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Debatte Flüchtlinge

Erstellt von DL-Redaktion am 18. Dezember 2015

Die Schwester der Ökobewegung

von Ines Kappert

Es gibt wieder Lager in Deutschland – und Entsetzen darüber. Wie die neu Ankommenden neoliberale Gewissheiten untergraben.

Seit September kennt die mediale Öffentlichkeit nur noch ein Thema: die neu Ankommenden. Es wird und wird nicht abgelöst. Es bleibt einfach da.

Dabei passieren wegweisende Dinge in der Welt – wie der Klimagipfel in Paris, Regionalwahlen in Frankreich, auch der SPD-Parteitag ist ja nicht ganz unwichtig. Darüber wird auch berichtet, doch kaum oder nur lustlos debattiert. Die Kriege allerorten schaffen es ohnehin nicht auf die westliche Tagesordnung, obwohl nun auch deutsche Truppen dafür sorgen, Syrien weiter zu zerbomben.

Selbst der US-Wahlkampf zählt nicht wirklich. Hey, Deutschland interessiert sich nicht mehr für die USA, den großen Großbruder? Das ist Zäsur. Das ist wirklich 21. Jahrhundert. Eine Ordnung verändert sich.

So lautet die alles beherrschende Frage: Was machen wir Eingesessenen jetzt bloß mit all den Menschen, die das Mittelmeer überwinden und danach mithilfe von maps.me hierhergelaufen sind, obwohl niemand der hiesigen Entscheider_innen eine solche Bewegung auf dem Zettel hatte? Und ihnen ja auch gnadenlos die ganze Bandbreite der offiziellen und inoffiziellen Sicherheitsdienste auf den Hals hetzt. Die Überraschung ist uferlos.

 Syrien ist ganz nah

Mit der exklusiven Trockenheit der Privilegierten stellt Angela Merkel im Interview mit der „Tagesschau“ fest: „Wir erleben zum ersten Mal die negativen Folgen der Globalisierung.“ Sie setzt sich ja neuerlich häufiger Journalistinnen gegenüber, um die Deutschen mit unbequemen Wahrheiten zu konfrontieren. Im letzten Interview mit Anne Will konstatierte sie ähnlich bahnbrechend, dass Syrien gar nicht so weit weg sei, wie sie bislang gedacht habe.

Die Hoffnung, dieses Land irgendwo im Nirgendwo ausbluten zu lassen, war damit amtlich geplatzt. Natürlich hat Merkel Verständnis für den überrumpelten Vizeexportweltmeister. Der muss jetzt nicht nur in Sachen Geografie nachlernen, sondern vor allem sein eigenes Land kennenlernen. Das ist nicht schön, aber die Chance. Das satte, desinteressierte Deutschland kann sich jetzt erneuern!

Bisher bringt schon die Schwundidee von Humanität – ein bisschen Unterkunft – die hiesigen Innenverwaltungen zum Kollabieren. Die nämlich haben seit Jahrzehnten ihre EDV nicht erneuert. Versäumt wurde ebenfalls, die Behörden untereinander kommunikationsfähig zu machen.

Deswegen müssen die hier neu ankommenden Menschen tagelang – in Berlin wochenlang – in der Kälte und im Regen Schlange stehen. Deswegen warten von privaten Sicherheitsdiensten in Schach gehaltene und zusammengepferchte Menschen jahrelang auf die Bescheidung ihres Asylantrags.

Nicht die Zahl der Ankommenden ist das Problem, gleichwohl der Innenminister das behauptet. Es sind die marode Infrastruktur und Denkhaltung einer Gesellschaft, die nicht mehr auf die Idee kommen wollte, von der Welt jenseits von Urlauben und Geschäftsreisen behelligt zu werden.

 Bewegung mit Strahlkraft

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquell: Wikipedia – Urheber Haeferl –/– CC BY-SA 3.0

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