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RENTENANGST

Delfine des Orients

Erstellt von DL-Redaktion am 30. August 2015

Kostenlose Voodoo-Workshops

von Francis Kirps

Um die Sympathiewerte von Flüchtlingen in der Bevölkerung zu steigern, werden sie nun in artgerechter Umgebung präsentiert.

 

Die fröhlich schnatternde Menschenmenge, die vor dem Kassenhäuschen in der Warteschlange steht, ist bunt gemischt. Wir sehen solariengebräuntes Landvolk in uriger Joggingtracht neben kichernden Japanern mit Tropenhelmen. Sogar eine Busladung bärtiger Hipster aus dem fernen Berlin hat es ins tiefste Sachsen gezogen, wo vor wenigen Wochen der erste Prima-Park eröffnet wurde.

Sie alle zahlen bereitwillig Eintritt, um die exotischen Kreaturen zu bestaunen, die in artgerechter Haltung darauf warten, dass ihr Asylantrag vielleicht irgendwann bearbeitet wird.

Überall stehen Schilder: „Palästinenser-Kinder streicheln: 1 Euro“, „Echte Araber reiten: 3 Euro“, „Rasen betreten verboten“ und „Bitte nicht füttern“. Lutz Fleischmann, der Initiator des Prima-Park-Projektes, begrüßt uns mit kernigem Händedruck. Bis vor wenigen Wochen war hier noch Post-Wiedervereinigungs-Brachland, ein ehemaliger Genossenschaftsbauernhof, dem Verfall überlassen.

Mit Tatkraft und unternehmerischer Fantasie hat Fleischmann, ein rundlicher Mittdreißiger mit Pferdeschwanz und Lehrerbart, daraus eine blühende Attraktion für Jung und Alt geschaffen.

Umfassendes Re-Branding

Mit quietschenden Gummistiefeln führt er uns herum und zeigt uns die Anlagen: Das weitläufige Syrer-Gehege. Der Zwinger mit den drolligen Afghanen. Die possierlichen Iraker auf ihrer Sommerweide. Klein-Albanien, karg und steinig, durch das die ebenso stolzen wie streitlustigen Balkan-Hominiden streifen. „Die Idee kam mir, als ich so auf Facebook herumsurfte und bemerkte, dass Asylkritiker und Rassenskeptiker in der Regel ein großes Herz für Tiere haben“, erklärt Fleischmann. „Grindwal-Massaker scheinen diese Menschen tiefer zu berühren als Genozid in Syrien, rumänische Straßenhunde mehr Empathie freizusetzen als hungernde afrikanische Kinder. Warum brennen Flüchtlingsheime, aber niemals brennt ein Tierheim?“ Fleischmann hält inne und wedelt mit dem Zeigefinger herum. „Ich sag ’ s Ihnen: Weil Flüchtlinge ein massives Imageproblem haben. Es fehlt ihnen an Niedlichkeit. Hier war ein umfassendes Re-Branding vonnöten.“

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipeda – Author Captain Budd Christman, NOAA Corps

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