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Meinungen einschränken

Erstellt von DL-Redaktion am Dienstag 14. April 2020

Auf der Basis von gefühlten Wahrheiten

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Quelle          :    Scharf  —  Links

Von Franz Witsch

Der Corona-Virus lässt einen buchstäblich nicht los. Unentwegt fühle ich mich abgelenkt, an Texten zu arbeiten, die mir wichtiger sind als diese parteiübergreifende orientierungslose Debatte, die die Gehirne vernebelt.

Was mich am meisten nervt: wir wissen über das Corona-Virus zu wenig, um eindeutige Wahrheiten zu verbreiten, wie man mit diesem Virus “richtig” umgeht. Ich weiß es jedenfalls nicht. Und auch die Experten streiten sich wie die Kesselflicker. Aber Journalisten wollen uns weismachen, alles ganz genau zu wissen, was Fake ist und was nicht. Und merke: ein Satz, der in einem Ton von Propaganda verbreitet wird, aus Russland oder China kommt, ist nicht schon deshalb falsch, weil man ihn für Propaganda hält.

Anstatt sich nun einzugestehen, dass man wisse, zu wenig zu wissen, werden Wahrheiten verbreitet; z.B. die Corona-Krise sei ein gigantischer Fake, um politische Grundrechte einzuschränken; einfach mal so zur Einübung, um sie ggf. komplett abzuschaffen, wenn noch schlimmere Zeiten drohen. Dann wisse man schon mal, wie man es am besten macht .

Dass man auf der Basis von “gefühlten Wahrheiten” (vgl. T04) Grundrechte einschränken will, so in der Art, alles, was Putin sagt, sei Fake, halte ich für sehr wahrscheinlich. Die sogenannten Leitmedien ticken so: sie schreiben auf der Grundlagen ihrer gefühlten Wahrheiten: sie mögen Putin nicht, also verbreite er Unwahrheiten, um unsere Demokratie zu destabilisieren.

Dass dem möglicherweise so ist, können wir den sogenannten Leitmedien entnehmen. Zum Beispiel dem “Spiegel”, der dem selbsternannten Fake-News-Forscher Pomerantsev ein Interview gegeben hat, in dem er die Meinung vertritt, man müsse im Hinblick auf das Corona-Virus im Internet die gesamte Kommunikation regulieren, um Falschinformation und Propaganda zu bekämpfen (vgl. SPGel, ZOnline).

Es tut mir leid; aber das ist Zensur. Ich halte seine Meinung für eine Katastrophe, würde aber uneingeschränkt dafür eintreten, dass Herr Pomerantsev diese seine Meinung verbreiten darf. Das schließt allerdings nicht aus, dass er meine Meinung ggf. wegregulieren würde, um nicht zu sagen: er würde meine Web-Site auch mal abschalten (lassen), so wie das mit der Seite von Herrn Wodarg (www.wodarg.com) passiert ist, vermutlich weil er das Corona-Virus für ungefährlich und deshalb alle Vorsichtsmaßnahmen für kontraproduktiv, ja für gefährlich hält.

Wie sich die Bilder gleichen: Mundschutz gleicht Maulkorb

Wodarg könnte Recht haben. Oder auch nicht. Jedenfalls spreche ich mit FreundInnen und Bekannten so, als sei das Corona-Virus gefährlich. Einer guten Freundin, die wegen ihres Alters und ihrer Asthma-Anfälligkeit zur sogenannten Risiko-Gruppe zählt, riet ich, sich vorsichtshalber vom Dienst in einem Altersheim freistellen zu lassen. Ich denke, wer hier etwas anderes rät, spielt mit dem Leben von Menschen; eine Meinung, die weder wahr noch falsch, aber alternativlos ist.

Ich vermisse solche Sätze in den Reihen unserer Widerstandskämpfer. Die glauben wie ihre politischen Gegner ganz offensichtlich, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.

Franz Witsch

www.film-und-politik.de

Quellen:

SPGel: Fake-News-Forscher Pomerantsev: Die Coronakrise ist auch eine Desinformationskrise“. Spiegel Online vom 04.04.2020

https://www.spiegel.de/kultur/peter-pomerantsev-ueber-fake-news-die-corona-krise-ist-auch-eine-desinformationskrise-a-a6333a7c-f997-43dd-87ae-5b62de590f1f

ZOnline: Pandemie: Corona-Falschmeldungen erreichen ein Millionenpublikum. SZ vom 10.04.2020. Von Simon Hurtz und Hannes Munzinger

https://www.sueddeutsche.de/medien/corona-falschmeldungen-youtube-facebook-1.4873470

T04: Franz Witsch. Operieren mit “gefühlten Wahrheiten”

http://film-und-politik.de/K14.pdf (S. 28-46)

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