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Lethargie statt Aufstand

Erstellt von DL-Redaktion am 4. Juli 2010

Trotz „schlechten Zeiten“

Einen interessanten Vergleich zwischen zwei Ölkatstrophen zieht Sebastian Loschert in seinem Artikel. Trotz „schlechter Zeiten“ kann man annehmen, dass wir Bürger satt und damit teilnahmslos geworden sind. Gleichgültig gegenüber unsere und unserer Kinder Zukunft legen wir unser Vertrauen in die Hände skrupelloser Macher, welche ausser leeren Versprechungen keine Aktivitäten aufbringen, weil das Füllen der eigenen Taschen im Vordergrund steht. In diesem Punkt sind sich alle Heilsversprecher einig, egal ob in Politik oder Religion, egal ob die Denkweise nun „rechts“, „mittig“ oder „links“ angesiedelt ist.

In einen Artikel vom 07. 05. 10 unter dem Titel „Die BP-ARAL Ölpest“ hatten wir bereit auf die Problematik hingewiesen. IE

Lethargie statt Aufstand

KATASTROPHE Die Ölpest am Golf von Mexiko wird täglich schlimmer. Proteste in Deutschland gibt es kaum. Ganz anders in den Neunzigern, als die Ölplattform „Brent Spar“ versenkt werden sollte

VON SEBASTIAN LOSCHERT

Geschlossen wegen Klimawandels“ stand auf einem Plakat an der Zapfsäule. 200 bis 300 Aktivisten blockierten die Zufahrten zur Tankstelle. Eine Sambagruppe trommelte bei Sonnenschein unter blauem Himmel. Kletterer befestigten am Dach ein Transparent: „Total = Aral = Shell = BP, Bohrlöcher zumachen!“ Eine spontane Aktion am 5. Juni, dem Wochenende der Klimaproteste in Bonn – und endlich eine sichtbare Reaktion auf die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Auch in der virtuellen Welt regt sich hier und da Protest. So gibt es die üblichen Facebook-Seiten wie „Boycott BP“ mit über 700.000 Fans. Und auf dem Bilderportal Flickr werden massenhaft verfremdete BP-Logos hochgeladen.

Viel mehr Proteste gibt es in Deutschland angesichts der größten Umweltkatastrophe der US-Geschichte aber nicht. Für NGOs und Umweltbewegungen scheint der Fall „Deepwater Horizon“ kaum Protestpotenzial zu haben. „Wir haben keine konkreten Pläne für Aktionen“, sagt etwa Tadzio Müller vom Netzwerk Climate Justice Action. „Geplant ist momentan nichts“, meint Thorben Becker, Energieexperte vom BUND Naturschutz. „Wir sind vollauf mit anderen Themen beschäftigt, es ist gerade nichts geplant“, sagt Attac-Pressesprecherin Frauke Distelrath. Und Greenpeace-Aktivist Christian Bussau sagt: „Ich wüsste nicht, welche sinnvollen Protestaktionen es in diesem Fall geben sollte.“ Einzige Ausnahme: Kleine Greenpeace-Aktionen vor den Zentralen von BP, Esso und Shell in Hamburg und Bochum. Allgemein zeigen sich die NGOs im Umgang mit dem Ölleck im Meeresboden ebenso ratlos wie die Obama-Administration und die BP-Konzernzentrale.

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle : UnbekanntDeutsches Historisches Museum Berlin

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