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RENTENANGST

Raus aus der Defensive

Erstellt von DL-Redaktion am 14. März 2015

Für einen nonkonformen Feminismus

von Antje Schrupp

Wir wollten die Welt verändern, und sie haben uns die Gleichstellung angeboten“ – so fasst die italienische Philosophin Luisa Muraro das Dilemma der heutigen Frauenbewegung zusammen.[1] Und vielleicht kann man die gegenwärtigen Feminismusdebatten tatsächlich so verstehen: Sie handeln davon, wo die Grenze zu ziehen wäre zwischen einem „guten“ Feminismus, der die reibungslose Integration von Frauen in die gesellschaftlich-ökonomischen Strukturen voranbringt, und einem „bösen“ Feminismus, der den Bogen überspannt, zu radikal ist, die Leute vor den Kopf stößt, den Boden des Diskutablen verlässt. Ein Feminismus, der sich, mit anderen Worten, nicht mit der Integration der Frauen in das Bestehende zufrieden gibt, sondern dieses Bestehende grundlegend hinterfragt.

Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn jemand mit einer Professur für Gender Studies und Sprachwissenschaft, wie Lann Hornscheidt an der Berliner Humboldt-Universität, vorschlägt, grammatikalisch nicht mehr nach Geschlechtern zu unterscheiden, sondern neutrale Sprachformen zu verwenden – und das nicht nur theoretisch, sondern verbunden mit konkreten Aufforderungen wie etwa der, nicht als Professor oder Professorin, sondern als Professx angesprochen zu werden. Das kann aber auch sein, wenn eine popkulturell-feministische Zeitschrift wie das „Missy Magazine“ Comics druckt, in denen blutige Tampons die Hauptrolle spielen. Es kann der Fall sein, wenn unter Kampagnen wie „#aufschrei“ nicht nur offensichtliche Gewalt gegen Frauen angeprangert wird, sondern gerade die kleinen, alltäglichen Sexismen, die wie nebenbei passieren und in den Augen vieler normal und harmlos erscheinen. Oder es kann sein, wenn feministische Blogs, wie beispielsweise „maedchenmannschaft.net“, sich neu ausrichten und mehr intersektional und antirassistisch werden – und damit eben auch radikaler und weiter entfernt vom Mainstream. Das kann sein, wenn Feministinnen im Internet den Kontakt zu Menschen, mit denen sie nichts zu tun haben wollen, offensiv beenden. Wenn Feministinnen nicht freundlich lächelnd ihre Positionen immer und immer wieder erläutern, sondern selber pampig und aggressiv werden. Oder sich über frauenfeindliche Menschen oder Zustände einfach lustig machen, anstatt sie ernst zu nehmen. Und so weiter und so fort.

 »Die Feministinnen sind schuld«

Quelle: Blätter >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Postkarte – gemeinfrei

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