DEMOKRATISCH – LINKS

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RENTENANGST

Archiv für die 'Kultur' Kategorie

Veränderte Arbeitsmoral

Erstellt von DL-Redaktion am 23. April 2017

Es gibt ein Recht auf Faulheit

Autor : Kersten Augustin

Martin Schulz sagt, dass er die „hart arbeitende Bevölkerung“ gewinnen will. Er sollte sich lieber um die Faulen kümmern.

Ich sitze am Laptop in der Küche, es ist mittags, ich habe eine Jogginghose an. Statt zu arbeiten, surfe ich auf Face­book. Oder ist das meine Arbeit? Jedenfalls spült das Internetrauschen ein Video von Martin Schulz auf den Bildschirm. Schulz spricht bei einem Wahlkampfauftritt. Das Video könnte gestern aufgenommen oder schon ein paar Wochen alt sein. Was Schulz sagt, ist zeitlos: Er kämpfe für die „hart arbeitenden Menschen“, für sie müsse es endlich gerechter zu gehen.

Hart arbeitende Menschen, das klingt erst mal gut, nach der sogenannten Mitte der Gesellschaft. Aber wenn ich ehrlich bin, gehöre ich nicht dazu. Ich bin mal Freiberufler, mal arbeite ich in einer Redaktion. Selten fange ich vor halb zehn an zu arbeiten. Arbeiten heißt in meinem Fall auch: Das Internet leer lesen, Kaffee trinken, Geschichten ausdenken. Manchmal arbeite ich dann bis spät in den Abend. Am liebsten würde ich aber weniger arbeiten und mehr verdienen.

Ich weiß nicht, ob Martin Schulz auch an mich denkt, wenn er von den hart arbeitenden Menschen im Land spricht. Angesprochen fühle ich mich nicht. Ich bin gern faul. Und bin sicher: die anderen auch.

Etwas hat sich verändert in der Arbeitsmoral der Deutschen, und das hat Schulz, das hat die SPD nicht verstanden. Viele Menschen mögen ihre Arbeit. Aber noch lieber mögen sie: Samstag. Und wenn der Freitag wie ein Samstag ist.

Sein Leben nicht mehr der Arbeit opfern

Viele Jüngere aus der Generation XYZ (Lieblingsbuchstaben bitte hier einsetzen) wissen, dass sich das Glück nicht unbedingt unter dem Büroschreibtisch versteckt. Sie arbeiten 25 oder 30 Stunden, um Zeit zu haben. Nicht immer für die Familie. Sondern für Urlaub. Für Tage am See oder im Bett. In Schulz’ Welt kommen sie nicht vor. Sind sie faul – oder einfach nur müde?

Wenn Kliniken heute Hebammen oder Ärzte einstellen wollen, fragen die im Bewerbungsgespräch als Erstes: Wie viele Nachtdienste muss ich machen? Und Handwerksbetriebe finden keine Auszubildenden, weil nur wenige bereit sind, morgens um sechs Uhr auf der Baustelle zu stehen, um spätestens mit 55 Jahren berufsunfähig zu sein. Kaum einer will sein Leben noch der Arbeit opfern.

Quelle : TAZ  >>>>>  weiterlesen

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Grafikquelle :

Abraham BloemaertWalters Art Museum: Home page  Info about artwork

Darstellung einer Parabel aus dem Matthäusevangelium von Abraham Bloemaert. Der Teufel, hier bezeichnet durch Hörner und Schwanz, bringt Unkraut auf das Feld schlafender Bauern aus. Die nackte Form der Bauern verweist auf Adam und Eva, welche der Menschheit die Ursünde der Trägheit, eine Todsünde im christlichen Glauben, vererbten. Auch der Taubenschlag (ein Vogelhaus, das der Taubenjagd zum Verzehr dient) wurde moralisch mit faulen Menschen in Verbindung gebracht. Ziegenbock und Pfau verweisen auf Genusssucht und Stolz.

  • GemeinfreiHinweise zur Weiternutzung
  • File:Abraham Bloemaert – Parable of the Wheat and the Tares – Walters 372505.jpg
  • Erstellt: 1. Januar 1624

 

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Freiheit der Niederlande

Erstellt von DL-Redaktion am 22. April 2017

Vom Gründungsmythos der Nation
zum Kampfbegriff der Nationalisten

File:The windmills of Kinderdijk.JPG

von Ute Schürings

Noch nie wurde eine niederländische Parlamentswahl in Deutschland so gebannt verfolgt wie im März 2017. Das lag vor allem an Geert Wilders und seiner Partei für die Freiheit (PVV). Mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen in Frankreich galt die niederländische Wahl als Menetekel für die Zukunft Europas. Entsprechend erleichtert reagierten die deutschen Medien und Politiker, als Wilders’ PVV deutlich hinter den Umfragewerten zurückblieb. Der bisherige Ministerpräsident Mark Rutte wurde als Gewinner gefeiert, der Populismus war angeblich in die Schranken gewiesen.

Ist der Aufstieg des Populismus in den Niederlanden damit tatsächlich gestoppt? Eher ist das Gegenteil der Fall, wie das Wahlergebnis und die Wahlkampfdebatten zeigen. Die rechtsliberale VVD blieb trotz Verlusten mit 21,3 Prozent (2012: 26,6 Prozent) stärkste Kraft, gefolgt von Wilders’ PVV mit 13,1 Prozent (10,1 Prozent). Die Christdemokraten (CDA) kamen auf 12,5 und die linksliberale D66 erreichte 12,2 Prozent. Die Grünen (GL) mit 9,1 Prozent konnten ihre Stimmen fast vervierfachen, ebenfalls 9 Prozent erzielten die Sozialisten (SP). Eine schwere Schlappe erlitten die Sozialdemokraten, die von 24,8 auf 5,7 Prozent abstürzten.

Die Niederlande haben ein reines Verhältniswahlrecht, also ohne Sperrklausel: Für ein Mandat reichen daher 0,67 Prozent der Stimmen. Die 150 Parlamentssitze verteilen sich auf nicht weniger als 13 Parteien. Diese zersplitterte politische Landschaft ist zugleich deutlich polarisiert. Die Hälfte der Bürger hat rechts gewählt: Christdemokraten, Rechtsliberale und Rechtspopulisten erreichten zusammen 48 Prozent. Das links-grüne Spektrum kam auf 32 Prozent, die D66 als Partei der Mitte auf 13 Prozent.

Der eigentliche Erfolg der Rechts­populisten besteht jedoch darin, dass sie weitgehend die Themen des Wahlkampfs bestimmten. Zum Beispiel die Frage nach der kulturellen Identität: Beim großen Fernsehduell der Spitzenkandidaten am 5. März ging der Hauptstreit darüber, ob die Niederlande ihre eigene Kultur zu wenig geschützt haben. Die Parteiführer überboten sich wochenlang mit Ideen, wie sich die na­tio­nale Identität wieder stärken ließe. Der Christdemokrat Sybrand Buma wollte in den Schulen wieder die Nationalhymne singen lassen. Ministerpräsident Mark Rutte forderte Mi­gran­ten unverblümt auf, sich an die niederländische Kultur anzupassen oder das Land zu verlassen: „Benehmt euch normal oder haut ab.“ Selbst die Sozialdemokraten traten für einen „progressiven Patriotismus“ ein und schlugen ernsthaft vor, die Arbeitsmigration innerhalb der EU zu begrenzen.

Immigrantenphobie und Integra­tions­skepsis sind in diesem Wahlkampf hoffähig, ja zum Mainstream geworden. Einzig die Grünen machten da nicht mit: Ihr Vorsitzender Jesse Klaver betonte in besagter Fernsehdebatte über die Bedrohung der eigenen Kultur die traditionellen „niederländischen Werte Offenheit und Toleranz“.

Nach wochenlangen Debatten über die eigene kulturelle Identität eine Wahl zu erleben, die zwischen Rechtsliberalen und Rechtspopulisten entschieden wird – das wäre den meisten Niederländern noch vor 20 Jahren absurd vorgekommen. Noch aberwitziger wäre ihnen erschienen, dass in ihrem Land ein Politiker wie Wilders trotz seiner „Wahlniederlage“ nach wie vor den Ton angibt. Warum ist das so? Und warum sind die linken Parteien bei Themen wie Migration und Integration in die Defensive geraten?

Das Phänomen ist bekanntlich nicht auf die Niederlande beschränkt. Die Mixtur aus Immigrationsabwehr, Islamophobie, EU-Skepsis, Wirtschafts­protektionismus und Nationalismus hat auch den britischen „Brexiteers“ zum Sieg verholfen. Sie wirkt vor allem bei Menschen, die sich abgehängt fühlen und dafür „die in Brüssel“ verantwortlich machen. Deshalb wählen sie Geert Wilders, der den Austritt aus der EU fordert.

Dabei geht es den Niederlanden wirtschaftlich hervorragend. Die Indikatoren über Wirtschaftswachstum, Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit zeigen, dass es den Niederlanden besser geht als Deutschland und viel besser als dem EU-Durchschnitt. Das Gefühl des Niedergangs hat also keine reale Basis. Es handelt sich vielmehr um ein gefühltes nationales Unwohlsein: Eine große Mehrheit der Bürger beschreibt sich zwar selbst als glücklich oder sogar sehr glücklich, empfindet zugleich jedoch, dem Land gehe es schlecht.

Der Erfolg des niederländischen Rechtspopulismus rührt auch von einer „Konsensmüdigkeit“ her. Das Land wurde jahrzehntelang von Koalitionen regiert, in denen ideologisch sehr disparate Parteien zusammen regierten und schwierige Kompromisse eingehen mussten. Obwohl diese Kompromisskultur jahrhundertelang als ausgesprochene Tugend galt, wird sie neuerdings immer stärker als Ursache für Sta­gna­tion und Krise gesehen. Damit entstand ein politischer Raum für neue Parteien mit einem „klaren Profil“.

Opfer dieser Entwicklung sind vor allem die Sozialdemokraten, die in der Regierung Rutte massive Kürzungen bei den Sozialleistungen mitgetragen haben. Für viele Menschen unmittelbar spürbar war das im Bereich der Altenpflege. Die Übertragung dieses Aufgabenbereichs an die Kommunen war mit Einsparungen von 25 Prozent verbunden: ein Viertel weniger für die gleichen Aufgaben. Ähnliche „Reformen“ gab es bei der Pflegeversicherung und den Rentenkassen. Eine sozialdemokratische Partei, die sich solchen Sparprogrammen nicht widersetzt und selbst im Wahlkampf nicht von ihnen abrückt, wird nicht wiedergewählt.

Ausschlaggebend für den Erfolg der Populisten ist jedoch ein Phänomen, das sich als eine Art Identitätskrise bezeichnen lässt, eine umfassende Verunsicherung, die wirtschaftliche, politische und historisch-kulturelle Dimensionen hat.

Trotz der genannten Konjunkturdaten erinnern sich die Niederländer noch sehr genau an die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise, in die das Land 2008 hineinschlitterte und die es nur langsam überwunden hat. 2013 erreichte die Arbeitslosigkeit mit 8,1 Prozent den höchsten Wert seit 30 Jahren. Viele konnten ihren Immobilienkredit nicht mehr bedienen und mussten ihre Wohnung verkaufen. Die Krise war also sehr konkret. Inzwischen ist sie überwunden, aber die Angst sitzt noch tief.

Quelle : Le Monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle : This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Netherlands license.

Author Tarod / Own work
The windmills of Kinderdijk are one of the best known Dutch tourist sites. They have been a UNESCO World Heritage Site since 1997.
Nederlands: De molens van Kinderdijk
Monumentenbordje 2014.svg This is an image of rijksmonument number 30554
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Nach dem Referendum

Erstellt von DL-Redaktion am 20. April 2017

Einfach den Döner fragen

File:2011-01-15-doener-by-RalfR-1.jpg

Isst du einen Döner, scheint die Sonne schöner

Autor :  Ebru Tasdemir

Weil ein paar Deutschtürk*innen Erdoğan toll finden, wird plötzlich eine Integrationsdebatte geführt. Und wir dürfen uns wieder mal erklären.

Rund 1,5 Millionen Türken*innen in Deutschland durften am Sonntag beim Referendum abstimmen. Etwa die Hälfte ging zur Wahl und von ihnen stimmten wiederum 63 Prozent mit Ja. Jetzt müsste man erst mal prozentrechnen, um zu klären, wie viele Deutschtürk*innen tatsächlich für Erdoğan sind. Das ist vielen Politiker*innen und Kommentator*innen aber zu kompliziert – und so führen sie lieber eine Integrationsdebatte.

Das Ergebnis: Türkische Wurzeln zu haben und – welch hohe Gnade – in einem demokratischen Land wie Deutschland aufgewachsen zu sein, machen unsereins plötzlich zum Erklärbären für die deutschtürkische Community und deren vermeintlichen Erdoğan-Flash.

Lustig für uns Deutsch­türk*innen sind dabei die Gesprächspartner, die wir zu lesen und zu sehen bekommen: Dönerverkäufer als Migrationsexperten, die erklären, warum die Deutschtürk*innen so wählen wie sie wählen. Klar: Die sind auskunftsfreudig, liefern kamerataugliche Bilder (Döner schneiden!) und sind leicht erreichbar. Und: Meistens weiß man schon, was die Gesprächspartner sagen werden, ein hervorragendes, eingängiges Freund-Feind-Schema in der Debatte.

Zum Vergleich: Wären Aussagen von Currywurst-Imbissbetreibern bei der Bundestagswahl eine Alternative zu den Statements von Politikern und Wahlforschern? Spricht diese Berufsgruppe repräsentativ für die Gesamtheit einer Community, die in Berlin-Kreuzberg vielleicht mit anderen Sorgen und Nöten kämpft als in Stuttgart?

Vielleicht ja, aber eher nein.

Deutschtürk*innen werden mikroskopiert

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle : Dönerimbiß am Hackeschen Markt in Berlin

Autor : Ralf Roletschek

Licence Art Libre Copyleft: This work of art is free; you can redistribute it and/or modify it according to terms of the Free Art License. You will find a specimen of this license on the Copyleft Attitude site as well as on other sites.

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Jesse von Nazareth

Erstellt von DL-Redaktion am 17. April 2017

Die Wahrheit- Ostergeschichte

File:Ahu Tongariki.jpg

Ein Mann kämpft sich durchs Leben und wird im wilden Osten zum Helden für alle Waffennarren.

Autor:  Oliver Domzalski

Vor einem Jahr erregte die Neufassung eines bekannten Märchens Aufsehen, die die US-Waffenlobby National Rifle Association in Auftrag gegeben hatte: Ein wehrhaftes Rotkäppchen verjagt darin den Wolf mit seinem Gewehr. Nun hat die NRA nachgeladen und pünktlich zu Ostern 2017 eine jugendgerechte Fassung der Jesus-Geschichte erstellt, die alle bisherigen pazifistischen Verzerrungen korrigiert.

Dies ist die Geschichten von Jesus. Ihr habt vielleicht schon von ihm gehört. Leider werden oft ganz falsche Sachen über ihn erzählt. Hier erfahrt ihr die Wahrheit.

Jesus war der Sohn der berühmten Wrestlerin „Bloody Mary“. Weil sie nie einen einzigen Kampf verloren hat, erhielt sie später den Ehrentitel „The Virgin“ – woraus sich noch später ihr Spitzname „Unbloody Mary“ ergab. Verheiratet war sie mit einem Loser namens Joseph James, aber der Vater von Jesus war wohl der legendäre Wrestler „Godfather“. Es ist nur dem Einsatz tapferer Lebensschützer zu verdanken, dass das Kind überhaupt zur Welt kam. Und beinahe hätte es Ben Hur geheißen.

Geburt im Bunker

Jesus wurde mitten im Krieg in einem Bunker auf dem Truppenübungsplatz Nazareth geboren – zu seiner Rechten bewachte ihn ein Schützenpanzer, zu seiner Linken ein Raketenwerfer. Über Fox News verkündete die Moderatorin mit dem Namen „Fightin’Angel“ den Soldaten im Felde die frohe Botschaft: „Euch ist heute ein Kämpfer geboren, der uns irgendwann alle raushauen wird.“

Wenige Tage nach seiner Geburt bekam Jesus Besuch von drei Generälen – und je einer kam von der Navy, der Air Force und der Army. Sie brachten ihm Geschenke: einen goldenen Colt, geweihte Munition und die Visitenkarte eines mürrischen Schießlehrers. John, ein Kumpel seiner Eltern, taufte den Kleinen später mit Waffenöl auf den Kampfnamen Jesse.

Was war dieser Jesse nun für ein Typ? Er war immer für seine Kameraden da und half den Schwächeren in der Schule, wenn er sah, dass sie bedroht wurden. Die größte Bedrohung sah er in den „Streitschlichtern“, die die Verteidigungs- und Kampfbereitschaft seiner Freunde untergraben wollten. Deshalb warf er ihre Infostände immer um und prügelte sie irgendwann ganz aus der Schule.

Einmal hatten sie wieder Religion bei Herrn Dr. Berg. Er erklärte ihnen die Gebote wie zum Beispiel: „Du sollst nicht töten.“ Irgendwann reichte es Jesse: Er schoss den Lehrer über den Haufen, stellte sich auf die Leiche und predigte seinen Kameraden die Wahrheit: „Es steht geschrieben: Du sollst nicht töten. Ich aber sage euch: Du sollst dich und deine Familie verteidigen, deinem Nächsten misstrauen und deine Feinde töten. Wie auch alle Verdächtigen, wenn sie schwarz sind, und alle Muslime. Aber du sollst fair sein und deine Waffe immer offen tragen.“

Außerdem sprach er: „Wer euch dumm kommt, kriegt nicht nur auf die rechte Wange, sondern auch auf die linke.“ Und am Ende führte er sie ans Fenster und zeigte stolz auf die Farm seines Vaters: „Sehet die Vöglein auf dem Feld liegen. Ich habe sie mit der Schrotflinte vom Himmel geholt. Wer nicht sät, soll uns auch nicht die Ernte wegpicken.“

 

Quelle : TAZ >>>>> weiterlsen

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Grafikquelle : By Rivi (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

 

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Homosexuell in Syrien

Erstellt von DL-Redaktion am 16. April 2017

Wenn sie das Licht löschten im Hamam

Datei:HaremPool.jpg

Von Khaled Alesmael (Text) und Robin Hammond (Fotos)

Homosexuelle werden in Syrien verfolgt. Unser Autor ist geflohen – um dann in Europa festzustellen: Er muss auch hier tun, als sei er ein anderer. Aber dann denkt er: nein! Und erzählt seine Geschichte

Sie fesselten mich, meine Hände auf dem Rücken, das Seil schnitt in meine Haut. Einer griff mich im Genick, da, wo der Knoten von dem Fetzen Stoff war, mit dem sie mir die Augen verbunden hatten. Ich hörte sie flüstern. „Er muss getötet werden, er ist verweiblicht, ein Sünder.“ Ich zitterte, schwitzte, der Schweiß lief meine Stirn herunter.

Angst, ich war nur noch Angst. Windstöße schlugen gegen meinen Körper. „Wirf ihn runter, los, so ein Sünder, Sodomist.“ Der, der mich am Nacken hielt, ließ los, ein Stoß – ich spürte, wie mein Körper ins Nichts fiel.

In Panik schreckte ich hoch, riss meine Augen auf, sah nichts. Mein Atem stockte, ich griff in mein Gesicht; da, die Schlafmaske – ich hatte vergessen, dass ich sie aufhatte. Alles war feucht, mein Bett im engen Zimmer im Asylbewerberheim in Åseda in Schweden – ein Meer.

Zigarettenrauch drang unter dem Türspalt durch. Ich hörte Männerstimmen aus der Küche. Mir war schwindlig, ich griff nach meinem Handy. 10 Uhr. Sehr langsam stand ich auf, wollte mir einen Kaffee kochen, ging zur Küche. Dort saß mein Zimmergenosse mit Freunden. Sie rauchten, diskutierten auf Arabisch. Ich versuchte, ihnen zuzulächeln. Sie sprachen dar­über, dass der „Islamische Staat“ Schulen übernommen habe und nun seine brutalen Bildungsideen dort durchsetze.

„Kaffee ist schon gemacht“, sagte mein Zimmergenosse zu mir. „Assads Regime tötet unsere Kinder, und der IS macht Terroristen aus ihnen“, nahm ein anderer das Gespräch wieder auf. Ich zitterte immer noch, sagte aber trotzdem: „Wusstet ihr, dass der IS Homosexuelle tötet? Sie werfen sie von Hochhäusern.“ Einer drehte sich zu mir. „Homosexuelle? Du meinst Arschficker?“ Die anderen nickten. Der, der sich beklagt hatte, dass Kinder zu Fanatikern gemacht werden, meinte: „Im Koran steht, diese Perversen sind Sünder. Ich habe von dieser Krankheit erst gehört, als ich nach Schweden kam. Es soll Flüchtlinge geben, die sich mit dieser Sünde in Europa angesteckt haben.“

Ich kapierte: Der Albtraum ist real, ist da, an diesem Tisch in dieser Küche im Asylbewerberheim. Ich schaute sie an und verstummte. Muss ich auch in Schweden so tun, als sei ich ein anderer?

Niedergeschlagen ging ich ins Zimmer. In meiner winzigen Koje dort saß ich auf dem Bett und fühlte mich abgrundtief leer. Und da, in diesem Moment, entschied ich, dass ich gegen diese Traurigkeit, die mein täglicher Begleiter geworden war, kämpfen will. Mehr instinkthaft als bewusst nahm ich meinen Computer auf den Schoß und schrieb: „Ab jetzt, von diesem Moment an, will ich nicht mehr stumm sein! Es kann keine Veränderungen geben, bevor unser Körper nicht uns gehört. Dafür muss ich kämpfen. Ich muss den Leuten von dieser unsichtbaren Parallelwelt im Untergrund, die es in Syrien schon so lange Zeit gibt, erzählen, Ort für Ort, Schritt für Schritt.“

Sibki Park

Der Sibki Park liegt in Shaalan – einem Kiez in Damaskus, der nicht nur arabisch, sondern auch französisch, italienisch, griechisch, russisch, armenisch geprägt ist. Der Park ist zwischen der Shaalan- und der Hafiz-Ibrahim-Straße, unweit eines Marktes, wo es Obst und Gemüse, aber auch Raubkopien von Popmusik und anderem gibt. An Wochenenden sind viele Familien im Park, aber er ist auch Treffpunkt für Schwule. Vor allem Homosexuelle von außerhalb der Stadt treffen sich da.

An einem Herbstabend im Jahr 2000 war ich zum ersten Mal im Sibki Park. Ich war 21 und hatte gehört, wie Teenager dar­über Witze machten, dass sich Perverse dort treffen. Kaum durchs Tor getreten, sprach mich ein Mann, Issam, an. Ich hatte ihn zuvor in seinem Laden in Shaalan kennengelernt. Ich wollte ein Hemd kaufen. Er brachte mir immer neue zum Anprobieren und berührte mich dabei sanft am Rücken. Während wir jetzt im Park miteinander sprachen, kam es mir vor, als meinten wir das Gleiche, ohne es zu sagen. Beim Abschied fragte er, ob wir uns wieder treffen können, und gab mir seine Nummer. Das kam mir wie ein Kode vor, ich sagte ja.

Als ich ein paar Tage später die Shaalan-Straße überquerte, stand er schon rauchend am Tor. „Die Geheimpolizei beobachtet den Park“, warnte er beim Spazierengehen, „die meisten Besucher wissen, dass sich Schwule hier treffen, es ist ihnen egal.“ Ich war nervös, hörte zu, wurde immer aufgeregter. Endlich sagte er: „Die Geheimpolizei mag uns nicht, weil wir Rebellen sind und etwas tun, für das es kein Gesetz gibt. Unser Begehren passt nicht in die Norm, wir leben es trotzdem aus.“ Er hatte „wir“ gesagt, „uns“, „unser Begehren“ – das war, was ich so dringend zu hören gehofft hatte.

Wie können sie uns verhaften, wenn es kein Gesetz für das gibt, was wir tun?, fragte ich. „Sie werfen uns andere Delikte vor. Wir sind dann noch froh, weil sie uns so nicht outen. Allerdings, pass auf, wird die Polizei dich von da an damit erpressen, dass sie unseren Familien erzählen, wir seien schwul.“ Plötzlich befielen mich Unruhe und Angst. Ich kann sie heute noch spüren. Wortlos ließ ich ihn stehen. Ich hatte Angst, dass Issam selbst von der Geheimpolizei war und mich erpressen wollte.

Es gibt ein syrisches Sprichwort: „Das Verbotene zieht an“, und das Wort „Rebell“, das Issam benutzt hatte, gefiel mir. Noch in der selben Woche ging ich wieder in den Park und traf dort zufällig erneut auf ihn. Er wirkte gelöster, das half mir. Der Park war grün und sauber. Ein rechteckiger Teich mit einer Fontäne war in der Mitte, Straßenverkäufer priesen Popcorn und Zigaretten an. Allerdings funktionierten einige Lampen nicht, nachts gab es dunkle Ecken.

Issam erzählte, dass Schwule gegen 8 Uhr abends aufkreuzten. Ältere würden in der Nähe des Teichs bleiben, Jüngere säßen auf den Bänken am Hauptweg. Gebe es Augenkontakt, solle ich lächeln. Lächle der andere auch, solle ich zu den öffentlichen Toiletten gehen. Dort sei Geschlechtsverkehr möglich – oder auch nur ein Kuss. Als wir in die Toiletten gingen, sagte Issam noch, ich solle immer die Tür im Auge behalten.

Es roch widerlich auf der Toi­lette. Nicht einmal für einen Kuss wollte ich hier sein. Zudem war meine Angst größer als mein Begehren, ich stürzte raus. Issam kapierte: Sibki Park war nichts für mich. „Es gibt andere Orte, wo sich Männer heimlich treffen können“, sagte er, „in den Hamams, den versteckten Häfen von Damaskus.“ Ich schaute ihn an. „Alle Männer, die im Dampf sitzen, wollen Sex mit Männern. Aber nur in wenigen Hamams ist es sicher für Schwule.“

Beirut, Libanon, Februar 2015: Porträt von Sally. Ein Mitglied ihrer Familie in Syrien ist beim „IS“, zuständig für Verhöre. Schwule stehen auf den Fahndungslisten. Ihr Partner wurde gekidnappt und vermutlich getötet. Freunde von ihr wurden gesteinigt, erschossen, von Hochhäusern geworfen. Sally flüchtete in den Libanon, gibt heute Alphabetisierungskurse und hofft auf eine Geschlechtsumwandlung

Hamam Ammouneh

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Gemäldequelle :

Künstler

Titel
English: Pool in a Harem.
Français: Une piscine dans le harem.
Türkçe: Özellikle oryantalist, mitolojik ve tarihi konuları işleyen tablolarıyla tanınan Jean-Léon Gérôme’nin oryantalist bir tablosu. Tabloda bir harem ağasının kadınlara hizmet edişi betimlenmiştir.

wikidata:Q19861940

Datum etwa 1876
Technik Öl auf Leinwand
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Die Angst vor den Vielen

Erstellt von DL-Redaktion am 15. April 2017

Über die alten und neuen Verächter der Masse

File:Menschenmenge bei der Arena Of Pop 2006 001.JPG

von Angela Nagle

Während wir in ein schönes neues Zeitalter des rechten Populismus abdrehen, greift bei der Opposition eine nervöse Verachtung für die Massen um sich. Demoralisierte US-Liberale, die sich immer noch nicht vom Debakel der Präsidentschaftswahl erholt haben, träufeln den Balsam metaphysischer Überlegenheit auf ihre Wunden.

An dieser rhetorischen Verschiebung ist vieles kurios. Zunächst einmal, dass sich der Populismus über die gewohnten ideologischen Gräben hinweg ausbreitet. Während Donald Trump mit seinem nationalistischen Antieinwanderungskurs erst die Republikanische Partei und dann die Präsidentschaft übernahm, begann der Senator Bernie Sanders als Kandidat einen linkspopulistischen Kreuzzug.

Mit seinen Heilsversprechen erreichte Sanders die Arbeiterschaft – indem er Bildung in staatlicher Hand, Zugang zu Gesundheitsversorgung oder Abschaffung der bestehenden Steuer­ungerechtigkeiten forderte. Unterdessen stimmten die Briten für den Brexit, ein Votum gegen die Globalisierung, das die rechtsnationalistische Ukip angeführt hatte. Zur gleichen Zeit warf Labour-Chef Jeremy Corbyn die neoliberalen Prinzipien von New Labour über Bord, die im Herzen der Linken Großbritanniens schon seit den Tagen von Tony Blair vor sich hin gärten.

Man hätte meinen können, die entfesselten Kräfte des angelsächsischen Linksliberalismus würden nun auf einen praktikablen linken Populismus setzen. Einen Populismus der wirtschaftlichen Vielfalt, der dem konfrontativen und fremdenfeindlichen kulturellen Populismus der Rechten etwas entgegensetzen könnte. Aber damit läge man völlig falsch.

Die heutigen Liberalen reagieren zunehmend allergisch auf normale Leute. Ein Beispiel dafür liefert der Fernsehmoderator und Comedian Bill Maher. Der sagte zu Kellyanne Conway, damals noch Sprecherin von Trumps Wahlkampfteam, dass ihr Kandidat nur an Zustimmung gewinne, „weil die Leute blöd sind“.

Ähnlich herablassende Töne findet man in angesehenen (links-)liberalen Medien. So reagierte die Zeitschrift Foreign Policy auf die Erfolge der populistischen Rechten in Großbritan­nien und den USA mit der Veröffentlichung eines Essays, der den vielsagenden Titel trug: „Es ist Zeit, dass die Eliten gegen die ignoranten Massen aufstehen“. Und auf der Historikerplattform „History News Network“ stellte in der Frühphase des republikanischen Vorwahlkampfs ein Autor die schmerzliche Frage: „Wie dumm sind wir eigentlich?“

Solche Ausbrüche sind zumindest eines: ehrlich. Merkwürdig an diesen Reflexen ist allerdings, dass es vor dem Aufstieg von Trump und dem Brexit die Rechte war, die derart bösartige und menschenverachtende Gefühle geschickt zu hegen wusste, während es nun auch die Linke ist.

Bis die Trump-Anhänger ihr Interesse für den kleinen Mann entdeckten – da hörten sie sich auf einmal fast wie begeisterte Unterstützer ebenjener Gewerkschaften an, die sie jahrzehntelang hatten zerschlagen wollen –, klangen ihre Slogans oft unverhohlen elitär. Der ultrarechte Blogger Milo Yiannopoulos etwa posierte einst mit einem T-Shirt, auf dem stand: STOP BEING POOR. Das war, bevor er als Trump-Jünger und professioneller rechter Schwuler einen Buchvertrag abschloss, für den er eine sechsstellige Summe einstreichen sollte.

Auch die nimmermüde rechte Provokateurin Ann Coulter – früher stets eine Außenseiterin – war plötzlich voll auf Linie mit dem neuen konservativen Mainstream. An der Verachtung für den Mob, die unter privilegierten Eliten Tradi­tion ist, beteiligt sich Coulter schon lange. Und sie sorgt für eine neue Variante der moralischen Panik, die ihre Klasse seit der frühen Moderne umtreibt: die Angst vor den alles überschwemmenden, sich im Übermaß vermehrenden, emo­tio­nal schwankenden und leicht einzuschüchternden Massen der Menschheit.

In ihrem 2011 veröffentlichten Buch „Demonic“ erklärte Coulter, „wie der liberale Mob Amerika gefährdet“. Sie pries das Werk von Gustave Le Bon,1 dem ersten Franzosen, der die Schädel nepalesischer Bauern vermaß, um damit den imperialistischen und ökonomischen Projekten aus Europa pseudowissenschaftliche Glaubwürdigkeit zu verleihen. Hitler lobte Le Bons einflussreiches Buch „Psychologie der Massen“ von 1895, das als verlässlicher Prüfstein für Misanthropen und Eugeniker gilt.

Der gesamte Antieinwanderungsdiskurs, den nun Trump mit seinen „Baut diese Mauer“-Rufen anführt, ist durchtränkt vom Erbe Le Bons und derer, die das Gewimmel der Massen und die Ungewaschenen immer schon gefürchtet haben – unabhängig davon, ob es sich um ausländische oder einheimische handelte. In der Regel richtete sich ihr alarmistisches Geschrei zunächst gegen die hart arbeitenden weißen Massen der westlichen Gesellschaft. Erst später entdeckten sie in den ethnischen Minderheiten aus dem Ausland ein neues Ziel. Dabei gleichen sich die Aussagen über „die Arbeiter“ und „die Ausländer“ auf bemerkenswerte Weise: Es gibt einfach zu viele von ihnen, heißt es. Sie bekommen zu viele Kinder. Sie werden unsere knappen Ressourcen verschlingen. Es gibt nicht genug Platz. Sie verderben unsere Kultur und zerstören sie.

Erstaunlich ist allerdings, wie austauschbar diese Stimmungen in unserer neuen politischen Ordnung geworden sind. Anders ausgedrückt: Hätte Hillary gewonnen oder wäre der Brexit abgeschmettert worden, dann bekämen wir von den Liberalen mehr Populismus zu hören und von den Rechten mehr Menschenfeindlichkeit.

Noch irritierender ist, wie die Subkultur der neuen digitalen Rechten im Netz auftritt, wo sie offen einen weißen Separatismus vertritt und sich „Alt-Right“ nennt. Jeden, der ihren pubertären Impuls nicht teilt, sich vom verhassten Mainstream der Gesellschaft zu unterscheiden, bezeichnen sie hämisch als „Normie“ oder als „Basic Bitch“ – als handle es sich bei weißem Separatismus um irgendeinen obskuren Punkstil.

Wie ein roter Faden ziehen sich Verachtung und Verhöhnung der Massen durch die Netzbeiträge der weißen Nationalisten. Je länger man diese reaktionären Kräfte beobachtet, die sich hinter dem milliardenschweren US-Präsidenten aufgestellt haben, desto opportunistischer wirkt dessen Wende hin zum Populismus.

Eugenik und Fotografie

Quelle  : Le Monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle :

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Attribution: I, AndreasF
Source selbst fotografiert
self-made
Author Andreas Fink (andreas-fink@gmx.de)

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Genial im Wurf

Erstellt von DL-Redaktion am 14. April 2017

Raoul Pecks Film „Der junge Karl Marx“……

Die Kleine im Vordergrund Kippnix oder Wagenbrett?  Ich glaube sie singen zu hören:
„als ich einmal links war“ – braucht ich nicht zur Arbeit“ (aus Anatevka)

……läuft in den Kinos, und Rudolf Walther denkt über Friedrich Engels ’ Weitsichtigkeit in dessen „Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie“ nach.

Im Spielfilm „Der junge Karl Marx“ von Raoul Peck mit August Diehl in der Hauptrolle gibt es eine Szene, in der der junge Friedrich Engels (1820–1895) dem Philosophen Marx empfiehlt, statt griechischer Philosophen und Hegel Bücher der Ökonomen Adam Smith und David Ricardo zu lesen. In der nächsten Szene sieht man Marx über Smith ’ „Wealth of Nations“ englische Vokabeln büffeln. Beide Szenen sind frei erfunden, haben aber einen historischen Kern. Engels hat Marx mit seinem genialen Text „Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie“ aus dem Jahr 1844 erst zum Studium der politischen Ökonomie motiviert.

Vom November 1842 bis August 1844 hielt sich Engels in der väterlichen Fabrik in Manchester auf, also in einer industriell fortgeschrittenen Region der Welt. Was er sah, schockierte ihn. Seine Abrechnung mit den englischen Zuständen verknüpfte analytische Schärfe mit politisch-moralisch grundierter Kritik. Gleich der erste Satz in den „Umrissen“ ist ein Fanal: „Die ­Nationalökonomie entstand als eine natürliche Folge der Ausdehnung des Handels, und mit ihr trat an die Stelle des einfachen, unwissenschaftlichen Schachers ein ausgebildetes System des erlaubten Betrugs, eine komplette Bereicherungswissenschaft.“ Bis heute erhebt die Nationalökonomie, die in Deutschland auch als „Volkswirtschaftslehre“ auftritt, aber mit den Interessen des arbeitenden Volkes nichts zu tun hat, den Anspruch, Wirtschaft beziehungsweise Wirtschaftslehre für die Gesellschaft zu sein. Dabei macht sie – wie die Betriebswirtschaftslehre – fast nichts anderes, als die banale Plusmacherei des Kaufmanns akademisch zu kostümieren.

Engels begriff in seinen „Umrissen“ auf nur 25 Druckseiten, dass jede Analyse der ökonomischen Lage zwangsläufig mit politisch-moralischen Minimalansprüchen verbunden sein muss, wenn „Nationalökonomie“ mehr sein möchte als eine substanzlose Phrase im Rahmen realitätsferner mathematischer Modelle oder Statistiken über Durchschnittseinkommen und -vermögen. Die moralischen Minimalansprüche formulierte Engels zwar in einer Weise, die heute als antiquiert erscheint, wenn er sich etwa auf deren „reine menschliche, allgemeine Basis“ beruft oder den Ökonomen vorwirft, sie brächten „ein raffiniertes Recht des Stärkeren“ ins Spiel. In heutiger Diktion bezog er sich damit jedoch auf unbestreitbare Normen wie „Chancengleichheit“, „soziale Gerechtigkeit“ oder die radikale Kritik an der als „natürlich“ propagierten Ungleichheit. Ökonomische Theorie, so Engels 1844, will nicht wissen oder weiß nur zu genau, „welcher Sache (sie) dient“, und verkommt damit zu Zynismus oder Interessentenprosa.

Vom Merkantilismus zur „freien Marktwirtschaft“

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle : Håkan Henriksson (Narking)Own work

 

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Eine Klasse ohne Juden

Erstellt von DL-Redaktion am 13. April 2017

Ein Klassenzimmer ohne Juden

Foto © Reinhold Fahlbusch. CC BY-SA Wikimedia Commons

Auf einer „Bunt statt Braun“-Demo gegen Pegida in Deutschland

In Berlin hat ein jüdischer Schüler wegen andauernder antisemitischer Anfeindungen eine öffentliche Schule verlassen. Ob der Vorfall ein Indiz für die starke Verbreitung antisemitischer Ansichten unter muslimischen Schülern ist, wird heftig debattiert.

Der Berliner Stadtteil Friedenau wirkt nicht wie ein Ort, an dem Juden um ihre Unversehrtheit fürchten müssen. Dort, im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, reihen sich die prächtigen Fassaden der Altbauten aneinander, die Dichte der Baudenkmäler ist hoch. Schriftsteller wie Max Frisch und Hans-Magnus Enzensberger haben hier gewohnt. Und doch kommt es hier zu hässlichen Szenen, die international für Diskussionen sorgen. Im Jahr 2012 wurde der Rabbiner Daniel Alter im Beisein seiner kleinen Tochter von Jugendlichen angesprochen und verprügelt, weil er eine Kippa trug. Zurzeit sorgt ein Fall an einer Gemeinschaftsschule in der Rubensstraße für Empörung. Dort wurde ein jüdischer Schüler über Monate hinweg vor allem von arabisch- und türkischstämmigen Mitschülern aus antisemitischen Motiven gemobbt und geschlagen. Der 14jährige hat die Schule deswegen mittlerweile verlassen. Die Londoner Wochenzeitung The Jewish Chronicle hatte zuerst über den Fall berichtet.

Mehrere Organisationen haben davor gewarnt, die Angelegenheit herunterzuspielen. Die Berliner Vertreterin des American Jewish Committee, Dei­dre Berger, warf der Schule vor, zunächst nicht reagiert zu haben. Öffentliche Schulen dürften nicht zu No-go-Areas für jüdische Kinder werden. »Wir beobachten seit mehr als zehn Jahren, dass jüdische Schüler kontinuierlich öffentliche Schulen aufgrund von antisemitischen Anfeindungen verlassen«, so Berger. So war bereits 2006 eine jüdische Schülerin im Bezirk Neukölln über Monate hinweg von Mitschülern aus arabischen Familien antisemitisch beschimpft, geschlagen und bespuckt worden, bis sie schließlich an die Jüdische Oberschule in Berlin-Mitte wechselte.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, appellierte an muslimische Organisationen, »den antisemitischen Tendenzen in ihren Reihen mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten«.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, forderte die Berliner Schulverwaltung angesichts der Vorkommnisse in Friedenau dazu auf, das Verhalten der Schulleitung genau zu untersuchen. Angesichts des religiösen und familiären Hintergrunds der Aggressoren appellierte Schuster an muslimische Organisationen, »den antisemitischen Tendenzen in ihren Reihen mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten«. Er kritisierte, dass »in einem Teil der Moscheen in Deutschland Judenfeindlichkeit und Israelfeindlichkeit aktiv Vorschub geleistet wird«.

Die Schulleitung hat sich mittlerweile auf ihrer Internetseite an die Öffentlichkeit gewandt. »Der aktuelle Fall ist der erste, bei dem das Kollegium der Friedenauer Gemeinschaftsschule das Problem des Antisemitismus wahrgenommen hat«, heißt es in dem Schreiben. Schon nach dem ersten »Diskriminierungsvorfall«, der der Schulleitung zur Kenntnis gebracht worden sei, habe sie die Großeltern des Schülers, die Holocaust-Überlebende sind, eingeladen, um das Thema mit den Mitschülern des Jugendlichen aufzuarbeiten. Erst danach habe sich an einer Bushaltestelle der gewaltsame Angriff ereignet, der zur Abmeldung des Schülers führte. Mittlerweile habe man Strafanzeige gegen die mutmaßlichen Täter erstattet und Schritte eingeleitet, diese von der Schule zu verweisen, so die Schulleitung.

Quelle : Jungle World >>>>> weiterlesen

Quelle : Berliner Tagesspiegel — Den Brief im Wortlaut lesen Sie hier.

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Grafikquelle  :  Auf einer „Bunt statt Braun“-Demo gegen Pegida in Deutschland. This message on a german protest march against the xenophobe „Pegida“ says „diversity instead of simplemindedness“.

© 2015 Reinhold Fahlbusch. CC BY-SA Wikimedia Commons

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Russischer Terror

Erstellt von DL-Redaktion am 11. April 2017

File:2010-06-06 Skillshare Gniffke.jpg

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Dr. Gniffke und die Geschichte

Autor : Uli Gellermann

„Da bin ich aber froh“ seufzte Dr. Gniffke, der Chef von ARD-aktuell, „dass der Berliner Senat so klug entschieden hat. Das fehlte noch, das Brandenburger Tor in die russischen Farben zu tauchen. Nur wegen so ein bisschen Terror in St. Petersburg. Die Russen hatten doch gleich 1945 ihre rote Fahne an der kaputten Quadriga gehisst. Nach langem Terror gegen die deutsche Armee! Das wollen wir doch mal nicht vergessen. Befreier? Quatsch, Sieger. Und jetzt, wo die rote Fahne schon lange weg ist, versuchen sie es auf die Mitleidstour. Nichts da. Wir werden doch kein Eigentor schießen!“ Kichert und geht ab.

Programmbeschwerde
St. Petersburg-Anschlag-Brandenburger Tor

http://www.tagesschau.de/ausland/explosion-in-petersburg-105.html

Sehr geehrte Damen und Herren des NDR-Rundfunkrates,
 
auf Tagesschau.de hieß es am Schluss des og. miserablen Beitrages wörtlich:

„Das Brandenburger Tor allerdings sollte einem Senatssprecher zufolge am Montagabend nicht in den russischen Nationalfarben angestrahlt werden. St. Petersburg sei keine Partnerstadt von Berlin, hieß es zur Begründung. Davon solle nur in Ausnahmefällen abgewichen werden. Nach Anschlägen wie etwa in Paris, Brüssel, London, Istanbul (Partnerstädte von Berlin), Nizza und Jerusalem war das Berliner Wahrzeichen in Solidarität mit den Betroffenen in den Nationalfarben der jeweiligen Länder angestrahlt worden.“ 

Diese Nachricht ist verkürzt und desinformativ, also eine fake-news. Richtig ist, dass das Brandenburger Tor auch bei Terroranschlägen in anderen Städten angestrahlt wurde (z.B. Orlando), das Argument der Partnerstädte also nur vordergründig ist. Dass ARD-aktuell auf die doppelbödige Argumentation nicht eingeht und den Eindruck vermittelt, als sei die Entscheidung des Berliner Senats nach allgemein verbindlichen Kriterien erfolgt und nicht weiter zu beanstanden, ist eine Manipulation. Zusätzliche, einordnende Hinweise sind offensichtlich unterblieben, weil die Senats-Entscheidung im Einklang mit der bekannten streng russlandhetzerischen Tendenz von ARD-aktuell steht.

St.Petersburg  steht sehr wohl in einer besonderen Beziehung zu Berlin. Es wurde im Weltkrieg II, als es noch Leningrad hieß, bekanntlich von der Nazi-Wehrmacht eingeschlossen, und während der zweieinhalb Jahre dauernden Blockade verhungerten mehr als 900 000 Bewohner. Die Zahl der Leningrader Toten insgesamt wird auf 1,1 Millionen geschätzt. Auf diesen historischen Hintergrund hätte ARD.aktuell im Zusammenhang mit der schäbigen Berliner Senatsentscheidung hinweisen müssen. Da dies unterblieb, liegt ein Verstoß gegen die Programmrichtlinie „Ziel aller Informationssendungen ist es, sachlich und umfassend zu unterrichten und damit zur selbstständigen Urteilsbildung der Bürger und Bürgerinnen beizutragen“ vor. 
 
In diesem Zusammenhang sei Dr. Gniffke und seiner Qualitätsjournalistentruppe ein Protestbrief des Oberstleutnants i.R. Jochen Scholz ins Stammbuch für journalistischen Anstand geschrieben:
Email an den Regierenden Bürgermeister Berlins zum Anschlag in St. Petersburg:

„Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister,
Schande über Sie und die übrigen Verantwortlichen, das Brandenburger Tor noch dem Anschlag von Sankt Petersburg nicht in den russischen Nationalfarben anzustrahlen! Die Begründung des Senatssprechers ist ja nicht auf seinem Mist gewachsen, sie gibt vielmehr die Haltung des Senats als Gremium wieder, dem auch jemand angehört, der für Kultur zuständig ist. Geschichte ist Teil der Kultur, sie wird jedoch in diesem konkreten Fall von der Bürokratie beiseite geschoben: keine Partnerstadt von Berlin. Diese Begründung ist derart fadenscheinig, auch mit Blick auf Orlando, dass man sie mit Fug und Recht als Tarnkappe bezeichnen darf: einmal Frontstadt, immer Frontstadt. Als ob Berlin und Sankt Petersburg nicht durch grauenhafte historische Ereignisse enger verbunden wären, als durch jede formale Partnerschaft. Oder sollte dem Senat unbekannt sein, dass die ab 1941 von der Wehrmacht belagerte Stadt damals Leningrad hieß? Angesichts der Qualität der Berliner Politischen Klasse insgesamt wäre ich nicht überrascht…

Mit freundlichen Grüßen
Jochen Scholz, Berlin
 
Ähnlich wie Scholz haben sich viele Mitmenschen geäußert. Gesondert zu erwähnen ist das Schreiben des Abgeordneten Andrej Hunko an den Berliner Senat:
https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/04/04/nachdenklicher-brief-eines-abgeordneten-zur-beleuchtung-des-brandenburger-tors/
Dass ARD-aktuell medial eine Berliner Politik stützt, die ein Zweiklassensystem für die Opfer von Terroranschläge schuf, ist ein weiterer Nachweis für den berufsethischen Niedergang dieser Redaktion.
 
F. Klinkhammer V. Bräutigam

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Fotoquelle: Wikipedia/ CC BY-SA 3.0 /File:2010-06-06 Skillshare Gniffke.jpg

Erstellt: 7. Juni 2010 7   ZikoEigenes Werk

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Das Möbelhaus-Angebot

Erstellt von DL-Redaktion am 7. April 2017

Der neue Schuhschrank als Flurschaden

Wenn das Möbelhaus Angebote macht, die man nicht ablehnen kann

Autor :  Bernhard Pötter

Der Flur in unserer Wohnung ist dunkel und eng. Er wird noch dunkler und enger, wenn er vollgerümpelt ist mit Laufschuhen, Halbschuhen, Sneakers und Stiefeln. Als ich mir dort beinahe den Knöchel brach, weil ich über ein paar Latschen stolperte, wurde auch dem letzten Konsumfeind in der Familie, also mir, klar: Wir brauchen einen Schuhschrank.

Also ab zu Möbel Höffner an der Stadtautobahn. Ein riesiger Klotz, in den mit ein bisschen Quetschen die Kuppel des Petersdoms passen würde. Hier gibt es alles: Sofas, Sessel, Vasen, Gartengeräte, Fernseher, Betten und natürlich auch Schuhschränke. Wir fanden schnell den Mehrzweckhochschrank „Ca­bino“, weiß, zehn Einlegefächer. Der sollte den Flurschaden zu Hause schon in Grenzen halten.

Nur die Bestellung stürzte mich in Verwunderung. Das gute Teil sollte 320 Euro kosten. „Aber wenn Sie auf über 400 Euro kommen, kostet es nur rund 300 Euro“, sagt die nette blondierte Dame an der Auskunft. Bitte? Ja, erklärt sie das Superangebot des Hauses: Wenn wir uns noch was aussuchen, was uns gefällt, würde es billiger.

Ich sah das gefährliche Flackern in den Augen meiner Frau. Ein Deal, wie ihn Donald Trump nicht besser aushandeln könnte! Wir bekommen mehr und zahlen weniger! Ich sank hilflos in ein Sofa, meine Frau zog los und kam zurück. Im Arm der stolzen Schnäppchenjägerin: Couchtisch „Bamboo“ und Hocker „Beatrice“.

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle :MichielverbeekEigenes Werk

 

 

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Ohrwurm – Interpret +

Erstellt von DL-Redaktion am 2. April 2017

Mah Nà Mah Nà Bidi Bidibi

Alessandro Alessandroni kennt kaum jemand. Seinen berühmtesten Song aber, der gänzlich ohne Worte auskommt, haben wir alle im Kopf.

It ’s the Singer, not the Song, heißt es so schön. Es sind die Ausnahmen, die jenes Rock-’n‘-Roll-Axiom bestätigen: Alle kennen den Song „Mah Nà Mah Nà“, aber kaum jemand weiß, dass er von dem italienischen Komponisten Piero Umiliani geschrieben wurde.

Noch unbekannter ist sein Sänger Alessandro Alessandroni, ein in den Sechzigern und Siebzigern vielbeschäftigter italienischer Studiomusiker, der für viele Soundtracks von Italowestern Titelmelodien gepfiffen hat und zahlreiche Filmmusiken komponierte.

Berühmt wurde seine Version von „Mah Nà Mah Nà“ als Song der Kindersendung „Muppet Show“. In meiner Erinnerung taucht dazu „Animal“ auf, das in der deutschen Fassung Tier genannte Zottelviech, und drischt wie besessen auf das Schlagzeug ein, begleitet von einer Puppe mit Baskenmütze und dunkler Sonnenbrille, die Gitarre spielte.

Schwedinnen in der Sauna

Vor seiner Übernahme durch die Sesamstraße und die Muppetshow untermalte „Ma Nà Mà“ den italienischen Exploitation Sexfilm „Svezia, Inferno E Paradiso“. Ein Skandal? Nein, viele schmierige Filme haben tolle Soundtracks berühmter Komponisten. Von irgendwas müssen die Musikusse ja leben.

Quelle :  TAZ >>>>> weiterlesen

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Logoquelle :  Muppet Show http://www.brandsoftheworld.com/logo/muppet-show

 

 

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Holm ist da ideologisch

Erstellt von DL-Redaktion am 2. April 2017

Anetta Kahane war in der DDR einst selbst IM

Birlikte - Podiumsdiskussion-0454.jpg

Heute ist sie Vorsitzende der antirassistischen Amadeu Antonio Stiftung. Ein Gespräch über die Stasi, Kapitalismuskritik und den Fall Andrej Holm.

INTERVIEW Pascal Beucker und Philipp Gessler

taz.am wochenende: Frau Kahane, die Geschichte um den Wissenschaftler Andrej Holm gleicht in manchen Aspekten Ihrer eigenen. Er wurde als Staatssekretär in Berlin entlassen, weil er bezüglich seiner Stasi-Vergangenheit gelogen hatte. Hätte es ihm geholfen, wenn er von Anfang an ehrlicher gewesen wäre?

Anetta Kahane: Das sagen sie jetzt zwar alle, aber das glaube ich nicht. An der Uni hätte er nie den Job gekriegt. Dann wäre es auch obsolet gewesen, darüber nachzudenken, ob er Staatssekretär wird. Da gibt es gar keinen Zwischenton. Ich weiß nicht, ob er mit seinem persönlichen Verhalten da etwas hätte dran ändern können.

Wofür würden Sie denn plädieren? Dass man genau hinschaut: Was hat er getan, was nicht? Hat er Leute geschädigt oder nicht?

Genau. Im Fall Holm kann ich mir nicht vorstellen, dass er wirklich etwas getan hat. Er war damals 17 Jahre alt, ist noch in die Schule gegangen oder war in der Ausbildung.

Na ja, er hat Berichte gelesen, die aus dem Observieren von Verdächtigen hervorgingen.

Er war bei einem Geheimdienst.

Anders als Sie hat er Geld bekommen, also materielle Vorteile gezogen aus seiner Stasi-Tätigkeit. 675 DDR-Mark war damals nicht schlecht, oder?

Ein gutes Stipendium. Ich habe insgesamt 200 Ostmark bekommen – für acht Jahre.

Hätte er den normalen Grundwehrdienst gemacht, hätte er nur ein Drittel davon bekommen.

Richtig. Er war loyal zur DDR in einer Zeit, in der das ein wenig unverständlich ist. Andererseits: Holms Vater machte bei der Stasi Karriere. Solange Andrej Holm nicht Leute ausspioniert hat, liegt das in der Logik dieser DDR-Familien und dieser Zeit. Aber alles, was ich sage zu dem Thema, wird immer als Verteidigung gewertet, weil ich selber so eine Biografie habe. Was ich nur über mich selbst sagen kann: Ich bin 1982 aus meiner Stasi-Tätigkeit ausgestiegen – und das hatte erhebliche Folgen. Das bedeutet: Ich kenne die DDR von beiden Seiten: in der Rolle der Gegnerschaft und der symbiotischen Nähe. Für beides habe ich Verständnis.

Führt das nicht zu der Argumentation: Ja, man darf lügen, weil die Verhältnisse halt so sind?

Ich sage nicht, dass man lügen darf. Ich habe über die konkrete Situation von Andrej Holm gesprochen. Selbstverständlich ist das was anderes bei Leuten, die über Jahre Leute an die Stasi verraten haben und dann Abgeordnete erst der PDS und dann der Linkspartei wurden. Wenn die sagen, sie waren da nicht dabei, ist das schon ziemlich unerträglich. Das sind Leute, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit schuldig gemacht haben. Sie haben in einem Großteil ihrer Biografie ihre Ideologie ungebrochen weiterverfolgt. Allerdings sehe ich auch bei Holm eine gewisse Kontinuität in seinen ideologischen Elementen.

Sie meinen in der Gentrifizierungsdebatte?

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle : Birlikte – Podiumsdiskussion mit Heiko Maas (Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz), Stefan Aust (Journalist), Mehmet Daimagüler (Rechtsanwalt im NSU-Prozess), Anetta Kahane (Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung), Abdulla Özkan (Augenzeuge). Moderation: Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der stern-Chefredaktion. Ort: Depot des Schauspiel Köln Foto: Anetta Kahane

Autor : © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

 

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Als ich mich schämte

Erstellt von DL-Redaktion am 1. April 2017

Der Brexit war ein schwerer emotionaler Schlag

File:Anti Brexit Roma 1.jpg

Autor :  Hugh Williamson

Nach dem Brexit wurde unser Autor deutscher Staatsbürger. Aber seine Heimat lässt ihn nicht los: „Ich habe das Gefühl, seit dem 24. Juni vergangenen Jahres auf einer langen emotionalen Reise gewesen zu sein“.

An jenem Morgen nach dem Brexit-Referendum stand ich früh auf. Kaffee, Internet, Fernsehen in meinem Berliner Wohnzimmer. Innerhalb von Minuten war klar, dass das Unmögliche geschehen war. Und dass ich auf der Verliererseite stand.

Um ehrlich zu sein, schien es für mich und die Freunde, die ich eingeladen hatte, um eine, wie wir gehofft hatten, Siegesfrühstücks-Wahlparty zu feiern, eine offensichtliche Erklärung für das Brexit-Votum zu geben: uninformierte Menschen – ganz anders als wir selbst – hatten für die Isolation gestimmt. In den darauffolgenden Tagen fühlte ich mich entfremdet von einem Land, das ich nicht länger verstand. Ich war geschockt, als die ersten Berichte von rassistischen Beleidigungen und Angriffen auf Ausländer kamen. Ich habe die Petition für ein zweites Referendum unterstützt. Aber im Grunde war ich mutlos. Es würde keinen Unterschied machen. Es war schon passiert. Deshalb suchte ich nach etwas Positivem, auf das ich mich konzentrieren konnte.

Spulen wir vor auf den 8. Januar diesen Jahres. Ein Sonntagabend, wieder eine Party in meinem Berliner Wohnzimmer. Dieses Mal gab es eine Art Sieg zu feiern – mich als neuen deutschen Staatsbürger. Nachdem ich meine Urkunde am Schöneberger Rathaus abgeholt hatte, kamen Freunde mit Spreewaldgurken und Nürnberger Würstchen. Wir spielten deutsche Musik, tranken deutsches Bier und lachten über Fragen, die ich beim Einbürgerungstest zu beantworten hatte.

Ein Teil des Sieges bestand darin, dass die Einbürgerung innerhalb von sechs Monaten und relativ schmerzlos über die Bühne ging. Das einzige wirkliche Problem war ein Formular über die Herkunft meiner deutschen Frau, das ich ausfüllen sollte. Detaillierte Angaben über ihre Eltern und Großeltern! „Hat Ihr Großvater in der Wehrmacht gekämpft?“ Hat er, aber was für einen Unterschied macht das? Wir beschwerten uns im Rathaus. Die Antwort: Der Wehrdienst des Großvaters sei „Beweis“ für die Nationalität meiner Frau. Ich frage mich: Warum reicht nicht ihre Geburtsurkunde?

Der Sieg war aber auch ein persönlicher. Obwohl ich seit 1992, mit einigen Unterbrechungen, in Deutschland gelebt habe, hat es so etwas Großes wie den Brexit gebraucht, um mir einzugestehen, dass dieses Land auch mein Zuhause ist. Meine Niedergeschlagenheit danach hat bewirkt, dass ich mein Deutschsein annehmen, sogar feiern wollte. Ich bin nicht allein. Von meinen fünf engsten britischen Freunden in Berlin haben vier nach dem Brexit die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt, zwei haben sie schon. Die Inhaberin des Ladens Broken English in Kreuzberg hat Tipps für die Einbürgerung ausgehängt. Sie sagt, fast alle ihre britischen Kunden hätten einen Antrag gestellt.

Die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird, ist, ob ich auch immer noch Brite bin. Die Antwort ist ja, und während der erste Teil meiner Reise nach letztem Juni darin bestand, Großbritannien zu entfliehen, fühle ich mich jetzt, in der Sicherheit der deutschen Staatsbürgerschaft, wieder zu meiner ursprünglichen Heimat hingezogen.

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle :

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Description
Français : Manifestation anti-Brexit à Rome.
Date
Source Own work
Author LucasD

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Studie des Berliner Milieu

Erstellt von DL-Redaktion am 28. März 2017

Die Saubermacher aus der Nr. 93

File:Berliner Strandleben Heinrich Zille.jpg

Die Gebrüder Davcik betreiben seit Jahren eine Reinigung im Berliner Bergmannkiez. Familienbetriebe wie ihre drohen dort zu verschwinden

Autorin : Gabriele Goettle

Die Bergmannstraße bildet die zentrale Achse des Bergmannkiezes, der sich vom Mehringdamm bis zum Südstern erstreckt. Restaurierte Gründerzeithäuser mit Hinterhöfen und Seitenflügeln reihen sich aneinander. Daran, dass man hier einstmals von der „Wiege bis zur Bahre“ lebte, erinnert ein riesiges Friedhofsgelände. Zum Südstern hin begrenzt eine circa 600 Meter lange Friedhofsmauer aus rotem Backstein den nördlichen Teil eines 21 Hektar großen, alten Friedhofsareals, bestehend aus vier miteinander verbundenen Friedhöfen, darunter den ältesten Gemeindefriedhof Berlins, den alten Luisenstädtischen Friedhof. Hier liegen unter anderem Gustav Stresemann und Tobias Christoph Feilner, der Erfinder des Berliner Kachelofens, begraben. Die Friedhöfe liegen auf einem ehemaligen Weinberg und wurden um die Mitte des 18. Jahrhunderts angelegt. Das Zentrum des Bergmannkiezes aber bildet die 1892 eröffnete, im Zweiten Weltkrieg abgebrannte und später wieder aufgebaute Marheineke-Markthalle. 2007 wurde sie modernisiert und zeigt sich nun so, wie es inzwischen angesagt ist: Essstände mit Speisen aus fast aller Herren Länder reihen sich aneinander, dazwischen ein schmales Angebot an klassischer Marktware.

In der angrenzenden Bergmannstraße bietet sich dasselbe Bild; sie ist von der Markthalle bis zum Mehringdamm nur etwa 500 Meter lang, aber diese 500 Meter sind ein hart umkämpftes Areal. Die Dynamik am Immobilienmarkt zeigt deutliche Spuren. Kaum noch etwas erinnert an den morbiden Charme aus den Hausbesetzertagen der achtziger Jahre, an einen Kiez für die „Schlechterverdienenden“.

Einen Berg Hemden zur Reinigung

Selbst den Sprayern sind die Hände erlahmt. Hier hat der Hedonismus des modernen Stadtbewohners mit ordentlicher Kaufkraft Einzug gehalten. Es gibt zahlreiche internationale Restaurants und Cafés, mit WLAN-Angebot und Coffee-to-Go-Service. Fast verschwunden sind die Trödler aus den Basements, die kleinen Lädchen und Fachgeschäfte. Einige Buchläden, türkische Lebensmittelgeschäfte und asiatische Imbisse haben die Mietsteigerungen überlebt.

Auch die Vollreinigung der Gerüder Davcik in der Nr. 93 hat überlebt. Lediglich durch Vermittlung einer Freundin und alten Kundin des Ladens war Herr Davcik bereit zu einem Porträt. Er sagte selbstbewusst: „Normalerweise machen wir solche Interviews gar nicht. Interessiert uns nicht!“

Wir sind verabredet an einem Samstagnachmittag bei vollem Geschäftsbetrieb. Eigentlich brauche ich Ruhe für solche Gespräche, aber die ist hier rar und so gut wie nie vorhanden. Dennoch werde ich ohne Nervosität sehr freundlich empfangen und begrüßt. Herr Davcik unterbricht dazu das Gespräch mit einem älteren Herrn und wendet sich ihm dann wieder zu. Der Kunde hat einen Berg Hemden zur Reinigung mitgebracht und trägt auf dem Arm an die zehn Hemden, frisch gewaschen und gebügelt. Herr Davcik fragt: „Donnerstag im Laufe des Tages? Die Hemden gelegt, oder wieder auf dem Bügel? Das Legen kostet 30 Cent mehr.“ Der Kunde, dem es zwar aufs Geld nicht anzukommen scheint, sagt dennoch ohne zu zögern: „Auf dem Bügel reicht.“

Heinrich Zille, Trockenwohner, in: Otto Nagel: H. Zille. Veröffentlichung der Deutschen Akademie der Künste, Henschelverlag, Berlin 1970, S. 147. Quelle: Wikimedia Commons https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Zille_Trockenwohner.JPG?uselang=de gemeinfrei

Er bekommt seinen Abschnitt, wird herzlich verabschiedet und verlässt grüßend das Geschäft. Herr Davcik sagt: „Ja, die Männer müssen zu uns kommen, denn heute dürfen sie die Frauen gar nicht mehr danach fragen, ob sie ihnen mal das Hemd waschen und bügeln. Das war früher keine Frage. Ich selbst habe das noch gelernt, das Hemdenbügeln. Meine Mutter genauso.“

Herr Davcik spricht sehr leidenschaftlich, mitreißend. Er holt eine Karte des ehemaligen Jugoslawien, breitet sie auf dem Verkaufstisch aus und zeigt mit dem Finger auf einen Punkt. „Da bin ich 1964 geboren und katholisch getauft. Das ist heute Serbien, gehörte Anfang des 20. Jahrhunderts noch zu Österreich-Ungarn und Kroatien. Diese Leute hier, bis Novi Sad (zeigt auf die Karte), die waren katholisch und nicht orthodox. Viele der Männer sind mit ungarischen Frauen verheiratet. Und die Serben, die beginnen erst hier (zeigt auf die Karte), das Blaue ist die Donau, es gibt hier eine große Brücke, wenn man die überquert, fängt jenseits Serbien an und da beginnt auch der orthodoxe Glaube.

Meine Mutter kommt aus Belgrad. Meine Eltern haben 1958 geheiratet, zuerst zog meine Mutter zu meinem Vater, wie es damals üblich war. Dann, nach meiner Geburt, sind meine Eltern hierhin, in die Nähe von Belgrad gezogen. Da ist dann mein Bruder zur Welt gekommen. Deshalb ist mein Bruder orthodox getauft. Mein Bruder und ich, wir sind ja noch in den altmodischen Zeiten groß geworden und halten die Tradition einigermaßen aufrecht, so wie wir sie damals noch mitgekriegt haben von Oma und Opa, Tanten, Onkels und so wie unsere Eltern es noch gemacht haben. Wundern Sie sich nicht, dass draußen vor unserem Geschäft noch immer der Weihnachtsbaum steht, heute ist nämlich nach dem julianischen Kalender Neujahrsbeginn.

Das Gastarbeiterabkommen mit Jugoslawien

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquellen : Heinrich Zille —

This work is all in the public domain in its country of origin and other countries and areas where the copyright term is the author’s life plus 75 years or less.

Oben :

Author
Description
Deutsch: Berliner Strandleben, 1901, Aquarell von Heinrich Zille (1858-1929), Privatbesitz, Berlin
Date

10.12.08

Source/Photographer Privatbesitz, Berlin, Scan using old „Original & Fälschung“-Pictures from HörZu, 22/1987, S. 153

Unten :  Trockenwohner, in: Otto Nagel: H. Zille. Veröffentlichung der Deutschen Akademie der Künste, Henschelverlag, Berlin 1970, S. 147. Quelle: Wikimedia Commons gemeinfrei

 

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Europa muss funktionieren

Erstellt von DL-Redaktion am 26. März 2017

„Europa muss besser funktionieren“

Datei:Europa und der Stier.jpg

Achtung : Ähnlichkeiten mit irgendeinen freie herumlaufenden Stier,
oder einer den Stier reitenden europäischen Despotin sind
rein zufälliger Natur und nicht beabsichtigt.
Das Reiten eines Stier erfodert sehr viel Mut !

Interview von Anja Maier mit Andre Wilkens über die Zukunft der EU

Am 60. Jahrestag der Römischen Verträge wollen nur wenige die EU feiern. Außer Andre Wilkens. Den Brexit hält der Politikwissenschaftler dennoch für eine Zäsur.

taz.am wochenende: Andre, als wir in den Achtzigerjahren in Ostberlin zur Schule gegangen sind – hättest du dir da vorstellen können, dass du dreißig Jahre später ein multilaterales Politikprojekt vehement verteidigen würdest?

Andre Wilkens: Nein, natürlich nicht. Aber wenn doch, hätte ich gedacht: Wahnsinn! Das hieße ja, die Mauer ist weg, und ich bin auf der anderen Seite.

Als wir uns vor sieben Jahren wiedergetroffen haben, warst du gerade mit deiner Familie von London nach Berlin gezogen. Auf meine Frage, was du so treibst, hast du geantwortet: Ich mache die Welt zu einem besseren Ort. Das war keine Ironie, oder?

Nein, das war meine Jobbeschreibung für meinen Sohn. Ich hatte für die EU und die UNO gearbeitet. Als wir uns wiedertrafen, war ich bei einer Stiftung. Was hätte ich ihm sagen sollen? Ich schiebe Papiere hin und her und gebe Leuten Geld?

 

Ist für dich die EU ein Weltverbessererprojekt?

Ja.

Am Samstag feiert diese EU den 60. Jahrestag der Römischen Verträge – damals wurde der Grundstein für Europa in seiner heutigen Form gelegt. Was gibt es da aktuell zu feiern?

Wir haben’s geschafft.

Klingt wie in einer schwierigen Ehe.

Ja, so ein bisschen: Wir sind beisammengeblieben. Anfangs gab es Probleme, dann hat man sich zusammengerauft, einfach ist es immer noch nicht. Es ist ja nicht so, dass die EU keine Krisen kennt. Dass es insgesamt ganz gut läuft, kann man schon mal feiern, finde ich.

 

Am Tag des Festakts in Rom findet auch der March for Europe statt, außerdem laufen überall in Deutschland die Pulse-of-Europe-Demos. Das scheinen mir eher Proteste als Feiern zu sein.

Das ist eine Frage der Definition. Bedeutet feiern, alles ist super und muss so bleiben, wie es ist. Oder bedeutet es: Wir haben ’ne Menge geschafft, aber es muss weitergehen, weil der Status quo nicht gut genug ist.

Schaut man sich die Pulse-of-Europe-TeilnehmerInnen an, sehe ich da Sorge um das Projekt EU. So lustig sie sind.

Ich war da auch. Und ich finde diese Demos super. Man hat Lust hinzugehen. Und so schlecht sieht es ja aktuell nicht aus für Europa. Vielleicht gewinnt in Frankreich Macron mit einer proeuropäischen Agenda, Schulz, der alte Europäer, macht sich auch nicht schlecht. Klar, das kann auch alles nach hinten losgehen, wenn Le Pen gewinnt und die AfD auf zwanzig Prozent kommt. Alle gucken aber gerade auf den Brexit und auf Trump, und sie fragen sich: Kann das hier auch passieren? Das ist eben auch Antrieb, was dagegen zu machen.

Die Pulse-of-Europe-Demos gehen auf die Initiative eines Frankfurter Rechtsanwaltspaars zurück. Der Titel ist englisch, die Slogans sind englisch, man sieht Akademiker, die Angst um die Erasmus-Stipendien ihrer Abiturkinder haben. Ist Europa ein Elitenprojekt?

 

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Gemäldequelle : Der Raub der Europa / Серов В. А. Original uploader was Gerhard Haubold at de.wikipedia

Urheber
Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.
Quelle Museum Kunstpalast, Düsseldorf: Ausstellung Bonjour Russland, Französische und russische Meisterwerke 1870 – 1925 aus Moskau und St. Petersburg, 15.09.2007 – 06.01.2008

 

 

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Für mehr Demokratie

Erstellt von DL-Redaktion am 25. März 2017

Für eine demokratische Polarisierung
Wie man dem Rechtspopulismus den Boden entzieht

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Interview  mit  Jürgen Habermas

Blätter-Redaktion: Nach 1989 war vom „Ende der Geschichte“ in Demokratie und Marktwirtschaft die Rede, heute erleben wir das Aufziehen eines neuen Phänomens autoritär-populistischer Führerschaft, von Putin über Erdogan bis zu Donald Trump. Offensichtlich gelingt es einer neuen „autoritären Internationale“ mehr und mehr, die Diskurse zu bestimmen. Hatte Ihr Jahrgangsgenosse Ralf Dahrendorf also Recht, als er ein autoritäres 21. Jahrhundert vorhersah? Kann man, ja muss man bereits von einer Zeitenwende sprechen?

Jürgen Habermas: Als Fukuyama nach der Wende von 1989/90 den ursprünglich auf einen grimmigen Konservativismus gemünzten Slogan vom „Posthistoire“ aufgriff, drückte sich in seiner Umdeutung der kurzsichtige Triumphalismus westlicher Eliten aus, die dem liberalen Glauben an eine prästabilisierte Harmonie von Marktwirtschaft und Demokratie anhingen. Diese beiden Elemente prägen die Dynamik der gesellschaftlichen Modernisierung, verbinden sich aber mit funktionalen Imperativen, die immer wieder in Konflikt geraten. Der Ausgleich zwischen kapitalistischem Wachstum und einer auch nur halbwegs als sozial gerecht akzeptierten Teilhabe der Bevölkerung am durchschnittlichen Wachstum hoch produktiver Wirtschaften konnte nur durch einen demokratischen Staat herbeigeführt werden, der diesen Namen verdient. Eine solche Balance, die erst den Namen „kapitalistische Demokratie“ rechtfertigt, war aber, historisch gesehen, eher die Ausnahme als die Regel. Schon deshalb war die Idee einer globalen Verstetigung des „amerikanischen Traums“ eine Illusion.

Die neue Unordnung der Welt, die Hilflosigkeit der USA und Europas angesichts der zunehmenden internationalen Konflikte ist beunruhigend, und die humanitären Katastrophen in Syrien oder im Südsudan zerren ebenso an unseren Nerven wie die islamistischen Terrorakte. Dennoch kann ich in der Konstellation, auf die Sie hinweisen, keine einheitliche Tendenz zu einem neuen Autoritarismus erkennen, sondern eher verschiedene strukturelle Ursachen und viele Zufälle. Das Verbindende ist die Klaviatur des Nationalismus, den aber haben wir mittlerweile auch im eigenen Haus. Russland und die Türkei waren auch schon vor Putin und Erdogan keine „lupenreinen Demokratien“. Mit einer etwas klügeren Politik des Westens hätten die Weichen im Verhältnis zu beiden Ländern vielleicht anders gestellt, hätten vielleicht auch liberale Kräfte in diesen Bevölkerungen gestärkt werden können.

Blätter: Überschätzen wir damit nicht retrospektiv die Möglichkeiten des Westens?

Habermas: Gewiss wäre es für „den Westen“ schon angesichts der Vielfalt seiner divergierenden Interessen nicht einfach gewesen, im richtigen Augenblick auf rationale Weise mit den geopolitischen Ansprüchen der zurückgestuften russischen Großmacht oder mit den europapolitischen Erwartungen einer reizbaren türkischen Regierung umzugehen. Ganz anders liegt der für den Westen insgesamt signifikante Fall des Egomanen Trump. Der treibt mit seinem desaströsen Wahlkampf eine von den Republikanern seit den 1990er Jahren kühl kalkulierte und immer hemmungsloser verschärfte Polarisierung so auf die Spitze, dass der „Grand Old Party“, immerhin die Partei Abraham Lincolns, diese Bewegung völlig aus dem Ruder gelaufen ist. In dieser Mobilisierung des Ressentiments äußern sich auch die sozialen Verwerfungen einer politisch und ökonomisch absteigenden Supermacht.

Für problematisch halte ich daher nicht das Muster einer autoritären Internationale, das Sie vermuten, sondern die Erschütterung der politischen Stabilität in unseren westlichen Ländern insgesamt. Bei der Beurteilung des Rückzugs der USA aus der Rolle der interventionsbereiten globalen Ordnungsmacht muss man den strukturellen Hintergrund im Auge behalten, der Europa in ähnlicher Weise betrifft.

Die wirtschaftliche Globalisierung, die Washington in den 1970er Jahren mit seiner neoliberalen Agenda eingeleitet hat, hatte im globalen Maßstab gegenüber China und den anderen aufgestiegenen BRICS-Staaten einen relativen Abstieg des Westens zur Folge. Unsere Gesellschaften müssen die Wahrnehmung dieses globalen Abstiegs, zusammen mit der technologisch bedingten, explosiv zunehmenden Komplexität der erlebten Alltagswelten, innenpolitisch verarbeiten. Die nationalistischen Reaktionen verstärken sich zumal in den Milieus, die jeweils von den durchschnittlichen Wohlstandsgewinnen der Volkswirtschaften im ganzen entweder gar nicht oder nicht angemessen profitieren, weil die immer wieder beschworenen trickle-down-Effekte seit Jahrzehnten ausbleiben.

Blätter: Selbst wenn die Tendenz zu einem neuen Autoritarismus derzeit nicht eindeutig zu erkennen ist, so erleben wir doch offensichtlich einen massiven Rechtsruck, ja eine rechte Revolte. Und die Pro-Brexit-Kampagne war nur das wohl prominenteste Beispiel dieser Tendenz in Europa. Sie selbst haben, wie Sie unlängst sagten, „nicht damit gerechnet, dass der Populismus den Kapitalismus in dessen Ursprungsland schlagen würde“. Denn jedem vernünftigen Beobachter habe sich die offensichtliche Irrationalität nicht nur des Ergebnisses dieser Wahl, sondern des Wahlkampfes selber aufgedrängt. Fest steht: Auch Europa scheint zunehmend der populistischen Versuchung zu erliegen, von Orbán und Kaczynski bis zu Le Pen und der AfD. Erleben wir also gerade auch so etwas wie eine politische Irrationalisierung des Westens? Teile der Linken plädieren ja bereits dafür, auf den rechten Populismus mit einem linken Populismus zu reagieren.

Quelle : Blätter >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Jürgen Habermas bei einer Diskussion in der Hochschule für Philosophie München

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Chapeau – Dunja Hayali

Erstellt von DL-Redaktion am 24. März 2017

Interview mit der „Jungen Freiheit“
Dunja Hayali spricht mit rechter Zeitung

2013-01-20-niedersachsenwahl-200.jpg

ZDF-Moderatorin Dunja Hayali hat in einem Interview mit der rechtskonservativen Wochenzeitung „Jungen Freiheit“ die Wichtigkeit eines offenen Dialogs ungeachtet politischer Positionen betont. In dem langen Beitrag mit dem Titel „Wir müssen reden!“ sagte sie, man solle auch einmal in den Schuhen des anderen wandeln und sich auch emotional für ihre Sicht öffnen. Die 42-Jährige ist sonst bekannt für ihren offensiven Kampf gegen rechte Hetze und Rassismus.

Die Meinungen gehen auseinander

Mit dem Gespräch mit der rechten Wochenzeitung sorgt Dunja Hayali für Aufregung in sozialen Netzwerken.

Facebook Auszug

Dunja Hayali

am Donnerstag

Wir müssen reden

Ja. Ich habe der „Jungen Freiheit“ ein Interview gegeben.

Ja. Ich weiß, dass sich dieses Blatt in unserer sehr vielfältigen Presselandschaft deutlich weiter „rechts“ eingeordnet hat.

Ja. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass miteinander reden besser ist als übereinander zu reden.

Nein. Ich mache mich nicht mit der politischen Tendenz dieser Zeitung gemein, wenn ich mit der JF spreche.

Nein. Ich habe nicht mit dieser Reaktionswelle gerechnet, zumal die Zeitung erst morgen erscheint.

Ja. Ich bin tatsächlich der Meinung, dass Ausgrenzung und Ignoranz zu Aggression und Gewalt führt.

Nein. Es überrascht mich nicht wirklich, dass die Prügel jetzt von allen Seiten kommen. Ich lasse mich nicht politisch vereinnahmen.

Und ja. Der Dialog mit der JF hat mich interessiert. Mit den Inhalten dieser Zeitung muss man sich stärker auseinandersetzen.

Das kann man alles daneben finden. Ihr gutes Recht. Meines ist, meiner Linie treu zu bleiben. Wer für den Dialog plädiert, muss eben auch an Grenzen gehen. Das ist meine Haltung.
Über Positionen kann man streiten – dazu wäre es hilfreich, das Interview auch zu lesen -, aber eine „Moralpolizei“ braucht kein Mensch.

Eines noch: oft wird den Rechten (und anderen) vorgeworfen, sie blieben in ihrer „Blase“. Dann geben sie einem die Möglichkeit, offen mit ihnen zu sprechen und diese wollte ich nach langem Überlegen nutzen.

dh

(Für alle, die sich für Inhalte interessieren und nicht für Haltungsnoten habe ich das Interview angehängt. Danke an die JF, die es für diesen Zweck vorab freigegeben hat.)

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Fotoquelle : Urheber Ralf Roletschek (talk) – Infos über Fahrräder auf fahrradmonteur.deEigenes Werk
  • CC BY 3.0
  • File:2013-01-20-niedersachsenwahl-200.jpg
  • Erstellt: 20. Januar 2013

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Was ist deutsch ?

Erstellt von DL-Redaktion am 23. März 2017

Wer ihr seid – und wer es euch sagt

Dank Mütze – Orden – Uniform, wird  selbst der kleinste Furz zum Sturm

von Micha Brumlik

Eine Identität, die nur noch als Nichtidentität möglich ist, Verfassungspatriotismus oder Gartenzwerg vorm Haus. Neue Antworten anlässlich der Buchmesse.

Befinden wir (bitte wer?) uns in einer Identitätskrise? Zweifel sind unangebracht: Handelt es sich doch um die politisch-kulturelle Frage dieses Frühjahrs. So stellt das Philosophie Magazin fest, dass sie „wieder da ist“: die Frage nach der Identität. So wirbt sogar eine Geografiezeitschrift mit dem Slogan „Mein Lebenslauf. Mein Ich“. Mehr noch: Kein Geringerer als der Bundesinnenminister, ein eher liberaler CDU-Politiker, gab ausweislich des Spiegels zu Protokoll: „Wir wissen nicht mehr genau“, so Thomas de Maizière, „wer wir sind und wer wir sein wollen“.

Andere drücken das härter aus: In ihrem neuen Programm fordert die AfD, dass in der Erinnerungskultur „die aktuelle Verengung auf die NS-Zeit“ zugunsten einer Geschichtsbetrachtung aufzubrechen sei, „die auch die positiv identitätsstiftenden Aspekte deutscher Geschichte umfasst“. Zuletzt fragte der Historiker Lorenz Jäger in einer Biografie über Walter Benjamin allen Ernstes: „In welchem Sinne war Benjamin deutsch, vom Bildungsgang und der Staatsangehörigkeit einmal abgesehen?“, um damit kundzutun, dass „deutsch zu sein“ mehr und anderes ist oder doch wenigstens sein soll.

All das in einem Land, das inzwischen den größten Anteil an Immigranten unter allen europäischen Staaten aufweist. Es geht, um einen zum Schlagwort verkommenen sozialwissenschaftlichen Begriff zu verwenden, um die „Identität“, bescheidener gesagt, um das Selbstverständnis der Deutschen, oder doch mindestens um das Selbstverständnis jenes überwiegenden Teils der hiesigen Wohnbevölkerung, die einen deutschen Pass hat.

Indes: Die Lebenserfahrung lehrt, dass, wer sich dem Zeitgeist anvermählt, schnell verwitwet ist. Ist also die Frage nach dem Wesen „Deutschlands“ lediglich eine solche Mode des Zeitgeistes? Oder hat sie wirklich gute Gründe? So äußerte der ehemalige Außenminister Fischer kürzlich in der ihm eigenen Art die Sorge, dass hierzulande bald wieder eine Debatte darüber entstehen könne, ob Deutschland überhaupt noch zum Westen gehöre.

File:150910-D-VO565-037 German honor guard members stand in formation at the Defense Ministry in Berlin 2015.JPG

So weit ist es gewiss noch nicht. Aber: Nach Donald Trumps Kritik an der Nato sowie der Ausrufung eines „postwestlichen“ Zeitalters durch den russischen Außenminister Lawrow wird gleichwohl wieder diskutiert, was genau denn nun „deutsch“ sei. Immerhin gelten 5 Prozent, also etwa 4 Millionen der hiesigen Bevölkerung als Muslime, unter ihnen etwa 3 Millionen türkischstämmige Bürger, die derzeit gebannt und zum Teil aggressiv auf den türkischen Wahlkampf blicken; von Schulklassen in großen Städten, wo der Anteil ethnisch deutscher Kinder von Jahr zu Jahr sinkt, gar nicht zu reden.

Weltbürgerlichkeit und Nationalismus

Die Frage selbst ist freilich so alt wie das deutschsprachige ­Bildungsbürgertum, also mindestens 250 Jahre. Drei Neuerscheinungen wollen dem Pu­blikum dabei helfen, eigene Antworten zu finden. So hat der Heidelberger Germanist Dieter Borchmeyer, ein Spezialist für Werk und Leben Richard Wagners und Thomas Manns, soeben ein tausendseitiges flüssig geschriebenes Buch unter dem Titel „Was ist deutsch? Die Suche einer Nation nach sich selbst“ vorgelegt – Summe eines Lebenswerks und Standortbestimmung in einem.

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle : Das Couleur der Bajuvaria Wien (Deckel, Band, Zipfe)

Oben — Charly1981Eigenes Werk

  • CC BY-SA 3.0
  • File:Couleur Bajuvaria Wien.JPG
  • Erstellt: 08.09.2008

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UntenDieses Werk ist in den Vereinigten Staaten gemeinfrei, da es von Mitarbeitern der US-amerikanischen Bundesregierung oder einem ihrer Organe in Ausübung ihrer dienstlichen Pflichten erstellt wurde und deshalb nach Titel 17, Kapitel 1, Sektion 105 des US Code ein Werk der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ist.

Quelle http://www.defense.gov/Media/Photo-Gallery?igphoto=2001289401
Urheber DoD photo by D. Myles Cullen

 

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»Schnaps und Frauen« :

Erstellt von DL-Redaktion am 23. März 2017

Dijsselbloem lästert über Südeuropäer

Rücktrittsforderungen an den Eurogruppenchef aus Italien und Portugal. Linkenabgeordnete Gabi Zimmer wirft Dijsselbloem Arroganz und Verachtung vor.

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem hat mit einer abfälligen Bemerkung in südeuropäischen Ländern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Der Niederländer hatte in einem Interview gesagt, dass sich in der sogenannten Eurokrise die nördlichen Staaten solidarisch mit den Krisenländern gezeigt hätten. »Als Sozialdemokrat halte ich Solidarität für äußerst wichtig. Aber wer sie einfordert, hat auch Pflichten. Ich kann nicht mein ganzes Geld für Schnaps und Frauen ausgeben und anschließend Sie um Ihre Unterstützung bitten«, sagte er der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. »Dieses Prinzip gilt auf persönlicher, lokaler, nationaler und eben auch auf europäischer Ebene.«

taliens ehemaliger Premierminister Matteo Renzi forderte den Rücktritt Dijsselbloems. »Leute wie Dijsselbloem (…) verdienen nicht die Rolle, die sie einnehmen«, schrieb er am Mittwoch auf Facebook. Je eher er zurücktrete, desto besser sei es. Die Bemerkung des 50-jährigen Eurogruppenchefs nannte er »dumm«. Spanische Politiker bezeichneten die Aussage als »rassistisch und machohaft«.

File:Jeroen Dijsselbloem op Prinsjesdag 2014.jpg

Jeroen Dijsselbloem

Der Fraktionsvorsitzende der Sozialisten im Europaparlament, der Italiener Gianni Pitella, nannte die Aussagen »beschämend« und »diskriminierend gegenüber den Ländern Südeuropas«. »Ich frage mich wirklich, ob eine Person mit dieser Überzeugung immer noch für fähig gehalten wird, das Amt des Eurogruppenchefs auszuüben.«

Auch die Europaabgeordnete Gabi Zimmer von Die LINKE forderte von Dijsselbloem den Rücktritt. Sollte er dies nicht freiwillig tun, läge es an den Sozialdemokraten, ihn zu ersetzen. Dijsselbloem habe nach seinen abwertenden sexistischen und fremdenfeindlichen Aussagen weder die »politische noch moralische Integrität, die Eurogruppe zu führen«, so Zimmer. Anstatt über die Wahlniederlage seiner sozialdemokratischen Partei bei den Wahlen in den Niederlanden nachzudenken, setze Dijsselbloem den arroganten und verachtenden Weg gegenüber den südlichen Mitgliedsstaaten der EU fort. »Das von stereotypen getränkte Bild vom faulen Südeuropäer, der von den reichen Ländern des Nordens gerettet werden muss, ist nicht nur falsch, sondern auch eine Beleidigung gegenüber den Millionen von Menschen, die unter den Konsequenzen der Austoritätspolitik leiden, für die er verantwortlich ist.«

Auch die Konservativen distanzieren sich von Dijsselbloems. Manfred Weber, Vizechef der CSU und Fraktionschef der Europäischen Volkspartei im Europaparlament, twitterte: »In der Eurozone geht es um Verantwortung, Solidarität aber auch um Respekt. Kein Platz für Stereotype.« Im Streit mit Griechenland zögerte die CSU allerdings nicht mit Pauschalurteilen.

Der portugiesische Außenminister Augusto Santos Silva, auch ein Sozialdemokrat, sagte am Dienstag in Washington, Dijsselbloems Äußerungen seien »vollkommen inakzeptabel«. Er sei nicht geeignet, »um Vorsitzender der Eurogruppe zu bleiben«.

Dijsselbloem weist die Empörung in südlichen EU-Staaten über seine Äußerungen in einem Zeitungsinterview zurück. Er habe allgemein über die Solidarität in der Eurozone gesprochen und nicht bestimmte Länder kritisiert, sagte ein Sprecher des niederländischen Finanzministers am Mittwoch in Den Haag.

Der 50-jährige Dijsselbloem ist ist 2013 Eurogruppen-Chef. Sein Mandat war im Juli 2015 um nochmals zweieinhalb Jahre verlängert worden und endet regulär am 1. Januar 2018. Nach der Wahlschlappe der Sozialdemokraten in den Niederlanden dürfte er nun aber seinen Posten als Finanzminister in den kommenden Wochen verlieren. Die Euro-Staaten sind uneins in der Frage, ob er dann bis zum Ende seiner Amtszeit noch Eurogruppenchef bleiben kann.

Dijsselbloem weigerte sich am Dienstag bei einer Anhörung im EU-Parlament, sich für den Schnaps- und Frauen-Vorwurf zu entschuldigen. »Nein, sicherlich nicht«, sagte er auf eine entsprechende Forderung eines EU-Abgeordneten. Agenturen/nd
Quelle : ND >>>>> weiterlesen

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Fotoquellen : Oben — Saint-Gilles-Les-Bains (Reunion): Strand von L’Hermitage

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Unten — Jeroen Dijsselbloem

Author Rijksoverheid/Bas Arps

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„Ich hasste Deutschland,

Erstellt von DL-Redaktion am 22. März 2017

– ich wäre zerbrochen“

Von Gunnar Meinhardt

Armin Hary war der erste Mensch, der die 100 Meter in 10,0 Sekunden lief. Doch zum deutschen Nationalhelden taugte der Rebell nicht. Im Gegenteil. Vom olympischen Gedanken hält er bis heute nichts.

Armin Erich Hary[1] (* 22. März 1937 in Quierschied) ist ein ehemaliger deutscher Leichtathlet. In seiner Laufbahn wurde er jeweils zweimal Olympiasieger und Europameister. Als erstem Sprinter gelang es ihm 1958, die 100 Meter in handgestoppten 10,0 s (auf der Aschenbahn) zu laufen. Hary ist damit der bislang letzte Deutsche als auch Europäer, der den 100-Meter-Weltrekord gehalten hat. 2011 wurde er in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.

Auszug : Wikipedia

Er wurde bewundert, vergöttert und missverstanden. Armin Hary war ein Rebell seiner Zeit, er selbst behauptet, ein revolutionärer Autodidakt gewesen zu sein, der deshalb ständig im Clinch mit den Funktionären lag. Auf jedem Fall rannte der junge Bursche aus dem Saarland zu seiner Zeit schneller als jeder andere. Als erster Mensch sprintete er 100 Meter in glatten zehn Sekunden. Und bis heute ist er der einzige deutsche Olympiasieger über diese Strecke. Am Mittwoch wird der im niederbayerischen Adlhausen lebende Ex-Weltrekordhalter 80 Jahre alt.

Die Welt: Herr Hary, wie schnell ist der einst „schnellste Mensch der Welt“ heute noch unterwegs?

Armin Hary: Ohne Hast und Eile. Leider kann ich kein Tennis und Golf mehr spielen. Deshalb gebe ich mich aber nicht auf. Wenn es das Wetter zulässt, fahre ich vier- bis fünfmal die Woche mit dem E-Bike bis zu 40 Kilometer übers Land. Wissen Sie, wofür ich meine Olympiasiege eintauschen würde?

Die Welt: Na?

Harry: Gegen meine Gesundheit und mein Alter. Ich habe nichts gegen das Altwerden, aber ich möchte gesund bleiben. Ich will 100 werden, das muss ich schaffen. Oder schaue ich etwa krank aus?

 Die Welt: Nein, Sie sehen blendend aus.

Harry: Es wird auch allerhöchste Zeit, dass Sie das sagen (lacht).

Die Welt: Probleme scheinen Sie keine mehr zu haben, ganz im Gegensatz zu Ihrer sportlichen Zeit.

Harry: Sie meinen die ständigen Auseinandersetzungen mit Funktionären, die mich nie machen ließen, wie ich es wollte?

Die Welt: Weshalb Sie 1959 wenige Monate nach Ihrem 100-Meter-Sieg bei den Europameisterschaften in Stockholm in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach Kalifornien verschwanden.

Harry: Ich hasste damals Deutschland, das kann sich keiner vorstellen. Weniger die Menschen, als vielmehr das Umfeld, in dem ich mich bewegen musste. In Deutschland wäre ich zerbrochen. Meine Idee, Olympiasieger zu werden oder einmal der schnellste Mann der Welt zu sein, hätten mir die Funktionäre kaputt gemacht. Ich habe mich gerne eingeordnet, konnte mich aber nicht unterordnen. Stramm zu stehen, war mir zuwider. Ich habe mich selbst trainiert und hatte damit Erfolg. Wenn ich nicht an den Olympiaausscheidungen für die gesamtdeutsche Mannschaft hätte teilnehmen müssen, wäre ich Anfang 1960 bestimmt nicht mehr zurückgekommen.

Die Welt: Sind Sie ein Sturkopf?

Quelle : Die Welt >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle :  Men 100 m final 1960 Olympics. Left-right Armin Hary, Peter Radford, Enrique Figuerola, Ray Norton, Frank Budd, Dave Sime

Autor : Unknownhttp://www.leolimpiadiditalia.it/hary—shavlakadze.html

  • Public Domain
  • File:Men 100m final 1960 Olympics.jpg
  • Created: 1 January 1960

 

„Die Leichtathletik prickelt nicht mehr“

Von  Ralf Jarkowski

Armin Hary feiert heute seinen 80. Geburtstag. Der „blonde Blitz“ vermisst echte Typen in seinem Sport.

Für den Fotografen holt der Mann mit den weißen Haaren sogar noch mal die 57 Jahre alten Gold-Spikes raus. Doch für die Leichtathletik hat Armin Hary inzwischen kaum noch etwas übrig. „Das ist nicht mehr mein Ding, weil ich keine Typen mehr sehe. Es prickelt nicht mehr“, sagt einstige Sonnyboy, der 1960 mit einem kuriosen 100-Meter-Weltrekord Sportgeschichte schreibt. Mit zwei olympischen Goldmedaillen krönt der Bergmannssohn aus Quierschied noch im gleichen Jahr in Rom seine kurze, aber spektakuläre Sportkarriere. Heute feiert Armin Hary im niederbayerischen Adlhausen seinen 80. Geburtstag.
Der „blonde Blitz“ lässt es mittlerweile ruhiger angehen, er spielt nicht mal mehr Golf, hat sich ein E-Bike zugelegt. Hary ist mit sich und der Welt im Reinen, er lebt in der Gegenwart, freut sich auf die Zukunft, die alten Sachen sollen im Keller bleiben. Nur bei den antiken Spikes, da hat er mal eine Ausnahme gemacht.

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Nouroz die iranische Seele

Erstellt von DL-Redaktion am 21. März 2017

Nouroz und die iranische Seele

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Teheran begrüßt das neue Jahr mit Goldfischen, Dattelkuchen und dem Buchstaben S

von Charlotte Wiedemann

Es gibt eine Art von Aufregung, die Kinder befällt, wenn sie sich in einer Konsumwelt befinden, die ihnen üblicherweise fern und fremd ist. An den erregten Kindern bemerkte ich sie zuerst, die Armut. Sie betritt in den Tagen vor Nouruz die Straßen, Plätze und Einkaufspassagen Irans und zeigt sich in ihrem ganzen Ausmaß.

Womöglich sind es jene zehn Millionen, von denen Experten sagen, sie hätten nur das Allernötigste, zehn Millionen von achtzig Millionen Iranern. Arm zu sein ist eine Schande, deshalb verbirgt sich die Armut an den meisten Tagen des Jahres, zieht sich ins Innere der Häuser zurück. Vor Nouruz aber geht sie aus.

Wörtlich bedeutet Nouruz der neue Tag, gemeint ist seit Menschengedenken das neue Jahr, das Leben, das Licht, der Frühling. Daran teilzuhaben, kann auch Armut nicht hindern.

In Teheran bekamen Bedürftige als Gegenleistung für das Einsammeln von Müll Nouruz-Gratifikationen, Kaufgutscheine. In Yazd, am Rande der Wüste gelegen, fielen mir die vielen ländlich gekleideten Gestalten auf, denen große Mengen billiges Zeug angeboten wurde, auf Wühltischen oder gleich in Haufen auf dem Trottoir: Socken, Badelatschen, Plastikgürtel. Es ist Sitte, sich neu einzukleiden für das neue Jahr, und offenkundig sollte für jeden zumindest ein Plastikgürtel dabei sein.

Nun in Schiras: Die Bürgersteige der Lotf-Ali-Khan-Zand-Straße sind so voll, dass es unmöglich ist, gegen den Strom der Fußgänger zu gehen. Fliegende Händler besetzen im Getümmel jede für Momente freie Nische, manche stehen auf Plastikhockern, um ihr Angebot über die Köpfe der Menge zu rufen. Jeans, preiswert wie nie. Letzte Gelegenheit zum Kauf von Goldfischen; sie schwimmen wie tot in winzigen Tütchen. Grellgrünes Plastikgras, Prosperität verheißend.

Das Püppchen namens „Sara“, mit dem die Islamische Republik Barbie den Kampf angesagt hat, trägt zu Nouruz ein knallbuntes Folklorekostüm, natürlich langärmelig und mit einem winzigen Tüllhidschab am Hinterkopf. Damit konkurriert eine leichtbekleidete Version, vermutlich chinesischer Fabrikation: Groß wie ein zweijähriges Kind steht sie auf dem nächtlichen Straßenpflaster, im dekolletierten Abendkleid, neongrün. Ein Mädchen, bis zum Kopftuch in Schwarz, hockt sich in einem von den Eltern unbeobachteten Moment vor die Puppe, umarmt den schlanken Körper, streichelt die blonden Haare, zupft an den Brüsten.

An Straßenecken, wo einst an solchen Tagen Gaukler und Märchenerzähler standen, führt das iranische Prekariat aus der Not geborene Kunstfertigkeiten vor; sie dienen natürlich dem Verkauf von Utensilien. Etwa die Schnellsticknadel: Ein Mann, dessen Finger von einer Batterie betrieben scheinen, produziert in rasender Geschwindigkeit ein frotteeweiches Rosenbild.

Das aufziehende Jahr ist 1395; ich kaufe es mir als vier glitzernde Zahlen auf künstlichen Erdbeeren; bei näherem Hinsehen haben sie einen Docht, es sind Kerzen. Während meine falschen Erdbeeren also das Jahr 1395 ankündigen, befindet sich die übrige islamische Welt längst im Jahr 1437 – die Iraner halten mit ihrem Kalender nicht nur Abstand vom Westen, sondern auch von den übrigen Muslimen.

Die Erklärung dafür findet sich in dem Wort „Sonnen-Hidschra“. Die Iraner zählen die Jahre ab der Hidschra, dem Auszug des Propheten Mohammed aus Mekka nach Medina im Jahr 622 n. Chr. Doch das iranische Jahr beruht wie das unsrige auf dem Lauf der Erde um die Sonne, während andere Muslime das Mondjahr zugrunde legen – und das beträgt nur 355 Tage. Die kleine Differenz hat sich über die Jahrhunderte summiert.

Um gleichwohl im Rhythmus der Umma, der muslimischen Weltgemeinde, zu bleiben, richten sich die religiösen Feiertage in Iran wie anderswo nach dem Mondkalender. Sie schieben sich deshalb, wie wir es vom Ramadan kennen, im Schritt von zehn oder elf Tagen rückwärts durch das Sonnenjahr.

***

Iraner sein ist eine komplexe Angelegenheit. Diesmal ragen die schiitischen Trauertage für Fatemeh, die Tochter des Propheten, in den Vor-Nouruz-Trubel hinein; eine eigentümliche Kol­li­sion von ritueller Entschleunigung und kommerzieller Ekstase. Für die Umzüge von Männern, die mit Lehmflecken auf schwarzen Hemden ihre Trauer um die Verstorbene bekunden, werden Straßen gesperrt. Manche Passanten bleiben stehen und klopfen sich zum Zeichen der Anteilnahme rhythmisch auf die Brust, während andere mit Einkaufstüten ruppig durch die Menge drängeln.

Obwohl mir Iran keineswegs neu ist, habe ich unterschätzt, mit welcher Wucht sich Nouruz über das Land legt – ein vorislamisches Fest in einer islamischen Republik. Sogar Redaktionen staatsnaher Organe verkünden mit einem Abschiedsbild, sie gingen jetzt zwei Wochen in Ferien. Und der Kaufrausch übertrifft bei weitem, was ich aus der Vor-Ramadan-Zeit sunnitischer Länder kenne. Auch zum Ramadan kleidet man sich neu ein; Regeln einer Epoche, in der Garderobe noch nicht aus Sweatshops kam. Wenn es aber stimmt, dass sich an Nouruz die iranische Seele zeigt (und davon sind Iraner überzeugt), dann füllt der Konsum eine ihrer Kammern.

***

In den Gärten von Schiras lassen sich Paare in historischen Kostümen vor Palästen und Wasserfontänen fotografieren. Eine Szene im Schapuri-Garten halte ich im ersten Moment für eine Filmaufnahme: Eine Assistentin zeigt zwei jungen Leuten, wie sie sich im Licht eines Scheinwerfers auf einer Bank neben einem Grammofon platzieren sollen, im Hintergrund die weißen Säulen des Herrenhauses. Die Frau, die ich für eine Schauspielerin hielt, ist heftig geschminkt und gibt vor, auf einem Zupfinstrument zu spielen; ihr Partner trägt einen Seidenkaftan und versucht sich an einem Gesichtsausdruck, der zu seiner historischen Samtkappe passt. „Bitte nicht zu eng sitzen!“, mahnt die Assistentin. Diese Anweisung hat nichts mit der Gegenwart der Islamischen Republik zu tun, sondern mit originalgetreuer Schicklichkeit des 19. Jahrhunderts.

Als das Shooting vorbei ist, nimmt der Mann im Seidenkaftan erleichtert die Kappe vom Kopf, und die beiden fassen sich zärtlich an den Händen. In einem provisorisch aufgebauten Digitalstudio werden die Fotos an Ort und Stelle auf dem Bildschirm begutachtet und nach den Wünschen der Kunden retuschiert.

Fotosessions auch in anderen Parks, etwa dem Afif-Abad-Garten, der sich im Besitz des Militärs befindet und hinter dem Eingang gleich mit Kanonen aufwartet. Unter den geschmeichelten Blicken ihrer Eltern posieren kostümierte Schuljungen mit Schwertern und Schießeisen, die man an Kiosken ausleihen kann. Im Teehaus des Parks werden auf Fliesen mythische Helden dargestellt, und ein Gast mit üppigem Vollbart erklärt mir, er trage einen Dariusbart. Unter Da­rius I. hatte das Persische Reich seine größte Ausdehnung, von Ägypten bis Indien.

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Quelle : Le Monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle : Autor — Arad MojtahediModified version of: Image:Naghshe Jahan Square Isfahan.jpg

  • CC BY-SA 3.0view terms
  • File:Naghshe Jahan Square Isfahan modified2.jpg
  •  Naghsh-i Jahan Square, Isfahan, Iran (Edited version)

 

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Saar-Wahlen – abwarten?

Erstellt von DL-Redaktion am 18. März 2017

Warten auf Urteil zu NS-Orden-Verkauf

Hier ein Orden der heutigen Macht !
Eine Auszeichnung für angepasstes Spießertum ?

Von  Dietmar Klostermann

Eine Beschwerde gegen den NS-Orden-Verkauf ist zwischen dem höchsten Saar-Gericht und dem Justizministerium hin- und hergewandert.

Die Verfassungsbeschwerde eines jüdischen Mitbürgers gegen die Verbreitung von Hakenkreuz-Orden auf einem Saarlouiser Flohmarkt zieht sich hin. Wie die Sprecherin des Verfassungsgerichtshofs (VGH), Christiane Schmitt, jetzt der Saarbrücker Zeitung auf Anfrage mitteilte, werde der VGH nicht mehr vor der Landtagswahl über die Verfassungsbeschwerde entscheiden. Das höchste Saar-Gericht hatte das Justizministerium in dieser Sache bereits im Januar um eine Stellungnahme gebeten (die SZ berichtete). „Das Justizministerium hat keine Stellungnahme abgegeben“, sagte Schmitt, die auch Vorsitzende Richterin am Landgericht ist.

In der Zwischenzeit hatte Justiz-Minister Reinhold Jost (SPD) eine Bundesratsinitiative mit dem Ziel, den Handel mit NS-Orden besser strafrechtlich verfolgen zu können, auf den Weg gebracht. Die Verfassungsbeschwerde vor dem VGH geht in die gleiche Richtung. Auf die SZ-Frage, warum Justizminister Jost vor diesem Hintergrund nicht die Chance wahrgenommen habe, sich gegenüber dem VGH in dieser Sache klar zu positionieren, sagte die Ministerialrätin im Justizministerium Eva Süßdorf: „Zu solchen Verfahren wird grundsätzlich nicht von unserem Hause Stellung genommen.“ Süßdorf erklärte weiter, dass es im Falle einer Stellungnahme seitens des Justizministeriums sonst zu einer „inzidenten (zufälligen, d. Red.) Beeinflussung der richterlichen Entscheidung“ kommen könne.

Quelle : Saarbrücker – Zeitung >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Flophila88Eigenes Werk

  • CC BY-SA 3.0
  • File:Gr Verdienstkreuz BVK.jpg
  • Erstellt: 3. September 2010
  •  Großes Verdienstkreuz

 

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Was darf der AStA?

Erstellt von DL-Redaktion am 8. März 2017

Es ist ungeklärt…..

Ein Rechtsstreit an der Universität Frankfurt zeigt: Es ist ungeklärt, wie politisch sich Studierendenvertretungen äußern und engagieren dürfen

von Astrid Ehrenhauser

Pragmatisch klingt es, was Bodo Steffen zu dem Urteil sagt: „Man kann sich darüber freuen, weil man hat ja nicht verloren.“ Gewünscht hätte sich der Pressereferent des AStA Hannover jedoch ein klares politisches Zeichen in dem Gerichtsstreit zwischen dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Uni Frankfurt und einem „Pick-up-Artist“.

Dieser sorgt seit über einem Jahr deutschlandweit für Aufmerksamkeit (siehe Kasten). Unter anderem der AStA Hannover hatte sich mit den Frankfurtern solidarisiert, denn der Streit hat Relevanz. Betrifft er auch die brisante Trennung von allgemein- und hochschulpolitischem Mandat der ASten. Diese können sich nämlich als gewählte Studierendenvertretungen und Körperschaften öffentlichen Rechts nicht zu allen allgemeinpolitischen Themen äußern. So ist es in den jeweiligen Hochschulgesetzen der Länder geregelt.

Wann genau politisches Engagement jedoch zu weit geht, ist nicht immer klar. Obwohl der rein formale Sieg vor dem Landgericht Frankfurt diese Frage ausklammert, zieht Valentin Fuchs, Vorstand des AStA Frankfurt, dennoch „politischen Aufwind“ aus dem Urteil: „Wir sind erleichtert. Das ist Rückenwind für studentische Plattformen.“

Im Kern ging es dem AStA dar­um, sein hochschulpolitisches Mandat nicht beschneiden zu lassen und ein klares Zeichen gegen Sexismus zu setzen. Das Oberlandesgericht hatte dem AStA und dessen Zeitung in seiner Urteilsbegründung vor einem Jahr das Recht abgesprochen, sich zu dem allgemeinpolitischen Thema „Pick-up-Artists“ zu äußern – also zu Männern, die damit prahlen, Frauen notfalls mit Gewalt ins Bett zu kriegen. In letzter Konsequenz fiel das Urteil jedoch deshalb zugunsten des Klägers aus, weil dieser unzulässig identifizierbar gemacht worden sei, so die Begründung.

Wann aber überschreiten ASten ihr politisches Mandat? Grundsätzlich haben sie die Aufgabe, die Interessen der Student*innen zu vertreten, die von der Wohnungssuche bis zur Rechtsberatung reichen. Große politische Erfolge konnten ASten zuletzt etwa bei Semestertickets und der Abschaffung von Studiengebühren verbuchen. In Baden-Württemberg setzten sich die ASten aktuell gegen die geplante Wiedereinführung der Studiengebühren ein. Und das ist auch juristisch völlig unstrittig. Auch dass ASten sich klar politisch äußern, wenn sie Antirassismus- oder LGBTI-Referate an ihrer Hochschule aufbauen.

Aufruf zur Pegida-Gegen­demo überschreitet Grenze

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle:   ChrklEigenes Werk

 

  • CC BY-SA 3.0
  • File:UdS GebA5 2.jpg
  • Erstellt: 27. September 2016
  • Sitz des AStA an der Universität des Saarlandes

 

 

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Holt ihn raus

Erstellt von DL-Redaktion am 25. Februar 2017

Deniz Yücel ist so etwas wie die personifizierte Pressefreiheit. Gerade seine Grenzgänge sind es, die unserem Beruf erst Sinn geben

File:Deniz Yücel.jpg

von : Christian Füller

Eine ziemliche Krawallschachtel ist Deniz Yücel. Der Welt-Journalist brachte es fertig, den Papst in einem kurzen Kommentar gefühlte 1.000-mal unflätig zu beschimpfen; wie er mit Thilo Sarrazin umgesprungen ist, war ebenfalls nicht zimperlich, manche sagen sogar: menschenverachtend. Jürgen Trittin hat ihn wegen seiner provokanten Texte als „Schweinejournalisten“ geschmäht – und ihn damit auch geadelt.

Nun sitzt Yücel, der seit einiger Zeit in der Türkei als Korrespondent arbeitet, dort in Polizeigewahrsam. Ohne Anklage. Die Staatsanwaltschaft hat gerade mitgeteilt, dass sie ihn weitere sieben Tage festhalten will. Erneut ohne Anklage. Das ist Mittelalter. Yücel muss raus aus der türkischen Zelle. Sofort. Aus menschlichen Gründen – und aus politischen.

Deniz Yücel ist so etwas wie die personifizierte Pressefreiheit. Gerade seine Grenzgänge sind es, die unserem Beruf erst Sinn geben. Die besonderen Rechte und der Schutz für Journalisten sind für mutige, manchmal durchgeknallte Kollegen wie Deniz Yücel gemacht. Pressemitteilungen nachplappern kann jeder, Tweets schicken auch. Politik mutig und respektlos zu begleiten und so zuzuspitzen, dass einem beim Lesen der Kopf schmerzt, dazu braucht es Kollegen wie Deniz Yücel. Und übrigens auch Menschen wie ihn. Ich kenne wenige, bei denen Person und Profession so in eins fallen.

Quelle : Freitag >>>>> weiterlesen

Mach’s gut, taz!

Die taz ist das, was ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter daraus machen. Für mich war die taz ein großer Spielplatz mit allem, was dazugehört.

Es ist ein Vierteljahrhundert her, dass ich bei der Main-Spitze, dem Rüsselsheimer Lokalteil der Mainzer Allgemeinen, ein Praktikum in einer Redaktion absolvierte. Als ich dem betreuenden Redakteur F. meinen ersten Artikel vorlegte – es ging um die Lesung einer Kinderbuchautorin –, wollte er wissen, warum ich Journalist werden wolle. „Ich will die Leute informieren“, antwortete ich, „ich will über Missstände aufklären, die Welt verändern“ – was man mit 16 halt so sagt, wenn man 16 ist und glauben darf, die Lösung für die großen Fragen der Menschheit gefunden zu haben.

F. antwortete: „90 Prozent aller Journalisten sind Journalisten geworden, weil sie es toll finden, ihren Namen in der Zeitung zu lesen. Das ist in Ordnung, man sollte sich nur dessen bewusst sein. Darum beginnst du jeden Text damit, indem du deinen Namen aufschreibst.“

Gleich nach den W-Fragen war dies meine zweite Lektion in Sachen Journalismus. Ich war so verblüfft, dass ich vergaß nachzufragen, was mit den übrigen zehn Prozent los ist. Heute hätte ich eine Vermutung. Und ich wüsste, dass es verschiedene Formen der journalistischen Eitelkeit gibt. Aber lassen wir das, denn zu dieser Minderheit gehöre ich ohnehin nicht.

F. hatte mich dazu aufgefordert, über das eigene Tun nachzudenken. Aber er war kein Zyniker und hatte nichts dagegen, das Schreiben in den Dienst des Guten, Schönen und Wahren zu stellen. Das ist nämlich das Wunderbare an diesem Beruf: Weil man dabei helfen kann, die Dinge zu ordnen und zu verstehen. Weil man immer wieder in fremde Welten eintauchen und seine Leser dorthin mitführen kann. Weil man Dinge formulieren kann, über die andere Menschen sagen: „Sie haben meine Gedanken auf den Punkt gebracht.“ Oder gar: „Sie haben Worte für meine Gefühle gefunden.“ Nicht, weil man mit einem Artikel die Welt verändern könnte – das passiert nur in höchst seltenen Fällen. Aber dazu beizutragen, dass sich die Leserinnen und Leser hinterher etwas schlauer fühlen, ist schon viel wert. Und ihnen durch einen Text oder eine Zeile ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern nicht weniger. Noch ein Privileg genießt man als Journalist: Man kann, wie es Stefan Ripplinger einmal formulierte, nach Herzenslust scheiße finden und besser wissen.

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle :

Description Deniz Yücel
Date
Source Deniz Yücel
Author blu-news.org
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CSU und SPD halten ihr Niveau

Erstellt von DL-Redaktion am 24. Februar 2017

Haderthauers Modellbauer

will raus aus der Psychiatrie

Amigofrei – Dieses Versprechen haben auch DIE Linken nicht gehalten

100 %  antisozial – dafür brauchten sie sich nicht anstren

  • Roland S. ist einer der wichtigsten Zeugen in der Modellbau-Affäre um die frühere Staatskanzleichefin Christine Haderthauer und ihren Ehemann.
  • Weil er drei Menschen getötet hat, ist er seit fast 30 Jahren in der forensischen Psychiatrie untergebracht.
  • Nun hat sein Anwalt eine Verfassungsbeschwerde eingereicht, die Grundrechte seines Mandanten würden durch die Unterbringung in der Psychatrie verletzt.

Von Dietrich Mittler

Der psychisch kranke Straftäter Roland S. – einer der tragenden Zeugen in der sogenannten Modellbau-Affäre um die frühere Staatskanzleichefin Christine Haderthauer und ihren Ehemann Hubert – will nach fast 30 Jahren Unterbringung in der forensischen Psychiatrie den Kampf um seine Freilassung aufnehmen.

Sein Münchner Anwalt Adam Ahmed hat zu diesem Zweck eine Verfassungsbeschwerde eingereicht. In einem Schreiben an das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe beantragte der Anwalt wörtlich: „Die Unterbringung wird für erledigt erklärt.“

Ahmed begründet seine Forderung im Wesentlichen damit, dass durch zwei Gerichtsbeschlüsse aus dem Jahr 2016, mit denen für Roland S. „der weitere Vollzug der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet“ wurde, die Grundrechte seines Mandanten „unmittelbar und gegenwärtig“ verletzt worden seien.

Die Gerichte in Ansbach und Nürnberg hätten nicht „dem verfassungsrechtlichen Gebot bestmöglicher Sachaufklärung“ entsprochen. Ihren Beschlüssen in der Sache Roland S. fehle schlicht die „Begründungstiefe“ bezüglich einer ganz entscheidenden Frage: Geht von S. immer noch die „Gefahr künftiger Straftaten“ aus. Ahmed will beim Studium der Akten mehrere Hinweise darauf gefunden haben, dass dies nicht der Fall ist.

Quelle : Süddeutsche – Zeitung >>>>> weiterlesen

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Weiter lesen über den Filz in Bayern – Es geht um das Erbe in Höhe von 300 Millionen des Franz -Josef Strauß, die Lichtfigur der CSU. Wir berichteten

Buch über bayerische Korruption

mehr auch  in der FAZ

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Fotoquelle:  Die Linke Bayern / Creative Commons Lizens CC BY 2.0.

eigene Fotomontage DL

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Das Amulett

Erstellt von DL-Redaktion am 21. Februar 2017

Erinnerung  an das Vernichtungslager Sobidór

Datei:Wikipedia-sobibor-1-2.jpg

Dort, wo das Vernichtungslager Sobibór stand, in dem die Nazis bis zu 250.000 Menschen ermordeten, wurde ein Anhänger im Erdboden gefunden. Unser Autor hat die Geschichte der jungen Frau recherchiert, der er gehörte: Karoline Cohn.

Autor : Klaus Hillenbrand

er Anhänger ist dreieckig, die Kanten sind 2,5 Zentimeter lang. Oben ist ein Ring eingefasst, mit dem er an einer Kette befestigt werden kann. Auf der Vorderseite trägt das aus Silber gefertigte Amulett das Datum „3. Juli 1929“ und die Ortsbezeichnung „Frankfurt a. M.“. Darüber steht in hebräischer Schrift „Mazal tov“, „viel Glück“. Auf der Rückseite finden sich der hebräische Buchstabe „He“, der für den Namen Gottes steht, und drei Davidsterne.

Das Amulett ist alles, was von einem Menschen übrig geblieben ist.

Eine verlassene Gegend im Dreiländereck von Polen, der Ukrai­ne und Weißrussland. Nahe eines Bahnhofs mit verrosteten Schienen breiten sich schlanke Pinien aus, die erst in den 1940er Jahren gepflanzt wurden, um ein Menschheitsverbrechen zu verbergen. Nichts sollte kenntlich bleiben vom Vernichtungslager Sobibór im von den Deutschen besetzten Polen, in dem die Nazis zwischen Mai 1942 und Oktober 1943 bis zu 250.000 Juden ermordeten. Das Lager wurde aufgelassen, die Baracken wurden abgerissen, die Toten verbrannt.

Hier hat der Archäologe Yoram Haimi Hinterlassenschaften von Ermordeten gefunden. Seit zehn Jahren gräbt der Is­rae­li zusammen mit polnischen Kollegen an der früheren Mordstätte, deren Topografie lange unbekannt geblieben war; unterstützt wird er von der Jerusalemer Gedenkstätte Jad Vaschem. Er fühle sich wie ein Kriminalist in einem forensischen Labor, sagt der 55-Jährige. Sie haben die Fundamente der Gaskammern entdeckt und konnten die Lage der hölzernen Baracken bestimmen. Sie fanden eine Halskette mit Davidstern, eine Damenarmbanduhr, Brillen, Kämme, Löffel und Gabeln, weiteren Schmuck – mehr als 3.000 solcher Gegenstände.

Sobibór extermination camp (05).JPG

Haimi ist in Sobibór auch mit seiner eigenen Familiengeschichte konfrontiert: „Zwei meiner Onkel sind im März 1943 von Paris nach Sobibór deportiert und dort ermordet worden“, sagt er. Wie er das aushält? „Ich versuche den Job und die Familie zu trennen. Aber manchmal geht das nicht. Dann muss ich eine Pause machen.“

Im Oktober 2016 graben Hai­mi und seine Kollegen an der Stelle, an der die Baracke stand, wo sich die weiblichen Opfer ausziehen mussten und ihnen die Haare geschoren wurden, bevor sie im Laufschritt in die Gaskammern getrieben wurden. „Himmelfahrtsstraße“ nannten die Täter diesen 150 Meter langen Weg. Hier entdeckt ein polnischer Arbeiter das Amulett. Experten von Jad Vaschem vermuten, dass es zwischen die Dielenbretter der Baracke gefallen ist und im Erdboden verschwand, 1942 oder 1943.

Das Amulett verrät, auf welche jüdische Schule Karoline ging. Lassen sich noch Mitschüler finden?

Wem aber hat es gehört ?

Am 15. Januar 2017 macht Jad Vaschem auf den Fund des Amuletts aufmerksam. Die Meldung findet weltweit Beachtung. Die Gedenkstätte bittet Verwandte der früheren Besitzerin, sich zu melden. Am selben Tag beginnt unsere Suche in Archiven, Museen und Gedenkstätten, unter Judaica-Experten und Historikern. Sie führt von Frankfurt nach Sobibór, im Zickzackkurs um einen Lebensweg herum, sie bleibt in Sackgassen hängen und findet neue Wege. Sie bleibt unvollständig, zeigt aber, dass Geschichte auch nach dem Tod der letzten Zeitzeugen erzählbar bleiben wird.

War Karoline Cohn mit Anne Frank verwandt?

33 Jahre nach Kriegsende, mit Datum vom 6. April 1978, füllt eine Sophie Rollmann aus Zürich ein Formblatt von Jad Vaschem aus. Handschriftlich zeigt sie den Tod von Karoline Cohn an, geboren am 3. Juli 1929 in Frankfurt am Main. Karoline Cohn sei am 11. November 1941 von Frankfurt nach Minsk in Weißrussland deportiert und 1945 für tot erklärt worden. Als Verwandtschaftsgrad gibt Rollmann „Cousine 2. Grades“ an. Das Gedenkbuch des deutschen Bundesarchivs bestätigt, dass Karoline das einzige an diesem Tag geborene jüdisches Kind in Frankfurt ist.

Sie muss die Besitzerin des Amuletts gewesen sein, sind sich die Experten von Jad Vaschem sicher. Auf niemanden sonst passen die Angaben auf dem Anhänger. Doch Sophie Roll­mann ist 1985 verstorben, über Verwandte nichts bekannt.

Heute, in der Zeit, in der die letzten Überlebenden der Schoah hoch betagt sterben und bald niemand mehr da sein wird, der die Geschichte aus erster Hand erzählen kann, sind die Dokumente des Massenmords sorgfältig in Archiven verwahrt. Und sie werden auch noch gelesen werden können, wenn selbst die Enkel der Zeitzeugen verstorben sind. Was erzählen sie über Karoline Cohn?

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquellen :

Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

Oben :

Urheber Jacques Lahitte  Eigenes Werk
Bilderwerkstatt icon.svg Fotowerkstatt

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Unten : Sobibór german extermination camp

Autor : Azymut (Rafał M. Socha)Eigenes Werk

 

  • CC-BY-SA 4.0
  • File:Sobibór extermination camp (05).JPG
  • Erstellt: 2. Mai 2014

 

 

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Die GroKo-Berlinale

Erstellt von DL-Redaktion am 21. Februar 2017

File:Berlinale2007.jpg

Das Private im Weg des Gesellschaftlichen

Autor Uli Gellermann

Die Berlinale gilt landauf landab als politisches Festival. Und zuweilen lösen ihre Filme auch diesen Ruf ein. Vor allem aber klangen die Eröffnungs-Reden der Kulturstaatsministerin Monika Grütters immer so, als wäre die Politik auf dem Filmfest echt zuhause. Als vor Jahren der iranische Filmemacher Jafar Panahi vom Regime gehindert wurde an der Wettbewerbsjury teilzunehmen, organisierte das Festival eine Welle der Solidarität. Zwar gaben sich die öffentlichen Trump-Verächter auf der Bühne der Berlinale in diesem Jahr die Klinken offener Türen in die Hand, aber zur Diktatur in der Türkei kein Wort. Obwohl die bedrängte türkische Filmemacherin Damla Yıldırım in Deutschland um Asyl nachsuchen musste, ihr Team wurde verhaftet, und die Schriftstellerin Aslı Erdoğan vom gleichnamigen Diktator mit lebenslanger Haft bedroht wird. Politisch? Ja, aber nur wenn es längs der Politik der Großen Koalition möglich ist.

Doch den Finnen sei Dank, es gibt immer noch Aki Kausrismäki, und der schenkte dem Festival den Film „Die andere Seite der Hoffnung“, eine Arbeit über Solidarität und das Lachen des Lakonischen. Niemand macht knappere Scherze als Kaurismäki, kaum jemand führt die Kamera überraschender als er, keiner kann von der Zärtlichkeit des Miteinander rauer erzählen als der große Filmemacher aus Finnland. Während der Pressekonferenz wurde der Regisseur gefragt, was er denn von der Islamisierung Europas hielte und er verstand glücklich miss: „Island war ganz gut in Fußball, aber darum müssen wir doch nicht die Islandisierung Europas fürchten.“ Kausrismäkis großartigen Film über einen syrischen Flüchtling und einen finnischen Gastwirt muss man sehen: Sonst glaubt man ihn nicht.

Wie in Deutschland gesellschaftliche Analyse à la mode gefertigt wird, demonstrierte Thomas Arslan mit seinem Film „Helle Nächte“: Vater und Sohn verstehen sich nicht, hoppla, privat – versteht sich. Die Gesellschaft mit ihrer Arbeitslosigkeit, ihren Auslandseinsätzen und ihren amtlich produzierten Fake-News blieb schön außen vor. Ein ästhetischer und gesellschaftlicher Höhepunkt war offenkundig ein minutenlanger Kamerablick aus einem fahrenden Auto auf eine Landschaft im Nebel. Welch eine radikale Aussage: Deutschlands Zukunft im Nebel! Arslans Vater und Sohn haben noch nie von Iwan Turgenjew gehört, der schrieb einstens „Väter und Söhne“ als Absage an die Leibeigenschaft. Und wenn sie doch vom großen russischen Schriftsteller gehört haben sollten, dann halten sie ihn sicher für einen Putin-Versteher.

Der Österreicher als solcher ist schon lustig weil er ist wie er ist. Wenn er dann noch von Josef Hader inszeniert und gespielt wird und sein Film „Wilde Maus“ heißt, dann ist der Gipfel allen Humors erreicht. Endgültig. Zugegeben, wenn Hader nackt im Schnee sitzt und ohne Erfolg versucht sich umzubringen, dann hat das was. Aber als heitere Folie für eine Arbeitslosigkeit auf hohem Einkommens-Niveau ist das alles dann doch zu witzig.

Lachen und Weinen macht der polnische Film „Pokot (Fährte)“ von Agnieszka Holland, die einen ziemlich gnadenlosen Blick auf das aktuelle Polen wirft: Korrupt, katholisch und chaotisch. So konsequent und fröhlich wurde schon lange nicht mehr gemordet, und unerbittlicher hat sicher noch niemand die polnische Staatskirche in eine Jagdgesellschaft umgewandelt. Wenn das Happy End des Films in einer fröhlichen ménage à trois mündet, dann wird der König von Polen, Jarosław Kaczyński, das eher für ein unglückliches Ende halten. Dem gewöhnlichen Kino-Gucker ist es eher eine happy punchline.

Als wäre Repression ein Beschleuniger von Kreativität, steuert Ungarn, neben der vorzüglichen historischen Beobachtung über das Jahr 1945, einen weiteren Film über die Haltung in feindlicher Umwelt bei: „On Body and Soul“ von Ildikó Enyedi, in einem Schlachthof gedreht, ist verrätselt, manchmal mystisch und lässt doch das Eigentümliche als Teil und Bedingung für das Gewöhnliche erblicken.

Kein Film, ein Kammerspiel ist der britische Berlinale-Beitrag „The Party“ der Regisseurin Sally Potter. Aber ein böses, ein brillant-witziges Kammerspiel. Erzählt wird die Wahrheit über den Politik-Betrieb der westlichen Wertegemeinschaft. Erzählt wird auch, wie die Eliten neben der Karriere eher den Kampf für die freie In-vitro-Schwangerschaft freier Lesben betreiben, als dass sie sich sonderlich um die ungebildeten, arbeitslosen Opfer der westlichen Freiheit scheren würden. Und wer die Erholung des Bruno Ganz vom untergegangen Schnarren des Führers erleben will, der wird ihn in „The Party“ als verblödeten Esoteriker genießen dürfen bis das Zwerchfell erbebt.

Es gab am Rand des Festivals einen türkischen Film, der vom Festival-Apparat gern als Antwort auf die Erdogan-Diktatur ausgegeben wurde: „Kaygi (Inflame) von Ceylan Özgün Özçelik, schon vor fünf Jahren begonnen, soll in diesen Tage angeblich eine heimliche Anti-Erdogan-Fantasie entflammen, die der Film weder beabsichtigt noch bebildert. Zwar wird die Protagonistin, die bei einem türkischen Nachrichtensender arbeitet, gemobbt, aber alles bleibt im Rahmen des schicklich-privaten: Kein Staat, keine Diktatur nirgends.

Gegen Ende fiel dem Berlinale-Direktor dann doch ein, dass in der Türkei ein (1) Mensch inhaftiert sei: Dem WELT-Korrespondeten Deniz Yücel widmete er den müden Gruß „Wir hoffen, das Du bald wieder freigelassen wirst“. Der Name Erdogan kam nicht vor, auch nicht das Wort Diktatur. – Ein Gespenst geht um – zitierte Dieter Kosslick in seiner Vorrede zur Berlinale kokett das kommunistische Manifest. Es ist das Gespenst des puren Privaten, das dem Gesellschaftlichen den Weg versperrt. Aber das meinte Kosslik nicht. Zu konsequent bleibt die Berlinale den großen Themen fern, selbst wenn einzelne Filmemacher mutig gegensteuern. Vom politischen Rahmen der Berlinale werden sie keineswegs ermuntert.

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Fotoquelle: Autor : The Berlinale Palast during the Berlin Film Festival in 2007

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Author Maharepa

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Vergewaltigte Nachricht

Erstellt von DL-Redaktion am 20. Februar 2017

Graphic on Fake News by VOA.jpg

Minderjährige! Gerüchte! E-Mails! Russen!

Autor : Uli Gellermann

Eine E-Mail beherrschte den Auftakt der Münchner Sicherheitheitskonferenz. Eine E-Mail aus dem Osten. Es erzitterte die versammelte NATO-Generalität, furchtsam duckten sich die Verteidigungsminister, es klapperten die Zähne der Rüstungsindustrie-Vertreter. Vor allem aber nahmen die Angst-Verstärker in den Medien sofort den Kampf auf: Die westliche Welt erbebte in ihren Grundfesten. Denn im bedeutenden Land Litauen soll eine E-Mail gesichtet worden sein, gelesen gar und über den SPIEGEL der Weltöffentlichkeit weitergegeben: „Nach SPIEGEL-Informationen streuten Unbekannte vor einigen Tagen durch gezielte E-Mails Gerüchte, dass deutsche Soldaten bei ihrem Einsatz in dem baltischen Land eine Minderjährige vergewaltigt hätten.“ Unbekannte streuten! Gezielt! Und in einer ersten Fassung wusste der SPIEGEL auch wer hinter der E-Mail steckte: „Russland attackiert Bundeswehr mit Fake-News-Kampagne“

Die brutale Information über die brutale Attacke der brutalen Russen schlug in den deutschen Redaktionen ein wie eine Bombe. Da gerade keiner zum Entschärfen da war, wurde der einmal geworfene Sprengsatz einfach weitergeworfen: Der TAGESSCHAU-Staatsfunk wußte aus der russischen Nirwana-Bedrohung eine Schlagzeile zu schnitzen: „Mit Fake News gegen die Bundeswehr“. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE, das Blatt der Immer-Besser-Verdienenden beklagte schon die ersten Opfer im Kampf der E-Mails, denn „das deutsche Truppenkontingent (sei) Opfer einer Fake-News-Kampagne geworden.“ Der TAGESSPIEGEL, Zentralorgan des ewigen West-Berliner Rentners, konnte flugs die Kriegsministerin zitieren: Es sei gut „dass wir jetzt die Muster kennen und schnell reagieren können“. Was wird sie tun? E-Mails über der Krim abwerfen? Russische U-Boote in Mails ertränken?

Die einstmals seriöse BADISCHE ZEITUNG zitierte den verteidigungspolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Henning Otte, der von einer „perfiden Propagandageschichte“ erzählen konnte. Und auch: „Es ist damit zu rechnen, dass Deutschland daher auch in Zukunft zur Zielscheibe von Propagandaangriffen wird“. Ab heute wird zurück ge-mailt! Der STERN, seit den Hitler-Tagebüchern der Experte für FAKE-News, wußte von einer „Fake-News-Attacke in Litauen“ und auch: „Die Nato verdächtigt Russland, die Falschinformationen gezielt verbreitet zu haben“. Die journalistisch untadlige Illustrierte braucht keine Quelle, kein Zitat, nicht den Hauch eines Beweises. Denn wir sind im Krieg. Jedenfalls die deutschen Redaktionen.

Niemand hat diese E-Mail gesehen. Keiner kann ihren Absender nennen. Trotzdem hat man in Litauen nachgeforscht. Die polizeilichen Ermittlungen haben anschließend ergeben, dass es weder ein Opfer, noch Zeugen oder einen Täter gab. Genau für diese Fälle schwerster Attacken aus dem Nichts hat die Europäische Union die „East StratCom Task Force“ gegründet, die Medien-Einsatzgruppe, die aus der Kälte des kalten Krieges kommt. Denn, so hackt das Europäische Parlament ins Netz: „Die russische Strategie ist aggressiver und resoluter gegen Russlands Nachbarn“. Wer jetzt überlegt, dass die „East StratCom Task Force“ einfach eine Mail über eine Vergewaltigung in Litauen erfunden haben könnte, kommt dem surrealen Kern der Einsatzgruppe ziemlich nahe. Denn nichts fressen deutsche Medien offenkundig lieber als Nachrichten, die es nicht gibt, um sie als russische Fake-News auszugeben und dann daraus eigene Fake-News herzustellen. – So werden mit Vergewaltigungs-Nachrichten die Hirne von Medien-Konsumenten vergewaltigt.

Buchpräsentation
DIE HABEN GEDACHT WIR WAREN DAS

Özge Pinar Sarp – Politologin aus Berlin

Kemal Bozay – Professor für Angewandte Sozialwissenschaften, Köln

Am 21. 02. 2017 um 20.30 Uhr 

Im Berliner Buchhändlerkeller,
Carmerstr.1, 10623 Berlin-Charlottenburg

Es moderiert: Uli Gellermann

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Fotoquelle : Autor : VOA Newsvoanews.com

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Safranfarbene Schocktherapie

Erstellt von DL-Redaktion am 18. Februar 2017

Sadhu at a river bank

Wie der Hindunationalismus die indische Gesellschaft spaltet

 

Autor : Thomas Stauber

Zum Jahreswechsel schwang sich der indische Premierminister Narendra Modi wieder einmal zu einer großen Ansprache an seine Landsleute auf. Modis vorangegangene, folgenschwere Rede, in der er völlig überraschend eine drastische Bargeldentwertung verkündet hatte, lag zu diesem Zeitpunkt 50 Tage zurück.  Der Fernsehansprache am 31. Dezember war daher bereits Wochen zuvor entgegengefiebert worden. Viele erhofften sich von Modi klärende Worte zu den weiteren Reformschritten der Regierung. Doch sie wurden bitter enttäuscht: Einmal mehr betonte Modi nur die Notwendigkeit, die indische Nation von den Übeln der Korruption und des Schwarzgeldes „zu reinigen“. Kein Wort verlor er hingegen über die Opfer seiner Radikalreform – etwa zu den mehr als 100 Menschen, die während des chaotischen Geldumtauschs in den Warteschlangen an Erschöpfung starben oder sich vor lauter Verzweiflung das Leben genommen hatten.

Die Demonetisation hatte Modi am 8. November 2016 verkündet. Quasi über Nacht wurden 85 Prozent der in Umlauf befindlichen Banknoten für wertlos erklärt. Dies sei nötig, um den Kampf gegen Schwarzgeld und Korruption voranzutreiben, begründete Modi die Maßnahme. Für ein Land, in dem knapp 98 Prozent der Geschäfte bar abgewickelt werden, kam daseiner wirtschaftspolitischen Schocktherapie gleich.  Der Liquiditätsengpass trifft vor allem jene Menschen, die dringend auf Bargeld angewiesen sind, da sie kaum Zugang zu Kreditkarten, Bankkonten oder „digitalen Geldbörsen“ (Digital Wallets) haben: Rikschafahrer, Erntehelfer, Tagelöhner und fliegende Händler – und damit etwa die Hälfte der indischen Bevölkerung. Und ob die Notenentwertung tatsächlich langfristig die erwünschten Früchte trägt, ist keineswegs ausgemacht, da der Anteil des Bargeldes am gesamten Schwarzgeldkapital mit lediglich fünf Prozent beziffert wird. Dennoch unterstützen die prekär Beschäftigten mehrheitlich den Premierminister und sein Versprechen, auf diese Weise Korruption und Armut bekämpfen zu wollen.

Auch in weiten Teilen der aufstrebenden städtischen (Hindu-)Mittelschichten findet Modis Werben für eine „großartige indische Nation“ überwältigende Anerkennung. Im vermeintlichen Kampf „der Nation“ gegen das gesellschaftliche Übel gelingt es Modi und seiner regierenden Bharatiya Janata Party (BJP), die nach wie vor virulente Armut und zunehmende soziale Spaltung des Subkontinents zu kaschieren.

Dabei setzt Modi, nach innen wie nach außen, auf eine hindunationalistische Rhetorik: Eben ließ er sich noch für die „chirurgische Kriegführung“ gegen die Separatisten in Kaschmir feiern, kurz darauf zieht der Premier bereits die nächste Waffe – die Bargeldentwertung –, mit der die „eiternden Geschwüre“ im Inneren der indischen Gesellschaft ausgemerzt werden sollen: Korruption, Schwarzgeld und die Finanzierung von Terrorismus.

Mit der Geldentwertung, die Modi ebenfalls als chirurgischen Militärschlag (surgical strike) gegen Geldwäsche bezeichnet, will er die „antinationalen“ Kräfte bekämpfen. Die drastischen Reformen geben Modis autoritärem Führungsstil weiteren Auftrieb und steigern zugleich seine Popularität. Gepaart mit dem aggressiven hindunationalistischen Programm seiner BJP, stellen sie mehr und mehr eine Gefahr für die pluralistische Demokratie des postkolonialen Indiens dar.

Viele Beobachter sehen gar eine Zeitenwende hereinbrechen. Lange galt der zunehmend autoritär und aggressiv auftretende Hindunationalismus als gesellschaftliche Randerscheinung. Unter Modi erlangt diese Ideologie nun aber die politische und kulturelle Hegemonie im Land. Schon jetzt dient sie nicht selten als Legitimationsgrundlage für Gewalt. Die einstige politische, kulturelle und religiöse Toleranz weicht immer mehr tagtäglichen Anfeindungen, Diskriminierungen und Gewaltakten gegen Andersdenkende und Minderheiten wie den Adivasis, die Nachfahren der indischen Ureinwohner, sowie religiöse Minderheiten. Selbst Morde an politischen Gegnern sowie an sogenannten kastenlosen Dalits häufen sich.

Neoliberalismus unter der Safran-Flagge

Quelle: Blätter >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle : Autor —  Antoine TaveneauxOwn work

People of Varanasi

  • CC BY-SA 3.0
  • File:People of Varanasi 006.jpg
  • Created: 16 August 2012

 

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Der Schutzwall – Dresden

Erstellt von DL-Redaktion am 15. Februar 2017

Das Kunstwerk „Monument“ 

by Manaf Halbouni II.jp in Dresden

Ähnliches Foto

So etwas braucht die Welt. Eine Schockirrung durch Kunst, um die ruhenden PolitikerInnen aus ihren bequemen Sesseln zu jagen. Das richtige Objekt am richtigen Platz, und der Dank sollte auch an die Stadt Dresden gehen, welche dem Künstler die Arbeit erlaubte. Das erinnert sehr stark an Joseph Heinrich Beuys oder Christo welcher mit ähnlichen Aktionen auf sich und Ihre Anliegen aufmerksam machten. Am 8.02.17 berichteten wir bereits mit dem Artikel „Erinnerung an Zerstörung Dresdens“ über diese Aktion

Redaktion / IE

Mit Bussen neben der Frauenkirche will Manaf Halbouni an Krieg und Zerstörung erinnern. Wie der Vorplatz zum Ort der Kommunikation wird.

Autorin : Christina Schmidt

Als sich die Menschen in Dresden an den Händen fassen, lässt sich Manaf Halbouni auf einen Stuhl in seinem Atelier fallen. Er zieht die Mütze vom Kopf, von der er glaubt, dass ihn damit niemand erkennt. Beschissener Tag, sagt er, beschissene Stimmung. Sie warten darauf, ihn alleine zu erwischen, da ist er sich sicher. Sie, das sind die Hetzer, Pöbler und Nazis, die sein Gesicht kennen, also hat er sich zurückgezogen, von diesem Platz, auf dem sein bislang imposantestes Werk steht. Die drei Busse, die Halbouni hochkant auf dem Platz vor der Frauenkirche aufstellen ließ. Er wollte damit für Frieden sorgen, und doch herrscht in Manaf Halbounis Kopf heute Krieg. „Manchmal wünsche ich mir, dass ich so buntes Gedöns mache, über das die Leute einfach nur sagen: wie schön.“

Es ist der Abend des 13. Februar. Der Tag, an dem die Menschen in Dresden der Opfer der Luftangriffe 1945 gedenken. Und es ist der siebente Tag, an dem Manaf Halbouni sie mit seiner Kunst provoziert. Halbouni, 32 Jahre alt, ist ein kleiner Mann mit dem Gesicht eines Heranwachsenden, meistens trägt er einen Hut mit abgewetzter Krempe, der soll das kaschieren und weckt Assoziationen zu Joseph Beuys. Nach Christo noch so ein Gigant, mit dem Halbouni seit Tagen verglichen wird. Von jenen, die in den drei Bussen große Kunst sehen.

Andere halten Halbouni für einen Terroristen. Nicht, weil es Anzeichen dafür gibt, sondern weil es so gut passt. So ist der Neumarkt, der Vorplatz der Frauenkirche, ein Ort des Überlebens und Überwindens – der Deutschen. Warum sollte hier nun auch noch Syrern gedacht werden? So fragen es dieser Tage viele laut auf dem Platz.

Die syrischen Opfer

Alles begann mit einem Foto. Aleppo, eine Straßenschlucht, drei Busse, hochkant aufgerichtet. Ein Schutzwall gegen Scharfschützen. Die Menschen, so zeigen es die Fotos, huschen dahinter entlang, der Schrott ermöglicht Alltag. Halbouni beschließt, den Schutzwall zu imitieren, überzeugt erst ein kleines Museum, wichtige Stiftungen der Region und schließlich den Oberbürgermeister der Stadt. Dann taucht zur Einweihung vergangene Woche ein Mob auf, „Schande“ brüllen sie und „Volksverräter“. Auch noch, als der Pfarrer der Frauenkirche eine Rede hält. Später erhält der Oberbürgermeister Dirk Hilbert eine Morddrohung. Seither bewachen Polizisten Hilberts Wohnhaus, und Manaf Halbounis Telefon hört nicht mehr auf zu klingeln.

Quelle : TAZ >>>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Thomas SkowronEigenes Werk

  • CC-BY 4.0
  • File:Monument by Manaf Halbouni II.jpg
  • Erstellt: 8. Februar 2017
  •   Shows the sculpture „Monument“ by Manaf Halbouni in front of the Frauenkirche, Dresden, Germany

 

 

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Verschwörung auf der Berlinale

Erstellt von DL-Redaktion am 14. Februar 2017

File:Rolling Stones Berlinale Filmfestspiele 2008 Berlin.jpg

Verschwörungen besagen:
Das sind alles nur maskierte Politiker aus dem Nachbarstall

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Sich erinnern heißt sich finden

Autor: U. Gellermann

Viel Gold, viel Purpur, viel Pracht, viel Prunk und dann auch noch eine Romanze im Haus des indischen Vize-Königs: Wie soll das auszuhalten sein? Prima. Denn das Gold-Adels-Liebes-Brimbaborium ist – zum Ende der Kolonialherrschaft 1947 Großbritanniens in Indien – nur ein entzückender Tarnanstrich, eine repräsentative Bühne für jene Verschwörung, die das befreite Indien schnellstens in Indien und Pakistan teilte, um den abziehenden Briten durch das Teilen einen Zipfel Herrschaft zu erhalten. Aus einer persönlichen Nähe, die immer auch den wissenschaftlichen Blick wahrt, erzählt die Regisseurin Gurinder Chadha ihren Berlinale-Film „Viceroy´s House“, der auf Deutsch den schwer erträglichen Titel „Der Stern von Indien“ trägt. Fast der komplette Film findet im Palast des indischen Vizekönigs statt. In dem Haus mit hundert Zimmern und den fünfhundert Bediensteten. Der neue Vize-König soll nach den Maßgaben der britischen Herrschaft, die man nicht mit dem Königshaus verwechseln darf, schnellstens die Verantwortung für das religiös zerstrittene Indien loswerden. Nachdem die Engländer viel zur religiösen Spaltung des Landes beigetragen hatten, um ihre Kolonialmacht zu festigen, wollen sie jetzt nur weg, um ihre blutigen Hände in scheinbarer Unschuld zu waschen.

Am Hof des Vize-Königs treffen sie aufeinander: Das muslimisch-hinduistische Paar. Die junge Frau und ihr Freund kommen aus dem selben Dorf und teilen jenes Stück indischer Befreiungsgeschichte, das noch einen gemeinsamen Feind kannte, die Briten, und kaum Feindschaft der Religionen. Mit leichter Hand erzählt die Regisseurin von den krassen Unterschieden am Hof, schnell und elegant wechselt sie die Blickwinkel: Mal auf die Herrschaft, mal auf die da unten. Aber nie verliert sie aus dem Auge, was sie antreibt: Eine Wut auf jene, die mit der Teilung des Subkontinentes so viel Flucht, so viel Leid, so viel Tod ausgelöst haben. Spät erst verrät der Film den geheimen Churchill-Plan, der längst feststand bevor der Marionetten-Vize-König ihn vollziehen durfte. Ein Plan, der im Grate Game des Westens den Sowjets die Zugänge zum Öl Asiens versperren sollte. Das Wort Verschwörung fällt nicht. Und doch wird in „Viceroy´s House“ von einer klassischen Verschwörung erzählt, mit der die Feindschaft der Religionen zum Instrument der Herrschaft wurde. Es gibt einen Abspann, der an all das Leid der brutalen Teilung erinnert. – Ein Film über das von außen gewollte Teilungsprojekt Jugoslawien – das an die schlafenden Religionen des Vielvölkerstaates und ihre Erweckung zum Zwecke des Mordens erinnert – steht leider noch aus.

Ein Stück Geschichte erzählt auch der Eröffnungsfilm der Berlinale: „Django“. Als Django Reinhardt 1943 versuchte vor den Nazis aus Paris in die Schweiz zu flüchten, hatte die Hitlerfreundin Leni Riefenstahl schon 68 Zigeuner aus einem günstig gelegenen KZ für ihren Film „Tiefland“ entliehen. Die sollten dann später, nach Rückgabe an die Lagerverwaltung, in Auschwitz landen. Von Angst und Tod, der alle Sinti und Roma bedrohte, seit sie als „artfremd“ eingeordnet worden waren, war im Film um den großen Gitarristen Django Reinhardt, nur wenig zu spüren. Seltsam theatralisch, eher wie einen gewöhnlichen Musikfilm spult Etienne Comar seine Arbeit ab. Viele Pferdewagen gibt es, fahrendes Volk illustriert einen Ausschnitt aus dem Leben des genialen Django, in dem die Nazis eher wie aus dem Comic geschnitten wirken.

Wie im scharfen Kontrastlicht beleuchtet ein ungarischer Film die Geschichte, der im Jahr 1945 spielt und dort her auch seinen Titel bezieht. In schwarz-weiß gedreht dokumentiert die Arbeit des Regisseurs Ferenc Török eine kurze Zwischenzeit in Ungarn. Zwar war das Land durch sowjetische Truppen befreit, aber in den Seilschaften der Macht sassen noch jede Menge Faschisten. In ein Dorf dieser Zwischenzeit kommen zwei Männer, Überlebende des Holocaust. Düster wirken sie, schwarz gekleidet, wie Rache-Engel begleiten sie den Transport zweier dunkler Kisten. Und während die Vorbereitungen einer arrangierten Hochzeit dem Dorf ein unsicheres Flirren verleiht, breiten sich Ahnung und Angst aus. Zu genau weiß man, wer wen denunziert hat, wer wen in ein Lager hat schaffen lassen. Bedrückend genau erzählt „1945“ von Macht und Ohnmacht, von Schuld und Reue, und was historisch erscheint, ist doch von beklemmender Aktualität.

Im Film „The Dinner“ zünden zwei Kinder von reichen Eltern-Paaren eine alte Obdachlose an. Und natürlich sind die Video-Bilder des Mordens schnell im Netz. Eine Geschichte, die sich anbietet über die verdeckten Quellen der Gewalt zu erzählen, Quellen, die nicht in der Armut liegen, sondern, wenn wir nicht an den Zwang der Gene glauben wollen, aus dem gesellschaftlichen Umfeld zu erklären wären. Der Regisseur hat mit exzellenten Schauspielern, unter ihnen Richard Gere, einem ordentlichen Budget und immerhin 120 Minuten für „The Dinner“ alles was man braucht. Und während der Film noch die Schlacht bei Gettysburg, das brutale Aufeinandertreffen des Südens und des Nordens der Vereinigten Staaten, als Gewalt-Erklärungsmodell anbietet, zieht vor dem inneren Auge des Berlinale-Besuchers die endlose Reihe von Kriegen der USA vorbei: Hier läge Erklärung genug für die nächsten tausend privaten Morde. Sich an diese Kriege erinnern hülfe bei der Selbstfindung. Doch schon bei der Suche hat der Regisseur Oren Moverman dieses Ziel verpasst.

Jedes Jahr besucht eine halbe Million Menschen die Berlinale. Kein anderes Kultur-Ereignis bewegt ähnliche Massen wie das Berliner Film-Festival. Mit seiner Auswertung in den Kinos und über die TV-Sender werden weitere Millionen erreicht. Immer noch ist der Film jene Kunst, die jeder Menge Menschen Inhalte und sogar Ziele vermitteln kann. Manche Filme der Berlinale leisten diesen schwierigen Akt zwischen Aufklärung und Unterhaltung den man Kunst nennt.


 Fotoquelle: Die Rolling Stones (von links nach rechts: Charlie Watts, Ron Wood, Keith Richards, Mick Jagger) am 7. Februar 2008 bei den Filmfestspielen Berlin (Berlinale)

Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

http://www.flickr.com/photos/derpfalzgraf/3166497114/
Author Mario Escherle (alias Flickr user DerPfalzgraf)

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Unsere Meldung des Tages

Erstellt von DL-Redaktion am 11. Februar 2017

Urteil zu Schmähgedicht über Erdoğan

Drei Viertel Böhmermann verboten

File:Jan Böhmermann in Rostock 2014 09.jpg

Der Satiriker darf weite Teile der Satire gegen Erdoğan nicht wiederholen. Das Hamburger Landgericht bestätigte damit eine frühere Eilentscheidung.

Das Landgericht Hamburg hat dem Satiriker Jan Böhmermann untersagt, 18 von 24 Zeilen seiner Gedichts „Schmähkritik“ zu wiederholen. Es bestätigte damit  seine einstweilige Verfügung vom Mai 2016. Böhmermann hatte für diesen Fall schon im Vorfeld angekündigt, in Berufung zu gehen.

Böhmermann hatte das Gedicht Ende März 2016 in seiner Sendung Neo Magazin Royale vorgetragen. Dort heißt es unter anderem, dass Erdogan „Ziegen fickt“ und „Kinderpornos schaut“. Erdogan klagte auf Unterlassung. Das Gedicht reproduziere rassistische Vorurteile gegenüber Türken und verletzte seine Menschenwürde.

Böhmermanns Anwalt Christian Schertz argumentierte im November in der mündlichen Verhandlung, Böhmermann habe Erdogan nur erklären wollen, „wie die Meinungsfreiheit in Deutschland geschützt wird“, dass hier nur „sehr krasse“ Aussagen wie im vorgetragenen Schmähgedicht verboten seien.

Das Landgericht stufte Böhmermanns Gedicht nicht als Schmähkritik ein. Denn Böhmermann gehe es durchaus um eine Auseinandersetzung in der Sache, nicht nur um die Beschimpfung Erdogan Anlass des Gedichts war die kurz vorher erfolgte Einbestellung des deutschen Botschafters in der Türkei nach einer harmlosen Satire der NDR-Sendung Extra 3. Böhmermann habe hier „Machtkritik“ geübt.

Quelle ; TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle : Jan Böhmermann mit seinem Programm „Schlimmer als Jan Böhmermann“ in Rostock 2014

Author Jonas Rogowski – own work
Wikipedia Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

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Erinnerung an Zerstörung Dresdens

Erstellt von DL-Redaktion am 8. Februar 2017

Syrischer Künstler sorgt mit „Monument“ für Wirbel

File:Lion's City.jpg

Einer Weltoffenen Stadt setzt ein Zeichen künstlerischer Freiheit. Sachsen und Dresden haben mehr zu bieten als Pegida und AfD. Mehr auch als kommunistische Linke Spinner. Hier können sogar die Busse aufrecht stehen im Gegensatz zu Politiker welche heute vergessen haben was sie gestern propagierten. Da kann nur Mut zugesprochen werden. Weiter so !

Redaktion/IE

MZ

Dresden hat ein Problem: Den Umgang mit der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Immer schon. Das Gedenken an Tausende Tote und die Vernichtung kulturhistorischer Schätze durch alliierte Bomber wird seit jeher instrumentalisiert: Die Nazis begründeten einen überzogenen Opfer-Mythos einer „unschuldigen Stadt“ noch kurz vor Kriegsende. Das DDR-Regime brandmarkte damit die Verbrechen des imperialistischen Klassenfeindes. Heute versuchen Neonazis und auch Rechtspopulisten, Kapital für ihre Ideologie oder geschichtsrevisionistischen Nationalismus aus dem 13. Februar 1945 zu schlagen.

Skulptur vor Freuenkirche: Drei hochkant aufgestellte Linienbusse sollen eine Brücke von Dresden nach Aleppo schlagen

Wie heikel der Umgang mit diesem Datum ist, verdeutlicht sich an der Skulptur „Monument“, die der syrische Künstler Manaf Halbouni zum 72. Jahrestag der Zerstörung Dresdens auf dem Neumarkt – direkt vor der Frauenkirche – errichtet. Drei hochkant aufgestellte Linienbusse sollen eine Brücke von Dresden nach Aleppo schlagen, wo Bewohner während der jahrelangen Kämpfe hinter solchen Fahrzeugen Schutz vor Heckenschützen suchten. Das Bild der Bus-Wracks in den Trümmern der syrischen Stadt ging 2015 um die Welt.

Quelle: MZ >>>>> weiterlesem

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Fotoquelle: public domain
Author Der Busfreak at German Wikipedia. This applies worldwide.

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Eine Qual? Nein, ein Epos

Erstellt von DL-Redaktion am 5. Februar 2017

Kommentar 150 Jahre „Das Kapital“

Obwohl der Stil so sperrig ist, übt Marx’ Hauptwerk einen ungeheuren Sog aus. Es ist bis heute ein Bestseller. Seine Analyse ist immer noch aktuell.

Autorin: Ulrike Herrmann

Marx‘ Buch „Das Kapital“ hat Millionen von gutwilligen Lesern zur Verzweiflung gebracht, denn schon der allererste Absatz ist eine Zumutung. Umständlich heißt es: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ‚ungeheure Warensammlung‘, die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware.“

Noch schlimmer geht es stilistisch nicht. Auch Marx wusste, dass seine ersten Kapitel unmöglich waren. Im Vorwort zum „Kapital“ schrieb er: „Aller Anfang ist schwer.“ Seine Ehefrau Jenny riet einem befreundeten Sozialisten beherzt, „die dialektischen Spitzfindigkeiten der ersten Abschnitte“ einfach zu überspringen.

Doch obwohl der Stil so sperrig ist, übt Marx’ Hauptwerk einen ungeheuren Sog aus. „Das Kapital“ ist bis heute ein Bestseller und erreicht Verkaufszahlen, von denen die lebenden Ökonomen nur träumen können. Aber warum ist Marx so faszinierend? Diese Frage hat wieder Hochkonjunktur, denn es gilt, ein Jubiläum zu feiern: „Das Kapital“wird 150 Jahre alt.

Marx’ Wirkungsgeschichte ist auch deswegen so bemerkenswert, weil längst nicht alle Prognosen oder Analysen richtig waren. Mainstream-Ökonomen finden vor allem amüsant, dass es nicht zu jenem Massenelend gekommen ist, das Marx prognostiziert hatte. So höhnte der Nobelpreisträger Paul Samuelson: „Man sehe sich die Arbeiter mit ihren Autos und Mikrowellen doch an – besonders verelendet sehen sie nicht aus.“

Gewinnstreben als Selbstzweck

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Author Carlos Latuff Link back to Creator infobox templatewikidata:Q466165 –/–Public Domain

 

 

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Beschwerden zur TAGESSCHAU

Erstellt von DL-Redaktion am 3. Februar 2017

Wer sich beschwert macht nichts verkehrt

File:2010-06-06 Skillshare Gniffke.jpg

Autor: U. Gellermann

Der 2. 12. 2016 muss ein wunderbarer Tag im Leben der NDR-Rundfunkräte gewesen sein: Ganze 12 Programmbeschwerden der Herren Bräutigam und Klinkhammer haben sie „Nach intensiver Diskussion und sorgfältiger Prüfung des Sachverhalts“ komplett zurückgewiesen. Um sie dann im Bündel mit immer der selben Begründung „Der Rundfunkrat konnte keinen Verstoß gegen die für den NDR geltenden Rechtsvorschriften feststellen“ an die Beschwerdeführer zurückzusenden. Wie lange werden sie für die Sichtung der Beschwerden gebraucht haben? Zehn Minuten? 30 Minuten? Einen Wimpernschlag? Eher die letzte Zeitspanne. Denn in den Beschwerden waren Themen von der Beratung der G7-Staaten über die Eskalation im syrischen Aleppo bis hin zum Einreiseverbot gegen Michail Gorbatschow in die Ukraine. Da kennt sich der NDR-Rundfunkrat aber sowas von aus. So was behandeln die Damen und Herren doch mal eben mit rechts. Und gefreut haben sie sich bei der Ablehnung sehr: Sie, die sonst im Sender nichts zu sagen haben, auch weil sie nie was sagen, konnten anderen endlich mal die Meinung geigen: „Weist der Rundfunkrat Ihre Programmbeschwerde zurück!“

Der NDR-Rundfunkrat wird, anders als Demokraten glauben mögen, nirgends gewählt. Seine 58 Mitglieder werden „entsandt“. Von den Vertretern der Kirche über solche des Bauernverbandes oder des Verbandes der Opfer des Stalinismus bis hin zu einem Mitglied der Umweltschutzorganisation Robin Wood: Fast alle sind irgendwie vertreten. Und wie sie in ihren Verbänden an diese Funktionen kommen, weiß man nicht. Bei Licht besehen ist die Kontrollinstanz des mächtigen Mediums, das auch die TAGESSCHAU produziert, eher undemokratisch zustande gekommen. Und wer sich den Vorstand des NDR Rundfunkrates ansieht, dem vergeht auch schnell die Annahme, der Rat vertrete eine gesellschaftliche Breite.

Da haben wir Ursula Thümler, die unter „Vorsitzende des Arbeitskreises Medien des Landesfrauenrates Niedersachsen e. V.“ firmiert, aber auf dem Ticket der FDP in den Rat kam. Die Rätin Ute Schildt ist immerhin offen und ehrlich für die SPD in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs. Frau Dagmar Pohl-Laukamp segelt unter der Flagge des „Landesnaturschutzverband Schleswig-Holstein“ im Rat, gehört aber seit Jahr und Tag zum Apparat der CDU. Und Uwe Grund war mal für die Gewerkschaft im Gremium, ist aber spätestens als er eine Programmbeschwerde zur Rentenpolitik zurückwies – da wurde in der TAGESSCHAU die pure Regierungs-Position referiert – als gewöhnlicher Sozialdemokrat und Lover der GroKo enttarnt. Das ist doch schön: Die Parteien, die den Intendanten und die Chefredakteure des Senders unter sich auskungeln, besetzen über Tarnorganisationen auch noch den Vorstand des Rundfunkrates. Der versteht sich natürlich als Beschwerden-Abwehr-Organisation und hat längst normierte Abwehr-Briefe entwickelt. Das halten die dort für klug und sind nicht einmal schlau.

Seit rund zwei Jahren fertigen Klinkhammer und Bräutigam nun eine Programmbeschwerde nach der anderen. Komplet alle werden konstant und routiniert abgelehnt. Wer den Nutzen der Beschwerden bezweifelt, ist auf die tauben Räte fixiert. Längst aber haben die Beschwerden, durch ihre Verbreitung über die vielen unterschiedlichen Sites im Netz, zu einer Gegenöffentlichkeit beigetragen. Zu einer Öffentlichkeit unterhalb und neben der ARD. Einer Öffentlichkeit, die den öffentlich-rechtlichen Sendern längst nicht mehr traut. Einer Öffentlichkeit, die an den Manipulationen der Sender die Manipulationen der Herrschaft erkennen kann. Mit Beschwerden aller Art macht man nichts verkehrt.

Das TAGESSCHAU-Buch von
Gellermann/Klinkhammer/Bräutigam
kommt bald:
DIE MACHT UM ACHT
http://shop.papyrossa.de/Gellermann-Uli-Klinkhammer-Friedhelm-Braeutigam-Volker-Die-Macht-um-acht

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Fotoquelle: Wikipedia/ CC BY-SA 3.0 /File:2010-06-06 Skillshare Gniffke.jpg

Erstellt: 7. Juni 2010 7   ZikoEigenes Werk

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Trumps erster Krieg

Erstellt von DL-Redaktion am 1. Februar 2017

Grenze zwischen Mexiko und den USA

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1b/U.S._Customs_%26_Border_Protection_Southwest_Border_Arizona_Fence_Line_%288510182328%29.jpg

Die Europäer sollten sich nicht erheben, sie sind nicht besser. Auch der neue Messias, der „Grinsekater“der SPD spielt ein falsches Spiel, denn er hat seinen Anteil an den desolaten Zustand der EU. Besonders Merkel und „Drohnen Uschi“ versuchen zur Zeit die Staaten in Nord-Afrika erneut mit viel Geld zu Kolonisieren. Sichere Länder sind nun einmal nur solche, in welchen sich unsere neuen FührerInnen, vollkommen frei., ohne Schutzwesten, gepanzerte Fahrzeuge und Begleitschutz im öffentlichen Leben bewegen können. Gleich so wie ich mich persönlich überall frei bewege.

Wie heißt es so schön, „eine reines Gewissen, ist ein sanftes Ruhekissen. Wenn wir denn wirklich eine Mauer brauchen um die Politiker zu schützen, sollten wir diese auf Europäischen Grund und Boden bauen. Aber, wie hat der Fußballer Oliver Kahn einst gesagt: „ Dem männlichen fehlen die Eier, und den weiblichen der Arsch in der Hose. Es wäre doch schön zu beobachten, wie lange diese politischen Luftblasen dann noch Regieren könnten?

Redaktion/IE

Bevor der Bau von Trumps Mauer beginnt, machen sich tausende Flüchtlinge auf den Weg in die USA. Sie geraten in eine tödliche Falle.

Heute ist ein schlechter Tag für die Kojoten. Die Menschenschmuggler lehnen sich an ihre Pick-ups und rauchen, als „die Bestie“ vor einer Fabrik in Ramos Arizpe zum Stehen kommt. Auf den Waggons kauern nur ein paar armselige Gestalten.

Vielleicht sind sie schon in Tapachulas an der Grenze zu Guatemala auf den Güterzug aufgestiegen, der Mais oder Maschinen transportieren sollte. Oder ihr Weg führte sie mit dem Bus nach Norden, ehe ihnen das Geld ausging und nichts anderes blieb als der Rücken der Bestie. Sie sehen alle abgerissen aus. Es ist offensichtlich, dass sie kein Geld für den weiteren Transit haben. Die Kojoten drücken ihre Kippen aus und steigen wieder in ihre Autos.

Die Männer sind eine Handvoll von einer halben Million, die jährlich aus Mittelamerika nach Mexiko fliehen. Sie alle wollen es über die Grenze in die USA schaffen. Eine Hoffnung, die mit jedem Tag schwindet. Donald Trump verliert keine Zeit und hat das Dekret zum Bau der Mauer an der Grenze zu Mexiko unterzeichnet. Die Flüchtlinge fürchten, dass die ihre verrinnt.

Offene Gruben im Sand

Dabei sind diejenigen, die Ramos Arizpe erreichen, schon fast gesegnet. Auf dem Weg lauern die Zetas, Mexikos grausamstes Kartell, das Tribut fordert oder tötet. Es warten offene Gruben im Sand der Wüste, Massengräber, in denen die Zetas mittellose Migranten verscharren. 300.000 Entführungen seit 2010, das sagen mexikanische Experten. Es sind nur Schätzungen. Alles ist unberechenbar auf dieser Route.

Nur dass die Bestie Richtung Norden kriecht, ist sicher. Nun will die USA das letzte Stück der Reise mit einem Betonwall versperren. Also gilt es, keine Zeit zu verlieren. Flüchtlinge, die keinen Peso mehr haben, machen sich in Ramos Arizpe zu Fuß auf in die 20 Kilometer entfernte Stadt Saltillo. Dort unterhält die Kirche eine Flüchtlingsunterkunft. Padre Pedro Pantoja atmet auf, als er hört, dass an diesem Tag weniger Flüchtlinge angekommen sind als in den vergangenen Tagen.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle :  Urheber – U.S. Customs & Border Protection Southwest Border Arizona Fence Line

 

 

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Dem Würselen völlig verfallen

Erstellt von DL-Redaktion am 27. Januar 2017

Suchtgeschichte

Die verheerenden Drogenabhängigkeiten der SPD-Vorsitzenden

Der Völler – Ein Politiker der SPD ?

von Michael Ringel – Wahrheit-Redakteur

Zwischen Willy Brandt und Martin Schulz als Parteivorsitzende der SPD liegen exakt dreißig Jahre. Der eine war klassischer, der andere ist trockener Alkoholiker. Auch der neue Spitzenmann hat lange Jahre mit der Flasche am Hals verbracht, sie dann aber endgültig fallenlassen. Noch jeder der Sozen-Granden musste sich mit einer Privatdroge von den Untiefen seines Vereins ablenken. Offenbar reicht die Droge Macht nicht aus, um die brutale Plage von Partei auszuhalten – wie ein Blick in die moderne Suchtgeschichte der sozialdemokratischen Parteichefs zeigt.

Willy Brandt wurde nicht umsonst „Cognac-Willy“ genannt. Sein Motto „Wandel durch Annäherung“ setzte er konsequent um, indem er mit der Flasche unterm Arm den russischen Bären heimsuchte und niedertrank, der verblüfft ob der Trinkfestigkeit des westdeutschen Kanzlers alle politischen Viere von sich streckte.

Helmut Schmidt war zwar nie Parteiführer, aber extremer Kettenraucher. Im Bonner Kanzlerbungalow mussten eigens Nebelhörner installiert werden, um den Hamburger Hauptmann der Reserve wiederzufinden, wenn er im heißen Herbst eine seiner berüchtigten Nebelkerzen gezündet hatte.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Gemäldequelle:

Author
  • Gemeinfrei
  • File:Georg Emanuel Opiz Der Völler 1804.jpg
  • Erstellt: 1. Januar 1804

 

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Unsere Meldung des Tages

Erstellt von DL-Redaktion am 24. Januar 2017

Britisches Parlament darf über

Brexit-Erklärung abstimmen

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/9d/Barack_Obama_Westminster_Hall_%283%29_May_2011.png

Ohne Friedensnobelpreis keine Sprecherlaubnis?

Thomas Gottschalk sitzt leicht versetz hinter Obama auf der Theaterbühne ?

Paukenschlag bei einem der spektakulärsten Gerichtsverhandlungen in der britischen Geschichte: Dabei geht es um die Rechte des Parlaments bei der geplanten Scheidung von der Europäischen Union.

In Großbritannien muss das Parlament über die Austrittserklärung aus der EU abstimmen. Das hat das höchste britische Gericht in London entschieden und ist damit der Regierung in die Quere gekommen.

Die elf Richter des Supreme Courts bestätigten in dem Berufungsverfahren ein früheres Urteil.

An dem geplanten Ausstieg aus der EU ist zwar nicht mehr zu rütteln. Die Regierung befürchtet aber zweierlei: Zum einen könnte das Mitspracherecht des Parlaments den ohnehin engen Zeitplan für die Verhandlungen mit der Europäischen Union durcheinanderbringen. Zum anderen wird befürchtet, dass die Abgeordneten den geplanten Brexit verwässern und eine stärkere EU-Nähe einfordern könnten. Die Parlamentarier gelten als überwiegend EU-freundlich.

Quelle:  Augsburger-Allgemeine >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Autor – White Househttp://www.whitehouse.gov

 

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Stiller Stuhl für Erika

Erstellt von DL-Redaktion am 22. Januar 2017

BERLINER  LUFT

Datei:Donnerbalken.jpg

So sah die Zeit weit vor der Uckermark aus

„Stiller Stuhl“ für Erika, so lese ich heute Morgen in der TAZ. Das ausgerechnet an einem Wochenende an dem die Schlagzeile auf der ersten Seite wie folgt lautet: „Der große Schulklo – Report“.

Das passt doch irgendwie alles so schön zusammen. Trotz dem suche ich, bevor ich weiter lesen, nach Erklärungen und stelle mir vor, wer denn diese Erika sein könnte, über welche hier geschrieben wird. Vor allem unter der aufmachenden Schlagzeile lese ich dann weiter: „Wo der Zustand der Nation zum Himmel stinkt.“ Und in diesen Moment fällt mir die Berliner Fäkalien Grube wieder ein, in der die dicksten Klumpen immer oben schwimmen.

Hm, natürlich, der erste Gedanke: beschäftigt sich mit „IM Erika „! –  Glaube aber das die Menschen in der Uckermark sicher schon eigene Toiletten benutzen, um einmal so richtig abdrücken zu können. Die sind bestimmt nicht mehr auf öffentliche Toiletten in den Schulen angewiesen. Im Notfall könnten sie auch einmal auf dem naheliegenden Privatflugplatz Erleichterung finden. Auch wäre es nicht denkbar das ein Vater seine Familie in den 50ger Jahren in ein Land geschleust hätte, in dem Bedürfnisanstalten nicht vorhanden gewesen wären. Wo doch dort angeblich das System das Bessere von beiden Staaten war.

Genau so sind wir Menschen aber nun einmal. Haben wir früher nur auf dem Sozius Sitz nicht ruhig bleiben können und das Motorrad an die Wand fahren lassen, greifen wir, kaum in einem neuen Land angekommen, selbst nach dem Lenkrad eines schnellen Wagen, und machen auch diesen platt !

Aber wohin gehen meine Gedanken nur, finde ich doch schon in der dritten Zeile des Artikel eine endgültige Erklärung.

Redaktion/ IE

Die Berlin-Parlamentskolumne

von Anja Maier

Ganz hinten muss sie jetzt sitzen, die Erika Steinbach. Nachdem die Krawallschachtel der Unionsfraktion Anfang dieser Woche ihren Austritt aus der CDU erklärt hatte, musste sich ihre ehemalige Fraktion was einfallen lassen. Wohin mit einer Frau, die mehr als ein Vierteljahrhundert durch ihre und für ihre Partei im Bundestag gesessen hat? Mit 73 Jahren kann man der Lady kaum empfehlen, sich von zu Hause einen Klappstuhl mitzubringen.

Die Bundestagsverwaltung wusste eine Lösung. Sie hat in der allerletzten Reihe, noch hinter der Unionsfraktion, einen „stillen Stuhl“ für Erika montieren lassen. Eine Art Ausgedingehäuschen für eine, die erst kürzlich via Twitter jenes Land, das „ihre“ CDU seit zwölf Jahren regiert, eine „Bananenrepublik“ geschimpft hat.

Da sitzt sie nun. So weit hinten, dass sie nicht einmal mehr die Reichstagsbesucher sehen können. Aber eine aus der Unionsherde vertriebene, quasi in ein Extragatter verfrachtete Erika – ist das schlau? Aber, so sind die Menschen eben, erst fahren sie auf dem Sozius Sitz als unbedarfte Beifahrer voll vor die Wand, da sie hinten nicht ruhig sitzen könne, müssen sie in dem neuen Land anbgekommen, auch noch da Steuer selber in die Hände nehmen; -da kann die Katastrophe ja nicht ausbleiben!

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: „Donnerbalken“ mit Soldaten des Ersten Weltkriegs

  • Bild-PD-alt gemeinfrei.
  • File:Donnerbalken.jpg
  • Hochgeladen: 14. Oktober 2012
  • Quelle Privates Fotoalbum von Stefan Kühn
    Urheber bzw.
    Nutzungsrechtinhaber
    unbekannt

 

 

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Der Sprache ist zu misstrauen

Erstellt von DL-Redaktion am 17. Januar 2017

  Über Rasissmus reden

H Hoffmann Struwwel 12.jpg

abwehrreflex „Political Correctness“ soll schuld daran sein, dass die Rechten triumphieren. Dabei galt es mal als links, Bestehendes infrage zu stellen und zu kritisieren

Autor : Benno Schirrmeister

eine Ahnung, ob ich befugt bin, über Rassismus zu sprechen. Ich musste mich noch nie als Opfer irgendeiner Form von Diskriminierung fühlen – trotz unverkennbarer Obesität. Auch versuche ich, den Gebrauch sexistischer und xenophober Denkmuster zu vermeiden. Von daher fehlt mir jede Erfahrung. Und schweigen sei klüger und philosophischer – so sagt man. Denn ohne Sprache kein Rassismus, selbst wenn er sich mit roher Gewalt artikuliert. „Rasse“ gibt es nur als sprachliches Konzept. Jenseits von Sprache sind weder Fremde noch Feindlichkeit überhaupt denkbar. Also läuft nur, wer schweigt, nicht Gefahr, rassistisch zu reden.

Derzeit scheint es aber, als mache sich in besonderem Maße des Rassismus schuldig, wer diesen kritisiert. So gilt nicht etwa der grassierende Rassismus als Ursache dafür, dass mit Donald Trump ein bekennender Rassist und Chauvinist Präsident der USA wird. Nein, die Gegenseite soll zu penetrant eine diskriminierungsarme Sprache eingefordert haben – die als „Political Correctness“ diffamiert wird.

„Political Correctness“, dieser Ausdruck wurde schon im 18. Jahrhundert vom Supreme Court geprägt. Doch populär wurde der Begriff erst ab den 1970er Jahren. Seither habe es „nur Kampagnen gegen die sogenannte Political Correctess gegeben“, schrieb die Publizistin Moira Weigel kürzlich im Guardian. Es sei in den vergangenen 25 Jahren eine Lieblingstaktik der Rechten gewesen, mithilfe dieses Mythos einen vagen und sich stets wandelnden Feind zu beschwören. In Deutschland gilt das in noch stärkerem Maße. Hier war der Ausdruck stets nur Kampfbegriff der Reaktion, eine Diffamierung von Rücksichtnahme auf Minderheiten und Schwächere.

Quelle:  TAZ  >>>>>  weiterlesen

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Der tiefe Staat schlägt zurück

Erstellt von DL-Redaktion am 16. Januar 2017

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e1/Andrej_Holm_2.jpg

Rot-Rot-Grünes Projekt vom Stasi-Torpedo getroffen

Autor: U. Gellermann
Datum: 16. Januar 2017

Ein ganzes Jahr lang wird der Mann bespitzelt. Seine Freunde werden überwacht. Sein Telefon wird abgehört. Er wird verfolgt. Dunkle Männer mit Mikrophonen belauschen Treffen. Der Mann spürt den Druck. Dann stürmt ein Einsatzkommando seine Wohnung. Ohne Beweise, ohne Anklage wird der Mann ins Gefängnis geworfen. Sogar seine Frau zweifelt an ihm. Was da so klingt als würde die BILD-Zeitung Aktivitäten der DDR-Staatssicherheit beschreiben, hat sich in den Jahren 2006/2007 im vereinigten Deutschland ereignet. Zielperson der staatlichen Repressions-Maßnahmen war der Soziologe Andrej Holm. Genau: Jener Holm, der noch Staatssekretär in Berlin ist, jetzt aber unter dem Druck eines Stasi-Vorwurfs rausgeworfen werden soll.

Als Andrej Holm vor 27 Jahren Offiziersschüler im Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ war, einer Gliederung der DDR-Staatssicherheit, bespitzelte er niemanden. Er brach in keine Wohnung ein und verhaftete auch niemanden. Holm war 18. Das Wachregiment dem er angehörte war eine Art Objektschutz-Truppe: Zuständig für die Bewachung wichtiger Grundstücke von Partei und Staat. Manchmal durften die Soldaten auch mit blank geputzten Stiefeln den Stechschritt proben: Bei Kranzniederlegungen, an hohen staatlichen Feiertagen. Beim „protokollarischen Ehrendienst“ wie es auch in der Dienstvorschrift des Wachbataillons der Bundesrepublik Deutschland heißt.

Die Frau, die 2006/2007 den Soziologen Holm, einen aktiven Gegner der Gentrifizierung, wegen „Terrorismus-Verdacht“ bespitzeln und inhaftieren ließ, ist für dieses und anderes Unrecht nie zur Rechenschaft gezogen worden: Monika Harms, eine Beauftragte des Koffer-Ministers Schäuble, war von 2006 bis 2011 Generalbundesanwältin beim Bundesgerichtshof der Bundesrepublik Deutschland. Die Harms ordnete im Mai 2007 im Vorfeld des G8-Gipfels in Heiligendamm 40 polizeiliche Razzien an, die zwischenzeitlich vom Bundesgerichtshof für widerrechtlich erklärt worden sind. Die Harms ließ Mitarbeiter von „tagesschau.de“, einen Redakteur der Hörfunkwelle „NDRInfo“ und andere Journalisten, etwa vom Berliner „Tagesspiegel“, bei Recherchegesprächen überwachen. Der damalige Intendant des Norddeutschen Rundfunks, Jobst Plog, hatte die Abhörmaßnahmen als „einen massiven Angriff auf die Rundfunk- und Pressefreiheit“ bezeichnet. Frau Harms wurde nie belangt, sie kann in aller Ruhe ihre beachtliche Rente genießen.

Jetzt in diesen Tagen wird eine offene Rechnung beglichen: Andrej Holm kam damals nach massivem öffentlichen Druck frei. Und der Staatsapparat sah aus wie er ist aber ungern ertappt wird: Wie eine Repressionsmaschine, der die Gesetzeslage ziemlich gleichgültig ist. Diese Bloßstellung ist nicht vergessen. Das wird jetzt mit einem alten, bekannten Stasi-Vorwurf heimgezahlt. Und pünktlich zum Start der rot-rot-grünen Kolatition aufgewärmt. Und mehr noch: Einen Mann wie Holm, der zu Recht im Verdacht steht auf der Seite der bedrängten Mieter zu stehen, der darf, nach Maßgaben der Profiteure, keinesfalls Staatssekretär für Wohnungspolitik im Berliner Senat werden. Und noch mehr: Die Rot-Rot-Grüne Koalition in Berlin gilt als Modell für eine mögliche Rot-Rot-Grüne Regierung auf Bundesebene. Dass dieses Projekt nur über die Leiche der SPD oder über die Leichen der linken LINKEN zustande kommen wird, also eher nicht, irritiert den tiefen Staat nicht. Schäubles Nebenregierung aus Geheimdiensten, Polizeioffizieren und sympathisierender Justiz kann weder die Niederlage im Fall Harms noch die kleinste demokratische Öffnung durch eine alternative Regierung zulassen. Sowas muss torpediert werden.

In den nächsten Tagen wird sich erweisen, ob der Berliner Versuch gelungen ist, mit Andrej Holm einen engagierten Wissenschaftler für Stadterneuerung, gegen Gentrifizierung und soziale Wohnungspolitik in Stellung zu bringen. Der Berliner LINKEN-Chef, Klaus Lederer, beginnt schon mit dem Zurückrudern: „Wir müssen uns nun darüber verständigen,“ sagt Lederer nachdem der Regierende Bürgermeister Holms Entlassung verlangt hatte, „wie wir künftig miteinander umgehen wollen.“ Ein klares NEIN zur Entlassung Holms klingt anders.

AKTUELL
War der Fall von Andrej Holm geplant?
Berliner Landes-Chef fingerte an der Verfassung

Wie nebenbei meldet das Berliner Info-Radio plötzlich eine interessante, bisher unbekannte Tatsache: Im neuen Vertrag der rot-rot-grünen Koalition hat sich der Regierende Bürgermeister Michael Müller ein Recht vorbehalten das es bisher in der Landesverfassung nicht gab: Er darf laut Vertrag ausgerechnet in dieser Koalition Staatssekretäre entlassen. Der Regierenden Bürgermeister (s. Anhang aus der Verfassung von Berlin) hat eine vergleichbar schwache Stellung im Kabinett. Das resultiert noch aus der Zeit der Besatzungszonen. Er hat mehr den Charakter eines Grüß-August als den eines Ministerpräsidenten. Denn: jedes Mitglied des Senats (Landesminister) leitet seinen Geschäftsbereich selbständig.

Die im Koalitionsvertrag festgelegte, faktische Änderung der Verfassung deutet daraufhin, dass die Entlassung geplant war. Neben vielen anderen Fragen stellt sich auch diese: War die Linkspartei zu naiv, um diese Falle zu erkennen, oder ist sie einfach sehenden Auges in diese Falle gelaufen

Anhang
Verfassung von Berlin
Abschnitt IV: Die Regierung
Artikel 58

(1) Der Regierende Bürgermeister vertritt Berlin nach außen. Er führt den Vorsitz im Senat und leitet seine Sitzungen. Bei Stimmengleichheit gibt seine Stimme den Ausschlag.
(2) Der Regierende Bürgermeister bestimmt die Richtlinien der Regierungspolitik. Sie bedürfen der Billigung des Abgeordnetenhauses.
(3) Der Regierende Bürgermeister überwacht die Einhaltung der Richtlinien der Regierungspolitik; er hat das Recht, über alle Amtsgeschäfte Auskunft zu verlangen.
(4) Der Senat gibt sich seine Geschäftsordnung.
(5) Jedes Mitglied des Senats leitet seinen Geschäftsbereich selbständig und in eigener Verantwortung innerhalb der Richtlinien der Regierungspolitik. Bei Meinungsverschiedenheiten oder auf Antrag des Regierenden Bürgermeisters entscheidet der Senat.

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Fotoquelle: Foto: Stephan Röhl  / Heinrich-Böll-StiftungFlickr: Andrej Holm

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  • CC BY-SA 2.0
  • File:Andrej Holm 2.jpg
  • Erstellt: 27. Mai 2011

 

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Massenrücktritt: Linke „heillos zerstritten“

Erstellt von DL-Redaktion am 13. Januar 2017

Kreisverband Dahme-Spreewald

Ausgerechnet im Wahljahr bricht im Kreisverband der Linken das Chaos aus. Sieben der 13 Vorstandsmitglieder sind zurückgetreten. Sie üben scharfe Kritik an der Arbeitsweise. Vorsitzender Michael Wippold bleibt unbeirrt. Auf einem Parteitag am 18. März sollen die fehlenden Plätze neu besetzt werden.

Aus  Fenstern von  dem Linken Haus, da schaut auch manche Gurke raus!

Königs Wusterhausen. – Der Kreisvorstand der Linken Dahme-Spreewald hat auf einen Schlag mehr als die Hälfte seiner Mitglieder verloren. Auf der Vorstandssitzung am Dienstagabend erklärten sieben Genossen des 13-köpfigen Gremiums ihren sofortigen Rücktritt. Darunter sind die beiden stellvertreten Vorsitzenden Thorsten Kleis und Jutta Vogel sowie Schatzmeisterin Ilka Endrulat-Pittack, die schon am Freitag zurückgetreten war. Weiterhin schieden Niko Dorendorf, Angela Laugsch, Julia Schütze und Jacqueline Swatzina aus.

Keine Möglichkeit der Besserung

„Unser Kreisvorstand in der bisherigen Besetzung ist heillos zerstritten, wir sehen keine reale Möglichkeit der Besserung in absehbarer Zeit“, heißt es in einer Erklärung der abtrünnigen Genossen. Zugleich betonen sie, mit ihrem Rücktritt noch rechtzeitig einen Neuanfang im Wahljahr zu ermöglichen. Im Herbst sind Bundestagswahlen, in Königs Wusterhausen wird außerdem ein neuer Bürgermeister gewählt.

Generationswechsel gelingt nicht

Die Ex-Vorstandsmitglieder beklagen, dass der Generationswechsel in Dahme-Spreewald auf sich warten lasse. Vom Kreisvorsitzenden Michael Wippold gingen „keinerlei Impulse“ dafür aus. Wippold werden außerdem „nicht abgesprochene Alleingänge und Aussagen“ vorgeworfen. Thorsten Kleis, der Stadtverordneter und Vorsitzender des Sozialausschusses ist, sagte am Mittwoch der MAZ: „Wir wollen den Weg frei machen für eine Vorstand, der konstruktiv arbeiten und einen erfolgreichen Wahlkampfführen kann.“

Redaktion / IE

Quelle: MAZ >>>>> weiterlesen

Fotoquelle :  Urheber  –  VattkoppaEigenes Werk

 

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Früher war mehr Stöhnen

Erstellt von DL-Redaktion am 10. Januar 2017

Winfried Kretschmann 2012 (cropped).jpg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Ja, die Gesundheitskarte, eine allgemeine Volksverdummung! Die Karte benötigen die Leute nur in Zeiten einer Krankheit! Sex auf Rezept durch die AOK – da brauchten dann auch viele Bürger nicht mehr in die Fremde Reisen. Eine tolle Werbeidee!

Ein Wahlwerbespruch aus dem Land der Baden-Württembergischen Grünen? Eine Idee von Krätschmann oder doch eher von den international erfahrenen Europäer Oettinger? Er weiß sogar etwas über Chinesen zu berichten. Als schnelle Redner und Denker sind Sie Beide langen berüchtigt. Es muss wohl eine derbe Flaut herrschen, jenseits des Schwarzen Waldes, am Bodensee und die Patronen ausgegangen?

Eine Überraschung ist diese Flaute aber durchaus nicht, bekommt doch der Gabriel bei seinen Besuch in Sachsen mit Mühe nur noch den Mittelfinger gerade in die Höhe gestreckt. Hätte er ihn doch dort gelassen wo er hingehört ..– in den Mund. Dann wäre das Wort „Pack“ erst gar nicht hörbar über seine Lippen gerutscht und zumindest eine der Hänge backen geliftet worden.

IE

Früher war mehr Stöhnen

Autorin: Doris Akrap

„Sex macht Kinder, Spaß und gesund“ könnte der

nächste Krankenkassen-Slogan lauten

Sex auf Rezept – geile Idee. Sex gilt ja inzwischen schon als museumsreif und könnte vom Bonner Haus der Geschichte genauso gut als Objekt der Begierde in Betracht gezogen werden wie der Lkw vom Breitscheidplatz. Sex ist vom Aussterben bedroht, jedenfalls wenn man den Studien glaubt, die behaupten, dass die Deutschen immer weniger Sex und auch immer weniger Lust auf Sex hätten. Die jüngste akademische Langzeitstudie hat festgestellt: je älter (zwischen 60 und 70) umso mehr, je jünger (zwischen 18 und 30) umso weniger Sex hätten die Landsleute. Ich kann das für meine Nachbarschaft – ein Berliner Trendkiez – bestätigen. Früher war mehr Stöhnen. Jedenfalls im Sommer, wenn die Fenster nachts offen gelassen werden.

Die Experten haben allerlei Meinungen dazu, was der Grund dafür ist. Fakt ist, dass Sex abseits der Schmuddelecke Internet vor allem als Gegenstand für Gesundheitsbewusste (also gefühlt so langsam alle) interes­siert: höherer Kalorienverbrauch als beim Seeway-Fahren, effektiver als 5 Liter Biozitrone-Ingwertee und 30 Mal billiger als saunieren fürs Immunsystem. „Schatz, lass nochmal ne Runde poppen, mein Bierbauch muss weg“ ließe sich mit ganz viel Fantasie noch unter Libertinage im 21. Jahrhundert einsortieren. Aber „Schatz, lass nochmal ne Runde poppen. Wir brauchen mehr Punkte im Bonusheft“ nicht mehr.

Quelle: TAZ >>> weiterlesen

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Fotoquelle: Urheber Bündnis 90/Die Grünen Nordrhein-Westfalen

  • CC BY-SA 2.0Hinweise zur Weiternutzung
  • File:Winfried Kretschmann 2012 (cropped).jpg
  • Erstellt: 7. Mai 2012

 

 

 

 

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Von Antänzern und Anwanzern der SPD

Erstellt von DL-Redaktion am 10. Januar 2017

Ein Lied über SPD Antänzer und Anwanzer mit Mutti in Gefolgschaft. Das Werbevideo zu den kommenden Wahlen welches zeigt, was die Alt – Parteien politisch als Programm anbieten.

Nichts !

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Die Woche

Erstellt von DL-Redaktion am 9. Januar 2017

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Der Wiedererkennungswert der Grünen, „Nafri“ als Wort des Jahres 2014, und wie sich Deutschland tatsächlich abschafft.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche?

Friedrich Küppersbusch: Le Pen, Petry, Orbán, Wilders, Strache stehen auf straffe, durchgreifende nationale Sicherheitsbehörden.

Und was wird besser in dieser?

De Maizière auch.

Grünen-Chefin Simone Peter kritisierte die Polizeiarbeit am Kölner Bahnhof in der Silvesternacht. Am Montag folgte dann Lobgesang auf die Polizei – warum so unentschlossen?

Die Grünen werden derzeit weder für ihre antirassistische Tradition belobigt noch als neuerdings Partei der inneren Sicherheit wahrgenommen. Ihr Spektrum reicht von „pro Videoüberachung“ (Özdemir), „weniger political correctness“ (Kretschmann) über grüne Polizisten, die besser ausgerüstet werden sollten (Göring-Eckardt) bis zum Selberschuld – Behördenwirrwarr – Standardtanz (Hofreiter). Eine schöne Gelegenheit, mangels klarer Linie den Kontaktbereichsbeamten um einen Platzverweis zu bitten: In dieser heillos überkochten Debatte hätten die Grünen das Alleinstellungsmerkmal, einfach mal den Mund zu halten. Doch zugleich läuft die Urwahl zum Spitzenduo, und die Umfragewerte zur Bundestagswahl bröckeln. Özdemir: „Wir müssen aufpassen, dass sich die Gesellschaft nicht so verändert, dass wir sie nicht wiedererkennen.“ Hübsch wäre, wenn die Grünen dabei so blieben, dass man sie noch wiedererkennt.

Quelle: Weiterlesen – TAZ

 

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Rückschau 45. Woche

Erstellt von DL-Redaktion am 13. November 2016

File:2016 Republican Clown Car Parade - Trump Exta Special Edition (18739683269).jpg

1.Ein Präsident Trump schockt sie weniger als Clinton

Die frühere Russland-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz hält nichts von Vereinfachungen – 09.11.2016 19:56 Uhr

Gabriele Krone-Schmalz war langjährige Moderatorin bei der ARD und als Korrespondentin in Moskau. Wir sprachen mit ihr darüber, was von der künftigen Außenpolitik des neu gewählten US-Präsidenten Donald Trump zu erwarten ist.

Frau Krone-Schmalz, die meisten Menschen waren von dem Ausgang der Präsidentenwahl in den USA völlig überrascht. Sie auch?

Gabriele Krone-Schmalz: Auch wenn sich das jetzt überheblich anhört: nein. Es passt irgendwie zum Brexit. Da habe ich auch damit gerechnet, dass das rauskommen könnte.

Und warum?

Krone-Schmalz: . . . weil ich denke, dass Stimmungen in der Bevölkerung – um es böse zu sagen – arrogant ignoriert werden. Das war auch heute in der Berichterstattung wieder zu sehen. Alle echauffieren sich darüber, wie man nur „so blöde sein kann“, jemanden wie Trump zu wählen. Wissen Sie, wenn ich „Russland verstehen“ als Motiv habe, ist die Betonung nicht auf Russland, sondern auf verstehen. Und ich denke, es wäre hilfreich, wenn man auch Amerika verstehen und das Augenmerk darauf richten würde, wie es in dem Land aussieht. Vor der Wahl wurde zum Beispiel intensiv darüber berichtet, wie fürchterlich arm weite Teile der Bevölkerung sind. Also: Mal verstehen, was in der Gesellschaft abgeht. Dann kann man dieses Wahlergebnis – ob man das gut findet oder nicht – anders einsortieren und als Basis dafür nutzen, intelligente Antworten zu finden.

Krone-Schmalz: Das ist natürlich in weiten Teilen Spekulation, das muss man ganz deutlich voranstellen. Aber Fakt ist, dass die Außenpolitik Hillary Clintons eine militarisierte Außenpolitik ist. Auch ihre Äußerungen in Richtung Russland sind ganz eindeutig. Und wenn man sich ihr Beraterteam und ihr Netzwerk ansieht, dann weiß man, dass nichts Gutes für Russland zu erwarten ist. Was bei Trump jetzt dabei herauskommt, das muss man erst noch sehen.

Was wäre ihre Vermutung?

Krone-Schmalz: Also, Trump ist nicht blöd. Und er wird sich – zumindest hoffe ich das – kompetente Berater holen, die zwar die Interessen Amerikas im Blick haben, aber auch die Kooperation anstreben. Man sollte Trump beim Wort nehmen. Er hat gesagt: „Wir werden den Dialog suchen und sehen, dass wir mit allen irgendwie klarkommen.“ Das muss alles nichts heißen. Nur bei Hillary Clinton war klar, was es heißt.

Trump hat angekündigt, er würde den Islamischen Staat massiv bekämpfen und notfalls auch „etwas Extremes“ machen. Was soll das heißen?

Krone-Schmalz: Das will ich mir lieber nicht vorstellen. Auch da versuche ich mich damit zu beruhigen, dass er sich als Präsident das dann doch noch mal überlegen wird.

In Syrien verläuft die Hauptkonfrontationsline zwischen den USA und Russland. Moskau lehnt kategorisch ein weiteres Vorrücken Washingtons oder der Nato in dieses Land ab. Würde da eine Verständigung zwischen Trump und Putin vielleicht helfen können?

Krone-Schmalz: Natürlich würde das helfen. Alles, was auf diplomatischem Weg möglich ist – selbst wenn der Verhandlungspartner der Teufel persönlich ist –, wäre doch besser, als reinzubomben und mit militärischen Mitteln eine Lösung zu suchen, wo jeder vorher weiß, dass es die so nicht geben kann.

Quelle  . Nordbayern >>>>> weiterlesen

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2.Populismus in den USA Trumps weiße identitäre Bewegung

Der Populismus hat in den USA eine lange Tradition. Als Unabhängiger aber hätte Trump nie gewinnen können – Glaubwürdigkeit verliehen ihm erst andere.

Populisten, so heißt es häufig, seien große Vereinfacher, die simple Antworten auf komplexe Fragen böten. Deswegen glauben wir ihnen kein Wort. Anders ist es, wenn es darum geht, ihren politischen Erfolg zu erklären. Dann sind wir offenbar doch froh, ganz schnell ganz einfache Antworten zu bekommen: es läge ja alles nur an der Globalisierung oder an der Ausländerfeindlichkeit der Arbeiterklasse oder daran, dass man die Massen mit Fakten und Sachargumenten gar nicht mehr erreichen könne.

So ist denn auch Donald Trump, dem begnadeten Selbstvermarkter, seine eigene Story über den trumpistischen Triumph bei den Präsidentschaftswahlen sofort abgekauft worden: Das Volk habe sich gegen das Establishment empört, die Arbeiter wollten endlich zu ihrem Recht kommen, der Rust Belt habe’s entschieden. Nur hat „das Volk“ in seiner Mehrheit gar nicht Trump gewählt, sondern Hillary Clinton. Damit soll nicht die Legitimität der Präsidentschaft Trumps angezweifelt werden (aber es dürfte schon zu denken geben, dass die Republikaner seit 1992 nur einmal, nämlich 2004, die „popular vote“ für sich entscheiden konnten). Und diejenigen, die man noch am ehesten als wirtschaftliche Verlierer bezeichnen könnte, weil sie weniger als 50.000 Dollar im Jahr verdienen, haben mehrheitlich für Clinton votiert und nicht für Trump

Zu kurz greift auch die Vorstellung, Trump habe nun die Wahrheit über die letztlich rassistische amerikanische Gesellschaft enthüllt. Es ist unbestreitbar, dass niemand vorher so offen gegen Minderheiten gehetzt hat. Andere Republikaner pflegten in der Vergangenheit die hohe Kunst des „dog whistling“ – sie pfiffen eine Melodie, welche die meisten Bürger gar nicht wirklich wahrnahmen, einige aber doch als an sie gerichtete Botschaften verstehen konnten. Ronald Reagan beispielsweise hielt bei seiner Wahlkampagne 1980 eine Rede in Mississippi, die von vielen als codierte Unterstützung für Südstaatler entschlüsselt wurde, die ihren rassistischen „war of life“ gegen die Bürgerrechtsbewegung verteidigen wollten. Aber direkt gesagt wurde nichts; erst Trump stellte Muslime und Einwanderer aus Mexiko ganz explizit unter eine Art Generalverdacht, Kriminelle zu sein. Jeder konnte das Pfeifen laut und deutlich hören – und entsprechend Angst haben.

Viele von Trumps weißen Wählern stimmten 2012 noch für Obama

Trump ist es gelungen, dass viele Bürger sich als Teil einer Art weißen identitären Bewegung wahrnehmen. Doch ist es ein Fehler, sich politische Repräsentation wie eine mechanische Reproduktion bereits bestehender Identitäten und Interessen vorzustellen. Repräsentation ist ein dynamischer Prozess, in dem Repräsentanten verschiedene Themenangebote machen und Probleme – und auch Fakten – auf ganz unterschiedliche Weise durch historische Erzählungen, Werte und auch emotionale Appelle einrahmen. Damit formen sie auch die Selbstwahrnehmungen der Bürger auf die eine oder andere Art. Trump hat immer wieder eine Story von Niedergang und mit ihm möglichen Wiederaufstieg Amerikas offeriert, vor allem aber auch eine Art weiße Identitätspolitik nach dem Motto: „Nach den ganzen Minderheiten mit ihren Sonderwünschen seid ihr jetzt endlich wieder dran!“

Diese Interpretation wird teilweise bestritten, weil viele von Trumps weißen Wähler sowohl 2008 als auch 2012 Barack Obama gewählt hätten – ergo müsste ihnen die Hautfarbe doch egal sein. Dies übersieht jedoch, dass Obama in seinen beiden Wahlkämpfen Identitätsfragen fast völlig außen vorhielt und Ungleichheit und das Fehlen fairer Chancen in Amerika als die entscheidenden Herausforderungen präsentierte. Hillary Clinton hat es nicht völlig anders gemacht – aber doch viel direkter an Afro-Amerikaner und Latinos appelliert als Obama, dem es aufgrund seiner eigenen Identität leichter viel, Minderheiten zu mobilisieren. Vergeblich, so hört man jetzt aus Kreisen des sich auflösenden Clinton-Kampagnenteams, habe der alte Bill Clinton darauf gedrängt, auch weiße Arbeiter nicht zu vergessen, die er in den 90er Jahren noch für die Demokraten an die Urnen bringen konnte. Die jungen Wahlkampfstrategen hätten ihm angeblich entgegnet, diese seien inzwischen für die Demokraten verloren.

Rückschläge für Emanzipationsgewinne gab es auch früher

Somit standen sich 2016 zwei Visionen von Identitätspolitik gegenüber. Und de facto hat, was der frühere Obama-Berater Van Jones noch am Morgen nach der Wahl einen „Whitelash“ nannte, gewonnen: in Anlehnung an „Backlash“ eine Art Rückschlag gegen die Emanzipationsgewinne unter Obama. Es wäre nicht das erste Mal in der US-Geschichte: Auch nach der offiziellen Abschaffung der Sklaverei und einigen Jahren des Fortschritts für Afro-Amerikaner gab es Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts eine starke Gegenbewegung. So entfernte beispielsweise Woodrow Wilson systematisch Afro-Amerikaner aus den Bundesbehörden.

Quelle : Tagesspiegel >>>>> weiterlesen

 

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3.Arzneitests an Demenzkranken – Ein ethischer Tabubruch ohne Not

Im Schatten der US-Wahl hat der Bundestag die Ausweitung von Medikamententests an Demenzkranken gebilligt. Das ist beunruhigend und zerstört Vertrauen.

Nun hat es Hermann Gröhe gegen alle Widerstände also doch geschafft. Erstens: die Möglichkeiten für Arzneitests an Demenzkranken auszuweiten. Und zweitens: Die ethisch hochbrisante Änderung unter der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle zu halten. Der Tag, an dem das heikle Thema im Bundestag aufgerufen wurde, war just der Tag nach der US-Wahl. Als auch hierzulande keinen politisch groß was anderes interessierte als der unglaubliche Triumph des Donald Trump

Still und leise klappte nicht

Nach dem, was vorher war, mag man an Zufall kaum glauben. Erst hatte der Gesundheitsminister die Arzneitest-Erlaubnis still und leise in einen bereits abgestimmten Kabinettsentwurf gehievt. Zur Erstbefassung des Parlaments fand sich ein spätabendlicher Abhak-Termin. Und den Versuch, die Sache ebenso flott zu später Stunde durchwinken zu lassen, vereitelte nur der Protest endlich aufmerksam gewordener Abgeordneter.

Sie erzwangen, was bei dem Thema von vornherein selbstverständlich hätte sein sollen: eine ausgiebige Debatte zur Kernzeit, ohne Fraktionszwang und mit namentlicher Abstimmung.

Schutz für die Schutzbedürftigsten wird aufgeweicht

Am Freitag hat der Bundestag einen Strich drunter gemacht. Der Schutz für die Schutzbedürftigsten im Land wird aufgeweicht. An Dementen und anderen nichteinwilligungsfähigen Erwachsenen darf nun auch Arznei erprobt werden, die ihnen selber gar nicht nützt.

Bisher war das verboten. Aus gutem Grund: Wenn es bei Arzneistudien nicht primär um Heilung oder Krankheitslinderung für den jeweiligen Patienten geht, besteht die Gefahr einer Verzweckung. Solche Tests sind schon problematisch bei Gesunden, die mit Aufwandsentschädigungen gelockt werden. Bei Demenzkranken, Komapatienten, geistig Behinderten ist das Missbrauchsrisiko noch viel größer.

Vor drei Jahren waren alle noch dagegen

Es ist erst drei Jahre her, dass sich der Bundestag geschlossen gegen jede Aufweichung der Schutzstandards für diese Personengruppe gestemmt hat. Warum eine Mehrheit das jetzt plötzlich anders sieht, ist rational nicht erklärbar. Zumal die Pharmaindustrie klargestellt hat, dass man derartige Forschung an schwer Dementen zur Entwicklung neuer Arznei gar nicht benötigt.

Genauso eigenartig ist es, dass ein werteverbundener und kirchennaher Politiker wie Gröhe dieses Anliegen einiger weniger Forschungsverbünde mit derartiger Verbissenheit zu seinem eigenen machte. Und dabei jedes Gespür für die Dimension dieser Grenzüberschreitung vermissen ließ. Sterbehilfe? Nein, keinesfalls. Arzneitests an Dementen? Ja, unbedingt. Wirklich zusammen passt das nicht.

Entscheidung weckt weitere Begehrlichkeiten

Wobei die Kritiker auf dem Teppich bleiben sollten. Die Entscheidung ist beunruhigend. Eine ethische Katastrophe ist sie nicht. Schließlich setzen die Arzneitests eine Willenserklärung voraus, die vorab in geistig klarem Zustand verfasst worden sein muss. Weil die aufgrund des zeitlichen Vorlaufs nicht mehr sein kann als eine vertrauensselige Blankovollmacht, werden sich nicht viele Probanden finden.

Weit schlimmer ist: Die Änderung zerstört ganz ohne Not Vertrauen in einem außerordentlich sensiblen Bereich. Und sie weckt weitere Begehrlichkeiten. Man darf gespannt sein, was der Politik als nächstes angetragen wird.

Quelle :  Tagesspiegel >>>>> weiterlesen

http://www.tagesspiegel.de/politik/arzneitests-an-demenzkranken-ein-ethischer-tabubruch-ohne-not/14832674.html

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4.Wer den Populismus pauschalisiert, begünstigt ihn

Der Kapitalismus ist nicht schuld am Rechtsruck der Politik. Eine liberale Politik braucht ein freies Wirtschaftssystem. Wer Trump- und AfD-Wähler eindämmen will, sollte bei den Ressentiments und dem Unverständnis der bürgerlichen Mitte anfangen.

Nun, da Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt worden ist, beginnt die Suche nach den Gründen für die Wut so vieler US-Bürger auf das „Establishment“. Die linke Kritik macht es sich teilweise sehr einfach: So schreibt Jakob Augstein in seiner Kolumne „Im Zweifel links“: „Trumps Sieg ist der letzte Beweis dafür, dass die liberale Demokratie in einer existenziellen Krise ist. Sie droht den Kampf mit dem Kapitalismus zu verlieren“.

Ein derart monokausaler Erklärungsansatz ist kaum besser als das schlichte Schwarz-Weiß-Denken von Vereinfachern wie Trump, AfD, Pegida und Co. Augstein baut einen Antagonismus auf, den die Nachkriegsgeschichte fundamental widerlegt hat. Worin bitte soll er bestehen, der „Kampf“ der liberalen Demokratie gegen „den“ Kapitalismus? War nicht im Gegenteil – bis zum Mauerfall vor fast genau 26 Jahren – der Antikapitalismus der sowjetischen Satellitenstaaten das aliud zur liberalen Demokratie? Gab es in der Historie jemals eine liberale Demokratie ohne ein freies Wirtschaftssystem? Nein.

Wer wirklich verstehen will, warum Trump Präsident werden konnte, warum in Polen und Ungarn autoritäre Regierungen an die Macht gelangen konnten, warum der Front National und die FPÖ so stark geworden sind und die AfD sich anschickt, es ihnen gleichzutun, darf nicht eindimensional argumentieren.

Natürlich gibt es in den USA wie in Europa Wählerschichten, die sich, wie es so oft heißt, „abgehängt“ fühlen und es nicht selten auch sind. Es handelt sich um Menschen, die in der Leistungsgesellschaft nicht mithalten können und sich deshalb, wie Alan Posener schrieb, auf irgendetwas zurückziehen, was ihnen eine, wenn auch ressentimentgeladene Identität vermittelt: „Echte Männer gegen Schwule“, „Gutmenschen“ und emanzipierte Frauen. Familien gegen Singles. „Werte“ gegen Intelligenz.“

Der Rechtsruck hat nicht nur ökonomische Ursachen

Fraglos ist die bis in die 80er Jahren fast schon gesellschaftlich zementierte Gewissheit, dass es den eigenen Kindern einmal besser gehen wird, erodiert. Ohne jeden Zweifel verdrängen „Gentrifizierung“ und Großstadtmieten „Normalverdiener“, vor allem solche ohne akademische Ausbildung, zunehmend aus Innenstadtlagen. Desgleichen haben die Banken- und einige Jahre später die Eurokrise das Vertrauen vieler Bürger in den Kapitalismus erschüttert und Angst um das eigene Sparbuch ausgelöst. Auch die der Eurorettung geschuldete „Nullzinspolitik“ führt vielfach zur Sorge um die eigene Altersvorsorge. Alles richtig. Dennoch geht es bei all diesen Themen nicht um eine Fundamentalkritik an „dem“ Kapitalismus“, sondern um die Frage nach dessen Ausgestaltung bzw.– bezogen auf Deutschland – nach der Art und Weise, wie die Idee soziale Marktwirtschaft umgesetzt werden soll. Wer hingegen wie Augstein „den“ Kapitalismus als Grundübel ausmacht, stellt letztlich wie die Neurechten ebenfalls eine Systemfrage, nur eben eine von links. Am Rande sei bemerkt, dass auch die Neue Rechte – mit Ausnahme ihres libertären Flügels – große Ressentiments gegenüber dem „Kapital“ pflegt.

 

Quelle :Tagesspiegel >>>>> weiterlesen

https://causa.tagesspiegel.de/kolumnen/nbspwer-den-populismus-pauschalisiert-beguenstigt-ihn.html

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5. Mit welchem Thema will Rot-Rot-Grün regieren?

Die künftige Koalition will die Koalitionsverhandlungen beenden.

Sie verhandeln Stunden um Stunden, oft bis tief in die Nacht: Rot-Rot-Grün hat in den vergangenen Wochen über viele Themen wie Verkehr, Bürgerämter und Verwaltung, über Sicherheit und Polizei, über Wohnungen und Mieten gestritten – ja, das auch – und sich dann verständigt. Die Fachpolitiker informierten anschließend auf einer Pressekonferenz, was sie vorhaben, die große Runde mit Michael Müller (SPD), Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop und Linke-Chef Klaus Lederer an der Spitze muss dann in der kommenden Woche abschließend entscheiden, was geht oder was nicht geht.

Ob die Koalitionäre den Mut haben werden zu sagen, was doch nicht finanzierbar ist, ist wenig wahrscheinlich. Zu groß ist offenbar die Furcht, die Parteimitglieder der Linken könnten in dem geplanten Mitgliederentscheid doch noch Nein zu Rot-Rot-Grün sagen. Die Linken haben, das muss man wirklich anerkennen, den Mut, ihre Parteibasis zu befragen. Die SPD und die Grünen, die sonst auch sehr viel auf Teilhabe und Beteiligung pochen, wagen das Risiko nicht. Da zählt auch der Hinweis, dass die Sozialdemokraten bei der letzten Bundestagswahl in einer Mitgliederbefragung über den Koalitionsvertrag mit der CDU abstimmen durften, nicht. SPD und Grünen ist das Wagnis zu groß. Wahrscheinlich zu Recht. Die jüngste Forsa-Umfrage zeigt schon, dass nach der Abgeordnetenhauswahl für Rot-Rot-Grün keine Euphorie ausgebrochen ist.

Quelle : Berliner Morgenpost >>>>> weiterles

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Aus der dysfunktionalen Stadt eine funktionierende machen

In den vergangenen Tagen haben wir also von vielen großen und kleinen Projekten gehört, auch von sehr ehrgeizigen wie dem Plan, dass alle Berliner künftig innerhalb von zwei Wochen einen Termin beim Bürgeramt bekommen sollen oder dass alle Verwaltungen vom Bezirk bis zur Senatsverwaltung ein einheitliches Computersystem erhalten werden. Was aber fehlt, ist das verbindende Thema, mit dem Rot-Rot-Grün regieren will. Dabei wäre es so erforderlich, aus der dysfunktionalen Stadt eine funktionierende zu machen, oder aus der veralteten, analogen eine digitale. Meinetwegen auch „Smart City“ genannt. Dem sich dann alles unterordnet.

Klaus Wowereit trat 2001 an, um zu sparen, bis es quietscht – positiver formuliert, um den Haushalt zu konsolidieren. In der zweiten Amtszeit ging es Wowereit und den Linken um die soziale Stadt, in der dritten mit der CDU dann um das Ziel, die Infrastruktur Berlins wieder zu verbessern und auszubauen. Letzteres hat, wie wir wissen, nicht geklappt, umso wichtiger wäre es jetzt, die Stadt endlich in die digitale Zeit zu führen. Ich bin fast versucht zu wetten, dass Rot-Rot-Grün zum Abschluss der Koalitionsverhandlungen kommende Woche eher die „soziale und ökologische Wende“ in Berlin als Ziel ausrufen wird.

Posten des Innensenator scheuen bislang alle

Wer die rot-rot-grünen Projekte verwirklichen soll, steht inzwischen weitgehend fest. Regierender Bürgermeister bleibt natürlich Michael Müller (SPD), Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD). Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) wird sein Amt wohl an Grüne und Linke verlieren. Er werde, so hört man aus den Parteien, dann neuer Innensenator. Innensenator zu sein, auch das ist interessant, scheuen bislang alle. Müller bot das Amt den Linken und den Grünen mehrfach an, doch die lehnen strikt ab. Es ist ja auch ein schwieriges Ressort, wie Frank Henkel (CDU) in den letzten Jahren erleben musste.

Gute Chancen, Senatorin zu bleiben, hat auch Dilek Kolat (SPD). Sie wird sogar schon mal als Innensenatorin gehandelt. Für die Linke werden wohl Klaus Lederer (Kultur), Carola Bluhm (Arbeit und Soziales) und Katrin Lompscher (Bauen und Wohnen) in den Senat einziehen, für die Grünen ist Ramona Pop (Wirtschaft) gesetzt, dazu kommen wahrscheinlich Jens-Holger Kirchner (Stadtentwicklung und Umwelt) und vielleicht Anja Schillhaneck (Wissenschaft). Viel spekuliert wird, was mit Bildung und Justiz passiert. Geben darf es letztlich nur zehn Senatoren und den Regierenden Bürgermeister. So schreibt es die Verfassung vor. Mehr wäre auch verrückt.

Quelle: Berliner Morgenpost >>>>> weiterlesen

http://www.morgenpost.de/kolumne/schomaker/article208707761/Mit-welchem-Thema-will-Rot-Rot-Gruen-regieren.html

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6. Aus Respekt vor seinem Vorgänger: Trump will Teile von „Obamacare“ behalten

In der letzten TV-Debatte mit seiner nunmehr geschlagenen Rivalin hatte der designierte US-Präsident angekündigt, die Gesundheitsreformen seines Vorgängers komplett einzustampfen. Von diesen Plänen nimmt Donald Trump nun offenbar Abstand.

Donald Trump will anscheinend zumindest Teile der von US-Präsident Barack Obama durchgesetzten Gesundheitsreform aufrechterhalten, die unter dem Namen „Obamacare“ bekanntgeworden ist. Die Regelung, dass Versicherer Patienten nicht wegen Vorerkrankungen ablehnen können, halte er für richtig, sagte Trump dem „Wall Street Journal“ in seinem ersten Interview seit der Präsidentschaftswahl.

Außerdem will Trump die Regelung aufrechterhalten, dass Kinder für bestimmte Zeit bei ihren Eltern mitversichert bleiben können. „Diese beiden gefallen mir sehr gut“, sagte Trump mit Blick auf die erwähnten Regelungen. Aus Respekt für Obama wolle er darüber nachdenken, die Reform nicht vollends rückgängig zu machen. Der Meinungsumschwung des Republikaners kam nach Einschätzung der Zeitung wohl durch den Einfluss Obamas bei einem Gespräch mit Trump am Donnerstag zustande.

Quelle : n-tv >>>>> weiterlesen

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Image — Quelle:  This illustration of the 2016 Republican Clown Car was adapted from a Creative Commons licensed photo of a 1952 Buick Riviera by Tony Hisgett and available from Wikimedia.

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Steinmeier ein Präsident ?

Erstellt von DL-Redaktion am 10. November 2016

Steinmeier außer Rand und Band

Der Wahlsieg von Donald Trump mag einem nicht gefallen. Deutsche Spitzenpolitiker sollten sich jedoch mit persönlichen Befindlichkeiten zurückhalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das getan, Außenminister Frank-Walter Steinmeier nicht. Damit hat er seine Eignung als Bundespräsident in Frage gestellt

Am Tag nach der Wahl war auf den Bildschirmen rund um den Globus ein Mann zu sehen, der immer noch aussah wie Donald Trump, aber nicht mehr so redete. Er versprach, ein Präsident aller Amerikaner zu sein, egal ob Demokraten oder Republikaner, egal welcher Hautfarbe. Und er versprach daran zu arbeiten, das Land wieder zu einen.

Man wird ihn an seinen Taten messen müssen, aber auch an diesen Worten. Zunächst einmal sind das nur Worte, das stimmt. Aber dass Worte wirkmächtig sind, hat nicht zuletzt dieser völlig entgrenzte Wahlkampf in den USA gezeigt. Deshalb ist vorläufig festzuhalten: Donald Trump, der angehende 45. Präsident der Vereinigten Staaten, hat den schmutzigen Wahlkämpfer Trump hinter sich gelassen,  hat sich die Kriegsbemalung aus dem Gesicht gewischt. Das ist erst einmal gut und richtig so.

Merkel beweist Größe

Hierzulande sind leider einige Spitzenpolitiker immer noch auf dem Kriegspfad. Aber beginnen wir oben, beginnen wir bei der Kanzlerin. Angela Merkel hat in ihrem kurzen Statement den richtigen Ton getroffen, die richtigen Worte gefunden, genau die richtige Botschaft ausgesandt. Sie hat Trump, wie es sich gehört, zum Wahlsieg gratuliert und dann all die gemeinsamen Grundwerte aufgezählt, auf deren Grundlage sie zu einer engen Zusammenarbeit mit dem neuen amerikanischen Präsidenten bereit sei. Und obendrein hat sie in klaren, kurzen Worten noch die Bedeutung eines guten Verhältnisses zwischen den USA auf der einen und Europa und Deutschland auf der anderen Seite benannt.

In diesem Statement der Kanzlerin war kein Wort zu viel, keines zu wenig, und keines daneben. Kein Kotau, sondern eine selbstbewusste und eine plausibel konditionierte Handreichung. Und dabei ist zu berücksichtigen, dass Trump Angela Merkel persönlich und für ihre Flüchtlingspolitik extrem scharf angegangen ist. Er hat sie mit ihrer Politik für „verrückt“ erklärt und seine Kontrahentin Hillary Clinton im gleichen Atemzug als die „Merkel Amerikas“ verhöhnt. Keinen anderen westlichen Regierungschef hat Trump in ähnlich despektierlicher Weise behandelt wie die deutsche Kanzlerin. Insofern zeugt es von doppelter Größe und Professionalität, wie Merkel auf den Mann reagiert hat, den sie sich mit einiger Sicherheit nicht als US-Präsidenten gewünscht hat.

Steinmeier verweigert die Gratulation

Quelle : Cicero >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle : Siebbicropped version of ipernity.com

Steinmeier mit seiner Ehefrau Elke Büdenbender auf der Berlinale 2011

CC BY 3.0

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Florenz verweigert sich McDonalds

Erstellt von DL-Redaktion am 9. November 2016

Ein kleiner Vorgeschmack zu TTIP und CETA

File:McDonalds Times Square.JPG

McDonald’s verlangt 18 Millionen Euro Schadenersatz von der Stadt Florenz

Florenz will das Stadtbild wahren und lehnt eine McDonalds-Filiale am Domplatz ab. Nun will die Fastfood-Kette Schadensersatz.

Florenz will keine McDonald’s-Filiale an ihrem berühmten Domplatz haben – jetzt sieht sich die Hauptstadt der Toskana einer Schadenersatzforderung in Millionenhöhe ausgesetzt. Die US-Fastfoodkette teilte der Nachrichtenagentur AFP am Montag mit, sie habe die Stadt Florenz bei dem zuständigen Verwaltungsgericht auf 17,8 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt. Nähere Angaben wollte das Unternehmen nicht machen.

Der Bürgermeister von Florenz, Dario Nardella, hatte sich im Juni quer gestellt: Er verweigerte McDonald’s die Genehmigung für eine Filiale am berühmten Piazza del Duomo. Der Mitte-links-Politiker sagte zur Begründung, das traditionelle Gewerbe in dem Stadtviertel solle unterstützt werden. Die Kathedrale Santa Maria del Fiore mit ihrer charakteristischen Kuppel ist eines der Wahrzeichen von Florenz. Die Altstadt von Florenz, in der auch der Domplatz liegt, zählt zum Unesco-Weltkulturerbe.

Quelle : DWN >>>>> weiterlesen

Fotoquelle : McDonald’s storefront lit up on a 25 degree night in Times Square, NYC

I, the copyright holder of this work, release this work into the public domain. This applies worldwide.
Author Sallicio / own work

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Wie sollen wir mit Kinderehen umgehen

Erstellt von DL-Redaktion am 5. November 2016

Kinderehe
„Das ist nicht meine Tochter, das ist meine Frau“

SPD und Union haben da unterschiedliche Vorstellungen. Die Union tendiert zu einem pauschalen Verbot, während die SPD auch Ausnahmefälle zulassen will.

Das Deutsch-Arabische Zentrum hat seinen Sitz in Berlin-Neukölln. Jeden Tag besuchen Syrer, Afghanen, Iraker die Einrichtung des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerkes. In der offenen Sprechstunde erhalten sie Ratschläge und auch praktische Hilfe, damit sie sich in ihrer neuen Heimat Berlin besser zurechtfinden. Auch das Thema „Kinderehe“ kommt in den Beratungen ab und an zur Sprache, sagt Leiter Nader Khalil.

„Ich selber war in einer Beratung, wo ich demjenigen gesagt habe, ihre Tochter und er guckte mich blöd an und sagte, das ist nicht meine Tochter, das ist meine Frau. War erst mal so eine Situation wo ich erst mal schlucken musste und dann habe ich ihm gesagt, für ihre Frau ist das Jugendamt zuständig. Sorry, so geht das nicht. Er wiederum antwortet nein, ich bin für meine Frau zuständig.“

Nader schüttelt den Kopf. Natürlich habe man umgehend das Jugendamt informiert, sagt er. Was nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist, ist auch nicht mit Nader Khalils Gewissen vereinbar. Den Moslem ärgert aber die religiös instrumentalisierte Debatte. Kinderehen haben seiner Meinung nach keinen religiösen Hintergrund.

„Es ist so, dass viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen aus vielen anderen Ländern, wo in der Stadt die Mädchen gebildeter sind, auch keine Angst davor haben, mit 20 nicht geheiratet zu haben. Während auf dem Lande eine eher wirtschaftliche Absicherung da ist, weil dort in diesen Gesellschaften der Mann, derjenige ist der ernährt und somit auch der Vorsteher der Familie das Sagen hat und das Bestimmen hat.“

„Wir dürfen kein Politikum daraus machen“

Der gebürtige Libanese war selbst ein Flüchtling, ist heute ein gefragter Experte, gerade wenn es um die Probleme arabischer Familien in Berlin geht. Er engagierte sich als Lokalpolitiker, kandidierte sogar für den Bundestag – für die CDU. Dass die Union nun grundsätzlich fordert, alle Ehepaare unter 18 so zu behandeln, als hätte ihre Ehe nie bestanden, dieser Weg scheint ihm dann doch zu rigoros –  und zu einfach.

„Wir dürfen kein Politikum daraus machen, es darf nicht mit Angelegenheiten von Flüchtlingen, die zu uns geflüchtet sind, Wahlkampf gemacht werden. Wir müssen Lösungen haben, damit die Menschen sich auch hier integrieren, damit das Leben hier leichter geht. Sicherlich, wenn die Menschen sich hier in Deutschland befinden, dann gilt unser Grundgesetz. Aber wenn Menschen von außen gekommen sind, müsste man prüfen ob diese Ehen tatsächlich freiwillig geschlossen wurden oder nicht.“

Er unterstützt darum den Vorschlag von Bundesjustizminister Maas. Der SPD-Politiker hatte sich in der Debatte um die Kinderehe dafür ausgesprochen, dass im Grundsatz Eheschließungen unter 18 tabu sein sollten. In Ausnahmefällen aber – wenn es bereits Kinder gibt oder die Ehefrau schwanger ist – könne es unter Umständen sinnvoll sein, Ehen, die im Ausland im Alter von 16 bis 18 Jahren geschlossene wurden, doch anzuerkennen. Auch damit die betroffene Frau nicht komplett rechts- und schutzlos sei, so Maas. Terre des Femmes hält weder etwas von dem Vorschlag, noch etwas von dem Argument. Seit Jahren spricht sich die Frauenrechtsorganisation strikt für ein weltweites Heiratsverbot unter 18 Jahren aus. Solange das Mädchen minderjährig ist, dürfe die Ehe vom deutschen Staat nicht anerkannt werden, sagt Referentin Monika Michell.

Quelle : Deutschlandfunk >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle : Urheber – Jaisingh RathoreUploaded to w:en as w:en:Picture 384.jpg.jpg.jpg on 27 December 2006

 

  • CC BY 2.5
  • File:Hindu marriage ceremony offering.jpg
  • Hochgeladen: 30. Mai 2007

 

 

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Agatha Christie’s

Erstellt von DL-Redaktion am 1. Mai 2016

File:Henry Scott Tuke - The Bathers, 1922.jpg

Agatha Christie’s

Kunstkrimi Eine Auktion hat 1997 die Kunstwelt für immer verändert. Die Panama Papers legen die Geschichte der Sammlung Ganz nun offen

von The Guardian

Los 33 rückt auf einer drehbaren Stellwand ins Blickfeld. In wenigen Augenblicken soll Pablo Picassos Meisterwerk Die Frauen von Algier (Version O) einen neuen Eigentümer finden. Es ist das Jahr 1997. 2.000 Menschen drängen sich im Verkaufsraum des Auktionshauses Christie’s in Manhattan, darunter der Kosmetik-Gigant Leonard Lauder und William H. Gates, Vater des Microsoft-Gründers Bill Gates. Die Versteigerung der Sammlung von Victor und Sally Ganz ist ein High-Society-Ereignis, das Haus ist brechend voll. Die Anwesenden greifen zu ihren Gebotstäfelchen, elegant gekleidete Assistenten halten 60 eigens für die Auktion installierte Telefonleitungen besetzt.

„16 Millionen“, verkündet der Auktionator, „19 Millionen … 20 Millionen… 22 Millionen … 27 Millionen Dollar? 28 Millionen …“ Als der Hammer fällt, hat sich die Kunstwelt für immer verändert. Ein Londoner Händler, der angeblich im Auftrag eines anonymen Klienten aus dem Nahen Osten bietet, hat 31,9 Millionen Dollar für ein Gemälde bezahlt, das 40 Jahre zuvor für 7.000 Dollar erworben wurde.

Die Ganz-Auktion galt schon damals als Meilenstein. Sie markierte den Moment, in dem Kunst eine globale Ware wurde – eine alternative Investition zu Immobilien und Aktien für alle, die über das nötige Kleingeld verfügen. „Es war, als hätte der Markt eine Steroid-Injektion erhalten“, sagt der New Yorker Kunstberater Todd Levin.

Was an jenem frostigen Novemberabend niemand im Publikum bei Christie’s ahnte: Die Frauen von Algier war mit vielen anderen Gemälden dieser Auktion von der Ganz-Familie längst verkauft worden. Die Geschichte hinter dieser Auktion, die einen nie dagewesenen Rekordpreis für eine Privatsammlung erzielte, kann dank der Panama Papers nun zum ersten Mal erzählt werden. Sie setzt den Gerüchten ein Ende, wie Christie’s anderen Auktionshäusern den Auftrag für den Verkauf der Ganz- Sammlung weggeschnappen konnte. Und sie ist ein Lehrstück in der Kunst der Deckgeschäfte durch einen der weltweit erfolgreichsten Finanzspekulanten.

Wer führte das Konto?

Joe Lewis war mit 15 von der Schule abgegangen und in den familiären Catering-Betrieb eingestiegen. Nachdem er den Laden verkauft hatte, ging er 1979 als Steuerflüchtling auf die Bahamas. Von der Karibikinsel aus verwandelte er seine Millionen mithilfe von Finanzgeschäften in Milliarden. 1992 landete er zusammen mit George Soros einen legendären Spekulationscoup, der dafür sorgte, dass das britische Pfund aus dem europäischen Wechselkursmechanismus hinausflog. Das Ereignis wurde als Black Wednesday bekannt, Soros’ Name wird bis heute damit verbunden. Lewis soll unterdessen still und leise den größeren Teil der Gewinne eingestrichen haben. Heute kennt man Joe Lewis als Eigentümer des Fußballclubs Tottenham Hotspur und Sponsor der Glasgow Rangers, in die er 40 Millionen Pfund investiert hat.

Die geleakten Dokumente der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca enthalten die Namen unzähliger Offshore-Unternehmen, die Lewis gegründet hat, um seine Investitionen zu halten. Bei vielen fungiert die auf den Bahamas registrierte Aviva Holdings Ltd. als Shareholder. Sie wurde 1993 gegründet und ist nach einer Yachtenflotte benannt, die für Lewis als schwimmende Büros und Kunstgalerien im Einsatz ist.

Das New Yorker Ehepaar Ganz besaß ein Unternehmen für Modeschmuck und begann in den 40er Jahren, Kunst zu sammeln. Neben Picasso konzentrierten sie sich auf Frank Stella, Jasper Johns, Robert Rauschenberg und Eva Hesse, allesamt Pioniere des abstrakten Stils. Sie verwendeten 50 Jahre und zwei Millionen Dollar auf ihre Sammlung. Als nach ihrem Tod Erbschaftssteuer fällig wurde, entschlossen ihre Kinder sich, die Werke zu veräußern.

Quelle: Der Freitag >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle – Wikipedia: The Bathers /von  Henry Scott Tuke (1858–1929)

gemeinfrei

Herkunft/Fotograf easyart.com

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Der Österreicher ist ein Wirbeltier

Erstellt von DL-Redaktion am 1. Mai 2016

File:Prater Turm Riesenrad Wien Vienna.jpg

Der Österreicher ist ein Wirbeltier

Dass in Österreich ein Notstand herrscht, hat man am Wahlergebnis gesehen. Die Flüchtlinge haben damit nichts zu tun. Ein Wochenrückblick.

von Saskia Hödl

„Und, hast du schon Asyl in Deutschland beantragt?“, fragte mich ein Kollege am Montag. Ich grinste versöhnlich und sagte etwas von Regen und etwas von Traufe. Ja, es war ein harter Sonntag für ÖsterreicherInnen, aber noch lange kein Grund, den Pass abzugeben, wie es etwa der Schauspieler Elyas M’Barek ankündigte. Denn auch wenn das Ergebnis der Präsidentschaftswahl mindestens bis zur Stichwahl am 22. Mai periodischen Brechreiz bei mir hervorrufen wird, war es keine große Überraschung.

Es war auch kein Erdbeben – zumindest keines ohne Vorbeben. Was mein Heimatland vergangenen Sonntag so erschüttert hat, ist die Realität. Österreich ist schon längst gespalten. Es geht zwar nicht mehr um Rot oder Schwarz und vielleicht auch gar nicht um FPÖ und Grüne. Sondern um Norbert Hofer oder Alexander van der Bellen, rechts oder links, Blau oder nicht Blau, Vergangenheit oder Zukunft.

Um Österreich zu verstehen, muss man seine politische Kultur verstehen. Verdrängung ist hier ein Kulturgut, Raunzen eine Lebensphilosophie. Der Österreicher hat eine angeborene Grundhaltung: Er ist dagegen. Auf dem Land grundsätzlich mehr als in der Stadt, das ist nicht außergewöhnlich. Jedoch muss man beim Studieren der Wahlergebnisse bedenken, dass Österreich im Grunde nur eine Großstadt ist, umschlossen von ländlicher Gegend.

Von wegen Notstand

Das österreichische Dagegensein ist manchmal sogar ganz nützlich – siehe Atomkraft, da ist der Österreicher so grundsätzlich dagegen, dass sogar die FPÖ dagegen sein muss. Und dann ist dieses Dagegensein wieder so menschenverachtend, dass man sich fragt, wie der Österreicher noch schlafen kann. Etwa wenn vergangenen Mittwoch das Asylgesetz weiter verschärft und ein Artikel verabschiedet wird, mit dem die Regierung im „Notstand“ praktisch keine Asylbewerber mehr ins Land lassen muss.

Asylverfahren sollen dann im Schnellverfahren an der Grenze durchgeführt werden. Der Notstand tritt der Änderung zufolge ein, wenn die „öffentliche Ordnung und der Schutz der inneren Sicherheit“ wegen hoher Flüchtlingszahlen nicht mehr gewährleistet sind.

Man hat richtig vor Augen, wie die Wiener dieser Tage ihre Wampe im Burggarten in die Sonne halten und an ihrem Spritzer nippen. Von wegen Notstand. In Österreich wurden 2015 etwa 90.000 Asylanträge gestellt. Bei über 8,5 Millionen Einwohnern. Heißt, auf 95 Österreicher kommt ein Geflüchteter. Und das heißt wiederum, dass der einzige Notstand, den es in Österreich gibt, im Parlament herrscht. Doch den Regierungsparteien hilft auch die Anbiederung an rechts nicht mehr. Denn es sind nicht die Flüchtlinge, es ist die Enttäuschung, die zu dieser Spaltung geführt hat.

Mit Suppenlöffeln bewaffnet

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle – Wikipedia: „CC0 1.0 Verzicht auf das Copyright“

Urheber Jebulon

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Das vergiftete Paradies

Erstellt von DL-Redaktion am 25. April 2016

File:Montage Panama City.jpg

Das vergiftete Paradies

Auf der panamaischen Insel San José haben die USA einst Chemiewaffen getestet. Heute stehen hier Luxusbungalows

von Guido Bilbao

Kreuzt man zwischen den dreißig Inseln, die im smaragdgrünen Meer des Archipels Las Perlas verstreut liegen, lässt man die Contadora-Insel hinter sich und hält trotz der Haie und der starken Gegenströmung Kurs auf die Linie, wo der Golf von Panama in den Pazifik übergeht, gelangt man zu einem kleinen Paradies: San José, 44 Quadratkilometer, mehr als 50 weiße Sandstrände, Korallenbänke, Palmen, Berge, Höhlen und Wasserfälle. Die Insel liegt 80 Kilometer vor der Einfahrt zum Panamakanal und gehört zu einem Gebiet, das als beste Adresse für den Fischfang auf dem Planeten gilt. Und San José ist die einzige Insel weit und breit, auf der es das ganze Jahr über Süßwasser gibt.

Die Reiseagenturen haben sie „Die Perle der Perlen“ getauft. San José ist heute das teuerste Eiland der Welt: Es steht für 325 Millionen Dollar zum Verkauf. Aber keine Reiseagentur wird verraten, dass San José die potenzielle Hölle birgt.

Zwischen 1944 und 1948 diente die Insel den USA, unter Beteiligung von Großbritannien und Kanada, als Testgelände für Chemiewaffen. Die freigesetzten Kampfstoffe gelangten in die Luft, versickerten im Boden. Aber viele der Bomben, die damals vom Himmel fielen, sind gar nicht erst explodiert. Ein Dutzend Blindgänger wurden bislang offiziell auf San José entdeckt. Sie sind seit siebzig Jahren dem Wind, den tropischen Regengüssen und der karibischen Sonne ausgesetzt. Die langsame Erosion macht sie von Tag zu Tag gefährlicher. Die USA weigern sich bis heute, ihre in internationalen Verträgen festgelegten Pflichten zu erfüllen und die Insel zu dekontaminieren.

Über die giftige Hinterlassenschaft der US-Streitkräfte streiten sich die USA und Panama schon lange. Trotzdem wurde auf San José gebaut. Das Luxusresort Hacienda del Mar besteht aus 17 netten Holzhäuschen mit Veranda, Meeresblick und allem Komfort, die in der Hochsaison 400 bis 700 Dollar pro Nacht kosten. Anders als die Einheimischen, die die Geschichte der Insel kennen, spazieren die Touristen unbeschwert unter Palmen und genießen die ganzjährig konstante Temperatur von 27 Grad.

„Ein von Gott gesegneter Ort“, steht über dem Eingangstor zum Resort. Flitterwochen im Pazifik, Familienurlaub auf der Hacienda del Mar: eine Reise in die Rumpelkammer der Rüstungsgeschichte, Ferien auf einer Waffenmüllhalde made in USA. Ein Schild, das vor chemischen Sprengkörpern warnt, gibt es nicht. Bis jetzt, sagen die Hotelbesitzer, sei man über nichts gestolpert.

2013 schlug das Thema in den Medien hohe Wellen, woraufhin sich das Management der Hacienda entschloss, die Vergangenheit nicht länger unter den Teppich zu kehren. Seitdem wird der Ort den Touristen als lebendiges Museum vermittelt.

„Die Insel ist groß, das Hotel ist am einen Ende, das Bombenthema am anderen“, meint eine Urlauberin. Die Buchung für ihr Domizil mit Blick auf die Bucht war schon bestätigt, als sie von der explosiven Seite der Insel erfuhr. „Wir haben es von der heiteren Seite genommen. Und das Hotel informiert sogar über die Operationen von damals.“ Das Management hat die paradiesische Umgebung auf seiner Seite und fühlt sich sicher genug, die Tests als historische Anekdote zu verkaufen. „Wir haben sogar einen organisierten Ausflug zum ehemaligen Militärgebiet mitgemacht, wo noch Überreste der Kasernen zu sehen sind“, erzählt die Urlauberin. „Man hat uns erklärt, die militärischen Operationen hätten sich ganz auf die abgelegenen Zonen der Insel beschränkt, also weder die Landepisten betroffen noch die Straßen, die wir bei dem Ausflug benutzt haben.“

Niemand in San José möchte die Besucher verschrecken. Das war nicht immer so. Als die USA die Insel in den 1940er Jahren für ihre Chemiewaffentests ausgesucht hatten, setzten sie eine alte Schauergeschichte wieder in Umlauf: 1857 lebte auf San José glücklich und zufrieden ein Engländer mit Frau und Tochter. Sie hatten ein einfaches Bauernhaus gebaut. Die Familie lebte von Früchten und vom Fischfang. Eines Tages landete ein fremder kriegerischer Stamm in San José. Der Engländer und seine Frau wurden von den Eindringlingen getötet und skalpiert. Das Mädchen konnte fliehen. Kurze Zeit später wurde sie von Bewohnern einer Nachbarinsel im Dschungel von San José gefunden, jäh gealtert, weißhaarig und dem Wahnsinn verfallen. Die Helfer wollten sie aufs Festland zurückzubringen, doch sie überlebte die Überfahrt nicht.

Panama ist ein von zwei Ozeanen umspülter schmaler Landstreifen. So schmal, dass man am selben Tag in der Karibik frühstücken, in den Bergen zu Mittag essen und den Sonnenuntergang am Pazifik bewundern kann. Zwischen den beiden Meeren liegen 80 Kilometer Urwald. Zu präkolumbianischen Zeiten tauschten die Völker über die Landenge von Panama Handelswaren aus. Nach der Landung der spanischen Invasoren wurde das in Peru und Kolumbien geraubte Gold und Silber großteils per Schiff zur panamesischen Pazifikküste gebracht und dann über Land, auf dem sogenannten Kreuzweg, zur Karibikküste getragen. Von dort fuhren die mit Schätzen beladenen Galeonen nach Europa zurück. Hier entstanden die Legenden von den Piraten der Karibik, die sich dieser Beute zu bemächtigen versuchten.

Nach dem Ende des Unabhängigkeitskriegs unter Führung von Simón Bolívar entstand 1819 Großkolumbien, zu dem auch die Provinz Panama gehörte. 1878 erwarb Frankreich die bis Ende des 19. Jahrhunderts gültige Konzession zum Bau des Kanals. Die Franzosen hatten ihren Erfolg beim Bau des Suezkanals vor Augen, doch diesmal erlebten sie eine katastrophale Niederlage. Mit dem Urwald wurden sie nicht fertig, das Unternehmen scheiterte.

Und da kamen die USA ins Spiel. Zunächst wollten sie mit Großkolumbien eine neue Konzession für den Kanalbau aushandeln, doch dann erwies es sich als unkomplizierter, einfach einen neuen Staat zu gründen. Panama wurde von Großkolumbien unabhängig ohne einen einzigen Schuss, nur mit Hilfe zweier Schiffe der US-Marine. Die neue Republik schloss sogleich einen Vertrag, der den USA eine unbefristete Konzes­sion für den Bau und die Nutzung des Panamakanals einräumte. Und dazu die Kontrolle über einen jeweils fünf Meilen breiten Landstreifen links und rechts der Wasserstraße: Ein Gebiet von 1432 Quadratkilometern, das an beide Ozeane reichte, nur die großen Küstenstädte Panama-Stadt und Colón blieben ausgespart. In dieser Kanalzone errichteten die USA Militärstützpunkte, die fortan US-Gesetzen unterlagen.

Hier war auch der Standort des Southern Command, der Kommandozentrale für die Koordination und Durchführung aller Militäroperationen der USA in Süd- und Mittelamerika, zu dem auch das berüchtigte Ausbildungszentrum Escuela de las Ámericas gehörte. Heute befindet sich in dem Gebäude das Luxushotel Meliá Panama Canal, das Abenteuerreisen in den Dschungel anbietet.

Über den Feldbetten der GIs baumelten Gasmasken

Quelle: le monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle – Wikipedia:

English: Photo montage of the city of Panama  /  CC BY-SA 3.0
Urheber Mr.Jhosimar

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Erdogans »Neue Türkei« und der Krieg gegen die Kurden

Erstellt von DL-Redaktion am 23. April 2016

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Erdogans »Neue Türkei«

und der Krieg gegen die Kurden

 von Gülistan Gürbey

Das türkische Jahr begann – vor allem aus deutscher Perspektive –, wie das letzte geendet hatte, nämlich mit einem Selbstmordanschlag des IS. Dieser riss am 12. Januar vor der weltberühmten Blauen Moschee in Istanbul neun deutsche Touristen in den Tod. Die türkische Regierung reagierte umgehend, Ministerpräsident Ahmet Davutoglu teilte mit, dass die türkische Artillerie nach dem Anschlag rund 500 Mal Stellungen des IS auf syrischer Seite beschossen habe.

Noch bis zum Sommer 2015 stand die türkische Regierung unter interner und internationaler Kritik, überhaupt nicht gegen den IS vorzugehen, sondern diesen zu dulden oder gar (stillschweigend) zu fördern. Tatsächlich ließ die Regierung dem IS lange Zeit ganz bewusst Bewegungsspielraum, um so das Assad-Regime zu bekämpfen – wie auch die syrischen Kurden unter der Führung der PYD (Demokratische Unionspartei), die der türkisch-kurdischen PKK nahesteht.

Die ersten beiden Anschläge des IS in der Türkei trafen denn auch prompt kurdische und linke Kräfte: Am 20. Juli 2015 wurden in Suruc 32 Menschen getötet, die Aufbauarbeit im vom IS befreiten syrisch-kurdischen Kobane leisten wollten, und am 10. Oktober 2015 wurde in Ankara eine von der kurdischen HDP (Demokratische Partei der Völker) organisierte Friedensdemonstration getroffen, dabei kamen mehr als 100 Menschen ums Leben.

Trotz des jüngsten Anschlags bleibt noch abzuwarten, wie entschieden die türkische Regierung den IS bekämpfen will – im Gegensatz zur unerbittlichen Haltung gegen die Kurden, die im anhaltenden Krieg gegen die PKK zum Ausdruck kommt.

Diesen betreibt die Türkei seit Mitte Februar auch direkt auf syrischem Gebiet: Mit Kampfbombern und Artillerie griff die türkische Armee Stellungen der Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien an – und damit jene, die sich in erster Linie dem IS in Syrien entgegenstellen.

Bereits seit Juli 2015 nimmt die türkische Armee mit Spezialeinheiten und schweren Waffen kurdische Städte im Südosten des Landes unter Beschuss. Ziel ist es, die PKK und ihre städtische Jugendorganisation YDG-H zu eliminieren. Diese haben ihrerseits den Krieg in die Städte getragen und vielerorts die Selbstverwaltung bzw. Autonomie ausgerufen.

Nun fordert der radikale Gegenschlag der Regierung Davutoglu zunehmend Opfer unter der kurdischen Zivilbevölkerung. Human Rights Watch und Amnesty International beanstanden massive Menschenrechtsverletzungen durch das unverhältnismäßige und harte Vorgehen der Spezialeinheiten von Armee und Polizei. Nach ihren Angaben wurden bereits mehr als 150 Zivilisten getötet, darunter Kinder, Frauen und Alte. 200 000 Kurden befinden sich auf der Flucht.

Betroffen sind vor allem jene Städte und Provinzen, in denen die Unterstützung für die PKK und die HDP besonders groß ist. Nach Angaben der Türkischen Menschenrechtsstiftung wurde über Wochen eine totale Ausgangssperre in sieben Städten verhängt, unter anderem in Diyarbakir, Sirnak, Mardin und Hakkari. Die Armee geht in den Wohngebieten mit Militärpanzern, Spezialeinheiten und Scharfschützen vor, während der Bevölkerung der Zugang zu existenzieller Grundversorgung (Strom, Wasser, Lebensmittel) verwehrt und der Kontakt zur Außenwelt völlig abgeschnitten wird. Proteste und Demonstrationen werden mit exzessiver staatlicher Gewalt aufgelöst; und weil die Sicherheitskräfte die medizinische Versorgung verhindern, sterben immer mehr Zivilisten an ihren Verletzungen.

Der von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan angekündigte totale Krieg trifft aber auch die HDP und ihre Bürgermeister. Bereits vor den Parlamentswahlen vom Juni 2015 war die HDP ins Visier der Regierung geraten. Mit verbalen Attacken („politischer Arm der PKK und Unterstützer der Terroristen“) wurde sie öffentlich zur Zielscheibe, was sich in Hunderten von Übergriffen auf HDP-Büros niederschlug (darunter ein Bombenanschlag auf der Wahlkampf-Abschlusskundgebung in Diyarbakir).

Hinzu kommen massive strafrechtliche Repressionen: Gegen den Covorsitzenden Selahattin Demirtas und weitere HDP-Politiker laufen derzeit Ermittlungsverfahren. Betroffen sind auch zahlreiche HDP-Bürgermeister. Sie bilden den Nukleus der Partei. Ihre erfolgreiche lokale Politik schlägt sich in kommunalen Wahlsiegen nieder. Viele von ihnen haben die jüngste Ausrufung der Selbstverwaltung mitgetragen und stehen daher im Visier der Regierung. Sie wirft den Bürgermeistern unter anderem vor, Finanzmittel aus Ankara zur Unterstützung des Terrorismus verwendet zu haben. Zahlreiche Bürgermeister wurden bereits ihrer Ämter enthoben und verhaftet. Nun plant die Regierung, an ihrer Stelle staatliche Verwalter einzusetzen und ihnen die Kontrolle und Verwaltung zu übergeben. Dass auf diese Weise die demokratisch legitimierten Errungenschaften kurdischer Politik von heute auf morgen zunichte gemacht werden, würde die HDP um Jahre zurückwerfen. Ein Ende der Gewalteskalation ist nicht absehbar, legt man die Äußerungen von Staatspräsident Erdogan und Ministerpräsident Davutoglu zugrunde: „Viertel um Viertel, Haus um Haus und Straße um Straße werde von Terroristen und ihren Unterstützern gesäubert.“ Sollte ein neuer Friedensprozess eingeleitet werden, dann nicht mehr mit PKK und HDP, sondern mit anderen kurdischen Akteuren – darauf scheint die neue Strategie der Regierung ausgerichtet zu sein.

Der Krieg in den Städten

Quelle: Blätter >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle – Wikipedia: CC BY-SA 3.0

Beschreibung
English: Kurdish greengrocer
Urheber Dûrzan

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Geht fürs Asyl auf die Straße!

Erstellt von DL-Redaktion am 21. April 2016

File:2014-06-02 Sudan Flüchtlinge Protest gegen Abschiebung, Weißekreuzplatz Hannover, (46) Mahnmal für die Opfer von Mauer und Stacheldraht, Refugees ...jpg

Geht fürs Asyl auf die Straße!

Wer eine humanitäre Flüchtlingspolitik will, muss Druck auf Kanzlerin Angela Merkel machen. Nur so löst sie ihr Versprechen ein.

von Daniel Bax

E s kommen jetzt deutlich weniger Flüchtlinge nach Deutschland als noch vor einigen Wochen. Das ist ein guter Moment, um sich Gedanken zu machen, wie es weitergehen soll.

Ulrich Schulte bekannte jüngst in der taz seine Erleichterung darüber, dass weniger Flüchtlinge kommen, und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass das auch so bleibt. Bernd Pickert hielt dagegen, die deutschen Grenzen dürften „nicht geschlossen bleiben“.

Dabei sind sie das gar nicht. Dass so viele Flüchtlinge jetzt in Idomeni festsitzen, weil die Grenze zu Mazedonien zu ist, liegt an den Staaten der Balkan-Route. Selbst wenn Deutschland wollte, könnte es an deren Haltung wenig ändern. Was also kann es tun, was können wir tun?

Solchen konkreten Fragen stellen sich beide Kollegen leider nicht. Der eine klingt wie der Passagier einer Kreuzfahrtjacht, der sich ziert, weitere Schiffbrüchige an Bord zu nehmen, weil dann die Schlange am Büffet länger und die Biobrötchen knapp würden. Der andere meint, man müsse jeden an Bord nehmen, der vorbeisegelt, ohne auf berechtigte Einwände einzugehen: Sind wirklich alle in Not, die um Hilfe suchen? Wie viel Schiffbrüchige kann und will man aufnehmen? Und was, wenn sich darunter auch Terroristen gemischt hätten?

Alles nur Show

Viele Journalisten machen es sich in der Flüchtlingsfrage zu einfach: Erst kritisierten sie, Merkel habe eine „unkontrollierte Massenzuwanderung“ zugelassen und, durch Selfies mit Flüchtlingen, sogar noch befördert. So musste man die Titel von Spiegel und Zeit („Weiß sie, was sie tut?“) im September verstehen. Jetzt halten sie ihr vor, das sei alles nur Show gewesen, und in Idomeni zeige sich ihr wahres, hässliches Gesicht.

Tatsächlich agiert Angela Merkel teilweise opportunistisch. Aber sie hat einen anderen Plan als Populisten wie Viktor Orbán und Horst Seehofer, die sich hinter Mauern und Zäunen verbarrikadieren wollen. Wie weit sie eine Alternative umsetzen kann, hängt auch davon ab, wie die Stimmung im Lande ist – und wie klug die linke Kritik an ihrer Politik ausfällt. Es braucht kein „Konzept links von der Kanzlerin“, wie es Ulrich Schulte fordert. Es reichte schon, wenn sich eine humanitär orientierte Öffentlichkeit sich für jene Teile ihrer Politik starkmachen würde, die unterstützenswert sind.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle – Wikipedia: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Author Bernd Schwabe in Hannover

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„Qualitäts-Wurst“ mit Hetze

Erstellt von DL-Redaktion am 20. April 2016

File:Bundesarchiv Bild 183-R70355, Berlin, Boykott jüdischer Geschäfte.jpg

„Qualitäts-Wurst“ mit Hetze

Ausstellung über politische Sticker

Die Ausstellung „Angezettelt“ präsentiert antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute. Und sie zeigt, was man dagegen tun kann.

von Maik Söhler

Wenn es stimmt, dass Antisemitismus und Rassismus mehr über das Selbstbild von Antisemiten und Rassisten sagen als über die Objekte ihres Hasses, dann dürften einige von ihnen Probleme in Metzgereien und Reisebüros gehabt haben. Denn Schweine, Wurst und Fahrkarten ziehen sich konstant durch antisemitische und rassistische Aufklebermotive.

Bereits im Jahr 1890 forderte eine antisemitische Kampagne für im Deutschen Reich lebende Juden „Freifahrkarten nach Jerusalem“. Mit Rückflugtickets für Flüchtlinge und Asylbewerber wirbt 120 Jahre später die NPD im Wahlkampf.

Die Fürther Schlachterei Eugen Schönmetzler packte im Dritten Reich ihre „Qualitäts-Wurst“ in eine Banderole, die auch als Rabattmarke diente. Darauf war zu lesen: „Mein Einkauf hat mit Juden nichts zu tun“. Soll heißen, nicht nur die Metzgerei sei fest in deutscher Hand, man garantiere auch, dass kein Lieferant jüdisch sei. Einige Jahrzehnte später nimmt der „Kameradschaftsbund Barnim“ mit dem Aufkleber „Bratwurst statt Döner“ das Wurstmotiv wieder auf.

Und auch das Schwein, das gläubigen Juden und Muslimen als unrein gilt, ist ein wiederkehrendes Bild der alten und neuen völkischen Propaganda.

Antisemitische Briefverschlussmarken

Das ist kein Zufall. „Nazis kennen ihren Stoff“, sagt Isabel Enzenbach, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin und Kuratorin der Ausstellung „Angezettelt. Antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute“, die bis Ende Juli im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen ist. Seit sechs Jahren forscht sie zu diffamierenden Aufklebern, Sammelbildern, Vignetten, Briefverschluss-, Schatz- und Rabattmarken.

Enzenbach hat ein Buch zu den Stickern herausgegeben, pädagogische Projekte geleitet und bereits 2014 eine Ausstellung im Museum für Kommunikation in Frankfurt/M. kuratiert, in kleinerem Umfang und auf den Antisemitismus beschränkt. Die antisemitischen Aufkleber stammen aus der Privatsammlung von Wolfgang Haney, einem deutschen Juden, der viele Familienangehörige während der Schoah verlor. „Ich will damit bewirken, dass die Leute wissen, was war bei den Nazis“, sagt Haney in einem Video-Interview, das nun in der Ausstellung zu sehen ist.

Hinzugekommen sind auch Exponate zum Rassismus. Irmela Mensah-Schramm, die seit 30 Jahren rassistische Aufkleber entfernt, hat welche zur Verfügung gestellt. Auch ihr Arbeitswerkzeug ist zu sehen: Schaber, Rolle, Nagellackentferner, Abtönfarbe, Buntlack. Das antifaschistische Pressearchiv Apabiz hat ebenfalls Material beigesteuert.

„Kleinformatige Propaganda“

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Kann man den Tod heilen?

Erstellt von DL-Redaktion am 20. April 2016

Kann man den Tod heilen?

Liebe in den Zeiten der Psychoanalyse

Autor: U. Gellermann
Datum: 18. April 2016
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Buchtitel: Ein zweites Leben
Buchautor: Michael Schneider
Verlag: Kiepenheuer und Witsch

Der Hochschul-Lehrer Fabian Fohrbeck hat sich eine Auszeit genommen. Als könne das Leben eine Pause machen, will er ein „Burn-Out“ in einer Klinik kurieren. Wie kann man den Tod heilen? Denn seit dem Tod seiner Frau ist dem Fohrbeck das Leben nur halb. Innig hat er sie geliebt, zärtlich lässt der Schriftsteller Michael Schneider den Leser an den Riten und Erinnerungen teilhaben, die der Frau des Ich-Erzählers gewidmet sind. Michael Schneider gibt der psychosomatischen Klinik im Buch den Namen Phoenix, als könne man in solchen Kliniken strahlend aus der Asche der eigenen Vergangenheit in eine lichte Zukunft aufsteigen.

Liebe in den Zeiten der Psychoanalyse, so könnte der neue Roman von Schneider auch heißen. Als sei der Autor, mehr als 40 Jahre später, zu seinem ersten Buch „Neurose und Klassenkampf“ zurückgekehrt. Doch während sein frühes Buch der Wissenschaft gewidmet war, deutet sein jüngstes die Liebe in den Zeiten des digitalen Zeitalters, in Zeiten, die nicht mehr zu altern scheinen, in denen die Zugriffszeit jenes Tempo bestimmt, in dem wir leben sollen.

Auch der Klassenkampf ist bei Schneider nicht vergessen. Anders als manch andere Autoren seiner Generation hat sich Schneider seinen Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse bewahrt und findet in der Klinik ein Figuren-Ensemble, in dem eine Karriere-Dame den Neo-Liberalismus als alternativlose Lebensform predigt und den Wettbewerb als Maßstab der Dinge preist: „Nicht der Große frisst den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen.“ Wenn der ausgebrannte Hochschul-Lehrer ihr Senecas Schrift „Von der Kürze des Lebens“ entgegenhält, erscheint er hoffnungslos altmodisch und verteidigt doch nur ein Leben außerhalb des Profitdenkens.

Immer wieder taucht der Patient Fohrbeck, ermuntert durch die an ihm angewandte Psychologie, in die Zeiten seiner Kindheit, um dem erwachsenen Fabian näher zu kommen. Krieg und Flucht prägen seine Generation bis heute, und die Gewalt des Krieges setzt sich fort in einer schwarzen Pädagogik, die bis in die drohende Figur des traditionellen Nikolaus ragt. Manchmal, angesichts der therapeutischen Aufwände für die Ausgebrannten der Jetztzeit, schleicht sich die Frage nach der Therapie für die Kriegsgeneration an: Wie haben die Front- und Bombengeschädigten ihre Zeit nur ohne professionelle Hilfe bewältigen können?

„Ein zweites Leben“, so laute der Titel des Romans, denn Fohrbeck, der geglaubt hatte nie wieder lieben zu können, findet ein neues Ziel seines Begehrens. Und hofft ein zweites Leben zu beginnen, eines, das seine Wünsche nach Nähe und Wärme erfüllen soll. Doch der Hochschullehrer scheitert: Die Frau, die er begehrt, verweigert sich, gefangen in ihrer Kindheitsgeschichte, kann sie die seine, die Angst vor dem Verlassenwerden, nicht lösen. – Aber Fohrbeck wäre nicht Fohrbeck, und Michael Schneider nicht Michael Schneider, wenn er das Ende der Liebe nur privatisiert sähe. Er fordert seine Universität heraus: Ein Symposium, das von der Gewalt der Geschwindigkeit handelt, fragt nach dem Sinn dieser Geschwindigkeit, nach ihrem Wofür. Ein Sturm, ein langes, intensives Gewitter bringt den Roman zu einem dramatischen Klimax und einem Ende, das keine Fragen beantwortet, sondern neue stellt.

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Merkel liefert Böhmermann ab

Erstellt von DL-Redaktion am 16. April 2016

Merkel liefert Böhmermann ab

Verbeugung vor der türkischen Despotie

Autor: U. Gellermann
Datum: 15. April 2016

Sie hat versucht, einem deutschen Gericht die Verantwortung zuzuschieben. Die feige Kanzlerdarstellerin Angela Merkel. Aber das ist Augenwischerei. Verantwortlich ist sie. Denn nur sie konnte die „Ermächtigung“, nach § 104a des Strafgesetzbuches, zur Strafverfolgung des Herrn Böhmermann und seines Spottgedichtes über Erdogan erteilen. Schon an Merkels Begründung für den Ermächtigungs-Erlass zeigt sich die ganze Erbärmlichkeit einer Person, die ihren Flüchtlings-Deal über das Grundgesetz, über die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Kunst stellt: Deutschland sei mit der Türkei freundschaftlich verbunden, man sei ja gemeinsam in der NATO und pflege eine enge Partnerschaft. Aufschreiben und nicht vergessen: Frau Merkel ist mit der türkischen Despotie freundschaftlich verbunden, eine Mitgliedschaft in der NATO setzt das Grundgesetzt außer Kraft.

Sie versuchte in ihrer dramatischen Erklärung, am Freitag um 13.00 Uhr, zu sagen: Die Meinungsfreiheit stehe nicht zur Disposition. Und auch nicht die Pressefreiheit. Aber die ertappte Lügnerin ist zu erkennen, wenn sie schnell hinterherschiebt, das Beleidigungsgesetz solle künftig abgeschafft werden. Wenn das Konsens in der Regierungs-Koalition war, dann hätte sie das Gesetz ohne Probleme jetzt schon „abschaffen“ können, indem sie einfach Nein zum miesen Verlangen des türkischen Präsidenten gesagt hätte. Jetzt kann man nur noch auf einen Richter hoffen, der weniger Angst vor Erdogan hat als die Merkel. Und der auch keine Angst hat, der Regierung zu widersprechen. Denn deren Wille ist durch die Ermächtigung erkennbar: Böhmermann ist durch die regierungsamtliche Ablieferung bei der Justiz zum Abschuss freigegeben.

Jetzt wird ein Richter darüber urteilen müssen, ob das Böhmermann-Gedicht „Kunst“ ist und den Schutz des Artikel 5 des Grundgesetzes verdient. Nach dieser Vorverurteilung durch Frau Merkel muss das Gedicht – dessen Stil mir nicht liegt und das ich nicht für sonderlich intelligent halte – hier veröffentlicht werden. Und erinnert werden muss, dass Böhmermann sein Gedicht als Antwort begriff: Auf die Erdogan-Einmischung in die inneren Satire-Angelegenheiten Deutschlands nach der Ausstrahlung des Extra-3-Spott-Liedes: „Erdowie, Erdowo, Erdowahn“. Und auch daran, dass das Gedicht im Konjunktiv vorgetragen wurde: Für diesen Text, so kommentierte Böhmermann ironisch in der ZDF-Sendung, wäre eine Strafverfolgung in Deutschland möglich. Mit der NATO-Kanzlerin hatte er wohl nicht ernsthaft gerechnet.

Um die Kunst- und Meinungsfreiheit zu verteidigen und den Lesern ein eigenes Urteil zu ermöglichen:

Sackdoof, feige und verklemmt
ist Erdoğan, der Präsident.
Sein Gelöt stinkt schlimm nach Döner;
selbst ein Schweinefurz riecht schöner.

Er ist der Mann, der Mädchen schlägt
und dabei Gummimasken trägt.
Am liebsten mag er Ziegen ficken
und Minderheiten unterdrücken,

Kurden treten, Christen hauen
und dabei Kinderpornos schauen;
und selbst abends heißt’s statt schlafen:
Fellatio mit hundert Schafen.

Ja: Erdoğan ist voll und ganz
ein Präsident mit kleinem Schwanz.
Jeden Türken hört man flöten:
„Die dumme Sau hat Schrumpelklöten!“

Von Ankara bis Istanbul
weiß jeder: dieser Mann ist schwul,
pervers, verlaust und zoophil:
Recep Fritzl Priklopil.

Sein Kopf so leer wie seine Eier,
der Star auf jeder Gangbang-Feier,
bis der Schwanz beim Pinkeln brennt:
das ist Recep Erdoğan, der türkische Präsident.

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Solidarität mit Jan Böhmermann!

Erstellt von DL-Redaktion am 11. April 2016

Solidarität mit Jan Böhmermann!

Der Satiriker Jan Böhmermann wird angegriffen, weil er ein Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten verfasst hat. Peinlich, dass er dafür nun attackiert wird. Ein offener Brief.

Lieber Herr Böhmermann,

wir kennen uns nicht, und ich habe leider auch bisher Ihre Sendungen nicht sehen können. Dennoch wende ich mich in einem offenen Brief an Sie, denn es ist aufschlussreich, welche Reaktionen Ihre Satire ausgelöst hat. Ein Kristallisations- und Wendepunkt.

Vorneweg möchte ich sagen: Ich finde Ihr Gedicht gelungen. Ich habe laut gelacht. Das zu sagen ist mir deshalb wichtig, weil man in den vergangenen Tagen ja keinen einzigen Beitrag – egal ob anklagend oder für Sie parteiergreifend – über Ihren Text gelesen hat, der nicht erst mal, gleichsam als Captatio benevolentiae, betonte, wie geschmacklos und primitiv und beleidigend Ihre Satire über Erdoğan sei.

Das ist ungefähr so originell und aussagekräftig, als wenn man einem Formel-1-Autobauer vorwirft, seine Autos seien aber schnell. Dass Ihr Gedicht geschmacklos, primitiv und beleidigend war, war ja – wenn ich es richtig verstanden habe – der Sinn der Sache. Sie haben doch einfach alle beleidigenden, insbesondere alle in der muslimischen Welt beleidigenden Stereotype zusammengerafft, um in grotesker Übertreibung eine Satire über den Umgang mit geschmackloser Satire zu machen.

Kunst- und Satirefreiheit

Sie wollten nach dem ziemlich lendenlahmen Erdoğan-Veräppelungs-Song in der ARD die illiberale Reaktion des türkischen Staatspräsidenten ironisieren und durch Maximalprovokation die Leute verstören, um sie darüber nachdenken zu lassen, wie eine Gesellschaft mit Satire und – noch viel wichtiger – mit der Satire-Intoleranz von Nichtdemokraten umgeht. Ein Kunstwerk. Wie jede große Satire. Und als solches: frei. Oder doch nicht?

Ich verstehe die Aufregung über Ihren Text nicht ganz. Gibt es doch in Deutschland eine gute von Tucholsky geprägte, von Hitler ex negativo gehärtete Tradition der Meinungs-, Kunst- und Satirefreiheit.

Vor allem wenn es um Provokationen religiöser, genauer: christlicher Gefühle geht, geht in Deutschland alles. Mich erinnert Ihr Auftritt im Zweiten Deutschen Fernsehen ein wenig an die vermutlich berühmteste Arbeit des Künstlers Martin Kippenberger. Sie zeigt, in verschiedenen Versionen in Holz geschnitzt, einen ans Kreuz genagelten lächelnden Frosch. Ganz im ästhetischen Duktus süddeutscher Herrgottsschnitzerei.

Quelle: Die Welt >>>>> weiterlesen

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Angela Erdoğan ermittelt

Erstellt von DL-Redaktion am 8. April 2016

Angela Erdoğan ermittelt

„Schmähkritik“ von Jan Böhmermann

Die „Schmähkritik“ des TV-Moderators am türkischen Präsidenten hat ein juristisches Nachspiel. Das ist auch das einzig Normale an der Affäre.

von Jürn Kruse und Tobias Schulze

Die Staatsanwaltschaft Mainz ermittelt gegen einen 35-Jährigen aus dem Raum Köln. Dem Mann wird vorgeworfen, den türkischen Präsidenten beleidigt zu haben. 20 Anzeigen sollen bis Mittwoch erstattet worden sein. Würden sich die Vorwürfe bestätigen, drohen dem Beschuldigten bis zu drei Jahre Gefängnis. Wird ihm „verleumderische Absicht“ nachgewiesen, könnte er zu einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren verurteilt werden. (taz)

Um weiteren Anzeigenschreibern mehr Freizeit zu verschaffen: Ja, Jan Böhmermann hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan beleidigt. Das weiß die Staatsanwaltschaft, das weiß der Moderator; hat er schließlich selbst gesagt, als er sein Gedicht mit dem Titel „Schmähkritik“ am vergangenen Donnerstag im „Neo Magazin Royale“ vorlas. „Das darf man nicht machen“, warnte er, während er über die Genitalien des Präsidenten reimte. „Das kann bestraft werden und dann können auch Sachen gelöscht werden. Aber erst hinterher.“

Dort sind wir mittlerweile angekommen: Das ZDF hat den Beitrag am Tag nach der Ausstrahlung gelöscht, die Mainzer Staatsanwaltschaft ermittelt, inzwischen auch gegen ZDF-Verantwortliche. „Das Ermittlungsverfahren wird wegen Verdachts des Verstoßes gegen § 103 Strafgesetzbuch (Beleidigung von Organen oder Vertretern ausländischer Staaten) geführt“, teilte die Behörde mit. Zur Sicherung der Beweise wurde ein Mitschnitt der Sendung angefordert.

Was für Folgen das haben könnte? Das liegt in erster Linie an der türkischen Regierung, denn für eine Verfolgung muss laut Paragraf 104 a des Strafgesetzbuchs „ein Strafverlangen der ausländischen Regierung“ vorliegen. Das müsste von der Regierung oder der türkischen Botschaft in Deutschland kommen, liegt aber wohl (noch) nicht vor. Und die Bundesregierung müsste „die Ermächtigung zur Strafverfolgung“ erteilen. Die müsste das Auswärtige Amt aussprechen.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

 

 

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Brief aus Havanna

Erstellt von DL-Redaktion am 25. März 2016

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Brief aus Havanna

von Michi Strausfeld

Alle reden über die Veränderungen in Kuba, seit die USA und Kuba vor einem Jahr beschlossen, diplomatische Be­ziehungen aufzunehmen. Touristen fluten Havanna, wollen schnell noch eine Zeitreise antreten ins sozialistische Kuba, sich in riesigen Oldtimern spazieren fahren lassen, durch die Straßen ohne Werbung bummeln. Das historische Zentrum – eine Art Freiluftmuseum – wird vorbildlich restauriert, die Plaza Vieja ist ein Schmuckstück geworden, wo erste europäische Modefirmen ihre Läden eröffnen.

Aber neben schön herausgeputzten Kolonialbauten stehen die vom Zerfall bedrohten Häuser, in der Altstadt wie im ehemals vornehmen Villenviertel El Vedado. Überall bieten Kubaner den Fremden kleine Dienste an, denn sie müssen unbedingt ein paar CUC verdienen. CUC, so heißt das neue Zauberwort, die konvertible Währung, die man eins zu eins in Euro wechseln kann. Mit CUC kann man alles kaufen, damit bezahlt man das langsame Internet (fünf Stunden zehn CUC), das Handy, die Tomaten (ein Pfund ein CUC), alle Nahrungsmittel, die nicht auf der Lebensmittelkarte stehen.

Da sind für einen Monat nämlich nur sechs Eier, ein Dreiviertelhuhn, drei Kilo Reis, schwarze Bohnen, je ein Päckchen Kaffee und Zucker, eine Flasche Öl, Brot und ein paar andere Dinge drauf, viel zu wenig, um satt zu werden. Schlange stehen, warten, das bestimmt den Alltag. Wer keine Geschäfte mit Touristen machen kann, keine Verwandten im Ausland hat, die Devisen überweisen, oder keinen Familienangehörigen auf einer „internationalistischen Mission“, um Devisen zu verdienen, führt ein hartes Leben.

„Ich mache mir große Sorgen um mein Land“, sagt der 73-jährige Vicente. „Mir geht es gut, ich arbeite für eine ausländische Firma, werde in Devisen bezahlt. Aber ich denke voll Wehmut an den schönsten Tag in meinem Leben, damals, als Fidel 1959 in Havanna einmarschierte. Wir hatten so viele Illusionen, es passierte so viel: die Alphabetisierungskampagne, der Bau von Schulen und Krankenhäusern, die Grundversorgung der Bevölkerung . . . und nun?“ Ja, wo ist „el cambio“, der Wandel?

Es gibt ihn, ohne Zweifel. Kubaner können eine Wohnung und ein Auto kaufen, ein privates Restaurant („paladar“) oder eine Pension eröffnen, privat Taxi fahren, selbst angebautes Gemüse verkaufen, ins Ausland reisen, ein Handy und an Hotspots Zugang zum Internet haben. Verwandte im Ausland dürfen mehr Devisen überweisen. Die allmähliche, doch an Hindernissen reiche Annäherung zwischen den USA und Kuba betrifft vor allem das Embargo, das 1962 verhängt wurde. Von einem Tag zum anderen wurde Kuba damals von seinem wichtigsten Handelspartner abgeschnitten, die gesamte Wirtschaft musste umgestellt werden. Damals half die UdSSR, und gern, waren die 1960er Jahre doch Höhepunkt im Kalten Krieg.

Doch erholt hat sich Kuba davon nie, seitdem kämpft die Insel ums ökonomische Überleben. Nach mehr als 50 Jahren soll nun der regelmäßige Flugverkehr zwischen den USA und Kuba wiederaufgenommen werden. Aber bis zur Normalisierung der Beziehungen ist ein weiter Weg, man freut sich über jeden Schritt.

Aber: Wie sieht der Wandel denn nun aus? Ins Auge springt die Menge der übergewichtigen Gringos, die sich durch die engen Straßen drängen, Passagiere von Kreuzfahrtschiffen, die ein wenig Kunsthandwerk kaufen, den omnipräsenten Musikern zuhören, die herausgeputzten Oldtimer bewundern. Die Hotels sind auf Monate ausgebucht, die Privatunterkünfte belegt, ständig kommen neue Touristen: Hier herrscht Aufbruch.

Quelle: Le Monde Diplomatique >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle – Wikipedia:  CC BY-SA 3.0

Author Jezhotwells

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Die Schraubzwinge

Erstellt von DL-Redaktion am 11. März 2016

File:Monika Gruetters 2009.jpg

Die Schraubzwinge

In unserer Reihe „Schurken, die die Welt beherrschen wollen“ darf eine nicht fehlen: Kulturstaatsministerin Monika „Grusel“ Grütters.

von Peter Köhler

Sie weiß, was sich gehört, und tritt in der Öffentlichkeit stets bekleidet auf. Selbst um den Hals trägt sie eine Perlenkette, damit er nicht nackt ist. Kein Fleck trübt Rock, Bluse und die Person dahinter; die Haare liegen artig zu einer Frisur geordnet auf dem Kopf, ein dezentes Parfüm strömt taktvoll von ihr ab, mitten im Gesicht steckt ein Lächeln: Monika Grütters gilt als moderne, allen Seiten angenehm schmeckende Konservative, um Welten entfernt von den gusseisernen Typen, die einst ihre Partei, die SPD … – Verzeihung, die CDU prägten. So scheint es.

Wenige wissen, wie tief der Schein trügt. In Wirklichkeit ist die Grütters tabulos bis auf die Haut und nach Büroschluss eine grenzenlose Partyschnepfe, die dafür berüchtigt ist, die Nächte durchzuorgeln und auf zügellosen Feten fernab ihrer auf Stromlinie gedimmten Politikerkollegen alles zu naschen, was in ihrem Kreislauf Platz hat. Es heißt, sie tanzt sogar noch unter dem Tisch!

Nur dank ihrer hundertprozentigen Kondition und Disziplin schafft sie es jeden Morgen, egal wie zerknüllt sie ist, aus dem Bett, um sich aufrecht zu waschen, glattzubügeln und ein Taxi nach Hause zu nehmen. Kurz darauf tritt sie wieder als sauber geputzte Politikerin adrett vor die Öffentlichkeit. Schmutzig sind nur ihre Witze!

Gewiss: Dass sie sich statt hochwertiger Kunst gerahmte Nasenpopel an die Wand hängt – von ihren Kabinettskollegen! –, ist gänzlich unbestätigt. Sicher: Dass sie Bücher nur von außen kennt und noch kein Symphoniekonzert von innen gesehen hat, ist bloß ein Gerücht. Zweifellos: Dass sie auf ihrer Website sogenannte Kulturtipps ausstreut, denen zufolge man die Unterwasseraufführung von Johann Peter Hebels „Nibelungen“ im Schwimmbad Niederuffeln/Nordhessen gesehen haben muss, ist eine groteske Ente, die hier nur der Vollständigkeit halber und um der Journalistenpflicht zur Ausgewogenheit Genüge zu tun, erwähnt sei. Nein, wirklich: Monika Grütters ist eine makellos polierte, mit allen gesellschaftlichen Normen geölte Ministerin, die selbstverständlich auch jeden Tag ihre kleinen und großen Geschäfte erledigt!

Im Restnebel der Nacht

Quatsch, soll natürlich heißen: die jeden Tag auch ihre Büroarbeit nach Strich und Faden erledigt, wie es sich gehört! Man darf eben nicht alles glauben, was mit leichter Hand dahingeschrieben wird, auch nicht, dass sie bei den Kabinettssitzungen, wenn erwachsene Minister debattieren, mit unqualifizierten Zwischenrufen dazwischen fährt, weil sie noch vom Restnebel der Nacht regiert wird.

Kaum jemand kennt nun mal den Menschen hinter Monika Grütters: Monika Grütters. Auch Ihr Berichterstatter nicht, nein, ganz und gar nicht. Es gibt da Dinge, die mitzuteilen selbst meine Fantasie sich sträubt!

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – CC BY-SA 3.0 de

Urheber Christof Rieken

 

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Das bisschen Grabschen

Erstellt von DL-Redaktion am 9. März 2016

File:Rainer Brüderle-Carschten2.jpg

Das bisschen Grabschen

Reform Sexualstrafrecht

Frauen müssen besser geschützt werden, hieß es nach Köln. Justizminister Maas versäumt es, das antiquierte Sexualrecht zu reformieren.

von Heide Oestreich

Zivilisationsbruch! Justizminister Heiko Maas war es, der die stärkste Vokabel fand für die Gewalttaten in der Silvesternacht von Köln. Und doch bleibt der Minister weitgehend untätig. Von Vergewaltigung in drei Fällen ist in Köln die Rede, genauer: vom Einführen von Fingern in die Vagina. In gut 400 Fällen geht es um Grabschen an den Busen, den Hintern und zwischen die Beine. Zur Aufregung um den Massenangriff und dem Unverständnis über die Rolle der Polizei kam bald ein weiteres Entsetzen: Die Öffentlichkeit musste erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass der Großteil dieser Fälle in Deutschland gar nicht strafbar ist. Sogar die CDU wollte dies sofort ändern.

Der zuständige Minister Heiko Maas aber nimmt den von ihm diagnostizierten Zivilisationsbruch erstaunlicherweise nicht zum Anlass, seinen Gesetzentwurf zur Verschärfung des Sexualstrafrechts noch einmal zu überarbeiten. In dem Entwurf, der ungeändert ins Kabinett kommen soll, wird tätliche sexuelle Belästigung, wie JuristInnen das Grabschen nennen, nicht erwähnt, geschweige denn schärfer bestraft. Und beim Thema Vergewaltigung wird es ganz und gar krude.

Das Grundproblem des Sexualstrafrechts ist, dass es den Begriff der sexuellen Selbstbestimmung zwar kennt, aber nicht in ganzer Konsequenz ernst nimmt. Diese Selbstbestimmung ist nämlich nach gängigem Recht keineswegs unantastbar, sie ist im wahrsten Sinn des Wortes antastbar, begrabschbar. Fasst jemand an den Busen, dann bestimmt einE RichterIn, ob dieses Begrabschen „erheblich“ genug ist, um als sexuelle Nötigung strafbar zu sein. Ein bisschen Busengrabschen ist erlaubt; was zu viel ist, entscheidet nicht die Frau, sondern ein Gericht. Das ist keine Selbstbestimmung, das ist eine Farce.

Bei der Vergewaltigung indessen ist es so, dass ein Mann sich eine Frau nehmen kann und straflos davonkommen kann. Keineswegs reicht es nämlich aus, wenn eine Frau bloß sagt, dass sie den Geschlechtsverkehr nicht möchte. Sie muss, falls der Täter nicht unmittelbar Gewalt anwendet, ihre sexuelle Selbstbestimmung auch selbst verteidigen, schreien, boxen und treten oder wegrennen. Tut sie es nicht, dann muss sie unmittelbar vor der Tat bedroht worden sein oder sich in einer schutzlosen Lage befinden. Beides wird genau definiert – und viele Fälle passen nicht darunter.

„Nicht entschlossen genug gewehrt“

Fand die Drohung zeitlich früher statt, findet der Richter die Lage nicht genügend schutzlos (Hat sie geprüft, ob die Tür wirklich abgeschlossen war?), dann ist die Tat im juristischen Sinn keine Vergewaltigung mehr. Hat sie so viel Angst vor dem Mann, dass der keine Drohung mehr benötigt – Pech. Droht er ihr mit einer direkten Gewalttat, hat sie Glück und wird vom Gesetz erfasst, hat er dagegen in der Vergangenheit gedroht, dann hat sie ebenfalls Pech gehabt.

„Schutzlücken“ nennt die Politik diese Fälle, in denen die Wahrung der sexuellen Selbstbestimmung einer Frau in vielen Fällen davon abhängt, ob sie sich genau so zu schützen versucht, wie der Gesetzgeber sich das vorgestellt hat. Das Gericht befindet dann, ob eine Drohung drohend genug war oder sie in einer genügend ausweglosen Lage gewesen sei.

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Fotoquelle: Wikipedia – public domain.

Author The original uploader was Mathias Schindler at German Wikipedia

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Das ist nicht mein Land

Erstellt von DL-Redaktion am 23. Februar 2016

Das ist nicht mein Land

Die öffentliche Debatte dominieren die Angstbesetzten und die „Besorgten“. Wo ist das andere, wo ist mein Deutschland geblieben?

von Jagoda Marinić

Als die Hashtag gewordenen Nachrichten aus #Clausnitz bei mir ankamen, fiel mir ein Satz ein, den Angela Merkel noch im September 2015 geäußert hat: „Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.“

Ich habe seither oft nachgedacht über diesen Satz, nicht zuletzt, weil er für eine Politikerin ihres Rangs nicht klug war, weil er Gräben reißt, weil er dazu führen könnte, dass jeder, der nicht in Zuständen lebt, die er sich wünscht, wie ein beleidigtes Kind auf den Boden stampfen und „Das ist nicht mein Land“ schreien könnte. Letztlich ist es kein Satz für eine funktionierende Demokratie, deren Politiker auch dafür da sind, die Menschen von ihrem Tun zu überzeugen und einen Konsens zu finden.

Und doch kriege ich diesen Satz nicht aus dem Kopf. Es gibt Tage, Bilder und Ereignisse wie die in Clausnitz, da wird klar: Wenn man jetzt nicht Haltung zeigt, wird wieder etwas gestern noch Undenkbares zur Normalität. Diese Republik wird mir in ihrer Sprachgewalt, Brachialgewalt und Diskursgewalt von Tag zu Tag etwas fremder. Genauer betrachtet ist es aber gar nicht die Republik, nicht mein Alltag, der doch um so vieles reicher ist als das, was ich in der Diskussion über Deutschland erfahre.

Es ist das Deutschland, das sich derzeit den meisten Platz in den Medien und dem öffentlichen Leben sichert, das mir zunehmend fremd wird. Mich zurückkatapultiert in eine Zeit, die ich überwunden glaubte. Die einen haben Angst vor Überfremdung. Ich habe Angst, dass diese Angst vor Überfremdung, wie sie sich derzeit äußert, mich entfremdet, weil sie nur die Angstbesetzten in den Mittelpunkt stellt.

Konsequent vorbeiregiert

Ich arbeite tagtäglich mit Menschen, die sich für eine humane Politik einsetzen. Dann komme ich nach Hause, schalte den Fernseher an und sehe, wie sich in der Öffentlichkeit Pegidisten breitmachen, die AfD sich durch die Republik hetzt. Talkshows sind eine Wiederbelebungsmaßnahme für in Vergessenheit geratene Politiker wie Edmund Stoiber, die von dem Land, das mein Land war und ist, nichts wissen wollen und auch nichts wissen mussten. Weil sie konsequent an all denen vorbeiregiert haben, die man heute Menschen mit Migrationsgeschichte nennt.

Es sind sechzehn Millionen Menschen und eben nicht ein paar Hansel. Eine Julia Klöckner ist es nicht, ein Stefan Aust ist es nicht, auch ein Augstein ist es nicht. Beide Augsteins nicht, sorry. Wo ist eigentlich mein Land in der Darstellung von Deutschland?

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber: unbekannt. / Clausnitz um 1910

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BERLINALE: Gigantische Zahlen, minimale Kunst

Erstellt von Rationalgalerie am 23. Februar 2016

BERLINALE: Gigantische Zahlen, minimale Kunst

Filme über alles Mögliche, das Unmögliche bleibt surreal

Autor: U. Gellermann
Datum: 22. Februar 2016

Vierhundert Berlinale-Filme rauschten am Tag und in der Nacht über Netzhäute, rund eine halbe Million Menschen werden wieder in die Festivalkinos gegangen sein. Aber was bleibt? Die Filme im Herz der Kino-Maschine, dem Wettbewerb, werden schneller vergessen sein als sie vorgeführt wurden. „Briefe aus dem Krieg“ zum Beispiel, ein Film der im damals noch besetzten Angola spielt und vor dem Hintergrund der Kämpfe zwischen der portugiesischen Kolonialmacht und der Befreiungsbewegung handelt, spult dann doch nur Sehnsuchtsbriefe von der Front ab, einer Front, die den Machern des Films keine wirkliche Erinnerung wert ist. Die Kriege der letzten Jahre, die im Irak, in Libyen oder gar der in Syrien? Fanden nicht statt. Wer will auch schon die Sponsoren verärgern, wer will den Bundeszuschuss von 6,7 Millionen Euro gefährden?

Aber, aber, ist der Einwand zu hören: Immerhin gab es zwei Filme über Flüchtlinge, einer, „Fire at Sea“ bekam sogar einen goldenen Bären. Ist das nichts? Ja das ist was: Ein Film über die Folgen des Krieges. Einer, der über die unzähligen Flüchtlinge handelt, die auf ihrem Weg in ein Fluchtland auf der Insel Lampedusa landen und auch von den Vielen erzählt, die ertrinken. Der Krieg selbst aber, erst recht der Wirtschaftskrieg der „Entwickelten“ gegen die „Unterentwickelten“ blieb da, wo die Entwickler ihn am liebsten sehen: Im Dunkeln. Der zweite Fluchtfilm berichtete sogar von einer Mauer, von den USA zur Abwehr gegen die Mexikaner hochgezogen, um die Flucht aus der Armut in den Reichtum zu verhindern. Und von einem Schlupfloch: Wenn ein Mexikaner sich für einen der Kriege der USA meldet und den dann überlebt, bekommt er die begehrte Green Card, darf also im Land seiner Träume bleiben und den Rasen mähen. Das wäre eine filmische Anklage wert gewesen. Leider erzählt „Soy Nero“ wirr über die Wirren des Krieges, und ausschweifend über ausschweifenden Reichtum, genauer: Der Film kann nicht erzählen.

Denken wir über Ästhetik nach, über die Möglichkeit der Verarbeitung eines Themas. Auch der mit einem goldenen Bären bedachte Film „Fire at Sea“ schildert nur unzureichend: Distanziert gegenüber den Flüchtlingen, kommt er den Bewohnern der Insel nur über eine bemühte Inszenierung nahe, für einen Dokumentarfilm der schlechteste Weg der Beobachtung. Noch schlechter erzählt „Midnight Special“ ein Science-Fiction-Film: Junge lasert aus den Augen, ist ein Alien hat aber Menschen-Eltern. In Polen haben Frauen es schwer, teilt uns „United States of Love“ mit: Bilder gut, Leben schlecht, Liebe schwierig. Isabell Huppert ist eine sehr gute Schauspielerin, stellt der Film „L´Avenir“ fest, um dann über das Altern in Frankreich zu handeln: Das ist auch nicht anders als woanders.

In diesem aufwendigen Wust von Nicht-Erzählung, der sich nur mit Themen tarnt, ihnen aber keinesfalls auf den Grund geht, ist die radikale Verweigerung irgendetwas zu erzählen mit dem iranischen Film „A Dragon Arrives“ einfach ehrlich und erfrischend: In einer Orgie von surrealen Bildern schweigt jede Sinnsuche. „Ich wollte so viel Paranoia wie möglich in dem Film“ sagt der Regisseur Mani Haghighi voller Stolz und es ist ihm gelungen. Preiswerter ist ein Vollrausch nirgendwo zu bekommen und der Film ist, bei seltenerem Gebrauch, auch nicht gesundheitsschädlich.

So trifft die diesjährige Berlinale eine gesamtgesellschaftliche Aussage über die Ästhetik des Mainstreams: Bildende Kunst, die nur dann etwas sagt, wenn die Kunstkritik ihr Inhalte aufschwätzt, Bücher, die den eigenen Bauchnabel für das Zentrum des Universums halten und eben Filme über alles Mögliche, das Unmögliche bleibt surreal.

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Südostasiens Absurdistan

Erstellt von DL-Redaktion am 20. Februar 2016

Südostasiens Absurdistan

Thailands marodes Feudalsystem

Mit dem Putsch vom Mai 2014 hat die Armee das Land in düsterste Zeiten katapultiert. Die Methoden der alten Eliten werden immer bizarrer.

von Nicola Glass

Nach über 13 Jahren habe ich dieses Land verlassen, das angesichts der zahlreichen Krisenherde auf der Welt kaum Beachtung findet. Das politisch vergiftete Klima war insofern ausschlaggebend für meine Rückkehr nach Europa, da ich als in Thailand ansässige Journalistin mir weiterhin hätte verkneifen müssen, zweierlei kritisch zu hinterfragen: die Rolle der konstitutionellen Monarchie sowie derer, die behaupten, das Königshaus zu lieben, doch aus dieser angeblichen Verehrung in Wirklichkeit nur ihren Anspruch auf Machterhalt und Privilegien ableiten.

Wer in den Verdacht gerät, kein Freund des Feudalsystems aus Hofschranzen, Technokraten und Militärs zu sein, dem drohen im Thailand des 21. Jahrhunderts mehr denn je drakonische Haftstrafen.

Ins Rollen kam diese politische Krise vor zehn Jahren, und zwar durch Demonstrationen der „Gelbhemden“ von der Volksallianz für Demokratie (PAD) gegen den damaligen Premier Thaksin Shinawatra. Das konservative Lager, darunter Bangkoker Ober- und Mittelschicht, hatte ihm Machtmissbrauch und Illoyalität gegenüber König Bhumibol Adulyadej vorgeworfen.

Jene Proteste ebneten den Weg für den Putsch gegen den Populisten Thaksin im September 2006, der vor allem von den ärmeren Wählerschichten im Norden und Nordosten verehrt wird und dessen Parteien seit 2001 alle Parlamentswahlen gewonnen hatten.

Wann immer eine Thaksin-treue Partei auch nach dessen Sturz einen Urnengang für sich entschied, rief das die Handlanger der alten Eliten erneut auf den Plan: So hatte die PAD 2008 den Regierungssitz und den internationalen Flughafen besetzt. Die Proteste wurden erst abgeblasen, nachdem das Verfassungsgericht die regierende People Power Party wegen angeblichen Wahlbetrugs auflöste. Der Entscheid einer parteiisch agierenden Justiz war eindeutig ein „juristischer Putsch“. Auch die „Rothemden“, die überwiegend Thaksin-Anhänger sind, hatten dies nicht hinnehmen wollen und Neuwahlen gefordert, bis ihre Proteste 2010 blutig von der Armee niedergeschlagen wurden.

Nach dem Chaos kam der Staatsstreich

Nachdem Thaksins Schwester Yingluck Shinawatra 2011 erste Premierministerin des Landes wurde, setzte die Protestbewegung Volkskomitee für Demokratische Reformen (PDRC) – eine Art noch radikalerer Wiedergeburt der PAD – alles daran, um Chaos zu schüren. Das mündete letztlich in den Staatsstreich vom Mai 2014. Etliche Kritiker sind seitdem ins Exil geflohen.

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Sarajevo im Kino – BERLINALE

Erstellt von Rationalgalerie am 19. Februar 2016

BERLINALE: Sarajevo im Kino

Bernard-Henri Lévy der Welt-Regent

Autor: U. Gellermann
Datum: 18. Februar 2016

Absicht oder Zufall? Wohl niemand hat bisher den reisenden Welt-Regenten Bernard-Henri Lévy (BHL) so brutal als puren Selbstdarsteller, als Profiteur der Krisen und Kriege entlarvt, wie der bosnische Regisseur Danis Tanovic in seinem Film „Tod in Sarajevo“. Minutenlang lässt er einen Schwadroneur in seinem Hotel-Zimmer der Stadt eine große Europa-Rede proben, die er dann später als Schauspieler des Einpersonenstück aufführen wird: Während der feierlichen Erinnerung an den 100. Geburtstages des Attentates auf den Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo. Es ist das Stück des Trend-Philosophen BHL über sich selbst und es ist so falsch wie sein Pathos und so falsch wie der Mythos, das Attentat habe den Ersten Weltkrieg ausgelöst.

Während Jacques Weber als Darsteller des Welt-Geistes alias BHL seine Worthülsen aneinander reiht, proben die Angestellten des Hotels den Aufstand: Seit Monaten ohne Lohn, wollen sie mit ihrem Streik ein besseres Leben erzwingen. Auf dem Dach des selben Hotels treffen die bosnische TV-Reporterin und ein Nachfahre des Serben Gavrilo Princip, des Attentäters vom 28. Juni 1914, aufeinander. Und beinahe hätten sie den jüngsten Krieg um Sarajevo – den zwischen den verfeindeten serbischen, bosnischen und kroatischen Ethnien im Ergebnis der Auflösung des Vielvölkerstaates Jugoslawien – privat fortgesetzt. Es ist ein hilfloses, polemisches aufeinander Einschlagen, eine Rede und Gegenrede der Beschuldigung und der Selbstbezichtigung, in der jene Kräfte außerhalb des alten Jugoslawiens, die ein Interesse an der Zerschlagung des Staates hatten, einfach nicht vorkommen.

Wenigstens einmal hätte der kluge Regisseur erwähnen dürfen, dass inzwischen fast alle Länder Jugoslawiens in der NATO sind, einmal nur, dass manche der Nachfolgestaaten heute mehr Flüchtlinge produzieren als Waren für den Export. Doch erbittert über den fortschreitenden Verfall Bosniens nach der Neugründung im Jahr 1992, nimmt er nicht mal dessen galoppierende Islamisierung aufs Korn, die von den 158 Moscheen landesweit belegt wird, die mit saudi-arabischem Geld gebaut worden sind. Statt dessen lässt er im Keller des Hotels die neue, kriminelle herrschenden Schicht auftreten, die in den jugoslawischen Nachfolgeländern unterhalb der Kämpfe von Religionen und Ethnien eine neue Internationale der Kriminalität etabliert hat. Drogen und Korruption bieten die Hauptumsatz-Quellen im illegalen Bereich Bosniens, während die legale Bereicherung von Ausländern beherrscht wird: Sie kontrollieren 85 Prozent der bosnischen Banken. Die offiziell angegebene Arbeitslosenrate liegt bei 28,2 Prozent.

Bernard-Henri Lévy: Das ist der Mann, der bis heute stolz von sich behaupten darf, dass er dem wahlkämpfenden Sarkozy erfolgreich eine militärische Intervention in Libyen aufgeschwatzt habe, das ist der, der zu gern eine NATO-EU-Intervention in der Ukraine gesehen hätte und auf diesem Weg ein guter Freund des amtierenden Oligarchen Poroschenko geworden ist, und ist der, der in Danis Tanovic Film das Hampeln für eine von ihm gerichtete Welt nicht aufgeben will. Vermutlich war diese Entlarvung nur ein zufälliges Nebenprodukt. Und doch zählt „Tod in Sarajevo“ zu den besseren Filmen der diesjährigen Berlinale.

Spike Lee, die Schwarzwurzel

Lysistrata of the Blocks

Seifenopern: So nannte man die Serien, die – von irgendeiner Seifenmarke finanziert – endlosen Quatsch verbreiteten. Kitsch, Schmalz, Glamour, verrührt mit blanker Gedankenlosigkeit, galten sie als unschädliches Schlafmittel, waren aber der Volksgesundheit wegen schwerer Hirnverkleisterung durchaus abträglich. Jetzt also ist der lange zu Recht verehrte Spike Lee mit einer Soap unterwegs: Chi-Raq, so ist der Name des titelgebenden Gängsta-Rappers (Nick Cannon), dessen Gang in einer bewaffneten Fehde mit einer andern Gang liegt. Lee will mit seinem Film das endlose Morden in vielen schwarzen Vierteln der USA anklagen. Und er lässt auch durchblicken, dass die Mörderei mit Armut, mangelnder Bildung und einem elenden Rassismus zu tun hat.

Er empfiehlt zur Heilung der US-Misere den alten Sex-Streik der Lysistrata: Die Freundin des Gängstas, von Teyonah Pariss gespielt, redet mit den andern Mädels, immer schön gereimt, damit die antike Komödie auch wirklich blöd daher kommt, und erst verweigern sich die schwarzen Schwestern in den Blocks und nachher dann in der ganze Welt. Und weil Love nun mal wirklich Peace bewirkt, wird sicher bald alles gut. Das kann der Papst besser und intellektuell klarer begründen.

Bevor es so richtig gut wird, müssen wir uns die lange Rede eines katholischen und weißen Pfarrers (John Cusack) anhören, sehen diverse Ballet-Nummern in denen leichte Kleidung als erster Schritt zur Befreiung erscheint und sollen glauben, dass schwarzer Machismo vor sexueller Verweigerung den Schwanz einzieht. Damit alles schön im patriotischen Rahmen bleibt, wird die amerikanische Geldvergeudung in den diversen Kriegen der USA beklagt, nicht wegen der Kriege, sondern weil von dem vielen Geld Schulen und Krankenhäuser in Afghanistan und im Irak gebaut würden, Geld das in den schwarzen Vierteln der USA fehle.

Spike Lee: Das war doch mal der zornige schwarze Mann, der in seinen Filmen die Rassengesellschaft anklagte, der mit einem Film dem bedeutenden Malcolm X ein Denkmal setzte und der das „New Black Cinema“ mitbegründet hat. Der liefert in diesen Tagen eine brave, weiße, gottesfürchtige Revue in die Kinos, deren Darsteller nur eine schwarze Haut haben. So wird der Spike (Dorn) auf seine alten Tage zur Schwarzwurzel: Außen schwarz, innen weiß.

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Sexualisierte Gewalt: Nein heißt Nein!

Erstellt von DL-Redaktion am 18. Februar 2016

Sexualisierte Gewalt:

Nein heißt Nein!

von Annett Mängel

Es entbehrt nicht der Ironie, dass die frauenverachtenden sexualisierten Gewaltübergriffe der Silvesternacht die CDU plötzlich dazu gebracht haben, die alte feministische Forderung „Nein heißt Nein“ zu übernehmen und für eine entsprechende Verschärfung des Sexualstrafrechts einzutreten. Zuvor hatte das Kanzleramt den längst nicht so weitgehenden Gesetzentwurf von Justizminister Heiko Maas monatelang blockiert und erst kurz vor Weihnachten endlich zur Beratung an die Bundesländer und Vereine freigegeben. Nun kann es nicht schnell genug gehen, steht die sexuelle Selbstbestimmung der Frau auf einmal ganz oben auf der politischen Agenda.

Hätten all jene, die noch bis vor kurzem Frauen geraten haben, „doch die Bluse“ zuzumachen, sich schon früher lautstark für die sexuelle Selbstbestimmung der Frau eingesetzt, dann könnten viele Kölner Opfer wenigstens damit rechnen, dass die Täter angeklagt und verurteilt würden. Doch dafür kommt das neue Strafrecht zu spät, rückwirkende Schuldsprüche kann es nicht geben. Zu befürchten ist, dass in diesem Fall lediglich die Anzeigen wegen Vergewaltigung zu einer Verurteilung führen könnten, sofern die Täter ermittelt werden und zusätzliche Gewalt ausgeübt wurde – etwa, indem das Opfer von einigen Tätern festgehalten wurde, damit andere es missbrauchen können. Alle anderen sexualisierten Übergriffe werden voraussichtlich straflos bleiben, Verurteilungen wird es allenfalls wegen Diebstahls geben. Schuld daran ist eine seit Jahrzehnten von Feministinnen beklagte Schutzlücke: Um den Straftatbestand der sexuellen Nötigung zu erfüllen, muss Gewalt jenseits des sexuellen Übergriffs angedroht oder ausgeübt oder mit einem „empfindlichen Übel“ gedroht worden sein. Das führt dazu, dass eine Vielzahl angezeigter Vergewaltigungen mit einer Einstellung des Verfahrens enden.

Dass nun die gesellschaftliche Zustimmung dafür so groß ist, diesen Missstand zu beheben, hat sicher nicht nur damit zu tun, dass die Übergriffe in besonders perfider Form, nämlich kollektiv, und unter den Augen untätiger Polizisten stattfanden. Ein wesentlicher Grund liegt darin, dass die mutmaßlichen Täter Migranten waren, darunter einige, die noch nicht lange hier leben. So wichtig und notwendig es ist, die kulturellen und sozialen Hintergründe der Täter zu analysieren, so erwartbar war die Welle rassistischer Hetze, die alle Migranten und Flüchtlinge unter Generalverdacht stellt. Das alte Klischee vom schwarzen Mann, der weiße Frauen vergewaltigt, feiert seitdem beängstigend fröhliche Urstände.

Zugleich wurde all jenen, die nach der Silvesternacht darauf hinwiesen, dass sexualisierte Gewalt vor Köln auch hierzulande ein Problem war, umgehend vorgeworfen, die Kölner Täter zu verharmlosen, auch wenn sie explizit betonen, dass die kulturellen und weltanschaulichen Ursachen von Gewalt analysiert, aufgearbeitet und bekämpft gehören. Das ist offensichtlich dringend notwendig. Zugleich ist es aber ebenso richtig festzustellen, dass sich die Ursache für sexualisierte Gewalt daran festmacht, wie die Stellung der Frau in der Gesellschaft ist. Und hier gibt es leider auch in Deutschland erheblichen Nachholbedarf, unabhängig von den Silvestervorfällen.

Doch das wird von jenen, die jetzt so vehement dafür streiten, dass Frauen vor Männergewalt geschützt werden müssen, seit Jahren bestritten. In ihrer Streitschrift wider den Feminismus kam die ehemalige Familien- und Frauenministerin Kristina Schröder sogar zu dem bezeichnenden Schluss: „Man darf die Warnung vor der Degradierung der Frau zum Objekt männlicher Sexualität wohl getrost vor allem als raffinierte Form feministischer Herrschaftssicherung im öffentlichen Diskurs interpretieren. Der Feminismus setzt die Schwäche und Unmündigkeit der Frauen als Prämisse voraus, um seine Existenzberechtigung aus der Absicht ableiten zu können, sie zu schützen.“ Also gibt es, folgt man Schröder, keinen Handlungsbedarf – außer gegen den Feminismus selbst. Derartige Thesen verhindern keine Gewalt, sondern sind mitverantwortlich dafür, dass Frauen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, oft aus Scham die Tat nicht anzeigen, sondern sie als individuelles Versagen empfinden.

Die Übergriffe in Köln und andernorts haben nun zumindest den erfreulichen Nebeneffekt, dass die Anzeigebereitschaft für Vorfälle dieser Art offenbar gestiegen ist – und damit ein Dunkelfeld etwas heller ausgeleuchtet wird. Man wird allerdings abwarten müssen, ob das lediglich der großen Aufmerksamkeit geschuldet ist und ein einmaliges Phänomen bleibt, oder ob dies insgesamt Frauen ermutigt, sexualisierte Gewalt verstärkt öffentlich anzuklagen. Bislang wird davon ausgegangen, dass zwischen 85 und 95 Prozent der Frauen, die eine Vergewaltigung erlebten, diese nicht anzeigen; die entsprechenden Zahlen für sexualisierte Übergriffe unterhalb einer Vergewaltigung liegen noch höher.

Von den zwischen 2001 und 2012 jährlich rund 8000 angezeigten Vergewaltigungen führten im Durchschnitt nur 1314 zu einer Anklage, es kam zu durchschnittlich knapp 990 Verurteilungen pro Jahr. Die Diskrepanz zwischen Anzeigen und Verurteilungen ist also enorm: Für 2012 gibt der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) in seiner Fallanalyse eine Verurteilungsquote von 8,4 Prozent, gemessen an den Anzeigen, an. Und das liegt in den allermeisten Fällen nicht daran, dass der Übergriff doch keiner war, sondern an den bislang enorm hohen Hürden, die das deutsche Strafrecht für eine Verurteilung aufstellt.

Die Schutzlücke im deutschen Strafrecht

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Fotoquelle: Wikipedia- Author Martin Abegglen from Bern, Switzerland  –/– C. C. Attribution-Share Alike 2.0 Generic

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Hollywood wie es lacht und singt – BERLINALE

Erstellt von Rationalgalerie am 16. Februar 2016

BERLINALE: Hollywood wie es lacht und singt

Die rauschende Stille der Coen-Brüder

Autor: U. Gellermann
Datum: 15. Februar 2016

Das dreht und macht, das brüllt und lacht, das springt und spreizt, das ist so falsch, wie Leben nur sein kann: Hollywood, die Illusions-Maschine. Diesmal echt gefälscht von den Coen-Brüdern im Eröffnungsfilm der Berlinale: „Hail, Cesar“. Ein verfetteter, alter und tendenziell schwuler George Clooney opfert seine Welt-Schönheit auf dem Altar einer Hollywood-Hommage von Joel & Ethan Coen. Der Nespresso-Mann spielt die Hauptrolle beim Dreh eines pompösen Sandalenfilm, einer der vielen Filme im Film, den die genialen Brüder in ihrer Filmfabrik-Karikatur erinnern.

Aber nicht Clooney steht im Mittelpunkt der Handlung. Es ist Josh Brolin, der den kalten Allesmacher spielt, den Problemlöser, den Ausbügler, den Mann, ohne den kein Film auf den Markt käme. Und weil er so kalt ist, kommt er im Verlauf der rund 100 Minuten Film auch mit nahezu einem Gesicht aus. Da geht es der brillanten Tilda Swinton in der Doppelrolle zweier nerviger Journalistinnen auch nicht viel besser: Da die Coen-Brüder sich entschlossen haben Hollywood als Comic-Strip zu zeichnen, sind der Stereotypen viele, die Regungen voraussehbar und immer witzig, Aber wer will schon zwei Stunden an einem Stück lachen?

Zugegeben: Dass eine Bande wüster, kommunistischer Drehbuch-Autoren den armen Clooney entführt, das hat was. Es hat die Erinnerung an den McCarty-Zeit, in der jede Menge Hollywood-Leute als Kommunisten denunziert und gesellschaftlich liquidiert wurden. Das war damals eher nicht lustig und auch heute gelingt der Witz nur mit Mühe. Ja, es ist heiter, wenn der klischierte Cowboy-Darsteller Alden Ehrenreich eine Spaghettinudel zum Lasso zaubert, ja, es ist amüsant wenn die Vertreter der christlichen Religionen als Filmgutachter mit den Rabbi über den Gottes-Sohn disputieren, der natürlich für den Rabbi nie und nimmer Gottes Sohn sein darf: Hatte Gott auch ne Frau und nen Hund? Ja, es ist brüllend komisch, wenn der komplette Set ehrlich ergriffen dem bekehrten Clooney und seinem Glaubensbekenntnis lauscht, den Tränen nahe, obwohl doch alle wissen: Es ist Film!

Aber, sagt der eine ziemlich erwachsene Filmkritiker zum anderen: „So what?“ Dessen Konter lautet „WhatsApp?“ Und beide müssen bekennen, dass sie vielleicht einfach zu viele Filme gesehen haben, zu erwachsen sind und nicht mal mit dem WhatsApp Textnachrichten-Dienst umgehen können. Was solls? Die Frage darf nach diesem Film auch den großen Coen-Brüdern gestellt werden.

GRÜSSE AUS FUKUSHIMA
Die Stille nach dem Schuss der Doris Dörrie

Es war nicht der erste Warnschuss für die weltweite atomare Profitgemeinde, die Katastrophe des AKW-Fukushima. Doch Teile der Welt sind immer noch taub für die Botschaft, die vom zerstören Fukushima ausgeht. Vielleicht dieser Taubheit wegen, vielleicht weil die Dörrie weiß, das man gute Botschaften nicht schreien muss, hat die Filmemacherin mit „Grüße aus Fukushima“ eine eher stillen Film gedreht. Ein Film, in dem wenig geklagt wird und der doch eine einzige Anklage ist.

Mit ihren fast Einmeterachtzig ist Rosalie Thomas nicht gerade klein und so ganz leicht dürfte sie auch nicht sein. Genau sie ist die ideale Besetzung der sehr deutschen Maria, die vor sich selbst nach Japan flieht und dort auf die entschieden zierliche Kaorie Momoi trifft, die letzte Geisha Fukushimas. Was nach Klischee klingt – Elefant trifft auf Gazelle– gerät in den Händen der Dörrie zu einem zauberhaft warmherzigen Zusammentreffen der unterschiedlichen Kulturen an einem Ort, dem die Atomindustrie und eine ignorante japanische Administration, eine Symbiose aus Staat und Geschäft, jede Kultur ausgetrieben hat.

Wie ein böser Running Gag tickt der Geigerzähler in vielen Szenen eines Films, der, weil er tatsächlich in der Zone erhöhter Radioaktivität gedreht worden ist, ein notwendiger Begleiter im und für den Film ist. Die Thomas, völlig zu Recht für ihre Rolle mit dem bayerischen Filmpreis ausgezeichnet, kommt als Mitglied einer Clown-Truppe in die Notunterkünfte der Fukushima-Überlebenden und wird so zu einer grausig-komischen Figur jenes Spiels, das auch der Not lieber ein Lächeln abringen will statt eines Aufschreis.

Die letzte Geisha von Fukushima entlarvt die unterhaltende Barmherzigkeit als „bullshit“ und reist aus den Notunterkünften in ihr altes Zuhause: Ein zerstörtes, kontaminiertes Haus in einem kontaminierten, zerstörten Ort. Zwar mag die japanische Gazelle nicht die deutsche Elefantin, aber die wird gebraucht: Für die Flucht mit dem Auto, für das Tragen der schweren Sachen und das Ertragen jener strengen Geisha, die der europäischen Riesin das richtige Sitzen, die richtige Haltung erklärt und die falschen Tränen austreibt.

Doris Dörrte mahnt nicht, sie erzählt. Ihr Buch und ihre Regie sind von jener Leichtigkeit, die der Schwere des Themas entkommen ist, nur um seine bedrückende Wahrheit aus dem Allgemeinen in das Besondere zu führen, seine gesellschaftliche Bedeutung im sogenannten Privaten zu spiegeln.

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Ukraine-Krieg dauert an

Erstellt von Rationalgalerie am 12. Februar 2016

Ukraine-Krieg dauert an

Die Seuche dieser Zeit: Verrückte führen Blinde

Autor: U. Gellermann
Datum: 11. Februar 2016
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Buchtitel: Die Eroberung Europas durch die USA
Buchautor: Wolfgang Bittner
Verlag: Westend

Gibt des ihn eigentlich noch, den Ukraine-Krieg? Ein Jahr nach dem letzten Abkommen von Minsk gibt es nach wie vor Gefechte in der Ost-Ukraine, es sterben Menschen, das soziales Leben wird zerstört. Denn nach wie vor weigert sich Kiew, einen wesentlichen Punkt von „Minsk“ zu erfüllen: Man redet nicht direkt mit den Rebellen in der Ost-Ukraine. Frau Merkel, die das Abkommen initiiert hat, schweigt auch: Sie ist gerade als Lautsprecher zur Verurteilung Russlands im Syrien-Krieg unterwegs. So drängt der Syrienkrieg den schwelenden Krieg in der Ukraine aus den Schlagzeilen. Was heute schwelt kann morgen wieder brennen. Auf deshalb ist das Buch von Wolfgang Bittner „Die Eroberung Europas durch die USA“ – mit dem der Autor akribisch nachweist, dass die USA den Ukraine-Krieg auch als Hebel zu Beherrschung der EU einsetzen – so aktuell und notwendig.

Bereits im Vorwort seiner Analyse erkennt der Autor einen wesentlichen Mitspieler im Kampf um die Ukraine: Die westlichen Medien, „die zu Werbeträgern insbesondere der US-Propaganda verkommen sind.“ Und er erinnert an den schweren Rückfall in den Kalten Krieg, wenn der SPIEGEL vom „prorussischen Mob“ diffamiert und die WELT von der „Ruchlosigkeit der Putin-Propaganda“ lärmt. Schon wie bei anderen Kriegen zuvor formiert sich die deutsche Medienlandschaft so sehr, dass Bittner, Albrecht Müller zitierend, von „Primitivität“ schreiben muss.

Zur Sezession der Krim, die ja bis heute als Vorwand der EU-Sanktionen dient, erinnert Wolfgang Bittner daran, dass die Krim „schon so lange ein Teil Russlands“ ist „wie es die USA überhaupt gibt“. Und er findet bei seiner Analyse der fortschreitenden Militarisierung des Ukrainekonflikts die Forderung des ukrainischen Außenministers Klimkin, der vom Westen eine Militärhilfe „ähnlich wie für den Irak“ fordert. Weder Bundespräsident Gauck, dem Klimkin diesen Wunsch vorträgt, noch den Medien mochte die morbide Parallelität auffallen. Zwar schreiben acht ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter an Bundeskanzlerin Merkel, warnen vor einem Krieg mit Russland und finden, dass die aktuelle Kampagne an die US-Täuschungen vor dem Angriff auf den Irak erinnern, aber ein Begreifen der deutschen Öffentlichkeit ist nicht festzustellen.

Zu den öffentlichen Täuschungen zählt Bittner zu Recht auch den Versuch, einen „russischen Rüstungsvorteil“ gegenüber dem Westen zu behaupten. Kühl kontert er mit den wirklichen Zahlen: Die USA und ihre Verbündeten England, Frankreich und Deutschland gaben im selben Zeitraum mehr als das Achtfache aus. Und die Glaubwürdigkeit der NATO-Propaganda entlarvt er schnell mit einer präzisen Beobachtung. Es war ausgerechnet Anders Fogh Rasmussen, der damalige Nato-Generalsekretär, der einst behauptete: „Irak hat Massenvernichtungswaffen. Das ist nicht etwas, das wir lediglich vermuten. Wir wissen es.“ In dieser Kontinuität der Lüge steht so ziemlich alles, was der Westen und seine NATO bis heute über die Ukraine zu wissen vorgibt.

Die aktuelle wirtschaftliche Lage der Ukraine mag schlecht sein –  das Bruttoinlandsprodukt war in den vergangenen zwei Jahren um beinahe 20 Prozent eingebrochen, die Staatsschuld hatte sich mehr als verdoppelt, mehrere Minister fliehen aus ihren Ämtern – aber eine fette Beute ist das Land trotzdem, wie Bittner nachweist. „Mehr als 32 Millionen Hektar fruchtbares Ackerland“ warten auf die Ausbeutung durch Agrarkonzerne wie Monsanto. Wohl deshalb hat die EU in ihr Assoziierungsabkommen mit der Ukraine in den Artikel 40 eine Klausel geschrieben, die „die Anwendung der Biotechnologie innerhalb des Landes ausweiten“ soll.

Trotz der Schäden für die deutsche Wirtschaft, Bittner zitiert einen Rückgang der deutschen Exporte im Jahr 2014 um 18 Prozent, gehen die Sanktionen der EU gegen Russland weiter und auch die dumme Propaganda in den westlichen Medien. Wolfgang Bittner, der früher dem WDR-Rundfunkrat angehörte, hat einen solchen Fall aufgespießt: Der Bayerische Rundfunk hatte den Ex-Präsidenten Georgiens, Michail Saakaschwili, der heute in der Ukraine sein Wesen treibt, in einem TV-Beitrag zum „Antikorruptionskämpfer“ stilisiert. Dass gegen den Mann in Georgien ein Haftbefehl wegen „Amtsmissbrauch“ vorliegt, spielte keine Rolle. Bittner reagierte mit einer Programmbeschwerde. – Ob Beschwerden zu einer Besserung der Lage führen, ist ungewiss. Gewiss ist, das ein Schlusssatz des Buches nicht nur für den Ukraine-Krieg Gültigkeit hat: „Das ist die Seuche dieser Zeit: Verrückte führen Blinde.“ (Shakespeare, König Lear).


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Publizist Roger Willemsen ist tot

Erstellt von DL-Redaktion am 9. Februar 2016


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Der Mann des Bildungsfernsehens

Publizist Roger Willemsen ist tot

Er war der belesenste TV-Moderator der letzten 20 Jahre, ein Idol des Bildungsbürgertums. Am Sonntag ist Roger Willemsen gestorben.

von Jan Feddersen

Die taz kam ja auch in den, so muss man es neidlos sagen, Genuss seiner wirklich sehr virtuosen Art, sehr Hässliches sehr schön formulieren zu können. Als die Kolleg*innen der sonntaz vor gut sechs Jahren Roger Willemsen fragten, ob er sich am „Streit der Woche“ mit einer kurzen Einlassung beteiligen würde, zierte er sich nicht lange – und das Zieren war ihm öfters ja angelegen –, denn das Objekt, dem er einige garstige Sätze widmen sollte, lag ihm schon lange wie ein mieser Stein auf der Seele.

So schrieb er denn zur Show „Germany‘s Next Top-Model“ und ihrer Präzeptorin Heidi Klum:

„Eine unschöne Frau mit laubgesägtem Gouvernanten-Profil bringt kleine Mädchen zum Weinen, indem sie ihre orthodoxe, hochgerüstete Belanglosigkeit zum Maßstab humaner Seinserfüllung hochschwindelt, über ‚Persönlichkeit‘ redet, sich aber kaum mehr erinnern kann, was das ist, und sollte diese je zum Vorschein kommen, sie mit Rauswurf bestraft. Der Exzess der Nichtigkeit aber erreicht seinen Höhepunkt, wo Heidi Nazionale mit Knallchargen-Pathos und einer Pause, in der man die Leere ihres Kopfes wabern hört, ihre gestrenge ‚Entscheidung‘ mitteilt, und wertes von unwertem Leben scheidet. Da möchte man dann elegant und stilsicher, wie der Dichter sagt, sechs Sorten Scheiße aus ihr rausprügeln – wenn es bloß nicht so frauenfeindlich wäre.“

Die Passage sei hier in Gänze zitiert, kein Wort ist überflüssig – auch wenn die leicht dünkelhafte Allüre, die dem Mann des Bildungsbürgertums ja immer eigen war, im Verhältnis zur Trashkultur immer etwas zu mokant, zu selbstsicher, zu gewiss in eigener (Klassen-)Sache wirkte.

Es ist traurig und wahr zugleich, denn Roger Willemsen, der belesenste unter allen TV-Figuren der vergangenen 20 Jahre, der Mann der Literatur, des Talks und der elaborierten Auseinandersetzung auf beinahe allen Quatschsofas der Republik, kann bei der nächsten Staffel der Heidi-Klum-Dressur- und Zuchtshow nicht mehr zugucken – lebte er aber, dürfte er ein wenig seufzen, denn nichts scheint sich an dem Befund zu dieser dunklen Meisterin der Körperformatierung geändert zu haben. Willemsen, erschütternd junge 60 Jahre alt erst, ist gestern an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben.

Niemand hatte so interessante Gäste

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fast schon Erste Liga

Erstellt von DL-Redaktion am 2. Februar 2016

Fast schon Erste Liga

Ja, wer kennt Bielefeld nicht, oder noch nicht. Eine schöne ruhige Stadt zwischen den Hügeln des Teutoburger Waldes. Auch als Stadt der Seidenweber, des Pudding Baron DR. Oetker und den Wasch – Maschinenbauer Miele bekannt.

Heute auch als eine Stadt welche es eigentlich gar nicht gibt und darum auch ihre Bewohner nicht. Trotz allem habe ich einen Bruder dort und hoffe das sich der Schreiber dieses Artikels nicht auch zu den Anonymen im Internet gesellen wird, da er vielleicht befürchtet bald von den Außerirdischen entführt zu werden. Scheint es doch in ostwestfälischen Kreisen durchaus üblich zu sein sich aus Angst vor den Nachbarn hinter den verschiedensten Namen zu verstecken. IE.

Nicht in Berlin Unser Autor lebt seit 45 Jahren in einer Stadt des Grauens: Bielefeld.

von Klaus Kosiek

Wir waren etwas erstaunt, als die Freunde, die seit 15 Jahren in der Schweiz leben und uns auf ihrer Deutschlandreise für ein paar Tage besuchten, bei Apfelkuchen und Kaffee erklärten, dass sie entschlossen seien, nach Erreichen des Rentenalters nach Deutschland zurückzukehren. Berlin, aber auch Bielefeld zögen sie in Betracht. Alles sei besser als eine Zukunft in der Schweiz, deren selbstgerechte Bewohner ihnen immer mehr auf die Nerven gingen. Was denn aus unserer Sicht zum Lobe der Stadt am Teutoburger Wald zu sagen sei?

Keine einfache Frage, auch nicht für uns. Wir leben seit 45 Jahren in Bielefeld und finden die Stadt ganz in Ordnung, immerhin die Heimat von Pudding, Systemtheorie, Gesellschaftsgeschichte, Reformschulen, guten Comedians und rustikalem Fußball. Aber wir wissen natürlich, dass Bielefeld-Bashing in linksliberalen Kreisen immer noch populär ist. Deshalb reagierten wir ausweichend auf die Frage der Freunde: Bielefeld, ein alter Industriestandort, sei zwar kein locus amoenus, alles andere als lieblich, aber eine ansehnliche Stadt, nur knapp hinter der Ersten Liga, mit einem schwulen Oberbürgermeister, einer regierenden Paprikakoalition, breiten Fahrradwegen, einer aktiven Kulturszene, einem nagelneuen Hochschulcampus, in den Bund und Land eine gute Milliarde investiert haben, und einer Infrastruktur, die den Anforderungen des demografischen Wandels schon recht gut entspreche. Meinen Urologen zum Beispiel könne ich empfehlen … Sie winkten ab, so eilig hätten sie es nicht mit dem Altwerden.

Ganz psychedelisch

Wir verabredeten für den nächsten Tag eine Radtour und am Abend den Besuch der Alm. Manche halten Bielefeld für das Produkt einer Verschwörung von Außerirdischen in Zusammenarbeit mit Geheimdiensten. Ihre Zahl wird zugenommen haben, seit ausgerechnet Kai Diekmann, erfolgreicher Produzent von Legenden aus dem Hause Springer, ihre Existenz behauptet und wehmütig von kindlichen Exkursionen in den Teutoburger Wald berichtet hat (im Merian-Heft „Ostwestfalen“). Andere bestreiten die Existenz der Stadt zwar nicht, verwenden aber ihren Namen gern als Chiffre für das Grauen, das von öden Orten ausgeht. Christoph Höhtker, ein in Bielefeld geborener früherer Student der Soziologie, Taxifahrer und Werbetexter, heute Romancier mit Wohnsitz Genf, beschreibt in seinem aktuellen Roman Alles sehen die Stadt „B.“ als einen mythischen Ort, „dessen Verlorenheit und Stille die Menschen vor Ort verrückt machen, aber auch zu lustigen Geschichten und bizarren soziologischen Theorien inspirieren kann.“

Quelle: Der Freitag >>>>> weiterlesen

Fotoquelle: Wikipedia – Andy1982Eigenes Werk –/– CC BY-SA 3.0

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Wolfgang Niedecken über Köln

Erstellt von DL-Redaktion am 31. Januar 2016

Wolfgang Niedecken über Köln

„Für mich ist das Globalpatriotismus“

In seiner Heimat traf schon immer die Welt aufeinander, sagt der BAP-Sänger. Ein Gespräch über Köln zwischen Silvester und Karneval.

Sonntagmorgen, 11 Uhr. Berlin schläft. Wolfgang Niedecken kommt mit seiner Frau Tina Niedecken in ein Kreuzberger Café, das von außen orange leuchtet. Weil in Köln in allen Sälen Karneval ist, hat er vor ein paar Tagen das neue BAP-Album halt in Neukölln vorgestellt. „Second best“, sagt er.

taz.am wochenende: Herr Niedecken, die sexuellen Übergriffe gegen hunderte Frauen auf der Kölner Domplatte . . .

 

Wolfgang Niedecken: Ich hab inzwischen schon manchmal das Gefühl, dass ich mich dafür entschuldigen muss, dass das in Köln passiert ist.

 

Ist Ihnen das unangenehm? Bei Ihrem Konzert im Berliner Heimathafen haben Sie das Thema sehr dezent berührt.

 

Jetzt kommt mal was Schönes aus Köln, habe ich gesagt. Wir waren jedenfalls fassungslos, ich dachte: Das kann doch nicht sein. Doch! Es ist tatsächlich in Köln passiert.

Köln steht jetzt für Ängste, Staatsversagen, politische Propaganda von allen Seiten. Wie sehen Sie die Lage?

 

Sexuelle Gewalt ist nicht zu tolerieren, das ist selbstverständlich. Die Untersuchungen sind aber immer noch nicht abgeschlossen und längst nicht alle Fragen geklärt: Wieso reisen so viele nach Köln, hat das jemand organisiert? Wenn es kriminelle Banden waren, steckt jemand dahinter? Aber da bewege ich mich schon in Richtung Verschwörungstheorien und das möchte ich nicht. Man muss allerdings fragen: Wem nützt das, was in Köln passiert ist? Es nützt der AfD, der Pegida, überhaupt allen Ewiggestrigen. Und dann nützt es auch dem IS.

 

Sie verdächtigen die islamistische Terrororganisation?

 

Ich sage nicht, dass der IS dahintersteckt. Aber wenn aus einer Willkommenskultur plötzlich „Ausländer raus!“ wird, dann hätte der IS Deutschland da, wo er uns haben will: der Staat, in dem man Muslime hasst.

 

Sie sind mit BAP groß geworden in einer Zeit, in der Rock ’n’ Roll den gesellschaftlichen Protest vergrößern half – und umgekehrt. Diese Allianz gibt es nicht mehr.

 

Das sehe ich nicht so. Wir haben letztes Jahr im Januar in Dresden vor der Friedenskirche ein Konzert gegen Pegida gespielt. Im Schneetreiben. Herbert Grönemeyer, Gentleman, Silly, Keimzeit, Jupiter Jones, meine Wenigkeit und viele mehr. Das war ein richtiges Statement, genau an der Stelle, an der sonst Pegida marschiert. So was geht immer noch. Übrigens organisiert von Dresdner Ärzten.

 

Gegen Pegida, das ist eine einfache Gut-Böse-Konstellation. Aber wofür mobilisiert man in der komplexen Flüchtlingssituation?

 

Ja, das ist ganz schwer. Ich versuche es, indem ich meine Meinung sage, wenn man mich fragt. Und wenn es irgendwo eine gute Idee gibt, was man machen kann, dann bin ich dabei. So wie beim „WIR. Stimmen für geflüchtete Menschen“-Konzert auf dem Münchner Königsplatz im vergangenen Oktober.

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»Natürlich ist Religion erst mal Pflicht«

Erstellt von DL-Redaktion am 30. Januar 2016

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»Natürlich ist Religion erst mal Pflicht«

Der Katholik Martin Mosebach und der Muslim Navid Kermani sind fasziniert vom Glauben des jeweils anderen. Ein Gespräch über falsche und echte Toleranz – und darüber, wie der Islam im Westen missverstanden wird

SZ-Magazin: Herr Mosebach, Ihr Schriftstellerkollege und Freund Navid Kermani hat gerade eine große Meditation über das Christentum veröffentlicht: ›Ungläubiges Staunen‹ heißt das Buch, in dem er sich über Meisterwerke von Botticelli bis Caravaggio der Schönheit und Sinnlichkeit, aber auch der Rätselhaftigkeit des Christentums nähert. Muss erst ein Muslim kommen, um den Christen zu zeigen, wie faszinierend ihre eigene Religion ist?

Martin Mosebach: Leider scheint es so. Der durchschnittliche Christ kennt seine Religion nicht mehr. Sein religiöses Wissen ist ausgeronnen wie aus einem geplatzten Sack. Dazu kommt, dass Navid einen Vorteil hat: Er ist Muslim. Er kann diese Bilder so intensiv auf sich wirken lassen, weil sie ihn erst mal gar nichts angehen.

Navid Kermani: Über den Islam könnte ich so ein Buch nie schreiben. Ich würde in einen frömmlerischen Ton fallen. Ich kann nur vom anderen, vom Fremden schwärmen. Die Liebe zum Eigenen – ob es nun die eigene Kultur, Religion oder auch die eigene Person ist – erweist sich in der Kritik. Die Liebe zum anderen kann viel rückhaltloser sein.

Ist Ihr Buch eine Antwort auf das, was im Irak und in Syrien passiert?

Kermani: Es lässt mich jedenfalls nicht unberührt, was dort geschieht. Andere Muslime entführen Christen, umso dringlicher ist es, dass Muslime sich dem Christentum gerade jetzt mit Achtung widmen.

Mosebach: Es ist die glücklichste Idee, sich der anderen Religion über die Kunst zu nähern, weil man sich über die Theologie nur entzweien kann, ja muss. Dieses Buch ist einzigartig, weil es nach meiner Kenntnis der erste Versuch eines Muslims ist, sich über die christliche Kunst in das Christentum einzufühlen.

Hatten Sie die Befürchtung, vor lauter Begeisterung dem eigenen Glauben untreu zu werden?

Kermani: Es war eher andersherum. Durch die Beschäftigung mit dem Christentum habe ich Aspekte des Islam kennengelernt, derer ich mir in ihrer Tiefe nicht bewusst war.

Zum Beispiel?

Kermani: Je begeisterter ich vor den Werken christlicher Kunst stand, desto reizvoller fand ich die Bilderlosigkeit im Islam. Und je mehr Kirchen ich betrachtete, desto mehr leuchtete mir der Aufbau einer Moschee ein: Dass es anders als in der Kirche, deren Wege auf den Altar zulaufen, weil dort Gott gegenwärtig ist, in einer Moschee kein Zentrum geben kann, weil Gott überall gegenwärtig ist. Egal wo man in einer Moschee sitzt, man sieht die Kuppel von überall gleich gut – wie den Himmel.

An einer Stelle des Buches gestehen Sie: »In Rom wurde ich neidisch aufs Christentum.«

Kermani: Bevor ich ein Jahr in Rom lebte, nahm ich das Christentum als etwas Gutes und ethisch Wertvolles wahr, aber nicht als etwas Schönes. Als Jugendlicher in einer sehr protestantischen Stadt aufgewachsen, dachte ich oft: Die Christen sind ja nett, aber warum sind ihre Gottesdienste so langweilig? In Rom habe ich gespürt, wie alt die katholische Tradition ist; dass göttlich nicht heißt, dass etwas vom Himmel fällt, sondern über die eigene Erinnerung hinausgeht, dass Rituale, Formen, Gebete einen Ursprung haben, den wir allenfalls noch erforschen können und den dennoch keine Forschung aufschlüsselt. Leider leben wir in einer Zeit, in der sowohl katholische als auch islamische Traditionen wegbrechen; das ist nicht nur traurig, sondern gefährlich, weil Traditionen, die abgebrochen sind, meistens als Fundamentalismus, als etwas Reaktionäres zurückkehren, und dann entsteht Gewalt.

Aber der Fundamentalismus behauptet doch gerade, zum Ursprung zurückkehren zu wollen.

Kermani: Ja, aber er will dabei die Tradition sozusagen überspringen. Er wendet sich dezidiert gegen die Tradition, insofern er zu einem Uranfang zurückzukehren behauptet.

Dann sollte man Traditionen gar nicht erst abreißen lassen, oder?

Kermani: Man kann keine Tradition künstlich am Leben halten. Aber man kann sie dort, wo sie noch existiert, achten und auch schützen und erneuern. Tradition ist die Vermittlung der göttlichen Offenbarung durch Generationen von Menschen hinweg; sie ist mehr, als ein Einzelner wissen oder sich ausdenken kann. Aber heute muss alles nach unserem gesunden Menschenverstand gehen, ohne dass wir bedenken, dass dieser Verstand doch wie jeder menschliche Verstand zuvor auch nur zeitlich bedingt ist. Religion soll so sein, wie wir uns das wünschen, sie soll das aussagen, was wir ohnehin denken, sie soll kompatibel sein mit unserer Zeit. Dabei ist doch das Wesen der Religion, dass sie gerade nicht kompatibel mit unserer oder überhaupt einer Zeit ist. Jesus war ganz offensichtlich nicht kompatibel mit seiner Zeit.

Mosebach: Im Westen glaubt man unter Christen und Atheisten, man könne die Religion in Philanthropie und Menschenrechten aufgehen lassen. Das Christentum will aber nicht Lösungen zur Überwindung gesellschaftlicher Schwierigkeiten vorschlagen, sondern den einzelnen Menschen in die Gegenwart des lebendigen Gottes führen.

Kermani: Die Herausforderung bestünde darin, einer Religion nicht stumpf zu folgen, sondern es hinzukriegen, dass man einen Text, der vor 2000 Jahren geschrieben wurde, ernst nimmt – und zwar jedes Wort und jede Geschichte – und trotzdem menschenfreundlich und aufgeklärt in der Gegenwart lebt. Keiner sagt, dass das leicht ist, aber das menschliche Bewusstsein kann das. Religion ist niemals das göttliche Wort pur. Sie ist das sich stets verändernde Verhältnis von Menschen zu diesem Wort. Aus genau dieser Bewegung des menschlichen Geistes sind die großen Kulturen entstanden.

Warum hält sich das Vorurteil vom antimodernistischen Islam so hartnäckig?

Kermani: Weil heute so viele Muslime den Islam antimodernistisch auslegen. Und weil sie keine Ahnung haben von ihrer eigenen theologischen Tradition. Man muss sich nur mal fünf Minuten mit diesen Menschen unterhalten, die in der Fußgängerzone den Koran in die Höhe halten: Ihr Wissen beschränkt sich meist auf ein paar Schlagwörter und Regeln, an denen sie sich wie an einem Vademecum festhalten. Sie haben keine Ahnung, dass der Koran kein Buch ist, sondern seiner eigenen Textgattung nach ein liturgischer Vortrag. Dass er von den ersten Muslimen und bis weit ins 20. Jahrhundert gesungen wurde und nicht gelesen. Sie haben keine Ahnung, dass es jedem traditionellen Umgang mit dem Koran spottet, ihn in der Fußgängerzone wie eine Werbebroschüre zu verteilen. Wenn ihre Eltern noch fromm gewesen wären, wüssten sie, dass man in einem muslimischen Haushalt den Koran an höchster Stelle, mit einem kostbaren Tuch verhüllt, aufbewahrt und nur mit äußerster Andacht berührt, manchmal nur mit Handschuhen. Es ist für Muslime Gottes Wort, welches in den Fußgängerzonen im nächsten Papierkorb landet. Diese Menschen reduzieren einen hochpoetischen, auch im Arabischen sprachlich hochkomplexen Text, der sich übrigens in jedem einzelnen Vers reimt, auf ein Gesetzbuch, das man bei Google nach Schlagwörtern durchscannt.

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Das Herz der Finsternis schlägt atomar

Erstellt von Rationalgalerie am 29. Januar 2016

Das Herz der Finsternis schlägt atomar

Eine Reise durch die Zeiten zu den Ursprüngen des Nuklearzeitalters

Autor: U. Gellermann
Datum: 28. Januar 2016
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Buchtitel: Schlangentanz
Buchautor: Patrick Marnham
Verlag: Berenberg

Es ist ein wirklich riesiger Erzählbogen, den der Autor von „Schlangentanz“ Patrick Marnham spannt. Er reicht von den kongolesischen Wäldern und der Brutalität des belgischen Kolonialregimes im Kongo bis zur brutalen Zerstörung Fukushimas und dessen atomarer Verseuchung bis heute. Und der Pfeil, den Marnham auf die Sehne gelegt hat und durch die Zeiten schwirren lässt, soll die USA treffen. Mitten in das weltbeherrschende, atomare Herz.

Düster zwar, doch poetisch beginnt das Buch mit Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ und der Reise zur kongolesischen Erzmine von Shinkolobwe, wo das Uran gewonnen wurde, das zum Bau der über Hiroshima und Nagasaki abgeworfenen Atombomben verwendet wurde. Es ist eine Reise mit zuweilen überraschenden Ausflügen. So, wenn wir den Kunsthistoriker Aby Warburg treffen oder auf die Hopi-Indianer, deren ritueller Schlangentanz dem Buch seinen Titel gegeben hat und die unweit von Los Alamos leben. Dort, wo die US-Regierung ihr Atomprogramm startete.

Los Alamos, erinnert der Autor, das gehörte doch mal den Mexikanern. Und so zählt er denn den bis heute in den USA glorifizierten Landraub auf, der „Innerhalb von fünfzig Jahren“ aus „einer kümmerlichen Republik eine wohlhabende und mächtige Nation“ zusammenraffte. Nüchtern und erbittert erinnert Marnham, „als 1890 bei Wounded Knee in South Dakota die letzte Schlacht (gegen die Indianer) geschlagen wurde, waren die Vereinigten Staaten die führende Industriemacht der Welt.“ Rückblickend wirkt die Schlächterei, mit automatischen Waffen gegen Frauen und Kinder, wie ein Vorgriff auf künftige Menschenrechtsverbrechen der USA.

Mit einem dieser Verbrechen, dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki – das faschistische Japan lag längst am Boden – befasst sich das Buch detailliert und kenntnisreich: Von der Forschungsgruppe, die im Auftrag der US-Regierung an der Entwicklung der Bombe arbeitete, bis zur Entscheidung des Präsidenten Truman, der die Bombe werfen ließ, um den früheren Alliierten der Anti-Hitler-Koalition und aktuellen Lieblingsfeind der USA, die Sowjetunion, zu erpressen. Auf dem Weg dahin findet Marnham ein charakteristisches Zitat von Brigadegeneral Leslie Groves, einem der Väter der Atombombe: „Ich fragte mich, was denn nun, nachdem der Westen erobert war, für mich zu tun geblieben sei“.

Am Ende der langen Reise, ins verseuchte Fukushima, begegnet der Leser einem Reaktor, der vom US-Konzern „Genial Electric“ so konstruiert wurde, „dass als Kernbrennstoff ein Abfallprodukt aus den USA genutzt werden kann, Plutonium -239 mit einer Halbwertzeit von 24.000 Jahren.“ Um solche Fakten aus dem Reich scheinbarer Zufälligkeit in die Welt der gelenkten Wirklichkeit zu überführen, kommt der japanische Schriftsteller Kenzaburo Oe zu Wort, der vor dem geheimen Abkommen Japans mit den USA über die Stationierung von Atomsprengköpfen in Japan warnt und seine Regierung auffordert, die Stationierung von US-Streitkräften auf Okinawa aufzukündigen und die Kernkraft abzuschaffen. Das Herz der Finsternis schlägt atomar.


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Fotoquelle: Wikipedia – Author United States Department of Energy –/– Gemeinfrei

Atombombentest „Romeo“ (Sprengkraft 11 Megatonnen TNT-Äquivalent) am 27. März 1954 auf dem Bikini-Atoll

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Neuer Feminismus

Erstellt von DL-Redaktion am 24. Januar 2016

Neuer Feminismus

Auf der Kippe

Seltsame Allianzen gibt es nach der Kölner Silvesternacht. Gegen (antimuslimischen) Frauenhass hilft aber nur ein neuer Feminismus.

von Charlotte Wiedemann

Ich habe in den vergangenen Wochen einiges über mein Land erfahren, das ich lieber nicht gewusst hätte. Das klingt arg unpolitisch, ich weiß. Aber es ist bei mir ein Bedürfnis nach Selbstschutz aufgekommen, angesichts der rasanten Verrohung dessen, was öffentliche Debatte zu nennen ein Euphemismus ist.
Frauen, die eine falsche Meinung äußern, werden im Netz mit Gewaltfantasien überschwemmt. Gruppenvergewaltigung als Erziehungsmittel, wenn du nicht einstimmst in den anti-islamischen Sound. Eine Frau, die vom Kölner Hauptbahnhof berichtete, sie sei von arabisch aussehenden Männern respektvoll behandelt worden, muss sich anhören: Weil du zu alt und zu hässlich bist, du Schlampe. So kommt das massenhaft jetzt.

Ich hatte nicht gewusst, dass es sich so anfühlt, wenn Frauenhass auf der antiislamischen Überholspur fahren darf.

Ich hatte mir nicht vorstellen können, dass sich der Hass sogar an einer Frau wie Nariman Reinke entladen würde: in Hannover geborene Tochter marokkanischer Einwanderer, 36 Jahre, bei der Bundeswehr im Bataillon Elektronische Kampfführung tätig, war in Afghanistaneinsätzen, ist Vizevorsitzende eines Vereins Deutscher Soldat e. V. Sie schreibt: „Hier noch mal für alle: Nein, ich kann es trotz meines

Migrationshintergrunds und meiner Religion nicht nachvollziehen, wenn Frauen vergewaltigt werden – egal von wem. Die Annahme, dass ich es könnte, ist ein Abgrund menschlicher Dummheit.“ Geht man all die Kommentare dazu durch, wird schnell klar: Frau Reinke wird nicht trotz ihrer Superintegriertheit gehasst, sondern deswegen. Eine Frau in Uniform, die sich nicht unterwirft.

Respektlos statt kritisch

Wie würde ich mich fühlen, in diesen Tagen, in diesem Land, wenn ich Muslimin wäre? Ich würde lesen, zum Beispiel in dieser Zeitung, dass ich für meine Religion nur ein „Zeugungsbehältnis“ bin, und ich würde mich vermutlich übergeben. Die gegenwärtige Debatte über den Islam als Belästiger- und Grabscherreligion ahmt genau das nach, was sie zu kritisieren vorgibt: Sie ist zutiefst respektlos gegenüber den Frauen, die dieser Religion angehören, gegenüber Millionen stolzer und hochgebildeter Musliminnen. Ob sie so geworden sind trotz ihrer Religion oder durch ihre Religion, dazu kann jede eine andere Geschichte erzählen. Kaum eine klingt so wie bei den neuen deutschen Hobbyarabisten.

Und ja: Ich bin auf meinen Reisen durch muslimische Länder fast nie belästigt worden; ich erinnere mich an zwei Vorfälle innerhalb von 17 Jahren. Die Abwesenheit von Alkohol im öffentlichen Raum empfand ich stets als Schutz, konkret: die Abwesenheit alkoholisierter Männerbünde. Theoretisch hätte man nach Köln auch eine Generaldebatte beginnen können, wer unter der Zunahme öffentlichen Saufens leidet. Wie gesagt: rein theoretisch.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wolipedia- Urheber Carlos Latuff Auf die Infoboxvorlage des Erstellers verlinken wikidata:Q466165 – Images from Carlos Latuff are copyright free. See here for details.

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Das Narrenschiff geht niemals unter

Erstellt von DL-Redaktion am 21. Januar 2016

Essay über Lachen

Das Narrenschiff geht niemals unter

Warum lachen die anderen? Und wir? Erwägungen anlässlich einiger recht bekannter Präzedenzfälle. Eine Vorbereitung auf die Karnevalssaison.

Eckhard Henscheid

In einer frühen Radio- und Filmszene, „Die Büttenrede“, lässt Gerhard Polt einen von ihm selbst gespielten Faschingsprinzen Erwin Wurster auftreten, der im häuslichen Schlafzimmer und im Schlafanzug für die „lieben Närrinnen und Narren“ des nächsten, des morgigen Auftritts Witze, Pointen und Reime ausprobiert. Erwin, vom schon fortgeschrittenen Fasching und seinen eigenen Prinzeneinsätzen und Alkoholschäden offenbar vollkommen geschlaucht, memoriert dabei lauter schon extrem törichte und dabei wie tödlich ermüdete Zwei- und Vierzeiler:

„Wir lassen‘s heut besonders krachen,
Wir bringen heute was zum Lachen,
Für alle, die da unten hocken,
Wenn‘s kracht, dann bleibt kein Auge trocken.“

Erwin, immer verzweifelter, auch wohl noch schwer verkatert, gibt gleichwohl nicht auf, memoriert tapfer weitere Verse wie:

„Alaaf, hellau, alaaf, hellau,
Der Schnaps schmeckt uns auch ohne Frau“
– allerdings dann auch:
„Der Schnaps schmeckt jetzt auch meiner Frau“
– denn siehe:
„Und is‘ die Alte endlich voll,
Dann wird der Abend doch noch toll.“
Denn schließlich und immer trostloser:
„Das Narrenschiff geht niemals unter,
Wir bleiben heiter, froh und munter.“

Erwin übt nicht nur und testet dirigierend neue Überraschungsvarianten samt Tusch und „Dadaa-dadaa“-Nachhall – er weiß auch schon den erwünschten Effekt: „Da wieherns’ dann, die Leute“, und, nach dem nächsten besonders erbärmlichen Witz: „Tusch – und da lachens‘ dann wieder.“

Erwin Wurster hat völlig recht, und aus Erfahrung praktisch schon alles fertig programmiert. Der Film und die keineswegs eingespielten Lacher bei Polts Bühnenvorführungen beweisen es: Das Publikum lacht wie ein Lachautomat. Nur: ist trotzdem nie so ganz klar, wieso, warum sie lachen.

Trotz der nicht mehr überbietbaren dummen Verse – oder gerade ihretwegen? Wegen der durchaus virtuosen Torheit inklusive Polts unnachahmlich clownesker, nahezu tragischtrauriger Vortragsweise und Miene? Die den Menschen im Publikum Erinnerungen an ähnliche wirkliche Faschingstrübsale weckt? Man möchte das zweite annehmen, aber sicher kann man da nie sein. Sie lachen, offenhörbar auch bei Polt, jenseits jeden Niveaus, jeden Sinns. Sie? Zumindest viele.

Noch unklarer ist die analoge Sache bei dem sehr poltverwandten Jahrhundertkomiker Heino Jaeger. Bei einem speziell bunten Rezitationsabend in Saarbrücken ca. 1970 bringt Jaeger in der noch heute als CD erhaltenen Fünf-Minuten-Nummer „Der Conferencier“nicht nur circa alle branchentypischen Blödigkeiten auf den ihrerseits wunderbar komischen Punkt; sondern auch den ab ovo schön konstruierten, aber halt leider steinalten Witz: „Wenn die Frauen verblühen, verduften die Männer!“

Wie von Jaeger auch ganz bestimmt erwartet, kräht das große Publikum auf, und als der Conferencier sich für den einfältigen Beifall bedankt, auch dafür, er habe den Witz hier ja eigentlich schon mal vor zehn Jahren gemacht, dankt ihm nochmals entschlossenes Lachen.

Virtuose Frechheit

Ähnlich wie bei Polt ist schlechterdings ununterscheidbar, über was sie lachen: über den altbackenen Witz? Oder über die virtuose Frechheit, ihn hier – parodierend – nochmals zu präsentieren? Oder gar über die Metapointe, dass sie sich da sauber haben hereinlegen lassen? In dubio pro reo? Nein. Nein, hier herrschte wohl überwiegend größtmögliche Geistesabsenz im Verein mit der im Lachfach üblichen ohnehinnigen Kopf- und Gemütsträgheit.

Und über die dürfen wir Wachen nun unsererseits wiederum lachen? Lachen, man weiß es aus zehntausend wissenschaftlichen oder mehr intuitiven Beobachtungen, hat außer der spirituellen auch eine stark physisch-mechanische Valenz: Der Mensch will einfach lachen. Will einfach, vom Überdruck, von den Kalamitäten des bösen Lebens weg einmal lachen. Einmal? Manchmal? Wie ein Lachsack praktisch immerzu? Wachheit beim Lachen ist offenbar nur das – spätere? – Gegen- und Komplementärprinzip.

Die Lachautomatik ist nicht unbedingt etwas Dummes und gar Böses. Sondern entspricht unserer genuinen, unserer primären physischen Natur; im Sinne eines archaischen, eines noch heute wirksamen Atavismus. So wie (da sind sich die Human-Archäologen wohl einig) das lachende Zähnezeigen ursprünglich etwas wie Aggression, symbolischen Kampf signalisierte – so zeigt sich das Polt-Jaeger‘sche Gelächter als hemmungsbefreiendes Vorrecht, Recht auf ein Gehenlassen inmitten aller Lebenszwänge.

Das Lachen, so Robert Gernhardt in mehreren Studien und Selbstbeobachtungen, kenne im Grunde kein ästhetisches Gesetz, finde statt jenseits von „Niveau“. Das Niveau ist quasi erst später als Sonderfall, durch die Deutung des Witzes, hinzugekommen.

Sofern man Komik und ihre Qualität dabei nicht nach älteren Professorenbüchern und jüngeren Literaturpreisen, sondern nach Mehrheitsentscheidungen bemisst, dann sind Lautstärke und Erwartet/Unerwartetheit des pluralen Gelächters die zuständigen Beweisstücke. Und praktisch nur in Liveaufnahmen wie bei Polt und Jaeger sind die Befunde nachzuprüfen. Als Autor, als Rezitator eigener und häufig komisch angelegter Texte, macht man immerhin seine eigenen Erfahrungen. Manchmal wird überraschend gelacht, manchmal ziemlich unverständlicherweise nicht.

Rätselhafte Publikumslachgeräusche

Rätsel auferlegten mir von Beginn an die vernehmlichen oder ausbleibenden Publikumslachgeräusche bei Lesungen des Beginns meiner Erzählung „Franz Kafka verfilmt seinen ‚Landarzt‘“. Kaum hörbare Reaktionen hat es bei der Passage vom werbenden Gewäsch der filmenden Lehrer, Kafka möge, dürfe, ja solle auch „noch ein wenig am Drehbuch mit herumfeilen“: Diese, den betrüblichen Zeitgeist der Branche wie der 70er Jahre auf den ordinären Punkt bringenden Dummreden evozieren offenbar ebenso wenig Lachen wie der Lehrer sinnlos-impertinentes Gequalle, die „Landarzt“-Erzählung „dränge, ja schreie geradezu nach Verfilmung“ – eine ihrerseits schreiende und wohl heute noch kurrente Feuilletonphrase.

Allerdings müsse dann, so das Lehrer-Filmer-Trio, in Süditalien „die Schneesymbolik“ des Textes logisch „adäquat durch unheimlich Hitze, also praktisch Tropen“ ersetzt werden, und außerdem könne man dabei auch „erstklassig Urlaub machen“: Hier, inmitten eines Schwalls auch anderweitiger Anachronismen, schwant ca. 33 Prozent der Zuhörerschaft, kenntlich durch Kichergeräusche, etwas von der sogar leicht deprimierenden Komik zeitgenössischen Vulgärdenkens und -benehmens.

Auch dass die Lehrer, weit jenseits von Kafka, besonders hastig und doppelt unglaubwürdig von Orson Welles und Louis Malle „die neue Sinnlichkeit“ für ihr Machwerk adaptieren möchten. Diese schon übermäßig inadäquate blöde Rederei wird ihrerseits von meinem Auditorium lachend akzeptiert; auch, dass Kafka „à la Hitchcock eine kleine Rolle übernehmen“ solle, erfährt immer als Quittung hörbares Gelächter.

In der Summe: dürfte sich das, was den Hörern/Lesern an lauter oder leiser Lachhaftigkeit einleuchtet und was nicht, ziemlich genau auf 50:50 hinbewegen. Und einigermaßen unbegreiflich bleiben.

Und wiederum ratlos machen.

Anarchistische Tabubrüche

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Fotoquelle: Wikipedie-  „Narrenschiff“ by Thomas Bühler –/–Thomas BühlerArchiv des Künstlers,

CC BY-SA 3.0 de

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Der muslimische Mann

Erstellt von DL-Redaktion am 10. Januar 2016

Der muslimische Mann

Legende vom triebhaften Orientalen

In der Debatte über die Silvesternacht in Köln trüben antimuslimische Ressentiments den Blick auf ein globales Problem.

Khola Maryam Hübsch

Plötzlich leben wir in einem Land, in dem man sich ständig Sorgen um die Sicherheit und Würde von Frauen macht. Aber nicht etwa, weil eine EU-Studie zu dem Ergebnis kommt, dass jede dritte Frau in Deutschland bereits sexuelle oder körperliche Gewalt erlebt hat. Es geht auch nicht um das häufig sexistische und frauenverachtende Rollenbild, das auf Werbeplakaten, Zeitschriftencovern, in Musikvideos und Hollywoodfilmen verbreitet wird. Daran haben wir uns längst gewöhnt.

Es geht darum, dass die deutsche Frau vom muslimischen Mann bedroht wird. Deswegen diskutieren wir jetzt nicht über sexuelle Gewalt gegen Frauen, wie es dringend geboten wäre. Wir diskutieren über den muslimischen Mann. Eine „Horde“ von 1.000 arabischen und nordafrikanischen Männern, ein „Sex-Mob“, so die Bild-Zeitung, sei in der Silvesternacht in Köln über deutsche Frauen hergefallen. 1.000 Täter, das ist eine Märchenzahl. Zumal noch immer ungeklärt ist, wie viele Männer sich tatsächlich rund um den Hauptbahnhof aufhielten. Und wie viele davon Täter waren.

Doch die Debatte wird ohnehin vor allem von Stereotypen bestimmt, die jetzt aktiviert werden: Von 1001 Nacht, vom Orient, der schon seit jeher als Projektionsfläche für sexuelle Ausschweifungen dient. Der fremde Barbar, der die unschuldige weiße Frau bedrängt, das ist ein klassisches, ein uraltes Stereotyp.

Bislang aber gibt es keine Belege dafür, dass es zu einer Zunahme sexueller Belästigungen durch Migranten oder Flüchtlinge gekommen ist. So gab das BKA im Oktober 2015 bekannt, dass Flüchtlinge nicht häufiger straffällig werden als der Durchschnittsbürger. Der Anteil der Sexualdelikte an den von ihnen begangenen Straftaten liege bei „unter einem Prozent“. Diesen Zahlen stehen nun die Kölner Ausschreitungen gegenüber – sie passen zu gut in das Klischee des muslimischen Mannes, der seine Triebe nicht beherrschen kann.

Natürlich muss man fragen dürfen, ob das Frauenbild in Teilen der sogenannten islamischen Welt ein problematisches Verhalten Frauen gegenüber begünstigt. Doch rechtspopulistischen Stimmungsmachern, die nun meinen, einen Kulturkampf heraufbeschwören zu müssen, kann man entgegnen, dass der Islam Partner statt Problem sein sollte im Kampf gegen eine frauenverachtende Mentalität. Die Täter von Köln, sie dürften sich nicht wirklich um die Gebote des Korans scheren. Das Alkoholverbot des Korans jedenfalls haben sie ignoriert.

Ein krasses Gegenbild

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Fotoquell : Wikipedia – „Photo by CEphoto, Uwe Aranas / CC-BY-SA-3.0“

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DFB und FIFA

Erstellt von DL-Redaktion am 9. Januar 2016

Der verkaufte Fußball

Die Korruptionsdebatte im Weltfußball hat Mitte Oktober auch Deutschland erreicht. Seither hängt die Frage, ob das Sommermärchen aus dem Jahr 2006 weiter als solches bezeichnet werden darf, nur noch vom Standpunkt des Betrachters ab.

von Thomas Kistner

Zwar hat das Turnier an sich, bei dem die Nation zur offenbar eigenen Verwunderung in eine weltoffene, entspannte Gastgeberrolle fand, wenig zu tun mit den fragwürdigen Zahlungsvorgängen rund um die deutsche WM-Bewerbung und -Organisation. Andererseits fällt es schwer, das eine vom anderen zu trennen, weshalb die angemessene Antwort eher so lautet: Es liegt ein Schatten auf dem nationalen Freudenfest. Wie groß er ist, wie bedeutend, das wird sich erst im Laufe der Ermittlungen weisen, die ja im Lande und auch außerhalb geführt werden.

Als gesichert erscheint aber: Die einstigen Helden der deutschen Fußballführung, von Franz Beckenbauer über Horst R. Schmidt, lange Jahre die Seele des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), bis Wolfgang Niersbach, den die Affäre schon das DFB-Präsidentenamt gekostet hat – diese Helden haben viel zu verbergen. Dass sie Sinn und Zweck einer Zahlung von 6,7 Mio. Euro, die sie raffiniert verkleidet am damaligen Aufsichtsgremium vorbei in die Schweiz expediert hatten, heute nicht erklären können, ist absurd.

Der Kaiser als tumber Tor

Das wirkt so unglaubwürdig wie Beckenbauers Versuch, sich in Print- und Funkmedien als eine Art ewig Heranwachsender zu verkaufen – oder sogar: als Trottel der Nation. Er sei vom realen Alltag abgekapselt gewesen – ja, und erst mit Ende fünfzig erwachsen geworden, erzählt der Mann, der den Deutschen seit Dekaden als Fußballkaiser und Lichtgestalt gilt. Erst da habe er angefangen, seine persönlichen Dinge selbst zu regeln. Zuvor habe er stets und alles unterschrieben, was ihm seine Helfer so vorlegten. Möglicherweise auch allerlei dubiose Verträge, und vielleicht auch einen Schuldschein, auf dem er sich persönlich für die Zahlung von zehn Mio. Schweizer Franken für das deutsche WM-Organisationskomitee (WM-OK) verbürgt haben soll.

Zehn Mio. Schweizer Franken: Die wollen die deutschen WM-Organisatoren 2002 an die Fifa überwiesen haben, wobei der damalige Adidas-Eigentümer Robert Louis-Dreyfus als Darlehensgeber fungiert haben soll. Diese Zahlung hätten Vertreter des Fifa-Finanzkomitees um Sepp Blatter gefordert, erzählen Beckenbauer, Niersbach und Co. Als eine Art Vorauszahlung dafür, dass der Weltverband dem WM-Ausrichter Deutschland statt der vorgesehenen 150 Mio. Schweizer Franken Organisationskosten-Zuschuss gleich 100 Mio. mehr bezahlte, nämlich 250 Mio. Franken. Klingt schon diese Story grotesk, wird sie getoppt von der Behauptung, Beckenbauer habe erst erwogen, die zehn Mio. aus seinem Privatvermögen vorzustrecken.

Drei Jahre später, Anno 2005, habe Louis-Dreyfus sein Darlehen zurückverlangt, und das sei dann über die 6,7-Mio.-Zahlung des WM-OK beglichen worden. So lautet sie bisher, die Sommer-Märchengeschichte der in die Bredouille geratenen deutschen Funktionäre. Weil die 6,7 Mio. für andere Dinge eingesetzt worden sind als für den damals fingierten Verwendungszweck – ein WM-Kulturprogramm der Fifa –, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Der DFB befürchtet, das Abenteuer könne ihn die Gemeinnützigkeit für das Jahr 2006 und damit bis zu 25 Mio. Euro kosten; am Ende drohen Verurteilungen und Regressforderungen.

Abgesehen davon, dass man den allzeit geschäftstüchtigen Beckenbauer und seine knallharten Businessberater gar nicht als altruistische Vereinigung kannte: Die Story vom ahnungslosen Kaiser verfängt nicht. Sie wirkt wie eine von Juristen aufgesetzte Strategie, um möglichen Regressforderungen aus dem Wege zu gehen. Es ist ja, falls es am Ende um die Bewertung eines möglichen Millionenschadens für den DFB geht, ein großer Unterschied, ob einer fahrlässig gehandelt hat oder mit Vorsatz, sei er auch nur bedingt. Und wenn in einem Millionen-Geschacher eine bestimmte Strategie als juristisch nutzbringend erscheint, dann schluckt wohl mancher die Kröte und präsentiert sich der Öffentlichkeit gezielt als tumber Tor.

Industriesparte Profifußball

Wahr ist allerdings auch: Zum Erfolg in der Industriesparte Profifußball führen oft nur noch krumme Deals. Sie sind nahezu unvermeidlich in der diskreten Wirtschaftswelt des Sports, der autonom ist und sich selbst kontrollieren darf. Und der bezahlte Fußball hat in der öffentlichen Wahrnehmung wie in der gesellschaftlichen Bedeutung religiöse Höhen erreicht. Heute stehen alle WM-Vergaben seit dem Turnier in Frankreich 1998 unter massivem Korruptionsverdacht, auf allen Kontinenten wird ermittelt. Aus dieser Perspektive verbietet einem schon der gesunde Menschenverstand die Hoffnung, dass die korrupten Vorständler im Weltverband Fifa ausgerechnet damals, im Juli 2000, eine Ausnahme für Deutschland gemacht haben könnten. Dass also Leute, die in ihrem eigenen Fifa-Bereicherungssystem zu Multimillionären wurden, plötzlich innegehalten haben sollen und den Deutschen die WM 2006 auf dem Silbertablett überreichten. Weil die Deutschen so – ja, warum eigentlich hätten sie das tun sollen?

Weil man die armen Deutschen nicht ausplündern wollte? Weil man unbedingt in ein Land gehen wollte, das vergleichsweise über Transparenz und eine gewisse Finanzkontrolle verfügt? Oder, noch ein wunderbares Märchen, weil Beckenbauer hingebungsvoll Golf gespielt hat bei seinen Reklamereisen als Chef der deutschen Werbekampagne rund um den Globus? Wer das glaubt, darf auch glauben, dass die Erde eine Scheibe ist.

Im Sumpf der Vetternwirtschaft

Quelle: Blätter >>>>> witerlesen

Fotoquelle : Wikipedia – Author: Pascal Philp –/– CC BY-SA 2.0 de

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Satire muss alles und noch viel mehr

Erstellt von DL-Redaktion am 7. Januar 2016

Satire muss alles und noch viel mehr

Was darf die Satire heute? Was darf die Karikatur nach „Charlie Hebdo“? Und wo sind die ganzen Unterstützer geblieben?

Heiko Werning und Volker Surmann

Wären sie zu dem Zeitpunkt schon beerdigt gewesen, die Satiriker von Charlie Hebdo hätten sich im Grabe umgedreht, wenn sie gesehen hätten, wer da im Januar plötzlich alles „Charlie“ sein wollte. Dabei war schon der große Solidaritätsmarsch in Paris eine einzige Spitzenpointe.

Da hakten sich unter dem Banner „Je suis Charlie“ allen Ernstes die Vertreter etwa Saudi-Arabiens, Russlands und der Türkei unter, um gegen das Attentat auf die Satirezeitung zu protestieren.

Zugegeben, in deren Ländern hätte es solche Anschläge auf Kunstschaffende niemals gegeben. Weil die schon vorher ermordet, von Amts wegen hingerichtet oder in irgendein modriges Kerkerloch gesteckt worden wären. Es geht halt nichts über eine umsichtige Prävention.

Mit Lizenz zum Witzeln

Trotzdem ist es unappetitlich, dass die Dresdner Spaziervögel der Pegida sogleich den Terror propagandistisch zur Rechtfertigung ihres Islamhasses einsetzten, um die Solidarität mit einer Zeitung zu behaupten, die sie sonst ganz selbstverständlich als Lügenpresse beschrien hätten. Aber andererseits: Dass Deppen sich wie Deppen benehmen, ist ja nun mal auch keine Überraschung.

Doch auch im Feuilleton müffelt es. „Mit dem Islam hättet ihr euch das nicht getraut!“ fleischhauert es traditionsgemäß als Antwort auf jede Satire, die einen Nerv trifft und dabei skandalöserweise nicht den Islam zum Ziel hat. Dass der Vorwurf dabei oft schlicht Unsinn ist, weil viele der so Angegriffenen durchaus enem auch schon islamische Umtriebe zum Ziel ihres Spotts gemacht haben, sei nur am Rande vermerkt.

Doch wäre es schlimm, wenn ein Satiriker sich auf Katholiken, Hundebesitzer oder Briefmarkensammler spezialisierte? Macht das den einzelnen Witz weniger lustig? Darf man erst frei spotten, wenn man mit einer Mohammed-Karikatur seine Lizenz zum Witzeln erworben hat? Und gilt die erst, wenn sie mit mindestens einer Fatwa belegt wurde?

Mit pietätbedingtem Abstand von einigen Wochen krochen die großen Relativierer aus ihren Löchern (Frankfurter Allgemeine, Süddeutsche Zeitung, Tagesspiegel), um des Deutschen allzeitige Lieblingskonjunktion in Großbuchstaben in die Feuilletons zu pressen: aber. Natürlich dürfe Satire alles, aber … muss man denn Witze machen, die religiöse Gefühle verletzen? Muss man denn immer so provozieren?

Sensibles Umschiffen von Gefühlen

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Fotoquelle: Wikipedia – Autor: Carlos Latuff

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Verfolgung arabischer Autoren

Erstellt von DL-Redaktion am 30. Dezember 2015

Verfolgung arabischer Autoren

Die Beleidigung des Propheten

Vielen arabischen Autoren wird vorgeworfen, vom Islam abgefallen zu sein oder Blasphemie zu betreiben. Dabei ist dies nur ein Vorwand sie zu verfolgen.

Ilija Trojanow

In diesen Tagen, die so gerne besinnlich genannt werden, tut es not, sich jener Kollegen zu entsinnen, die inhaftiert sind und deren Leben teilweise bedroht ist. Der saudische Blogger Raif Badawi ist inzwischen (ironischerweise seit sich die Bild-Zeitung seines Falles angenommen hat) eine weltweite Cause célèbre.

Neulich erhielt er den Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments. Die von einem saudischen Gericht am 17. November dieses Jahres gegen den Dichter Ashraf Fayadh verhängte Todesstrafe wegen Apostasie (Abfall vom Islam) ist hingegen viel weniger bekannt und von unseren Medien – auch von dieser Zeitung – kaum wahrgenommen worden.

Ganz abgesehen davon, wie man grundsätzlich zu diesem „Delikt“ steht, ist der Vorwurf in diesem Fall an den Haaren herbeigezogen. Die angeblich verwerflichen Gedichte sind 2008 im Beiruter Verlag Dar al-Farabi erschienen, der betreffende Gedichtband ist schon seit Jahren vergriffen.
Der Publizist Hamad Abdel-Samad, der sie als einer von wenigen hierzulande hat lesen können, vermag „kaum klare Indizien auf Blasphemie (zu) erkennen, sondern nur Anspielungen“.

Wieso benötigt der Allmächtige Hilfe?

Schwerwiegender als die Poesie dürfte der kurze Film über die öffentliche Hinrichtung eines Minderjährigen in der Stadt Abha gewesen sein, den Ashraf Fayadh samt kritischem Kommentar auf Facebook gepostet hat.

Wer die Macht im Land verteidigen will, gibt vor, Gott zu schützen. (Die kleine theologische Frage, wieso der Allmächtige solche Hilfe benötigt, ist noch nicht abschließend geklärt. Der Koran sieht eigentlich nur Höllenqualen für dieses „Verbrechen“ vor. Spätere „Quellen“ fordern eine diesseitige Bestrafung.)

Also schickte die religiöse Polizei einen Agent provocateur zum Dichter, der sich als Verehrer seiner Poesie ausgab und ihn um ein signiertes Exemplar bat. Als der geschmeichelte Dichter diesem einen Band seiner Gedichte übergab, wurde er als Gotteslästerer verhaftet, der sich zudem der Sünde schuldig gemacht hat, seine teuflischen Einflüsterungen unter den Gläubigen zu verbreiten, um sie zu verwirren (ein weiteres schweres Vergehen). Der Verteidiger hat inzwischen Einspruch wegen eines Formfehlers eingelegt.

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Fotoquelle: Wikipedia – Author Aiman titi –/– CC BY-SA 3.0

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Mein Kampf – Merkel Ausgabe

Erstellt von IE am 29. Dezember 2015

Mein Kampf – Merkel Ausgabe

Siebzig Jahre haben die Deutschen gebraucht um nach Ende des Krieges hier die Demokratie einzuführen. Was Adenauer und seine Nachfolger erst gar nicht versuchten schaffte endlich Merkel die Nation darf das Buch der Deutschen wieder lesen „Mein Kampf“.

Leider aber ist dieses nur die halbe Wahrheit, denn uns wird in Kürze eine Schrift vorgelegt werden welche mit der Urschrift nur wenige Gemeinsamkeiten aufzuweisen hat. Von der Politik bezahlte Historiker haben die zwei Schriften auf das doppelte anwachsen lassen und die dann 1950 Seiten  mit 3500 Fußnoten vollgeschmiert. Wir lesen also auch heute eine Politisch gesteuerte Ausgabe was das Buch zu einer Farce verkommen lässt. „Mein Kampf“ zensiert bei Angela Merkel und ihre Meinungsschergen.

Die Politik macht also heute das gleiche was in den 30ger Jahren vorexerziert wurde, mit einem Unterschied, Missliebige Bücher werden heute nicht  mehr verbrannt sondern erst gar nicht mehr gedruckt. Politik ist also ein wenig diplomatischer geworden, die auferlegten Barrieren der demokratischen Werte zu umschiffen. Freiheit sieht allerdings anders aus.

Richtiger wäre es allerdings gewesen die Vergangenheit endgültig aufzuarbeiten und nicht weiter zu verdrängen. Dabei hätten die originalen Schriften sicher eine große Hilfe leisten können. Da wäre aber auch das Risiko größer gewesen im Nachhinein einige Denkmäler stürzen zu müssen?  Auf die Meinung von Historikern welche ihr Wissen aus dem Kaffeesatz lesen haben kann ich jedenfalls gerne verzichten. Von derartigen Schwachsinn wird der Markt ja geradezu überschwemmt.

„Mein Kampf“ in neuer Ausgabe

Hitlers böses Buch kehrt zurück

Historiker in Deutschland geben erstmals wieder Hitlers „Mein Kampf“ heraus. Das Projekt ist umstritten, das Interesse groß.

Wer will so etwas lesen? „Es bedurfte auch hier erst der Faust des Schicksals, um mir das Auge über diesen unerhörtesten Völkerbetrug zu öffnen.“ Oder: „Wer nicht selbst in den Klammern dieser würgenden Natter sich befindet, lernt ihre Giftzähne niemals kennen.“ … „Es liegen die Eier des Kolumbus zu Hunderttausenden herum, nur die Kolumbusse sind eben seltener zu finden.“

Die Stilblüten sind wörtliche Zitate aus einem Buch, dass in Deutschland 70 Jahre lang nicht neu erscheinen durfte. Die Rechte an Adolf Hitlers zweibändiger Bekenntnisschrift „Mein Kampf“ gingen 1945/46 – ebenso wie sein sonstiges Eigentum – an den Freistaat Bayern, weil der „Führer“ bis zuletzt mit seinem Hauptwohnsitz in München gemeldet war. Die folgenden sieben Jahrzehnte hat es das Finanzministerium in München verstanden, alle Versuche einer Wiederveröffentlichung zu verhindern. Bis jetzt.

Am 1. Januar 2016 endet – über 70 Jahre nach den Tod des Autors – diese Schutzfrist, die allen Schriftstellern und ihren Rechtsnachfolgern zusteht, heißen sie nun Kurt Tucholsky, Joseph Roth oder Adolf Hitler.

Diese Frist spielt unter Verlegern ein große Rolle, denn von diesem Zeitpunkt an besitzt jedermann die Möglichkeit, ohne Vertrag mit dem Autor oder dessen Erben und ohne Beachtung anderer Verlegerrechte zu produzieren, was die Druckwalzen hergeben. So wimmelt es seit einigen Jahren von Neuveröffentlichungen der Werke von Tucholsky oder Roth. Nun auch von Hitler?
1.950 Seiten und rund 3.500 Fußnoten

Am 8. Januar wird das renommierte Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) die erste vollständige Fassung von „Mein Kampf“ der Öffentlichkeit vorstellen – nach jahrzehntelangem Widerstand und mehr als dreijähriger Arbeit.

In zwei Bänden, gut doppelt so dick als die Ursprungsfassung, auf 1.950 Seiten und versehen mit etwa 3.500 Fußnoten, wollen die Wissenschaftler um den Projektleiter Christian Hartmann die Inhalte des Buchs knacken. „Wir drehen den Zünder raus“, so hat Hartmann das Ziel der wissenschaftlichen Edition gegenüber der Zeit umschrieben. Er gibt zu: „So ein irres Gebräu zu widerlegen, das ist schwierig.“ Grundproblem sei es gewesen, dass Hitler von einem ganz anderen Weltbild ausging. „Wir mussten im Grunde beweisen, dass die Erde nicht flach ist.“

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Fotoqueööe: Wikipedie – Urheber Albert Reich –/– Gemeinfrei

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Beste Wünsche

Erstellt von DL-Redaktion am 25. Dezember 2015

Allen Lesern und Helfern

sagen wir Dank,

wünschen ein fröhliches Fest,

so wie einen guten Rutsch ins neue Jahr

Redaktion DL

Udo Pahl
Ingo Engbert

Bleibt uns alle auch in Zukunft gewogen.

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Fotoquelle:  Wikipedia – Urheber ForestWander

Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

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Ein Kampf für die Spree

Erstellt von Rationalgalerie am 15. Dezember 2015

Von Amt zu Amt für einen Fluss

Autor: Angelika Kettelhack
Datum: 14. Dezember 2015
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Buchtitel: Der Wassermann
Buchautor: Sandra Prechtel
Verlag: HERBiG

So wie Sandra Prechtel die Geschichte des 53-jährigen Ingenieurs Ralf Steeg in ihrem Buch „Der Wassermann“ beschreibt, hat dieser tüchtige Tiftler seit fast 15 Jahren mit mutlosen oder trägen Beamten in Berliner Behörden darum gerungen, die Spree wieder so sauber zu kriegen wie sie 1905 mal gewesen ist als in diesem Fluss die Menschen noch ganz selbstverständlich schwimmen konnten. Dazu will Steeg unter der Wasseroberfläche Speicherbehälter montierten lassen, die die Abwässer aus Berlins Kanalisation bei starkem Regen vorübergehend aufnehmen könnten. Auf den Abwasserspeichern erträumt er sich dann Plattformen, die auf der Spree eine Kette von Inseln bilden für Sonnendecks, Cafés und Gärten.

Ralf Steeg, der in seinen ersten Jahren in West-Berlin die Hinterhöfe von Wohnkasernen mit Hilfe der Anwohner in prächtige Gärten verwandelte, und der damit so etwas wie das heute beliebte „Urban Gardening“ vorwegnahm, hat etwas erfunden, dass ein weltweites Umweltproblem lösen könnte und das sogar bezahlbar wäre. Doch der Weg von der Theorie in die Praxis ist anscheinend mit Borniertheit gepflastert. Nur weil Steeg ab und an begüterte Gönner fand, die er für sein Projekt begeistern konnte und die ihm privat für einige Monate weiterhalfen, hat er immer wieder die Kraft gefunden, all die Jahre unbeirrt für sein geniales System der Abwasser-Reinigung zu kämpfen. Er konnte seine Idee zwar schon in Hanoi / Vietnam vorstellen und in der Architektursparte der Biennale in Venedig ausstellen, aber der Arroganz der Berliner Beamten war er wohl nicht gewachsen. Zumindest konnte er sein Projekt nach deren Ansicht nicht überzeugend großsprecherisch darstellen. Anscheinend zeigte der Ingenieur nicht genug Selbstbewusstsein, so dass man versuchen konnte, ihn mundtot zu machen mit Absagen wie dieser von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt: „Unser Haus sieht keine Veranlassung für eine Übernahme der Pilotanlage im Berliner Osthafen durch die Berliner Wasserbetriebe. Da außerdem eine anteilige Finanzierung durch das Land Berlin nicht möglich ist, erübrigt sich ein Gesprächstermin.“

Ralf Steegs bescheidene Art des Auftretens mag daran liegen, dass er in der DDR großgeworden ist. Nachdem ein Ausreiseantrag seiner Eltern nicht bewilligt wurde, verlor er als 16-jähriger die Geduld und versuchte über die tschechische Grüne Grenze zu fliehen. Dieser Versuch endete in dem berüchtigten Untersuchungsgefängnis Halle/ Saale. Die Filmregisseurin Sandra Prechtel hatte eigentlich vor, über das Leben des Ingenieurs und Visionärs Ralf Steeg einen Dokumentarfilm zu drehen. Nun aber ist ihre Idee zunächst ein Buch geworden, das sich wie ein spannender autobiographisch geschriebener Entwicklungs-Roman liest. Da Prechtel als Autorin die Rolle von Steeg einnimmt, indem sie dessen Leben in der Ich-Form erzählt, erreicht sie eine weitgehend größere Anteilnahme an Steegs Schicksal und ein neugierigeres Interesse für dessen geniale Technologie als er es wahrscheinlich in seiner Bescheidenheit gekonnt hätte.

Steeg will das Problem von Dreck und Gift – wie etwa Fäkalien, Fischkadaver, Öle, Arzneimittel und Schwermetalle – die ungefiltert im städtischen Fluss landen weil das herkömmliche Abwassersystem nicht genug schluckt und überläuft, mit einem überraschend einfachen Gegenmittel lösen: Bei Stark-Regen sollen die Wassermassen, die etwa 30 Mal im Jahr mit über 5 Milliarden Liter in die Spree fließen, durch riesige unter der Flussoberfläche verankerte Grosstanks aufgefangen werden, um sie später bei Trockenheit wieder in die Kanalisation zurück zu pumpen und sie von dort ins nächst liegende Klärwerk zu transportieren. Noch immer steht das Projekt in den Sternen.


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Der DL Küchenchef empfiehlt

Erstellt von Stapel am 12. Dezember 2015


Einfach lecker – schnell und günstig

Einfach, ganz einfach!

Letztens ist leider eine Nachbarin von uns verstorben, der Witwer der nicht kochen kann, hat die Küchenschränke ausgeräumt und die Kochzutaten verschenkt. Dabei war es erschreckend auffällig, das jede Menge „Fix-Produkte“ dabei waren. Suppen, Saucen, Aufläufe, alles aus der Tüte. Dabei sollte man sich einmal die Zeit nehmen und sich vor dem Kauf einmal die Zutatenliste auf der Rückseite eines jeden Beutels durchlesen.

Aufläufe!

Zunächst einmal gebe ich Euch das Rezept für die Eiermilch, die für jeden Auflauf verwendet werden kann, danach ein Rezept für einen unserer Lieblingsaufläufe.

¼ l Milch
3-4 Eier

Das war es, (ganz ohne unerwünschte Zutaten) diese Eiermilch können Sie nun ganz persönlich abschmecken, Creme fraiche, Schmand, Sahne oder Schmelzkäse. Salz, Pfeffer, Kräuter, Knoblauch, und, und, und, oder, oder, oder. Der Phantasie oder dem Geschmack sind keine Grenzen gesetzt.

Das was Sie überbacken wollen klein machen und kurz blanchieren ( max.1min im kochendem Wasser) Fehlt nur noch der Käse, Zwischen 50 und 70 Gramm.

Nudel-Schinken-Porree Auflauf!

125g Nudeln
500g Porree
125g gek. Schinken
(eine dicke Scheibe)
125g Käse, (Gouda, Gruyere,
Emmentaler)

Die Nudeln bissfest kochen, 1min. vor Ende der Kochzeit, den in feine Ringe geschnittenen Porree beigeben. Alles zusammen in einen Durchschlag schütten und unter Rühren gut abtropfen lassen.

Eine Auflaufform mit Butter oder Margarine ausstreichen und mit Semmelbrösel ausstreuen. Die Nudel-Porree hineingeben, den Schinken in Würfel geschnitten darauf das ganze mit der Eiermilch (siehe oben) übergießen und den Käse, grob geraspelt, darüber streuen.

Den Auflauf bei 225Grad ( Gas 4. Umluft 200) auf der 2.Einschubleiste von unten 30-45min. backen. Salat dazu und fertig iss.

Guten Hunger!

Detlef Stapel

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Fotoquelle:

Wikipedia – Oben: Urheber Suvi Korhonen –/– CC BY 2.5

Unten: RezepteWiki-Import –/– CC BY-SA 3.0

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Dämonen und Wunder

Erstellt von Rationalgalerie am 11. Dezember 2015

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Dämonen und Wunder

Vom Elend der Flucht und vom Elend der Fremdheit

Autor: Angelika Kettelhack
Datum: 10. Dezember 2015

Als habe der französische Regisseur Jacques Audiard vor vier Jahren die Flüchtlingsströme vorausgesehen, so aktuell wirkt sein Film „Dämonen und Wunder – DHEEPHAN“, der vom Elend der Flucht und vom Elend der Fremdheit am Fluchtort berichtet. Denn die Flüchtlinge treffen in der ihnen zugewiesenen Unterkunft in einer Pariser Vorstadt auf das ohnehin schon aufgeheizte Klima eines Milieus von sozial Ausgegrenzten aus einer früheren Auswanderungswelle, deren Menschen sich selbst immer noch fremd fühlen in Frankreich. Diese Konfrontation verschärft noch den Verlust von Heimat für die Neuankömmlinge. Mit einem wunderbar klar aber brutal erzählten Film wirft der Regisseur ein Leinwandlicht auf Verhältnisse, die jetzt gerade zur Massenerscheinung werden und die die Nachrichten bestimmen.

„DHEEPPAN“, der diesjährige Gewinner der „Goldenen Palme“ in Cannes, kommt jetzt unter dem Titel “Dämonen und Wunder“ in die deutschen Kinos. Nach seinen beiden letzten Filmen „Ein Prophet“ (2009) und „Der Geschmack von Rost und Knochen“ (2012) habe Jacques Audiard wieder einen „bildgewaltigen Thriller“ gedreht, heißt es in der Werbung für seine neuste Arbeit. In Realität handelt es sich bei „Dämonen und Wunder – Dheepan“ aber vielmehr um ein Flüchtlings-Drama, das dokumentarisch untermauert und deshalb besonders aufwühlend ist.

Dheepan ist zugleich der Name des Hauptdarstellers. Gespielt wird er von dem ehemaligen Freiheitskämpfer und heute in Paris lebenden tamilischen Schriftsteller Shobasakthi, der als 16-jähriger von den „Tamil-Tigers“ gezwungen wurde, als Kindersoldat zu kämpfen. Am Anfang von Audiards Film legt Dheepan die Waffen ab. Zusammen mit einer für ihn fremden jungen Frau und mit einem für beide unbekannten neunjährigen Mädchen flieht er aus seiner Heimat Sri Lanka. Die Rettung dieser drei Personen sind die Papiere einer vor sechs Monaten getöteten Familie. Aber in deren Identität müssen die Flüchtlinge sich erst hineinfinden, um Asyl beantragen zu können. Ein ständiges „auf der Hut sein“ und eine andauernde Fremdheit und Beklemmung werden die falsche Familie den ganzen Film hindurch begleiten.

Zuflucht finden die Drei in einem heruntergekommenen und vom Drogenhandel bestimmten fiktiven Pariser Vorort. Sie, Yalina genannt, kann zwar als Krankenpflegerin, bzw. Putzfrau arbeiten, Dheepan bekommt die Stelle eines Hauswarts und Illayaal, die fremde Tochter, kann eine französische Schule besuchen. Doch in ihrem Bemühen um Anpassung wird die „Familie“ ungewollt immer mehr in die blutigen Bandenkriege ihrer Nachbarschaft verwickelt. Ihr Traum von einem friedlichen Zusammenleben wird wahrscheinlich wie Treibsand zerrinnen und so an das Gedicht „Sables Mouvants“ von Jacques Préverts erinnern, auf das sich der Regisseur im Film immer wieder bezieht.

Audiard sagt, er habe vor vier Jahren bei den Vorarbeiten zu DHEEPPAN noch nichts ahnen können von der aussichtslosen Situation, in der aktuell die Flüchtlinge aus aller Welt aufgerieben werden. Aber heute würde er den Film auf keinen Fall noch Mal drehen wollen, nachdem ihn die Wirklichkeit so schrecklich eingeholt habe. Die Wirklichkeitsnähe des Films komme daher, dass er immer nur die potenzielle Sicht der Figuren eingenommen habe: Ihren Blick auf eine Realität, in die sie aber nicht eintauchen könnten, solange ihnen die Sprache ihrer Umgebung fremd bleibe.

Vor vier Jahren wurde Audiard klar, dass er unbedingt „Ungesehenes ans Licht bringen“ musste, „von dem der Rest der Welt noch nie etwas gehört hatte“. Ein befreundeter Autor hatte ihm die BBC-Dokumentation „No Fire Zone“ gezeigt als Zeugnis eines Bürgerkrieges, der von 1983 bis 2009 in Sri Lanka tobte. Obwohl Audiard die Gewaltlastigkeit des BBC-Films unerträglich erschien, wollte er von Anfang ein Thriller-ähnliches Drama – möglichst mit „echten“ Darstellern aus dem tamilischen Krisengebiet – drehen. Glücklicherweise fand er die Theaterschauspielerin Kalieaswari Srinivasan als Darstellerin der vorgetäuschten Ehefrau und die kleine Claudine Vinasithamby als falsche Tochter. Vom Spiel des Dheepan-Darstellers Jesuthasan Antonythasan, rau und zugleich zartfühlend, ist wohl nicht nur der Regisseur, sondern auch der Zuschauer sehr erstaunt und beeindruckt. Audiard nennt seine Hauptfigur – den Schriftsteller Shobasakthi –liebevoll immer nur „Shoba“.

Dem blonden Schauspieler Vincent Rottiers, der den Boss der marodierenden Banden darstellt, hat Audiard den arabischen Namen „Brahim“ gegeben. Das erinnert daran, dass er schon den Boxer in seinem Film „Der Geschmack von Rost und Knochen“, den der blonde Matthias Schoenaerts spielt, „Ali“ genannt hatte. Vielleicht sind diese Vornamen für Audiard Programm. Beide Akteure lässt er ihre Rollen bewusst als lethargische, fast kindliche Typen anlegen, die zwar durchaus hilfsbereit sind aber ihre ganze Wut und Grausamkeit zeigen, wenn sie in einen für sie aussichtslos erscheinenden Kampf geraten.

Auch den Schauplatz der Handlung – die im Verfall befindliche Sozialbau-Siedlung La Coudraie im Pariser Vorort Poissy – hält Audiard als ideal geeignet für seine Geschichte. Ohne die wohlwollende Mitarbeit der tatsächlichen Bewohner dieser ghettoartigen Siedlung, sagt er, hätte er seinen Film wohl nicht realisieren können. Denn dort kann Dheepan als Hausmeister zwischen den endlos langen Reihen der Häuserblocks diesseits und jenseits eines Mittelstreifens, eine von ihm als notwendig erachtete Linie zwischen zwei Welten mit weißer Spielfeld-Kreide markieren. Der Streifen erinnert an die „No-Fire-Zone“, die er in seiner Zeit als Kindersoldat in Sri Lanka kennen gelernt hatte. Jene Zone, in der nicht geschossen werden sollte. Doch das hat damals nicht funktioniert, denn auch hinter der weißen Linie wurde die Bevölkerung bombardiert. Und erstrecht heute wird die weiße Linie im Film von den rivalisierenden Banden nicht respektiert.

Audiards Darstellung der Erfahrung von einer von allen Seiten verhinderten Integration der Immigranten ist polemisch aber keineswegs didaktisch. Und vor allen Dingen: Dieser Film spielt zwar in Frankreich, aber das Flüchtlings-Dilemma ist weiß Gott nicht nur eine französische Katastrophe. Doch in Audiards Film gibt es noch die Botschaft einer möglichen Menschlichkeit. Und er zeigt auch, dass sich Liebe unter fast untragbaren Zuständen dennoch entwickeln kann. Das berührt außerordentlich.

Der Film ist ab heute in den KInos.

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Aus dem Abseits

Erstellt von Rationalgalerie am 3. Dezember 2015

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Aus dem Abseits

Ein Film über Peter Brückner

Die Suche des Sohnes nach dem verlorenen Vater

Autor: Klaus-Jürgen Bruder
Datum: 01. Dezember 2015

Wer ist Peter Brückner? Peter Brückner, das war der Professor für Psychologie in Hannover, der zweimal vom Dienst suspendiert wurde. Brückner war keineswegs, wie es gleich zu Anfang des Films behauptet wird: der „Vater“ der antiautoritären Bewegung, nicht der Stichwortgeber oder Rädelsführer. Er war Teil von ihr, aber war als viel Älterer (geb. 1922) selbst kein 68er, er gehörte dazu und fühlte sich dazu gehörig, begeistert, aber hielt er es bei ihnen nicht lange aus, wie er auf dem Tunix-Kongress (Ende Januar 1978 in Berlin) gesagt hatte.
Ein bißchen vergessen ist er heute. Er soll wieder erinnert werden, wird wieder aufgesucht. 2012 richtete die „Neue Gesellschaft für Psychologie“ in Berlin zum 30. Todestag Peter Brückners einen Kongress aus mit dem Titel „Sozialpsychologie des Kapitalismus – heute. Zur Aktualität Peter Brückners“. Und dort hat sein letzter Sohn Simon den Plan entwickelt, seine Erkundungen auf den Spuren seines Vaters zu einem Film zu verarbeiten. So ist der Film der Versuch, mit Brückner auch die 68er wieder in Erinnerung zu bringen und zugleich die persönliche Suche nach dem verlorenen Vater, den dieser Sohn nie bewusst erlebt hat, denn dieser ist bereits gestorben, als der Sohn erst 4 Jahre alt war.

Brückner nicht gekannt zu haben, die 68 nicht erlebt zu haben, teilt der Sohn heute natürlich heute mit seiner Generation, die weder in deren Selbstheroisierung gefangen noch in deren Verleumdung durch die Sieger gebunden ist. Und es scheint, dass diese Generation wieder beginnt, sich dafür zu interessieren, sich ein eigenes Urteil bilden zu wollen. Sie scheinen wieder neugierig, und immer mehr lesen sie die lange für „überholt“ erklärten Texte. Zumindest bei dem Kongress nahmen viele junge Studenten teil, mit der „Sozialpsychologie des Kapitalismus“ in der Tasche.

So ist Simon Brückner, ebenso wie seine Generation insgesamt, auf andere angewiesen, die die Zeit miterlebt haben, die seinen Vater noch gekannt haben: können sie ihm sagen, wie sein Vater gewesen war? Wer er gewesen war, oder erzählen sie ihm von einem Menschen, wie sie ihn sehen wollten? Man hat zuweilen das Gefühl, (den Eindruck), sie nehmen die Suche des Sohnes nach seinem Vater in ihre Regie. Sie haben es in der Hand, was er erfährt; er ist der staunende Lehrling.

Simon Brückner hat daraus einen Film gemacht mit Fotos und Filmen, die von Brückner existieren, die seine Existenz dokumentieren (sollen), mit einigen wenigen, ausgewählten, Personen, die ihm von Peter Brückner erzählt haben. Vielleicht im Spektrum etwas sparsam angelegt.

Seine Mutter Barbara Sichtermann, seines Vaters letzte Frau, sagt ihm, sein Vater sei ein „politischer Mensch“ gewesen. Was zeichnet einen „politischen Menschen“ aus? War er kein richtiger Vater, wie er von seinem Stiefbruder erfährt, der ihn noch bewusst erlebt hatte und der das Kind Simon damals um die zärtliche Zuwendung, die der Vater Simon gezeigt habe, beneidet habe.

Ob er mehr darüber staunt, was sie Staunenswertes von seinem Vater berichten oder dass sie es gewesen sein sollen, die einen solchen erstaunenswerten Mann aus unmittelbarer Nähe erlebt haben. So unwirklich erscheint das Berichtete – gemessen an der prosaischen Gegenwart um ihn herum, unvorstellbar, unerreichbar im Augenblick des Interviews.

Eine Kluft scheint uns heute von jener Zeit zu trennen: dass Brückners Erscheinen derart irreal geworden ist, dass die Vorstellung, der leere und kalte Innenhof der Universität Hannover, den Simon von Alfred Krovoza geführt durchschreitet, mit Teilnehmern eines teach-ins bis auf den letzten Winkelgefüllt ist, „und das über mehrere Stunden“.

Wie erratische Blöcke erscheinen die Zitate Brückners vor dieser erkalteten Gegenwart, strahlend in ihrer Klarheit, treffsicher genau: Diese ganz und gar rücksichtslose Kritik der Verhältnisse und ihrer Profiteure und Mitläufer, getragen von einem „Wärmestrom“ des Brücknerschen „man empfange die Frage des anderen wie ein Geschenk, das es auszupacken gilt“. Seine Kritik war nachvollziehend, verstehend, auch oft beißend, nie aber „dogmatisch“, Rechthaberei lag ihm fern, eher die Haltung des „könnte es vielleicht sein?“, wie dies Brückner von der Psychoanalyse gelernt hatte.

Kritik als Selbst-Kritik zugleich verstanden, als Konstitution des Subjekts und Kritik der Verhältnisse, die dieses Subjekt hervorbrachten, deren Veränderung zugleich die Selbst-Veränderung zum Ziel hat. Solche Kritik war der Kern seiner „Theorie“, sie war aus der Kritik entfaltet. In die Kritik eingeschlossen waren auch Ansätze der Psychoanalyse – vor allem deren naturwissenschaftliche, biologische Seite die den Blick auf die sozialen Verhältnisse versperrt – obgleich oder gerade weil er der Psychoanalyse so nahe stand. Diese wiederum, auch die Psychoanalyse aus der Tradition der kritischen Theorie Frankfurter Provenienz, konnte damit so viel nicht anfangen, so saß er (auch) hier zwischen den Stühlen.

Als Kritiker war Brückner einer der wichtigsten Theoretiker der Neuen Linken der Studentenbewegung von 68 und zugleich ihr luzidester Kritiker an dieser selbst.

Er war ihr Begleiter, kritisch und sympathisierend zugleich. Als deutlich älterer hatte er seine Erfahrungen mit Herrschaft bereits unter dem Faschismus gemacht, dann auch (als Student) mit der DDR. Er war durch die bleierne Zeit der Adenauer Ära kurz davor zu resignieren, als Marktpsychologe: „wenn ich schon nicht mit diesem Staat leben kann, möchte ich wenigstens von ihm leben“, bis die Studentenbewegung für ihn eine Erlösung wurde aus der „inneren Emigration“. Als sympathisierender Begleiter versuchte er diese Bewegung durch kluge und überraschende Analysen zu fördern, sie vor Irrwegen zu schützen (wie dem der RAF) und sie zugleich vor den Angriffen des Staates – was zweimal mit seiner Suspendierung vom Dienst bestraft wurde.

Wieweit hat Brückner selbst dazu beigetragen, dass er weitgehend in Vergessenheit geraten ist? Diese Kluft, von der ich sprach, gab es schon damals: Er hat sich selbst gern als „einsam wandelndes Nashorn“ bezeichnet, als Querdenker, als einer der alles hinterfragt hat war er zuweilen auch unbequem, ging oft seine eigenen Wege. Hannover, die „Fünfte“ Fakultät, das – sozialwissenschaftliche – „fünfte Rad“ am Wagen der Technischen Universität, war ihm zu klein, der Enge ist er viel zu oft entflohen, er hatte viele Vortragsreisen zu den Universitäten in der ganzen Bundesrepublik gemacht, was ihm von den Zurückgebliebenen zum Vorwurf gemacht worden war: statt sich in Hannover mit den Mühen des Alltags zu konfrontieren, habe er das Bad in der Menge in Berlin oder sonst wo genossen.

Aber er hat auch nicht dafür gesorgt, dass Hannover für ihn ein fester Ort wird. Wie auch? In Hannover hatte er zwar einen Lehrstuhl, aber keinen Studiengang für Psychologie, deshalb auch nur „Nebenfach“-Studenten, die keine Beziehung zum Institut entwickelten, geschweige denn eine kritische. Unvorstellbar für uns, die wir Wissenschaftskritik uns selbst erarbeitet hatten: in Hannover stellten nicht die Studenten die kritischen Fragen an den Professor, sondern umgekehrt der Professor musste sich erst seine Studenten heranziehen.
Leider ist davon im Film nichts zu sehen, nichts über die Bedingungen, denen Brückner seine Bedeutung verdankt, (deshalb) auch nichts davon, weshalb er wieder in Vergessenheit geraten konnte.

Gleichwohl ist der Film sehr berührend, man erkennt Brückner in den Erzählungen der Begleiter und Schüler als Mensch, dessen Tod eine tiefe Wunde gerissen hat: sie haben ihn nicht vergessen. Und auch das zeigt der Film: die wunderbaren Zitate! Fast möchte ich sagen: sie seien das Wichtigste am Film, denn sie lassen erahnen: es lohnt sich, sie in seinen Büchern aufsuchen. Damit leistet der Film einen wichtigen Beitrag, Brückner dem Vergessen zu entreißen.

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Trauer in einem Dorf am Nil

Erstellt von DL-Redaktion am 26. November 2015

Beerdigung eines Pariser Anschlagsopfers

Trauer in einem Dorf am Nil

Verwandte und Nachbarn trauern in Ägypten um einen in Paris erschossenen jungen Mann. Die Trauer kennt keine Grenzen in der globalisierten Welt.

von Karim El-Gawhary

Es ist ein emotional hoch aufgeladener Moment, als nachts ums zwei mehrere tausend Bewohner durch das ägyptische Dorf Bana Abu Nuseir ziehen. „Der Märtyrer ist der Freund Allahs“, rufen sie und legen das islamische Glaubensbekenntnis nach: „Es gibt nur einen Gott und Mohammed ist sein Prophet.“

Viele Bärtige sind unter den Männern, die meisten mit Galabijas, langen Beinkleidern. Die Frauen stehen in den Türeingängen, alle tragen ein Kopftuch, manche haben ihr Gesicht gar ganz verschleiert. Ein junger Mann fällt in Ohnmacht, er wird davongetragen. Und wieder rufen sie es, fast schon hysterisch: „Es gibt nur einen Gott.“ Und wieder skandieren sie die Liebe Gottes zu den Märtyrern.

Die französische Hauptstadt ist weit entfernt, die Pyramiden näher als der Eiffelturm. Und dennoch geht es hier, mitten in der Nacht unter dem zunehmenden Halbmond über dem Nildelta, um die Anschläge von Paris. Aber das ist keine Demonstration, um jene Terroristen als Märtyrer zu feiern, die in Paris, laut eigener Behauptung, im Namen der Religion gemordet haben. Hier wird einem der Opfer von Paris bei einem islamischen Begräbnis die letzte Ehre erwiesen.

Am Abend war die Leiche Saleh El-Gebalis in seinem Heimatort angekommen. Nachdem sie die Pariser Behörden endlich freigegeben haben, ging es mit dem Flugzeug nach Kairo und von dort weiter mit dem Autokorso nach Bana Abu Nuseir, einem 20.000-Seelen-Ort, der drei Autostunden über holprige Wege nördlich der ägyptischen Hauptstadt liegt.

Der 28-jährige Saleh war in Paris einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. „Er war von einem tunesischen Freund ins ‚La Belle Equipe‘ zum Essen eingeladen worden, jenem Restaurant, an dem die Attentäter 19 Menschen erschossen haben“, erzählt Mahmud El-Naggar. Der Schwager Salehs arbeitet ebenfalls in Paris und war bei der Überführung der Leiche dabei. Saleh habe mit dem Tunesier und einem marokkanischen Freund zusammengesessen, als die Schießerei losging. „Der Marokkaner bekam einen Schuss ins Bein ab. Der Tunesier hatte zwei Kugeln im Körper. Beide überlebten. Saleh war gleich als Erster tödlich getroffen worden, bevor die anderen losliefen. Ich habe das alles von seinem marokkanischen Freund erfahren“, erzählt Mahmud.

„Ich möchte den europäischen Lesern sagen, die, die das getan haben, dürfen sich nicht Muslime nennen oder den Namen ihrer Religion missbrauchen“, sagt Schaker Gebali nach der Beerdigung. Dem Cousin des Toten stehen die Tränen in den Augen. „Das müssen die Europäer unbedingt wissen. Wir haben einen der besten und wertvollsten Menschen in unserem Dorf verloren und er war Muslim“, betont er.

„Dieser Terrorakt hat nichts mit Islam zu tun“

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Fotoquelle: Wikioedia – Urheber Al Jazeera English — / — CC BY-SA 2.0

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Phantom „Generation Allah“

Erstellt von DL-Redaktion am 25. November 2015

Phantom „Generation Allah“

Viele befürchten, dass junge Flüchtlinge aus dem Irak oder Syrien von hiesigen Salafisten rekrutiert werden. Die Fakten sprechen dagegen.

von Michael Kiefer

Viel ist in den vergangenen Wochen diskutiert worden über die gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen und die damit verbundenen Probleme und Gefahren. Wie nicht anders zu erwarten, ging es dabei auch um den Islam und Gefährdungen, die möglicherweise von Islamisten ausgehen. Zwei Szenarien standen im Vordergrund.

Das erste Szenario geht davon aus, dass mit den Flüchtlingen aus Syrien und Irak einige hartgesottene Terroristen des „Islamischen Staates“ (IS) nach Deutschland oder Westeuropa einsickern könnten. Genau dies scheint sich nun bei den verheerenden Pariser Anschlägen zu bestätigen. Das zweite Szenario sieht indirekte Gefahr.

Im Mittelpunkt steht die Befürchtung, Muslime aus den Bürgerkriegsgebieten, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, könnten ein fruchtbares Rekrutierungsfeld darstellen für hiesige gewaltbereite Salafisten.

Ein prominenter Vertreter des zweiten Szenarios ist aktuell der ehemalige EKD-Vorsitzende Wolfgang Huber. Seine Befürchtungen konnte man unlängst in der Süddeutschen Zeitung nachlesen. Huber fürchtet um die gelebte religiöse Pluralität in unserem Land und mahnt, man könne nicht alle Haltungen hinnehmen, für die der Islam in Anspruch genommen werde. Besondere Sorge bereitet ihm die „Generation Allah“, die durch junge muslimische Flüchtlinge Zuwachs erhalten könnte.

Negativ besetztes Schlagwort

„Generation Allah“ – das ist ein neues Schlagwort, mit dem in den Feuilletons junge Muslime per Fremdzuschreibung in einem Kollektiv negativ vergemeinschaftet werden. Eine angeblich wachsende Problemgruppe, die – so die These – Anschluss finden könne an gefährliche Salafisten, die den Dschihad in Syrien, im Irak und andernorts befeuern.

Seinen Ursprung findet dieses Konstrukt in der Schrift „Generation Allah. Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen“, die der Psychologe Ahmat Mansour vor kurzem vorgestellt hat. Neben vielen richtigen Beobachtungen findet man dort die sogenannte Generation Allah, die ein wesentlicher Teil der „Radikalen“ sei. Mansour beschreibt eine Pyramidenstruktur mit drei Gruppen.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle – Wikipedia – Urheber ActuaLitté — / — CC BY-SA 2.0

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Der DL Küchenchef empfiehlt

Erstellt von Stapel am 20. November 2015

Einfach lecker – schnell und günstig

Eins hab ich noch!

Wer hat das „echte“ Stew ausprobiert? Ich weiß dass „Hammelfleisch“ nicht jedermanns Sache ist, aber ehrlich mal, wenn man es nicht wenigstens einmal ausprobiert hat, weiß man gar nicht was einem für ein tolles Geschmackserlebnis entgeht.

Ich habe noch ein Gericht für Euch bei dem „Hammelfleisch“ verwendet werden kann, alternativ aber auch durchaus  „Schweinefleisch“ (Nacken).

Doch eins könnt Ihr mir glauben, mit „Hammel“ gibt es den wesentlich besseren Geschmack.

Der Vorteil bei dem folgenden Gericht, als auch bei dem „Stew“ der letzten Woche, vorbereiten, in den Ofen schieben und gut iss.

Hammelfleisch mit grünen Bohnen!

600g Hammelfleisch
(vom Nacken, oder Schwein)
100g Speck
50g Schmalz oder Öl
Salz, Pfeffer, 1-2 Knoblauchzehen
600g grüne Bohnen
600g Kartoffeln
1Tl Bohnenkraut

Das Fleisch in 2-3cm große Stücke schneiden. Den Speck in kleine Würfel schneiden und in einem gut schließenden Topf im erhitzten Fett, leicht anrösten. Die Fleischwürfel darin kräftig anbraten. Mit Salz, Pfeffer, und dem Knoblauch würzen.
Die geputzten, entfädelten, oder tiefgekühlten (natürlich aufgetaut) Bohnen in kleine Stücke geschnitten, die in Scheiben geschnittenen Kartoffeln, lagenweise über das angebratene Fleisch schichten, dabei jede Schicht salzen und die Bohnen zusätzlich mit Bohnenkraut bestreuen.

Mit einem ½ l kochendem Wasser aufgießen, den Topf gut verschließen und in dem vorgeheizten Backofen bei 160°, 75-90 min dünsten.

Direkt aus dem Topf, auf den Teller, einmal bewusst genossen, werdet Ihr dieses schmackhafte Gericht, nicht nur einmal auf Eurem Speiseplan haben.

Guten Hunger!

Detlef Stapel.

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Fotoquelle.

Oben: Kochwiki: Aufnahme von Andreas Wolter (Benutzer:Woltera),  Münster –/– — CC BY-SA 3.0

Unten: RezepteWiki-Import –/– CC BY-SA 3.0

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Der DL Küchenchef empfiehlt

Erstellt von Stapel am 14. November 2015

Einfach lecker – schnell und günstig

„Verdammt lang her“ das ich einst einmal in Irland gewesen bin, ein Freund von mir lud mich ein, mit einem Hausboot den „Shannon“ ( längster Fluss Irlands) rauf zu fahren, los ging es in „Killaloe“ bis rauf zum „Lough Key“

Atemberaubende Landschaften, mystische Bauwerke und „Natur pur“ die man sogar auf der Zunge schmecken kann, dazu noch sehr, sehr freundliche Menschen denen man überall begegnet ist, wenn wir vom Boot aus mit Rädern die verschiedensten kleinen Ortschaften erkundet haben.

Unvergessen auch die traditionelle irische Küche die sehr robust, aber überaus lecker schmeckt. Für mich sehr auffällig war, das „Stew“ welches ich öfter gegessen habe schmeckte überall, bis auf wenige Nuancen immer gleich. Einfach toll!

Dieses echte „Irish Stew“ welches ich selber immer wieder auf meinem Speiseplan habe, möchte ich Euch näher bringen.

„Irish Stew“

1kg Hammelfleisch (Schulter)
beim Metzger vorbestellen

1kg Kartoffeln

6 große Zwiebeln

1l Fleischbrühe

Salz, Pfeffer, 2 El Petersilie

Das gewaschene Hammelfleisch vom Fett befreien und in 2-3cm große Stücke schneiden. Die Kartoffeln schälen und in Scheiben, die Zwiebeln in Ringe schneiden.

In einem großen, gut verschließbaren Topf zunächst je eine Lage Kartoffelscheiben, Fleischwürfel und Zwiebel schichten bis alle Zutaten aufgebraucht sind, die oberste Lage sollte allerdings aus Kartoffeln bestehen. Die Fleischbrühe kräftig mit Salz und Pfeffer und die Zutaten damit gerade bedecken. Den Topf gut verschließen und das Stew in dem auf 120° erhitzten Backofen 2-3 Stunden gar schmoren. Kurz vor dem Auftragen die gehackte Petersilie darüber streuen.

Guten Hunger!

D.S.

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Fotoquelle: Wikipedia-

:Irish stew: Author Asmoo — / — Gemeinfrei

Paprika : Author Koshy Koshy from Faridabad, Haryana, India — / —CC BY 2.0

Petersilie: Author No machine-readable author provided. Ranveig assumed (based on copyright claims).

Gemeinfrei

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Das letzte Buch von Günter Grass

Erstellt von Rationalgalerie am 10. November 2015

Aus der Erinnerung nur wächst die Zukunft

Autor: U. Gellermann
Datum: 09. November 2015
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Buchtitel: Vonne Endlichkeit
Buchautor: Günter Grass
Verlag: Steidl

Das war´s: „Vonne Endlichkeit“, ist das letzte Buch von Günter Grass. War´s das? Wer kann schon so weit in die Zukunft blicken und Geschichtsmächtigkeit erkennen? Jene Summe von Zitaten und Rezitaten, die Erinnerungen künftiger Rezensionen, die Bilanz germanistischer Diplomarbeiten: „Die Auswirkungen sozialdemokratischer Politik auf die Poetik des Günter Grass“, oder „Der Pferdekopf als Aalköder – das Märchen von der Gänsemagd als Material für die Blechtrommel“. Endlich, denken sie, sie hätten ihn beerdigt, den Querschreiber, auf USB-Sticks abgeheftet, und sie könnten sich den Nachrichten zuwenden, in denen doch nur ein weiteres Stück von Grass über den Krieg aufgeführt wird: „Gedachten wir, vom Bildersturz verschreckt, / des Ersten, während vielerorts / der Dritte anfing, Probe nur / und Übung für den Ernstfall war.“ So brandet noch einmal der Grass auf, in seinem letzten Buch: „Und hielt den Atem an / haßentbrannt in diesem Sommer.“

Hassentbrannt? Ja hat der Alte denn nicht seinen Frieden gefunden, in seinen letzten Tagen? Es wird dieser Sommer gemeint sein, der letzte des Grass´schen Lebens, ein Sommer voller Krieg, auf den die Vernunft und die Liebe zu den Menschen mit dem selben Hass zurückblicken wird wie der Dichter. – Der lag mal zur Probe in seinem Sarg. Machte sich vertraut mit seinem Tod, das Holz roch frisch, zufrieden habe er ausgesehen, meinte seine Frau, bei der Anprobe. So gehen Momentaufnahmen. In langen Spannen misst sich die Unzufriedenheit: „Erst als die immer schon Heimischen / sich fremd genug waren / begannen auch sie / ihr Fremdsein zu ertragen“ das notiert uns Grass über die Vertriebenen, beschrieben werden die Millionen Deutsche des letzten großen Krieges, gemeint sind alle, die vor Kriegen geflohen, in fremden Ländern die nützliche Masse der Fremden stellen.

Einmal, auf den gut gebundenen Seiten von dickem, weichen Papier, lädt Grass uns zum Vergleich mit sich selbst ein: Auf der linken Seite ist Herbstlaub mit dem Zeichenstift schraffiert zu sehen, auf der rechten malt er das Laub in seiner Sprache: „Ich beuge mich, lerne lesen. Kein Blatt ohne Inschrift. Auf einem Fächer Kastanienlaub hat Eichendorff ein Gedicht hinterlassen, das ich als Schüler hersagen konnte.“ Stünde der Dichter mit dem Zeichner im Wettbewerb, um Längen hätte der Dichter den Kampf gewonnen. Wie sollten auch Zeilen über das unheimliche Wort der Kindheit, nach dem Gott alles sieht, in einer Zeichnung gefasst werden können. Grass nimmt das Wort, zerschlägt es, fügt es neu und betet: „Ach, liebe Drohne / mach mich fromm, / daß ich in deinen Himmel komm.“ So wird das Auge Gottes in die wirklichen Machtverhältnisse bewegt, dorthin, wo aus heiterem Himmel jede Stunde ein US-Gottesurteil die Erde verfinstern kann.

Ganze vier Seiten lang kämpft der Dichter den „Abschied vom Fleisch“. Und was das Feuilleton sicher als vegetarische Handreichung überblättert hat, ist ein beißendes Gedicht vom Tod, sich noch einmal ins lebendige Fleisch krallend, noch einmal den Leib der Frauen erinnernd und auch den eigenen; den Abschied nehmen, weil anderes nicht mehr zu nehmen ist. – Die Deutschen sagen bei den langen Abschieden „Lebe wohl“, das nimmt sich nach dem Ende des Lebens eher komisch aus. Einmal mehr hilft das englische Farewell: Reise gut, Grass! Reise im Gepäck derer, die erinnern können. Denn aus der Erinnerung nur wächst uns die Zukunft.


Fotoquelle: Wikipedia – Author Blaues Sofa from Berlin, Deutschland — / — CC BY 2.0

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Das FIFA-Märchen

Erstellt von IE am 9. November 2015

Schwarze Kassen, eine mutmaßlich gekaufte WM 2006, Steuer-Razzia beim DFB – immer neue Enthüllungen erschüttern die Fußballwelt. Wohin flossen die ominösen 6,7 Millionen Euro? Wozu diente das Geld? Und wer wusste davon? Während sich der damalige WM-Chef Franz Beckenbauer trotz schwerer Vorwürfe weiterhin schweigsam gibt, bringt nun einer Licht ins Dunkel und offenbart zum ersten Mal seine Insiderinformationen über den WM-Skandal: „Schorsch“ Aigner. Anstelle Deutschlands Lichtgestalt nahm Aigner alias Olli Dittrich u.a. auch eine Reihe offizieller Termine als Chef der Fußball-WM 2006 wahr und führte in dieser Funktion immer wieder vertrauliche Gespräche mit FIFA-Verantwortlichen.

Siehe Video   >>>    Video ARD

Es ist doch eigentlich heute kein Skandal mehr wenn wieder einmal ein Korruptionsaufschrei in Form einer fetten Sau durch die Deutsche Kulturlandschaft gejagt wird.  Ist es doch dieses mal nur der Fußball dem vorgeworfen wird  eine WM an Katar verkauft zu haben was ja für die Kultur diese Landes nicht so wichtig wäre, da dieses ausschließlich Sache der FIFA ist.

Schwarze Kassen, eine mutmaßlich gekaufte WM 2006, Steuer-Razzia beim DFB – immer neue Enthüllungen erschüttern die Fußballwelt. Wohin flossen die ominösen 6,7 Millionen Euro? Wozu diente das Geld? Und wer wusste davon? Während sich der damalige WM-Chef Franz Beckenbauer trotz schwerer Vorwürfe weiterhin schweigsam gibt, bringt nun einer Licht ins Dunkel und offenbart zum ersten Mal seine Insiderinformationen über den WM-Skandal: „Schorsch“ Aigner. Anstelle Deutschlands Lichtgestalt nahm Aigner alias Olli Dittrich u.a. auch eine Reihe offizieller Termine als Chef der Fußball-WM 2006 wahr und führte in dieser Funktion immer wieder vertrauliche Gespräche mit FIFA-Verantwortlichen.

Nein jetzt wollen diese Kulturschänder den Bürgern auch noch das Sommermärchen von 2006 abspenstig machen. Ist doch der Fußball das Einzige was den Deutschen danach an Kultur bliebe nachdem es wohl der Plan einiger Politiker scheint, dieses Land islamisieren zu wollen. Schreckliche Zeiten stehen uns bevor, wollen wir einen Teil der Medien glauben, welche das Land zwar aus dem Jahre Null in die moderne, aber nur um runde 850 Jahre noch vorne schieben wollen. Die restlichen Jahre sollen erst dann folgen wenn die Politik gelernt hat Autos zu bauen und WM auszurichten – auf festen Untergrund.

Angeblich wäre es die einzige Möglichkeit die Kirchen wieder mit Leben zu füllen indem der Name des Gottes ausgewechselt wird und diese in Moscheen umgewandelt werden, da der Unterhalt dieser Kulturhistorischen Bauwerke ansonsten unrentabel sei. Und einfach abreißen, das ginge auch nicht, stände das Land doch sonst völlig nackt da, denn die heutigen Baumeister sind wohl nicht einmal mehr in der Lage einen einfachen Flugplatz, eine U-bahn oder sonst dergleichen zu erstellen.

Dieses Land ist unterdessen so korrupt geworden das die Chefin innerhalb ihrer Jahresansprache schon aktive Werbung für ihre Partei – Mafia machen muss indem sie aufruft: „Folgt diesen Leuten nicht.“ In Ordnung sie fügte nicht hinzu: „Folgt nur meiner Partei“. Den Satz hatte sie wohl noch im letzten Moment unzerkaut hinunterschlucken können vieles weitere in naher Folge auch. Aber, liebe Medien, hat denn je einer hinterfragt warum sie nicht folgenden Ausspruch tätigte : „Liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen, kauft in Zukunft keinen VW mehr. Diese Firma hat im Laufe der Jahre viele Millionen Menschen aus vorsätzlicher Habgier betrogen und ihrer Gesundheit großen Schaden zugefügt.

Da bleibt sie natürlich ruhig, will sie doch ihren Posten behalten, koste es was es wolle, auch notfalls die Gesundheit oder den Tod ihrer MitbürgerInnen. Dazu gehören wie ganz selbstverständlich  die Skandale um Banken, besonders die ihres ehemaligen Vorkosters Ackermann – die Deutsche Bank also, Mercedes, oder ganz besonders die Waffenverkäufe welche wohl als Hauptursache der Flüchtlingswanderungen angesehen werden dürften. Soviel Schäden wie die Politik in den letzten Jahren der einheimischen Bevölkerung zufügte, können alle Herkommenden auch nicht annähernd verursachen. Selbst wenn alle Gekommenen für 100 Jahre im deutschen Elendstandart von Hartz 4 ihr Leben fristen müssten.

Und der Fußball? Wer auf den Tribünen nach oben hüpft, um entsprechend in das Blickfeld einer jeden Kamera zu gelangen, kommt auch irgendwann wieder unten an und schrumpft zur wahren Grüße zurück. Und was sind denn schon sieben Millionen wenn Frau entsprechend gesehen werden möchte, – im Verhältnis zu den verbrannten Billionen einer vollkommen durchgedrehten Regierung welche vorgibt Werte verteidigen zu wollen?  Wo gibt es denn hier noch etwas zu verteidigen, ist nicht alles schon verscherbelt und damit unter die Politiker verteilt worden ?

Wer das obige Video noch nicht gesehen hat sollte es nicht verpassen. Ich würde es als ein Meisterwerk über Beckenbauer bezeichnen.

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Der DL Küchenchef empfiehlt

Erstellt von Stapel am 6. November 2015

Einfach lecker – schnell und günstig

Wenn wir dieser Tage über den „Markt“ gehen, fällt es auf, dass es ein sehr reichhaltiges Angebot an Gemüsen gibt.

Selbst die Discounter bieten günstig die mannigfachsten Sorten an, eines meiner liebsten Gemüsesorten ist eine Eierfrucht, nämlich die „ Aubergine „ am liebsten gefüllt, und an diesem leckeren Rezept möchte ich Euch teilhaben lassen.

Gefüllte Auberginen

2 mittelgroße Auberginen

250g Lammfleisch oder Schweinefleisch

2 Zwiebeln, Salz, Pfeffer, Thymian, Knoblauchgranulat,

4 El Olivenöl, 2El Semmelbrösel, 2El Parmesan

Die gewaschenen Auberginen der Länge nach halbieren, mit Salz bestreuen und eine halbe Stunde stehen lassen. Danach den Saft abgießen und die Auberginen vorsichtig, ohne die Schale zu verletzen, aushöhlen. Das Auberginenfleisch fein hacken, mit dem gehacktem Fleisch, und den  gehackten Zwiebeln vermischen, mit Salz, Pfeffer, 1Tl Thymian, und einem 1/2Tl Knoblauchgranulat würzen. Die Masse in die Auberginenhälften füllen.

Das Olivenöl in eine flache feuerfeste Form gießen, die Auberginenhälften darauflegen, mit den Bröseln und dem geriebenen Parmesan bestreuen und bei 180 Grad im vorgeheizten Backofen dünsten, ca. 20 min.

Lasst es Euch schmecken,

am besten passt ein Salat dazu.

Detlef Stapel

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber – CTHOE — / — CC BY-SA 3.0 beide Fotos

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Das Bombenhaus der ARD

Erstellt von Rationalgalerie am 6. November 2015

Das Bombenhaus der ARD

Das Erste erfindet mal wieder Nachrichten

Autor: U. Gellermann
Datum: 05. November 2015

Nicht zum ersten Mal müssen die Journalisten Bräutigam und Klinkhammer mit einer Programmbeschwerde die manipulative Praxis von ARD-Aktuell rügen. Erst erfindet die ARD ein von Russen zerbombtes Krankenhaus in Syrien, dann unterdrückt der Sender die Information über die Richtigstellung des russischen Verteidigungsministeriums, um dann zu schlechter Letzt eine Foto-Dokumentation zu verschweigen, die das angeblich zerbombte Krankenhaus unversehrt zeigt. Es gibt Länder, in denen tritt der zuständige Chefredakteur nach solch faustdicken Lügen zurück. Nicht in Deutschland.

Programmbeschwerde  04/11/15
Nachrichtenunterdrückung: Russland widerlegt Behauptungen über Krankenhaus-Bombardements in Syrien

Sehr geehrter Herr Marmor,

im Zusammenhang mit der auch von ARD-aktuell publizierten Unterstellung, russische Kampfflugzeuge hätten „möglicherweise“ ein Krankenhaus in Syrien bombardiert, legen wir nun eine weitere Programmbeschwerde vor. Diesmal wegen Unterschlagung der Nachricht, dass Russland am 02.11.15 die Beschuldigungen nachvollziehbar und glaubhaft widerlegt hat, mit aktuellen Fotodokumenten, die das angeblich bombardierte Krankenhaus in völlig unbeschädigtem Zustand zeigen:

http://de.sputniknews.com/politik/20151102/305362595/syrien-klinik-bomben.html

Wir hatten bereits am 23.10.15 Beschwerde wegen der offenkundig irreführenden ARD-aktuell-Darstellung vom 22.10.15 erhoben, russische Flugzeuge hätten in Syrien „möglicherweise“ ein Krankenhaus bombardiert. Bezeichnenderweise lässt sich die beklagte TS-Nachricht in der tagesschau.de-Mediathek mittlerweile nicht mehr aufrufen. Die Seite wurde offensichtlich aus dem Archiv entfernt:

https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-126281.html

Sie ist jedoch auf zahlreichen anderen Internetseiten dokumentiert, z.B. hier:

http://www.neopresse.com/medien/ard-luegt-russischen-angriff-auf-syrisches-krankenhaus-herbei/

Wir haben weiter am 29.10.15 Programmbeschwerde erhoben, weil ARD-aktuell es unterließ, darüber zu berichten, dass das Verteidigungsministerium in Moskau am 27.10.15 die NATO-Militärattachès einbestellt und ultimativ zur Beweisführung für die westlichen Anschuldigungen aufgefordert hatte, obwohl z.B. die Internationale Nachrichtenagentur Rossiya Segodnya über die Pressekonferenz des Vize-Verteidigungsministers Antonow berichtet hatte:
http://de.sputniknews.com/militar/20151027/305227054.html

Es passt in diese Redaktionslinie, dass ARD-aktuell auch nicht über eine Pressekonferenz in Washington berichtete, auf der das US-Verteidigungsministerium einräumen musste, dass es nur über Presseberichte als „Beweis“ für die Anschuldigung verfügte, Russland habe in Syrien Krankenhäuser bombardiert:

https://deutsch.rt.com/amerika/35423-usa-verweisen-auf-presseberichte-als/

Am 02.11.15, hat Moskau hingegen Beweise dafür vorgelegt, dass das angeblich zerstörte Krankenhaus in Sarmin nach vollkommen unbeschädigt ist und aufgezeigt, dass es in den übrigen Dörfern, in denen angeblich ebenfalls Krankenhäuser bombardiert wurden, überhaupt keine Krankenhäuser gab.
Nachdem ARD-aktuell zunächst ebenso beweis- wie bedenkenlos verbreitet hatte, russische Kampfflugzeuge seien  „möglicherweise“ verantwortlich für das Krankenhausbombardement und die „bis zu 13 Toten“ in Sarmin (Zielrichtung dieser Beschuldigung: … Russland als ebenso schuldig dastehen lassen wie die USA wg. deren Kriegsverbrechen in Kundus, sowie Saudi-Arabien wg. seiner Verbrechen in Sadaa, Jemen), besitzt Chefredakteur Dr. Gniffke nun nicht einmal den journalistischen Anstand, über die Gegenbeweisführung Russlands in seinen Sendungen berichten zu lassen.
Widerrufe und Entschuldigungen für falsche bzw. manipulativ-irreführende ARD-aktuell-Berichterstattung unterbleiben in Tagesschau und Tagesthemen sogar dann, wenn Fehler objektiv nicht mehr zu leugnen sind. Nichts kann nach unserer Auffassung die antirussische Schlagseite in der Nachrichtenauswahl von ARD-aktuell nachdrücklicher hervorheben, als die hier nachweisliche selektive Berichterstattung.

Wir fordern Sie auf, prüfen zu lassen, ob ein Verstoß gegen die Programmgrundsätze und die Programmrichtlinien des Rundfunk-Staatsvertrags vorliegt.

Mit freundlichen Grüßen

Friedhelm Klinkhammer, Volker Bräutigam

Nachschrift: Allgemeine Erörterung:

Nachdem die Ärzteorganisation Médicines Sans Frontières (MFS) seinerzeit mit Foto- und Videodokumenten sowie mit Zeugenaussagen die Krankenhaus-Bombardements und Massaker der USA (Kundus) und Saudi-Arabiens (Sadaa) sofort gemeldet hatte, scheint es jetzt im propagandistischen Interesse „des Westens“ zu liegen, ähnliche Beschuldigungen auch gegenüber Russland zu erheben, und sei die Beweislage dafür auch noch so dürftig und fragwürdig. Wir halten Ausführungen dazu hier für angebracht, um denkbaren Reinwaschungsversuchen des ARD-aktuell-Chefredakteurs ein wenig vorzubeugen, die er unter Rückgriff auf neueste „Nachrichten“ über eine angebliche russische Verstrickung in Völkerrechtsbruch zu unternehmen versucht sein könnte.
Einzige originäre Quelle (29.10. 15) der jüngsten zumindest indirekten Anschuldigungen sind wiederum die MFS:

https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/syrien-vertreibungen-nach-eskalierender-gewalt-im-norden

Textauszug: „Infolge einer signifikanten Zunahme der Luftangriffe auf Krankenhäuser im Norden Syriens wurden mindestens 35 syrische Patienten und medizinisches Personal getötet und 72 Menschen verwundet. Das berichten Gesundheitsmitarbeiter, die von Ärzte ohne Grenzen in Syrien unterstützt werden. Seit der Eskalation der Angriffe Ende September wurden den ganzen Oktober hindurch zwölf Krankenhäuser in den Provinzen Idlib, Aleppo und Hama gezielt angegriffen. Darunter waren sechs von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Krankenhäuser. Insgesamt mussten sechs Krankenhäuser schließen, von denen drei von Ärzte ohne Grenzen unterstützt wurden. (…)“
Die Informationen über die bombardierten Krankenhäuser kommen demnach von syrischen „Gesundheitsmitarbeitern“, auf die sich die Organisation stütze, also nicht von  den MSF-Ärzten selbst; über die Verlässlichkeit ihrer Informanten äußern sich die MFS nicht. Die MFS beschuldigen allerdings auch keine der Kriegsparteien direkt.
Kommerzielle Nachrichtensender wie n-tv registrierten das immerhin und machten klar, man wisse nicht, wer die Kliniken bombardierte:

http://mobil.n-tv.de/politik/Luftangriffe-zielen-auf-Kliniken-in-Syrien-article16243656.html

Dass die Bombardements tatsächlich stattgefunden haben, zog n-tv aber wie alle übrigen Systemmedien nicht in Zweifel. Und der Deutschlandfunk, regierungsfromm wie gewohnt, formuliert sogar so, dass Rezipienten nahegelegt wird, dass russische Flieger die Schuldigen waren

http://www.deutschlandfunk.de/aerzte-ohne-grenzen-35-tote-bei-angriffen-auf.447.de.mhtml?drn:news_id=540781

Wie die vom „antirussischen Faktor“ noch halbwegs freien Meldungen der „Ärzte ohne Grenzen“ von transatlantisch getrimmten Medien wie SPIEGEL-online  propagandistisch verfärbt werden (ARD-aktuell verfährt methodisch nicht anders), wie missbräuchlich das ist und zu welchen Fehleinschätzungen es beim Rezipienten führt, ist bei Telepolis sehr verständlich beschrieben:

http://www.heise.de/tp/artikel/46/46413/1.html

Seriöse Journalisten würden allerdings überhaupt keine Information aus einem Kriegsgebiet a priori als glaubwürdig, objektiv zutreffend und berichtenswert ansehen, auch solche der Ärzteorganisation MFS nicht. Sondern im vorliegenden Falle bedenken: MFS behauptete „zunehmende Bombardements von Kliniken“ in Syrien erst am 29. 10.15 – und im Unterschied zu den sehr konkreten, mit ärztlichen Zeugenaussagen sowie Fotodokumenten belegten Nachrichten über Kundus und Sadaa ohne präzise Orts- und Zeitangaben.
Bemerkenswert: Erst nachdem die USA erwiesenermaßen absichtlich ein Krankenhaus in Afghanistan bombardierten und die Koalition der Saudis in Yemen sich des gleichen Völkerrechtsbruchs schuldig gemacht haben, fällt der Ärzteorganisation auf, dass auch in Syrien Derartiges in den vergangenen Wochen mehrmals passierte.
Es hätte also der journalistische Grundsatz zu gelten: Für alle Nachrichten über serienweise zerstörte Kliniken in Syrien muss es mindestens eine zweite unabhängige Quelle geben, sonst sind sie nicht verwendbar. Die MFS sind insoweit nicht über alle Zweifel erhaben.
Für sauberen Journalismus gilt: Keine Nachricht weitergeben ist immer noch besser, als eine unbewiesene und möglicherweise falsche Nachricht zu senden.


Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Jeydie — / — Gemeinfrei

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Politiker singen Flüchtlingssong

Erstellt von DL-Redaktion am 5. November 2015

[youtube LQ5X14Kl5-4]

Achtung – Nix für schwache Nerven

Politiker singen Flüchtlingssong – ein Schlager in die Magengrube

Wer bislang noch kein Mitleid mit Kriegsflüchtlingen hatte, der hat es nach diesem Lied bestimmt: Politiker von Linke, den Grünen und Piraten machen auf Band Aid – und singen einen Schlager zur Flüchtlingskrise.

Wie wird eigentlich Fremdscham hergestellt? Man nehme drei scheue Politiker, einen unvorstellbar glücklichen Schlagersänger, der auch schreiben kann, eine Prise Bob Geldorf, eine Extraportion Betroffenheit und ein schnödes Impro-Studio in kräftigem Beige. Und dann stellt man ein Mikrofon mittenrein. Das Ergebnis ist ein Lied – nein: ein „Song“! – über Kriegsflüchtlinge. Ein echter Schlager in die Magengrube.

Mit dem Ausdruck feierlicher Ergriffenheit in Augen und Stimme singen Fabio Reinhardt von den Piraten, Hakan Taş von der Linken, Thomas Birk von den Grünen und der Schlagersänger Donato Plögert über das Leid der Flüchtlinge – und über die Erlösung, die die Zielländer ihnen bieten kann. Für die Liebe und das Leben (so, wie eben jeder Schlagersong) und gegen Hass und Angst und Gewalt und Krieg und all das. „Sie wollen weiter nichts als leben, weil nur das noch ihnen blieb. Denn sie fliehen aus ihrer Heimat vor Gewalt und Glaubenskrieg“, erklärt der Text dem aufmerksamen Hörer.

„Wer Assad entkommen ist, übersteht auch diese vier Minuten“

Quelle: Stern >>>>> weiterlesen

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Der DL Küchenchef empfiehlt

Erstellt von Stapel am 30. Oktober 2015

Einfach lecker – schnell und günstig

Ja ist denn schon wieder Weihnachten? Für die Industrie beginnt das Fest der Liebe anscheinend jedes Jahr früher, überall sind Spekulatius, Zimtsterne und, und, und, schon seit Wochen zu finden.

Auch wenn es mir nicht passt, so kann ich dem doch etwas positives abgewinnen, es gibt nämlich auch „Glühwein“ und dazu habe ich ein tolles Rezept, das ich Euch ans Herz legen möchte.

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„Ein ganz besonderer Braten“

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2Kg Nackenbraten ( Schwein ) ohne Knochen

1 Flasche Glühwein

Sauerbratengewürz

Wurzelgemüse, Zwiebeln

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Die Hälfte des Sauerbratengewürzes leicht anmörsern und mit einem halben Liter Wasser aufkochen, noch heiß über das Fleisch gießen und mit Glühwein auffüllen. 3 bis 4 Tage abgedeckt im Kühlschrank ziehen lassen.

Trocken machen, salzen und pfeffern und am besten in Butterschmalz von allen Seiten scharf anbraten, rausnehmen und im Fett eine Zwiebel und 100 g Wurzelgemüse anschwitzen, etwas Tomatenmark und etwas Mehl zugeben, dann mit der Glühweinbeize aufgießen, das Fleisch zugeben und im Ofen 90 Minuten bei 200 Grad schmoren lassen. Zwischendurch kontrollieren ob Flüssigkeit zugegeben werden muss.

Die Soße durch ein Sieb geben, eventuell noch etwas andicken, fertig!

Was Ihr dabei essen wollt, solltet Ihr selber wissen, am besten was Euch persönlich schmeckt, oder was man gemeinhin zu einem Sauerbraten essen würde.

Guten Hunger!

Detlef Stapel

P.S. Glühwein gibt es auch für Kinder !!

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Fotoquelle: Wikipedie .

Nackenbraten : – Author Rainer Zenz — / —  CC BY-SA 3.0

Zwiebeln :  — / — CC Attribution NonCommercial Unported 3.0

Glühwein : Urheber Loyna — / — CC BY-SA 2.5

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Eine Lanze für … Akif Pirinçci

Erstellt von DL-Redaktion am 30. Oktober 2015

Sehr mutig, so offen seinen Schritt zu zeigen

Der irre Exschriftsteller wird hierzulande wohl kein Bein mehr auf den Boden bekommen. Wohin kann er dann bloß gehen?

von Arno Frank

Jahrelang habe ich die Junge Welt mit der Jungen Freiheit verwechselt, aber wie’s so ist mit Abonnements – sobald die einen erst mal bei den Eiern haben, kündigt man nicht mehr so mir nichts, dir nichts. Auch wäre es geistig nicht erfrischend, in der Zeitung immer nur das grünlinksversiffte Gutzeug zu lesen, das ich mir sowieso dauernd denke. Die Junge Freiheit jedenfalls hat Akif Pirinçci angerufen und gefragt: „Mensch, Akif, dumm gelaufen. Wie steckst du’s weg? Alles fit im Schritt?“

Und dann sagt Akif Pirinçci, nee, überhaupt nicht fit, er mache jetzt den Heinrich Heine. Verkaufe sein Haus, locke seine Katzen in die Transportbox und setze sich ins Ausland ab, wo er sich vermutlich ein neues Haus kaufen und seine Katzen wieder frei rumlaufen lassen könne, ohne dass sie auf der Straße gleich als „Faschistenkatzen“ bepöbelt würden. Wohin es gehen soll, sei noch geheim. Pacific Palisades, wie Thomas Mann und Bertolt Brecht? Dschidda, wie Idi Amin? Sankt Helena im Atlantik? Oder gleich weiter ins antarktische Neu­schwa­ben­land? Die Junge Freiheit wird mich hoffentlich auf dem Laufenden halten.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Metropolico.org — / — CC BY-SA 2.0

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Es ist alles noch viel schlimmer

Erstellt von DL-Redaktion am 27. Oktober 2015

Der rechte Platz für alle politischen Volksabzocker

Wer das Magazin der Senioren-Union der CDU liest, muss sich fürchten. Der Weltuntergang steht anscheinend kurz bevor. Nur einer könnte die Rettung bringen: ein freundlicher Goldverkäufer. Doch der geht nicht ans Telefon.

Friederike Haupt

Die Senioren-Union der CDU gibt ein Magazin heraus, es heißt „Souverän“. In der aktuellen Ausgabe erfahren die Leser, wie schlecht es Deutschland geht. Nämlich wahnsinnig schlecht. Auf dem Titelblatt steht dick: „Das System steht vor dem Kollaps.“ Das bezieht sich auf Flüchtlinge. Aber es passt zu fast allen längeren Artikeln im Heft. Der über Flüchtlinge heißt sicherheitshalber noch mal: „Der Zusammenbruch des Systems naht.“ Auch das Ende des Christentums in Deutschland droht, wie aus zwei Texten zu erfahren ist. Und besonders schlimm: Das Bargeld wird vielleicht abgeschafft. Kurzum, bald ist es vorbei mit allem, was älteren Menschen Sicherheit gibt. Schreibt die Senioren-Union. Und legt ihrem Heft einen Brief bei, der Rettung verheißt.

Aber er rettet keinen, ganz im Gegenteil. Der Brief ist ein Werbetrick. Sein Absender ist eine Firma. Sie nutzt die Ängste und die Arglosigkeit alter Leute, um Geld zu verdienen. So etwas passiert natürlich ständig, landläufig nennt man das Abzocke und fachsprachlich Demenzmarketing. Was allerdings selten passiert, ist, dass eine Partei ihre eigenen Mitglieder dafür hergibt, also verkauft. Und die Politik der eigenen Bundeskanzlerin gleich dazu.

Der Brief sieht gut aus, seriös und geheimnisvoll. Er besticht durch ein originelles Detail: In seinem Sichtfenster klebt eine Münze, ein echtes Eincentstück. Auf dem Papier darunter erscheinen die Federn des Bundesadlers in Hellgrau. Wer das Kuvert öffnet, liest nun, ihn erwarte „ein besonderes Dankeschön für die Mitglieder der Senioren Union“. Dankeschön wofür bloß? Es gibt nur eine einzige Erklärung: für die Treue zur Senioren-Union. Und so steht es dann auch im Text. „Speziell für Sie als treue Mitglieder der Senioren Union haben wir heute ein ganz besonderes Dankeschön.“ Gemeint ist die Möglichkeit, eine golden glänzende Bismarck-Medaille für 12,90 Euro zu kaufen statt für 59,90. Dazu gibt es eine vergoldete D-Mark geschenkt. Absender ist Andreas Bergmann, Leitung Leser-Service, seine Unterschrift ziert den Brief. Auch eine Visitenkarte mit Foto hat er beigelegt.

Herr Bergmann lächelt ein Schwiegersohnlächeln. Dabei gibt es ihn gar nicht. Aber das weiß fast keiner. Er scheint für die Senioren-Union zu arbeiten. Das muss man jedenfalls annehmen, weil deren Name allein fünfmal auf dem Brief steht. Und welche sogenannte Abteilung Leser-Service soll Herr Bergmann denn leiten, wenn nicht die des Magazins „Souverän“ der Senioren-Union? In dem blättert man schließlich gerade.

Quelle : FAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Bernd Schwabe in Hannover — / — CC BY-SA 3.0

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Die Hilflosen Helfer

Erstellt von Rationalgalerie am 23. Oktober 2015

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Die Hilflosen Helfer

Fernando Leon de Aranoas Film „A Perfect Day“

Autor: Hans-Günther Dicks
Datum: 22. Oktober 2015

Eigentlich hat dieser Film alles, was ein Action-Kassenknüller braucht: Verfolgungsjagden, jede Menge Kriegsgerät und grimmige Uniformierte, wilde Kriegsschauplätze, Männer mit Affären, ein Kind zwischen den Fronten. Dazu temporeiche Inszenierung mit schnellen Szenenwechseln und eine hochkarätige Hollywood-Besetzung. Eines fehlt ihm: ein Regisseur, der alles das zu sattsam bekanntem Popcornkino zusammenrührt. Zum Glück. Denn der spanische Regisseur Fernando Leon de Aranoa – man erinnert sich seiner herrlichen Straßenstrich-Komödie „Princesas“ (2005) – weiß die Mainstreamzutaten souverän für Substanzielleres zu nutzen. Mit „A Perfect Day“, seinem ersten in Englisch gedrehten Film, bewegt er sich gleich im doppelten Sinne auf vermintem Gelände. Seine Protagonisten, vier Mitarbeiter einer NGO-Hilfsorganisation, müssen im Bosnienkrieg ständig auf der Hut sein vor Sprengfallen, die unter toten Kühen auf ihrem Weg lauern könnten, gerade so wie seine bitterböse Kriegssatire den schmalen Grat zwischen Geschmacklosigkeiten und falschem Pathos finden muss.

Vor solchem politisch brisanten Hintergrund ist schon der Filmtitel zwangsläufig der pure Sarkasmus. Eine aufgeschwemmte Leiche in einem Brunnen, mit der den Dorfbewohnern das Trinkwasser vergiftet werden soll, und dann ringsum Ablehnung und Schulterzucken auf die Frage nach einem Ersatzseil, mit dem man den feuchten Fettwanst wieder herausziehen will – so beginnt dieser „perfekte“ Tag für Mambrú (Benicio del Toro), den Sicherheitschef eines multinationalen Hilfstrupps der NGO „Aid Across Borders“. Sein Partner B (Tim Robbins) hat sich aus dem Frust seines Jobs in privates Herumphilosophieren geflüchtet, und die junge Assistentin Sophie (Mélanie Thierry) erlebt schon bei ihrem ersten Einsatz, wie rasch ihre naiven Vorstellungen von humanitärer Hilfe an der rauhen Wirklichkeit abprallen. Probleme über Probleme also für das Trio, das schon mit der Schlichtung des Streits um einen geklauten Fußball völlig überfordert ist; was kann Mambrús Appell an die Moral schon ausrichten, wenn der Halbwüchsige, der dem kleinen Nicola den Ball geklaut hat, eine geladene Pistole zückt? Und zu allem Unglück taucht auch noch Mambrús Exgeliebte Katja (Olga Kurylenko) am Schauplatz auf – mit dem Auftrag, die Arbeit der drei zu „evaluieren“, was sie auch Mambrús daheim gebliebener Frau triumphierend mitgeteilt hat…

Aranoas Film weckt Erinnerungen an Robert Altmans brillante Kriegslazarett-Groteske „M.A.S.H.“ von 1970, aber der 1968 in Madrid geborene Regisseur und Coautor geht in seiner politischen Klarheit deutlich über sie hinaus, indem er in kleinen, nur scheinbar marginalen Szenen auch die Adressaten solcher Hilfsaktionen in das Geschehen einbezieht. Mit wenigen Strichen skizziert er die Absurdität der am NGO-Schreibtisch ersonnenen Hilfsmaßnahmen: Eine alte Bäuerin vertraut auf ihrem Weg durch das verminte Gelände dem Spürsinn ihrer Kühe – und zeigt so nebenbei Mambrús Trupp den sicheren Weg. In den verkohlten Trümmern von Nicolas Dorf finden sie zwar das gesuchte Seil, aber daran hängt noch ein angriffswütiger Hund, während sich der Zyniker B in die Phantasie einer „Welt-Hauptstadt der Seile“ steigert. Und wenn das tapfere NGO-Trio am Ende seinen Kampf um den Brunnen nicht gegen die störrischen oder geschäftstüchtigen Dörfler, sondern gegen UN-Diplomaten und ihre Blauhelm-Offiziere verliert, bringt ausgerechnet eine Naturkatastrophe die schlichte Lösung.

Nein, Mambrú und seine Leute sind keine arroganten Besatzer, die wie Herrenmenschen die Einheimischen um jeden Preis mit ihrer „freedom & democracy“ beglücken wollen. Sie sind nur deren willige Helfer, die um ihre Hilflosigkeit wissen und dennoch „funktionieren“ wollen. Sophie wird bei einer Unterrichtung im Hauptquartier mit ihrem Beharren auf die Rechtslage vom leitenden Offizier barsch abgekanzelt – und kuscht. Mambrú hindert seine alte Affäre mit Katja daran, resoluter gegen deren Einschüchterungsversuche aufzutreten, und B fordert von ihm gar, er soll Katja „vögeln für das bosnische Volk“. Über allem Tun der Helfer schwebt zudem – neben der alltäglichen Lebensgefahr durch Sprengminen – stets das Risiko, ein Umschwung der politischen Großwetterlage könnte über ihre Köpfe hinweg die Zielvorgaben ins Gegenteil verkehren.

In solchem Klima gedeihen keine Helden, wie sie das Actionkino liebt. Aranoas Figuren sind Musterbeispiele für das so oft beschworene „einfache Volk“, das sich, wenn auch widerstrebend, damit abgefunden hat, als Manövriermasse höherer Interessen zu dienen, auch wenn es später oft genug die Niedrigkeit solcher Interessen hat erkennen müssen. Zugleich sind sie geprägt von einer Weltsicht, in der die Ökonomie in allen Lebensbereichen regiert und Fragen von Recht und Moral zweitrangig macht. Auf ihrer Hilfsmission – welch ein herrlich verräterischer Begriff! – begegnen sie Menschen, die ihrer Hilfe in dieser Form nicht bedürfen, weil sie sich im alltäglichen Kampf ums Überleben nüchternen Pragmatismus und archaische Moral bewahrt haben. Mambrús Helferstolz scheint sichtlich geknickt, als der clevere Nicola den gerade erst zurück erkämpften Fußball für schnöde zehn Dollar weiter verscherbelt, und doch fällt ihm am Ende wiederum nur eine Dollarlösung ein, um Nicola vor einem Trauma zu bewahren. Ein geradezu subversiver Schluss für einen hoch politischen Film – und einmal mehr eine Lektion für Hollywood, das solche Blutzufuhr aus Europa offenbar dringend braucht.

Der Film ist ab heute in den Kinos.

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Feigheit in Dresden, Mut in Berlin

Erstellt von Rationalgalerie am 22. Oktober 2015

Die deutsche Nation meldet sich zurück

Autor: U. Gellermann
Datum: 22. Oktober 2015

Außer zu bierseligen Fußballmeisterschaften und den Badetücher-Schlachten tapferer Deutscher gegen Engländer auf Mallorca hatte sich die deutsche Nation eigentlich abgemeldet. Sie war bis 1990 auf zwei Territorien aufgeteilt und das bekam ihr nicht schlecht: Das deutsche Wesen wusste halbwegs um seine historische Schuld an der Vernichtung verschiedener Völker und einer Religionsgemeinschaft und hielt in der Genesungsfrage zumeist den Mund. Das bekam seinen Nachbarn gut, aber auch den Deutschen selbst. Brav ordneten sie sich der jeweiligen Großmacht – in deren Einflussbereich sie lebten – unter und waren jedenfalls keine Gefahr mehr. Das sollte sich mit der „Deutschen Einheit“ ändern.

Als ob es tatsächlich und plötzlich eine Deutsche Einheit gegeben hätte. Es gab von Beginn an ein Oben und ein Unten, ein Arm und ein Reich, die Habe-alles und die Habe-nichtse. Und doch existierte eine Art Klammer um die völlig gegensätzlichen Gruppen im selben Land: Die Nation. Was dem Einzelnen als gewollt erscheint, ist ein historisches Zufallsprodukt. Die Saarländer könnten auch Franzosen geworden sein, die Schleswig-Holsteiner Dänen, und die Slawen siedelten bis zum 13. Jahrhundert auf etwa einem Drittel des heutigen Deutschland. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts starb im Wendland eine slawische Sprache aus: Das Drawänopolabische. Aber diese nationale Zufälligkeit, von gemeinsamer Sprache, Geschichte und einem gemeinsamen Gebiet existiert. Die Nation ist zu einem eigenen Wert geworden, zu einer gesellschaftlichen Kategorie und verlangt deshalb Beachtung.

Schon lange existiert das Wort „Anti-Amerikanismus“ als Kampfbegriff gegen jede kleine Regung nationaler Eigenständigkeit. Er entstand in der alten Bundesrepublik, als sich in der Bewegung gegen den Vietnamkrieg die Enttäuschung über das, was man für die US-Demokratie gehalten hatte, als dummes Zeug, als Tarnanzug des Imperialismus herausstellte. Es waren zumeist jüngere Menschen in amerikanische Jeans und nicht selten in Parkas der US-Armee gekleidet, die in Sprechchören wie „USA-SA-SS“ einen Zusammenhang zwischen der imperialistischen Vergangenheit der Deutschen und der imperialistischen Gegenwart der Amerikaner herstellten. Sie wurden mit der Beschuldigung des „Anti-Amerikanismus“ unversehens als Nationalisten gebrandmarkt, aus dem westlichen Bündnis ausgeschlossen und zu gesellschaftlichen Parias gestempelt. Dass sie sich als Freunde der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung begriffen, half ihnen nichts: Sie waren mit den falschen Amerikanern befreundet.

Der Begriff des Anti-Amerikanismus war nie weg. Gern tauchte er im Umfeld US-amerikanischer Kriege auf und wurde gegen deren deutsche Gegner eingesetzt. Der arme Gerhard Schröder zum Beispiel, als Kanzler ein braver NATO-Verfechter, wurde flugs öffentlich zum Anti-Amerikaner erklärt, nur weil er keine deutschen Truppen für den Irak-Krieg zur Verfügung stellte. Sein eher taktisches Verhalten erklärte man zum „nationalen Alleingang“. Und da war sie schon wieder, die Nation. Einen Aufschwung erlebt der Nationalisten-Verdacht gerade im Umfeld der Auseinandersetzungen um das TTIP-Abkommen: Von der FAZ über die ZEIT bis zum Deutschlandfunk, gern werden die Gegner des TTIP in die Schublade des „latenten“, des verborgenen, des schwärenden Anti-Amerikanismus gesteckt. Ja, die Bewegung gegen das TTIP-Abkommen ist gegen die amerikanische Regierung und deren europäische Partner gerichtet. Und die weitaus meisten Unterschriften dagegen kamen aus Deutschland.

Die Berliner Anti-TTIP-Demonstration war – erkennbar an ihren Sprüchen – ebenso heiter wie „anti-amerikanisch“. Vom rumgedrehten Obama-Spruch „Yes we can stop TTIP“, über die Karikatur eines Uncle Sam, der bedrohlich „I want Europe“ ruft bis zum Plakat das „Nein zu NATO und TTIP“ sagte, war die Auflehnung der Kleinen, der Deutschen und der Europäer, gegen die große amerikanische Macht zu erkennen. Dass erhebliche Teile der deutschen Unternehmer gute Freunde des Abkommens sind, verweist erneut auf die Fragwürdigkeit der „deutschen Einheit“ und darauf, dass ab 100.000 Euro Jahreseinkommen aufwärts der Anteil vaterlandsloser Gesellen deutlich wächst. Aber natürlich gibt es spezifisch deutsche Interessen, die gewahrt werden müssen. Vor den eigenen Gerichten, in der eigenen Sprache sein gutes Recht zu verteidigen, gehört ebenso dazu, wie der Raum für die eigene Kultur, wenn es zum Beispiel darum geht, dem deutschen Film seinen Platz gegen die US-amerikanischen Blockbuster zu erkämpfen. So war es in Berlin.

„Alibaba und die 40 Dealer“ konnte man auf der Dresdner Pegida-Aktion lesen und wusste: Der Ausländer ist immer der Verbrecher. Auch das von den NSU-Mördern und anderen Nazis benutzte Wort „Heimatschutz“ stand dort geschrieben und natürlich wurde die „Ausweisung Krimineller“ gefordert ohne jeden Hinweis auf die Banken und die Waffenindustrie. Und damit der Nazi-Text komplett wurde, gab es auch Plakate wie „Islam = Karzinom“. All das wurde vom chorischen Ruf „Abschieben – Abschieben“ begleitet. Das gibt sich als deutsche Opposition aus und ist doch nur die Nachgeburt diverser Regierungen, die immer schon für „schnelle Abschiebung“ waren. Das ist eine Bewegung in der Nachfolge der im Staatsdienst gut dotierten Sarrazins, Buschkowskys, Seehofers und Schilys. Während man sich im Anti-TTIP-Berlin mit der großen Macht anlegte, trampelten die gefährlichen Phrasendrescher in Dresden feige auf Flüchtlingen herum, die sie noch unter sich glauben und deren Hilflosigkeit der Hintergrund ihrer Hasstiraden ist.

Spätestens bei der Ausblendung der Fluchtursache wurde die Ähnlichkeit von Merkel und Pegida deutlich: Die US-amerikanischen Kriege werden von beiden nicht thematisiert. So kann die eine Seite jene Barmherzigkeit demonstrieren, die aber keine Heilung des Kriegs-Elends verspricht, weil sie sich nicht mit der US-Regierung anlegen will. Während die andere Seite Opposition vortäuscht und doch nur Klon der bundesdeutschen Ausländerpolitik ist. Beide haben mit dem nationalen Interesse der Deutschen – mit ihren Nachbarn in Frieden zu leben und aus ihrer Geschichte zu lernen – nichts zu tun. Besonders skurril wird es allerdings, wenn Linke die Nation als ihren Feind begreifen. So wirbt die Zeitung „Neues Deutschland“ online mit dem Spruch sie sei „Links, nicht deutsch“. Ja, wie blöd ist das denn? Sind die Kollegen vielleicht Luxemburger oder Schweizer? Nein, man ist auf der Flucht vor der besonderen deutschen Verantwortung. Man glaubt, man könne sich da rausmogeln und wenn man aus der Nation ausgetreten und nur noch links sei, dann begänne das feine Leben. Das erinnert stark an jene Damen der besseren Gesellschaft, die gestern noch Hanna hießen, sich aber heute gern Channah rufen lassen und glauben, so könne man aus der Täter- in die Opfer-Rolle schlüpfen. – Da es sie nun mal gibt, die Nation, sollte man ihrem mutigen Teil applaudieren und ihren feigen Teil verachten.

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Fotoquelle : Wikipedia – Author cs:Wikipedista:Li-sung –/– CC BY-SA 2.5

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