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RENTENANGST

Merkel ohne Orientierung

Erstellt von DL-Redaktion am 31. Mai 2011

Ziellos im Niemandsland

Blick in eine belebte Einkaufspassage mit hell beleuchteten Schaufenstern und spiegelnd-glattem, hellem Steinboden. Uns kommt lässig ein schlanker, attraktiver Mann von etwa vierzig Jahren entgegen. Er hat volles, dunkles Haar, trägt eine schwarze Hose, ein modisches, dunkelgrau gestreiftes, langärmeliges Hemd und eine sehr dunkle Sonnenbrille mit seitlich herumgezogenem Blendschutz. Er führt an einem Blindenhundgeschirr einen gelben Labrador Retriever, der ein blaues Halstuch trägt. Zwei junge Frauen schräg links hinter den Beiden betrachten das Gespann mit Interesse.

In der ganzen Welt verkündet die Presse heute den Ausstieg der Bundesregierung aus der Atomenergie, derweil im eigenen Land dieses Ereignis nicht gefeiert und die Bewertung vielfach kritisch aufgenommen wird. Im Gegenteil, die Atomgegner kündigen schon weitere Demos gegen das Vorhaben der Regierung an.

An diesen Gesten zeigt sich das tiefe Misstrauen sowohl der Bevölkerung als auch der Opposition an diese Regierung. Sie hat im Laufe der letzten Jahre jeglichen Kredit an Glaubwürdigkeit verspielt, und die Sorge vor einem erneuten Ausstieg aus dem Ausstieg sitzt tief. Allzu oft wurden von der Kanzlerin falsche Entscheidungen getroffen. Eine Person, welche innerhalb eines Jahres aus einer Atompartei eine Antiatompartei macht, ist aufgrund  Ihren konfusen Handlungen zu einem großen Unsicherheitsfaktor und damit unberechenbar geworden.

Dieses Thema hat sich auch der Politologe und Parteienforscher Joachim Raschke in seinen folgenden Artikel angenommen:

Ziellos im Niemandsland

Ist Angela Merkel eine gute Strategin? Die schnelle Antwort heißt: Ja. Aber ihr fehlt etwas Entscheidendes: die Ziele, für deren Verfolgung der ganze Berechnungsaufwand Sinn macht. Merkels sehr reduziertes, sozialtechnisches Profil lässt sich mit drei Ks einfangen: Kalkulation, Koordination, Kanzleramt.

Angela Merkel ist eine Kalkulationsmaschine, die permanent Vorteilsberechnungen anstellt. Weil sie die Rechenarten beherrscht, hat sie bisher alles überlebt, was ihr im Wege stand. Doch eine der Grenzen von Kalkulation ist: Man kann sich verrechnen – vor allem, wenn man unter Zeitdruck steht. So war es bei ihrer Entscheidung für den „Professor aus Heidelberg“ 2005, als sie keine Zeit hatte, Folgen und Nebenwirkungen zu bedenken, was sie den sicher geglaubten Wahlsieg kostete. So war es jetzt bei Fukushima, wo sie unter hohem Zeitdruck eine hochkomplexe Entscheidung treffen musste. Mit dem fast begründungsfreien Reißschwenk von der Laufzeitverlängerung zur Stilllegung von Atommeilern hat sie ihre Glaubwürdigkeit definitiv verspielt.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

IE

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Grafikquelle  :   Blinder Mann mit seinem Blindenführhund

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