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Weltklimagipfel in Glasgow

Erstellt von DL-Redaktion am Sonntag 31. Oktober 2021

Vier weit verbreitete Irrtümer

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Außer Spesen für anwesende Idioten war nichts gewesen?

Von Susanne Schwarz

Die Fachbegriffe der Klimapolitik sind oft kryptisch, die Konflikte schwer überschaubar. Wir klären über die wichtigsten Fehleinschätzungen auf.

Irrtum 1: Klimagipfel geht um Klimaschutz

Klimaschutz ist Sinn und Zweck von Klimakonferenzen. So weit, so richtig. Aber das heißt nicht, dass die Zehntausenden Be­su­che­r:in­nen dieser Veranstaltungen darüber diskutieren, wo demnächst ein Windrad gebaut und ein Kohlekraftwerk abgestellt wird – dass es also im praktischen Sinn darum geht, wie die Emissionen rapide auf null kommen.

In diesem Jahr beginnt das wie üblich zweiwöchige Programm mit einem politischen Punkt: dem World Leaders Summit. Gleich am Montag und Dienstag reisen zahlreiche Staats­che­f:in­nen an, um die neuen Klimaziele ihrer Länder vorzustellen. Es ist ein bisschen wie die Stunde der Wahrheit für das Paris-Abkommen, das auf Freiwilligkeit aufbaut, also jedem Staat seinen Beitrag zum globalen Klimaschutz freistellt.

Im Konferenzjargon ist die Rede von NDCs, was für „na­tio­nally determined contributions“ steht. Diese nationalen Klimaziele müssen alle fünf Jahre aktualisiert werden. Das war gerade dran. Zur Debatte steht der Inhalt der präsentierten NDCs dann allerdings nicht. Dabei ist schon klar, dass sie gegenüber vorindustriellen Zeiten auf eine viel zu starke Erderhitzung von 2,7 Grad bis zum Jahr 2100 hinauslaufen.

Verhandelt wird hingegen an den letzten Fragen eines Regelwerks zum Paris-Abkommen. In diesem stehen zum Beispiel Vorgaben zur Transparenz: Welche Daten zu Wirtschaft und Emis­sio­nen müssen Länder in welcher Form erheben und offenlegen? Welche Informationen müssen die NDCs enthalten? Die große offene Frage geistert unter dem Schlagwort „Article 6“ durch die Klimawelt. Es geht dabei um Regeln für den Handel mit Klimaschutz, den der Artikel 6 des Paris-Abkommens grundsätzlich erlaubt. Sprich: Ein Land darf prinzi­piell in einem anderen Land Klimaschutz finanzieren und sich den Effekt selbst anrechnen. Im Idealfall würden reiche Länder das in Betracht ziehen, wenn ihnen zu Hause wirklich nichts mehr zum Verbessern einfällt – und in armen Ländern würden sie so das Geld für teure Maßnahmen bereitstellen, die dort sonst nicht stattfinden können.

Dieses Prinzip ärgert viele Klimaschützer:innen, denn sie bezweifeln, dass es je zu diesem Idealfall käme. Stattdessen befürchten sie, dass sich Regierungen sich ihre Klimabilanzen mit Handelsspielchen schön rechnen wollen. Es gibt auch durchaus Länder, die offen Interesse an Schlupflöchern bekunden: Brasilien will beispielsweise Doppelzählungen erlauben. Beide beteiligten Länder könnten sich den gekauften Klimaschutzerfolg dann anrechnen. Mit dieser Forderung steht das Land zwar allein da, es gibt aber weitere Verwässerungsvorschläge, die auf mehr Unterstützung rechnen können. Und: Bei den Klimaverhandlungen muss alles einstimmig beschlossen werden. Das führt dazu, dass auch ein einzelnes Land den Prozess blockieren kann.

Irrtum 2: Seit Paris gilt das 1,5-Grad-Ziel

Jedes Zehntelgrad zählt: Ob die Erde sich gegenüber vorindustriellen Zeiten um 1,5 oder um 2 Grad aufheizt, macht einen großen Unterschied. Es ist mehr und heftigeres Extremwetter zu erwarten, es drohen mehr Hungersnöte, mehr tödliche Hitzewellen, und es steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wichtige Elemente des Erdsystems unwiederbringlich zusammenbrechen. Auch im Paris-Abkommen steht es deshalb drin. Oder? Ja und nein.

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Tatsächlich gibt es in dem Dokument die Formulierung, man werde Anstrengungen unternehmen, die Erderhitzung bei 1,5 Grad zu stoppen. Hauptziel ist aber das schon länger anerkannte 2-Grad-Ziel oder, wenn man es genau nimmt: das Ziel, die Erderhitzung bei „deutlich unter“ 2 Grad zu stoppen.

Während sich die 1,5 Grad im öffentlichen Diskurs schnell verbreitet haben, sind etliche Regierungen auf der Weltklimakonferenz sehr darauf bedacht, dass das nicht zum internationalen Standard wird. Auf der COP24 im polnischen Katowice blockierten die Ölländer USA, Russland, Kuwait und Saudi-Arabien die Verhandlungen, um durchzusetzen, dass der Sonderbericht des Weltklimarats zum 1,5-Grad-Ziel im Beschluss der Konferenz nur „zur Kenntnis genommen“ statt „begrüßt“ wird.

Irrtum 3: Ist doch klar, wo es hingehen muss!

Quelle        :         TAZ-online           >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     — Die Vertreter der Staaten am ersten Tag der Konferenz.

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Unten     —   A photograph of the Arctic ice

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