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Wir wollten die ganze Welt verändern

Erstellt von DL-Redaktion am 6. März 2013

„Wir wollten die ganze Welt verändern“

Datei:Wurm im Grünen.jpg

So heißt die Überschrift über das Interview mit dem Ur-Grünen Ludger Volmer. 30 Jahre Bundestag eine stolze Zahl und es wird vor allen Dingen für die Jüngeren äußerst interessant sein einmal aufmerksam nachzulesen was innerhalb dieser Jahre geschehen ist. Ein Kampf zwischen Traum und Wirklichkeit.

Dabei sind Namen und Ideale fast beliebig austauschbar, auch zwischen den Grünen damals und den LINKEN bei derer Gründung. Selbst in den Gründen für die Entstehung der Grünen gab es zwischen einem Helmut Schmidt und Gerhard Schröder keine großen Unterschiede. Das Kapital bekam besonders in der SPD, bis auf  die Zeit unter Willy Brandt, immer die  oberste Priorität zugesprochen. Erst der SPD gelang es in ihren Regierungszeiten die Gewerkschaften an die Leine zu legen um so das Kapital zu enthemmen.

Wir sehen also dass die Grünen etwas erreicht haben da sie erst die dafür nötigen Strukturen geschaffen haben. Es ging ihnen offensichtlich nicht in erster Stelle um Macht und Geld wie den LINKEN. Den Grünen gelang es innerhalb der Bevölkerung Fuß zu fassen. Genau dieses wird der LINKEN mit ihren teilweise zu extremen Gruppen nicht gelingen, es sei denn sie trennt sich von einigen.

Die verschiedensten Gruppen wurden damals von den Grünen angezogen da diese sich vorrangig nicht so stark ideologisch vereinnahmen ließen. Dadurch wurde die Bindung an die Bevölkerung erst möglich. In diesem Land ist das Linke Gedankentum zwar sehr stark verbreitet, weit, weit mehr als das Rechte, aber 99 Prozent dieser Menschen schließen sich keiner extremen Gruppe an und werden sie auch nicht wählen.

„Wir wollten die ganze Welt verändern“

Der Ur-Grüne Ludger Volmer spricht im Interview über das Klappern der Sticknadeln im Plenarsaal, die Motive der Partei-Gründer und das Entsetzen der etablierten Parteien, als die Grünen im Schlabber-Lokk in den Bundestag einzogen.

 Herr Volmer, können Sie eigentlich stricken?

 Nein, das hat mich nie interessiert. Als Volksschüler sollte ich mal Häkeln lernen, aber viel weiter als bis zur Luftmasche bin ich nicht gekommen.

 Dabei war Stricken in Ihrer Partei mal schwer in Mode. In den 1980er Jahren waren ständig strickende Grüne im Fernsehen zu sehen, manchmal sogar Männer. Was war da los?

 Die Strickerei entsprach dem Zeitgeist in unserem Milieu. Die Grünen waren ja ursprünglich ein Sammelbecken unterschiedlichster sozialer Bewegungen, unter anderem der Öko- und Anti-Atom-Bewegung. Die Kritik an der Industriegesellschaft war ein wesentliches Motiv der Parteigründung. Stattdessen sollten wieder traditionelle Produktionsformen etabliert werden. Dazu gehörte auch, dass man sich mit Schafswolle die eigenen Pullover strickt. Mich persönlich hat das Geklapper der Nadeln oft genervt. Und wenn man eine Rede hielt, wusste man häufig gar nicht, wie man aufs Publikum wirkte. Da saßen im Saal lauter strickende Frauen, die ihre Lippen allenfalls zum Maschenzählen bewegten. Ob sie das Gesagte für gut oder für bescheuert hielten, konnte man nicht erkennen.

 Wähnten sich die Grünen am Ziel oder am Anfang, als sie 1983 in den Bundestag einzogen?

 Wir betrachteten den Einzug ins Parlament allenfalls als methodischen Zwischenschritt. Unser Ziel war es natürlich, die Welt zu verändern. Genauer gesagt: Wir wollten die ganze Welt ganz grundsätzlich verändern. Eine politische Strategie hatten wir noch nicht. Niemand dachte zunächst ans Regieren oder an Koalitionen, an Kompromisse und kleine Schritte. Kaum jemand wollte Profi-Politiker werden. Wir verstanden uns als Anti-Parteien-Partei.

 Warum wollten die Grünen dann unbedingt ins Parlament?

 Unser Anspruch war es, den zahlreichen sozialen Bewegungen, aus denen die Grünen hervorgegangen waren, eine parlamentarische Stimme zu verleihen. Die Wahl in den Bundestag ermöglichte neue politische Ausdrucksformen. Das hatte zunächst auch eine Art Happening-Charakter: Vorher hatten wir uns bei zahllosen Demonstrationen auf der Straße ausgetobt, mit der Polizei geprügelt und in der Öffentlichkeit zu deren Entsetzen schlimme Dinge gesagt. Nun konnten wir das alles im Bundestag machen, mit Ausnahme der Prügelei natürlich.

Quelle: Berliner-Zeitung >>>>> weiterlesen

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