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Wenn Schurken Schurken bomben

Erstellt von Gast-Autor am Donnerstag 14. August 2014

Wie man im Irak einen Brand mit Benzin löscht

Autor: U. Gellermann

Rationalgalerie

Datum: 13. August 2014

Frank-Walter Steinmeier will auch dabei sein: Gerade jetzt, wo bekannt geworden ist, dass nicht nur die USA, sondern auch der Iran jene kurdische Miliz, die im Irak gegen die Gruppierung „Islamischer Staat (IS)“ kämpft, mit Waffen-Lieferungen unterstützt, meldet sich der deutsche Außenminister: „Ich bin angesichts der dramatischen Lage (im Irak) dafür, bis an die Grenzen des politisch und rechtlich Machbaren zu gehen“. Es deutet sich eine große Koalition der Schurken gegen die Schurken an: Der Iran wurde sehr lange von den USA als Schurkenstaat bezeichnet. Ganz sicher sind es aber die USA, die – ob im Irak oder in Libyen – mit offenkundigem Engagement den Schurken gaben. Jetzt hat der „Islamische Staat“ diese Rolle erfolgreich übernommen. Und wer von den Untaten dieser Gruppe weiß, der ist geneigt, einer schnellen Abwehr mit Waffen zuzustimmen. Aber die Verbrechen des „IS“ (früher ISIS) sind nicht neu. Ganz alte Bekannte sind auch deren Finanziers in Katar und Saudi-Arabien. Folgte man also der Logik der Bomben-Problem-Lösung, dann müssten schnellsten Riad und Doha gebombt werden. Auch Istanbul und Washington zu bomben, wäre – immer nach der Viele-Bomben-helfen-viel-Theorie – nicht völlig falsch. Was zu beweisen ist.

Unstrittig liegt die Entstehungsgeschichte des „IS“ im Krieg der USA gegen den Irak. Wie häufig nach den zumeist völkerrechtswidrigen Kriegen der Vereinigten Staaten gab es auch im Irak den Wechsel von einer schlechten Regierung zu einer anderen schlechte Regierung. Wurden vor dem Krieg die Schiiten von den Sunniten unterdrückt, so kehrte sich das Verhältnis danach um. Kosten der Umkehrung: Ein kaputter Staat und etwa eine halbe Million Tote im Gefolge des Krieges. Die nun bedrängten Sunniten folgten der importierten Terror-Logik: Von den fast täglichen Autobomben bis zum „Islamischen Staat“. Man darf davon ausgehen, dass ein Leben in Bagdad vor dem Krieg sicherer war als heute.

Doch nicht nur die kaputten Verhältnisse im Irak waren die Geburtshelfer des „IS“. Auch der Syrien-Krieg gab der brutalen, vorgeblich religiösen Gruppe heftigen Auftrieb. In Syrien war der „IS“ eng mit der Anti-Assad „Nusra-Front“ verbunden. Die bekam mindestens eine Milliarde Euro aus dem mit den USA liierten Katar. Aus Saudi Arabien wurde nicht weniger für den heiligen Kampf gegen ein laizistisches System gespendet, dessen religiöse und ethnische Minderheiten bis heute eher dem alten Syrien zuneigen als einem möglichen neuen, das die USA im syrischen Bürgerkrieg gern durchgesetzt hätten. Dieses Ziel teilte auch die türkische Regierung, angeführt von einem zunehmend großmächtigeren Recep Tayyip Erdogan, die den Radikal-Islamisten ihre Waffen- und Kämpfer-Nachschub-Routen sicherte und deren Verwundete in türkischen Krankenhäusern aufnahm. Offenkundig unter dem zumindest symbolischen Schutz deutscher Patriot-Raketen an der türkisch-syrischen Grenze. Ob „IS“, Nusra Front oder freiberufliche Kämpfer im syrischen Bürgerkrieg: Alle trafen und treffen sich unter dem Dach der „Freien Syrischen Arme“. Die wiederum ist mit dem „Syrischen Nationalrat“ verbunden, der von einer ganzen Reihe westlicher Staaten als legitime Vertretung Syriens anerkannt wird. Fraglos gehören dazu auch wesentliche Teile deutscher Medien, die immer schon wussten, dass Assad böse, „die Opposition“ inklusive des „IS“ aber gut war. Wenn zwischendurch mal der international renommierte Journalisten Seymour Hersh in der „London Review of Books“ berichtete, dass die Nusra-Front („IS“) Zugang zum Nervengas Sarin habe, dann konnte dies die deutsche Regierung und deren Medien nie und nimmer beirren.

Bisher löschen die USA und ihre Epigonen, für die Steinmeier zu gerne „an die Grenzen“ ginge, den Brand im Irak mit Benzin. Zur echten ersten Hilfe würde es gehören, die Zügel der Regierungen in der Türkei, in Katar und Saudi Arabiens anzuziehen und die Basis des „IS“ in Syrien zu zerstören. Erst dann kann eine militärische, von der UN mandatierte Hilfe wirksam werden. Zumal die nächste Bomben- oder Waffen-Lieferungs-Adresse Bagdad sein könnte: Denn der aktuelle irakische Ministerpräsident, Al Maliki, lässt zur Zeit Panzer auffahren, um einen konkurrierenden Regierungs-Chef zu verhindern. So ist es wenn Schurken Schurken bomben.


Grafikquelle    :     Ein Autobombenanschlag in Süd-IrakSPC Ronald Shaw Jr., U.S. ArmyDOD Defense Visual Information Center

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