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Strippenzieher im Jemen-Krieg

Erstellt von DL-Redaktion am Samstag 12. März 2016

US-Söldner im Jemen, bezahlt von den Saudis

File:Aden 1962-sirah.jpg

von Laurent Bonnefoy

Am 25. März 2015 begann Saudi-Arabien eine Militäroperation gegen die Huthi-Rebellen im Jemen. Unterstützt wurden die saudischen Luftangriffe von einer Koalition aus zehn muslimischen Staaten, die alle mehrheitlich sunnitisch sind. Zuvor hatten die Huthi-Rebellen, die der schiitischen Minderheit der Zaiditen angehören, über Monate die jemenitische Regierung bedrängt, ohne jedoch das Königreich der Saudis direkt zu bedrohen.

Die Anhänger von Abdul Malik al-Huthi, nach dem die Rebellion benannt wird, hatten den Übergangspräsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi zum Rücktritt gezwungen und damit geholfen, den „jemenitischen Frühling“ im Keim zu ersticken. Dabei hatten sie sich mit ihrem einstigen Feind, Ali Abdullah Saleh, verbündet, der seit 1978 mehr als dreißig Jahre lang jemenitischer Staatspräsident gewesen war. Saleh war im Februar 2012 – durch über ein ganzes Jahr anhaltende Proteste – zum Machtverzicht gezwungen worden, blieb aber im Schutz seiner Immunität politisch aktiv. Und er benutzte die Huthi-Bewegung, um sich für seinen Sturz zu rächen.

Als die saudische Operation „Sturm der Entschlossenheit“ begann, hatten die Huthi-Rebellen die Hauptstadt Sanaa bereits sechs Monate lang besetzt und kurz zuvor Aden, die größte Stadt des Südens, erobert. Das erklärte Ziel der Saudis und ihrer Verbündeten war die Wiedereinsetzung Hadis. Dieser war nach Riad geflohen, wo er seinen Rücktritt widerrief und die Saudis offiziell um Unterstützung bat.

Die Huthi-Milizen sollten aus den Städten vertrieben und in ihre Stammregion Sa’da im Nordwesten zurückgedrängt werden. Für diesen Plan hatte der UN-Sicherheitsrat mit der Resolution 2216 eine Blankovollmacht erteilt. Großbritannien, Frankreich und die USA versorgten die Koalition mit Waffen und unterstützten sie durch Luftaufklärung.

US-Söldner im Jemen, bezahlt von den Saudis

Indirekt war die Offensive gegen den Iran gerichtet, dem die Saudis unterstellten, mithilfe der Huthi-Rebellen seinen Einfluss in der Region ausdehnen zu wollen. Tatsächlich wurde die Intervention Saudi-Arabiens und seiner Verbündeten von Teilen der jemenitischen Bevölkerung begrüßt. Das gilt vor allem für den Süden und generell für alle Gegner al-Huthis, die deshalb aber nicht unbedingt Hadi unterstützten wollten.1

Ein Jahr nach Beginn der Kämpfe hat die Anti-Huthi-Koalition ihre Ziele, trotz aller regionalen und internationalen Unterstützung, erst teilweise erreicht. Hadi ist zwar nach neunmonatigem Exil in Riad offiziell nach Jemen zurückgekehrt. Aber der legale Präsident sitzt in der Hafenstadt Aden fest, die im Juli 2015 von Anti-Huthi-Kräften mit Unterstützung der Koalition befreit wurde.

Die Sicherheitslage in Aden ist jedoch prekär. Dschihadistische Gruppen, darunter der jemenitische Arm des IS, halten die Stadt mit ihren Drohungen und Attentaten in Atem. Am 6. Dezember 2015 wurde der Gouverneur von Aden durch eine Autobombe getötet, zu dem Mord bekannte sich der IS. Ein weiteres Attentat wurde Ende Januar 2016 gegen den neuen Gouverneur unternommen. Und trotz militärischen Beistands durch die Ver­einig­ten Arabischen Emirate (VAE) ist es bisher nicht gelungen, die Sicherheitslage in Aden deutlich zu verbessern; der Wiederaufbau bleibt vorerst ein Wunschtraum, desgleichen die Rück­eroberung der Hauptstadt Sanaa.

Die Koalition, die seit Juli 2015 auch mit Bodentruppen kämpft, hat erhebliche Verluste erlitten. Im September wurden 83 Soldaten, darunter 45 aus den Emiraten, von einer Rakete getötet; Mitte Dezember starben bei einem Angriff 152 Menschen.

Die VAE und Saudi-Arabien können sich auf lokale Kämpfer stützen, sie bezahlen aber auch Söldner, die vor allem von dem US-amerikanischen Sicherheits- und Militärunternehmen Academi (bis 2009 Blackwater Worldwide) gestellt werden.

Trotz der Bombardierungen und des Exils der von der „internationalen Gemeinschaft“ anerkannten Regierung halten die Huthi-Milizen so etwas wie

Strippenzieher im Jemen-Krieg

einen Staat aufrecht. Sie sorgen dafür, dass Visabehörden, Grenzpolizei, Justiz und Universitäten weiterarbeiten. Sie zahlen die Gehälter der Beamten, auch in einigen Gebieten des Südens. Gerüchten zufolge sollen die Reserven der Zentralbank bald zur Neige gehen.

Schon mehrfach wurde gemeldet, dass Kämpfer unter der Führung von Hamud al-Mikhlafi, einem Stammesführer der islamistischen Partei al-Islah, Taizz befreit hätten. Die drittgrößte Stadt des Jemen ist seit März 2015 in der Hand der Huthi-Milizen, aber sie ist noch immer heftig umkämpft. Die Huthi-Rebellen genießen hier zwar nur wenig Unterstützung, aber mit Hilfe verbündeter Einheiten der jemenitischen Armee können sie die Stadt halten.

Den Rebellen wird vorgeworfen, Hilfslieferungen zu blockieren und Journalisten und Aktivisten zu entführen. Die Bewohner von Taizz vergleichen die Blockade ihrer Stadt gelegentlich mit der von Gaza, dazu finden sich in den sozialen Netzen ausführliche Berichte, die die Verbrechen der Huthis bekannt machen sollen. So entwickelt sich eine Logik der Opferkonkurrenz, hinter der die Komplexität des Konflikts und die Verantwortlichkeiten beider Seiten zusehends verschwinden.

Die Bilanz der von den Saudis geführten Operationen ist also wenig berauschend. Die Militärstrategie erwies sich rasch als unzureichend, zumal die Huthi-Milizen bewiesen haben, dass sie sogar auf saudisches Territorium vorstoßen können.

Der Krieg im Jemen hat bereits mehr als 4000 zivile Todesopfer gefordert. 80 Prozent der Bevölkerung sind dringend auf Hilfe angewiesen und eine Million Menschen wurden vertrieben. NGOs warnen vor einer drohenden Hungersnot. Dabei wird die humanitäre Hilfe durch die Zerstörung der Infrastruktur, von Straßen, Brücken und Krankenhäusern erschwert. Alle Kriegsparteien, ob Jemeniten oder Ausländer, machen keinen Hehl aus ihrer Verachtung für internationale Konventionen. Aber obwohl alle Seiten Kriegsverbrechen verüben, verschließt die Weltöffentlichkeit die Augen vor diesem Konflikt.

Die Friedensverhandlungen, die im Juni und Dezember 2015 unter der Schirmherrschaft der UNO in der Schweiz stattfanden, blieben ohne Ergebnis. Keine Seite hat sich zu irgendetwas verpflichtet. Selbst die Waffenpause, die für die Dauer der Verhandlungen gelten sollten, wurde nicht eingehalten, die Kämpfe am Boden und die Luftangriffe gingen weiter.

Weder Saudis noch Hadi-Anhänger noch Huthi-Rebellen schienen die Verhandlungen ernst zu nehmen. Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats übten nur schwachen Druck aus, und die Verhandlungsführer der verschiedenen Konfliktparteien, von denen viele im Exil leben, ließen sich von der Dynamik auf dem Kriegsschauplatz überrollen.

Die Golfstaaten und der Iran, die großen Gegenspieler

Quelle: Le Monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia:

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