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Klimagipfel in Glasgow

Erstellt von DL-Redaktion am Mittwoch 10. November 2021

Mit Gewalt das Klima retten

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Wer das politische Pack wie Götter anbetet, hat aus den Religionen nichts gelernt.

Ein Schlagloch von Georg Diez

Was tun, wenn sich der friedliche Übergang zur postfossilen Welt als illusorisch entpuppt. Sollten nicht die, die die Natur zerstören, dafür bezahlen?

Wie hängen Hoffnung und Widerstand zusammen? Das habe ich mich gefragt, als ich die Berichte aus Glasgow von COP26 verfolgt habe. Wo sind hier Zeichen der Hoffnung? Und wenn sie enttäuscht werden, wenn nur weiter versprochen wird – gibt es, neben der Pflicht zur Hoffnung, von der Kant spricht, auch eine Pflicht zum Widerstand?

Es war Jamila Raqib, die mich hier auf die Spur brachte. Ich war mit ihr vor ein paar Tagen zum Interview verabredet. Sie ist die Direktorin der Albert Einstein Institution in Boston und Nachfolgerin des legendären Gründers Gene Sharp, der von Gandhi gelernt hatte, wie gewaltloser Widerstand geht.

„Die Zeit der Eskalation ist da“, sagte sie mit Blick auf den Klimawandel. Ich hatte das nicht erwartet. Natürlich gibt es schon länger Stimmen, die sagen, dass es nicht reicht, was Fridays for Future tun, demonstrieren, so wichtig das ist, Aufmerksamkeit schaffen, friedlich bleiben. Und auch Extinction Rebellion, die etwas weiter gehen in ihren Mitteln, haben sich von Gewalt im eigentlichen Sinn ferngehalten.

Ein Denker, der diese Frage – der Eskalation, des Widerstands, der Gewalt – schon seit einiger Zeit thematisiert, ist Andreas Malm, schwedischer Historiker und Autor eines Standardwerks über den „fossilen Kapitalismus“. Zuletzt veröffentlichte er in dichter Reihenfolge drei Bücher, die aufeinander aufbauend ein Konzept formulieren und die nächsten Schritte beschreiben, falls Veränderung, wie Greta Thunberg in Glasgow wieder sagte, nicht mit den gleichen Mitteln erwirkt werden kann und dem gleichen Denken, das die Probleme erst geschaffen hat.

Zeit für Widerstand

In „Klima/x“, „Wie man eine Pipeline in die Luft jagt: Kämpfen lernen in einer Welt in Flammen“ und „White Skin, Black Fuel: On the Danger of Fossil Fascism“ (gemeinsam mit dem Zetkin Collective) entwirft er das Programm eines „ökologischen Leninismus“, wie er es nennt, in Anlehnung an die Idee des Kriegskommunismus, mit dem Russland nach der Revolution und dem Ende des Ersten Weltkrieges radikal regiert wurde – durch Planwirtschaft und losgelöst von der Logik der Märkte.

Immer noch scheint es nicht angekommen zu sein, in was für ein Epochenereignis wir da längst hineinsteuern

Ich glaube, es ist gut, diese Gedanken ernst zu nehmen, die Verweise auf Faschismus, Krieg, Kommunismus, um die Dringlichkeit der Situation deutlich zu machen. Auch im umfassenden und konstruktiven Transformationskonzept des Green New Deal spielt die Referenz zum Zweiten Weltkrieg eine Rolle – damals konzipierte Roosevelt seinen New Deal und stellte die Wirtschaft radikal um, eine Art kapitalistische Planwirtschaft, wie sie auch heute von jungen Öko­no­m*in­nen vorgeschlagen wird.

Immer noch scheint es nicht angekommen zu sein, auch in der deutschen medialen Nichtbegleitung der Klimaverhandlungen von COP26 gerade in Glasgow, in was für ein Epochenereignis wir da längst hineinsteuern – und die Besprechung von Malms Werk durch den immer anregenden Historiker Adam Tooze in der London Review of Books sollte deshalb unbedingte Leseempfehlung sein, wie wir auf Twitter sagen, ein must read auch für die Ampel-Koalitionäre.

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Denn was genau, fragt Tooze, wäre etwa eine „sozialdemokratische Politik des Notstands“? Was also, außer dem üblichen Weiter-so und Wird-schon, kann die etablierte Politik anbieten? Wer den „ökologischen Leninismus“ zurückweist, so Tooze weiter, müsse selbst erklären, was die ­Logik des Handelns angesichts der Katastrophe ist. „Was sind die politischen Optionen, wenn wir allen Grund zur Annahme haben, dass wir nur noch sehr wenig Zeit haben?“

Freier Blick für neue Protestformen

Tooze, der das zentrale Buch über die Wirtschafts- und Finanzkrise geschrieben hat, ­„Crashed“, und gerade seine Bilanz der Corona-Weltwirtschaft veröffentlicht hat, „Shutdown“, weiß natürlich, dass es politische Optionen gibt, die einen friedlichen Übergang zur postfossilen und möglicherweise postkapitalistischen Welt ermöglichen – sein Anliegen, wie auch das von Malm, ist daher ein taktisches: Indem die Gewaltfrage gestellt wird, wird der Blick freier für die ­Widersprüche der gegenwärtigen Verhältnisse und auch Protestformen.

Quelle      :         TAZ-online           >>>>>          weiterlesen   

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Grafikquellen          :

Oben     —     Core G7 member leaders attending the 44th G7 Summit <a href=“https://en.wikipedia.org/wiki/44th_G7_summit“ rel=“nofollow“>en.wikipedia.org/wiki/44th_G7_summit</a> Left to right front row: Jean-Claude Juncker, Donald Tusk, Donald Trump, Justin Trudeau, and Angela Merkel. Back row: Theresa May, Emmanuel Macron, This caricature of Jean-Claude Juncker was adapted from a Creative Commons licensed photo from the <a href=“https://www.flickr.com/photos/eppofficial/12995014393/„>European People’s Party Flickr photostream</a>. This caricature of Donald Tusk is based on a Creative Commons licensed photo available from <a href=“http://commons.wikimedia.org/wiki/File:2014_-_Donald_Tusk_(1).jpg“ rel=“nofollow“>Wikimedia</a>. The body is adapted from a Creative Commons licensed photo from <a href=“https://www.flickr.com/photos/eastbookeu/6345196578/„>Anna Wozniak’s Flickr photostream</a>. The background is adapted from a Creative Commons licensed photo from <a href=“https://www.flickr.com/photos/primeministergr/5864372520/„>Antonis Samaras, Prime Minister of Greece’s Flickr photostream</a>. This caricature of Donald Trump was adapted from a photo in the public domain from <a href=“https://www.whitehouse.gov/people/donald-j-trump/“ rel=“nofollow“>the White House</a>. The body was adapted from a photo in the public domain from <a href=“https://www.army.mil/article/195774/medal_of_honor_awarded_to_capt_gary_m_rose_for_actions_in_laos“ rel=“nofollow“>the US Army</a>. This caricature of Justin Trudeau was adapted from a Creative Commons licensed photo href=“https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Trudeaujpg.jpg%22>available via Wikimedia. The body was adapted from a Creative Commons licensed photo from <a href=“https://www.flickr.com/photos/alexguibord/14578663236/„>Alex Guibord’s Flickr photostream</a>. The background was adapted from a Creative Commons licensed photo from <a href=“https://www.flickr.com/photos/neilghamilton/6854011317/„>Neil H’s Flickr photostream</a>. This caricature of Angela Merkel was adapted from a Creative Commons licensed photo by Dirk Vorderstraße <a href=“http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Angela_merkel_unna_2010.jpg“ rel=“nofollow“>available via Wikimedia</a>. The body is from a photo in the public domain <a href=“http://www.eucom.mil/article/24201/ila-2012-features-us-military-aircraft“ rel=“nofollow“>from the United States European Command</a>. This caricature of Theresa May was adapted from a Creative Commons licensed photo from <a href=“https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Theresa_May_(Sept_2017).jpg“ rel=“nofollow“>Wikimedia</a>. This caricature of Emmanuel Macron was adapted from a Creative Commons licensed photo from EU2017EE Estonian Presidency’s Flickr photostream: <a href=“https://www.flickr.com/photos/eu2017ee/36669381364/„>face</a> and <a href=“https://www.flickr.com/photos/eu2017ee/23522649118/„>body</a>. This caricature of Japanese Prime Minister Shinzo Abew as adapted from a photo in the public domain <a href=“http://en.wikipedia.org/wiki/File:Abe_Shinzo_2012_02.jpg“ rel=“nofollow“>available via Wikimedia</a>. This caricature of Giuseppe Conte was adapted from a photo released on Wikimedia for anyone to use for any purpose provided attribution is given to <a href=“https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Giuseppe_Conte_2.jpg“ rel=“nofollow“>Presidenza della Repubblica</a>.

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Unten      —     G20 summit policetroops

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