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Kolumne Geburtenschwund

Erstellt von Redaktion am Sonntag 25. Februar 2018

Super, Deutschland schafft sich ab!

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Hier noch einmal die Satire des Deniz Yücel vom 5. August 2011, also zu Zeiten als die Deutsche Gesellschaft bereits Kanzler wie Konrad Adenauer (CDU, 1949-1963), Ludwig Erhard (CDU, 1963-1966), Kurt Georg Kiesinger (CDU, 1966-1969) Willy Brandt (SPD, 1969-1974), Helmut Schmidt (SPD, 1974-1982) Helmut Kohl, (CDU, 1982-1998) und Gerhard Schröder (SPD, 1998-2005 überlebt hatte, bevor diese auf die hohen Sockel der politischen Unsterblichkeit gestellt wurden. Die Bevölkerung überstand folglich Nazis, Kapitalgeier, Hamburger Schnauze und überlebte selbst die Birne und das Basta mit der Hilfe von reichlich Bier und Bratwürstchen – und diese nicht nur vom Grill.

Jetzt sogar eine Person welche in ihrem Amt zur Oma hätte werden können, wenn es ihr gelungen wäre ein wenig mehr als sich selbst auf zwei Füße zu stellen. Tatsächlich wird es aber immer als das Mädchen der Birne in Erinnerung bleiben, welche im dortigen Familienkreise, höchstwahrscheinlich gelernt hat den Saumagen mit Messer und Gabel zu verspeisen, um dann auch das abschließende Bäuerchen nicht zu vernachlässigen.

Es gelang sogar einen evangelen Pfarrer auf die Schienen zu stellen und die Weiche vom Friedensprediger zum Kriegsversteher zu verstellen. Aber was ist für Geld nicht alles machbar. So wurde dann aus einen armen Kirchenrentner ein Staatsscheich der kapitalistischen Welt und eine Satire entsprechend wertgeschätzt. Red. DL – IE.

Kokumne von Deniz Yücel vom 04.08.2011.

In der Mitte Europas entsteht bald ein Raum ohne Volk. Schade ist das nicht. Denn mit den Deutschen gehen nur Dinge verloren, die keiner vermissen wird.

Endlich! Super! Wunderbar! Was im vergangenen Jahr noch als Gerücht die Runde machte, ist nun wissenschaftlich (so mit Zahlen und Daten) und amtlich (so mit Stempel und Siegel) erwiesen: Deutschland schafft sich ab!

Nur 16,5 Prozent der 81 Millionen Deutschen, so hat das Statistische Bundesamt ermittelt, sind unter 18 Jahre alt, nirgends in Europa ist der Anteil der Minderjährigen derart niedrig. Auf je 1.000 Einwohner kommen nur noch 8,3 Geburten – auch das der geringste Wert in Europa.

Besonders erfreulich: Die Einwanderer, die jahrelang die Geburtenziffern künstlich hochgehalten haben, verweigern sich nicht länger der Integration und leisten ihren (freilich noch steigerungsfähigen) Beitrag zum Deutschensterben.

Volkssportarten Jammern und Ausländerklatschen

Noch erfreulicher: Die Ossis schaffen sich als Erste ab. Während im Westen die Zahl der Minderjährigen in den vergangenen zehn Jahren um 10 Prozent gesunken ist, ging sie im Osten um 29 Prozent zurück. Die Sandys, Mandys und Jacquelines pfeifen auf das neue deutsche Mutterkreuz („Elterngeld“) und tragen nach Kräften dazu bei, dass den ostdeutschen Volkssportarten Jammern, Opfersein und Ausländerklatschen in absehbarer Zeit der Nachwuchs ausgehen wird.

Woran Sir Arthur Harris, Henry Morgenthau und Ilja Ehrenburg gescheitert sind, wovon George Grosz, Marlene Dietrich und Hans Krankl geträumt haben, übernehmen die Deutschen nun also selbst, weshalb man sich auch darauf verlassen kann, dass es wirklich passiert. Denn halbe Sachen waren nie deutsche Sachen („totaler Krieg“, „Vollkornbrot“); wegen ihrer Gründlichkeit werden die Deutschen in aller Welt ein wenig bewundert und noch mehr gefürchtet.

Nun ist schon so manches Volk ohne das gewalttätige Zutun anderer von der Bühne der Geschichte abgetreten: Die Etrusker wurden zu Bürgern Roms, die Hethiter gingen im anatolischen Völkergemisch auf, die Skythen verschwanden irgendwo in den Weiten der Steppe.

Eine Nation, die mit ewiger schlechter Laune auffällt

Der baldige Abgang der Deutschen aber ist Völkersterben von seiner schönsten Seite. Eine Nation, deren größter Beitrag zur Zivilisationsgeschichte der Menschheit darin besteht, dem absolut Bösen Namen und Gesicht verliehen und, wie Wolfgang Pohrt einmal schrieb, den Krieg zum Sachwalter und Vollstrecker der Menschlichkeit gemacht zu haben; eine Nation, die seit jeher mit grenzenlosem Selbstmitleid, penetranter Besserwisserei und ewiger schlechter Laune auffällt; eine Nation, die Dutzende Ausdrücke für das Wort „meckern“ kennt, für alles Erotische sich aber anderer Leute Wörter borgen muss, weil die eigene Sprache nur verklemmtes, grobes oder klinisches Vokabular zu bieten hat, diese freudlose Nation also kann gerne dahinscheiden.

Apropos Sprache: Die Liste jener deutschen Wörter, die sich nicht oder nur mit erheblichem Bedeutungsverlust in andere Sprachen übersetzen lassen, illustriert, was der Welt mit dem Ableben der Deutschen verlustig ginge: Blitzkrieg, Ding an sich, Feierabend, Gemütlichkeit, Gummibärchen, Hausmeister, Heimweh, Kindergarten, Kitsch, Kulturkampf, Lebensabschnittsgefährte, Nachhaltigkeit, Nestbeschmutzer, Ordnungsamt, Querdenker, Realpolitik, Schlager, Spaßvogel, Tiefsinn, Torschlusspanik, Vergangenheitsbewältigung, Volksgemeinschaft, Weltanschauung, Wirtschaftswunder, Zwieback.

Welcher Mensch von Vernunft, Stil und Humor wäre betrübt, wenn diese Wörter und mit ihnen die ihnen zugrunde liegenden Geisteshaltungen verschwinden? Eben.

Mehr Zärtlichkeit für den Schäferhund als für die Sprache

Der Erhalt der deutschen Sprache übrigens ist kein Argument dafür, die deutsche Population am Leben zu erhalten. Denn der Deutsche und das Deutsche haben miteinander etwa so viel zu schaffen wie Astronomie und Astrologie. Oder besser noch: wie Lamm und Metzger. „Für seinen Schäferhund und seine Wohnzimmerschrankwand empfindet der Deutsche mehr Zärtlichkeit als für seine Sprache“, bemerkte Thomas Blum einmal. Im Interesse der deutschen Sprache können die Deutschen gar nicht schnell genug die Biege machen.

Nun, da das Ende Deutschlands ausgemachte Sache ist, stellt sich die Frage, was mit dem Raum ohne Volk anzufangen ist, der bald in der Mitte Europas entstehen wird: Zwischen Polen und Frankreich aufteilen? Parzellieren und auf eBay versteigern? Palästinensern, Tuvaluern, Kabylen und anderen Bedürftigen schenken? Zu einem Naherholungsgebiet verwildern lassen? Oder lieber in einen Rübenacker verwandeln?

Egal. Etwas Besseres als Deutschland findet sich allemal.

Quelle  :  TAZ

Deniz Yücels Texte und die AfD

Und dann gab es Stress

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Von Daniel Schulz

Wie es dazu kam, dass Deniz Yücel in der taz Deutschland den Untergang wünschte. Und warum die AfD das Gesicht dieses Deutschlands ist.

Der Deniz-Strom ging so: Text kommt, irgendwer im Ressort sagt: Das gibt Stress. Und dann gab es Stress. In der Redaktionskonferenz. Auf dem Treppenflur. In Leserbriefen. Das kann man nicht sagen. Schon gar nicht SO. Das beleidigt mich/jeden intelligenten Menschen/die Kinder. Ihr müsst den mal ein wenig einhegen. Oder: nicht mehr schreiben lassen.

Wir interessierten uns nicht sehr dafür, die Rechten zu ärgern, das machte die taz schon gut. Die Grenzen dessen weiten, was innerhalb der Linken besprochen werden kann und wer reden darf, das wollten wir bei taz zwei.

Deniz hat uns alle herausgefordert. Mich auch. Wenn er sich in „Deutschland schafft sich ab“ über das Aussterben der Ostdeutschen besonders freute, sich über Namen lustig machte, mit denen es Menschen schon in der DDR nicht leicht hatten, merkte ich: Das ist dir überhaupt nicht so egal, wie du möchtest, da war etwas, der Ossi in mir wollte zurückschlagen gegen diese Wessi-Arroganz, wollte beißen, wollte solche Texte aus dem Blatt werfen.

Quelle    :    TAZ       >>>>>       weiterlesen

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Grafikquellen  :

Oben   — Deniz Yücel

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