DEMOKRATISCH – LINKS

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RENTENANGST

Die herrschende Klasse

Erstellt von DL-Redaktion am 12. Januar 2012

Wir beachten seit vielen Jahren daß das Eigeninteresse der Politiker immer stärker in den Vordergrund tritt und die Leistungen stark nachlassen. Wir sehen zu viele Trottel

Der Fall Wulff zeigt eine politische Entwicklung welche im einzelnen betrachtet nicht weiter beachtenswert wäre, im Rückblick gesehen aber schon ein gewisses System aufweist. So beobachten wir seit Jahren dass das Eigeninteresse der Politiker immer mehr in den Vordergrund tritt. Gab es vielleicht einmal eine Epoche in der das Wort Volksvertreter noch eine gewisse Berechtigung hatte, sehen wir heute das sich die „politischen Macher“ immer stärker zu einer Machtclique zusammenschließen. Über alle Parteien hinweg.

Wichtig ist so ziemlich alles was diesem Berufsstand förderlich ist. Gelang Personen wie Schröder oder Kohl um nur zwei als Beispiel zu nennen fast ungehindert ihre manipulativen Spielchen ungestört durchzudrücken werden der nachwachsenden Generation mehr und mehr die Grenzen aufgezeigt. Die Jungstars der FDP haben es bereits mit Hilfe von Westerwelle geschafft ihre Partei an den politischen Abgrund zu führen. Auf von Guttenberg folgte Wulff wobei beide glaubten wie viele anderen auch sich Dank ihrer herausragenden Stellung in der Gesellschaft besondere, private Privilegien mitnehmen zu können. Das bei allen kein Gefühl des schlechten Handelns aufkommt mag als ein Hinweis auf die steigende Skrupellosigkeit dieses Berufsstandes hinzuweisen.

Es liegt auch die Vermutung nahe das die Presse sich weiter von der Politik entfernen und die Berichterstattung kritischer wird. Es ist vermutlich dem Einfluss des Internet zu verdanken das Recherchen der Printpresse wieder wichtiger und nicht mehr zurückgehalten werden, da über kurz oder lang ehe alles im Net für jedermann sichtbar wird. Ein jeder muss der erste sein, damit die Auflagen gesichert werden was die Bild-Zeitung in den letzten Wochen nachhaltig bewiesen hat.

Die Trennung von Politik und Ökonomie ist hier ein Muss was auch in Zukunft immer stärker eingefordert werden wird.

Die herrschende Klasse

Christian Wulff ist nominell Bundespräsident, aber vor allem symbolisiert er die aktuelle politische Klasse. Wulff steht für die oft harmlos daherkommende, in der Addition und Qualität vorhandener Beziehungen jedoch machtvoll entdemokratisierende Symbiose von politischer und ökonomischer Macht. Ob er zurücktritt, ist letztlich weniger relevant.
Was passiert denn nach Ende der Personaldebatte? Das ist die entscheidende Frage. Sollte die Öffentlichkeit den eigentlichen Kern des Problems wieder aus dem Auge verlieren und stattdessen über weiche Faktoren wie „Würde“, „Vertrauen“ oder „Kommunikation“ räsonieren, wäre nichts gewonnen.
Das gilt erst recht, wenn im Falle einer neuen Kandidatenkür wiederum nur diese Kriterien diskutiert werden. Das Potenzial kritischer Öffentlichkeit hätte sich nur angedeutet. Die Medienmacht wäre zurückgekehrt in den warmen Schoß einer unhinterfragt bleibenden ökonomischen Vermachtung.

Die Macht des Informellen

Folgt man der Analyse des Elitentheoretikers Gaetano Mosca (1858-1941), so wird es immer eine herrschende und eine beherrschte Klasse geben. Die herrschende Klasse sei wesentlich kleiner, sichere ihre Machtposition aber durch die Fähigkeit zur Organisation und trage in der Regel familienähnliche Züge. Moscas These kann auch heute noch zur kritischen Politikanalyse herangezogen werden. Man muss sie anpassen und insbesondere der Informalität von Beziehungsstrukturen Beachtung schenken.

Außerdem gilt es zu bedenken, dass die Beteiligten ihre eigene Position im Spiel bisweilen gar nicht wahrnehmen – vor allem, wenn es funktioniert. Wulffs Fall zeigt, welcher Dominoeffekt ausgelöst werden kann, wenn ein Teil des Beziehungsgeflechts zerreißt, in diesem Fall die informelle Allianz zwischen dem Bundespräsidenten und Bild.

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle   :

Ronald Pofalla (2007)

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Der Staat und seine Krähen

Erstellt von DL-Redaktion am 27. Dezember 2011

Die Angst des Schützen vor dem Elfmeter

Datei:Sigmar Gabriel Berlin 2015-08-29.jpg

Als alte Freunde des Fußball möchten wir hier ein immer wieder hervorgeholtes  Schlagwort zitieren: „Die Angst des Schützen vor dem Elfmeter.“ Diesen Satz hören wir immer wieder dann, wenn dem Schützen die Nerven zu versagen drohen.

Ist dieses ähnlich den Äußerungen des SPD Chef Sigmar Gabriel zu werten wenn dieser verlauten lässt „Das es besser sei Christian Wulff im Amt zu belassen?“ Ist aus diesem Satz schon die Angst vor der Verantwortung heraus zuhören? Weiter sagt er „Es wäre verheerend und nahe an einer echten Staatskrise, wenn innerhalb von zwei Jahren zum zweiten Mal ein Bundespräsident zurückträte.“

Herr Gabriel ist wieder einmal, wie üblich in der SPD der letzten 20 – 30 Jahre, sehr -zu weit- von der Bevölkerung entfernt, da diese Krise von den Menschen lange als eine solche wahrgenommen wird und nur niemanden mehr in Unruhe zu versetzen mag. Das dem so ist, kann so überraschend nicht sein, da Politiker in ihren Wolkenkuckucksheimen lebend, scheinbar diese Krise als allerletzte in der Gesellschaft trifft.

Wenn ein Wulff wirklich noch für einen Großteil der Bevölkerung als Präsident akzeptabel erscheint, zeigt diese damit eine gewisse Angst vor dem Ungewissen an. Eine unsichere Zukunft ist immer noch die schlechteste aller Lösungen. Daran sollte sich aber auch Sigmar Gabriel erinnern wenn dann wirklich Neuwahlen anstehen sollten. Ist doch das brechen von Wahlversprechungen der SPD nach deren Regierungsübernahme noch lange nicht aus den Köpfen der Wähler verschwunden. Das größte Übel bei allem ist aber wie immer die große Ungewissheit über das danach: Die große Frage was denn eine SPD will und anschließend machen wird. Nach den Wahlen! Vielleicht mehr CDU, mehr FDP, oder was. Das Sozialdemokratische in der Partei wurde bereits in den letzten Regierungsbeteiligungen verscherbelt.

Als Mitglied des Seeheimer Kreises scheint für Gabriel in der Partei ja auch kein Ding unmöglich zu sein. So wurden zum Beispiel seinen beiden Vorgängern im Amt des Niedersächsischen Ministerpräsidenten, Gerhard Glogowski und auch Gerhard Schröder immer eine enge Verbindung zur „Maschsee Mafia“ nachgesagt. Gabriel bleibt hier unbefleckt? Wie sagte er jetzt so schön zu der Wulff Affäre: „ Träger öffentlicher Ämter dürften Fehler machen, müssten dann aber besonders klar, eindeutig und glaubwürdig damit umgehen.“ Da auch Gabriel bereits öffentliche Ämter bekleidetet könnte seine Aussage hier als eine Vorbeugung zu werten sein, die allemal besser als eine Heilung ist ?

Einen sehr guten Kommentar haben wir hier auch anzubieten:

Das fatale Normensystem der Einflussreichen bemächtigt den Staat

Unter Krähen

Die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten hätte als notwendige Rede gegen Fremdenhass eine gewisse Wirkung erzielen können. Gäbe es nicht die Geldgeschäfte von Christian Wulff. Ohne die Affäre hätte sich aber niemand für die Ansprache interessiert, und deshalb wäre es mit der Wirkung wohl doch nicht so weit her gewesen. In gewisser Hinsicht ist also alles beim Alten und wie immer.

Auch das entlarvt die Behauptung von Sigmar Gabriel, ein zweiter Rücktritt eines Staatsoberhauptes innerhalb von zwei Jahren wäre „verheerend und nahe an einer echten Staatskrise“, als das, was sie ist: als aufgeblasen. Hat es der SPD-Vorsitzende nicht ein bisschen kleiner?

Die Bevölkerung dieses Landes akzeptiert die Kooperation staatlicher Stellen mit Rechtsextremisten und nimmt die drohende Vernichtung ihrer privaten Altersrücklagen weitgehend klaglos zur Kenntnis. Da würde sie den Rücktritt eines weiteren Bundespräsidenten wohl eben noch verkraften können.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle    :

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Quelle Eigenes Werk
Urheber A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace)

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DIE ZEIT im Frondienst

Erstellt von DL-Redaktion am 2. Dezember 2011

Und was hätten Sie sich im Zusammenhang mit dem „Comeback“ von KTG gewüsnscht?

Kleinbardorf1.jpg

Nicht sein Haus, sein Baum und auch nichtb sein Wasser

Es sollte schon nachdenklich stimmen wenn wir sehenden Auges wieder in ein Zeitalter steuern in der Personen wie von Guttenberg die Bürger glorifizieren kann. Ist es ein Rätsel wenn ca. die Hälfte der Deutschen Bevölkerung diesem Menschen scheinbar widerspruchslos hinterher läuft? Die letzte vergleichbare Vergötterung der Massen gelang einem Mann mit Namen Adolf Hitler, ebenfalls mit tatkräftiger Unterstützung der Medien und der Wirtschaft.

Leben wir vielleicht schon wieder in einer Zeit in der  für einen Großteil der Menschen die Flucht in eine Märchenwelt die einzige Möglichkeit ist, sich von den Sorgen des Alltags abzulenken? Hört man den Menschen in ihren Gesprächen zu, taucht immer wieder als Argumentation die Aussage auf, dass hier endlich jemand die politische Bühne betritt welcher es aufgrund seiner Herkunft nicht nötig hat, auf Kosten der Bevölkerung unter der zu Hilfenahme der Politik sich persönlich zu bereichern.

Da wären wir dann auch schon mitten in unserem Märchen angekommen. Ein Prinz, mit seiner Prinzessin und den entsprechenden Anhang. Vergessen möchte man hier das sich dieser Prinz heute nicht mehr auf Kosten der Bevölkerung zu bereichern braucht, da er sich ja alles was er besitzt schon über Jahrhunderte von dieser, seiner  Bevölkerung genommen hat. War es doch das verbriefte Recht des Adels von der  Sklavenhaltung über die schamlose Ausnutzung von Mägden und Knechten sich immer wieder neue Ländereien einzuverleiben. Zusätzlich wurden im weiteren Umkreis liegende Bauern zum Frondienst ausgenutzt.

Aus dieser Sicht heraus ist es auch erklärlich das bei von Guttenberg heute aufgrund seines Betrugs kein Schuldgefühl aufkommen kann. Hat er sich doch nur genommen was ihm aus langer Tradition heraus ehe zustand. Er konnte niemanden betrügen, da ja jedermann verpflichtet war  ihm zu Diensten zu sein.

Unverständlich erscheint wenn sich außer einigen „Bunten Blättern“ auch sonst sich selber als seriös bezeichnende Zeitungen einer gewissen Hofberichterstattung hingeben. Wenn sich dann der Chef-Redakteur der ZEIT, Giovanni die Lorenzo dazu herab lässt ein Interview unter der Überschrift „Es war kein Betrug“ zu veröffentlichen, feiert hier der Frondienst wieder fröhliche Urstände. So wie es zur Zeit oder in der ZEIT momentan aussieht wurde diese Rechnung scheinbar ohne die Leser der Zeitung gemacht. Diese überschwemmen die Redaktion nun mit einer Flut von Mails und Zuschriften, beschweren sich massiv und finden es unerträglich einem Betrüger eine solche Werbefläche zu bieten. Es soll sogar schon zu Abonnenten Kündigungen gekommen sein.

Auf eine Anfrage des NDR-Magazin ZAP lehnte di Lorenzo jegliche Stellungnahme ab und tauchte unter. So wird auf Dauer nur noch Lothar Matthäus als einsamer Guttenberg Fan zurück bleiben. Hat dieser doch verraten das er sich ein Comeback Guttenbergs auf der politischen Bühne wünschen werde und das „nicht nur, weil er so gut aussieht wie ich, sondern weil ich glaube, dass der in der Politik sehr viel bewegt hat in den letzten Jahren.“ „Wenn einem Guten gewisse Fehlerchen passiert sind, sollte man das nicht so hoch kochen“, so der Rekordnationalspieler in der „Bunten“.

In diesem Sinne hoffen wir, das der Lothar bei seinen nächsten Arztbesuch nicht an einen Dr. med. gerät welcher mit seinem gemachten „Fehlerchen“ bis dato noch nicht aufgefallen ist. Hier eine zum Artikel passende Kolumne:

Vorerst bescheuert

Jetzt sind sie ganz traurig bei der CSU. Weil der zu Guttenberg total so der fiese Typ ist, irgendwie. Menno. Aber das hatte man ja nicht ahnen können, zumindest nicht, wenn man so eine mutmaßliche Vollklatsche hat wie der CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. „Wer von seiner politischen Familie solche Solidarität erfährt“, weint der über das CSU-Geläster von Guttenberg, „der sollte davon auch wieder etwas zurückgeben.“ Und: „Ich hätte mir schon gewünscht, dass er das jetzt in seinen ersten Erklärungen etwas mehr berücksichtigt.“

Nun kann es einem ja mit gutem Recht vollkommen egal sein, was sich Alexander Dobrindt so alles wünscht, wenn der Tag lang ist. Genauso gilt: Undank ist der Welten Lohn, zumal, wenn man es mit einem bizarren Egomanen zu tun hat, der für sein eigenes Fortkommen eben nicht nur seine Großmutter, sondern seine ganze politische Familie verkaufen würde. Dabei hatten sie sich wirklich derart ins Zeug gelegt!

Der damalige CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich – Sie wissen schon: das ist der jetzige Bundesinnenminister, dem auf die Sache mit den Zwickauer Nazis tagelang so gar nichts Knackiges zu sagen einfallen wollte – war im Frühjahr sofort zur Stelle gewesen und hatte den Juraprofessor Fischer-Lescano, der Guttenbergs Plagiat aufgedeckt hatte, der Verschwörung bezichtigt. Es handle sich da um einen „politisch motivierten Angriff von ganz links außen“ und: „Dieser Angriff aus der linken Szene ist nichts weiter als eine politische Sauerei.“

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle    :     Kleinbardorf from a ballon c. 2004

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