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US-Veteranen helfen?

Erstellt von DL-Redaktion am Samstag 9. Juli 2022

US-Veteranen helfen in der Ukraine an der Ostfront

Quelle      :        INFOsperber CH.

Urs P. Gasche /   

Frühere US-Soldaten bilden an der umkämpften Frontline auf eigene Faust ukrainische Soldaten aus und schlagen Kampfeinsätze vor.

«Während der blutige Konflikt in der Ukraine weitergeht, trainieren kleine Teams amerikanischer Special-Operations-Veteranen ukrainische Soldaten in der Nähe der Frontlinien und helfen in einigen Fällen bei der Planung von Kampfeinsätzen», berichtete die «New York Times» am 5. Juli.

Vor dem Krieg hatte das US-Militär regelmässig uniformierte Militär-Ausbilder in die Ukraine entsandt. Sobald jedoch Russland einmarschierte, zog die Regierung Biden alle Truppen ab. «Wir werden nicht den dritten Weltkrieg in der Ukraine führen», erklärte Präsident Biden.

Der Präsident versprach, dass die USA die Ukraine weiterhin mit Waffen unterstützen würden und sagte 6,8 Milliarden Dollar an Sicherheitshilfe zu. Seither bilden US-Truppen ukrainische Streitkräfte in Polen und Deutschland aus. Im Mai zog Biden eine klare Grenze: Das US-Militär werde nicht direkt gegen die Russen kämpfen.

Bei den US-Ausbildern, die gegenwärtig an der Ostfront im Einsatz sind, handle es sich um zivile Freiwillige, welche durch Online-Spenden unterstützt würden und völlig auf sich allein gestellt seien, schreibt die NYT.

«Deshalb bin ich Green Beret geworden», sagte Perry Blackburn der NYT. Blackburn ist ein pensionierter Oberstleutnant der Army Special Forces, der 34 Jahre in Uniform im Irak, in Afghanistan, Äthiopien, Ägypten, Somalia und Jordanien verbrachte. Jetzt ist er als Zivilist in der Ukraine und tut das, was er einst beim Militär getan hat: Er bildet lokale Kräfte für den Kampf gegen einen gemeinsamen Feind aus.

Einundzwanzig US-Amerikaner verwundet, zwei getötet

Wieviele US-Amerikaner an der Front kämpfen, ist nicht bekannt. Einige meldeten sich freiwillig als Mitglieder von Evakuierungsteams, als Bombenräumungsspezialisten, Logistikexperten oder Ausbildende. Nach Angaben einer gemeinnützigen Organisation, die sich um die Evakuierung von Amerikanern kümmert, wurden seit Beginn des Krieges mindestens 21 Amerikaner im Kampf verwundet. Zwei wurden getötet, zwei wurden gefangen genommen und einer wird vermisst.

Perry Blackburn und eine kleine Gruppe von Freiwilligen arbeiten laut NYT direkt mit dem ukrainischen Militär zusammen und unterrichten Scharfschützen, Manöver, Erste Hilfe und andere Grundfertigkeiten, während sie ständig die Standorte der Ausbildungslager wechseln, um russischen Raketenangriffen auszuweichen.

«Kein Kontakt zum Pentagon»

«Wir haben keinen Kontakt zum US-Militär, Punkt», sagte Blackburn in einem Interview in seinem Haus in Tampa, Florida, wohin er vor kurzem zurückkehrte, um sich vor der Rückkehr in das Kriegsgebiet mit Nachschub zu versorgen. «Das ist eine Grenze, welche die Freiwilligen nicht überschreiten wollen. Das Pentagon wird keine Verantwortung für unser Wohlergehen oder unser Handeln übernehmen.»

Das US-Verteidigungsministerium liess verlauten, es stehe «mit keiner dieser Gruppen in Verbindung» und empfehle «allen US-Bürgern, nicht in die Ukraine zu reisen oder sofort abzureisen».

«Wir machen die Arbeit, ohne dass die USA etwas damit zu tun haben»

Andrew Milburn, ein pensionierter Oberst des Marine Corps für Spezialeinsätze, leitet eine Gruppe freiwilliger Veteranen, die Schulungen und Beratung anbieten. Er sagte der NYT: «Wir führen die US-Aussenpolitik in einer Weise aus, wie es das Militär nicht kann.» Während seiner 31-jährigen Zugehörigkeit zum US-Marine Corps hatte Milburn Führungspositionen im Joint Special Operations Command des US-Militärs inne, unter anderem als Kommandeur des Marine Raider Regiments.

In einem Telefongespräch mit der NYT aus einem Dorf, das etwa 15 Meilen von den Frontlinien in der Ostukraine entfernt liegt, sagte Milburn, seine Bemühungen würden die Ziele der USA unterstützen und gleichzeitig die USA von einer Beteiligung abhalten. «Wir können die Arbeit machen, und die USA können sagen, dass sie nichts mit uns zu tun haben, und das ist absolut wahr.»

Einem Aufruf von Selensky gefolgt

Kurz nach Beginn des Krieges hatte der ukrainische Präsident Selensky internationale Freiwillige aufgerufen, sich dem Kampf gegen Russland anzuschliessen. Die ersten US-Amerikaner, die seinem Aufruf folgten, seien oft Amateurabenteurer und militärische Aussenseiter auf der Suche nach Action gewesen. Das sagten mehrere Freiwillige der NYT.

Die Gruppe, die sich auf die Ausbildung des ukrainischen Militärs konzentriert, sei in der Regel älter und erfahrener. Viele von ihnen hätten die Ränge von Eliteeinheiten für Sondereinsätze erklommen und ähnliche Aufgaben auf der ganzen Welt wahrgenommen.

Milburn schloss sich mit etwa zwei Dutzend anderen Veteranen von Sondereinsätzen in der Ukraine zusammen. Schon bald nannten sie sich selbst die «Mozart-Gruppe» – in Anspielung auf eine private russische Militäreinheit mit Namen «Wagner-Gruppe». Dank der Kontakte, die Milburn und andere Jahre zuvor zu ukrainischen Spezialeinheiten geknüpft hatten, errichtete die Mozart-Gruppe bald Trainingslager in der Nähe der Kampfhandlungen. Milburn sagte, die Gruppe habe etwa 2’500 ukrainische Soldaten ausgebildet.

Die Gruppe bietet eine militärische Grundausbildung für Soldaten an, die an die Front gehen, und gelegentlich Kurse über den Einsatz amerikanischer Waffen, wie beispielsweise der von der Schulter abgefeuerten Panzerabwehrrakete Javelin. Sie würden auch einige spezielle Schulungen und Ratschläge für ukrainische Kommandos anbieten.

«Gefahr, rote Linien zu überschreiten»

Zu den wenigen Warnern gehört George Beebe, ehemaliger Leiter der Russland-Analyse der CIA und Direktor des Quincy-Instituts, einer unparteiischen Forschungseinrichtung für Aussenpolitik. Der NYT sagte er: «Ich sage nicht, dass eine Eskalation in der Ukraine automatisch ist. Aber die Gefahr besteht darin, dass wir anfangen, rote Linien zu überschreiten, bevor wir überhaupt wissen, wo sie sind.»

Die Freiwilligen allerdings weisen die Idee zurück, dass sie einen grösseren Krieg anheizen könnten. Stattdessen, so sagen sie, seien sie daran, einen solchen zu verhindern, indem sie ukrainische Kämpfer ausbilden, damit sie sich besser gegen die Russen wehren und weitere Aggressionen verhindern können.

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