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RENTENANGST

Die Demontage der Rente:

Erstellt von DL-Redaktion am 26. März 2014

Schröder, Riester, Müntefering

Autor:  Martin Staiger

Seit Andrea Nahles, die neue Bundesministerin für Arbeit und Soziales, vor kurzem ihr Rentenpaket der Öffentlichkeit vorgestellt hat, wird über die Altersversorgung wieder breit diskutiert. Die Vorschläge gehen zumindest zum Teil in die richtige Richtung: Die Erhöhung des Rehabudgets und die Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente sind für Erwerbstätige mit Rehabilitationsbedarf und für Menschen, die dauerhaft nicht oder nicht mehr vollschichtig arbeiten können, ein echter Gewinn. Auch die Verbesserungen bei den Kindererziehungszeiten für Eltern mit vor 1992 geborenen Kindern waren schon lange fällig – auch wenn sie zu niedrig ausfallen. Da sie jedoch aus der Rentenkasse und damit aus dem falschen Topf finanziert werden, wird das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Rentenpolitik weiter beschädigt.

Eindeutig zu kurz greift jedoch die Rente mit 63. Wer 45 Beitragsjahre auf dem Buckel hat, soll demnächst mit 63 Jahren eine abschlagsfreie Rente erhalten. Nahles will damit diejenigen belohnen, „die sich reingehängt und angestrengt haben“. Es gibt jedoch Millionen anderer, die das auch gerne getan hätten. Es war ihnen aber nicht vergönnt, da sie körperlich oder seelisch dazu nicht in der Lage waren, da sie in einer Region mit hoher Arbeitslosigkeit lebten oder da sie aufgrund einer Insolvenz ihres Arbeitgebers im höheren Alter ihren Job verloren und keinen neuen gefunden hatten. Für sie ändert sich nichts. Gute Sozialpolitik sieht anders aus.

Quelle: Blätter >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Namensnennung: ceridwen

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Faule Geschäfte

Erstellt von DL-Redaktion am 10. November 2012

mit Lebensversicherungen

Datei:Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer Berlinale 2010.jpg

Früher, in den Jugendvereinen gab es folgende Maxime: „Jeden Tag eine gute Tat“. Politiker haben es in den letzten Jahren geschafft diesen Satz umzukehren und so hören wir heute in schöner Regelmäßigkeit immer wieder neue Skandale aus dem zu einem Dreckstall verkommenen Bundestag. So wurde gestern über eine erfolgreich beendete Lobbyarbeit der Versicherungsbranche berichtet.

Diese wollen festgestellt haben, das alte Lebensversicherungen für die Unternehmen mittlerweile teuer geworden sind. Die Kunden bekommen auf alte Verträge, vor 2000 abgeschlossen, vier Prozent Zinsen garantiert. Da aber unterdessen die Renditen gesunken sind, liegt der derzeitige Zinssatz bei zehnjähriger Laufzeit nur noch bei 1,38 Prozent. Für die Unternehmen wird es folglich schwierig ihre Fehlkalkulationen zu finanzieren.

Da sie dieses Unternehmerrisiko nicht tragen wollen haben sie sich also hilfesuchend an die Politik gewandt. So schreibt der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft: „Für Maßnahmen zur Stärkung der Risikotragfähigkeit der Lebensversicherer“ bestehe aufgrund der niedrigen Zinsen eine „dringende Notwendigkeit“.  So wurde im Bundesfinanzministerium hinter geschlossenen Türen darüber gesprochen, die Garantiezinsen bei Lebensversicherungen auszusetzen, um damit dem Wunsch der Branche nachzukommen.

Für die Kunden bedeutet das: Sie bekommen etwa ab 2018 nur noch das Geld zurück, das sie tatsächlich eingezahlt haben. Und das völlig legal. Im Klartext: Wegen der Inflation erhalten Kunden von Lebensversicherungen in der Realität künftig sogar weniger Geld zurück, als sie den Versicherern gegeben haben.

Nachdem sie den Garantiezins zu Beginn dieses Jahres bereits auf den historischen Tiefststand von 1,75 Prozent abgesenkt und die Steuern für Lebensversicherer gesenkt hat, soll den Versicherungen nun ein leichterer Zugriff auf die Rückstellungen gegeben werden, die eigentlich den Versicherten zustehen und ihnen als Überschussbeteiligung oder im Fall von Vertragskündigungen oder Todesfällen ausgezahlt werden.

Künftig soll ein erheblicher Teil der Rückstellungen dabei nicht mehr berücksichtigt werden.  Für den Bund der Versicherten ist die Konsequenz der geplanten Änderung eindeutig: „Die Mehrheit der Verbraucher wird schlechter gestellt“, schreibt die Verbraucherschutzorganisation.

Jeder der heute noch an eine private Lebensversicherung als „sichere Kapitalanlage“ glaubt und das trotz der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise, sollte sich informieren und nicht länger abwarten. Nehmen Sie Ihren Lebensversicherer genau unter die Lupe. Denn vor dem Hintergrund der Finanzkrise werden viele Versicherungsgesellschaften in absehbarer Zeit zusammenbrechen.

Schließlich haben sie schon weite Teile ihrer Rücklagen aufgelöst, um ihren Kunden derzeit noch die Verzinsung des Sparanteils gewährleisten zu können.

Hier ein Kommentar zum Thema:

Die Tücken der Privatvorsorge

Die Versicherungsbranche schreit um Hilfe: Weil die Zinsen auf Staatsanleihen und andere sichere Anlagen sinken, werde es immer schwieriger, die garantierten Zinsen auf Lebensversicherungen zu bezahlen, klagen die Lobbyisten.

In harten Zahlen allerdings schlägt sich das bisher nicht nieder: Die großen Lebensversicherer machen weiterhin hohe Gewinne. Und auch im Finanzministerium ist man lediglich der Meinung, beim schlechtesten Fünftel (!) der Branche könne „nicht ausgeschlossen werden“ (!!), dass „einzelne Unternehmen“ künftig „in Schwierigkeiten geraten können“ (!!!).

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle    :

Diese Datei, die ursprünglich auf http://www.ipernity.com/doc/siebbi/7627962 veröffentlicht wurde, wurde am 05:09, 21 July 2010 (UTC) vom Administrator oder vertrauenswürdigen Benutzer Okki geprüft, welcher bestätigt, dass die Datei am angegebenen Tag unter der genannten Lizenz verfügbar war.
Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert“ lizenziert.
Quelle Veronica Ferres & partner
Urheber Siebbi

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Riestern ? Nein Danke !

Erstellt von DL-Redaktion am 5. Oktober 2012

Die Bürger sind klüger als die eingebildeten Politiker 

Einer der größten Zerstörer des vom Volk angesparten Kapitals

Heute ist es an der Zeit unseren Bürgern ein großes Kompliment auszusprechen. Sie haben wieder einmal bewiesen weit umsich- tiger und klüger zu sein als der gesamte poli- tische Klüngel. Laut einer Umfrage von Allensbach ergibt sich ein Negativ- rekord in der privaten Altersvorsorge. Wer sich in heutiger Zeit über- haupt noch privat ab- sichert, investiert zu- nehmend in Immobilien.

Das die Menschen trotz der Debatte über drohende Altersarmut kein Geld für eine zusätzliche private Rente ausgeben ist als Zeichen zu werten, dass die seit Jahren anhaltende Lobbypolitik erkannt und als solches abgelehnt wird. Nach der am Donnerstag veröffentlichten Allensbach-Studie für die Postbank lehnen 42 Prozent der Bürger eine Erweiterung ihrer privaten Altersvorsorge ab. Damit ist in der seit 2003 jährlich erhobenen Befragung ein Negativ-Rekord erreicht. Vor neun Jahren waren es nur 30 Prozent. Auch die Aufwendungen zur Sicherung des Einkommens im Alter sinken: Gaben die Berufstätigen 2005 noch 204 Euro pro Monat für ihre private Altersvorsorge aus, sind es jetzt nur noch 185 Euro.

Nur 14 Prozent der Bürger, welche sich nicht ausreichend abgesichert fühlen, würden sich der Umfrage zufolge für eine sichere Altersvorsorge einschränken. Vor zwei Jahren waren noch 22 Prozent dazu bereit. Junge Leute denken immer weniger an ihren Lebensstandard im Alter: Jeder Vierte im Alter zwischen 16 und 29 Jahren hält seine heutige Altersvorsorge für ausreichend. Vor fünf Jahren glaubte das nur jeder Sechste. Nimmt man alle Altersgruppen der Berufstätigen zusammen, erklären 44 Prozent, genug für ihr Alter vorzusorgen.

Nach der Erhebung liegen die Ursachen für dieses Verhalten auch in der Schuldenkrise. Knapp über die Hälfte der 1642 Befragten bangt deswegen um die Sicherheit der Altersversorgung. „Die Bereitschaft, neue und langfristige Vorsorgeverträge in dieser Situation abzuschließen, ist dementsprechend gering“, erklärte Postbank-Vorstandsmitglied Michael Meyer.

Diejenigen Berufstätigen, die neben der gesetzlichen Rente ein zusätzliches Standbein ihrer Altersversorgung aufbauen wollen, setzen der Untersuchung zufolge zunehmend auf Immobilien. Fast jeder Dritte dieser Gruppe plant den Bau oder Kauf eines Eigenheims. Das sind gut ein Drittel mehr als 2003. Zudem wollen 14 Prozent in Mietwohnungen investieren. Damit hat sich das Interesse an dieser Form der Altersvorsorge gegenüber dem vergangenem Jahr verdoppelt.

Eine wichtige Rolle für ein auskömmliches Alter spielen auch Erbschaften bei den Planungen. Jeder vierte Berufstätige gibt an, dies sei für ihn ein wichtiger Baustein. Die staatlich geförderte Riester-Rente wird dagegen immer unwichtiger. War sie vor fünf Jahren noch für 31 Prozent eine ideale Form der Alterssicherung, ist sie es jetzt nur noch für jeden Vierten.

Die Erkenntnisse der Studie kommen für Deutschlands Volksvertreter ebenso zu einem wichtigen Zeitpunkt wie für die Finanzbranche. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte erst vor wenigen Tagen angekündigt, demnächst Pläne für eine Rentenreform vorstellen zu wollen. Die Koalition will vor allem Geringverdiener zur privaten Vorsorge animieren, bisher sind die verschiedenen Vorschläge zur Bekämpfung künftiger Altersarmut in den Parteien jedoch umstritten. Gleichzeitig haben Banken und Versicherer Probleme, Produkte an den Sparer zu bringen. Besonders bei Fondsparplänen und Riester-Rentenversicherungen gab es jüngst einen Einbruch beim Absatz. Von April bis Juni wurden laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales gerade einmal 2000 solcher Verträge abgeschlossen.

Trotz der verunsichernden Aussichten bei der Rente, lehnt eine deutliche Mehrheit eine obligatorische private Zusatzrente ab. Dagegen sind 48 Prozent, 24 Prozent sind für die Pflicht-Rente, und der Rest hat keine Meinung in dieser Frage. Allerdings befürworten 56 Prozent eine obligatorische betriebliche Altersvorsorge. 19 Prozent sind dagegen.

„Fetten Gänsen die Mähse (plattdeutsch: Hintern) schmieren“ sagt der Westfale auf dem flachen Land. Das ist genau das, was mit Einführung der Riester-Rente geschehen ist. Die Verantwortung  einer staatlichen Altersabsicherung wird mehr und mehr auf die privaten Zockerbuden abgeschoben. Die Geschäftsgebaren der Privaten kann niemand mehr kontrollieren und Amerika hat bereits mehr als einmal  nachgewiesen das immer mehr Bürger ihre Einlagen ersatzlos verlieren. Natürlich lassen sich die Politiker selber weiterhin durch den Staat absichern, da sie eigene Verluste nicht in Kauf nehmen möchten.

Der Kommentar zum Thema:

Keine Zinsen, keine Vorsorge

Die hiesige Bevölkerung legt nicht mehr, sondern weniger Geld für ihre private Altersvorsorge zurück, ergibt eine Studie der Postbank. Der Versuch der Politik, die Altersvorsorge mehr und mehr in den privaten Bereich zu verschieben, hat offenbar nicht funktioniert.

Die Leute handeln dabei aber keineswegs leichtsinnig, sondern durchaus rational. Inzwischen hat sich herumgesprochen hat, dass „riestern“ viel zu hohe Gebühren verschlingt und niedrige Erträge bringt. Andere private Sparformen sind nicht besser.

Quelle: TAZ >>>>>  weiterlesen

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Grafikquelle  :   Walter Riester.

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Politik lohnt sich doch

Erstellt von DL-Redaktion am 9. September 2012

Vom nichtsnutzigen Staatsdiener zum Großverdiener

Wasser verteilen und selber Sekt saufen

In seiner morgigen Druck-Ausgabe berichtet der Spiegel laut Vorankündigung in seinen Leitartikel ausführlich über die große Geschäftstüchtigkeit Deutscher Politiker. Erst regieren sie, dann machen sie ihre Kontakte und Erfahrungen zu Geld: Dass Politiker oder Spitzenbeamte nach ihrem Ausscheiden in die Wirtschaft wechseln, ist inzwischen selbstverständlich geworden. Hätte man sich Willy Brandt als Lobbyisten für eine Gas Leitung vorstellen können?

Gerhard Schröder hatte damit kein Problem. In diesem Jahr sind weitere Namen hinzugekommen: Ernst Uhrlau, lange Präsident des Bundesnachrichtendienstes, ist als Risikoberater zur Deutschen Bank gegangen, Georg Fahrenschon, vorher bayerischer Finanzminister, ist jetzt Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Regeln, die den nahtlosen Übergang in die Industrie einschränken, gibt es so gut wie keine. In den USA und in anderen westlichen Ländern, berichten meine Kollegen Jürgen Dahlkamp und Ralf Beste, sind die Vorschriften für Ex-Politiker, die als Lobbyisten anheuern, schärfer.

Die Titelgeschichte dieser Woche plädiert für strengere deutsche Regeln. Die sind dringend nötig, denn in neuen Fällen geht es unter anderem um den früheren Brandenburger Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns und Ex-Innenminister Otto Schily.

Besonders Auffällig hierbei das im besonderen ehemalige SPD Spitzen ihre zuvor auf Kosten der Steuerzahler gemachten Kontakte zum Aufbau ihrer privaten Geldmaschine ausnutzen. Da passt es sehr gut das nun vor dem Bundeswahlkampf von den Fettwänsten dieser Partei, Steinmeier, Steinbrück und Gabriel eine neue Rentenformel eingereicht wird. 850 Euro Mindestrente als Belohnung für wenigstens 40 Jahre Arbeit. Ein Witz oder eine Zumutung?

Würden sie wohl selber, die selbsternannte Denkelite solcher Vorschläge von solch einen Einkommen leben können? Da brauchen wir nicht weiter darüber nachzudenken, denn sie brauchen es nicht und sie werden es nicht müssen. Und das nicht weil sie klüger oder fleißiger als der Rest der Bevölkerung wären, sondern einzig aus dem Grund da sie vonn uns Idioten gewählt werden.

Der Wähler bestimmt also in seiner Naivität wer sich in diesen staatlichen Selbstbedienungsladen setzen und ungeniert bedienen darf und wer nicht. Erinnern wir uns noch? Der Kahlschlag an der Sozialgesetzgebung in diesem Land wurde von einer SPD/Grünen Regierung unter den Namen Hartz eingeführt. Erst stahlen sie den Bürgern die Wurst und die Butter vom Brot um sie heute mit Margarine ruhig zu stellen. Aber wie heißt es so schön: „Nur die dümmsten Schweine, wählen sich ihre eigenen Metzger“.

Auch im Süden des Landes sorgen ehemalige Politiker für immer neue Schlagzeilen. Auch dort geht es um Lobbyismus im großen Ausmaß. Auch dort freut man sich über die über Jahre anhaltende Naivität der Wähler. In einer tiefgreifenden Recherche stellte sich nun heraus dass der Energieanbieter EnBW sehr viel Geld für den Bau Orthodoxer Kirchen in Russland ausgegeben hat um so Zugang zu den Gasquellen in Russland zu erlangen. Nun, nach über 20 Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft und wir würden uns nicht wundern, sollte der Wind die Spuren verwehen.

Hier die ausführliche Recherche:

Millionen für den Nikolaus

DEALS Jahrelang suchte der Energieanbieter EnBW einen direkten Zugang zu russischem Gas. Vergeblich. Dann lernten die Manager einen Lobbyisten kennen, Andrey Bykov. Er steckte das Geld der Stromkunden in Kirchen

Wenn sich ein Mann wie Andrey Bykov in die Öffentlichkeit traut, riskiert er seinen Ruf. Lobbyisten wie er bleiben im Hintergrund, sie reden nicht über ihre Partner. Die Öffentlichkeit erfährt nur indirekt von ihrer Arbeit, wenn sie erfolgreich war. Dann heißt es in den Nachrichten, dass große Konzerne gemeinsam Milliarden investieren, um ein Erdgasfeld zu erschließen oder eine Pipeline zu bauen. Es sind Männer wie Andrey Bykov, die solche Deals einfädeln. Er war so etwas wie die Ein-Mann-Russland-Abteilung der Energie Baden-Württemberg (EnBW), dem drittgrößten Stromversorger in Deutschland.

Sie trauten ihm viel zu. Doch dass er irgendwann einmal aus dem Hintergrund hervortreten und auf das wichtigste Prinzip seines Geschäftsmodells pfeifen würde – die Diskretion – das hatte wohl niemand bei EnBW erwartet. Plötzlich redet Bykov.

Ein schwül-heißer Tag, in Moskau erschwert der Smog das Atmen. 20 Kilometer außerhalb der Hauptstadt gibt es Seen und Wälder. Auf den Parkplatz einer seelenlosen Einkaufs-Mall rollt ein schwarzer VW Phaeton. Heraus steigt Andrey Bykov, er ist ohne Chauffeur gekommen. Bykov trägt eine schlichte Jeans, in die er ein Hemd gesteckt hat, eine Aktentasche aus braunem Leder, das Haar ist zur Seite gescheitelt. Sein Gesicht ist blass, fast bubenhaft. Er sieht nicht aus wie ein vielfacher Millionär in einem Land, in dem die Reichen gerne protzen.

Er und EnBW bekämpfen sich nun schon seit über zwei Jahren, seit sechs Monaten auch in der Öffentlichkeit. Beide streuen ihre Geschichten, längst ist es auch eine PR-Schlacht. EnBW fordert 119 Millionen Euro von Bykov, weil er vier Verträge nicht erfüllt haben soll. Ursprünglich hatten sich beide auf Diskretion verständigt und wollten Schiedsgerichte über ihre Streitigkeiten urteilen lassen. Private, nicht staatliche Gerichte also, die unter vollkommener Verschwiegenheit urteilen.

Bykov ist plötzlich der dubiose Russe, ein Lügner

Befasst sind Institutionen in Berlin, im Schweizer Zug und in Stockholm. Von den bisherigen zwei Auseinandersetzungen hat Bykov eine zur Hälfte verloren – und soll 24,5 Millionen Euro an die EnBW zurückzahlen. Dabei geht es um einen Vertrag mit Bykovs Firma Eurepa in Zürich. Bisher wartet die EnBW auf ihr Geld. Der Konzern hat daraufhin Vollstreckungsmaßnahmen in der Schweiz gegen Eurepa einleiten lassen, wie EnBW nun der sonntaz mitteilte. Amtliche Zustellungen seien unter dieser Adresse nicht mehr möglich. „All dies lässt sich sicherlich kaum mit dem Gebaren eines seriösen Geschäftsmannes vereinbaren“, sagt EnBW.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle  :     Blogsport

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Der Drückerkönig…

Erstellt von DL-Redaktion am 13. Januar 2011

…und die Politik!

Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer Berlinale 2010.jpg

Manchmal ist es auch an der Zeit, das Fernsehen zu loben. Dort wo der Normalverbraucher vielfach nur die Auswahl zwischen „Wetten das“ oder einigen anderen Schmuddelsendungen serviert bekommt, wurde in der ARD am gestrigen Abend in der NDR-Panorama Sendung um 21:45 Uhr unter dem Titel „Der Drückerkönig und die Politik“ feinste Journalistische Arbeit gezeigt.

Dort fand man sie alle wieder versammelt, die vereinigten Gutmenschen und Tafelfreunde unserer sich selbst gerne Elite nennenden Gesellschaftsgrößen. So applaudierten sie sich im ständigen Gleichklang zu, um durch großzügige Spenden für die von ihnen ach so geschmähte Unterschicht zumindest einen winzigen Teil von den Gewinnen, welche ihnen durch die Mithilfe von politischen Hasardeuren  zuvor in die Taschen geschoben wurden, großzügig zurückzugeben. Welch eine Ironie.

Als eine führende Größe unter diesen „Goldeseln“ schiebt sich immer mehr ein gewisser Carsten Maschmeyer in den Vordergrund. Mit seinen Verbindungen zu Schröder, dessen Kanzlerkandidatur er einst finanzierte, Christian Wulff, seines Zeichens Bundespräsident, urlaubte in Maschmeyers Villa auf Mallorca und  mit der Unterstützung des Rentenjongleurs Rürup berät er heute Versicherungskonzerne.  Auch der Kristina Schröder, die umstrittene Familienministerin, steht Maschmeyer in Sachen Pflegeversicherung beratend zur Seite. Ebenfalls Mitglied dieser feinen Gesellschaft ist Walter Riester, der Erfinder seiner Riester-Rente.

In den Blickpunkt dieser Sendung werden aber auch die Opfer gerückt. Sie tragen mit ihren Aussagen und der Hilfe des Korupptionsexperten Albrecht Müller dazu bei, Licht in ein sehr dunkles Netzwerk zu bringen. Durch hartnäckige Fragen des Reporter Lütgert gelingt es die beteiligten Politiker zu einer „Uns kann ehe keiner was“ Reaktion zu animieren. Kristina Schröder wird dümmlich frech und läuft davon, Rürup schiebt seine Kritiker in den Bereich der kranken Gehirne und Riester behauptet frech dreist, nie Werbung für die AWD gemacht zu haben.

Eine wirklich feine Gesellschaft, welche dort entlarvt wird. Selten zuvor ist es so eindrucksvoll gelungen, auf die Vermischung von Finanzen und Politik aufmerksam zu machen. Dass sich hier Politik über alle Parteigrenzen hinaus fürstlich bedienen lässt und man sich gegenseitig die Profite zuschiebt, zeigt schon, wie schwer es werden wird, den offensichtlichen Korruptionen Herr zu werden. Bei Betrachtung dieser Dokumentation wird auch dem Laien verständlich, warum unsere Gesellschaft mehr Privatisierung „benötigt“ und Umstrukturierungen des Arbeitsmarktes, der Renten, der Krankenversicherungen, um hier nur einiges zu nennen, durchgeführt werden mussten und heute noch weiter durchgeführt werden.  Zum Vorteil der betroffenen  Bürger mit Sicherheit nicht.

Bedenklich stimmt vor allem die schweigsame und lethargische Haltung der Bevölkerung. Der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung sind dergleichen Machenschaften von Politik und Wirtschaft bekannt. Auch hat ein jeder die Möglichkeit, sich in heutiger Zeit entsprechend zu Informieren. So bin ich mir ziemlich sicher, dass in einigen Jahren wieder einmal niemand etwas von den Folgen gewusst haben will.

Auch durch einen Austausch der Regierung werden sich keine Änderungen bewirken lassen. Erst recht nicht durch ein Abdriften in den Kommunismus nach links oder den Nationalismus nach rechts. Das gleichte nur einem Austausch der Schweine an den Trögen der Macht. Veränderungen können nur aus der Gesellschaft heraus vollzogen werden. Zu dieser Gesellschaft haben aber die heutigen Parteien allerdings schon lange den Bezug verloren.

Hier noch einmal die Sendung von gestern Abend als Video:

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Grafikquelle  :  German actress Veronica Ferres and her partner Carsten Maschmeyer.

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