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Mehr Kapitalismus wagen ?

Erstellt von DL-Redaktion am 5. Januar 2012

Mehr Kapitalismus wagen

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„Die Übertragung von Kapital an Erben ist eine Verspottung des Kapitalismus“so lautet eine Aussage in diesen Kommentar des Wissenschaftsphilosophen Ulrich Küne. Eine Aussage welche aber auch deutlich macht wie sehr sich Bilder durch die Betrachtung eines einzigen Schlagwortes verzerren lassen.

Mehr Kapitalismus wagen

Wer den Raubtierkapitalismus für die Weltwirtschaftskrise und den Verfall von Rechts- und Sozialstaats anklagt, meint das Richtige und sagt das Falsche. Der richtige Name des gegenwärtigen Hauptübels unserer Gesellschaft lautet Feudalismus. Kapitalismus – konsequent umgesetzt – wäre die Rettung.
Wenn Leistung nicht mehr zählt.

Strukturell gesehen, bedeutet Kapitalismus die organisatorische Trennung von Kapital und Arbeit. Daraus folgt nicht nur, dass Massenentlassungen selten einen Nachteil für den Aktienkurs einer Firma haben, sondern auch umgekehrt, dass der Bankrott von unfähigen Managern und Anteilseignern für die Beschäftigten nur von Vorteil ist. Im Feudalismus hingegen besitzt ein abgewirtschaftetes Führungspersonal die rechtlichen Mittel und meist auch die Skrupellosigkeit, den eigenen Untergang durch das sinnlose Opfer von Abhängigen am Altar der eigenen Unfähigkeit endlos hinauszuzögern.

Kapitalismus gründet auf dem Leistungsprinzip: Die Übertragung von Kapital an fachlich und charakterlich ungeprüfte Erben ist wohl die zynischste Verspottung des kapitalistischen Leistungsprinzips und der Hauptgrund für die periodisch auftretenden Katastrophen in feudalen Herrschaftsordnungen. Allein schon der egoistische Wunsch, einen über den Tod hinausreichenden Wert zu erschaffen, hält echte Kapitalisten davon ab, mit ihrem Erbe eine Dynastie von Schnöseln, die nie den Wert des Geldes gelernt haben, zu gründen.

Melinda und Bill Gates, beispielsweise, wollen weniger als ein Promille ihres Gesamtvermögens ihren drei Kindern vererben, jedem 10 Millionen Dollar – genug, um alle Freiheiten zu genießen, aber zu wenig, um das Vermächtnis ihrer Eltern zu ruinieren.

Leistung heißt, unter vorgegebenen Spielregeln und Marktbedingungen das Optimum zu erwirtschaften. Der Kapitalismus ist ein Kind der Aufklärung – er ist die Wirtschaftsordnung des demokratischen Rechtsstaats, der autonom und ohne Rücksicht auf die ererbten Privilegien der Reichen und Mächtigen die Spielregeln des Marktes festlegt. Aber die kapitalistischen Leistungskriterien verlangen nicht nur, dass die Tochter einer anatolischen Putzfrau die gleiche Chance auf einen Vorstandsvorsitz hat wie der Sohn des Unternehmensgründers.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Author Christian Michelides

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