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RENTENANGST

Immanuel Kant 2.0

Erstellt von DL-Redaktion am 14. Dezember 2010

Wikileaks weckt schlafende Hunde auf

Mit Wikileaks wird eine alte Utopie der Aufklärung Wirklichkeit. Im Umgang mit der Affäre zeigt sich die Überlegenheit von Demokratien.  Diesen Denkweisen geht der Philosoph Johannes Thumfart nach, um zu der Feststellung zu kommen, dass Eliten nicht überwacht werden müssen, weil sie per se böswillig sind, sondern weil sie schlicht zu viele Fehler machen.
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Julian Assange ist verhaftet und die Diskussion über Wikileaks reißt nicht ab. Während Unterstützer zu Cyberattacken übergehen, wettern Politiker und Journalisten gegen die Plattform. Diese Kritik ist auch Ausdruck der Angst analoger Autoritäten, im Zeitalter des Internets an Einfluss zu verlieren.

Vollkommen fremd ist den stets um Lockerheit bemühten Repräsentanten der Unterhaltungsgesellschaft eine Generation, die trockene Zahlencodes wie 213.251.145.96 auf T-Shirts trägt – eine der neuen Wikileaks-Adressen. Ausgerechnet sperrige, weitgehend unredigierte Dokumente haben eine Aufmerksamkeit erfahren, von der infotainende Politiker und Journalisten nur träumen können. In Zeiten postdemokratischer Politikmüdigkeit ist das Interesse an derlei Interna überraschend.

Attacke auf das Infotainment

Die eigentliche Sensation ist, dass damit die totgesagte, faktenorientierte Auffassung von Öffentlichkeit eine Renaissance erfährt. Wikileaks mag anarchisch scheinen, tatsächlich handelt es sich um die Verwirklichung einer politischen Utopie der Aufklärung.

Das Phänomen lässt sich als eine zeitgemäße Umsetzung des Verständnisses von Publizität deuten, wie es Immanuel Kant in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ von 1795 entworfen hat. Der Königsberger Philosoph formuliert hier grundlegende Gedanken zu internationalen Beziehungen und entwickelt im letzten Teil des Textes das „Prinzip der Publizität“: die Idee einer globalen Öffentlichkeit als Regulativ internationaler Politik.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle  : Bronzeskulpturen Saddam Husseins

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