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Vom Knecht zum Feind

Erstellt von DL-Redaktion am Freitag 29. Oktober 2021

China: Vom Knecht zum Feind

ΚΑΖΑΚΟΣ Μπρεχτ Ο κύριος Πουντίλα 20101224.jpg

Haben Politiker-Innen jemals über ihren eigenen Gartenzaun geblickt ?

Quelle:    Scharf  —  Links

Ein Kommentar von Georg Korfmacher, München

Ganz egal, was China macht, es passt dem Westen (EU und USA) nicht in seine neue, regelbasierte Weltordnung. Dieser neue Begriff, der ja so gut klingt, scheint aber eher eine stümperhafte Beschwichtigung oder gar Vertuschung der durchaus nicht regelbasierten Unternehmungen des Westens zu sein. Was sind denn die neuen Regeln? Etwa dass die Fregatte „Bayern“ eigenmächtig in fernen Gewässern vor China kreuzt, natürlich mit Zwischenstopp auf der von GB und USA gewaltsam gekaperten Insel Diego Garcia im Indischen Ozean? Oder dass im eklatanten Widerspruch zum Nichtverbreitungsvertrag unter der Kontrolle der Internationalen Atomenergie Agentur (IAEA) Australien durch den AUKUS-Vertrag aufgerüstet wird? Nur zwei Beispiele für die absurde Behauptung, dass das alles auf einer regelbasierten Ordnung bestehe. Und was ist mit den neuerdings modischen Sanktionen bzw. Vergeltungsmaßnahmen, die vom Westen eigenmächtig verhängt verhängt werden, wenn ihm etwas nicht passt? Da wird eben nicht nach Regeln gehandelt, sondern nach einseitigem, willkürlichem Ermessen.

Dahinter verbirgt sich ganz offensichtlich die Scham und Enttäuschung des Westens ob seiner völlig falschen Einschätzung Chinas insbesondere seit seiner Öffnung vor gut 40 Jahren. Im Gegensatz zum Westen hat China sich nämlich durch Fleiß und Können von einem der ärmsten Länder der Welt zur zweitgrößten Wirtschaftskraft entwickelt, während der Westen China wie einen Knecht für Billiglohnarbeit behandelt hat und weiter so behandeln möchte. Dieses völlig respektlose und uneinsichtige Verhalten und seine Folgen wurden nun durch die Pandemie bloßgestellt. Und dem Westen fällt nichts bessere ein, als bei jeder Gelegenheit China als neuen großen Feind, als Bedrohung hinzustellen. Der Westen kann nicht verdauen, das China mit seinem „Sozialismus chinesischer Prägung“ der Welt gezeigt hat, wie man 800 Mio. Menschen aus der Armut holt, wie man der Ungleichheit im Land durch ein großzügiges Netz von Fernstrassen und Schnellbahnen entgegenwirkt, wie man durch Bildung und allgemeine Besserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen zum Wohlstand des Volkes kommen kann, das jetzt voll hinter seiner Regierung steht. Und noch viel mehr ärgert es den Westen, dass sich China trotz aller turbo-kapitalistischen Bemühungen des Westens nicht kaufen ließ. Geld ist natürlich auch in China wichtig, aber ebenso die Frage, wofür man es einsetzt. Und da gilt in China Gemeinwohl vor Eigenwohl, und das ist für den Westen trotz seiner stets hochgehaltenen Werte offenbar völlig unverständlich und schadet der neuerdings regelbasierten Weltordnung.

Und so wird der einstige Knecht für billige Lohnarbeit, von dessen Kultur und Geschichte man weitgehend keine Ahnung hat, zum Feind stilisiert, weil man ja immer einen braucht, auf dem man die eigenen Fehler abladen kann. Erstaunlich nur, wie unkritisch bis falsch unsere Medien über China berichten. Das mag auch an der chinesischen Sprache und Schrift liegen, weil man stets auf eine mehr oder weniger gute Übersetzung angewiesen ist. Festhalten muss man jedenfalls, dass China seinen Erfolg mit Fleiß und friedlich errungen hat. Im Gegensatz zum Westen war Waffengewalt nie eine Option für China. Auch den Wirtschaftskrieg haben die USA begonnen. China heute als Feind hinzustellen, ist ein Hirngespinst.

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Grafikquelle :

Oben      —  Kostas Kazakos playing Mr Puntila at Brecht’s epic comedy Mr Puntila and his Man Matti. (National Theater of Northern Greece, 23-Dec-2010)

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