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Uri Avnery wird 90

Erstellt von DL-Redaktion am 8. September 2013

„Wir wollten keinen Judenstaat“

 

Lieber Uri Avnery,

90 Jahre auf dieser Erde sind eine lange Zeit. Du hast diese Zeit meistens genutzt, um dich für andere einzusetzen. „Edel sei der Mensch – hilfreich und gut“ – diese Worte von Goethe beschreiben in diesem Zusammenhang deinen Charakter.

 Wir gratulieren Dir zu deinem 90. Geburtstag und danken Dir, dass wir Deine regelmässigen Kolumnen auf unserem Blog veröffentlichen dürfen. Wir wünschen Dir noch viele Jahre dieses Schaffens.

Redaktion Demokratisch-Links
Köln u. Ahlen

„Wir wollten keinen Judenstaat“

Der israelische Friedensaktivist Uri Avnery wird 90. Ein Gespräch über eingerostetes Deutsch, seine Zeit als Soldat und die Freundschaft mit Jassir Arafat.

Rein äußerlich ist der fast 90-jährige Uri Avnery vom 70-jährigen kaum zu unterscheiden. Noch immer schlank und agil, mit vollem weißen Haar und Bart. Seine Wohnung in Tel Aviv liegt in zweiter Reihe zum Strand, überall Bücherregale und Fotos. Fast immer stand seine Frau Rachel hinter der Kamera. Nach 58 gemeinsamen Jahren starb sie im Mai 2011. Beide stammten aus gutbürgerlichen Familien, beide kamen aus Deutschland, unterschiedlich waren sie trotzdem. Er der abstrakte Denker, sie eher emotional. Er introvertiert, sie offen. Er der Optimist, sie eher Pessimistin. Avnery ließ den toten Körper gegen alle jüdischen Regeln verbrennen und die Asche ins Meer streuen. Dort, wo es bis zu seiner Wohnung durchschimmert.

sonntaz: Sie waren zehn Jahre alt, als Sie aus Deutschland emigrierten. Woran erinnern Sie sich besonders lebhaft?

Uri Avnery: Ich war Augenzeuge der Nazibewegung und damit sehr bewusster Beobachter dessen, was in Deutschland 1931 bis 33 passiert ist. Aber es gab auch schöne Zeiten auf Norderney, in Travemünde und natürlich in Hannover, der Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Wir waren vier Kinder, ich war der Jüngste. Mein Vater war von Beruf Bankier. Er war beim Gericht in Hannover Treuhänder, Konkursverwalter. Meine Mutter war teilweise seine Sekretärin und hauptsächlich Hausfrau. Es war eine ziemlich gewöhnliche Familie.

War es für den zehnjährigen Helmut Ostermann, wie Sie damals hießen, ein traumatisches Erlebnis, aus seinem gewohnten Umfeld gerissen zu werden?

Ich habe in dem Moment aufgehört, Helmut zu sein, als ich in Jaffa landete. Der Umzug war alles andere als traumatisch, er war ein Abenteuer, der Beginn eines zweiten Lebens. Ich war vom ersten Augenblick an sehr eingenommen von der arabischen Kultur, und ja, wir waren so froh aus Deutschland herauszukommen. Es war eine Erlösung.

Gab es in Ihrer Familie Holocaustopfer?

Außer meinen Eltern, den Geschwistern und mir sind alle umgekommen.

Quelle:    TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia Author Uri Avnery (supplied by the subject). Original uploader was Eviv at he.wikipedia

This work has been released into the public domain by its author, Uri Avnery. This applies worldwide.

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