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RENTENANGST

ARD: Nicht souverän, nur abhängig

Erstellt von DL-Redaktion am 8. März 2016

Journalismus als Opfer der eigenen Propaganda

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/dc/Tagesschau_logoen_2013-07-11_13-56.jpg

Autor: U. Gellermann
Datum: 07. März 2016

Ein braver ARD-Konsument (ARD steht hier nur synonym, das Kürzel ist gegen ZDF, FAZ oder BILD undsoweiter austauschbar) weiß was er von Assad zu halten hat. Nach Jahren der Wiederholung immer gleichen Propaganda-Hülsen (Regime, Diktator, Giftgas) ist der Norm-Zuschauer, der Norm-Leser deutscher Medien konditioniert: Assad ist böse. Diese Dämonisierung verstellt einen nüchternen Blick auf die Vorhänge in Syrien erheblich. Nun hatte die ARD die Möglichkeit eines Interviews mit Baschar al-Assad und geht mit der eigenen vorgefassten Meinung an die Auswertung des Gesprächs. Also hätte gehabt haben können.

Statt nach langem, mörderischen Krieg die Motive der Assad-Fraktion in Syrien auch nur zu prüfen, wird das Interview ideologisch interpretiert. Die Chance zum Ende des Krieges beizutragen – der im Westen ja auch davon lebt, dass die Mär von der lupenreinen Opposition verbreitet wird – bleibt die ARD abhängig von der im Kanzleramt vorformulierten Haltung. Bereits manche Fragen sind von Meinungen geprägt, nicht von echtem Interesse. Die Behauptung des Interviewers „Ich nehme also an, dass der Frieden in Ihren Händen liegt.“ ist keine Frage sondern ein Statement, das die Kräfte rund um die USA ausblendet. Auch der Satz „Ist die Verfassung und die Stabilität in Syrien wichtiger als das Leben von Hunderttausenden?“ Ist keine Frage sondern eine Unterstellung: Assad sollte gefälligst mit JA drauf antworten. Die ARD hätte die Chance gehabt sich von ihrer bisherigen Rolle als Kriegspartei in Syrien zu lösen. Aber sie bleibt Opfer der eigenen Propaganda.

Eingabe:
Assad-Interview:  Falschbehauptungen in der „Tagesschau“
vom 1. 3. 2016, 14:00 und 20:00
 
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
die ARD hat in einem ausführlichen Interview dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad die Gelegenheit gegeben, sich zur Lage in seinem Land zu äußern. Bemerkenswert, dass die ARD in dem Interview zu feige war, Assad als „Machthaber“ anzusprechen, obwohl Herr Dr. Gniffke uns – die wir in einer Programmbeschwerde für die Bezeichnung „Präsident“ eintraten – noch kürzlich davon zu überzeugen versuchte, dass der Begriff „Machthaber“ korrekt sei, u.a. weil eine regierungsnahe Stiftung und konformistischer Thinktank sich ebenfalls auf „Machthaber“ festgelegt hatte.
Wie so häufig mochten die ARD-Programm-Macher im Zusammenhang mit dem an sich informativen Interview auf Manipulation und Falschbehauptungen auch diesmal nicht verzichten.
Frage des Interviewers Thomas Aders:
„Herr Präsident, können Sie sagen, dass Syrien nach wie vor ein souveräner Staat ist, oder wird Ihre Politik bereits in Teheran bzw. im Kreml gemacht?“
Antwort Präsident Assad (lt. Übersetzungstext):
„Der Begriff Souveränität ist relativ und verhältnismäßig. Vor der Krise hielt Israel unser Land besetzt, und wir betrachteten unsere Souveränität so lange nicht als vollständig, wie wir unser Land nicht zurückhatten. Und jetzt überschreiten während der Krise zahlreiche Terroristen unsere Grenze, und viele Flugzeuge der Amerikaner und ihrer Alliierten (was man dort als Allianz bezeichnet) verletzen unseren Luftraum. Auch hier kann man nicht von vollständiger Souveränität sprechen. Gleichzeitig ist man allerdings nach wie vor souverän, wenngleich nicht im vollen Umfang des Begriffs, wenn man eine Verfassung hat, wenn die Institutionen funktionieren und wenn der Staat mit seiner Arbeit ein Minimum für das syrische Volk leistet und wenn schließlich das syrische Volk sich keiner anderen Macht zu unterwerfen hat, was sicher das Wichtigste von allem ist.“
In einem kurzen Videobeitrag am Anfang des Artikels der Tagesschau (um 14:00) befragt ein ARD-Moderator den Reporter nach seinem Eindruck von dem Interview. Darin schildert Thomas Aders Assad als schüchtern und zurückhaltend. Schließlich arbeitet der Reporter eine „News“ heraus, die das Interview seiner Meinung nach gebracht hat:
„Ihm geht es darum, dass das System überlebt, das System seines Regimes. Und er wird alles dafür tun, dass das so weitergeht. Er wird jeden Terroristen bekämpfen, das hat er ganz klipp und klar gesagt. Und trotzdem hat er, und das fand ich sehr interessant, zugegeben, dass die Souveränität Syriens, mittlerweile nicht mehr vollständig sei, eben durch die Hilfe, durch die Waffenhilfe von Russland, vom Iran und von der libanesischen Hisbollah.“
Assad hat in dem Interview an keiner Stelle gesagt, dass er wolle, dass „das System seines Regimes“ überlebt. Er hat klipp und klar gesagt, dass er sich dem Willen des Volkes beugen werde:
„Wenn das syrische Volk will, dass ich diesen Platz räume, dann habe ich das sofort und ohne Zögern zu tun.“ 
Doch noch viel gravierender ist die von Assads Aussage zur Souveränität abweichende Interpretation des Interviewers (in beiden TS-Ausgaben): Assad hat nie gesagt, dass die Souveränität Syriens wegen der „Waffenhilfe von Russland, dem Iran und der Hisbollah“ nicht mehr vollständig sei, sondern dass „viele Flugzeuge der Amerikaner und ihrer Alliierten (was man dort als Allianz bezeichnet)“ den syrischen Luftraum verletzen und Terroristen die Grenze überschreiten, und man deshalb „nicht von vollständiger Souveränität sprechen“ könne.
 
Das ARD-Team hat sich nach eigenen Angaben vier Jahre lang um das Interview bemüht. Es ist schon deshalb unverzeihlich unprofessionell, dass mit diesen Falschdarstellungen der publizistische Erfolg entwertet wird. Der Interviewer und seine Redaktion machen sich hier selbst zum Opfer ihrer jahrelangen Propaganda. Das wäre, bliebe es auf diesen Kreis beschränkt, noch kein Problem. Doch mit der unwahren Interpretation wird der Zuschauer in die Irre geführt und manipuliert. Besonders peinlich: Die Falsch-Meldung wurde kurze Zeit später in der deutschen Mainstream-Presse (z.B. FAZ) als Meldung der Tagesschau zitiert.
Wir fordern Sie auf festzustellen, dass die genannten falschen Behauptungen  wegen der Pflicht zur Wahrheit die NDR-Programm-Richtlinien verletzen. (Die Begründung dieser Eingabe haben wir weitgehend den „Deutsche Wirtschafts Nachrichten“ vom  2.3.2016 entnommen).

Mit höflichen Grüßen

F. Klinkhammer, V. Bräutigam

Obwohl wir Dr. Gniffke gebeten haben unseren Lügner-Vorwurf gegen ihn mit einer Klage klären zu lassen, lesen wir nichts vom ihm. Redaktion, RATIONALGALERIE


Grafikquelle :     User:Sogndal 123Eigenes Werk

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TAGESSCHAU: Carla del Ponte gilt nicht

Erstellt von Gast-Autor am 26. Februar 2016

„Offenbar“ ist der ARD bereits Beweis genug

Autor: U. Gellermann
Datum: 25. Februar 2016

In dem diesmal von der ARD-Beobachtungsstelle Bräutigam & Klinkhammer aufgespießten TAGESSCHAU-Beitrag gibt es einen echten Traumsatz: „Offenbar“ darf dort Herr Oliver Mayer-Rüth kommentieren, „offenbar“ verschärfe die Allianz zwischen Moskau und Assad das Leid der Zivilbevölkerung zunehmend. Kein Beweis, keine Einordnung, keine Quelle, was bleibt ist die pure Meinung. – Von Beginn des russischen Einsatzes in Syrien verzichtet die TAGESSCHAU auf die schlichte Wahrnehmung, dass der Westen und seine Alliierten erst seit diesem Einsatz überhaupt über einen Frieden verhandeln wollen. Deshalb muß auch Carla del Ponte, die ehemalige Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs, außerhalb des ARD-Blickfeldes bleiben: Sie hatte es gewagt die russische Intervention „gut“ zu finden. Das ist im Gniffke-Land natürlich nicht sendefähig.

PROGRAMMBESCHWERDE ZU: Krieg in Syrien: Angespannte Situation an der türkisch-syrischen Grenze
Sendung: tagesschau 10.02.2016 20:00 Uhr

http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-156171.html

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,

in der Tagesschau am 10.2.2016, 20 Uhr, gab es erneut ein sehenswertes Propagandastück, gegen das wir Programmbeschwerde erheben.
Berichtet wurde über Bombenangriffe in der Stadt Azaz, die „das Leid der Zivilbevölkerung weiter verschärften“. Woher die Erkenntnis: der böse Russe war´s stammt, verrät ARD-aktuell nicht. Die Bevölkerung der Stadt beklage zwar die Luftangriffe und Bomben, die auch Zivilisten träfen, „aber es sei nicht nachvollziehbar, wer sie abwerfe“. Das entscheidet demnach ARD-aktuell: Schuldzuweisungen bestenfalls nach Hörensagen.
Nicht fehlen darf die alte Leier, dass die USA, Frankreich und die Türkei die Luftangriffe der Russen verurteilten. Verschwiegen wird hingegen, dass Carla del Ponte, die ehemalige Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs, die für den Bericht über die Grausamkeiten der Kriegsparteien im Syrischen Bürgerkrieg verantwortlich zeichnete, am 9.2.16, also drei Tage nach dem OHCR-Bericht über die Verbrechen in Syrien, im „Schweizer Rundfunk und Fernsehen (RTS)“ sagte:

„Generell finde ich, dass Russlands Intervention gut war. Denn endlich attackiert jemand all diese terroristischen Gruppen wie Daesch (Islamischer Staat) und Al Nusra“.

Wie es zu erwarten war: Bei solchen nicht in sein Propagandaraster passenden Aussagen von namhaften und halbwegs glaubwürdigen Persönlichkeiten hält Herr Dr. Gniffke sich lieber die Ohren zu. Objektivierende Urteile über Russlands Eingreifen in Syrien passen nicht zu seiner transatlantisch beschränkten Sichtweise und stören ihn bei seinen regierungsfrömmelnden Andachten.
Bei den Luftangriffen soll es 12 Tote gegeben haben. Als Selbstbeweis dafür dient der ARD-Bericht, obwohl er offensichtlich in Azaz von nicht näher genannten Auftraggebern produziert, über die Grenze in die Türkei gebracht und dort an ARD-aktuell übergeben wurde.
Kleiner Grenzverkehr-Journalismus der unqualifizierten Art: Da wird etwas publizistisch verwertet und verantwortet, was mit großer Wahrscheinlichkeit gefälscht ist. Wie ARD-aktuell selbst einräumt, wird Azaz von der „Freien Syrischen Armee“ beherrscht, die – was ARD-aktuell aber verschweigt –  in dem OCHR-Bericht ebenfalls schwerster Verbrechen beschuldigt wird; auch sie soll schlimmste Grausamkeiten an der Bevölkerung begangen haben. Terroristen-Pack dient der ARD-aktuell als vertrauenswürdige Zeitzeugen: Das passt in das Bild, das man inzwischen von den Verharmlosern und Manipulateuren dieser Redaktion hat.
Selbst die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ wusste nichts über Bombenangriffe auf Azaz, sie sprach von den Orten Bayanoun, Hayan and Menneg. Wie so oft sah es aus, als habe ARD-aktuell von dem tatsächlichen Kampfverlauf keinen Schimmer. Die syrische Armee, die kurdische YPG und ihre Partner hatte am Sonntag große Fortschritte beim Kampf in der von Al Kaida und Co beherrschten Gegend nördlich von Aleppo gemacht. Die Terroristen flohen vor den Kurden der YPG und der mit ihr faktisch verbündeten Syrischen Armee.
Dass die „Tagesschau“ nicht die Gegebenheiten einmal im Groben kennt, ist höchst unwahrscheinlich. Ihr sind Absicht zu einseitiger Information und grobe Fahrlässigkeit vorzuwerfen, sie betreibt antirussische Hetze und verwendet dazu sogar fremdproduzierte und nicht überprüfbare, erkennbar aber parteiische Berichte und desinformiert damit das deutsche Publikum.
Mit seinem Bericht verstößt ARD-aktuell gegen das Gebot der Objektivität und wegen der nicht begründbaren Russland-Vorwürfe gegen die gesetzliche Verpflichtung zur  Völkerverständigung.

Mit höflichem Gruß

F. Klinkhammer, V. Bräutigam
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Fotoquelle: Wikipedia – Public Domain –/– File:Carla Del Ponte.jpg

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TAGESSCHAU betreibt Syrienkrieg

Erstellt von Gast-Autor am 9. Februar 2016

Nachrichtenfälscher vom Zuschauer bezahlt

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/dc/Tagesschau_logoen_2013-07-11_13-56.jpg

Autor: U. Gellermann
Datum: 08. Februar 2016

Die TAGESSCHAU der ARD ist fraglos das einflussreichste Instrument der deutschen Meinungsbildung: Um 20.00 Uhr erreicht sie regelmäßig rund fünf Millionen Zuschauer. Nicht einmal die BILD-Zeitung, die bei etwa 1,5 Millionen verkaufter Auflage liegt, erreicht so viele Medienkonsumenten. Aber anders als die BILD-Zeitung, die selbst von ihren Gewohnheitslesern für eine Lügenblatt gehalten wird, schmückt sich die TAGESSCHAU erfolgreich mit dem Schein der Objektivität. Dass die Nachrichten-Sendungen häufig – insbesondere zum Syrienkrieg – nur billigste Fälschungen von Information liefert, dass sie, auf Kosten der Gebührenzahler, schlichte, dumme und gefährliche Regierungspropaganda sendet, enthüllen erneut die ARD-Spezialisten Klinkhammer & Bräutigam: Der ARD-Korrespondent Volker Schwenck lügt mit sonorer Stimme in die Kamera, als würde er sein Gehalt aus den USA oder aus Saudi Arabien bekommen:

Eingabe: Will Assad überhaupt verhandeln?
Stand: 04.02.2016 13:06 Uhr
http://www.tagesschau.de/ausland/syrien-565.html

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
wieder einmal müssen wir kritisieren, dass ARD-aktuell falsch und verzerrt über den Syrien-Konflikt berichtet.
Schon die Überschrift stellt die Tatsachen auf den Kopf und ist pure Propaganda: Es waren nicht die Vertreter der syrischen Regierung, die die Verhandlungen abgebrochen haben, sondern es war die von Riad unterstützte und mit der Terrororganisation Al-Nusra Front (Al Quaida) sympathisierende Teil-Opposition HNC.
ARD-Korrespondent Schwenck behauptet, „Der UN-Sicherheitsrat hat, mitgetragen von den Russen, entschieden, dass es zum Auftakt der Gespräche einen Waffenstillstand geben soll.“
Auch das ist falsch. Richtig ist, dass im Dezember folgendes diskutiert wurde:
„Parallel zu den Gesprächen soll auch ausgelotet werden, wie eine Waffenruhe umgesetzt werden kann. Nicht betroffen von der Waffenruhe wären allerdings Angriffe gegen Gruppen, die als Terroristenorganisationen angesehen werden. Das würde offensichtlich auf die internationalen Luftangriffe gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zutreffen.“ Zeit-online:
http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-12/syrien-konflikt-un-resolution-friedensverhandlungen
Die Kämpfe der letzten Tage nördlich von Aleppo richteten sich gegen Kampfverbände der Al-Nusra-Front, die auf der UN-Liste der zu bekämpfenden Terrororganisationen steht. Auch die bei ARD-aktuell- so beliebte Quelle „Syrische Beobachtungsquelle“ berichtete über die Anwesenheit dieser besonders gefährlichen islamistischen Terroristen bei Aleppo.
http://www.syriahr.com/en/?p=43854

Schwenck fabuliert von der „Opposition“ und sagt nicht, wer dahintersteht, nämlich: Saudi-Arabien und die Türkei im Vordergrund und im Hintergrund die USA (incl. Steinmeier mit Logistik-Hilfe für diese Marionetten aus Riad und Ankara). Schon der erste Auftritt war vor allen Dingen destruktiv und theatralisch. Die HNC-Vertreter reisten einen Tag später an, um sofort mit ihrer Abreise zu drohen. Der HNC will Aufmerksamkeit und Relevanz. HNC-Sprecher Salem al-Meslet verlangte von dem Assad-Regime einen Stopp der Bombardements, kaum verwunderlich, weil die Al Nusra offensichtlich von seinen Gesinnungsfreunden unterstützt wird. Schwenck verschweigt, dass es eine zweite „Oppositionsgruppe“ gibt: eine Delegation der oppositionellen „Volksfront für Wandel und Befreiung“, die von Russland und vom Iran unterstützt wird.
Der Hinweis auf die abgeschnittene Versorgungsroute der islamistischen Terroristen zur Türkei  ist zwar richtig, Schwenck unterlässt es aber, diese Information korrekt einzuordnen, denn das Gejammer des HNC darüber ist ein eindeutiger Beweis  für die  Unterstützung der Terrorgruppe Al Nusra durch die Türkei. Dass Schwenck diese Terroristen auch noch verharmlosend als „Rebellen“ bezeichnet, passt in den Rahmen undifferenzierter, desinformierender und einseitiger ARD-aktuell-Berichterstattung. Es passt auch dazu, dass Schwenck sehr schnell begriffen hat, auf welcher Seite er als Regierungsfrömmler nach Steinmeiers Positionierung für die Al Nusra-Miliz und den HNC zu stehen hat. Schwencks Schwenk eben.  Es ist das übliche Bild der Heuchelei und Menschenfeindlichkeit in Medien und Politik: In Deutschland Kassandrageschrei und Angstschüren vorm islamistischen Terrorismus und angeblich drohenden Anschlägen, in Syrien und in Genf wird das Pack mit deutschen Steuermitteln gesponsert. Ähnliches sehen wir beim Umgang mit den Faschisten in der Ukraine. Die Nachrichtengestaltung darüber ist – mit Verlaub – zum Ekeln.

Nachhilfeunterricht für den Rundfunkrat:
Die al-Nusra-Front ist die syrische Filiale der Terrororganisation al-Qaida und gehört nicht zum Islamischen Staat (IS), auf den sich die angeblichen Anti-Terror-Einsätze des von den USA angeführten Bündnisses beschränken. Einer unlängst erschienenen gemeinsamen Studie des Institute for the Study of War und des American Enterprise Institute zufolge ist die al-Nusra-Front  langfristig eine „sehr viel größere“ Gefahr für Europa, weil sich die Gruppe von Anschlägen auf unserem Kontinent keineswegs verabschiedet hat, sondern aus taktischen Gründen auf eine Phase der Ruhe setzt, um sich in der von ihr und ihren Verbündeten fast vollständig kontrollierten Provinz Idlib und anderen Gebieten in Syrien eine Basis aufzubauen (vgl. Studie: Al-Nusra-Front langfristig gefährlicher als IS).
Die zu einem großen Teil aus kampferfahrenen Irakkriegsveteranen bestehende Gruppe ist eng mit anderen dschihadistischen Rebellen vernetzt und kontrolliert diese aufgrund ihrer militärischen Überlegenheit häufig faktisch. Charles Lister vom Combatting Terrorism Center (CZC) an der Militärakademie in West Point (der warnte, die al-Nusra-Front sei ein „Wolf im Schafspelz“) glaubt, dass inzwischen fast alle bewaffneten Rebellengruppen in Syrien mit ihr militärisch zusammenarbeiten. Das gilt auch für die Dschaisch al-Islam, deren Anführer Mohammed Alloush eine wichtige Position beim HNC einnimmt und deren Vorläuferorganisation Liwa al-Islam 2013 am Adra-Massaker an Alawiten, Drusen und Christen beteiligt war.
Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Tex Cruz, der am Montag die erste Vorwahl in Iowa gewann, lehnte deshalb 2013 eine US-Luftunterstützung syrischer Rebellen mit der Bemerkung ab, man mache sich damit effektiv zur Luftwaffe von al-Qaida. „Moderate Rebellen“ im syrischen Bürgerkrieg sind für ihn wie lila Einhörner: Sie haben den Nachteil, dass es sie nicht wirklich gibt. (Telepolis 3.2.16/Mühlbauer)
Wir sehen in der Berichterstattung einen Verstoß gegen den Programmauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Mit höflichem Gruß

F. Klinkhammer, V. Bräutigam

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Grafikquelle :     User:Sogndal 123Eigenes Werk

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