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RENTENANGST

Zerstörung in Rekordtempo

Erstellt von DL-Redaktion am Mittwoch 17. August 2022

Willkommen in Ihrer neuen Realität

Wann guckten Politiker-Innen denn Intelligenter aus ihren Palästen ?

Eine Kolumne von Christian Stöcker

Viele Menschen wähnen sich in einer Welt, die längst nicht mehr existiert. Einer stabilen Welt, mit Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Berechenbar, planbar. Darunter sind leider weite Teile der politischen Elite.

»Wir machen weiter bis zum letzten Mann, jedes Molekül Kohlenwasserstoff wird herausgeholt.«
Abdulaziz bin Salman, der saudische Energieminister im Jahr 2021 

»Wir werden es ausbeuten, wir werden es fördern, wir werden es verkaufen, wir werden es zu Geld machen.«
Didier Budimbu, der Kohlenwasserstoffminister der Demokratischen Republik Kongo im Jahr 2022

Die katastrophalen Auswirkungen der Klimakrise sind inzwischen so überdeutlich, dass man schon gewaltige Anstrengungen unternehmen muss, um sie weiterhin zu ignorieren oder ihre Ursache zu leugnen (trotzdem wird man das im Forum zu dieser Kolumne wieder beispielhaft beobachten können). Spanien und Portugal vertrocknen, Rhein und Loire führen so wenig Wasser, dass sie mancherorts wie Wüsten- oder Wattlandschaften  aussehen, in weiten Teilen Europas ächzte man wochenlang unter nie dagewesener Hitze. Die Dürre verursacht Brände, gefährdet Ernten und treibt Land- und Forstwirte zur Verzweiflung. Die deutschen Gletscher schmelzen ihrer Vernichtung entgegen.

Erinnern Sie sich noch an die Leute, die Greta Thunberg »hysterisch« fanden?

Und das ist nur die Lage in Europa. In den USA trocknet etwa das gigantische durch den Hoover-Damm geschaffene Wasserreservoir Lake Mead in Nevada aus und legt die Skelette vor Jahrzehnten Ermordeter  frei. Derzeit liegt der Füllstand noch bei 27 Prozent. Im benachbarten Kalifornien brennt wieder einmal der Wald  und zwar bereits seit Wochen. Mehr als 36 Quadratkilometer Baumland sind schon verbrannt.

Auf Sand gebaut, buchstäblich

Anderswo gibt es nicht zu wenig Wasser, sondern zu viel. In Florida etwa kann man schon jetzt viele Häuser kaum noch oder gar nicht mehr versichern  – nicht nur, aber auch wegen der Gefahr durch steigende Meeresspiegel und immer extremere Hurrikane. Insgesamt, stellte die »Union of Concerned Scientists« schon 2018  fest, sind mindestens 300.000 Privathäuser und 18.000 Gewerbeimmobilien in den USA bis 2045 von »permanenter Überflutung« bedroht. Der Gesamtwert der buchstäblich dem Untergang geweihten Gebäude an den Küsten wurde damals auf über 130 Milliarden Dollar geschätzt. Zu erwartende Hurrikanschäden sind da noch nicht mit eingerechnet.

Auch auf der anderen Seite des Globus, in Korea zum Beispiel, gibt es gerade zu viel Wasser. Seoul hat eben die heftigsten Regenfälle seit 115 Jahren erlebt.  Mindestens neun Menschen starben. Südkoreas Präsident Yoon Suk-yeol sagte: »Wir können diese extremen Wetterlagen einfach nicht weiterhin ungewöhnlich nennen.«

»The new normal«? Weit gefehlt

Der Mann hat recht. Was gerade passiert, ist nicht mehr ungewöhnlich. Es ist aber auch nicht »der neue Normalzustand«, wie mancherorts gerade öfter zu lesen oder zu hören ist. Wir haben es mit etwas völlig anderem zu tun.

Vielen Menschen scheint nach wie vor nicht bewusst zu sein, in welch einer klimatisch friedlichen, außergewöhnlich menschenfreundlichen Zeit die menschliche Zivilisation entstanden ist. Und dass diese friedliche, stabile Zeit gerade endet. Verursacht durch uns, die Menschheit. Genauer: verursacht vor allem durch die gegenwärtige und historische Bevölkerung des sogenannten Globalen Nordens im erdgeschichtlich betrachtet wirklich winzigen Zeitraum von gut 200 Jahren. Die einzigen Ereignisse, die sich nur halbwegs mit dem Zerstörungstempo menschlichen Handelns vergleichen lassen, sind Asteroideneinschläge.

So wie der, der die Dinosaurier vor 66 Millionen Jahren ausrottete. Er verursachte das fünfte Massenaussterben der Geschichte. Wir verursachen gerade das sechste. 

Vom Kühlhaus zum Treibhaus in einem Wimpernschlag

Das sogenannte Holozän mit seinem stabilen, berechenbaren, menschen- und zivilisationsfreundlichen Klima begann vor etwas weniger als 12.000 Jahren, am Ende der letzten Eiszeit. Noch immer aber leben wir, auch wenn das die meisten nicht so wahrnehmen, auf einer »Kühlhaus-Erde«, wie der Paläontologe Thomas Halliday das in seinem faszinierenden Buch »Otherlands« nennt, das vom Wandel von Ökosystemen im Lauf der Erdgeschichte handelt.

Quelle        —        Spiegel-online        >>>>>       weiterlesen
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Grafikquellen          :

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