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RENTENANGST

Hey, Puppe

Erstellt von DL-Redaktion am 29. Januar 2016

Barbie überwacht das Kinderzimmer

Stasi Barbies im Karl Liebknecht Haus

von Meike Laaff

Die neue „Hello Barbie“ zeichnet die Unterhaltungen auf, die sie mit ihrer Besitzerin führt. Überwacht werden wir aber nicht nur hier.

Einmal auf den Gürtel drücken, dann läuft die Aufnahme. Dann zeichnet die neue „Hello Barbie“ auf, was die Besitzerin ihr erzählt – und schickt die Audioaufnahmen übers WLAN nach San Francisco. Die Puppe merkt sich so, was das Kind ihr über seine Familie erzählt, über seine Vorliebe für Taylor Swift oder die Farbe Lila – und kann seine Besitzerin auch Wochen später noch einmal darauf ansprechen, weil alle Aufzeichnungen auf den Servern der US-Firma ToyTalk zusammenlaufen. Dort werden die Aufzeichnungen der Dialoge zwischen Kind und Puppe, die sich am Gürtel an- und ausschalten lassen, nicht nur gespeichert, sondern sind auch für die Eltern abrufbar.

Das Internet der Dinge trifft Siri, sozusagen: Die „Hello Barbie“, die seit November für 75 Dollar in den USA erhältlich ist, hört zu und antwortet dank jeder Menge Technik, die im Spielzeug verbaut ist: ein Mikrofon im Nacken, WLAN-Schnittstelle, USB-Ports, umhüllt von ein bisschen Barbie-Plastik. Plus eine künstliche Intelligenz auf den Servern von Mattels Kooperationspartner, der Firma ToyTalk aus San Francisco, die Barbie 8.000 vorbereitete Dialogsätze in den Mund legt – und sich eben auch Informationen über das Kind merken kann.

Seit Monaten erntet das, was Mattel laut einer Entwicklerin als „besten Babysitter der Welt“ konzipieren wollte, jede Menge Kritik. Und zwar weit jenseits des Prinzips Barbie, das schon seit der Einführung der Puppe in den Fünfzigern ein pinkes Tuch für Eltern, Pädagogen und Feministinnen ist – ob wegen ihrer grotesken Körpermaße, Diättipps für Minderjährige oder ihres modefixierten Dummchen-Mindset.

Als „Stasi-Barbie“ und „Überwachungspuppe“ wurde die Hello Barbie geschmäht. Eine Sammelklage in den USA läuft schon – angestrebt unter anderem von einer Mutter, deren Tochter bei einer Geburtstagsparty vom Puppengerät einer Freundin einfach mitaufgezeichnet wurde. Technikforscher wie Sherry Turkle vom Massachusetts Institute of Technology in Boston sehen sie als Tor zur „Sozialisierung von Kindern dahingehend, Objekte als adäquate Unterhaltungspartner zu sehen“. Und Bildungsforscherin Doris Bergen von der Miami-Universität in Ohio kritisierte im Magazin der New York Times in Bezug auf ähnlich konzipierte Roboter, gerade für junge Kinder „sei es sehr schwierig, zu unterscheiden, was real ist und was nicht“.

Aufzeichnungen werden zwei Jahre lang gespeichert

Auch wenn Mattel und ToyTalk beteuern, dass die Daten nicht zu Werbezwecken verwendet werden, laufen Kinderrechtsorganisationen in den USA Sturm gegen das Produkt – unter anderem, weil die Verbindung zwischen der Puppe, die gezielt nach Vorlieben, Interessen und Familie der Besitzerin fragt, und Marktforschungszwecken für den Mattel-Konzern doch allzu naheliegend scheint.

Datenschützer sind ebenso wenig amüsiert: ToyTalk und Mattel geben zwar an, die Aufzeichnungen der Kinder würden zwei Jahre lang gespeichert – oder bis die Eltern per App die Löschung verlangen. Fraglich ist allerdings, wie vollständig sich das praktisch umsetzen lässt, wenn ToyTalk ebendiese Daten laut eigenen Aussagen an Dritte für Forschungs- und Entwicklungszwecke weiterleitet. Von möglichen IT-Sicherheitsproblemen ganz zu schweigen.

Selbst in Deutschland, wo die Puppe noch gar nicht erhältlich ist und es nach Aussagen von Mattel auch gar nicht werden soll, kocht die Diskussion hoch: „Hello Barbie“ fand Erwähnung in einem Vortrag mit dem Titel „Sicherheits-Alpträume“ auf dem Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs. Und wurde bereits im April von den Bielefelder Bürgerrechtlern Digitalcourage aus Bielefeld mit dem „Big Brother Award“ ausgezeichnet – einem Negativpreis für besonders hanebüchene Einschnitte in die Privatsphäre. „Kinder lernen Freiheit nicht mehr“, kritisiert Digitalcourage-Kopf Padeluun zum Barbie-Gerät.

„Hello Barbie“, mit der Mattel seine sinkenden Puppen-Absätze stoppen wollte, ist längst nicht das einzige Spielzeug, das über das Internet vernetzt den Nachwuchs bespaßen soll. Schon 2014 debütierte die etwas primitivere Puppe „My Friend Cayla“ auf dem US-Markt, die sich mit Smartphones verband. Und aktuell laufen die Vorbestellungen für Cognitoys, kleine Plastik-Dinosaurier einer Firma Elemental Path, die sich mit Kindern unterhalten können soll – gestützt durch IBMs Supercomputer Watson. Auch vTech, ein Hersteller aus Hongkong, verkauft Lerncomputer und vernetzte Spielwaren – auch in Deutschland. Und zog Ende 2015 viel Aufmerksamkeit auf sich, weil Hacker Millionen Nutzerdaten, Fotos und Chataufzeichnungen von Eltern und Kinder erbeuteten.

Kinder, die unter ständiger Überwachung aufwachsen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Miriam Guterland –/– CC BY 3.0

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Der rote Faden

Erstellt von DL-Redaktion am 18. April 2015

Es. Ist. Alles. So. Mühsam.

Die Flaschen sind leer

von Meike Laaff

Plumps. Da liegt er. Heiko Maas. Am Boden liegt er, mit seinem Projekt, der SPD so etwas wie ein digitales Bürgerrechtsprofil zu verpassen. Geschubst von Parteichef Gabriel, der wochenlang so falsche Behauptungen über die Vorratsdatenspeicherung aufgestellt hatte, dass die jetzt Gesetz werden soll in Deutschland. Proudly presented by SPD-Ex-Privacy-Advokat Heiko Maas.

Es. ist. Alles. So. Mühsam. Seit 2008 dreht sich der elende Streit über die Vorratsdatenspeicherung im Kreis. Denn seitdem gibt es sie in Deutschland nicht mehr – und damit auch keine neuen Argumente für oder gegen sie. Und Befürworter und Gegner liefern sich einen Schlagabtausch, der so spannend und überraschend ist wie die alljährliche „Dinner for One“-Wiederholung an Silvester. In Frankreich werden Karikaturisten erschossen? Passt auf: Gleich fordert ein Sicherheitshardliner der Union wieder, anlasslos Daten auf Vorrat zu speichern, weil alles andere die Polizeiarbeit behindert. Und dann sagen die Gegner noch mal, dass es keine einzige Studie gibt, die belegt, dass die Speicherung der Polizeiarbeit hilft oder gar Straftaten verhindert. Hin, her, hin, her, Vorhang, same procedure as every year.

Eine einzige ewige Wiederkehr – die Nietzsche als unendlich sich wiederholenden Kreislauf aller Dinge beschreibt, der unerträglich ist, aber am Ende irgendwie zu Lebensbejahung führt. Vielleicht ist es ja das, was sich die SPD davon verspricht, einen bereits vom Europäischen Gerichtshof und großteils auch vom Bundesverfassungsgericht abgeschmetterten Grundrechteeingriff noch einmal in ein Gesetz zu gießen, obwohl der Sicherheitsnutzen in höchstens homöopathischen Dosen nachweisbar sein wird.

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Holger Noß

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