DEMOKRATISCH – LINKS

                      KRITISCHE INTERNET-ZEITUNG

RENTENANGST

Militär und Kirche

Erstellt von DL-Redaktion am 28. Februar 2016

Der pazifistische Dickkopf

Sie liest sich sehr wohltuend, diese Story von Pfarrer Matthias Gürtler aus Greifswald. So ganz der Gegensatz zu  diesen eitlen Pfau, welcher sich eines Tages auf den Weg machte seiner all die Jahre verfolgten Berufung als Seelsorger hinzuwerfen, um in der BRD ein neues politisches Leben zu beginnen? Der Lockruf des Goldes.

Da gab es in einem neuen System, welches noch nicht verstanden wurde schließlich einige Euro mehr zu verdienen. So fanden sich dann auch zwei ehemalige, nicht gerade als staatstragende Personen der alten Liga bekannt, unter dem Motto „Bauer sucht Frau“ zu einer politischen Einheit zusammen. Noch nicht richtig angekommen, mit leeren Taschen, wurde ihnen schnell bewusst wie diese zu füllen waren.

Da hatten wir doch in den letzten Tagen noch einen interessanten Bericht unter den Titel „Alle sagen: I Love You“ kommentiert. Diesem folgend  wäre es gut vorstellbar wenn, ein seiner Berufung treu gebliebener Pfarrer, innerhalb seiner privaten Sphäre ob eines solch umgepolten Seelenfänger nur noch verständnislos seinen Kopf schüttelt.

„Schwerter zu Pflugscharen“ Gürtlers ganzer Stolz ist als Mahnmal an der Kirche zu sehen. Aber wer kann das schon vorhersagen, vielleicht taucht Granaten Uschi ja eines Tages als Gespann auch mit diesem Ex- Pfarrer in Greifswald auf um an den Schulen Kinder für das das Militär zu rekrutieren? Die Bundeswehr zahlt bestimmt einen entsprechenden Blutzoll.

Militär und Kirche
Der pazifistische Dickkopf

von Thomas Gerlach

Ein Pfarrer in Uniform? „Unerträglich“, findet das Matthias Gürtler. Der Greifswalder Theologe ist gegen Militärseelsorge.

Der Dom von Greifswald ist aus Ziegelsteinen aufgeschichtet worden, als wollten die Frommen an der Ostsee einen neuen Turm zu Babel bauen. Fast hundert Meter ragt er in den pommerschen Himmel. Und immer pfeift der Wind. Zweimal ist der Turm eingestürzt. Lange her, sagt Matthias Gürtler und blickt nach oben.

Dann wandert der Blick des Pfarrers wieder auf das wetterfeste Plakat neben dem Eingang. Das fast zwei Meter große Viereck passt nicht recht zur mittelalterlichen Backsteinwelt und doch ist das Emblem „Schwerter zu Pflugscharen“ Gürtlers ganzer Stolz. Wo sonst hängt die Vision der DDR-Friedensbewegung noch so sichtbar an einer Kirche?

„Schwerter zu Pflugscharen“ war die Forderung vieler Christen in der DDR in den achtziger Jahren. Sie richtete sich vor allem gegen die eigene Regierung. Wer mit diesem Emblem auf dem Ärmel durch die Straßen lief, galt als Staatsfeind. Es scheint wie ein Museumsstück aus einer Zeit, als sich Ost und West in Deutschland hochgerüstet gegenüberstanden. Doch Matthias Gürtler hat das Plakat nicht aus Nostalgie aufgehängt.

Die Verteidigungsministerin bestellt neue Panzer, die Bundeswehr will den Kampf in Großstädten simulieren, die Soldaten sollen mit neuen Transportflugzeugen schlagkräftiger werden und sind bereits zwischen Afghanistan und Westafrika im Einsatz. Und nun sollen sie den Flüchtlingsstrom in der Ägäis stoppen. Und die Kirche ist wie selbstverständlich mit im Konvoi.

Die Einsätze der Bundeswehr dienen dem Frieden in der Welt“, unterstreicht der evangelische Militärbischof Sigurd Rink, der für die rund hundert evangelischen Militärseelsorger verantwortlich ist, in seiner jüngsten Weihnachtsbotschaft an die Angehörigen der Bundeswehr.

„Schwerter zu Pflugscharen“

Ein Bischof, der eine ganze Armee zu Friedensstiftern erhebt? „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das meine Kirche ist, die mit dem Militär mitzieht“, wird Gürtler heute noch sagen. Jetzt steht er unter dem Transparent mit dem stilisierten Hünen, der so elegant ein Schwert zu einer Pflugschar treibt – ein Pfarrer, 63 Jahre alt, in Jeans, die Hände tief in der Jacke vergraben. Fehlt nur der Aufnäher auf dem Ärmel. Die Renitenz gegen alles Militärische ist offenkundig. Was hat die Kirche in Kasernen, auf Nato-Stützpunkten und auf Fregatten verloren? Gürtler geht in den Dom.

Umstandslos erzählt er, dass er Probleme hat mit dem Innenleben dieses Baus, in dem so vieles unfertig wirkt. Ein neumodischer Altar, in der Mitte des Schiffes statt im Osten. Wohin soll er predigen, wenn ringsum Zuhörer sitzen? Eine Taufkapelle ausgerechnet in der düstersten Nische, eine wuchtige braune Bühne im Westen und Fensterglas wie in einer Fabrik.

Eine Sanierung ganz nach DDR-Manier, zu deren Abschluss im Juni 1989 Erich Honecker zum Festgottesdienst anreiste, hatte die SED die Erneuerung des Domes doch wohlwollend unterstützt. Der starrsinnige Honecker zwischen Altarkerzen und Gekreuzigtem – ein Bild zum Schütteln.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

—————————————————————————————————————————

Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Concord –/– CC BY-SA 3.0

Abgelegt unter Europa, Feuilleton, Kommentar | Keine Kommentare »