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Ein Leben am Abgrund

Erstellt von DL-Redaktion am 9. September 2010

Ein Leben am Abgrund

Beim Lesen einer überregionalen Zeitung wurde meine Aufmerksamkeit auf einen Leserbrief gelenkt, welchen ich als Anlass zu diesen heutigen Artikel nutze. Selbstverständlich wurde bei der Schreiberin über die Rechte zur Nutzung dieses Briefes nachgefragt. Diese Freigabe liegt mir per Mail vor.

Dieser Leserbrief legt in einer schonungslosen Offenheit die Probleme bloß, welche mit Einführung der Gesetzgebung unter dem Namen Hartz  in diesem Lande zu Tage treten. Diese Gesetzgebung ist von der Politik genauso gewollt worden und wird nun durch anstehende „Nachbesserungen“ noch verschärft werden. Es ist das einzige Ziel der Politik den Bürgern Sand in die Augen zu streuen um durch eine Verschärfung der Gesetzgebung die Löhne weiter nach unten drücken zu können. Nach Außen hin weist man immer auf die Tarifhoheit  der Verhandlungspartner hin, hat aber durch die Einführung dieser Hartz-4-Gesetzgebung die Löhne endlos in den Keller gedrückt. Das alleine war und ist das Ziel der politischen Mächte, da die dadurch frei werden Gelder in Banken, Militär oder Aktionäre gepumpt werden müssen, um dieser Junta die Oberhoheit in diesem Land zu sichern.

Das zu den politischen Mächten im gewissen Masse auch die Opposition gehört, weist dieser Fall eindringlich nach. Hier werden per Video Aktionen vorgeführt zu denen, als Beispiel eine Linke Partei aufgrund fehlender Ideen nicht in der Lage ist. Dort werden die Gelder genau, wie bei allen anderen Parteien auch, vorrangig zur Bezahlung von Vorständen und Mandatsträgern in Bund, Land und Stadt benötigt. Als Hauptarbeit gibt man dann nichtssagende Presseerklärungen von der Bundesfraktion in Form eines Vierzeilers heraus, welche keiner liest, aber als Alibi für Gehälter um die 10.000 Euro herhalten. Von vielen Landesvertretungen wird noch nicht einmal diese Leistung erbracht und  nachhaltige  Vorschläge und Aktivitäten zur Verbesserung der beklagten Situationen auch nicht verbreitet.  Eine Meinung über viele Kreisverbände verbietet die Höflichkeit.

Gängige Praxis ist es auch nichts sagende Platzhalter aus dem Bundes- oder den Land -Tag/en in die Türkei, nach Kuba oder sonst wohin zu versenden, erinnert ein wenig an die Kinderlandverschickung der Vergangenheit, um das Zeigen von Unfähigkeit wenigstens ein wenig verschleiern zu können. Mit anderen Worten: keine Zeit zur Regelung der Probleme vor Ort.

Hier nun der Leserbrief:

Ein Leben am Abgrund

Lebe ich noch oder existiere ich nur noch? Diese Frage stellen sich viele Hartz-IV – Betroffene oder Minirentner. Jeder Mensch empfindet anders, deshalb kann ich hier nur über meine Gefühle berichten. Ich erhalte 277 Euro EU-Rente. Das reicht nicht zum Leben und nicht zum Sterben. Mit meinen Ehemann lebe ich in einer Bedarfsgemeinschaft und erhalte zusätzlich Hartz IV. Mein Mann ist 56 Jahre alt und hat keine Chance mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt. Ich bin zwar erst 49, aber zu 70 Prozent behindert und sitze im Rollstuhl. Alte Menschen und Menschen mit Behinderung sind in diesem Staat unerwünscht. Ich fühle mich jedenfalls diskriminiert, wenn die Vergünstigungen für Bus- und Zugfahrten wegfallen sollen. Gerade alte Menschen und Behinderte sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Da sind aber noch die vielen Arztbesuche, die wir in Anspruch nehmen müssen. Aber wenn die Praxisgebühr auch noch steigen sollte, dann geben wir eben den Löffel ab.

Auch bei der Medikamentenzuzahlung sollen gerade die Behinderten und alte Menschen mehr in die Tasche greifen. Auf diese Art und Weise kann man auch die Bevölkerung reduzieren, denn nicht alle werden sich auf Dauer die notwendigen Medikamente leisten können. Ich sitze zwar im Rollstuhl, bin aber nicht blöd und kämpfe für meine Rechte. Niemand wird mich aufhalten, wenn ich an Protestaktionen teilnehme oder selber welche organisiere.

Ein Leben am Abgrund: Ich weiß, was das bedeutet. je weiter der Monat voranschreitet, je mehr leert sich der Kühlschrank. Die Werbungen mit Sonderangeboten bei Lebensmitteln werden sorgfältig studiert. Ein dringend nötiger Schrank wird immer ein Traum bleiben. Die größte Angst hat man vor Reparaturen, zum Beispiel am Kühlschrank. Am kulturellen Leben kann man nur bei kostenlosen Veranstaltungen teilnehmen. Dafür muss man sich durch Bürokratenkram wälzen. Vergisst man einen Antrag oder eine Auflage, hat es schwerwiegende Folgen. Sind wir noch Menschen oder nur unnötiger Ballast für die Gesellschaft? Ich möchte Kontakte knüpfen, denn nur gemeinsam können wir den Regierenden Angst machen.
Birgit Kuehr

Websiten: Ich leiste Widerstand

Artikel eins

Video: Sklavenmarkt in Angermünde

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Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Karikaturquelle : Karikatur von Gerhard Mester Weiter so (2016)

 

  • CC-BY-SA 4.0
  • File:20161221 xl 1515–Gehard-Mester Weiter so.jpg
  • Erstellt: 21. Dezember 2016

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