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Sahra und die Wörter

Erstellt von DL-Redaktion am Montag 15. September 2014

Ein sterilisierter Sprechautomat

DIAGNOSE Spitzenpolitiker im sonntaz-Check: Wie tickt Sahra Wagenknecht von der Linkspartei? Folge 4 unserer Serie

VON CHRISTIAN SCHNEIDER

Wohlstand und Freiheit“ steht in großen Lettern hinter ihr, vor ihr sitzt ein handverlesenes, überwiegend männliches Publikum in überwiegend teuren, überwiegend schlecht sitzenden Anzügen. Eine große deutsche Personalberatung hat zu einem Event geladen. Klaus von Dohnanyi wird Sahra Wagenknechts Kontrahent im anschließenden Streitgespräch über die Zukunft der Marktwirtschaft sein. Noch aber redet die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken. Sie spricht frei, ohne Manuskript, eine knappe Dreiviertelstunde ohne einen Versprecher; man ist schon erstaunt, wenn sie ihre Rede manchmal für Sekundenbruchteile stoppt, um nach der angemessenen Formulierung zu suchen. Und doch wäre es falsch, ihren Auftritt wortgewaltig zu nennen. Nicht nur, weil die Vortragende bei aller Souveränität ein bisschen gehemmt wirkt. Verständlich, spricht sie doch wieder einmal in Feindesland. Ihr Publikum gehört zum Umfeld derer, die nach ihrem politischen Willen zur Kasse gebeten werden sollen. Sie sagt es beredt, nicht wortgewaltig. Wer ihr genau zuhört, merkt: Die Wörter sind ihre Freunde. Sie stellen sich ihr zwanglos zur Verfügung.

Mit Wörtern umzugehen ist Sahra Wagenknechts Leben. Irgendetwas davon scheint auch das Publikum zu merken, denn neben Ablehnung spiegelt sich in manchen Gesichtern ein überraschtes Staunen. Vielleicht ist es auch nur die Überraschung über die Diskrepanz zwischen Auftritt und Aussage: Wagenknechts wirtschaftspolitische Botschaft hat in diesem Milieu dieselbe Attraktivität wie ein Aufruf zum Komasaufen bei den Guttemplern. Ihre Ausstrahlung indes ist durch und durch bürgerlich, man könnte sie sich gut als Chefin eines DAX-Unternehmens vorstellen. Dazu passt eine gewisse Aura von Unnahbarkeit.

Im Kinderpostamt

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Blogsport

8 Kommentare zu “Sahra und die Wörter”

  1. Ossifrossi sagt:

    Karl Marx, Feuerbach, Hegel—Utopisten—Schulliteratur im Abitur. Mit 15,16,17,18 Jahren nicht zu verstehen.
    Lernten die Thesen auswändig, um die Prüfung zu bestehen (oder schrieben Spickzettel) 🙂
    Schlaumeierisch über diese Literatur kann ich schwatzen, wenn ich den Grundtenor dieser Bücher begriffen habe.
    Goehte der Johann Wolfgang war auch Pflichtlektüre in der DDR- Schule, aber seine Werke sind für jeder Mann und Frau, aber auch „Faust“ muss man differenziert betrachten. Dafür interessieren sich nicht alle. Ich kann mir im Theater dieses Stück reinziehen und am Schluss sage ich:“hä?“ 🙂
    Es ist immer eine Interessenfrage.
    Ich glaube unserer Sahra auch nicht alles, was sie von sich gibt. Wenn ich auffallen will, dann gebe ich mich anders, als der Durchschnitt, vorallem mit dem, was kein anderer bietet. Dies ist eben Bücherwissen, wo Otto Normalo nicht drüber redet.
    Otto Normalo packt mit beiden Händen zu und da schreibt die liebe „Taz“ nicht drüber!!!!!!!!!!
    Sahra ist uninteressant, wann begreifen die das endlich.

  2. Harald Niewtor sagt:

    Für die Medien ist sie interessant ua. weil sie in einem „interessanten“ Mann die Liebe ihres Lebens gefunden hat?

  3. bierstrauch sagt:

    Wer Lafo als Liebe des Lebens gezeichnet, bei dem lassen solche Aussagen tief blicken

  4. Justin Kuhn sagt:

    Madame Hummerknecht weiß eben was für sie gut ist.

  5. tuttilinki sagt:

    Hallo Leute,

    heute feierte ein „interessanter Mann“ seinen Geburtstag.
    Er soll „hoch hoch hoch leben“, so hoch, dass er nicht wieder runterkommt.
    Vielleicht gibst heute abend „Hummer“ auf Madeira.

  6. Knoppi sagt:

    Jou Madame Hummerknecht?
    Ich für meinen Teil esse ja gar kein Hummer.
    Wegen meiner proletarischen Herkunft esse ich grundsätzlich nix,
    was wie Werkzeug aussieht.

  7. bierstrauch sagt:

    Ach ja, fest vergessen, das heutige Geburtstagskind aus dem Saarland. Was soll man dem 71-Jährigen wünschen? Verstand? Moral? Alles andere hat er ja?

  8. Engelstrompete sagt:

    # 5
    Der „interessante Mann“ kann mit Madame Tausendschön feiern bis nichts mehr läuft 🙂

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