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Leere Worte zu Lampedusa

Erstellt von IE am Mittwoch 9. Oktober 2013

„Ich habe gebetet, dass Gott Matin zu sich nimmt“

Jeder Bürger welcher zusieht wie ein Mensch vor seinen Augen hilflos ertrinkt, würde wegen unterlassener Hilfeleistung vor ein Gericht gestellt werden. Im Umkehrschluss bedeutet dieses dass die europäischen Politiker keine Bürger im bürgerlichen Sinn mehr sind, denn diese beschließen genau die Gesetze welche eine solche Rettung unter Strafe stellt. Es wäre also an der Zeit die Frage aufzuwerfen, inwieweit diese Herrschaften wegen der direkten Beihilfe, oder auch der Anstiftung zum Mord, im juristischen Sinne zu belangen wären.

Dieses gilt natürlich auch für die Vertreter der deutschen Politik welche, den Worten Horst Köhlers zu entnehmen, daran interessiert sind die Interessen der Wirtschaft im Ausland zu schützen. Welche aktiv dabei behilflich sind einen rund 14.000 km langen Schutzwall, auf teilweise auch außereuropäischen Boden zu installieren und so Europa zu schützen. Mit allen militärischen Equipment welches einem Industrieland heute zur Verfügung steht.

Es werden von unserer Regierung heute genau die Mittel angewandt welche sie früher der ehemaligen DDR zum Vorwurf machten. Die Deutschen C – Wähler gehen Sonntags weiter in die  Kirche, unterstützen in Wahlen die Doppelzüngigkeit der Politik, und kaufen ihr Gewissen durch die Spende von einen Euro in den Klingelbeutel frei. Wie lange sehen die Menschen noch diesen Verächtern von internaltionalen Menschenrechten tatenlos zu und finanzieren dieses mit ihren Steuergeldern?

Jedenfalls noch solange wie sie auf ihren Mallorca oder Gran-Canaria Urlauben nicht über angeschwemmte Leichen steigen müssen um dort an die weißen Strände zu gelangen. Sie nicht den ekeligen Geruch von verwesten Leichen mit ihren Nasen aufnehmen und sie ihre Kinder nicht der Gefahr ausgesetzt fühlen dass diese an den Leichengift Schaden nehmen könnten, da genau dort wo heute eine Sandburg gebaut wird, noch gestern das Leichenwasser in den weißen Sand versickerte.

Genau so sind viele Deutsche vollgefressene Durchschnittsbürger. Lampedusa ist ja so weit entfernt und das Fernsehen zeigt uns doch auch nur Szenen welche wir aus vielen Spielfilmen gewohnt sind.  Leider ist Lampedusa so weit von unserer Wirklichkeit entfernt wie es auch bei Afghanistan der Fall ist. Hier reagieren die Menschen nur auf Särge welche sie in einer langen Reihe vor sich stehen sehen müssen. Jeden Tag neue – nicht unter Zweihundert aus Afghanistan und von der Front am Mittelmeer? Welche sie vielleicht noch berühren möchten um zu fühlen, ob diese denn auch aus Holz gefertigt wurden.

So sehen wir dann am Abend die Politiker im Fernsehen, noch nicht einmal Krokodilstränen verdrückend und dürfen ihre aufgesetzte Empathie bewundern. Die Schuld für derartige Vorkommen haben wie immer, die Anderen. Die Schlepper, die Geschäftemacher, – also genau diejenigen denen durch die Politik erst die Türen als Einladung zu ihren Machenschaften mit den entsprechenden Gesetzen geöffnet wurden. Ähnlich wie die Regulierungen auf den Arbeitsmarkt.

So beabsichtigt die EU bis zum Jahr 2020 weitere 338 Millionen Euro zur Migrationsabwehr auszugeben, um so eventuell Schiffbrüchigen schneller helfen zu können. Eine politische Verarsche. So soll auch Libyen in die Sicherung der Grenzen Europas einbezogen werden. Die neuen Machthaber erklärten sich zur Beteiligung bereit. Zur Zeit wird mit Deutschen Waffenschmieden über den Kauf einer milliardenteuren sensorgestützten Grenzanlage verhandelt.

Da zu wenig Polizei in Libyen vorhanden ist, sollen die Anlagen von bewaffneten Rebellen im Süden des Landes als Grenzschutz-Miliz betrieben werden. Geliefert werden sollen auch Radar, Kameras, Drohnen und Hubschrauber. Auch auf die Nachbarländer wie Ägypten, Tunesien und Algerien soll nun ein entsprechender Druck aufgebaut werden, um diese Länder von ihren bisherigen Widerstand abzubringen. Das ist auch Merkel Politik welche wohl ohne Mauer und Zaun auf Dauer nicht leben kann.  Und der Deutsche Michel? Zieht die Schnarchkappe tiefer und schweigt.

Aber es besteht ja auch noch die Möglichkeit der Einigung unter den Anrainerstaaten. Wäre es nicht denkbar das sich die Armen gegen die Reichen eines Tages zusammenschließen werden. Wäre doch nicht das erste Mal das Deutsches Kriegsmaterial gegen die eigenen Leute eingesetzt wird. Also Ägypter und Afrikaner vereinigt euch. Zeigt den Idioten in Europa was eine Harke ist, denn mehr Mut als unsere Feiglinge hier, habt ihr allemal.

Hier ein Interview aus der heutigen TAZ:

„Ich habe gebetet, dass Gott Matin zu sich nimmt“

2011 kam der Ghanaer Johnson Takyi auf Lampedusa an, heute lebt er in Berlin. Seinem jüngeren Bruder riet er von der gefährlichen Passage über das Meer ab. Doch der fuhr trotzdem – und ertrank bei dem Schiffsunglück am vergangenen Donnerstag

INTERVIEW KONRAD LITSCHKO

Ein kleines Zelt auf dem Kreuzberger Oranienplatz, darin zwei Betten. Auf einem sitzt Johnson Takyi, er trägt eine graue Strickjacke, seine Füße ruhen nur in Socken auf einem kleinen Teppich, die Schuhe stehen vorm Zelt. Ein kleiner Fernseher läuft, tonlos. Seit sechs Monaten ist der 43-jährige Ghanaer Teil des seit einem Jahr währenden Flüchtlingsprotestcamps in Kreuzberg, mitten in Berlin. Am Wochenende hat Takyi erfahren, dass sein jüngerer, 32-jähriger Bruder Matin unter den mehr als 300 Toten des vor Lampedusa gesunkenen Flüchtlingsschiffs war. Takyi erzählt davon langsam und gedämpft, er knetet ein Kissen auf seinem Schoss. Seine Augen füllen sich immer wieder mit Tränen. Takyis Englisch ist schlecht, Zeltmitbewohner Abdullah und eine deutsche Helferin übersetzen.

taz: Herr Takyi, wie haben Sie von dem Unglück in Lampedusa erfahren?

Johnson Takyi: Ich habe es auf Al-Dschasira gesehen, auf meinem Fernseher hier. Die Nachricht tat mir sehr weh. Ich habe sofort daran gedacht, wie ich selbst vor zwei Jahren nach Lampedusa geflohen bin

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle   :    Während der von Frontex geführten Operation Triton im südlichen Mittelmeer rettet das irische Flaggschiff LÉ Eithne Menschen von einem überfüllten Boot.

2 Kommentare zu “Leere Worte zu Lampedusa”

  1. Red Adair sagt:

    Lieber Genosse Ingo!

    Es freut mich, dass wir hier unzweifelhaft einer Meinung sind. Allerdings werde ich mal wieder in meiner Einschätzung bestätigt, dass sich die vielen „linken Demokraten“, die sich hier so gerne über die Saar-Linken (mit Recht) das Maul verreißen, nichts zu den tatsächlichen Problemen der Menschheit zu sagen haben.

  2. Alfons Zitterbacke sagt:

    Wenn man auf DL liest oder schreibt, muss man lange noch kein „linker Demokrat“ sein.
    Wenn man auf DL nicht schreibt oder liest, hat man wohl eine Meinung zu den „tatsächlichen Problemen der Menschheit“.

    Provozieren ist leicht, Taten im wirklichen Leben sind schwerer zu reralisieren und viele tun dies, trotz aller Widrigkeiten.

    In diesem Falle „Lambedusa“ und zur gesamten Flüchtlingsfrage helfen keine warmen Worte, da ist nur ein dringliches Handeln angesagt, um die Probleme zu lösen. Aber ist dies überhaupt gewünscht?

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