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Verdiente Schlappe in London

Erstellt von DL-Redaktion am 24. Juni 2015

Verdiente Schlappe in London

von Owen Jones

Die Labour-Partei wurde von den Wählern abgestraft, weil sie sich zu wenig von den Konservativen unterscheidet

Es war eine verheerende Niederlage für die Labour-Partei, die kaum jemand kommen gesehen hatte. Während des gesamten Wahlkampfs hatten die Meinungsumfragen hartnäckig verkündet, Labour und die Konservativen würden sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Am Wahltag wurde sogar von einem Stimmungsumschwung zugunsten von Labour berichtet. Politische Beobachter und Experten waren sich einig, dass Labour-Chef Ed Miliband in Downing Street 10 einziehen würde: nicht als Premierminister mit eigener Mehrheit, sondern als Anführer einer Minderheitsregierung, die Labour zusammen mit der für die Unabhängigkeit Schottlands kämpfenden Scottish National Party (SNP) bilden würde.

Die Meinungsforscher hatten schon einmal völlig danebengelegen. Das war 1992, als ein Sieg von Labour sicher zu sein schien und dann die Tories unter John Major die Unterhauswahlen gewannen. Seitdem sind die Prognosemethoden radikal überarbeitet worden.

Um zehn Uhr abends am 7. Mai, als die Wahllokale schlossen, zeigten die Nachwahlbefragungen das überraschende Ergebnis: eine klare Führung der Tories. Bei den Labour-Anhängern mischten sich Ungläubigkeit und Entsetzen – eine Erschütterung, die in den kommenden Tagen nicht abklingen wollte. Entgegen der Prognose hatten die Konservativen ihre erste parlamentarische Mehrheit seit 23 Jahren errungen, wenn auch nur mit einem bescheidenen Vorsprung von 12 Sitzen.

Wie ist dieser dramatische Niedergang der Labour Party zu erklären? Großbritannien erlebt derzeit die längste Phase seit der viktorianischen Ära (1837–1901), in der der Lebensstandard der Arbeiter kontinuierlich sinkt – eine beunruhigende Entwicklung für ein EU-Mitgliedsland. Die öffentlichen Dienst- und Sozialleistungen werden seit Jahren abgebaut, die wirtschaftliche Erholung ist für britische Verhältnisse eher schwach.

Zunächst einmal gab es keinen massiven Schwenk zu den Konservativen, die seit den Wahlen 2010 in einer Koalition mit den Liberaldemokraten regierten. Zwar gelang es den Konservativen, ihren Stimmenanteil zu steigern, was seit 1955 keine Regierungspartei mehr geschafft hat. Aber sie gewannen nur gut 600 000 Stimmen hinzu und kamen damit auf knapp 37 Prozent.

Quelle: le monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Tony Hisgett from Birmingham, UK

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