunationalismus die indische Gesellschaft spaltet

 

Autor : Thomas Stauber

Zum Jahreswechsel schwang sich der indische Premierminister Narendra Modi wieder einmal zu einer großen Ansprache an seine Landsleute auf. Modis vorangegangene, folgenschwere Rede, in der er völlig überraschend eine drastische Bargeldentwertung verkündet hatte, lag zu diesem Zeitpunkt 50 Tage zurück.  Der Fernsehansprache am 31. Dezember war daher bereits Wochen zuvor entgegengefiebert worden. Viele erhofften sich von Modi klärende Worte zu den weiteren Reformschritten der Regierung. Doch sie wurden bitter enttäuscht: Einmal mehr betonte Modi nur die Notwendigkeit, die indische Nation von den Übeln der Korruption und des Schwarzgeldes „zu reinigen“. Kein Wort verlor er hingegen über die Opfer seiner Radikalreform – etwa zu den mehr als 100 Menschen, die während des chaotischen Geldumtauschs in den Warteschlangen an Erschöpfung starben oder sich vor lauter Verzweiflung das Leben genommen hatten.

Die Demonetisation hatte Modi am 8. November 2016 verkündet. Quasi über Nacht wurden 85 Prozent der in Umlauf befindlichen Banknoten für wertlos erklärt. Dies sei nötig, um den Kampf gegen Schwarzgeld und Korruption voranzutreiben, begründete Modi die Maßnahme. Für ein Land, in dem knapp 98 Prozent der Geschäfte bar abgewickelt werden, kam daseiner wirtschaftspolitischen Schocktherapie gleich.  Der Liquiditätsengpass trifft vor allem jene Menschen, die dringend auf Bargeld angewiesen sind, da sie kaum Zugang zu Kreditkarten, Bankkonten oder „digitalen Geldbörsen“ (Digital Wallets) haben: Rikschafahrer, Erntehelfer, Tagelöhner und fliegende Händler – und damit etwa die Hälfte der indischen Bevölkerung. Und ob die Notenentwertung tatsächlich langfristig die erwünschten Früchte trägt, ist keineswegs ausgemacht, da der Anteil des Bargeldes am gesamten Schwarzgeldkapital mit lediglich fünf Prozent beziffert wird. Dennoch unterstützen die prekär Beschäftigten mehrheitlich den Premierminister und sein Versprechen, auf diese Weise Korruption und Armut bekämpfen zu wollen.

Auch in weiten Teilen der aufstrebenden städtischen (Hindu-)Mittelschichten findet Modis Werben für eine „großartige indische Nation“ überwältigende Anerkennung. Im vermeintlichen Kampf „der Nation“ gegen das gesellschaftliche Übel gelingt es Modi und seiner regierenden Bharatiya Janata Party (BJP), die nach wie vor virulente Armut und zunehmende soziale Spaltung des Subkontinents zu kaschieren.

Dabei setzt Modi, nach innen wie nach außen, auf eine hindunationalistische Rhetorik: Eben ließ er sich noch für die „chirurgische Kriegführung“ gegen die Separatisten in Kaschmir feiern, kurz darauf zieht der Premier bereits die nächste Waffe – die Bargeldentwertung –, mit der die „eiternden Geschwüre“ im Inneren der indischen Gesellschaft ausgemerzt werden sollen: Korruption, Schwarzgeld und die Finanzierung von Terrorismus.

Mit der Geldentwertung, die Modi ebenfalls als chirurgischen Militärschlag (surgical strike) gegen Geldwäsche bezeichnet, will er die „antinationalen“ Kräfte bekämpfen. Die drastischen Reformen geben Modis autoritärem Führungsstil weiteren Auftrieb und steigern zugleich seine Popularität. Gepaart mit dem aggressiven hindunationalistischen Programm seiner BJP, stellen sie mehr und mehr eine Gefahr für die pluralistische Demokratie des postkolonialen Indiens dar.

Viele Beobachter sehen gar eine Zeitenwende hereinbrechen. Lange galt der zunehmend autoritär und aggressiv auftretende Hindunationalismus als gesellschaftliche Randerscheinung. Unter Modi erlangt diese Ideologie nun aber die politische und kulturelle Hegemonie im Land. Schon jetzt dient sie nicht selten als Legitimationsgrundlage für Gewalt. Die einstige politische, kulturelle und religiöse Toleranz weicht immer mehr tagtäglichen Anfeindungen, Diskriminierungen und Gewaltakten gegen Andersdenkende und Minderheiten wie den Adivasis, die Nachfahren der indischen Ureinwohner, sowie religiöse Minderheiten. Selbst Morde an politischen Gegnern sowie an sogenannten kastenlosen Dalits häufen sich.

Neoliberalismus unter der Safran-Flagge

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Fotoquelle : Autor —  Antoine TaveneauxOwn work

People of Varanasi

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  • Created: 16 August 2012

 

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Glaskar und nüchtern

Erstellt von DL-Redaktion am 22. September 2016

Datei:Parliament of Religions 1993.jpg

Die Wahrheit – Glasklar und nüchtern

Nach dem staunenerregenden Facebook-Post eines 29-jährigen Laien müssen sämtliche Weltreligionen als endgültig widerlegt gelten.

Nur der Dalai Lama denkt nicht daran, seinen florierenden Humbug-Handel aufzugeben Foto: ap

Thomas Krahwinkel ist das, was man ein unscheinbares Kerlchen nennt: Brille, blasse Haut, hellrote Haare, schmächtige Statur. Auch sein Leben erregte bisher nicht das geringste Aufsehen.

Krahwinkel wurde in Bielefeld-Senne (Ortsteil Windelsbleiche) als Kind eines Physiklehrers und einer Controllerin geboren, wuchs vor Ort auf, ging zur Schule, studierte Chemie und arbeitet heute bei Dr. Oetker in Bielefeld als diplomierter Schaumschläger. Bis vor Kurzem hätte niemand damit gerechnet, dass der laut Kommilitonen „harmlose Nerd“ einmal die Welt aus den Angeln heben würde.

Doch am vergangenen Samstag postete Krahwinkel nach dem Konsum einer Folge „Big Bang Theory“ und laut eigener Aussage „aus purer Langeweile“, folgende Sätze auf Facebook: „Oh man, sind diese Religioten bescheuert. Genauso gut könnte ich behaupten, mein unsichtbarer Freund sei ein fliegendes Spaghettimonster. Lol. Wer so was Widersprüchliches wie einen guten, allmächtigen Gott oder ein ewiges Leben nach dem Tod behauptet, der muss 1 Beweis vorlegen. Bämm! Und nicht derjenige, der sich weigert, den Unfug zu glauben. Bämm.“

Das argumentativ brillante Posting wurde nicht nur innerhalb von 45 Minuten über 6.666 Mal mit „Gefällt mir“ geadelt, sondern fast ebenso oft geteilt. Keinen Tag später zirkulierte der geniale Gedanke bereits durch zahlreiche Zeitungen sowie Radio- und Fernsehsender im In- und Ausland und entfachte Debatten – mit ungeahnten Konsequenzen.

Monströses Hirngespinst

Als Erster warf Papst Franziskus das Handtuch. Bei einer Pressekonferenz sagte der 79-jährige Argentinier, er könne aus seinem Herzen nicht länger eine Mördergrube machen, erklärte kraft seines Amtes die Katholische Kirche zu einem monströsen Hirngespinst und befahl allen Priestern, den Unfug sofort einzustellen. Viele Rabbiner, Imame, griechisch-orthodoxe Priester, evangelische Pfarrer und barfüßige Bettelmönche vom Ordo Quia Absurdo folgten seinem Beispiel. „Was hat es noch für einen Sinn?“, fragte Rabbi Zalman Druck von der Großen Synagoge in Jerusalem. „Jetzt wo dieser Bengel es ausgeplaudert hat, ist der ganze Zauber dahin.“

Weniger einsichtig zeigte sich das Oberhaupt des tibetischen Buddhismus. Seine lukrativen Vortragsreisen werde er deswegen nicht abbrechen, ließ der Dalai Lama die Presse wissen. Viele seiner schönsten Weisheiten behielten Gültigkeit, zumal er so gut wie nie von Gott, ewigem Leben oder Spaghetti rede. Hinduistische Brahmanen reagierten dagegen erleichtert und gaben an, bereits vor etlichen Wiedergeburtszirkeln die Lust an ihrer komplizierten Religion verloren zu haben.

Messias der Atheisten

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle:

Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert.
Quelle http://gallery.srichinmoycentre.org/sri_chinmoy/
Urheber D.Alaimo

 

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»Natürlich ist Religion erst mal Pflicht«

Erstellt von DL-Redaktion am 30. Januar 2016

[youtube 5_JAGn74-do]

»Natürlich ist Religion erst mal Pflicht«

Der Katholik Martin Mosebach und der Muslim Navid Kermani sind fasziniert vom Glauben des jeweils anderen. Ein Gespräch über falsche und echte Toleranz – und darüber, wie der Islam im Westen missverstanden wird

SZ-Magazin: Herr Mosebach, Ihr Schriftstellerkollege und Freund Navid Kermani hat gerade eine große Meditation über das Christentum veröffentlicht: ›Ungläubiges Staunen‹ heißt das Buch, in dem er sich über Meisterwerke von Botticelli bis Caravaggio der Schönheit und Sinnlichkeit, aber auch der Rätselhaftigkeit des Christentums nähert. Muss erst ein Muslim kommen, um den Christen zu zeigen, wie faszinierend ihre eigene Religion ist?

Martin Mosebach: Leider scheint es so. Der durchschnittliche Christ kennt seine Religion nicht mehr. Sein religiöses Wissen ist ausgeronnen wie aus einem geplatzten Sack. Dazu kommt, dass Navid einen Vorteil hat: Er ist Muslim. Er kann diese Bilder so intensiv auf sich wirken lassen, weil sie ihn erst mal gar nichts angehen.

Navid Kermani: Über den Islam könnte ich so ein Buch nie schreiben. Ich würde in einen frömmlerischen Ton fallen. Ich kann nur vom anderen, vom Fremden schwärmen. Die Liebe zum Eigenen – ob es nun die eigene Kultur, Religion oder auch die eigene Person ist – erweist sich in der Kritik. Die Liebe zum anderen kann viel rückhaltloser sein.

Ist Ihr Buch eine Antwort auf das, was im Irak und in Syrien passiert?

Kermani: Es lässt mich jedenfalls nicht unberührt, was dort geschieht. Andere Muslime entführen Christen, umso dringlicher ist es, dass Muslime sich dem Christentum gerade jetzt mit Achtung widmen.

Mosebach: Es ist die glücklichste Idee, sich der anderen Religion über die Kunst zu nähern, weil man sich über die Theologie nur entzweien kann, ja muss. Dieses Buch ist einzigartig, weil es nach meiner Kenntnis der erste Versuch eines Muslims ist, sich über die christliche Kunst in das Christentum einzufühlen.

Hatten Sie die Befürchtung, vor lauter Begeisterung dem eigenen Glauben untreu zu werden?

Kermani: Es war eher andersherum. Durch die Beschäftigung mit dem Christentum habe ich Aspekte des Islam kennengelernt, derer ich mir in ihrer Tiefe nicht bewusst war.

Zum Beispiel?

Kermani: Je begeisterter ich vor den Werken christlicher Kunst stand, desto reizvoller fand ich die Bilderlosigkeit im Islam. Und je mehr Kirchen ich betrachtete, desto mehr leuchtete mir der Aufbau einer Moschee ein: Dass es anders als in der Kirche, deren Wege auf den Altar zulaufen, weil dort Gott gegenwärtig ist, in einer Moschee kein Zentrum geben kann, weil Gott überall gegenwärtig ist. Egal wo man in einer Moschee sitzt, man sieht die Kuppel von überall gleich gut – wie den Himmel.

An einer Stelle des Buches gestehen Sie: »In Rom wurde ich neidisch aufs Christentum.«

Kermani: Bevor ich ein Jahr in Rom lebte, nahm ich das Christentum als etwas Gutes und ethisch Wertvolles wahr, aber nicht als etwas Schönes. Als Jugendlicher in einer sehr protestantischen Stadt aufgewachsen, dachte ich oft: Die Christen sind ja nett, aber warum sind ihre Gottesdienste so langweilig? In Rom habe ich gespürt, wie alt die katholische Tradition ist; dass göttlich nicht heißt, dass etwas vom Himmel fällt, sondern über die eigene Erinnerung hinausgeht, dass Rituale, Formen, Gebete einen Ursprung haben, den wir allenfalls noch erforschen können und den dennoch keine Forschung aufschlüsselt. Leider leben wir in einer Zeit, in der sowohl katholische als auch islamische Traditionen wegbrechen; das ist nicht nur traurig, sondern gefährlich, weil Traditionen, die abgebrochen sind, meistens als Fundamentalismus, als etwas Reaktionäres zurückkehren, und dann entsteht Gewalt.

Aber der Fundamentalismus behauptet doch gerade, zum Ursprung zurückkehren zu wollen.

Kermani: Ja, aber er will dabei die Tradition sozusagen überspringen. Er wendet sich dezidiert gegen die Tradition, insofern er zu einem Uranfang zurückzukehren behauptet.

Dann sollte man Traditionen gar nicht erst abreißen lassen, oder?

Kermani: Man kann keine Tradition künstlich am Leben halten. Aber man kann sie dort, wo sie noch existiert, achten und auch schützen und erneuern. Tradition ist die Vermittlung der göttlichen Offenbarung durch Generationen von Menschen hinweg; sie ist mehr, als ein Einzelner wissen oder sich ausdenken kann. Aber heute muss alles nach unserem gesunden Menschenverstand gehen, ohne dass wir bedenken, dass dieser Verstand doch wie jeder menschliche Verstand zuvor auch nur zeitlich bedingt ist. Religion soll so sein, wie wir uns das wünschen, sie soll das aussagen, was wir ohnehin denken, sie soll kompatibel sein mit unserer Zeit. Dabei ist doch das Wesen der Religion, dass sie gerade nicht kompatibel mit unserer oder überhaupt einer Zeit ist. Jesus war ganz offensichtlich nicht kompatibel mit seiner Zeit.

Mosebach: Im Westen glaubt man unter Christen und Atheisten, man könne die Religion in Philanthropie und Menschenrechten aufgehen lassen. Das Christentum will aber nicht Lösungen zur Überwindung gesellschaftlicher Schwierigkeiten vorschlagen, sondern den einzelnen Menschen in die Gegenwart des lebendigen Gottes führen.

Kermani: Die Herausforderung bestünde darin, einer Religion nicht stumpf zu folgen, sondern es hinzukriegen, dass man einen Text, der vor 2000 Jahren geschrieben wurde, ernst nimmt – und zwar jedes Wort und jede Geschichte – und trotzdem menschenfreundlich und aufgeklärt in der Gegenwart lebt. Keiner sagt, dass das leicht ist, aber das menschliche Bewusstsein kann das. Religion ist niemals das göttliche Wort pur. Sie ist das sich stets verändernde Verhältnis von Menschen zu diesem Wort. Aus genau dieser Bewegung des menschlichen Geistes sind die großen Kulturen entstanden.

Warum hält sich das Vorurteil vom antimodernistischen Islam so hartnäckig?

Kermani: Weil heute so viele Muslime den Islam antimodernistisch auslegen. Und weil sie keine Ahnung haben von ihrer eigenen theologischen Tradition. Man muss sich nur mal fünf Minuten mit diesen Menschen unterhalten, die in der Fußgängerzone den Koran in die Höhe halten: Ihr Wissen beschränkt sich meist auf ein paar Schlagwörter und Regeln, an denen sie sich wie an einem Vademecum festhalten. Sie haben keine Ahnung, dass der Koran kein Buch ist, sondern seiner eigenen Textgattung nach ein liturgischer Vortrag. Dass er von den ersten Muslimen und bis weit ins 20. Jahrhundert gesungen wurde und nicht gelesen. Sie haben keine Ahnung, dass es jedem traditionellen Umgang mit dem Koran spottet, ihn in der Fußgängerzone wie eine Werbebroschüre zu verteilen. Wenn ihre Eltern noch fromm gewesen wären, wüssten sie, dass man in einem muslimischen Haushalt den Koran an höchster Stelle, mit einem kostbaren Tuch verhüllt, aufbewahrt und nur mit äußerster Andacht berührt, manchmal nur mit Handschuhen. Es ist für Muslime Gottes Wort, welches in den Fußgängerzonen im nächsten Papierkorb landet. Diese Menschen reduzieren einen hochpoetischen, auch im Arabischen sprachlich hochkomplexen Text, der sich übrigens in jedem einzelnen Vers reimt, auf ein Gesetzbuch, das man bei Google nach Schlagwörtern durchscannt.

Quelle: SZ >>>>> weiterlesen

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Neuer Feminismus

Erstellt von DL-Redaktion am 24. Januar 2016

Neuer Feminismus

Auf der Kippe

Seltsame Allianzen gibt es nach der Kölner Silvesternacht. Gegen (antimuslimischen) Frauenhass hilft aber nur ein neuer Feminismus.

von Charlotte Wiedemann

Ich habe in den vergangenen Wochen einiges über mein Land erfahren, das ich lieber nicht gewusst hätte. Das klingt arg unpolitisch, ich weiß. Aber es ist bei mir ein Bedürfnis nach Selbstschutz aufgekommen, angesichts der rasanten Verrohung dessen, was öffentliche Debatte zu nennen ein Euphemismus ist.
Frauen, die eine falsche Meinung äußern, werden im Netz mit Gewaltfantasien überschwemmt. Gruppenvergewaltigung als Erziehungsmittel, wenn du nicht einstimmst in den anti-islamischen Sound. Eine Frau, die vom Kölner Hauptbahnhof berichtete, sie sei von arabisch aussehenden Männern respektvoll behandelt worden, muss sich anhören: Weil du zu alt und zu hässlich bist, du Schlampe. So kommt das massenhaft jetzt.

Ich hatte nicht gewusst, dass es sich so anfühlt, wenn Frauenhass auf der antiislamischen Überholspur fahren darf.

Ich hatte mir nicht vorstellen können, dass sich der Hass sogar an einer Frau wie Nariman Reinke entladen würde: in Hannover geborene Tochter marokkanischer Einwanderer, 36 Jahre, bei der Bundeswehr im Bataillon Elektronische Kampfführung tätig, war in Afghanistaneinsätzen, ist Vizevorsitzende eines Vereins Deutscher Soldat e. V. Sie schreibt: „Hier noch mal für alle: Nein, ich kann es trotz meines

Migrationshintergrunds und meiner Religion nicht nachvollziehen, wenn Frauen vergewaltigt werden – egal von wem. Die Annahme, dass ich es könnte, ist ein Abgrund menschlicher Dummheit.“ Geht man all die Kommentare dazu durch, wird schnell klar: Frau Reinke wird nicht trotz ihrer Superintegriertheit gehasst, sondern deswegen. Eine Frau in Uniform, die sich nicht unterwirft.

Respektlos statt kritisch

Wie würde ich mich fühlen, in diesen Tagen, in diesem Land, wenn ich Muslimin wäre? Ich würde lesen, zum Beispiel in dieser Zeitung, dass ich für meine Religion nur ein „Zeugungsbehältnis“ bin, und ich würde mich vermutlich übergeben. Die gegenwärtige Debatte über den Islam als Belästiger- und Grabscherreligion ahmt genau das nach, was sie zu kritisieren vorgibt: Sie ist zutiefst respektlos gegenüber den Frauen, die dieser Religion angehören, gegenüber Millionen stolzer und hochgebildeter Musliminnen. Ob sie so geworden sind trotz ihrer Religion oder durch ihre Religion, dazu kann jede eine andere Geschichte erzählen. Kaum eine klingt so wie bei den neuen deutschen Hobbyarabisten.

Und ja: Ich bin auf meinen Reisen durch muslimische Länder fast nie belästigt worden; ich erinnere mich an zwei Vorfälle innerhalb von 17 Jahren. Die Abwesenheit von Alkohol im öffentlichen Raum empfand ich stets als Schutz, konkret: die Abwesenheit alkoholisierter Männerbünde. Theoretisch hätte man nach Köln auch eine Generaldebatte beginnen können, wer unter der Zunahme öffentlichen Saufens leidet. Wie gesagt: rein theoretisch.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wolipedia- Urheber Carlos Latuff Auf die Infoboxvorlage des Erstellers verlinken wikidata:Q466165 – Images from Carlos Latuff are copyright free. See here for details.

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Rosa ist super, der Rest ist Quark

Erstellt von IE am 15. Januar 2016

Zeitlicher Verlauf der Erträge aus einer Stiftung bei verschiedenen effektiven Renditen

Der zeitliche Verlauf der Summe der Erträge aus einer Stiftung (oder einer einzelnen Zustiftung) bei verschiedenen effektiven jährlichen (inflationsbereinigten) Renditen aus dem gestifteten Kapital ohne die Berücksichtigung von späteren Zustiftungen. Die Idee einer Stiftung besteht darin, dass trotz kontinuierlicher Verwendung der Erträge für den Stiftungszweck (also nicht für Zinseszinsen) diese in der Summe nach einer bestimmten Zeit das gestiftete Grundstockvermögen übersteigen. Bei einer Rendite von beispielsweise vier Prozent (lilafarbene Linie) hat die Summe der Erträge das eingesetzte Stiftungskapital nach 25 Jahren erreicht; danach ist die Summe der Erträge größer als das eingesetzte Grundstockvermögen (grün hinterlegter Bereich rechts oben).

Ein herrlicher Artikel welcher perfekt den Zustand der Linken widerspiegelt : Ein paar Penner, irgendwo auf den Straßen aufgelesen, um wenigstens 100 Jahre zurückgeblieben, welche ihr gemeinsames Ziel nie erreichen werden, da Lügen, Betrügen und die Vorspiegelung falscher Tatsachen keinen Erfolg bringen werden. Da kann man sich nur wundern das die Deutsche Sahra für ihr Möchte – Bild noch keine wärmenden Wintersocken gestrickt hat.

Es ist dem Schreiber unbedingt zuzustimmen das Rosa dieser Tage das Fremdschämen einmal mehr erspart blieb und sie alle die Schattengewächse nicht mehr sehen sehen musste , welche sich selber in ihren Namen sonnen wollten. Schmarotzer welche ihr ganzes Leben noch keine Leistungen nachweisen können und welche ganz schnell laufen würden wenn ihnen das gleiche Schiecksal bevorständ.

Durchgeführt über die Stiftung aus einer Welt, wie sie kapitalistischer nicht sein kann und welche wir schon von Bertelsmann, Beckenbauer und vielen anderen 1000 mehr her kennen. Einzig angelegt um über gesparten Steuern den Reichtum zu mehren und dem Bürger die Gelder vorzuenthalten welcher der Gesellschaft für Sozialleistungen hinterher fehlen.

Rosa ist super, der Rest ist Quark

Am Wochenende vereinigten sich in Berlin mal wieder die Stalinisten aller Länder im Gedenken an Luxemburg und Liebknecht.

von Alexander Nabert

Der Januar ist kein schöner Monat für Rosa Luxemburg. Zum einen, weil sie und Karl Liebknecht am 15. Januar 1919 von Angehörigen eines rechten Freikorps erschossen wurden. Zum anderen, weil jedes Jahr im Januar in einer Art daran erinnert wird, die schaudern lässt. Zu ihrem Glück muss die Mitbegründerin der Kommunistischen Partei Deutschlands nicht mehr miterleben, in welcher Form Zehntausende Linke jedes Jahr zum Sozialistenfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde pilgern, um der Ermordeten zu gedenken. Die Luxemburg-Liebknecht-Demonstration marschierte auch in diesem Jahr unter Flaggen der DDR, Nordkoreas, Syriens, Russlands und Palästinas sowie Bannern mit Konterfeis von Mao und Stalin zur Gedenkstätte. Tradition ist Tradition. Jede revolutionäre Splittergruppe mit Bewusstsein für Jahrestage war bei dem 15 000-Personen-Happening dabei und bewarb mal marktschreierisch, mal mit Flugblättern ihre je eigene Fassung des Sozialismus. Auf dem Weg zur Gedenkstätte (und dem sozialistischen Jahrmarkt mit Bratwurst und revolutionären T-Shirts) konnte der geneigte Trauernde den Revolutionsbedarf der Stunde erwerben: Nelken für ein Euro das Stück. Das wirkte, bei aller sozialistischen Folklore, dann doch recht bürgerlich.

Quelle: Jungle World >>>>> weiterlesen

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Statistikquelle: Wikipediia — Autor MembethEigenes Werk  –/– CC0

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Verfolgung arabischer Autoren

Erstellt von DL-Redaktion am 30. Dezember 2015

Verfolgung arabischer Autoren

Die Beleidigung des Propheten

Vielen arabischen Autoren wird vorgeworfen, vom Islam abgefallen zu sein oder Blasphemie zu betreiben. Dabei ist dies nur ein Vorwand sie zu verfolgen.

Ilija Trojanow

In diesen Tagen, die so gerne besinnlich genannt werden, tut es not, sich jener Kollegen zu entsinnen, die inhaftiert sind und deren Leben teilweise bedroht ist. Der saudische Blogger Raif Badawi ist inzwischen (ironischerweise seit sich die Bild-Zeitung seines Falles angenommen hat) eine weltweite Cause célèbre.

Neulich erhielt er den Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments. Die von einem saudischen Gericht am 17. November dieses Jahres gegen den Dichter Ashraf Fayadh verhängte Todesstrafe wegen Apostasie (Abfall vom Islam) ist hingegen viel weniger bekannt und von unseren Medien – auch von dieser Zeitung – kaum wahrgenommen worden.

Ganz abgesehen davon, wie man grundsätzlich zu diesem „Delikt“ steht, ist der Vorwurf in diesem Fall an den Haaren herbeigezogen. Die angeblich verwerflichen Gedichte sind 2008 im Beiruter Verlag Dar al-Farabi erschienen, der betreffende Gedichtband ist schon seit Jahren vergriffen.
Der Publizist Hamad Abdel-Samad, der sie als einer von wenigen hierzulande hat lesen können, vermag „kaum klare Indizien auf Blasphemie (zu) erkennen, sondern nur Anspielungen“.

Wieso benötigt der Allmächtige Hilfe?

Schwerwiegender als die Poesie dürfte der kurze Film über die öffentliche Hinrichtung eines Minderjährigen in der Stadt Abha gewesen sein, den Ashraf Fayadh samt kritischem Kommentar auf Facebook gepostet hat.

Wer die Macht im Land verteidigen will, gibt vor, Gott zu schützen. (Die kleine theologische Frage, wieso der Allmächtige solche Hilfe benötigt, ist noch nicht abschließend geklärt. Der Koran sieht eigentlich nur Höllenqualen für dieses „Verbrechen“ vor. Spätere „Quellen“ fordern eine diesseitige Bestrafung.)

Also schickte die religiöse Polizei einen Agent provocateur zum Dichter, der sich als Verehrer seiner Poesie ausgab und ihn um ein signiertes Exemplar bat. Als der geschmeichelte Dichter diesem einen Band seiner Gedichte übergab, wurde er als Gotteslästerer verhaftet, der sich zudem der Sünde schuldig gemacht hat, seine teuflischen Einflüsterungen unter den Gläubigen zu verbreiten, um sie zu verwirren (ein weiteres schweres Vergehen). Der Verteidiger hat inzwischen Einspruch wegen eines Formfehlers eingelegt.

Quelle: TAZ  >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Author Aiman titi –/– CC BY-SA 3.0

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Beste Wünsche

Erstellt von DL-Redaktion am 25. Dezember 2015

Allen Lesern und Helfern

sagen wir Dank,

wünschen ein fröhliches Fest,

so wie einen guten Rutsch ins neue Jahr

Redaktion DL

Udo Pahl
Ingo Engbert

Bleibt uns alle auch in Zukunft gewogen.

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Fotoquelle:  Wikipedia – Urheber ForestWander

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Der rote Faden der Kränkung

Erstellt von DL-Redaktion am 5. Dezember 2015

Der rote Faden der Kränkung

Die Willkommenskultur ist nur ein Anfang. Oder: Was Hassan al-Turabi und das Versagen des Westens miteinander zu tun haben.

Mathias Greffrath

Wir sind wie Aliens für euch, wie Tiere fast. Irgendetwas Dunkles. Und Dunkelheit macht immer Angst, nicht wahr?“ Der schmächtige Mann in der schneeweißen Galabija lachte grimmig. „Sehen Sie, da steckt das Problem. Wir kennen Ihre Sprache, Ihre Geschichte, Ihre Kultur. Sie wissen nichts über uns. Wir glauben an den Dialog. Aber Dialog heißt doch, man akzeptiert den anderen …“, er zögerte, dann flüsterte er: „… als fast gleich. Wenigstens das: fast gleich. Sonst kriegen wir es nie geregelt.“

Es ist jetzt zwanzig Jahre her, dass ich in Khartum Hassan al-Turabi traf, lange vor 9/11, Irakkrieg und ISIS. Die Informationen über diesen sudanesischen Muslimbruder waren dünn und verwirrend disparat: der erste Promovierte des Landes, der in Paris und London Jura studiert hatte; ein Islamgelehrter, der für Frauenrechte eintrat und die Fatwa gegen Salman Rushdi verurteilte; ein geistiger Mentor der von den USA finanzierten Mudschaheddin; der Theoretiker einer panarabisch-islamischen Internationale; die graue Eminenz des Präsidenten Baschir.

Nachdem sein Büro sechs Tage lang den Termin mit Turabi immer wieder verschoben hatte, war ich am Tag vor meinem Abflug schließlich zu seinem Privathaus im Vorort Hay al-Amariyya gefahren. Ein unbewaffneter Türsteher nahm meine Karte, und verschmitzt lächelnd wie im Orient-Klischee begrüßte mich Turabi.

„Sechs Tage hat man Sie warten lassen? Sie hätten eher hierherkommen sollen.“ Und dann verstrickte er mich – Kollegen hatten mich gewarnt – in einen windungsreichen Grundkurs: über die notwendige Historisierung des Koran; über eine islamische soziale Marktwirtschaft „ohne Atheismus, ohne Zinsen und mit intakten Familien“; über die Rolle der Religion bei der Entstehung des Kapitalismus.

„Ja, wir sind rückständig. Wir brauchen die Herausforderung, aber wie wollen Sie denn in einem gläubigen Volk mit 120 Stämmen und noch mehr Sprachen anders als mit Religion Arbeitsmoral und Lesen verbreiten, wie Nationen bauen? Die einzige Modernität, die wir kennen, ist der Islam“.

Quelle: TAZ >>>>>  weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Author bbbsheep from singa-po

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Trauer in einem Dorf am Nil

Erstellt von DL-Redaktion am 26. November 2015

Beerdigung eines Pariser Anschlagsopfers

Trauer in einem Dorf am Nil

Verwandte und Nachbarn trauern in Ägypten um einen in Paris erschossenen jungen Mann. Die Trauer kennt keine Grenzen in der globalisierten Welt.

von Karim El-Gawhary

Es ist ein emotional hoch aufgeladener Moment, als nachts ums zwei mehrere tausend Bewohner durch das ägyptische Dorf Bana Abu Nuseir ziehen. „Der Märtyrer ist der Freund Allahs“, rufen sie und legen das islamische Glaubensbekenntnis nach: „Es gibt nur einen Gott und Mohammed ist sein Prophet.“

Viele Bärtige sind unter den Männern, die meisten mit Galabijas, langen Beinkleidern. Die Frauen stehen in den Türeingängen, alle tragen ein Kopftuch, manche haben ihr Gesicht gar ganz verschleiert. Ein junger Mann fällt in Ohnmacht, er wird davongetragen. Und wieder rufen sie es, fast schon hysterisch: „Es gibt nur einen Gott.“ Und wieder skandieren sie die Liebe Gottes zu den Märtyrern.

Die französische Hauptstadt ist weit entfernt, die Pyramiden näher als der Eiffelturm. Und dennoch geht es hier, mitten in der Nacht unter dem zunehmenden Halbmond über dem Nildelta, um die Anschläge von Paris. Aber das ist keine Demonstration, um jene Terroristen als Märtyrer zu feiern, die in Paris, laut eigener Behauptung, im Namen der Religion gemordet haben. Hier wird einem der Opfer von Paris bei einem islamischen Begräbnis die letzte Ehre erwiesen.

Am Abend war die Leiche Saleh El-Gebalis in seinem Heimatort angekommen. Nachdem sie die Pariser Behörden endlich freigegeben haben, ging es mit dem Flugzeug nach Kairo und von dort weiter mit dem Autokorso nach Bana Abu Nuseir, einem 20.000-Seelen-Ort, der drei Autostunden über holprige Wege nördlich der ägyptischen Hauptstadt liegt.

Der 28-jährige Saleh war in Paris einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. „Er war von einem tunesischen Freund ins ‚La Belle Equipe‘ zum Essen eingeladen worden, jenem Restaurant, an dem die Attentäter 19 Menschen erschossen haben“, erzählt Mahmud El-Naggar. Der Schwager Salehs arbeitet ebenfalls in Paris und war bei der Überführung der Leiche dabei. Saleh habe mit dem Tunesier und einem marokkanischen Freund zusammengesessen, als die Schießerei losging. „Der Marokkaner bekam einen Schuss ins Bein ab. Der Tunesier hatte zwei Kugeln im Körper. Beide überlebten. Saleh war gleich als Erster tödlich getroffen worden, bevor die anderen losliefen. Ich habe das alles von seinem marokkanischen Freund erfahren“, erzählt Mahmud.

„Ich möchte den europäischen Lesern sagen, die, die das getan haben, dürfen sich nicht Muslime nennen oder den Namen ihrer Religion missbrauchen“, sagt Schaker Gebali nach der Beerdigung. Dem Cousin des Toten stehen die Tränen in den Augen. „Das müssen die Europäer unbedingt wissen. Wir haben einen der besten und wertvollsten Menschen in unserem Dorf verloren und er war Muslim“, betont er.

„Dieser Terrorakt hat nichts mit Islam zu tun“

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Fotoquelle: Wikioedia – Urheber Al Jazeera English — / — CC BY-SA 2.0

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Phantom „Generation Allah“

Erstellt von DL-Redaktion am 25. November 2015

Phantom „Generation Allah“

Viele befürchten, dass junge Flüchtlinge aus dem Irak oder Syrien von hiesigen Salafisten rekrutiert werden. Die Fakten sprechen dagegen.

von Michael Kiefer

Viel ist in den vergangenen Wochen diskutiert worden über die gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen und die damit verbundenen Probleme und Gefahren. Wie nicht anders zu erwarten, ging es dabei auch um den Islam und Gefährdungen, die möglicherweise von Islamisten ausgehen. Zwei Szenarien standen im Vordergrund.

Das erste Szenario geht davon aus, dass mit den Flüchtlingen aus Syrien und Irak einige hartgesottene Terroristen des „Islamischen Staates“ (IS) nach Deutschland oder Westeuropa einsickern könnten. Genau dies scheint sich nun bei den verheerenden Pariser Anschlägen zu bestätigen. Das zweite Szenario sieht indirekte Gefahr.

Im Mittelpunkt steht die Befürchtung, Muslime aus den Bürgerkriegsgebieten, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, könnten ein fruchtbares Rekrutierungsfeld darstellen für hiesige gewaltbereite Salafisten.

Ein prominenter Vertreter des zweiten Szenarios ist aktuell der ehemalige EKD-Vorsitzende Wolfgang Huber. Seine Befürchtungen konnte man unlängst in der Süddeutschen Zeitung nachlesen. Huber fürchtet um die gelebte religiöse Pluralität in unserem Land und mahnt, man könne nicht alle Haltungen hinnehmen, für die der Islam in Anspruch genommen werde. Besondere Sorge bereitet ihm die „Generation Allah“, die durch junge muslimische Flüchtlinge Zuwachs erhalten könnte.

Negativ besetztes Schlagwort

„Generation Allah“ – das ist ein neues Schlagwort, mit dem in den Feuilletons junge Muslime per Fremdzuschreibung in einem Kollektiv negativ vergemeinschaftet werden. Eine angeblich wachsende Problemgruppe, die – so die These – Anschluss finden könne an gefährliche Salafisten, die den Dschihad in Syrien, im Irak und andernorts befeuern.

Seinen Ursprung findet dieses Konstrukt in der Schrift „Generation Allah. Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen“, die der Psychologe Ahmat Mansour vor kurzem vorgestellt hat. Neben vielen richtigen Beobachtungen findet man dort die sogenannte Generation Allah, die ein wesentlicher Teil der „Radikalen“ sei. Mansour beschreibt eine Pyramidenstruktur mit drei Gruppen.

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Fotoquelle – Wikipedia – Urheber ActuaLitté — / — CC BY-SA 2.0

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Die unbarmherzigen Vier

Erstellt von DL-Redaktion am 12. September 2015

Polen will keine Flüchtlinge. Die Hartherzigkeit des katholischen Landes hat auch mit der Homogenität der Bevölkerung nach 1945 zu tun.

von Adam Krzeminsky

Die Rede des Kommissionspräsidenten zur Flüchtlingswelle empörte die polnische Rechte: „Junckers Erpressung“, titelte die nationalkatholische Zeitung Nasz Dziennik auf der ersten Seite. Im Blatt kritisierte Exdiplomat Witold Waszczykowski Junckers Hinweis, dass etwa 20 Millionen Menschen polnischer Abstammung im Ausland lebten. Dieser Vergleich sei unangebracht, weil Juncker „der deutschen Zivilisation angehört“, die jahrhundertelang das ihre dazu beigetragen habe, dass Polen emigrieren mussten.

Sie hätten hart gearbeitet und ihre Ankunftsländer nicht nach ihrem Gusto umkrempeln wollen, während die Muslime Assimilation ablehnten und „Klein-Syrien“ oder „Klein-Libyen“ errichten wollen, „wie es in Frankreich der Fall“ sei. Waszczykowski, der außenpolitischer Experte der Kaczyński-Partei „Recht und Gerechtigkeit“ ist, will sogar in Fernsehberichten gesehen haben, wie Flüchtlinge Verpflegungspakete ablehnten, weil sie vom Roten Kreuz verteilt wurden.

Die Debatte um den Ansturm der Flüchtlinge in die EU erwischt Polen aus mehreren Gründen auf dem falschen Fuß.

Zum einen sind am 25. Oktober Parlamentswahlen. Die nationalkonservative Opposition befindet sich nach den gewonnenen Präsidentenwahlen vom Mai im Aufwind und verweigert jegliche Zusammenarbeit mit der liberalkonservativen Regierung.

Schlechtes Timing

Die Flüchtlinge sind mittlerweile zum Hauptthema des Wahlkampfes geworden. Beata Szydło, die Spitzenkandidatin von „Recht und Gerechtigkeit“, greift die Argumentation des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán auf und sagt: „Dies ist ein deutsches Problem.“ In konservativen Kreisen beklagt man, dass Berlin nach eigenem Gutdünken Dinge entscheide, die andere beträfen.

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber photog_at from Österreich

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Angst müssen Seele nicht aufessen

Erstellt von DL-Redaktion am 10. September 2015

[youtube xCdMvJaMCj8]

Angela Merkel ist nicht bekannt für die klare Rede. Sie bezieht selten Position. Und selten bleibt ein Satz Erinnerung. Aber in der vergangenen Woche, da ließ sie es an Deutlichkeit nicht fehlen.

von Jakob Augstein

Es ging um die Angst vor der Islamisierung und die Bundeskanzlerin schrieb uns allen eine Lektion der Vernunft ins Stammbuch – die sollte jeder beherzigen, dem die Furcht vor den Fremden die Sinne benebelt. Denn, in Abwandlung des Fassbinder-Titels: Angst müssen Seele nicht aufessen!

Die Kanzlerin war in Bern. Sie nahm dort einen Ehrendoktortitel in Emfpang. Danach gab es die Gelegenheit Fragen zu stellen. Eine Zuhörerin sagte, mit den Flüchtlingen kämen lauter Muslime nach Europa und es herrsche eine große Angst vor der Islamisierung. Sie fragte die deutsche Bundeskanzlerin: „Wie wollen Sie Europa in dieser Hinsicht und unsere Kultur schützen?“ (Sehen Sie hier das Originalvideo vom SRF: Merkel über die Angst vor einer Islamisierung)

Angst ums Abendland? Selber Schuld. So formulierte die Kanzlerin ihre Antwort nicht. Aber das war die Botschaft.

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Im Land der sechs Staatsreligionen

Erstellt von DL-Redaktion am 29. August 2015

Im Land der sechs Staatsreligionen

Muslime, Christen und Buddhisten sprechen über ihr Indonesien

von Daniele Godor

Später Nachmittag in Jakarta. In diesem Ungetüm von Stadt bewegt man sich am besten motorisiert, obwohl Jakarta im Verkehr zu ersticken droht. Zu groß, zu staubig, zu heiß und zu schmutzig zum Spazieren ist diese Stadt, und wie jeden Tag verdeckt eine dichte Glocke aus Smog und Rauch den Himmel: Die Sonne, wie hinter Milchglas, wirft kaum einen Schatten. Ich bin auf dem Weg zu Waja, der in eine katholische Familie hineingeboren wurde, dann zum Buddhismus übertrat und sich schließlich für den Islam entschied. Im Stau in den endlosen Fluchten der mehrstöckigen Highways tauchen gigantische LED-Werbetafeln den Gegenverkehr in immer neues Licht. Glitzernde Wolkenkratzer ragen in den trüben Himmel, während am Boden Händler in wackligen Wellblechbuden Wasser, Zeitungen und holzgeschnitzte Souvenirs feilbieten.

Am 17. August dieses Jahres feiert Indone­sien den 70. Jahrestag seiner Unabhängigkeitserklärung und die Verabschiedung des demokratischen Grundgesetzes (Undang-Undang Dasar Negara Republik Indonesia, UUD) von 1945. Es ist ein Land der Superlative und der Gegensätze: Großer Reichtum wechselt sich hier mit entwaffnender Armut ab. Mit 250 Millionen Einwohnern auf etwa 18 000 Inseln ist Indonesien nicht nur der größte Inselstaat der Welt – es ist mit 200 Millionen Muslimen auch das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung und die nach der Einwohnerzahl zweitgrößte Demokratie außerhalb der westlichen Hemisphäre (nach Indien).

Obwohl sich 87 Prozent der Bevölkerung zum Islam bekennen, ist der Islam keineswegs die einzige Staatsreligion. Gemäß der Pancasila, den von Staatsgründer Sukarno aufgestellten Prinzipien , hat Indonesien gleich sechs gleichgestellte Staatsreligionen. Fast jeder Bürger bekennt sich zu einer von ihnen: Islam (87,1 Prozent), Protestantismus (6,96), Katholizismus (2,91), Hinduismus (1,69), Buddhismus (0,72) oder Konfuzianismus (0,05). Die Religionszugehörigkeit wird im Personalausweis vermerkt, und wer Atheist ist oder einer der vielen ethnischen Religionen angehört (es gibt über 300 Ethnien in Indonesien), wählt pro forma eine der anerkannten Religionen oder lässt die Spalte leer. Dieser Versuch, den Pluralismus der Religionen auch verfassungsmäßig zu gewährleisten, bleibt allerdings auf die sechs ausgewählten beschränkt. Zwar kann sich jeder den Glauben aussuchen, der ihm am besten passt – nur eben nicht im Personalausweis.

In den letzten Jahren haben Nachrichten von religiös motivierten Anschlägen und Morden an Christen und muslimischen Minderheiten (wie der Ahmadiyya-Sekte) durch militante islamistische Gruppen immer wieder den Eindruck vermittelt, das pluralistische System funktioniere nicht mehr. Jakarta aber erscheint auf den ersten Blick weltoffen und nicht so, wie man sich die Hauptstadt eines Landes vorstellt, in dem solche Dinge passieren. Am Straßenrand verkaufen Steinmetze Jesus- und Buddhafiguren. Warungs (Imbissstände) bieten Spieße aus Schweinefleisch an. Die Leuchtreklame der Bank Ganesha und die Taxis, die drei kleine buddhistische Stupas anstelle des normalen Taxi-Leuchtdreiecks auf dem Dach haben, sind allgegenwärtig. Kopftücher oder gar Burkas hingegen sind selten bis gar nicht zu sehen. Und der Bürgermeister der Stadt, Basuki Tjahaja Purnama, genannt „Ahok“, ist chinesischer Herkunft – und außerdem Christ.

Waja lebt mit seiner vierköpfigen Familie in zwei engen Zimmern. Darin enthalten eine Koch- und eine Betnische, an deren speckiger Wand mit Klebestreifen Bilder von islamischen Geistlichen und ein paar Auszüge aus dem Koran angebracht sind. „Christen und Muslime werden bei uns absolut gleich behandelt“, sagt Waja. Der religiöse Fanatismus, von dem berichtet wird, sei eine Rand­erscheinung. Zum ersten Mal fällt der Name FPI (Front Pembela Islam, Front zur Verteidigung des Islam), eine Gruppe von „Fanatikern“, mit denen er „nichts zu tun haben möchte“. „Meine Religion ist die deine, deine Religion ist die meine“, zitiert Waja aus der 109. Sure des Koran und fügt hinzu: „Man kann doch niemandem vorschreiben, was er glauben soll.“ Seine katholische Familie sieht das anders: Als er sich für den Islam entschied, zwangen ihn seine Geschwister, vor der Mutter niederzuknien und sie um Verzeihung zu bitten. Dann will Waja mir etwas zeigen.

Die Gassen rund um die Wohnung sind stockduster und so eng, dass kaum ein Mann hindurchpasst. Hier und da ein Glimmen im Dunkeln: stumme, hockende Männer, die Kretek rauchen, Zigaretten mit fein gehackten Gewürznelken. Zwei Straßen weiter leuchtet, eingerahmt von Wohnhäusern, ein kleiner buddhistischer Tempel. „Die Statuen hier“, sagt Waja, „pflege ich.“ In diesem Augenblick erklingt der Gesang eines Muezzins aus einem Lautsprecher. Innerhalb weniger Sekunden folgen unzählige weitere, und plötzlich liegt die Stadt unter einem gewaltigen Klangteppich, der an das Geheul von Luftschutzsirenen erinnert. Zeit für das Abendgebet. Das Interview ist vorbei.

Ahok ist Bürgermeister von Jakarta, Chinese und Christ

Quelle: le monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Asyl nur für Christen?

Erstellt von DL-Redaktion am 23. August 2015

Wie Rechtspopulisten den Diskurs über Einwanderungen in Europa verändert haben

Überall in Europa machen Populisten Stimmung gegen Muslime und wollen ihnen Grundrechte verweigern. Oft übernehmen Regierungen die Parolen.

von Daniel Bax

Mit der Ankündigung, ausschließlich christliche Flüchtlinge aufnehmen zu wollen, machte die Slowakei in diesen Tagen auf sich aufmerksam. Es gebe bei ihnen gar keine Moscheen, wie sollten sich Muslime da wohlfühlen? Mit diesem Argument begründete ein Sprecher des Innenministeriums in Bratislava gegenüber der BBC die Haltung seines Landes.

Das war kein Ausrutscher, denn auch der slowakische Ministerpräsident Robert Fico und sein Innenminister Robert Kaliňák – beides Sozialdemokraten – hatten zuvor schon den Standpunkt vertreten, lediglich christliche Familien aus Syrien aufnehmen zu wollen. Nach einem Rüffel aus Brüssel ruderte die Regierung in Bratislava aber zurück und wollte es doch nicht so diskriminierend gemeint haben.

Dabei steht die Slowakei mit ihrer Haltung nicht allein. Auch andere osteuropäische Länder haben in den letzten Monaten klar gemacht, dass ihnen muslimische Flüchtlinge nicht recht sind. Polens Ministerpräsidentin Ewa Kopacz kündigte im Juni 2015 an, langfristig 150 christliche Familien aus Syrien aufnehmen, aber sonst keine anderen Verpflichtungen übernehmen zu wollen. Tschechiens umstrittener Präsident Miloš Zeman ließ verlauten, er wolle lieber Flüchtlinge aus der Ukraine als solche aus Afrika und dem Nahen Osten aufnehmen.

Er hält, wie Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán, Muslime für nicht integrierbar und für ein Sicherheitsrisiko und suggeriert, mit Flüchtlingen aus dem Irak, Afghanistan und Syrien steige die Gefahr eines Terroranschlags. Als die Staats- und Regierungschefs der EU jüngst über eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge in Europa verhandelten, waren sich die Regierungen insbesondere Osteuropas deshalb in einem Punkt völlig einig: möglichst keine Flüchtlinge aufnehmen, und bloß keine muslimischen!

Lieber Christen, vor allem keine Muslime

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Jesus+Gysi in der Linken?

Erstellt von IE am 23. Juli 2015

So begab es sich zu jener Zeit das Wahlen ausgeschrieben wurden und DIE LINKE Delegierte benötigte, welche die Reihenfolge auf die Wahllisten festzulegen hatten. Folgerichtig wurden sie von ihren Splittergruppen ausgesandt, die ihrigen Horden zusammenzutreiben, zu zählen und zu trennen, je nach Geschlecht, Alter und ihrer Glaubensbereitschaft. Quer durch alle Bundesländer, Kreise und Heimatverbände, oder die, für welche sie sich für zuständig hielten.

Benötigten sie doch Delegierten WählerInnen die jenen, welche da glaubten mit Hilfe ihrer Finger bis zehn zählen zu können, auch ihre Stimmen gaben. Um diese dann so Erwählten, von den Plagen des Alltags zu befreien, so dass sie die Sorglos – Hängematten welche die Steuerzahler für sie ausspannten, füllen würden. Natürlich nur von ihnen, den Besten der Allerbesten. So schwärmten sie also aus, den Heuschrecken gleich, in alle Himmelrichtungen und einverleibten sich alles, was vor ihre gefräßigen Mäulern geriet.

Unter der zur Hilfenahme von Mobbing, Rufmord, Betrügereien, Manipulationen und vielen anderen kriminellen Machenschaften mehr zogen sie aus, die Engels, Bonner, Schumacher, Blocks und Remmers, mit vielen anderen mehr, stets dem Motto folgend: „Den Dümmsten gebühren die Stimmen – den größten Idioten die Macht.“ Sie bemühten und korrumpierten die HohepriesterInnen der innerparteilichen Gerichte einer Partei, auf derer Mitgliedschaft nur sie einen berechtigten Anspruch erheben durften.

Viele weitere „höchst kritische Mitglieder“ folgten darauf den Ausgeschlossen, da auch sie bis heute wie Aussätzige in einer Linken Partei behandelt werden. Sie verließen in großen Scharen das Haus der Philister und Pharisäer in welchem sich diese, in der Folge mit Antisemiten und konservativen Marxisten, Sozialisten oder Kommunisten die Türklinke gegenseitig in die Hände drückten. Überwiegend  westdeutsche Arbeitsscheue Sektenmitglieder welche schon von ihren Ur, Ur, Müttern und Vätern etwas über Lenin, Stalin oder Marx erzählt bekamen, ohne aber je persönliche Erfahrungen mit den dortigen Regimen gemacht zu haben. Kritiklos nachplappernde Hohlköpfe also meistens.

Wenn Gysi also heute glaubt das Jesus als Kritiker Mitglied in der Linken wäre, muss das entschieden in Abrede gestellt werden, da dieser als allererstes den eigenen  Stall ausgemistet hätte. Genau die Laumeier also, welche aus Eigennutz und Egoismus andere gnadenlos aussortierten, auf die Straße gejagt hätte. Gerade so wie er es laut Überlieferung vor 2000 Jahren in (seinen) Tempeln machte. Dieses zuzulassen dazu war DIE LINKE auch mit Gysi nie bereit.  Und so ist es unvorstellbar dass heute kritische BürgerInnen in egal welch einer, wie und wo auch immer verorteten  Partei Mitglied sein könnten, da diese das System als solches zuerst in Frage stellen.

Gysi: Jesus Christus wäre heute in der Partei „Die Linke“

Jesus wäre heute wahrscheinlich ein höchst kritisches Mitglied der Partei „Die Linke“. Das sagte deren Vorsitzender der Bundestagsfraktion, Gregor Gysi (Berlin), dem Arbeitskreis Christlicher Publizisten (ACP) in einen Interview auf die Frage, wie er die Persönlichkeit von Jesus bewertet. Der konfessionslose Oppositionsführer nannte Religionsgemeinschaften wichtig, „weil sie allein zurzeit in der Lage sind, allgemein verbindlich Moralnormen zu kreieren“. Kirchen müsse es geben, solange Menschen sie benötigten, und er könne sich keine Zeit vorstellen, in der dies nicht der Fall sei. Reformbedarf sieht Gysi beim deutschen Kirchensteuersystem:

Quelle: idea

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Fotoquelle – Wikipedia – Urheber TRIALON/Kläber

Quelle http://archiv2007.sozialisten.de/service/download/fotos/gysi/index.htm

Anmerkung der Redaktion: Immer häufiger stoßen wir im Internet auf kostenpflichtige Artikel. Wir möchten nicht dazu animieren diese Artikel auch zu kaufen. Oftmals reicht die Überschrift bereits aus,  einen entsprechenden Artikel zu konstruieren.

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Deutscher Islam

Erstellt von DL-Redaktion am 26. Juni 2015

Cristal Mosque in Kuala Terengganu-Malaysia

Über Konvertiten, Wechselkurse und vergessene Zeitgeschichte

Schlagloch von Charlotte Wiedemann

Konvertit – das Wort hat einen metallischen Klang. Bei der Konversion von Rüstungsgütern ist das künftige Produkt friedlicher; beim Menschen scheint es umgekehrt, da wird die Pflugschar zum Schwert. Wer heutzutage zum Islam konvertiert, gilt als potenzielle Bombe.

In den Büchern über die Kolonial- und Missionsgeschichte Afrikas finden wir eine andere Formulierung: Sie nahmen das Christentum an. Ein schöner Ausdruck; da schwingt die Freiheit der Entscheidung mit – Religion als eine Einladung, die sich annehmen oder ablehnen lässt. (Als wär’s so unblutig zugegangen.) Dass die weiße Geschichtsschreibung in diesem Fall nicht von Konversion spricht, hat natürlich einen Grund: die Verachtung der älteren Glaubenssysteme Afrikas. Sie waren Naturzustand, Heidentum, nicht „Religion“ genug, um einen Wechselkurs zu besitzen.

Der Mensch als Abbild Gottes

Unter Muslimen ist es gleichfalls üblich, von der „Annahme des Islam“ zu sprechen. Nach islamischer Auffassung wird jeder Mensch als Muslim geboren – das ist die weite Definition von Muslim-Sein: der Mensch als Abbild Gottes, ohne Erbsünden-Konstrukt. Den Islam bewusst anzunehmen, ist dann eine bloße „Bezeugung“ mit wenigen Worten, keine Umwandlung.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber http://www.flickr.com/photos/emrank/

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Mit Feuer und Sepp

Erstellt von DL-Redaktion am 29. Mai 2015

Der perfekte Ttrikottausch

FIFA-FORSCHUNG Wie man Joseph Blatter doch noch loswird

Von Michael Ringel

Heute wird der mächtige Führer des größten Sports aller Zeiten, Joseph „Sepp“ Blatter, für weitere fünf Jahre an die Spitze seines geliebten Weltfußballverbandes gewählt – egal ob die halbe Fifa-Führung verhaftet wird oder nicht. Sepp Blatter ist und bleibt sakrosankt. Gern wiederholen wir deshalb hier unseren Lieblingswitz: „Was ist der Unterschied zwischen Gott und Sepp Blatter? Gott hält sich nicht für Blatter.“

Noch immer glauben Romantiker, dass das Gute irgendwann siegen und dass der finstere Fürst der Fifa verhaftet wird. Das ist allerdings ungefähr so wahrscheinlich, als würden Außerirdische in Zürich landen und den dunklen Lord des Kicks in eine ferne Galaxie entführen. Manch verzweifelter Fußballfreund mahnt sogar schon an, man solle Blatter wie in einer antiken Tragödie meucheln. Doch für Blatters geldgestählten Rücken ist kein Dolch scharf genug, Brutus‘ Stoß würde an ihm abprallen wie eine Wespe am Zürichberg.

Es gibt wahrhaftig nur einen Weg, den Fifa-Tyrannen aus seinem Amt zu befördern – indem man genau dies tut: ihn wegbefördern. Nur wohin? Schließlich ist der Fußball längst zur weltweiten Ersatzreligion geworden, und der heilige Joseph ist ihr selbst ernannter Fußballgott. Was soll es da noch für einen höheren Posten geben für den düsteren Don? Jedenfalls nicht im Vatikan, dafür sitzt Papst Franziskus zu fest im römischen Sattel. Richtig aber ist, dass man Blatter aus dem quasi- in den tatsächlich religiösen Sektor aufsteigen lassen muss. Und wie geschaffen dafür ist der sogenannte Islamische Staat.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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In einem Linken Schulungslager

Erstellt von IE am 7. Mai 2015

An den folgenden Artikel wurde ich erinnert als ich neulich über das Zwergen Programm der LINKEN las und versuchte, mir die LINKEN Leckereien auf meinen Küchentisch liegend plastisch vorzustellen. Kipping oder auch nur den geistigen Schrumpfkopf Blocks in einer Verbindung mit  Leckereien, eine absolute Unmöglichkeit.

Vielmehr wurde ich an ein Agitationslager der LINKEN in Bielefeld erinnert, in der Jugendpädagogik früher wohl auch schon einmal Umerziehungslager genannt. Ein Haus der Jugend, abseits des allgemeinen Geschäftsbetrieb, ähnlich dem eines Lokal zu denen Rentner und Gehbehinderte auf Butterfahrten gelockt werden.  Bielefeld eine Stadt deren Existenz immer wieder angezweifelt wird und in der also folgerichtig der nächste Bundesparteitag der LINKEN ausgerichtet wird. Das lässt Raum für spätere Ausflüchte.

Ja genau dort wurde das hochreißen des linken Arm, mit geschlossener Faust eingeübt, bis zum Exzess wobei die volle Konzentration eines jeden einzelnen benötigt wurde, da mit der rechten Hand zeitgleich, ein rotes Fähnlein geschwenkt werden musste. Ein Vorgang welcher für viele Linke ausgiebig trainiert werden will. Über einen solchen Lehrgang berichtete einige Jahre später ein Lehrer aus Ahlen im Kreis WAF, „dort habe ich echte Solidarität erlebt“. So einfach kann das Leben sein und so groß der Unterschied zwischen Mensch und Lehrer.

„Es war, mit Verlaub gesagt, die Hölle auf Erden!“

von MICHAEL-ANDRÉ WERNER

POLITNAPPING Immer wieder werden mitten in Deutschland ganz gewöhnliche Mitbürger entführt und als Politiker missbraucht

Von der Öffentlichkeit unbeachtet, haben in den letzten Jahren Machenschaften um sich gegriffen, die an Brutalität und Skrupellosigkeit ihresgleichen suchen: Wehrlose Männer werden auf offener Straße niedergeschlagen, betäubt und mit Waffengewalt entführt. In Ausbildungs- und Umerziehungslagern werden sie so lange gequält, indoktriniert und mental umprogrammiert, bis sie als Landes- oder gar Bundespolitiker in Parlamente gewählt oder auf Ministerposten gesetzt werden können.

„Es war ganz schlimm“, sagt jetzt erstmals ein Opfer dieser menschenverachtenden Praktik aus. Markus M. (Name von der Redaktion geändert) wurde von der Straße weg in ein Partei-Schulungslager entführt. „Von der Straße weg“, erklärt er mit leiser Stimme, „ich war gerade auf dem Weg von der Schule nach Hause, da sprach mich ein Mann an und fragte nach der Uhrzeit.“ Dann wurde es dunkel um Markus M. Ein zweiter Mann hatte ihm einen Sack über den Kopf gezogen und zerrte ihn nun in ein mit laufendem Motor wartendes Auto. Markus M. wurde ohnmächtig. „Narkose“, vermutet er, „sie hielten mir ein übel riechendes Tuch vor die Nase …“

Gehirnwäsche ohne Sonne

Als er erneut zu sich kam, fand er sich in einem dunklen Raum wieder, an einem Tisch mit einer einzigen Lampe. Darüber, was dann folgte, kann er selbst heute, nach vielen Jahren, nur schwer sprechen. Es begann mit stundenlangen Verhören, dann folgten Schlafentzug und Gehirnwäsche. „Ich wurde regelrecht umprogrammiert“, berichtet Markus M. Er verlor jegliches Gefühl für Zeit und Moral. Als er nach Monaten zum ersten Mal nach draußen, in den engen Innenhof, gelassen wurde, frische Luft atmete und das gleißende Sonnenlicht sah, weinte er.

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Jan Stubenitzky (Dehio)

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NSA: Parlaments-Theater

Erstellt von Uli Gellermann am 6. Mai 2015

Ich verkaufe meiner Oma Ihr klein Häuschen

Ein Ausschuss heißt Ausschuss, weil er Ausschuss produziert

Autor: U. Gellermann

Datum: 06. Mai 2015

Es beginnt langweilig zu werden: Ja, die Bundesrepublik ist den USA ausgeliefert. Und ja, Frau Merkel ist die Statthalterin der Vereinigte Staaten. Und auch die Merkel-Sprech-Maschine tut es noch: „Abhören von Freunden geht gar nicht.“ Sie hat eine echte Variationsbreite drauf: „Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht“ hat sie schon mal gesagt, auch die brutale Variante: „Abhören von Freunden, das ist inakzeptabel„, kam ihr bei Gelegenheit über die Lippen. Die Merkel lügt wenn sie den Mund aufmacht. Das weiß jeder, sagt aber keiner. Statt dessen läuft eine große parlamentarische Inszenierung auf der Berliner Bühne. Ein Kasperle-Theater, das sich als Drama ausgibt.

Kasper Gabriel hängt sich aus dem Guck-Kasten, wedelt mit seiner Pritsche und sagt: Die Merkel-Gretel war´s. Die hat gesagt, dass sie nichts gewusst hat. Hat aber doch was gewusst, ätsch! Kommt der dicke CDU-Polizist, schiebt den Vorhang beiseite und brummt ins Publikum: Liebe Kinder, das Steinmeier-Krokodil hat doch schon damals, als der Schröder noch König war, die deutsche Daten-Demokratie gefressen und als „Memorandum of Agreement“ mit den Amerikanern wieder ausgespuckt. Kreischen im Medien-Publikum: Der Steinie war´s, der Steinie war´s, lag mit der NSA im Gras! Aus dem Hintergrund lispelt die geheime Maaßen-Schlange: Nicht jeder Fehler ist ein Skandal, aber jeder Skandal ist ein Fehler. Also nichts Neues diesseits des Vorhangs. Doch hinter dem Vorhang, bei den sieben Bergen, tagt seit gut einem Jahr der NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages.

Eigentlich sollte der NSA-Ausschuss eine Freilicht-Bühne sein, auf der ein Riese die Hauptrolle spielt. Freilicht der Öffentlichkeit wegen, und Riese weil, glaubt man dem Grundgesetz, das Parlament und seine Ausschüsse das Volk repräsentieren. Doch schon die Regeln des Gremiums scheuen das Licht: Bei den geheimen Teilen der Sitzungen des NSA-Untersuchungsausschusses wird eine Metallkiste aufgestellt. Alle Handys und Tablets müssen dort deponiert werden. Niemand soll was Geheimes an die Öffentlichkeit geben können. Also untersucht der Ausschuss die Geheimnisse der Geheimdienste, aber natürlich geheim. Für einen wirklichen Aufklärer wäre jetzt das Zeichen gegeben: Geh heim! Wenn Du Deinen Wählern nichts mitteilen darfst: Tritt ab. Verlass´ die Potemkinsche Bühne, auf der sechs Vertreter der Regierungsparteien ihre eigenen Lügen untersuchen, während zwei Oppositions-Verteter irgendeine Miene zum schlechten Komödien-Stadl machen sollen.

Doch wer gedacht hätte, die Inszenierung einer Untersuchung könnte nicht noch schlechter werden, sah sich getäuscht: Der Hauptbelastungszeuge, Edward Snowden, wurde zur Untersuchung nicht eingeladen. Der hätte ja was Geheimes erzählen können, das hätten die Angeordneten dann nicht weitergeben dürfen. Und das hätten die Ausschuss-Mitglieder ihren Wählern nicht erzählen dürfen, nein wie peinlich, soll der doch in Russland bleiben. Weil er gemein fand, wie penetrant die links-grüne Minderheit aber doch den Snowden einladen wollte, trat der erste Vorsitzende des Ausschuss, Clemens Binninger, flugs zurück. Obwohl er eine Idealbesetzung war. Denn vorher war er bereits Chef im Untersuchungsausschuss „Terrorgruppe nationalsozialistischer Untergrund“, da konnte er schon mal üben, dass man einen Geheimdienst keinesfalls ernsthaft was fragen darf. Seine ausgewiesenen Nicht-Kenntnisse über die Ku-Klux-Klan-NSU-Connection wären im NSA-Gremium gut zu gebrauchen gewesen, denn auch hier geht es um eine US-Verbindung, die niemand so genau kennen darf.

Als dann der Binninger-Nachfolger, Roderich Kiesewetter, aus dem Ausschuss zurücktrat, weil der BND beim Reservistenverbande der Bundeswehr gespitzelt hatte – dem Kiesewetter als Präsident vorsteht – wäre es spätestens an der Zeit gewesen den Ausschuss platzen zu lassen. Aber dessen Mitglieder müssen diese Wendung als dramaturgische Zuspitzung der Inszenierung begriffen haben: Wenn der BND-Untersucher selbst vom BND untersucht wird, dann ist das doch brüllend komisch! Seit Charleys Tante hat es solch eine bekloppte Verwechselungskomödie nicht mehr gegeben. Der Geheimdienst guckt dem Geheimausschuss heimlich in die Unterwäsche, und der soll ihn später von allen Vorwürfen reinwaschen. Längst war der BND-Verbindungsmann aus dem Kanzleramt, Guido Müller, zum BND als Vize-Chef gewechselt. Wahrscheinlich weil er jetzt als Geheimnisträger nichts mehr zu Wahrheitsfindung beitragen darf. Der ehemalige Kanzleramts-Chef Ronald Pofalla wurde zur Sicherheit bei der Deutschen Bahn deponiert. Und man darf sicher sein: Bei dieser Abfindungs-Summe wird der nie das Maul aufmachen. Einmal war es im Ausschuss wirklich originell: Der Brigadegeneral Dr. Dieter Urmann, Leiter der Technischen Aufklärung des BND, berichtet, dass manchen Operationen nur händisch, in anderen Fällen maschinell – mit zusätzlichen manuellen Stichproben – durchgeführt wurden. Dass dabei etwas durchrutschte, was nicht durchrutschen durfte, sei nicht auszuschließen. So ist es: Das ganze Leben ist eine Rutschbahn: Der Aufstieg ist schwer, danach glitscht alles wie von selbst.

Noch immer tagt der Ausschuss. Obwohl das Publikum der Aufführung langsam müde ist. Denn offenkundig heißt ein Ausschuss deshalb Ausschuss, weil er Ausschuss produziert. Ein ordentliches Schlusswort wurde schon vor Monaten von unserem allseits verehrten Herrn Bundespräsidenten formuliert: „Dann ist ja nun wirklich zu sagen: Jetzt reicht’s auch einmal.“ Für ein spritziges Ende der Scharade sollte Kermit, der Frosch aus der Muppet-Show, auf die Bühne geholt werden, den Gauck-Satz aufsagen und mit seinem legendären Spruch das Publikum auffordern: „Applaus! Applaus!! Applaus!!!“


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Bestien wie wir

Erstellt von DL-Redaktion am 21. März 2015

GLAUBENSKRIEGER Sie verbrennen Menschen. Sie zerschlagen die Schätze unserer Kultur. Die Kämpfer des „Islamischen Staates“ erscheinen als Barbaren. Unsere Reporterin hat in Syrien viele Dschihadisten getroffen. Sie beschreibt eine Truppe aus Fundamentalisten, Mitläufern und Abenteurern

VON FRANCESCA BORRI

Die letzte Front, von der ich berichtet habe, war Kobani, die belagerte Stadt an der Grenze zur Türkei. Das war Ende des vergangenen Jahres. Die Dschihadisten waren da. Nur wenige Meter entfernt. Am nächsten kam ich allerdings nur einer Leiche: Ich sah sie durch das Visier eines Scharfschützengewehrs.

Ich verfolgte die Kämpfe jeden Tag von der türkischen Grenze aus. Ich kam mir nicht nur vor wie auf einem Hügel, sondern auch wie in einer Metapher. Wie in dem Bild des Fotografen Bulent Kilic. Es zeigt einen Luftangriff, eine Explosion, und einen Dschihadisten, der davonläuft, ein winzig kleiner Dschihadist. Kilic nahm das Foto mit einem gigantischen Teleobjektiv auf. Seit immer wieder Reporter entführt werden, haben wir keine andere Möglichkeit. Wir können nur aus der Ferne zusehen. Und aus der Ferne sind die Dschihadisten schwarze Silhouetten.

Wir sind seit vier Jahren hier. Das Einzige, was sich geändert hat: Wir berichten nicht mehr nur über Syrien, sondern auch über den Irak. Der IS war für uns nichts Neues. Er war Teil einer Entwicklung. Jedes Mal, wenn wir wieder nach Aleppo kamen, hatten sich die Bad Guys von früher in die Good Guys von heute verwandelt, weil eine noch extremere Extremistengruppe aufgetaucht war.

Zu Beginn des Jahres 2013 hatten wir alle Angst vor der Ahrar al-Scham, der ersten Dschihadistengruppe. Im Frühjahr dann verteidigte uns die Ahrar al-Scham schon vor der Al-Nusra-Front – die uns wenig später vor dem IS schützen sollte.

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Bernd Schwabe in Hannover

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Die Barbaren sind unter uns

Erstellt von DL-Redaktion am 28. Februar 2015

von Johano Strasser

Vor siebzig Jahren wurden die wenigen Überlebenden von Auschwitz von den vorrückenden russischen Truppen befreit. Der 27. Januar ist seitdem ins Gedächtnis der Welt eingebrannt als der Tag, da die Nazi-Verbrechen in ihrer ganzen Ungeheuerlichkeit zu Tage traten. Seitdem hat die Welt, haben auch die Deutschen selbst nicht aufgehört, die Frage zu stellen, wie es möglich war, dass ein zivilisiertes Volk, das sich selbst gern als „Volk der Dichter und Denker“ betitelte, in eine solch unvorstellbare Barbarei absinken konnte.

Norbert Elias hat in seinem einflussreichen Werk „Über den Prozess der Zivilisation“ die Herausbildung des modernen zivilisierten Individuums als eine Konsequenz sozialstruktureller Veränderungen beschrieben. In dem Maße, in dem die Interdependenzketten, in die die Menschen eingebunden sind, mit der Zeit enger werden, so Elias, werden die Menschen selbst zu größerer Affektkontrolle und Selbstdisziplin gezwungen. Immer seltener können sie es sich leisten, ihrem ersten emotionalen Impuls zu folgen, immer häufiger sehen sie sich gezwungen, über mögliche Handlungsfolgen nachzudenken, bevor sie handeln. Auf diese Weise werden gesellschaftliche Normen, werden Abhängigkeits- und Herrschaftsverhältnisse als Formen der Selbstbeherrschung im Über-Ich verankert. Aus ‚Wilden’ werden ‚zivilisierte’ Menschen.

So weit die Theorie. Dass sie für die Entwicklung Europas vom Mittelalter bis in die Moderne eine gewisse Plausibilität hat, wird kaum jemand bestreiten, auch wenn der eine oder andere vielleicht einwenden wird, dass die Europäer des Mittelalters keineswegs unzivilisierte Wilde waren, ein Einwand, der weniger Elias als meine verkürzte Darstellung trifft. Aber ist dieser Prozess der Zivilisation wirklich auch ein Fortschrittsprozess, an dessen Ende die Menschen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit umgänglicher, friedlicher und weniger gewalttätig, kurz: im normativen Sinn zivilisierter sind? Ist ein solcher Prozess der Zivilisation tatsächlich eine halbwegs zuverlässige Versicherung gegen Unmenschlichkeit und Barbarei?

Die Unterscheidung von Zivilisation und Barbarei haben wir von den antiken Griechen übernommen. Wenn die gebildeten und zivilisierten griechischen Polisbürger des sechsten und fünften vorchristlichen Jahrhunderts um sich blickten, nahmen sie überall nur Barbaren wahr. Das war übrigens im Europa des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts nicht anders. Das Wort barbarikós oder barbarós bedeutet im Altgriechischen so viel wie fremdsprachig, unverständlich, ausländisch, aber eben auch roh, ungebildet, wild und grausam. Für die alten Griechen waren alle, die nicht ihre Sprache sprachen, auch im pejorativen Sinn Barbaren. Vor allem die Perser, deren Großreich sich östlich des griechischen Siedlungsraums bedrohlich ausdehnte. Die Perser waren zwar objektiv betrachtet nicht nur mächtiger, reicher und gebildeter, sondern auch im Sinne der Eliasschen Theorie zivilisierter als die Griechen. Aber das hielt diese nicht davon ab, auf sie mit Verachtung und Abscheu herabzuschauen.

Dabei dürfen wir annehmen, dass die Gebildeten unter den Griechen Kenntnis davon hatten, dass Kyros II. bereits 539 v. Chr. in Babylon die erste uns bekannte Menschenrechtserklärung verkündet hatte. „Ich verkünde heute“, ließ der Barbar Kyros in einen Tonzylinder ritzen, der noch heute im British Museum in London bewundert werden kann, „dass jeder Mensch frei ist, jede Religion auszuüben, die er möchte, und dort zu leben, wo er möchte, unter der Bedingung, dass er das Besitztum anderer nicht verletzt. Jeder hat das Recht, den Beruf auszuüben, den er möchte, und sein Geld auszugeben, wie er möchte, unter der Bedingung, dass er dabei kein Unrecht begeht. Ich verkünde, dass jeder Mensch verantwortlich für seine Taten ist und niemals seine Verwandten für seine Vergehen büßen müssen und niemand aus seiner Sippe für das Vergehen eines Verwandten bestraft werden darf. Solange ich mit dem Segen von Mazda herrsche, werde ich nicht zulassen, dass Männer und Frauen als Sklaven gehandelt werden, und ich verpflichte meine Staatsführer, den Handel von Männern und Frauen als Sklaven mit aller Macht zu verhindern. Sklaverei muss auf der ganzen Welt abgeschafft werden!“

Quelle:Blätter >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Mischdichein Auschwitz Birkenau März 2006

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„Den“ Islam gibt es nicht

Erstellt von DL-Redaktion am 29. Januar 2015

Cristal Mosque in Kuala Terengganu-Malaysia

TERROR Die Gleichsetzung von Gesinnungsgegnern und Terroristen hat Tradition – siehe die Diffamierung der Sozialdemokraten in den 70ern

von Rudolf Walther

Wer über Realitäten bloße Selbstverständlichkeiten verbreitet, sich jedoch beflissen mit einem „Aber“ rückversichert, will sich einen Ausweg für klotzige Zumutungen offenhalten. Exemplarisch geschieht dies in den Debatten über „den“ Islam. Die Kanzlerin zeigte Sinn fürs Selbstverständliche, als sie Christian Wulffs Satz wiederholte, „der Islam gehört inzwischen zu Deutschland“. Jetzt könnten sich auch die wertkonservativ-christlich-jüdisch-abendländisch geeichten Abgeordneten in der CDU/CSU mit den Realitäten vertraut machen.

Kaum hatte die Kanzlerin das Selbstverständliche wiederholt, ergänzte sie den nur Triviales berichtenden Satz mit einem „Aber“, mit dem sie ihn zur Hälfte widerrief. Wie vor ihr der Bundestagspräsident Norbert Lammert, fügte sie hinzu: „Aber“ die bloße Erklärung, man dürfe Islam und Islamismus nicht verwechseln, reiche zur Distanzierung von den Mördern nicht aus. Sie verlange deshalb von der „Geistlichkeit des Islams“ Erklärungen dafür, warum sich viele Mörder „für ihre Taten auf den Islam beriefen“, wenn dieser mit dem Islamismus „angeblich“ nichts gemein habe.

Muslime sollen höher springen

Lammert und vor ihm der seichte Comedy-Clown Dieter Nuhr bemühten den biedermännischen „Man-darf-ja wohl-noch-sagen“-Verstand. Dieser leugne ja auch nicht, dass Kreuzzüge und Hexenverbrennungen etwas mit dem Christentum zu tun hätten. Nuhr merkte noch an, „so wie ich mich als Deutscher damit auseinandersetzen muss, was in deutschem Namen passiert ist“, so müssten sich Muslime dem Islamismus stellen (FAZ v. 12. 1. 2015).

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Terror verstehen

Erstellt von DL-Redaktion am 28. Januar 2015

ISLAMISMUS Der Koran hat mit dem islamistischen Terror so viel zu tun wie die Bibel mit Auschwitz. Die Quelle der Gewalt liegt in den realen Verhältnissen

von Michal Bodemann

Im Gegensatz zu Frankreich werden in Deutschland gesellschaftliche Prozesse gern in ein religiöses Idiom umgegossen. Dafür gibt es Vorläufer. Schon zu Zeiten Konrad Adenauers in der frühen Bundesrepublik finden wir eine markante Verschiebung in der politischen Nomenklatur. Die „Verfolgten des Nazi-Regimes“ repräsentierten sich in Ost und West als eine diverse Gruppe von Juden, Kommunisten, Sinti und Roma und anderen Verfolgten. Doch im Milieu des Kalten Krieges und der Rechristianisierung in der Bundesrepublik reduzierte sich der Verfolgtenstatus alsbald auf die jüdischen Opfer.

Ob gewollt oder nicht, waren Juden zwar als rassische Kategorie verfolgt worden, doch in der Adenauerzeit wurden sie nun als „Volk Gottes“, also als eine religiöse Gemeinschaft adressiert. Dieses Muster sollte sich wiederholen.

Türken waren noch Türken

Zur Zeit der „Gastarbeiter“ in den 1960er Jahren und auch später waren Türken in Deutschland: Türken. Erst seit 9/11 und nicht zuletzt auch aufgrund des Regimewechsels in der Türkei hat das religiöse Idiom das ethno-nationale abgelöst. Nun sind Türken Muslime. Diese semantische Verschiebung ist nicht zu unterschätzen. Zuvor konnten sich die Mehrheitsdeutschen im Zusammenhang mit „Türken“ zwar über die PKK und das Kopftuch erregen.

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Eine Cola für den Dschihad

Erstellt von DL-Redaktion am 22. Januar 2015

RADIKAL Auch in Deutschland werben Salafisten um junge Menschen. Die Eltern sind oft überfordert – darum versuchen Beratungsstellen die Jugendlichen aufzufangen. Ein Besuch in Bochum

VON DALIA ANTAR

Ein Mann wartet am Eingang eines Jugendhauses. Eine kleine Gruppe Jugendlicher ist in ein Gespräch vertieft. Sie bemerken nicht, dass er sich ihnen nähert. Der Mann blickt sich um und spricht sie an: „Seid ihr Moslems?“ Die Jugendlichen nicken. „Ihr müsst euch fünf Minuten Zeit nehmen für euren Glauben.“ Der Mann wendet sich den Mädchen zu: „Ihr solltet nicht mehr in das Jugendzentrum gehen, es wäre besser, ihr würdet euch dem Glauben widmen.“ Er reicht ihnen kleine Heftchen, die Jugendlichen lehnen ab, gehen zur Aufsicht des Jugendhauses und melden den Vorfall.

„Beim nächsten Mal stand er mit einer Kiste Cola vor dem Zentrum“, erinnert sich Friederike Müller. Sie ist Geschäftsführerin des Ifak, eines Vereins für multikulturelle Kinder- und Jugendhilfe in Bochum. Die Stadt hat ein Problem. In den Vierteln Querenburg-Hustadt und Stahlhausen breitet sich die Salafistenszene aus. Vor allem Jungen und Mädchen zwischen 13 und 15 Jahren geraten in das Visier radikaler Salafisten, sagt Müller. „Sie wenden sich immer mehr ab und verändern ihr Verhalten.“

Nährboden für Radikale

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Dumme Arroganz Deutscher Politk

Erstellt von IE am 20. Januar 2015

Cristal Mosque in Kuala Terengganu-Malaysia

Es ist schon eine bunte Mischung seltsamer Vögel welche hier von dem Autor aus der Frankfurter Szene Erwähnung findet. Nur bei dieser Auflistung der politischen Realitätsverweigerern sollte der Großteil der Regierung nicht vergessen werden. Auch für diese gilt in fröhlicher Eintracht: Gute Regierungen finden sich dort wo das Geld rollt, und das ausschließlich dort.

Zu viel mehr reicht das Urteilsvermögen dieser Wortführer nicht aus. Glauben diese doch, indem Sie in gepanzerten Fahrzeugen auf Kosten der hiesigen Steuerzahler internationalen Einladungen folgen um sich mit dort überreichten Auszeichnungen zu schmücken welche ihre Egoismen heben sollen, einer zurückgebliebenen Bevölkerung den Lauf der Welt erklären zu können.

Obwohl, zu mehr als ein paar Nächte in einen 6 Sterne Luxushotel und einen Besuch im Präsidentenpalast hat es zumeist nicht gereicht. Der Kontakt zur Bevölkerung wird natürlich sorgfältig vermieden, da von diesen „Gutmenschen“ soviel Schlechtigkeiten verbreitet wurden dass Sie um ihr Leben fürchten müssen. Nicht umsonst ist den  meisten Politikern ein sehr langes Leben beschieden und Sie finden reichlich Muße Ihre unverdiente Pension zu genießen.

So wissen Sie dann natürlich auch über alles zu erzählen. Das zum Beispiel in Muslimischen Ländern die Moscheen meistens nicht in die Nähe der großen Hotels gebaut werden sehen Sie nicht oder wollen es nicht wahrhaben. Möchten doch die Besitzer dieser Hotels ihre Gäste nicht durch den Ruf des Muezzin gestört wissen. Dieser bezahlt doch für gewöhnlich einen hohen recht Preis für die Ruhe.

Auch die Unterschiede zwischen den Muslimen in den verschiedensten Erdteilen kann niemand von diesen Besserwissern  erklären wenn keine persönlichen Kontakte vorhanden sind und dass der teilweise vorhandene Fanatismus überwiegend durch dumm schwätzende Politiker in den dortigen Ländern genauso geschürt wird, wie hier im Land, macht die Sache noch schlimmer. So reichen sich denn Gastgeber und Gast in einträchtiger Verbundenheit die schmutzigen Hände.

Da passt denn der folgende Ausspruch welcher auf die Muslime gemünzt wurde noch besser auf die Politiker unseres Landes wenn wir lesen: „In der Welt der Moscheen herrscht oft noch die Dummheit, die Unwissenheit. Niemals ein Wort der Selbstkritik. Niemals! Die ganze Welt hat unrecht, und wir ruhen uns auf unserer kleinen Wahrheit aus. Das zeigt eine Denkfaulheit, wie sie typisch ist für das Ende großer Dynastien.“ Passt doch wenn wir in Neujahrsansprachen solch dummes Geschwätz hören wie: „Man sollte sich denen (Pegida) nicht anschließen“. Unsere Politiker wissen nicht einmal das sie nicht spalten dürfen und sich neutral zu verhalten haben. Schon damit sind sie überfordert. Aber hier geht es genau um das Spalten als Mittel des Machterhalt.

Auch ein schöner Satz zum Linken Pack: „Die deutsche Linke kann man abhaken, was die Befreiung aus diesen Ketten angeht. Sie, die einst den ersten „Club Voltaire“ in der Bundesrepublik gründete, hatte den Voltaire in sich schon längst begraben.“

Die Linke im Muff von tausend Jahren


Man konnte aus Algerien berichten, was man wollte, die kleine linke Dynastie im Frankfurter Nordend wollte von einem verknöcherten Islam nichts wissen. Sie sagte: Wer den Islam angreift, greift die Muslime an. Ein Weggefährte berichtet.

von Samuel Schirmbeck

Als ich nach den zehn „schwarzen Jahren“ des Terrors aus Algerien nach Frankfurt zurückkehrte, traute ich meinen Ohren nicht. Die 150.000 Toten, die zahllosen, wegen gemischter Klassen abgebrannten Schulen, die Säureattentate auf unbedeckte Frauenbeine, die Enthauptung von Dampfbad-Betreibern, die Zerstörung von Weinregalen per Kalaschnikow-Salve, die Ermordung von Ordensleuten, Schwestern wie Patres, und die Hinrichtung einiger meiner – muslimischen – Freunde hätten mit dem Islam nichts zu tun, belehrten mich meine linken deutschen Freunde, 68er, Gewerkschafter, Grüne, SPD-Mitglieder. Es sei dem islamistischen Untergrund von der „Bewaffneten Islamischen Gruppe“, kurz GIA, nicht um den Islam gegangen, sondern um den Widerstand gegen das korrupte, diktatorische Militärregime, letztlich also um mehr Gerechtigkeit und Demokratie. Mit der Religion habe das alles nichts zu tun. Sie könnten ja meine Traumatisierung verstehen, doch sie verstelle mir den analytischen Blick.

Ich fragte sie: Warum haben die Islamisten dann genau jene Intellektuellen, jene Schriftsteller, Künstler, Theaterleute, Filmemacher und Sänger umgebracht, die gleichfalls allesamt gegen das korrupte Willkürregime gewesen sind? Warum sollten sie das getan haben, wenn es ihnen doch um das „Wohl des Volkes“ gegangen ist? Darauf bekam ich Antworten à la „Das liegt an der geistigen Entwurzelung Algeriens durch den Kolonialismus“, obwohl zum Beispiel der Arzt und Schriftsteller Laadi Flici in seiner Jugend auf Seiten der Aufständischen in der „Schlacht von Algier“ gegen französische Fallschirmjäger gekämpft hatte. Er wurde in seiner Praxis in der heruntergekommenen Kasbah von Algier mit zwei Schüssen niedergestreckt, obwohl er hier den Ärmsten der Armen half.

Kein Aufschrei nach Massaker an Nicht-Muslimen

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Danach

Erstellt von DL-Redaktion am 18. Januar 2015

Trauernde ohne politische Krokodilstränen

FRANKREICH Nach den Morden sucht ein Zeichner einen neuen Titel für „Charlie Hebdo“. Der Autor Tahar Ben Jelloun glaubt, Muslime müssten teuer bezahlen. Eine Frau in Nizza spürt das. Beobachtungen in einem verwundeten Land

AUS PARIS, NIZZA, ROTTERDAM UND BERLIN SABINE SEIFERT, ANNIKA JOERES, TOBIAS MÜLLER, JOHANNES GERNERT UND ASTRID GEISLER

Am Vormittag des 9. Januar geht Rénald Luzier zur Arbeit. Luzier, der zwei Tage zuvor 43 Jahre alt geworden ist, hängt seinen grauen Mantel über eine Stuhllehne, legt seinen Schal ab und setzt sich an einen runden dunklen Konferenztisch. Mit seinen Kollegen diskutiert er über die neue Ausgabe ihres kleinen Satiremagazins. Rénald Luzier trägt die klobige Brille eines Menschen, der viel liest und viel nachdenkt, und er redet wie einer, der beim Nachdenken viele Kurven nimmt. Er muss jetzt viel reden, weil weiter geredet werden muss. Draußen jagen gerade zehntausende Polizisten die beiden Männer, die an seinem Geburtstag acht seiner Freunde und Kollegen erschossen haben.

Er hat ausgeschlafen, er hat überlebt.

In den Großraumbüros im Haus laufen die Bilder der Verfolgungsjagd live über Fernsehschirme. Unten am Eingang drängen sich Fernsehteams, Reporter und Fotografen. Luzier, Zeichnername Luz, ist mit den anderen Überlebenden ins Redaktionsgebäude der Zeitung Libération eingezogen, um die neue Ausgabe von Charlie Hebdo zu produzieren. Die Welt wartet.

Fünf Tage später, am Mittwoch dieser Woche, werden überall in Frankreich schon am frühen Morgen Menschen vor Kiosken Schlange stehen. Die neue Ausgabe von Charlie Hebdo soll erst eine, dann drei, schließlich fünf Millionen mal gedruckt werden. Etliche Zeitungen veröffentlichen das Cover, das Rénald Luzier in den Tagen nach dem Attentat zeichnen wird.

Man kann ihm jetzt beim Arbeiten zusehen. Fast jeden Tag erscheint ein neues Video auf der Internetseite der Libération. Luzier ist früher oft in kleinen Clips aufgetreten, die von den Blödeleien aus der Redaktion von Charlie Hebdo erzählten. Mit Stéphane Charbonnier, seinem Freund Charb, tobt er im Oktober 2011 zwischen Zeitungsregalen herum. Drei Wochen bevor jemand die Redaktion anzündet. Es ist Luz‘ Zeichnung, die damals einen drohenden Mohammed zeigt: 100 Peitschenschläge für alle, die sich über die Ausgabe von Charia Hebdo nicht totlachen. Die Videos stehen alle noch auf der Seite dailymotion.com. Eine angemessen alberne Erinnerung.

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Guillaume from Paris, France

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Die Opferfalle

Erstellt von DL-Redaktion am 17. Januar 2015

Cristal Mosque in Kuala Terengganu-Malaysia

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SCHLAGLOCH VON SARAH ELTANTAWI

Zu Fehlern in der Dschihadismusdebatte unter Muslimen

In der „muslimischen Welt“ gibt es ein gängiges Narrativ, und das geht so: Der Aufstieg des Westens begann im 18. Jahrhundert und dauert seitdem an. Dank der industriellen Revolution konnte er andere Länder kolonialisieren, und auch der Zerfall des Osmanischen Reiches zum Ende des Ersten Weltkrieges spielte ihm in die Hände.

Wir sollten diese Erzählung akzeptieren. Die Geschichte wird nun einmal vom Sieger geschrieben. Und so kann es auch nicht überraschen, dass die Bewertung von Gewalt im Westen häufig selektiv ausfällt. Angriffe auf Bürger durch nichtstaatliche Akteure werden als „Terrorismus“ gelabelt, indessen Tausende oder auch Hunderttausende Tote durch die USA und ihre Alliierten wenn nicht gerechtfertigt, dann doch geschönt werden. In diesem Schema gibt es kein „zu viel“ an „vergeltender“ Gewalt gegenüber „Terroristen“, und keine Aggression würde den Westen je selbst zum Terroristen machen. Überhaupt sieht der Westen sich niemals selbst als ein Aggressor in den Konflikten mit der muslimischen Welt. Diese Unausgewogenheit wird von vielen westlichen Analysten mit der westlichen Überlegenheit hinsichtlich Kultur, Religion oder der Gesetzeslage gerechtfertigt.

Kriminelle sind Kriminelle

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Vom Terror gezeichnet

Erstellt von DL-Redaktion am 16. Januar 2015

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SOLIDARITÄT Wenn es um den Nachdruck der Karikaturen geht, wollen jetzt nicht mehr alle Charlie sein. Das gehört zur Meinungsfreiheit dazu.

von Daniel Bax

Wie schillernd ein Bekenntnis doch sein kann. Als kurz nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris der Slogan „Je suis Charlie“ von so vielen aufgegriffen wurde, da war das ein spontaner Ausdruck der Solidarität mit dem Satireheft, das so brutal angegriffen wurde. Gerade Journalisten und Karikaturisten ging die Ermordung ihrer französischen Kollegen sehr nahe.

Doch die Einigkeit, wie man zu Charlie Hebdo stehen soll, ist spätestens jetzt schon wieder dahin, wo das neue Heft weltweit in Millionenauflage erscheint. Muslimisch geprägte Staaten reagieren darauf mit Kritik und Zensur. Und prominente Medienhäuser selbst in Großbritannien und den USA, etwa die New York Times, zögern, die Karikaturen nachzudrucken, und sehen sich deshalb massiver Kritik ausgesetzt. Jetzt wollen eben nicht mehr alle Charlie sein. Das zu akzeptieren gehört zur Meinungsfreiheit dazu.

Für Zeitungen liegt es zwar nahe, die Karikaturen nachzudrucken, damit sich der interessierte Leser selbst ein Bild machen kann. Eine ganz andere Frage ist aber, ob man sich den Humor von Charlie Hebdo zu eigen machen und seine Karikaturen zu Ikonen der Meinungsfreiheit stilisieren muss. Dass es für Massaker an Karikaturisten oder in jüdischen Supermärkten keinerlei Entschuldigung oder Rechtfertigung gibt, steht völlig außer Frage. Trotzdem kann man mache Zeichnungen aus Charlie Hebdo weiterhin rassistisch, sexistisch oder zumindest ziemlich platt finden.

Der Humor von „Charlie Hebdo“

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Karikaturquelle: Facebook – Charlie Hebdo / Klick oben

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Linke ProphetInnen werden nicht genannt

Erstellt von IE am 11. Januar 2015

* Bild der Prophetin Elisa Radieschen

Ungeheilte Seelen auf dem Wege der Besserung

PATHOLOGIE Endlich ist die Verletzung religiöser Gefühle als medizinisches Krankheitsbild konfessionsübergreifend anerkannt

von Francis Kirps

Lange wurde sie von der Schulmedizin nicht ernstgenommen und zu Phantomschmerzen kleingeredet: die Verletzung religiöser Gefühle. Als wären die unvorstellbaren Schmerzen, die den Alltag der Betroffenen zur Hölle machen, nicht genug der Pein, klagen diese zusätzlich über Missachtung durch eine immer säkularer werdende Ärzteschaft und eine insgesamt gefühlskalte Gesellschaft, die nur Spott und Hohn für den imaginären Freund im Himmel übrighat.

Der bekennende Katholik Benedikt Erzmoser zum Beispiel leidet seit Jahrzehnten an religiöser Überempfindlichkeit. Die Krankheit brach aus, als seine Eltern ihm erzählten, dass der Weihnachtsmann nicht existierte. Ein Schock für den damals 17-Jährigen. Wochenlang lag er weinend im Bett, nur von heißer Schokolade und Enid-Blyton-Lektüre genährt. Zurück ins Leben holte ihn schließlich ein fachkundiger Exorzismus.

Santa Claus ist Gott

Aus der Bibel, die der diensthabende Exorzist ihm schenkte, schöpfte Erzmoser neue Kraft und fand in Gott einen idealen Weihnachtsmannersatz. Doch damit begann sein Leidensweg erst richtig. „Diese immer wiederkehrenden Berichte über pädophile Priester, diese geschmacklosen Witze, die alle Welt sich mit dem Heiland erlaubt, die heillose Aufklärung mit der man täglich konfrontiert wird, verletzten meine zart sprießenden religiösen Gefühle auf das barbarischste“, erzählt uns Erzmoser. „Jede Zeitungslektüre wird zur Folter.“

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* Name aus Sicherheitsgründen von der Redaktion geändert

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Fotoquelle: Wikipedia – Blömke/Kosinsky/Tschöpe

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Der Westen ist nicht bedroht

Erstellt von DL-Redaktion am 31. Dezember 2014

ISLAM Muslime ringen heute mit sich selbst, nicht mit dem Abendland. Wir werden nicht mehr gebraucht – auch nicht als Zielscheibe

VON CHARLOTTE WIEDEMANN

An einem schwarzen Tag in diesem Winter starben 132 pakistanische Kinder bei einem Attentat auf ihre Schule. Zur selben Zeit wurden 15 jemenitische Kinder in ihrem Schulbus Opfer einer Bombe. Von einem Angriff auf den Westen sprach niemand. Nicht einmal westliche Werte ließen sich zitieren, wurden doch an diesem Tag ganz offensichtlich islamische Werte in den Boden gestampft: Fürsorge für Schwache, Kinderliebe, der hohe Rang der Familie.

Nur aufgrund ihrer großen Zahl hatten die toten Kinder einen Nachrichtenwert. Ein Wert, der zivilen muslimischen Opfern gewöhnlich nicht zukommt. So rückte der düstere Dezembertag für einen Moment ins Licht, was sonst unbeachteter Alltag ist: Wo islamisch verbrämter Terror wütet, sterben vor allem Muslime. Anders gesagt: Die Konflikte, Kämpfe und Kriege in der islamischen Welt werden vor allem unter Muslimen ausgetragen – und nicht gegen den Westen oder dessen vermeintliche Statthalter.

Der IS muss herhalten

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Die Verwandlung der Jugend

Erstellt von DL-Redaktion am 30. November 2014

JUGENDKULTUR Wer heute als Teenager richtig provozieren will, wird nicht Punk oder Skin, sondern Salafist. Wie zwei junge Islamisten vom Märtyrertod träumen. Der eine vor dem Rechner, der andere vor Gericht

VON SABINE AM ORDE UND SEBASTIAN KEMPKENS

Das Wort „konvertieren“ hat Gabriel Lehner von einem Fußballkommentator bei einem Spiel des FC Bayern München gelernt. Lehner hatte sich schon länger gewundert, dass Franck Ribéry, der schmale Franzose mit dem buschigen Ziegenbart, vor jedem Anpfiff seine Arme vor die Brust hebt und mit den Handflächen nach oben betet. Ribéry sei Muslim, sagte der Kommentator. Konvertit.

Man kann also die Religion wechseln, vom Christentum zum Islam, verstand Gabriel Lehner damals vor dem Fernseher. Heute, kaum zwei Jahre später, ist er 16 Jahre alt und selbst Muslim. Es hat sich schon gelohnt, sagt er. „Wenn man betet, bekommt man ja die Belohnung erst nach dem
Tod, oder?“ Aber Allah zahle vielleicht einen Vorschuss. „Oder?“

Da ist zum Beispiel die Sache mit seinen Eltern. Die streiten immer noch häufig, aber seltener als früher. Die Noten sind besser geworden. Und er fühlt sich anders, sicherer, vor allem, wenn er im Koran liest. Das könnte Allahs Vorschuss sein.

Gabriel Lehner wohnt in Österreich, nahe der Grenze zur Schweiz. Es gibt einen Gebirgsfluss und die Berge sind mit Nebel verhangen. In der Mitte des Ortes liegt Lehners Schule, daneben das Hotel, in dem er bald eine Ausbildung zum Koch anfangen soll.

Lehner tippt auf seinem Handy herum, ein Fuß an der Hauswand. Sein Gesicht ist rund, der Blick skeptisch. Wenn er nicht weiß, was er sagen soll, knackst er mit den Fingern. Er würde sich gern einen Bart wachsen lassen, wie alle guten Muslime. Doch da wächst noch nicht mal ein Flaum.

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Brasilien liebt Jesus

Erstellt von DL-Redaktion am 14. November 2014

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Der Vormarsch der Evangelikalen in Politik,

Gesellschaft und Medien

von Lamia Oualalou

Wenn Marina bis Montag nicht klar Position bezieht, bekommt sie die schlimmste Predigt zu hören, die ich jemals über einen Präsidentschaftskandidaten gehalten habe.“ Mit dieser Nachricht, die Pastor Silas Malafaia am Samstag, dem 30. August, auf Twitter postete, begann eine der wichtigsten Auseinandersetzungen in der jüngsten politischen Geschichte Brasiliens. Am Vorabend hatte Marina Silva, die Kandidatin der Sozialistischen Partei (PSB), ihr Programm vorgestellt – und ein Tabu gebrochen: Sie versprach die Ehe für alle.

Laut einem Urteil des Verfassungsgerichts ist die Homoehe bereits seit Mai 2013 möglich. Daran müssten sich Richter aber nicht unbedingt halten, erklärt Jean Wyllys, der einzige offen schwule Parlamentarier: „Solange wir kein Gesetz haben, sind unsere Rechte nicht geschützt.“ Marina Silva, immerhin praktizierendes Mitglied der äußerst wertkonservativen Pfingstkirche „Assembleia de Deus“, wollte offensichtlich zeigen, dass sie bereit ist, ihre angekündigte „andere Politik“ auch wirklich umzusetzen.

Ein paar Stunden nach Malafaias Tweet ruderte sie jedoch zurück, und die Begeisterung schlug in Empörung um. „Sie haben uns angelogen, Sie haben mit der Hoffnung von Millionen Menschen gespielt; Sie verdienen das Vertrauen des brasilianischen Volkes nicht“, schrieb ihr Wyllys. Er hatte zwar eine andere Kandidatin unterstützt, aber das Wahlprogramm von Marina Silva begrüßt.

Vielleicht ist Silva doch zu streng evangelikal. Oder sie wollte es sich mit den religiösen Wählern nicht verscherzen. Tatsächlich haben sämtliche Kandidaten, auch die amtierende Präsidentin Dilma Rousseff, einen sogenannten Evangelikalenausschuss eingerichtet, um die Millionen Stimmen dieser rasant wachsenden Gemeinden einzufangen.

Brasilien macht so etwas wie eine religiöse Revolution durch. 1970 bekannten sich noch 92 Prozent der Bevölkerung zum Katholizismus; 2010 waren es nur noch 64,6 Prozent. „Brasilien ist einzigartig: Es ist das einzige große Land, das in so kurzer Zeit eine so tiefgreifende Veränderung seiner religiösen Landschaft erlebt hat“, meint José Eustáquio Alves, Demografieforscher an der Hochschule für Statistik (Escola Nacional de Ciências Estatísticas, ENCE) in Rio de Janeiro. Die evangelikalen protestantischen Kirchen haben sich extrem ausgebreitet, vor allem die

Pfingstgemeinden, während die Mitgliederzahlen der traditionellen protestantischen Gemeinden (evangelisch- lutherisch, baptistisch oder methodistisch) in etwa gleich blieben. Mit 123 Millionen Gläubigen bleibt Brasilien dennoch das größte katholische Land der Welt. „Aber nicht mehr lange“, meint Eustaquio Alves. Nach seinen Berechnungen werden die beiden Konfessionen im Jahr 2030 gleichauf liegen.

Die Umwälzung spiegelt sich auch im Stadtbild wider, etwa auf dem Cinelândia-Platz in Rio de Janeiro, der seinen Namen den großen Lichtspielhäusern verdankt, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden. Heute sind sie fast alle verschwunden. Anstelle von Filmstars leuchten religiöse Slogans („Gott ist Liebe“) oder Kirchennamen („Universalkirche“, „Weltkirche des Königreichs Gottes“) auf den Neontafeln. So sieht es nicht nur in Rio, sondern auch in allen anderen Großstädten des Landes aus. Und in den Vorstädten richten die Pfingstler überall, wo sich Platz dafür findet, Betsäle ein, zum Beispiel zwischen einer Autowerkstatt und einer Bar. Infolge des rasanten Städtewachstums hat sich die jahrhundertealte Struktur mit Rathausplatz und Kirche aufgelöst. Die evangelikalen Kirchen haben sich dieser Entwicklung angepasst – mit einer Beweglichkeit, „zu der die Katholiken nicht in der Lage waren“, meint Cesar Romero Jacob, Politologe an der katholischen Universität von Rio.

Drei Baracken, eine Apotheke und ein Tempel

Quelle: Le Monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle: Verlinkung mit Twitter

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Muslim beleidigt, weil Koran zitiert wird

Erstellt von IE am 29. Oktober 2014

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Eine Kolumne wie sie, so meine Meinung, besser in der heutigen Zeit nicht geschrieben werden kann, wobei wir immer auch die Wurzeln des Schreibers mit einbeziehen sollten. Na gut, vielleicht nicht für Linke welche das Wort Pluralismus nur als Alibi vor sich hertragen.  Für ein Land aber welches sich für Werte wie die Presse – oder auch Religionsfreiheit einsetzen will, sind solche Stellungnahmen sehr wichtig.

Dieter Nuhr ist persönlich nun gerade nicht so nach meinem Geschmack, da er mir in vielen seiner Äußerungen zu sehr dem allgemeinen Trend angepasst scheint. Aber das Recht seine Meinungen öffentlich vorzutragen darf ihm nicht abgesprochen werden, wenn denn der Staat noch den letzten Rest seiner Glaubwürdigkeit wahren möchte.

Muslim beleidigt, weil Koran zitiert wird

Mit seinem schnauzerfreien Zottelbart wirkt Erhat Toka, als wäre er auf dem Sprung in den Dschihad. Doch der 41-jährige Kampfsportlehrer aus Osnabrück sagt Sätze wie: „Wenn sich jemand über den Islam lustig macht, habe ich nichts dagegen, aber …“ Was man halt so sagt, wenn man das Gegenteil meint, sich aber nicht gleich disqualifizieren will. „Ich habe nichts gegen Juden, aber …“ „Ich habe nichts gegen Ausländer, aber …“ Oder, wenn es um Satire geht, gerne mit Kurt Tucholsky: „Satire darf alles, aber …“

Satire darf nicht, meint Erhat Toka, so was sagen: „Im Islam ist die Frau zwar frei, aber in erster Linie frei davon, alles entscheiden zu müssen.“ Deshalb hat er den Kabarettisten Dieter Nuhr, von dem dieser Satz stammt, wegen „Beschimpfung von Religionsgemeinschaften“ angezeigt. Nuhr sei ein „Hassprediger“, der das Klima vergifte. Am Samstag protestierte er mit 30 Mitstreitern gegen Nuhrs Auftritt in Osnabrück. Und er bekommt Zuspruch, etwa von Klaus Bade, der der Welt im besten Migrationsforscherdeutsch diktierte: „Pauschale Diffamierungen anstelle von Differenzierungen schaffen nur neue Schreckensbilder, die dem mehrheitlich liberalen europäischen Islam das Wasser abzugraben versuchen.“

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Mit Aufklärung gegen Salafismus

Erstellt von IE am 3. Oktober 2014

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von Jochen Müller

Frau Merkel sei gewarnt, verkündete der salafistische Prediger Abu Abdullah im Rahmen einer Demonstration in Köln im Mai 2012: Deutsche Bürger seien in arabischen Staaten nun nicht mehr sicher. Mit dieser dubiosen Drohung versuchte Abu Abdullah den Eindruck zu erwecken, die islamische Welt schaue auf Deutschland, weil hier Muslime diffamiert und unterdrückt würden. Nur allzu gern möchte er ein Szenario wie zum Karikaturenstreit aus dem Jahr 2006 heraufbeschwören.

Tatsächlich hatte ja die rechtsradikale Pro-NRW-Bewegung dazu aufgerufen, Karikaturen vom Islam und seinem Propheten anzufertigen und sie vor Moscheen zu präsentieren, um Muslime zu provozieren. Allein: In der arabischislamischen Welt kümmerte sich im Jahr 2012 kein Mensch um die Pro-NRW-Karikaturen. Und auch die vier Millionen deutschen Muslime fielen weder auf die Propaganda von Rechtsradikalen noch auf die von islamischen Fundamentalisten herein. So blieben die radikalen Salafisten trotz aller Internet-Mobilisierung unter sich – und sorgten dann mit massiven Gewaltausbrüchen gegenüber Polizisten für große Empörung in der Öffentlichkeit.

Wer sind die Salafisten?

Doch wer sind die Salafisten eigentlich? Und was wollen sie? Diese Fragen bleiben in der medialen Berichterstattung oft unbeantwortet. Der Begriff Salafismus bezieht sich auf das arabische Wort salaf für Altvordere, womit die Gefährten des Propheten Mohammeds und deren Nachfolger bezeichnet werden. Salafisten sind fundamentalistische Muslime. Als Regelwerk für sämtliche Fragen menschlichen Zusammenlebens lassen sie allein den Wortlaut des Koran und die Überlieferungen vom Propheten Mohammed (die sogenannte Sunna) gelten. „Menschengemachte“ Gesetze lehnen die Salafisten ab und leugnen auch, dass die religiösen Quellen interpretiert werden müssen. Stattdessen erheben sie ihr eigenes spezifisches Islamverständnis zum einzig wahren.

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Im Teufelskreis der Radikalisierung

Erstellt von IE am 24. September 2014

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Die gescheiterte Transformation der Hamas

von Margret Johannsen

Am 8. Juli begann der Angriff der israelischen Armee auf den Gazastreifen – erst aus der Luft, nach wenigen Tagen auch als Bodenoffensive. Auslöser des Krieges war die Entführung und Tötung dreier israelischer Jugendlicher in der Westbank vier Wochen zuvor. Die israelischen Behörden machen die Hamas für die Tat verantwortlich; in den folgenden Wochen inhaftierte die Armee unter anderem fast alle in der Westbank lebenden Mitglieder der Hamas-Führungsriege.

Die Reaktion aus dem Gazastreifen ließ nicht lange auf sich warten: Im Juni nahm der Raketenbeschuss durch die Qassam-Brigaden der Hamas und andere palästinensische Milizen massiv zu. Innerhalb weniger Wochen wurden mehrere hundert Raketen vom Gazastreifen aus auf israelische Städte abgefeuert. Die israelische Militäraktion verfolgte das Ziel, dies zu beenden. Darüber hinaus sollte sie die Tunnel nach Israel zerstören, die palästinensische Kommandos in die Lage versetzen, in Grenznähe Terroranschläge zu verüben oder israelische Bürger – Zivilisten wie Soldaten – zu entführen. Im Verlauf der Militäroperation gaben einige Militärs sogar das Ziel aus, die Hamas vollständig zu entwaffnen und zu zerschlagen.

Dies ist der israelischen Armee offensichtlich nicht gelungen. Stattdessen hat der Kriegseinsatz zu hohen Opferzahlen geführt: Über 1900 Palästinenser verloren in den vergangenen Wochen ihr Leben, die meisten von ihnen Zivilisten, darunter viele Kinder. Auf israelischer Seite sind bislang 64 Soldaten und drei Zivilisten umgekommen. Mehr als ein Viertel der 1,8 Millionen Bewohner des Gazastreifens befindet sich auf der Flucht.

Die israelische Armee hat nicht nur zahlreiche Tunnel, sondern auch unzählige Wohnhäuser und große Teile der Infrastruktur im Gazastreifen zerstört, darunter das einzige Stromkraftwerk. Zur Verwüstung tritt der politische Flurschaden für die gesamte Region. Schon vor dem jüngsten Gazakrieg war die Lage an der Grenze höchst instabil. Der Waffenstillstand, der im November 2012 die Kämpfe zwischen der Hamas und Israel beendet hatte, war erodiert. Bereits im Frühjahr 2014 wurden Warnungen laut, dass es zu neuen, intensiven Kämpfen zwischen Israel und dem Gazastreifen kommen könnte. Nun wird es erneut langwieriger diplomatischer Anstrengungen bedürfen, um die Friedensgespräche im Nahen Osten wieder in Gang zu bringen.

Das Ende der Spaltung

Quelle: Blättern >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle:Wikipedia – Schaubild Teufelskreis nach Thomann/Schulz von Thun

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Vom Terror zum Kalifat

Erstellt von IE am 3. September 2014

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„Islamischer Staat“: Vom Terror zum Kalifat

Wie der asymmetrische Krieg wieder symmetrisch wird

von Bernd Rheinberg

Osama bin Laden war ein Meister der Engrammierung: ein kühl kalkulierender Bildwerfer jenes Schädelkinos, das wir Menschen Gedächtnis nennen. Kaum einer, der die Bilder an jenem 11. September 2001 gesehen hat, wird die Aufnahmen vom brennenden Nordturm des World Trade Center vergessen, vom aufsteigenden Rauch aus der klaffenden, mehrere Stockwerke großen Wunde des Gebäudes und von dem dann plötzlich auftauchenden zweiten Flugzeug, das, die Flügel schräg stellend, in den Südturm rast und in einem gewaltigen Feuerball explodiert und alle Menschen an Bord und in der Nähe der Einschlagstelle augenblicklich in den Tod reißt.

Die Bilder, die der Öffentlichkeit zurzeit aus dem Lager des militanten Islamismus präsentiert werden, zeigen – neben den triumphierenden, drohenden und erniedrigenden Fotos und Filmen von Exekutions- und Entführungsopfern – vor allem dynamische vermummte Kämpfer auf bewehrten Pick-ups, die wehende Fahne der jeweiligen vorwärtsstürmenden Miliz im symbolischen Anschlag. Besonders großer Popularität und Aufmerksamkeit erfreut sich momentan das Panier des Islamischen Staates (IS), vormals Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) oder Islamischer Staat im Irak und in der Levante (ISIL): Auf schwarzem Untergrund heben sich weiß das – nicht offizielle – „Siegel“ Mohammeds („Gottes Prophet Mohammed“) und die Schahada, das islamische Glaubensbekenntnis („Es gibt keinen Gott außer Allah“), ab – all das eindeutig eine Nachempfindung der Kriegsflagge des Propheten.

Der Bezug auf die Tradition wird verstanden – und Tausende folgen dem Ruf. Mit bestialischer Grausamkeit vernichten sie ihre „Gegner“, sprich: alle, die sie als ungläubig ausmachen, ob Jesiden, Christen oder Schiiten, ob Männer, Frauen oder Kinder.

Quelle: Blätter >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Author Lichtenstern & Harari

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Das Kreuz mit den Killern

Erstellt von IE am 29. Juni 2014

Warum es der katholischen Kirche so schwerfällt, sich von der Mafia zu distanzieren

Autor: Ambros Waibel

Mafiosi sind exkommunziert.“ So interpretierte Radio Vatikan die deutlichen Worte, die Papst Franziskus bei einer Messe im kalabrischen Sibari am vergangenen Samstag gegen die dort heimische Mafia-Organisation ‚Ndrangheta gefunden hatte. Einen Tag später formulierte der Sender schon vorsichtiger: „Hat der Papst die Mafia exkommuniziert?“ Antwort: Nein beziehungsweise schwierig.

Denn das Kirchenrecht unterscheide, sagt Radio Vatikan, zwischen der Exkommunikation als „Tatstrafe“ und als „Spruchstrafe“. Im ersten Fall „tritt die Exkommunikation automatisch ein, zum Beispiel bei Abtreibung, Sakrileg, Häresie u. a.“.

Die Verbrechen der Mafia hingegen gehörten der Kategorie „Spruchstrafe“ an. Hier müsse das Urteil „nach einem ordentlichen Prozess verhängt werden“. Für die Mitglieder der Mafia gilt damit das Recht auf Einzelfallprüfung. Sie dürfen hoffen, nicht exkommunziert zu werden, sofern sie sich bekehren lassen.

Unser Dasein hienieden ist wohl komplizierter geworden, dementsprechend unser Verhalten häufig achtsamer. Vor ziemlich genau 65 Jahren nämlich, am 1. Juli 1949, war es für Franziskus‘ Vorgänger Pius XII. noch ein Leichtes, die Frage zu beantworten, „ob Gläubige, die die materialistische und antichristliche Lehre der Kommunisten bekennen, und insbesondere diejenigen, die diese auch verteidigen und propagieren, ipso facto als Abtrünnige vom katholischen Glauben der in spezieller Weise dem Heiligen Stuhl vorbehaltenen Exkommunikation verfallen“.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

Fotoquelle: Wikipedia – Urheber 100yen

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Ausgeburten des Satans

Erstellt von IE am 10. Juni 2014

MORD Eine Historikerin hat in einem kleinen Ort in Irland 800 Kinderleichen in einem Abwassertank aufgespürt. Sie starben in einem Heim für „gefallene Mädchen“, geführt von einem katholischen Orden.

AUS DUBLIN RALF SOTSCHECK

Tuam ist eine wenig bemerkenswerte Ortschaft in der westirischen Grafschaft Galway. Sie hat ein wenig Bekanntheit erlangt, weil die lokale Folkrockgruppe Saw Doctors der Nationalstraße 17, die durch Tuam führt, ein Lied gewidmet hat. Außerdem wurde die Bahnstrecke um Tuam für Filmaufnahmen für „Der Ausgestoßene“ mit John Wayne benutzt. Die Strecke wurde jedoch 1978 geschlossen, der Bahnhof von Tuam steht leer.

Grabhügel

Der Name des Orts stammt vom lateinischen „Tumulus“ ab – Grabhügel. 1875 hat man in Tuam eine Urne aus der Zeit um 1500 vor unserer Zeitrechnung gefunden. Einen weitaus grausigeren Fund machte die Historikerin Catherine Corless. Sie hat herausgefunden, dass zwischen 1925 und 1961 fast 800 Kinderleichen in einem Abwassertank auf dem Gelände eines Heims für „gefallene Mädchen“ – also ledige Mütter – abgelegt worden sind. Corless ermittelte, wie vergangene Woche bekannt wurde, dass die Leichname in einem Massengrab hinter dem ehemaligen Heim verscharrt worden waren, manche hatte man einfach in den Abwassertank auf dem Gelände geworfen. Viele waren Neugeborene, das älteste Kind war neun Jahre alt. Die Kinder sind an Masern, Lungenentzündung oder Tuberkulose gestorben, die meisten sind einfach verhungert.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Wenn Cacau bei den Kommunisten tanzt

Erstellt von IE am 18. Mai 2014

Autor: Josef-Otto Freudenreich

Immerhin einer regt sich über Che Guevara auf: der frühere Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Michael Rogowski hat ihn direkt vor seiner Villa in Heidenheim hängen. Eigenhändig hat er ihn entfernt. Jetzt liegt er im Streit mit der MLPD, der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschland, die eigentlich ganz locker daher kommt. In ihrem Hauptquartier in Stuttgart-Untertürkeim verkehren der Fußballer Cacau, der CDU-Bezirksvorsteher und die Mao-Bibel ist auch nicht Pflicht.

Jeden Tag „gaffe“ ihn Che Guevara oder eine Knarre an, giftet Rogowski und schreitet zur Tat. Runter mit den Plakaten. Das hat der MLPD natürlich nicht gefallen und die Polizei gerufen. Die wiederum ermittelt nun, weil, wie sie sagt, der „Verdacht des Diebstahls“ im Raum stehe. Für Rogowski, der viele Jahre den Maschinenkonzern Voith geleitet hat, ein Unding. Schließlich sträubten sich, wie die „Stuttgarter Nachrichten“ berichten, ihm alle Haare, „wenn Stalin und Mao verherrlicht werden“ sowie zu einer Revolution aufgerufen werde, die die „Herrschaft des Kapitals unterbinden“ solle.

Bei der MLPD hängt der Umsturz auch vor dem Haus. Che Guevara. Hoch die internationale Solidarität. Drinnen geht sie weiter, die Revolution. Im ochsenblutfarbenen Arbeiterbildungszentrum, kurz ABZ, in Untertürkheim, wo der Stuttgarter Ableger zu Hause ist: die MLPD. Nun sieht Volker Kraft nicht aus wie Che, mit seinen ordentlich gescheitelten schwarzen Haaren, und der Ficus benjamina in seinem Besprechungsraum ist auch eher kleinbürgerlich. Aber der 60-Jährige sagt, dass die Revolution noch zu seinen Lebzeiten komme. Davon sei er „tief überzeugt“. Das klingt aufregend.

Quelle: Kontext – Wochenzeitung >>>>> weiterlesen

Fotoquelle: Fotoquellen:  LAKL – SKPF

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Totalitäre Feindbilder

Erstellt von IE am 23. April 2014

Autorin CHARLOTTE WIEDEMANN

Wer die These aufstellt, der Islam habe eine quasi religionsgenetische Nähe zum Faschismus, kann sich der Aufmerksamkeit sicher sein, umso mehr, wenn er oder sie selbst muslimischer Herkunft ist. Das echte Leben wirft hingegen in diesen Wochen zwischen der Präsidentschaftswahl in Algerien und jener in Ägypten eher folgende Frage auf: Wann überschreitet der Antiislamismus, auch Antiterrorismus genannt, die Grenze zum Faschismus?

Den Spieß derart herumzudrehen ist keine Provokation um der Provokation willen. Was in Ägypten geschieht, wo die Muslimbrüder zur Vorlage für ein totalitäres Feindbild wurden, verlangt nach Analyse und nach Begriffen. Solange es um religiös verbrämte Untaten geht, schrauben sich die Worte leicht hoch. Doch sie werden seltsam kraftlos bei der Bezeichnung säkularer Unterdrückung in muslimischen Ländern.

Grafitti-Terror in Ägypten

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

Fotoquelle: Wikipedia – Author Unknown

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So gehen Kirche und Partei

Erstellt von IE am 26. Januar 2014

Dann werden wir ihn sicher bald in irgendeiner Weise wiedersehen, den Limburger Bischof Peter Tebartz-van Elst denn wie es in der Presse heute verbreitet wird, wurden die gegen ihn erhobenen Vorwürfe durch die Prüfkommission weitgehend ausgeräumt. Trotz der angefallenen Kosten in Höhe von 31 Millionen Euro kann ihm, so wird es verbreitet, eine Geldverschwendung nicht vorgeworfen werden. Da auch die Kontrollgremien wohl nicht übergangen wurden wird zwischen den Mitgliedern der Kommission nur noch um die Schluss Formulierungen verhandelt.

Aber wäre es nicht eine große Überraschung gewesen, wenn eine Institution wie die Kirche einen ihrer Spitzenkräfte wegen solcher Kleinigkeiten dem Stuhl vor die Tür gesetzt hätten. Die ganzen Investitionen so einfach aufzugeben? Und was soll das, niemand wurde hier persönlich geschädigt, das Geld kommt ehe aus dem großen Topf, – nur von den Steuerzahlern.

Womit wir dann auch wieder bei der Politik und damit bei den Parteien angekommen wären, denn dort beobachten wir das gleiche Spiel, zumal es auch hier ausschließlich um Macht und Geld geht. Und die gleichen Paradiesvögel, also Personen wie den Limburger Bischof sehen wir doch auch in der Politik, nahezu ununterbrochen, in Talkshows, Interviews und das auf nahezu allen Kanälen. Natürlich ohne Mütze wobei die Größe dann durch die Höhe der Absätze kaschiert werden kann.

Auch die Bekleidung soll natürlich einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Die Unterhaltung  erfand den hochmodernen Ausdruck „bling, bling“ hierfür. Wie bei den Kanarienvögeln von ganz rot über grün bis hin zum erhebenden Schwarz, ja nach Vereinszugehörigkeit. Sagen wir doch nicht ohne Grund, Kleider machen Leute, auch wenn es vielfach gar keine sind und sie nirgends den Schnabel halten können.

Selbst in ihren Gesten gleichen sie einander. So gab Kardinal Meisner in der letzten Woche mehr als 1000 Soldaten während einer Messe im Kölner Dom seinen Segen. Nein, nicht das wir uns hier falsch verstehen, nicht die letzte Ölung – das Sterbesakrament, nein er sandte sie wohl aus, in alle Welt. Ob da auch wohl schon einige „Kleine“, worüber geschrieben wurde, darunter waren, darüber wird nicht berichtet.

Wobei, er schickt die Krieger ja nur zur Politik, zur Kriegsministerin, welche dann die Briefmarken klebt und die entsprechenden Lizenzen, zum tragen einer Waffe verteilt. Warum in aller Welt hat sie denn noch niemand aus der Opposition gefragt wie sie es denn mit ihren eigenen Kindern hält? Nimmt sie nur Hartz IV Empfänger, aus Kostengründen? Wobei, Merkel konnte ja niemand fragen.

Und wenn wir uns dann das Foto oben anschauen, bei etwas guten Willen können da schon feminine Gesichtszüge ausgemacht werden.und das kleine Rote, ist wohl schon öfters gewaschen worden. Das haben wir noch neulich weitaus strahlender gesehen. So ist es doch schön das es Fernsehen gibt, denn so dürfen wir feststellen das sie sich zumindest in einem gleichen: Sie wollen uns Allen nur etwas verkaufen.

IHRE BÜCHER !

Fotoquelle: Wikipedia- Urheber Moguntiner

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Der Körper ist keine Ware

Erstellt von IE am 21. Januar 2014

An Weihnachten sprang Josephine Witt auf den Altar des Kölner Doms und präsentierte ihre Brüste. Aber warum genau? Zeit mit der Femen-Aktivistin zu sprechen, über die katholische Kirche, aber auch über Fruchtbarkeitssymbole, den Körper als Ware und ihren Angriff auf den patriarchalen Islam

taz: Frau Witt, würden Sie uns Ihre Brüste zeigen?

Josephine Witt: Nein. Die Brüste sind exklusiv für unseren Protest gedacht.

Die ganze Welt hat Weihnachten, als Sie auf dem Altar in Köln standen, auf Ihre Brüste geguckt. Wie fühlt sich das an?

Darüber habe ich so noch nie nachgedacht, weil ich mich im Protest nicht als Privatperson und schon gar nicht als Objekt sehe. Das sind nicht meine Brüste, die die ganze Welt sieht, sondern ich bin die Überbringerin des Protests. Es geht mir um eine feministische Strategie, die ich für clever halte.

Inwiefern clever?

Den Oberkörper frei zu machen, ist ein unmittelbarer Akt der Befreiung: „Hier ist mein bares Ich, unverfälscht und gewaltfrei.“ Wir reduzieren uns nur auf unser Frausein. Der nackte Oberkörper der Frau hat etwas sehr fruchtbares, sehr lebensspendendes. Zum Beispiel mein Protest gegen das Frauenbild der Kirche. Dass die Jungfrau das heiligste Dasein einer Frau sein könnte – das ist für uns sehr problematisch. Ich wollte das tabuisierte und stark sexualisierte Frauenbild dort zeigen. In meinem Glaubensbekenntnis heißt es: „Ich glaube an die freie selbstbestimmte Frau, Schöpferin der Menschheit auf Erden.“

Und was haben Sie konkret im Dom erreicht?

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

Fotoquelle: Wikipedia – Author Andrea Puggioni

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Das Warten auf Meisners Abgang

Erstellt von IE am 14. Januar 2014

Es rumort in Köln, rund um den Dom. Und das nicht erst seit gestern. Im Frühjahr wird Meisner der Kardinal in den Altersruhestand gehen, und die Bürger möchten über den Nachfolger mitbestimmen wollen. So wie schon bei seiner Einsetzung im Jahre 1989, welche nur unter großen Protest einen massiven Druck des Vatikan möglich wurde.

Übrigens: Der so genannte „Femen-Skandal“ wurde von der Bevölkerung in dieser Stadt durchaus mit Sympathie begleitet, was viele Leserbriefe in der Presse beweisen.

Das Atmen in der Kirche

In Köln, im größten deutschen Bistum, fordern Pfarrer und Diakone Mitsprache der Gläubigen bei der Wahl des Erzbischofs. Haben sie damit Erfolg, könnten sie die katholische Kirche verändern

Wie sonst wo auf der Welt, so schreitet auch der Kölner Erzbischof unter Orgelklang durchs Kirchenschiff zum Altar. Und wie überall predigt er, betet und segnet. Doch diese Messe am Morgen des Dreikönigstages ist etwas Besonderes. Joachim Kardinal Meisner schreitet durch den Dom, flankiert von Bischöfen aus mehreren Ländern. Die Orgel braust wie ein Orkan, und in den Stuhlreihen stehen Tausende Besucher. Der Kölner Erzbischof ist einer der mächtigsten Männer der katholischen Kirche.

Am Altar angekommen, erzählt Meisner die Geschichte der Heiligen Drei Könige. Der Stern habe ihnen in finsterer Nacht den Weg zum Geburtsort Jesu gewiesen – die ewig gleiche Geschichte von der Reise vom Dunkel ins Licht. Dem Mann im beigen Bischofsgewand ist sie Anlass, sein Lieblingsthema anzusprechen. Durchs Kirchenschiff klingt seine Klage „über die ungeheure Verfinsterung Gottes in unserer Zeit“. Überall sieht Meisner Auflösung und Zerfall. Nun kommt er selbst an ein Ende.

Der Erzbischof hat seinen Rückzug angekündigt, erwartet wird er für Anfang März. Das stürzt viele Beobachter in Sorge. Nicht, weil sie dem 80-Jährigen nachtrauern würden, im Gegenteil. Sie fürchten, der Nachfolger könne sein wie Meisner.

Köln gilt als extrem tolerant, Meisner nicht. Ausgerechnet den damaligen Bischof von Berlin schickte Papst Johannes Paul II. 1989 an den Rhein. Das Erzbistum stand Kopf, musste sich aber beugen. Am Tag von Meisners Amtseinführung entrollten Demonstranten Spruchbänder: „Sehet, da kommt der Hirte, den kein Schaf hier wollte.“

Quelle: TAZ >>>>>> weiterlesen

Ein Video aus der Mediathek des WDR über Kunst und Kirche: „Der Künstler ist anwesend“

>>>>> HIER <<<<<

Jürgen Becker – :Sendung vom 04.01.2014/ Sehr empfehlenswert

Jürgen Becker beantwortet in seinem neuesten Solo-Programm für etwa hundert Kunstwerke die Frage, was sich deren jeweiliger Schöpfer wohl gedacht hat. Nach dem Programm wird sich nie mehr jemand auf einer Vernissage blamieren und rufen: „Die rote Skulptur finde ich am besten!“, gefolgt von der niederschmetternden Bemerkung des Galeristen: „Das ist unser Feuerlöscher!“.

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Fotoquelle:

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Der Protest der Femen

Erstellt von IE am 30. Dezember 2013

Femen-Aktivistinnen Alexandra Schewtschenko und Josephine Witt 2013 in Genua

Auch heute, einige Tage nach der Femen Aktion in Köln gegen Kardinal Meisner schlagen die Wellen noch hoch, in Köln. Dabei ist die Stimmung, spricht man mit den Menschen, durchaus geteilt. Wissen doch die meisten Kölner Bürger, dass der Kardinal als strenger Vertreter Gottes nie richtig von der Bevölkerung angenommen wurde. Ist doch der gepflegte Lebensstil der breiten Bürgerschaft weitaus lockerer als er der von Meisner verbreiteten Glaubenskultur entspricht.

Die Durchführung des Protest gerade in Köln, kommt also nicht von ungefähr sondern war das Echo auf eine Kirche wie sie besonders von Meisner vertreten wird. Diese Aktion wäre folglich an jeden anderen Platz in diesem Land nicht interessant gewesen.

Nun kann über den Geschmack eines Protestes gestritten werden, was ja mit Sicherheit auch das Ziel einer jeden Aktion ist. Das die Zielscheibe, eine wie auch immer geartete Protestaktion gegen sich ablehnt, wer will es ihr verdenken? So wurde Josephine Witt auch in Tunesien eingesperrt und bei einer ähnlichen Aktion vor einer Moschee angegriffen. Mit diesen Gewaltausbrüchen zeigten die Ziele aber ihre Ohnmächtigkeit an, entsprechend auf diese Herausforderungen zu reagieren.

Frau Witt hat die auf sie gerichteten Angriffe geduldig ertragen, ganz im Gegensatz zu unseren reichen Parteibonzen, welche sich nach ihren Protesten freikaufen und ansonsten nur die Maulhelden der Linken spielen. Ja reden können sie alle, sogar dann wenn Schweigen manchmal Gold wäre. Und Geld fürs Nichttun kassieren, dass können sie auch. Politisch agieren und Aktionen durchziehen welche auch gesehen und von der Masse angenommen werden, genau das können sie überwiegend nicht, warum dann letztendlich Josephine Witt die bessere Linke ist.

Meisners gelungene Provokation

Angezogen interessieren die Botschaften der Femen-Aktivistinnen niemanden. Mit dem Dom-Altar als Bühne hat die Aktivistin am ersten Weihnachtstag im Kölner Dom einen Ort gefunden, der auch im aufgeklärten Westen noch auffällt.

Die Idee, seinen nackten Körper als Mittel zum politischen Protest einzusetzen – sie stammt aus der englischen Grafschaft Coventry. Zumindest der Legende nach, der zufolge Lady Godiva im 11. Jahrhundert ein Pferd bestieg, um gegen die überzogene Besteuerung des Volks durch ihren Gatten zu demonstrieren. Nur mit ihrer Sittsamkeit bekleidet, schrieb der viktorianische Vorzeigedichter Alfred Lord Tennyson, sei Lady Godiva in die Stadt getrabt, als mittelalterliche Vorreiterin von Femen.

Betrachten wir noch einmal das Bild der deutschen Femen-Aktivistin Josephine Witt – ein grobkörniges Dokument, vom diffusen Kerzenlicht des Weihnachtshochamts erhellt – und legen Empörung oder Zustimmung fürs Erste beiseite.

Quelle: Kölner Stadt – Anzeiger

Interview mit Femen-Aktivistin:

Frau Witt, warum halten Sie sich für Gott?

Ihr Nackt-Protest im Kölner Dom sorgt für Kopfschütteln. Jetzt verteidigt Femen-Aktivistin Josephine Witt im SPIEGEL die Aktion. Ihren Kritikern wirft sie vor, Femen nicht verstanden zu haben. Und erklärt, warum es genau richtig war, Weihnachten oben ohne auf den Altar zu springen.

SPIEGEL: Frau Witt, Sie haben sich beim Protest im Kölner Dom „I am God“ auf den Oberkörper gepinselt. Warum halten Sie sich für Gott?

Witt: Ich halte mich nicht für Gott, das war natürlich eine Provokation. Sie soll zeigen, dass wir alle selbst verantwortlich für unser Handeln auf Erden sind. Dass man keiner Frau verbieten kann, über ihren eigenen Körper Entscheidungen zu treffen. Genau das tut Kardinal Joachim Meisner jedoch, indem er Abtreibungen ablehnt. Das ist ein weltfremder Ansatz, gegen den Femen kämpft.

Dafür muss man bei der Weihnachtsmesse auf den Altar springen?

Femen lebt von Provokation, wir müssen schockieren. Für uns war diese traditionelle Weihnachtsmesse, bei der sich seit Jahrhunderten niemand außer dem Prediger äußern darf, der beste Moment, dagegen etwas zu tun.

Und was bewirkt eine solche Aktion ganz konkret?

Witt: Das Bild einer nackten Frau auf dem Altar ist ein Bild, das bleibt. Wir sind weltweit in den Medien. Selbst Patti Smith hat die Aktion auf ihrer Facebook-Seite geteilt.

Schön, nur was bringt das?

Quelle: Spiegel >>>>> weiterlesen

Fotoquelle: Wikipedia – Author Andrea Puggioni

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Meisner und die Femen Aktivistin

Erstellt von IE am 26. Dezember 2013

[youtube 6ANEAetrNXs]

Könnte der Auftritt dieser barbusigen Frau im Kölner Dom nicht auch ein guten Beispiel vieler anderer sein um gegen die Missstände in heutiger Zeit zu protestieren? Es war zumindest so wirkungsvoll um heute in ziemlich jeder Zeitung erwähnt zu werden. Das ist doch schon einmal ein voller Erfolg, oder etwa nicht Herr Niexinger. Mit immer sich wiederholenden platten Forderungen wurde die Welt zumindest innerhalb der Lebensspanne aller zur Zeit Lebenden nicht verändert.

Ist es, dem katholischen Glauben folgend so vermessen nackt auf einen Artar zu steigen? Wird dieser durch die Frau oder durch die Nacktheit beschmutzt? Heißt es nicht in den Katechismen der Kirche, dass ein jeder Mensch ein Kind Gottes sei! Ist aus Sicht der Kirche jeder, der seine Meinung frei äußert gleich ein kranker Mensch wie Meisner sagt?

Passend hier ein Kommentar aus dem Focus und ich zitiere:

Wurden auch die Altäre neu gesegnet, welche pädophile Priester mit ihren Gedanken „beschmutzt“ haben? Oder musste der Altar in Köln neu gesegnet werden, weil eine Frau auf ihm stand, die den vermeintlichen Unterschied zwischen Priestern (nach Kardinal Meisner seien Priester „Gottmenschen“) und Laien nicht akzeptiert und stattdessen „Ich glaube an die Gleichheit aller Menschen“? Vielleicht hat sie so manchem „verstörten“ Kirchgänger mit ihrem „I am God“ auch tatsächlich vor Augen geführt, wer sein wahrer „Gott“ ist.

Wenn sich die Kirchen, welche so gerne von der Gleichheit der Menschen und der Gerechtigkeit auf Erden reden, nicht mehr für diese berechtigten Forderungen  einsetzen, machen sie sich selber überflüssig. Die Politik will und kann es nicht. Sonst würden von den politischen Scharlatanen zumindest an den Feiertagen einmal Tacheles und kein lauwarmes Geschwätz an den Fernsehgeräten zu hören sein.

Interessant in diesen Zusammenhang auch der Film auf Yuotube welcher im ersten Teil eine private Aufnahme, wohl die eines Bild-Journalisten zeigt. Im zweiten Teil sehen wir einen Ausschnitt des Kölner Heimatsenders in welchen in den entscheidenden Szenen das Deckengewölbe als Standbild zu sehen ist. Ein sehr schönes Beispiel manipulierender Presse.

Meisner: Femen-Aktivistin ist eine „arme, kranke Frau“

Kurz vor dem Segen kam der Nackt-Eklat: Eine Femen-Aktivistin sprang in der Messe von Kardinal Meisner auf den Altar und schrie „Ich bin Gott“. Schnell war klar: Die Frau ist eine alte Bekannte. Und den letzten Weihnachtsgottesdienst von Meisner hat sie sich nicht zufällig ausgesucht.

Kurz vor dem „Urbi et Orbi“-Segen Kardinal Meisners kam es im Kölner Dom zum Eklat: Eine 19-Jährige sprang mit nacktem Oberkörper auf den Altar. Auf den Oberkörper hatte sie sich nach Angaben der Kölner Polizei die Worte „I am God“ geschrieben. Die deutsche Übersetzung „Ich bin Gott “ schrie sie dabei laut heraus, wie der  „Express“ online berichtete. Die Besucher der Weihnachtsmesse am Montag seien verstört gewesen.

Quelle: Focus >>>>> weiterlesen

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Ein Langer Linker Weg

Erstellt von IE am 22. Dezember 2013

Jetzt fühlen wir uns gleich wieder heimisch und an die Partei die Linke erinnert, wenn wir den folgenden Artikel lesen. In groben, entscheidenden Passagen zumindest. Wir erinnern uns an die Entstehung und an die Geburt, verfolgen dann den weiteren Lebenslauf.  Verinnerlichen als Mitmacher der ersten Stunde die Ansprüche und Vorstellungen welche nie erfüllt wurden und lesen über asoziale Arschlöcher welche mit ihren Hintern das einreißen was andere mit ihren Händen mühevoll aufbauten.

Wobei ganz entscheidend ist dass diesen asozialen Arschlöchern der entscheidende Spielraum für ihre Machenschaften nur allzu gerne eingeräumt wurde. Hatten sie sich doch aufgrund ihrer Berufe oder vorheriger Funktionärstätigkeiten in entscheidende Parteipositionen durch manipuliert und bereits die Stufe der Narrenfreiheit innerhalb der Partei erreicht. Die Ergebnisse dieser Winkeladvokaten, Richter und anderer Postenjäger sind mittlerweile bekannt, wobei nur noch das ( Dicke ) Ende offen bleibt.

Ich lass das jetzt so

Vom schwierigen Weg zum Paradies

und warum der Papst ein Populist ist

Der Weg zum Kind war lang gewesen. Erst mussten zwei sich überhaupt finden, die, wenn natürlich auch ohne Garantie für ein Zusammenbleiben über die gesamte Dauer der Aufzucht, sich jedenfalls insoweit einig waren: Wir machen das jetzt, zusammen.

Dann, als der Embryo wuchs, hatte der erst mal all die vorgeburtlichen Tests zu überstehen; und jedem Ergebnis folgte ein Abwägen, ob speziell aus diesem Zellhaufen tatsächlich das Wesen erwachsen sollte, das man sich gewünscht hatte. War das Risiko für eine Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte zu hoch oder noch okay? Oder anders gesagt: Die Spalte ist sowieso kein Problem, aber was ist mit Trisomie 21? Sollen sehr nette Kinder sein, klar. Aber wollte man das? War das genau das, was man sich vorgestellt hatte, oder jedenfalls das Beste, was man bekommen oder sich leisten konnte?

Doch auch diese Hürde wurde genommen, das Kindlein war da, es war gesund, es wurde in den Kinderwagen gelegt, den dann aber dieser besoffene Autofahrer mitnahm. Nun war das Kind genau geworden, was man unbedingt hatte ausschließen wollen: krank, leidend ein Leben lang, schwerbehindert, nicht normal, eine schwere Belastung für die, die es auf die Welt gebracht hatten. Durch einen Schicksalsschlag, durch ein asoziales Arschloch. Und nun?

„Ich lass das jetzt so“, lautet der aktuell beliebte Bürospruch zum Thema. Demut hieß einst die entsprechende Tugend, die sich am besten mit dem Glauben an eine höhere Gerechtigkeit vertrug und vom Mitleid begleitet wurde, das die Gemeinde denjenigen entgegengebrachte, die vom Schicksal geschlagen waren. Und der Sünde der Hoffart machte sich in der ständischen Gesellschaft schuldig, wer seinen durch höhere Gewalt angewiesenen Platz nicht einnahm.

Quelle: TAZ >>>>>> weiterlesen

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Bundestag lacht über Linke

Erstellt von IE am 19. Dezember 2013

Die Beiden: Bald in gemeinsamer Mission ?

„Und ist der Ruf erst ruiniert, dann lässt sich’s schwätzen ungeniert“. Ja nicht nur Guido Westerwelle sondern auch in Sahra Wagenknecht scheint sich in ihrem inneren langsam ein weihnachtliches Gefühl eingeschlichen zu haben. Dieses zeigt sich bei ihr momentan noch nicht in einer Stiftung, aber das kann ja kommen, nachdem sie vielleicht einmal die Vollversorgung einer ehemaligen Ministerin erreicht hat.

So gingen ihre geistigen Ergüsse erst einmal in Richtung Italien um den Kapitalisten Florian Homm aus der Patsche zu helfen. Wir berichteten über dieses „Linke Krippenspiel“ am 12. 12. 2013 und erwähnten dort unter anderen auch den Papst. Diese Botschaft scheint, wie zu Weihnachten üblich, sehr gut angekommen zu sein, denn im Bundestag bezog sie sich in ihrer Rede nun selber auf das katholische Kirchenoberhaupt.

Was natürlich dieses Gremium zu großer Heiterkeit anregte, denn das Apostolische Schreiben mit dem Titel „Evangegelii gaudium“ (Freude des Evangelium) berief sich auf die Leitlinien der Soziallehre seiner Kirche welche weitaus älter ist als die Lehren des Marxismus. Auf Anfragen seiner Kritiker ergänzte er sogar noch: „Die Ideologie des Marxismus ist falsch«, fügte jedoch hinzu: »Ich habe in meinem Leben jedoch viele Marxisten getroffen, die gute Menschen waren.“

Aber hatten wir nicht schon des öfteren über Trittbrettfahrer berichtet welche jede nur denkbare Möglichkeit nutzen sich irgendwie und wo durch zu schmarotzen? Wenn es nötig ist auch unter Verbreitung halber Wahrheiten? Das die geäußerte Kritik zu den Machenschaften der Banken berechtigt ist, steht außer Frage. Dass eine solche Art der  Argumentationsstrategie nur dienlich ist, sich selber als Vortragende lächerlich zu machen, sollte aber einer Politikerin auch bewusst sein. Denn gibt es eine größere Beleidigung für einen Politiker von seinen Gegnern nicht ernst genommen zu werden?

Oder möchte Sahra Wagenknecht vielleicht sogar den Eindruck erwecken jetzt auf die Schiene des religiösen aufzuspringen? Als Gutmensch welcher uns jetzt wieder Weihnachten und demnächst auch Ostern näher bringen möchte? Als weiblicher Knecht zwischen Gaucklern und Merklern? Und die einfältige Bevölkerung war immer des Glaubens der Linken stehe dem Väterchen Frost näher?

Wenn sie aber den Menschen glauben machen will die Soziallehre sei von Karl Marx erfunden worden befindet sie sich auf dem Holzweg. Diese Lehren finden wir in so ziemlich allen Büchern der verschiedensten Religionen wieder. Das C in der CDU ist genau so wenig zutreffend wie die Bezeichnung Links als Parteiname. Beide Parteien haben mit dem, was der Name herüber bringen möchte nichts gemeinsames.

Gelächter im Bundestag

Sahra Wagenknecht beruft sich auf Papst Franziskus

In ihrer ersten Bundestagsrede für die Linke als neue größte Oppositionspartei hat sich die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht auf Papst Franziskus berufen – und bei den anderen Parteien damit Heiterkeit ausgelöst.

In der Antwort auf Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zum bevorstehenden EU-Gipfel zitierte Wagenknecht am Mittwoch das katholische Kirchenoberhaupt, wonach das Geld den Menschen dienen müsse. „Franziskus erinnert daran, was wirklich sozial ist. Die Linke nimmt die Papst-Botschaft ernst!“

Wagenknecht empfahl den Fraktionen der neuen Bundesregierung zu Weihnachten die Lektüre des Apostolischen Schreibens „Evangelii Gaudium“ und verwies auf Not und Elend vieler Menschen. Das im November verööfentlichte Schreiben wurde weltweit vielfach als kirchliche Revolution gedeutet.

Quelle: RP >>>>> weiterlesen

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Fotoquellen: Wikipedia

Papst: Author Presidência da Republica/Roberto Stuckert Filho

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Wagenknecht: Author Thomas Maier. Thmonline at de.wikipedia

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Das Reichskommissariat Ukraine

Erstellt von Uli Gellermann am 5. Dezember 2013

Deutsche Botschaften im demokratischen Kostüm

Autor: U. Gellermann

Rationalgalerie

Datum: 05. Dezember 2013

Die Ukraine ist ein ordinäres kapitalistisches Land. In Russland herrscht der gewöhnliche Kapitalismus. Und die EU ist so herkömmlich kapitalistisch, dass dieser Zustand fast in Vergessenheit geraten ist. Jedenfalls in den Medien des kapitalistischen Deutschlands. Nicht die Durchgangspipelines auf ukrainischem Boden, die eine Kontrolle russischer Gaslieferungen ermöglichen, tauchen in der veröffentlichten deutschen Debatte um die ukrainische Revolte auf, nicht die größten Eisenreserven der Welt in der Ukraine spielen eine Rolle, oder gar das fette, ukrainische Marktvolumen von immerhin rund 46 Millionen Einwohnern, die zumeist noch keinen Golf haben, geschweige denn einen Mercedes. Nein. Wie schon beim Bandscheibenvorfall der Julia Tymoschenko ist es wahlweise die „Freiheit“, die „Demokratie“ oder die Annäherung an die „Europäische Union“, die auf dem Spiel steht.

Nachdem die Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO vorläufig gescheitert ist – – für Unkundige: Die NATO ist diese Demokratiebeschleunigungsmaschine – – bekannt aus Libyen und Afghanistan, sollte das Land nun wenigstens in die Nähe der EU gerückt werden. Gäbe es im deutschen Mainstream einen Hauch von anständigem Journalismus, wäre längst die Frage gestellt, um welche EU es sich denn handelt. Um das antisemetische EU-Ungarn? Das korrupte EU-Griechenland? Das schwulenfeindliche EU-Kroatien, dessen klerikalfaschistische Vergangenheit nie bewältigt wurde? Das steuerhinterziehende EU-Belgien? Das EU- der neuen Kolonialkriege? Das EU-England der Geheimdienste? Oder das EU-Deutschland mit dem Rettungsschirm-Parlament? Weil aber der deutsche Redakteur mit solchen Fragen wirklich überfordert ist, nimmt er aus der Schublade das Stereotyp vom guten Volk gegen den bösen Präsidenten, in Syrien und Libyen kaum gebraucht, und ist schwupps auf der Seite des Volkes. Wenn es denn weit genug weg ist. Dem eigenen traut er eher nicht.

Bei der letzten ukrainischen Präsidentschaftswahl 2010 setzte sich der Oligarchie-Vertreter Wiktor Janukowitsch mit 49 % gegen die Vertreterin der anderen Oligarchie-Gruppe um Julia Tymoschenko knapp durch. Die Wahlbeobachter der OSZE hielten die Abstimmung für korrekt. Es sind vor allem die Timoschenko-Gruppe, die offen antisemitische Swoboda-Partei, und die Partei des politisierenden Boxers Vitali Klitschko, die in den Medien als Volk aufschimmern. Klitschko wird wesentlich von der „Konrad Adenauer Stiftung“ unterstützt. Schließlich noch Wenn mal jemand das Berliner Rathaus dauerhaft besetzen, tagelang den Alexanderplatz besiedeln und das Regierungsviertel blockieren würde, hätten die Damen und Herren der CDU-Stiftung längst nach der Bundeswehr gerufen. Aber wenn das gleiche in Kiew geschieht, dann attestiert die Stiftung dem ukrainischen Präsidenten einen „Weg ins Nichts“. Und die FAZ sekundiert barmend: „Noch ist die Ukraine nicht gestorben“.

Ziemlich gestorben ist die internationale Kompetenz des deutschen Journalismus. Das hat er mit seiner Regierung gemein. Die kann auch nur von Abschreibung bis Zollunion buchstabieren. Dass die Ukraine aus ihrer Erfahrung mit dem IWF – – der hatte das Land in den 90er Jahren mit seiner „Schocktherapie“ an die Wand gefahren – – westlichen Wirtschaftsannäherungen misstraut, dass die historische Nähe zu Russland auch in den kosakischen Religions- und Befreiungskriegen gegen das katholische Polen liegt, dass immer noch eine Mehrheit der Ukrainer russisch spricht oder zweisprachig ist, das alles will das offizielle Deutschland nicht wissen. Verstocktes Nichtwissenwollen auch gegenüber dem letzten, groß angelegten deutschen Besuch in der Ukraine: Das „Reichskommissariat Ukraine“ bestand von 1941 bis 1945.

Die ukrainischen „Untermenschen“ sollten auf Dauer dem germanischen Obermenschen weichen. Hitlers Plan, in der Ukraine für 20 Millionen Deutsche „Lebensraum“ zu schaffen, scheiterte nur an der Kriegsniederlage. Bis dahin ermordete die deutsche Macht mal eben ein paar hunderttausend ukrainische Juden und brachte in den 180 Todeslagern, die sich auf dem Boden der Ukraine befanden, an die 1,4 Millionen sowjetischer Kriegsgefangener um. Die Deutschen plünderten das Land in den Hungertod und legten bei ihrem Rückzug Dörfer, Städte und Industrieanlagen in Schutt und Asche. Das hindert die geschichtsvergessene deutsche Kanzlerin nicht, die ukrainische Regierung zu warnen und ihren Sprecher drohen zu lassen: Von den pro-europäischen Kundgebungen gehe eine „sehr klare Botschaft“ aus. Es sind solche Botschaften aus Berlin, deren Arroganz nur mühsam von einem demokratischen Mäntelchen bedeckt werden und deren ökonomischer Kern durch die Löcher des Europa-Schleiers unschwer zu erkennen sind.

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Kleider machen Linke Leute

Erstellt von IE am 15. November 2013

Oh, oh, nie war der Spruch „Kleider machen Leute“ besser angebracht, wie wir sehen. Und als Überraschung des Tages, sie machen auch Linke Leute! Jedem Betrachter stellt sich jetzt nur noch die wichtige Frage was denn nun Echt oder Verkleidung ist.

Das macht die Angelegenheit erst einmal spannend, um aber auch im gleichen Moment eine gewisse Pikantere an den Tag zu bringen. Heißt es doch einerseits „Gegensätze ziehen sich an“, könnten diese sich anderseits aber auch wiederum ausschließen. Wie sagte Theodor Strom schon vor langer Zeit: „Von draußen vom Walde komm ich her“ und gerade so werden sie auch in der Modernen wahrgenommen, einmal der Nikolaus und einen Tag später ein Ex als Karlchen Marx. Nur kommen sie nicht vom Walde sondern aus ihren Gräbern

Einmal als Foto auf „Facebook Bild“ und am anderen Tag im Fernsehen des SR 3. Zwei Brüder im Geiste, zwei Burschen aus der Kiste, welche bereits die Radieschen von unten haben wachsen sehen worauf der pflanzende Gärtner aber noch ein wenig warten muss.  Wie sie sich gleichen, auch wenn der große Altersunterschied besonders farblich sichtbar wird. Wobei der eine als Geber regelmäßig den Kindern die Köpfe verdreht und der andere vielen Älteren sein Gemaltes und Geschreibsel unablässig um die Ohren hauen darf.

Da auch eine parallel verlaufende Ausbildung zugrunde liegen wird, brachte es einer zum Bischof während der andere als Pfarrer irgendwie eine Stufe niedriger hängen blieb. So schaffte es denn der Nikolaus letztendlich seiner Berufung treu zu bleiben womit die Gemeinsamkeit dann auch das Ende der Fahnenstange erreicht hätte.

Wo der Eine nun im jährlichen Rhythmus seinen Schlitten heraus kramt und immer wieder die Schlittenhunde anspannt um seine Geschenke den Kindern zuzustellen, unterwarf sich der Andere einen Paradigmenwechsel, zelebriert seine Messen heute unter den Dächern von roten Fahnen und fragt sich unablässig an wessen Kette er denn nun festgemacht ist.

Ja, gepredigt wird in den Kathedralen der Politik auch, es wird auch viel versprochen und gleich wenig eingehalten.

Den Lohn dafür, den heutigen nichtsnutzigen Sprechern ein Leben in Saus und Braus finanziert zu haben, sollen wir irgendwann später mit Zinsen und Zinseszinsen zurückbekommen. Ein schönes Märchen, bereits viele tausend Jahre alt. Vollkommen gleichgültig in welch einer politischen oder religiösen Konstellation auch immer. Unsere Erkenntnisse daraus: Wir arbeiten nicht nur und sparen für unser eigenes Ende, nein wir Schaffen auch noch für diejenigen welche über unsere Löhne und damit auch über unser Ende bestimmen.

Fotoquelle: Verlinkung mit Facebook Bild Saarland

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Ich gehe mit meiner Laterne,

Erstellt von IE am 8. November 2013

…rabimmel, rabammel, rabumm

Reden ist Silber, schweigen ist Gold. Diesen Satz müsste Rüdiger Sagel an und für sich auch gekannt haben, bevor er zu seinen holen Aussprüchen ansetzte. Nun gilt es aber nur noch über  Fehlinterpretationen seine Aussagen zu den Martins – Umzügen abzuschwächen. Aber so ist es wohl in der Linken, was sie Heute erzählen, haben sie Morgen bereits wieder vergessen, was sich ja auch in ihrer politischen Arbeit widerspiegelt.

Jetzt wird natürlich sofort aus den eigenen Reihen sein Rücktritt gefordert, was bei Wagenknecht so nicht geschieht, aber wohl bei kleineren Parteilichtern nicht anders zu erwarten war. Wenn diese Aussage zu den Martins Umzügen die einzige politische Antwort auf die Probleme unserer Zeit bleibt, ist die Partei völlig überflüssig und sollte schleunigst die Platte putzen, was wir ja dann auch aus den Kommentaren lesen können.

So ist es schon auffällig dass sich aus dieser Partei immer wieder absolute Außenseiter zu Themen melden welche sie mit noch nicht einmal 3 % der Bevölkerung teilen. Dabei sind die Menschen im Umgang miteinander vielfach weit toleranter als es die Politiker wahrhaben möchten. So ist es in vielen moslemischen Staaten aus alter Tradition heraus durchaus üblich die Hochfeste aus den unterschiedlichsten Religionen miteinander zu teilen.

So teilen Moslemische Familien in Asien und Afrika an ihren hohen Feiertagen ihre Mahlzeiten auch mit ihren christlichen, hinduistischen oder anderen Nachbarn. Eine Sitte welche auch von Seiten der Christen zum Beispiel zu Weihnachten oder Ostern entsprechend erwidert wird. Im Gegensatz zu vielen Deutschen geben sie aber nicht das was übrig bleibt, sondern der Geber beginnt  erst dann mit seiner Mahlzeit, nachdem er seine Nachbarn versorgt weiß.

Diese Teilhabe spiegelt sich auch in den Aussagen vieler türkischer Mitbürger zu diesen aufgebrachten Thema um die Martins Umzüge wieder wobei gerade die Geste des Teilens, nicht nur des Mantels eine uralte Tradition der Moslemischen Gesellschaft ist, wo den Hochzeiten gewöhnlich auch eine „Armenspeisung“ vorausgeht.

Da war es dem Rüdiger Sagel wohl zu ruhig geworden um seine Partei in NRW. Es wurde scheinbar wieder einmal Zeit „ein lautes Hurra, wir sind auch noch da,“ zu schreien, bevor der Laden total aus den Blickwinkel der Bevölkerung verschwindet. Wobei diese extreme Außenseiter Haltung gar nicht so seiner Art entspricht. Mir ist er eher als ruhige Person in Erinnerung. Aber vielleicht kreisen über NRW bereits die ersten Hardliner Viren welche auf dem nächsten Parteitag seinen Posten besetzen möchten. Ein Aspirant aus dem Schacht Bottrop von der siebenten Sohle etwa?

Einen Bericht aus der aktuell Stunde, mit Dank an einen Kommentator findet ihr:

>>>>> HIER <<<<<

Rabimmel, rabammel, rabumm

Rüdiger Sagel will es nicht so gemeint haben. „Einige meiner Aussagen sind offensichtlich oder absichtlich missinterpretiert worden“, beteuert der Landesvorsitzende der Linkspartei in Nordrhein-Westfalen. „Dass Sankt-Martins-Umzüge nicht mehr stattfinden sollen oder der katholische Heilige gar abgeschafft werden soll, ist nicht meine Meinung“, übt er sich in Schadensbegrenzung.

Seit ihrem Ausscheiden aus dem Landtag im vergangenen Jahr war es still geworden um die NRW-Linkspartei. So sehr sich der im Juni 2012 gewählte Landeschef Sagel auch mühte: politische Äußerungen von ihm fanden nur höchst selten ihren Weg in die Öffentlichkeit. Seit dieser Woche hat sich das geändert – wenn auch anders, als es sich der 58-jährige Ex-Grüne erträumt haben mag. Ein solches Rabimmel-Rabammel-Rabumm dürfte Sagel in der Tat noch nie erlebt haben.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

Solidarität mit St. Martin!

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Fotoquelle: Wikipedia – Source: nl:Afbeelding:Sintmaarten.jpg

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Sonne, Mond und Sterne …

Erstellt von UP. am 6. November 2013

Rüdiger Sagel, der Vorsitzende der Linkspartei in NRW, hatte sich dafür ausgesprochen, die Sankt-Martin-Feier in „Sonne-Mond-und Sternefest“ umzubenennen. Die Kindertagesstätten in Deutschland sollten muslimischen Kindern den christlichen Glauben nicht aufdrängen, erklärte Sagel.
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyek, sprach sich indes ebenfalls gegen das Aus für Sankt Martin aus. Er habe nichts gegen das Fest und selbst als Grundschüler immer gerne an den Martinszügen teilgenommen, sagte Mazyek.
Quelle: RP und allgemeine Tagesnachrichten

Der Sagel nun wieder! Eigentlich habe ich diesen Mann für vernünftiger gehalten. Ich habe mich geirrt. Sollten wir dazu vielleicht auch die Blasmusik der diversen Orchester, die in der Regel den Laternenumzug begleiten, ebenfalls erstzen oder abschaffen, weil die Musik nicht „multikulti“ klingt???
Ja – Menschenskinder, haben denn diese Typen wie Sagel und Ko[ns][h]orten nix anderes zu tun? Nun fehlt noch, dass sich die Pädagogen und Soziologen der Linken einmischen in diesen sagel’schen Vollklozugriff. Dann wäre der Kitt’l g’flickt.

Dazu ich finde es geradezu vorbildlich, wie sich Aiman A. Mazyek verhält, indem er den Sagel kurzerhand ausbremst.
Nach Sagels Denke sollten wir vielleicht auch Weihnachten abschaffen, um muslimischen und jüdischen Kindern „das Defizit des Nicht-Beschenktwerdens“ zu ersparen? Oder Ostern?

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Ein Bischof kommt zurück

Erstellt von IE am 23. Oktober 2013

BILD sprach zuerst mit dem Papst

Diözesanes Zentrum St. Nikolaus in Limburg

Tebartz-van Elst kann auf eine Rückkehr in zwei bis drei Monaten hoffen

++ Vatikan spricht erstmals von „Spannungen und Leiden“ im Bistum

Weiter lesen wir, dass sich jetzt auch die „Bunte“ in diesen illustren Fall eingeklickt hat. Damit ist zumindest sicher gestellt das dieses Thema erhalten bleibt und die „Galaristen Presse“ ein neues Mitglied auf ihrer Prominenten – Bank sitzen haben, welcher von den Bürgern in Limburg auch als Golem bezeichnet wird.

Golem, etwas Ungeformtes ein Wort aus dem Hebräischen, auch eine Frau welche noch kein Kind geboren hat. Heute also ist er in den Adelsstand der Klatschpresse erhoben worden. In einer Reihe mit Matthäus dem Loddar, Bum-Bum Boris, van der Vaart, Oskar und auch Sahra. Passt doch oder! Und wir haben noch nicht einmal Karneval.

Gleich nach dem Stuhl ist jetzt auch Bild heilig gesprochen worden!

Wir lesen im Internet auf Bild de. folgende Sensation:

Der Vatikan hat die BILD-Meldung bestätigt:

Papst Franziskus nimmt Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (53)

aus der Schusslinie.

Der Bischof zieht sich in Absprache mit dem Vatikan für zwei oder drei Monate von den Amtsgeschäften in Limburg zurück. In der Zwischenzeit soll ein enger Vertrauter Tebartz-van Elsts die Diözese leiten.

Wolfgang Rösch (54), designierter Generalvikar des Bischofs und derzeit noch Stadtdekan in Wiesbaden, wird Tebartz-van Elst in den nächsten Wochen vertreten.

Nach dieser Zeit der Abwesenheit darf Tebartz auf eine Rückkehr nach Limburg hoffen, um dann seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen zu können.

Im Gespräch mit BILD betonte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi die Bedeutung des Prüfausschusses, dessen Ergebnisse natürlich für die Bewertung der Lage relevant bleiben. Er sprach von einer Situation der „Spannungen“ im Bistum Limburg. Er sprach in diesem Zusammenhang auch von einer „Zeit der Reflexion“ für den Limburger Bischof.

Quelle: Bild >>>>> weiterlesen

Fotoquellen:

St. Nikolaus – Wikipedia -Author Cirdan

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Franz-Peter Tebartz-van Elst – Wikipedia – Author Christliches Medienmagazin pro

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Grafikquelle: DL/Redaktion/UP

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Ein katholischer Sündenpfuhl

Erstellt von IE am 17. Oktober 2013

Über eine ganz andere Sichtweise der Limburger Skandale weiß der folgende Artikel zu berichten. Der Bericht lässt nur erahnen wie tief die katholische Kirche durch diesen Skandal noch erschüttert werden kann, da sich andeutet das bislang nur die Spitze eines Eisberg sichtbar geworden ist.

Angedeutet wurden verschiedene Vermutungen auch schon gestern Abend in der Anne Will Sendung der ARD wo sich die Beteiligten aber nur sehr vorsichtig und zurückhaltend äußerten. Ganz vorsichtig als wäre die Angst hier in etwas hineingezogen zu werden übermächtig. Lassen wir uns also überraschen.

Ein katholischer Sündenpfuhl

ORTSTERMIN Sex, Macht, Gier: Bischof Tebartz-van Elst ist kein Einzelfall, denn Geistliche im Bistum Limburg denken schon seit langer Zeit nur an ihr eigenes Wohl

AUS LIMBURG MATHIAS BRÖCKERS

Am Wochenende besuchte ich das Haus, in dem mein Großvater von 1944 bis 1958 wohnte. Hinein konnte ich aber nicht. Auch nicht in das Nachbarhaus, in dem mein Vater ein Zimmer bezog, als er 1945 als Obergefreiter aus dem Krieg kam, denn beide Häuser gehören jetzt zu dem Anwesen, das als „Prunkresidenz“ des Bischofs von Limburg weltweit Aufsehen erregt.

Die damals heruntergekommenen Fachwerkhäuser sind jetzt schön renoviert, der Hof und die Grünfläche dazwischen, auf dem Omas roter Sonnenschirm mit den weißen Punkten stand, sind dunkel gepflastert, das Gittertor mit einer Alarmanlage versehen. Daneben ist ein ebenfalls gesicherter Parkplatz entstanden und um die Ecke ein schöner Platz vor dem Eingang zu Diozösanmuseum.

Der Abenteuerspielplatz

Außer für die Führungen dort war mein Opa hauptamtlich für die Musik im Dom und die große Orgel zuständig, und wenn er mittags den großen Schlüssel für die Dompforte nahm, um ein wenig zu spielen, ging ich gern mit, denn die leere Kathedrale war ein toller Abenteuerspielplatz.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Prunk und Stunk

Erstellt von Rationalgalerie am 17. Oktober 2013

Der Limburger Dom – Da schaut der Bischof schon aus einen Fenster

Dank Hitler: Bauen für die Ewigkeit

Autor: Wolfgang Blaschka

Rationalgalerie

Datum: 17. Oktober 2013

In Limburg steht ein Dom: Romanisch. Wuchtig. Alt. Aus rotem Sandstein aufgeführt als Abbild des „himmlischen Jerusalem“. Über der Vierung ein spitz behelmtes Oktogon, das alles überrragt, dazu am Querhaus vier flankierende Türme, und an der Westfront des Langhauses nochmal zwei. Sieben Fingerzeige also nach ganz oben, hinan zum Jenseits irdischer Gefilde. Gutsituierten Älteren dürfte das pompöse Bauwerk noch von der höchsten D-Mark-Bankknote bekannt sein, dem Tausender-Schein in gediegenem Braun. In Wirklichkeit erhebt sich Limburgs Dom über die schwarzgeschieferten Altstadt-Dächer an der Lahn in leuchtendem Rot. Davor erstreckt sich der weitläufige Komplex des Bischofssitzes samt Ordinariat, Diözesanmuseum und neu errichteter Privat-Wohnung inclusive Innenhof und Kapelle des exzellenten Hausherrn mit dem Respekt einflößenden Namen Franz-Peter Tebartz-van Elst, so standesgemäß wie er einem ehrwürdigen Bischof eben gebührt.

Doch mit der allgemeinen Ehrfurcht ist es mittlerweilen vorbei. Der Oberhirte mit Krummstab und Siegelring wird neuerdings gemobbt, wegen Baukostenüberschreitung. Wie kleinlich! Statt 5,5 Millionen Euro haben die Renovierungs- und Neubarbeiten an seiner Residenz nun 31, wenn nicht 40 Millionen gekostet. Dabei hat er nur feinste Materialien verbauen lassen und sich ein Badezimmer mit frei stehender Designer-Wanne für 15.000 Euro genehmigt. Auch ein Bistumsvorsteher muss sich doch mal den Schmutz des Alltags von den feinen Gliedern waschen können, all den Dreck, der das hochwürdige Leben eines führenden Kirchenmannes besudelt. Etwa die staatsanwaltlichen Anwürfe gegen ihn wegen seiner offenbar falschen eidesstattlichen Erklärung gegenüber dem SPIEGEL bezüglich eines Erste-Klasse-Fluges zu den Hungernden Indiens. Nun steht er unter Verdacht wegen Lügens und Prunksucht also. Wie profan! Dabei hat er doch nur repräsentiert, was Kirche schon immer war und sein wollte: Eine Dependance des Transszendentalen hienieden, eine Filiale des Überirdischen auf dem Boden der drögen Realität. Dazu bedarf es auch einer gewissen Innenausstattung für die 2,9 Millionen teure Wohnung.

Soll Tebartz-van Elst in Lumpen gehen, in härenen Kutten? Ungewaschen an den Altar vor seinen Allerhöchsten treten? Wer von den gläubigen Schäfchen hätte sich denn andachtsvoll vor einen Pontifikal-Zelebranten gekniet und für sein ewiges Leben gebetet, sich huldvoll „abspeisen“ lassen mit einer Oblate aus seiner beringten Hand, wenn es im Dom nicht nach Weihrauch, sondern nach ungewaschenem, verlumptem Schafshirten gemuffelt hätte? Wer ginge denn zu hohen Feiertagen in die große Kathedrale, um sich wie in der gammeligen Aussegnungshalle eines Dorffriedhofs zu fühlen?! Es sollte doch alles feierlich sein, bombastisch und gemütserhebend, nicht gruftig wie unter der Brücke, oder? Mit Orgelklang und Festgeläut, Wohlgeruch und Glanz und Gloria. Und eben einem wie aus dem Ei gepellten Bischof. Manche wollten sogar seinen Ring küssen. Das ging nicht ab ohne Hygiene auf gehobenem Niveau, da wäre sonst gleich das Seuchenamt auf der Matte gestanden. Gut, vielleicht war das mit den mehreren zehntausend Euro übertrieben, für die das Dach der bischöflichen Hauskapelle nochmal aufgesägt werden musste, um nachträglich eine stabile Halterung für den Adventskranz zu installieren. Aber ein ordentlicher Adventskranz sollte nun mal hängen, sonst ist er bloß ein Advents-Gesteck.

Über Jahrhunderte gab es kein Problem für die katholische Kirche mit der Repräsentation zur höheren Ehre ihres höchsten Herrn, bis auf ein paar Nörgler und Bettelmönche, die nicht einsehen wollten, wieso der Klerus in Saus und Braus lebte, während die meisten Gläubigen einfach nur dran glauben mussten. Abgesehen von einzelnen Eremiten und Asketen gelang es den Kirchenfürsten immer ganz gut so zu tun, als seien ihre Gotteshäuser quasi die Paläste der Armen, zumindest ihrer armen Seelen, die doch ihr Leben erst noch vor sich hätten nach dem Ableben der sterblichen Überreste. Ihre monumentalen Kathedralen und Klöster, ihre prächtigen Kreuzgänge und Krypten, bombastischen Baptisterien und Basiliken, Campaniles und Columbarien sollten doch wohl so etwas wie Vorgeschmack auf die Pracht des Paradieses darstellen, das sich denen auftäte, die brav ihre Sakramente empfingen. Dafür musste niemand Eintritt zahlen. Es wurde sogar Kirchenasyl gewährt. Verrechnet wurde über den Zehnten, über Kerzenspenden, Opferstöcke, Altar-Stiftungen, Erbschaften und Ablasszahlungen.

Bis auf den Zehnten und die Ablasszahlungen funktioniert das bis heute genauso. Und selbst die gibt es in modernisierter Form noch immer: Der Zehnte wurde zur Kirchensteuer, und die Ablasszahlungen blecht der Staat als Entschädigung für Säkularisierung und Mediatisierung von Ländereien und Liegenschaften aus ehemaligem Kirchenbesitz bis heute, nach alten Verträgen von 1806, 1919, 1949, 1990, als sogenannte Dotationen, auf alle Zeiten. Der säkulare Staat finanziert darüber hinaus die Bischöfe, die Militärgeistlichen, Krankenhaus- und Gefängnis-Seelsorger, bezuschusst sämtliche kirchlichen Kindergärten und Schulen, Altenwohnheime und Krankenhäuser über die Wohlfahrtsverbände Caritas (kath.) und Diakonie (evang.), alle sozialen Einrichtungen und Aktivitäten. Von wegen mildtätige Werke der Kirchen! Ihr Eigenanteil liegt meist bei 15 Prozent. Der Rest sind Betriebs-Einnahmen und öffentliche Zuschüsse, und zwar von allen Steuerzahlern, ob sie religiös gebunden sind oder nicht. Atheisten, Agnostiker, Andersgläubige, alle zahlen die „Werke der christlichen Nächstenliebe“, ungefragt und selbstverständlich. Das Konkordat macht’s möglich. Der erste und einzige immer noch völkerrechtlich gültige Vertrag von Adolf Hitler mit dem Vatikan, der ihn international salonfähig machen sollte.

Die Erhaltung des gotischen Freiburger Münsters bezahlen zu je einem Drittel das Erzbistum Freiburg und das Land Baden-Württemberg, die Stadt Freiburg und private Spender, jeweils ein Sechstel. Für das Bischöfliche Hilfswerk Misereor bringt die katholische Kirche nur 5 Prozent der Kosten auf, und der Evangelische Entwicklungsdienst trägt sich zu weniger als einem Drittel evangelisch. Ein Großteil der Unterstützung wird den Kirchen gar nicht erst ausgezahlt: Der Staat erlässt ihnen auch vieles. Kirchliche Einrichtungen zählen als Tendenzbetriebe, die wie Gewerkschaften, Verbände, parteinahe Stiftungen keine Steuern auf Zinserträge oder Immobilien berappen, und sie zahlen keine Gebühren für eine Baugenehmigung, für den Notar, für ein Gericht oder für Sendezeit in öffentlich-rechtlichen Medien. Sie sparen sich auch den Aufwand, ihre „Mitgliedsbeiträge“ selbst einzutreiben.

Doch ist nicht die ganze Kirche eine Mogelpackung? Verspricht sie nicht das ewige Leben? Hat sie das auch nur einmal einlösen und klinisch einwandfrei nachweisen können? Was ist mit dem angepriesenen Seelenheil? Oder dem klassischen Verkaufsschlager Erlösung? Würde ein Arzneimittel aufgrund von „Wunder“-Beglaubigungen zugelassen? Fiele es nicht unter das Rauschmittel- oder Betäubungsmittelgesetz? Oder mehr noch: Scharlatanerie? Was bedeutet da der Vorwurf gegen einen Bischof, dass er lügt? Er schummelt doch von Berufs wegen. Und viele glauben es nur zu gern. Ist der Zauberkünstler daran schuld, wenn ihm soviele Augenpaare nicht auf die Schliche kommen? Seine Tricks sind gerademal so gut, wie die Zuschauer sich bezaubern lassen. Ein Bischof ohne sakramentale Zauberkraft wäre doch keiner. Nicht einmal ein Dorfpfarrer, der die Wandlung nicht perfekt beherrscht. Man sieht nichts, man riecht nichts, es passiert auch nichts, und doch geschieht das Wunder im Kopf des Gläubigen. Klingelingeling! Die reine Einbildung. Weil sie gewollt ist. Es braucht kein Opium, es reicht Placebo. Der pawlowsche Hund hechelt schon beim Anblick einer schwarzen Soutane, bei einer roten winselt er.

Tebartz-van Elst ist nach Rom geeilt. Er weiß dort selbst ein paar Verbündete, unter anderen den ultrakonservativen Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller, den skandalösen Ex-Bischof von Regensburg, der nun der Glaubenskongregation vorsteht und es sich zum Hobby gemacht hat, die Schriften vom emeritierten Altpapst Ratzinger zu redigieren und herauszubringen. In dessen Jesus-Büchern stehen ziemlich gewagte Sachen drin, beispielsweise über die jungfräuliche Empfängnis Mutter Mariens. Der Heilige Geist soll sie übers Ohr befruchtet haben. Indem sie zutiefst gehorsam seiner Verkündigung gegenüber gewesen sei, habe sie in grenzenlosem Gottvertrauen einen Gottessohn geboren. So geht das, Kinder! Nur immer schön gehorchen, dann schnackelt’s! In der Schwangerenberatung lachen sie dich mit so einer Story milde aus. Aus dem Mund von Tebartz-van Elst ist solch jenseitiger Quatsch nicht bekannt. Der ist deutlich diesseitiger orientiert. Allerdings gibt er das so vollmundig nicht kund, ist ja kein Verkündigungsengel. Sein Wort in der Katholiken Ohr lautet: „Wer mich kennt, weiß, dass ich keinen pompösen Lebensstil brauche“. Scheint aber nichts gefruchtet zu haben. Er schiebt alles auf die baufällige Vikarie und den hessischen Denkmalschutz. Der weiß davon gar nichts. Es habe nur ein Beratungsgespräch gegeben. Die Kirche ließe sich von dem auch nichts vorschreiben. So ist das mit dem Konkordat: „Kirchenstaat“ im Bundesland.

In Limburg wird einmal ein Dom gestanden haben: Romantisch. Ruinös. Zu. Wenn er dereinst irreparabel baufällig geworden gesperrt werden muss, weil nichts mehr zu reparieren ist, wo das Fundament nachgibt, wenn sich die Türme gefährlich neigen und das Gewölbe in bedrohlichen Rissen spreizt, weil die massiven Pfeiler aus dem Lot geraten, der Putz abplatzt, der Marmorboden Höcker aufwirft oder in vorzeitliche Feuergruben absackt, wenn also nichts Konservatorisches mehr hilft, weil die Statik insgesamt nicht mehr trägt, und das Monument zur pittoresken Ruine umgewidmet werden muss unter strengster staatlicher Bauaufsicht, dann steht die bischöfliche Hauskapelle immer noch wie eine Eins, denn sie ist fest gefügt und nachhaltig gebaut nach besten Standards, mit schießschartenartigen Fenstern unterm himmelstürmend wärmegedämmten Steilsatteldach, und alle werden sagen: Seltsam, dass da kein Bischof mehr drin wohnt, weil das Bistum gar nicht mehr existiert. Aber der Adventskranz hängt, schmiedeeisern!

Die Diözese mag irgendwohin eingemeindet oder aufgelöst worden sein. Das ist das aufklärerische Verdienst Tebartz-van Elsts, dass neuerdings täglich 20 Kirchenaustritte zu verzeichnen sind, wo früher nur einer alle zwei Tage fällig wurde. Dank seiner vorbildhaften Belehrung ex cathedra über das innere Wesen der katholischen Kirche. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die letzten Kirchensteuerzahler von ihr abgewandt haben werden. Bleiben übrig die schönen veraltenden Bauten. Zur archäologischen Erinnerung an vergangene religiöse Zeiten. Teils immer noch in profaner Nutzung als voll funktionstüchtiger historischer Kindergarten, mit güldenen Türknäufen zum Antatschen, geeignet genausogut als Seniorentreff, Jugendclub, Bücherei mit angeschlossenem Museum. Darin sündteure Kunstgegenstände für immerhin 450.000 Euro, die der ehemalige Bistumsverweser einst anschaffen ließ, angeblich finanziert von der hundert Millionen schweren bischöflichen Schatulle aus altem Kirchenvermögen, die ihm unabhängig von den Kirchensteuergeldern zur persönlichen Verfügung gestanden haben soll. Ein reicher Mann muss das gewesen sein, wird man vielsagend raunen. Ein armer Wicht, der das alles aufgeben musste. Bleibt eine theologische Frage von Rang: Kommt so ein Bischof wegen Veruntreuung in die Hölle? Und trifft er dort auf Adolf Hitler? Wir werden die Glaubenskongregation um Aufklärung bitten. Obwohl: Glauben und Aufklärung haben natürlich nichts miteinander zu tun.

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vox populi – vox dei

Erstellt von UP. am 10. Oktober 2013

Der Papst trägt ein Eisenkreuz, trägt nicht diese blöden roten Schuhe und schläft in einer einfachen Kammer und will nicht einmal in seinem Palast wohnen, wo die Päpste seit Jahrhunderten zu Hause sind.
Der Papst predigt Barmherzigkeit und übt sie auch. Nutten, Schwule und andere werden unter dem Merkmal der Barmherzigkeit angesehen, dass man sie nicht „verdamme“.

Und ein Bischof tritt mit seinem protzigen Grössenwahn den HARTZ IV – Empfängern in’s Gesicht! Allein das Badezimmer mit freistehender Wanne kostete mutmasslich 15’000 Euronen.

Erstaunt war der Herr Bischof vor ein paar Tagen, dass die Kosten von 5 Mio auf über 30 Mio explodiert sind. „Erstaunt“ – das muss man sich einmal weg-tun!!!

Zolitsch, der Scheffe des Bischofsclans, zeigte sich in der Tagesschau relativ erschüttert. Dieser Limburger Bischof gehört nicht seines Amtes enthoben, sondern degradiert zum Wander-Bischof. Wandern durch Deutschland – richtig zu Fuss gehen – und sein ganzer Stab gleich mit. Es kann doch nicht sein, dass man von den Kosten richtig kalt erwischt wurde.
Ganz sicher wurden Abschlagszahlung auf Bauleistungen angefordert und bezahlt. Und spätestens, als die Bausumme der Gewerke die 8 Millionen – Grenze überschritten hatte, müssten eigentlich die Glocken des Limburger Domes Alarm gebimmelt haben.

Der Franz sollte so ein wenig von dem haben, was Don Camillos Bischof gehabt hat. Er sollte ihn in die Berge schicken, diesen selbstgefälligen prunklustigen Knecht Gottes. Und wenn er es im Winter warm haben will, muss er das Holz selber hacken.

Aber NEIN – wenn er gehen muss, dann geht er in Staatspension der positiven Art – finanziert durch Steuergelder.

Es ist an der Zeit, dass die Trennung von Tisch und Bett, sprich: die Trennung von Kirche und Staat endlich angeschoben wird. Wie im tiefen Frankreich! Dann wüssten diese Pseudo-Popen, warum sie ihrer Berufung gefolgt sind: Um für die Menschen da zu sein.

Die Menschen wehren sich nun wegen der Prunksucht dieses seltsamen Hirten. Dieser Typ muss weg – und zwar schnell. Wie ich sagte: VOX POPULI – VOX DEI : Die Stimme des Volkes ist die Stimme Gottes. Die Basis ist längst gegen ihn – der Mainstream hatte bisher geschwiegen; nun können sie nicht mehr anders, als sich mit Bedacht gegen diesen „Oberhirten“ zu wenden.

Die F.D.P. könnte sich eigentlich nun profilieren: Es gab einmal das sogenannte Kirchenpapier von 1974, welches die strikte Trennung von Kirche und Staat forderte. Nun wäre die Zeit reif für das nicht-mehr-staatliche-Einziehen der Kirchensteuer. Der Knallerpartei könnte es fast mehr nutzen als schaden. Aber vielleicht sind sie schon selber draufgekommen und haben es angepackt: Freie Kirche in einem Freien Staat. Wie sagte 1974 die Scheffin der Katholen? Dass die Kirchensteuer in erheblichem Maße für soziale Projekte wie Kindergärten, Krankenhäuser oder die Aids-Hilfe verwendet werde.
Ist klar: ‚in erheblichem Masse‘!!! Und das was fehlt, geht damals wie heute für Prunksucht drauf. Damals hat sich nur keiner der Christen getraut, das anzuprangern. Der wäre glatt ex-kommuniziert worden…

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Die PDS war toleranter

Erstellt von IE am 22. August 2013

Ja, das waren noch Zeiten hört man aus der Ost-Linken heute immer öfter klagen da der jetzige Zustand der Partei nicht gerade zuversichtlich stimmt. Nur das Klagen nützt jetzt alles nichts mehr, der Parteienzusammenschluss schien im beiderseitigem Interesse. Die Einen wollten das Geld und die Anderen die Bindung zu den Gewerkschaften.

Und was bleibt als Zwischenbilanz unter dem Strich: Der Westen ist Pleite und die Gewerkschaften haben vor wenigen Wochen ihre alten Bindungen in weiten Teilen bekräftigt. Nun nachdem die gegenseitig ausgetauschten Geschenkmogelpackungen bis in den letzten Winkel durchforstet sind, kommt die große Ernüchterung. Fusion misslungen, Patient Scheintod.

Es ist schon so, dass sowohl Gysi als auch Bisky sich mehrfach äußerten, dem Westen fehlt es in der Partei nicht nur an Geld sondern auch an jeglicher Kultur. Dieses bestätigt in den folgenden Interview auch Bodo Ramelow auf indirekte Weise sehr eindrucksvoll wenn er sich beschwert dass die Religionen in der Partei ignoriert werden.

Wobei Linke es eigentlich besser wissen müsste! Sprach doch das Links sein früher einmal mehr die  intellektuellen Kreise darunter auch die Künstler, Kabarettisten  usw. an. Gerade diese wissen, dass alles was im Land um Goethe und Schiller an Kultur existiert seine Wurzeln in den Religionen findet. Wohlgemerkt ich schreibe nicht von einem Glauben!

Folgen wir der Erkenntnis von Bodo brauchen wir uns die Frage warum diese Partei im Westen von der Bevölkerung nicht angenommen wird, nicht mehr zu stellen, sondern sollten fragen wo sie denn geblieben sind,  als bekennende Parteimitglieder, in der Linken und warum? Die nächste Frage wäre dann folgerichtig was denn in Berlin gegen diese Zustände unternommen wird oder wurde, um ein  Vorhandensein von Vorständen zu rechtfertigen. Nichts !!

„Die PDS war toleranter“

Bodo Ramelow findet, seine Partei sei gegenüber Gläubigen zu intolerant. Deshalb hat der frühere religionspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion gegen das Bundestagswahlprogramm der Linken gestimmt

taz: Herr Ramelow, Sie haben auf dem Bundesparteitag im Juni gegen das Wahlprogramm Ihrer Partei gestimmt, weil Ihnen im Wahlprogramm eine Passage zur Religion missfiel.

Bodo Ramelow: Religion ist kein Thema, über das man nachts auf einem Parteitag spricht. Das Thema muss so gründlich behandelt werden wie unsere sozialen Stammthemen.

Was folgt für Sie daraus?

Das war ein Betriebsunfall, der bedauerlich ist. Als ich am nächsten Tag in einer Erklärung meine Entscheidung für mein Nein begründet hatte, bekam ich viel Applaus. Seitdem gibt es in der Linken eine Diskussion, bei der mein Werben für die Bedeutung der Religion auf viel Zustimmung stößt.

Was bedeutet für Sie Religion?

Ich entstamme einer christlichen Familie, evangelische Traditionen sind bei uns zu Hause gelebt worden. Die zweite Ebene ist der öffentliche Raum. Da sage ich: Religion gehört zu Spiritualität, zum geistigen Wesen der Menschheit dazu.

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Ein Papst macht Politik

Erstellt von IE am 6. August 2013

Zu berichten gab es über den Papst und seine Institution in den letzten Jahren mehr als genug. Für gewöhnlich negatives. Jetzt lässt ein neuer Mann plötzlich aufhorchen, wir lesen positive Schlagzeilen. Und das alles von Journalisten welche den Ruf haben sich nicht gerade in die Nähe von Kirchen und Religionen aufzuhalten.

Sicher das „Made in Germany“ zog seine persönliche Reißleine. Er wollte nicht nicht mehr machen, was er nicht konnte ! Sah sich den großen Erwartungen der Bildzeitung nicht gewachsen. So legte einen Rücktritt hin, über welchen vielleicht auch noch in 2000 Jahren berichtet wird. Denn wer verzichtet schon freiwillig darauf über Nacht seine Heiligkeit zu verlieren ? Unsere Politiker, Merkel ? Diese sind so intelligent und abgehoben, dass sie nicht einmal verstehen warum ihre Arbeit kritisiert wird. Sich selber Versagen bescheinigen, niemals.

So wird doch auch gesagt das ein jeder in seine Arbeit hineinwächst, eine gewisse Entwicklung vollzieht. Politiker sind hier natürlich ausgeschlossen. Sollte sich dieses bewahrheiten werden einem manchen in absehbarer Zeit schlaflose Nächte bevorstehen. Denn, vielleicht werden dann die TäterInnen auch einmal mit Namen genannt werden. Vielleicht lesen oder hören wir eines Tages dass er zum Beispiel den Besuch einer Frau Merkel ablehnt. Das er für WaffenlobbyistInnen und KriegstreiberInnen keine Verständnis und damit auch keine Zeit erübrigen möchte? Niemand zwingt einen Papst sich auf eine Seite mit BetrügerInnen zu stellen.

Überhaupt vielleicht reicht es in unserer Gesellschaft schon aus, wenn ein jeder genau das macht, was er zuvor angekündigt hat. Seinen gegebenen Versprechungen nachkommt. Wer weiß, ein Licht im Tunnel, eine Kerze der Hoffnung welche die Parteien nicht mehr entzünden können? Wir leben wirklich in einer verrückten Zeit. Wir gehen wählen und können trotzdem nur darauf hoffen dass die Wahlverträge auch eingehalten werden?

Der Papst lebt gefährlich, weil er ja sagt, nein sagt

Ein Kreuz aus Eisen

Papst Franziskus mag Situationen, die seinen Sicherheitsleuten die Haare zu Berge stehen lassen. Für seine Tour über die Flüchtlingsinsel Lampedusa und durch Rio de Janeiro verschmähte er das gepanzerte Papamobil, er wählte stattdessen einen offenen Fiat. Und stieg immer wieder aus.

Aber womöglich droht ihm eher Gefahr aus den Reihen derer, die ihn gerne weiter umstellen, „beschützen“, abschirmen würden: aus der Kurie.

Dogmen und Prunk

Dieser Papst ist, wenigstens in der Inszenierung, das Gegenteil seines Vorgängers. Ratzinger, der dogmatisch sattelfeste „Theologenpapst“, liebte die prunkvolle Selbstzurschaustellung in prächtigen Gewändern, kramte längst in Vergessenheit geratene Mützchen mit Pelzbesatz wieder raus, die seit Jahrzehnten kein Papst mehr getragen hatte. Zugleich gab sich der Hirte im Umgang mit seinen Schafen schüchtern, fast verklemmt, aber entschieden, wenn es um die Verteidigung der Dogmen ging. Ohne größere Gegenwehr ließ er zu, dass ihn diverse Vatikan-Seilschaften von der Welt abschirmten und ertrug still leidend deren Verschwörungen – bis er dann aus dem Käfig ausbrach. Sein einziger revolutionärer Akt, der ihm einen Platz in den Papstannalen sichern wird.

Und jetzt Franziskus. Statt „Tradition“ nimmt der ein in Kurienkreisen eher gefährliches Wort in den Mund: „Normalität“ – und stellt derweil, vatikanisch gesprochen, recht unnormale Sachen an. Der Mann wohnt im Gästehaus Santa Marta statt in den Papstgemächern – und erklärt, er würde halt „psychiatrische“ Probleme bekommen, wenn er nicht unter Menschen sei. Er trägt ein Kreuz aus billigem Eisen auf der Brust, keines aus Gold oder Silber, er predigt nicht farbenfroh aufgebrezelt, sondern im schlichten weißen Talar. Seine schwarze Tasche (Inhalt: Rasierapparat und Gebetsbrevier) trägt er selbst ins Flugzeug. Und auf dem Rückflug der Brasilienreise redet er ungeschützt mehr als eine Stunde mit Journalisten, über Schwule, Frauen, Geschiedene – während Ratzinger auf seinen Reisen immer nur für ein paar Minuten zur Medienmeute fand, um dann drei, vier vorher eingereichte Fragen mit erwartbaren Sprachregelungen zu beantworten.

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Ein Schauspiel der Macht

Erstellt von IE am 16. März 2013

Da wurde uns mit der Papstwahl aber ein bombastisches Spektakel frei Haus geliefert. Der Pomp, die Inszenierung, die Dramatik, dass ungeduldige warten auf den Einsatz der Raucherbrigade. Toll, ein heroischer Moment in der Weltgeschichte. Das ist genau das worauf wir kleinen Unterwürfigen warten.

War es da noch wichtig wer oder wie dort gewählt wurde? War es denn nicht vollkommen egal wer dort als Nachfolger von Benedikt oder auch Petrus an die Spitze der Kirche trat? Die Zeremonien, die Rituale, die Kommentare, das Für und das Wider, war das nicht alles bereits lange zuvor geschrieben und wurde dann blitzschnell auf die entsprechende Person zurechtgerückt?

Ja, es war ein Ablauf, so wie wir es seit Anbeginn aller Aufzeichnungen kennen. Von ganz früher auf gemalten Bildern, zum Beispiel die Wandgemälde und Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle über gemachte Fotografien, bis heute aus Film und Fernsehen. Egal wo und wann, erst sehen wir den Einzug der Gladiatoren, dann folgt die Bekanntmachung (Verkündung) des Siegers und als Abschluss die Ansprache an das niedrige Volk, natürlich von einer Empore.

Besteht da ein Unterschied zwischen den Einzug der englischen Königin in das Ober- Unterhaus, den eines neugewählten Präsidenten oder der einer Kanzlerin in unseren eigenen Land? Die Kostümierungen sind unterschiedlich und dienen auch als Hinweis auf Herkunft und Kultur, aber die Schranzen und das drumherum gleichen einander. Ob früher bei den Römern, an den späteren Adelshöfen, bei den Kommunisten in der ehemaligen UDSSR, den Stammesritualen in Afrika, oder in unserer Demokratie und bei den verschiedensten Religionen, um hier nur einige Beispiele anzuführen,  ein jedes Mal feiert sich die Macht!

Und das einfältige Volk verdreht vor Verzückung die Augen und träumt davon eines schönen Tages auch dem erlauchten Kreis zugehörig zu sein. Es bemerkt noch nicht einmal das es für sie nur den Karneval und die Schützenfeste gibt, gleichfalls von einen König oder Prinzen angeführt und von der Macht gefördert, als Ventil des Ausgleich. Brot und Spiele eben!

Innerhalb der Religionen erhalten wir so Versprechungen für die Ewigkeit während die staatliche Macht zuvor eine sichere Altersversorgung versprochen hat. Wobei ein Motto dem anderen gleicht: Später wird es euch einmal besser gehen. Letztendlich alles dasselbe denn so wie für die Menschen später nicht mehr genügend Geld für eine anständige Rente vorhanden ist, was sich für jede Generation in schöner Regelmäßigkeit wiederholt (Kriegerwitwen, Kriegswaisen oder Spätheimkehrer), werden auch die Plätze für die Ewigkeit bei Bedarf, lange schon besetzt sein.

Mit anderen Worten, viele verzichten auf vieles damit es wenigen über die Maßen gut geht. Ob Vatikan, Bundestag oder in allen anderen „Hohen Häusern“ der Welt. Ob im Papamobil, Mercedes- Pullmann oder Rolls-Roycs, es steigen überall die gleichen Typen ein und auch wieder aus. Billige Lakaien öffnen und schließen die Türen um den Schmarotzern der Menschheit ihre Unterwürfigkeit zu beweisen. Mensch wo bleibt Euer Stolz und Eure Würde?

So habe ich zwischen allen gelesenen Jubelarien und Lobpreisungen einer ebenfalls unterwürfigen Hofberichterstattung einen Kommentar gelesen welchen ich gerne mit allen teilen möchte.

Junta-Kumpel löst Hitlerjunge ab

Dem neuen Papst Franziskus wird vieles nachgesagt: Hoffnungsträger für die Schwachen, Hetzer gegen Homosexuelle, Opportunist mit dubioser Vergangenheit. Aber wird er irgendetwas ändern? Und muss er das?

Der neue Papst ist, den bislang vorliegenden Informationen nach zu urteilen, ein reaktionärer alter Sack wie sein Vorgänger. Der war seinerseits einem reaktionären alten Sack gefolgt, der wiederum einen reaktionären alten Sack beerbt hatte. Alter Sack I. folgte Alter Sack II., Alter Sack II. aber folgte Alter Sack III. – in einem fort, jahrein, jahraus.

Ob dieser oder jene alte Sack eine Schwäche für die Schwachen („katholische Soziallehre“) hatte oder sich mit esoterischem Klimbim („katholische Dogmatik“) beschäftigte, ist so relevant wie die Frage, ob er nebenher Briefmarken sammelte oder lieber doch Schmetterlinge.

Der neue alte Sack, der künftig unter dem Künstlernamen Franziskus auftreten wird, hat, so ist zu vernehmen, als er noch Jorge Bergoglio hieß und Erzbischof von Buenos Aires war, gegen die Ehe von Lesben und Schwulen („Plan des Teufels“) und das Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare („Kindesmissbrauch“) gekämpft. Noch früher soll er als Leiter der argentinischen Jesuiten ein enges Verhältnis zur Militärjunta unterhalten und Gegner des Regimes denunziert haben.

Aber ist das so verwunderlich? Und was hat man denn erwartet? Einen gut aussehenden schwulen Afrikaner, der George Bataille, Simone de Beauvoir und die Situationisten verehrt, der den Islam, das Judentum oder die Lehren eines Bettelmönchs aus dem Anhaltischen für ebenbürtige Wege zu Gott hält, der den päpstlichen Anspruch auf Führung („Petrus-Primat“) und Unfehlbarkeit („Ich hab recht, du nicht“) sausen lässt und sich nach der Sonntagsmesse mit einem Joint entspannt?

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

Hier noch ein Interview mit den Investigativjournalist Horacio Verbitsky.

„Bergoglio spielt ein doppeltes Spiel“

taz: Herr Verbitsky, warum bestehen eigentlich überhaupt Zweifel am Verhalten Jorge Bergoglios während der argentinischen Militärdiktatur?

Horacio Verbitsky: Er war der Obere der Compañía de Jesús in Argentinien, also der Jesuiten. Er war der letzten Perón-Regierung intensiv verbunden. Und er war Mitglied in einer Organisation namens Guardia de Hierro, einer Gruppierung innerhalb des Peronismus, die eine sehr mystische Entwicklung nahm, die Perón mit Jesus Christus gleichsetzte. Als der Militärputsch erfolgte, wurde diese Organisation von Admiral Massera kooptiert. Der benutzte die Organisation bei den Konflikten innerhalb der Militärjunta gegen General Videla. An diesem ganzen Prozess war Bergoglio beteiligt.

Wie denn?

Die Compañía de Jesús war in jenen Jahren so etwas wie die Avantgarde des sozialen Aktivismus und des „Tercermundismo“, also der Emanzipation der Dritten Welt, sehr aktiv in den Armenvierteln. Bergoglio setzte eine inhaltliche Neuorientierung durch: Er machte den sozialen Aktivitäten ein Ende und orientierte auf spirituelle Arbeit. Und er ließ jene Pater im Stich, die er noch selbst in die Armenviertel geschickt hatte.

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Mein lieber Benedetto …

Erstellt von IE am 15. Februar 2013

bye, bye

Heute erreichte uns, ein wenig verspätet, ein nicht ganz so „Offener Brief“ von ganz oben. Da dieser sich mit der Geschäftsbilanz des Papstes befasst möchten wir ihn unserer Leserschaft nicht vorenthalten.

Mein lieber Benedetto,

ich war es nicht. Ich bin zwar der Allmächtige, aber selbst ich kann Kim Jong Un nicht davon abhalten, Atomböller und -raketen abzufeuern. Wenn die Nordkoreaner ihrer Freude über deinen Rücktritt so Ausdruck verleihen wollen, bin auch ich machtlos.

Und damit zu uns, Benedetto, zum Geschäftlichen. Du wirst zwar in absehbarer Zeit vor meinen Stuhl treten, aber wenn du vorzeitig deinen Posten räumst, dann kann ich auch schon jetzt deine Bilanz vorlegen. Persönlich hatten wir uns sowieso nie viel zu sagen.

Erst einmal, Benedetto – oder sollte ich dich jetzt besser wieder Joseph nennen? Ja, Joseph, dir gebührt meine aufrichtige Anerkennung für dein Gespür, die Bombe just zum Rosenmontag platzen zu lassen. Das hast du wirklich fein hingekriegt! Und selbstverständlich marketingtechnisch nicht mit mir abgesprochen. Wenn die Meldung von deinem Rücktritt in den Nachrichtensendungen umrahmt wird von all diesen Karnevalsumzügen, denkt doch jeder da draußen, wir wären der größte Karnevalsverein der Welt.

Wenn du so stur und einsam eine solch weitreichende Entscheidung triffst, glauben die Menschen da unten doch tatsächlich, die katholische Kirche wäre ebenso engstirnig und würde brecheisenfest auf dem exklusiven Zugangsrecht zu einer ewig gültigen, universellen Wahrheit beharren. Das ist als Unique Selling Proposition heute wahrlich nicht mehr zu gebrauchen! Dann heißt es wieder, der Glaube würde einzig und allein auf einem von anonymen Kopisten über Jahrhunderte hinweg aus alten Mythen zusammengestückelten heiligen Buch basieren, das ein zuvor durch Generationen von Analphabeten geschleustes Sammelsurium beliebter Sagen und altertümlicher Räuberpistolen präsentiert. Das kauft einem heutzutage keiner mehr ab. Und außerdem hatte ich mir beim Erfinden der Geschichten große Mühe gegeben.
 
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Spiele mit der Macht

Erstellt von IE am 12. Februar 2013

Jetzt rücken sie wieder aufeinander zu, sie stützen sich gegenseitig, die Inhaber der Macht! Die Mächtigen dieser Welt, egal welcher Religion oder Politik auch immer. Der Rücktritt des Papstes lädt dazu ein, ist ein willkommener Anlass sich in trauter Gegenseitigkeit mit Lobhudeleien zu überhäufen. Das gutherzige des Menschen und seine Leistungen? gehören entsprechend gewürdigt, von anderen Inhabern der Macht.

Genau so aber arbeitet Macht und hält sich entsprechend an derselben. Jeder Bürger konnte in den letzten Jahren das Versagen dieses Papstes mitverfolgen, in Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen. Es hagelte nur so von Kritiken auf die Kirche. Und heute wird er von all seinen einstigen Kritikern schon auf einer Wolke in die (ewigen) Lüfte emporgehoben. Vielleicht da er nun seine einzige Großtag vollbracht hat? In all den Jahren! Die Ankündigung seines Rücktritt, denn es gehört Größe zu dem Eingeständnis geistig nachzulassen. Ei, ei, all ihr Helmutigen und Merkligen.

Bleiben wir also innerhalb der Religion und sagen: Gott sei Dank, er ist gegangen. Freiwillig! Gleichwohl, ändern wird sich nicht viel, der Nachfolger steht schon bereit und sagt man nicht ? „Was wir haben das wissen wir, was kommt ist die Ungewissheit“. Macht bleibt gleich, von Anbeginn der Menschheit.

Gleiche Lobeshymnen hörten wir auch bei anderen Rücktritten und bezeichnen dieses als Teil des „Peter – Prinzip“.  Wir denken dabei an Wulff, Guttenberg oder Schavan. Da wird sogar in der Politik mit Auferstehung gedroht. Da werden aus „politischen Scharlatanen“ plötzlich Größen aus einer anderen Welt, welche ihre Posten aber nur verlassen mussten, da der Druck von unten zu groß wurde. Es geht also, oder?

[youtube OYhBUy3_Fzo]

Die Frage der Machterhaltung ist das Ergebnis des Zusammenhalt an der Spitze. Dabei ist die Form des herrschenden System weniger ausschlaggebend was an Ländern wie Syrien, Libyen, Ägypten oder auch Saudi-Arabien sichtbar wird. Man stützt sich gegenseitig und Namen sind beliebig austauschbar egal ob Mubarak, Sadat, Gaddafi, Obama, Merkel oder Hollande. Letztendlich ist alles nur eine Frage des Geldes und der damit verbundenen Wirtschaftskraft. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.

Politisch ist die Erhaltung der Macht nur möglich wenn es gelingt die Opposition zu spalten und damit auszuschalten. Diese Opposition fehlt im Bundestag zum Beispiel vollkommen oder ist nicht wahrnehmbar da die SPD und Grünen die Macht der Regierung stärken. Staatsräson ist hier ein schönes Wort, welches nur mit dem bei den Protesten gegen Stuttgart 21 aufgekommenen Wort entkräftet werden kann: „Lügenpack“.

An Stuttgart 21 wird sich wohl das Schicksal der Grünen entscheiden. Wird der Bahnhof nicht gebaut werden die Grünen einen enormen Zulauf bekommen. Merkel hat dieses Projekt zur Chefsache erklärt und muss alles daransetzen den Bahnhof fertigstellen zu lassen. Koste es was es wolle? Wollen wir einmal sehen wie lange noch? Es sind letztlich Spiele um die Macht.

Um hier mitspielen zu können ist die LINKE innerhalb ihrer Strukturen viel zu zerrissen. Eine innerparteiliche Einigung der verschiedensten Interessengruppen wird sich auch kaum noch bewerkstelligen lassen. Von Beginn an wurde von zu Vielen nur an den persönlichen Vorteil gedacht. Zuviel an Glaubwürdigkeit wurde in den letzten Jahren verspielt. Zu sehr hat man sich selbst an die Ränder der Gesellschaft begeben. Zu einem Spiel mit der Macht braucht es andere Voraussetzungen, in einer Demokratie nennen wir sie Mehrheiten.

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Der Vatikan und sein „Waschsalon“

Erstellt von Martha Brauch - Waiblingen - am 6. Januar 2013

Wieder einmal macht der Vatikan von sich Reden. Dieses Mal ist es nicht der Missbrauch von Schutzbefohlenen, die Kirchenmänner benutzten, um ihre menschlichen Gelüste zu befriedigen. Nein! Wieder einmal ist es die IOR (Vatikanbank), die für Schlagzeilen sorgt. Die Vatikanbank arbeitet – juristisch gesehen – mit eigenem Vermögen und auf eigene Rechnung im Auftrag des Papstes und fungiert damit als eine Art Girozentrale der katholischen Kirche.

Schon längere Zeit hat die italienische Finanzpolizei Transaktionen dieser Vatikanbank unter die Lupe genommen und ermittelt offiziell gegen den Chef der Bank, Ettore Gotti Tedeschi. 23 Millionen Euro wurden 2010 wegen des Verdachts auf Geldwäsche von einem Konto des Instituts beschlagnahmt. Der Vatikan selbst zeigt sich „verblüfft und überrascht“.

Doch kann er sich glaubhaft überrascht zeigen? Schon in den 80er-Jahren war die Vatikanbank IOR mit einem Riesenskandal in die Schlagzeilen geraten. Dieser Skandal wurde sogar im dritten Teil des Films „Der Pate“ eingebaut.

Im Juni 1982 baumelte an der Blackfriars-Bridge in London dmittie Leiche von Roberto Calvi, dem damaligen Präsidenten der Mailänder Bank Ambrosiano. In seinen Taschen wurden Backsteine und 15.000 Dollar gefunden, also Zeichen auf einen Fememord der Mafia. Kurz vor seinem Tod soll Calvi gesagt haben, wenn ihm etwas zustoße, müsse der Papst zurücktreten.

Calvi, dessen Banken-Imperium Mitte der 1975er-Jahre zusammenbrach, arbeitete eng mit dem obersten Chef des IOR und einem Geldwäschebanker der Mafia, Michele Sindona, der im Gefängnis später vergiftet wurde, zusammen. Investitionen des Mafiahelfers kosteten das IOR rund 50 Millionen Dollar.

Nach dem Tod Calvis kam heraus, dass der Vatikan durch diese Verbindungen und über Beteiligungen an der Banco Amrosiano an einem großen Geldwäschenetz und waghalsigen Geschäften beteiligt war. Calvi und Sindona waren Mitglieder in der umstürzlerischen Geheimloge P2, die später verboten wurde. Der eine lieferte Geld auch aus dem Handel mit Heroin und der andere gründete Briefkastenfirmen und legte das Geld an. Für südamerikanische Staaten wurden damit unter anderem Waffengeschäfte finanziert.

Erzbischof Paul Casimir Marcinkus

Die IOR war in die größte Bankenpleite der Geschichte Italiens verwickelt, nachdem sich Calvi verzockt und seine Bank 1,5 Milliarden Dollar Schulden hatte. Durch Verbindungen des damaligen Chefs, ein amerikanischer Erzbischof, Paul Casimir Marcinkus, hatte die Vatikanbank Bürgschaften für die Mailänder Bank übernommen. Er hatte scheinbar versucht, mit gefälschten Aktien an Darlehen heranzukommen. Auch gegen Erzbischof Marcinkus erging in Italien ein Haftbefehl, worauf dieser den Vatikan nicht mehr verließ und später in die USA flüchtete.

Mehr als fünf Milliarden Dollar Gesamtvermögen

Medienberichten zufolge beläuft sich das Gesamtvermögen des IOR mittlerweile auf mehr als fünf Milliarden Dollar, die von ca. 150 Mitarbeitern im Nikolausturm des Vatikans betreut werden. Die Vatikanbank ist nur dem Papst Rechenschaft schuldig. Viele katholische Einrichtungen haben dort ein Konto.

1968 hatte Papst Paul VI. (auch Pillen-Paule genannt) eine Enzyklika herausgegeben, in der die katholische Kirche sich strikt gegen die Anti-Baby-Pille wandte. Peinlich nur, dass das IOR bis 1970 an einem Pharmaunternehmen, das die Anti-Baby-Pille produzierte, Aktienmehrheit besaß.

Am 23. September 2009 löste Gotti Tedischis den Präsidenten der vatikaneigenen Bank Istituto per le Opere di Religione (IOR) Angelo Caloia auf Druck Papst Benedikts XVI ab, nachdem durch ein Buch des Journalisten Gianluigi Nuzzi einige unangenehme Geschäfte aus dem Vatikan bekannt wurden. Gleichzeitig löste der Papst den gesamten Aufsichtsrat auf. Tedeschis sollte die Vatikanbank wieder auf sichere Füße stellen, mehr Transparenz schaffen und die innerhalb der EU geltenden Regelungen zur Verhinderung von Geldwäsche einhalten.

Gotti Tedeschi

In den Jahren davor gab es immer wieder Ermittlungen wegen undurchsichtiger Transaktionen der IOR. Gotti Tedeschi gilt als Experte für Finanzethik und hat gute Verbindungen innerhalb der römisch-katholischen Kirche. Zuvor war er Chef der Santander-Bank in Italien. Am 21. September 2010 leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Tedeschi und den Generaldirektor der IOR, Paolo Citriani, wegen des Verstoßes gegen die Normen zur Verhinderung von Geldwäsche ein. Die italienischen Behörden hatten 23 Millionen Euro über Monate beschlagnahmt. Das Geld befand sich auf dem Konto einer anderen Bank und sollte zu JP Morgan in Frankfurt und an ein anonymen Empfänger überwiesen werden. Die Vatikanbank, die übrigens keine richtige Bank ist, hatte scheinbar keine Kontrollmitteilungen über den Transfer der Überweisungen gemacht.  Die Ermittlungen wurden 2011 eingestellt und das konfiszierte Geld zurückerstattet. Gotti Tedeschi hatte zuvor das vatikanische Finanzsystem neu geordnet und Benedikt XVI per Dekret verfügt, dass die Vatikanbank die EU-Richtlinien zur Geldwäsche zu befolgen habe und gleichzeitig eine vatikanische Finanzinformationsbehörde geschaffen.

.Zudem tauchte vor gut einem Jahr in einem Bericht des US-Außenministeriums der Vatikan auf einer Liste auf, in der Staaten wegen des Verdachts auf Geldwäsche beobachtet werden.

Mittlerweile agiert die IOR viel vorsichtiger. Trotzdem werden aber immer wieder Gerüchte laut, die Bank habe mit Geldwäsche zu tun.

Nach einem einstimmigen Misstrauensvotum des Vorstands trat Tedeschi am 24. Mai 2012 als Präsident der Vatikanbank IOR zurück. Als Begründung teilte das Pressebüro des Vatikans mit, er habe „grundlegenden Anforderungen(!) nicht genügt“ und „trotz mehrmaliger Mahnungen Aufgaben von vordringlicher Wichtigkeit nicht ausgeführt.“

Wenn auch die Hintergründe nicht klar sind, wird vermutet, dass im Vatikan wieder einmal recht unheilig gemobbt wurde oder ein neuer Skandal ins Haus steht. Außerdem hat das dem Papst direkt unterstellte Institut für die religiösen Werke (IOR) seit Jahrzehnten einen recht zweifelhaften Ruf.

Gotti Tedeschi sagte zu dieser Bankrotterklärung lediglich, er wolle das nicht kommentieren, „sonst müsse er hässliche Worte in den Mund nehmen“.

Nun wird im Vatikan ein Nachfolger gesucht, der “wirksame und umfangreiche Beziehungen zwischen dem IOR und der Finanzgemeinschaft” aufbauen soll.

Am Tag nach dem Rücktritt Tedeschis bestätigte der vatikanische Pressesprecher Federico Lombardi die Festnahme des päpstlichen Kammerdieners Paolo Gabriele, der Geheimpapiere des Papstes veröffentlicht hatte.

Medien berichteten, dass Tedeschi in den vergangenen Monaten immer wieder mit dem vatikanischen Staatssekretär Kardinal Tarcisio Berone in Konflikt geraten war. Das hätte zur Ausgrenzung Tedeschis geführt. Interimspräsident der Bank wurde Ronaldo Schmitz, ein Vertreter der Deutschen Bank im IOR-Vorstand.

Im Zusammenhang mit einem Bestechungsskandal des Rüstungskonzerns Finmeccanica durchsuchte im Juni 2012 die Polizei Tedeschis Haus.

Italienische Medien berichten, dass Tedeschi seitenlange Schreiben an den Papst vorbereitet hatte, in dem der ehemalige Santander-Banker die Missstände in dem Finanzinstitut des Vatikans beschreibt. Danach sollen sowohl Politiker als auch streitbare Vermittler und Strohmänner der organisierten Kriminalität chiffrierte Konten bei dem Institut für Religiöse Werke haben (wie das IOR übersetzt heißt). Nach Aussagen von Gotti Tedeschi soll dieser um sein Leben fürchten. Eine Kopie der Schreiben sollte im Fall seines Todes auch an einen befreundeten Journalisten gehen. Nach Darstellung des entlassenen IOR-Präsidenten sollen seine Probleme beim IOR begonnen haben, als er Fragen nach den Namen hinter den Nummernkonten stellte.

Kein elektronischer Zahlungsverkehr mehr

Seit 1. Januar 2013 ist der Vatikan vom elektronischen Zahlungsverkehr abgeschnitten. Besucher und Gläubige können damit nicht mehr wie gewohnt mit Kredit- oder EC-Karte, sondern nur noch in bar bezahlen. Grund ist das über Jahrzehnte immer wieder hochgekommene Problem, das lautet: Verdacht auf Geldwäsche.

In der Apotheke, dem Supermarkt, der Vatikanpost und vor allem an den Eintrittkassen berühmter Museen sind bei einem Jahresumsatz von mehr als 90 Millionen Euro nur Barzahlungen möglich.

Die Deutsche Bank Italien hat bisher einen Großteil des Zahlungsverkehrs für den Vatikan abgewickelt. Eine Genehmigung für den elektronischen Zahlungsverkehr wurde von den Behörden abgelehnt, weil die Banca d’Italia der Auffassung ist, dass der Vatikan die internationalen Anti-Geldwäsche-Standards immer noch nicht erfüllt. Aus diesem Grund dürfen italienische Banken die Finanztransaktionen im Vatikan nicht mehr abwickeln.

Der Vatikan gibt dazu keinen Kommentar ab. Allerdings bestätigte der Vatikansprecher Lombardi, dass Verträge einiger vatikanischen Einrichtungen mit einem ihrer Finanzdienstleister ausgelaufen sind.

Fazit

Dass Banken zocken und spekulieren ist bekannt. Auf diese Weise sind sie mitschuldig am Preisanstieg etwa bei Lebensmitteln, die ärmere Menschen sich nicht mehr leisten können. Dass aber Banken zu Geldwäschern werden um den Verdienst von Heroin zu legalisieren ist mehr als verbrecherisch.

Sollte hier ein Zusammenhang bestehen? Banken sind schließlich mittlerweile weltweit vernetzt und von der Deutschen Bank in Deutschland wurde in den letzten Wochen auch einiges an unreellen Machenschaften bekannt.

Sind in den Unterlagen der IOR Dokumente sichergestellt worden, die zeigen, dass die Deutsche Bank in Deutschland ebenso in die Machenschaften der Vatikanbank verstrickt ist? Schließlich ist einer aus dem Aufsichtsrat der Vatikanbank Interimschef geworden und stammt zufällig (?) aus der Deutschen Bank Italien

Offensichtlich sind im Vatikan Intrigen und Machtkämpfe genauso gängig, wie in der Wirtschaft. Die hohen Geistlichen sind wie es scheint genauso menschlich wie die Deutsche Bank und ihre Mitarbeiter, gegen die ermittelt wird. Es ist eben nicht überall „Kirche“ drin, wo „Kirche“ draufsteht.

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„Die Wut der Muslime“?

Erstellt von IE am 24. September 2012

Wer hat Angst vor der ‚Wut der Muslime‘?

Von der Titelseite eines US-Magazins (unten) schreit der allgemeine Medientenor der vergangenen zwei Wochen: die muslimische Welt ist von anti-westlicher Wut über einen islamophobischen Film in Brand gesetzt, Horden gewaltsamer Demonstranten bedrohen uns alle…Doch stimmt das? Bürger und die neuen Medien reagieren bereits, und Gawker hat den Hype bereits mit alternativen Bildern der „Wut der Muslime“ brilliant satirisch aufbereitet:

Sieben Dinge, die Sie bei all der ‚Wut‘ vielleicht verpasst haben:

Wie so ziemlich jedermann finden die meisten Muslime das 13-minütige islamophobische Video “Innocence of Muslims” (Die Unschuld der Muslime) schlecht gemacht, geschmacklos und anstößig. Die Proteste haben sich schnell verbreitet, indem sie verständliche und seit langem schwelende Klagen über eine neo-kolonialistische Außenpolitik der USA und des Westens im Nahen Osten, sowie religiöse Empfindlichkeit bei Darstellungen des Propheten Mohammeds aufgreifen. Doch die Berichterstattung lässt oft wichtige Punkte aus:

1. Frühe Schätzungen besagen, dass die Teilnahme an Demonstrationen gegen den Film bei etwa 0.001 bis 0.007% der weltweit 1.5 Milliarden Muslime liegt — ein winziger Prozentsatz im Vergleich zu denen, die im Rahmen des Arabischen Frühlings für Demokratie auf die Straße gingen.

2. Die große Mehrheit der Demonstranten hat sich friedlich verhalten. Die Angriffe auf ausländische Botschaften wurden fast alle von Elementen der Salafistenbewegung, einer radikalislamischen Gruppierung, die es hauptsächlich darauf abgesehen hat, populärere moderate islamische Gruppen zu unterminieren, organisiert oder befeuert.

3. Hochrangige libysche und amerikanische Offizielle sind unentschieden, ob der tödliche Angriff auf einen US-Botschafter in Libyen vermutlich lange geplant war, um auf den 11. September zu fallen, und somit keine Verbindung zum Film hatte.

4. Abgesehen von Angriffen radikaler militanter Gruppen in Libyen und Afghanistan legt ein Überblick der Berichterstattung am 20. September nahe, dass wirkliche Demonstranten genau null Menschen getötet hatten. Die Todesfälle, die in den Medien berichtet wurden, sind überwiegend von der Polizei getötete Demonstranten.

5. So ziemlich jeder wichtige Entscheidungsträger, ob muslimisch oder nicht, hat den Film und jegliche Gewalt, die daraufhin verübt wurde, verurteilt.

6. Der Papst besuchte auf der Höhe der Spannungen den Libanon und Hisbollah-Mitglieder waren bei seiner Predigt gegenwärtig, warteten mit Protesten, bis er wieder abgereist war, und sprachen sich für religiöse Toleranz aus. Ja, das ist tatsächlich passiert.

7. Nach dem Angriff von Benghazi gingen Bürger dort und in Tripoli mit Schildern auf die Straße, auf denen sie das Geschehen bedauerten und sagten, dass die Gewalt weder sie noch Ihre Religion repräsentiere.

Dazu kommen zahlreiche wirklich bedeutende Nachrichten, die vergangene Woche kaum Gehör fanden und für reißerische Nachrichten über wütende Muslime Platz machen mussten, die einen „Kampf der Kulturen“ propagieren. In Russland gingen zehntausende Demonstranten in Moskau gegen Präsident Putin auf die Straße. Hunderttausende Portugiesen und Spanier schlossen sich Protesten gegen die Sparpolitik an; und über eine Million Katalanen forderten Unabhängigkeit.

Wut der Muslime oder Strategie der Salafisten

Die “Unschuld der Muslime” wurde von Salafisten, einer radikalislamischen Bewegung, die von Saudi-Arabien unterstützt wird, aufgeschnappt und mit Untertiteln verbreitet. Der Film war ein billig gemachter Youtube-Flop bis ein ägyptischer salafistischer Fernsehmoderator, Sheikh Khaled Abdullah (rechts), am 8. September damit begann, ihn unter seinen Zuschauern bekannt zu machen. Die meisten Muslime ignorierten den Film oder protestierten friedlich, doch die Salafisten, erkennbar durch ihre schwarzen Flaggen, instigierten die aggressiveren Demonstrationen, die es auf Botschaften abgesehen hatten. Hohe Mitglieder der Salafistenpartei Ägyptens waren bei den Protesten zugegen, bei denen die US-Botschaft in Kairo getroffen wurde. Wie bei stark rechts gerichteten Bewegungen in den USA oder Europa ist die Strategie der Salafisten, die öffentliche Meinung nach rechts zu ziehen, indem Gelegenheiten zum Aufschüren radikaler Wut und der Dämonisierung ideologischer Gegenspieler genutzt werden. Dieser Ansatz ähnelt dem des anti-muslimischen US-Pfarrers Terry Jones (der den Film im Westen propagierte) und anderer westlicher Extremisten. Ein führendes Mitglieder von Ägyptens Muslimbruderschaft (der mächtigere und populärere politische Opponent der Salafisten Ägyptens) schrieb an die New York Times: „Wir halten die Regierung oder Bürger Amerikas nicht für die Taten einiger weniger, die die Rechte für freie Meinungsäußerung ausnutzen, verantwortlich“.

Gute Berichterstattung hierzu

Ein einsames Grüppchen von Journalisten und Intellektuellen hat sich den Protesten mit dem Wunsch genähert, wirklich die dahinter stehenden Kräfte zu verstehen. Zu ihnen zählen Hisham Matar, der eindrucksvoll Beghazi nach dem Tod von Botschafter Stevens beschreibt, und Barnaby Phillips, der sich damit beschäftigt, wie islamische Konservative den Film zu ihrem Vorteil manipulierten. Die Anthropologin Sarah Kendzior warnt davor, die muslimische Welt als eine homogene Einheit zu betrachten. Und Professor Stanley Fish untersucht eine schwierige Frage: warum viele Muslime so sensibel auf unschmeichelhafte Darstellungen des Islam reagieren.

Quelle: AVAAZ.ORG

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Ein Schnitt für Gott ?

Erstellt von IE am 22. Juli 2012

Das Kölner Urteil über die Beschneidung schlägt Wellen und ist mit Sicherheit nicht als ein juristischer Betriebsunfall zu werten. Die Reaktion der Regierung und der Politik im allgemeinen ist am besten mit panisch zu bezeichnen. Das hier ein jeder der nun zu hörenden Lautsprecher plötzlich seine Meinung äußert ist nur allzu normal, ist es doch eine gute Möglichkeit wieder einmal auf sich aufmerksam zu machen.

Da sich die Republik gerne als ein laizistischer Staat bezeichnet dürfte die Fragen nach religiösen Brauchtum an und für sich nicht an erster Stelle stehen. Ein Staat in dem verharmlost gesagt, der einfache Klapp auf den Po eines Kindes schon kritisch beargwöhnt wird, erlaubt den Schnitt zwecks Erzielung eines nicht mehr rückgängig zu machenden Zustand an einen wehrlosen Säugling? Stände es einem Staat nicht besser zu Gesicht auf die eigene Entscheidungsfreiheit seiner Mündel zu drängen?

Auch leben wir in einer Gesellschaft in der heute noch für die Gleichberechtigung der Geschlechter gekämpft wird! Wo liegt der Unterschied zwischen einer Beschneidung zwischen Knaben und Mädchen? In den religiösen Ansichten der Eltern? In abgelegenen Teilen von Indien wird heute noch die lebend Verbrennung von  Witwen praktiziert, was ist mit dem Exorzismus oder den Hexenverbrennungen ? Werden wir in Zukunft auf alle religiösen Gruppierungen aufgrund des abwegigsten Brauchtum Rücksicht nehmen müssen? Was dem einen Recht ist, kann den anderen nur billig sein.

Wo liegen die Ursprünge dieses Brauchtum? Hier der Versuch einer Erklärung von Martin Reichert:

Hände auf die Bettdecke

Gibt es ein Menschenrecht auf Vorhaut? Auf diese Formel ließe sich die derzeit in Deutschland geführte Beschneidungsdebatte bringen – doch der Diskurs ist vielfältig überlagert, vor allem von religiösen Interessen. Längst geht es nicht mehr nur um die Vorhaut des Mannes, sondern um Weltumspannendes: Christen gegen Islam und Judentum, westliche Moderne versus Tradition. Um Identität, um Integration. Aber wie halten es eigentlich die Christen mit der Beschneidung?

Das Christentum, jene sektiererische Abspaltung des Judentums, grenzte sich zunächst von der jüdischen Praxis ab, um Differenz herzustellen; schon Paulus von Tarsus propagierte: „Wer glaubt, durch die Beschneidung heilig zu werden, ist auf dem Irrweg.“ Die weltweit schätzungsweise 400 Millionen muslimischen Männer verdanken ihren beschnittenen Penis hingegen – wenn die Überlieferung stimmt – dem Umstand, dass Mohammed ohne beziehungsweise mit verkürzter Vorhaut auf die Welt gekommen sein soll. Die Beschneidung wird zwar im Koran nicht erwähnt, ist aber in der Sunna beschrieben, heute wichtiger Bestandteil des Islam, und wurde zu einem wichtigen Baustein kultureller Identität.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

Fotoquelle: Eine beschnittener Penis / Wikipedia – frei

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Die Muslime von New York

Erstellt von IE am 21. Juli 2012

Der schwarze Islam des Malcolm X will etwas anderes als der weiße Islam der Einwanderer.

Stühle in einer Moschee sind ein ungewöhnlicher Anblick. Sie deuten an: Nicht alle, die in diesem Saal in Harlem beten, sind geborene Muslime. Wer nicht von Kindheit an die vorgeschriebene Haltung beim Gebet eingeübt hat, dem fehlt die Geschmeidigkeit der Gelenke. So ging es sogar jenem Mann, dessen Namen diese Moschee trägt, Malik El-Shabazz, besser bekannt als Malcolm X. Als der berühmteste afroamerikanische Konvertit seine erste Pilgerfahrt nach Mekka unternahm, 1964, entzündete sich sein Zeh von all dem Knien und Hocken.

Beim Freitagsgebet an diesem Mittag werden die Stühle im rückwärtigen Teil des Saals von den meisten Gläubigen verschmäht; nur ein leises Ächzen hier und dort verrät die Mühe, sich vom Teppich zu erheben. Die Versammelten, mehrere hundert, sind ganz überwiegend Afroamerikaner. Frauen beten im selben Raum wie Männer, nur durch einen Gang, nicht durch einen Vorhang getrennt.

Quelle: Le Monde diplomatique >>>>> weiterlesen

Fotoquelle: 2010-03-31 00:36 Jleon 2434×3285× (4821265 bytes) {{Information |Description = From top left: Midtown Manhattan, United Nations headquarters, the Statue of Liberty, the Empire State Building, Times Square, the Unisphere in Flushing Meadows – Corona Park, the Brooklyn Bridge, and Lower M

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Der Musiker Shahin Najafi

Erstellt von IE am 9. Juni 2012

Schon vier Todesdekrete gegen den in Deutschland lebenden iranischen Musiker Shahin Najafi sind bislang von islamischen Geistlichen erlassen worden. Dieses machte der seit vier Wochen an einem geheimen Ort unter Polizeischutz lebende Musiker am letzten Mittwoch bekannt. Er habe aber nicht vor beizugeben und werde weiterhin kritische Texte sowie eine Tournee planen.

Der 31 jährigen wurde bereits im Mai von zwei Großajatollahs als Ketzer beschimpft und Gotteslästerung vorgeworfen. Er habe in seinem jüngsten Song den von schiitischen Muslimen verehrten zehnten Imam beleidigt.

Jetzt seien noch zwei weitere solcher Fatwas hinzugekommen, sagte Najafi. Er habe Strafanzeige wegen Aufrufs zum Mord gestellt hat. Außerdem ist auf den Musiker ein Kopfgeld von 100.000 Dollar ausgesetzt. „In meinem Text geht es um gesellschaftliche und politische Probleme im Iran und um die Beschränkung von Freiheit.“ Sein jüngster Song sei satirisch und provozierend – und er bleibe bei seinen Aussagen, sagte Najafi, der 2005 nach Deutschland gekommen war.

In seiner Heimat war er Untergrundmusiker und politischer Aktivist. Najafis Songs werden dort auf dem Schwarzmarkt gekauft oder im Internet heruntergeladen.

Stille Diplomatie werde nicht weiterhelfen, sagt Günter Wallraff. Der Publizist und fordert für verfolgte Künstler mehr Solidarität. Er unterstützt derzeit den bedrohten Musiker Shahin Najaf.

Wallraff will eine möglichst breite Solidarität für ihn organisieren. „Shahin Najafi ist jemand, der bereit ist, etwas zu riskieren und der jetzt Schutz und Hilfestellung braucht“, betonte der Schriftsteller (69). „Man muss den Angstmachern in dem menschenverachtenden iranischen Regime zeigen, dass sie letztlich unterlegen sind, sich selbst entblöden und nur das Gegenteil erreichen. Shahins Texte werden im Iran umso mehr gehört.“

Bereits 1989 hatte Wallraff den iranischen Schriftsteller Salman Rushdie aufgenommen, der wegen seines Buchs „Die satanischen Verse“ ebenfalls mit einer Fatwa mit dem Tode bedroht worden war.

Nach Wallraffs Worten kündigen inzwischen auch in Deutschland schon Unbekannte anonym auf Webseiten an, sie wollten „Vollstrecker“ der Fatwas werden. Vor der deutschen Botschaft in Teheran werde in staatlich organisierten Demonstrationen die Auslieferung Najafis verlangt, Fotos von ihm würden verbrannt.

Hier ein Interview mit Günter Wallraff:

„Die meinen es todernst“

taz: Herr Wallraff, Sie kümmern sich jetzt um den Musiker Shahin Najafi, der aus dem Iran mit dem Tode bedroht wird. Was können Sie für ihn tun?

Günter Wallraff: Shahin Najafi hat sich an mich gewandt, und ich habe ihm meine Hilfe angeboten. Jetzt ist er an einem sicheren Ort, an dem schon Salman Rushdie einige Zeit verbracht hat. Wichtig ist, dass er jetzt eine breite Unterstützung bekommt.

Konnten Sie ihm da die richtigen Kontakte verschaffen?

Das kommt teilweise von selbst. Was die Medien betrifft, kann er sich nicht über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen. Aber die Solidarität seiner deutschen Künstlerkollegen muss erst organisiert werden. Und ich warte noch darauf, dass sich mal eine Stiftung meldet, die ihm ein Stipendium anbietet, damit er seine Arbeit fortsetzen kann.

Gerade hat Shahin Najafi im Internet ein neues Lied veröffentlicht, in dem er seine Lage kommentiert. War das klug?

Es gibt zwei Wege, mit so einer Situation umzugehen: Man kann sich zurückziehen und sich raushalten. Aber damit ermutigt man diejenigen, die einen mit dem Tode bedrohen. Rushdie hat es einst als den größten Fehler seines Lebens bezeichnet, als er auf den Rat der Sicherheitsbehörden hin nach Chomeinis Fatwa seine Haltung relativierte. Da wurde er erst recht attackiert.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

[youtube 4rDXhjIN030]

text:

Naqi! for sake of your sense of humor
For sake of this deportee man out of ring
For sake of the threatening life’s big penis sitting back to us
Naqi! For sake of the width and lengths of sanction and uprising dollar and the sense of humiliation
Naqi! For sake of paper made Imam
For sake of Ya Ali saying infant trapping in the womb
For sake of jurisprudence lesoon in the nose operation’s room
For sake of Agha* [the leader] and prayer bead and rug made in china
Naqi! for sake of Sheith Rezaeie’s* thumb[an Iranian football player who fingered his playmate in live broadcasting match]
For sake of the missed out religion and the religious football

Chorus:

Hey Naqi! Now that Mahdi has slept, we are calling you:hey naqi!
We are ready wearing our shrouds, hey naqi! Rise up! (2)
Naqi! For sake of love and Viagra
For sake of legs up in the air and chakra
For sake of bread, chicken, meat and fish
And Silicon breast and striped virginity
Naqi! For sake of Golshifte’s* tits [an Iranian actress who pose nude for Cezar film prize trailer]
For sake of our lost prestige which was taken
Naqi! For sake of Aryan’s race
And the plaques overhang the neck
Naqi! Please for sake of Farnood’s* dick [an Iranian child who goofed in a live TV show]
And three thousand billion* under the sapphire sky [the amount of government embezzlement from Iran’s Saderat Bank]
Persian Gulf and Uromieh Lake were fictional
By the way! What was the Green Movement leader’s name?!

Chorus (2)

Hey Naqi, hey Naqi, hey Naqi!
For sake of fart-rending* demise of nation’s Imam [it points to a goof from an Iranian TV’s host, who used fart-rending instead of the word „Heart-rending“]
For sake of fossilized political commentators far from homeland
For sake of high class widows roaming in discos
For intellectual discussions in chartrooms
For sake of notorious men’s order
For sake of female men rights‘ supporters
For sake of colored revolution on TV
For sake of 3 percent book readers of people
For sake of fake & hollow poets
For sake of this fickle crowd
Who say „viva“ in the morning & „down with“ in the evening
For sake of fantasy fiction’s hero

Chorus (2)

Hey Naqi, hey Naqi, hey Naqi!

* Naqi: also known as ‚Alī an-Naqī was the tenth of the Twelve Imams. His full name is ‚Alī ibn Muhammad ibn ‚Alī. The exact date of his birth and death are unknown, but it is generally accepted that he was born between 827–830 CE(Wikipedia)translation by aftab.nfill in by ali.d

Fotoquelle: Wikipedia / GNU-Lizenz für freie Dokumentation

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Die Bilderberger

Erstellt von UP. am 20. März 2012

… haben es eilig

Gert Flegelskamp und ich haben etwas gemeinsam: Das Interesse an den BILDERBERGERN. Absolut konform bin ich mit GF hinsichtlich des Inhaltes des rot gekennzeichneten Inhalts.
Ich bspw. kann es nicht nachvollziehen, dass so wenig Menschen sich dafür interessieren. Aber nachfolgend nun Gert Flegelskamp:

 
 
Wenn ich mir die derzeitige Politik ansehe, komme ich zu dem Schluss, dass die Bilderberger den Turbo einschalten, denn die bevorstehenden Aktionen wie ESM, ACTA, VSKS sind Schritte zur Verwirklichung einer NWO (Neue Weltordnung), wie sie von den Bilderbergern angestrebt wird. Auf den Vertrag SKS wird in der Einleitung des ESM Bezug genommen. Dort steht:

[Auszug]
(5) Am 9. Dezember 2011 haben die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten, deren Währung der Euro ist, vereinbart, Schritte in Richtung auf eine stärkere Wirtschaftsunion zu unternehmen, einschließlich eines neuen fiskalpolitischen Pakts und einer verstärkten wirtschaftspolitischen Koordinierung, die durch einen Vertrag über Stabilität, Koordinierung und Steuerung in der Wirtschafts- und Währungsunion („VSKS“) umzusetzen ist. Der VSKS wird dazu beitragen, eine engere Koordinierung der Wirtschaftspolitik im Euro-Währungsgebiet zu entwickeln, um eine dauerhafte, gesunde und stabile Verwaltung der öffentlichen Finanzen zu gewährleisten.

Ich glaube allerdings nicht, dass bei den Bilderbergern ausgekungelt wird, was zu geschehen hat. Dafür sind die Treffen zu kurz. Wenn also die Besucher der Bilderbergveranstaltungen berichten, dass dort lediglich über das Geschehen in der Welt debattiert wird, glaube ich das. Na ja, fast, denn es dürften einseitige Debatten sein. Aus meiner Sicht sind die Bilderbergtreffen Veranstaltungen, die eher mit einem Befehlsempfang zu vergleichen sind. Dort bekommen Teile der Besucher gesagt, welche Schritte sie als nächstes einleiten sollen, welche Politiker sie pushen sollen, damit sie in führende Ämter gelangen und wie die Berichterstattung in den Medien aufgebaut werden soll, damit der dumme Pöbel nicht begreift, dass man ihn am Nasenring zur Schlachtbank führt. Die Debatten, wie man weiter vorgehen will, werden wohl in anderen Organisationen geführt, wie dem Council on Foreign Relations, dem European Council on Foreign Relations, der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, dem Royal Institute of International Affairs, der Trilaterale Kommission, die Atlantikbrücke, dem Aspen-Institut und vermutlich einigen anderen (z. B. der INSM und der Bertelsmannstiftung), denn dort sind sie vereinigt, ein paar der Superreichen und ihre Handlanger aus den Bereichen der Wissenschaft, des Finanzwesens, der Politik und der Banken. Dass die noch verbliebenen Feudal-Herrscher sich damit verbrüderten, lässt den Schluss zu, dass sie ihre alte vergangene „Herrlichkeit“ zurück haben wollen.

Diese Aussage möchte ich natürlich auch begründen. Dabei gehe ich davon aus, dass das ganze politische Geschehen schon sehr viel länger von dunklen Gestalten im Hintergrund geplant und gesteuert wird, wobei die Planung und Steuerung immer den erfolgten Resultaten angepasst wird. Die Zeit, in der Politiker das politische Geschehen steuerten, ist aus meiner Sicht seit einem Jahrhundert vorbei. Einen Schlachtplan, wie man vorgehen könnte hat bereits Nahum Goldmann 1915 in seinem Buch „Der Geist des Militarismus“ beschrieben. Der aus meiner Sicht entscheidende Textauszug: Wege zur neuen Weltordnung.

Den meisten Menschen wird der Name Nahum Goldmann nichts sagen, aber er war ein wichtiger Mann im letzten Jahrhundert. Er war nicht nur Gründer und langjähriger Präsident des Jüdischen Weltkongresses, sondern auch Berater des amerikanischen Präsidenten. Auf Wikipedia ist darüber auszugsweise zu lesen:

Das Auto hielt vor der Terrasse, und bei unserem Anblick sagte Roosevelt: „Sieh an, (Samuel) Rosenman, (Rabbi) Stephen Wise und (Nahum) Goldmann bei einer Diskussion. Macht nur weiter, Sam (Rosenman) wird mir Montag sagen, was ich zu tun habe“. Sein Wagen fuhr an, und Roosevelt ließ noch einmal halten, um uns zu sagen: „Könnt Ihr Euch vorstellen, was Goebbels dafür gäbe, ein Foto dieser Szene zu bekommen: Der Präsident der Vereinigten Staaten empfängt Verhaltensmaßregeln von den drei Weisen von Zion“.

Und genau so war es und ist es heute noch. Nicht von ungefähr war der Hosenanzug in 2005 in Rottach-Egern 2005 dabei und auch mutmasslich Schröder, nachdem der zu Anfang 2005 HARTZ IV installiert hatte.
Der Politik wurde gesagt, dass ein Wechsel angesagt sei. Das Aufbäumen gegen den Wechsel des Machtbesessenen zeigte sich in der Runde danach, als er die Merkel „anmacht“; Kenner der Szene behaupteten, er habe sich mutmasslich Mut angetrunken. Auch der ‚einfache‘ Fernsehzuschauer bemerkte, dass Schröder an diesem Abend eine etwas schwere Zunge hatte.

>>> weiterlesen bei Gert Flegelskamp

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Von Wulff zu Gauck …

Erstellt von Bernd Wittich am 21. Februar 2012

und kein Ende !

Bin ich nicht ein schöner Gaukler ? In der DDR wurde ich auch IM Larve gerufen

Manche Reaktion aus der LINKEN überrascht. Beginnen wir mit einer kurzen Rückschau auf Wulff und Köhler.

Köhler sprach über die militärpolitisch zu sichernden Wirtschaftsinteressen Deutschlands. Er benannte eine Tatsache öffentlich, dafür schien es dem herrschenden Block zu früh. (Von Guttenberg sprach statt von einer Armee im Einsatz von einer Armee im Krieg, das war für das Ressort Bundeswehr und dessen Verberuflichung erwünscht.) Mit Worten wird getestet, wieweit der Konsens im herrschenden Block von der Mehrheitsgesellschaft getragen oder doch (passiv) hingenommen wird.

Wulff sprach vom Einwanderungsland Deutschland und vom Islam der zu Deutschland gehört, mit Blick auf globale Wirtschaftsinteressen und dem (nationalen) Arbeitmarkt war dieser Vorstoß vom herrschenden Block erwünscht.

Merkel säkularisiert und modernisiert die CDU, sie passt deren Politik der sich verfestigenden sozialen Spaltung, der sich verändernden Bedingungen der Kapitalakkumulation und der Schwächung des deutschen politischen Katholizismus an. Daran ändert auch nicht die Tatsache parteiinternen Widerstandes in Gestalt des „Manifestes gegen den Linkstrend der CDU“ vom April 2010.

Aber: Das Präsidentenamt, der Posten des Nationalpfarrers benötigt den schönen Schein der moralischen Reputation, er ist Instanz überparteilicher bürgerlicher Werte. Das Präsidentenamt ist personifizierte Wertepolitik nach innen und außen. Seine vornehmste Aufgabe ist es, die Illusion des über den „Klassen“ stehenden Staates zu stärken. Die Hinterbühne der Politik, geprägt von Lobbyismus, materieller und geistig-kultureller Korruption im Kleinen und Großen hat auf der Vorderbühne des schönen Scheins der Demokratie und der Sozial- und Wirtschaftsordnung nichts zu suchen. Diese Lektion hat Merkel spätestens beim Abgang ihres Ziehvaters und Ehrenwortkanzlers gelernt. Die Ostdeutsche Newcomerin war in der „Notlage“ der CDU die rettende Sauberfrau ihrer Partei. Ihre ostdeutsche Herkunft sprach für die garantierte Freiheit von „Verwicklungen“ in die Verbindungen der alten Seilschafter der BRD. Ein Partei-Klüngel brauchte ein neues Gesicht.

Nun wählt die bürgerliche Parlamentsmehrheit aus CDU/CSU, SPD und GRÜNEN ihren Präsidenten.

CDU und SPD bedienen sich stark überlappende Sozialmilieus, „die Wählerschaft der Union umfasst nur kleine Anteile der kritischen Bildungseliten, des abgehängten Prekariats und der autoritäts-gläubigen Geringqualifizierten. Am stärksten sind unter ihren Anhängern die etablierten Leistungsträger und die zufriedenen Aufsteiger vertreten, relativ zahlreich … auch Personen aus der bedrohten Arbeitnehmermitte, selbstgenügsame Traditionalisten und Leistungsindividualisten. Die SPD weist ebenfalls wenige Angehörige des abgehängten Prekariats auf, die größte Gruppe unter ihren Anhängern bilden Menschen aus der bedrohten Arbeitnehmermitte. In der Anhängerschaft der SPD finden wir zudem in nennenswerter Zahl Personen aus dem engagierten Bürgertum, zufriedene Aufsteiger, selbstgenügsame Traditionalisten, etablierte Leistungsträge rund Leistungsindividualisten.“ …

Fast die Hälfte der FDP-Wähler rekrutiert sich aus den Leistungsindividualisten und den etablierten Leistungsträgern…. Die kritischen Bildungseliten und das engagierte Bürgertum bilden mit einem Anteil von gemeinsam sechzig Prozent die einander sozialstrukturell und kulturell ebenfalls sehr ähnlichen Stammmilieus der Grünen.“

DIE LINKE sollte nicht dazu beitragen die Illusion der „Überparteilichkeit“ des Präsidentenamtes zu verfestigen.

Gauck ist der Präsident der Mehrheit. Er wird ein Präsident der oben genannten Millieus von CDU/CSU, SPD und GRÜNEN sein. Das ist die politisch-kulturelle Realität der Republik.

DIE LINKE als Partei, die ihren Schwerpunkt im abgehängten Prekariat und der bedrohten Arbeitnehmermitte (beide überwiegend autoritär orientiert) hat, sowie in beträchtlichen Teilen der kritischen Bildungseliten, hat keinen ernstzunehmenden Grund, zu erwarten, es könnte für ihre Klientel einen Präsidenten oder eine Präsidentin der Republik geben. Eine liberal-konservative Frau wäre ebenso wenig eine Interessensvertretung für ihre Klientel.

Es bleibt abzuwarten, wie Gauck die demokratie- und Freiheitsfrage ausdeutet. Es ist nicht zu erwarten, dass er zum Anwalt der sozialen Frage mutiert. Ob er in der Lage ist, für die Außen-, Wirtschafts- und Sozialpolitik der Berlinerrepublik wenigstens die elementaren Standards der Erhaltung der Voraussetzungen bürgerlicher Demokratie kritisch zu benennen, wird sich zeigen. Mehr darf jedoch vom Präsidentenamt nicht erwartet werden.

Der Präsident wird nicht zum radikalen Sprecher der Prekären und sozial Gefährdeten, auch wenn Linke sich das wünschen mögen. Es mag auch sein, dass Gaucks Prägungen es ihm persönlich zusätzlich erschweren, sich Alternativen zum siegreichen Kapitalismus des Jahres 1989/90 vorzustellen. Als Präsident wäre dies jedoch auch nicht sein Amtsgeschäft.

Globalisierungs- und Kapitalismuskritik, die offene demokratische Suche nach Alternativen bleibt Sache der davon Bewegten außerhalb der Institutionen des Staates und der Parteien des herrschenden Blocks. Es ist gut so, dass DIE LINKE nicht gefragt wurde, welche PräsidentIn sie sich wünsche. Das hat ihr es erspart, sich einer überflüssigen Legitimationsübung zu unterziehen. Anzuraten wäre der LINKEN, nicht in die alten Beißreflexe gegen Gauck als Stasi-Unterlagenmann zu verfallen. Es könnte eines Tages eine Situation eintreten, wo DIE LINKE es wird noch zu schätzen lernen, dass Bürgerliche, das liberal-konservative der Berlinerrepublik sich einem Übergang zur Diktatur verweigern. Immerhin ist Gauck ein Verbündeter im Kampf gegen politische Freiheitsgefährdungen von ganz rechts und von sich links drapierenden Reaktionären. Gauck auf einen biografisch geprägten militanten Antikommunisten zu reduzieren verfehlt die Tatsachen. Ob tatsächlich Unversöhnlichkeit nach Links (M. Oberhof, 2) sein „Markenzeichen“ ist, bleibt abzuwarten.

Was den letzten Aspket anbelangt, wenn DIE LINKE politisch wirksamer agiert, dann ist jedoch zu erwarten, dass der herrschende Block das Regime aggressiverer Abwehr wählt, wie manche Stimme im Kontext der Debatten um den Verfassungsschutz anzeigt.

Für DIE LINKE sollte die Wahl Joachim Gaucks jedoch eher ein Anlass sein, ihre Geschichte und Verantwortung in Bezug auf Täter und Opfer „kommunistisch“ legitimierter Diktatur und deren Verbrechen konsequenter in den Blick zu nehmen.

Bernd Wittich Ludwigshafen, 20. Februar 2012

Gabriel, Oscar W.: Politische Milieus. In: Soziale Milieus. Politische und gesellschaftliche Lebenswelten in Deutschland. Schwalbach/Ts. 2011. S. 25f.

Oberhof, Mathis: Der lange Schatten des Stalinismus auf dem Schloss Bellevue – Gauck, Gulag und die Linke. BLOG 20.02. 2011

Anmerkung der DL Redaktion/IE: Ein Kolumne aus der Presse:

Ein Stinkstiefel namens Gauck

Jetzt also der. Jetzt bekommen die deutschen Medien den, den sie vor anderthalb Jahren in seltener Einmütigkeit unbedingt haben wollten: „Der bessere Präsident“ titelte damals der Spiegel, „Yes we Gauck“, ergänzte extrem kreativ die Bild am Sonntag, und auch in der taz fragten die meisten Kollegen nicht, welcher Teufel die Grünen und mehr noch die SPD geritten hatte, diesen eitlen Zonenpfaffen aufzustellen, sondern waren pikiert, dass die Linkspartei Joachim Gauck die Gefolgschaft verweigerte.

Einer erklärte den Genossen, warum es „klug und souverän“ sei, Gauck zu wählen, ein anderer meinte gar, die Linke „sollte diesen Mann verehren“. (Nee, das waren nicht die, die noch vor ein paar Wochen Christian Wulff als Unsrigen herzten, ehe sie ihn als Raffke verabschiedeten; das waren andere.)

Mag Gauck durch seine Wortmeldungen zu Thilo Sarrazin (fand er gut) und zur Occupy-Bewegung (fand er doof) seither in dieser Zeitung und ihrem Milieu einiges an Sympathien verloren haben, der „Präsident der Herzen“ (Bild, Spiegel, Solinger Tageblatt) ist er geblieben. Fragt sich bloß: Warum eigentlich?

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle    :     Wikipedia / Gemeinfrei

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Auf wulffen folgt gaucken

Erstellt von IE am 20. Februar 2012

Jetzt also ein Prediger als Gruß Onkel ?
“ Elí, Elí, lemá sabachtháni „

Als größte Schlappe der Angela Merkel bezeichnet ein Großteil der Presse heute ihr Eingeständnis zur Kandidatur von Joachim Gauck. Das was sie noch als kluges einlenken verkaufen wollte wird als der Gewinn des Machtspiels von FDP, SPD und den Grünen bezeichnet.

So erwähnt der Spiegel den menschlich sehr sympathischen Zug von Merkel ihre Gesichtszüge nicht unter Kontrolle halten zu können. Ihr Gesicht und die Grimassen spiegeln immer ihren Gemütszustand. So war es ihr anzusehen wie sehr sie sich überwinden musste das zu lobpreisen was sie zwei Jahre zuvor mit allen Mitteln verhindert hatte.

Dieses einlenken müssen wird vielerorts als eventuelle Wende ihrer politischen Laufbahn betrachtet. Sie hat das Spiel nach der Präsidenten Suche auf ganzer Linie verloren und musste sich von den anderen drei Parteien einen Kandidaten aufzwingen lassen. Das sie nun versucht die Entscheidung für Gauck mit Klugheit zu verkaufen wird als grobe Selbstüberschätzung gewertet und mit dem Ende der damaligen Schröder Ära verglichen.

Im Juni 2010, im damaligen Wahlkampf machten auch wir uns von DL für einen Bundespräsidenten mit Namen Joachim Gauck stark und berichteten in dem Artikel „Linke spielen keine Rolle“ darüber. Wir hielten diesen Kandidaten gegenüber Wulff einfach für den besseren Kandidaten.

Das sehen wir im Verhältnis zu Wulff auch heute noch so und hat sich im Nachhinein als richtig erwiesen. Nur Wulff steht heute nicht mehr auf der Tagesordnung und unsere Herzen gehören unseren Familien und Freunden, auf gar keinen Fall aber irgendwelchen obskuren Kleingeistern wie den Politikern.

Gauck muss nach seiner Wahl zum Präsidenten den Nachweis erbringen sich dieser Position würdig zu erweisen. Es wird sich zeigen ob es ihm gelingen kann sich aus seinem „Oberschichten Denken“ zu lösen. Den allzu plumpen konservativen, Oberlehrer, mit Pastoralen Tatsch sollte er schnellstens vergessen machen. In den Protesten gegen Hartz 4 nur den Ruf nach einem fürsorglichen Staat zu hören, oder die Occupy-Bewegung altväterlich als „unsäglich albern“ wegzuwischen, wird er sich nicht wieder erlauben können.

So wie er sagte will er die Politik dem Bürger wieder näher bringen wozu er aber die Politiker verändern müsste, denn die Masse wird auch er nicht wieder ins 19 Jahrhundert zurück führen können. So stand er zwar dem Regime der DDR stets distanziert gegenüber tat sich aber als Oppositionsheld auch nicht hervor. In dieser Beziehung hat er sogar eine große Gemeinsamkeit mit Merkel, weswegen sie sich auch scheinbar nie so gut verstanden.

So hegen heute auch viele aus der SPD, welche ihn 2010 taktisch nominierten, Zweifel auf seine präsidiale Tauglichkeit und sehen in dieser Nominierung mehr den Einstieg in eine große Koalition für 2013. Hier wird mitentscheidend für die SPD sein, keinen geeigneten Gegenkandidaten zu Merkel aufbieten zu können. Sind doch die „Stons“ maßgeblich für das letzte Wahldesaster mit historischen Ausmaß verantwortlich und es wird sehr schwer fallen zwei Verlierer gegen Merkel, nun als Gegner mit reellen Gewinnchancen aufzubauen.

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Grafikquelle    :   Fotomontage:

Wikipedia – Urheber blu-news.org

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DIE LINKE lernt

Erstellt von UP. am 28. Oktober 2011

Natürlich wollen wir die ‚Layouter nicht blossstellen.

Alter Markt Dortmund 2014.JPG

Aber man sollte wissen, das St. Reinoldus der Stadtpatron der Dortmunder ist. Aber auch Reinold und die Reinoldikirche haben mit dem Rhein nix zu tun – ausser dass die Reliquien des heiligen Reinold aus Köln am Rhein stammen.

ladies

Entdeckt haben wir diese tollen Sachen bei einem Routinebesuch auf der NRW-Webseite. Das Zöpfchen-Mädel schiesst dabei natürlich den Vogel ab. Die Quoten-Emanzipation wird einem dabei förmlich auf’s Auge gedrückt.

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Grafikquelle  :   Alter Markt in Dortmund mit Adler Apotheke und Reinoldikirche

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Die todkranke Kirche

Erstellt von DL-Redaktion am 24. September 2011

Die Gretchenfrage der Kirche:
„christlich“ oder „antichristlich“ ?

File:Hans Küng en la UNED 02.jpg

 Da haben wir doch besonders in den letzten Tagen, bedingt durch den von den C – Parteien gewünschten Einmarsch des Papstes in unser Demokratisches Land vieles gelesen, gesehen und gehört. Dazu habe ich den Artikel einer seiner wohl größten Widersacher, Hans Küng gefunden den ich nur jedermann empfehlen kann. Hans Küng war von 1963 bis 1980 Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie und Direktor des Instituts für Ökumenische Forschung der Universität Tübingen. Auf Anregung Küngs wechselte Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., im Jahr 1966 von der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster auf den Lehrstuhl für Katholische Dogmatik in Tübingen.

Die todkranke Kirche

von Hans Küng

So kann es doch nicht weitergehen mit unserer Kirche! ‚Die da oben‘, ‚die in Rom‘ machen noch die ganze Kirche kaputt!“ Solche erbitterten, empörten und verzweifelten Sätze konnte man in den vergangenen Monaten in Europa wie in Amerika oft hören, am eindrücklichsten auf dem Zweiten Ökumenischen Kirchentag in München im Mai 2010. „Die Alternativen sind: Resignation, gewollte oder jedenfalls mit wenig Bedauern hingenommene Schrumpfung zu einer kleinen Gemeinschaft ‚überzeugter Christen‘ oder Wille und Mut zu einem neuen Aufbruch“, formulierte Alois Glück, der klarsichtige und mutige Vorsitzende des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, nach jenem Kirchentag und drückte damit Sorge und Hoffnung vieler, und gerade der engagiertesten, Kirchenmitglieder aus. Aber bei den katholischen Bischöfen fand er erst später ein Echo. Viele von ihnen wollen offenkundig weitermachen wie bisher. Deshalb die Frustration, der Zorn, oft die Verzweiflung gerade bei den loyalsten Katholiken, die das Zweite Vatikanische Konzil noch nicht vergessen haben.

Dabei steckt die katholische Kirche in der tiefsten Vertrauenskrise seit der Reformation, und niemand kann es übersehen: In ihrem Zentrum steht – das muss man auch in Deutschland sehen – Joseph Ratzinger, der gegenwärtige Papst, der zwar aus dem Land der Reformation stammt, aber seit drei Jahrzehnten im päpstlichen Rom lebt und die Krise verschärft, statt sie zu beheben. Von 1962 bis 1965 waren Joseph Ratzinger und ich die beiden jüngsten offiziellen Berater des Zweiten Vatikanischen Konzils, das versuchte, das römische System – die seit dem 11. Jahrhundert ständig zunehmende innerkirchliche Macht des Papsttums – in wesentlichen Punkten zu korrigieren. Als Papst Benedikt XVI. hat Joseph Ratzinger dagegen die große Chance verpasst, das Zweite Vatikanische Konzil mit seinen zukunftsweisenden Impulsen auch im Vatikan zum Kompass der katholischen Kirche zu machen und ihre Reformen mutig voranzutreiben. Im Gegenteil, immer wieder relativiert er die Konzilstexte und interpretiert sie gegen den Geist der Konzilsväter nach rückwärts. Ja, er stellte sich sogar ausdrücklich gegen das Ökumenische Konzil, das nach der großen katholischen Tradition die oberste Autorität in der katholischen Kirche darstellt: Er hat außerhalb der katholischen Kirche illegal ordinierte Bischöfe der traditionalistischen Pius-Bruderschaft, die das Konzil in zentralen Punkten ablehnen, ohne Vorbedingungen in die Kirche aufgenommen. Er fördert mit allen Mitteln die mittelalterliche Tridentinische Messe und feiert selber die Eucharistiefeier gelegentlich auf Latein mit dem Rücken zum Volk. Er schürt ein tiefes Misstrauen gegenüber den evangelischen Kirchen, indem er nach wie vor behauptet, sie seien überhaupt keine Kirchen im eigentlichen Sinn. Er realisiert nicht die in offiziellen ökumenischen Dokumenten (ARCIC) vorgezeichnete Verständigung mit der Anglikanischen Kirche, sondern versucht, konservative verheiratete anglikanische Geistliche unter Verzicht auf die Zölibatsverpflichtung in die römisch-katholische Kirche zu locken. Er hat durch Ernennung antikonziliarer Chefbeamter (Staatssekretariat, Liturgiekongregation, Bischofskongregation und andere) und reaktionärer Bischöfe in aller Welt die konzilsfeindlichen Kräfte in der Kirche gestärkt.

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IE

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PAPSTALARM

Erstellt von Dieter Carstensen am 23. September 2011

Na endlich! Habemus Papam – wir haben den Papst

Datei:Benedikt.Messe.Freiburg.Papst.klein.jpg

Nach Hartz IV und der durch unsere Regierungen selbstgemachten Banken- und Finanzkrise ist der „Erlöser“ zu Gast bei uns in Deutschland, ein Gastarbeiter sozusagen. Der selbsternannte Stellvertreter „Christi“ auf Erden, Chef einer religiösen Sekte, die sich katholisch nennt, deren Aberglaube im Laufe der Jahrhunderte zig Millionen Menschenleben forderte und die nicht bereit ist, auch nur ein wenig dazuzulernen.

Ein toller Mann dieser Ratzinger! Ein Schwulenhasser, ein Ablehner von Verhütung und Kondomen im Aidszeitalter, also ein würdiger Nachfolger des Papsttums, in dessen Geschichte es von Mord über Plünderung und Vergewaltigung es eigentlich kein Verbrechen gibt, was diese „Papas“ nicht ausgelassen haben.

Alles historisch nachweisbar und nachzulesen.

Als z.B. die spanische Republik 1939 von den Franco Faschisten zerstört wurde: Auf welcher Seite stand der damalige Papst?

Auf Seite des Faschisten Francos, nicht auf Seiten der Bevölkerung! Getreu des Satzes: „Gott war noch nie auf Seiten der Armen“

Begreift die Menschheit eigentlich nie, dass sogenannte „Heilsbringer“ Scharlatane sind, die im Namen irgendeines Glaubens der Menschheit immer nur Unheil gebracht haben?

Wie sagte der damalige Papst nach den Verbrechen Hitlers 1946? „Gottseidank haben wie Schlimmeres verhütet“ – Ach ja, hätte es noch schlimmer kommen können und war es nicht der Vatikan, der zig Nazimördern über die sog. „Rattenlinie“ mit gefälschten Papieren verhalf, nach Argentinien zu flüchten? Prof. Guido Knopp hat dies in mehreren ZDF Dokumentationen eindeutig nachgewiesen, dass sich auch dort der Vatikan schuldig gemacht hat.

Nun hat der „Papa“ also vor dem Bundestag die Chance zu seinem Geschwafel gehabt! Ein Mann, der gegen die Abtreibung ist, gegen die Selbstbestimmtheit der Frau, eigentlich gegen alles, was die Menschheit sich nach der französischen Revolution an Bürgerrechten und Demokratie erarbeitet hat.

Mein Respekt gehört den Abgeordneten, die der Rede dieses unsäglichen Mannes ferngeblieben sind. Wie schrieb BILD einst: „Wir sind Papst“! Ach ja? Dann wären wir ja alle Antidemokraten, Judenhasser, Hexenverfolger und Volksverdummer, oder?

Heute weiss man, das die Geschichte aus der Bibel, mit der Arche Noah aus dem Gilgamesch-Epos, einem der ältesten erhaltenen Schriftwerke der Menschheit stammt, aus Uruk, dem alten Sumer im Zweistromland, zwischen Euphrat und Tigris. Dort entstand nachweislich auch die Geschichte von der Sintflut, lange bevor es sogenannte Christen gab.

Das Fundament des sogenannten „Christentums“, die sog. Bibel, steht auf wackligen Füssen, auf einer Reihe einmaliger Geschichtsklitterungen, Verfälschungen, Lügen und Unwahrheiten. Auf nichts anderem. Alles historisch belegbar, die Wissenschaft ist schlauer, als die katholischen Geschichtsverfälscher! Wer sagt eigentlich, das Gott männlich ist und keine Frau? Hat schon mal irgendjemand die Existenz dieses Wesens namens Gott nachweisen können?

Nein!

Und wenn es diese Kreatur gäbe, müsste uns denn nicht allen angst und bange werden, vor einem Wesen, was all dieses Elend auf der Welt, all diese Morde, Kriege und Folterungen zugelassen hat?

Einfältige Menschen sagen nach überstandener schwerer Krankheit oder schwerem überlebten Unglück „Gott hat mir geholfen“! Toll! Mittelalter pur. Und die Nachbarin von nebenan, die vorige Woche an Krebs starb, wo war Gott denn da?

Bertolt Brecht sagte: „Fragen über Fragen“ aber der Papst fragt sich nie, mit welcher demokratischen Legitimation er als Oberhaupt eines zutiefst antidemokratischen Vatikanstaates auftritt, wo es keinerlei Demokratie gibt. Und diesen Antidemokraten heissen wir in Deutschland willkommen? Wie verrückt ist Deutschland wirklich?

Ich habe noch vor 2 Monaten in Bad Homburg bei Frankfurt den sog. „Hexenturm“ besichtigt, wo die Opfer des Wahnsinns, welches sich „Papsttum“ nennt, allermeistens Frauen, zu Tode gefoltert worden sind, im Namen des Glaubens.

Dem Papst huldigen heisst für mich, einer Verbrecherclique zu huldigen, die zig Millionen Menschenleben auf dem Gewissen hat!
Politiker welche diesem Mann auch nur zuhören, könnten für mich genauso gut jedem Diktator dieser Welt zuhören, es macht wenig Unterschied.

„Wir sind Papst“?

Wenn wir Papst sind, dann stimmt die Geschichte von Bert Brecht und Herrn Keuner, die ich sinngemäss wiedergebe:

Herr Keuner geht in ein Museum für moderne Kunst, betrachtet dort ein Bild, was abstrakt gemalte Milchkannen darstellt. Ein anderer Mann stellt sich zu ihm und fragt, wann das Bild denn wohl gemalt worden sei. Herr Keuner sagt: „Im Mittelalter“. „Wie sagt der andere, das ist doch ein Museum für moderne Kunst?“ Herr Keuner sagt lakonisch: „Sag ich ja, Mittelalter“

Die absolute Mehrheit der Menschen sind übrigens keine Christen, kommen die nun alle in die Hölle?
Und wenn ja, warten dann die Päpste dort auf sie?

Die Franzosen sind schlauer als die Deutschen, eine Folge der französischen Revolution: Es gibt durch die Säkularisation in Frankreich eine klare Trennung zwischen Religion und Staat.

Die Deutschen sind dagegen so dumm, dass sie für die Kirche sogar von Staats wegen Steuern erheben!

Mal als Beispiel: Belgien, unser Nachbarstaat und die meisten anderen Demokratien in Europa kennen eine solche Steuer nicht. Wer „gläubig“ ist muss dort, wie in jedem anderen Verein Beiträge bezahlen und wenn nicht genug bezahlen, ist eben Schluss mit Lustigkeit, dann geht der Verein pleite und die örtliche Kirche macht dicht.

Bei uns in Deutschland, was sich nach der Kanzlerin gerne als „christliche Leitkultur“ versteht, ticken die Uhren aber anders.
Hier gilt der kölsche Grundsatz: „Noh obben bidde, noh unge tritte“!

Papst Ratzinger, Sie sind hier nicht willkommen und da sie in Rom leben, sollten Sie eigentlich wissen, dass die alten Römer kein Wort für Homosexualität, sondern nur eines für Sexualität hatten, da wurde nicht unterschieden und das Zölibat findet sich selbst im Märchenbuch Bibel nirgends, ganz im Gegenteil, das alte Testament ist eine Anhäufung sexueller Ausschweifungen und Verbrechen und die Borgia Päpste im Mittelalter hatten reichlich Frauen und Kinder, historische Tatsachen und nun wollen sie, aus dieser Tradition stammend, uns hier „aufklären“?

Nein danke, hau ab Ratzinger!

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Grafikquelle    :

Quelle Eigenes Werk
Urheber Wici
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Tafeln für Ostafrika???

Erstellt von UP. am 21. September 2011

„Hunger leidende Menschen nicht vergessen“

FMSC Staff Trip 2011 - Food Distribution (6384087201).jpg
Pressemitteilung vom 20.09.2011 | 15:14
Pressefach: Erzbistum Freiburg

Erzbischof Robert Zollitsch ruft zu Spenden für Ostafrika auf

Freiburg (pef). Mehr als zehn Millionen Menschen sind am Horn von Afrika von einer verheerenden Dürre betroffen. Die Menschen in Somalia, Äthiopien und Kenia brauchen dringend Hilfe. „Auch wenn sich das Medieninteresse nach der Sommerferienzeit inzwischen wieder auf andere Themen konzentriert: Die Lage am Horn von Afrika ist nach wie vor dramatisch“, erklärte Erzbischof Dr. Robert Zollitsch (Freiburg) am Dienstag (20.) in Freiburg. Während die Finanzsituation in Griechenland, die Zukunft der FDP oder die Dominanz von Bayern München in der Fussball-Bundesliga in Deutschland für Schlagzeilen sorgen, darf der tägliche Kampf ums Überleben so vieler Menschen in Ostafrika nach den Worten des Erzbischofs von Freiburg nicht in den Hintergrund gedrängt werden. „Gerade in diesem Moment behält die Kirche ihre Verantwortung für notleidende Menschen im Blick. Wir rufen bewusst jetzt zu Spenden für die Menschen am Horn von Afrika auf“, erklärte Zollitsch, der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) ist. Die Bischofskonferenz hatte mit Blick auf die Hungersnot in Afrika und den bevorstehenden Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland einen „Benedikt Ostafrikafonds“ ins Leben gerufen.

Die katholische Kirche kümmert sich auch dann um hungernde und leidende Menschen in den Krisengebieten dieser Welt, wenn diese nicht mehr jeden Abend in den Fernseh-Nachrichten präsent sind. Vor allem längerfristige, nachhaltige Hilfe steht für sie im Vordergrund. Papst Benedikt XVI. hatte bereits beim Angelusgebet am 17. Juli in Rom zur Solidarität mit den Opfern von Kriegswirren, Hunger und Dürre aufgerufen: „Diese Menschen brauchen in ihrer augenblicklichen Lage wirklich die ungeteilte Aufmerksamkeit der wohlhabenden Nationen.“ Der Papst warb um Hilfe für die Menschen in Ostafrika. Auch Benedikt XVI. sprach nicht nur die akute Not an, sondern betonte deren längerfristige Ursachen. Es müssten Wege der Überwindung dieser Ursachen gefunden werden.

Der Ostafrikafonds soll zu nachhaltiger Hilfe führen und einen Teil zur Friedensförderung am Horn von Afrika beitragen. Die wichtigste Aufgabe ist dabei, das Überleben der Menschen in den von Nahrungsmittelknappheit betroffenen Gebieten zu sichern. Damit wird die katholische Kirche in ganz konkreter Weise dem Motto des Papstbesuchs gerecht: „Wo Gott ist, da ist Zukunft“.

Ab sofort können unter http://www.benedikt-ostafrikafonds.de oder unter der Hotline : 01805 151 102 Spenden eingezahlt werden. Als kleines Dankeschön erhält jeder Spender auf Wunsch eine persönliche Urkunde mit seinem Namen und der Unterschrift des Erzbischofs von Freiburg, Dr. Robert Zollitsch. Die Spende kann auch einem Freund oder Familienmitglied gewidmet werden.

– Mit rund zwei Millionen Katholiken gehört das Erzbistum zu den großen der 27 Diözesen in Deutschland. Informationen zur Erzdiözese erhalten Sie unter http://www.erzbistum-freiburg.de Auch der Kurznachrichtendienst „Twitter“ bietet Informationen aus dem Erzbistum an – unter http://twitter.com/BistumFreiburg. Ein Medien-Monitor des Erzbistums steht unter http://twitter.com/MeMoEBFR bereit. Bei „Facebook“ können sich interessierte Internetnutzer ebenfalls informieren – unter http://www.facebook.com/erzdioezese-freiburg.

Pressekontakt:
Stabsstelle Kommunikation
der Erzdiözese Freiburg
verantwortlich: Robert G. Eberle
Schoferstr. 2, 79098 Freiburg
Tel. 0761-2188-243
Fax 0761-2188-427
pressestelle@erzbistum-freiburg.de
http://www.erzbistum-freiburg.de

WIR SIND PAPST
Um die Sache anzuheizen, wird, eine BILD Schlagzeile verwendet.
Alle Register werden gezogen, einschl. Recycling-Altar für nur 1 Mio. euronen; Bänke werden verkauft und vom Baldachin werden Taschen gefertigt und verscherbelt. Aber viel mehr in diesem Zusammenhang stellt sich die Frage:
Wieviel Papst sind wir überhaupt und vor allem jemals gewesen???
Public Relation für den „Statthalter Gottes“
Wann endlich sammeln die Kirchen Geld für HARTZ IV-ler?
Oder sprechen sich zumindest gegen diese Knechtung aus?

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Grafikquelle   :  A team of four from Feed My Starving Children recently returned from a 10-day food distribution and fact-finding trip in the Horn of Africa, where they saw destruction caused by drought and FMSC food at work in famine ravaged areas (www.youtube.com/watch?v=q3d0mkC0jHw). For more info on Feed My Starving Children, please visit: www.fmsc.org

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Von Schein- und Heiligen

Erstellt von DL-Redaktion am 29. August 2011

Vom Schein welcher auf die Heiligen fällt

Er gab sich doch noch sehr bescheiden, der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) mit seiner Einladung an die Heiligkeit des Dalai Lama, in Hessens Landtag eine Rede an die dort versammelten armen Sünder zu halten.

Im Deutschen Bundestag, dem heiligen Gral Deutscher Politik, als Gast von Norbert Lammert (CDU) runde vier Wochen später, geht es da schon viel rustikaler zur Sache. Spricht doch dann hier, unter der Rundkuppel des „Höchsten Deutschen Hauses“ der Heilige Vater aller Katholiken zu den Spitzenkräften unserer Politik. Der Inhalt seiner Rede wird bislang noch unter Verschluss gehalten, aber wenn es denn eine Rede werden sollte wird er bestimmt versuchen seine in der Kirche gemachten Erfahrungen über die Demokratie einzubringen.

Oder hält er vielleicht gar keine Rede und uns wurde verschwiegen das er von den schwarzen Mächten des Hauses zum Abhalten der Beichte gebeten wurde? Sollte auf diese linke Art versucht werden die Roten Kräfte in ihren ureigensten Reich zurückzudrängen und dort langsam verschmoren zu lassen? Wäre es möglich das Lammert mit dieser Aktion gar Rache an den Seinen nimmt und hier wiederholt was von Luther einst schon unter dem Thema Geld und Absolutionen als Freikäufe für C-Parteien und deren Mitglieder angeprangert wurde?

Wird der Papst etwas Schwesterwelle auffordern von nun an nie wieder in fremden Nasen zu pulen. Und erst die Merkel. Wird sie sich alle ihre Dekorationen und Orden umhängen um sich mit der von Oben gesandten Größe messen zu können? Wurde sie doch erst in den letzten Tagen vom US-Magazin Forbes zur mächtigsten Frau der Welt gekürt. Gemunkelt wird in Berliner Kreisen das sie die Gelegenheit eventuell dazu nutzen könnte mit dem Papst in höhere Gefilde aufzusteigen, um so in überirdischen Welten ihre unterirdische Politik fortsetzen zu können.

Dieses heroische Zusammentreffen  zwischen einem Heiligen und der Mächtigsten dieser Erde  müsste an und für sich als Gedenktag für spätere Generationen in Erinnerung gehalten werden. Fände sich doch so die notwendige Zeit über verschiedene Generationen hinweg an einer Verklärung dieses Treffens zu arbeiten.

Und erst die anderen Spitzen deutscher Politik wie Seehofer, die Vorsteherin der Volks verdummungs ARGEN Ursula von der Leyen, Waffenfetischisten wie unseren Kriegsminister oder die Steinträger,  sie alle werden keinen leichten Tag haben. Da hat der Edelmann des Bundestages, der aus dem Geschlecht der Sklavenhalter gerade noch rechtzeitig die Kurve nach Amerika gekriegt um so aufgrund der Distanz vor solch einer Beeinflussung halbwegs geschützt zu sein.

Aber auch Bergbewohner wie der Almhütten Klaus oder Kuppen Oskar könnten wohl gefragt werden wie so sie sich immer vordrängen auf den Weg nach oben. Eine Hütte am Berg gilt dort nicht als Privileg für einen schnelleren Aufstieg, wenn es unten an sozialer Gerechtigkeit fehlt.

In Anbetracht der Schwierigkeiten vorsätzlich schlecht handelnden eine Absolution zu erteilen wird es der Papst voraussichtlich bei einer Rede belassen. Man wird zwar über seine Mahnungen lachen, aber das wäre immer noch einfacher zu ertragen als wenn ihm eine Strafe seines Chef ereilen würde und ihm beim Schlagen des nächsten Kreuzzeichens der rechte Arm abfiel. .

Hierzu auch

Gottkönig im Tiefflug

Auf Einladung des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier weilt Tendzin Gyatsho, besser bekannt als „Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama“, derzeit in Wiesbaden. Bouffier, redlich bemüht, die Sitzdellen seines Amtsvorgängers Roland Koch auszufüllen, die dieser auf dem Regierungssessel hinterließ, knüpft an dessen langjährige Freundschaft mit dem tibetischen Sektenführer an. Auf Veranlassung Bouffiers und seines Landtagspräsidenten Norbert Kartmann darf der Dalai Lama heute eine Rede vor dem Plenum des Hessischen Landtags halten. Wie bitte? Was hat der Anführer einer okkultistischen Splittersekte, die an Karma und Wiedergeburt glaubt, an Astrologie, Hellseherei, Psychokinese und jedweden sonstigen Esoterikunsinn, einschließlich der Fähigkeit tibetischer Mönche, frei durch die Luft zu fliegen, in einem bundesdeutschen Parlament verloren?

Na ja, mag Bouffier sich gedacht haben, wenn der Papst, dessen Weltbild auch nicht sehr viel aufgeklärter ist, in vier Wochen vor dem Bundestag sprechen darf, dann darf das in Wiesbaden wohl auch der Dalai Lama. Und wenn bei dem einen nicht gefragt wird, was er als Anführer des letzten durch und durch antidemokratischen Regimes in Europa in einem demokratischen Parlament zu suchen hat, dann braucht das auch bei dem anderen nicht gefragt zu werden, der bis zu seiner Vertreibung durch die Chinesen einem feudaltheokratischen Priesterstaat vorstand, in dem bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein Leibeigenschaft und Sklaverei vorherrschten.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

IE

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Grafikquelle   :   31C3-Demoplakat „Mutti is watching you“

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Ramelows Spiegel

Erstellt von UP. am 28. Juni 2011

Linke am Scheideweg

Datei:Ramelow, Bodo (1956) neu.jpg

Über die „Roten Reporter“, zu denen wir uns immer noch zugehörig fühlen, haben wir das nachfolgende Essay erhalten.
Die Langfassung kann hier abgerufen werden.
Red.DL/UP.

Ein Essay für das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ – KURZFASSUNG

„Von dem, was Du erkennen und messen willst, musst Du Abschied nehmen, wenigstens auf eine Zeit. Erst wenn Du die Stadt verlassen hast, siehst Du, wie hoch sich ihre Türme über die Häuser erheben.“
Friedrich Nietzsche

Die Partei DIE LINKE, die seit dem Wahljahr 2005 im Galopp die deutsche Parteienlandschaft verändert hat, scheint zurzeit zu lahmen. Nach einem furiosen Aufstieg, die mit der klaren Absagen an die Agenda-Politik der Regierung Schröder begann, stagniert der Zuspruch nun unterhalb der zehn Prozent. Einige Beobachter halten sogar nicht nur den Erfolg für gestoppt, sondern sehen schon den dauerhaften Abstieg der Partei eingeleitet. Die sich an diesem Klingeln des Totenglöckchen Labenden verkennen allerdings, dass in solchen Situationen die Stärke der einen Quellpartei dann immer machtvoll zugenommen hat, je lauter das Glöckchen läutete. Die PDS als regionale Volkspartei des Ostens stabilisierte sich erstaunlich nach der deutlichen Wahlniederlage im Jahr 2002 und der Wiedereinzug in den Bundestag – dann schon unter dem programmatischen Markennamen DIE LINKE – war Ausdruck eines sichtlichen Erholens, gekrönt mit einem deutlichen Erfolg.

Von der Parteibildung zur Parteiwerdung
In der Euphorie des Verschmelzungsprozesses von WASG und PDS flogen der LINKEN auch die Herzen im Westen der Republik zu. Gleichwohl wurde zwischenzeitlich deutlich, dass es einen automatischen Erfolgszug in ungeahnte Höhen nicht gibt – unter anderem auch, weil Erfolg hart erarbeitet werden muss. Jetzt sind wir als Partei DIE LINKE in den Mühen der Ebene. Diese Mühen wurden von einigen Akteuren stark unterschätzt und sie wurden durch Jubelmeldungen übertüncht. Tatsächlicher aber gab es zwischen 2005 und 2009 eine formale und formelle Parteibildung – juristisch und notariell abgesegnet. Im Vereinsregister eingetragen und durch juristische Anfeindungen – wie die Wahlanfechtung der Bundestagswahl 2005 – gestählt, war diese Parteibildung sehr erfolgreich. Im Prozess der Parteiwerdung befinden wir uns aber jetzt erst.

Nun wäre es gelegentlich angebracht, sich am ob erwähnten Zitat Nietzsches zu orientieren: Abgeordnete, Funktionsträger und Verantwortliche unserer Partei sollten einmal „die Stadt verlassen“ und von außen betrachten, welche Türme sich in welcher Höhe über unseren Häusern erheben. Wir würden dann wohl feststellen, dass wir gern einige Türme deutlich höher und andere gern sehr viel zurückhaltender und niedriger gebaut hätten.

Eingeordnet in das bundesdeutsche Parteiensystem sind wir immer noch ein Erfolgsmodell. Mit Tausenden von Mandatsträgern in Kommunalparlamenten, Landesparlamenten, dem Bundestag und dem Europaparlament sind wir sehr gut aufgestellt. Und doch stehen in diesem Jahr noch Landtagswahlen vor uns, bei denen wir Mandatsverluste befürchten. Die Angst vor Misserfolgen und die weniger günstigen Umfrageergebnisse befördern ein Klima innerhalb der Partei, das die Parteiakteure unter Dauerstress setzt. In den Mühen der Ebene ist ein solcher Dauerstress allerdings kontraproduktiv. Er sät Misstrauen untereinander und die Interaktion bezieht sich zu oft aufeinander. Dabei müsste allen bewusst sein, dass wir als Partei zuallererst Interessenvertreter sind und als solche in Gesellschaft und Parlamente für diejenigen positive Veränderungen erreichen müssen, die auf uns große Hoffnungen gesetzt haben. Die Erkenntnis, dass wir als Mitglieder und Funktionsträger dieser Partei nicht für uns selber da sind, ist leider derzeit als nicht sehr ausgeprägt zu vermerken.

Regieren ist kein Selbstzweck
Schon der Streit darum, ob Regieren für uns als Partei zum Instrumentenkasten unserer Wirkungsebene gehört, führt zu seltsamen Erscheinungsformen. Lange unangenehme Debatten über sogenannte rote Linien verstellen den Blick auf die Erkenntnis, dass Regieren kein Selbstzweck ist. Ohne Gestaltungskraft durch Ministerien sind Vorhaben wie die Umsetzung eines Vergaberechtes auf Basis von Tariflöhnen eben nicht durchzusetzen. Auch ist die Erkenntnis nicht sehr verbreitet, dass es einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn in der Bundesrepublik Deutschland geben wird, wenn DIE LINKE an ausreichend vielen Landesregierungen beteiligt ist, die wiederum zu einer entsprechenden Mehrheit im Bundesrat führt. Eher findet die Unterstellung Anhänger, dass man darüber nur reden wolle, um einen gewärmten Sessel in einem Ministerium zu bekommen, einschließlich eines voluminösen Dienstfahrzeuges.
Dass es die Berliner Landesregierung war, mit unserer Senatorin Heidi Knake-Werner, die die Klage gegen die skandalösen Tarifverträge der sogenannten christlichen Gewerkschaften in der Zeitarbeit erfolgreich bis zum Bundesarbeitsgericht getrieben hat und nun Hunderttausende von Menschen, die Rechtsansprüche haben, die sie ohne unsere Regierungsbeteiligung nie gehabt hätten, feiern wir in unserer Partei nicht als Sieg. Wir nehmen es höchstens billigend in Kauf, um gleichzeitig wieder zehn Hauptsünden der Berliner Landesregierung aufsagen zu können. Dass ein solches Klima Platz hat, hat auch etwas damit zu tun, dass wir zu wenig eigene Informationspolitik nach innen betreiben. Der Parteivorstand kann Erfolge durchaus mit etwas mehr Stolz verkaufen.

Der erste Verkauf einer Wohnungsgesellschaft in Berlin, der sich als schwerer Fehler erwies, gilt aber heute noch quasi als der größte Verrat an der linken Sache in Deutschland in Gänze. Dabei ist gerade Westen oft nicht bekannt, dass nach der Wende der Kampf um die Stabilisierung der Wohnungsbestände im Osten ein Konflikt war, der unglaublich mühevoll war. Die Wirkmechanismen von Altschulden und dem sogenannten Altschuldenhilfegesetz sind selbst Kommunalpolitikern im Westen fast nicht verständlich zu machen. Das ändert nichts daran, dass der erste Verkauf falsch war, aber zeithistorisch haben damals die Grünen in Berlin gegen den Haushalt des rot-roten Senats vor dem Verfassungsgericht geklagt und Leitlinien erzwungen, die den Verkauf des Tafelsilbers auf die oberste Stufe stellten. Damals wollten die Grünen noch alle Wohnungsbestände in Berlin veräußern. Heute gelten die Grünen als Verteidiger und DIE LINKE in Berlin als Veräußerer des öffentlichen Wohneigentums. Eine Paradoxie, die in einer Partei leider Platz hat, in der das wechselseitige Misstrauen derzeit noch zu groß ist.

Offene Fragen klären
Von „außerhalb der Stadt“ betrachtet, scheint die Rollenverteilung im Verhältnis zwischen Bundestagsfraktion und Bundespartei noch nicht gänzlich gelöst zu sein. Die Frage, wer ist Dienstvorgesetzter von wem und wer entscheidet über Leitlinien der Politik in unserer Partei, ist funktional noch nicht – jedenfalls nicht abschließend – geklärt. Der Parteivorstand beschließt vor wenigen Tagen eine Erklärung zum Thema Naher Osten, zur Zweistaatlichkeit und ein klares Bekenntnis, dass Antisemitismus in unserer Partei keinen Platz hat. Die Parteivorsitzende Gesine Lötzsch sagt nach einer Vorstandssitzung, dass Boykottaufrufe gegen Israel mit den Beschlüssen unserer Partei nicht vereinbar seien. Man sollte denken, dass dies nach Klärung im Parteivorstand eindeutige Grundlage aller weiteren Beschlüsse in der Bundestagsfraktion wäre. Das scheinen aber nicht alle so zu sehen. Einzelne Abgeordnete verlassen eine Abstimmung, wenn der Fraktionsvorsitzende nichts weiter erwartet als die Umsetzung der gefassten Beschlüsse der Bundespartei. Die Frage also, ob Abgeordnete Aktionen unternehmen, die den Eindruck erwecken, das Existenzrecht Israels sei in irgendeiner Weise diskutabel, ist eigentlich längst geklärt, denn dieses Existenzrecht ist unbedingt zu garantieren. So wie auch in Bremen jede weitere Diskussion über Boykottmaßnahmen israelischer Waren schon eindeutig als nicht mit der Beschlusslage und der inneren Haltung der LINKEN als vereinbar angesehen sein müsste. Interpretatorische Freiräume in zentralen Fragen bieten aber ständige Angriffsflächen gegen uns als Partei in Gänze.
Und auch hier stellt sich wieder die Frage, wie wir bestimmte Türme eigentlich bauen wollen. Man hat von außen den Eindruck, als sei eine mehrstündige Debatte über den Nahen Osten gewichtiger als die nächsten praktischen Schritte, die im Rahmen des Atomausstiegs als eigenes linkes Energiekonzept präsentiert und erklärt werden müssten. Dezentral, regional und regenerativ ist etwas völlig anderes als das, was die Bundesregierung gerade versucht als Atomausstiegsszenario zu beschließen. Hier wird von Seiten der Regierung das Kartell der vier Stromkonzerne weiter geschützt und wir müssten als LINKE dringend die Kraft für ein eigenes umfassendes Konzept aufbringen. Es muss deutlich werden, dass wir ein dezentrales, auf jedes Bundesland aufbauendes Modell dagegen stellen, bei dem deutlich wird, dass arme Menschen in dieser Gesellschaft nicht aus der zukünftigen Energiepolitik ausgeschlossen werden dürfen.
Ähnliches gilt über die wohlfeile Debatte, wie wir praktische Antworten gegen Langzeitarbeitslosigkeit geben. Hier gibt es eine Debatte zwischen den Erfahrungswelten West und Ost, bei der zwanzig Jahre Transformationserfahrung aus den neuen Bundesländern manchmal zu leichtfertig ignoriert werden. ABM und SAM waren immer Sackgassen für Langzeitarbeitslose, die man allerdings gern in Kauf nahm, solange man Hoffnung hatte, irgendwann aus dieser Falle herauszukommen. Zwanzig Jahre später wissen wir, dass der Entwicklungsprozess Ostdeutschlands zur direkten Altersarmut führt. Heute wissen wir, dass diese Gesellschaft fragmentiert ist und eigentlich muss man den Zustand der Gesellschaft als ständisch strukturiert angesehen werden. Bildung kann sich nur kaufen, wer teilhaben kann. Teilhaben kann nur, wer über einen gut bezahlten Arbeitsplatz verfügt und dann gibt es die Armutsversorgung über Hartz IV und ein Bildungssystem, das fast wie Rudis Resterampe wirkt. Hierauf muss eine gesamtdeutsche LINKE Antworten geben.

Es gibt kein zurück in die Zukunft
Solange sich innerhalb der LINKEN mehrere Strömungen damit beschäftigen, sich im harmlosesten Fall nur in Schach zu halten oder sich wechselseitig durch Eigenbeschäftigung die Kraft absorbieren, solange werden wir die Energie nicht entwickeln, die wir für ein solidarisches Gesellschaftsbild aus linker Perspektive brauchen. Solange ein Heilsprozess gezeichnet wird aus westdeutschen Entwicklungen, die aber vor zwanzig Jahren jäh zu Ende gegangen sind, solange nicht begriffen wird, dass der Umbauprozess West über den Abbauprozess Ost gespeist wurde, solange werden wir gemeinsame neue Wege nicht gehen können. Ein Zurück in die Zukunft wird es nicht geben, denn dieses Land, dieses vereinigte Deutschland, hat sich vor zwanzig Jahren aufgemacht, sein Inneres und Äußeres völlig auf den Kopf zu stellen. Auslandseinsätze der Bundeswehr sind zur Normalität geworden, Finanzmarkttransaktionskontrolle ist gar kein Thema mehr, starke Gewerkschaften, die flächendeckend den Arbeitsmarkt regeln könnten, gibt es nicht mehr, Krankenkassen in die Insolvenz jagen zu lassen, ohne dass es einen Aufschrei der Empörung gibt, markieren den Veränderungsprozess. Die Antworten darauf könnten sein: eine moderne Bürgerversicherung, die auf der gesamten Gesellschaft aufbaut. Also Einzahlen aus Einkünften jedweder Art in ein soziales Sicherungssystem, das von Menschen gemacht, von Menschen kontrolliert, für Menschen da ist und auch zukunftssicher die nächsten Krisen überstehen würde.
Das Vertrauen auf kapitalgedeckte Systeme ist zutiefst erschüttert, und dieser Teil des neoliberalen Umbauprozesses ist ebenfalls gescheitert. Die Erkenntnis, dass heute der Mittelstand und auch börsennotierte Unternehmen vielmehr durch einen ungeregelten Kapitalmarkt bedroht sind, würde uns Verbündete zuwachsen lassen, die dann mit uns Politik machen wollten und würden, wenn wir ein attraktiver Partner sind. Zurzeit sind wir ein braver Ackergaul, was einen hohen Wert hat. Sollte die Auseinandersetzung mit uns selber allerdings nur darauf abzielen, den eigenen Genossen zu bekämpfen, solange werden wir eher in Richtung Schindmähre uns bewegen.

Zuhören, Mitdenken, Abwägen – für eine plurale LINKE
Toleranz und Pluralität sind ein Kraftquell für das gemeinsame Suchen nach besseren Ideen, nach besseren Lösungen, nach attraktiven Angeboten, um Menschen zu begeistern und auch um Menschen mitzunehmen, die Gesellschaft zu verändern und zu verbessern, in der wir leben. Das setzt die Kraft des Zuhörens voraus, das setzt die Fähigkeit des Mitdenkens und des Wägens voraus, des Abwägens, ob eine Idee gut oder ein Argument des Anderen sogar noch besser ist. Solche Fähigkeiten machen eine plurale LINKE stark, die sich nicht danach sortiert, ob man den Feind des Feindes als Freund identifizieren kann. Unsere Partei wird sich nicht spalten und es wird auch kein Zurück zu den Quellparteien geben. Eine Orientierung auf ein Parteiengefüge nach Ost oder West wird es ebenso wenig geben wie es auch keinen Sinn machen würde, nach Reformern und Pragmatikern einerseits und Dogmatikern und Fundis andererseits unterscheiden zu wollen. Dogmatiker und Fundamentalisten müssen wir sein, wenn es um eine Weltfinanzmarktordnung geht, die den Reichtum auf dem Rücken massenhafter Armut in Kauf nimmt. Wo die Mächtigen der Welt die Augen verschließen, wenn Nahrungsmittel zum Spekulationsobjekt werden und damit ein aggressiver Vermögenszuwachs mit dem Hungertod Hunderttausender einhergeht, ist ein fundamentales Nein durch eine LINKE immer wieder zu formulieren.
Pragmatisch muss eine plurale LINKE sein, wenn es darum geht, im Hier und Jetzt Verbesserungen zu ermöglichen, die den Menschen das Leben leichter machen. Flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn ist im Heute umzusetzen. DIE LINKE wird sich entscheiden müssen, ob sie per Parteitagsbeschluss feststellen will, dass der Kapitalismus eigentlich gescheitert ist. Dann müssen wir nur jemanden finden, der es dem Kapitalismus auch mitteilt, dass er gescheitert ist und verschwinden soll. Emanzipation und Partizipation als Handlungsmaximen setzen aber auf Menschen, die nicht keine besserwisserischen Beschlüsse durch eine Partei erwarten, sondern die teilhaben an einem Veränderungsprozess, den sie selber gestalten wollen und auch müssen. Streikrecht zu fordern, ist eine hehre Aufgabe. Einen Streik persönlich durchzustehen und auch die damit verbundenen Ängste zu spüren, wäre die Aufgabenstellungen für eine sensible LINKE, damit sie weiß, wann eine Idee die Massen ergreift und wirklich diese Idee auch zur Veränderung der Gesellschaft führt. Das geht eben nicht per Beschluss und auch schon gar nicht auf Knopfdruck. Wenn in einer solchen Situation in der Partei das Misstrauen untereinander geschürt wird, ist gar nichts gewonnen, sondern mehr verloren. Menschen spüren das und die Attraktivität einer solchen Partei geht verloren.

An diesem Scheideweg stehen wir, wenn dazu aufgerufen wird, sich nur gegenüber „linken Leitmedien“ öffentlich zu äußern. Das ist falsch verstandenes „Fairplay“. Entwicklung setzt voraus, dass in einem Klima von Toleranz und Pluralität auch unterschiedliche Meinungen ausgehalten werden und selbstverständlich die Besichtigung von außen als Teil der Binnenwahrnehmung akzeptiert wird. Natürlich ist es schwierig für eine Partei, Diskussionsprozesse zu organisieren und einen kulturvollen Streit zu praktizieren. Die Debatte um die Gaza-Flotille in der Bundestagsfraktion und die höchst unterschiedliche mediale Widerspiegelung bei den sogenannten „Fairplay“-Partnern zeigt aber, wie instrumentell diese Themen benutzt werden. Da kann einen das Gefühl beschleichen, dass es gar nicht um das Unrecht gegenüber den Palästinensern im Gaza-Streifen oder in den Flüchtlingslagern im Libanon geht.

Einseitiges „Fairplay“ bringt uns nicht weiter
Gesagt wird es nicht wie aber auch die Frage nicht gestellt wird, warum eigentlich eine Gaza-Flotille bestückt wird, wenn doch Ägypten, also die arabischen Brüder, die Grenze schon seit Jahren hätten aufmachen können, ohne dass es solcher Schiffskonvois bedürfte. Die Frage auch, warum 60 Jahre nach der unrechtmäßigen Vertreibung aus Israel die Lager im Libanon immer noch geschlossene Lager sind und die Palästinenser quasi als Staaten- und Rechtlose bei ihren dortigen arabischen Geschwistern faktisch in Geiselhaft gehalten werden, um sie bei Bedarf auch als einkalkulierte Opfer einer tödlichen Gefahr der israelischen Grenzsicherung auszusetzen. Der Golan ist rechtswidrig besetzt. Das ist unstrittig. Aber der Diktator Syriens meuchelt in seinem Land gerade heftig und da passt es ausgesprochen gut zur Ablenkung des eigenen Mordens, die Palästinenser aus dem Libanon über die syrische Grenze, über die sonst kein Syrer zurzeit kommt, in die Gewehre der Israelis laufen zu lassen. Natürlich macht das das Töten in der Region kein Jota besser.
Über die Differenziertheit dieser Fragestellungen muss aber geredet werden und auch eine Bewertung, ob Hamas, Hisbollah, das iranische oder das syrische Regime wirklich Menschenrechtsfreunde sind, ist dringend notwendig. Wenn aber einer der „Fairplay“-Partner von einem „Maulkorb“ für Abgeordnete und Mitarbeiter schreibt, wird klar es geht um die politische und provokatorische Grenzüberschreitung, die man will. Es geht weder um palästinensische Christen noch um liberale Juden, es geht auch nicht um Frauenrechte oder um das Recht der sexuellen Selbstbestimmung, alles Themen, bei denen man sehr gut im Nahen Osten zwischen Liberalen und Orthodoxen unterscheiden kann. Im Stein vereint sind orthodoxe Juden mit orthodoxen Muslimen immer, wenn es um Schwule geht. Und die Frage einer deutschen LINKEN müsste heißen, auf welcher Seite wollen wir stehen? Wer aber orthodoxe Juden heranzieht, die den Staat Israel genauso hassen wie es die Charta der Hamas zum Ausdruck bringt und wer nicht einmal merkt, dass die Trennlinie weder im Glauben noch in der Ethnie liegt, sondern in der Frage, ob Toleranz und Pluralität, ob Emanzipation und Partizipation das Kernmoment des eigenen Denkens und Handelns und des Beurteilens an anderen Orten der Welt ist.

Wir brauchen einen weiten Blick
Toleranz und Pluralität sind das Geheimnis einer erfolgreichen LINKEN in Deutschland. Die Frage unter Sozialisten muss erlaubt sein, wenn man an Prag 68 denkt, würdest Du vor den Panzern sitzen oder würdest Du eher der Rechtfertigung des Einsatzes dieser Panzer das Wort reden? Wird also eher das Dogmatische in der LINKEN sich breit machen, dann wird die Luft zum Atmen für Toleranz und Pluralität nicht mehr gegeben sein. Und meine Erfahrung vom Kirchentag sagt mir, wenn eine LINKE nicht erkennt, dass der 33. Evangelische Kirchentag in Dresden ein linker Kirchentag war, auf dem Themen debattiert wurden, die an Schärfe und Klarheit unserer Partei ins Stammbuch geschrieben sein müssten, dann verengen wir uns zu sehr. Wenn in der LINKEN eine Debatte losgeht, ob man überhaupt zum Kirchentag geht oder ob man mit einer Gegenveranstaltung behauptet, das Gehirn sei nur bei denen, die nicht zum Kirchentag gehen, dann können wir keine Partner sein. Nein, Hirn und Herz müssen schon zusammen wirken, denn ein Hirn ohne Herz funktioniert nicht. Und um es mit Oskar Lafontaine zu sagen: Das Herz schlägt links. Und wenn viele Herzen links schlagen sollen, brauchen wir einen weiten Blick, der deutlich macht, nur eine attraktive Linke wird Ausstrahlung auf diese Gesellschaft haben und gesellschaftsverändernd wirken.
Insoweit müssen wir unseren Abstand nicht zu anderen Parteien messen und können geduldig die Ausgrenzung anderer Parteien ertragen. Wenn aber die richtige Idee die Menschen ergreift, wird dies ausreichend Bewegung in der Gesellschaft erzeugen. Die Katastrophen kommen sowieso. Die Frage ist, ob wir als LINKE Antworten haben, wie wir bei den bevorstehenden Brüchen Angebote unterbreiten, die auf Menschen attraktiv wirken. So würden wir unseren Beitrag leisten, die Demokratie auch durch Wahlzuwächse zu stärken. Da würde ich meiner Partei zurufen wollen: „Lasst uns ein paar Tage vor die Stadt ziehen und anschauen, wie hoch die Türme über den Häusern sich erheben.“

Bodo Ramelow – Erfurt, 26. Juni 2011

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Grafikquelle  :  Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

Quelle http://archiv2007.sozialisten.de/service/download/fotos/ramelow/index.htm
Urheber DiG / TRIALON, Thomas Kläber

 

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Die Islamkonferenz

Erstellt von UP. am 4. Juni 2011

… hat es nicht geschafft, Muslime besser zu integrieren. Stattdessen bestellt sie indirekt der Scharia das Feld!

Bildergebnis für Wikimedia Commons Bilder Islamkonferenz 2011

DEBATTE – Ersatzlos streichen!

Nach belgischem Vorbild führt Frankreich das Burka-Verbot ein, die Schweizer verbieten per Volksreferendum Minarette. In der arabischen Welt regt sich das Streben nach Demokratie, Meinungsfreiheit und Menschenrechten. Von Tunesien bis Ägypten, von Marokko bis Iran kämpfen die Menschen für ihre Freiheit.

Nur Deutschland scheint auf dem besten Wege zu sein, sich zu einer islamischen Umma (Gemeinschaft) zu wandeln.

>>> weiterlesen auf dem FOCUS

Ein sehr gepfefferter Beitrag zur Debatte von Serap Cileli. Cileli ist eine deutsch-türkische Autorin („Eure ehre – unser Leid“ und „Wir sind eure Töchter nicht eure Ehre“). 2005 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz.
Der Bericht sagt eigentlich alles aus zum aktuellen Stand der Dinge; und ein sehr wesentliches Moment in der Diskussion sind eben auch in Deutschland die Minarette. Der Verfasser steht auch auf dem Standpunkt, wenn in Istambul Kirchen gebaut werden dürfen und die Kirchenglocken regelmässig läuten, darf hier der Muezzin rufen.

UP.

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Grafikquelle  :  Logo der Deutschen Islamkonferenz

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Deutschland vs. Islam?

Erstellt von UP. am 31. Mai 2011

Welchen Islam braucht Deutschland, welches Deutschland braucht der Islam?

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f9/Alif_Laam_Meem_Muslim_Fraternity_At_Domestic_Violence_Rally.JPG

Ein Christ respektiert auch jede andere Religion

Allein die Überschrift provoziert – besonders der 2. Teil: welches Deutschland braucht der Islam?
Es impliziert bei nicht so gebildeten Lesern, also BILD-Lesern, dass Deutschland sich verändern soll, damit der „Islam zufrieden ist“ – mal ganz trivial ausgedrückt, also volksnah populistisch. Können wir ja auch mal sein – wegen der Provokation des Lesers. Auf den Teil 1 der Überschrift weiss der BILD-Leser natürlich die Antwort: Gar keinen!
Vielleicht geht einer unserer Leser hin und berichtet, wer wen wie verändern soll.

Gritje Hartmann Stiftung Mercator 31.05.2011 09:37

 Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide zu Gast bei der Mercator EssensZeit in Essen

Spricht man heute über Islam in Deutschland, ist dies einerseits geprägt durch die Erfahrungen, die die Mehrheitsgesellschaft mit den ehemaligen „Gastarbeitern“ und deren Nachkommen aus muslimischen Ländern gemacht hat, andererseits durch das mediale Bild des Islams und der Muslime. Soziale, ethnische, nationale sowie sicherheitspolitische Ebenen sind dabei mit der religiösen Ebene vermischt.

Mouhanad Khorchide von der Universität Münster wird in seinem Vortrag „Welchen Islam braucht Deutschland, welches Deutschland braucht der Islam?“ dem nötigen und wünschenswerten Perspektivwechsel nachgehen. Dabei stellt er sich folgende Fragen: „Wie kann der Islam und wie können die Muslime die deutsche Gesellschaft bereichern? Wie soll sich der Islam in Deutschland weiterentwickeln und welche Chancen und Möglichkeiten benötigt er dazu?“

Zur Mercator EssensZeit, die die Stiftung Mercator in Kooperation mit der WAZ veranstaltet, laden wir Sie herzlich ein:

Mercator EssensZeit
mit Mouhanad Khorchide
am 8. Juni 2011 von 12.30 bis 14 Uhr
in der Stiftung Mercator, Huyssenallee 46, 45128 Essen

Die anschließende Diskussion moderiert Brigitta Stauber-Klein, Redakteurin im Politikressort der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ).

Hinweis an Redaktionen: Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenlos. Wir bitten daher Medienvertreter herzlich, ihre Leser auf die Veranstaltung hinzuweisen. Interessierte können sich unter 0201-245 22 830 oder per E-Mail bei Katrin Nieß (katrin.nieß@stiftung-mercator.de) anmelden.

Presseanmeldung: Wir würden uns freuen, Sie in der Stiftung Mercator begrüßen zu können. Wir bitten Sie um eine Anmeldung unter presse@stiftung-mercator.de bis zum Montag, 6. Juni 2011.

Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an:
Marisa Klasen
Kommunikationsmanagerin
Stiftung Mercator
Tel.: 0201-24522-53
klasen@stiftung-mercator.de
www.stiftung-mercator.de

Programm

12.30 Uhr
Eintreffen der Gäste und Imbiss

13.00 Uhr
Eröffnung und Begrüßung
Dr. Bernhard Lorentz, Geschäftsführer, Stiftung Mercator

13.05 Uhr
„Welchen Islam braucht Deutschland, welches Deutschland braucht der Islam?“
Prof. Dr. Mouhanad Khorchide,Universität Münster

13.30 Uhr
Diskussion
Prof. Dr. Mouhanad Khorchide
Brigitta Stauber-Klein (Moderatorin), Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ)

14.00 Uhr
Ende der Veranstaltung

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Grafikquelle  :

Source Own work
Author AliMMahmoud94

Dallas, TX

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Frau Käßmann

Erstellt von UP. am 10. Mai 2011

Schlechte Politik und keine Zeite für die Kinder ?

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/14/Wahlkampf_mit_Frau_von_der_Leyen.jpg

Es würde uns interessieren, was die Mehrfachmillionärin aus Hannover mit ihren sieben (!) Kindern dazu sagt.
Es ist kaum anzunehmen, dass die Wirklichkeit so aussieht, wie in der Glosse des WDR2. Dem deutschen Volk wäre höchstwahrsscheinlich einiges erspart geblieben, wenn sich v.d.Leyen mehr um ihre Kinder gekümmert als schlechte Politik zu machen.
Wenige haben auch nur näherungsweise das Profil von Käßmann, ohne diese Frau glorifizieren zu wollen.

Hamburg (ots) – „Ich finde es grausam, wenn Frauen vor die Wahl gestellt werden. Wenn Sehnsucht nach Kindern und Beruf da ist, muss es möglich gemacht werden. Und das ist noch ein Riesenproblem!“, sagt Margot Käßmann im Exklusivinterview mit dem Frauenmagazin EMOTION (Ausgabe 06/2011 ab morgen im Handel). Den Balance-Akt zwischen Kindern und Karriere kennt die Mutter von vier Töchtern: „Ich bin nicht immer eine gute Mutter gewesen. Wir wollen alle ganz tolle Mütter sein und ganz toll im Beruf. Das schafft keine! Wie oft habe ich bei der Arbeit geflunkert und gesagt, ich hätte noch eine Sitzung – dabei musste ich zu den Kindern.“ Die 52-Jährige setzt sich aktiv für die Belange von Frauen ein und kämpft gegen überholte Rollenbilder. „Wir dürfen unseren Töchtern nicht vormachen, dass alles mit Leichtigkeit geht. Denn das stimmt nicht.“ Aber sie prophezeit auch: „Die große Veränderung in der Männerwelt steht erst noch an.“

Margot Käßmann stand an der Spitze der Evangelischen Kirche. Im vergangenen Jahr legte sie nach einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss ihre kirchlichen Führungsämter nieder. „Ich sehne mich nicht zurück, aber natürlich bin ich noch traurig. Es ist bitter, in dem Moment zurückzutreten, wenn du gerade karrieremäßig den Höhepunkt erreicht hast“, so die Ex-Bischöfin und -Ratsvorsitzende im EMOTION-Interview. Nach ihrem Rücktritt hat sie viel Häme erfahren: „Das war verletzend und teilweise bösartig. Wer da so alles meinte, mein Verhalten kommentieren zu dürfen.“ Heute ist die Neu-Berlinerin als Buchautorin erfolgreich und hat eine Gastprofessur. „Der Leistungsdruck, den ich früher empfunden habe, der ist deutlich reduziert“, sagt die Theologin über ihre neue Aufgabe an der Uni Bochum. „Da bin ich nicht die Bischöfin. Da ist jetzt viel mehr Kür als Pflicht.“ Auch mit ihren autobiographischen Büchern erreicht Käßmann viele Menschen. „Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich ein Briefseelsorge-Institut aufmachen.“

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Grafikquelle  :  Election campaign with Mrs von der Leyen

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Die Freiheit des Islam

Erstellt von DL-Redaktion am 24. März 2011

Die Freiheit des Islam

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/14/Sehitlik1_Moschee_Berlin.JPG

Einen interessanten Einblick in den Islam versucht uns hier Charlotte Wiedemann zu vermitteln. Wir sollten aber nicht den großen Fehler vieler anderer machen und den Islam verallgemeinern. Es gibt nicht den Islam: Der Islam ist eine sehr urbane, mystische Religion und sehr stark von der Umgebung abhängig in der die praktizierenden Gläubigen leben. So sehen  wir große Unterschiede zwischen Afrika, Asien oder zum Beispiel der Türkei sowie auch Arabien. Besonders in Asien und Afrika spielen bei allen Religionen immer noch die Natur Religionen eine sehr große, stark beeinflussende Rolle. IE

Wo rührt das her, diese Bereitschaft zum Umsturz? Dieses jähe Außerkraftsetzen von Angst, Hemmungen und lang eingeübter Demut? Die Befähigung zur Revolte wurde Muslimen nicht zugetraut, gelten sie doch als Gefangene einer religiösen Gefühls- und Geisteswelt, die mit Unterdrückung besser harmoniere als mit Freiheitsdrang. Die Regime, die nun stürzen, passten zum herkömmlichen Bild des Islam weitaus besser als die Umstürzler. Auch der dumpfe bewaffnete Dschihadismus fügte sich in dieses Raster: eine reaktionäre Revolte, extrem patriarchalisch. Und nun ein geradezu anti-autoritärer arabischer Bildersturm. Passen Islam und Emanzipation womöglich doch zusammen?

Ein befriedigtes „Allahu Akbar“ beim Anblick einer brennenden Polizeiwache – Religion ist bei den jüngsten Erhebungen immer dabei, als Triebkraft, Ermunterung, Rückversicherung.(1) Doch sie definiert nicht das Ziel der Erhebungen. Damit haben sich die neuen Bewegungen von der Dominanz des islamistischen Diskurses befreit – und doch sind sie in einem entscheidenden Punkt seine Kinder: in ihrem unbedingten, fast skrupellosen Verlangen nach Gerechtigkeit. Die Aufständischen haben die Gewissheit, dass Gott, der Islam und seine Werte auf ihrer Seite stehen beim Sturz eines Präsidenten – das versteht sich für Muslime, zumal für sunnitische, keineswegs von selbst.

Über Jahrhunderte haben sich sunnitische Rechtsgelehrte den Kopf zerbrochen über die Frage, ob einem ungerechten Herrscher zu gehorchen sei. Sie blieben, wie öfter, auf komplizierte Weise uneins. Erst in den vergangenen Jahrzehnten hat sich unter dem Einfluss populärer islamistischer Prediger ein radikalerer Konsens herausgebildet, nicht in den Gelehrtenstuben, sondern auf der Straße und vor den Fernsehschirmen: Ungerechte Herrschaft müsse von keinem Muslim anerkannt werden. Diese wirkmächtige Prämisse macht nun für konservative Bevölkerungsteile all jene sozialen Tabubrüche verzeihlich, die von den Jungen, Vorpreschenden im Moment der Revolte begangen werden. „Allah hat uns den Rap gegeben, damit wir uns von Unrecht befreien können“, sagt der 22-jährige tunesische Rapstar Hamada Ben-Amor („El Général“). Natürlich weiß er, dass er seine Stücke selber schreibt. Aber so erklärt er die Akzeptanz durch seine religiöse Familie.

Quelle: Le Monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle :  Die Şehitlik-Moschee in Berlin wird hauptsächlich von türkischstämmigen Muslimen besucht

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Geistige Inquisition

Erstellt von UP. am 12. März 2011

Das “Schweigegeld”-Urteil ?“

Das „berühmt berüchtigte“ Hamburger Landgericht macht wieder einmal von sich reden:
Denkwürdig, dass sich die Diözese Regensburg an eben dieses HH-Landgericht wendet, welches öfter schon durch echt irre Urteile glänzte, die mit Menschenverstand wirklich nichts mehr gemein hatten. So auch dieses folgende.

istlokal.de protestiert gegen “Schweigegeld”-Urteil: “Mit gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehbare Entscheidung”

Presseerklärung des Netzwerks istlokal.de zum Urteil des Hamburger Landgerichts in der Sache „Schweigegeld“ Diözese Regensburg vs. Stefan Aigner

Stefan Aigner: Hamburger Landgericht verbietet Regensburger Journalisten Geldzahlungen und eine „Verschwiegenheitsverpflichtung“ im Fall des sexuellen Missbrauchs an einem Jungen durch einen katholischen Pfarrer als „Schweigegeld“ zu bezeichnen.

Heddesheim/Hamburg, 11. März 2011. Das Hamburger Landgericht hat heute einer Klage der Regensburger Diözese gegen den Journalisten Stefan Aigner „recht“ gegeben.

Eine Urteilsbegründung liegt noch nicht vor. Dem Journalisten ist untersagt worden, Zahlungen der katholischen Kirche an die Eltern eines durch einen Priester missbrauchten Jungen als „Schweigegeld“ zu bezeichnen.

Scharfer Protest.

Das Netzwerk istlokal.de protestiert auf Schärfste gegen diese mit gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehbare Entscheidung.

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Missbrauchsfälle bekannt. Dutzende von Priestern hatten teils über Jahre hinweg hunderte von Ministranten und andere schutzbefohlene Kinder, überwiegend Jungen, sexuell missbraucht.

Anstatt diese Missbräuche an Leib und Seelen der Kinder konsequent aufzuklären, hat die katholische Kirche viele Fälle vertuscht, Priester versetzt, „Entschädigungszahlungen“ geleistet.

Quelle  : istlokal. de  >>>>>   weiterlesen

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Grafikquelle : Strafjustizgebäude des Amts- und Landgerichts Hamburg

 

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Politik oder Religion?

Erstellt von DL-Redaktion am 5. März 2011

Moderner Polytheismus

Datei:Mao bibel.jpg

Wenn in dem folgenden Artikel das Wort „Religion“ durch „Partei“ ersetzt wird, bleibt das Ergebnis gleich. Ein Unterschied ist nicht auszumachen. Wir sehen Ideologien, welche vielfach auf alte Bücher und Schriften zurückführen. Fast schon krampfhaft wird versucht, diese nach Rückwärts gewandten Dogmen in die Neuzeit umzusetzen. Dass wir heute in einem anderen Zeitalter leben, uns mit Computer anstatt Schrifttafeln befassen, scheinen weder die Protagonisten in den Relionen noch in den Parteien zu interessieren.

Da ein Jeder auf die Richtigkeit seiner Ideologie beharrt, ist eine friedliche Zusammenarbeit zum Wohle der Menschen scheinbar unmöglich, nicht in der Politik und auch nicht in den Religionen. Wohlwissend das nur der berühmte „Goldene Weg“ das Maß aller Dinge sein kann, sind sie doch alle nur auf der Suche  ihre persönlichen Eitelkeiten zu befrieden. Die Ergebnisse von Rot-Grün sind heute noch sichtbar und werden unter gelb-schwarz ausgebaut.

Dabei begegnen uns überall die gleichen Typen mit ihren Anspruch auf Führerschaft. Menschen, welche sich aus einer schon krankhaft anmutenden Eitelkeit gegenseitig als Stützpfeiler dienen. Beispiel: Merkel auf dem Bundesparteitag der CDU in Karlsruhe. Sie nannte die Art und Weise verwerflich, mit der sich Köhler an den Rand gedrängt fühlte. Das sie mit diesem Rücktritt „aber auch gar nicht zu schaffen hatte“, brauche ich an und für sich nicht erwähnen.

Die großen Aufmärsche im „Dritten Reich“, Moskau, Nord-Korea, dem Vatikan oder bei der Vereidigung von Bundeswehr-Soldaten – alles das Gleiche: Drohgebärden und eine Zurschaustellung persönlicher Macht.

Die Verehrung des Heiligen hier und der Helden dort. Alles Märtyrer, welche für eine gute Sache, ihrer Überzeugung, zum Wohle ihrer Religion oder des Staates, der Parteien, ihr Leben „opferten“. Die Gedenktage, Zeremonien und Rituale, dienen überwiegend dem Selbstzweck der Positionsfestigung, ihrer persönlichen Erhebung über das allgemeine Volk, als Alibi für Missetaten. Der hohe Dom, das hohe Haus des Bundestages, vom „Normal Bürger“ mit Ehrfurcht zu betreten im Sinne von Selbsterniedrigung, verbunden mit den entsprechenden Kostümierungen und Ritualien sowie den auch damit verbundenen Wallfahrten auf Kosten der Steuerzahler. Auch bei knappen Kassen – für den eigenen Exhibitionismus ist immer Geld vorhanden.

Die edlen Ziele? Der Friede auf Erden? Ja, aber nur wenn es auf Kosten der Andersdenkenden geht! In der Realität geht es nur um Herrschaft, Macht und Geld. Zur Erreichung dieser Ziele ist der Einsatz  eines jeden Mittel recht und erst an die Macht gekommen, werden sie alle gleich, die Machthaber.

Sind diese dann einmal unter sich, auf Tagungen oder den berühmten Geschäftsreisen spielt die Herrschaftsstruktur des Gesprächs- Geschäfts- Partners keine große Rolle mehr. Hauptsache der Dollar rollt.  Zur Zeit sehr gut zu beobachten in Nord Afrika und der arabischen Welt. Alles alte Freunde welche mit Waffen die im Westen eingekauft wurden nun ihre eigene Bevölkerung drangsalieren.

Zur Erreichung der Ziele benötige ich eine kleine Gruppe Vordenker, nicht mehr als ca. 10 Personen. Die Gruppe der Herdenführer, mit ihren Rotten laut bellender Hunde, welche versuchen eine riesige Herde wild blökender, willenloser Schafe durch kleine Bisse möglichst immer in Bewegung zu halten. Belohne die besonders Willigen mit Orden und anderweitigen Vorteilen. Wichtig ist: Die Herde darf nicht lange zum Stillstand kommen, ihr darf keine Zeit zum Nachdenken gegeben werden und hinterlasse dann bei Jedem das Gefühl einmal in die nächst höhere Gruppe aufsteigen zu können.

Dieses Gesamtpaket wird von den Ausführenden dann je nach Bedarf mit dem entsprechenden Geschenkpapier umwickelt als Politik oder Religion auf den Markt gebracht. Vergessen wird dabei selbstverständlich das es in einer Demokratie nur einen Herrscher geben kann: Das Volk.

[youtube 86S1iKWw654]

Nun ein Kommentar von ILIJA TROJANOW

Wer über Gott und die Welt reden möchte, kann bekanntlich nur scheitern. Sei es, weil es nichts zu sagen gibt, sei es, weil man nicht zum Ende kommt. „Was jenseits des menschlichen Wortes liegt, spricht von Gott“, hat George Steiner mit unnachahmlicher irdischer Eleganz mal formuliert.

Diese Überzeugung teilt er mit vielen – unter anderem mit den brahmanischen Priestern aus vedischer Zeit, die in Exerzitien namens Brahmodya die Grenzen der Sprache so weit ausloteten, bis ein Schweigen eintrat, in dem nicht nur die Mängel der menschlichen Kommunikation sichtbar wurden, sondern auch die Realität des Göttlichen. Mit Bestimmtheit kann man nur sagen, was das Göttliche alles nicht ist – getreu einem Gedanken aus dem Daoismus, dass das Dao, das benannt werden kann, nicht das Dao sein kann. Im Sanskrit wird diese in allen Religionen verbreitete theologische Tradition ausgedrückt durch ein doppeltes „Neti – neti“ – „dieses ist es nicht und jenes auch nicht“. Es liegt in der Natur der Sache, dass eine negative Definition kein Ende finden kann.

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

IE

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Grafikquelle  :

Beschreibung
Deutsch: Mao-Bibel (deutschsprachige Ausgabe, Peking 1972)
Datum
Quelle selbst eingescannt (Benutzer:Hph)
Urheber
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Schreckgespenst Islam?

Erstellt von DL-Redaktion am 2. Februar 2011

Zu viel Übung im Weggucken

Ist der IMI malm allein, lädt er gern sich Gäste ein

Der Aufstand in der arabischen Welt kommt so überraschend nicht. Viele Menschen aus dem dortigen Lebensraum haben nur auf den einen Funken gewartet. Dieses Glimmen wurde in Tunesien ausgelöst und verbreitet sich langsam weiter in der arabischen Welt. Er wird auch Länder erreichen an die wir im Moment noch nicht so recht glauben können oder wollen.

Aber es ist im Leben so, die einen streben nach Freiheit, gehen dafür auf die Straßen und sind zu Opfern bereit, postwendend machen sich die selbsternannten besseren Demokraten der westlichen Welt auf den Weg um sofort nach neuen Feindschaften Ausschau zu halten. Viele glauben diese dann in der Muslimbruderschaft Ägyptens oder anderen Islamischen Verbindungen gefunden zu haben.

So beklagt die FTD als erstes dass die Proteste gegen Mubarak die ägyptische Wirtschaft lahm gelegt  haben und darum ein Rückgang des Wirtschaftswachstum von 5,5% auf 5 % zu erwarten wäre.

Könnte der FTD die Wirtschaft Ägyptens in Wirklichkeit wohl ziemlich egal sein, wenn sie nicht befürchten müsste dass eventuell  Deutsche Waffenlieferungen storniert würden da der Auftrag gebende Despot nicht mehr an der Macht ist?

Hier noch zwei weitere Kommentare aus den Deutschen Blätterwald welche sich mit dem Thema befassen:

Zu viel Übung im Weggucken

Gewiss, Außenpolitik ist immer auch Realpolitik. Doch es gibt Alternativen zum Kuscheln mit Despoten wie in Ägypten.

Es ist immer das gleiche Muster: Ein Diktator beutet das eigene Volk aus, lässt die Menschen verarmen, unterdrückt Oppositionelle brutal. Trotz alledem muss der Despot so lange keine nennenswerte Kritik aus dem Ausland fürchten, wie er den jeweiligen Regierungen nützlich erscheint. Er bleibt unbehelligt, wenn sein Land geostrategisch gut liegt, er ein wichtiger Handelspartner ist oder man in Washington, Brüssel, Berlin und anderswo fürchtet, dass seine potenziellen Nachfolger weniger handzahm wären. Das Weggucken und Wegducken lässt erst dann nach, wenn die Macht des Unterdrückers bröckelt und man sich mit denen gut stellen will, die künftig das Sagen haben.

Zum Beispiel Ägypten: Natürlich wusste die schwarz-gelbe Koalition – ebenso wie zuvor die schwarz-rote, die rot-grüne oder die frühere schwarz-gelbe –, wie sehr das Land unter seinem Herrscher Mubarak leidet. Ein Grund, ihm ernsthaft in die Parade zu fahren, war das offenbar nicht. An die „Seite derer, die nach Demokratie …, Bürger- und Menschenrechten rufen“, stellt sich der deutsche Außenminister erst jetzt, da die Tage Mubaraks gezählt sind.

Dabei kann man in Berlin oder Brüssel auch anders. Den Palästinensern etwa haben Deutschland und die EU sehr klar signalisiert, was geschehen muss, damit Hilfe fließt. Politische Unterstützung gibt es nicht ohne Fortschritte in Sachen Demokratie, Freiheit und Menschenrechte: Solche Worte wären an die Adresse Kairos genauso richtig und wichtig gewesen. (Dass Europa mit der Demokratie so seine Probleme hatte, als die Palästinenser in einer demokratischen Wahl für die islamistische Hamas votierten, steht freilich auf einem anderen Blatt.)

Quelle: Franfurter Rundschau >>>> weiterlesen

Das sollen Araber sein?

Die deutsche Linke schweigt zum Aufstand der Massen in Nahost.

Gibt es etwas Schöneres, als daheim auf dem Sofa zu sitzen, Bier bei Fuß, und aus sicherer Entfernung zuzusehen, wie sich Demonstranten Schlachten mit der Polizei liefern? Gestern in Tunis, heute in Kairo und Alexandria, morgen vielleicht in Damaskus und Riad? Rein theoretisch sollte man annehmen, dass angesichts der Bilder, die uns aus Arabien erreichen, auch in der Bundesrepublik etwas los sein müsste. Dass die verschiedenen Zweige der deutschen Demokratie- und Friedensbewegung den Menschen zu Hilfe eilen würden, die für Freiheit und Menschenrechte, für ein selbstbestimmtes Leben also, ihr Leben riskieren. Aber nichts dergleichen passiert. Es herrscht Ruhe an der deutschen Friedensfront. Claudia Roth, die eben erst nach einem Besuch in Teheran für mehr „Kulturaustausch“ eintrat, um die „Zivilgesellschaft“ im Iran zu stärken, schweigt. Konstantin Wecker, der 2003 nach Bagdad reiste, um sich dort zusammen mit Saddam Hussein fotografieren zu lassen, hat grad Wichtigeres zu tun. Auch Horst-Eberhard Richter, sonst mit friedenspolitischen Ratschlägen schnell zur Hand, hält sich bedeckt, völlig synchron mit den „Ärzten gegen den Atomkrieg“. Und der Rest der Friedensbewegung wartet auf besseres Wetter, um wieder nach Gaza segeln zu können, abgelaufene Medikamente und kämpferische Parolen im Gepäck.

Quelle: Die Welt >>>>> weiterlesen

IE

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Grafikquelle  : Niqabs mit Stirnband, deren zusätzliche Lagen nach oben geklappt sind

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Weblog und Pressekodex

Erstellt von UP. am 31. Januar 2011

Blogger sollen Schutz klassischer Medien
in Anspruch nehmen können

File:Blog-684748 640.jpg

Blogger sollen in den Genuss der Privilegien der Presse kommen, wenn sie sich an deren ethische Codes halten. Diesen Vorschlag machte die Menschenrechtsorganisation Article 19 bei einer Tagung der Unesco zur Presse- und Meinungsfreiheit vergangenen Woche. Presseräte in einzelnen Ländern wie den Niederlanden hätten bereits begonnen, sich mit der möglichen Integration der neuen Klasse von Journalisten auseinanderzusetzen, sagte Agnès Callamard, Chief Executive von Article 19, gegenüber heise online.

[ … ]

Überdies müssten dringend klare Regeln dafür geschaffen werden, wie und in welcher Form Provider in den Fluss der Kommunikation eingreifen dürfen. Aktuell neigten die Provider aus Angst vor juristischen Folgen zu Überreaktionen, wie etwa der kürzlich von Facebook verhängten Sperrung eines Forums stillender Mütter, das als obszön angeschwärzt worden war. (Monika Ermert) / (uma)

der komplette Artikel bei >>> heise.de
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Anmerkung

Es kommt immer mal wieder vor, dass jemand ganz Schlauer meint, über den Provider dem Betreiber eines Blogs eins auswischen zu können oder versucht, auf diese Art und Weise das Blog auszuknipsen.
Diesem dummdreisten Verhalten
einen Riegel vorzuschieben durch Vorgabe eines gesetzlichen Rahmens wird es höchste Zeit, damit ein verunsicherter Provider durch Überreaktion nicht zu Dingen hingerissen wird, die jeglicher rechtlichen Grundlage entbehren, und die er später teuer bezahlen müsste.
Einen Provider „an den Inhalten eines Blogs zu beteiligen“ – ausser es verstösst eindeutig gegen das deutsche Presserecht vom Inhalt her – ist töricht und in keiner Weise gegenwartsbezogen.

Das erinnert mich spontan an die Tussi, die den Kaffeebecher zwischen die Oberschenkel klemmte – bescheuertes amerikanisches ‚Produkthaftungsgehabe‘.

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Grafikquelle : This file is from Pixabay, where the creator has released it explicitly under the license Creative Commons Zero (see here).

File ID: 684748

Creative Commons CC-Zero This file is made available under the Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication.
Source https://pixabay.com/en/blog-blogging-wordpress-leave-684748/
Author Sophie Janotta (Sophieja23)

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Islam in Deutschland

Erstellt von UP. am 31. Januar 2011

Zentralrat der Muslime:
Islam in Deutschland bleibt unter seinen Möglichkeiten

„Floating“ mosque of Kuala Terengganu – Malaysia

Essen (ots) – Der Islam in Deutschland bleibt von seinem intellektuellen Anspruch und Potenzial her „weit unter seinen Möglichkeiten, sich zeitgemäß zu begreifen“. Das sagte Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD), den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe (Montagausgaben) und dem Online-Portal „derwesten“.

Als Grund nennt der Vorsitzende des Zentralrats, der 300 Moscheegemeinden und 19 islamische Verbände vertritt, eine fehlende islamische Infrastruktur. „Wir haben anders als die großen Kirchen keine Akademien und kaum Bildungseinrichtungen, die Raum geben können, um kontroverse Debatten zu führen. Wir haben durchaus Nachholbedarf, etwa bei der Abgrenzung unserer Religion von Ideologien.“

Wenn reklamiert wird, dass der Islam „unter seinen Möglichkeiten bleibt“, sollte man das ändern, wenn man will. Aber diese Änderung muss von dem ausgehen, der diese Änderung als „Betroffener“ aufzeigt.

WIR können das nicht ändern! Und WIR können und wollen den Islam nicht ändern. Und wenn der Islam wirklich Nachholbedarf hat, dann soll er tun, ohne die Kreise anderer zu beschädigen. Niemand wird ihn wirklich hindern, wenn die Freiheit anderer nicht infrage gestellt wird.

Auf die öffentliche Kritik des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, wonach der Islam in Deutschland „von Aufklärung und Religionskritik kaum irritiert“ sei, entgegnete Mazyek: „Die Muslime können und müssen sich immer wieder aus sich selbst heraus erneuern. Unsere Religion bietet dafür ausreichende Grundlagen.“

Allerdings machten viele „Stellvertreter-Debatten und Schwarzer-Peter-Spiele“ den Muslimen Angst. Viele zögen sich ins Schneckenhaus zurück. „Gebildete gehen ins Ausland. Oder in ihre alte Heimat.“

Anstatt das Potenzial von 99 Prozent friedlichen Muslimen zu nutzen, würden Muslime in Deutschland einem „Generalverdacht“ ausgesetzt. Wörtlich sagte Mazyek: „Wir haben unsere Imame im Dezember aufgerufen, in den Freitagspredigten einen Kernsatz zu benutzen: „Die Verteidigung unserer freiheitlichen Grundordnung ist eine Bürger- und Islampflicht.“ Die Reaktion in den Moscheegemeinden war hervorragend. In der Öffentlichkeit wurde davon kaum Notiz genommen.“

Mazyek beklagt fehlende Unterstützung der Muslime, auch wenn sie angegriffen würden. „Ich hätte zum Beispiel von der Bundeskanzlerin erwartet, dass sie sich nach den gehäuften Attacken auf Moscheen deutlicher vor uns stellt. Es ist egal, ob ein muslimisches, jüdisches oder christliches Gotteshaus angegriffen wird. Wir alle sind damit angegriffen.“

Für den zehnten Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 New York und Washington befürwortet der Zentralrats-Vorsitzende die Idee eines „großen interreligiösen Gebetes“.

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Anmerkung
Die Grundidee eines interreligiösen Gebetes ist sicherlich eine gute Sache. Wenn allerdings jemand diese Meinung vertritt, muss er sie auch weiter verfolgen und dafür werben und nicht darauf warten, dass die „Anderen“ auf einen zugehen, um sich anschliessend zu beschweren, dass der Islam nicht akzeptiert wird.

Der öffentlichen Kritik des Ratsvorsitzenden der EKD, Nikolaus Schneider, wonach der Islam in Deutschland „von Aufklärung und Religionskritik kaum irritiert“ sei, kann der Zentralrat nicht nur mit der o.a. Antwort begegnen, sondern es muss überlegt werden, warum eine derartige Erneuerung im Sinne einer Säkularisierung seit „300 Jahren“ überfällig ist.
Die vielfältigen Facetten des Islam spiegeln sich in den über 300 Moscheegemeinden wider, die teilweise in der gleichen Stadt konkurrierend auftreten, was nach aussen hin nicht unbedingt eine einheitliche religiöse Anschauungsweise verdeutlicht.

Die sogenannte Aufklärung im Islam kann eher als intelektuelle Leistung der Gebildeten angesehen werden, die nach dem Studium in Deutschland sich in der Regel wieder in ihre Heimat begeben.

Altbundeskanzler Schmid führte in einem seiner letzten Gespräche in der ARD aus, dass ‚wir‘ eher Probleme mit den Menschen aus Ost-Anatolien haben, weil die patriarchalischen Strukturen dort fest verwurzelt sind. Es werden dort Traditionen mit Zwangsverheiratungen und Familienehre gelebt, die die „Vorherrschaft“ der Männer und die Minderwertigkeit der Frauen dokumentiert, und die von auch einfachen Menschen im „Dunstkreis“ des Abendlandes abgelehnt werden.

Wenn heute der Zentralrat der Muslime von der Gleichheit der Geschlechter in Deutschland spricht, ist das reine Theorie; denn „importiert“ wird immer das geistige „unaufgeklärte“ Gegenteil, welches sich dadurch eindrucksvoll dokumentiert, dass die Ehefrau den Einkauf alleine trägt und sich die drei bis fünf Schritte hinter dem Ehemann bewegt.

Wenn der Sprecher des Zentralrates von durchaus Nachholbedarf hinsichtlich der Abgrenzung des Islam von Ideologien betont, sollte man das anpacken! Als Dachorganisation kann in diesem Zusammenhang nicht von fehlenden Infrastrukturen gesprochen werden, sonst führt sich dieser Vertretungsanspruch für 300 Moscheegemeinden und 19 islamischen Verbänden selber ad absurdum.

An der Uni Münster wurde bereits vor längerer Zeit der LEHRSTUHL FÜR RELIGION DES ISLAM eingerichtet. Teilweise wird dieser Lehrstuhl von einigen islamischen Verbänden grundlegend abgelehnt. Das ist sicher nicht der richtige Weg, den Islam als vollwertige Religion endlich zu etablieren. Daran ändert auch ein Bundespräsident nichts, der anbiedernd verlauten lässt, dass der Islam „angekommen“ sei.

Hier ist noch viel zu tun. Und das kann nur durch gegenseitige Rücksichtnahme und Toleranz aus allen Richtungen bewerkstelligt werden, was auch jungen Türken nachhaltig vermittelt werden sollte.

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Grafikquwelle  : The Floating Mosque.

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Selbstbestimmung…

Erstellt von UP. am 26. Januar 2011

…und Fürsorge

Neue Christliche Patientenvorsorge veröffentlicht

Hannover, 26. Januar 2011 (EKD-Pressemitteilungen) – Die neue Christliche Patientenvorsorge ist heute in Köln der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Die Handreichung und das Formular treten als kirchliches Angebot an die Stelle der bisherigen „Christlichen Patientenverfügung“ von 1999 und 2003. Aufgrund der veränderten Gesetzeslage in der Bundesrepublik Deutschland seit September 2009 war eine Neukonzeption nötig geworden. Das Dokument wurde gemeinsam von der Deutschen Bischofskonferenz und vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Zusammenarbeit mit zahlreichen Mitglieds- und Gastkirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) erarbeitet.

weiterlesen>>>hier

Direktlink zum Formular als speicher- u. druckbares PDF

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Anmerkung
Nicht ’schrecken‘ lassen von „Christlich“; wer eine solche Patientenverfügung erstellen möchte, vermittelt den Hinterbliebenen in jedem Fall rechtliche Sicherheit und drückt seinen eigenen unmissverständlichen Willen aus. Mindestens erhält man durch den Inhalt der durchdachten Formulierungen Ansätze für eine ggf. eigene freie Vermittlung seines Willens an verantwortliche Hinterbliebene!

Red.DL/UP.

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Grafikquelle  :Kirche St. Michael von Südwesten

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Kampf gegen Araberhass

Erstellt von DL-Redaktion am 28. November 2010

Holocaust-Überlebender wirft Israel Rassismus vor

Wohnviertel in Safed

Eli Zvieli hat den Holocaust überlebt. Heute kämpft der 89-jährige Jude in der israelischen Stadt Safed gegen den Rassismus seiner eigenen Landsleute. Ein Oberrabbiner hat dazu aufgerufen, nicht mehr an arabische Studenten zu vermieten. Wer gegen die Selektion verstößt, bekommt die Wut zu spüren.

Erst drohten sie damit, sein Haus anzuzünden. Dann kamen die Beleidigungen, meist per Telefon. Verräter nannten sie ihn. Eine Schande für die Stadt. Dann klebte ein Poster an seiner Tür, darauf stand: „Zvieli bringt die Araber zurück nach Safed!! Ein schreiendes Unrecht!!“ Er riss es ab. Es folgte ein Poster an der Wand gegenüber: „Wach auf, Safed, morgen wird es zu spät sein!!!“

Eli Zvieli ist 89 Jahre alt. Er stammt aus Siebenbürgen und hat den Holocaust überlebt. Seit 60 Jahren lebt er in Israel. Der Zorn richtet sich gegen ihn, weil er seit Semesterbeginn Zimmer an drei israelische Beduinen vermietet, die am College von Safed studieren.

Quelle : Der Spiegel >>>>> weiterlesen

IE

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Grafikquelle  : Die Autorenschaft wurde nicht in einer maschinell lesbaren Form angegeben. Es wird Beny Shlevich als Autor angenommen (basierend auf den Rechteinhaber-Angaben).Die Autorenschaft wurde nicht in einer maschinell lesbaren Form angegeben. Es wird angenommen, dass es sich um ein eigenes Werk handelt (basierend auf den Rechteinhaber-Angaben).

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Das schwere Herz Ahlens

Erstellt von DL-Redaktion am 10. November 2010

Das schwere Herz Ahlens

Sie ist unbedingt erwähnenswert, die große Teilnahme der Ahlener Bürgerschaft, welche sich am Abend des 9 November in die Klosterstraße zu Ahlen aufgemacht hatte, um der Kundgebung anlässlich des Jahrestages der Pogromnacht von 1938 beizuwohnen.

Am Mahnmal „Fingerzeig der Geschichte“ erinnerte der Ahlener Bürgermeister Benedikt Ruhmöller daran, dass auch in Ahlen Juden verfolgt, getötet, und die Synagoge und jüdische Schule in Flammen gesteckt und  jüdische Geschäfte zerstört wurden. Er erinnerte an den mangelnden Mut der Bürger, den Verfolgten nicht genügend zur Seite gestanden zu sein. Nur einige wenige seien bereit gewesen, den jüdischen Mitbürgern Hilfe zu leisten.

Nach der Niederlegung des Kranzes mit dem Bürgermeister sah Frau Ruth Frankenthal, Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Münster, es als ein Gutes Zeichen an, dass in Deutschland wieder jüdisches Leben  erblüht.

In seiner Ansprache erinnerte Heinz Aden daran, dass noch vor kurzer Zeit das Mahnmal von der sich selbst als autonome Nationalisten bekennende Gruppe, mit schwarzer Farbe beschmiert und entweiht wurde, um so die Namen der Opfer auszulöschen. Er regte dazu an, schon bei der nächsten Kundgebung die Namen der getöteten jüdischen Mitbürger zu verlesen, um diese nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Unter dem Slogan „Mein Herz ist schwer“, führte er die Teilnehmer der Kundgebung gedanklich zu verschiedenen  Plätzen, an denen früher jüdisches Leben in Ahlen sichtbar war.

Heinz Aden, evangelischer Pfarrer i.R. war kurzfristig für den erkrankten ehemaligen Superintendenten Erhard Nierhaus als Redner eingesprungen.

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Tag der offenen Moschee

Erstellt von DL-Redaktion am 2. Oktober 2010

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V.

schreibt auf seiner Website anlässlich des „Tages der offenen Mosche“ : “ Am 3. Oktober werden bundesweit bis zu 1000 Moscheen ihre Pforten zum „Tag der offenen Moschee“ öffnen. Es werden mehr als 100 000 Besucher erwartet. Diese in der Welt bisweilen einzigartige Aktion geht auf eine im Jahre 1997 gestartete Initiative des Zentralrats der Muslime in Deutschland zurück und entwickelte sich im Laufe der Jahre zum Selbstläufer. Hunderte Moscheen aller islamischen Verbände nehmen Jahr für Jahr daran teil. Der bewusst gewählte Zeitpunkt am Tag der Deutschen Einheit soll das Selbstverständnis der Muslime als Teil der deutschen Einheit und ihre Verbundenheit mit der Gesamtbevölkerung zum Ausdruck bringen.“

Diesmal steht der Tag der offenen Moschee unter dem Motto: Der Koran – 1400 Jahre, aktuell und mitten im Leben.

Eine Liste der sich beteiligenden Moscheen ist HIER einzusehen. Gerade in den Großstädten des Ruhrgebiets, wie Duisburg, Essen oder Dortmund, öffnen viele muslimische Gemeinden ihre Türen für die Besucher. Insgesamt beteiligen sich bis zu 1000 Moscheen deutschlandweit. In der herausgegebenen Liste sind über 500 Gemeinden aufgeführt.

Bewusst haben 1997 die muslimischen Verantwortlichen den 3. Oktober zu ihrem Tag der offenen Moschee erklärt. Gerade am Tag der Deutschen Einheit wollten die Muslime ein Zeichen setzen, das auch sie sich der Einheit Deutschlands zugehörig fühlen. An diesem Tag laden die muslimischen Gemeinden Deutschlands ihre nichtmuslimischen Nachbarn, Freunde, aber auch neue Interessierte in ihr Gebetshaus ein.

Die Muslime wollen morgen vielerorts in Deutschland von 10 bis 17 Uhr intensiv mit ihren Besuchern, unabhängig von deren religiöser oder politischer Gesinnung, in den Dialog treten. Gäste können die Moschee besichtigen, das muslimische Gebet miterleben, sich informieren und beim gemeinsamen Essen diskutieren. Es soll anhand verschiedener Lebensbereiche aufgezeigt werden, was Muslime unter Verantwortung verstehen und wie sie es umsetzen.

Gerade in der aktuellen Zeit, in der es nicht nur wegen eines Sarrazin, darum geht, den Dialog aller Menschen, gleich welcher Religion und Kultur, untereinander zu suchen und zu verstärken, ist ein solcher Tag von Bedeutung. Der Tag der Offenen Moschee kann dazu beitragen, das Vertrauen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen zu stärken und gegenseitige Vorurteile abzubauen.

Die muslimischen Gemeinden freuen sich über regen Besuch am morgigen Tag. Daher ist es wünschenswert, wenn viele Nichtmuslime diese Einladung annehmen, hin zu einem weiteren Schritt in Richtung Verständigung und Integration. Und ganz nebenbei lernt der eine oder andere die herzliche Gastfreundschaft unserer muslimischen MitbürgerInnen kennen.

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Grafikquelle : DITIB-Zentralmoschee Köln

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Religionen –

Erstellt von DL-Redaktion am 24. September 2010

…Gefahr für den Weltfrieden?

von Dieter Carstensen aus Waldbroel 

Die Religionen fordern immer von anderen „Toleranz“. Die Geschichte und meine eigene Erfahrung lehren aber, dass sie selber nicht im Mindesten zu Toleranz gegenüber anderen bereit sind. Der Irrglaube an ein friedliches Miteinander der Religionen ist eine der ernsthaftesten Gefahren für den Weltfrieden, so z.b. der britische Biologe Richard Dawkins: „Es gibt einen logischen Weg vom Glauben an ein höheres Wesen zum Töten eines anderen Menschen. Du kannst sagen, es ist meine heilige Pflicht, den anderen zu töten und mich in die Luft zu sprengen. Du könntest nie sagen, weil ich Atheist bin, ist es meine Pflicht, andere umzubringen, da gibt es keine logische Verbindung.“

Die extremistisch – radikal gewalttätigen Moslems sind ebenso gefährlich für den Weltfrieden, wie z.B. die fundamentalistisch – radikal anglikanischen Sekten in den USA, mit ihrer Ablehnung der Evolution, ihren kreationistischen, pseudowissenschaftlichen Behauptungen und ihren fanatischen Anhängern, die sogar schon den Koran öffentlich verbrennen wollten.

Solange Menschen an Religionen glauben, solange leben wir weiter, das ist meine persönliche feste Meinung, mitten im Mittelalter. Wer z.B. an die Bibel oder den Koran glaubt, hat nach beiden Religionsbüchern das Recht Ehebrecherinnen zu steinigen. Gerade die Bibel ist ein Sammelsurium der Aufzeichnung menschlicher Ausschweifungen, denn der Gott der Bibel ist eine eifersüchtige, jähzornige und wahrlich nicht, im heutigen humanistischen Sinne, moralisch handelnde Person. Es ist erstaunlich, dass es der kirchlichen Propaganda gelang, aus dem häufig strafenden, jähzornigen Gott der Bibel einen in der Sicht vieler heutiger Glaubenden „lieben Gott“ zu machen.

Mark Twain formulierte es so: „In der Bibel finden sich Werke edler Dichtkunst, so manche kluge Fabel, einige von Blut durchtränkte Geschichten, eine Fülle von tausend Obszönitäten und mehr als tausend Lügen.“ (Quelle: „Letters from the Earth“, Mark Twain)

Nicht die Bibel oder der Koran können für moralischen Fortschritt sorgen, sondern nur eine universale Debatte über menschliche Werte, losgelöst von jeglichem Glauben.

Richard Dawkins: „Wenn Sie ihre moralischen Werte aus der Bibel bezögen, würden sie Ehebrecherinnen steinigen etc.! Wenn Sie aus Angst moralisch sind, weil sie Angst haben, dass Gott Sie sonst straft, ist es sogar noch schlimmer. Das heißt, dass Sie eigentlich kein besonders guter Mensch sind, Sie benehmen sich nur gut, weil Sie sich bedroht fühlen, oder weil Sie hoffen zur Belohnung in den Himmel zu kommen. Ich hätte wesentlich mehr Respekt vor jemandem, der gut ist, weil er das als das Richtige erkannt hat.“

Die sogenannte „moderne Zivilisation“ hat eine äußerst brüchige Oberfläche, wie jährlich weltweit hunderttausende Ermordete im Namen von Religionen beweisen.

Wer meint, das alles sei weit weg, hier in Europa, sollte mal an Irland und Jugoslawien denken, oder an die Militärgeistlichkeit der Christenheit, die auch an den aktuellen Kriegsschauplätzen, wie z.B. Afghanistan, Gott immer auf Seiten der „christlichen Krieger“ sieht und diese entsprechend „segnet“. Entsprechend betont jeder US Präsident in jeder Rede zu US Militärs mindestens einmal die gebetsmühlenartige Wiederholung des Satzes „God bless you“ („Gott segne Euch“), womit bei näherer Betrachtung auch heutige Kriege in gewissem Sinne „Glaubenskriege“ sind.

Eine sehr schlichte, von den Glaubensverfechtern der Religionen gerne geäußerte, allerdings durch nichts zu beweisende Aussage, eine genauso wenig zu beweisende Behauptung wie die, es gebe einen Gott, ist die vom „gläubigen“ Atheisten oder Agnostiker.

Den Religionsverfechtern fällt in ihrer tumben Selbstherrlichkeit und Intoleranz dann, wenn sie an die Grenzen ihrer persönlichen intellektuellen Fähigkeiten kommen, nicht einmal mehr der Widerspruch per se zwischen Glaube und Atheismus auf.

Wie sagte Élie Wiesel so treffend: „Der nachdenkliche Christ weiß, dass in Auschwitz nicht das jüdische Volk gestorben ist, sondern das Christentum“

Menschen die von einem wissenschaftlichen Atheismus überzeugt sind, „glauben“ nicht an ihn, sondern begründen ihn mit rein wissenschaftlich belegbaren Fakten, dem heutigen Stand der Wissenschaft entsprechend.

Es ist von keinem derart denkenden Menschen überliefert, dass er in Notsituationen „die Hände gefaltet“, gebetet oder einen Gott angerufen hat.

Das ist eine genauso platte und durch nichts zu beweisende Behauptung, wie die Aussage, es gäbe einen Gott. Eine solche Aussage zeigt aber sehr offen die grundsätzliche, allen Religionen innewohnende Intoleranz. Schon der mohamedanische Mystiker des neunten Jahrhunderts, Sidna Ali wies auf die Widersprüchlichkeiten eines menschlich erschaffenen Gottesbildes hin:

„So spricht Gott:

Wer mich sucht, findet mich,
Wer mich findet, erkennt mich,
Wer mich erkennt, liebt mich,
Wer mich liebt, den liebe ich wieder,
Wen ich liebe, den töte ich.“

Weil für „Gläubige“, die sich für die moralisch besseren Menschen halten, obwohl die Geschichte der Religionen und ihrer Verbrechen das absolute Gegenteil beweist, nicht sein kann, was für SIE nicht sein darf, schaffen sie neben ihrem Gott weitere Trugbilder, wie das vom „gläubigen Atheisten“, wenn sie mit ihrer Argumentation sachlich am Ende sind.

Psychologisch wird ein solches Verhalten mit einem „in sich geschlossenen Weltbild“ begründet, was keinerlei Argumentation von außen zugänglich ist, sondern in jeder theoretischen Auseinandersetzung, nach zig „ja aber“ Einwänden, immer wieder auf den nicht beweisbaren Basiskern des eigenen Weltbildes zurückkommt, als der einzigen Wahrheit.

Richard Dawkins äußert sich zu derartigem „Gotteswahn“ folgendermaßen:

„Religion ist schädlich, weil sie Leuten beibringt, dass sie ihren Glauben nicht begründen müssen. Sie müssen keine Beweise für ihre Glaubensininhalte liefern. Es gilt als tugendhaft, etwas zu glauben, einfach nur, weil es ein Teil der Religion ist. Weil es zur Tradition gehört, weil Autoritäten wie Priester es sagen, weil es in heiligen Büchern steht. Das sind alles keine guten Gründe, irgendetwas zu glauben.“

Übrigens haben Religionen und extreme politische Positionen, wie z.B. Neonazis, nach herrschender, soziologisch- sozialwissenschaftlicher Lehrmeinung, die Grundlage von in sich geschlossenen Weltbildern gemeinsam, weswegen es auch so schwer ist, Menschen mit solchen Grundeinstellungen zu einem Überdenken ihrer Positionen zu bewegen.

„Man scheidet die komplexe Welt in die klare Eindeutigkeit von Freund und Feind, da, wie es scheint, nur auf diesem Wege Sicherheit zu gewinnen sei. Die dichotomische Scheidung der Welt in Gut und Böse ist seit je ein Kennzeichen erfahrungsresistenter Weltwahrnehmung und deshalb auch Grundlage nicht bloß des Rechtsextremismus, sondern vielfältiger Fundamentalismen. Von solch einem „archimedischen Punkt“ her lassen sich allemal „böse Übeltäter“ ausmachen, deren gewaltsame Beseitigung dann als Notwehr ausgegeben wird.“

(Quelle: „Rechtsextreme Argumentationsmuster“ von Kurt Lenk, publiziert bei „Bundeszentrale für politische Bildung“,

Ein  höheres  Maß  an geistiger Unflexibilität und Intoleranz, als bei solchen Menschen, ist nicht erreichbar.

Und daher halte ich die Schlussfolgerung für gerechtfertigt, dass man Religionen als Gefahr für den Weltfrieden sehen kann.

Hierzu auch folgendes Video:

[youtube GPClXWr3tNw&feature]

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Grafikquelle :Regenbogenfahne

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Hilferuf von Avaaz

Erstellt von DL-Redaktion am 6. August 2010

Frau Sakinehs letzte Hoffnung

Der Weltweite Druck auf den Iran konnte Frau Sakineh vor einer Steinigung retten, trotzdem könnte sie in wenigen Tagen gehängt werden. Schließen Sie sich den Forderungen von Avaaz an und helfen sie den Druck auf die Verbündeten des Iran, die Türkei und Brasilien zu erhöhen. Das ist Frau Sakinehs letzte Hoffnung.  IE

Sakineh Ashtiani könnte in wenigen Tagen wegen Ehebruchs im Iran hingerichtet werden, doch zwei Männer könnten sie retten: Die Staatschefs der Türkei und Brasilien.

Präsident Lula und Premier Erdogan sind Verbündete und Vermittler des Irans und geniessen dort hohes Ansehen. Beide Staaten haben den Fall bereits verurteilt. Wir müssen sie jetzt dringend dazu auffordern, ihren Einfluss im Iran wahrzunehmen, um Sakineh zu befreien und die Steinigungen für immer zu verbieten.

Avaaz startet deshalb eine Anzeigenkampagne in einflussreichen Zeitungen in der Turkei und Brasilien, um sie aufzufordern ihren politischen Einfluss im Iran wahrzunehmen und für Gnade und Gerechtigkeit zu drängen. Die Inserate übermitteln unsere über eine halbe Million starke Petition in politischen Kreisen und zielen direkt auf die Führungsqualität und moralische Autorität von Lula und Erdogan. Wenn jetzt 5.000 von uns in den nächsten 72 Stunden einen kleinen Beitrag spenden, können wir noch bevor es zu spät ist einen starken Appell senden. Dies ist Sakinehs letzte Hoffnung — klicken Sie hier, um zu spenden:

Sakinehs Urteil ist ein absurder Hohn auf die Gerechtigkeit. Sie wurde zum Tod durch Steinigung verurteilt, weil Sie angeblich ein Verhältnis mit einem anderen Mann gehabt haben soll – Jahre nachdem ihr Mann gestorben ist. Dies, obwohl Steinigungen im Iran verboten sind und sie die Sprache ihres Gerichtsprozesses nicht einmal verstehen konnte. Ihre zwei Kinder starteten eine Kampagne zur Rettung ihrer Mutter und erreichten eine weltweite Aufruhr, darunter auch 554.000 Avaaz-Mitglieder. Nach weltweiten Protesten wurde die Steinigung ausgesetzt, das Urteil bleibt aber bestehen.

Doch seit der Fall Sakineh an die Weltöffentlichkeit gelangt ist, wurde der Druck im Iran erhöht. Das Regime droht mit der Festnahme ihrer Kinder, ihr Anwalt ist auf der Flucht und seine Frau und sein Schwager wurden festgenommen.

Doch Lula und Erdogan geniessen hohes Ansehen im Iran und können das Regime beeinflussen. Und Sie hören auf uns. Lula hatte gesagt, er werde sich nicht einmischen. Doch nachdem ihm seine Berater eine massive Online-Kampagne zur Kenntnis gebracht haben, änderte er seine Meinung und hat Sakineh Asyl angeboten. Lulas Angebot zeigte Wirkung und die iranischen Behörden versprachen den Fall neu aufzurollen. Wir wissen, dass Lula uns zuhört: Letztes Jahr haben brasilianische Avaaz-Mitglieder mitgeholfen, dass Lula trotz massivem Widerstand ein Gesetz zum Schutz des Amazonas und ein Antikorruptionsgesetz unterzeichnet hat.

In den letzten zwei Wochen haben über 554.000 von uns eine Petition zur Rettung Sakinehs und zur Beendigung von Steinigungen in Iran unterzeichnet. Wir haben nur wenige Tage um Lula und Erdogan zum Handeln zu drängen. Dies könnte unsere letzte Chance für Ihre Rettung sein. Lasst uns jetzt alle einen kleinen Beitrag spenden und sicherstellen, dass unser Appell bei den Spitzenpolitikern ankommt.

Der Fall Sakineh hat die ganze Welt durch das schiere Ausmaß der brutalen und widersinnigen Ungerechtigkeit empört. Aber mit unsere Bemühungen für eine einzelne Frau machen wir eine starke Aussage über Frauen, und die Menschen, überall. Indem wir uns für eine Person einsetzen, erheben wir uns für das Recht auf Gerechtigkeit für alle.

Sakinehs Kinder haben einen letzten Appell gesendet:“Lassen Sie nicht zu, dass unser Alptraum Wirklichkeit wird. Heute, da fast alle unsere Möglichkeiten in einer Sackgasse angelangt sind, wenden wir uns an Sie. Helfen Sie unserer Mutter nach Hause zurückzukehren!“ Klicken Sie hier, um ihre Bitte zu beantworten und fordern Sie Erdogan und Lula auf, dasselbe zu tun:

Mit Hoffnung und Entschlossenheit,

Alice, Pascal, Alice W, Ricken, David, und das ganze Avaaz Team

Avaaz erreicht man auch über Facebook und Twitter

QUELLEN:
Spiegel, „Lula will Iranerin vor Todesstrafe retten„:
WELT online, „Brasilien will zum Tod verurteilte Iranerin aufnehmen„:

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Fotoquelle :

Steinigung des Teufels in Mina, 2006

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In der Opferecke ?

Erstellt von DL-Redaktion am 3. Juli 2010

„Wir müssen aus der Opferecke raus“.

Juedfriedbockl1-07-03-25.jpg

Ein immerwährendes Thema über Israel, die Juden und Gaza. Wir haben vielfach Artikel und Berichte zu diesem Thema veröffentlicht. Heute ein Streitgespräch zwischen Iris Hefets und Stephan Kramer.  IE

Kann Israel jüdisch sein und demokratisch zugleich? Wer spricht für die Juden in Deutschland? Wie weit darf Israelkritik gehen?

Der Auslöser:

Ein Debattentext von Iris Hefets, der am 9. März 2010 in der taz erschien, schlug hohe Wellen. Unter der Überschrift „Auf Zehenspitzen gehen“ hatte die israelischstämmige Autorin kritisiert, das Andenken an den Holocaust werde mancherorts dazu missbraucht, jede Kritik an der israelischen Politik abzublocken. Eine Podiumsdebatte in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, die diesen Beitrag zum Anlass nehmen wollte, um über „Antisemitismus in deutschen Medien“ zu reden, endete mit einem Eklat. taz-Chefredakteurin Ines Pohl verließ das Podium. Auf einer Folgeveranstaltung am 26. Juni, von der taz organisiert, bot Stephan Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland an, mit Iris Hefets zu debattieren. So kam es zu diesem Gespräch.
Hier der Debattentext von Iris Hefets „Pilgerfahrt nach Auschwitz“ auf „Demokratisch-Links“.

Iris Hefets

Hefets ist im Vorstand der „Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden“. Sie arbeitet für das hebräische Internetportal www.kedma.co.il. Sie hat Israel vor acht Jahren aus politischen Gründen verlassen und lebt in Berlin. Ihr taz-Beitrag zu Israels Umgang mit jüdischer Kritik vom 9. 3. führte zu heftigen Diskussionen.

Stephan Kramer

Jahrgang 1968, ist seit 2004 Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, zuvor war er persönlicher Referent des damaligen Vorsitzenden Ignatz Bubis. Außerdem ist er Leiter des Berliner Büros des European Jewish Congress. Kramer ist als Erwachsener zum Judentum übergetreten.

taz: Herr Kramer, gibt es einen Antisemitismus in deutschen Leitmedien?

Stephan Kramer: Den gibt es. Warum muss ein Artikel über den Nahen Osten mit einem Foto des US-Präsidenten illustriert werden, der im Oval Office von ultraorthodoxen Juden umgeben ist? Das legt nahe, dass die USA von einer jüdischen Lobby dominiert werden. Und warum spricht man von jüdischen Siedlungen, wenn es um Israels Siedlungen im Westjordanland geht?

Was ist daran falsch? Muslime leben dort ja keine.

Kramer: Ich finde, dass man da begrifflich differenzieren muss. Denn wenn Sie es nur unter „jüdisch“ abbuchen, nehmen Sie alle Juden für diese Siedlungspolitik in Generalhaftung.

Iris Hefets hat in einem Artikel, der in der taz erschien, die Instrumentalisierung des Holocaust durch die israelische Politik angeprangert. Ist das für Sie ein Beispiel für Antisemitismus in der deutschen Presse?

Kramer: Nein. Mir gefällt ihre polemische Art nicht. Aber ich gebe ihr zumindest dahin gehend recht, dass der Holocaust von einzelnen Mitgliedern der israelischen Regierung und Teilen der israelischen Gesellschaft für politische Zwecke benutzt wird. In der Debatte über die atomare Bedrohung durch den Iran gab es Plakate, die Ahmadinedschad vor dem Tor von Auschwitz zeigten. Das geht nicht. Es gibt eine reale Bedrohung durch den Iran. Aber es ist falsch, diese als zweiten Holocaust darzustellen. Ahmadinedschad ist nicht Hitler.

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Jewish cemetery in Cologne-Bocklemünd

SuperbassEigenes Werk

  • CC BY-SA 3.0
  • File:Juedfriedbockl1-07-03-25.jpg
  • Erstellt: 07-03.25

 

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Feiger Hass

Erstellt von DL-Redaktion am 20. Juni 2010

Stephan Kramer Generalsekretär des Zentralrat der Juden ZdK

Heute einmal ein Kommentar von Stephan Kramer dem Generalsekretär des Zentralrats der Juden (ZdR) in Deutschland. Ich meine ein doch recht nachdenklich stimmender Artikel, welcher mir in manchen Passagen doch nur allzu bekannt vorkommt. IE.

KOMMENTAR VON STEPHAN KRAMER.

Es gibt in der deutschen Öffentlichkeit eine besondere Sorte von Menschen, die von einem dunklen, nicht offen eingestandenen Motiv gelenkt werden: Judenhass. Man kann diese Menschen zum Beispiel in Teilen der antizionistisch geprägten extremen Linken und propalästinensischen Unterstützergruppen finden. Auch einzelne Mitglieder der Linkspartei gehören dazu. Im Gegensatz zum unverblümten Antisemitismus von Rechtextremisten und Neonazis pochen diese selbst ernannten Kämpfer für Menschenrechte auf ihr „legitimes“ Recht, Israel zu kritisieren, und tarnen ihren Antisemitismus, indem sie sich als Kämpfer für Fortschritt und Gerechtigkeit gerieren.

Selbstverständlich sind ihnen Juden lieb und teuer – vor allem diejenigen, die im Rahmen der nationalsozialistischen „Endlösung der Judenfrage“ ermordet wurden. Da ihr Hass sich dennoch entladen muss, suchen sich unsere pseudoaufgeklärten Feinde ein ihrer Meinung nach legitimes Objekt aus: den Staat Israel, den sie dann so behandeln, wie „klassische“ Antisemiten Juden zu behandeln pflegen. Der Judenstaat wird ausgesondert, delegitimiert und mit geradezu satanischen Attributen ausgestattet.

Der jüngste Fall: Israels Versuch, die von angeblichen Friedensaktivisten gelenkte „Solidaritätsflotte“ nach Gaza zu stoppen. Dabei tappte Israels viel gerühmte Marinekommandoeinheit einem gut organisierten dschihadistischen Schlägertrupp in die Falle und musste um ihr Leben kämpfen, auch mit scharfer Munition. In der Folge starben neun der Blockadebrecher. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Jedes verlorene Menschenleben ist eine Tragödie, doch gerade deshalb darf die Wahrheit nicht verschwiegen werden.

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle : Trauerhalle Köln Böcklemünd – (Aufn. S., um 2005, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0) 

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Ahlener Zeitung

Erstellt von UP. am 29. April 2010

 

Ich reflektiere einen Artikel der Ahlener Zeitung

Da passte auch die Vorbläserin aus WAF dazu.

-der über die STASI-Spitzel-Methoden innerhalb der Partei DIE LINKE berichtet. Der nachfolgende Artikel ist ein von mir geschriebener (und veröffentlichter) Leserbrief als Antwort auf eine in der Ahlener Zeitung von Tom_Bola [geschrieben am 28.04.2010 21:04] geschriebene 3-zeilige Bemerkung.

Die „Linkspartei“, bzw. deren Mitglieder kann man nicht alle über einen Kamm scheren. Die Mitglieder, die über die damalige sogenannte Quellpartei WASG zwangsläufigerweise Mitglied in der PDL (Partei DIE LINKE) wurden, hatten und haben diese unterstellten Extrem-Ambitionen nicht. Und viele dieser Mitglieder haben die Partei längst verlassen oder wurden von den Kadervertretern mit Parteiauschlussverfahren überzogen, da in der Partei zwar kommunistische Strukturen gefördert (K-Plattform), demokratische Strömungen aber nicht gerne gesehen werden! (Demokratisch-Links – O ton: G. Blocks, Gf Landespartei.
Ich gebe ihnen Recht, wenn sie bspw. die Mitglieder des hier im weitgehendsten Sinne politisch (un-) tätigen Kreisverband Warendorf der Partei DIE LINKE meinen.
Die „stellvertretende“ Fraktionsvorsitzende der Partei DIE LINKE im Kreisrat WAF, die Genossin Ute Müller, ist heute noch stolz darauf, in OST-Berlin Schulungen in Agit-Prop und kommunistischen Lehren absolviert zu haben. Kein Geheimnis: Ihr Katalysator war Manfred Kapluck, eine zweifelhafte Grösse in der Szene, der Mitbegründer der DKP in der Bundesrepublik – nachzulesen in einer Dokumentation des Deutschlandfunks:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/533155
anlässlich des 50-jährigen KPD-Verbotes.
Müller ist die Führerin der PDL hier im Kreis Warendorf. Und nur im Zusammenhang mit den erworbenen Kenntnissen der Kaderführung, Verschleierungstechniken wahrer antidemokratischer Absichten und vordergründigen Demokratie-Vorspiegelungen ist es erklärbar, dass sich „ehrbare“ Bürger der Kreispartei DIE LINKE angeschlossen haben. In dieser Zeitung wurde darüber berichtet, wie es Müller gelungen ist, kritische Stimmen in der Partei mundtot zu machen und auszuschalten. Die Berichterstattung bewegte sich allerdings eher auf der Linie der Partei, und die Angehörigen der kritischen „Splittergruppe“ wurde als Störer und Chaoten diffamiert und auch in der lokalen Presse so dargestellt und vorgeführt. Es ist nicht einmal heute nachzuvollziehen, warum ein eher konservatives Blatt Partei für Müller & Co. ergriffen hat. Massgeblich dafür mag die Landesparteiführung – vertreten durch den Landesgeschäftsführer Günter Blocks und die heutige Bundestagsabgeordnete Ingrid Remmers – gewesen sein, die den kommunistischen Umtrieben hier im Kreis die Schärfe durch eine nicht erklärbare Art von Pseudo-Seriösität genommen haben.

Diese „Offiziellen“ wurden leider von der Presse mehr oder weniger kritiklos hofiert.

Fazit und trauriges Ergebnis der damaligen Kampagne ist, dass nur innerhalb des kleinen Zirkels um Ute Müller in mittlerweile Personalunion mit den zweiten Kreisrat der Partei, Karl Stephan Schulte, Pöstchen unter zweifelhaften Gesichtspunkten verteilt wurden und werden. Schulte war Mitglied im Landesvorstand RLP, unrühmlicher Schatzmeister, aus dessen Amtszeit der resultierende „Strafbefehl“ des Bundestagspräsidenten Lammert stammt, nahezu 300.000 eur. wegen Nichtverbuchung von Parteispenden als Strafe zu zahlen. Dieses Verfahren ist bis heute noch nicht zu einem Abschluss geführt worden und läßt alle Vermutungen offen.

Das ist die Partei DIE LINKE im Kreis Warendorf: Eine Altkommunistin, ein Alt-Schatzmeister, gegen den immer noch Ermittlungen laufen bei der Staatsanwaltschaft in Mainz (und in der Partei) und leider viel zu viele eingelullte Mitglieder.

Nicht von ungefähr ist der Gewerkschafter Thomas Bolle von der Kandidatur zum Landtag NRW zurückgetreten!

Wenn man dann die traurige Figur Zimmermann, Spitzenkandidat und Landesvorsitzender, gestern beim WDR im Fernsehen reflektiert, sollte man eigentlich wissen, was man nicht wählt. (In diesem Sinne eine ganz klare Aussage: Bei mir werden die GRÜNEN eine zweite Chance bekommen!)

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Fotoquelle :

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Kinderfi…., Schul- und

Erstellt von UP. am 22. April 2010

… Klosterschläger und Mixa und Konsorten

BischofMixa Augsburg.jpg

Geprügelt wurde auch in der Schule – in der stinknormalen öffentlichen Schule. So zum Beispiel in der katholischen Klaraschule in Dortmund-Hörde. Eingeschult wurde ich zu Ostern 1953. Klassenlehrerin war ein Fräulein Finkeldey, leich hormonell gestört à la Basedow.

Der Rohrstock war Finkeldeys Favorit. Und das Lieblingsopfer war Marianne B., Rosemarie L. und noch ein Mädel, dessen Nachname mir nur einfällt: Sichel… . Ich selber spürte den Stock im 1. Schuljahr ein- oder zweimal. Sie haute gerne und es ist aus heutiger Sicht mutmasslich nicht auszuschliessen, dass sie dabei sexuelle Erregung verspürte.

Und der Rektor dieser kleinen Schule, der Herr Beyer, dessen Bruder Pfarrer in DO-Berhofen war, war ein schulbekannter Schläger ebenfalls.

Die Schlägerei ging auf der Mittelschule weiter. Noch in der 6. Klasse (heute: Klasse 10) wurde ein Mitschüler regelrecht von einem Lehrer zusammengeschlagen – geschehen 1963 auf der Albrecht-Dürer-Realschule in Dortmund-Aplerbeck, weil er ihm das Klassenbuch zum Nachtragen in Erinnerung gerufen hatte.

Die übelsten Schläger an dieser öffentlichen Schule waren 62/64 die Pauker Krüger, Bartsch, Wiggershaus und noch so ein paar Spezialisten.

Was diese “Pädagogen“ seinerzeit den Kindern angetan haben, lässt sich durch eine heutige Entschuldigung der Schule nicht aus der Welt schaffen.

Und deswegen ist es i.O., wenn solche Typen wie Mixa gehen, wenn man ihrer noch habhaft werden kann! Man sollte denen allerdings nicht die Chance zum Rücktritt geben, sondern man sollte sie schassen mit einem Tritt in den Hintern, wenigstens einem geistigen – und das ohne ‚konkordatliche‘ Beamtenpension aus der Weimarer Republik! Ab ins Bettelmönchkloster bis zum Lebensende!!!
Und wenn ich dann in den Nachrichten höre, Mixa tritt zurück, um einen Neuanfang zu ermöglichen, kommen mir „fast die Tränen“. Es ist eine Katastrophe, was alles unter dem Deckmäntelchen christlicher Nächstenliebe verbrochen wurde und noch wird.

Es wird endlich Zeit, dass das Konkordat aus Weimarer Zeit, welches Hitler noch unter Pius XII verfeinert hat, aufgekündigt wird und die sogenannten Kirchenfürsten in die Wüste geschickt werden. Sie sollten sich auf den Lehrauftrag eines Jesus Christus besinnen. Heutzutage wären sie aber die ersten, die einen Menschen wie Jesus Christus in die Klappse schicken würden.

UP.

Nachtrag 23.04.2010
Ich vergass zu erwähnen, dass mir der Pfarrer Dickmann von St. Clara in Do-Hörde bei der Generalprobe zur Kommunion vor dem Hauptaltar eine scheuerte. Also mir eine Ohrfeige verpasste; Mixa würde sagen „a Watsch’n“.

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Fotoquelle : Dr. Christoph Goldt

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