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RENTENANGST

Der Geheimniskrämer

Erstellt von DL-Redaktion am 12. Juni 2015

SCHURKEN, DIE DIE WELT BEHERRSCHEN WOLLEN

Landwirtschaftsminister: Der Boss über die Schweine und deren Gülle

Christian „Stummi“ Schmidt

Von Peter Köhler

Sein ganzes Leben war es Christian Schmidt gelungen, seine heimliche Leidenschaft, seine wahres Ich, seine wirkliche Orientierung vor der gierig nach Enthüllungen schmatzenden Medienöffentlichkeit zu verbergen. 1957 unauffällig im fränkischen Obernzenn zur Welt gekommen, hatte er, vordergründig gut angepasst, das Abitur erworben und anschließend seinen Wehrdienst abgebrummt, ohne dass den Kameraden etwas aufgefallen wäre. Er studierte wie viele sonst ganz normale Männer Jura und kam 1985 im deutschen Gerichtswesen als Rechtsanwalt mit den Schwerpunkten Arbeits- und Wettbewerbsrecht unter, ohne den Kollegen und Klienten seine eigentliche Neigung jemals zu erkennen zu geben.

Dass er schon während der Pubertät zur CSU gefunden hatte, fand in Bayern sowieso niemand verdächtig, und so saß Christian Schmidt seine Zeit ruhig im Gemeinderat Obernzenn ab, bis er 1990 einen Stuhl ganz hinten im Bundestag bezog. Selbst hier, im geschützten Dunkel am Ende des Saales, entfloh kein verräterisches Wort dem Gehege seiner Zähne. Im Gegenteil, er perfektionierte in der Öffentlichkeit seine Tarnung: wurde 1993 im Präsidium des völlig arglosen Auto- und Reiseclubs Deutschland ARCD ansässig, 2006 von den nichts ahnenden Mitgliedern der Deutschen Atlantischen Gesellschaft zum Präsidenten ernannt, 2010 vom hinter dem Mond lebenden Evangelischen Arbeitskreis der CSU zum Landesvorsitzenden befördert und 2011 von Horst Seehofer zum stellvertretenden Parteivorsitzenden erhoben – ob Seehofer wirklich uninformiert war oder längst hinter der hohlen Hand Bescheid wusste, steht dahin, denn … doch Geduld!

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Tobias Koch

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Industrielle Landwirtschaft

Erstellt von DL-Redaktion am 5. August 2014

Das ostdeutsche Acker-Imperium

Die KTG Agrar SE bewirtschaftet satellitengesteuert 30.000 Hektar in Ostdeutschland, so viel Land wie kein anderer Konzern

AUS ORANIENBURG GABRIELA M. KELLER

Es war einmal ein Bauer, der hatte kein Land. Er wuchs auf einem Hof in Bayern auf, die Eltern bauten Spargel und Erdbeeren an. Doch den Hof erbte der ältere Bruder. Da zog er aus, sein Glück zu suchen.

Heute ist Siegfried Hofreiter Herr über den größten Landwirtschaftskonzern Deutschlands, die KTG Agrar, ein Imperium mit 23 Standorten, 775 Mitarbeitern und mehr als 40.000 Hektar, davon rund 32.000 in Ostdeutschland und auch noch 8.000 in Litauen.

Dazwischen liegen rund 30 Jahre und eine Geschichte, die eng verknüpft ist mit dem rasanten Wandel der Landwirtschaft in Ostdeutschland.

Der Bauer lebt in einem Haus, das aussieht wie von der bayrischen Alm nach Brandenburg teleportiert, Holzbalkone, Giebeldach, Heckenrosen. Es steht mitten auf dem Gelände des Standorts Oranienburg. Gegenüber erhebt sich ein Verwaltungsbau; weiter hinten liegen neue, saubere Maschinen- und Lagerhallen zwischen Erdbeerfeldern verstreut.

Aber der KTG-Vorstandsvorsitzende ist nicht da. Er ist in seinen Ländereien unterwegs. Stattdessen läuft Benedikt Förtig über die Einfahrt heran, 29 Jahre alt, ein stämmiger Baden-Württemberger mit Hornbrille und BWL-Diplom, der aus einer Bauernfamilie stammt und vor fünf Jahren eine E-Mail an Hofreiter schrieb, weil er „unbedingt Teil eines innovativen, wachsenden Unternehmens sein wollte“. Inzwischen hat er es in den Vorstand der KTG Agrar geschafft, die als SE – Societas Europaea – firmiert, als Aktiengesellschaft in der Europäischen Union.

Förtig weiß, dass die KTG in den Augen vieler für eine Entwicklung steht, die darauf hinausläuft, dass Geld und Land in den Händen weniger konzentriert sind. Investoren und Konzerne übernehmen immer mehr Flächen, die Preise für Kauf und Pacht steigen rapide. Förtig lächelt schmal und sagt: „Bei uns ist das so, dass wir uns mehr im internationalen Wettbewerb sehen. Wir schauen im Moment vor allem nach Osteuropa. Und verglichen mit den Verhältnissen dort, sind wir eher klein.“

Aber wer eine Weile in den ländlichen Gegenden im Osten unterwegs ist, hört andere Geschichten. Die handeln von einem Ausverkauf, der mit der Wende einsetzte. Bernd Graebert*, Landwirt in der Altmark, Sachsen-Anhalt, sitzt in seinem schmalen Wohnzimmer und erinnert sich, wie Siegfried Hofreiter Mitte der 90er Jahre mit seinem jüngeren Bruder Werner in der Region aufgetaucht ist.

Der Umsatz stieg auf 165 Millionen Euro

Nach dem Ende der DDR wurde aus der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) am Ort eine Agrargenossenschaft, die 1996 vor der Pleite stand. Dann kamen die Hofreiters, sagt er, und die Mitglieder ließen sich überreden, ihnen ihre Anteile günstig zu verkaufen. „Wir haben das selbstständige Wirtschaften nicht gelernt“, sagt er. „Die wussten, wie man mit Insolvenzen reich wird. Die standen immer gleich da, wo eine Agrargenossenschaft auf der Kippe stand.“

Er selbst konnte von Stadt, Kirche und dem Treuhand-Nachfolger BVVG 150 Hektar pachten. Nur wollten die Hofreiters das nicht einfach hinnehmen, sagt Graebert, zeigt aus dem Fenster. „Da unterm Nussbaum haben wir diskutiert.“ Sie hätten ihm gesagt: Er schaffe das doch allein nicht. Lieber solle er ihnen seine Flächen überlassen und für sie als Manager arbeiten. „Ich wollte das nicht“, sagt er leise. Viele Eigentümer aber hatten nichts dagegen, den Investoren Flächen zu verpachten, meist alte Leute ohne Bindung an ihr Land: „Die waren froh, als die Hofreiters kamen.“

Die KTG Agrar wächst und wächst: 2013 hat der Konzern seinen Umsatz um 50 Prozent gesteigert, auf 165 Millionen Euro. Ein Viertel der Flächen, die sie bewirtschaftet, ist Hofreiters Eigentum. Nun breitet sich das Unternehmen zunehmend nach Osten aus: In Rumänien und Russland ist die KTG bereits als Farmmanager aktiv.

In Oranienburg schlendert Benedikt Förtig durch den Schatten der Maschinenhalle, vorbei an riesigen Mähdreschern und Traktoren, die aussehen wie eine Mischung aus Marsfahrzeug und Panzer, gewaltige Maschinen mit 500 PS. Zwar hat jeder Standort einen eigenen Maschinenpark, sagt Förtig, zusätzlich aber gibt es eine Flotte von Mähdreschern, die sich zur Erntezeit wie eine mobile Einsatzgruppe von Süden nach Norden wälzt, bis nach Rügen, wo die Maschinen nach Litauen verschifft werden. „Wir haben in der KTG-Gruppe 40 Mähdrescher, die jeweils zwischen 350.000 und 400.000 Euro kosten. Die setzen wir so ein, dass das Erntefenster maximal ausgenutzt wird.“

Von Oranienburg aus werden die Aktivitäten auf allen Flächen des KTG-Imperiums gelenkt. Sämtliche Maschinen sind per Satellit und GPS mit der Zentrale verbunden. Förtig tritt auf einen Trecker hinter der Maschinenhalle zu. Über eine Leiter geht es hoch zum Führerhäuschen. Neben dem Sitz hängt ein Tablet, auf dem der Fahrer alles sehen kann. Der Trecker fährt sogar von selbst seine festgelegte Route ab, vollautomatisch. „Alles ist vernetzt“, sagt Förtig, „alles ist ein System.“

Marktführer Öko-Anbau

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Siehe auch:

Die Saat ist aufgegangen

Die staatliche Enteignung

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Cd design85

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Alles Bio – oder was?

Erstellt von DL-Redaktion am 21. Januar 2011

Wird dieser Skandal ohne Gewinner bleiben?

Cubalaya

Wäre es nicht an der Zeit einmal darüber nachzudenken warum diese Skandale immer wieder so eintreten wie geschehen? Nach dem falschen Umgang mit Rindern die Schweine jetzt die Hühner. Von uns, den Menschen spricht keiner? Es gab auch schon einmal Zeiten einer politischen Kultur des nicht Erkennens – gleich Versagen! Wo für brauchen wir Politiker, welche nicht einmal in der Lage sind das Volk vor Unbill zu schützen? Vom täglichen Leben eines Biobauern wird hier geschrieben.

Skandal ohne Gewinner.

Früher, ja, früher war dir ein Ei wie das andere, und du wusstest nur: Wenn’s Portemonnaie leer ist, fährst du mit Knickeiern günstig. Heute stehst du beim Biobauern im Matsch und fragst ihn: Wie er das denn hinkriegt, dass in seinen Eiern nix drin ist, und vor allem: kein Dioxin.

Da zieht der Biobauer, der Johannes Erkens heißt, die Brauen zusammen, guckt ein bisschen streng und sagt doch glatt: Nein, also so etwas, das könne er nicht versprechen. Kann ja keiner behaupten, der ehrlich ist – dioxinfrei. Hoppsa!, gackernd stieben ein paar Hühner davon, die den Besuch kritisch beäugen, und du versuchst gerade, nicht umzufallen, während du auf einem Bein die Plaste-Überschuhe auf die Stiefel stülpst. Die sind nötig, hygienetechnisch, weil’s gleich in den Stall geht. „Wir leben alle unter einem Himmel“, sagt Erkens, „auf derselben Erde.“ Und dioxinfrei gibt’s da nicht mehr, nirgends. Auch ein Biobauer könnte sich da höchstens rausträumen.

Auch Bio-Landwirtschaft ist schließlich ein realistisches Geschäft. Aber ein ehrliches, mindestens wenn’s nach Erkens geht, wie hier, auf dem Kudammhof in Adelheidsdorf-Großmoor bei Celle, mit seinen durchschnittlich 5.000 Hühnern, die Herde à 1.000 Tiere, Erkens stellt sie als Amberlink Legehybride vor. Also die berüchtigten Turbohühner? „Wir brauchen eine Leistung von 250 Eiern pro Huhn“, erklärt er. Rassehühner schaffen bestenfalls etwas mehr als die Hälfte, „damit würden wir nicht hinkommen“. Die Küken werden auf Bestellung vom Züchter angeliefert. Wie gesagt, ehrlich. Und realistisch. Und in der Dioxinfrage garantieren Erkens und seine Frau Friederike Schultz, die den Hof vor 20 Jahren vom Vater übernommen hat, eben nur dafür, dass die eigenen Böden streng kontrolliert sind, dass sie selbst keine neuen Schadstoffe eintragen und den Hühnern kein zusätzliches Dioxin übers Mischfutter zuführen.

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

IE

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Grafikquelle  Kruppert

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